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ARBEIT UND

GESUNDHEIT

Die Infoseiten für junge Leute

SICHERHEITFÜR

MICH

1 2008

Kettensägen


Foto: Esser

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Jeder, der schon einmal eine Kettensäge in der Hand hatte, weiß: Diese Maschine hat

Power und kann gefährlich werden – nicht nur in blutrünstigen Horrorfilmen.

Next-Mitarbeiter Christian Donner wollte wissen, wie man professionell und sicher sägt.

Er besuchte eine Schulung angehender Forstwirte und griff selbst zur Kettensäge.

Es ist kalt im Sauerländer Wald und ich stehe mit klammen

Fingern inmitten einer Gruppe von Forstwirt-Auszubildenden.

Die lernen in den ersten Wochen ihrer

Lehrzeit unter anderem, wie man richtig und sicher mit

einer Motorkettensäge umgeht und welche Gefährdungen

dabei auftreten können. Im Gegensatz zu mir haben die

anderen Kursteilnehmer schon mehrmals eine Kettensäge

in der Hand gehabt und sind deshalb lange nicht so nervös

wie ich.

Nur mit voller Ausrüs tung

Bevor es ernst wird und ich zum ersten Mal unter Aufsicht

sägen darf, stellt mir Wilhelm Bittis, Forstwirtschaftsmeister

und Ausbilder am Forstlichen Bildungszentrum,

die für Forstwirte vorgeschriebenen Persönlichen Schutz-

Foto: Esser

Lärmarbeit: Verbrennungsmotorisch angetriebene Sägen

erreichen einen Schallpegel von 100 dB (A). Ohne Gehörschutz

drohen irreparable Hörschäden.

ARBEIT UND GESUNDHEIT Januar 2008

Ausbilder Wilhelm Bittis

(2. v. l.) erklärt den angehenden

Forstwirten den richtigen

Einsatz der Kettensäge beim

Baumfällen.

Zwei seiner Grundsätze:

niemals alleine arbeiten und

immer einen Gefahren- und

Flucht bereich freihalten.

ausrüstungen (PSA) vor: „Wer bei uns mit einer Motorkettensäge

arbeitet, benötigt grundsätzlich einen Schutzhelm

mit Gehör- und Gesichtsschutz. Außerdem eine

Schnittschutzhose, Sicherheitsschuhe mit Schnittschutzeinlage

sowie Schutzhandschuhe.“ Während die anderen

Teilnehmer um mich herumstehen und darauf warten,

dass ich loslege, zeigt mir der Forstwirtschaftsmeister,

wie man eine Kettensäge richtig startet. Wichtig ist, dass

man beim Startvorgang die Kettensäge sicher abstützt,

wobei die Kette frei sein muss und den Boden nicht

berühren darf. Eine Hand gehört an den Haltebügel und

mit der anderen betätigt man dann die Starteinrichtung.

Außerdem sollte man beim Sägen immer sicher und fest

stehen.

Foto: Esser

Qualitätsmaschinen haben eine Reihe von technischen

Schutzeinrichtungen wie beispielsweise einen Handschutz,

der zugleich die Kettenbremse auslösen kann.


Konzentration gefragt

Mit PSA und guten Ratschlägen ausgerüstet, nehme ich

nun endlich die Säge in die Hand – und gehe fast ein

wenig in die Knie. Heh, das Ding ist ganz schön schwer.

Ich starte wie besprochen und als die Sägekette läuft,

vibriert mein ganzer Arm. Mit beiden Händen fasse ich

fest die beiden Haltegriffe und bringe die Säge nur mit

einiger Kraftanstrengung auf ihren Weg. Die anderen

sehen mir gespannt zu und mir wird klar: Hier ist Konzentration

gefragt, das ist kein Kinderspiel. Nach und

nach gewöhne ich mich aber an das Gewicht und als die

Säge in den vorbereiteten Ast fährt, macht das richtig

Spaß. Ruck zuck ist das Stück Holz durchgesägt. Bei aller

Euphorie steht nach diesem kurzen Test für mich fest:

Diese Arbeit ist riskant.

Technische Sicherheitseinrichtungen

„Wie kann ich mich denn am besten vor Unfällen und

Verletzungen schützen?“, frage ich nach meinem kurzen

Einsatz in die Runde. Zunächst käme es auf die richtige

Maschine an, antwortet einer der angehenden Forst wirte.

Eine moderne Qualitätskettensäge enthielte Sicherheitseinrichtungen,

die vor einigen Gefährdungen schützen

könnten. Als ich mir „meine“ Säge genau ansehe, fällt

mir vor allem der Handschutz auf, der zum Beispiel im

Falle eines Hochschnellens des Schwertes die Kettenbremse

auslöst und damit die Kette schlagartig stillsetzt.

Außerdem ist da noch die Gashebelsperre, die verhindert,

Foto: Esser

Die Gashebelsperre verhindert, dass die Sägekette unbeabsichtigt

anspringt.

Januar 2008 ARBEIT UND GESUNDHEIT

KETTENSÄGEN

dass die Kette unbeabsichtigt anläuft.

Gegen Durchblutungs störungen in der

Hand gibt es vibrationsgedämpfte Griffe

und im Optimalfall hält sogar eine

Griff heizung die Finger warm. Der

Kettenschutz gegen Verletzungen beim

Transport und die Auspuffabschirmung

gegen Verbrennungen gehören auch

zur Standardausstattung sicherer Sägen.

Alle Gefahren, die beim Arbeiten mit

einer Kettensäge auftreten, können Fachjournalist Christian Donner

durch solche technischen Sicherheits- sägte gemeinsam mit angehenden

Forstwirten. Sein Fazit:

einrichtungen allerdings nicht beseitigt

„Eine riskante Arbeit, die man nur

werden. Dazu Wilhelm Bittis: „Die nach einer Schulung und hoch

Sägekette hat scharf geschliffene Zähne konzentriert erledigen sollte.“

und läuft mit hoher Geschwindigkeit

um das Schwert. So leicht, wie dieses Werkzeug Baumstämme

und Äste durchschneidet, so leicht verletzt und

durchtrennt es zum Beispiel auch einen Unterschenkel.

Insbesondere wenn die Säge nicht fachgerecht eingesetzt

und geführt wird, kann sie leicht abrutschen oder sogar

zurückschlagen.“ Der gefürchtete Rückschlag einer

Motorsäge geschieht in Sekundenbruchteilen und mit

Kräften, die selbst von einem versierten Bediener nicht

immer abgefangen werden können. Vor allem dann

nicht, wenn er unkonzentriert arbeitet. Mögliche Folge:

schwere Prellungen und Schnittverletzungen.

Gut ausgebildet: Nur wer sich ausreichend informiert

hat, kann mit einer Kettensäge sicher arbeiten.

Foto: Esser

Foto: Donner


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Ganz schön laut

Als die anderen Kursteilnehmer nun ihre eigenen Sägen

anwerfen, um richtiges Baumfällen zu üben, wird es

ohrenbetäubend laut im Wald. Kein Zweifel: Arbeiten

mit Kettensägen, die einen Verbrennungsmotor haben,

ist Lärmarbeit! Auf den Benutzer wirken in aller Regel

Schallpegel bis zu 100 Dezibel (dB(A)) ein. Wer viele

Jahre bei diesem Pegel ohne ausreichenden Gehörschutz

arbeitet, riskiert einen irreparablen Gehörschaden.

Ich schaue den anderen noch eine Zeit lang bei ihrer

Arbeit zu und verabschiede mich während der nächsten

Pause. Einer der Auszubildenden klopft mir auf die

Schulter und meint: „Man kann nicht einfach drauflos

arbeiten – den Umgang mit so`nem Ding muss man

lernen, sonst geht’s schief – schreib das mal ruhig!“

Unfälle bei Privatpersonen

häufen sich

Immer mehr Menschen schneiden ihr Kaminholz mit

einer Kettensäge selbst. Nicht immer mit glücklichem

Ausgang. Die Anzahl der Unfälle hat sich laut Krankenkassen

und Unfallversicherungsträgern in den

letzten Jahren deutlich erhöht.

Deshalb bieten mittlerweile viele Forstämter Motorsägenkurse

für „Brennholzselbsterwerber“ an. Im

Landeswald NRW zum Beispiel dürfen nur Leute

Brennholz schlagen, welche die Teilnahme an einer

Motorsägenschulung nachweisen können. Wer Interesse

an einem solchen Kurs hat, fragt am besten vor

Ort beim zuständigen Forstamt nach.

E-Learning: sich selber schlaumachen

Das Forstliche Bildungszentrum für Waldarbeit und

Forsttechnik NRW in Arnsberg-Neheim bietet die

Möglichkeit zum E-Learning. Die webbasierte Trainingseinheit

(WBT) zum Thema „Arbeitsschutz und

Ergonomie“ richtet sich an alle im Wald Beschäftigten.

www.waldarbeitsschule.de > WBT

www. .de

Impressum ARBEIT UND GESUNDHEIT NEXT. Januar 2008 Die Infoseiten für junge Leute

Herausgeber: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV), Mittelstraße 51, 10117 Berlin, www.dguv.de. Redaktion: Martin Rüddel

(verantwortlich), Sankt Augustin; Ewald-J. Weichenmeier, LV Bayern und Sachsen der gewerblichen BGen, München; Gabriele Albert,

Wiesbaden. Text: Christian Donner, redaktion@arbeit-und-gesundheit.de. Grafisches Konzept: a priori werbeagentur, Wiesbaden. Titelfoto: Esser.

Verlag: Universum Verlag GmbH, 65175 Wiesbaden, Tel.: 06 11/90 30-0, Fax: -281, www.nextline.de

ARBEIT UND GESUNDHEIT Januar 2008

ARBEIT UND GESUNDHEIT next Wissen

Das kleine Säge-

Einmaleins

Um mit einer Motorsäge sicher arbeiten zu können,

müssen folgende Voraussetzungen stimmen:

Die richtige Ausbildung. Nur wer sich ausreichend

informiert und qualifiziert hat, kann mit

einer Motorsäge sicher arbeiten.

Die Arbeit mit der Kettensäge ist für unter

18-Jährige verboten. Ausnahme: Auszubildende

ab 15 Jahren (laut Jugendarbeitsschutzgesetz, §§ 2

und 22), wenn es zum Erreichen des Ausbildungszieles

erforderlich ist und unter Aufsicht eines

Fachkundigen erfolgt.

Arbeiten nur mit den vorgeschriebenen

Persönlichen Schutzausrüstungen: Diese variieren

je nach Branche, sollten aber auf jeden Fall

Schutzhelm, Augenschutz, Gehörschutz und Sicherheitsschuhe

beinhalten. Forstwirte, Gärtner etc.

müssen darüber hinaus noch Gesichtsschutz,

Schutzhandschuhe, Schnittschutzhose und Sicherheitsschuhe

mit Schnittschutzeinlage tragen. Auch

private Hobbysäger sollten kein Risiko eingehen

und sich im Fachhandel die richtigen Schutzausrüstungen

besorgen.

Keine Alleinarbeit. Allein im Wald zu arbeiten,

ist gefährlich: Für Profis ist deshalb die Alleinarbeit

mit der Motorsäge verboten. Und was für Profis

gilt, sollten auch Freizeitsäger beherzigen.

Regelmäßige Wartung und Pflege

der Motorsäge.

Sichtprüfung der Säge vor jeder Benutzung.

Betriebsanleitung des Motorsägenherstellers

beachten.

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