Studie II - Institut für Sport und Sportwissenschaft

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Studie II - Institut für Sport und Sportwissenschaft

Monitoring der Pulsrate von Schülerinnen und

Schülern im Unterricht

Uwe Heim-Dreger und Carl-Walter Kohlmann

Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd

Institut für Humanwissenschaften – Abteilung Psychologie

Ambulantes Monitoring, Mainz, 07.03.2007


Überblick

1 Fragestellung

2 Implizite Verfahren zur Diagnostik von Angst

3 Methoden

- Emotionaler Stroop-Test für Kinder

- Dot-Probe-Test für Kinder

- Fragebogen zur Angst

- Verhaltensbeobachtung

- physiologische Daten

4 Ergebnisse

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Fragestellung

Explizite Verfahren

Fragebogen

?

?

Unterrichtssituation

Matheaufgabe an der Tafel lösen

Methoden

• Verhaltensbeobachtung

• Messung der Pulsrate

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Implizite Verfahren

Stroop-Test

Dot-Probe-Test


Hypothesen

Sowohl Fragebogenmaße als auch die Daten impliziter

Verfahren leisten bei Grundschulkindern eigenständige Beiträge

zur Varianzaufklärung verhaltensmäßig-expressiver und

physiologischer Angstindikatoren in bedrohlichen Situationen.

Explizite und implizite Verfahren gemeinsam leisten einen

bedeutsam größeren Anteil zur Varianzaufklärung als jedes

Verfahren für sich.

Ambulantes Monitoring, Mainz, 07.03.2007


Vorteile impliziter Diagnostik

• Erfassung automatisierter Prozesse der Verarbeitung

bedrohlicher Informationen, die über Selbstberichte nicht

zugänglich sind

• Geringere Antwort- und Verfälschungstendenzen

• Verfahren setzen keine Introspektionsfähigkeit voraus

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Emotionaler Stroop-Test

Stroop-Test (Stroop, 1935)

RED BLUE YELLOW GREEN

„Emotionaler Strooptest“ (Mathews & MacLeod, 1985)

DISEASE CANCER SECURE HOLIDAY

emotionaler Stroop-Index = t (bedrohlich) –t (neutral)

je höher der Wert, desto stärker der Interferenzeffekt

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Stroop-Test für Kinder

Wortmaterial - neutrale Tafel

Maler Bild Tasse Bild Tasse

Teller Maler Zimmer Tasse Bild

Maler Zimmer Maler Teller Tasse

Zimmer Teller Bild Zimmer Teller

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Stroop-Test für Kinder

Wortmaterial - bedrohliche Tafel

Mörder Unfall Tod Waffe Räuber

Unfall Mörder Waffe Räuber Unfall

Mörder Tod Tod Unfall Räuber

Waffe Mörder Räuber Tod Waffe

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Dot-Probe-Test

MacLeod, Mathews & Tata (1986)

Reaktionszeittest am PC

misst automatisierte Bedrohungszuwendung

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Dot-Probe-Test für Kinder

4

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Dot-Probe-Test für Kinder

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Dot-Probe-Test für Kinder

.

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Dot-Probe-Test für Kinder

192 Durchgänge

davon 96 mit Punkt

davon 64 mit bedrohlichem Stimuli

Kritische Durchgänge

Bedrohung unten Punkt oben

Bedrohungszuwendung

tuo langsamer

Bedrohung oben Punkt oben too

Bedrohung oben Punkt unten tou langsamer

Bedrohung unten Punkt unten tuu schneller

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schneller


Dot-Probe-Test für Kinder

Bedrohungszuwendung zeigt sich in schnelleren

Reaktionen auf Punkte, die einem bedrohlichen Wort

folgen und langsameren Reaktionen auf Punkte, die

einem nicht-bedrohlichen Wort folgen.

Dot-Probe-Index als Ausdruck der

Bedrohungszuwendung

DX = ((t uo –t oo ) + (t ou –t uu ))/2

u = unten, o = oben

1. Position bedrohlicher Stimulus

2. Punktposition

je höher der Wert,

desto stärker die Bedrohungszuwendung

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Selbstberichte

Angst in schulischen Leistungssituationen (ASL)

• Erfasst retrospektiv Zustandsangst während einer konkreten

Aufgabe

Wie ging es dir gerade bei dieser Aufgabe? Was dachtest du

gerade bei dieser Aufgabe?

• Antwortschema:

1 = überhaupt nicht, 2 = ein wenig, 3 = ziemlich, 4 = sehr

• Zwei Subskalen Aufgeregtheit und Besorgnis mit jeweils 4

Items

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Angst in schulischen Leistungssituationen

Aufgeregtheit

• Mein Herz klopfte stark

• Es kribbelte in meinem Bauch

• Meine Hände oder Beine zitterten

• Ich hatte ein komisches Gefühl

Besorgnis

• Ich war unsicher, ob ich alles kann

• Ich hatte Angst, etwas falsch zu machen

• Ich dachte, dass ich zu langsam bin

• Ich dachte: „Ist das anstrengend!“

Angst = Aufgeregtheit + Besorgnis

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α = .72

α = .70

α = .80


Verhaltensbeobachtung

Beobachtungskriterien (*in Anlehnung an Krohne & Hock, 1994)

Bewegungen ausgeschlossen sind illustrierende, hinweisende oder

sprachbegleitende Gesten

EXTREM* sofern keine Selbststimulation vorliegt oder Gegenstände

involviert sind, z.B. mit den Armen fuchteln, mit dem Kopf

wackeln

SELBST* Selbststimulation, z.B. an Fingern kauen, an Lippen nagen,

Körperberührung mit den Händen, Gesicht reiben

OBJEKT* Selbstreizung mit Gegenständen, z.B. an Kleidungsstücken

zupfen, mit Kreide spielen

BLICK Während der Aufgabe Blick zum Lehrer, Umdrehen zu den

Klassenkameraden

HALT Verkrampfte Haltung, langsamer Gang, gesenkter Kopf,

eingezogene Schultern

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Verhaltensbeobachtung

Beobachtungskriterien (*in Anlehnung an Krohne & Hock, 1994)

Körperhaltung

UNRUHE* Zappeln, von einem Bein aufs andere stehen

Mimische Auffälligkeiten

MIMIK* Grimassen, Verkrampfen, Augenzwinkern

Vokales Verhalten

STIMME* leise, belegt, undeutlich

SCHRIFT klein, zittrig, zusammengedrängt

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Pulsmessung

Polar-Pulsuhren

20 x Polar Vantage

10 x Polar S610i

Aufzeichnung in 5 Sekunden-Intervallen

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Teilnehmer

Teilnehmer:

Studie 1: 41 Grundschülerinnen und Grundschüler der

Klassen 3 und 4

(Verhaltensbeobachtung)

Studie 2: 107 Grundschüler und Grundschülerinnen der

Klassen 2 und 3

(Pulsmessung)

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Untersuchungsplan

Tag 1 - 5: Einzelexperimente

- emotionaler Stroop-Test

- Dot-Probe-Test

- Zustandsangst (ASL)

Tag 6: Klassenverband

- Verhaltensbeobachtung beim Lösen einer

Matheaufgabe an der Tafel (Studie 1)

- Aufzeichnung der Herzrate während der ganzen

Unterrichtsstunde (Studie 2)

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Studie I: Ergebnisse der Verhaltensindikatoren

Verhaltensindikatoren

Anm.: N = 41. 2 Beurteiler.

Mittelwert SD kappa

EXTREM .146 .189 .78

SELBST .290 .243 .83

OBJEKT .329 .207 .88

BLICK .352 .306 .81

HALT .065 .106 .83

UNRUHE .147 .191 .83

MIMIK .211 .255 .80

STIMME .105 .159 .89

SCHRIFT .028 .095 .86

VERHALTEN .000 .342

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Studie I: Zusammenhänge zwischen den

Angstmaßen

Aufgeregtheit

1 Aufgeregtheit

2 Besorgnis .44**

3 Angst .86***

Besorgnis Angst

.83***

-.01

.29 +

4 Stroop-Index .04 -.06

5 Verhalten .34* .14

.34*

Anm.: N = 41.

+ p < .10, *p < .05, **p < .01, ***p < .001 (zweiseitig).

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Stroop-

Index


Studie I: VERHALTEN: Regression

Step 1 (enter) .34 .11

Stroop-Index

R R 2 R 2 change r

.11*

Step 2 (enter) .47 .22 .11*

Anm.: N = 41

a Betagewichtung der Schlussgleichung.

Schlussgleichung: F(2, 38) = 5.43, p < .001.

*p < .05 (zweiseitig).

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.34*

Aufgeregtheit .34* .33*

ß a

.32*


Studie I: Angstmaße und

Verhaltensindikatoren

EXTREM

SELBST

OBJEKT

BLICK

HALT

UNRUHE

MIMIK

STIMME

SCHRIFT

VERHALT.

Stroop-Ind. Angst Aufgeregt. Besorgnis

.42** -.11 .02 -.21

.13 .34* .33* .25

.03 -.05 .08 -.17

.00 .38* .32* .32*

.03 .23 .07 .33*

.34* .07 .08 .02

.02 -.08 -.01 -.13

.07 .17 .20 .09

.00 -.06 -.03 -.08

.34* .29 + .34* .14

Anm.: N = 41. + p < .10, *p < .05, **p < .01 (zweiseitig).

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Studie I: Prädiktion des Verhaltens

Explizites Angstmaß

Aufgeregtheit

.04

.47*

Implizites Angstmaß

Stroop-Index

.34*

.34*

Ambulantes Monitoring, Mainz, 07.03.2007

SELBST .33*

BLICK .32*

Verhalten

Aufgabe an der Tafel

EXTREM .42**

UNRUHE .34*


Studie II

Messung der Pulsrate während der Mathematikstunde

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Studie II: Probleme

Stichprobe 107

krank bei erster Befragung 4

Stroop-Ausreißer 1

zu viele Fehler im Dot 10

Unterricht gefehlt 2

Pulsaufzeichnungen schlecht 33

verbleiben 57

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Studie II: (keine) Probleme

220

200

180

160

140

120

100

80

60

a206

08:21:27 08:31:27 08:41:27 08:51:27 09:01:27 09:11:27 09:21:27 09:31:27 09:41:27

Entspannung an die Tafel

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Studie II: Problem 2 Sender

220

200

180

160

140

120

100

80

60

a305

08:29:49 08:39:49 08:49:49 08:59:49 09:09:49 09:19:49 09:29:49 09:39:49 09:49:49

Entspannung an die Tafel

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Studie II: Problem 2 Sender

220

200

180

160

140

120

100

80

60

a203

08:20:28 08:30:28 08:40:28 08:50:28 09:00:28 09:10:28 09:20:28 09:30:28 09:40:28

Entspannung

an die Tafel

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Studie II: Problem fehlender Kontakt

220

200

180

160

140

120

100

80

60

b207

10:25:59 10:35:59 10:45:59 10:55:59 11:05:59 11:15:59 11:25:59 11:35:59 11:45:59

Entspannung an die Tafel

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Studie II: Puls Entspannung

Pulsrate in bpm

120

110

100

90

0 1 2 3 4 5 6 7

Minuten (0 = Beginn der Entspannungsphase)

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Studie II: Puls Tafel

Pulsrate in bpm

120

110

100

90

-5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5 6

Minuten (0 = an der Tafel)

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Studie II: Puls beim Abmachen der Uhren

Pulsrate in bpm

120

110

100

90

-5 -4 -3 -2 -1 0

Minuten (0 = Abnehmen der Pulsuhr)

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Studie II: Pulsmessung

Herzfrequenz Anstieg der Herzrate (bpm) (bpm)

95

Entspannung

101

+6

vor der Tafel

113

+18

Korrelationen mit

Stroop-Index .28* .09

(.06)

Korrelationen mit

Dot-Probe-Ind. -.11 .08

(.26*)

N = 57. *p < .05.

an der Tafel

97

+2

nach der Tafel

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99

.20 .20

-.05 -.22 +

+4

vor Abgabe

104

.08

-.27*

+9

Abgabe


Zusammenfassung

.26*

Dot-Probe-

Index

Explizites Angstmaß

Aufgeregtheit

.28*

.04

.47*

Implizites Angstmaß

Stroop-Index

.34*

.34*

Ambulantes Monitoring, Mainz, 07.03.2007

SELBST .33*

BLICK .32*

Verhalten

Aufgabe an der Tafel

EXTREM .42**

UNRUHE .34*


Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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