dimension 2/10 - Holcim Schweiz

hcb.ch

dimension 2/10 - Holcim Schweiz

Strength. Performance. Passion.

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Bauen mit Beton – vielseitig und individuell | November 2010, Nr. 22


Editorial

Es sind die Taten, die zählen

di

Liebe Leserin, lieber Leser

Mit unermüdlichem Einsatz – mit Strentgh, Performance

und Passion – haben wir es geschafft, in den letzten

zwanzig Jahren in unseren Zementwerken den CO 2

-Ausstoss

je Tonne Klinker fast zu halbieren. Das Verwenden

von alternativen Brennstoffen zum einen und ein immer

wieder verbesserter Brennprozess zum andern haben

diese eindrückliche Leistung ermöglicht. Eine weitere,

signifikante Einsparung bei den CO 2

-Emissionen realisierten

wir zudem mit dem teilweisen Ersatz des Klinkers

durch verschiedene Zusatzstoffe.

Nun haben wir auf diesem Gebiet nochmals einen Gang

höher geschaltet und den Klinkeranteil weiter reduziert.

Möglich macht dies ein chemisch reaktiver Zusatzstoff,

der gebrannte Schiefer. Diesen produziert unser unweit

der Grenze in Süddeutschland gelegenes Schwesterwerk

in Dotternhausen. Dank dem so geschaffenen neuen

Schieferzement, dem Holcim Optimo, können Sie und

Ihre Kunden ab den kommenden Monaten mit einem

noch umweltschonenderen Baustoff arbeiten. Und da der

gebrannte Schiefer sich positiv auf die Verarbeitungseigenschaften

des Betons auswirkt, erhalten Sie darüber

hinaus ein noch hochwertigeres Produkt.

Wir sind stolz auf diese klimawirksame Verbesserung,

umso mehr, als wir sie aus eigenem Antrieb und ohne

jede gesetzliche Verpflichtung realisiert haben. Nachhaltiger

bauen werden wir letztlich nur, wenn wir alle unsere

Verantwortung wahrnehmen und die uns möglichen

Schritte auch tatsächlich umsetzen. Denn am Ende sind

es die Taten, die zählen.

Neben mehreren Beiträgen zu diesem neuen Zement

finden Sie im vorliegenden «dimension» den gewohnten

Mix aus aussergewöhnlichen Bauwerken und interessanten

Objekten. Ich wünsche Ihnen eine abwechslungsreiche

Lektüre.

Kaspar E. A. Wenger

Vorsitzender der Geschäftsleitung

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mension

Titelbild

Neue Sichtweise auf Bestehendes:

gespiegeltes Bild des Gotthard-Basistunnels

Der Umwelt zuliebe.

Holcim übernimmt Verantwortung. Produkte, die

besonders nachhaltig sind und auf modernsten Herstellungsmethoden

beruhen, tragen das Holcim

Umweltlabel. Holcim Optimo mit reduziertem

CO 2

-Ausstoss führt die Bestrebungen von Holcim im

Bereich der nachhaltigen Entwicklung fort und setzt

neue Standards in der ganzen Industrie.

Ein neuer, umweltschonender Standardzement 4

Nachhaltiger bauen mit Holcim Optimo

Neuer Fuss- und Radwegsteg über die Aare bei Windisch/Brugg 6

Ein Band aus Beton

Anspruchsvoller Hochhausbau in Rotkreuz 8

Ein Beton, der (fast) alles kann

Dritter Wettbewerbszyklus der internationalen Holcim Awards 10

Entwicklung neuer Zukunftsperspektiven

Impressum

Herausgeber: Holcim (Schweiz) AG

Redaktion: Daniel Rüttimann, Tobias Hohermuth,

Daniel Pannatier, Roger Dällenbach,

Heinz Egger, Danilo Werner, Martin Grether

Satz und Gestaltung: Techkomm, Zürich

Druck: Multicolor Print AG, Baar

Fotos: Wenn nichts anderes vermerkt:

Holcim (Schweiz) AG

Unterirdischer Kreisel für den Berner Wankdorfplatz 12

Zweite Ebene löst Verkehrsproblem

Aussergewöhnlicher Neubau in Brissago 14

Ein Palazzo aus rotem Sichtbeton

Einbau einer festen Fahrbahn im Arlberg-Eisenbahntunnel 16

Beton statt Schotter

Holcim Optimo 18

Aufbruch in Richtung Zukunft

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Ein neuer, umweltschonender Standardzement

Nachhaltiger bauen mit Holcim Optimo

Die Holcim (Schweiz) AG hat bei der Produktion und mit der Zusammensetzung ihrer Zemente den Ausstoss an CO 2

bereits massiv reduziert. Mit dem neuen Zement, dem Holcim Optimo, lässt sich das Erreichte indes noch einmal

unterbieten. Holcim Optimo stellt ein in jeder Hinsicht ausgereiftes Produkt für sämtliche Anwendungen dar und

leistet damit einen wirksamen Beitrag zu einem nachhaltigeren Bauen.

Bei der Zementproduktion werden natürliche Ausgangsstoffe,

wie Kalkstein oder Ton, bei einer Temperatur von

rund 1450 °C zu Klinker gebrannt. Der Herstellungsprozess

ist damit sehr energieintensiv. Zudem werden bei

der ablaufenden chemischen Reaktion auch grosse Mengen

an CO 2

durch das Aufheizen des Kalksteins freigesetzt.

Die Zementindustrie ist deshalb ein bedeutender

Emittent dieses klimawirksamen Gases.

Optimierter Herstellungsprozess

Die Holcim (Schweiz) AG unternimmt seit Jahrzehnten

aus eigenem Antrieb grosse Anstrengungen, um die

Zementproduktion so umweltverträglich wie möglich zu

Die Schiefervorkommen von Dotternhausen

sind in Zentraleuropa einzigartig

gestalten und den CO 2

-Ausstoss zu reduzieren. Modernste

Filteranlagen halten Stickoxide zurück und bis ins Letzte

optimierte Brennprozesse minimieren den Ausstoss an

schädlichen Gasen. Um den Bedarf an fossilen Brennstoffen

zu reduzieren, werden zudem seit Jahren alternative

Stoffe, wie Altöl, Autoreifen oder Lösungsmittel, verfeuert.

Die Wirkung dieser Massnahmen ist mehr als beachtlich,

hat die Holcim (Schweiz) AG ihren CO 2

-Ausstoss

je Tonne produzierten Klinkers in den letzten zwanzig

Jahren doch um fast 40 Prozent verringert.

Teilersatz des Klinkers

CO 2

lässt sich aber auch einsparen, wenn weniger Klinker

verbraucht wird. So hat der Anteil an Portlandzement –

der aus reinem Klinker gemahlen wird – bis 2009 auf

22 Prozent abgenommen. Diese Entwicklung wurde erst

mit dem Inkrafttreten der SN EN 197-1 möglich, die neben

dem «reinen» Portlandzement auch Zemente mit Zusatzstoffen

erlaubte. Neben den betontechnologischen Vorteilen,

die sich damit für verschiedene Anwendungsgebiete

ergaben, konnte auch der CO 2

-Ausstoss signifikant

reduziert werden. Der in den letzten Jahren am meisten

verwendete Zement ist ein Portlandkalksteinzement, der

als Zusatzstoff gemahlenen Kalkstein enthält. Daneben

gibt es Zemente mit Hochofenschlacke, oder ein Teil des

Zements wird bei der Betonproduktion durch Flugasche

ersetzt. Diese Zusatzstoffe sind aufgrund ihrer chemischen

Reaktivität geeignet, sie sind aber nicht immer im

selben Ausmass und in gleichbleibender Qualität verfügbar.

Gebrannter Schiefer

Um die Versorgungslage zu verbessern, den Klinkeranteil

des Zements durch einen hydraulisch wirksamen Zusatzstoff

von gleichbleibend hoher Qualität zu ersetzen und

die Transportwege zu verkürzen, wurde eine grenzüberschreitende

Zusammenarbeit gestartet. Das in Süddeutschland

in der Nähe von Rottweil gelegene Holcim

Zementwerk von Dotternhausen verfügt über eine in

Nahaufnahme des Schiefers

Zentraleuropa einzigartige Schieferlagerstätte. Mit den

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Zwei bis drei Züge pro Woche beliefern die

Schweizer Zementwerke

im Schiefer enthaltenen, brennbaren Bestandteilen lässt

sich elektrischer Strom erzeugen und gleichzeitig der

Schiefer chemisch umwandeln. Der so gebrannte Schiefer

ist chemisch reaktiv, das heisst hydraulisch und puzzolanisch

wirksam. Er eignet sich hervorragend als Klinkerersatz,

wie die in Deutschland bereits verwendeten Schieferzemente

eindrücklich belegen. Dennoch wurden in

umfangreichen Vorversuchen die Eigenschaften des

Holcim Optimo, der aus Klinker, Kalkstein und gebranntem

Schiefer besteht, umfassend geprüft. Dabei zeigte

sich, dass der sehr fein gemahlene Schiefer viele Eigenschaften

des Betons positiv beeinflusst. Die neue Nano-T®

Technology steigert die Packungsdichte und macht das

Betongefüge dichter. Von der SN EN 197-1 für sämtliche

Betonanwendungen zugelassen, stellt Holcim Optimo

den perfekten Allrounder dar, der sich als neuer und

besonders umweltschonender Standardzement geradezu

anbietet.

Transporte per Bahn

Um den CO 2

-Ausstoss nachhaltig zu reduzieren, ist es mit

dem Beimengen des Schiefers allein noch nicht getan.

Vielmehr muss auch der Transportweg von der Schwäbischen

Alp bis zu den Schweizer Werken der Holcim

umweltverträglich ausgelegt sein. Dazu wurden im Laufe

der letzten Jahre erhebliche Summen in den Ausbau der

Bahninfrastruktur investiert. Unter anderem handelt es

sich dabei um ein neues Verladesilo in Dotternhausen,

die Instandsetzung eines ganzen Bahnabschnitts, um das

Werk an das übrige Bahnnetz anzubinden, neu angeschafftes

Rollmaterial sowie viele Anpassungen und Ausbauten

in den Schweizer Werken.

Die Industrie geht mit gutem Beispiel voran

Die Schweizer Zementindustrie hat zum Reduktionsziel

der CO 2

-Emissionen gemäss Kyoto-Protokoll bereits einen

stark überproportionalen Beitrag geleistet – auf freiwilliger

Basis. Die Holcim (Schweiz) AG ist stolz darauf, dass

sie mit dem neuen

Zement ihren CO 2

-

Ausstoss – bezogen

auf die gesamte

Zementproduktion –

noch einmal um weitere

rund 10 Prozent

reduzieren kann, ohne

dass sich bei der Distribution

für die Kunden

Änderungen ergeben.

Auch kann Holcim

Optimo mit allen

gängigen Zusatzmitteln verwendet werden. Was ihn von

allen anderen Marktprodukten jedoch unterscheidet, ist

seine hohe Nachhaltigkeit. Dies soll nicht zuletzt auch

ein Anstoss für alle am Bau Beteiligten sein, einen bewussten

Umgang zu pflegen und selber Verantwortung

zu übernehmen – auf allen Stufen, von der Planung bis

zum Rückbau.

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Neuer Fuss- und Radwegsteg über die Aare bei Windisch/Brugg

Ein Band aus Beton

Ein neuer Steg über die Aare verbindet das neue Sportausbildungszentrum der Fachhochschulen Nordwestschweiz,

der Gewerbeschulen und der Stadt Brugg mit den bestehenden Aussenanlagen am anderen Aareufer. Der Steg weist

dank des gewählten Tragsystems der Spannbandbrücke eine maximale Schlankheit auf und fügt sich so mit grösster

Zurückhaltung in die sensible Landschaft ein.

Gianfranco Bronzini,

dipl. Bauing. FH/SIA,

Conzett Bronzini

Gartmann AG, Chur

Der Kanton Aargau konzentriert in Brugg-Windisch seine

verschiedenen Fachhochschulen. In diesem Zusammenhang

errichtet er zusammen mit der Stadt Brugg das

Sportausbildungszentrum Mülimatt. Da dieses an die

Uferzone der sensiblen Aarelandschaft grenzt, werden für

den Unterricht und den Fachhochschulsport die Aussensportanlagen

der Stadt Brugg am gegenüberliegenden

Aareufer benutzt. Um den Neubau mit diesen Anlagen zu

verbinden, wurde ein neuer Steg für den lokalen Fuss- und

den regionalen Radverkehr über die Aare gebaut.

Unkonventionelle Brücke

Das dafür gewählte Tragsystem, ein Spannband, wird nur

bei bestimmten Voraussetzungen verwendet. Dabei handelt

es sich um ein von Widerlager zu Widerlager gespanntes

und mehr oder weniger durchhängendes Tragsystem,

ähnlich einem gespannten Seil. Es besteht aus

Stahlbändern und Spanngliedern, die mit einer dünnen

Betonplatte, die als versteifende Fahrbahn dient, im Verbund

wirken. Das System erfährt fast nur Längskräfte, die

allerdings entsprechend ausgebildete Widerlager bedingen.

Die relativ leichte Konstruktion erlaubt hingegen

grosse Spannweiten bei geringem Materialverbrauch.

Zudem wurde mit einem Spannband die wichtige Randbedingung

erfüllt, das Bauwerk sorgfältig und mit grosser

Zurückhaltung in die Aarelandschaft einzupassen. Die

erste Spannbandbrücke der Welt war übrigens nicht weit

vom Aaresteg Mülimatt entfernt für die damalige Zementfabrik

von Holderbank realisiert worden. Auch die erste

öffentlich benützbare Spannbandbrücke wurde in der

Schweiz, in Pfäffikon SZ, gebaut. Ähnliche Systeme findet

man aber vor allem in der Tschechischen Republik, in

Deutschland und in den USA.

Nachjustieren ist möglich

Anders als bei seinem einfeldrigen Vorgänger in Pfäffikon

handelt es sich beim Aaresteg Mülimatt um eine vierfeldrige

Konstruktion mit Spannweiten von 35, 35, 78 und

35 m. Das Zugband besteht aus vier untenliegenden

Stahlbändern, die über Kopfbolzendübel mit dem Beton

schubfest verbunden sind. Die nur 17–20 cm starke

Betonplatte ist sowohl schlaff bewehrt als auch vorgespannt.

Drei der elf Vorspannkabel sind ohne Verbund

ausgeführt und können nach dem Abklingen der

Schwind- und Kriechverformungen des Betons nachgespannt

werden. Ebenso ist der Einbau von Schwingungstilgern

vorgesehen, sollte der Steg unter Betrieb zu stark

angeregt werden.

© Beton AG Baden-Brugg

© Beton AG Baden-Brugg

Mit dem gleichzeitigen Einsatz mehrerer Geräte

liess sich die Fahrbahn in kurzer Zeit betonieren

Die Betonplatte ist sowohl schlaff bewehrt

als auch vorgespannt

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Am Bau Beteiligte

Bauherrschaft

Einwohnergemeinde Brugg

Eigentümer

Einwohnergemeinde

Windisch

Planung und Bauleitung

Conzett Bronzini Gartmann

AG, Chur

Ausführung

Implenia Bau AG, Zürich

(Baumeisterarbeiten und

Spezialtiefbau),

Mauchle Metallbau AG,

Sursee (Stahlbau)

Beton

Beton AG Baden-Brugg

Die Spannbandbrücke verläuft über sattelartige

Zwischenlager

Besondere Ausbildung der Lager

Die höchste zulässige Längsneigung der Fahrbahn, die bei

sechs Prozent liegt, limitiert den maximalen Durchhang

des Spannbands. Dies wiederum bestimmt die resultierenden

Horizontalkräfte, die bei den Widerlagern im Baugrund

verankert werden müssen. Zur Aufnahme der grossen

Kräfte dient ein im Boden angeordneter Bock aus

Zugankern und Druckpfählen, der die Kräfte in den anstehenden

Fels einbindet. Die Zwischenlager ruhen ebenfalls

auf Mikropfählen, da sie im Hochwasserbereich der

Aare liegen und unterspült werden könnten. Deren Oberseite

ist wie bei einem Luftseilbahn-Mast sattelartig ausgebildet

und mit Gleitlagern versehen, um dem Spannband

ein zwängungsfreies Gleiten zu erlauben. Das freie

Abrollen an den Übergangsstellen minimiert die Biegebeanspruchung

im Band.

Bau ohne Lehrgerüst

Ein grosser Vorteil von Spannbandbrücken zeigte sich

beim Bau, denn solche Brücken lassen sich ohne Lehrgerüst

errichten. So wurde als erstes ein festes Tragseil mit

Aufhängerollen über den Fluss gespannt, an dem die vor

Ort fortlaufend aus Blechteilen zusammengeschweissten

Stahlbänder aufgehängt und über den Fluss gezogen

wurden. Nachdem diese mit Pressen abgesenkt, gespannt

und bei den Widerlagern sicher verschweisst waren,

konnten Schalung und Bewehrung direkt auf ihnen aufgebracht

werden. Betoniert wurde die drei Meter breite

Fahrbahn im Zeitraum von nur zwei Stunden, wobei drei

Pumpen und zwei fahrbare Krane gleichzeitig im Einsatz

standen, um den Beton so einzubringen, dass keine unzulässigen

Bewegungen auftraten. Zum Schluss folgte noch

die Montage des Staketengeländers, in dem in regelmässigen

Abständen robuste und langlebige LED-Leuchten

angebracht sind. Diese sind nach unten gerichtet und

beleuchten nur die Fahrbahn, um die Lichtverschmutzung

in der umliegenden Flusslandschaft zu minimieren.

Das schlanke Tragwerk fügt sich gut in die

Landschaft ein

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Anspruchsvoller Hochhausbau in Rotkreuz

Ein Beton, der (fast) alles kann

An ihrem Standort in Rotkreuz baut die Roche Diagnostics AG mit einem 16-geschossigen Verwaltungsgebäude ein

neues architektonisches Wahrzeichen mit einer Glasfassade, hinter der schräg verlaufende Fassadenstützen ein

Rautenmuster aufspannen. Die schwierigen Vorgaben aus Architektur und Statik führten dazu, dass der Sichtbeton der

Kernwände Anforderungen erfüllen musste, die sich zu Beginn gegenseitig auszuschliessen schienen.

Die Roche Diagnostics AG beschäftigt in Rotkreuz rund

1600 Mitarbeitende aus 50 Ländern, die diagnostische

Systemlösungen und Testsysteme entwickeln sowie

zugehörige Instrumente und Software produzieren. Der

mehrere Gebäude umfassende Firmensitz wird derzeit

um einen 68 m hohen Neubau erweitert. Dieser wird

dank seiner 16 Geschosse auf der relativ kleinen Grundfläche

von 33 x 28 m Raum für rund 625 Arbeitsplätze

bieten und damit sämtliche administrativen Funktionen

unter seinem Dach konzentrieren.

Architektur mit ausdrucksstarkem Tragwerk

Wie sich an den bestehenden Bauten des Firmenareals

ablesen lässt, legt der Bauherr grossen Wert auf das

architektonische Erscheinungsbild seiner Gebäude. Der

mit seiner stattlichen Höhe das Ensemble dominierende

Neubau weist denn auch eine entsprechend sorgfältige

und ausdrucksstarke Gestaltung auf. Die äussere Hülle

besteht aus einer durchgehenden Glasfassade, hinter der

die tragenden Fassadenstützen zu sehen sind. Diese verlaufen

schräg und bilden so ein Rautenmuster, das sich

über die gesamte Höhe des Neubaus viermal wiederholt.

Die Decken spannen vom Mittelkern zu den aussteifenden

Fassadenstützen, sodass sich auf allen Geschossen

stützenfreie und damit komplett flexible Nutzräume

ergeben. Neben durchgängigen Haupttreppen und Lift

verbinden Wendeltreppen jeweils drei Geschosse miteinander,

um die interne Kommunikation zu fördern.

Geschoss um Geschoss in die Höhe

In statischer Hinsicht handelt es sich um ein System aus

einem tragenden Kern und aussteifenden Fassadenstützen

sowie den horizontal wirkenden Betondecken. Der

Bau eines solchen Gebäudes entspricht dem eines Hochhauses

und folgt dem dafür geeigneten Verfahren: Da

eine Kletterschalung für den Kern angesichts der Gesamthöhe

von knapp 70 m keine Vorteile gebracht hätte, werden

dessen Wände geschossweise geschalt, bewehrt und

betoniert. Darauf folgen das Versetzen der vorgefertigten

Stützen und das Betonieren der Decke. Dies ergibt eine

regelmässige, sich wiederholende Abfolge derselben

Arbeitsschritte, was betriebliche Vorteile schafft. Sehr

hohe Anforderungen an die Betonoberflächen erschwerten

dieses vorab am Baufortschritt orientierte Verfahren

beim Hochhaus in Rotkreuz aber ein wenig.

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© Implenia Bau AG

Betonieren einer Geschossdecke. Die Bewehrung der

Kernwände des nächsten Stockwerks steht bereits

© Burckhardt + Partner AG, Basel

Die vor Ort betonierten Kernwände nehmen

die Farbe der vorfabrizierten Stützen auf

Betonrezeptur mit hohen Anforderungen

Die vorfabrizierten Stützen bestehen aus einem mit

Weisszement aufgehellten Beton, dessen Farbton die

Kernwände aufzunehmen haben. Leider verstärkt Weisszement

aber die Schwindneigung des Betons, sodass er

für das Betonieren vor Ort nicht infrage kam. Denn die

Kerne dürfen nur minim schwinden, um im Zusammenspiel

mit den Fassadenstützen keine differenziellen Setzungen

auszulösen. Daher musste für den Beton der

Kernwände ein anderer, weniger heller Zement verwendet

werden. Mit der Beigabe von Farbpigmenten liess

sich der gewünschte Farbton aber auch bei einem

schwindreduzierten Beton erzielen. Ferner musste der

Beton aufgrund des vorgegebenen Takts sowohl im Winter

als auch im Sommer rasch ausgeschalt werden können,

problemlos verarbeitbar sein, aber auch die Anforderungen

an die verlangten Sichtflächen erfüllen. Damit forderte

man vom Beton der Kernwände Eigenschaften, die

sich gegenseitig auszuschliessen schienen.

Hohe Bewehrungsdichte

In umfangreichen Vorversuchen wurde indes eine Betonrezeptur

erarbeitet, die sämtlichen Ansprüchen gerecht

wurde. An einer Stelle riefen eine Querschnittsverjüngung

bei gleichzeitig überaus hoher Bewehrungsdichte

sogar noch nach einer Steigerung: Um hier überhaupt

verlässliche Resultate zu erbringen, musste der Beton

ausserdem selbstverdichtend sein, eine Zusatzforderung,

die der Betonlieferant mit der Verwendung einer kleineren

Gesteinskörnung auch hier farblich und technisch

perfekt erfüllte.

Schwierigkeiten sind da, um gemeistert zu werden

Weitere Schwierigkeiten betrafen die Vorgabe der scharfkantigen

Ausbildung, erhöht sie doch das Risiko für Schäden

am Bau. Unter hohem Termindruck eine Deckenschalung

zu errichten, ohne die bereits platzierten Fassadenstützen

oder die Kernwände zu beschädigen, ist nicht

immer einfach. Auch beim Stellen der vorgefertigten

Stützen war exakt darauf zu achten, dass sich die Versetztoleranzen

über die Geschosse nicht kumulierten. Dass

ein besonderer Bau besondere Anforderungen stellt, ist

aber letztlich nur folgerichtig. Und mitgearbeitet zu

haben am weit herum sichtbaren und mit seiner Fassadenstruktur

besonders augenfälligen Hochhaus in Rotkreuz,

ist die Mühen wert, die bei der Realisierung auf

sich zu nehmen waren.

Am Bau Beteiligte

Bauherrschaft

Roche Diagnostics AG,

Rotkreuz

Bauherrenvertretung

projektrosenberg, Zürich

Architektur/Generalplanung

Burckhardt + Partner AG,

Basel

Statik

WGG Schnetzer Puskas

Ingenieure AG, Basel

Bauleitung

Demmel Bauleitungen,

Wagen

Bauunternehmen

Implenia Bau AG, Basel

Beton

Holcim (Cham) AG

«dimension» dankt dem Projektleiter der Implenia Bau AG, Benno Rüesch, für

seine Auskünfte und Angaben vor Ort.

Die Bewehrungsdichte war teilweise

sehr hoch

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Dritter Wettbewerbszyklus der internationalen Holcim Awards

Entwicklung neuer Zukunftsperspektiven

Der dritte Wettbewerbszyklus – der mit insgesamt zwei Millionen US-Dollar Preisgeld dotierten internationalen

Holcim Awards – ist offen für Objekte aus Hoch- und Tiefbau, Landschaftsbau-, Städtebau- und Infrastrukturprojekte

sowie Materialien, Produkte und Konstruktionstechniken, deren Schwerpunkt jeweils auf Nachhaltigkeit liegt. Der

Wettbewerb ist eine Initiative der Holcim Foundation for Sustainable Construction.

Die Holcim Awards zeichnen innovative, zukunftsorientierte,

konkrete Projekte sowie Visionen aus der ganzen

Welt aus. Sie stehen allen offen, die sich mit Ansätzen für

ein nachhaltigeres Bauen auseinandersetzen.

Zwei Wettbewerbskategorien

Die Hauptkategorie des Wettbewerbs ist offen für Architekten,

Planer, Ingenieure, Projektträger, Bauherren und

Global Holcim Awards Gold 2009: Das Siegerprojekt

des zweiten Zyklus «River remediation and urban

development scheme» revitalisiert den verschmutzten

und kaum noch sichtbaren Fluss Fez und erneuert die

Altstadt, um die Lebensqualität nachhaltig zu steigern

Baufirmen, die nachhaltige Lösungsansätze für technologische,

ökologische, sozioökonomische und kulturelle

Herausforderungen des modernen Bauens präsentieren.

Zugelassen sind Projekte, die bereits eine fortgeschrittene

Entwurfsphase erreicht haben und mit deren Bau oder

grosstechnischer Produktion nicht vor dem 1. Juli 2010

begonnen wurde. Für die Ideen und Visionen von Studierenden

gibt es zudem die «Next Generation»-Preise. Zugelassen

für diese Kategorie sind Projekte im Rahmen von

Universitätsprogrammen auf Bachelor-Ebene oder höher.

«Target Issues» als Massstab für nachhaltiges Bauen

Unabhängige Jurys bewerten die Beiträge beider Kategorien.

Als Massstab dienen diesen die fünf sogenannten

«Target Issues», mit denen die Holcim Foundation for Sustainable

Construction das nachhaltige Bauen definiert.

Drei dieser Target Issues orientieren sich am Konzept

einer Leistung, in der soziale, ökologische und wirtschaftliche

Aspekte miteinander im Einklang sind. Die übrigen

beschäftigen sich mit kontextuellen und ästhetischen

Auswirkungen, Innovation und Übertragbarkeit.

Hochkarätige Jurys und Universitäten von Weltrang

Zu den Jurys der fünf Wettbewerbsregionen gehören renommierte

Experten für nachhaltiges Bauen. Die Holcim

Awards werden überdies in Zusammenarbeit mit einigen

der führenden technischen Universitäten der Welt vergeben.

Die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich

leitet das Technical Competence Center der Holcim Foundation.

Andere Partneruniversitäten werden Gastgeber

der unabhängigen Jurys sein: das Massachusetts Institute

of Technology in Cambridge, USA, die Universidad Iberoamericana

in Mexico City, Mexiko, die Ecole Supérieure

d’Architecture de Casablanca in Marokko und die Tongji-

Universität in Shanghai, China. Ferner sind die Universidade

de São Paulo, Brasilien, und die University of the

Witwatersrand in Johannesburg, Südafrika, assoziierte

Universitäten der Stiftung.

Unabhängiger Veranstalter

Die Holcim Foundation wird von Holcim Ltd und ihren in

70 Ländern aktiven Konzerngesellschaften unterstützt,

ist aber von deren geschäftlichen Interessen unabhängig.

Die Beiträge müssen bis zum 23. März 2011 online auf

www.holcimawards.org eingereicht werden. Der dritte Wettbewerbszyklus

der internationalen Holcim Awards umfasst

fünf regionale Wettbewerbe im Zeitraum 2010/11 und eine

globale Phase im Jahr 2012. Detaillierte Anweisungen, wie ein

Wettbewerbsbeitrag einzureichen ist, finden sich unter:

www.holcimawards.org/guides.

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Unterirdischer Kreisel für den Berner Wankdorfplatz

Zweite Ebene löst Verkehrsproblem

Um die bestehenden und die neuen Verkehrsströme aufnehmen zu können, wird der Wankdorfplatz von einer gewöhnlichen

Kreuzung zu einem zweigeschossigen Bauwerk erweitert. Das untere Geschoss belegt ein Kreisel, dessen

Bodenplatte und Wände sehr massiv sind. Für solche Bauteile eignet sich ein Hochofenzement besonders, weil er nur

eine geringe Hydratationswärme entwickelt und damit die Schwindneigung des Betons senkt.

Christoph Annen,

dipl. Bauführer SBA,

Implenia Bau AG,

Zürich

Am Bau Beteiligte

Bauherrschaft

Tiefbauamt des Kt. Bern

Planerteam

Planergemeinschaft BE 3 :

Emch + Berger AG, Bern

(Federführung), Marchand

+ Partner AG, Bern,

3B Architekten AG, Bern

Ausführung

Arge Wankdorfkreisel Los 3:

Implenia Bau AG, Bern

(Federführung), Marti AG

Bern, Frutiger AG, Thun

Beton

Beton Worblaufen AG,

Frischbeton AG Rubigen

Wankdorf in Berns Norden ist ein sehr dynamischer Wirtschaftsstandort,

der zudem mit Publikumsmagneten, wie

der Fussballarena Stade de Suisse, dem Ausstellungsgelände

der BEA, einem Einkaufszentrum oder dem Hockeystadion,

aufwartet. Wankdorf bildet daher einen Schwerpunkt

der Siedlungsentwicklung, bei dem gerade auch

die Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr eine

wesentliche Rolle spielt.

Zweite Ebene für mehr Kapazität

Drehscheibe des Gebiets ist der Wankdorfplatz, der mit

rund 65 000 Fahrzeugen pro Tag seine Kapazitätsgrenze

mehr als erreicht hat. Künftig wird aber auch noch eine

Tramlinie über ihn führen, die den S-Bahnhof mit dem

Stade de Suisse vernetzt. Und dennoch soll der Verkehr so

verflüssigt werden, dass kein die Quartiere belastender

Schleichverkehr entsteht. Alle diese Wünsche zu erfüllen

und dabei sämtliche Verkehrsträger auf einer Ebene zu

führen, erwies sich als unmöglich, weshalb der Wankdorfplatz

nun um ein Untergeschoss ergänzt und damit

zweistöckig wird. Auf der oberen Ebene werden Tram,

Bus, Fuss- und Radwege sowie der geradeaus fahrende

Autoverkehr Platz finden, während ein neuer, unterirdischer

Kreisel den abbiegenden Verkehr aufnimmt.

Hohe Bewehrungsgrade und massive Bauteile

bei Wänden …

Innovative Baugrubensicherung

Derzeit laufen die Arbeiten an diesem Kreisel mit seinen

vier Rampen, die in zwei aufeinanderfolgenden Verkehrsphasen

erstellt werden. Das neue untere Geschoss des

Wankdorfplatzes liegt im Grundwasser und in schwierigem

Baugrund: Eine siltig-sandige Geologie mit Toneinschlüssen

führt zu einem komplexen Setzungsverhalten

des neuen Bauwerks. Ausgehoben wurde das grosse

Rund – der Kreisel wird den mehr als beachtlichen Durchmesser

von 45 m aufweisen – im Schutz einer Spundwand,

die mit einem umlaufenden Druckring aus Beton

ausgesteift wird. Diese raffinierte Lösung schafft eine

strebenfreie Öffnung und erleichtert damit die Arbeiten

und die Zugänglichkeit erheblich.

Massive Bauteile

Bodenplatte und Wände des Kreisels sind als sogenannte

Weisse Wanne wasserdicht konzipiert und weisen allein

deshalb schon massive Bauteilstärken auf. Zudem muss

das untere Geschoss auch die Lasten abnehmen, die aus

der oberen Verkehrsebene stammen. Ein Trägerkreuz wird

den Kreisel überspannen und den Deckel tragen, auf dem

unter anderem das neue Tramtrassee verläuft. Deckel

und Trägerkreuz ruhen auf den Wandscheiben sowie in

… und Bodenplatte kennzeichnen die Baustelle

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Baugrube für den Kreisel mit umlaufendem Druckring

zur Aussteifung. Die kegelförmige Schalung dient dem

Bau der Stütze in Kreiselmitte

Kreiselmitte auf einem Kegelstumpf, der seine Lasten über

die im Zentrum bis zu zwei Meter starke Bodenplatte in

den Baugrund abgibt. Massiv sind aber auch die Wandscheiben,

die zwischen den Rampenöffnungen und entlang

der Rampen liegen.

Zement mit niedriger Hydratationswärme

Das Erstellen so massiver Bauteile aus Beton birgt in besonderem

Masse die Gefahr von Schwindrissen. Denn die

Hydratationswärme kann aus dem Kernbeton nur langsam

entweichen. An den bereits kühleren Oberflächen

ruft dies Zugspannungen hervor, die die Zugfestigkeit des

In die Schalung eingelegte Matrizen zeichnen eine felsartige

Struktur auf die Oberfläche. Richtig aufgebrachte Kunststofffolien

sorgen für eine perfekte Nachbehandlung

Betons leicht übersteigen können. Gerade bei wasserdichten

Bauwerken sind Risse aber höchst unerwünscht.

Um diese zu minimieren, wurde daher die Verwendung

eines Hochofenzements für den Beton vorgeschrieben.

Dank seines hohen Anteils an latent hydraulischer Schlacke

entwickelt er eine geringere Hydratationswärme und

sorgt damit für einen flacheren Verlauf der Temperaturkurve.

Daneben eignet sich ein Beton auf der Basis des

Hochofenzements auch sehr gut für Sichtflächen, weil er

sehr schöne, helle und regelmässige Oberflächen erzeugt.

Perfekte Oberflächen

Auch diese Eigenschaft ist sehr willkommen, denn die

Oberflächen der Seitenwände des Kreisels Wankdorfplatz

werden aufwendig gestaltet. In die Schalung eingelegte

Matrizen erzeugen eine einem Naturstein ähnliche Oberfläche

mit felsartiger Textur. Die bisherigen Betonarbeiten

haben nicht zuletzt dank einer sehr sorgfältigen Ausführung

äusserst ansprechende Resultate erbracht. So

wird grosser Wert auf eine perfekte Nachbehandlung

gelegt, damit der Beton neben einer makellosen Sichtfläche

auch die Dauerhaftigkeit aufweist, die man von ihm

erwarten darf. Schliesslich soll der neue Wankdorfplatz

seinen Dienst mit möglichst wenig Unterhalt versehen

können.

Weitere Informationen: www.wankdorfplatz.ch

Betonrezeptur

(Wände und Bodenplatte)

Beton

C30/37; XC3, XD3, AAR3;

D max

32; Cl 0,2; C3; WD,

Pumpbeton

Bindemittel

Modero 3B, CEM III/B 32,5 N

HS LH: 290 kg/m 3 und

Flugasche: 35 kg/m 3

Zusatzmittel

Fliessmittel und Verzögerer

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© www.pirittamartikainen.com

Aussergewöhnlicher Neubau in Brissago

Ein Palazzo aus rotem Sichtbeton

Am Steilhang über Brissago steht seit Kurzem ein Bau, der allein wegen seiner Farbe schon ins Auge springt, bestehen

doch alle Wandscheiben und Stützmauern aus rot eingefärbtem Sichtbeton. Ein überaus anspruchsvoller Bauherr, ein

sehr sorgfältiger und erfahrener Unternehmer sowie ein Betonwerk, das über alle Bauetappen hinweg den exakt gleichen

Farbton lieferte, schufen zusammen einen Betonbau von höchster Qualität.

Am Bau Beteiligte

Bauherrschaft

Privat

Architektur

bgnt architettura, Ascona

Statik

Ingenieurbüro Pianifica

GmbH, Locarno

Bauunternehmen

Merlini & Ferrari SA,

Minusio

Beton

Holcim Calcestruzzi e

Inerti SA, Avegno

Sonne vom Morgen bis zum Abend und ein Steilhang,

von dem der Blick kilometerweit seeauf- und -abwärts

schweift: Die Natur hat hier eine aussergewöhnliche Lage

geschaffen. Aussergewöhnlich ist auch das Gebäude, das

am Hang über Brissago entstanden ist, von der Nutzung

bis hin zum verwendeten Baustoff.

Vom Beton begeisterter Bauherr

Etwas Besonderes sollte nach dem Willen des Bauherrn

hier unbedingt entstehen. Zwar dachte er bei der Materialisierung

zu Beginn zuletzt an Beton, denn Beton war für

ihn ein kaltes Material. Heute, da der Bau fertig ist, hat

sich seine Einstellung komplett geändert. Vom Beton

schwärmt er, Beton ist für ihn gar das einzige Material,

das ihn beim Bau nicht enttäuscht hat. Wobei zu sagen

ist, dass der rot eingefärbte Sichtbeton auch von exzellenter

Qualität ist, von den Flügelmauern über die Hausfassade

bis zur rückseitigen Hangsicherung.

Komplexes Innenleben

Den Bau bezüglich seiner Nutzung zu kategorisieren, ist

nicht einfach. Ursprünglich hätte ein Zentrum für Seminarien

zu Gesundheitsfragen entstehen sollen, dann ein

Hotel. Nun ist es ein Wohnhaus mit Turnsaal, mehreren

Gästezimmern, einem innenliegenden Thermalbad,

einem Aussenpool, einem grossen Saal für Filmaufnahmen,

einem Weinkeller und weiteren ungewöhnlichen

Extras geworden. Im Wesentlichen handelt es sich um ein

Einfamilienhaus, obwohl die technische Anlage des Hauses

andere Dimensionen aufweist. Geheizt und gekühlt

wird mit 13 Erdsonden, wobei Sonnenkollektoren auf

dem Dach ihren Beitrag an die Warmwasseraufbereitung

14

dimension


leisten. Die technischen Installationen gehen aber weiter:

Unter anderem ermöglicht eine zentrale Musikanlage,

per Fernsteuerung sämtliche Räume, die dazu mit Lautsprechern

bestückt sind, zu beschallen.

Höchstanforderungen an Ausführung

Der Bauherr wollte nicht nur etwas Besonderes, er wollte

das Besondere auch perfekt ausgeführt haben. Mehr als

einmal wurde ein Element, das in der Realität nicht oder

zu wenig gefiel, abgebrochen. Unter solchen Bedingungen

einen scharfkantig ausgeführten Bau aus eingefärbtem

Sichtbeton zu erstellen, setzte einiges voraus. So wurden

alle Schalungen mit Silikon abgedichtet, um ein Auslaufen

der Bojake und sich daraus ergebende Verschmutzungen

zu verhindern. Auch gelangte ein auf die Schalung abgestimmtes

Trennmittel zum Einsatz, das die Lunkernbildung

unterbindet. Und schliesslich wurden die Oberflächen

hydrophobiert. Bei einzelnen Wandscheiben, Konterschalungen

oder bei den Säulen des Portikus war der

Bauunternehmer aber aufs Äusserste gefordert. Die zweischalige

Bauweise bedingte wegen der relativ filigranen

Einzelteile robuste Schalungen und steife Verbindungen.

Die Säulen mussten zudem trotz ihrer geringen Abmessungen

zuverlässig je Etappe über eine Höhe von drei

Metern betoniert und verdichtet werden, ohne dass es

beim Einfüllen des Betons zu Entmischungen kam.

Regelmässiger Farbton

Eine der grössten Schwierigkeiten bei einem Sichtbetonbau

besteht darin, dass der Beton über alle Bauetappen

hinweg regelmässig erscheint. Ein eingefärbter Beton

erschwert dieses Ziel zudem erheblich, denn Farbtonunterschiede,

aber auch Wolkenbildungen treten bei ihm

Durch beidseits der Korridore angeordnete

Glasbänder fällt Tageslicht bis in die unteren

Geschosse

Blick aus dem obersten Geschoss

stärker zutage. Die Faktoren, die hier einen Einfluss ausüben,

beginnen bei den Bestandteilen der Betonmischung

und reichen über sämtliche Stufen der Ausführung bis

zur Nachbehandlung. Da der Betonlieferant wusste, dass

auch die Farbpigmente aufgrund ihres Herstellungsprozesses

Farbunterschiede aufweisen können, bestellte er

von Beginn weg die gesamte notwendige Menge für die

rund 940 m 3 eingefärbten Betons. Die Pigmente liess er

dann in kleine Säcke abfüllen, von denen immer genau

sechs dem 1,5 m 3 fassenden Mischer beigemengt wurden.

Damit war mit einfachen Mitteln die Voraussetzung für

einen homogenen Farbton über die ganze Bauzeit von

immerhin zweieinhalb Jahren geschaffen.

Erfahrung hilft bei Neuem

Dass die Betonrezeptur bereits für ein Objekt in Ascona

verwendet worden war, erleichterte die Aufgabe ein

wenig. So konnten gewisse Vorversuche entfallen und es

bestand von Anfang an grössere Sicherheit. Zudem war

ein aufmerksamer und sorgfältiger Unternehmer am

Werk, der mit dem Baustoff richtig umzugehen wusste.

Letztlich zeigte sich fast beispielhaft, dass es auch für das

Gelingen eines neuen und in seiner Art einmaligen Bauwerks

hauptsächlich viel Erfahrung braucht.

«dimension» dankt dem Bauherrn, dem Architekten und dem Bauunternehmer

für ihre Auskünfte und Angaben vor Ort.

Betonrezeptur (rot eingefärbter

Sichtbeton)

Beton

C30/37; XC4, XD1, XD2a,

XF1; D max

16; Cl 0,2; C3

Zement

Fluvio 4, CEM II/A-LL 42,5 N:

350 kg/m 3

Zusatzmittel

Fliessmittel: 1%

Zusatzstoffe

Farbpigmente (rot und

schwarz): 6%

dimension 15


Einbau einer festen Fahrbahn im Arlberg-Eisenbahntunnel

Beton statt Schotter

Der Bahntunnel durch den Arlberg ist sicherheitstechnisch nachgerüstet worden. Neben der innovativen Lösung, mit

Querstollen zum parallelen Strassentunnel Fluchtwege zu schaffen, betrafen die Arbeiten verschiedene Instandsetzungen,

vorab jedoch den Ersatz des Schotterbetts durch eine feste Fahrbahn. Diese besteht aus vorgefertigten

Elementen, die mit selbstverdichtendem Beton untergossen wurden.

Christian Schreiber,

Diplomingenieur,

Geschäftsfeldleiter

Tunnelsanierung,

Rhomberg Bahntechnik

GmbH,

Bregenz

Durch den Arlberg, der die beiden österreichischen Bundesländer

Tirol und Vorarlberg voneinander trennt, führen

Strasse und Eisenbahn in je einem einröhrigen Tunnel.

Aus Sicherheitsgründen mussten beide Tunnel nachgerüstet

werden, damit im Ereignisfall Fluchtwege zur Verfügung

stehen. Idealerweise bestehen Tunnelbauwerke

aus zwei mit Querschlägen verbundenen Röhren, sodass

die eine der anderen als Zufluchtsort dienen kann. Da die

Verkehrsprognosen den Bau einer zweiten Röhre indes

weder für die Bahn noch die Strasse als berechtigt erscheinen

liessen, arbeiteten die beiden Betreiber ein Projekt

aus, das die bestehenden Strassen- und Bahntunnel

mit Querstollen verbindet.

Umfangreiche Nachrüstungen

In einer ersten Phase wurden vom Bahntunnel her im Abstand

von 1700 m Querstollen Richtung Strassentunnel

vorgetrieben. Die anfänglichen Arbeiten mussten in Sperrzeiten,

die weiteren konnten unter eingleisigem Betrieb

erfolgen. In einem zweiten Schritt werden dann von der

Strassentunnelseite nochmals so viele Fluchtstollen erstellt,

sodass sich deren Abstand auf 850 m halbiert. Die

sicherheitstechnische Nachrüstung des Bahntunnels

umfasste indes noch weitere Arbeiten, wie das Verpressen

der Hohlstellen hinter dem gut hundertjährigen Gewölbe,

die Rückverankerung der Mauerwerksauskleidung

oder die Sanierung der Spritzbetonabdichtung in den Portalbereichen.

Ferner musste das Tunnelprofil über seine

ganze Länge von rund zehn Kilometern auch für die Bedürfnisse

der rollenden Landstrasse ausgeweitet werden.

Vor allem aber musste die in Westösterreich geltende

Vorgabe umgesetzt werden, die in Eisenbahntunneln

eine pneubefahrbare Fahrbahn verlangt, damit die Feuerwehr

mit den strassentauglichen Löschfahrzeugen einfahren

kann.

Optimiertes Profil

Dies bedingte das Ausbaggern des Schotterbetts und

dessen Ersatz durch eine feste Fahrbahn. Zusammen mit

der Ausweitung ergab sich ein in Höhe und Breite fest

definiertes, neues Lichtraumprofil. Die Vorgabe der ÖBB,

nirgends mehr als 20 Prozent des bestehenden Mauerwerks

abzubauen, und das Anstreben einer möglichst

minimalen Sohleintiefung bestimmten dessen Lage. Der

Ausbau des Schotterbetts und die Sohleintiefung sowie

das Einbringen des Sohlbetons erfolgten rückschreitend

von der Vorarlberger Seite aus, wobei der Bahnbetrieb

über die ganze Bauzeit eingleisig aufrechtzuerhalten war.

© Rhomberg Bahntechnik GmbH © Rhomberg Bahntechnik GmbH

Ausbau des Schotterbetts unter Aufrechterhaltung

des eingleisigen Betriebs

Der Beton kam per Fahrmischer im Niederflurwagen

zur Einbaustelle

16

dimension


Elementweiser Einbau

Die eigentliche feste Fahrbahn wird den Unternehmern

elementweise von den ÖBB geliefert. Dabei handelt es

sich um 5,2 m lange und 2,1 m breite, mit Schwellen versehene

Betonplatten. Zwei grosse, quadratische Öffnungen

erlauben das Untergiessen dieser Platten. Die Elemente

werden auf Spindeln rund 8 cm über dem aufgerauten

Sohlbeton platziert und genau ausgerichtet, bevor

sie mit selbstverdichtendem Beton (SCC) untergossen

werden. Dabei ist vor allem darauf zu achten, dass erst

dann die zweite Öffnung beschickt wird, wenn der in die

erste gegossene Beton in ihr erscheint. Giesst man gleichzeitig

in beide Öffnungen, breiten sich zwei Wellen gegeneinander

aus und führen unter der Platte zu unerwünschten

Lufteinschlüssen.

Mit dem Fahrmischer bis zum Einbauort

Da bei keinem der Portale Platz für eine Betonanlage war,

wurde der Beton per Fahrmischer angeliefert, der dann

auf einem Niederflurwagen durch den Tunnel bis zum

Einbauort gelangte. Für die Fahrer war dies zuerst etwas

gewöhnungsbedürftig, wurden sie doch rückwärts und

mit Tempo 100 durchs Dunkle transportiert. Denn ausserhalb

des direkten Baustellenbereichs dürfen auch Versorgunsgfahrten

am Streckengleis mit normaler Geschwindigkeit

erfolgen. Kommt dazu, dass eine Linienbaustelle

von kurzen Transportzeiten nur profitieren kann. Die

Schienen wurden danach in 120 m langen Stücken verlegt

und untereinander verschweisst. Nach Einbau des

zweiten Gleises wurde der Raum zwischen den beiden

Gleisen mit Einkornbeton aufgefüllt, und zwischen den

Schienen jedes Gleises wurden für Strassenfahrzeuge

© Rhomberg Bahntechnik GmbH

Untergiessen der Elemente der festen Fahrbahn

mit SCC

befahrbare Elemente verlegt, die zugleich den Schall der

Zugsüberfahrten absorbieren.

Betontechnologie auf höchstem Niveau

Im Vorfeld der Arbeiten hatten Versuche mit der Unterfüllung

von Weichen stattgefunden, die auch Aufschluss

über die Verarbeitbarkeit des SCC geben sollten. Dabei

sowie während der tatsächlichen Arbeiten zeigte sich, wie

hervorragend der heutige SCC funktioniert. Dazu ist aus

internationaler Erfahrung allerdings auch zu sagen, dass

die Betontechnologie in Österreich und der Schweiz ein

einmalig hohes Niveau aufweist, sodass die Lieferungen

der hiesigen Betonwerke stets von bester Qualität sind.

Am Bau Beteiligte

Bauherrschaft

ÖBB-Infrastruktur Bau AG, Wien

Planung

Planungsgemeinschaft: ILF Beratende Ingenieure ZT GmbH,

Bernd Strobel ZT GmbH, Rum bei Innsbruck

Ausführung

Arge Arlberg-Bahntunnel: Rhomberg Bahntechnik GmbH,

Bregenz; Alpine BeMo Tunnelling GmbH, Innsbruck; Porr

Technobau und Umwelt AG, Wien; Heitkamp Rail GmbH,

D-Herne

Beton

Vorarlberger Lieferbeton GmbH, Bludenz

Zwischen den Schienen verlegte Elemente erlauben

das Befahren des Tunnels mit Pneufahrzeugen

dimension 17


Holcim Optimo

Aufbruch in Richtung Zukunft

Jede Zeit setzt Zeichen. In der Zementherstellung sind dies nachhaltige Innovationen, wie der neue Holcim Optimo –

geschaffen für eine lange Lebensdauer und zur wirksamen Reduktion der CO 2

-Emissionen beim Bauen.

Der Umwelt zuliebe

• Massgeblicher Beitrag

zur Reduktion

von CO 2

-Emissionen

• Reduktion des

energieintensiven

Klinkeranteils im

Zement

• Lange Verfügbarkeit

in gleichbleibender

Qualität

• Geringere Transportwege

im Vergleich

zu anderen

reaktiven Zusatzstoffen

• Schonung endlicher

Ressourcen bei der

Zementherstellung

Vielseitigkeit, Wirtschaftlichkeit und Ökologie: Der

neue Zement Holcim Optimo mit Nano-T® Technology

und der natürlichen Komponente Schiefer überzeugt in

jeder Beziehung. Innovative Rohstoffe und modernste

Produktionsmethoden sorgen für seine Leistungsstärke

und machen ihn zum idealen Produkt für fast alle

Anwendungsgebiete. Und das bei weniger CO 2

-Emissionen.

Innovative Zusammensetzung

Zement ist als Bindemittel für Beton unersetzlich. Beton

wiederum ist über die gesamte Lebensdauer eines Bauwerks

betrachtet der nachhaltigste und effektivste Baustoff.

Holcim Optimo ist ein normierter Portlandkompositzement

CEM II/B-M (T-LL) 42,5 N nach SN EN 197-1, der

hauptsächlich aus Portlandzementklinker, hochwertigem

Kalkstein (LL) und gebranntem Schiefer (T) besteht.

Schiefer als Rohstoff

Gebrannter Schiefer wird aus einem natürlich vorkommenden

Sedimentgestein hergestellt, das brennbare

organische Anteile enthält. Diese brennen ohne jegliche

Energiezufuhr bei rund 800 °C. Die daraus gewonnene

Energie wird zu Wasserdampf und damit zu Strom, der

wiederum im Produktionsprozess eingesetzt werden

kann. Das entstehende Gestein wird im Holcim Zementwerk

mit Additiven zu einem feinkörnigen, reaktiven,

gebrannten Schiefer vermahlen. Bei der Zementherstellung

wird dieser Schiefer direkt mit dem vorgängig

gemahlenen Nukleus, bestehend aus Portlandzementklinker

sowie hochwertigem Kalkstein und Gips, gemischt

und homogenisiert.

Vielfalt für alle Expositionsklassen

Holcim Optimo ist für alle Expositionsklassen nach SN EN

206-1 freigegeben und eignet sich für unbewehrten

Beton, Stahlbeton, Spannbeton, Faserbeton, Estriche

sowie Putz- und Mauermörtel. Er kann als Zement nach

SN EN 197-1 uneingeschränkt für Sichtbeton, Pumpbeton,

selbstverdichtenden Beton (SCC), Leichtbeton, Spritzbeton

und Recyclingbeton verwendet werden. Mit seiner

warmen Grautönung und seiner geringen Ausblühneigung

eignet sich Holcim Optimo speziell für ästhetische

Anforderungen. Holcim Optimo lässt sich problemlos mit

allen üblichen Betonzusatzmitteln verarbeiten und erlaubt

die Verwendung von weiteren Betonzusatzstoffen.

Nano-T® Technology

Beton besteht im erhärteten Zustand aus Zementstein

und den darin eingebetteten Gesteinskörnern. Die Porosität

des Zementsteins und die Kontaktzone zwischen

Zementstein und Gesteinskörnung beeinflussen Festbetoneigenschaften

wie Festigkeit und Dauerhaftigkeit

massgebend. Die Nano-T® Technology verringert die

Kapillarporosität im Zementstein und verbessert die

Eigenschaften der Kontaktzone.

Unterm Strich: Deutlich weniger CO 2

Fassen wir zusammen: Die Optimierung der Produktionsprozesse,

die Entwicklung innovativer Produkte sowie die

Einsparung von CO 2

-Emissionen sind zentrale Ziele von

Holcim. Durch den Austausch von Portlandzementklinker

gegen gebrannten Schiefer können mehrfach positive

Effekte erzielt werden. Was unterm Strich heisst: Holcim

Optimo ist der Zement für die Zukunft.

Eigener Steinbruch

Holcim baut den Schiefer exklusiv in einem eigenen, regionalen

Steinbruch ab. Dies garantiert eine ausgezeichnete

und gleichbleibend hohe Qualität. Der Nachschub

ist dank reichhaltigem Vorkommen über Generationen

gesichert. Das heisst: Mit Holcim Optimo können die

meisten der heute in der Schweiz verwendeten Zemente

durch ein ökologischeres und technisch ausgereifteres

Produkt abgelöst werden.

Mehr Informationen zu Holcim Optimo: www.holcim.ch/optimo

Ihre Vorteile dank Nano-T® Technology

• Hohe Dauerhaftigkeit

• Reduzierung der Durchlässigkeit

• Verbesserte Zugfestigkeit

• Geringes Rissrisiko

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dimension


dimension 19


Holcim (Schweiz) AG

Hagenholzstrasse 83

8050 Zürich

Schweiz

Telefon +41 58 850 68 68

Telefax +41 58 850 68 69

marketing-ch@holcim.com

www.holcim.ch

Holcim (Vorarlberg) GmbH

Brunnenfelderstrasse 59

6700 Bludenz

Österreich

Telefon +43 5552 635 91 20

Telefax +43 5552 635 91 80

info-vlbg@holcim.com

www.holcim.at/vlbg

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