BPS-Magazin 03/11 - Urologenportal

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BPS

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Erklärung zur Zusammenarbeit

Wir stellen unsere Erfahrung zur Verfügung

zum Nutzen schwer betroffener Prostatakrebspatienten.

Unser Zusammenwirken soll die Therapie

des fortgeschrittenen Prostatakrebs verbessern.

Wir kooperieren in einem Medizinischen Kompetenznetz.

Prof. Hans Heinzer

Martini-Klinik Hamburg

PD Dr. Patrick Bastian

Urologische Klinik mit Poliklinik

Klinikum der

Universität München-Großhadern

PD Dr. Axel Merseburger

Medizinische Hochschule Hannover

Dr. Jörn Kamradt

Universitätsklinik des Saarlandes

Klinik für Urologie

Prof. Lothar Weißbach

Stiftung Männergesundheit

Dr. Frank vom Dorp

Universitätsklinikum Essen

Klinik für Urologie

PD Dr. Georg Bartsch

Klinikum der

Johann Wolfgang Goethe-

Universität Frankfurt am Main

Prof. Axel Heidenreich

Universitätsklinikum der RWTH Aachen

Klinik und Poliklinik für Urologie

Prof. Oliver Hakenberg

Universitätsklinikum Rostock

Urologische Klinik und Poliklinik

Walter Kämpfer

Bundesverband

Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.

Prof. Axel Haferkamp

Klinikum der

Johann Wolfgang Goethe-

Universität Frankfurt am Main

Prof. Kurt Miller

Charité Universitätsmedizin Berlin

Klinik für Urologie

Jens-Peter Zacharias

Bundesverband

Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.

Paul Enders

Bundesverband

Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.

Günter Feick

Bundesverband

Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.


Inhaltsverzeichnis

Heft 3, Dezember 2011

Editorial

Aktuell

Medizinisches Kompetenznetz fortgeschrittenes Prostatakarzinom

– Möglichkeiten zukunftsorientierter Gesundheitsforschung ........................3

Patienten fragen – Mediziner antworten ........................................................6

„Was hab´ ich“ – Medizinstudenten helfen Patienten online ........................7

Gesundheitspolitik

BDU startet Versorgungsforschung Urologie....................................................8

Amtsübergabe bei der Deutschen Gesellschaft für Urologie ........................9

Umsetzung der Onkologie-Vereinbarung ....................................................10

Interdisziplinärer Arbeitskreis Prostatakarzinom gegründet............................11

15 Jahre Nationale VersorgungsLeitlinien ® in Deutschland

– Viel erreicht aber auch noch viel zu tun ..................................................12

Diagnose und Therapie

Therapie des fortgeschrittenen kastrationsresistenten

Prostatakarzinoms (CRPCa)..........................................................................14

Aktuelle Studien beim hormonrefraktären Prostatakarzinom........................21

Spendenaufruf Studie DNA-Zytometrie ........................................................23

„PREFERE“- Studie soll 2012 beginnen..........................................................23

HIFU-Anwendungsbeobachtung bundesweit angelaufen ..........................24

Neue Informationen vom EAU 2011 zum Prostatakarzinom ........................26

Aus dem Bundesverband

„Patientenbeteiligung: Unser gutes Recht!“..................................................28

Nachruf Carl-Lotar Kühne ............................................................................29

Aus den Selbsthilfegruppen

SHG Heidekreis erneut erfolgreich ................................................................30

Selbsthilfegruppe Dresden besucht Vogtland-Klinik in Bad Elster ..................30

Berliner Seniorenwoche ................................................................................30

Fünf Jahre Prostatakrebs Selbsthilfegruppe Chemnitz und Umgebung ........31

Schluss mit dem Tabu ..................................................................................32

Neu im BPS ....................................................................................................32

Impressum:

Das BPS-Magazin wird

herausgegeben und verlegt vom

Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe

e.V., gemäß § 26 BGB durch folgende

Vorstandsmitglieder vertreten: Günter

Feick (Vorsitzender),

Walter Kämpfer (stv. Vorsitzender), Paul

Enders (stv. Vorsitzender)

Schriftleitung:

Günter Feick, Marlene Kühlechner

BPS Geschäftsstelle Gehrden

BPS e. V.

Alte Straße 4

30989 Gehrden

Telefon: 05108 9266-46

Fax: 05108 9266-47

BPS Geschäftsstelle Bonn

BPS e. V. im Haus der Krebs-Selbsthilfe

Thomas-Mann-Str. 40

53111 Bonn

Telefon: 0228 33889-500

Fax: 0228 33889-510

E-Mail: info@prostatakrebs-bps.de

Internet: www.prostatakrebs-bps.de

Erscheinungsweise: 3 x jährlich

(April, September, Dezember)

Druck:

C.V. Engelhard

Weidendamm 10

30167 Hannover

Bankverbindung:

Sparkasse Hannover:

Konto-Nummer 70 20 100

Bankleitzahl 250 501 80

Spendenkonto:

Sparkasse Hannover:

Konto-Nummer 70 20 621

Bankleitzahl 250 501 80

Eingetragen im Vereinsregister Bonn:

VR-Nr. 7824

Gemeinnützigkeit durch

FA Hannover-Land I: 23/210/04694

Der Bundesverband Prostatakrebs

Selbsthilfe e.V. wird unterstützt durch

die Deutsche Krebshilfe e. V. Er finanziert

seine Arbeit darüber hinaus durch

Spenden.

Die Spenden sind abzugsfähig im

Sinne des § 10 des Einkommen -

s teuergesetzes.

Unter der Schirmherrschaft der

Deutschen Krebshilfe e.V.

Titelseite: Grafik S. Arends

Fotos: RWTH Aachen (S. 6), BDU (S. 8), DGU (S. 9, S. 23), Bertram Solcher (S. 10), DKH (S. 28),

Jürgen Treiber, Pixelio.de (S. 29), sonstige privat

Mitglied im Paritätischen

Wohlfahrtsverband

Hinweis: Erfahrungsberichte/Leserbriefe geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder.

Die Redaktion behält sich vor, sinnwahrende Kürzungen vorzunehmen.

Nutzen Sie auch das Informationsangebot im Internet:

www.prostatakrebs-bps.de

forum.prostatakrebs-bps.de

Mitglied in der BAG

Selbsthilfe


Editorial

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

das theoretische Fundament moralischer Verantwortung

der Ärzte sind die Normierungen der Ethik unserer Gesellschaft

und im Besonderen die Werte der Medizinethik. Mit

dem Genfer Ärztegelöbnis ist eine zeitgemäße Version

des Eids des Hippokrates entstanden. Es enthält diese

Kernelemente:

• der Menschlichkeit dienen

• mit Gewissenhaftigkeit und Würde den Beruf ausüben

• Gesundheit der Patienten ist das oberste Gebot

• alle anvertrauten Geheimnisse wahren

• alle Patienten gleich behandeln

• Kolleginnen und Kollegen sollen Schwester und Brüder

sein.

Ihre Akzeptanz ethischer Werte sollen Ärzte erkennbar

machen durch:

• Aktive Prozesse des Mitgefühls bei der Fürsorge und Hilfeleistung

für Patienten

• Aufklärung über Wirkung und Nebenwirkung einer Therapie

und über die Prognose der Krankheit in laienverständlicher

Form

• Gemeinsame Entscheidungen von Arzt und Patient

und Respekt vor der Autonomie des Patienten

• Verantwortungsvolle Ressourcennutzung.

In der öffentlichen Wahrnehmung wird Moral bedrängt

durch eine Handlungsorientierung zum Wettbewerb –

besser, schneller, größer, billiger als andere. Mögliche

Verformungen der Moral können auch an der Kom -

plexität der Wertorientierung liegen, die eine kompetente

Auseinandersetzung mit Wert- und Normsystemen

erschweren. Moralisches Handeln, zu dem die Uneigennützigkeit

gehört, ist anspruchsvoll und an Erkenntnis

gebunden. „Der einzige Grund, uneigennützig zu handeln,

ist die Erkenntnis des Eigenen im Anderen – das ist

Mitempfinden.“ (Schopenhauer)

Kann das Genfer Ärztegelöbnis konkreter gefasst, besser

verständlich werden

Ich meine ja. Zu guter Medizin müssen evidenzbasierte

Therapien und Prüfung ihrer Ergebnisse gehören. Obwohl

Ärzte nicht ausdrücklich klagen über zu wenig Dokumen-

tation, sind ihre Mittel und Methoden der Qualitätssicherung

begrenzt. In der Vergangenheit haben Organe der

Selbstverwaltung und andere Akteure im Gesundheits -

system die Bedeutung der Qualitätssicherung unterbewertet.

Dies scheint sich zu ändern, und ich verstehe das

als einen verantwortlicheren und moralischeren Umgang

mit Pati enten und Mitteln des Gesundheitswesens.

Gehört zur moralischen Verantwortung des Arztes die

Beteiligung an der Forschung

Beteiligung an der Forschung mit Willen zur Kooperation

und zur schnellen Übertragung ihrer Ergebnisse in die Praxis

gehören für mich zur ärztlichen Ethik und Moral. Den

Willen zu guter, Patienten relevanter Forschung unterstelle

ich, aber seine Umsetzung ist noch nicht ausreichend

erkennbar. Deshalb haben der BPS und seine Partnerverbände

im Haus der Krebs-Selbsthilfe die deutschen

Abgeordneten des Europaparlaments angeschrieben

und sie um ihre Unterstützung einer Deklaration für die

koordinierte Krebsforschung gebeten. Im Februar wurde

die Deklaration von einer Mehrheit des Europäischen Parlaments

gezeichnet. Die Umsetzung der Deklaration wird

zu kostengünstiger schnellerer und besserer Forschungsergebnisse

führen.

Welche Verantwortung haben Ärzte für psychosoziale

Aspekte der Therapie

• Was macht Ihnen die größten Sorgen

• Haben Sie ausreichende Informationen über Ihre

Erkrankung

• Benötigen Sie Informationen über Sport, Ernährung und

Psyche

Diese Fragen zu stellen und zu helfen, ist für mich Teil

der Medizinethik. Unmoralisch wäre es, wenn Ärzte

Gespräche mit Patienten so führten, dass sie Unverständnis

erzeugen und auf Desinteresse an den psychosozialen

Begleitfaktoren einer Erkrankung schließen lassen.

Eine gute Arzt-Patienten Beziehung hat Einfluss auf

Gesundungswillen und Behandlungserfolg, weil der

Patient kooperiert, ärztliche Ratschläge befolgt, und der

Arzt wichtige Informationen von seinem Patienten erhält.

BPS-Magazin 3/2011

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Gleichheit und Gerechtigkeit in der Behandlung der

Patienten

Die Entscheidung, ob eine Behandlung wegen ihrer

Kosten in Betracht kommt, sollte ein Arzt nicht fällen. Es

müssen Indikation, Wirkung, Nebenwirkung der Behandlung

und die Entscheidung des Patienten den Ausschlag

geben. Auch ein Konzil mehrerer Ärzte sollte keine andere

Entscheidungsgrundlage wählen, so lange die Priorisierung

kein gültiger, ethisch gesicherter Prozess im deutschen

Gesundheitswesen ist. Die Priorisierungs- und

Rationierungsdebatte ist in anderen Ländern weiter

fortgeschritten als in Deutschland. Das schwedische Parlament

z.B. hat 1997 Richtlinien zur Priorisierung verabschiedet.

Darin sind drei ethische Prinzipien für alle künftigen

Priorisierungsentscheidungen festgelegt worden:

• Alle Menschen seien gleich an Wert und Würde

• Ressourcen sollen nach Bedarf und Solidarität verteilt

werden

• Die Kosteneffizienz aller Maßnahmen ist zu berücksichtigen.

In Schweden stand diese Diskussion nicht unter dem Verdacht

der ungerechten Rationierung per Gesetz. Die Eingrenzungen

wurden eher als Teil neuer Leitlinien für die

Behandlung bestimmter Krankheiten aufgefasst. Das

bedeutet, alle Bürger in Schweden sind betroffen, während

in der deutschen Diskussion vor allem von gesetzlich

Versicherten die Rede ist, deren Kosten begrenzt werden

müssen.

Fazit

Die Aufgaben des Arztes sind gut definierbar im Sinne

seiner ethischen und moralischen Verantwortung. Der Eid

des Hippokrates und das Genfer Ärztegelöbnis sind tragende

Fundamente. Unsere Gesellschaft besitzt Prozesse

für die Zusammenarbeit von Ärzten und Patienten. Sie

zu nutzen und weiterzuentwickeln ist wichtig im Kontext

der Normierungen ärztlicher Ethik und Moral.

Ihr

-Vorsitzender-

Der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe bedankt sich

herzlich für ein weiteres Jahr guter Zusammenarbeit

und wünscht Ihnen für das neue Jahr

Gelingen und Glück in allen Bereichen und Lebenslagen.

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Aktuell

Medizinisches Kompetenznetz fortgeschrittenes

Prostatakarzinom – Möglichkeiten zukunftsorientierter

Gesundheitsforschung

Von Professor Dr. med. Axel Heidenreich

Direktor der Klinik für Urologie, Universitätsklinikum Aachen

Das Prostatakarzinom (PCA) ist in Deutschland mit ca.

65.000 Neuerkrankungen pro Jahr der häufigste bösartige

Tumor des Mannes.

Diagnostik und Therapie organbegrenzter und auch

lokal fortgeschrittener, nicht systemisch metastasierter PCA

sind mittels zunehmender Anwendung der deutschen und

europäischen Leitlinien relativ standardisiert. Beim fortgeschrittenen

metastasierten und kastrationsresistenten PCA

ist die Anwendung leitliniengerechter diagnostischer und

therapeutischer Verfahren weniger häufig feststellbar. Die

11 Krebsregister der Gesellschaft der epidemiologischen

Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID) zeigen, es existiert

keine belastbare Datenlage zur bildgebenden Diagnostik

sowie zur medikamentösen, systemischen Erst- und Zweitlinientherapie

des fortgeschrittenen PCA. Über die therapeutischen

Primärverfahren, Alternativmethoden, ihrer

Häufigkeit, Sequenz und Ergebnisse sind keine Daten verfügbar.

Aber gerade hier wäre eine Datenerfassung und

darauf basierende Forschung von großer medizinischer

Bedeutung, um die Praxis ärztlicher Versorgung (z.B. Cholin-PET/CT

Diagnostik, metronomische Chemotherapie,

etc.) zu werten und Patienten wissenschaftlich abgesicherte

Empfehlungen geben zu können.

Die Behandlung des fortgeschrittenen, kastrationsresis -

tenten PCA ist heute noch eine schwere Herausforderung.

Es gibt keine kurativen Therapieoptionen und Behandlungen,

die nicht von einer hohen Nebenwirkungsfrequenz

begleitet werden könnten. Trotz therapeutischer Bemühungen

versterben jährlich ca. 10.000 Männer am PCA.

Medizinische Kompetenznetze

Effiziente Gesundheitsforschung auf hohem Qualitätsniveau

ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für Fortschritte

in der medizinischen Versorgung. Die nicht zufrieden

stellende Datenlage für das fortgeschrittene PCA ist

ein wesentlicher Grund für unzureichende Behandlungsfortschritte.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung

(BMBF) hatte in den Jahren 1999 – 2007 die Bildung

so genannter Medizinischer Kompetenznetze mit

225 Millionen € gefördert. In den Jahren 2008 – 2020 ist

eine Fördersumme von weiteren 300 Mio. € vorgesehen.

Medizinische Kompetenznetze sollen auf Erkrankungen

fokussiert sein, die durch hohe Häufigkeit, hohe Sterblichkeit

und für die Gesellschaft hohen Kosten gekennzeichnet

sind. Zielsetzung der medizinischen Kompetenznetze

ist die innovative, multidisziplinäre, vertikale und horizontale

Gesundheitsforschung. In ihnen sollen Ärzte unterschiedlicher

Fachrichtungen in Kliniken und Praxen,

Grundlagenwissenschaftler und Patientenselbsthilfeorganisationen

gemeinsam, koordiniert und kooperativ an

der Verbesserung der Patientenversorgung arbeiten.

Mit dem Willen die Versorgung der Patienten mit fortgeschrittenem

PCA zu verbessern, trafen sich am 16. September

2011 Vertreter urologischer Universitätsklinika und

BPS-Magazin 3/2011

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Vertreter des Bundesverbands Prostatakrebs Selbsthilfe

e.V. (BPS) im Rahmen des Jahreskongress der Deutschen

Gesellschaft für Urologie, um den Aufbau eines medizinischen

Kompetenznetzes zu besprechen. Einvernehmlich

wurde verabredet die Einrichtung eines medizinischen

Kompetenznetzes durch Bündelung personeller, materieller

und forscherisch-technischer Ressourcen bis zum

Jahre 2013 aktiv, zielgerichtet, institutsübergreifend und

interdisziplinär voran zu treiben. Dieser Konsensus wurde

durch die Teilnehmer des Initiierungstreffens schriftlich

dokumentiert (Titelseite) und enthält folgende Elemente

der Zusammenarbeit:

• Wir stellen unsere Erfahrung zum Nutzen schwer

betroffener Prostatakrebspatienten zur Verfügung.

• Unser Zusammenwirken soll die Therapie des fortgeschrittenen

Prostatakrebs verbessern.

• Wir kooperieren in einem Medizinischen Kompetenznetz.

Zu grundlegenden Elementen medizinischer Kompetenznetze

gehören Untersuchungen offener klinischer Fragestellungen

durch institutsübergreifende Datenbanken

an möglichst homogenen Patientenkollektiven mit gezielten

Fragestellungen und einheitlicher Dokumentation der

Krankheitsverläufe. Ein weiteres wesentliches Element

medizinischer Kompetenznetze sind klinische Studien zur

Bewertung und Empfehlung neuer diagnostischer und

therapeutischer Verfahren. Eine klinikübergreifende

Grundlagenforschung soll verschiedene Verfahren und

Techniken bündeln und zu zielgerichteter Forschung an

den molekularen Ursachen der Entstehung, Progression

und Prognose des PCA beitragen.

Um die Grundlage für die BMBF-Förderung eines medizinischen

Kompetenznetzes zu schaffen, sollen die folgenden

wissenschaftlichen Zwischenschritte realisiert werden:

a) Versorgungsforschung etablierter und alternativer

Therapieoptionen

Die derzeitige Behandlung der Patienten mit fortgeschrittenem

PCA ist nicht nur in der Urologie sondern auch in

der Onkologie limitiert durch die zumeist angewendete

klassische Abfolge der Therapien – hormonelle Monotherapie,

hormonelle Kombinationstherapie, Chemotherapie.

Alternative Behandlungsoptionen werden größtenteils

aus Unsicherheit nicht angeboten bzw. nicht befürwortet.

Dies geschieht nahezu immer mit dem Hinweis, in

der Literatur gebe es zu wenige Daten aus groß angelegten

klinischen Studien oder breit angelegten Fall-Kontroll-Studien.

Die klinische Erfahrung zeigt jedoch, derzeit kann eine

Vielzahl von Therapieverfahren effektiv sein (Ketokonazol/Hydrokortison

oder Sandostatin/Dexamethason,

Cyclophosphamid/Etoposid/Estramustinphosphat). Sie

werden aufgrund der geringen Datenmenge nicht anerkannt

und von den Krankenkassen nicht finanziert.

Demzufolge sollte im ersten Schritt eine Studie der Versorgungsforschung

realisiert werden, in der die aktuellen

Standardverfahren und die angewendeten alternativen

Verfahren bezüglich ihrer onkologischen Effektivität im

Falle einer Progression der Erkrankung erfasst werden. Zur

Realisierung des Projektes wird ein Drittmittelantrag gestellt

werden, dessen erste Fassung bereits vorliegt. Der Titel des

Projektes könnte lauten „Häufigkeit, Effektivität und Pharmakoökonomie

alternativer medikamentöser Therapieverfahren

bei Patienten mit einem fortgeschrittenen Prostatakarzinom

nach Versagen primärer Hormontherapie“.

Dieser Ansatz schließt dezidiert alle Patienten ein, die

nach irgendeiner Form der Hormontherapie (LHRH-Analoga,

LHRH-Antagonisten, Antiandrogene) einen PSA-Progress

erleiden.

Informationen über die Therapieverfahren sollen für alle

teilnehmenden Patienten und Ärzte online-basiert in der

Plattform „www.fokus-mensch.net“ (Benutzerkennung:

ukaachen, Passwort: onkotv) dokumentiert werden. Unterschiedliche

Therapieformen könnten dann in geeigneter

Zuordnung, gleicher oder ähnlicher Therapieprinzipien,

hinsichtlich therapeutischer Effektivität (PSA-Abfall, Wirkdauer,

Rückbildung von Metastasen, Schmerzreduktion,

Verbesserung der Lebensqualität, Auftreten von Nebenwirkungen,

etc.) gebündelt und ausgewertet werden. In

die Auswertung fließen auch alle Therapien vorangegangener

Behandlungen (medikamentöse Therapie, Prostatektomie,

Strahlentherapie, etc.) ein, als auch die Biopsiebefunde.

b) Studie zu Prognosefaktoren der Therapiemethoden

Im Rahmen dieser Studie sollte versucht werden, durch

synchrone und koordinierte Forschung molekulare Marker

zu identifizieren, die mit dem Ansprechen oder auch fehlendem

Ansprechen auf die in Schritt 1 ausgewerteten

Therapieformen vergesellschaftet sind. Hier wären entsprechende

Analysen von Biomaterialien (Serum, Urin,

4 BPS-Magazin 3/2011


Gewebe) sinnvoll, die nach einheitlichen Standards asserviert

werden müssen. Es wären zudem Marker der neuroendokrinen

und kleinzelligen Differenzierung des Prostatakarzinoms

zu analysieren. Die Gewebeuntersuchungen

könnten durch Tissue MicroArrays und GeneChips erfolgen.

Hierzu sollten die verschiedenen Methoden der

Grundlagenforschung der teilnehmenden Kliniken erfasst

werden, um einen Überblick über die angewendeten

Methoden zu erhalten.

c) prospektive klinische Studien

Sind auf dem Boden der beiden oben genannten Schritte,

sinnvolle, klinisch anwendbare Prognosemarker identifiziert,

ist es Ziel der Arbeitsgruppe mit der Industrie und

den Versicherungen in Kontakt zu treten, um klinische Studien

auf den Weg zu bringen. In Abhängigkeit von den

erzielten Ergebnissen unter Punkt „a“ könnten medikamentöse

Therapieansätze mit dem potentiell größten

Nutzen identifiziert werden.

d) Versorgungsforschung zur bildgebenden Diagnostik

nach lokaler kurativer Therapie

In der Diagnostik der PSA-Progression nach lokaler Primärtherapie

mit kurativer Intention (radikale Prostatektomie,

Brachytherapie, externe Strahlentherapie) werden derzeit

eine Vielzahl von bildgebenden Untersuchungsverfahren

angewendet, ohne dass die Zielsetzung und der Nutzen

der Diagnostik in Bezug auf Therapieplanung und therapeutisches

Ergebnis bekannt sind. Mit einer Erfassungsstudie

sollen möglichst viele Informationen über die von Urologen

in Klinik und Praxis angewendeten Verfahren hinsichtlich

diagnostischen und therapeutischen Nutzens

gesammelt werden. Diese Studie in einen Drittmittelantrag

einbringen und für alle Teilnehmer einreichen wird

das Uniklinikum Aachen.

e) Harmonisierung der Grundlagenforschung

An teilnehmenden Kliniken und Institutionen verfügbare

Techniken der Grundlagenforschung sollen aufeinander

abgestimmt werden. Hierzu wurde ein Schema an alle

Projektteilnehmer versendet, welches die Kernelemente

und Kerntechniken erfasst. Mit der Kenntnis der insgesamt

verfügbaren Techniken kann eine Forschung zielgerichtet,

zeitgleich und kostensparend realisiert werden.

f) Workshop der teilnehmenden Zentren

In Kürze ist ein eintägiger Workshop geplant, in dem die

wesentlichen offenen klinischen und basiswissenschaftlichen

Fragestellungen des fortgeschrittenen sowie des

kastrationsresistenten PCA definiert werden sollen. Zudem

sollen einheitliche Verfahrensanweisungen für die Asservierung

von Biomaterialien (Serum, Urin, Gewebe) im Konsens

verabschiedet werden, um eine saubere Biomaterialienbank

zu etablieren, die für eine einheitliche institutsübergreifende

Forschung genutzt werden kann.

g) Bildung eines Kompetenznetzes

Mit der Bearbeitung der Punkte a bis f sollen Forschungsanträge

definiert werden und der Antrag für die Förderung

eines Kompetenznetzes fortgeschrittenes PCA beim

Bundesministerium für Bildung und Forschung bis zum

Januar 2013 gestellt werden.

Zusammenfassung und Perspektive

Die beteiligten Kliniken und der BPS haben sich ein großes,

und in dieser Form in Deutschland noch nicht realisiertes

Ziel der patienten- und krankheitsorientierten Forschung

gesetzt. Wir hoffen, dass die während des Initiierungstreffens

am 16. September 2011 spürbare Motivation und

der Enthusiasmus auch in der arbeitsintensiven Phase der

Projektrealisierung tragen wird.

Schon jetzt werden alle Mitglieder des BPS gebeten, das

im Absatz a beschriebene Projekt der online-basierten

Versorgungsforschung durch Ankündigungen in den lokalen,

regionalen und nationalen Selbsthilfegruppetreffen

nach besten Kräften zu unterstützen. Teilnehmer außerhalb

Deutschlands können ebenfalls ihre Daten mitteilen.

Korrespondenzadresse

Professor Dr. med. Axel Heidenreich

Direktor der Klinik für Urologie

European Board of Urology Certified Training Centre

DVPZ zertifiziertes EURO Prostatazentrum Aachen

Akkreditiertes Zweitmeinungszentrum Keimzelltumoren

Universitätsklinikum Aachen

Pauwelsstr. 30

52074 Aachen

BPS-Magazin 3/2011

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Patienten fragen – Mediziner antworten

Neue Rubrik im BPS-Magazin

Red. (mk): Ab dieser Ausgabe des BPS-Magazins beantworten Ärzte Fragen von Patienten zur Diagnose und

Therapie des Prostatakrebses. Ihre Fragen können Sie per Brief oder Fax an die BPS-Geschäftsstelle in Gehrden

senden, oder per E-Mail an Frau Kühlechner: marlene.kuehlechner@prostatakrebs-bps.de.

Patient: Sollte ich eine neue Therapie jetzt beginnen

und welche Therapieform sollte es sein

Befund meiner Voruntersuchung: Prostatakarzinom pT2a,

Nx, Mx, G3, RO, L1, VO, Gleason-Wert 4+4=8

Therapie: Radikale, perinealen beiderseits nervschonende

Prostatovesikulektomie. Nach 4-wöchiger Rehabilitation

PSA-Wert etwas über 1 ng/ml. Entfernung der Lymphknoten.

Ergebnis: kein Befall. Durchführung einer Strahlentherapie

mit gleichzeitiger zweimaliger Hormonbehandlung.

Neuer PSA-Wert 0,004 ng/ml, danach ansteigender

Wert auf 3,3 ng/ml. Teilnahme einer Studie mit

modifiziertem Citruspektin in der Tumorbiologie Klinik,

Freiburg im Breisgau. Nach PSA-Anstieg auf 4,7 ng/ml,

Röntgenuntersuchung in Nuklear Medizinischen Praxis.

Ergebnis: noch kein Nachweis eines makroskopischen

Tumorwachstums.

Aus unserem Expertengremium

antwortet dieses mal

Prof. Dr. med. Axel Heidenreich,

Direktor Klinik und Poliklinik

für Urologie, Universitätsklinikum

der RWTH

Aachen:

Aufgrund der vorliegenden

Befunde zeigt sich bei Ihnen ein

kontinuierlicher Anstieg des PSA-

Wertes auf 4,7 ng/ml. Eine aktive Therapie im Sinne einer

Hormontherapie oder einer anderen Behandlung erfolgt

derzeit nicht. Der steigende PSA-Wert ist trotz des fehlenden

Bild gebenden (ich nehme an, dass ein Cholin-

PET/CT durchgeführt wurde) Nachweises von Metastasen

als verdächtig für das Vorliegen von so genannten Mikrometastasen

zu sehen.

Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass bei Ihnen

zum Zeitpunkt der Operation ein entdifferenziertes Prostatakarzinom

vorlag und der PSA-Wert nach der Operation

nicht in den Bereich von 0 ng/ml abgesunken ist, sollte

über eine medikamentöse Therapie zum jetzigen Zeitpunkt

nachgedacht werden.

Aktuelle Studien zeigen, dass bei Patienten mit einem

Gleason Wert von 8-10 und/oder einer PSA-Verdopplungszeit

< 12 Monate eine frühzeitige Hormontherapie

bei PSA-Werten von 4-5 mit einer deutlichen Verlängerung

der Zeit bis zur Entwicklung von Metastasen verbunden

ist.

Als Therapie kann bei Ihnen zum einen die Stan -

dardtherapie im Sinne der Gabe von LHRH Analoga

(3-Monatsdepotspritzen) eingeleitet werden. Die erste

Bestimmung des PSA- und des Testosteronwertes sollten

vier Wochen nach Beginn der Therapie erfolgen. Die Therapie

sollte zunächst über einen Zeitraum von sechs

Monaten fortgesetzt werden. Abhängig von der Höhe

des PSA-Wertes kann dann über eine intermittierende

oder eine kontinuierliche Hormontherapie entschieden

werden. Zum anderen könnten Sie an einer bei uns

durchgeführten prospektiven Studie mit dem neuen Hormonpräparat

MDV-3100 teilnehmen, das in Tablettenform

eingenommen wird.

Informationsbroschüren

Der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe hält

ein reichhaltiges Angebot an Patientenbroschüren

vor. Diese erhalten Sie kostenlos über die

Geschäftsstellen Bonn und Gehrden.

6 BPS-Magazin 3/2011


Medizinstudenten helfen Patienten online

Von Johannes Bittner

Wer kennt das nicht: Man ist beim Arzt, bekommt sei -

nen Befund mitgeteilt und versteht kaum, worum es

eigentlich geht. Das Internet-Portal „Was hab' ich“

(https://washabich.de) schafft Abhilfe: hier werden seit

dem 15. Januar 2011 medizinische Befunde in eine für

Laien leicht verständliche Sprache „übersetzt“.

Die Funktionsweise des Portals, das von zwei Dresdner

Medizinstudenten und einem Trierer Software-Entwickler

gegründet wurde, ist simpel: Nutzer laden unter der Web-

Adresse https://washabich.de ihren medizinischen Be -

fund anonym hoch oder senden ihn per Fax ein. Die

Übersetzung wird innerhalb weniger Tage von einem

Team aus 280 Medizinstudenten höherer Semester

erstellt. Bei komplexen Befunden stehen den Studenten

ein 42-köpfiges Ärzteteam sowie zwei Psychologen beratend

zur Seite. Der Nutzer kann die Übersetzung meist

innerhalb weniger Tage passwortgeschützt online abrufen.

So können Patienten den ärztlichen Befund und die

sich daraus ergebenden Folgen besser einschätzen –

und das teilen sie auch mit: „Jetzt ist es mir möglich, die

Sprache der Ärzte besser zu verstehen und durchdachte

Entscheidungen für mich zu treffen“, schreibt ein Nutzer in

seinem Feedback.

„Die Idee zum Projekt basiert auf der Tatsache, dass

Patienten immer mündiger werden und sich an ärztlichen

Entscheidungen beteiligen wollen“, erklärt Ideengeberin

Anja Kersten, „viele Menschen suchen im Internet

nach Hilfe und sind durch die Flut an Gesundheits -

informationen oft völlig überfordert.“

Mit „Was hab' ich“ soll dem Nutzer eine individuelle und

qualitativ hochwertige Hilfestellung gegeben werden, die

natürlich keinen Arztbesuch ersetzt, aber eine gute Grundlage

für zukünftige ärztliche Gespräche darstellt.

Der Clou: „Was hab' ich“ ist und bleibt für alle Nutzer

kostenlos, denn die Mediziner arbeiten ehrenamtlich für

das Projekt und bereiten sich damit engagiert und praxisnah

auf ihr Berufsleben vor. „Wer einen medizinisch

komplexen Sachverhalt verständlich erklären kann, der

hat ihn auch selbst verstanden. Mit Hilfe der Befund-Übersetzungen

lernen sogar einige unserer Studenten für ihr

Staatsexamen“, so Johannes Bittner, selbst Medizinstudent

und Mitgründer des Portals.

Das Mediziner-Team konnte bereits mehr als 3.300

Patienten weiterhelfen. Inzwischen werden bei „Was hab'

ich“ wöchentlich 150 medizinische Dokumente in ausführlicher

Weise und mit hoher Qualität übersetzt. Ansgar

Jonietz, Informatiker und technischer Leiter des Projekts,

weiß über die Wichtigkeit des Datenschutzes: „Wir erheben

bei Einsendung des Befundes nur die wirklich notwendigen

Daten. Die Übertragung erfolgt natürlich über

eine sichere Verbindung.“ Seitens der Patienten ist die

Nachfrage so groß, dass zeitweise ein virtuelles Wartezimmer

für die Pufferung der Einsendungen sorgen muss.

Für den nachhaltigen Fortbestand des Projekts soll

zukünftig unter anderem ein Förderverein sorgen. Aber

auch freiwillige Spenden an die jeweiligen Übersetzer

sind eine Anerkennung für die ehrenamtlichen Helfer:

Fast jeder Dritte nutzt diese Möglichkeit und unterstreicht

damit die Wichtigkeit einer patientenfreundlichen Kommunikation.

Korrespondenzadresse

Johannes Bittner

washabich.de

Netzmanufaktur GmbH

Gilbertstraße 21

54290 Trier

Telefon: 0351 418890-13

Telefax: 0351 418890-19

E-Mail: j.bittner@washabich.de

BPS-Magazin 3/2011

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Gesundheitspolitik

BDU startet Versorgungsforschung Urologie

Von Dr. med. Axel Schroeder

Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V.

Anlässlich des 2. Urologischen Sommerforums in Kampen/Sylt

lud der Bund der Urologen e.G. (BUND) in

Zusammenarbeit mit dem Berufsverband der Deutschen

Urologen e.V. (BDU) zu einer Kick-off Veranstaltung

„Versorgungsforschung“ ein.

Der Veranstalter des Urologischen Sommerforums/Sylt,

der BUND e.G., wird künftig schwerpunktmäßig seine Veranstaltung

der urologischen Versorgungsforschung widmen.

Neben Zweck und Zielen urologischer Versorgungsforschung

waren die Definition des Begriffes sowie eine

Bestandsaufnahme Themen dieses Treffens. Vertreter

verschiedener Verbände wie des Dachverbands der

Prostatazentren e.V. (DVPZ), der Interessenvereinigung

Qualität in der Uro-Onkologie e.V. (IQUO), der Stiftung

Männergesundheit, des Netzwerks Urologischer Kliniken

e.V. (NUK), des Urologischen Centrums München AG

(UCM), dem Bund der Urologen und des Berufsver bands

der Deutschen Urologen mit dem Ausschussvorsitzenden

Dr. Bernt Göckel-Beining (Ausschuss für Evidenzbasierte

Medizin) stellten ihre Positionen und bisherigen Aktivitäten

zu diesem Thema vor.

Ziel der Versorgungsforschung in der Urologie ist es, die

Realität der Versorgungssituation in Praxis und Klinik abzubilden,

um daraus Erkenntnisse in Qualität, Leistung und

Finanzbedarf zu gewinnen sowie daraus Verbesserungspotentiale

zu formulieren und mit diesen auf harten

Daten basierenden Fakten u.a. berechtigte Forderungen

an Politik und Kostenträger zu erheben. Daraus ergibt sich

die Stärkung der Bedeutung unseres Fachgebiets und ein

wesentlicher Beitrag zur Zukunftssicherung.

Der BUND wird dieses Projekt unter Moderation des BDU

und Steuerung durch die Initiativgruppe ent wickeln und

appelliert schon jetzt an alle Kolleginnen und Kollegen,

sich daran aktiv zu beteiligen, um darzustellen, was die

deutsche Urologie in Wahrheit zur medizinischen Versorgung

beiträgt und damit entsprechend datenbasierte

Forderungen an Politik und Kostenträger stellen. Der BDU

und der BUND wollen damit ein Feld besetzen, das bisher

von dem Fachgebiet Urologie noch nicht bearbeitet

wurde.

Felder

Durch Projekte, die Daten aus Kliniken

und Praxen miteinander verbinden,

sollen belastbare Erkenntnisse der Versorgungsrealität

gewonnen werden, wobei die Kliniken Daten des

stationären Verlaufs erheben, die Praxen als indikationsspezifische

Nachsorge dokumentieren. Als Diagnosen

sollten zuerst der häufigste Tumor des Mannes, das Pros -

tatakarzinom und das Urothelkarzinom der Blase (als

geschlechtsunabhängiger Tumor) bearbeitet werden.

Als weitere Handlungsfelder bieten sich der Nierentumor,

für den belastbare Nachsorgedaten fehlen, und auch

die gutartige Prostatavergrößerung sowie die Harninkontinenz

an. Diese lassen sich über gezielte Untersuchungen

von Abläufen in Praxis und Klinik abbilden.

Motivation

Die Motivation liegt im Erkenntnisgewinn und den da -

raus folgenden Fragen: Was sind die Qualitätsparameter

Folgt die Vergütung diesen Parametern Sind die

Qualitätsparameter verbindlich Zudem wird eine anerkannte

Leistungsdarstellung urologischer Kompetenz der

beste Garant für Verhandlungen zu einer angemessenen

Vergütung sein.

Eine so zielorientierte Versorgungsforschung sollte als

ein monodisziplinäres Projekt in der Hand der Urologen

liegen.

Erkenntnisgewinn

Der Wert der Ergebnisse wird hoch eingeschätzt, da die

Verläufe der verschiedenen Krankheits-/Tumorkategorien

variabel und weitgehend unbekannt sind. Die einfache

Leistungsdokumentation über Behandlungspfade wird

noch nicht vollständig die Versorgungsqualität abbilden,

ist aber eine Grundstruktur, auf der künftig integrierte Versorgungswege

aufbauen.

Dokumentation

Echtzeit-Online-Dokumentation ist die einzige professionelle

Lösung. Sinnvoll zur praktischen Anwendung wird

die Entwicklung einer für die teilnehmenden Institutionen

aus Klinik und Praxis kompatiblen Software sein. Der BUND

verfügt über entsprechende Datenbanken und kann

hier Unterstützung bieten.

8 BPS-Magazin 3/2011


Vergütung

Wie kann Versorgungsforschung bezahlt werden Ein

zusätzlicher Leistungsaufwand muss honoriert werden.

Geplant ist eine unabhängige finanzielle Förderung

durch Institutionen wie Bundesministerium für Forschung

und Bildung, Deutsche Krebshilfe, Deutsche Forschungsgesellschaft

(etc.), wobei dazu Lebensqualitätserhebungen

mit den einschlägigen Methoden und sozio -

logischen Grundvoraussetzungen sowie Daten zum

Arzt-Patienten-Verhältnis als Basis empfohlen werden. Bis

zur Ausschüttung dieser Förderungen stellt der Dokumentationsaufwand

seitens der teilnehmenden Akteure eine

eigene Investition in die Zukunft dar.

Wie gut ist die Versorgung

Die Versorgungsqualität lässt sich durch Analysen zur Überund

Unterversorgung bewerten. Qualitätsparameter in der

ambulanten und stationären Versorgung fehlen bisher.

Leistungsdarstellung

„Wie gut ist die Versorgungsqualität“ Die Leistungen werden

unter Alltagsbedingungen ab Zeitpunkt des primären

Therapieabschlusses erfasst und dargestellt.

Durchführung

1. Identifizierung von bestimmten in der Urologie häufig

auftretenden Indikator-Prozeduren (z.B. Prostatakar -

zinom, Urothelkarzinom, Nierenzellkarzinom, Beningnes

Prostata-Syndrom, Inkontinenz: Diagnostik, Therapie,

Nachsorge).

2. Darstellung der spezifischen Gesamtabläufe auch

unter Einbindung der in QM-Systemen vorhandenen

Verfahrensabläufe.

3. Beurteilung der Abläufe im Gesundheitssystem durch

Betroffene (Stichworte: Wohnortnahe Versorgung, Versicherungswesen,

Arzt/Patienten-Verhältnis, Behandlungsergebnisse).

4. Identifizierung von Qualitätsparametern aus Sicht

a. der Patienten

b. der Ärzte

c. der Versicherer.

5. Überprüfung der Qualitätsparameter in der Versorgungswirklichkeit

(Therapie und Verlauf).

6. Das Vorgehen z.B. in der Nachsorge ist uniform: Tritt ein

Rezidiv auf (und erst dann !) werden sein Zeitpunkt der

Erstbehandlung sowie die TNM-Formel und die Histologie

des Erstbefundes dokumentiert (auch der biochemische

Progress bei PCA gilt als Rezidiv). Ab dem Zeitpunkt

R1 werden die in der Routine durchgeführten

Lokalisationsmaßnahmen und der Ort des Rezidivs

erfasst. Die Ersterhebung wäre damit abgeschlossen,

und so wichtige Erkenntnisse für die Versorgungsforschung

gewonnen.

7. In einem zweiten Teil können dann Therapie und Verlauf

dokumentiert werden.

Hypothese

Zeitpunkt und Lokalisation eines Rezidivs können in

Abhängigkeit von der Ausgangssituation erfasst werden.

Darauf lassen sich sinnvolle, systematische Nachsorge -

empfehlungen aufbauen und bisherige zumeist überfürsorgliche

Aktionismen vermeiden.

Ausblick

Die genannten Prozesse lassen sich durch indikationsspezifische

Behandlungspfade in integrierten Versorgungsverträgen

zwischen Kliniken/Praxen und Kostenträgern

abbilden und angemessen finanzieren.

Amtsübergabe bei der Deutschen Gesellschaft für Urologie

Red. (mk): Mit der traditionellen Präsidentschaftsübergabe

endete der DGU-Kongress 2011: Professor Dr.

med. Joachim Steffens übergab das Amt des DGU-Präsidenten

für die Amtsperiode 2011/2012 turnusgemäß

an den bisherigen DGU-Vize-Präsidenten, Professor Dr.

med. Dr. h.c. Stefan C. Müller, Direktor der Klinik und Poliklinik

für Urologie, Universitätsklinikum Bonn. Damit rückt

Prof. Dr. med. Michael Stöckle, Direktor der Klinik für Urologie

und Kinderurologie, Universitätsklinikum des Saar-

landes zum 1. Vize-Präsidenten der medizinischen

Fachgesellschaft auf.

Als neuer DGU-Präsident übernimmt

Professor Dr. med. Dr. h.c. Stefan

C. Müller zugleich die Leitung der

64. Jahrestagung der Deutschen

Gesellschaft für Urologie e.V. vom 26.

bis 29. September 2012 in Leipzig.

BPS-Magazin 3/2011

9


Umsetzung der Onkologie-Vereinbarung

Von Professor Dr. Oliver Hakenberg

Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Urologie

Direktor der Urologischen Universitätsklinik Rostock

Seit dem 1. Oktober 2009 gibt es die sogenannte Onkologievereinbarung

zwischen der Kassenärztlichen

Bundesvereinigung (KBV) und dem Spitzenverband der

gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Es handelt sich

um eine vertragliche Regelung, die analog zu den

Regelungen für die Behandlung von Krebspatienten im

stationären Bereich, Vorgaben für die Qualifikation der

Therapeuten und Einrichtungen und für die Mindestbehandlungszahlen

in der ambulanten Therapie macht.

Diese Onkologievereinbarung stellt fest, dass die

Behandlung von Krebspatienten nur durch spezialisierte

Ärzte, nämlich Hämato-Onkologen oder andere Fachärzte

mit der Spezialisierung (Zusatzweiterbildung) „Medikamentöse

Tumortherapie“ erfolgen dürfe. Zu Mindestbehandlungszahlen

wurde festgelegt, dass diese bei 120

Patienten/Quartal für Hämato-Onkologen und bei 80 Patienten/Quartal

bei anderen Fachärzten mit Medikamentöser

Tumortherapie zu liegen habe. Ein regelmäßiges Unterschreiten

dieser Mindestmengen würde nach den Vorgaben

der Onkologievereinbarung dazu führen, dass der

jeweilige Arzt diese Behandlung dann nicht mehr zu Lasten

der gesetzlichen Krankenversicherung durchführen dürfe.

Der Flaschenhals bei diesen Mindestmengen liegt

dabei bei der intravenösen Chemotherapie; diese wurde

für die Hämato-Onkologen mit 30 Patienten/Quartal (von

120 insgesamt) und für die Urologen mit 20 Patien -

ten/Quartal (von 80 insgesamt) beziffert. Ausdrücklich

sieht bereits die Onkologie-Vereinbarung vor, dass regionale

Abweichungen statthaft seien, um die Versorgung

dünn besiedelter Gebiete nicht zu gefährden.

Diese Onkologievereinbarung ist ein Rahmenvertrag

zwischen den Spitzenverbänden. Die Umsetzung erfolgt

auf der Ebene der regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen,

wobei hier zu einem sehr großen Teil abweichende

Regelungen und Übergangsregelungen festgelegt

wurden. Von einer flächendeckenden Umsetzung

der Onkologievereinbarung in dieser Form kann deshalb

nicht gesprochen werden.

Auch gab und gibt es sehr viel Kritik an der Onkologievereinbarung,

besonders von Seiten der Urologen.

Vorgeblich soll die Onkologievereinbarung einer Sicherung

der Qualität der Behandlung dienen. Die wesent -

liche Kritik bezieht sich darauf, dass zum einen eine

Qualitätsverbesserung durch dieses Instrument nicht

unbedingt zu erreichen ist und dass es im Wesentlichen

zur berufspolitischen Steuerung eingesetzt wird.

Mindestmengen sind eindeutig ein wichtiger Faktor bei

Qualität von Operationen. Für größere Operationen ist

ein Zusammenhang zwischen der jährlichen Anzahl dieser

Eingriffe in einem Krankenhaus und der Zahl der

Komplikationen nachgewiesen: je öfter ein Eingriff

gemacht wird, desto niedriger ist die Zahl der schwerwiegenden

Komplikationen nachgewiesen. Dieser

Zusammenhang leuchtet jedem ein. Aber das etwas

plausibel erscheint, bedeutet nicht immer, dass es auch

stimmt. Es ist notwendig, auch nachzuweisen, dass ein

Zusammenhang zwischen Mindestmengen und Qualität

tatsächlich besteht und sich statistisch darstellen lässt. In

den Zeiten der Evidenz-basierten Medizin ist es unverzichtbar,

diesen Nachweis zu fordern, bevor strukturpolitische

Eingriffe vorgenommen werden.

Im Gegensatz zur operativen Medizin verhält es sich

bei Mindestmengen in der medikamentösen Krebstherapie

völlig anders. Es gibt keinerlei Nachweise, dass die

Qualität der Chemotherapie davon abhängig ist, wie

viele Patienten vom jeweiligen Arzt pro Quartal behandelt

werden. Bei zahlreichen Untersuchungen wurde ein

solcher Zusammenhang nie gezeigt. Nun hat man aber

in der Onkologievereinbarung allein aufgrund eines vermuteten

– und eben völlig unbewiesenen – Zusammenhangs

zwischen Menge und Qualität strukturpolitische

Regelungen getroffen. Dies ist eigentlich unzulässig und

geht an der Sache vorbei.

Der zweite Kritikpunkt folgt dem ersten direkt nach:

wenn trotz fehlenden Nachweises, dass Mindestmengen

etwas mit Qualität zu tun haben, diese eingesetzt wer-

10 BPS-Magazin 3/2011


den, dann werden wahrscheinlich andere Ziele verfolgt.

Die Onkologievereinbarung zielt darauf ab, die Krebstherapie

bei den Hämato-Onkologen zu konzentrieren

und andere Fachrichtungen daraus zu verdrängen.

Diese Vermutung stützt sich auch darauf, dass man

die Mindestmengen für andere Fachärzte sehr dicht an

die der Hämato-Onkologen herangeführt hat. Nun

macht ein Hämato-Onkologe nichts anderes als Krebstherapie

und dies bei zahlreichen, völlig verschiedenen

Krebserkrankungen, von der Leukämie über das Bron -

chialkarzinom bis zum Melanom. Der Urologe dagegen

behandelt bestenfalls fünf verschiedene Tumorerkrankungen,

bei denen er aber der Spezialist ist. An solch

verschiedene Fachgruppen sehr ähnliche Mindestmengenanforderungen

zu stellen, ist sachlich nicht zu rechtfertigen.

Ein dritter Kritikpunkt ist der, dass bei stringenter Umsetzuung

der Onkologievereinbarung eine wohnortnahe

Versorgung nicht nur in dünn besiedelten, sondern in

zahlreichen Gebieten nicht zu gewährleisten wäre.

Es bleibt aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für

Urologie und des Berufsverbands der Deutschen

Urologen dabei, dass eine Umsetzung der Onko -

logievereinbarung in dieser Form nicht sinnvoll ist.

Im Kern bleiben zwei Argumente wesentlich: Erstens,

es gibt keine rationale Basis für Mindestmengen in

der Chemotherapie, und zweitens, für die Behandlung

uro genitaler Krebserkrankungen, insbesondere das

Prostatakarzinom, ist es wichtig, dafür Spezialist zu

sein und nicht möglichst viele Chemotherapien bei

möglichst vielen verschiedenen Tumorarten zu

machen.

Interdisziplinärer Arbeitskreis Prostatakarzinom gegründet

Vertreter des BPS sind beteiligt

Red. (mk): Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie

und Onkologie (DGHO) hat im August 2011 einen

Arbeitskreis Prostatakarzinom gegründet. Auf Initiative

des Bonner Urologen Dr. Reinhold Schaefer arbeiten

gleichberechtigt Internisten, Urologen, Genetiker aus Klinik

und Praxis und betroffene Patienten eng zusammen.

„Das Ziel des Arbeitskreises ist die Verbesserung der

Zusammenarbeit von allen Medizinern, die mit dem

Prostatakarzinom befasst sind unter Einbeziehung des

Bundesverbands Prostatakrebs Selbsthilfe. Onkologie ist

ein wichtiges berufspolitisches Thema vor dem Hintergrund

des neuen Gesetzes zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen

der gesetzlichen Krankenversicherung,

das alle onkologisch Tätigen nur gemeinsam angehen

können. Die bisherigen politischen Bemühungen reichen

da bei Weitem noch nicht aus, deshalb müssen alle an

einen Tisch“, betonte Schaefer.

Prof. Dr. Ulrich Kaiser, Hämatoonkologe aus Hildesheim,

der als zweiter Vorsitzender dem Arbeitskreis angehört,

stellte heraus, „Die Interdisziplinarität beim Prostatakarzinom

ist schon lange erforderlich und wird mancherorts

auch gelebt. Allerdings müssen Praxis, Klinik und alle

Onkologen noch weiter zusammenwachsen und

zusammenarbeiten. Hierzu soll auch eine interdisziplinäre

Fortbildung dienen.“

Neben dem Ziel der besseren Kooperation will der

Arbeitskreis konkrete Qualitätsindikatoren erarbeiten, um

die Versorgung der Patienten zu verbessern. Eine einheitliche,

elektronische Tumordokumentation soll noch mehr

zur Transparenz beitragen. Dies ist vor dem Hintergrund

der dringend notwendigen Versorgungsforschung zu

sehen, um verlässliche Krankheitsdaten zu generieren.

Dies kann die Einrichtung einheitlicher Prostatakrebs- und

Onkologie-Zentren erleichtern und beschleunigen. Auch

die schnellere Aktualisierung der Prostatakrebs-Leitlinie

will der Arbeitskreis verbessern helfen. Die Forderung

nach einem jährlichen Männergesundheitsbericht der

Bundesregierung wird im Konsens mit der Selbsthilfegruppe

genauso unterstützt, wie ein jährliches Prostatamanagementgespräch

mit Medizinern, Krankenkassen,

Versicherungen, dem Ministerium für Gesundheit

und dem Ministerium für Bildung und Forschung.

Im März 2012 sollen auf der Frühjahrstagung der

DGHO erste Ergebnisse vorgestellt werden.

Quelle: Uro GmbH Nachrichten, Ausgabe III/2011

BPS-Magazin 3/2011

11


15 Jahre Nationale VersorgungsLeitlinien ®

Deutschland – Viel erreicht aber auch

noch viel zu tun

Von Dr. PH Sylvia Sänger

in

Informationen, die den aktuellen Stand der wissenschaftlichen

Erkenntnisse beinhalten, sind nicht nur

für Ärzte wichtig. Sie werden auch dringend für die

Beratungsarbeit der Selbsthilfe benötigt.

Ein Beispiel für solche evidenzbasierten Informationen

sind so genannte Nationale VersorgungsLeitlinien ® (NVL).

Sie werden von Vertretern wissenschaftlich medizinischer

Fachgesellschaften, der ärztlichen Selbstverwaltung,

verschiedener Organisationen und der Patientenselbst -

hilfe erarbeitet. 710 Personen haben sich seit 2002 an

der Entwicklung von Nationalen VersorgungsLeitlinien ®

beteiligt.

Warum Leitlinien für die Selbsthilfe so wichtig sind

Damit das hochwertige medizinische Wissen in den vornehmlich

an Ärztinnen und Ärzte gerichteten NVL’s auch

für Patientinnen und Patienten zugänglich wird, gibt es zu

jeder ärztlichen Leitlinie auch eine Patientenversion. Sie

enthält allgemein verständlich die wissenschaftlich

begründeten Empfehlungen zum guten medizinischen

Vorgehen und zusätzlich wichtige Hinweise, die auf den

Erfahrungen von Betroffenen beruhen. Möglich wird das,

weil Patientenleitlinien gemeinsam mit Vertretern der

Patientenselbsthilfe erstellt werden [1,2]. Anlässlich eines

Symposiums des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der

Medizin zum Thema „15 Jahre Leitlinien in Deutschland –

Anspruch und Wirklichkeit“, das im März 2011 in Berlin

stattfand, stellte Jens-Peter Zacharias vom Bundesverband

Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. und Patientenvertreter

im Onkologischen Leitlinienprogramm fest, dass sich

durch die Einbeziehung von Patienten in die Leitlinienarbeit

eine völlig neue Kultur entwickelt hat. „Patientenleitlinien

werden stark nachgefragt“. Zacharias empfiehlt, im

Rahmen der ärztlichen Weiterbildung auch Patientenleitlinien

einzusetzen. „Dass unsere Patientenleitlinien immer

auf dem neuesten Stand sind, ist doch auch eine Hilfe

für die Ärzteschaft, besonders wenn es darum geht, die

zweigeteilte Verantwortlichkeit von Arzt und Patient umzusetzen.“

Was in 15 Jahren Leitlinienarbeit

erreicht wurde

Als einen Meilenstein der vergangenen 15 Jahre sieht

der Leiter des ÄZQ, Prof. Günter Ollenschläger, das Clea

ringverfahren für Leitlinien, an dem auf freiwilliger Basis

die Gesetzliche und Private Krankenversicherung sowie

die Rentenversicherung beteiligt waren. Dieses Clearingverfahren

hatte zum Ziel, die Qualität von Leitlinien zum

gleichen Thema zu ermitteln und damit die Voraussetzung

zur Festlegung von Qualitätsanforderungen für Leitlinien

[3] zu schaffen. „Wir haben viel erreicht“, fasst

Ollenschläger zusammen. „Dazu gehören die Entwicklung

von Methoden für Leitlinien, Qualitätsindikatoren

und Patientenleitlinien, die nationale und internationale

Vernetzung, die Produkte die wir gemeinsam mit unseren

Partnern erarbeitet haben wie die Nationalen VersorgungsLeitlinien

® , Patientenleitlinien, Qualitätschecklisten

und vieles mehr.“

Nicht auf den Erfolgen ausruhen

„Leitlinien werden in der ‚Szene’ wahrgenommen, aber

zu wenig in der Wissenschaft und auch in der Öffentlichkeit“,

berichtet Prof. Ollenschläger. Es müsse noch viel für

ihre Verbreitung getan werden. Ollenschläger bedauert,

dass sich nicht alle Beteiligten mit den NVL identifizieren,

die sie selbst mit erarbeitet haben. Als Beispiel führt er

an, dass es auf vielen Internetseiten von Organisationen

und Institutionen, die im Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien

® mitarbeiten, noch immer keinen Verweis

auf die Domain www.versorgungsleitlinien.de gäbe.

Unter dieser Internetadresse sind nicht nur alle Leitlinien

und Patientenleitlinien verfügbar, sondern auch viele

zusätzliche Materialien und Ressourcen, die im ärztlichen

Praxisalltag aber auch im Beratungsalltag der

Selbsthilfeorganisationen genutzt werden können.

Ollenschläger sieht als zukünftige Schwerpunkte

neben der Verbreitung auch die Evaluation der Leitlinien,

die nachhaltige Finanzierung des Leitlinienprogramms

und die Verfügbarkeit von Leitlinien am Arbeitsplatz.

12 BPS-Magazin 3/2011


Was ist eigentlich...

Medizinische Leitlinien richten sich vorrangig an Ärztinnen und Ärzte. Sie stellen den aktuellen Stand des Forschungswissens

und der Erfahrung für ein bestimmtes Erkrankungsbild und dessen Behandlung zusammen und

dienen als Orientierung in der Patientenversorgung. Das Dach für alle medizinischen Fachgesellschaften, die Leitlinien

erarbeiten, ist die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften AWMF

(http://www.awmf.org/). Es gibt Leitlinien unterschiedlicher Qualität. Die stärkste Aussagekraft haben Leitlinien, die

nach einer streng festgelegten Vorgehensweise entwickelt werden und den aktuellen Stand der Forschung beinhalten.

Sie werden als S3-Leitlinien bezeichnet. Wenn eine solche evidenzbasierte Leitlinie nicht nur auf ein Krankheitsbild

fokussiert, sondern die gesamte Versorgungskette für diese Erkrankung beschreibt und zwar über alle

Fachbereichs- und Strukturgrenzen hinweg, spricht man von einer Nationalen VersorgungsLeitlinie ® .

Eine Gesundheitsinformation wird dann als „PatientenLeitlinie“ bezeichnet, wenn sie auf einer wissenschaftlich

begründeten (evidenzbasierten) ärztlichen Leitlinie beruht. PatientenLeitlinien enthalten die evidenzbasierten Em -

pfehlungen der ärztlichen Leitlinie, Hintergrundinformationen zum Erkrankungsbild, Erklärungen zur sektorenübergreifenden

Versorgung, Hinweise zum Selbstmanagement der Erkrankung, Informationen über weiterführende Hilfen

und Elemente zur Unterstützung der Arzt-Patienten-Kommunikation im Prozess der gemeinsamen Entscheidungsfindung.

Die Erarbeitung von Patientenleitlinien erfolgt immer mit Beteiligung von Vertretern der Selbsthilfe.

Außerdem müssen ebenso strenge Qualitätsanforderungen eingehalten werden, wie bei der Erarbeitung von

Leitlinien für Ärztinnen und Ärzte.

Nach: http://www.leitlinien.de/leitlinienmethodik/leitlinien-glossar/glossar

Prof. Jörg-Dietrich Hoppe, der ehemalige Präsident der

Bundesärztekammer sieht hier auch die ärztliche Selbstverwaltung

in der Pflicht: „Ärzte suchen nicht von sich aus

nach Leitlinien. Wir müssen sie aktiv verbreiten.“ Das

bestätigt auch Dr. Franziska Diel, die Vertreterin der Kassenärztlichen

Bundesvereinigung: „Wir müssen versuchen,

Leitlinien durch verschiedene Ansätze zu verbreiten,

zum Beispiel über die Qualitätszirkelarbeit oder die

Integration von Leitlinien in die Praxissoftware.“

Ein wichtiger Partner zur Implementierung von Leitlinien

und Patientenleitlinien ist die Selbsthilfe. Ihre Beteiligung

am Leitlinienprogramm beinhaltet nicht nur die Mitarbeit

an der Erstellung von Leitlinien und Patientenleitlinien sondern

auch die Unterstützung Ihrer praktischen Implementierung

[1]. Gerade im Beratungsalltag der Selbsthilfe

können die wissenschaftlich begründeten Empfehlungen

der NVL und ihrer zugehörigen Patientenleitlinien gut

eingesetzt werden.

Wer hinter dem Programm steht

Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ)

koordiniert im Auftrag seiner Träger Bundesärztekammer

und Kassenärztlicher Bundesvereinigung das Programm

für Nationale Versorgungsleitlinien, an dem außerdem

die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen

Fachgesellschaften beteiligt ist. Die Patientenbe-

teiligung wird in Kooperation mit der Bundesarbeitsgemeinschaft

Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung

und chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen e.V.

umgesetzt [4].

Derzeit existieren Nationale VersorgungsLeitlinien ® zu den

Themen Asthma, COPD, unipolare Depression, Typ-2-Diabetes

(Nephropathie, Netzhautkomplikationen und Fußkomplikationen),

Herzinsuffizienz, Koronare Herzkrankheit

und Kreuzschmerz. Zu den Themen Diabetische Neuropathie,

Schulung bei Typ-2-Diabetes, Therapieplanung

bei Typ-2-Diabetes, Demenz und Hypertonie sind NVL in

Arbeit.

Die Nationalen VersorgungsLeitlinien ® , PatientenLeitlinien ®

und viel ergänzendes Material im Internet unter:

www.versorgungsleitlinien.de. Patientenleitlinien für

Menschen mit einer Krebserkrankung sind unter

http://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/OL/patien -

tenleitlinien.html frei verfügbar.

[1] Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ).

Handbuch Patientenbeteiligung. Beteiligung am Programm

für Nationale VersorgungsLeitlinien ® .Berlin: ÄZQ;

2008; ISBN 978-394021-809-4, verfügbar unter: www.

aezq.de/mdb/edocs/pdf/schriftenreihe/schriftenreihe33.

pdf (aufgesucht am 16.08.2011)

BPS-Magazin 3/2011

13


[2] Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ).

Methodenreport Patientenbeteiligung; 2007; Verfügbar

unter: www.versorgungsleitlinien.de/methodik/pdf/nvl_

pat_methode.pdf (aufgesucht am 16.08.2011)

[3] Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen

Fachgesellschaften, Ärztliches Zentrum für Qualität

in der Medizin (Hrsg.). Das Deutsche Leitlinien-Bewertungsinstrument

DELBI. verfügbar unter: www.delbi.de

(aufgesucht am 16.08.2011)

[4] Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ).

Methoden-Report des NVL-Programms. 4. Auflage,

Version 1.0, Juli 2010; verfügbar unter:

www.versorgungsleitlnien.de/methodik/pdf/nvl_methode

_4.aufl.pdf (aufgesucht am 16.08.2011)

Korrespondenzadresse

Dr. PH Sylvia Sänger

Schlehendornweg 3

07751 Jena

Telefon: 03641 471972

Fax: 03641 471973

E-Mail: sylvia.saenger@t-online.de

Quelle: NAKOS INFO 106, September 2011

Diagnose und Therapie

Therapie des fortgeschrittenen kastrationsre sistenten

Prostatakarzinoms (CRPCa)

Zusammenfassung des von Professor Axel Heidenreich gehaltenen Vortrags vor Mitgliedern des Bundesverbands

Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. in Würzburg 2011 von Wolfhard D. Frost, PSA Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bielefeld.

Professor Heidenreich: „In den letzten

Monaten und insbesondere im

letzten Jahr haben sich viele neue

Therapieoptionen ergeben. Wir

stehen derzeit vor dem Problem,

die beste von mehreren möglichen

Therapien zu bestimmen,

die dem Patient helfen kann und

gleichzeitig dafür zu sorgen, dass

er sie auch tatsächlich erhält.

Wenn wir uns aktuelle Zahlen aus

Deutschland anschauen, dann ist

das beileibe nicht so: Ca. 30%

aller Patienten, die für eine Chemotherapie

bei einem kastrationsrestistenten Prostatakarzinom

infrage kommen, erhalten diese Chemotherapie

nicht.“

Professor Heidenreich: „Wenn Docetaxel als Chemotherapie

gegeben wurde und es zu einem erneuten

(Abb. 1)

Anstieg des PSA-Wertes kommt, also ein Rezidiv vorliegt,

dann haben wir fünf verschiedene Therapieoptionen

(Abb. 1).

Die erste Option besteht darin Docetaxel noch einmal

zu geben. Das kann ein durchaus effektives Therapie-

14 BPS-Magazin 3/2011


schema sein, wenn der Patient auf die erste Docetaxelgabe

gut reagiert hat. Eine gute Reaktion, ein gutes

Ansprechen ist, wenn der PSA-Wert um mindestens 30%

nach Ende der Chemotherapie abfällt und das auch

acht Wochen nach Ende der Docetaxeltherapie noch

anhält. (Abb. 2). In dieser Situation sprechen ca. 60%

der Patienten noch einmal auf die Docetaxelgabe

an.“

TAK-700 (Ortonerel)

TAK-700 bzw. Orteronel ist vom Wirkprinzip ähnlich dem

Abiraterone. Es ist eine besondere Art der hormonellen

Therapie, die in der Nebenniere das Enzym 17,20-Lyase

hemmt und dadurch zu einer verminderten Bildung von

DHEA, Androstendion, Testosteron, Östron und Östradiol

führt. Bisherige Ergebnisse

stammen aus

kombinierten Phase

I/II Studien und zeigen

ein therapeutisches

Ansprechen von ca.

50-60%. Derzeit werden

zwei Phase 3

Studien mit jeweils

ca. 1.500 Patienten

mit Metas tasen und

kastrationsresisten tem

Pros tatakarzinom bzw.

Patienten, die sich in

einer Progression der

Krankheit befinden,

aber noch keine Chemotherapie

durchgeführt. (Abb. 3)

er halten haben,

Im Unterschied zu z.B. Abiraterone wird nur die 17.20-

Lyase gehemmt aber nicht die

(Abb. 2)

17-Hydroxylase, so dass die Produktion

von Kortikosteroiden und

Aldosteron in der Nebenniere

nicht unterdrückt werden. Möglicherweise

kann man bei dieser

Therapie auf Kortison verzichten;

besonders wichtig hinsichtlich

der Nebenwirkungen bei Patienten,

die zusätzlich zum Prostatakarzinom

noch eine begleitende

Zuckererkrankung oder Herzerkrankung

haben

MDV-3100

Prof. Heidenreich: „Das MDV-

3100 ist salopp gesagt ein aufgepepptes

Bicalutamid, eine Substanz, welche die

Bindung von Testosteron an den Rezeptoren der Krebszellen

als kompletter Rezeptorantagonist hemmt, was

letztlich dazu führt, dass diese Prostatakarzinomzellen

absterben können. Zudem verhindert MDV-3100, dass

der Komplex aus Testosteron und Androgenrezeptor in

den Zellkern einwandert, und es wird die Synthese von

testosteronabhängigen Eiweißsubstanzen in den Tumorzellen

blockiert, so dass eine Dreifachwirkung durch

MDV-3100 vorliegt.“ Eine erste Studie an 140 Patienten

(Abb. 3)

BPS-Magazin 3/2011

15


mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom

und einem raschen PSA-Anstieg zeigte bei ungefähr

60% der Patienten einen PSA-Abfall von mehr als der

Hälfte, bei 2 /3 der Patienten war ein stabiler Verlauf

erkennbar. Das sei bei der klassischen Chemotherapie

nur in geringerem Maße der Fall, meint Prof. Heidenreich

und fügt hinzu: „ ...eine sehr

wirksame Substanz mit

einem minimalen Nebenwirkungsprofil.

Ich gehe

davon aus, dass möglicherweise

bis gegen Ende

dieses Jahres für das MDV-

3100 eine Zulassung erfolgen

kann.“ Aktuell wurden

die Ergebnisse der AFFIRM-

Studie veröffentlicht, welche

die Wirksamkeit von

MDV-3100 bei Patienten mit

einem kastrationsresistenten

Prostatakarzinom nach

Chemotherapie analysierte.

Das mittlere Überleben

war unter MDV-3100 mit 18.4 Monaten signifikant länger

als in der Placebogruppe mit 13.4 Monaten.

Cabazitaxel

Eine weitere Therapie, wenn die Docetaxeltherapie versagt,

ist Cabazitaxel – ein Taxanderivat. Es entspricht

dem Docetaxel, wird jedoch synthetisch hergestellt.

Cabazitaxel wurde in einer prospektiv randomisierten klinischen

Phase 3 Studie mit 755 Patienten analysiert, die

entweder Cabazitaxel oder Mitoxantron erhielten. Prof.

Heidenreich: „Es ist erkennbar, diese neue Form der Chemotherapie

bringt deutlich günstigere Behandlungsraten

mit sich, als wir für Mitoxantron kennen. Wenn man sich in

der Situation nach Docetaxel für eine Chemotherapie

entscheidet, könnte man entweder die erneute Gabe

von Docetaxel oder die Gabe von Cabazitaxel empfehlen.“

Das mittlere Gesamtüberleben (Abb. 4) verlängert

sich Studiendaten zufolge von 12,7 Monaten unter Mitoxantron

(MP) auf 15,1 Monate unter Cabazitaxel (CBZP).

Cabazitaxel ist eine Infusionstherapie, die man einmal

drei Wochen erhält, wobei deutlich erhöhte Nebenwirkungen

auftreten können, wie ausgeprägte Störungen

der Leberfunktion, aber auch ausgeprägte Störungen

der Blutbildung, ein kräftiger Abfall der weißen Blutkörperchen

bei ca. 1 /3 der Patienten. Laut Prof. Heidenreich

gehört diese Therapie in erfahrene Hände, d.h. in Kliniken

mit entsprechender Erfahrung! In erfahrenen Händen

zeigen sich aber keine signifikanten Veränderungen

der Nebenwirkungsraten, wie wir sie von Docetaxel kennen.

Eine aktuelle Auswertung von 114 Patienten unter

(Abb. 4)

Cabazitaxel zeigt, die Rate eines schwerwiegenden

Abfalls der weißen Blutkörperchen liegt bei ca. 10%.

Schwere, behandlungsbedürftige Durchfälle treten gar

nur bei 2% der Patienten auf. (Abb. 4)

Abiraterone

Professor Heidenreich: „Das Besondere des Abiraterone

ist zum einen die Unterdrückung des Testosteron Stoffwechsels.

Bestimmte Enzyme (17,20-Lyase, 17-Hydroxylase)

in der Nebenniere, im Hoden und in den Tumorzellen

selbst, werden in ihrer Aktivität gehemmt. Durch Blo -

ckierung dieser Enzyme wird gewährleistet, Testosteron,

Vorstufen des Testosterons, weibliche Geschlechtshormone

wie Progesteron und Östrogen können im Inneren der

Tumorzellen nicht mehr wirken. Die Tumorzelle stirbt ab

oder wird in ihrem Stoffwechsel so nieder reguliert, dass

kein Wachstum nachweisbar ist.“

An Studiendaten aus den USA war erkennbar, von 58

mit Abiraterone + Kortison behandelten Patienten haben

mindesten zwei Drittel mit einem PSA-Abfall von mindes -

tens 30% reagiert. Bei der Hälfte der Patienten halbierte

sich der PSA-Wert unter der Therapie. Prof. Heidenreich:

„Der PSA-Abfall hält durchschnittlich ein Dreivierteljahr an,

dann steigt das PSA wieder langsam an. Die Wirkzeit ist

16 BPS-Magazin 3/2011


um ca. 30% kürzer, wenn die Patienten vorher mit Ketokonazol

behandelt wurden.“

Wichtigste Erkenntnis, Patienten schon mit einer Hormontherapie

und einer Chemotherapie vorbehandelt,

würden von dieser Therapie profitieren. Prof. Heidenreich

zeigte die Wirksamkeit der Abiraterone Therapie

am Beispiel einer feingeweblich gesicherten Lebermetastase

und einer Knochenmetastase eines Patienten,

die nach zwölfwöchiger Abiraterone Therapie nahezu

nicht mehr existent waren. Selbst auf Metastasen

ungewöhnlicher Lokalisation spricht die Therapie sehr

gut an.

Eine aktuelle Studie, die

nur Patienten mit Rezidiven

nach Chemotherapie einschloss,

verdeutlichte eine

Verlängerung des Gesamtüberlebens

unter Abiraterone+Kortison

von rund 3,9

Monaten gegenüber dem

Placeboarm. Eine Aktualisierung

der Daten (US

Krebskongress 2011) brachte

eine Korrektur der Zeit bis

zur PSA-Progression auf

knapp 5 Monate gegen -

über der zuvor publizierten

knapp 4 Monate.

Professor Heidenreich:

„Nach der primären Chemotherapie steht mit Abiraterone

eine effektive Substanz zur Verfügung, in Tablettenform

für Patienten einfach einzunehmen und mit einem

sehr geringen Nebenwirkungsprofil. Die sonst bei einer

Chemotherapie bekannten Nebenwirkungen treten bei

Abiraterone nicht auf.“

Nach der US Gesundheitsbehörde FDA gab im September

2011 die Europäische Arzneimittelagentur (EMA)

in einem beschleunigten Verfahren grünes Licht für das

Medikament mit dem Handelsnamen Zytiga.

Zusammenfassung:

Professor Heidenreich: „Man muss aufpassen, die se -

kun dären Chemotherapien nicht zu freigiebig zu verordnen

(Abb. 5) und muss berücksichtigen, nach Erstlinientherapie

mit Docetaxel kann das Knochenmark

eine Schädigung erfahren haben. Dosierung und die

Intervalle der Chemotherapie müssen immer an die

Reserve des Knochenmarks angepasst werden.

Für Patienten die für eine erneute Gabe von Doce -

taxel nicht infrage kommen, ist die Chemotherapie mit

Cabazitaxel eine Alternative; insbesondere für die

Patienten, deren PSA-Wert sehr früh nach Docetaxel wieder

ansteigen. Hier ist eine besondere Erfahrung des

Therapeuten notwendig. Die Therapie mit Cabazitaxel

kann mit ausgeprägten Störungen der Leberfunktionen,

aber auch mit ausgeprägten Störungen der Blutbildung

einhergehen. Der Abfall von weißen Blutkörperchen

oder Infektionen durch zu niedrige weiße Blutkörperchen

(Abb. 5)

kommen durchaus bei bis zu einem Drittel der Patienten

vor.

Und dann gibt es noch als dritte Therapieoption die

vorgenannte Abiraterone, MDV-3100 und TAK 700

Medikation. Hier sind bei den bisherigen Studien ein

sehr hoher Therapieeffekt bei etwa zwei Drittel der

Patienten, und ein sehr günstiges Nebenwirkungsprofil

sichtbar.

Für die Zukunft könnte ich mir vorstellen, dass bei Versagen

der Therapie nach Docetaxel eine Sequenztherapie

angefügt wird, wo zunächst mit den wenig nebenwirkungsreichen

Medikamenten begonnen, und wenn

diese Medikamente in ihrer Wirksamkeit nachlassen auf

die beiden Formen der Chemotherapie ausgewichen

wird, bzw. versucht wird, Patienten in Studien mit neuen

Medikamenten zu integrieren.“

BPS-Magazin 3/2011

17


Anschließend ausgewählte Fragen aus dem Publikum

und die Antworten von Professor Heidenreich:

Frage 1: Können die Krankenkassen die Kostenübernahme

für Abiraterone ablehnen unter Hinweis auf die

mögliche Zweitlinien-Chemotherapie mit Cabazitaxel

Antwort: Beide Therapien haben ungefähr das gleiche

Ansprechen, unterscheiden sich jedoch ganz erheblich

bzgl. der Nebenwirkungen und damit auch der potentiellen

Kosten zur Behandlung der Nebenwirkungen. Therapeutisch

sind wir Ärzte gehalten, das effektivste aber

auch das nebenwirkungsärmste Präparat im Sinne des

Patienten einzusetzen.

Frage 2: Besteht eine Möglichkeit Abiraterone vor einer

Chemotherapie zu bekommen

Antwort: Derzeit kann man das Abiraterone vor einer Chemotherapie

nicht rezeptieren und einsetzen. Es gibt eine

vor einem Jahr abgeschlossene Studie, wo Abiraterone vor

der Chemotherapie eingesetzt wurde. Es ist unklar, wann

die Ergebnisse der Studie auf den Markt kommen.

Frage 3: MDV-3100 bindet an den Androgenrezeptor.

Wie steht es um die Wirkung von MDV-3100, wenn ein

Patient diese Androgenrezeptoren nicht mehr hat

Antwort: Der Wirkmechanismus ist deutlich komplexer,

als wir ihn von Bicalutamid kennen. Das MDV-3100 bindet

nicht nur die Androgenrezeptoren an der äußeren

Oberfläche der Zelle, sondern bewirkt auch im Innern

des Zellkerns eine Blockade der hormonell unabhängigen

Stoffwechselwege. Deshalb wird MDV-3100 auch

dann noch funktionieren, wenn kein oder nur ein geringer

Besatz von Androgenrezeptoren vorhanden ist oder

der Patient schon mal Bicalutamid erhalten hatte.

Frage 4: Ist es möglich vor einer Medikation mit Abiraterone

zu erkennen, ob der Einzelne darauf ansprechen wird

Antwort: Die bisherigen Prognosefaktoren erlauben eine

solche Aussage für einen einzelnen Patienten derzeit

nicht. Wir haben noch keine validen Faktoren an der

Hand, um sagen zu können, wer auf eine Therapie

anspricht und wer nicht. Wir sind dabei, an den zirkulierenden

Tumorzellen bestimmte Veränderungen an der

Erbinformation zu bestimmen zwecks Vorhersage, wie

der Patient auf die nachfolgende Therapie reagiert. Das

ist aber noch experimentell.

Frage 5: Warum macht mein PSA-Wert während der

Therapie mit Abiraterone eine Berg- und Talfahrt

Antwort: Solche schwankenden Verläufe sind ein Phänomen

der Therapie mit Abiraterone. Das hängt mit großer

Wahrscheinlichkeit zusammen mit der Zerstörung unterschiedlich

großer Mengen von Tumorzellen, die zu unterschiedlichen

Zeitpunkten der Therapie zerstört werden

und unterschiedlich große Mengen PSA in das Blut freigegeben.

Die PSA-Anstiege unter der Abirateronetherapie

stehen nicht im Zusammenhang mit einem wachsenden

Tumor, sondern mit der Zerstörung desselben,

ähnlich dem PSA-Anstieg Phänomen nach der Strahlentherapie.

Frage 6: Ist der PSA-Wert unter der Therapie mit Abiraterone

unzuverlässig

Antwort: PSA ist in dieser Situation kein verlässlicher Marker.

Wir verlassen uns in der Uniklinik Aachen nicht nur auf

den PSA-Wert und bestimmen außer dem PSA auch Lactatdehydrogenase

und C-reaktives Protein. Diese Parameter

zeigen verlässlicher an, ob eine Progression

vorliegt oder ob die PSA-Schwankungen durch Tumorzellzerfall

entstehen.

Frage 7: Gibt es Überlegungen für eine Vorverlegung

der Chemotherapie z.B. mit einer geringen Dosierung

zwecks erträglicherer Nebenwirkungen und Zurückdrängens

der Entstehung von Metastasen

Antwort: Es gibt Überlegungen und Ansätze über adjuvante

Chemotherapie bei Hochrisikopatienten. Es gibt

Ansätze mit niedrig dosierter und auch kombinierter

Chemotherapie, die sich in Deutschland in der Situation

nach Docetaxel etabliert haben. Hier sieht man, dass

durch die kontinuierliche Chemotherapie sehr lange

und sehr günstige Verläufe hervorgerufen werden können.

In der Uniklinik Regensburg gibt es Protokolle einer

metronomischen Chemotherapie, die mit durchaus

nicht klassischen Therapeutika beim Prostatakarzinom

einen positiven Effekt erzielen.

Frage 8: Wenn wegen Vorerkrankungen eine Doce -

taxeltherapie nicht möglich ist, ohne welche die neuen

Medikamente nicht verabreicht werden können, was

kann man da tun

Antwort: In der Situation könnte man versuchen, wegen

fehlender Therapiealternativen mit der Krankenkasse

18 BPS-Magazin 3/2011


eine individuelle Reglung für eine Abiraterone Therapie

auszuhandeln oder versuchen in Wohnortnähe ein klinisches

Studienzentrum zu finden, wo z.B. nicht chemotherapeutische

Präparate getestet werden – in erster

Linie Antikörper, die man einsetzen kann gerade bei

Patienten mit knochenmetastasierter Erkrankung.

Frage 9: Welches der neuen Medikamente sollte unter

dem Gesichtspunkt Lebensqualität bevorzugt werden

Antwort: Wenn Lebensqualität im Vordergrund steht, sollte

man grundsätzlich Abiraterone empfehlen. Abiraterone

hat deutlich weniger Nebenwirkungen. Es gibt wenig

schwerwiegende Nebenwirkungen. Worauf man achten

muss, ist einmal der Kaliumhaushalt, einfach behandelbar

mit einigen Dragees, und dann möglicherweise Flüssigkeitseinlagerungen,

die mit harntreibenden Medikamenten

kompensiert werden können.

Bei Cabazitaxel sieht man doch erhebliche Nebenwirkungen,

insbesondere Auswirkungen auf das Knochenmark,

mögliche Infektionsraten und ausgeprägte Durchfallerkrankungen.

Frage 10: Wie hoch sind die Kosten für die neuen Medikamente

Antwort: Die Kosten für die neuen, jetzt auf den Markt

kommenden Medikamente sind zugegebenermaßen

sehr hoch. Es muss in Zukunft genau überlegt werden,

welche Therapie für welchen Patienten sinnvoll ist, wer

spricht auf welche Therapie an, um Patienten möglichst

effizient behandeln zu können.

Frage 11: Gibt es Erkenntnisse zu komplementären Therapien

als „Beiwerk“ unterstützend zur Chemotherapie

Antwort: Es gibt nur ganz wenige Daten. Es fehlen

belastbare Studien, die nachweisen, welche Formen

komplementärer Medikation sinnvoll oder weniger sinnvoll

sind. Bei uns in Aachen wird sehr engmaschig mit

dem Lehrstuhl für Naturheilkunde zusammengearbeitet

und da kam heraus, dass nur zwei/drei Präparate während

der Chemotherapie empfehlenswert sind. Das sind

in erster Linie Präparate, welche Nebenwirkungen reduzieren.

Alles andere, was angeboten wird und die Chemotherapie

verbessern soll, hat keine gültige Grundlage.

Frage 12: Unter dem Eindruck der neuen Medikamente

stellt sich die Frage: Welche Hormontherapie ist zu welchem

Zeitpunkt angezeigt u.a. auch mit Bezug auf die

dreifache Hormonblockade

Antwort: Das ist abhängig von der individuellen Situation

des Patienten. Wir wissen, mit einer kompletten Androgenblockade

(LHRH Agonist/Antagonist plus Antiandrogen

wird gegenüber einfacher Hormontherapie mit

einem LHRH modulierenden Präparat nach zehn Jahren

nur für 1% der Patienten ein Benefit erreicht. Wenn man

Patienten vor sich hat mit einer ausgedehnten Metastasenlast,

dann ist es sinnvoll, mit einer ausgedehnten,

kombinierten Hormontherapie von Anfang an zu beginnen,

um bestimmte Wachstumsmuster dieses Karzinoms

zu unterbrechen.

Ich glaube, dass bei der dreifachen Hormonblockade

durch die kontinuierliche Fortsetzung zunächst mit Pros -

car (Finasterid) jetzt mit Avodart (Dutasterid) bestimmte

Enzyme in den Krebszellen gehemmt werden, die dann

eine frühe Proliferation der Krebszellen verhindern. Ich

glaube, dass ist das Geheimnis der Dreifachen Hormonblockade

und nicht unbedingt die kurzzeitige Medikation

in den ersten dreizehn Monaten.

Frage 13: Ist es vertretbar bei fortgeschrittener Krankheit

in Studien Placebo einzusetzen, weil das doch

einen Nachteil für den Patienten darstellt

Antwort: Es kommt auf das klinische Stadium der Erkrankung

an. In der Phase vor Docetaxel, wo wir uns mit der

Frage befassen, ob Docetaxel oder eine Kombination

mit Docetaxel, zu geben ist, dann halte ich den Placeboarm

für nicht gerechtfertigt. In der Situation, Rezidiv

nach einer Chemotherapie, dann kann man durchaus

einen Placeboarm vertreten, vorausgesetzt engmaschige

Kontrollen und eine sehr frühzeitige Entscheidung für

eine Herausnahme der Patienten aus dem Placeboarm,

deren Krankheit weiter fortschreitet (wenn der PSA-Wert

zwei oder dreimal kontinuierlich angestiegen ist), um sie

mit der tatsächlichen Medikation zu versorgen.

Frage 14: Handeln Sie sich nicht eine schwierige Situation

ein, wenn Sie den fortgeschrittenen Kranken im BPS

bei der Entwicklung eines Kompetenznetzes helfen

Antwort: Das mag durchaus so sein, aber man muss in

bestimmten Situationen darüber nachdenken, was ist für

BPS-Magazin 3/2011

19


die entsprechende Patientengruppe hilfreich, was ist für

die Aufklärung der fortschreitenden Krankheit hilfreich,

und wie geht man da vor Man darf sich dabei nicht

immer von politischen Sachlagen leiten lassen. Mir persönlich

ist der Fortgang der Sache wichtig und nicht die

damit zusammenhängende politische Fragestellung.

Frage 15: Die S3-Leitlinie gibt kaum einen Anhalt für die

Behandlung eines weit fortgeschrittenen Prostatakarzinoms.

Wie kann man es angehen, dass hier eine Verbesserung

erfolgt

Antwort: Ein solches Problem muss man mehrgleisig

angehen. Bei der Versorgung der weit Fortgeschrittenen

sind auch die Selbsthilfegruppen gefragt. Da muss Qualität

hinterfragt werden. Wir sind in Aachen als Prostatazentrum

zertifiziert und arbeiten mit 20 niedergelassenen

Urologen und fünf Onkologen mittels eines einmal in der

Woche stattfindenden Tumorboards zusammen, ebenso

mit zwei etwas entfernter liegenden Kliniken. Das ist

meiner Meinung nach der einzige Weg, die etablierten

Standards durchzusetzen.

Anmerkung von Wolfhard D. Frost: Die vorstehenden

Fragen der Betroffenen und Antworttexte des Experten

sind meine persönlichen Aufzeichnungen. Garantieren

kann ich weder Vollständigkeit noch Richtigkeit. Auch

kann es sein, dass ich Sachverhalte möglicherweise nicht

Frage 16: Wird die Schaffung eines Kompetenznetzes

durch Studien unterstützt

Antwort: Die eine Zielsetzung ist, zu erfassen, welche

Therapien abseits der so genannten Standards durchgeführt

werden und mit welchem Erfolg. Eine Therapie

mit Ketokonazol wäre schon so eine Therapie abseits

des Standards. Es kommen sicherlich eine ganze Reihe

anderer Therapieformen hinzu. Dann muss man eine

möglichst große Patientengruppe evaluieren, welche

mit alternativen Therapien behandelt wurden und die

Rationale in einer klinischen Studie überprüfen.

Der dritte Aspekt, der mit diesem Kompetenznetz verfolgt

werden soll, ist der Versuch asserviertes Gewebe

der Patienten zu erhalten, die in das Kompetenznetz

integriert sind, um dann entsprechende molekulare Forschungen

durchzuführen und wieder einen Schritt in

Richtung individualisierte Therapie gehen zu können.

richtig verstanden habe. Vielleicht

habe ich eine oder andere Terminologie

nicht oder nur annähernd in

den richtigen Zusammenhang ge -

bracht. Ich bin medizinischer Laie.

Beratungshotline

Der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS) e.V. bietet eine telefonische Beratungshotline an.

Die Berater sind zu erreichen dienstags, mittwochs und donnerstags (außer an bundeseinheitlichen

Feiertagen) in der Zeit von 15 Uhr bis 18 Uhr unter der gebührenfreien Service-Rufnummer

0 8 0 0 – 7 0 8 0 1 2 3

Für Anrufe aus dem Ausland und aus Mobilfunknetzen wurde die Rufnummer +49(0)228-

28645645 eingerichtet. Hierbei fallen dieselben Gesprächsgebühren an wie für einen Anruf an

eine Festnetznummer in Deutschland.

Unsere Beratung erfolgt absolut unabhängig und ohne Einflussnahme durch Kliniken, Ärzte oder

Firmen und verfolgt keinerlei finanzielle Interessen.

Der Beratung liegt die „Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und

Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms“ der Deutschen Gesellschaft für Urologie

(DGU) zugrunde.

20 BPS-Magazin 3/2011


Aktuelle Studien beim hormonrefraktären

Prostatakarzinom

Aus der Studie in den Behandlungsalltag

Von Dr. Susan Feyerabend

Leitung der Studienpraxis Urologie, Nürtingen

Leitung des Studienzentrums der Universitätsklinik für Urologie, Tübingen

Im Jahre 2004 wurde mit dem Chemotherapeutikum

Docetaxel das erste Medikament in der Situation des

ansteigenden PSA-Wertes unter komplettem Androgenentzug

in Deutschland zugelassen. Obwohl mit der Chemotherapie

im metastasierten Stadium Krankheitsstabilität

oder Teilansprechen erzielt werden kann, schreitet

die Krankheit nach Abschluss der Therapie in der Regel

innerhalb von sieben Monaten voran.

Daher steht die Behandlung des hormonrefraktären

Pros tatakarzinoms weiterhin im Fokus der pharmazeutischen

Industrie und der onkologisch engagierten Urologen, um

neue Therapieansätze und Medikamente zu entwickeln.

Die Prüfung neuer Substanzen auf Wirksamkeit findet

innerhalb klinischer Studien statt, die an ausgewiesenen

Studienzentren durchgeführt werden. Die Teilnahme an

Therapiestudien kommt nicht nur der Evaluierung der

Pharmaka und ihrem Prozess auf dem Wege zur Zulassung

zugute, sondern ermöglicht dem Patienten auch die

Chance auf eine Behandlung mit vielversprechenden

Medikamenten vor ihrer Zulassung unter streng regulierter

Aufsicht eines ausgebildeten Prüfarztes.

Innerhalb des letzten Jahres haben einige, vielversprechende

Therapeutika mit unterschiedlichen Wirkweisen Therapieansprechen

demonstriert und vier Medikamente wurden

von der amerikanischen Behörde (FDA) zugelassen (Cabazitaxel,

Sipuleucel-T, Denosumab und Abiraterone Acetat).

In Deutschland wurden Cabazitaxel als Zweitlinienchemotherapeutikum

sowie Abiraterone Acetat nach Versagen

einer Behandlung mit Docetaxel zugelassen.

Leider existieren noch keine zugelassenen Behandlungsmöglichkeiten

von Patienten im metastasierten,

hormonrefraktären Stadium, denen noch nicht zu einer

Chemotherapie geraten wird.

Allerdings befindet sich derzeit eine Vielzahl von Medikamente

für dieses Krankheitsstadium in der klinischen

Studie. Eine Teilnahme steht jedem Betroffenen offen,

soweit er die Ein- bzw. Ausschlusskriterien erfüllt. Vier Studien

werden im Anschluss vorgestellt.

1. Phase II, randomisierte, doppel-blinde Plazebokontrollierte

Studie zur Evaluierung zweier Dosen eines

Antikörpers gegen Integrin αϖ (EMD525797) bei

Patienten mit asymptomatischen Knochenmetastasen

eines hormonrefraktären Prostatakarzinoms

Studienmedikament:

Integrine sind eine Gruppe von Rezeptorproteinen, die

die Gefäßneubildung und Zellteilung vermitteln. Sie

befinden sich auf aktivierten Gefäß-, Knochen- und

Tumorzellen. EMD5259797 ist ein Antikörper, der spezifisch

an αϖ Integrine bindet und dadurch Gefäßneubildung,

Tumorwachstum, Tumorzellauswanderung und

-metastasierung blockiert.

Nebenwirkungen:

Bisher keine spezifischen Nebenwirkungen bekannt.

Studienablauf:

Das Studienmedikament wird Patienten alle drei Wochen

intravenös in zwei Dosierungen oder Plazebo in doppelblinder

Weise (Arzt und Patient wissen nicht, ob es sich bei

dem Medikament um das Verum oder ein Scheinmedikament

handelt) bis zum Fortschreiten der Erkrankung

gegeben. Anschließend können die Patienten aus der Plazebogruppe,

die noch keine weiteren Antitumortherapien

erhalten, EMD 525797 in der höheren Dosierung erhalten.

Einschlusskriterien:

• In den Knochen metastasiertes Prostatakarzinom

• Anstieg des PSA-Wertes trotz Hormonentzug

• Laufende Therapie mit Zoledronsäure

• Keine Morphinbedürftigen Knochenschmerzen

2. Phase III, randomisierte, doppel-blinde Plazebokontrollierte

Studie mit Tasquinimod bei Patienten mit

asymptomatischem, metastasierten hormonrefraktären

Prostatakarzinom

Studienmedikament:

Tasquinimod (TASQ, ABR-215050) ist ein neuartiges Targetmolekül

aus der Reihe der zielgerichteten Therapien.

Diese Therapien unterdrücken auf molekularbiologischer

BPS-Magazin 3/2011

21


Ebene chemische Reaktionen, die die Tumorzellen im

Gegensatz zu den gesunden Zellen ausüben und die die

rasche Teilung, das lange Überleben und die Versorgung

durch eigens gebildete Tumorgefäße veranlassen.

Die Phase II Studie hat beim knochenmetastasierten

Patienten mit Prostatakarzinom ein bis zu 7 Monate verlängertes

Intervall gegenüber der Plazebobehandlung

bis zum Fortschreiten der Erkrankung gezeigt. Aufgrund

dieser Ergebnisse rekrutiert die aktuelle Phase III Studie nur

Patienten mit Knochenmetastasen ohne oder mit milden

Symptomen.

Nebenwirkungen:

Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Übelkeit in milder

Ausprägung

Einschlusskriterien:

• In den Knochen metastasiertes Prostatakarzinom

• Keine Morphinbedürftigen Knochenschmerzen

• PSA-Anstieg oder Zunahme der Metastasenlast in der

Bildgebung

Ausschlusskriterien:

• Stattgefundene Chemottherapie mit Taxotere, Estramustin

etc.

• Marcumarbehandlung

• Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungenembolie im letzen Jahr

Studienumfang:

1400 Patienten

Studienablauf:

• Tasquinimod wird einmal täglich als Tablette eingenommen

• Die Randomisation erfolgt im Verhältnis 2 : 1 (TASQ:

Plazebo)

• 2-4-wöchentliche Visiten bis Woche 13, anschließend

12-wöchentliche Visiten.

Nähere Informationen über: 0170 3809223

22 BPS-Magazin 3/2011

3. Phase III, randomisierte, doppel-blinde Studie mit

TAK-700 + Prednisolon versus Plazebo + Prednisolon

bei chemotherapie-naiven Patienten mit metastasiertem,

hormonrefraktären Prostatakarzinom

4. Phase III, randomisierte, doppel-blinde Studie mit

TAK-700 + Prednisolon versus Plazebo + Prednisolon

bei Patienten nach einer Taxotere-Chemotherapie mit

metastasiertem, hormonrefraktären Prostatakarzinom

Nachfolgende Informationen sind für beide Studien

zutreffend soweit nicht anders gekennzeichnet:

Studienmedikament:

TAK-700 hemmt, wie das kürzlich zugelassene Abiraterone,

die Testosteronbildung in der Nebenniere, die durch die

Dreimonatsdepotspritzen nicht unterdrückt wird. Da die Bildung

vom lebenswichtigen Hormon Cortison im Gegensatz

zum Abiraterone nicht unterdrückt wird, werden weniger

Nebenwirkungen erwartet. Da das Abiraterone nur für

Patienten nach einer Chemotherapie zugelassen ist, wird

den Patienten mit der Studie eine weitere Behandlungsoption

vor der Chemotherapie angeboten.

Nebenwirkungen:

Übelkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Bluthochdruck

Einschlusskriterien (beide Studien):

• Metastasiertes, hormonrefraktäres Prostatakarzinom

• PSA Anstieg oder Zunahme der Metastasenlast in der

Bildgebung

• Keine regelmässige Opiateinnahme

• Zustand nach einer Taxotere-Chemotherapie

(nur Studie 4)

Ausschlusskriterien:

• Stattgefundene Therapie mit Ketokonazol, Arbiraterone,

Cabazitaxel

• Stattgefundene Chemotherapie mit Taxotere oder

anderen Zystostatika (nur Studie 3)

Studienumfang:

Studie 1 schließt 1454 Patienten weltweit ein

Studie 2 schließt 1082 Patienten weltweit ein, 10 Studienzentren

in Deutschland

Studienablauf:

• TAK-700 wird zweimal täglich als Tablette eingenommen

• Die Randomisation erfolgt im Verhältnis 2 : 1 (TAK-700

: Plazebo)

• 6 monatliche Visiten gefolgt von vierteljährlichen Visiten

am Studienzentrum

• Auch beim Fortschreiten der Erkrankung (PSA oder in

der Bildgebung) kann der Patient TAK-700 weiter einnehmen


Spendenaufruf

Vorhersage eines klinisch gutartigen Verlaufs durch die DNA-Bildzytometrie bei

Niedrigrisikopatienten mit Mikrokarzinomen der Prostata

Der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. bittet

um Unterstützung der Studie mit einer Spende auf

das Spendenkonto des Bundesverbands Prostata -

krebs Selbsthilfe e.V. 70 20 621 Sparkasse Hannover,

BLZ 250 501 80.

Bitte geben Sie als Verwendungszweck „DNA-Zytometrie“

an. Der BPS wird eine Spendenquittung ausstellen.*

Hintergrund: Die Entscheidung zu einer Aktiven Überwachungsstrategie

bei Vorliegen eines so genannten klinisch

unbedeutenden Mikrokarzinoms der Prostata beruht auf

der Ausbreitung des Tumors, dem PSA-Wert im Blut und entscheidend

auf der subjektiven, histopathologischen Malignitätsgradierung

durch Bestimmung des Gleason Wertes.

Ziel der Studie: Geprüft werden soll, ob mit Hilfe der DNA-

Bildzytometrie zusätzlich zum Gleason-Wert eine objektivere

und prognostisch bedeutende Aussage gemacht

werden kann zur besseren Identifizierung der Patienten,

die von einer Aktiven Überwachung mehr profitieren als

von einer sofortigen Operation, Bestrahlung oder Hormontherapie.

Studientyp: Prospektive, validierende Kohorten-Studie mit

gutem Referenz-Standard

Leiter der Studie: Professor Dr. Stefan Biesterfeld, Leiter

des Schwerpunktes Cytopathologie, Heinrich-Heine Universität

Düsseldorf, für das Fach Pathologie

Professor Dr. Lothar Weißbach, Wissenschaftlicher Vorstand

der Stiftung Männergesundheit, Berlin, für das Fach

Urologie

Details der Studie sind einsehbar in der BPS Home -

page unter:

http://www.prostatakrebs-bps.de/DNA-Zytometrie

Gerne steht Ihnen für weitere Auskünfte und Hilfen Josef

Dietz, Leiter der Selbsthilfegruppe Bretten und Mitglied im

Vorstand des Landesverbandes Baden-Württemberg zur

Verfügung.

Seine Kontaktdaten sind: Josef Dietz, Max-Reger-Str. 10,

75015 Bretten Tel. 07252 5800 156, Fax 07252 5800 157,

E-mail info@prostata-shg-bretten.de.

*Bis zum 8. Dezember 2011 wurden 10.075 € gespendet.

PREFERE

Präferenzbasierte randomisierte Studie zur Evaluation der Behandlungsmodalitäten

bei Prostatakarzinom mit niedrigem/frühem

intermediären Risiko

Bericht über die aktuellen Vorbereitungen zur PREFERE Studie

Von Jens-Peter Zacharias

Gesundheitspolitischer Sprecher des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.

Studienleiter

• Prof. Dr. Michael Stöckle, Urologische Universitätsklinik

Homburg/Saar. – Vertreter Prof. Dr. Peter Albers, Urologische

Universitätsklinik Düsseldorf

• Prof. Dr. Thomas Wiegel, Klinik für Strahlentherapie und

Radioonkologie der Universität Ulm

Vertreter: Prof. Dr. Heinz Schmidberger, Klinik für Radioonkologie

und Strahlentherapie der Universität Mainz.

Nach dem ersten Beitrag über die PREFERE Studie im BPS

Magazin 3/2010 soll an dieser Stelle wieder der Studienleiter,

Prof. Stöckle, zu Wort kommen.

„Da man in der Niedrigrisiko-Gruppe sicherlich die

höchste Rate an Übertherapie zu erwarten hat, sind wir

unseren heutigen und unseren zukünftigen Prostatakrebs-Patienten

schuldig, jede Anstrengung zu unternehmen,

offene Fragen auf evidenzbasierter Grundlage zu

erklären. Gerade weil heute keine gesicherte Empfehlung

bezüglich der besten Therapieoption möglich ist,

stellt die Randomisierung beziehungsweise Teilrandomisierung

dabei einen legitimen und hochgradig ethischen

Weg dar, um Wissenslücken zu schließen. Erst

dann werden wir nachweislich verlässliche Behandlungs-

BPS-Magazin 3/2011

23


empfehlungen geben können. Damit unsere Patienten

nicht länger vor der schwierigen Entscheidung zwischen

den vier als geeignet geltenden Therapieoptionen stehen.“

In der PREFERE Studie werden vier Therapiemöglichkeiten

(Radikale Prostatektomie, Perkutane Strahlentherapie mit

Photonen, Interstitielle niedrig dosierte Brachytherapie mit

permanenter Seed-Implantation und Aktive Überwachung)

verglichen. Der Patient hat die Möglichkeit sich für zwei Therapieformen

zu entscheiden und zwei andere Therapieformen

abzulehnen. Einer der beiden gewählten Therapieformen

wird er sodann nach dem Zufallsprinzip zugeordnet

(randomisiert). Unter Berücksichtigung aller denkbaren Präferenzen

ergeben sich elf Wahlmöglichkeiten/Teilstudien.

Lediglich Patienten, die nur eine bestimmte Therapiemöglichkeit

akzeptieren, können nicht an der Studie teilnehmen.

Das Studienkonzept wurde von einer Expertengruppe

für gut befunden und die Finanzierungszusagen werden

zum Jahresende erwartet. Im Herbst 2012 soll mit dem

Patienten-Einschluss begonnen werden.

Mit über 7.000 Teilnehmern und einem Beobachtungszeitraum

von zehn Jahren stellt die Umsetzung von

PREFERE eine besondere Herausforderung dar und verlangt

größtes Engagement aller Beteiligten. Zu ihnen

gehören auch der BPS und insbesondere Paul Enders

und Jens-Peter Zacharias. Beide arbeiten in der Kommunikationsgruppe

der Studie und vertreten das Interesse

der Patienten.

Wir werden Sie wegen der großen Bedeutung der PRE-

FERE Studie für unsere Erkrankung regelmäßig über den

Fortgang unterrichten.

HIFU-Anwendungsbeobachtung

bundesweit angelaufen

Von PD Dr. Andreas Blana, Fürth und

Professor Dr. Martin Schostak, Magdeburg

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) hat in ihrer

S3-Leitlinie von 2009 zur Behandlung von Prostatakrebs

mehr und vergleichbare Daten zur HIFU-Therapie gefordert.

Es gibt zwar bereits viele Veröffentlichungen zur HIFU-

Therapie bei Prostatakrebs mit dem Gerät Ablatherm,

aber die sind häufig nicht miteinander vergleichbar,

weil die Daten unterschiedlich erhoben oder ausgewertet

wurden. Um wissenschaftlich fundiert nachweisen

zu können, wie hoch die Erfolgsquote der HIFU und

wie hoch das Risiko von Nebenwirkungen ist, braucht

man eine große Anzahl von Daten, die nach den gleichen

Kriterien erhoben wurden. Damit soll zukünftigen

Patienten geholfen werden, die sich für oder gegen

eine Therapie entscheiden müssen.

Dr. Andreas Blana, Chefarzt der Klinik für Urologie in

Fürth, und Prof. Martin Schostak, Direktor der Urologischen

Klinik der Universität Magdeburg, haben deshalb

eine HIFU-Anwendungsbeobachtung initiiert, die

zunächst drei Jahre laufen soll. Ihr Ziel ist es, möglichst

alle in Deutschland stattfindenden HIFU-Behandlungen

in eine Datenbank aufzunehmen.

Was ist HIFU

HIFU ist die Abkürzung für „Hoch Intensiver Fokussierter

Ultraschall“, also gebündelte Ultraschallwellen. Wie bei

einem Brennglas entstehen dabei im Fokuspunkt hohe

Temperaturen von ca. 90° C, die in der Medizin genutzt

werden, um Krebstumore zu zerstören. HIFU kann als primäre

Behandlung oder bei einem Rezidiv eingesetzt

werden, auch bei Rezidiven nach Bestrahlung.

Es handelt sich dabei um eine minimal invasive Behandlung,

weil kein Schnitt, keine Implantate und keine Bestrahlung

notwendig sind. Der Patient benötigt in der Regel keine

Vollnarkose, so dass HIFU auch für ältere Patienten oder

Patienten mit Begleiterkrankungen geeignet ist.

Was ist eine Anwendungsbeobachtung

Eine Anwendungsbeobachtung ist eine wissenschaftliche

Untersuchung, die genauere Erkenntnisse über

eine bereits bekannte und etablierte Therapie erbringen

sollen. In diesem Fall geht es um die Erfolgsquote

24 BPS-Magazin 3/2011


der HIFU-Therapie, um mögliche Nebenwirkungen

sowie um die Lebensqualität der Patienten vor und

nach der Behandlung. Die HIFU-Anwendungsbeobachtung

ist in fast allen Bundesländern bereits angemeldet

und genehmigt worden.

HIFU – eine erprobte Therapie

Die HIFU-Therapie von Prostatakrebs mit dem Gerät

Ablatherm wird seit 1996 in deutschen Kliniken angewandt.

Weltweit wurden bisher ca. 25.000 Patienten

behandelt, in Deutschland bieten ca. 50 Kliniken die

HIFU-Therapie an, deren Kosten von den gesetzlichen

und privaten Krankenkassen übernommen werden. Es

gibt eine große Anzahl von Studien und Veröffentlichungen

aus aller Welt, die zeigen, dass die Erfolgsquoten

vergleichbar mit denen von Bestrahlungen und

Operationen sind, wobei HIFU in der Regel weniger

unerwünschte Nebenwirkungen erzeugt.

Welche Vorteile bringt die Anwendungsbeobachtung

den Teilnehmern

Alle Teilnehmer an der Anwendungsbeobachtung werden

vor und nach der Behandlung nicht nur genau

untersucht, sondern es wird ihnen auch eine Reihe von

Fragen zu ihrer Lebenssituation gestellt. Besonders nach

der Behandlung werden die behandelnden Ärzte sie auf

die Themen Inkontinenz, erektile Dysfunktion und eventuelle

Probleme beim Wasserlassen ansprechen.

Die Nachsorgetermine finden bereits kurz nach der

Behandlung und danach in regelmäßigen Abständen

statt, so dass der Arzt sofort reagieren kann, wenn der

Patient Probleme hat. Die Patienten werden zu ihren

Terminen eingeladen, damit sie keine Untersuchung

verpassen und so bestmöglich betreut werden.

Alle Teilnehmer tragen aber vor allem auch dazu bei,

das Wissen um die HIFU-Therapie zu erweitern und zu

vertiefen. Die anonymisierten Ergebnisse werden wissenschaftlich

ausgewertet und veröffentlicht, so dass

die Erkenntnisse allen Ärzten und Interessierten zur Verfügung

stehen. Die Teilnehmer helfen damit den vielen

Patienten, die nach ihnen an Prostatakrebs erkranken

und die vor derselben schweren Entscheidung stehen,

vor der sie selbst auch gestanden haben: Welche Therapie

ist für mich die Richtige

Jeder teilnehmende Patient kann jederzeit seine Einwilligung

zurückziehen und die Teilnahme an der

Anwendungsbeobachtung beenden. Seine Daten werden

dann aus der Datenbank gelöscht.

Wo werden die Daten gesammelt

Grundlage der Datenerhebung ist das @-Registry, eine

Datenbank, die es seit 2009 gibt. In ihr werden Angaben

zum Patienten, zur Behandlung (Datum, Dauer,

u.ä.) und die Ergebnisse der Nachuntersuchungen

dokumentiert. Nur der behandelnde Arzt weiß, welche

Daten von welchem Patienten stammen. Anderen Ärzten

können die Daten anonymisiert zur Verfügung

gestellt werden, wenn sie diese wissenschaftlich auswerten

wollen.

Das @-Registry erfüllt höchste Kriterien der Datensicherheit

mittels 128-bit-verschlüsselter Secure-Service-

Kommunikation.

Seien Sie mit dabei!

Als wissenschaftliche Studienleiter laden wir alle zukünftigen

HIFU-Patienten ein, Teil der Anwendungsbeobachtung

zu werden. Nur gemeinsam mit Ihnen kann sie

ein Erfolg werden!

Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt, wenn Sie

Fragen haben, oder schreiben Sie an unsere Studienorganisation:

hifu@think-wired.de. Wir freuen uns, von

Ihnen zu hören.

Korrespondenzadressen:

Prof. Dr. Martin Schostak

Direktor der Urologischen Universitätsklinik

Urologische Universitätsklinik Magdeburg

Leipziger Straße 44

39120 Magdeburg

Tel.: 0391 671 5036

Fax: 0391 671 5094

E-Mail: martin.schostak@med.ovgu.de

PD Dr. Andreas Blana

Chefarzt der Klinik für Urologie

Klinikum Fürth - Klinik für Urologie

Jakob-Henle-Straße 1

90766 Fürth

Tel: 0911 7580 1351

Fax: 0911 7580 1897

E-Mail: urologie@klinikum-fuerth.de

Informationsmaterial zur Anwendungsbeobachtung für

Patienten und Ärzte verschickt die Studienorganisation

(Think Wired!, Telefon 040 380 23 97 60, hifu@thinkwired.de).

BPS-Magazin 3/2011

25


Neue Informationen zum Prostatakrebs

vom Kongress 2011 der Europäischen

Urologischen Gesellschaft

Von Dr. Julia Heinzelbecker

Urologische Klinik, Universitätsmedizin Mannheim

Hansjörg Burger

Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Rhein-Neckar e.V., Mannheim

1. Einfluss von äußeren Faktoren auf die Entstehung

eines Prostatakarzinoms

Einige Arbeiten, die im Rahmen des Kongresses der

Europäischen Gesellschaft für Urologie 2011 in Wien vorgestellt

wurden, beschäftigten sich mit dem Einfluss von

äußeren Faktoren auf die Entstehung eines Prostatakarzinoms.

In diesem Zusammenhang untersuchten De Nunzio

und Kollegen den Einfluss von Übergewicht. Hierbei

zeigte sich, dass Übergewicht kein erhöhtes Risiko für Pros -

tatakrebs darstellte. Wenn jedoch bereits ein Prostatakarzinom

vorhanden war, so bestand ein erhöhtes Risiko für

aggressivere Prostatakarzinome mit einem Gleason

Score ≥ 7 (# 311: De Nunzio et al.; Eur Urol Suppl; 2011:

10, 116).

Ebenfalls im Fokus standen Medikamente, die in der

heutigen Gesellschaft häufig Anwendung finden, exemplarisch

solche gegen Bluthochdruck und zur Senkung

des Cholesterinspiegels. Kemppainen und Kollegen

zeigten etwa, dass Medikamente gegen Bluthochdruck

keinen Einfluss auf die Entstehung eines Prostatakarzinoms

hatten.

Cholesterin senkende Medikamente (Statine) konnten,

bei Patienten, die ein Prostatakarzinom haben, das Risiko

für die Entstehung von Knochenmetastasen sogar

reduzieren. Der zu Grunde liegende Mechanismus

besteht darin, dass sie Prostatakarzinomzellen daran hindern,

in das Knochenmark einzuwandern. Ob eine

Medikation mit derartigen Medikamenten jedoch generell

zum Einsatz kommen sollte, kann derzeit nicht beantwortet

werden.

2. PSA-Screening

Der PSA-Wert hat einen sehr wichtigen Stellenwert, aber

auch andere Symptome, beziehungsweise deren Fehlen

können Hinweise geben. Frånlund und Mitarbeiter

fanden heraus, wenn keine Symptome für eine Erkrankung

der unteren Harnwege (LUTS) vorlagen, wie beispielsweise

der häufige Gang zur Toilette oder eine

nächtlichen Drangsymptomatik und der PSA-Wert gleichzeitig

über 3ug/l lag, ein erhöhtes Risiko für das Vorhandensein

von Prostatakrebs bestand (# 23: Frånlund et

al.; Eur Urol Suppl; 2011: 10, 35-36).

Im Rahmen der Diagnostik spielt, wenn sich der Verdacht

erhärtet, die Biopsie zur Diagnosesicherung die

entscheidende Rolle. Bei einigen Patienten findet sich

trotz erhöhten PSA-Wertes kein Prostatakarzinom, so dass

im weiteren Verlauf unter Umständen eine erneute Biopsie

notwendig wird.

Roy und Mitarbeiter zeigten, dass Mehrfachbiopsien

einen negativen Einfluss auf die Potenz nach radikaler

Prostatektomie haben können.

3. Aktive Überwachung (Active Surveillance)

Eine Behandlungsmöglichkeit nach der Diagnose eines

Prostatakarzinoms ist die aktive Überwachung der Erkrankung.

Man weiß, das Prostatakarzinom ist prinzipiell ein

langsam wachsender Tumor und es kann daher in ganz

speziellen Fällen gerechtfertigt sein, diesen Tumor nicht

primär gezielt zu behandeln, sondern zunächst nur zu

beobachten. Sollte er sich dann zu einem aggressiven

Tumor entwickeln, ist die Möglichkeit der Behandlung

immer noch gegeben. Wird er nicht aggressiv, wird er

unter Umständen für den Erkrankten niemals von Belang

sein. Allerdings ist es weiterhin schwierig, einen weniger

aggressiven von einem aggressiveren Tumor zu unterscheiden.

Fromont und Kollegen zeigten beispielsweise, dass

Patienten unter Aktiver Überwachung, bei denen also in

einer ersten Biopsie ein niedrig aggressives Prostatakarzinom

diagnostiziert worden war, in einer erneuten Biopsie,

in 1 /3 der Fälle jetzt ein aggressives Prostatakarzinom vorlag.

Somit eigneten sich diese Patienten nicht für ein Aktives

Beobachten. Das Ergebnis einer Erstbiopsie muss

also mit Vorsicht betrachtet werden.

26 BPS-Magazin 3/2011


Außer dem Ergebnis der Biopsie wird nach weiteren

Anhaltspunkten gesucht, welche die Entscheidung zur

Aktiven Überwachung unterstützen können. Hierzu

gehört unter Anderem auch die PSA-Verdopplungszeit.

Axen und Kollegen konnten zeigen, wenn die PSA-Verdoppelungszeit

> 4 Jahre beträgt, die Aktive Überwachung

eine gute Option ist. Wenn sie jedoch unter 4

Jahren liegt, dann sei sie nicht zu empfehlen.

Ebenfalls wurde in diesem Zusammenhang der Stellenwert

des PCA3-Tests untersucht. Hierbei zeigte sich

eine starke Korrelation mit einem geringen Tumorvolumen

und insignifikanten Prostatakarzinomen bei einem

PCA3-Score < 25. Die Durchführung des PCA3-Tests, wie

die Errechnung der PSA-Verdopplungszeit, könnte also

von zusätzlichem Nutzen für die Eingruppierung zur Aktiven

Überwachung sein.

4. Lokal begrenztes Prostatakarzinom und Hormontherapie

Immer wieder gibt es Patienten, die ein lokal begrenztes

Prostatakarzinom haben, sich aber nicht für eine kurative

Therapie eignen. Studer et al untersuchten nun, ob eine

sofortige Hormontherapie oder eine verzögerte Hormontherapie

erst beim Einsetzen von Symptomen für die

Patienten von Vorteil war. Dabei zeigte sich ein geringer

Vorteil für das Gesamtüberleben bei den Patienten, die

sofort eine Hormontherapie erhalten hatten. Für die entscheidende,

krankheitsspezifische Sterblichkeit allerdings,

zeigte sich kein Unterschied. Immerhin 53% der

Patienten hatten nach 10 Jahren noch immer nicht mit

der Hormontherapie begonnen. Somit ist also eine sehr

sorgfältige Abwägung notwendig, vor Beginn einer Hormontherapie.

6. Fehlender kompletter Abfall des PSA-Wertes nach

radikaler Prostataoperation

In einer Studie zum biochemischen Rezidiv wurden

Patienten nach radikaler Prostataoperation untersucht,

deren PSA-Werte nach der Operation nie komplett

abgefallen waren. Bei ¾ dieser Patienten stieg der PSA-

Wert innerhalb von zwei Monaten an. Sie hatten ein biochemisches

Rezidiv. Risikofaktoren hierfür waren ein

Gleason Score ≥ 7, ein Tumorstadium von pT 3 /4 und ein

PSA-Wert nach der OP von > 0,2 ng/ml.

Somit kann für Patienten, die nach der OP keinen

kompletten PSA-Abfall hatten eine Indikation zu einer

adjuvanten (ergänzenden) Therapie, wie einer Bestrahlung,

ab einem postoperativen PSA-Wert >0,2ng/ml

abgeleitet werden.

7. Salvage (wörtlich: Rettungs) Bestrahlung

In einer Studie von van Poppel und Kollegen wurde die

Salvage Bestrahlung gegen die Strategie beobachtendes

Abwarten bei Patienten nach radikaler Prostataentfernung

mit einem Stadium pT3 oder einem positiven

Schnittrand (R1) untersucht. Das PSA freie Überleben bei

einer Bestrahlung war zwar deutlich verlängert, jedoch

ergab sich für die entscheidenden Parameter Gesamtüberleben

und metastasenfreies Überleben kein Unterschied.

Neue Therapieansätze zur Behandlung des kastrationsresistenten

Prostatakarzinoms wurden ebenfalls vorgestellt:

Cabazitaxel, Abiraterone und MDV-3100. Nähere

Informationen finden Sie in der Zusammenfassung des

Vortrags von Prof. Heidenreich ab S. 14.

5. Prostatakarzinom mit hohem Risiko

In einer zurückblickenden (retrospektiven) Studie wurde

die Frage untersucht, ob bei Patienten mit hohem Risiko

mit einem PSA > 20 ng/ml die radikale Prostataoperation

oder die Bestrahlung besser sei. Hierbei zeigte sich

eine deutliche Überlegenheit im Bezug auf das tumorspezifische

Überleben für die radikale Prostataoperation.

BPS-Magazin 3/2011

27


Aus dem Bundesverband

„Patientenbeteiligung: Unser gutes Recht!“

Tag der Krebs-Selbsthilfe 2011

Red. (mk): Die Deutsche Krebshilfe und von ihr geförderte

Selbsthilfeorganisationen hatten zum siebten Tag der Krebs-

Selbsthilfe nach Berlin eingeladen. Vertreter der Selbsthilfe,

der Kostenträger sowie Experten der Gesundheitspolitik,

darunter auch der Patientenbeauftragte der Bundesregierung,

Wolfgang Zöller, diskutierten über Nutzen und Möglichkeiten

der Patientenbeteiligung in Entscheidungsprozessen

des Gesundheitswesens. Selbsthilfe Vertreter verdeutlichten,

wo ihre Mitwirkung wichtig und real existent ist. Sie

sind z.B. beteiligt an der Nutzenbewertung neuer Arzneimittel

und damit an der Preisbildung und Kostenübernahme

durch die gesetzlichen Krankenkassen.

Für den BPS informierte Joachim Böckmann, Leiter der

Prostatakrebs Selbsthilfegruppe Ammerland über die Notwendigkeit

eine Leitlinie für die Rehabilitation nach Prostatakrebs

zu entwickeln. Nachdem der BPS den Bedarf

erkannt und mit Rehabilitationsmedizinern diskutiert hatte,

konnte eine Expertengruppe gebildet werden die seit Jahresbeginn

an der Entwicklung einer Rehabilitationsleitlinie

zusammenarbeitet, zu der auch Joachim Böckmann

gehört. Die Expertengruppe wird koordiniert von Prof. Oliver

Rick, Klinik Reinhardshöhe, Bad Wildungen. Die Leitlinie wird

voraussichtlich im Jahr 2012 fertigestellt werden.

In der Hilfsmittelversorgung werden sich durch die Beteiligung

von Patienten Verbesserungen ergeben. Für Inkontinenzvorlagen

z.B. erstellen Vertreter des BPS gemeinsam

mit dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen

ein aktualisiertes den Bedürfnissen der Patienten ange -

passtes Anforderungsprofil. Eine von der Deutschen ILCO

geforderte Entkoppelung von Beratung und Verkauf der

Hilfsmittel unterstützt der BPS mit dem Ziel einer eigenständigen

Vergütung für unabhängige Beratung.

Einig waren sich alle Teilnehmer des Tages der Krebs-

Selbsthilfe, die Finanzierung der Selbsthilfe muss in Zukunft

besser gesichert werden. Die Krankenkassen, über das So -

zialgesetzbuch gesetzlich zur grundlegenden finanziellen

Ausstattung der Selbsthilfe verpflichtet, müssen um mehr

finanzielle Planungssicherheit und Transparenz bemüht sein.

Joachim Böckmann, Prof. Oliver Rick (v.l.)

28 BPS-Magazin 3/2011


Trauer um Carl-Lotar Kühne

Mitbegründer des BPS verstorben

Carl-Lotar Kühne erhielt 1993 die Diagnose Prostatakrebs.

Wie so viele Betroffene stand er mit seinen Sorgen

und Nöten alleine. Prostatakrebs war ein Tabuthema.

Erst 1998 kam es mit Unterstützung der Informationsund

Kontaktstelle für Mitarbeit und Selbsthilfe Worms zu

einem ersten Treffen mit sieben weiteren Männern und

damit war die Selbsthilfegruppe in Worms entstanden.

Während seiner jahrelangen Suche nach Aufklärung

und Unterstützung war ihm klar geworden, dass ein

bundesweites Betreuungsnetz aufgebaut werden

musste. 1999 erfolgte ein erstes Treffen mit Uwe Klas -

kala, ehem. Leiter der SHG Berlin und Christian Ligensa,

SHG Koblenz, um Einzelheiten zur Gründung einer

bundesweiten Vereinigung der Prostatakrebs Selbsthilfe

zu besprechen. Als Ergebnis dieses Treffens haben sich

im Februar 2000 Vertreter von 16 regionalen Selbsthilfegruppen

bei der deutschen Krebsgesellschaft in Frankfurt

getroffen und dort die „Prostatakrebs Selbsthilfegruppen

Arbeitsgemeinschaft (PSA) Deutschland ins

Leben gerufen. Carl-Lotar Kühne wurde zum Sprecher

der Arbeitsgemeinschaft gewählt.

Carl-Lotar Kühnes Wunsch, in allen Bundesländern sollen

Selbsthilfegruppen Männern mit Rat und Tat bei der

Erkrankung Prostatakrebs zur Seite stehen, ist auf einem

guten Weg. Aus den 16 Gründungsgruppen sind mehr

als 240 regionale und 8 überregionale Selbsthilfegruppen

geworden.

Der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe wird Carl-Lotar Kühne

und die ebenfalls in diesem Jahr verstorbenen Selbsthilfegruppenleiter

Roland Bauer

Detlef Henkelmann

Hans-Jürgen Hofmann

Leo Kuhn

Horst Pestinger

Dieter Ringe

Karl Stracke

Werner Tatsch

Volkmar Wilhelm

in dankbarer Erinnerung behalten.

BPS-Magazin 3/2011

29


Aus den Selbsthilfegruppen

Sterne des Sports

Selbsthilfegruppe Dresden

besucht Vogtland-Klinik in

Bad Elster

Von Wolfgang Prager, Selbsthilfegruppe Dresden

Selbsthilfegruppe Heidekreis e.V. erneut erfolgreich

Red. (mk): Auch 2011 erreichte die SHG Heidekreis

e.V. den 2. Platz bei der Aktion „Sterne

des Sports“. Die 1.000.-- Euro dotierte Auszeichnung

wurde durch den Deutschen Olympischen

Sportbund und die Volks- und Raiffeisenbanken

überreicht. Damit wurde erneut die

erfolgreiche Arbeit der REHA-Sportgruppe gewürdigt, die in der Region starken Zulauf hat

und sehr bekannt ist. Darüber hinaus erhielt die REHA-Sportgruppe Sportbekleidung in

Höhe von 1.000,00 Euro gesponsert.

Als Höhepunkt im Gruppenleben im Jahre 2011 besuchten

Mitglieder der Selbsthilfegruppe „Prostatakrebs“ Dresden

mit ihren Partnerinnen am 27.07.2011 im Rahmen

eines Projekttages „Harninkontinenz“ die Fachabteilung

Urologie/Uroonkologie/Nephrologie und das Zentrum für

Kontinenz und funktionelle Urologie der Vogtlandklinik in

Bad Elster.

Der Projekttag begann mit einem Einführungsvortrag von

Chefarzt Professor Zermann zum Thema „Kontinenz“. Im

Anschluss konnten Fragen zu medizinischen, rechtlichen

und sozialen Sachverhalten der Rehabilitation gestellt werden.

Danach erfolgten in zwei Gruppen praktische Übungen

zur Bewältigung der Aktivitäten des täglichen Lebens.

Eine ausgedehnte Hausführung durch die Vogtlandklinik

mit Erläuterung der Inhalte der medizinischen Rehabilitation

beendete den Projekttag.

Der Projekttag hat unseren betroffenen Gruppenmitgliedern

Anregungen und Motivation zur Bewältigung der Therapiefolgen

gegeben. Für die gelungene Exkursion und

Veranstaltung sei noch einmal der Leitung und den Mitarbeitern/innen

der Fachabteilung Urologie der Vogtlandklinik

Bad Elster für die vorzügliche Betreuung, der IKK Dresden

für die finanzielle Unterstützung sowie dem Busunternehmen

Möbius aus Dresden gedankt.

Berliner Seniorenwoche

Red. (mk): Die erstmalige Teilnahme an einer öffentlichen Veranstaltung war

für die Selbsthilfegruppe Mariendorf ein voller Erfolg. Über sieben Stunden

standen die Männer um Wolfgang Slania vielen Betroffenen mit einem stark

genutzten Beratungsangebot zur Verfügung. Die gute Resonanz ist Ansporn

genug, auch in Zukunft an solchen Informationsveranstaltungen teilzunehmen.

30 BPS-Magazin 3/2011


Fünf Jahre Prostatakrebs Selbsthilfegruppe

Chemnitz und Umgebung

Von Walter Hendrych, Gründungsmitglied und Ralf Rauh, Vorstandsmitglied

Der Patiententag des

Bundesverbandes Prostatakrebs

Selbsthilfe e.V.

(BPS) am 16. Juli 2005 im

ETM-Forum Chemnitz,

unter dem Motto: „Männerkrebs

erkennen, verstehen,

behandeln!“ gab

den entscheidenden

Anstoß zur Bildung einer

Prostatakrebs Selbsthilfegruppe

(SHG) im Bereich

Chemnitz. Bis dato war

Chemnitz für den BPS auf

der Landkarte der BRD ein

Walter Hendrych, Helmar Frenzel (v.l.)

weißer Fleck. Zahlreiche

vom Prostatakrebs betroffene Anwesende erfuhren, dass

es sinnvoll ist, sich im Kampf gegen den Prostatakrebs

in einer Selbsthilfegruppe zusammenzuschließen. Hier -

über informierten in Vorträgen und anregenden

Gesprächen Dr. Dietmar Trautz, Vorsitzender des Urologenvereins

Chemnitz und Umgebung, Bernd Knye-

Neczas, SHG-Leiter Jena und Jochen Berger, SHG-Leiter

Leipzig. In ausgelegten Adresslisten trugen sich 37

betroffene Männer ein, die ihr Interesse an der Mitarbeit

in einer SHG bekundeten.

Das erste Treffen fand am 22.09.2005 mit 20 Teilnehmern

in der Kontaktstelle für Selbsthilfe (KISS), dem mehrjährigen

Domizil der Gruppe, statt. Aller Anfang war

schwer! Viele Fragen standen an: „Wer sind wir Was tun

wir Was wollen wir Was wollen wir nicht Wer übernimmt

die Leitung“ etc. Am 20.10.2005 wurde im Beisein der

Paten Bernd Knye-Neczas und Jochen Berger die Gruppe

gegründet und Helmar Frenzel zum Vorsitzenden und

Lothar Weinhold zu seinem Stellvertreter gewählt. Von

den 20 Gründungsmitgliedern, damals im Alter von 52

bis 81 Jahren, sind heute

noch 13 überwiegend

aktiv; fünf Männer hat leider

der Krebs besiegt. Im

aktuellen sechsten Jahr

hat die SHG 48 Mitglieder,

weitere 20 Betroffene werden

schriftlich und telefonisch

be treut. Peter Scheff -

ler leitet zusammen mit

seinem Stellvertreter Reinhard

Jahn, dem Schatzmeister

Helmar Frenzel

und Ralf Rauh die Selbshilfegruppe.

Im Januar 2007 wurde aus der SHG ein nichtrechtsfähiger

gemeinnütziger Verein. Zu einem weiteren wichtigen

Ereignis zählte die Aufnahme in die Sächsische

Krebsgesellschaft.

Mit dem Prostatakarzinomzentrum der Chemnitzer

Zeisigwaldklinik Bethanien besteht seit 2008 eine Kooperationsvereinbarung.

Der Patientenkongress des Patientenbeirates der

Deutschen Krebshilfe fand erstmals in Chemnitz statt.

Für die Themenauswahl, die Auswahl der Referenten

und die Moderation zur Veranstaltung Prostatakrebs

war im Auftrag und in Abstimmung mit dem BPS unsere

SHG verantwortlich. Die SHG bewarb sich 2010 um

den erstmalig verliehenen Chemnitzer Selbsthilfe Preis.

Unter den 250 in Chemnitz existierenden Selbsthilfegruppen

bzw. Vereinen belegte sie einen achtbaren

3. Platz.

Engagiert hat sich die SHG auch für die Betroffenen im

Vogtland: mit ihrer Unterstützung konnte 2010 die SHG

Vogtland mit ihrer Arbeit beginnen.

BPS-Magazin 3/2011

31


Schluss mit dem Tabu – reden wir darüber

Red. (mk): Im Oktober fand die vierte Abendsprechstunde

der Borkener Zeitung und des St. Agnes-Hospitals Borken

statt. Rund 400 Besucher wollten sich über Erkrankungen

der Prostata informieren.

Fragen zur Früherkennung, zur Diagnose und zu

Behandlungsmöglichkeiten wurden von Dr. F. Oberpenning,

Chefarzt der Klinik für Urologie am St.-Agnes-Hospital

Bocholt und Dr. Christoph Rüssel, niedergelassener

Urologe, beantwortet.

Die Selbsthilfegruppe Borken hatte sich mit einem Informationsstand

beteiligt. Sie setzt sich besonders für die

von Inkontinenz betroffenen Männer ein. Lothar Strauch

nutzte die Veranstaltung, um auf dieses Problem aufmerksam

zu machen: Er bat in diesem Zusammenhang

darum, Herrentoiletten mit Hygienebehältern auszustatten,

um die Einlagen zu entsorgen.

Die SHG Borken unterstützt aktiv das 2010 von Ludger

Schnorrenberg und Oskar Blum gestartete bundesweite

Projekt der Einbringung von Hygienebehältern in Herrentoiletten.

Neu im BPS

Wir begrüßen herzlich die zwischen September und Dezember 2011 im BPS aufgenommenen Gruppen.

Prostatakrebs SHG Idar-Oberstein/Kirn

Wolfgang Fuchs

Rechstr. 72

55743 Idar-Oberstein

Tel: 06784 12 98

Fax: 06784 90 08 43

E-Mail: w.fuchs.nabo@t-online.de

Prostatakrebs SHG Wildeshausen im MGH

Siegfrid Behnfeld

Gisbertzstr. 16

27793 Wildeshausen

Tel: 04431 94 56 55

E-Mail: siegfrid.behnfeld@ewetel.net

Prostatakrebs Selbsthilfe Aachen (PS-AC)

Josef Pagen

Westring 20

52477 Alsdorf

Tel: 02404 21 164

E-Mail: josefpagen@ps-alsdorf

Prostatakrebs Selbsthilfegruppe Eschweiler

Bernhard Reimer

Postfach 12 27

52232 Eschweiler

Tel: 02404 676363

Mobil: 0171 99 03 378

E-Mail: bernhard.reimer@t-online.de

Männerselbsthilfegruppe - Leben mit Krebs - im Landkreis

Freudenstadt

Manfred Bökenschmidt

Buchrainweg 5

72250 Freudenstadt- Igelsberg

Tel: 07442 12 10 49

E-Mail: m.boekenschmidt@web.de

32

BPS-Magazin 3/2011


Termine 2012

12. Februar Saarbrücker Männertag Saarbrücken

22. - 25. Februar 30. Deutscher Krebskongress Berlin

25. Februar Krebsaktionstag Berlin

3. März 8. Siegener Prostata-Symposium Siegen

17. März Patientenkongress des Patientenbeirats der Erlangen

Deutschen Krebshilfe

24. März Selbsthilfetag Bad Dürrheim

21. April Patientenkongress des Patientenbeirats der Halle/Saale

Deutschen Krebshilfe

15. September Patientenkongress des Patientenbeirats der Mainz

Deutschen Krebshilfe

6.-7. Oktober Gesundheits- und Vitalmesse VS-Schwenningen

17. November Patientenkongress des Patientenbeirats der Kiel

Deutschen Krebshilfe

Bitte beachten Sie auch die täglich aktualisierte Terminvorschau auf unserer Internetseite

www.prostatakrebs-bps.de.

Nähere Angaben entnehmen Sie bitte der örtlichen Presse!


Informationsmaterial Heft 3/2011

❑ Prostat kanserine karsı , – erken teshis , için

❑ Prostatakrebs Patienteninformation –

Das Therapiespektrum

❑ Ich habe Prostatakrebs – Was nun

❑ Active Surveillance und Wachtful Waiting

❑ Patientenratgeber zur S3 Leitlinie

Prostatakrebs I

❑ Patientenratgeber zur S3 Leitlinie

Prostatakrebs II

❑ Prostata-Pass

❑ Kleines Wörterbuch für

Prostatakrebspatienten

❑ Prostatakrebs – Beratungs-Hotline

❑ Prostatastanzbiopsie

❑ Prostatakrebs, Nr. 17

❑ Radikaloperation der Prostata beim

Prostatakarzinom

❑ Strahlentherapie

❑ Brachytherapie

❑ Patienteninformation:

Prostatakrebs – HIFU-Behandlung

❑ Prostatakrebs – was kommt nach der

Hormontherapie

❑ Patienteninformation zu Symptomen, Diagnostik

und Behandlung von Knochenmetastasen

❑ Krebsschmerzen wirksam bekämpfen

❑ Krebsschmerz – Was tun

❑ Krebswörterbuch

❑ Palliativmedizin

❑ Fatigue

❑ Ernährung bei Krebs

❑ Bewegung und Sport bei Krebs

❑ Hilfen für Angehörige

❑ Wegweiser zu Sozialleistungen

❑ Patientenbroschüre – Kompetent als Patient


Gemeinsame Veranstaltung BPS und Stiftung Männergesundheit

am Krebsaktionstag im Rahmen des Deutschen Krebskongresses

Samstag, 25.02.2012 von 12:15 bis 14:45 Uhr

ICC Lounge, Eingangsebene

Moderation:

Jens-Peter Zacharias, Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. (BPS)

Günter Feick, Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. (BPS)

Wie wird der Patient einbezogen

Wissenschaftlich gesicherte Information für den Patienten in seiner Therapieentscheidung

Dr. Monika Nothacker, ÄZQ, Corinna Schäfer, ÄZQ

Medizinische Befundberichte für Patienten verständlich

Johannes Bittner, https://washabich.de/

(Medizinstudenten übersetzen kostenlos medizinische Befunde in eine verständliche Sprache)

Die Unsicherheiten beim frühen Prostatakarzinom

Aus Sicht des Patienten

H.J. Fiebrandt, Vorsitzender der Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Berlin

Aus Sicht des Arztes

Prof. Lothar Weißbach, Stiftung Männergesundheit, Berlin

Neue Behandlungsmöglichkeiten des fortgeschrittenen Prostatakrebs

Prof. Kurt Miller, Direktor der Urologischen Klinik der Charité

Ein Medizinisches Kompetenznetz für den fortgeschrittenen Prostatakrebs

Günter Feick, Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. (BPS)

Botschaften

Prof. Lothar Weißbach, Stiftung Männergesundheit, Berlin

Internationales Congress Centrum ICC Berlin, Messedamm 22, 14055 Berlin.

Haupteingang Neue Kantstraße/Ecke Messedamm.

Eintritt frei!


Absender (in Blockbuchstaben):

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Straße / Nr.

PLZ / Ort

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Bundesverband

Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.

Alte Straße 4

30989 Gehrden

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