Jahresbericht XIII - Aktionsjahr 2006 - DeutschMobil

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Jahresbericht XIII - Aktionsjahr 2006 - DeutschMobil

Jahresbericht XIII - Aktionsjahr 2006|2007

Eine Aktion der Föderation Deutsch-Französischer Häuser zur deutschen

Sprach- und Kulturvermittlung in Frankreich, in Kooperation mit:


D eutschMobil - Jahresbericht 2006|07

Dankadresse

Ein herzlicher Dank gilt den nachfolgend aufgeführten Partnern und Sponsoren, die den Erfolg des

Projekts durch ihre tatkräftige Unterstützung ermöglicht haben:

Robert Bosch Stiftung GmbH, Stuttgart

Daimler AG, Stuttgart

Föderation Deutsch-Französischer Häuser

DAAD - Deutscher Akademischer Austauschdienst

Arte G.E.I.E.

Auswärtiges Amt

CIDAL (Centre d‘Information et de Documentation de l‘Ambassade d‘Allemagne)

Conseil Général de la Moselle

Conseil Général du Calvados

Conseil Régional d‘Aquitaine

Conseil Régional de Midi-Pyrénées

Conseil Régional Rhône-Alpes

DFJW (Deutsch-Französisches Jugendwerk)

Deutsche Zentrale für Tourismus, Paris

Ernst Klett Verlag, Stuttgart

France Mobil

Goethe-Institut Frankreich

Langenscheidt Verlag, München

Les Editions Larousse, Paris

Max Hueber Verlag, München

Das Programm DeutschMobil steht unter der Schirmherrschaft von Xavier Darcos, französischer Minister für Bildung, Hochschulwesen und

Forschung, und Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin und Bevollmächtigter der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle

Angelegenheiten im Rahmen des Deutsch-Französischen Vertrages.

Die Herausgabe des DeutschMobil-Tätigkeitsberichtes VIII wurde durch die freundliche Unterstützung der

Robert Bosch Stiftung ermöglicht.

Endredaktion & Layout: Nadine Gruner (DeutschMobil Koordination Montpellier)


I nhaltsverzeichnis

Grußwort von Kurt Brenner ........................................................................................................6

DeutschMobil - ein Erfolgsmodell ...............................................................................................8

Berichte aus den Regionen .........................................................................................................10

Aquitaine | Bordeaux .....................................................................................................10

Burgund | Dijon ............................................................................................................26

Ile-de-France | Paris .......................................................................................................32

Languedoc-Roussillon | Montpellier ..............................................................................38

Lothringen | Saint-Avold ...............................................................................................52

Midi-Pyrénées | Toulouse ...............................................................................................62

Normandie | Caen .........................................................................................................76

Pays de la Loire | Nantes ................................................................................................86

Provence-Alpes-Côte d‘Azur | Aix-en-Provence ............................................................100

Koordinierungsstelle Montpellier .................................................................................108

Partner & Sponsoren ...............................................................................................................110

Sonderaktionen ........................................................................................................................112

Deutsch-Französisches Forum Strasbourg 10|2006 ......................................................112

Expolangues Paris 01|2007 ..........................................................................................113

Leipziger Buchmesse 03|2007 ......................................................................................114

Motivationswochenende 04|2007 ................................................................................116

Deutsch-France-Mobil 06|2007 ...................................................................................117

Autoübergabe vor der SRH Hochschule Heidelberg 07|2007 .......................................118

Statistik ....................................................................................................................................120

Deutschlernen in Frankreich ...........................................................................................120

Erfolge in Zahlen .........................................................................................................122

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G eleitwort

„Europa muss unbedingt wieder lernen für seine Traditionen und kulturellen Eigenheiten einzustehen.

Europa wird untergehen, wenn es nicht für seine Sprache kämpft.“

Management-Guru Reinhard Sprenger

Kürzlich berichtete mir der Bürgermeister einer Kleinstadt des Languedoc, die seit zwei Jahrzehnten

eine intensive Partnerschaft mit einer deutschen Stadt pflegt, dass die letzte Deutschklasse seines

Collèges wegen zu geringer Nachfrage schließen musste. Wer über Einblick in das französische

Unterrichtssystem verfügt, weiß wie schwer es ist, selbst wenn guter Wille vorhanden, eine

Neueröffnung zu erreichen.

Derartige Erfahrungen sind für unsere eingeschworene DeutschMobil-Equipe keine Ausnahme. Es

heißt dann nach Maßnahme unserer Möglichkeiten in Absprache mit den zuständigen Gremien

der Unterrichtsverwaltung und in Verbindung mit dem Partnerschaftskomitee eine Informations-

und Werbeaktion in Gang zu setzen.

DeutschMobil hat in den sieben Jahren seines Bestehens vieles erreicht und in den Weiten der

französischen Provinzen durch das überzeugte Engagement der Lektorinnen und Lektoren Neugier

und Aufgeschlossenheit für die deutsche Sprache geweckt. Bei der Abfassung dieser Berichte werden

die Lektorinnen etwa 650.000 km kreuz und quer durch das französische Hexagon zurückgelegt

haben und werden mit über 300.000 Schülern in Kontakt gekommen sein. Wir wissen, dass an den

unzähligen Orten, wo sie für das Erlernen der deutschen Sprache werben nicht nur die Einschreibequoten

für die Deutschklassen teilweise erheblich stiegen, in manchen Fällen die Weiterexistenz des

Deutschunterrichts am Collège gewährleistet und die Schließung von Deutschklassen verhindert

werden konnten, sondern auch durch die erfrischende Präsenz der jugendlichen Sprachbotschafter-

Innen ein neues Interesse für das Nachbarland Deutschland erweckt werden konnte. Gerade in

kleineren Städten der französischen Regionen war das Erscheinen von DeutschMobil nicht nur

für die Schüler, sondern auch für deren Eltern ein willkommener Anlass sich mit einem aktuellen

Deutschlandbild auseinanderzusetzen.

DeutschMobil hat sieben wahrhaft magische Jahre hinter sich gebracht. Beim Aufbruch zum

achten Aktionsjahr konnte auf Drängen der beiden Partnerregionen Baden-Württemberg und

Rhône-Alpes mit spontaner Zustimmung von der Daimler AG, der Robert Bosch Stiftung und

des DAAD das 10. DeutschMobil, dessen Einsatzstelle das Goethe-Institut Lyon ist, auf den Weg

gebracht werden. DeutschMobil ist somit zu einem in der gegenwärtigen Situation nicht mehr

zu missenden Kulturprojekt avanciert, an dem 28 Haupt- und Teilzeitbeschäftigte engagiert sind.

Durch die von ihm in Gang gesetzte Dynamik wurden bei der Projektleitung im Heidelberg-Haus

Montpellier als dessen Derivate in die Aktion integrierte und mit Erfolg ablaufende Zusatzprogramme

entwickelt. Dazu gehören die Internetvermittlung Klasse@classe, das Begegnungsprogramm

„Cousins Germains“, die „Rendez-vous avec l‘Allemagne“ und das am Schuljahresende

auf Initiative der LektorInnen von France Mobil und DeutschMobil in Montpellier ablaufende

Begegnungsseminar. Diese Zusatzprogramme, die nicht als einmalig stattfindendes Event zu

betrachten sind, sondern gerade durch ihre Kontinuität Wirkung erzielen, finden die wohlwollende

Unterstützung der Robert Bosch Stiftung, des Deutsch-Französischen Jugendwerks, der

französischen Unterrichtsakademien und der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes.

Wir sind durch die vielen positiven Resonanzen froh, dass wir über die motorische Aktion

DeutschMobil vielen französischen Schülern und ihren Eltern ein oft in seiner Aktualität entrücktes

Deutschland näher bringen konnten. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein unbefangenes


fröhliches und spielerisches Eintreten für die deutsche Sprache auf fruchtbaren Boden fällt und dass

es lohnt zu vermitteln und dass das, was die Stärke einer Sprache ausmacht, die Werke sind, die aus

ihr hervorgehen und die Kultur, die auf ihr aufbaut.

Es gehört zur Stärke unserer föderativen Bundesrepublik und deren kultureller Ausstrahlung, dass

DeutschMobil nicht etwa als Pilotprogramm des Auswärtigen Amtes oder des mit ihm durch Rahmenvertrag

verbundenen offiziellen Goethe-Instituts konzipiert worden ist, sondern seine Existenz

auf zivilgesellschaftlicher Initiative beruht. Träger ist die Föderation deutsch-französischer Häuser

an deren Geschäftssitz, dem Heidelberg-Haus in Montpellier, die Projektleitung angegliedert ist.

Ohne den Hauptförderer, die Robert Bosch Stiftung und den Sponsor, die Daimler AG, die beide

schon mehrere Millionen Euro in das Projekt investiert haben, hätte die Initiative nicht umgesetzt

werden können. Ihnen gebührt Anerkennung, Respekt und Dank. Unser Dank geht aber auch

an alle eingebundenen Partner, mit deren nachhaltiger Unterstützung diese wichtige Aufgabe der

Förderung unserer Kultursprache intensiviert werden konnte und kann: an den DAAD, der drei

Lektorate bereitstellt, an die beteiligten Goethe-Institute (Bordeaux, Toulouse und seit September

2007 Lyon und Nancy), an das Deutsch-Französische Jugendwerk, an ARTE, an die Verlage Klett,

Hueber, Langenscheidt und Larousse und natürlich an das Auswärtige Amt und dessen Botschaft in

Paris. Eine für die deutsch-französische Kulturoperation und deren interregionale Vernetzung signifikante

Erweiterung erfuhr das Projekt DeutschMobil durch die ausdrücklich gewünschte Beteiligung

von französischen „collectivités territoriales“, die die Aktion substantiell und mit großem

Interesse unterstützen: das Département Calvados (Hauptstadt Caen), die Region Midi-Pyrénées

(Toulouse). Aquitaine (Bordeaux) und Rhône-Alpes (Lyon), denen wir ebenfalls Dank schulden.

Wenn DeutschMobil in den zurückliegenden sieben Jahren zu diesem Aufmerksamkeit erregenden

Erfolg geworden ist, so ist es in erster Linie dem persönlichen und unermüdlichen Einsatz der Lektorinnen

und Lektoren zu verdanken. Es ist ihnen gelungen über die sprachliche Sensibilisierung

hinaus französischen Schülern und Eltern frische Einblicke in das quirlige Kaleidoskop eines weltoffenen,

umtriebigen Deutschlands der Gegenwart zu verschaffen.

Auch die Akteure von DeutschMobil, dem 2003 der „Initiativpreis Deutsche Sprache“ zuerkannt

worden ist, möchten noch etwas mehr erreichen, nämlich in der „Etappe“ selbst das Bewusstsein

beleben, dass die Sprache als Abdruck nationaler Identität ein unschätzbares Instrument kulturpolitischer

Ausstrahlung darstellt.

Kurt Brenner

Präsident der Föderation Deutsch-Französischer Häuser

Projektleiter DeutschMobil

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D eutschMobil - ein Erfolgsmodell

Nach der Deutschlandeuphorie zur Fußball-WM nahmen zur Rentrée 2006 neun junge Hochschulabsolventen

ihre Tätigkeit als DeutschMobil-Lektor in Frankreich auf. Neun Einsatzstellen

fungieren als feste Ankerpunkte für die erfolgreiche Sprachwerbeaktion: in Aix-en-Provence, Bordeaux,

Caen, Dijon, Montpellier, Nantes, Paris, Saint-Avold und Toulouse.

Von dort aus fliegen Mercedes Vito Busse in alle vier Himmelsrichtungen aus, um auch in den entlegendsten

Winkeln des Hexagons für die deutsche Sprache und Kultur zu sensibilisieren. Letztere

hatte es wahrlich nicht leicht in den vergangenen Jahren. Doch selbst nach der Weltmeisterschaft

blieben die DeutschMobile nicht arbeitslos in ihren Garagen stehen. Im Gegenteil, es gibt noch viel

zu tun für ein aktuelles und attraktives Deutschlandbild in den Köpfen der französischen Jugendlichen.

In der Tat reißt die Nachfrage seit Jahren nicht ab, was die Popularität und Effizienz von

DeutschMobil als Erfolgsmodell beweist. Und das Land der Ideen machte von sich reden, neben

der EU-Ratspräsidentschaft sollte vor allem die Teenierockgruppe Tokio Hotel der musikalische

Exportschlager des Jahres werden.

Vor Ort in den französischen Schulen wird echte Basisarbeit geleistet, die sympathischen Lektoren

bringen frischen Wind in die Klassenzimmer und erzählen von sich und ihrer Heimat - authentischer

geht es kaum. Im Gepäck Spiele, Bücher, Musik und Videos. Das Zauberwort heißt Sprachanimation

und hebt die gewöhnlich frontale Unterrichtssituation regelrecht aus den Angeln.

Bohrende Fragen sind ausdrücklich erlaubt. Eine schöne Initiative des Lektorenteams ist die Entwicklung

eines DeutschMobil-Kits als Ideensammlung für Deutschlehrer.

Die Lektoren sind Projektmanager, Chauffeure, Animateure, Pädagogen und Buchhalter in einem,

die von der Einsatzplanung bis hin zur Auswertung und Didaktisierung neuer Ideen sämtliche

Lektorengeneration 2006|07: (stehend v.l.n.r.) Kilian Jacob (Provence-Alpes-Côte d‘Azur), Annette Gramß (Ile-de-France),

Anneke Viertel (Aquitaine), Sabine Pretscher (Midi-Pyrénées), Inga Kathke (Pays de la Loire), Nicole Centmayer (Burgund),

(sitzend v.l.n.r.) Cora Mathe (Lothringen), Nora Günther-Schellheimer (Languedoc-Roussillon), Jessica Wilzek (Normandie)


Aufgaben selbständig wahrnehmen. Ein erlebnisreiches Jahr, wie der Leser den Berichten aus den

verschiedenen Regionen entnehmen kann.

Neben den Schulbesuchen gehörten auch wieder zahlreiche Sonderaktionen zum Schuljahr

2006/07: angefangen mit der Frankfurter Buchmesse, über das Deutsch-Französische Forum Strasbourg,

Expolangues Paris bis hin zur Leipziger Buchmesse und verschiedene Rendez-vous avec

l‘Allemagne. Auftakt war die Einführung des Mobils Nummer 9 in der Region Aquitaine, angelegt

am Goethe-Institut Bordeaux mit freundlicher Unterstützung des DAAD und des Conseil Régional

d‘Aquitaine. Im Südwesten gehören erstmalig auch Gymnasiasten zur Zielgruppe.

Die Bilanz der DeutschMobile seit Januar 2001 ist mehr als beachtlich, insgesamt wurden:

mehr als 4.500 Schulen besucht

10.700 Animationen durchgeführt

283.000 Schüler angesprochen

mehr als 700 Elternabende angeboten

und mehr als 550.000 Kilometer gefahren (Stand Juli 2007)

Allein in diesem Schuljahr wurden zwischen Lothringen und dem Baskenland mehr als 125.000

Kilometer zurückgelegt und über 2.500 Schulstunden in 960 verschiedenen Schuleinrichtungen

wurden von unermüdlichen DeutschMobil-LektorInnen animiert. Damit konnten im Aktionsjahr

2006/07 rund 60.000 französische Schüler erreicht werden. Nicht wenige davon ließen sich für die

Wahl von Deutsch als Fremdsprache überzeugen.

Eine intensive Zusammenarbeit mit den Kollegen von France Mobil sollte zur Bildung von

interregionalen Tandems führen sowie der Einrichtung eines Internetforums. Darüber hinaus

wurde der Weg für die Gründung eines gemeinsamen Alumnivereins geebnet. Das traditionelle

Deutsch-France-Mobil-Seminar in der Koordinierungsstelle Montpellier rundete die gemeinsamen

Aktivitäten ab.

Das Abschlussseminar in Stuttgart mit der feierlichen Übergabe neuer Vito Busse an die Aktion

DeutschMobil auf der Plaza der SRH Hochschule in Heidelberg bildete den Jahresabschluss. Dort

wurde der Staffelstab an die kommende Lektorengeneration weiter gereicht, die ab September

2007 in den Startlöchern steht. DeutschMobil ist in der Tat ein expandierendes Unternehmen,

so freuen wir uns über Zuwachs im nächsten Schuljahr mit einem zehnten DeutschMobil in

Baden-Württembergs Partnerregion Rhône-Alpes. Dass die Aktion DeutschMobil bereits in anderen

Ländern kopiert wurde oder werden soll, bestätigt das Erfolgsmodell.

Der DeutschMobil-Tätigkeitsbericht XIII gibt mit den Berichten aus den Regionen umfassende

Einblicke hinter die Kulissen der Aktion DeutschMobil. Bonne lecture!

Bei Fragen und Anregungen zum Thema DeutschMobil oder wenn Sie den Druckbericht inklusive

Schulliste und umfangreichem Pressespiegel anfordern möchten, wenden Sie sich bitte an die

Koordinierungsstelle im Heidelberg-Haus Montpellier.

Fon (0033) 04.67.60.48.11

Fax (0033) 04.67.66.22.29

info@deutschmobil.fr

www.deutschmobil.fr

DeutschMobil - ein Erfolgsmodell

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B erichte aus den Regionen

Aquitaine

Lektorin......... Anneke Viertel

Einsatzstelle.... Goethe-Institut Bordeaux

Kontakt.......... 35 cours de Verdun

33000 Bordeaux

Fon: (0033) 05 56 48 42 71

Fax: (0033) 05 56 48 42 61

deutschmobil@bordeaux.goethe.org

Vorbereitung, Einarbeitung, Betreuung

Die Vorbereitung der Lektoren findet durch ein Einführungsseminar vor Stipendienbeginn in

Stuttgart statt. Bei diesem Seminar lernen die Lektoren die Projektverantwortlichen bei der

Robert Bosch Stiftung, die Projektkoordinatoren im Heidelberg-Haus und die Leiter bzw. die

für die pädagogische Arbeit Verantwortlichen der regionalen Einsatzstellen kennen. Außerdem

machen die Lektoren Bekanntschaft mit ihren Vorgängern sowie neuen Lektorenkollegen. Dieses

Einführungsseminar bewerte ich als äußerst sinnvoll und wichtig zum Einstieg in die Lektorenarbeit.

Da ich vor Beginn meines Stipendiums beruflich eingebunden war, konnte ich bedauerlicherweise

nicht am gesamten Einführungsseminar teilnehmen. Darüber hinaus war ich die erste

Lektorin in der Aquitaine. Aus diesen beiden Gründen fiel mir die Einarbeitung in der Aquitaine

nicht immer einfach. Vieles hätte, so denke ich im Nachhinein, mit einer intensiveren Vorbereitung

schneller gehen können.

Im Herbst nahm ich darüber hinaus, gemeinsam mit Sabine Pretscher, der zweiten DAAD-Stipendiatin

im DeutschMobil-Jahr 2006/2007, am Einführungsseminar für neue DAAD-Lektoren in

Paris teil. Ich bewerte es als sehr positiv, so die Arbeit der DAAD-Lektoren und die Geschäftsstelle

in Paris besser kennen gelernt zu haben, sowie Kontakte zu den Lektoren knüpfen zu können.

Darüber hinaus konnten Sabine und ich den DAAD-Lektoren die Aktion DeutschMobil vorstellen

und so für eine größere Bekanntheit des Projektes sorgen, sowie eine bessere Vernetzung der

DAAD- und DeutschMobil-Lektoren unterstützen. Schließlich konnte ich bei dem Seminar Anregungen

für meine eigene Unterrichtstätigkeit an der Universität Bordeaux 3 erhalten.

Weitere Seminare waren: Das Zwischenseminar vor Weihnachten sowie das Abschlussseminar im

Juli, beide von der Robert Bosch Stiftung organisiert. Außerdem wurden ein Motivationstreffen der

DeutschMobil-Lektoren um Ostern sowie ein Treffen mit den France Mobilen im Juni in Montpellier

organisiert. Alle Seminare und Treffen halte ich für sehr wichtig. Es ist sehr gut und immens


Aquitaine

wichtig, sich mit seinen Kollegen sowohl über Organisatorisches als auch über Stundeninhalte,

neue Spiele usw., direkt austauschen zu können.

Ich würde mir wünschen, schon anlässlich des Weihnachtsseminars mehr Seminarteile gemeinsam

mit den France Mobilen zu haben. Die Zusammenarbeit der Deutsch- und France Mobile bei dem

Treffen in Montpellier war so produktiv, es entstanden viele gute neue Interventions- und Projektideen,

dass es gut wäre, eine solche Zusammenarbeit schon früher und nicht erst gegen Jahresende

zu beginnen. Man könnte auch das Deutsch-France-Mobil-Treffen um Ostern stattfinden lassen,

damit so die Lektoren noch mehr von der gemeinsamen Arbeit profitieren können, gemeinsame

Projekte erarbeitet und fortgeführt werden können. Ein Treffen um Ostern ist außerdem für die

Motivation der Lektoren sehr wichtig: wir alle haben uns nach dem Treffen in Volnay mit neuer

Energie an die Arbeit gemacht und neue Anregungen mit in die Regionen genommen.

Das Abschlussseminar ist meines Erachtens unter anderem für die Weitergabe unseres Wissens

an die neuen Lektoren sehr wichtig. Da die Lektoren nur ein Jahr oder manchmal zwei Jahre

am Projekt beteiligt sind, ist die Weitergabe des Wissens, der Informationen an die folgende(n)

Lektorengeneration(en) eine wichtige Frage. Als sehr positiv bewerte ich daher die Einführung

eines obligatorischen Übergabeprotokolls an den nachfolgenden Lektor. Jeder Stipendiat sollte

auf die Erstellung dieses Protokolls größte Sorgfalt verwenden. Dem Ablauf und den Inhalten

der DeutschMobil-Stunden, den Animationsbausteinen, sollte bei dem Seminar ein wichtiger

Platz eingeräumt werden: Um meine Erfahrungen meiner Nachfolgerin weiterzugeben, habe ich

außerdem zu jedem Schulbesuch einen Kurzbericht geschrieben mit Informationen zur Schule,

der Vorbereitung meines Einsatzes, zum Deutschlehrer, zu den Stunden usw. So hoffe ich den folgenden

Lektoren die Arbeit zu vereinfachen, sie auf mögliche Schwierigkeiten vorzubereiten. Ich

erachte es außerdem für das Projekt als sehr positiv, dass dieses Jahr drei Lektoren verlängern, also

ein zweites Jahr DeutschMobil-Arbeit leisten. Einer dieser Lektoren bin ich selbst. Ich hoffe in

meinem zweiten Jahr meine Arbeit mit mehr Ruhe und Überblick anzugehen und so Verbesserungen

zu verwirklichen. Ich hoffe, mehr Zeit für die Vorbereitung der Stunden verwenden zu können

und so mehr neue Animationsbausteine und Ideen zu erarbeiten. Außerdem möchte ich den neuen

Lektorinnen mit Ratschlägen zur Seite stehen und ihnen so bei der Einarbeitung helfen. Vielleicht

könnte man auch, wie es bei den France Mobilen der Fall ist, eine Einarbeitung der „Neuen“ durch

die erfahrenen „Alten“ einführen? Ein wichtiger „Baustein“ im Bereich der Weitergabe unseres

Wissens ist auch die Erstellung des „DeutschMobil-Kits“. Die Lektoren des Jahrgangs 2006/2007

haben gemeinsam ihr DeutschMobil-Wissen in eine schriftliche Form gebracht, damit dieses so

interessierten Lehrern, Eltern, Sprachassistenten und neuen Lektoren zu Verfügung gestellt werden

kann. Jeder Lektor hat dabei Teile der Gesamtarbeit übernommen.

Am Goethe-Institut Bordeaux wurde ich sehr herzlich von den Mitarbeitern und der Leiterin

des Instituts, Carmen Marcou, aufgenommen. Die ersten Wochen arbeitete ich die ganze Woche

über im Goethe-Institut, das mir ein Büro mit einem Computer sowie Telefon- und Faxzugang

zur Verfügung stellte. Am Anfang des Schuljahres stand außerdem das Knüpfen wichtiger Kontakte.

Die Leiterin des Goethe-Instituts ermöglichte es mir, in den ersten Wochen wichtige Partner

des Projektes DeutschMobil bei gemeinsamen Treffen kennen zu lernen: unter anderem Maren

Thomas und Jean-Michel Arrivé, zuständig für den Bereich internationale Beziehungen beim

Conseil Régional d‘Aquitaine; Véronique Piot, zuständig für den Bereich Bildung beim Conseil

Régional d‘Aquitaine; Ludger Herzig, IPR d‘allemand; Dominique Lafargue, Vorsitzender des

Deutschlehrerverbandes ADEAF in der Aquitaine; die Leiterin des CDDP Gironde, Marie-Chri-

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Aquitaine

stine Clément-Bonhomme, sowie weitere Mitarbeiter des Zentrums; Anne-Jeannette Lagarde von

der Agence Socrates - Léonardo da Vinci (seit Beginn 2007: Agence Europe-Education-Formation

France); Liliane Meunier von der DARIC (Délégation académique aux relations internationales et

à la coopération - Teil des Rectorats).

Auch an der Universität Bordeaux 3 wurde ich sehr herzlich empfangen. Schon vor meiner Ankunft

hatte ich per E-Mail Kontakt zur Leiterin des UFR d‘Etudes germaniques, Nicole Pelletier, zu

Hélène Camarade, zuständig für das zweite Studienjahr LEA (Langues Etrangères Appliquées)

sowie zu den beiden DAAD-Lektoren an der Universität Bordeaux 3, Eva Kastenhuber und Daniel

Grabis. Schon vor meiner Ankunft wusste ich daher, dass ich zwei Stunden pro Woche Studierende

im zweiten Jahr LEA unterrichten würde. Die Kontaktaufnahme klappte hier also reibungslos.

Auch die Betreuung an der Universität, vor allem durch Hélène Camarade, Maître de conférence,

sowie die beiden DAAD-Lektoren war vorbildlich. Meine Kollegen von der Universität, vor allem

die Lehrkräfte (Hélène Camarade, Valérie Maynard und Eva Kastenhuber), welche die Kurse

gaben, zu denen mein Kurs eine Übung darstellte, hatten stets ein offenes Ohr für meine Fragen,

hielten mich auf dem Laufenden über die Inhalte ihrer Kurse.

In den ersten Wochen wurde auch der generelle Ablauf meiner Arbeitswoche festgelegt. Es wurde

beschlossen, dass ich jeden Freitag an der Universität unterrichten sollte, dass der Mittwoch der

organisatorischen Arbeit im Büro am Goethe-Institut vorbehalten bliebe und dass die anderen drei

Tage den Schulbesuchen dienen würden (im Idealfall zwei Tage Ecole Primaire und Collège, ein Tag

Lycée). Ab Ostern war ich dann vier Tage mit dem DeutschMobil unterwegs, da die Vorlesungszeit

zu Ende war und ich an der Universität keine Prüfungen abgenommen habe. Dieser Zeitplan war

oft sehr eng, oft habe ich bis sehr spät abends gearbeitet oder am Wochenende meinen Unikurs

oder Schulstunden vorbereitet.

In Bezug auf die Betreuung der DeutschMobil-Lektoren sollte die Rolle unserer wunderbaren

Koordinatorin Nadine Gruner nicht vergessen werden. Stets war sie da für uns, hatte ein offenes

Ohr und einen offenen Email-Posteingang sowie einen schnell arbeitenden Postausgang. Besonders

zu Beginn des Jahres habe ich es als Lektorin ohne Vorgängerin in der Aquitaine sehr geschätzt,

Nadine mit meinen Fragen löchern zu können.

Sehr wichtig finde ich außerdem den Austausch unter den Lektoren. So können wir uns auch

gegenseitig „betreuen“, mit Rat und Tipps und Tricks zu Seite stehen, Erfahrungen und Problemchen

austauschen. Dank unseres neuen Forums kann dies nun noch besser geschehen. Danke den

Erstellern des Forums!

Schulbesuche und DeutschMobil-Stunden

Die ersten Schulklassen sah ich Ende September. Im Monat Oktober verbrachte ich noch viel Zeit

mit organisatorischen Fragen und der Vorbereitung der Schulbesuche. Ab November fuhr ich dann

regelmäßig drei Tage die Woche zu Schulen.

Zunächst habe ich die Anfragen der Lehrer gesammelt. Anfang Oktober fing ich an, Termine an

die Schulen zu verteilen. Dabei ging ich zunächst nach der Methode vor, Schulen, die sich als

erste gemeldet hatten, auch als erste Termine zu geben. Bald merkte ich aber, dass ich so einen

starken Überhang an Schulen aus der Gironde, in und um Bordeaux hatte. Also versuchte ich nun,

Schulen aus anderen Départements vorzuziehen. Für das nächste Jahr schlage ich vor, die Auswahl

der Schulen überlegter und strategischer anzugehen. Anfang des Jahres könnte die neue Lektorin

gemeinsam mit der Einsatzstelle und vielleicht auch der Schulverwaltung (dem IPR) sowie dem


Aquitaine

Deutschlehrerverband ADEAF überlegen, in welchen Schultypen, in welchen Gebieten und an

welchen Schulen prioritär interveniert werden sollte. Auch sollte überlegt werden, wie vermehrt

Lycées angesprochen werden können. Im Schuljahr 2006/2007 haben sich zu wenige Lycées für

einen Besuch des DeutschMobils interessiert. Außerdem könnte bei der Planung der Schulbesuche

im nächsten Schuljahr stärker auf eine ausgewogene Gewichtung zwischen den einzelnen Départements

geachtet werden.

Wenn ein Termin verabredet war, habe ich dem Lehrer bzw. der Schule einen Einschreibebogen

gesendet. Bei manchen Schulen musste ich nachhaken, um den Bogen ausgefüllt zurückgesendet

zu bekommen. Circa eine Woche vor dem Besuch habe ich mit dem Ansprechpartner noch einmal

Rücksprache gehalten, um die letzten Details zu besprechen und an mein Kommen zu erinnern.

Nach jedem Schulbesuch habe ich einen Kurzbericht für meinen Nachfolger verfasst, in dem

beschrieben wird, wie der Besuch lief: die Organisation, die Stunden, wie die Verwaltung zum

Deutschen steht usw.

An den drei Schulbesuchstagen begannen meine Tage meist sehr früh: zwischen 6.30 und 7.00

Uhr verließ ich das Haus, machte mich mit dem Bus auf den Weg zu meinem Auto, dann mit

dem Auto auf den Weg zur Schule. Immer musste genügend Zeit eingeplant sein, da die Autobahn

um Bordeaux morgens stets überfüllt ist. An der Schule angekommen, suchte ich zunächst die im

Anmeldeformular aufgeführten Ansprechpartner, meist der Deutschlehrer, der Directeur d‘Ecole

oder der Principal adjoint, auf. Vor Beginn der Stunden begrüßte ich außerdem den Schulleiter,

brachte mein Material in den vorgesehenen Raum, richtete mich ein, schmückte den Raum mit

Postern, prüfte, ob das notwendige technische Material, ob genügend Stühle, eine Tafel und Kreide

im Raum vorhanden waren. War noch genügend Zeit übrig, stellte ich die Tische an den Rand und

die Stühle in einem Halbkreis auf.

Meine DeutschMobil-Stunden orientierten sich stark an dem von den Vorgänger-Lektoren erarbeiteten

Schema: Vorstellung auf Deutsch, Diskussion über das Gesagte, über Deutschlernen,

Deutschland, die deutsche Sprache, spielerisches Lernen deutscher Worte, Spiele zum Kennenlernen

von Teilen der deutschen (Alltags-)Kultur. Der grobe Ablauf war in der Ecole Primaire und

im Collège derselbe, die Diskussionen waren bei älteren Schülern länger, bei jüngeren Schülern

nahmen die Spiele mehr Platz ein. Im Lycée versuchte ich, sofern ich Deutschlernerklassen

besuchte, die gesamte Stunde auf Deutsch zu halten, in den anderen Klassen sprach ich auch immer

wieder Französisch, mischte auch viel die Sprachen: sagte einzelne Worte auf Deutsch oder einen

Satz erst in der einen, dann der anderen Sprache. Bei den Deutschlernerklassen im Lycée ging es

um eine Remotivation durch Spiele zur deutschen Aktualität und darum, zu zeigen, warum es

sinnvoll ist, auch nach dem Bac weiter Deutsch zu lernen sowie darum, Austausch-, Studien- und

Stipendienmöglichkeiten in und mit Deutschland darzustellen.

Meist begrüßte ich die Schüler schon beim Eintritt in die Klasse: Während die Schüler die Klasse

betraten, gab ich jedem die Hand und sagte „Guten Tag“ oder „Hallo“. Die Schüler setzten sich,

ich begrüßte sie noch einmal mit „Guten Tag“ und stellte mich auf Deutsch vor. Mit transparenten

Worten erzählte ich von Berlin, meiner Familie, von Deutschland, was ich dort gemacht habe und

davon, was ich in Frankreich tat. Außerdem untermalte ich meine Worte mit Gesten, zeigte auf

der Deutschland- oder Europakarte, von welchen Orten ich sprach, und präsentierte Bilder von

Berlin, von Deutschlands Norden und Süden, von meinem großen Auto usw. Ich wechselte dann

meist ins Französische und fragte, was die Schüler verstanden hätten. Gemeinsam rekonstruierten

die Schüler meine kurze Erzählung, sie stellten erste Fragen und lernten deutsche Worte und deren

Schreibweise kennen. Oft arbeitete ich auch mit kleinen Kärtchen, auf denen zentrale Begriffe

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Aquitaine

meiner Präsentation standen und die ich an die Schüler austeilte. Auf Deutsch erklärte ich ihnen,

dass sie, sobald sie ihr Wort hörten, die Hand heben sollten. Hatte ein Schüler sein Wort gefunden,

durfte er es an den entsprechenden Ort der Karte, des Raumes usw. kleben. Diese Variante machte

den Schülern meist großen Spaß und führte dazu, dass sie konzentrierter zuhörten, da sie ja „ihr“

Wort nicht verpassen wollten.

Während der Präsentation ließ ich immer wieder Informationen zu Charakteristika der deutschen

Sprache einfließen. Anhand meines Namens (Anneke) erklärte ich, dass man im Deutschen alle

Buchstaben ausspricht, also auch das „e“ am Ende von Anneke. Anhand des Wortes Berlin

erläuterte ich, dass es im Deutschen keine Nasale gibt. Manchmal ging ich auch auf Umlaute

(Universität, München), das „ß“ (Fußball) oder auf die Großschreibung im Deutschen ein.

Oft fragte ich dann, wer denn schon einmal in „Deutschland“ (ich sagte das Wort stets auf

Deutsch) war und ließ die Schüler von ihren Erfahrungen erzählen. Außerdem fragte ich, ob die

Schüler wüssten, warum ich sie besuchte. Wir redeten über die Möglichkeit, in der folgenden

Klasse Deutsch zu lernen. Dies gab manchmal Anlass, über die classe bilangue oder den Austausch

zu reden und der Deutschlehrer konnte sich und seine Projekte vorstellen. Hier erwähnte ich auch

oft Argumente, die für das Lernen der deutschen Sprache sprechen. In wenigen Klassen waren mehr

als drei Schüler schon einmal in Deutschland gewesen, oft kein einziger. Ein guter Grund für mich,

ihnen zu erklären, wie sinnvoll es ist, dass ich zu ihnen komme und von meinem Land spreche, da

ja noch niemand aus der Klasse oder nur so wenige schon einmal in Deutschland waren. Schließlich

erwähnte ich immer, dass ich auch dafür da bin, alle ihre Fragen zu Deutschland, der deutschen

Sprache, Kultur und Aktualität zu beantworten, oder dies zumindest zu versuchen.

Als nächstes fragte ich oft, welche deutschen Worte die Schüler schon kennen. Dies ist eine gute

Möglichkeit, Schüler, die schon Deutsch gelernt haben oder deutsche Verwandte haben, in den

Unterricht aktiv mit einzubeziehen: Sie können zeigen, was sie schon wissen.

Wir lernten dann gemeinsam deutsche Worte, zum Beispiel, sich auf Deutsch vorzustellen „Guten

Tag. Ich bin ...“, „Und du?“ oder zu fragen „Wie geht‘s?“ und zu antworten „gut“, „es geht“,

„schlecht“. Diese kurzen Redewendungen wurden in Spielen wiederholt: in einem Kreis warfen

wir uns Diddl zu (die Schüler lernten, dass Diddl aus Deutschland, aus der Nähe von Hamburg

kommt) und stellten uns vor; im Stuhlkreis fehlte ein Stuhl, der Schüler ohne Stuhl musste eine

Frage stellen („wie geht‘s?“ zum Beispiel) und je nach Antwort wechselten bestimmte Schüler den

Stuhl, jemand anderes war nun ohne Stuhl und stellte die Frage. Ich spielte Memory mit Wort- und

Bildkarten und die Schüler lernten so transparente deutsche Worte sowie die deutsche Aussprache

kennen. Manchmal spielten wir Montagsmaler oder Stille Post (ein gutes Spiel, wenn eine Klasse

sehr unruhig war), mit den Worten „Hamburger“, „Berliner“ und „Frankfurter“ zum Beispiel. So

lernten die Kinder gleich, dass Hamburger nicht nur etwas zum Essen sind, sondern auch die Einwohner

der Stadt Hamburg, sowie was Berliner und was Frankfurter oder Wiener sind. Wir spielten

das Ja-und-Nein-Spiel: Ein Kind bekommt eine neue Identität und muss raten, wer oder was er

ist (ein berühmter Deutscher, eine Marke, eine deutsche Süßigkeit usw.). Der Schüler stellt Fragen,

die anderen Kinder dürfen nur mit „Ja“ oder „Nein“ antworten. Manchmal puzzelten die Schüler

in zwei Gruppen um die Wette eine Deutschlandkarte, danach wurde über die Karte diskutiert

(deutsche Länder, „warum ist das Land Hessen für Euch besonders wichtig?“, Städte, der Norden,

der Süden, die Nachbarländer). Manchmal zeigte ich nach diesem Spiel einen kurzen Auszug aus

einer Karambolage-Sendung zu den deutschen und französischen Grenzen. Manchmal lernten wir

Zahlen, manchmal die Farben, manchmal erklärte ich den Aufbau deutscher Worte, der oft wie bei

Legosteinen funktioniert und zur Verdeutlichung gab es Apfel-Saft-Schorle zu trinken. Oft spielten

wir auch ein deutsch-französisches Puzzle, bei dem es darum geht, deutsche und französische


Aquitaine

Gegenstände, Personen oder Bauwerke zu Paaren zusammenzufinden. So können die Schüler viel

über Deutschland und die deutsch-französischen Beziehungen lernen. Am Ende der Stunde stand

meistens ein Spiel zum Kennenlernen aktueller deutscher Musik: ein Musikquiz. Ich erzählte den

Kindern von drei Liedern, von deren Inhalt. Dann spielte ich die Lieder vor und die Schüler mussten

herausfinden, um welches Lied es sich handelt. Oft spielte ich „Dickes B“ von Seeed oder

„Ab in den Süden“, ebenfalls von Seeed, „Aurélie“ von Wir sind Helden, „54, 74, 90, 2010“ von

Sportfreunde Stiller, „Ich und Elaine“ von 2raumwohnung, „Schrei!“ oder „Durch den Monsun“

von Tokio Hotel oder „City Blues“ von den Absoluten Beginnern vor. Oft verband ich auch deutsche

Geografie mit deutscher Musik: die Schüler mussten herausfinden, um welche Stadt es in

einem Lied ging und diese dann auf der Karte markieren. Musik war immer ein guter Abschluss

der Stunde.

Während des letzten Liedes verteilte ich einen Brief für die Eltern, um über die DeutschMobil-

Stunde zu informieren, eine Anlage zu dem Brief mit Argumenten, warum es sinnvoll ist, Deutsch

zu lernen oder die Broschüre des Goethe-Instituts „l‘allemand, passeport pour l‘Europe“ sowie zur

Erinnerung einen Zettel mit deutschen Worten, die wir teils gelernt haben. Außerdem erhielt jede

Klasse zur Erinnerung ein Poster, das die Klasse in einen Raum ihrer Wahl hängen durfte.

In der Ecole Primaire sang ich auch mit den Kindern: das Lied „Guten Tag, guten Tag, sagen alle

Kinder“, im Herbst „Laterne, Laterne“ usw. In der Grundschule hörten wir auch oft gemeinsam das

Lied vom kleinen Krokodil Schnappi. Vorher hatte ich dann oft Aktivitäten zum Thema „Tiere“

gemacht (ein Stühletausch-Obstsalat mit Tieren oder ein Memory mit Tieren) und so mussten die

Kinder nun herausfinden, um welches der deutschen Tiere aus dem „Berliner Zoo“ es im folgenden

Lied ging. Auch das Restaurantspiel (transparente Worte und Gesten zum Thema eines Restaurantbesuches)

gefiel den Schülern stets gut.

Sowohl in der Grundschule als auch im Collège bezog ich gerne aktuelle Anlässe, wie Feste, in die

Stunden mit ein (sofern ich Zeit hatte, etwas Passendes vorzubereiten). Zum 9. November habe

ich ein Spiel mit Vorher-Nachher-Bildern vorbereitet: Fotografien zeigten Orte, als noch die Mauer

stand, und dieselben Orte in und um Berlin mehrere Jahre nach dem Fall der Mauer. Die Schüler

mussten die zusammen gehörenden Bilder finden und wir haben über die Mauer, deren Bau und

Fall diskutiert. In der Adventszeit habe ich ein Spiel zu deutschen Adventsbräuchen erstellt: Kinder

mussten die Bräuche entweder als Montagsmaler oder als Pantomime darstellen und die anderen

sollten den Brauch erraten. Außerdem habe ich Nikolaus gespielt, wir haben gemeinsam Schuhe

geputzt und ich habe Süßigkeiten verteilt. Im Herbst habe ich eine Laterne mit in die Schulen

gebracht und von Sankt Martin berichtet. Ostern habe ich als meinen Assistenten einen kleinen

Hasen mit in die Schulen genommen, mit bunten Ostereiern haben wir die Farben gelernt, Kinder

wurden als Osterhase verkleidet und durften für die Kameraden Eier verstecken (jedes Kind durfte

dann aber nur ein Ei in einer bestimmten Farbe suchen!). Am Ende der Stunde gab es dann für jede

Klasse als Geschenk einen Osterstrauß mit echten ausgeblasenen und von der Lektorin in Handarbeit

selbst bemalten Eiern.

In den Lycées habe ich mit drei Interventionsformen gearbeitet. In Klassen mit einem sehr, sehr

guten Niveau habe ich mit Spielen und einem Vortrag zum Thema „Warum nach dem Abitur

weiter Deutsch lernen“ und „Wie nach Deutschland kommen, sich weiter mit Deutschland

beschäftigen“ gearbeitet. Ich habe, natürlich auf Deutsch, über Studienmöglichkeiten, Organisationen

und Stipendienprogramme im deutsch-französischen Bereich sowie die Suche von Praktika

in Deutschland berichtet. Für die Lycée-Stunden habe ich eine PowerPoint-Präsentation der

ALLES-AG überarbeitet. In Deutschklassen mit einem mittleren bis guten Niveau habe ich mit

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Aquitaine

den Schülern kürzer über die Thematik „Warum Deutsch lernen“ und „Wie nach Deutschland

kommen“ gesprochen und dann anhand von Spielen deutsche Aktualität vermittelt. Ich habe zum

Beispiel mit einem Memory-Spiel zu Berlin gearbeitet (Fotos von Berliner Sehenswürdigkeiten,

Bilder von Berliner Weiße und Döner, Strandbars und dem Badeschiff, dem Karneval der Kulturen

und der Berlinale sollen Berlin erlebbar machen) oder ein Musik-Quiz gemacht oder auch mit

einem einzelnen Lied gearbeitet (zum Beispiel mit „Dickes B“ von Seeed). In Klassen ohne nennenswerte

Deutschkenntnisse habe ich ähnliche Aktivitäten wie im Collège verwendet: Wir haben

gemeinsam gespielt, einzelne Worte gelernt, über Deutschland diskutiert. Ich habe ein einziges

Lycée Professionnel besucht. Die große Mehrheit der Lycée-Schüler, die ich sah, waren Deutschlerner.

Stets habe ich in den Lycées viel Material an die Schüler verteilt: je nach Deutschkenntnissen

und Motivation der Schüler Broschüren des DFJW, des DAAD, der ALLES-AG, des CIDAL

(zur Suche von Praktika und Jobs in Deutschland), des Goethe-Instituts, der Agence Socrates -

Léonardo da Vinci, eine Liste mit Links zum Finden von Informationen über Deutschland, die

deutsche Sprache, das Reisen nach Deutschland usw.

Welches Material habe ich in den Stunden verwendet? Immer habe ich eine Deutschlandkarte

sowie eine Europakarte (ein buntes Poster des Goethe-Instituts mit gemalten Abbildungen) und ein

Poster mit einer Stadtansicht von Berlin dabei gehabt. Außerdem verwendete ich oft weitere Poster

oder Fotografien mit Berlin-Ansichten, einen Kalender mit Ansichten von Süddeutschland, ein

Poster von Hueber mit einem Bild der See im Norden Deutschlands und Fotos mit DeutschMobilen

(Teile der DeutschMobil-Ausstellung). Ein weicher Hueber-Ball, eine Diddl-Maus, einen

Würfel aus Schaumstoff und in der Osterzeit einen kleinen Stoffhasen verwendete ich für Kreisspiele.

Außerdem habe ich laminierte bunte Karten mit den wichtigsten Worten, die ich immer

wieder in den Stunden verwendete, Wort- und Bildkarten mit transparenten Worten und zwei

aus Deutschlandkarten bestehende Puzzle gebastelt. Ebenfalls laminiert habe ich ein Berlin-

Memory, auch dieses beinhaltet Wort- und Bildkarten, sowie ein Deutsch-Französisches Memory

(ausschließlich mit Bildkarten). In einer Box hatte ich stets so wichtige Dinge wie Magnete, Whiteboard-Marker,

Tesafilm, eine Schere, Post-It-Zettel, Kugelschreiber usw. dabei. Außerdem gehörten

zu meiner Ausstattung CDs mit deutscher Musik und Abbildungen einiger Musikgruppen, zwei

Liederbücher, eine Kassette und eine CD mit Liedern für die Grundschule, die Schnappi-CD, das

Video des Goethe-Instituts „Parlez-vous deutsch?“, zwei DVDs mit Karambolage-Sendungen und

ein Video von Berlin-Partner mit kurzen Filmen zu Berlin. Mit dabei hatte ich darüber hinaus

stets Poster, kleine Preise, Informationsbroschüren der unterschiedlichen Partner und die kopierten

Zettel, die jeder Schüler zu Ende der Stunde erhielt. Zu besonderen Anlässen erweiterte sich meine

Ausstattung um Jahreszeiten- und Feste-typische Gegenstände und Süßigkeiten. Oft nahm ich

auch Saft, Sprudelwasser und Plastikbecher mit, um die Kinder Apfelsaftschorle kosten zu lassen.

An mehreren Schulen habe ich in Zusammenarbeit mit dem Deutschlehrer ein DeutschMobil-

Quiz veranstaltet. Vor meinem Besuch wurde das Quiz unter den Schülern verteilt (manchmal nur

an die 5ème-Klassen, manchmal konnten die Schüler aller Klassenstufen teilnehmen, manchmal

die Schüler der 5ème und die Deutschlerner anderer Klassen). In der Mittagspause haben wir dann

eine Verlosung organisiert: Schüler konnten kleine und größere Preise gewinnen (einen Fußball von

Mercedes oder von Arte, ein Karambolage-T-Shirt, Preise des Goethe-Instituts, Lineale und Stifte

des DFJW usw.). Solch eine Verlosung war immer ein großes, beliebtes Ereignis an den Schulen.

Jeder besuchte Deutschlehrer erhielt eine Tüte (Werbematerial des DFJW) mit viel Material:

Informationsbroschüren (des DFJW, des Goethe-Instituts, ggf. des DAAD, des CIDAL usw.),

aktuellen Tipps, Zeitschriften (z.B. das Magazin Deutschland), kleinen Preisen (Postkarten des

Goethe-Instituts, Aufkleber, Stifte des DFJW usw.), einem Ball von Hueber, Postern (von Hueber,


dem DFJW oder dem Goethe-Institut), Katalogen von Hueber, Larousse, Langenscheidt. Für das

CDI gibt es oft noch ein Exemplar „Tatsachen über Deutschland“ oder „Allemagne faits et réalités“

(erstellt vom deutschen Außenministerium) sowie ein Geschenk von Larousse, Langenscheidt

oder Hueber: ein Wörterbuch oder ein Lehrbuch, Lernposter oder ein Arbeitsbuch. Dank des

vielen Materials, das uns die unterschiedlichen Partner aus dem deutsch-französischen Bereich zur

Verfügung stellen, wird das DeutschMobil auch zum „Infomobil“ und bringt zu den Lehrern in

Frankreich die neuesten deutsch-französischen Informationen.

Elternabende

Aquitaine

An neun Elternabenden und zwei anderen Informationsstunden für Eltern habe ich teilgenommen

und dabei rund 155 Eltern kontaktiert. Bei sechs der Elternabende waren neben dem Deutschlehrer

außerdem der/die Spanisch-, Italienisch- und/oder Englischlehrer anwesend. Drei Elternabende

dienten nur der Information zu Deutsch als Fremdsprache, zweimal ging es dabei um eine Information

zu einer neu eingerichteten classe bilangue. Bei acht der neun Elternabende waren außerdem

der Principal und/oder der Principal Adjoint anwesend. Zu einem Elternabend kam der Deutschlehrer

nicht(!). Bei einer der beiden Informationsstunden handelte es sich um eine Information

für Eltern zum Deutschlernen anlässlich des Sprachentages in der Mediathek von Pessac, bei der

zweiten Stunde stand ich für Fragen der Eltern am Ende des Schultages zur Verfügung.

Bei den Elternabenden habe ich anhand einer Powerpoint-Präsentation Gründe dargestellt, warum

es sich lohnt, Deutsch zu lernen. Stets hat auch der Deutschlehrer bzw. die Deutschlehrerin Informationen

hinzugefügt, gemeinsam haben wir die Fragen der Eltern und Schüler beantwortet und

Informationsmaterial verteilt. Lediglich vier der Elternabende waren gut oder sehr gut besucht

(zwischen 15 und 50 anwesende Eltern). Bei den anderen Versammlungen kamen nur zwischen 3

und 6 Familien. Viele Lehrer sehen von der Organisation eines Elternabends ab, da sie die Erfahrung

gemacht haben, dass es sehr schwer ist, die Eltern zum Kommen zu mobilisieren. Dies haben

meine Erfahrungen bestätigt: auch wenn es sich um eine Informationsveranstaltung zu allen angebotenen

Sprachen handelt, sind oft nur wenige Eltern anwesend. Es ist also sehr schwer, mit den

Eltern in Kontakt zu kommen. Positiv finde ich es, dass zumeist bei den Elternabenden der Schulleiter

oder sein Stellvertreter anwesend waren, sich oft für das Deutsche an der Schule einsetzten,

die Lehrer und mich unterstützten. Gefreut hat es mich, dass mehrmals Eltern erklärten, sie seien

gekommen, da ihr Sohn/ihre Tochter „plötzlich“, völlig unvermutet beschlossen habe, Deutsch

lernen zu wollen. Insgeheim hoffte ich natürlich, dass diese plötzliche Eingebung mit dem Besuch

einer DeutschMobil-Lektorin zusammenhing.

Insgesamt stößt das DeutschMobil in der Aquitaine auf ein sehr großes Interesse. Ich hatte sehr viel

mehr Anfragen als Platz in meinem Terminkalender. Schon im Monat Oktober hatte ich mehr als

genug Anfragen von Collèges und Grundschulen. Es meldeten sich jedoch nicht genügend Lycées

an.

Über die Zusammenarbeit mit den Lehrern in der Aquitaine bin ich sehr zufrieden. Bei meinen

Besuchen wurde ich stets sehr herzlich empfangen und zumeist waren meine Besuche bestens vorbereitet.

Ich habe relativ oft bei Lehrern übernachtet, da ich dies Hotelbesuchen vorziehe, und

dabei die große Gastfreundschaft der Aquitainer Deutschlehrer kennen gelernt. Es besteht in der

Aquitaine ein sehr gutes Netzwerk zwischen den Deutschlehrern und der Deutschlehrerverband

ADEAF ist in der Region sehr aktiv.

Die Situation der Deutschlehrer ist in der Aquitaine keine einfache. Viele Deutschlehrer müssen

an mehreren Schulen unterrichten, oft lange Anfahrtszeiten auf sich nehmen, teils auch in der

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Aquitaine

Grundschule unterrichten oder auf andere Fächer wie Französisch, auf die Arbeit im CDI oder auf

Nachhilfeunterricht ausweichen, um auf die geforderte Anzahl der Stunden zu kommen, da die

Nachfrage nach Deutsch nicht ausreicht, um ihren Stundenplan zu füllen. Viele Lehrer „kämpfen“

regelrecht um ihre Arbeitsstelle, organisieren Sonderveranstaltungen und Informationsstunden,

besuchen die Klassen, die vor der Sprachenwahl stehen, um die Deutschklassen des folgenden

Jahres, oft mehr schlecht als recht, zu füllen. Und viele Lehrer haben keine feste Stelle. Wie soll das

Fach Deutsch an einer Schule eine gute Position einnehmen, wenn der einzige Deutschlehrer jedes

Jahr wechselt? Auch aus dieser schwierigen Situation heraus erklärt sich das große Interesse an der

Aktion DeutschMobil in der Akademie sowie die Enttäuschung der Lehrer, die mangels Zeit nicht

vom DeutschMobil besucht werden konnten.

Ich habe viele Schulleiter und stellvertretende Schulleiter kennen gelernt, die sich für das Deutsche,

für die Sprachenvielfalt an ihrer Schule einsetzten und den Deutschlehrer unterstützten. Leider

traf ich auch auf Schulleiter, die eher gegen die Deutschlehrer arbeiteten sowie auf Lehrer, die mit

Desinteresse oder sogar offen zur Schau getragenem Widerwillen oder Missmut in meiner Stunde

saßen. Ein solches Verhalten beeinflusst vor allem in der Grundschule dann häufig auch das Verhalten

der Schüler.

Der IPR d‘allemand in der Akademie Bordeaux steht dem Projekt DeutschMobil sehr positiv

gegenüber. Er unterstützte das Projekt unter anderem durch den Versand eines Informationsbriefes

für Lehrer und Schulleiter zu Beginn des Jahres. Im kommenden Schuljahr könnte vielleicht

gemeinsam über eine strategische Planung der Einsätze gesprochen werden.

Aufgrund der großen Zahl an Anfragen habe ich davon abgesehen, innerhalb des Schuljahres

2006/2007 Schulen mehr als einmal zu besuchen.

Während meiner Schulbesuche habe ich sehr viele positive aber leider auch negative Erfahrungen

gemacht. Hierzu zählen, wie schon erwähnt, Lehrer, die mit Desinteresse oder sogar Missmut in

meiner Stunde saßen. Immer wieder traf ich bei Lehrern, Schülern und Eltern auf die alten Vorurteile:

„Deutsch ist so schwer, Deutsch ist eine hässliche Sprache, da ist es doch eh immer kalt.

Nach Deutschland reisen? Das reizt mich einfach nicht.“ Ich merkte auch, dass immer noch alte

Kriegsfilme und damit zusammenhängende negative Bilder Deutschlands und der deutschen Sprache

präsent sind. Insgesamt würde ich aber sagen, dass in der Aquitaine zumindest in den Köpfen

der meisten Schüler weniger ein vom Zweiten Weltkrieg geprägtes Bild von Deutschland vorwiegt

als dass vielmehr oft fast gar keine Bilder existieren. Ein großes Nichts tut sich bei der Frage nach

Deutschland bei vielen Schülern auf. Zu den negativen Erfahrungen zählen auch schlecht vorbereitete

Besuche: es passierte, dass die Klassen nicht informiert waren, also nicht zu meinem Raum

gebracht wurden, dass die Klassen ohne Lehrer kamen, dass entgegen der Planung auf dem Einschreibebogen

viel zu große Gruppen kamen oder dass das Material, um das ich gebeten hatte,

nicht vorbereitet war. Drei Schulen haben sehr kurzfristig abgesagt. Dies war schade, da so entweder

ein Termin verloren ging oder ich sehr großen Mehraufwand hatte, um eine Ersatzschule in aller

Eile zu finden. Demotivierend fand ich auch Schüler, die sich partout für nichts interessierten, mir

gleich zu Beginn der Stunde mitunter offen ins Gesicht sagten, dass sie Deutsch nicht interessieren

würde.

Besonders positiv fand ich es aber, wenn genau diese Schüler, die mir zu Beginn ihr Desinteresse

signalisiert hatten, dann doch mit Spaß an den Spielen teilnahmen. Die positivsten Erfahrungen

sind die vielen schönen Erlebnisse mit den Schülern: ihr Spaß beim Spielen und Lernen der ersten

deutschen Worte, ihr Interesse und ihre Neugier. Ich fand es sehr schön, auf den Schulhöfen von

allen Seiten mit „Guten Tag“ begrüßt zu werden. Einmal grüßte mich sogar am Zebrastreifen


ein Junge auf Deutsch. Bei der in der Nähe gelegenen Schule war ich mehrere Monate vorher

zu Besuch gewesen! In einer Schule baten mich Kinder um Autogramme und ich musste ihnen

Bilder und Worte auf Hände und Arme malen. Auch das Erstaunen der Schüler beim Entdecken

unerwarteter Dinge zu Deutschland machte mir Freude: „donc le rap allemand, ça existe?“, beim

Betrachten eines Bildes einer verschneiten Alpenlandschaft spontane „oh c‘est beau“-Ausrufe, die

Entdeckung, dass man an der Ostsee am Strand liegen kann und dass die Brezeln in Deutschland

riesengroß sind usw. Sehr positiv bewerte ich auch die Freundlichkeit, Herzlichkeit, die Gastfreundschaft

der vielen Lehrer, die ich in diesem Jahr kennen gelernt habe. Begeistert hat mich

immer wieder, wie viele Projekte, Reisen, Austausche von den Lehrern organisiert werden. Ich freue

mich, so viele interessante, nette Menschen in diesem Jahr kennen gelernt zu haben.

Sonderaktionen

Aquitaine

Im Rahmen meiner Arbeit als DeutschMobil-Lektorin in der Aquitaine habe ich an verschiedenen

Sonderaktionen teilgenommen bzw. diese, gemeinsam mit unterschiedlichen Partnern, organisiert.

Vortrag vor BTS-Studenten

Am 20.09.2006 Vortrag im Goethe-Institut Bordeaux zu Deutschland und Hamburg vor 15 BTS-

Studenten (Bereich Luftfahrt), Studenten bereiten einen Praktikumsaufenthalt in Deutschland

(Hamburg und Bremen) vor in Zusammenarbeit mit ADAST (Agence pour le développement en

Aquitaine des stages transnationaux)

Buchmesse Lire en Poche, Gradignan

29.09.-01.10.2006, Präsenz des DeutschMobils Aquitaine auf der Buchmesse Lire en Poche in Gradignan,

zwei Interventionen vor Schülern, Präsenz am Messestand, Deutschlandquiz im Théâtre

des Quatre Saisons, Gradignan Ankündigung der Präsenz des DeutschMobils im Programmflyer

der Buchmesse und auf der Website sowie im Programmfaltblatt des Goethe-Instituts Bordeaux

Offizielle Einführung DeutschMobil Aquitaine

Am 04.10.2006 Vorstellung des Projektes DeutschMobil in der Aquitaine im Hôtel de Région

des Conseil Régional d‘Aquitaine in BordeauxVersand offizieller Einladungen durch den Conseil

Régional, Ankündigung im Programmfaltblatt des Goethe-Instituts Bordeaux, Ankündigung auf

diversen Websites der Partner (Goethe-Institut Bordeaux, Conseil Régional d‘Aquitaine, Académie

de Bordeaux, CDDP Gironde)

Vortrag Semaine Européenne en Haute Gironde

21.10.2006, Vortrag zur Arbeit des Goethe-Instituts weltweit und in Bordeaux sowie des Projektes

DeutschMobil in der Aquitaine, kurze Aktivität mit Schülern, Rencontres et Cultures en Pays Blayais,

im Salle Polyvalente der Mairie de Braud et Saint-Louis

Projektpräsentation vor Grundschullehrern in Mérignac

07.11.2006, Präsentation des Projektes DeutschMobil vor circa 20 Grundschullehrern im CDDP

Gironde in Mérignac, in Zusammenarbeit mit Laurence Chrétien, Conseillère Pédagogique Départementale

Langues Vivantes

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Aquitaine

DAAD-Einführungsseminar Paris

16.11.2006, Präsentation des Projektes DeutschMobil vor DAAD-LektorInnen gemeinsam mit

Sabine Pretscher, DeutschMobil-Lektorin in Toulouse (DAAD) in den Räumlichkeiten des DAAD

Paris

Salon du Livre Pau

24.11.-26.11.2006, Präsenz des DeutschMobils Aquitaine auf dem Salon du Livre in Pau, zwei

Interventionen vor Schülern, Präsenz am Messestand, Deutschlandquiz; Parc des Expositions in

Pau, in Kooperation mit dem Institut Heinrich Mann

Workshop für PAD-Assistenten

09.12.2006, Präsentation des Projektes DeutschMobil vor PAD-AssistentInnen, Vortrag und Workshop

zur Arbeit der DeutschMobil-LektorInnen im Goethe-Institut Bordeaux, in Zusammenarbeit

mit dem ADEAF und dem Goethe-Institut Bordeaux

Schulbesuch mit Rektor der Akademie Bordeaux am deutsch-französischen Tag

22.01.2007, Besuch einer Klasse gemeinsam mit dem Rektor der Akademie Bordeaux, DeutschMobil-Stunde

in einer CE1-Klasse in Anwesenheit des Rektors sowie über 10 weiterer wichtiger

Persönlichkeiten in der Ecole Primaire Aristide Briand, Pessac

Deutsch-französischer Tag im Goethe-Institut Bordeaux

22.01.2007, Einladung von 15 Schulklassen (7 Grundschulklassen und 8 Collège-Klassen) ins

Goethe-Institut Bordeaux, Multiplikation der Arbeit des DeutschMobils: PAD-AssitentInnen und

Erasmusstudierende stellen Deutschland und Österreich, deutsche Sprache und Kultur vor

Präsenz des DeutschMobils vor der Mairie de Bordeaux

Infostand im Super U Cestas

23.01.2007, Stand zu Deutschland, Deutsch lernen, nach Deutschland reisen, gemeinsam mit dem

Comité de Jumelage der Stadt Cestas

Journée Atout Langues in Pessac

24.03.2007, Präsenz des DeutschMobils Aquitaine in Pessac,

zwei Interventionen: eine mit Schülern, ein Vortrag für Eltern, in der Médiathèque de Pessac

Außeneinsatz in der Akademie Poitiers

26.03.-12.04.2007, Ausleihe des DeutschMobils Aquitaine an die Akademie Poitiers

Interventionen in der Charente-Maritime, Präsentation des Projektes DeutschMobil in Poitiers

am 25.01.2007 bei einer Veranstaltung mit dem Rektor der Akademie im Rahmen

der deutsch-französischen Woche

Europafest vor dem Rathaus Bordeaux

09.05.2007, Präsenz des DeutschMobil Aquitaine anlässlich des Europatages beim Europafest vor

dem Rathaus von Bordeaux, Präsenz am Stand des DeutschMobils und des Goethe-Instituts Bordeaux,

Information der Besucher, Spiele mit Kindern

Dem nachfolgenden Lektoren möchte ich raten, bei der Teilnahme an und Organisation von Sonderaktionen

nicht zu viel Arbeit auf sich zu nehmen: neben den Einsätzen an Schulen bleibt nicht


viel Zeit, um Sonderaktionen zu organisieren. Gut fand ich es, wenn Partner bei Sonderaktionen

den Großteil der Organisation übernommen haben, wie es zum Beispiel beim Comité de Jumelage

de Cestas der Fall war. Ich halte es für eine gute Sache, mit aktiven Partnerschaftsvereinen zusammen

zu arbeiten.

Besonders positiv bewerte ich auch Aktionen mit Multiplikationscharakter. Am Goethe-Institut

habe ich zum Beispiel einen Workshop zur DeutschMobil-Arbeit für deutsche, österreichische und

Schweizer Sprachassistenten angeboten. So konnten die Assistenten an ihren und anderen umliegenden

Schulen dann selbst DeutschMobil ähnliche Stunden halten. Auch die Präsentation der

Aktion DeutschMobil vor DAAD-Lektoren finde ich sehr wichtig. So kann eine Zusammenarbeit

zwischen DeutschMobil- und DAAD-Lektoren gefördert werden. Außerdem kannten viele der

neuen DAAD-Lektoren die Aktion noch nicht. Bei der Präsenz auf kleineren Buchmessen (ich war

auf den Messen in Pau und Gradignan zugegen) sollte, damit sich der Besuch wirklich lohnt, darauf

geachtet werden, dass Klassenbesuche in die Präsenz integriert sind und dass die Klassen, möglichst

vom mitorganisierenden Partner, schon vor dem Messebesuch ausgesucht bzw. eingeladen werden.

Vor Ort genügend große Gruppen zu bestimmten Zeitpunkten zusammenzubekommen hat sich

nach meiner Erfahrung als sehr schwierig erwiesen. (Schulverwaltungs-)politisch wichtig bewerte

ich außerdem den gemeinsamen Schulbesuch mit dem Recteur am Deutsch-Französischen Tag.

Am Deutsch-Französischen Tag habe ich außerdem gemeinsam mit dem Goethe-Institut 15 Schulklassen

ins Institut eingeladen, um den Schülern deutsche Sprache, Kultur und Aktualität zu

präsentieren. Die Aktion bewerte ich insgesamt als sehr gelungen, auch wenn der Arbeitsaufwand

für mich dabei sehr groß war.

Schließlich sollte noch der Außeneinsatz im Poitou-Charentes Erwähnung finden. Die Zusammenarbeit

mit der Inspection Académique in der Charente-Maritime lief dabei sehr gut. Zu meinem

Außeneinsatz habe ich einen gesonderten kurzen Bericht verfasst.

Statistisches

Aquitaine

Von September 2006 bis Juni 2007 habe ich mit 7.832 Schülern gearbeitet. 326 Stunden habe ich

gehalten, 318 davon vor Schülern. An neun Elternabenden und zwei anderen Informationsstunden

für Eltern habe ich teilgenommen und dabei rund 155 Eltern kontaktiert. Ich habe 102 Schulen

besucht, davon 47 in der Gironde, 15 in der Dordogne, 8 in den Pyrénées Atlantiques, 8 im Lot-et-

Garonne, 6 in den Landes, 17 in der Charente-Maritime und eine Schule im Département Deux-

Sèvres. 40 der besuchten Schulen waren Écoles Primaires, 51 Collèges und 11 Lycées. Außerdem

habe ich Interventionen an sieben anderen Orten bzw. in sieben anderen Einrichtungen gehalten

(darunter zwei Buchmessen, das Goethe-Institut Bordeaux, das CDDP Gironde, die Mediathek in

Pessac).

Von den 326 DeutschMobil-Stunden hielt ich 77 vor Schülern der École Primaire, 214 vor

Collège-Schülern, 27 vor Lycéens und acht vor anderem Publikum (Lehrer, BTS-Studenten, Multiplikatoren

usw.). Von den 326 von mir gehaltenen Stunden fanden 170 in der Gironde statt, 35

in den Pyrénées Atlantiques, 30 im Lot-et-Garonne, 28 in der Dordogne, 22 in den Landes, 35

in der Charante-Maritime, fünf im Département Deux-Sèvres und zwei in anderen Départements

(ein Vortrag in Paris und eine Intervention in Poitiers).

Mit meinem Mercedes Vito habe ich insgesamt 11.338 Kilometer zurückgelegt. Den längsten

Anfahrtsweg hatte ich mit 265 km zu Interventionen in Pau. Mein kürzester Schulweg betrug 6 km

und führte mich zum Collège Jules Ferry in Mérignac.

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Aquitaine

Informations-, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Da das DeutschMobil im Schuljahr 2006/2007 neu in der Aquitaine eingeführt wurde, musste

besonders zu Beginn des Jahres Informationsarbeit geleistet werden. Sehr wichtig war hierbei die

am 4. Oktober 2006 vom Conseil Régional d‘Aquitaine organisierte offizielle Einführung des

DeutschMobils Aquitaine. Diese fand mit großem Publikumszuspruch, unter anderem kamen sehr

viele Lehrer, im Hôtel de Région in Bordeaux statt. Die Eröffnungsreden hielten Anne-Marie

Cocula, Vizepräsidentin des Conseil Régional d‘Aquitaine, Volker Hoff, hessischer Staatsminister

für Bundes- und Europaangelegenheiten und Bevollmächtigter des Landes Hessen beim Bund,

Liliane Meunier, als Vertreterin des Rektors der Akademie Bordeaux, Gudrun Lücke-Hogaust,

deutsche Generalkonsulin in Bordeaux, Carmen Marcou, Direktorin des Goethe-Instituts Bordeaux

und Kurt Brenner, Präsident der Föderation der deutsch-französischen Häuser. Bei der Veranstaltung

waren außerdem Barbara Berzel als Vertreterin des DAAD und Karin Schindler von

der Robert Bosch Stiftung zugegen. Anhand einer PowerPoint-Präsentation sowie einiger spielerischer

Aktivitäten stellte ich das Projekt DeutschMobil vor. Darüber hinaus gab es Vorträge

zu weiteren Projekten der deutsch-französischen Kooperation und der Mobilität im Bildungsbereich:

zu Projekten des DFJW, der Akademie, des Conseil Régional und der Europäischen Union.

Abschließend sprach Stephan Martens, Professor an der Universität Bordeaux 3. An Ständen informierten

außerdem Organisationen der deutsch-französischen Kooperation und Partner des Projektes

DeutschMobil über ihre Aktivitäten.

In den ersten Wochen des Schuljahres wurde außerdem gemeinsam mit Dominique Lafargue vom

Deutschlehrerverband ADEAF und in Abstimmung mit Herrn Herzig, IPR d‘allemand, ein Brief

zur Information der Schulleiter und Lehrer verfasst, der das Projekt DeutschMobil und die verschiedenen

Interventionsformen vorstellte. Der Brief wurde sowohl über den Deutschlehrerverband

ADEAF als auch über das Rektorat versendet und ging in Kopie auch an die IA und IEN.

Im kommenden Jahr sollte in diesem Brief deutlich auf die Möglichkeit der Intervention in Lycées

hingewiesen werden und es sollte darauf geachtet werden, dass der Brief tatsächlich auch an Lycées

und Lycées Professionnels gesendet wird.

Insgesamt sollte zu Beginn des kommenden Schuljahres noch stärker darauf geachtet werden, die

Lehrer auf die Möglichkeit der Intervention des DeutschMobils im Lycée hinzuweisen. Da die Lektorin

in der Aquitaine die einzige ist, die auch Lycées regelmäßig besucht, ist die Möglichkeit, das

DeutschMobil an ein Lycée einzuladen, unter Lehrern noch wenig bekannt. Positiv ist hervorzuheben,

dass der neue Informationsflyer zur Aktion DeutschMobil auf die Lycée-Interventionen in

der Aquitaine hinweist. Der Flyer, welcher noch zu Beginn meines Stipendienjahres existierte und

den ich auch für meine Informationsarbeit zu Beginn des Jahres nutzte, enthielt diese Information

nicht. Während des Schuljahres habe ich versucht, mehr Lycées für einen DeutschMobil-Besuch

zu gewinnen. Ich habe mit der für Jugend zuständigen Abteilung im Conseil Régional d‘Aquitaine

Kontakt aufgenommen, ich habe gezielt Lehrer angesprochen, die wegen eines Collège-Besuches

angefragt hatten und von denen ich wusste, dass sie auch im Lycée unterrichten und ich habe den

ADEAF gebeten, nochmals die Information der Lycée-Besuche des DeutschMobils zu verbreiten.

Während bis Januar 2007 nur drei Lycées besucht worden waren, konnte die Zahl für das gesamte

Schuljahr zumindest auf 11 Lycées angehoben werden.

Auf die Aktion DeutschMobil wurde außerdem im Programmfaltblatt des Goethe-Instituts sowie

auf der Website des Institutes (www.goethe.de/bordeaux) aufmerksam gemacht. Darüber hinaus

übernahmen weitere Partner wichtige Informationsarbeit: neben dem ADEAF und dem Rektorat

wiesen unter anderem das CDDP Gironde und die DARIC immer wieder auf die Existenz des

DeutschMobils hin. Anlässlich der Einführung des neunten DeutschMobils übernahm der Conseil


Régional d‘Aquitaine die Pressearbeit. Bei Sonderveranstaltungen kümmerten sich darüber hinaus

immer wieder andere Partner darum, die Presse zu aktivieren.

Anlässlich der Schulbesuche gelang es den Lehrern oft, die Presse einzuladen. Teils vergaßen es die

Lehrer aber auch, sich um das Aktivieren der Presse zu kümmern. Insgesamt erschienen anlässlich

von Schulbesuchen 55 Presseartikel. Außerdem erschienen 12 allgemeine Artikel zum DeutschMobil

in der Aquitaine und acht Artikel wurden anlässlich von Sonderaktionen publiziert. Zweimal

wurde ich in Fernsehsendungen eingeladen: am 8. November 2006 wurde ich in die Sendung

C bien Sud des Senders Alegria TV, ein Lokalsender aus Dax, eingeladen und am Abend des

22. Januar 2007 nahm ich an der Sendung Les rendez-vous de Chloé bei TV7, ein Bordelaiser

Lokalsender, teil. Außerdem realisierte der Sender FR3 einen Beitrag zum DeutschMobil anlässlich

meines Außeneinsatzes in La Rochelle. Dreimal wurde ich darüber hinaus von Radiosendern interviewt.

Das erste Mal bei der Einführung des DeutschMobils (Radiosender R.I.G.), das zweite Mal

während meines Besuches in der Grundschule von Parthenay, das dritte Mal anlässlich des Europatages

auf dem Europafest vor dem Bordelaiser Rathaus.

Die Arbeit an der Universität Bordeaux 3

Aquitaine

Jeden Freitag unterrichtete ich zwei Stunden an der Universität Bordeaux 3. Ich gab einen Kurs

„Expression Orale“ bei Studierenden des zweiten Jahres im Studiengang LEA (Langues Étrangères

Appliquées). Es handelte sich um eine Übungsstunde, die dank des „Geschenkes“ meiner Unterrichtsstunden

an die Universität Bordeaux 3 eingeführt wurde. Es ging darum, den Studierenden

die Möglichkeit zum Reden zu geben, das Vortragen auf Deutsch zu üben. Am Ende des ersten und

zweiten Semesters nämlich haben die Studierenden eine mündliche Prüfung auf Deutsch zu einem

Kurs zur deutschen „Civilisation“. Bei dem Kurs jedoch handelt es sich um eine Vorlesung, welche

größtenteils auf Französisch stattfindet. In meinem Kurs ging es also darum, den mündlichen Ausdruck

zu trainieren und zu verbessern. Ich arbeitete mit den Studierenden anhand von Themen,

die entweder in den Kursen „Civilisation“ und „Revue de Presse“ behandelt wurden oder meines

Erachtens wichtige Themen der deutschen Aktualität sind. Wir betrachteten gemeinsam Abbildungen

oder Grafiken, arbeiteten mit kurzen Zeitungsartikeln oder Thesen zur deutschen Zeitgeschichte

(in der Prüfung geht es darum, solche Thesen zu diskutieren). Auch wenn die Vorbereitung

meiner Universitätsstunden oft zeitintensiv war, da ich mich oft selbst erst inhaltlich in die Themen

zur deutschen Zeitgeschichte einarbeiten musste, hat mir die Arbeit mit den Studierenden großen

Spaß gemacht und ich betrachte das Unterrichten an der Universität Bordeaux 3 als eine wichtige

und bereichernde Erfahrung sowie eine gute Abwechslung und Ergänzung zur DeutschMobil-

Arbeit.

Fazit

In 11 Monaten Arbeit als DeutschMobil-Lektorin habe ich sehr viel gelernt und viele schöne

Momente mit Schülern erlebt. Ich habe eine wunderschöne Region und sehr viele interessante

Menschen kennen gelernt. Meiner Nachfolgerin wünsche ich, dass es ihr hier in der Aquitaine

ebenso gut gehen wird wie mir.

Meine drei Ratschläge für die folgenden Lektoren sind:

1. Lass dich nicht stressen! Weder von den Lehrern, noch von der Einsatzstelle, noch von dir selbst.

Lass dich nicht drängeln, überfahren, zu Dingen überreden, die du eigentlich nicht tun willst oder

zeitlich nicht schaffen kannst. Geh es ruhig an, vor allem am Anfang deines Lektorats. Bleib ruhig,

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24

Aquitaine

wenn du in einer Schule ankommst und der Lehrer, mit dem du verabredet bist, nicht da ist, der

Raum, in dem du Unterricht machen sollst, belegt ist, das Material, das du erbeten hast, unauffindbar

und die Klasse, mit der du arbeiten sollst, nicht verständigt. Bleib ruhig, warte ab, versuch das

Beste aus allem zu machen. Meist klappt dann doch irgendwie alles, vor allem im Süden...

2. Genieß es! Genieß die wunderschöne Aquitaine, den Wind am Meer, den Nebel in der Dordogne,

den Apéritif in den Bars und die lachenden Schüler.

3. Sag nein, wenn es nötig ist. Sag es, wenn du meinst, so geht‘s nun wirklich nicht mehr. Sag nein,

wenn dir ein Lehrer noch eine Stunde mehr in den eh schon vollen Zeitplan quetschen will, wenn

du plötzlich mit 50 Schülern in einem viel zu kleinen Raum arbeiten sollst. Sag nein, wenn diese

Schule, warum auch immer, keinen Termin von dir bekommen kann, auch wenn der Schulleiter

lange Briefe an deine Chefin schreibt. Du machst deine Arbeit und du entscheidest, was möglich

ist, für dich, in dieser Situation, und was nicht.

Die Arbeit als DeutschMobil-Lektorin ist ein Fulltimejob. Zwischen den Interventionen, der Vorbereitung

der unterschiedlichen Interventionsformen in Grundschule, Collège und Lycée, der

Sonderveranstaltungen und des Uni-Kurses, zwischen der Organisation des Plannings und der

Nachbereitung wusste ich manches Mal nicht mehr, wo mir der Kopf stand. Ich habe gelernt, nein

zu sagen, auch wenn sich die Ideen noch so gut anhörten, auch wenn ein Lehrer noch so bettelte.

Aber das Nein-Sagen fiel mir nicht immer leicht!

Die Mischung aus Unterricht an der Universität, Lycée-, Collège- und Grundschulbesuchen hat

aber auch ihre Vorteile. Nie ist mir langweilig geworden. Und es ist sehr interessant, von der ersten

Grundschulklasse bis zum Universitätsstudium mit allen Altersgruppen zu arbeiten.

In dem Jahr DeutschMobil habe ich mich sehr viel mit meinem eigenen Land und meiner

Geschichte beschäftigt, viel mehr, als ich es vorher je getan habe. Dank meines Universitätskurses

habe ich vieles zur deutschen Zeitgeschichte gelernt und bei den Schulbesuchen habe ich erfahren,

wie junge Franzosen Deutschland sehen und so selbst auch immer wieder meine Herkunft hinterfragt

und mich mit Teilen Deutschlands (der Süden, der Westen...) und der deutschen Kultur

(Fußball, Rapmusik...) beschäftigt, mit denen ich bisher nicht viel zu tun hatte.

Ich denke, dass die Arbeit als DeutschMobil-Lektorin eine sehr gute, teils heilsame Erfahrung ist: es

handelt sich um wirkliche Basisarbeit. Ich habe gelernt, wie französische Kinder und Jugendliche,

was Menschen in der französischen Provinz über mein Land denken, was (oft wie wenig) sie über

dieses wissen. Es ist gut, so mit beiden Beinen in der Realität zu stehen, anstatt in großen Worten

über deutsch-französische Freundschaft und europäische Einigung zu reden, ohne zu wissen, wie

eigentlich die Menschen außerhalb der intellektuellen deutsch-französischen Kreise dazu stehen.

Ich finde es sehr gut, dass das Projekt DeutschMobil Wissen über ein anderes Land, über eine

andere Kultur und direkte Erfahrungen mit dieser Kultur direkt zu den Menschen, nicht nur in die

Hauptstädte, sondern bis in kleinste Dörfer, bringt.

Meines Erachtens sollte sich das Projekt nicht so stark an der Zahl der Schüler messen, die

nach einem DeutschMobil-Besuch Deutsch als Fremdsprache wählen. Die Interventionen auf das

Gewinnen von Schülern zu fokussieren, würde ein Nichtberücksichtigen all des schwer Messbaren,

schwer in Zahlen Fassbaren, aber doch so Wichtigen bedeuten, dass sich in den Köpfen der Schüler

abspielt: was haben die Schüler Neues zu Deutschland erfahren, was hat sich vielleicht an ihrem

Bild von Deutschland und der deutschen Sprache geändert, egal, ob sie nun Deutsch als Fremdsprache

wählen, oder nicht.


Aquitaine

Sehr wichtig finde ich die verstärkte Zusammenarbeit mit den France Mobilen. Ich hoffe, dass wir

gemeinsam tolle Aktionen realisieren werden, voneinander weiter lernen und gemeinsam weiter

Spaß haben.

Sehr gut hat mir an der DeutschMobil-Arbeit außerdem gefallen, dass es sich um ein sehr

selbständiges Arbeiten handelt. Ich organisiere selbst meine Stunden, meine Touren, meinen Unikurs,

mache alles alleine, von der Planung, über die Vorbereitung bis hin zur Abrechnung.

Die Arbeit mit Schülern und Lehrern, Hausmeistern und Schulleitern, kurz, die Arbeit mit vielen

unterschiedlichen Menschen, hat mir großen Spaß gemacht. Außerdem habe ich gesehen, wie viel

man erreichen kann, wenn man über einen gewissen Zeitraum hinweg intensiv an einem Projekt

arbeitet.

Ich denke, dass mir alle Erfahrungen, die ich in diesem Jahr sammeln konnte, auch für meine

berufliche Zukunft weiterhelfen werden. Ich weiß immer besser, wie ich arbeiten möchte, was mir

wichtig ist bei der Arbeit. Ich weiß, dass ich Dinge bewegen möchte. Das Projekt DeutschMobil ist

meines Erachtens ein sehr gutes Bespiel dafür, was möglich ist, wenn man etwas angeht mit Phantasie,

Mut, Ausdauer und Vertrauen in andere. Ich habe gelernt, auch nein zu sagen und besser mit

meinen Kräften Haus zu halten. Und ich weiß, dass ich eine Arbeit möchte, die mir Spaß macht.

Und da mir die DeutschMobil-Arbeit Spaß macht, bleibe ich noch ein Jahr dabei.

Ich hoffe, dass es mir auch im nächsten Jahr, während meines zweiten Lektoratsjahres in der Lorraine

nicht langweilig wird. Ich hoffe, im zweiten Jahr vieles ruhiger angehen und mehr genießen

zu können. Ich denke, dass ich im zweiten Jahr mehr Zeit für die Vorbereitung der Stunden und

das Erfinden neuer Spiele und Aktivitäten haben werde, als dies während meines ersten Jahres in

der Aquitaine der Fall war. Ich freue mich auch darauf, in der Lorraine viel mit Grundschülern zu

arbeiten.

Zum Abschluss dieses Berichtes möchte ich allen danken, die mich so herzlich in Bordeaux aufgenommen

und mich bei meiner Arbeit als DeutschMobil-Lektorin unterstützt haben.

Anneke Viertel

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B erichte aus den Regionen

Burgund | Bourgogne

Lektorin......... Nicole Centmayer

Einsatzstelle.... Rheinland-Pfalz Haus Dijon | Maison de Rhénanie-Palatinat

Kontakt.......... 29 rue Buffon, BP 32415

21024 Dijon Cedex

Fon: (0033) 03 80 68 07 00

Fax: (0033) 03 80 68 07 04

deutschmobil@maison-rhenanie-palatinat.org

Einmal DeutschMobil - Immer DeutschMobil?!

Das Jahr als DeutschMobil-Lektorin im Burgund ist abgeschlossen. Das DeutschMobil ist heile,

aber der Kilometerstand hat sich um ungefähr 16.000 km verändert. Auch ich als Lektorin sehe

unverändert aus, und doch lässt sich eine Veränderung feststellen, die sich aber vielleicht nicht

unbedingt in konkreten Zahlen ausdrücken lässt, eher im erweiterten Erfahrungsschatz. Diesen

habe ich durch insgesamt 279 Animationen an 123 Schulen mit 6.421 Schülern bereichert.

Situation des DeutschMobils Burgund

Seitens der Akademie Dijon

Die Kooperation mit der Akademie Dijon verläuft sehr gut. Gleichzeitig mit meinem Lektorat

wurde auch das Amt der IPR durch Frau Levicky neu besetzt. Dieser Wechsel hat zu großem Interesse

für das Projekt DeutschMobil geführt. So wurde das DeutschMobil eingeladen, sich vor den

neuen Assistenten 2006/2007 und vor den Präsidenten des ADEAF (Association pour le Développement

de l‘Allemand en France) vorzustellen.

Seitens der Anbindung an das Haus Rheinland-Pfalz

Die Zusammenarbeit mit dem Haus Rheinland Pfalz erfolgte problemlos. Schon die Einarbeitungszeit

wurde sehr erleichtert durch die Anwesenheit von Marion Pukallus, der Lektorin 2005/06,

die weiterhin im Haus tätig ist. Die wöchentlichen Mitarbeitersitzungen sorgten für wichtigen

Informationsaustausch und gutes Klima. Meine Fragen fanden immer ein offenes Ohr. Der Austausch

mit der Verantwortlichen der Sprachabteilung führte zu gemeinsamen Aktionen. So habe

ich mit dem DeutschMobil am 1. und 2.12.2006 beim Salon du Livre in Dijon bei der Aktion

„Märchenbaum“ des Hauses Rheinland-Pfalz mitgewirkt. Des Weiteren wirkte ich am 9.05.2007,

dem Europatag, bei der vom Haus Rheinland-Pfalz organisierten Großaktion in Dijon mit. Beim


jährlichen Sommerfest Was ist rue Buffon? (23./24.06.07) war ich bei der Vorbereitung sowie Umsetzung

des Programms beteiligt. Innerhalb des Hauses hatte ich mittwochnachmittags einen Kindertreff

für Grundschulkinder eingerichtet. Die angesprochenen Kinder waren aus französischen

Familien und lernten im Kindertreff erste deutsche Wörter und Deutschland kennen. Die Resonanz

dieser kleinen Gruppe war sehr positiv, so dass an eine Weiterführung gedacht werden kann.

Burgund und classe bilangue - DeutschMobil und Grundschule

Burgund

Das DeutschMobil Burgund steht bei vielen Collèges der Akademie Dijon auf dem jährlichen Terminkalender.

So habe ich in dieser Hinsicht wenig Werbung für die Aktion DeutschMobil am

Anfang des Jahres betrieben, sondern den Versuch unternommen, Grundschulen zu erreichen, die

für die classe bilangue in Frage kommen. Diese Entscheidung hat sich als sehr sinnvoll erwiesen, da

mit der Einführung der classe bilangue an vielen Collèges im Laufe des Schuljahres Deutsch als 2.

Fremdsprache von der Akademie gestrichen wurde. So wurden geplante Interventionen von einzelnen

Collèges im Laufe des Schuljahres aus genau dem besagten Grund annulliert. Trotzdem habe

ich insgesamt doppelt so viele Interventionen in Collèges durchgeführt als in Grundschulen. Die

Begeisterung der Grundschüler für die deutsche Sprache war enorm, die ihrer Eltern oft geringer:

zu den sechs organisierten Elternabenden kamen jeweils zwischen 0 und 40 Eltern.

Die Schulbesuche

Die Anfragen aus den Schulen Burgunds sind zunächst zögerlich eingetroffen. Die letzten Termine

habe ich sogar erst im Mai vergeben. Ende Juni blieben immer noch freie Termine übrig, aber die

Schulen waren an so einem späten Besuch meist nicht mehr interessiert. Angebot und Nachfrage

ist aufgegangen, und es blieb sogar Zeit, Anfragen aus den angrenzenden Regionen nachzugehen,

die da wären:

- Académie de Lyon 25 Interventionen

- Académie de Grenoble 22 Interventionen

- Académie de Besançon 17 Interventionen

- Académie Clermont-Ferrand 26 Interventionen

Hierbei ist hinzuzufügen, dass die Besuche in den Nachbarregionen vor allem Anfang des Jahres

stattfanden, als die Nachfrage im Burgund noch gering war, bzw. in den Frühjahrsferien der Akademie

Dijon. Insgesamt habe ich vor allem die Erfahrung gemacht, dass Schulen, an welchen das

DeutschMobil zum ersten Mal war, viel besser den Besuch vorbereitet und geschätzt haben, als

Schulen, für welche der Besuch des DeutschMobils bereits Tradition ist. Die Organisation an den

Schulen war sehr unterschiedlich, die Anwesenheit des Deutschlehrers nicht immer gegeben, da

viele Deutschlehrer in mehreren Schulen tätig sind.

Der Ablauf einer DeutschMobil-Intervention ist vom Aufbau in der Grundschule und im Collège

sehr ähnlich. Von der Begrüßung „Hallo! Ich bin….“, dem Vorstellen auf Deutsch hin zur geografischen

Lage Deutschlands und der Verbreitung des Deutschen in Europa. Über die deutsche

Aussprache hin zu Spielen rund um das Deutsche. Die Vielfalt an Spielen ist groß, so dass ich

sie dem Alter der Schüler entsprechend gewählt habe: Montagsmaler, Stille Post in zwei Gruppen,

Memory, Spiele mit Farbnamen oder Zahlen, deutsch-englische Partnersuche, „Alle Vögel fliegen

hoch“, Restaurantspiel, Ja-Nein-Spiel etc. Beliebt waren auch immer ein Quiz in Richtung deutscher

Musik oder Deutschland/ Berlin und natürlich das Singen bei den jüngeren Schülern. Die

größte Aufmerksamkeit in Grundschulklassen habe ich durch das Vorlesen deutscher Kinderbücher

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Burgund

wie „Die Königin der Farben“, „Lauras Stern“ oder „Die Raupe Nimmersatt“ erzielt. Wichtig an

den Interventionen war mir immer der aktive Einsatz der Schüler. Deswegen habe ich Videos und

DVDs nur selten eingesetzt, da sie mir als sehr passive Informationsaufnahmequellen erschienen.

Aber vielleicht fehlten mir in dieser Hinsicht medienpädagogische Methoden. So habe ich das

Filmmaterial ausschließlich zum Zeigen der deutschen Festlichkeiten (Altweiberfasching, Ostern-

Eierauspusten) verwendet. Genauso wichtig wie der Spaßfaktor waren mir aber auch ernsthafte

Diskussionen über die deutsche Geschichte, wenn sie sich ergaben. Forciert habe ich dieses Thema

nicht, aber wenn Einwürfe und Fragen in diese Richtung kamen, bin ich immer darauf eingegangen.

Die Beantwortung und Klärung dieser Fragen wurde meist mit großer Aufmerksamkeit seitens

der Schüler begleitet. Am Ende der Interventionen fehlte natürlich nie ein kleines Souvenir, das die

Schüler sich jedoch manchmal erarbeiten mussten, in dem sie mir ein deutsches Wort nennen mussten,

dass sie in der Stunde gelernt hatten. In den Grundschulen bekamen die Schüler einen Buntstift

mit einer dreifarbigen Miene, oder das Heft „En route vers l‘Allemagne“, im Collège erhielten

die Schüler Kulis, Radiergummis oder Lineale vom OFAJ. Außerdem durfte die Infobroschüre

„L‘Allemand - passeport pour l‘Europe“ und der Elternbrief nicht fehlen. Denn leider sind es doch

oft die Eltern, welche großen Einfluss auf die Sprachwahl ihrer Kinder haben. Für die Deutschlehrer

hatte ich ein kleines Paket mit wichtigen Infobroschüren und einigen Postern der verschiedenen

Verlage und des OFAJ zusammengestellt.

Außeneinsatz

Wie oben bereits beschrieben, haben viele Schulen aus den angrenzenden Regionen ihr Interesse

an einem DeutschMobil-Besuch ausgesprochen, welchem auch weitgehend nachgegangen wurde.

Die meisten Einsätze habe ich selbst organisiert. An dieser Stelle möchte ich kurz auf die Einsätze

eingehen, die von den verschiedenen Akademien oder engagierten Lehrern organisiert wurden:

- Einsatz Valence vom 13.12.06 bis 15.12.06

Das DeutschMobil wurde eingeladen in der Akademie Grenoble, genauer gesagt um Valence, Interventionen

an Collèges und Grundschulen durchzuführen. Durch eine sehr improvisierte Organisationsweise

habe ich meinen einwöchig geplanten Einsatz auf drei Tage reduziert. Dieser Kurzeinsatz

verlief jedoch überwiegend positiv.

- Einsatz Clermont-Ferrand vom 23.04. bis 4.05.2006

Mme Buisson, die Vorsitzende des ADEAF in der Akademie Clermont-Ferrand hatte das

DeutschMobil Burgund in ihre Region eingeladen. Die Organisation übernahm Mme Buisson

selbst mit Mme Serin, die IPR. Insgesamt war das DeutschMobil Burgund zwei Wochen in der

Akademie Clermont-Ferrand. Der Zeitraum war während der Frühjahrsferien der Akademie Dijon

gewählt worden. So habe ich in diesem Zeitraum 12 Collèges und 5 Grundschulen besucht und

dabei 26 Interventionen durchgeführt. Zu einem organisierten Elternabend, an welchem die IPR

selbst anwesend war, waren um die 40 Eltern anwesend, so dass ein regelrechter Stuhlmangel

herrschte. Inhaltlich ging es bei dem Elternabend vor allem um die Einführung der classe bilangue.

Diese positive Erfahrung hinsichtlich des Elternabends hat mir gezeigt, dass ein starkes Auftreten

zusammen mit dem IPR oft größere Wellen schlägt, als wenn man als DeutschMobil-Lektorin

alleine einen Elternabend gestaltet.

Erweiterung des pädagogischen Materials

Zu Beginn des Lektorates habe ich neues Material zusammengestellt. Zum einen war dies für die


Interventionen notwenig, zum anderen bestand Bedarf für die Sonderaktionen. So entwickelte ich

neue Quiz zur deutschen Musik/ Berlin und zu deutschen Weihnachtstraditionen. Daneben entstand

neues Material im Zusammenhang mit transparenten Wörtern. Zudem ist „Maries Koffer“

entstanden. Der Koffer gehört dem Mädchen Marie, das eine Reise durch Deutschland gemacht

hat und viele Dinge von dort mitgebracht hat und anderen Kindern zeigen will. Es wird so ein

kindgerechtes Deutschlandbild vermittelt. Die deutschen Mitbringsel befinden sich im Koffer und

werden auch auf einer Deutschlandkarte örtlich festgehalten und kurz beschrieben. Den Kindern

können nun die deutschen Gegenstände und ihre jeweilige Herkunft erläutert werden, wobei sich

die Kinder die Objekte gut einprägen müssen. Im Anschluss wird ein Gegenstand des Koffers entfernt

und die Kinder müssen erraten, welcher fehlt. Dieses Spiel ist geeignet für Kinder bis zu 11

Jahre.

Ermittlung neuer Partner - WDR

Die Grundschulkinder lernen bei den DeutschMobil-Interventionen seit neuestem „Die Sendung

mit der Maus“ kennen. Einerseits schließen die Kinder die Plüschmaus und ihre Freunde sofort

ins Herz, andererseits kann man mit ihnen sehr gut die Farbnamen lernen und eine typische deutsche

Kindersendung vorstellen, die auch in Frankreich auf Arte ausgestrahlt wird. Durch Kontaktaufnahme

mit dem WDR und der Vorstellung des Projektes DeutschMobil hat sich hierbei ein

neuer Partner für das DeutschMobil aufgetan. Der WDR unterstützt dabei die Mobile mit Postern,

Ansteckern und Aufklebern der Maus.

Sonderaktionen

7./8. Oktober 2006: Frankfurter Buchmesse

Gemeinsam mit der Koordinatorin Nadine Gruner bin ich als Fachbesucherin zur Frankfurter

Buchmesse gefahren. Wir haben hierbei Verlage aufgesucht, die schon Partner des DeutschMobils

sind, um die weiterführende Zusammenarbeit zu vertiefen. Dabei haben wir auch versucht, neue

Partner ausfindig zu machen bzw. besondere Angebote einzuholen, wie beispielsweise den Vorlesekoffer

des Verlags Thienemann.

16. und 17. November 2006 : Salon du Livre et du Multimédia in Lons- le-Saunier

Der Verband UDAS-JURA (l‘Union Départementale des Appariements Scolaires du Jura) hat das

DeutschMobil eingeladen am Salon du Livre et du Multimédia in Lons-le-Saunier teilzunehmen,

zu welchem rund 10 000 Besucher erwartet wurden. Hierbei habe ich gemeinsam mit der Praktikantin,

Dominique Scharping, zwei Aktionen durchgeführt, welche sich zum Einen mit Jutta

Bauers Buch „Die Königin der Farben“ beschäftigte und zum anderen mit „Maries Koffer“.

Der Stand auf der Messe hat zudem Lehrer direkt angesprochen, so dass der Bekanntheitsgrad des

DeutschMobils sich stark vergrößert hat. Die Lehrer sollten dabei die Geschichte der „Königin der

Farben“ ihren Schülern erzählen, woraufhin die Kinder ihre Version der Königin für den

Malwettbewerb einschicken konnten. Insgesamt wurden 200 Bilder eingereicht. Die Ausstellung

der Bilder fand an drei Orten ab dem 22. Januar 2007 statt: Dôle, Lons-le-Saunier und Morez.

8. November 2006 bis 11. April 2007: Kindertreff am Haus Rheinland-Pfalz

Burgund

Zu Beginn des Schuljahres kam die Idee auf, ein bilinguales Kindertreffen im Haus Rheinland-

Pfalz zu organisieren. Es sollte ein Ort entstehen, an welchem deutsche mit französischen Schulkindern

in Kontakt kommen und die französischen Kinder dabei spielerisch Deutsch erlernen.

Die Realität wich von dieser Ausgangsidee ab. Es entstand ein Kindertreff mit ausschließlich

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Burgund

französischen Kindern. Der wöchentliche Termin lag auf einem Mittwochnachmittag. Die Gruppe

variierte sehr stark, wobei sich aber ein fester Kern herausgebildet hat. In diesem Kindertreff hatte

ich nun zum ersten Mal die Gelegenheit, kontinuierlich mit Kindern zu arbeiten und den Spracherwerb

bei den Kindern mitzuverfolgen. Im Vordergrund stand dabei das Entdecken von Deutschland,

deutscher Traditionen, deutscher Geschichten, deutscher Lieder, etc. Die Methoden waren

sehr unterschiedlich: Vom rein auditiven Aufnehmen einiger Worte bei einfachen Spielen, bis hin

zum Schreiben der ersten Worte. Das Ganze war nicht angelegt als ein Sprachkurs mit einem

begleitenden Buch, sondern als Ort, wo man Lust auf die Sprache des Nachbarlandes bekommt,

und die Kuriositäten der „Anderen“ sofort selbst mitmacht, wie z.B. das Backen von Plätzchen,

Bauen von Laternen, Eierfärben. So sind die Barrieren hinsichtlich des Sprachenlernens meines

Erachtens durch diesen Kurs bei den Kindern gefallen. Insgesamt würde ich diesen Kurs als eine

starke Bereicherung zu dem doch täglich wechselnden Publikum als DeutschMobil-Lektorin ansehen.

Es entstand ein fester Ort, um neues pädagogisches Material sofort umzusetzen/ auszuprobieren

und gleichzeitig einen intensiveren Kontakt mit Eltern und Schülern aufzubauen.

28. November 2006: Deutsche Weihnachtsfeier in der Grundschule St. Benigne in Dijon

Die Schulleitung hat das DeutschMobil eingeladen, um an ihrer Schule Weihnachten in Deutschland

vorzustellen. Da das Datum recht früh gewählt wurde, hat es die Möglichkeit eröffnet, mit

den Kindern Adventskalender zu basteln. Zudem wurden weitere deutsche Traditionen vorgestellt

und das typische deutsche Weihnachtsgebäck gekostet.

1. bis 3. Dezember 2006: Salon du Livre in Dijon

Zum Salon du Livre in Dijon hat das Haus Rheinland-Pfalz die Aktion Märchenbaum durchgeführt,

welches sich mit Märchen der Gebrüder Grimm beschäftigte. Kinder sollten Märchen von einem

Baum pflücken; das jeweilige Märchen wurde den Kindern in verschiedenen Sprachen vorgelesen,

wobei die Kinder die Sprachen und den Märchennamen erraten mussten. Für ältere Kinder gab

es die Möglichkeit, an einem Märchenquiz teilzunehmen. Ich habe bei dieser Aktion sowohl in

der Vorbereitungs- als auch Durchführungsphase mitgewirkt. Das DeutschMobil wurde dabei der

Dijoner Öffentlichkeit näher vorgestellt.

20. Januar 2007: Deutsch-Französischer Tag in Dôle

Die Stadt Dôle hat das DeutschMobil eingeladen, am Deutsch-Französischen Tag den Malwettbewerb

der „Königin der Farben“ durchzuführen. So habe ich dort zwei Interventionen durchgeführt,

indem ich den Teilnehmern die deutschen Farbnamen beigebracht und anschließend das Buch

„Die Königin der Farben“ vorgelesen habe. Die Kinder sollten im Anschluss ihre Königin malen.

Dazu wurden die Räumlichkeiten der städtischen Kunstschule zur Verfügung gestellt. Für die

Prämierung der schönsten Königinnen hatte die Stadt Dôle selbst Preise zur Verfügung gestellt. Die

Zusammenarbeit mit den Deutschlehrern vor Ort verlief reibungslos. Insgesamt hat diese Aktion

viel Spaß gemacht, da sie von Seiten der Kinder als auch ihrer Eltern begeistert aufgenommen

wurde. Der lokale Fernsehsender hat hierbei spontan eine kleine Reportage gedreht.

1. und 2. März 2007: 50 Jahre Partnerschaft Rheinland-Pfalz und Burgund

Anlässlich der 50-jährigen Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Burgund fand in Dijon ein

mehrtägiges Programm für die beiden Partnerschaftsorganisationen und Abgeordnete des Landtages

bzw. des Conseil Régional statt. Hierbei wurde ich eingeladen im Rahmen einer Vortragsreihe

zur Promotion der Deutschen Sprache die Aktion DeutschMobil vor dem Plenum vorzustellen.

Die Präsentation fand einen sehr großen Anklang und hat bewirkt, das Projekt den Partnerschafts-


organisationen näher zu bringen.

12. März 2007: Kamera läuft: SWR dreht Reportage über das DeutschMobil Burgund

Aufgrund der 50-jährigen Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und dem Burgund hat der

SWR eine Reportagenreihe über fünf unterschiedliche Personen gedreht, welche sich zwischen den

beiden Partnerregionen bewegen bzw. für die deutsch-französische Partnerschaft arbeiten. Hierbei

hatte Till Meyer vorgeschlagen, eine Reportage über die Arbeit der DeutschMobil-Lektorin zu

drehen. So wurde am 12. März der Besuch der Grundschule Voltaire in Dijon von den Kameras

von France 3 unter der Leitung einer Journalistin des SWR festgehalten. Ausgestrahlt wurde die

3:27-minütige Kurzreportage am 26. April 2007.

22. bis 24. Juni 2007: Was ist das rue Buffon?

An diesem Juniwochenende fand das von der Dijoner Bevölkerung alljährlich heiß erwartete Sommerfest

des Hauses Rheinland-Pfalz statt. Als DeutschMobil-Lektorin habe ich hier bei der Vorbereitung

als auch bei der Organisation des Abendprogramms mitgewirkt. Dieses Fest bot die

Gelegenheit, am Jahresende nochmals einige Deutschlehrer, mit welchen ich über das Jahr hindurch

zusammengearbeitet hatte, zu treffen und eine Jahresbilanz zu ziehen.

Seminare

Das Jahr als DeutschMobil-Lektorin war umrahmt und begleitet von verschiedenen Seminaren der

Robert Bosch Stiftung. Hierbei war das wichtigste das Einführungsseminar, bei welchem die Basis

einer Sprachanimation vermittelt wurde und organisatorische Fragen weitgehend geklärt wurden.

Das Thema des Zwischenseminars im Dezember galt der Präsentation. Hierbei kam es auch zum

ersten kurzen Kontakt mit dem Programm und den Ausführenden des France Mobils. Im Sommer

fand anschließend ein 4-tägiges gemeinsames Seminar mit DeutschMobil- und France Mobil-Lektoren

statt. Dies war der erste Moment, am Ende des Schuljahres wohlgemerkt, dass ein wirklicher

Austausch an Animationsbausteinen, Organisations- und Arbeitsweisen der unterschiedlichen und

doch sehr ähnlichen Projekte möglich war. Das Treffen war von beiden Seiten eine große Bereicherung

und hat gemeinsame Projektideen hervorgerufen, wie die Idee eines überregionalen Wettbewerbs.

Das Abschlussseminar in Stuttgart galt der Einarbeitung der neuen Lektoren und dem Bewerbungstraining.

Für die berufliche Weiterentwicklung war letzteres sehr hilfreich.

Persönliche Bemerkung

Burgund

Ein wirklicher Abschlussbericht sind die vorliegenden Seiten meinerseits nicht, sondern nur ein

Abschlussbericht für die Region Burgund. Im nächsten Jahr wird es wohl einen weiteren aus

der Region Rhône-Alpes geben. Während der Arbeit als Lektorin in Dijon habe ich gelernt, mit

Schülern unterschiedlichen Alters zu arbeiten und mich immer wieder neu auf unbekannte Situationen

einzustellen. So ist mein Grad an Flexibilität und meine Improvisationskunst gegenüber

unterwarteten Gegebenheiten um etliches gestiegen. Die Begeisterung an immer Neuem und

an noch selbständigerem Arbeiten ist aber weiterhin in mir gewachsen. Deswegen werde ich

im kommenden Schuljahr das 10. DeutschMobil in Lyon eröffnen. Die Akademie Lyon und

Grenoble sind mir durch einige Auswärtseinsätze nicht unbekannt. Somit freue ich mich auf ein

weiteres Jahr voller Überraschungen und die weitere Arbeit im Rahmen der deutsch-französischen

Verständigung.

Nicole Centmayer

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B erichte aus den Regionen

Ile-de-France

Lektorin......... Annette Gramß

Einsatzstelle.... Maison Heinrich Heine Paris

Kontakt.......... Cité Internationale Universitaire de Paris

27c boulevard Jourdan

75014 Paris

Fon: (0033) 01 44 16 13 87

deutschmobil@web.de

Die Lektoratsstelle in Paris habe ich mit Beginn des Schuljahres 2006/07 am 1. September 2006

angetreten und am 31. Juli 2007 verlassen. Während dieses Jahres besuchte ich 86 Schulen, führte

277 Interventionen durch, stand dabei mit 6.540 Schülern in Kontakt und nahm an fünf Elternabenden

teil. Der Tachostand zeigte am Schuljahresende 8.246 gefahrene Kilometer. In der Ile de

France wurden ausschließlich Ecoles Primaires und Collèges besucht, die Anfahrtsstrecke überstieg

selten 30km.

Schulbesuche

Anfragen

Das Schuljahr begann mit einem sehr großen Ansturm von Anfragen, den ich Mühe hatte, zu

bewältigen. Ich habe versucht, mir möglichst schnell eine Arbeitsstruktur zu erarbeiten, die es

ermöglichte, ohne schon über alle Abläufe genau informiert zu sein, alle Anfragen zu erfassen und

zu beantworten. So habe ich zunächst eine Standardantwort verfasst, mit der ich auf alle Anfragen

reagieren und mir etwas Zeit für die Planung erbeten konnte.

Ich bin schließlich wie meine Vorgänger bei der Bearbeitung der Anfragen chronologisch vorgegangen

und musste bereits ab 20. September Absagen erteilen. Bei einigen wenigen Fällen, beispielsweise

Schulen, in denen die Schließung des Deutschunterrichts für das kommende Schuljahr

drohte, insofern sich nicht ausreichend Deutschlerner finden, habe ich noch bearbeitet. Ich bin

der Meinung, dass ein rein chronologisches Vorgehen nicht sinnvoll ist, da auf diese Weise vor

allem Schulen eine Chance haben, die bereits einen DeutschMobil-Besuch hatten und besonders

gut informiert sind. Man sollte sich in jedem Falle genug Zeit für die Planung nehmen und auch

nach der Dringlichkeit des Besuchs schauen. Mit Schulen, mit denen bereits seit mehreren Jahren

zusammengearbeitet wird, habe ich nicht nur positive Erfahrungen gemacht, da sie den Besuch

teilweise als so verständlich hinnahmen, dass in einigen Fällen die Organisation und das Engagement

sehr zu wünschen übrig ließen.


Ile-de-France

Neben den zahlreichen Anfragen durch Deutschlehrer trafen auch immer wieder Anfragen von

Rathäusern verschiedener Kommunen (Abteilung Bildungskooperation oder Kultur- und Sprachreferat),

Städtepartnerschaftskomitees und conseillers pédagogiques ein, die zentral Besuche des

DeutschMobils für die Schulen ihrer Stadt oder ihres secteur zu organisieren bereit waren. Auch

Elternvertreter haben sich an das DeutschMobil gewendet.

Über 50 Anfragen konnte ich in diesem Schuljahr nicht nachkommen. In Paris ist das Projekt

besonders gefragt, da es nach nunmehr vier Jahren seiner Etablierung in der Ile de France und

darüber hinaus sehr bekannt ist und die Zahl der Anfragen von Jahr zu Jahr steigt. Zudem leben

in den drei großen zugehörigen Akademien über 20% aller französischen Schüler und die Akademie

Versailles stellt sogar die größte Akademie Frankreichs dar. Eine einzige Lektorin ist angesichts

dieser Größe des Einzugsgebietes unverhältnismäßig. Zwei Personen hätten noch immer mehr als

genug zu tun und könnten das Projekt noch besser bewerben.

Zusammenarbeit mit Lehrern und Schulleitern

Die Zusammenarbeit mit den Lehrern gestaltete sich im Allgemeinen sehr angenehm. Immer

wieder war ich vom großen Engagement vieler Deutschlehrer für ihr Fach beeindruckt und von der

Fülle der verschiedensten Projekte, die im Zusammenhang mit Deutsch und Deutschland organisiert

werden (Schüleraustausch, Klassenfahrten, Fahrt zu deutschen Weihnachtsmärkten, deutschfranzösischer

Tag, deutsches Frühstück, Lesungen u.a.). Fast immer vermittelten sie das Gefühl,

dass die DeutschMobil-Besuche eine große Bereicherung und wichtige Hilfe bei dem Erhalt und

der Förderung der deutschen Sprache an ihren Schulen sind. Häufig setzte sich auch die Schulleitung

selbst für die deutsche Sprache ein.

In besonders guter Erinnerung habe ich meinen Außeneinsatz in der Académie Lille (11.-19.1.2007),

wo der Empfang bei allen Besuchen ungewöhnlich herzlich war und meine Besuche von großem

Interesse begleitet wurden. In mehreren Schulen haben sich der Schulleiter oder / und sein Stellvertreter

persönlich für den DeutschMobilbesuch und die Förderung der deutschen Sprache eingesetzt.

Bei drei von vier Besuchen war auch die Presse anwesend. Hier habe ich auch meinen einzigen

Elternabend gehalten, mit Unterstützung der Deutschlehrerin, des Schulleiters, seines Stellvertreters

und mehrerer Sprachlehrer (Niederländisch und Spanisch). Sogar letztere haben an diesem

Abend, bei dem etwa 40 Eltern von Schülern der CM2 und der 5e anwesend waren, für das Erlernen

der deutschen Sprache argumentiert!

Zusammenarbeit mit Schulbehörden

Eine Zusammenarbeit mit Verantwortlichen der zur Ile de France zählenden Akademien besteht

bisher nur mit der inspectrice Madame Torres, die seit Schuljahresbeginn in der Académie de Versailles

arbeitet und sich zuvor in der Académie de Dijon für Deutsch stark gemacht hat. Ich denke

aber, dass die Zusammenarbeit mit den Schulbehörden durchaus noch verbessert werden kann,

eventuell unter Nutzung bereits bestehender Kontakte mit anderen Institutionen. Da inzwischen

die notwendigen Kontaktdaten vorliegen, wäre es sinnvoll, zu Beginn des folgenden Schuljahres

einzelne Treffen mit den IA/IPR der drei Akademien zu vereinbaren und sich die Situation jeder

einzelnen Akademie erklären zu lassen, da in der Ile de France erhebliche Unterschiede in der

Anwendung der Regelungen für den Fremdsprachenunterricht bestehen.

Zusammenarbeit mit Institutionen

Wie auch in den Vorjahren, war die Zusammenarbeit mit deutsch-französischen Institutionen

(Deutsche Botschaft, Goethe-Institut, DFJW, DAAD, Deutsche Zentrale für Tourismus, Deut-

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Ile-de-France

sche Außenhandelskammer, ADEAF usw.) ein wichtiger Bestandteil der Pariser DeutschMobil-

Tätigkeit. Ich nahm gemeinsam mit einem Vertreter der Fédération des Maisons Franco-Allemandes

regelmäßig an den Sitzungen des StADaF (Ständiger Ausschuss Deutsch als Fremdsprache) in der

Deutschen Botschaft teil und leitete im Anschluss wichtige Informationen an die DeutschMobil

Koordination und die LektorInnen weiter. Diese Sitzungen tragen auch wesentlich zum Verständnis

von Zusammenhängen sprachpolitischer Entscheidungen bei.

Presseecho auf Schulbesuche

Die Pressearbeit in den drei Akademien der Ile de France war wie auch bei meinen Vorgängern

schwierig. Bei fünf Schuleinsätzen in der Ile-de-France waren Journalisten eines Kommunal-

bzw. Regionalblattes anwesend, deren Artikel im Anschluss erschienen sind. Bei den kurzen

Außeneinsätzen in der Académie d‘Amiens (4.12.-8.12.2006) und der Académie de Lille war

die Presse mehrmals vor Ort. Am 6.2.2007 hat eine Journalistin des Deutschlandfunks den

DeutschMobil-Besuch in Saint Mard (Académie de Créteil) begleitet. Der Beitrag, der Teil einer

Sendung mit dem Thema der deutsch-französischen Beziehungen über vier Generationen war,

wurde am 24.3.2007 im Deutschlandfunk gesendet. Weiterhin gab es einen Interviewtermin mit

einer Journalistin des Magazins Paris-Berlin, das in seiner Aprilausgabe einen allgemeinen Artikel

zur Initiative DeutschMobil veröffentlicht hat.

Durchführung der Interventionen

Das Handbuch und die Tipps der Vorgänger waren beim Vorbereiten der Interventionen eine sehr

große Hilfe. Um das in Paris vorhandene Spiel- und Unterrichtsmaterial noch etwas abwechslungsreicher

zu gestalten, habe ich einige Bücher gekauft sowie diverse Materialien gebastelt.

Ermutigt durch die Referenten des France Mobil bin ich in der zweiten Schuljahreshälfte dazu

übergegangen viel mehr bis fast ausschließlich Deutsch in den Interventionsstunden zu sprechen.

Mit der Zeit hatte ich auch für jeden Stundenteil ein größeres Repertoire an transparenten Wörtern

und unterstreichenden Gesten parat, so dass sich selbst grammatikalische Erklärungen auf Deutsch

machen ließen. Das funktionierte nicht immer in allen Klassen, manchmal blockierte eine Klasse

auch. In diesem Falle habe ich nicht forciert, sondern bin bei komplexeren Zusammenhängen und

Erklärungen auf Französisch übergegangen. Insgesamt funktionierte es aber erstaunlich gut und

meist waren die Deutschlehrer von den positiven Reaktionen der Schüler so überrascht und begeistert,

dass sie sich vornahmen auch viel mehr Deutsch im Unterricht zu sprechen. Es war auch nicht

zwingend notwendig, dass immer alle Schüler alles verstanden. Manchmal war es gut, wenn einige

wenige Schüler das Gesagte verstanden haben und es den anderen „laut zuflüstern“, so dass sie dem

Stundenfaden weiter folgen konnten.

Sonderaktionen

Médiathèque Astrolabe Melun

Am 26.1.2007 bin ich einer Einladung der Médiathèque Astrolabe in Melun gefolgt, die den

Besuch des DeutschMobils im Rahmen der dort veranstalteten Deutschen Woche wünschte. Dort

habe ich mit zwei Grundschulklassen umliegender Schulen gearbeitet, wobei ich den Schwerpunkt

auf das Vorlesen von Kinderbüchern gelegt habe, da es sich bei der Örtlichkeit um eine große


Ile-de-France

Bibliothek handelt. Auch hier war eine Journalistin der Académie de Créteil anwesend, deren Artikel

in Die Pause - Bulletin de liaison des professeurs d‘Allemand der Académie de Créteil erschien.

Expolangues Paris, 2007

Gemeinsam mit Nadine Gruner habe ich vom 24.-27.1.2007 den DeutschMobil-Stand auf dem

deutschen Gemeinschaftsstand der Expolangues betreut. Im Unterschied zum Vorjahr war nun

Deutschland nicht mehr Gastland der Messe, so dass der diesjährige Besucherzuspruch am deutschen

Gemeinschaftsstand gegenüber dem letzten Jahr verhaltener war. Auch konnte letztes Jahr

der Vito publikumswirksam in der Halle präsentiert werden, was dieses Jahr nicht mehr möglich

war. Dennoch haben viele Besucher den Stand des DeutschMobil bewusst aufgesucht oder aber das

Projekt neu kennen gelernt. Die Platzierung neben dem ADEAF (Association des Enseignants de

l‘allemand en France) war hier vorteilhaft, da der Deutschlehrerverband ein sehr ähnliches Zielpublikum

anspricht, nämlich vorrangig Deutschlehrer, Eltern von Schülern und andere Personen, die

sich um die Situation der deutschen Sprache in den schulischen Einrichtungen sorgen.

Salon du Livre Paris

Weiterhin habe ich zwei Tage lang am Pariser Salon du Livre (23.-27. März 2007) teilgenommen

und vertrat hier das Projekt auf dem Stand der Frankfurter Buchmesse und der deutschen

Buchhandlung Infobuch (Paris). Da es sich beim Zielpublikum dieser Messe zumeist um

Bücherfreunde und Fachbesucher des Buchhandels handelt, ist die Schnittstelle mit den Adressaten

des DeutschMobil nicht sehr groß. Einigen Besuchern konnte ich das Projekt neu vorstellen.

Interessanter waren jedoch die Kontakte mit Vertretern der deutsch-französischen Institutionen in

Frankreich, die den deutschen Stand besuchten.

Europatag 9. Mai 2007 Paris

Auf Bitten der Deutschen Botschaft in Paris war ich zum Europatag am 9. Mai auf dem Vorplatz

des Pariser Rathauses präsent. Hier wurde durch die Mairie de Paris und das Maison de l‘Europe ein

Europafest veranstaltet, bei dem Deutschland aus Anlass der EU-Ratspräsidentschaft eine besondere

Rolle spielte und mit mehreren Institutionen vertreten war. Geplant waren mehrere Interventionen

für Schülergruppen, von denen schließlich leider nur wenige stattfinden konnten, da an

diesem Tage die Animateure der Freizeitzentren streikten. Der Vito konnte aber sehr publikumswirksam

auf dem Platz geparkt werden.

Vorbereitung und Betreuung

Seminare und Robert Bosch Stiftung

Die Seminare der Robert Bosch Stiftung haben ganz wichtige Impulse für die Arbeit am Projekt

gegeben. Hier konnte sich unsere neue Lektorengeneration mit dem konkreten Ziel der Arbeit vertraut

machen. Auch das Zwischenseminar hat noch einmal das ‚höhere‘ Ziel der Aufgabe deutlich

gemacht und grundlegende Zusammenhänge offen gelegt, was ich sehr wichtig finde, da zu Beginn

der Arbeit einige organisatorische Strukturen und Arbeitsabläufe noch nicht so recht verständlich waren.

Die Anschaffung der Navigationsgeräte stellte eine erhebliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen

dar. Da in der Regel täglich eine neue Schule auf einer weitgehend unbekannten Strecke

angefahren werden muss, ist die Anreise so viel entspannter. Und vor allem angesichts des Pariser

Verkehrsdurcheinanders war ich dankbar, nicht mehr mit Karte auf dem Lenkrad fahren zu

müssen.

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Ile-de-France

Einarbeitung, Betreuung und Infrastruktur des gastgebenden Instituts

Auf meinen Arbeitsplatz in der Maison Heinrich Heine hat mich meine Vorgängerin Antje Hoy

vorbereitet und in der Anfangszeit stand sie mir auch telefonisch für Fragen zur Verfügung.

Unterstützung fand ich auch bei den Mitarbeitern des Hauses. Da aber die DeutschMobil-Tätigkeit

am Maison Heinrich Heine viel Selbständigkeit fordert, hätte ich mir neben dem allgemeinen

DeutschMobil-Handbuch eine Art Leitfaden für die tägliche Arbeit vor Ort gewünscht. Daher

habe ich nun - wie alle anderen Lektoren auch - ein Dokument erstellt, in dem ich alle eventuell

wichtigen Informationen für Nachfolger festgehalten und aufbereitet habe und das in den Folgejahren

immer aktualisiert werden kann. Das ist nicht viel Arbeit, wenn es fortlaufend geführt wird,

kann aber in jedem Falle sehr hilfreich sein.

Die zur Verfügung stehende Infrastruktur am Haus ist sehr gut, alle wichtigen technischen Vorraussetzungen

sind gegeben. Das DeutschMobilbüro ist ausgestattet mit Telefon, Laptop, Farbdrucker

und es gibt im Haus die Möglichkeit zu kopieren und zu faxen. Das Fahrzeug kann direkt neben

dem Haus kostenlos geparkt werden.

In die Veranstaltungen des Maison Heinrich Heine ist das DeutschMobil selten eingebunden, da

sich das Zielpublikum nur bei wenigen Veranstaltungen mit denen des Projekts überschneidet.

Zusätzliche Aufgaben für das Haus habe ich nur selten übernommen.

Bewertung

Was ich an der DeutschMobil-Arbeit schätze ist, dass es eine Tätigkeit im Rahmen der deutschfranzösischen

Beziehungen ist, bei der ich einen kleinen, aber ganz unmittelbaren Beitrag zur

Förderung der deutschen Sprache leisten konnte. Spannend war auch, dass es die Pariser Stelle

ermöglicht hat, mit den dort ansässigen deutsch-französischen Institutionen direkt zusammenzuarbeiten

und somit einen guten Einblick in ihre Strukturen zu gewinnen. Das kann unter Umständen

für meine berufliche Zukunft sehr wichtig sein, da ich mich auch weiterhin gern in diesem Bereich

engagieren möchte.

Die Tätigkeit für DeutschMobil stellt für mich zudem einen großen Zugewinn an Erfahrung in

selbständiger und ganzheitlicher Projektarbeit dar, die an vielen anderen Stellen in ähnlicher Form

vorausgesetzt wird oder aber zumindest von Vorteil sein kann. Die verschiedenen Bestandteile der

Arbeit tragen auch zu wichtigen persönlichen Qualifikationen bei: die Kommunikation mit den

unterschiedlichsten Menschen, die Präsenz auf Messen, die Organisation von „Dienstreisen“ in

Form von Außeneinsätzen, die Präsentationen vor mehr oder minder großem Publikum bei Elternabenden

und anderen Gelegenheiten und die Interviews für die Presse. Auch sprachlich bedeutete

die Arbeit manchmal noch eine Herausforderung, wenn spontane und auch etwas schlagfertige

Reaktionen gegenüber den Schülern auf Französisch gefragt waren.

Weiterhin habe ich mich sehr für den pädagogischen und didaktischen Aspekt der Arbeit interessiert,

wobei ich es sehr schade finde, dass es beinah nie möglich ist mit Schülern zu arbeiten, die bereits

Deutsch lernen. Das könnte nicht nur für die Entwicklung der eigenen didaktischen Ideen wichtig sein,

sondern auch die Arbeit wesentlich abwechslungsreicher machen und die eigene Motivation fördern.

Gleichzeitig ist es auch eine sehr arbeitsintensive Tätigkeit. Anfangs habe ich die anfallende administrative

Arbeit im Büro unterschätzt und zu viele Zugeständnisse gemacht, so dass mein Kalender

im ersten Schulhalbjahr sehr überfüllt war. Ein Problem ist dabei auch, dass die gesamte

Schuljahresplanung zu einem Zeitpunkt gemacht werden musste, als ich noch nicht wusste, wie

wenig Energie nach einem Interventionstag und morgendlichen und abendlichen Stunden im Pariser

Stau bleibt. Hinzu kamen unvorhergesehene Ereignisse, wie bspw. die Pariser Expolangues,


Ile-de-France

wo eine Präsenz des DeutschMobils überraschend doch noch möglich wurde. Mit der zweiten

Schuljahreshälfte ist es mir gelungen, weniger Kompromisse einzugehen und auch mehr Zeit für

Büroarbeiten und kreative Pausen einzuplanen.

Schön war, dass die Zusammenarbeit mit den France Mobil-Referenten in diesem Jahr ganz neue

Impulse erhalten hat, die es unbedingt fortzusetzen gilt.

Ich sehe in dem Projekt eine ganz wesentliche Stütze für die Bemühungen, die deutsche Sprache

in den französischen Schulen zu erhalten und zu fördern und gleichzeitig zahlreichen Schülern

einen ersten wichtigen Kontakt mit der deutschen Kultur zu ermöglichen. In Paris habe ich auch

immer wieder sehen können, wie sehr die Basisarbeit, die DeutschMobil leistet, nicht nur von den

Deutschlehrern, sondern auch von den Partnerinstitutionen geschätzt wird. Ich hoffe, dass das Projekt

seinen Erfolg noch viele Jahre fortsetzen kann und wünsche den kommenden DeutschMobil-

LektorInnen ein spannendes und interessantes Jahr!

Annette Gramß

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B erichte aus den Regionen

Languedoc-Roussillon

Lektorin......... Nora Günther-Schellheimer

Einsatzstelle.... Heidelberg-Haus Montpellier | Maison de Heidelberg Montpellier

Kontakt.......... 4 rue des Trésoriers de la Bourse

34000 Montpellier

Fon: (0033) 04 67 60 48 11

Fax: (0033) 04 67 66 22 29

deutschmobil@maison-de-heidelberg.org

Mit dem DeutschMobil 2006/2007 in den Startblöcken…

Als ich am 01.09.2006 meine Mission, das DeutschMobil durch sein 7. Aktionsjahr in der Region

Languedoc-Roussillon zu fahren, antrat, tat ich dies mit großer Vorfreude. Ich war außerdem voller

Inspirationen dank des Einführungsseminars der Robert Bosch Stiftung in Stuttgart sowie des

fruchtbaren Kontakts mit meiner Vorgängerin Annika Prause. Im Schuljahr 2006/2007 konnte das

DeutschMobil der Académie de Montpellier auf meinen vollen Einsatz zählen, ebenso wie auf die

enorme Nachfrage der Lehrerschaft, die mir eindrucksvoll den Erfolg dieser Aktion zur Förderung

der deutsche Sprache und Kultur vor Augen führte.

An meinem ersten Arbeitstag wurde ich im Heidelberg-Haus sehr herzlich von Projektleiter Kurt

Brenner als neue Lektorin empfangen und in der (seitdem regelmäßig stattfindenden) Montagssitzung

offiziell begrüßt. Bibliothek und ein Lehrerzimmer voller Lehrbücher standen mir von nun

an zur Verfügung. Nicht zu vergessen wartete auch ein schöner Mercedes-Vito auf seine erste Testfahrt.

Bevor ich in den Genuss des Reisens mit dem DeutschMobil kam, arbeitete ich mich im Heidelberg-Haus

weitestgehend selbständig und anhand der von meinen Vorgängerinnen stammenden

Unterlagen in sämtliche Bereiche ein. Ich widmete mich zum Schuljahresbeginn der Aufarbeitung

der Statistik über die Resultate der Schulbesuche des letzten Jahres, welche noch große Lücken

aufwies. Die von meiner Vorgängerin Annika Prause angefertigte Liste der nicht mehr besuchten

Schulen, berücksichtigte ich weitestgehend und kontaktierte die entsprechenden Ansprechpartner

in einem Begrüßungsbrief. Die Terminplanung ging im September, als ich durch meine Präsenz

und Mitarbeit an zahlreichen Sonderveranstaltungen der Deutschen Woche stark beschäftigt war,

noch etwas schleppend voran. Bei den Rendez-vous avec l‘Allemagne und am Tag der Vereine


Languedoc-Roussillon

Montpelliers konnte ich aber erste Kontakte zu DeutschlehrerInnen herstellen und Interventionen

planen. Darüber hinaus hatte ich Gelegenheit, mich erstmalig als Sprachanimateurin in den

DeutschMobil-Ateliers am Tag der offenen Tür und Tag der deutschen Sprache in der Maison de

Heidelberg auszuprobieren.

Die Terminanfragen häuften sich Ende Oktober und kamen vor allem von Seiten der Collèges.

Den im Schuljahresverlauf regelmäßig an das DeutschMobil adressierten Einladungen, konnte ich

leider nicht in vollem Maß nachkommen. Ich vermerkte sie aber in einer neuen Kontaktliste, die

ich meiner Nachfolgerin Inga Kappel hinterlasse. Bei der Schulauswahl und Terminvergabe achtete

ich darauf, Schulen den Vorrang zu geben, welche im Vorjahr nicht besucht worden waren, oder

bei welchen es sich um einen Erstbesuch des DeutschMobils handelte. Mit letzteren Fällen hatte

ich zugegeben seltener zu tun. Des Weiteren war es mir wichtig, die Ecoles Primaires der jeweiligen

schulischen Sektoren mit in die Aktion einzubeziehen.

Situation des schulischen Deutschunterrichts in der Académie de Montpellier

Das DeutschMobil ist in der Académie de Montpellier zu einer festen Größe der Fremdsprachenpolitik

geworden. Seit 2005 ist es offizieller Bestandteil des im Januar publizierten regionalen „plan

de relancement de l‘allemand“ (seine Ziele sind unter anderem: Einführung der 6ème bilangue,

der sections européennes), dessen positive Resultate vor allem für Deutsch als LV1 auf der Hand

liegen.

Am Ende der intensiven, schönen und zuweilen auch anstrengenden Tätigkeit meines DeutschMobil-Lektorates,

habe ich im Languedoc-Roussillon viele sogenannte „Stammschulen“ kennen

gelernt. Das sind meist Collèges, für die die jährlichen DeutschMobil-Besuche unverzichtbar

geworden sind. In zahlreichen dieser Schulen wurde meine Arbeit mit Dankbarkeit und Respekt

aufgenommen. Im Kontrast dazu, kam es aber leider auch vor, dass ich völlig links liegen gelassen

wurde. Bei besonders schlechtem Empfang und ungenügender Vorbereitung durch die Stammschule,

sollte man auf den jährlichen Wiederholungsbesuch verzichten.

Unter den engagierten Lehrerinnen und Lehrern der Region gibt es manche, für die es schwer ist,

jedes Jahr aufs Neue für ihr Fach „werben“ zu müssen (bei Schülern und Kollegen). Sie sind darum

sehr dankbar für diese Aktion, bei der eine „echte“ junge Deutsche die SchülerInnen spielerisch

an die deutsche Sprache und Kultur heranführt. Oft wurde ich von den Lehrern im Laufe eines

Schultages gebeten, doch noch einmal für die Klasse zu singen - das käme besonders gut an - bzw.

diese oder jene attraktive Aktivität zu wiederholen. Tatsächlich ermöglichte gerade das Konzept

des DeutschMobils in vielen Schulen die Eröffnung einer LV1 oder LV2, was ich als motivierend

empfunden habe.

Im Laufe meiner Arbeit (vor allem in den Schulen) habe ich viel mit Lehrern und Schulleitern

der Region über die Vorurteile gegenüber der deutschen Sprache gesprochen, zum Teil heiß diskutiert.

Im Allgemeinen ist man sich darüber einig, dass die deutsche Sprache durch die Nähe zu Spanien

bzw. die Attraktivität des Spanischen und das allgemein akzeptierte Monopol der englischen

Fremdsprache wenig Anreiz für Schüler und deren Eltern bietet. Das durch die Medien vermittelte

Deutschlandbild bezieht sich meiner Meinung nach noch stark einseitig auf folgende Themen:

Zweiter Weltkrieg, Hitlerdeutschland, Politik, Industrie, Umweltbewusstsein der Deutschen, im

letzten Jahr zeitweise Fußball-WM, die Feierlaune der Deutschen und Berlin, Berlin, Berlin…

Wenn ich von meiner Heimatstadt sprach und der Tatsache, dass ich aus dem Osten Berlins

komme, war meist das Interesse geweckt. Was die deutsche Kultur betrifft, so kennen viele Teenager

das deutsche Nationalgetränk Bier; den Europa-Park, Rammstein, Seeed, Schnappi und vor

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Languedoc-Roussillon

allem Tokio Hotel sind sehr beliebt. Die wenigsten Kinder und Jugendlichen aber waren schon

einmal in Deutschland. Während sich die Grundschulkinder zu meiner Freude schnell begeistern

ließen, begegnete ich im Sekundarbereich manchmal spürbarem Desinteresse oder sogar Abneigung

gegenüber dem Deutschen und Deutschland. So wurde ich einmal mit einem gezielt provozierenden

„Achtung! Adolf Hitler“ eines Schülers empfangen, auf das der Fachlehrer erstaunlicherweise

nichts entgegnete... In solchen Momenten war es schwierig, Ruhe zu bewahren und die Animation

mit der gewohnten Motivation durchzuführen. Es kam nur zweimal vor, dass die Situation

unverändert feindlich blieb, so dass ich meiner Verärgerung Ausdruck verlieh und von meinen

Urgroßeltern erzählte, die Antifaschisten gewesen sind. Das Lied „Sag mir wo die Blumen sind“

sang ich dagegen häufiger, wenn wir über den zweiten Weltkrieg sprachen. Auf diese und andere

Weise stellte ich mich diesen Herausforderungen des Schulalltags und freute mich, wenn es mir am

Ende der Stunde offenbar doch gelungen war, das Eis zu brechen.

Als problematisch empfand ich, dass Deutsch in den Gesprächen mit Erwachsenen und Jugendlichen

immer noch in der Rangfolge der „schweren Sprachen“ gleich nach Latein eingeordnet wurde.

Deutsch sei nur etwas für besonders leistungsstarke Schüler! Das Konzept der „classe bilangue“ (die

Schüler der 6ème lernen jeweils zwei Stunden Englisch und Deutsch in der Woche) hat dort, wo

sie eingeführt wurde, offensichtlich Deutsch als erster Fremdsprache beachtlichen Erfolg gebracht,

aber das Leistungsprinzip wird dadurch mancherorts eher noch verschärft. Viele Eltern und selbst

Lehrer sind skeptisch, ob die Kinder das Pensum schaffen.

Die Situation des schulischen Deutschunterrichts in der Region ist sehr heterogen. Der „Plan de

relance de l‘allemand“ sieht vor, dass qualifizierte Grundschullehrer nun auch ihren Schülern erste

Deutschkenntnisse vermitteln sollen. In vielen Primarschulen wird Englisch von Seiten der Direktion

oder des Lehrpersonals ganz klar dem Deutschen vorgezogen. Es gibt jedoch glücklicherweise

allerorts engagierte Deutschlehrer und Direktoren, denen es zu verdanken ist (wie es in einem

Stadtviertel Montpelliers der Fall ist), dass Deutsch schon in der Primarstufe und als LV1 am

Collège einen gesicherten Stand hat. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist es, die Schulleitung

für die Aktion zu gewinnen. Dazu als DeutschMobil-Lektorin mit beizutragen, war eines meiner

Ziele.

Zusammenarbeit mit dem IPR

In seiner Lettre de la rentrée 2006 hat der IPR-IA d‘allemand der hiesigen Académie Norbert

Biscons mich als neue DeutschMobil-Lektorin herzlich willkommen geheißen bzw. meiner

Vorgängerin Annika Prause für ihre Arbeit gedankt und alles Gute gewünscht. Mit dieser schönen

Geste wies M. Biscons die Deutschlehrer der Region auf die Aktion DeutschMobil hin, die er

offensichtlich schätzt und im Laufe des Schuljahres auch förderte. Mein erstes Treffen mit unserem

IPR-IA d‘allemand fand im Heidelberg-Haus, im Beisein von Kurt Brenner, Hans Demes und von

Nadine Gruner statt, welche gute kooperative Kontakte zu M. Biscons pflegen. So wurde in diesem

Schuljahr in enger Zusammenarbeit mit der französischen Schulbehörde die Deutsche Woche Languedoc-Roussillon

2007/2008 geplant und - im Rahmen der deutsch-französischen Woche (vom

22. bis 27. Januar 2007) - die mit dem DeutschMobil verwandte Aktion Cousins Germains vorgestellt,

bei der deutsche Mitbürger auf Einladung der Schulleiter bzw. der Deutschlehrer in den

Schulen der Region einen besonderen Aspekt ihres Heimatlandes vorstellen können.

Zu Schuljahresbeginn ließ mir M. Biscons freie Hand bei der Auswahl der Schulen. Im Laufe

des Schuljahres habe ich mehrfach erfahren, dass unser IPR bei einem konkreten Anliegen und


Languedoc-Roussillon

Problem gern und spontan zur Hilfe kommt. Ich versuchte im Gegenzug, ihn bezüglich meiner

Tätigkeit in der Akademie auf dem Laufenden zu halten. So hat M. Biscons auf mein Signal hin,

dass zum Schuljahresbeginn hauptsächlich Collèges Interesse am DeutschMobil bekundeten (also

wenig Initiativen für Deutsch als LV1 ergriffen werden) die Information der vorweihnachtlichen

Animationen des DeutschMobils - mit Adventskranz, Nikolaus und Weihnachtsliedern - im Primarbereich

ausgestreut. Daraufhin meldeten sich zu meiner Freude viele Grundschullehrer für eine

solche DeutschMobil-Intervention an.

Im Januar hat der IPR auf meine Einladung hin, an der Informationsveranstaltung und Weiterbildung

für Lehrer am IUFM in Carcassonne mitgewirkt. Er hat dort über die Situation in der Region

geredet, und ich habe im Anschluss didaktische Methoden des DeutschMobils vorgestellt.

Ein letztes Mal traf ich M. Biscons Ende Juni im Heidelberg-Haus, der extra vorbeikam, um die

anlässlich des gemeinsamen Seminars angereisten DeutschMobil und France Mobil-Lektoren in

Montpellier zu begrüßen und deren Arbeit zu würdigen.

Statistisches: Schulbesuche und Reiseradius im Schuljahr 2006/2007

Im Schuljahr 2006/2007 habe ich mit dem DeutschMobil in den Académien Montpellier (Départements

Hérault, Gard, Aude, Pyrénées-Orientales, Lozère) und Grenoble (Auslagerung in die

Départements Drôme, Ardèche, Savoie und Haute-Savoie)

- 112 Schulen besucht

- 320 Interventionen durchgeführt

- 7.978 Schüler kontaktiert

- 6 Elternabende mitgestaltet (davon 1 im Dép. Drôme)

- und ca. 22.000 km zurückgelegt.

Auf meinen Reisen mit dem DeutschMobil wurde das Navigationsgerät, über das wir LektorInnen

seit Januar verfügen, sogleich zu einem unverzichtbaren Hilfsmittel, das die Anfahrt in die Schulen

enorm erleichterte. Vielen Dank dafür !

Elternabende

Die Nachfrage nach Elternabenden war auch in diesem Schuljahr enttäuschend gering. Diese Tatsache

finde ich dahingehend bedauerlich, dass es doch meist die Eltern sind, die nach einem noch

so motivierenden Kontakt der Schülerinnen und Schüler mit der deutschen Sprache bzw. der

DeutschMobil-Lektorin, die Fremdsprachenwahl ihrer Kinder treffen. Oft fällt die Wahl aufgrund

von allgemein verbreiteten hartnäckigen Missverständnissen über die deutsche Sprache oder negativen

Erfahrungen aus dem eigenen auf ausschließlich schriftlichen Ausarbeitungen basierenden

Deutschunterricht, gegen Deutsch.

Bei den sechs Elternversammlungen, welche ich gemeinsam mit den DeutschlehrerInnen und

teilweise mit anderen Fremdsprachenlehrern und Schulleitern veranstaltete, erschienen allerdings

durch gute Vorinformation jeweils bis zu vierzig Eltern. Häufig wurden hier vor allem Fragen zum

Konzept der classe bilangue gestellt, auf dessen Darstellung ich mich intensiv vorbereitete. Mit Hilfe

einer auf Folie gedruckten Power Point Präsentation und der Broschüre L‘Allemand, passeport pour

l‘Europe erläuterte ich Argumente für das Deutschlernen, präsentierte Resultate aktueller Statistiken,

um auf die Bedeutung der deutschen Sprache innerhalb Europas und in deutsch-französischen

Handelsbeziehungen hinzuweisen.

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Languedoc-Roussillon

Darüber hinaus verteilte ich Broschüren des DFJW über die diversen Möglichkeiten von Deutschlandaufenthalten

und Schüleraustauschreisen und berichtete schließlich gerne auch von meinen

persönlichen Erfahrungen beim Sprachenlernen. Das Argumentieren auf der persönlichen Ebene

nimmt den Eltern oft schneller die Skepsis und Scheu als die Darstellung von Fakten.

Während zwei solcher Elternabende hatte ich außerdem die ideale Gelegenheit, in einer kleinen

Animation mit anwesenden Kindern oder Jugendlichen vorzuführen, wie schnell sich Lernerfolge

im Deutschunterricht einstellen und dieser Spaß machen kann.

Ablauf der Interventionen und verwendetes Material

In den meisten Interventionen des Schuljahres 2006/2007 erlebten die Schülerinnen und Schüler

einen Erstkontakt zur deutschen Sprache und oft auch zu einer Deutschen. Der Ablauf der einzelnen

Stunde variierte dabei in Abhängigkeit vom Alter der Kinder und natürlich von der Situation.

Es ist darum nicht meine Absicht, hier ein fertiges Rezept für den typischen Stundenablauf in der

Ecole Primaire sowie im Collège vorzustellen. Vielmehr möchte ich auf die Grobstruktur, Lernziele

und konkrete Animationsbausteine eingehen.

Bei der Stundenkonzipierung schöpfte ich viele schöne Ideen, die sich in den Vorjahren angesammelt

und bewährt haben, aus dem Handbuch der Sprachanimation unserer DeutschMobil-

Vorgänger. Außerdem konnte ich ein wenig von meinen Kenntnissen aus der Didaktik und

Methodik des Fremdsprachenunterrichts profitieren.

Vor allem zu Beginn des Schuljahres hatte ich aber großen Spaß daran, ständig neue Aktionsformen

auszuprobieren und zu erfinden. Obwohl ich stets versuchte, einen roten Faden zu verfolgen,

war ich für willkommene Fragen und Kommentare der Schüler offen und bereit, vom geplanten

Ablauf abzuschweifen. Rückblickend glaube ich, dass es die Kunst der Sprachanimation ist, flexibel

auf Stimmungen und Interessen einzugehen und dabei den Schülern in kurzer Zeit möglichst

vielfältige Erfolgserlebnisse und positive Erfahrungen mit deutsch, deutscher Kultur, Landeskunde

mit auf den Weg zu geben. Mir war es immer wichtig, auf aktuelle kulturelle Ereignisse in Deutschland

(Tag der deutschen Einheit, Nikolaus, Advent, Jahrestag des Elyséevertrages, Karneval, Ostern

etc.) mit entsprechendem Bildmaterial und darauf angepassten Aktivitäten einzugehen und mein

Programm ständig zu verändern. Auf die Bildmedien (Familienfoto, Foto von Angela Merkel und

Nikolas Sarkozy bei ihrem ersten Treffen nach der Wahl des französischen Präsidenten, Landschaftsaufnahmen

im Deutschlandkalender) reagierten die Kinder oft mit einem bewundernden

Staunen, dass mich immer wieder amüsierte.

Struktur

Zu einer jeden DeutschMobil-Animation gehörten die Argumentation für die deutsche Sprache

und ein Gespräch über die deutsch-französischen Beziehungen und Austauschmöglichkeiten. Diese

Bausteine können meiner Erfahrung nach gut in den Theorieteil (Begrüßung, Einstiegsvortrag

und Unterrichtsgespräch für das Hörverständnis, Eigenschaften der deutschen Sprache) integriert

werden. Sie lassen sich aber auch im praktisch angelegten Stundenteil thematisieren (Quiz, Frage

am Ende eines Sprachspiels: „War das wirklich so schwer?“).

Theorie- und Praxisteile meiner Intervention (im Handbuch erläutert) versuchte ich, stets sinnvoll

miteinander verschmelzen zu lassen, wobei sich zeigte, dass man den theoretischen Teil in

der Grundschule noch stärker abkürzen und in der Regel in spielerische Aktionsformen einbetten

muss. Eine Schwierigkeit war für mich anfangs, die vielen Ziele in der Kürze der Zeit zu realisie-


en: Kenntnisse über Aussprache, Orthografie (Klischees brechen, Deutsch sei schwer), Argumente

für Deutsch vermitteln, moderne Kultur, Spaß, Lernerfolge etc. Ich lernte im Laufe des Jahres,

den Erfolg der jeweiligen Intervention nicht an der Vollständigkeit der Unterrichtsaktivitäten zu

messen, sondern an der Reaktion meiner Schüler.

Leitprinzipien: Methodenwechsel, Medienwechsel, buntes Tafelbild, möglichst viel Visualisierung

und Handlungsorientierung (Schüler agierten und sprachen selbst)

Begrüßung

Als ich am Stundenbeginn jedem Schüler einzeln die Hand schüttelte und „Guten Tag“ oder

„Hallo“ sagte, löste das oft Erstaunen und Gelächter aus. Anfang des Jahres stellte ich - zum Teil

mit dem Deutschlehrer - auf Französisch das Ziel der Stunde dar und fragte, wer schon einmal

in Deutschland gewesen sei oder deutsche Worte kenne? Diese Etappe verschob ich später in den

hinteren Teil der Stunde, um die Schüler glauben zu lassen, ich spräche nicht ihre Muttersprache,

sondern nur deutsch. So mussten sie meinen Erzählungen aufmerksam folgen, was meist erstaunlich

gut klappte.

Einstiegsvortrag für das Hörverständnis

Sprache lernen beginnt mit Hören: ich stelle mich also mit transparenten Worten und großen

Gesten auf Deutsch vor (Hallo! Mein Name ist Nora. Ich komme aus Deutschland, aus Berlin).

Ich erzählte dann, dass ich mit dem Auto (ich heftete dabei DeutschMobil-Logo oder ein Foto

an die Tafel) nach [Perpignan] gekommen war, präsentierte Deutschland mit Himmelsrichtungen

(das Meer im Norden, die Alpen im Süden, im Zentrum von Europa) und die Nachbarländer auf

Deutsch vor. Schließlich sprach ich über meine Familie, mein Hobby, die Musik etc. In der Grundschule

legte ich während dieses kleinen Vortrags gerne die Deutschlandkarte mit den Fotos auf den

Boden in die Mitte der im Kreis sitzenden Kinder, ich zückte den Berliner Bären und sprach mit

verstellter Stimme vereinzelt die Kinder an: „Und ich bin der Berliner Bär. Ich komme auch aus

Berlin!“ Anschließend wurde ein Brainstorming durchgeführt („Was habt ihr verstanden?“); wir

sammelten alle Wörter an der Tafel und versuchten sie in den richtigen Kontext zu stellen. Das

gelang auch meistens sehr gut. Am Ende schlussfolgerten wir, dass Deutsch gar nicht so schwer sein

kann, da sie ja bereits alles verstanden hätten, ohne vorher Deutsch gelernt zu haben.

Auf meine anschließende Frage nach der meistgesprochenen Muttersprache Europas lautete die

Antwort fast immer Englisch. Die Überraschung war oft sehr groß, wenn ich ihnen mitteilte, dass

es Deutsch sei. Nun suchten wir mit Hilfe der Landkarte die Länder Europas, in welchen Deutsch

als Muttersprache gesprochen wird.

Die deutsche Sprache

Languedoc-Roussillon

In einem weiteren Schritt ließ ich die Kinder transparente englisch-deutsche oder französischdeutsche

Wortpaare raten (Wortfelder: Himmelsrichtungen, Familie, Musik, Gitarre, Bär). Dabei

zeigte ich gerne das entsprechende Bild oder Objekt.

Fast immer sang ich ein kurzes deutschsprachiges Lied, das ich mit der Gitarre begleitete. Zu den

beliebtesten Liedern gehörten „Durch den Monsun“ (Tokio Hotel) oder „Irgendwie, irgendwo,

irgendwann“ (Nena) bei den Collégiens und „Guten Tag sagen alle Kinder“ oder „1, 2, 3, 4 Drakula“

bei den Grundschülern, die ich dann zum Mitsingen motivierte.

Nachdem ich ihnen einige Grundregeln der deutschen Aussprache und Rechtschreibung erklärt

hatte (1. keine Nasale (Berlin, Frankfurt, Hamburg), 2. man spricht, wie man schreibt (Paris, Fami-

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Languedoc-Roussillon

lie, Banane, 3. man schreibt, wie man spricht Eskimo) sangen wir manchmal ein rhythmisch flottes

Lied zum Alphabet oder einen Rap, bei dem wir die aus dem Einstiegsvortrag bekannten Worte

übten, und schnipsten oder klatschten dazu. Wir übten die Aussprache dann auch beim Spielen

von „Memory“ oder „Montagsmaler“ mit transparenten Worten oder in kleinen Dialogen.

Kurze Dialogformen, Vokabular für erste Konversationen

In jeder DeutschMobil-Stunde in Ecole Primaire und im Collège spielte ich mit den Kindern

Handball. Ein bunter Schaumgummiball wanderte dabei durch den Raum und jeder der ihn fing,

konnte sich auf Deutsch vorstellen: „Hallo! Ich bin Nora und Du?“ Das gleiche Spiel klappte

in der Grundschule gut mit dem Berliner Bär-Plüschtier. Im Anschluss an die Vorstellungsrunde

folgte manchmal das „Wie geht‘s?-Spiel“, bei dem die Kinder und Jugendlichen viel sportlichen

Einsatz zeigten. Das Spiel war allerdings nur realisierbar, wenn ich die Stühle im Kreis aufstellen

konnte und die Klasse nicht zu lebhaft war. Häufig sprachen wir auch über unsere Hobbys („Ich

mag Musik! Magst Du Musik? Sport?“ - „Ja/ Nein!“) oder spielten Kurzdialoge im Supermarkt mit

Haribo oder Ritter Sport: „Ein Haribo bitte! Dankeschön“, „Nein danke“!

Deutsche Landeskunde/ Kultur

Zu meinen Spiel- und Arbeitsmaterialien im Bereich der Landeskunde gehörten neben den bereits

genannten die ARTE-DVD „Karambolage“ (Episode zu den Nachbarländern Deutschlands),

Deutschland-Puzzle, die ich oft in Gruppen machen ließ, bunte Wortkarten mit Länder- oder

Städtenamen, ein Deutschland-Quiz und ein Spiel zur deutschen Hit-Parade (Arbeitsblatt, CDs

von Tokio Hotel, Seeed, Juli, Herbert Grönemeyer etc.). Bei vielen landeskundlichen Spielen

konnte man Preise gewinnen; am Ende einer Stunde hatten in der Regel alle Schülerinnen und

Schüler ein kleines Souvenir (Radiergummi, Schlüsselband, Haribo) erhalten.

In der Vorweihnachtszeit konnten viele Grundschulkinder deutsche Nikolausbräuche, traditionelle

Weihnachtslieder und Plätzchenrezepte kennen lernen. An einem warmen sonnigen Tag im

Dezember fuhr ich mit dem DeutschMobil nach Montlaur ins Umland von Carcassonne und

wurde von unserem Zivildienstleistenden des Heidelberg-Hauses Marius Stadler begleitet, der als

Nikolaus verkleidet war. Zu unserer Überraschung standen die erwartungsvollen CM1 und CM2

Schüler bereits am Zaun und empfingen uns mit Jubelrufen.

Stundenende

Oft neigte sich die Stunde zu schnell dem Ende zu. Deshalb ging ich noch kurz auf die Sprachenwahl

ein und verteilte den Elternbrief mit der Bitte, ihn am Abend den Eltern zu zeigen

und abzeichnen zu lassen. Oft bekamen die Kinder zusätzlich das Arbeitsheft „En route vers

l‘Allemagne“ vom Goethe-Intitut, die mit zusätzlichen Informationen und Spielen ein schönes

Souvenir ist oder die Broschüre L‘Allemand, Passeport pour l‘Europe. Wenn noch ein wenig Zeit

blieb, spielte ich in der Ecole Primaire das Spiel Berliner-Plüschbär-Werfen, bei dem jeder ein deutsches

Wort sagen konnte, welches er gelernt hatte, oder las aus dem Bilderbuch „Die kleine Raupe

Nimmersatt“ vor. Am Ende verabschiedete ich mich mit „Auf Wiedersehen“ und „Tschüss“ und

bedankte mich für die Aufmerksamkeit. Oft stellten mir die Kleinen beim Einpacken die Frage

Madame, est-ce que tu reviens demain ou la semaine prochaine ?


Außeneinsatz in Rhône-Alpes

Languedoc-Roussillon

Vom 03. bis zum 25. Mai 2007 fuhr ich das DeutschMobil Montpellier in den Départements

Drôme, Ardèche, Savoie und Haute-Savoie der Académie de Grenoble und hatte mit 3215 Kilometern

einen großen Reiseradius zu bewältigen. Ich machte an insgesamt 24 Schulen Station und

konnte in 50 Animationen 1.209 Schülerinnen und Schüler im Alter von 7-15 Jahren kontaktieren.

Auf ausführliche Darstellungen meines Aufenthaltes in Rhône-Alpes möchte ich an dieser

Stelle verzichten, da in diese in meinem separaten Bericht über die Auslagerung vorgenommen

wurden.

Presseresonanz

Im Languedoc-Roussillon und in der Académie de Grenoble entstanden im Schuljahr 2006/2007

vielfach Ergebnisse gelungener Pressezusammenarbeit. Dies trifft vor allem auf das Département

Aude, Carcassonne und Umland, zu. Hier war das Presseecho dank der Bemühungen seitens

der Deutschlehrer und einzelner Vertreter der Comités de Jumelage außerordentlich gut - bei

nahezu jeder Intervention war ein Vertreter der Lokalpresse anwesend. So kam es, dass man das

DeutschMobil nicht nur regelmäßig auf den Straßen entdecken, sondern auch in der Lokalzeitung

regelmäßig seinen Spuren folgen konnte.

Neben den anlässlich von Schulbesuchen erschienenen Zeitungsartikeln erschienen weitere

Informationsbeiträge und Hinweise auf das DeutschMobil in Presse und Rundfunk. Im November

beispielsweise wurde ich von einem freien Journalisten in ein Collège in Montpellier begleitet.

Aus seinen Tonaufnahmen (vor und während der Intervention) sowie den Interviews mit Kurt

Brenner und mir bastelte dieser einen sehr schönen Beitrag für das Deutschlandradio (Reihe

Campus&Karriere), der am 28.11.2006 auf Sendung ging.

- Im März gab ich einer Journalistin der Tageszeitung La Croix ein Interview über die Aktion

DeutschMobil, die sie unter dem thematischen Aspekt „Frankreich - Blick nach Europa“ bzw. die

deutsch-französischen Beziehungen präsentierte.

- Ebenfalls in der zweiten Schuljahreshälfte entstanden Pressebeiträge auf Grundlage mehrerer

Interviews (The Associated Press, Le Figaro), in welchen ich über den unbestreitbar vorteilhaften

Einfluss der Boyband Tokio Hotel auf das Interesse der französischen SchülerInnen unserer Region

an Deutschland und der deutschen Sprache berichten konnte. Bleibt zu hoffen, dass auch andere

Höhepunkte der deutschen Gegenwarts- und Jugendkultur noch häufiger in die französischen

Medien gelangen, damit sich die heranwachsende Generation ein aktuelles Bild von Deutschland

machen kann.

Beeinträchtigt wurde die Pressearbeit leider wie schon in den Vorjahren gelegentlich durch die

Nachlässigkeit mancher Deutschlehrer, die es trotz mehrfacher schriftlicher und mündlicher Hinweise

versäumten, einen Vertreter der Lokalpresse anlässlich des DeutschMobil-Besuchs einzuladen.

Gerade in großen Städten, wie Montpellier und Nîmes erfuhr ich in der Regel mangelnde

Präsenz der Presse, die aber weniger auf einem Versäumnis der Lehrer beruhte, als den Vertretern

der Presse selbst zuzuschreiben ist.

Als wenig gewinnbringend habe ich das kurzweilige Erscheinen einiger Journalisten mitten im

Unterricht empfunden, genauer gesagt, deren Hintergrundgespräche mit den Lehrern, die Unruhe

in die Klassen brachten. Teilweise wartete ich vergeblich auf die Zusendung des entsprechenden

Artikels und musste zu immer kreativeren Maßnahmen der Artikelbeschaffung greifen. Mal

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Languedoc-Roussillon

enttäuschend, mal erheiternd waren die immer wieder auftauchenden kleinen Ungenauigkeiten

und Fehler, wie bei der Schreibweise der Worte „DeutschMobil“, „Guten Tag“, „Tokio Hotel“

etc. Auch inhaltliche Lücken ließen sich nicht immer vermeiden. Für meinen Außeneinsatz

hatte ich zusätzlich zum normalen Presse-Communiqué eine Mitteilung über den Aufenthalt des

DeutschMobils in der Region Rhône-Alpes und die baldige Einführung eines eigenen Mobils zur

Förderung der deutschen Sprache verfasst. Ein einziger Journalist hat diese Information tatsächlich

für seinen Artikel aufgegriffen.

Dass es dennoch gelingt, dank der Presse, die Aktionen des DeutschMobils mit Erfolg an die

breite Öffentlichkeit zu bringen, habe ich an den vielen positiven Reaktionen der Menschen, ob in

Schule, im Heidelberg-Haus und auch in der Freizeit erfahren.

Sonderaktionen

09.09.2006 Journée des Associations in Pérols

Am Tag der Vereine Pérols präsentierte das Comité für die Städtepartnerschaft Pérols - Flörsheim

seine Aktivitäten in der Galerie des Einkaufszentrums Auchan. Das DeutschMobil war am Nachbarstand

präsent und sorgte für Informationen rund um die Aktion DeutschMobil und das

Erlernen der Sprache des Nachbarlandes, sowie über den deutsch-französischen Austausch auf

schulischer und universitärer Ebene.

10.09.2006 Antigone des Associations in Montpellier

Wie jedes Jahr fand im September der Tag der Vereine Montpelliers im Stadtviertel Antigone statt,

welches sich großflächig von der Place Paul Bec bis hin zum Lez erstreckt. Hier stellen sich jährlich

die mehr als 5.000 Vereine der Stadt vor, u.a. das Heidelberg-Haus und seine Mitarbeiter. Die

an unserem Stand Vorbeigehenden konnten Informationen über die Aktivitäten des Kulturhauses

einholen: dazu zählen der Deutschunterricht, kulturelle Veranstaltungen und Angebote der bevorstehenden

Deutschen Woche und des beginnenden Schuljahres, Austauschprogramme des DFJW,

das Programm Classe@Klasse und natürlich das DeutschMobil. Darüber hinaus war dieser Tag eine

Chance für mich, gleich zu Schuljahresbeginn wichtige Kontakte zu Deutschlehrern in Montpellier

und Umgebung zu knüpfen. Etwa 100.000 informations- und kontaktsuchende Besucher wurden

an diesem ereignisreichen Tag gezählt, der für eine Integrierung in das kulturelle Leben Montpelliers

ein Muss ist.

20.09.2006 - Journée des ressources éducatives au Conseil général de l‘Aude

Thema dieses Tages war der Fremd- und Regionalsprachenunterricht im Département Aude. Unter

den Schulbuchverlagen und sonstigen Ausstellern war das DeutschMobil, um Deutsch als Fremdsprache

zu repräsentieren, den anwesenden Deutschlehrern Informationsbroschüren unserer Partner

(OFAJ, CIDAL, DAAD und die Verlage) zur Verfügung zu stellen bzw. um Auskünfte zu

erteilen über Austauschmöglichkeiten, Lehrmaterial und natürlich DeutschMobil-Interventionen.

An diesem Tag hatte ich Gelegenheit, Deutschlehrer aus dem Aude und unseren IPR kennenzulernen.

23.09. bis 03.10.2006 Deutsche Woche im Languedoc-Roussillon

Die diesjährige Deutsche Woche war gleichzeitig Auftakt zu den Feierlichkeiten des 40. Jahrestages

der Städtepartnerschaft Montpellier - Heidelberg. Das DeutschMobil hat teilweise zur Organisation

der insgesamt 87 Veranstaltungen unterstützend beigetragen. Besonders stark eingebunden


war ich bei der Durchführung folgender Veranstaltungen:

23./27. September: Tag der offenen Tür sowie am Tag der deutschen Sprache

Languedoc-Roussillon

Zu diesen Anlässen leitete ich jeweils ein DeutschMobil-Atelier für Kinder und Erwachsene, die

hier die deutsche Sprache spielerisch und musikalisch kennenlernen konnten.

25.-27. September: Rendez-vous avec l‘Allemagne in Béziers, Sète und Perpignan

An drei Tagen der Deutschen Woche war ich mit für die Moderation der Rendez-Vous avec

l‘Allemagne in einem Gymnasium in Béziers, im Salle Rabelais in Sète und im Cinéma Castillet

in Perpignan zuständig. Ich begleitete die sechs jungen sympathischen und vor allem wunderbar

mehrstimmig a-capella singenden Männer des Vokalensembles Stimmband, alles ehemalige Regensburger

Domspatzen, auf Konzerttournee. Ich eröffnete die Konzerte mit einleitenden Worten und

Erläuterungen des Repertoires aus englisch- und deutschsprachigen mehrstimmigen Sätzen und

sang mit ihnen gemeinsam den Satz Dream a little dream of me. Rückblickend sind diese Veranstaltungen

von besonders großer Breitenwirkung. Sie vermitteln den begeisterten Schülern (in diesem

Fall vor allem Schülerinnen) ein jugendlich modernes Bild von den Deutschen und ihrem Land

und durch die Musik gelingt der spontane Zugang zur anderen Kultur.

05.12.2006 Vorweihnachtliches Rendez-Vous avec l‘Allemagne in Carcassonne

Die Abendveranstaltung für Eltern, Schüler und Deutschlehrer im Collège Varsovie fand im

Anschluss an drei Sprachanimationen des DeutschMobils statt und wurde eingeleitet durch einen

musikalischen Vortrag der im Unterricht zuvor geübten Weihnachtslieder, den ich leitete und an

der Gitarre begleitete. Gemeinsam mit Hans Demes, der den Tag gemeinsam mit der Deutschlehrerin

vorab geplant hatte, und im Verlauf des Abends einen Vortrag über Berlin hielt, sowie

mit Nadine Gruner und unserem Zivildienstleistenden Marius Stadler, verkleidet als Nikoläuse,

versuchten wir deutsche Traditionen lebendig zu präsentieren (Glühwein, Lebkuchen, Adventsschmuck)

und vorweihnachtliche Stimmung unter den Anwesenden zu verbreiten.

7. Dezember 2006 Sprachanimationen im Heidelberg-Haus in Montpellier

An diesem Tag erhielten wir Besuch von den Schülern und Schülerinnen einer 8. Klasse (4ème) aus

Montpellier, die das Heidelberg-Haus besichtigten und an einer Sprachanimation teilnahmen. Die

Schüler befanden sich bereits im dritten Lernjahr Deutsch als erste Fremdsprache und konnten im

Gespräch (sie hatten Fragen vorbereitet) ihr Können erproben und unter Beweis stellen.

24.01.2007 Journée académique franco-allemande

Zu diesem Anlass versammelten sich im CRDP Montpellier die DeutschlehrerInnen der Region.

Der Recteur der Akademie Christian Nique vergab an 130 ebenfalls anwesende Schüler ein europaweit

anerkanntes Deutschdiplom und stellte die ersten positiven Resultate des im Januar 2005

veröffentlichten Planes zur Ankurbelung des Deutschunterrichts im Languedoc-Roussillon vor;

Hans Demes präsentierte seine Aktion Cousins Germains. Mit Unterstützung der Praktikanten des

Heidelberg-Hauses war ich verantwortlich für den Aufbau und die Leitung eines Informationsstandes

über das DeutschMobil, mit Broschüren über Schüleraustausch- und Studienmöglichkeiten für

Deutschlernende etc. Dabei halfen mir Praktikanten; später servierten wir einen deutschen Imbiss,

Kartoffelsalat und Würstchen. Dieser Tag ermöglichte mir, den IPR Norbert Biscons erneut zu treffen,

viele bekannte Deutschlehrer wieder zu sehen oder kennen zu lernen. Ich konnte hier wichtige

Absprachen über bevorstehende Schulbesuche treffen und meine letzten Anmeldungen entgegennehmen.

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Languedoc-Roussillon

31.01.2007 Weiterbildungsseminar für Lehrer am IUFM de Carcassonne

Zusammen mit dem IPR Norbert Biscons und der Verantwortlichen für den Service d‘échange des

Heidelberg-Hauses Karen Eifler war ich von einer Deutschlehrerin am 31. Januar als Referentin

zum Weiterbildungsseminar in das IUFM eingeladen, um den anwesenden Studenten und Lehrern

das DeutschMobil, Ziele, Inhalte und didaktische Methoden meiner Arbeit als DeutschMobil-

Lektorin vorzustellen. Ich sprach nicht nur über Prinzipien der Sprachanimation, sondern auch

über Material und Schulbuchverlage, die für den Deutschunterricht von Interesse sind, sowie über

Formen des deutsch-französischen Austausches. Im Anschluss daran, haben die Studenten uns ein

Mittagessen spendiert und wir sahen uns den Film „Gegen die Wand“ an.

22. - 25.03.2007 Leipziger Buchmesse

Gemeinsam mit Sabine Pretscher, Lektorin aus Toulouse und Nadine Gruner vertrat ich vom

22.-25.03.2007 das DeutschMobil am Stand von DeutschMobil auf der Leipziger Buchmesse,

gleich neben den France Mobilen. Wie in den Vorjahren hatten die beiden Aufsehen erregenden

Sprachmobile einen idealen Platz mitten in der schönen Glashalle, die jeder Besucher der Messe

unweigerlich durchquert, und direkt neben dem „Blauen Sofa“.

Ziel des DeutschMobils war es, im Unterschied zum France Mobil (welches hier eine prima Gelegenheit

für die Werbung für die französische Sprache und Frankreich wahrnahm), in erster Linie,

den Kontakt zu unseren Partnern ARTE, Hueber, Klett, Langenscheidt und Larousse zu suchen

bzw. neue Kontakte zu knüpfen. In Zusammenarbeit mit den France Mobil-Referenten, für die

wir mit diversen Informations- und Bildmaterialien aufwarteten, haben wir darüber hinaus im Vorfeld

ein attraktives deutsch-französisches Quiz entworfen. Auf diese Weise konnten wir erfolgreich

viele Passanten an unseren Stand locken, um am Quiz teilzunehmen bzw. an der spektakulären

stündlichen Verlosung von Mercedes-Fußbällen und Werbegeschenk-Paketen anderer Partner.

10.03.2007 Tag der offenen Tür in Villeneuve-lès-Avignon

Auf Einladung einer Deutschlehrerin in Villeneuve-lès-Avignon fuhr ich am 10. März zum Tag der

offenen Tür des Institut Sancta Maria, um auf dessen Hof einen Informationsstand im und am

DeutschMobil anzubieten. Hier wollte ich über die Animationen des DeutschMobils berichten,

an welchen die Schüler und Schülerinnen einer CM2 Klasse und vier 5ème-Klassen der Schule am

Vortag teilgenommen hatten, und Auskunft über Deutsch als erste und zweite Fremdsprache im

Institut Sancta Maria erteilen. Leider kam ich mit den vorbeilaufenden Eltern kaum ins Gespräch,

außer mit den ohnehin schon Deutschinteressierten. Problematisch hierbei war weniger der vom

Deutschraum isolierte Standort, als vor allem die Abwesenheit der Deutschlehrerin. Beeinträchtigt

wurde diese Aktion außerdem durch den starken Mistral-Wind, der den Sand ebenso wie die Prospekte

und Quiz-Blätter aufwirbelte.

27.05.2007 Sprachanimationen mit dem COFSEC in Castries

Das Organisationskomitee des Kultur- und Sportforums Montpellier-Heidelberg und der Stadtjugendring

Heidelberg luden das DeutschMobil am 27. Mai nach Castries in die Manade St. Pierre

zu ihrem alljährlich stattfindenden und in diesem Jahr in Montpellier veranstalteten Treffen ein.

Auf dieser Etappe der Begegnung zwischen bis zu 500 Jugendlichen aus Sport- und Kulturvereinen

beider Städte konnten die Anwesenden eine authentische Animation mit Stieren aus der Camargue

hautnah erleben. Darüber hinaus war es möglich, an den bilingualen Sprachanimationen des

DeutschMobils teilnehmen, die zu diesem Anlass natürlich ausgesprochen sportliche und spielerische

Formen annahmen.


Initiiert wurde die gemeinsame Aktion von Christine Carbonnel, der Verantwortlichen für den

Bereich Sprachanimation im Cofsec, die als engagierte Deutschlehrerin in Montpellier gute Kontakte

zum Heidelberg-Haus pflegt.

Tätigkeiten am gastgebenden Institut Maison de Heidelberg

Die Arbeitsatmosphäre in der Einsatzstelle könnte ich mir nicht herzlicher und offener vorstellen.

Als Neuzugang war ich Anfang des Schuljahres schnell ins Kollegium integriert und am Ende dieses

im Fluge vergangenen DeutschMobil-Jahres blicke ich auf wunderbare Momente der Zusammenarbeit

und des fröhlichen Zusammenseins zurück. Sooft es mir mein DeutschMobil-Terminkalender

ermöglichte, nahm ich im Schuljahresverlauf an den Montagssitzungen der Maison de Heidelberg

teil. Nadine Gruner und die im Heidelberg-Haus ständig Anwesenden nahmen während meiner

Abwesenheit regelmäßig für das DeutschMobil eingehende Anrufe entgegen und hielten mich

per Telefon und Mail über alle dringenden Vorgänge auf dem Laufenden. Sehr dankbar bin ich

auch dem Projektleiter Kurt Brenner u.a. für die mehrfach initiierten „Dienstbesprechungen“

des DeutschMobils, sowie Hans Demes, dem pädagogischen Leiter der pädagogischen Leiter der

Maison de Heidelberg, der mir sofern es sich zeitlich einrichten ließ bezüglich der Organisation

der Sonderveranstaltungen und Elternabende beratend zur Seite stand. Ich finde es sehr nützlich,

sich regelmäßig über Erfahrungen mit Deutschlehrern und Ansprechpersonen in der Region, die

zu unseren Stammkontakten gehören, auszutauschen.

Für meinen Teil nahm ich über das DeutschMobil hinaus, bei Gelegenheit und Zeit, an kulturellen

Veranstaltungen im Haus teil und übernahm organisatorische Tätigkeiten. So konnte ich mich bei

der Organisation der Feierlichkeiten des 40. Geburtstages der Maison de Heidelberg im Oktober

mitwirken und regelmäßig unserem Zivildienstleistenden bei der Vorbereitung bzw. dem Einkauf

für den sehr gut besuchten deutsch-französischen Stammtisch helfen, bei dem stets eine lockere

und fröhliche Atmosphäre herrscht.

Betreuung durch die Robert Bosch Stiftung

Languedoc-Roussillon

Die Betreuung durch die Robert Bosch Stiftung habe ich als sehr angenehm empfunden. Ich

hatte stets das Gefühl mich jederzeit mit meinen Fragen an Karin Schindler und Maike Heitkamp

wenden zu können, die zuverlässig und kompetent Hilfe geleistet haben. In den Seminaren erhielt

ich vielerlei interessante, für die einzelnen Arbeitsbereiche sehr hilfreiche Informationen und genoss

nebenbei das schöne und gut organisierte Freizeitprogramm, bei dem wir Lektoren uns entspannen,

kennen lernen und austauschen konnten. Im Abschlussseminar (Plenum und Workshop über

Animationsbausteine) hatte ich jedoch den Eindruck, dass aufgrund der Zeitknappheit und des

Mitteilungsbedarfs der Anwesenden, bestimmte Themen etwas kurz gekommen sind.

Besonders hervorheben möchte ich den positiven Effekt des Tandems zwischen „alten“ und

„neuen“ Lektoren. In diesen wertvollen Momenten ging es um persönliche Tipps zur Gestaltung

der Interventionen, praktische Informationen zur Bewältigung des Arbeitsalltags in der jeweiligen

Einsatzstelle bzw. unterwegs mit dem DeutschMobil. Diese Themen haben die LektorInnen dieses

Schuljahres für ihre NachfolgerInnen noch einmal in einem Übergabeprotokoll verschriftlicht.

Besonders bedanken möchte ich mich abschließend bei der Bosch Stiftung für das Präsentations-

und Bewerbungtraining, welche ich als persönlich bereichernd erlebt habe.

Ich habe sehr profitiert von den Treffen mit den anderen DeutschMobil-Lektoren (Motivationsseminar

im April in der Bourgogne); das Ergebnis unseres Austauschs und der Zusammenarbeit ist

das DeutschMobil-Kit, zu dem jeder Lektor seinen persönlichen Beitrag geleistet hat. Aber auch

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Languedoc-Roussillon

den Kontakt mit Lektoren der France Mobile halte ich für sehr wichtig. Dabei geht es nicht allein

um die Ideenfindung und Weiterentwicklung unserer Arbeitsmethoden, die bereits durch das neu

entstandene Internet-Forum begünstigt wird, sondern auch um die Planung und Durchführung

gemeinsamer deutsch-französischer Projekte und Begegnungen. Das gemeinsame Auftreten von

France Mobil und DeutschMobil auf der Leipziger Buchmesse war überaus effektiv und hat mir

zudem großen Spaß gemacht, denn wir konnten hier deutsch-französische Freundschaftsbeziehungen

erleben und vorleben. Bei unserem gemeinsamen Seminar im Juni in Montpellier haben wir

auf kreative Weise in deutsch-französischen Gruppen viele Ideen der Zusammenarbeit gesammelt

und beschlossen, einen Alumni-Verein zu gründen, der erstmalig Ende des Jahres in Strasbourg

zusammentreffen wird.

Ich möchte daher die Robert Bosch Stiftung darum bitten, über die von uns im Abschlussseminar

gemachten Vorschläge einer Intensivierung der Kontakte und engeren Verknüpfung zwischen

France Mobil und DeutschMobil nachzudenken.

Rückblick auf besondere Erfahrungen und Momente

Das elfmonatige DeuschMobil-Lektorat in Frankreich war für mich eine wertvolle Erfahrung,

die mir zwischen Hochschulstudium und Referendariat spannende Einblicke in völlig neue

Tätigkeitsbereiche ermöglicht hat. Ich war hier nicht einfach Lehrerin, sondern - als Betreuerin des

DeutschMobils in der Region Languedoc-Roussillon - Teil einer der schönsten Aktionen innerhalb

der deutsch-französischen Verständigung.

Währens meines Aufenthaltes in Frankreich konnte ich meine Sprachkenntnisse spürbar verbessern,

lernte es aber auch als DeutschMobil-Lektorin eigenständig ein Projekt zu leiten, die komplexen

Aufgaben des Alltags zu meistern (Büro- und Verwaltungstätigkeiten, Umgang mit unseren

Partnern etc.) und regelmäßig mit Lehrern, Schülern, Schulbehörden und Vertretern der Presse zu

kommunizieren. Auch konnte ich mich Umgang mit immer wieder neuen und ganz unterschiedlichen

Klassen testen.

Für all diese Herausforderungen bin ich im Nachhinein sehr dankbar und hoffe, dass sie mir für

meine zukünftige Tätigkeit als Lehrerin von Nutzen sein werden. Ich hoffe insbesondere, dass

es mir gelingen wird, auch die deutschen Schüler für die Sprache ihrer Nachbarn begeistern zu

können.

Als Botschafterin meiner Muttersprache und meines Landes leistete ich nicht nur in den Klassen

Überzeugungsarbeit, sondern auch in der Kantine, im Gespräch mit den die Klassen begleitenden

Fachlehrern, auf der Straße, sogar im Auto. Wenn ich mit dem DeutschMobil an einem

Fußgängerüberweg halt machte und ein dankbares Lächeln von den Passanten erhielt, bildete ich

mir ein, wieder etwas Gutes für das Deutschlandbild getan zu haben.

Im Kontakt mit den vielen Menschen wurde ich leider immer wieder mit denselben Vorurteilen

konfrontiert; hier musste ich mich in Geduld und Toleranz üben. Im Nachhinein blicke aber auf

überwiegend positive Erlebnisse, unvergessliche und schöne Momente im fahrenden DeutschMobil

bzw. in der Arbeit mit den Kindern zurück, die mir oft durch ihre Begeisterung Freude bereitet

haben, oder in der Zusammenarbeit mit Mitarbeitern des Heidelberg-Hauses.

Ein besonderes Erlebnis hatte ich in einem Collège in Bagnols-sur-Cèze, als die 5èmes plötzlich

voller Enthusiasmus und Ernsthaftigkeit im Chor Schuberts „Forelle“ sangen. Der Deutschlehrer

hatte es geschafft, seine Schüler für ein wichtiges Stück deutscher Kultur zu begeistern, sowie für

die passende musikalische Ausdeutung des Textes. Diese hatten sichtlich Spaß dabei! Nach meinen


Languedoc-Roussillon

eigenen musikalischen Einlagen, erhielt ich dann den Tipp, mich beruflich umzuorientieren (um

an der Star Académie teilzunehmen..).

In einem Collège in Elne, nach einer schwierigen Interventionsstunde, bei der ich die unruhigen

Schüler zu meiner Enttäuschung kaum im Zaum hatte halten können, kamen mehrere mit der

Bitte auf mich zu, eine Zugabe von Tokio Hotel zu singen. Dabei fotografierten und filmten sie

mich mit ihrem Handy. Besonders froh war ich, als sie sich anschließend für meine Intervention

bedankten, für ihr Verhalten entschuldigten und Fragen über mein Zuhause und meinen Frankreichaufenthalt

zu stellen begannen. Zu meiner Verblüffung begleiteten sie mich sogar noch bis

zum DeutschMobil hinaus, um mir bei meiner Abfahrt fröhlich hinterher zu winken.

Gerade in den Grundschulen erhielt ich oft spontane affektive Bekenntnisse und wurde gefragt

„C‘est toi la professeur d‘allemand au collège?“ oder „Madame, est-ce que tu reviens demain ou la

semaine prochaine?“ Oft wäre ich gerne noch ein wenig geblieben, aber meine Mission ging ja

weiter.

Mein persönliches Ziel war es in diesem Jahr, die Kinder und Jugendlichen für die interkulturelle

Annäherung zu begeistern und zu sensibilisieren, damit sie beginnen, sich auch für Deutsch und

Deutschland zu öffnen und eine schöne Erinnerung an ihre Begegnung mit mir als Deutscher

bewahren, ob sie sich nun für Deutsch als Fremdsprache entschieden haben oder nicht. Da die

Erwartungshaltung der Schüler an eine DeutschMobil-Animation oft sehr, sehr gering ist (mangelnde

Kenntnisse bis negative Vorurteile über Deutschland und Sprache), gelang es mir in meiner

Animation meist, selbst die zu Anfang lustlos auf ihrem Stuhl Sitzenden, zum begeisterten Mitspielen,

-sprechen und -rappen zu bringen! Hier liegen die tollen Leistungen des DeutschMobils,

welche sich nicht in Statistiken erfassen lassen.

Aufgrund des Erfolges, Statistiken und Zahlen belegen ihn eindrucksvoll, und meiner positiven

Erfahrungen, würde ich mir wünschen, dass die DeutschMobile noch recht lange durch Frankreich

fahren mögen, um bei Schülern, Eltern und Lehrern, ein neues Bewusstsein für unser Land zu

wecken und ihnen Lust auf das Deutschlernen zu machen.

Den nachfolgenden LektorInnen wünsche ich ebenso viel Spaß und Erfolg bei ihrer Tätigkeit bzw.

ebenso spannende Erfahrungen in der deutsch-französischen Zusammenarbeit.

Nora Günther-Schellheimer

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B erichte aus den Regionen

Lorraine | Lothringen

Lektorin......... Cora Mathe

Einsatzstelle.... Centre Transfrontalier Saint-Avold

Kontakt.......... Collège Jean de la Fontaine

Rue de Liévin, BP 60015

57501 Saint-Avold Cedex

Fon: (0033) 03 87 91 06 54

Fax: (0033) 03 87 29 96 15

deutschmobil@ac-nancy-metz.fr

Situation der deutschen Sprache in der Moselle/Lothringen

Aufgrund der geografischen Nähe des Départements Moselle zu Deutschland und des geschichtlichen

Hintergrunds, befinden wir uns hier, was die deutsche Sprache und die grenzüberschreitende

Zusammenarbeit betrifft, in einer besonderen Situation. Das Département Moselle ist mit der

so genannten „voie spécifique mosellane“ in der Förderung des Deutschen sehr engagiert. Neben

mehreren Écoles biculturelles wurden und werden hier eine große Zahl grenzüberschreitender Projekte

zur Förderung der deutschen Sprache ins Leben gerufen.

Entsprechend dieses Konzeptes lernt der Großteil der Schüler bereits in der École élementaire

Deutsch als Fremdsprache, teilweise werden die Kinder schon in der École maternelle auf spielerische

Weise an die deutsche Sprache herangeführt. Meistens verfügten die Schüler bereits

über sprachliche Grundlagen (z.B. sich vorstellen, Farben, Schulsachen, Monate…) und über ein

Grundwissen über Deutschland. Häufig entscheidet die Schulleitung, welche Sprache unterrichtet

wird, in selteneren Fällen können die Schüler auch in der École élémentaire zwischen zwei Sprachen

wählen (meistens Englisch und Deutsch, besonders in der Gegend um Thionville aber auch

teilweise Englisch und Italienisch). In den Collèges haben die Schüler fast immer die Möglichkeit,

zwischen zwei Fremdsprachen zu wählen, in einigen Schulen ist die Reihenfolge der LV1 und

LV2 aber auch festgelegt. In einem Collège (Audun-le-Tiche) wird kommendes Schuljahr die classe

bilangue für alle Schüler zwingend eingeführt, d. h. alle Schüler müssen ab der 6e Deutsch und

Englisch lernen.

Mein Eindruck ist, dass das Deutsche in den Collèges der Moselle als LV2 einen schwierigeren

Stand hat. Während die Zahl der Deutschlerner als LV1, also in der 6e, in den letzten Jahren gestiegen

ist (2001-2002: 44,65% im Vergleich zu 2005-2006: 49,53%), haben immer weniger Schüler

Deutsch als LV2, d.h. in der 4e, gewählt (2001-2002: 31,51% im Vergleich zu 38,51%). Genau


diese Entwicklung spiegelt sich auch in meinen bisher zurück gekommenen Fragebögen wider.

In den anderen Départements der Lorraine ist die Situation anders: In den seltensten Fällen lernen

die Schüler in der École élémentaire Deutsch, hier wird fast immer Englisch unterrichtet. Jedoch

war ich in der zweiten Hälfte des Lektorats, in der ich mehr Einsätze außerhalb der Moselle hatte,

auch in Grundschulen, in denen die Schüler bereits Deutsch lernten. Dennoch ist der Besuch des

DeutschMobils hier meist der erste direkte Kontakt zur deutschen Sprache. Die Schüler haben in

der Regel im Collège die Möglichkeit, Deutsch als LV1 oder LV2 zu wählen, wobei nur ein kleiner

Teil Deutsch als LV1 wählt.

Aufgrund dieses Ungleichgewichtes ist es auf jeden Fall ratsam, die prozentuale Verteilung der

DeutschMobil-Interventionen in den vier Départements der Lorraine umzugewichten. Dies soll

nicht heißen, dass das DeutschMobil in der Moselle fehl am Platz ist, auch hier ist es sinnvoll

und kann meiner Meinung nach etwas bewegen. Jedoch ist anhand der Deutschlernerzahlen leicht

zu erkennen, dass eine Förderung des Deutschen in den drei anderen Départements nötiger ist.

Von daher halte ich die Verlegung des DeutschMobils Lorraine nach Nancy an das Goethe-Institut

inhaltlich für die richtige Entscheidung.

Auswahl der Schulen und Planung der Besuche

Lothringen

Zu Beginn des Schuljahres habe ich mit Unterstützung des Conseil Général de la Moselle ein

Mailing an alle Schulen (ca. 1.400) des Départements verschickt. Diese Vorgehensweise ist für

die Lektorin sehr hilfreich und erleichtert die Einstiegs- und Planungsphase erheblich. Dank

dieser Vorgehensweise ist das Projekt DeutschMobil in der Moselle inzwischen sehr bekannt. Da

das DeutschMobil kommendes Jahr in Nancy an das Goethe-Institut angegliedert ist, wäre es

wünschenswert, auf eine ähnliche Art das Projekt in den anderen drei Départements der Lorraine

anzukündigen, da es dort noch nicht so bekannt ist wie in der Moselle.

Die Schulen haben mich daraufhin direkt kontaktiert, die meisten telefonisch, einige auch per

E-Mail oder die Lehrer sind direkt im Centre Transfrontalier vorbei gekommen. Zunächst habe ich

mir die Kontaktdaten der interessierten Schule/des Lehrers notiert und geschaut, wo der Ort auf

der mir zu Beginn unbekannten Lorraine-Karte liegt und ob ich andere Anfragen aus der Umgebung

vorliegen habe, so dass ich die Schulbesuche dort miteinander verbinden kann. Folgende

Punkte waren mir wichtig zu wissen, um vorbereitet zu sein: Wie viele Schüler werde ich in welcher

Klasse(nstufe) sehen? Lernen die Schüler Deutsch, wenn ja, wie lange schon? In welcher Art Raum

findet die Intervention statt (Klassenzimmer, Aula, salle des jeux…) und wie viel Platz ist dort? Sind

CD-Player und Tafel, manchmal auf DVD-Player und Videorekorder vorhanden? Zudem wollte

ich wissen, ob das DeutschMobil im Laufe der letzten zwei Jahre schon an dieser Schule war. Nach

diesen Kriterien habe ich langsam Termine ab Ende September verteilt.

Ich habe recht viele Anfragen bekommen, die ich leider nicht alle bedienen konnte. Im Laufe des

Jahres habe ich insgesamt 151 Schulen besucht, es lagen mir jedoch schätzungsweise noch 15-20

weitere Anfragen von Schulen aus der Moselle vor. Aufgrund der bisherigen Organisation (Einsatzstelle

im Département Moselle, Pressearbeit nur in der Moselle…) wurden fast ausschließlich

Anfragen von Schulen aus der Moselle an mich gerichtet, nur wenige aus den anderen Départements

der Lorraine. Aufgrund dessen, und da die geplante Besprechung bezüglich meines Einsatzgebietes

zwischen der Robert Bosch Stiftung und dem Conseil Général verschoben wurde, habe

ich bis Anfang Februar 2007 fast ausschließlich Schulen im Département Moselle besucht. Die

Tatsache, dass ich lange nicht wusste, wie die prozentuale Aufteilung meiner Besuche auf die vier

Départements aussehen soll, brachte zu Beginn gewisse organisatorische Schwierigkeiten mit sich,

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Lothringen

die ich letztendlich damit gelöst habe, bis Januar nur sehr wenige Schulen außerhalb der Moselle

zu besuchen. Ab Februar bin ich dafür verstärkt in Schulen in der restlichen Lorraine gefahren. Um

mehr Interventionen in der gesamten Lorraine planen zu können, habe ich mir die Kontaktdaten

der conseillers langues der Vosges, Meuse und Meurthe-et-Moselle besorgt und sie kontaktiert. Die

conseillers langues sowie zwei conseillers pédagogiques (Vosges und Meurthe-et-Moselle) haben

jeweils zwei Tage für mich geplant. Diese Vorgehensweise halte ich für sehr sinnvoll, da sie die

Schulen ihres Départements und deren Situation gut kennen und nach entscheidenden Kriterien

auswählen können. Oft wurden kleine Landschulen ausgewählt, was stets eine tolle Erfahrung war

und sehr effektiv zu sein scheint. Hier bin ich immer auf großes Interesse gestoßen. Während eines

zweitägigen Einsatzes im Département Meuse kamen mehrere conseillers pédagogiques und die

conseillère langues zu einer Intervention. Der Empfang war sehr herzlich und mit der conseillère

langue haben wir zwei weitere Tage für Interventionen an Schulen in Bar-le-Duc, Meuse, geplant,

die ich Mitte Mai besucht habe.

Die Voraussetzungen für die Einsatzplanung in der Moselle waren dank der Hilfe des Conseil

Général sehr gut. In den anderen Départements der Lorraine war die Lektorin bisher jedoch sehr

auf die Hilfe der conseillers/IPRs oder weitere Kontakte angewiesen. Kommendes Jahr werden

mit dem Goethe-Institut als Einsatzstelle des DeutschMobil Lorraine hierfür auf jeden Fall bessere

Bedingungen geschafft, da dort bei der Kontaktherstellung und sinnvollen Planung geholfen wird.

Bisher war die Lektorin gerade bei der Planung außerhalb der Moselle mehr oder weniger auf sich

alleine gestellt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die genaue Analyse der Situation der Schulen. Beim ersten Kontakt

sollte nachgefragt werden, welche Möglichkeiten die Schüler bei der Sprachenwahl haben, welche

Sprachen zur Auswahl stehen oder ob sie zur „Wahl“ einer bestimmten Sprache verpflichtet sind.

Mit dem Conseil Général haben wir zu Beginn des Schuljahres besprochen, das ich bevorzugt

Schulen anfahre, die noch nie einen Besuch des DeutschMobils hatten, was auch sehr gut gelungen

ist, da zahlreiche neue Schulen angefragt haben. Dabei überwogen die Anfragen von Écoles

élémentaires deutlich die der Collèges. Über das ganze Jahr hinweg habe ich lediglich 15 Collèges

besucht, von denen wiederum der größte Teil im Gebiet meines Außeneinsatzes lag. In den Ecoles

élémentaires ist das Ziel vielmehr, die Schüler zum Weiterlernen des Deutschen in der 6e, also als

LV1, zu motivieren. Für besonders sinnvoll erachte ich es, wenn ein Collège für die umliegenden

Écoles élémentaires einen Tag mit DeutschMobil-Interventionen im Collège organisiert, da die

Schüler neben der Teilnahme an der Animation so die Möglichkeit haben, ihre zukünftige Schule

und möglicherweise die Deutschlehrer kennen zu lernen. Dazu sollte die Lektorin das organisierende

Collège auch aufrufen, da die Lehrer nicht selbstverständlich dabei sind. Auch anlässlich von

Interventionen in Collèges haben sich die Deutschlehrer teilweise den zukünftigen Schülern der 4e

vorgestellt, was grundsätzlich empfehlenswert ist.

Interventionen

Im gesamten Schuljahr 2006/2007 habe ich insgesamt 151 Schulen besucht, 306 Interventionen

gemacht und dabei ca. 6556 Schüler kontaktiert. Während dieser Zeit habe ich fast 19.000 km in

meinem DeutschMobil zurückgelegt. Die Verteilung auf die vier Départements der Region Lorraine

sowie meine Außeneinsatzorte in den Départements Cher und Champagne sieht folgendermaßen

aus:


Moselle: 88 Schulen, 184 Interventionen, 3905 Schüler

Meuse: 14 Schulen, 33 Interventionen, 671 Schüler

Meurthe-et-Moselle: 16 Schulen, 28 Interventionen, 649 Schüler

Vosges: 11 Schulen, 21 Interventionen, 461 Schüler

Cher: 10 Schulen, 19 Interventionen, 423 Schüler

Champagne: 12 Schulen, 21 Interventionen, 447 Schüler

Lothringen

Die Anfragen kamen zu mindestens 90% von Ecoles Elémentaires. Im Département Moselle wird

vielmehr das Ziel verfolgt, dass die Kinder im Collège weiterhin Deutsch lernen anstatt es zu Gunsten

der englischen Sprache aufzugeben, was leider auch hier öfters der Fall ist. Im Laufe dieses

Jahres war ich selten an einem Tag nur an einer Schule, oftmals habe ich in einer Schule 1-2 Klassen

besucht, um dann an eine weitere nahe gelegene Schule zu fahren. So kam es auch mal vor, dass ich

an einem Tag drei oder sogar vier Schulen besuchte. Vier Schulen bzw. fünf Klassen besuchte ich

aber nur, wenn eine Lehrerin, die an verschiedenen Schulen unterrichtet, mir einen Plan sinnvoll

zusammengestellt hatte und mich am besten auch begleitete. Wenn dies gut organisiert ist, halte

ich einen solchen Ablauf für sehr sinnvoll, da man sich austauschen kann, Feedback bekommt und

recht viele Schüler kontaktieren kann.

Da die Kinder in der Moselle zum Großteil schon Deutsch lernen, bin ich nur in Ausnahmefällen

in Klassen interveniert, die keine Deutschkenntnisse hatten. Auch sind die Schüler meistens mit

zahlreichen deutschen Traditionen vertraut und werden zum Teil von Muttersprachlern unterrichtet.

Daher habe ich meine Interventionen hier etwas anders aufgebaut als bei meinen Einsätzen

in den anderen Départements bzw. meinem Außeneinsatz. So habe ich zum Bespiel mit den CM-

Schülern der Moselle nie ein Tiermemory gespielt, da ich denke, sie damit inhaltlich sowie sprachlich

zu unterfordern. Hier habe ich häufig mehr Inhaltliches gemacht, z. B. von der Mauer in Berlin

erzählt, oder die Idee aufgegriffen ein deutsch-französisches Memory zu entwerfen. Hier konnte

ich deutlich mehr, z.B. Erklärungen für Spiele, auf Deutsch machen. An den wenigen bikulturellen

Schulen, die ich besucht habe, habe ich die Stunden komplett auf Deutsch gehalten. Mit den

Schülern, die schon Vorkenntnisse in Deutsch haben, habe ich immer sehr gerne gesungen, z.B.

„Mein Hut, der hat drei Ecken“, was stets prima funktioniert hat, da die Kinder den kompletten

Text mitsingen können anstatt nur einzelner Wörter. Dabei haben sich alle immer sehr amüsiert,

ganz besonders, wenn ich, ein Lehrer oder ein anwesender Journalist mal einen Fehler gemacht

haben…

Häufig habe ich sie ein Puzzle von der Karte aus ‚En route vers l‘Allemagne‘ (vom Goethe-Institut

Nancy zur Verfügung gestellt) machen lassen, wobei wir auch die Gelegenheit hatten, über

Deutschland, deutsche Spezialitäten, Marken etc. zu sprechen. Auch in der Moselle kann den

Schülern so noch viel Neues präsentiert werden, denn auf meine Nachfrage, was sie in Deutschland

kennen, waren die häufigsten Antworten „Globus in Saarbrücken“ und „Europapark“. Mit

CM-Klassen mit Deutschkenntnissen und auch immer in bikulturellen Schulen habe ich oft ein

Deutschlandkartenpuzzle gemacht, bei dem die Schüler Worte/Gegenstände einer Stadt zuordnen

und dies an die richtige Stelle auf der Deutschlandkarte legen mussten. Ab und zu habe ich auch

mit Ausschnitten der ARTE-Sendung Karambolage gearbeitet. Der theoretische Teil ist bei den CM-

Schülern in der Moselle meistens recht kurz ausgefallen, da sie die grundlegenden Regeln bereits kennen.

Nur für Spiele, bei denen sie einzelne Worte schreiben müssen, habe ich alle wichtigen Regeln wiederholt.

Die Interventionen mit den Kleineren entsprechen eher der klassischen DeutschMobil-Intervention.

Spiele wie Obstsalat, Restaurant-Besuch, Memory etc. haben hier immer sehr gut funktioniert.

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Lothringen

Je nach Jahreszeit habe ich verschiedene deutsche Spezialitäten oder Traditionen vorgestellt. Beispielsweise

habe ich in der Vorweihnachtszeit Weihnachtsplätzchen an die Schüler verteilt und sie

mit verbundenen Augen den Geschmack erraten lassen. Die Nähe zu Deutschland ist hier ein

großer Vorteil, da die Lektorin Spezialitäten und andere typisch deutsche Dinge (z.B. eine große

Schultüte) direkt in Deutschland kaufen kann.

Bei den Interventionen in den drei anderen Départements der Lorraine, traf ich hauptsächlich

auf Schüler, die noch kein Deutsch lernen und es sich für sie somit um einen Erstkontakt zur

deutschen Sprache und oft auch zu einer Deutschen handelte. Somit konnte ich in den Départements

Vosges, Meuse und Meurthe-et-Moselle auf die Standardanimationen des DeutschMobils

zurückgreifen. Während einzelne Schüler, offensichtlich durch den Einfluss älterer Geschwister

oder der Eltern, demonstrativ zeigen und sagen, dass sie Englisch und Spanisch lernen werden, zeigt

sich der allergrößte Teil stets offen gegenüber der deutschen Sprache und auch begeistert.

In den besuchten Collèges war der Unterschied zwischen dem Département Moselle und den anderen

Départments der Lorraine geringer. Die meisten Schüler gehen von Zeit zu Zeit zumindest zum

Einkaufen nach Deutschland, aber teilweise waren die Deutschkenntnisse von der Grundschule

schon völlig verblasst. Jedoch habe ich festgestellt, dass die Schüler in der Moselle/Lorraine im

Gegensatz zu weiter entfernten Gegenden doch deutlich mehr über Deutschland wissen. Auffallend

ist, dass ich aus anderen Départements deutlich mehr Anfragen von Collèges bekam als in

der Moselle. Dies hängt damit zusammen, dass außerhalb der Moselle die deutsche Sprache erst

verstärkt im Collège als LV2 gefördert wird, während die Schüler in der Grundschule meistens

Englisch lernen (müssen). Bei den Collège-Interventionen handelte es sich somit in der Regel um

einen Erstkontakt der Schüler zur deutschen Sprache. Dementsprechend habe ich hier zu Beginn

die grundlegenden Regeln und die Logik der deutschen Sprache vorgestellt mit der Ankündigung,

dass wir diese für die Spiele benötigen, die wir anschließend machen werden. Großes Interesse

weckt bei den Schülern die jüngere Geschichte Deutschlands (Teilung, Berliner Mauer, Mauerfall)

und zieht stets zahlreiche Fragen nach sich. In den wenigen Collèges, die ich besucht habe, habe ich

fast immer das Pantomime/Montagsmalerspiel gemacht, da es sich gut dazu eignet, den Schülern

die logische Schreibweise und die Konstruktion von Wörtern aufzuzeigen. Um den Jugendlichen

ein modernes Deutschlandbild zu zeigen, habe ich viel mit aktueller deutscher Musik gearbeitet.

Als sehr wichtig erachte ich es, im Laufe der Animation eine kurze Diskussion einfließen zu lassen,

warum es ratsam und wichtig ist, Deutsch zu lernen und welche Vorteile dies mit sich bringt.

Oft bringen auch einige Schüler gute Argumente, die dazu beitragen, ihre Mitschüler von der

Nützlichkeit des Deutschlernens zu überzeugen.

Der Empfang in den Schulen war fast immer sehr nett und die Lehrer waren in der Regel sehr

interessiert. Einige Klassen mit Deutschkenntnissen hatten etwas vorbereitet und mir am Ende

der Stunde deutsche Lieder vorgesungen oder kleine Szenen vorgespielt. Den Lehrern habe ich

immer Blätter mit Argumenten für Deutsch und Broschüren mit Informationen zu Deutschland

und Austauschmöglichkeiten hinterlassen.

Leider musste ich gelegentlich feststellen, dass die Lehrer die Einschreibeformulare bzw. die Konditionen,

die ich jeder Schule schicke, mit der ich einen Termin vereinbare, nicht immer genau

durchlesen. So gingen schon Lehrer davon aus, dass die Intervention im Bus stattfinden würde! Vor

allem in kleinen Schulen fanden Interventionen häufig in den Klassenzimmern statt, was aufgrund

des Platzmangels gewisse Spiele und Aktivitäten nicht zulässt.

Hier möchte ich noch den Vorschlag, den bereits meine Vorgängerin zum Einsatz des DeutschMobils

in der Moselle gemacht hat, noch mal aufgreifen und unterstützen: Die Idee ist, das


DeutschMobil in der Moselle auch in höhere Klassen zu schicken, um z.B. für die classes européennes

sowie das Abibac zu werben. Ich kann mir vorstellen, dass diese Maßnahme sehr effektiv sein kann.

In den Grundschulen wird das Deutsche meistens schon von Seiten der Lehrer sehr gefördert.

Zudem hat die Lektorin des kommenden Jahres, Anneke Viertel, durch ihre Arbeit als Lektorin in

Bordeaux, bereits die nötigen Erfahrungen in höheren Klassenstufen.

Außeneinsatz in den Départements Cher (Centre) und Marne (Champagne)

In diesem Schuljahr war ich im Rahmen meines Außeneinsatzes in zwei Regionen unterwegs: In

der Région Centre in und um die Stadt Bourges und in der Région Champagne in der Nähe von

Reims, in der letztes Jahr schon die Lektorin aus Paris interveniert war.

Die Anfrage aus Bourges wurde zuerst an Montpellier gerichtet. Da diese Region bisher ein

weißer Fleck auf der DeutschMobil-Karte war, wurde beschlossen, dass ich dort einen Teil meines

Außeneinsatzes verbringe. In der Tat ist es sinnvoll, in dieser Region zu intervenieren. Im vergangenen

Jahr haben hier nur sehr wenige Schüler Deutsch gewählt, egal ab LV1 oder LV2. Die Deutschlehrer,

die ich kennen gelernt habe, machen sich ernsthaft Sorgen, da nicht klar ist, ob weiterhin

Deutschklassen zustande kommen. Diese schwierige Situation führt zu einem recht starken Engagement

von Seiten der Lehrer. Während meines Einsatzes dort habe ich bei der Vizepräsidentin der

Association Franco-Allemande du Cher gewohnt, die mich auch kontaktiert und meine Interventionstermine

geplant hatte. Zudem waren wir gemeinsam zu einem ca. 15-minütigen Interview in

einem kleinen Radiosender. Mein Einsatzgebiet hier war allerdings sehr konzentriert, d.h. in und

um die Stadt Bourges. In den Ecole élémentaires haben die Schüler Englisch gelernt, mein Besuch

war in fast allen Fällen der Erstkontakt der Schüler zur deutschen Sprache. Ich bin überzeugt, dass

das Ausweiten des Einsatzgebietes in der Région Centre sehr lohnenswert wäre und würde raten,

wieder ein DeutschMobil in diese grenzferne Region zu schicken.

Den zweiten Teil meines Außeneinsatzes habe ich im Département Marne in der Région Champagne-Ardenne

verbracht. Hier bekam ich ebenfalls eine direkte Anfrage, die jedoch zuerst an die

Lektorin in Paris gerichtet worden war, deren Vorgängerin hier im Vorjahr bereits interveniert

war. In dieselben Schulen bin auch ich gefahren, jedoch kamen noch weitere hinzu. Die erste

Woche hier war wunderbar, die Organisation perfekt und der Empfang herzlich. Die zwei Tage

in der darauf folgenden Woche waren leider durch Missverständnisse in der Planung geprägt (falsche

Collège-interne Terminübermittlung, eine viel zu volle Klasse, Lehrer wusste nicht, dass ich

komme…), was einem als Lektor die Arbeit doch erheblich erschwert. Dies habe ich als sehr bedauerlich

empfunden, da gerade dieses Jahr die Situation für Deutsch sehr schwierig ist, wie ich in

Gesprächen mit Lehrern herausgefunden habe.

Insgesamt ist aber zu sagen, dass die Planungen in beiden Einsatzgebieten sehr gut verliefen. Es

erleichtert einem die Planungsphase sehr, wenn eine Person, die die Schulen vor Ort gut kennt, die

Termine ausmacht. Nach den Erfahrungen meiner Kolleginnen oder Vorgängerinnen möchte ich aber

dennoch allen künftigen LektorInnen raten, sich mit ihrer Kontaktperson genau abzusprechen und

v.a. klare Bedingungen zu stellen, z.B. nicht mehr als 4 oder 5 Interventionen pro Tag zu machen.

Elternabende

Lothringen

Die Nachfrage nach Elternabenden habe ich als sehr enttäuschend gefunden. Insgesamt habe ich nur

an fünf Elternabenden teilgenommen, drei in der Moselle und zwei in meinem Außeneinsatzgebiet

Marne. Dies ist sehr bedauerlich, da wir uns als Ziel gesetzt hatten, die Anzahl der Elternabende

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Lothringen

zu erhöhen. Ich halte diese Art von Informationsveranstaltungen für sehr hilfreich und glaube,

dass man damit gerade bei den Eltern etwas bewegen kann, die leider oft noch, womöglich aus

persönlichen Erfahrungen, völlig falsche Vorstellungen von der deutschen Sprache haben. Die

Elternabende, an denen ich teilgenommen habe, waren unterschiedlich gut besucht: Zu einem

geplanten kamen genau null Personen, bei anderen waren 30-40 Personen anwesend. Gemeinsam

mit den Lehrern präsentierte ich den Eltern die Vorteile des Deutschlernens, meistens mit Hilfe

einer auf Folie gedruckten Power-Point-Präsentation, und sprach über Möglichkeiten zu Deutschlandaufenthalten,

wobei ich auch von meinen persönlichen Erfahrungen berichten konnte. Dies

halte ich für sehr wichtig und effektiv, weil auf diese Art und Weise den Eltern die Angst genommen

werden kann. Zudem hatte ich immer zahlreiche Broschüren zu Deutsch und verschiedenen

Austauschmöglichkeiten dabei, die ich an die Eltern verteilte. Eine Erhöhung der Elternabende

ist auf jeden Fall wünschenswert und ich hoffe, dass dies im nächsten Schuljahr realisiert werden

kann.

Presse

Dank der Presseabteilung des Conseil Général de le Moselle, der meine Termine regelmäßig der

Presse mitgeteilt hat, war bei sehr vielen Interventionen des DeutschMobils ein Journalist dabei.

Neben den Zeitungsartikeln berichteten auch zwei Radiosender über meine Interventionen in

einer Schule, ein regionaler Radiosender Lothringens und einer aus dem Saarland. Auch drehte

ein kleiner lokaler Fernsehsender bei einer Intervention und zeigte einen kurzen Beitrag über das

DeutschMobil. Zudem verbrachte ich einen Tag mit Journalisten des Bayrischen Rundfunks. Im

Rahmen einer Sendung zum Thema „50 Jahre Europa“ wurde ein Beitrag über das DeutschMobil

in der Grenzregion ausgestrahlt. Die recht starke Präsenz des DeutschMobils in der Lokalpresse ist

sehr hilfreich für das Projekt. Ich wurde öfters auf die Artikel angesprochen, was beweist, dass die

Artikel gelesen werden und zur Bekanntmachung des Projektes beitragen.

Die Zusammenarbeit vor Ort

Der Conseil général de la Moselle und das Centre Transfrontalier

Bisher hatte die Lektorin in Lothringen im Grunde zwei „Sitze“: Den Conseil Général de la Moselle

und das Centre Transfrontalier in St. Avold. Offiziell angeschlossen ist es an den Conseil Général,

das Büro befindet sich jedoch im Centre Transfrontalier. Zudem verfügt die Lektorin über zwei

Budgets: Neben dem der Robert Bosch Stiftung, stellte mir der Conseil Général ein Budget für die

Fahrtkosten innerhalb des Départements zur Verfügung sowie für das Geschäftshandy.

Dank der sehr guten Infrastruktur des Conseil Général war bei den meisten Interventionen in

der Moselle ein Journalist anwesend. Meiner Erfahrung nach ist es jedoch anzuraten, die Schulen

zusätzlich direkt auf ihre Pflicht hinzuweisen, die Lokalpresse einzuladen, da offensichtlich nicht

alle die Konditionen gründlich durchlesen. Zudem kann die Lektorin im Conseil Général Kopien

in großer Zahl machen und Post in die Moselle verschicken. Von Anfang an wurde ich von

den Mitarbeiterinnen der Abteilung „Coopération Transfrontalière“ und hier insbesondere von

Maud Lorenzi unterstützt und konnte mich bei Fragen stets an sie wenden. Durch die Angliederung

an den Conseil Général musste ich gewisse verwaltungstechnische Punkte und Abläufe

berücksichtigen, was etwas mehr zeitlichen Aufwand bedeutete. Beispielsweise mussten die sogenannten

„élus“, die gewählten Vertreter des Conseil in den jeweiligen Wahlkreisen, über meine

Besuche informiert werden. Einige élus kamen auch zu Interventionen, mal in Begleitung des


Bürgermeisters, und haben sich dabei sehr interessiert gezeigt und mit den Schülern gesprochen,

was auch für die Presse attraktiv war.

Das eigentliche Büro der Lektorin ist das Centre Transfrontalier in Saint-Avold. Dieser Sitz bietet

optimale Voraussetzungen für die Lektorin, da man hier mit erfahrenen Pädagogen arbeiten und

Kontakte zu Lehrern knüpfen kann. Durch die öffentlich zugängliche deutschsprachige Bibliothek

kommen viele Lehrer direkt ins Centre, um sich über das Programm zu informieren und Termine

zu vereinbaren. Zudem hat die Lektorin auf die zahlreichen Materialien Zugriff. Als sehr angenehm

empfinde ich die freundliche, herzliche Atmosphäre der Kolleginnen und des Kollegen sowie deren

Hilfsbereitschaft, was mir vor allem den Beginn und anstrengende Phasen sehr erleichtert hat.

Etwas problematisch war lediglich die Tatsache, dass Saint-Avold ca. 50 km von Metz entfernt ist,

wodurch ich im Grunde nur einen richtigen Bürotag pro Woche und einen größeren Zeitaufwand

hatte. Deshalb bin ich zu Anfang des Jahres 2007, als ich endlich ein funktionierendes Internet zu

Hause hatte, dazu übergegangen, einen Teil der Arbeit zu Hause zu erledigen. Auch wenn ich der

Meinung bin, dass die Verlegung des DeutschMobils nach Nancy inhaltlich richtig ist, bedauere ich

es sehr, dass das DeutschMobil nicht mehr am Centre Transfrontalier ist und ich bin froh, dieses

Jahr noch hier verbracht zu haben. Merci beaucoup an alle MitarbeiterInnen des Centre Transfrontalier!

Robert Bosch Stiftung

Die Betreuung durch die Robert Bosch Stiftung habe ich durchgehend als sehr angenehm und

persönlich empfunden. Ich konnte mich jederzeit an die Stiftung wenden und habe bei Fragen

zuverlässig und schnell Antworten und Hilfe bekommen.

Für das Einführungsseminar hätte ich mir mehr Zeit für den direkten Austausch mit meiner

Vorgängerin gewünscht bzw. mehr praktische Einheiten zu Animationsbausteinen, da das Essentielle

der DeutschMobil-Arbeit schließlich die Interventionen sind. Insgesamt habe ich die Seminare

aber als sehr gut organisiert und bereichernd empfunden. Ich bitte die Robert Bosch Stiftung über

die von uns bereits während unseres Abschlussseminars in Stuttgart gemachten Vorschläge einer

engeren Verknüpfung zwischen France Mobil und DeutschMobil nachzudenken, da wir der Meinung

sind, sehr davon zu profitieren.

Goethe-Institut Nancy

Ein weiterer wichtiger Kontakt war auch bisher das Goethe-Institut in Nancy. Durch sie habe

ich weitere Kontakte zu den conseillers langues der anderen Départements der Lorraine knüpfen

können. Zudem bekam ich regelmäßig die Zeitschrift „En route vers l‘Allemagne“, die sich sehr

gut für Interventionen eignet und an die Schüler der CM2 verteilt werden kann. Meine Hauptansprechpartnerin

war hier die pädagogische Leiterin Daniela Frank.

Das Goethe-Institut Nancy ist sehr engagiert, gerade im Grundschulbereich sind sie dort sehr aktiv

und verfügen natürlich auch über zahlreiche nützliche Kontakte, von denen auch die Lektorin profitieren

kann. Ich bin überzeugt davon, dass die Entscheidung, das DeutschMobil Lorraine an das

GI Nancy anzuschließen, gut ist. Eine engere Zusammenarbeit ist dem Projekt sicher sehr dienlich.

Dabei wünsche ich allen Beteiligten viel Spaß!

Kontakt unter den DM-Lektoren und Kontakt zu France Mobil

Lothringen

Der enge Kontakt und regelmäßige Austausch zwischen uns Lektoren sowie das gemeinsame Zwischenseminar

aller DeutschMobil Lektoren Mitte April war für mich sehr wichtig und bereichernd.

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Lothringen

Dies dient der Ideenfindung und der gegenseitigen Motivation.

Als ebenfalls sehr positiv bewerte ich den enger werdenden Kontakt zwischen den France Mobil

und den DeutschMobil-Lektoren. Besonders für mich in Grenznähe ist ein enger Kontakt zu den

französischen Kollegen sehr interessant, da sich öfters die Möglichkeiten zur gemeinsamen Teilnahme

an Veranstaltungen ergeben. Das gemeinsame Auftreten von France Mobil und DeutschMobil

war immer sehr interessant und effektiv und hat mir zudem immer großen Spaß gemacht.

Gerade in unserer Rolle als Botschafter der deutschen und französischen Sprache und Kultur sowie

der deutsch-französischen Zusammenarbeit reicht es nicht, sich nur auf die eigene Arbeit zu konzentrieren

und über Zusammenarbeit zu reden. Diese Idee muss vielmehr vorgelebt werden und

dazu haben wir im Rahmen verschiedener gemeinsamer Projekte die Gelegenheit, die unbedingt

noch stärker genutzt werden muss. Während unseres gemeinsamen Abschlussseminars in Montpellier

haben wir gemeinsam neue Spielideen entwickelt und über eine weitere Zusammenarbeit nachgedacht.

So wurde u. a. beschlossen, einen Alumni-Verein zu gründen. Ein erstes Treffen wird Ende

November/Anfang Dezember in Strasbourg stattfinden. Wünschenswert wäre die Möglichkeit, dass

sich DeutschMobil und France Mobil Lektoren schon früher besser kennen lernen, entweder durch

eine z.B. zweitägige Überschneidung der Einführungsseminare, mehr gemeinsame Programmpunkte

beim Zwischenseminar oder ein gemeinsames Seminar wie in Montpellier, das jedoch zu

einem früheren Zeitpunkt stattfindet.

Sonderveranstaltungen

Deutsch-französisches Forum Strasbourg

Vom 18. bis 19. Oktober 2006 habe ich als Vertreterin des DeutschMobils am Deutsch-

Französischen Forum teilgenommen, einer Studien-/Firmenkontaktbörse in Strasbourg. Gemeinsam

mit meiner France Mobil Kollegin aus Stuttgart betreute ich einen Stand und informierte

Interessierte über die Projekte DeutschMobil und France Mobil sowie über Möglichkeiten Deutsch

zu lernen und über Aufenthalte in Deutschland. Unser Messestand war sehr gut platziert und zog

durch die beiden Autos und die Dekoration viele Interessenten an. Wir konnten zu zahlreichen

Personen und Institutionen Kontakte knüpfen und einige Partner und Sponsoren unserer Projekte

kennen lernen. Lohnenswert erwies sich die Teilnahme am DFF auch, da viele Studentinnen

und junge Erwachsene sich für die Tätigkeit als France Mobil oder DeutschMobil-LektorIn interessierten.

Nach Veröffentlichung der Ausschreibung für das kommende Schuljahr, habe ich den

Interessenten und Hochschulen die Ausschreibung zukommen lassen. Insgesamt bewerte ich die

Teilnahme am DFF als sehr lohnenswert, insbesondere in Verbindung mit France Mobil.

Tag der offenen Tür am Goethe-Institut Nancy

Am 20.01.07 veranstaltete das Goethe-Institut Nancy einen Tag der offenen Tür, zu dem sie zwei

Schulklassen aus Ludres eingeladen hatten. Mit beiden Klassen führte ich eine Intervention durch.

Leider war der Tag der offenen Tür ungewöhnlich schlecht besucht, so dass ich am Nachmittag

zusätzlich eine nur sehr kleine Gruppe animierte. Einen Informationsstand hatte ich nicht, da eine

Vertreterin der Inspection Académique über verschiedene Programme informierte. Dennoch ist die

Teilnahme des DeutschMobils am Tag der offenen Tür des Goethe-Instituts sehr wichtig, da ich

Lehrer treffen und neue Kontakte knüpfen konnte.

Preisverleihung Concours Films Numériques in Tolon

Darüber hinaus war ich gemeinsam mit der France Mobil Lektorin aus dem Saarland, Pauline

Tolon, bei der Preisverleihung zu einem „Concours films numériques“ mit einem Informationstand


anwesend, an dem Schulen aus dem Saarland und aus der Lorraine teilgenommen hatten.

50 Jahre Römische Verträge, Stuttigart

Am 3. März nahm ich gemeinsam mit Stéphanie Cornet, France Mobil Lektorin in Stuttgart, an

einer Veranstaltung des Landtags und der Landesregierung Baden-Württemberg anlässlich 50 Jahre

Römische Verträge teil. Auf dem „Markt der Möglichkeiten“ haben wir am Nachmittag Interessierte

über unsere Programme und unsere Arbeit informiert. Die Veranstaltung war an sich sehr gut

und es kamen auch einige Interessenten an unseren Stand, ich würde die Teilnahme allerdings als

nicht wirklich Gewinn bringend für uns bezeichnen.

Fazit meines DeutschMobil-Jahres

Lothringen

Zunächst möchte ich sagen, dass ich bin froh, dass die ursprünglich während der Besprechung

zwischen dem Conseil Général, der Robert Bosch Stiftung und Montpellier im Januar angedachte

Regelung verworfen und mit der Verlegung ans Goethe-Institut Nancy eine, besonders für die Lektorin,

bessere Lösung gefunden wurde, die auch im Interesse der gesamten Region Lorraine ist.

Mein Jahr in Lothringen und die Arbeit hier als DeutschMobil Lektorin bewerte ich insgesamt als

sehr positiv und interessant und würde mich auch wieder dafür entscheiden, wobei ich mich nach

einem Jahr auch sehr auf eine neue Aufgabe freue. Als Lektorin in diesem tollen Projekt bekommt

man auf jeden Fall ein gutes „Paket“ für die berufliche Zukunft mit: Arbeiten in einem anderen

Land in einer Fremdsprache, Selbstorganisation und gutes Zeitmanagement, Kontakte zu verschiedenen

Institutionen und Hierarchien, Zusammenarbeit mit der Presse etc. Man hat in dieser bereichernden

und interessanten Zeit die Möglichkeit, viele Leute kennen zu lernen und interessante

Kontakte zu knüpfen, was ich persönlich noch mehr hätte nützen müssen. Sicherlich hätte man im

Rückblick immer ein paar Dinge besser machen können, z. B. weniger Interventionen, dafür mehr

Zeit in die Vorbereitung investieren; aber insgesamt bewerte ich meine Arbeit für mich persönlich

sowie die Interventionen als erfolgreich und hoffe, in dieser sowieso schon sehr geförderten Region

etwas mitbewegt zu haben. Ich werde auch nach diesem Jahr weiterhin in der interkulturellen Bildungsarbeit

tätig sein, im Akademischen Auslandsamt der Hochschule Esslingen. Sicherlich hat

auch meine Tätigkeit für das Projekt DeutschMobil dazu beigetragen, dass mir dieser Schritt gelungen

ist und ich freue mich sehr auf die neue Arbeit.

Ich hoffe sehr, dass die DeutschMobile noch lange durch Frankreich fahren und viele Schüler,

aber auch Eltern und Lehrer, zum Deutschlernen motivieren sowie nachfolgenden LektorInnen die

Möglichkeit bieten, ein Jahr lang wichtige Erfahrungen in der deutsch-französischen Zusammenarbeit

zu sammeln.

Cora Mathe

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B erichte aus den Regionen

Midi-Pyrénées

Lektorin......... Sabine Pretscher

Einsatzstelle.... Goethe-Institut Toulouse

Kontakt.......... 4 bis rue Clémence-Isaure, BP 154

31014 Toulouse Cedex 6

Fon: (0033) 05.61.23.28.28

Fax: (0033) 05.61.21.16.66

deutschmobil@goethe.toulouse.org

DeutschMobil in der Académie de Toulouse im Schuljahr 2006/2007

Das DeutschMobil, das nun im dritten Jahr durch die Region Midi-Pyrénées fuhr, hat dieses Jahr

an 88 Schulen 214 Klassen besucht, dabei 3.390 collègiens und 1.573 Schüler der école primaire

über die Wahl der deutschen Sprache als Fremdsprache informiert. Zudem konnten in den Schulen

acht Informationsveranstaltungen mit insgesamt 204 Eltern durchgeführt werden.

Für all diese Personen wurden 12.606 Kilometer zurückgelegt (und dafür etwa 1.270 Liter Diesel

verfahren).

Schulbesuche

Planung

Die Planung des Schuljahres konnte ich in weiten Teilen (und vom Außeneinsatz abgesehen)

bereits im November abschließen, da die Terminliste zu diesem Zeitpunkt bereits voll war. Meine

Vorgehensweise am Schuljahresanfang sah folgendermaßen aus: Zunächst wurden die Termine für

Sonderaktionen freigehalten, die schon bekannt waren (beispielsweise um den 22. Januar), danach

wurden die Termine für die Kurse an der Universität festgelegt. Die für die Schulbesuche habe ich

dann in der Reihenfolge der eingehenden Anfragen verteilt, meist nach den Wünschen der Schulen.

Hier sollte im kommenden Jahr eine andere Regelung gefunden werden. In den „unattraktiven“

Monaten Oktober bis Dezember sollten mehr Termine verteilt werden. Bei der Terminvergabe

muss man so etwas härter sein, dieses Vorgehen entzerrt aber gleichzeitig den Terminkalender zwischen

März und Juni.

Es wäre von Vorteil, Werbung für neue Schulen zu starten und so vermehrt Schulen zu besuchen,

die das DeutschMobil noch nicht zu Besuch hatten, ohne natürlich diejenigen zu vernachlässigen,

die immer gut mit uns zusammengearbeitet haben: manche „alte Hasen“ nehmen das DeutschMo-


Midi-Pyrénées

bil als gegebene Größe an und zeigen selbst kaum noch Initiative, während andere weiterhin auch

selbst Engagement über das DeutschMobil hinaus erkennen lassen.

Zudem soll laut Goethe-Institut und Académie der Schwerpunkt der Arbeit auf die Grundschulen

(besonders CP/CE1) gelegt werden, um Deutsch als erste Fremdsprache zu stärken (erfuhr

ich zu spät!). Bei der Terminvereinbarung sollte den Deutschlehrern also nahe gelegt werden, das

DeutschMobil vor allem in die Grundschulen des secteur einzuladen und für die erste Fremdsprache

und die classes bilangues zu werben. Dabei sollte auch der vorhandene Kontakt zu den

Deutschlehrern der Grundschule verwendet werden bzw. neue Kontakte hergestellt werden (über

die conseillers pédagogiques der départements) oder die IUFM (Instituts universitaires pour la formation

des maîtres)).

Vor- und Nachbereitung der Interventionen

Die Vorbereitung der Stunden verkürzte sich im Laufe des Schuljahres zusehends, hat man doch

dann die Erfahrung und kann abschätzen, welche Aktivitäten in welcher Klasse funktionieren. So

mussten dann nur noch saisonale Anpassungen vorgenommen werden (Weihnachten, Fasching,

Ostern usw.).

Die Vorbereitung auf die einzelnen Interventionstage bestand nach der Terminvereinbarung und

dem Zusenden der Einschreibeformulare vor allem aus detaillierterer Absprache der zeitlichen Planung,

Vereinbarung von Treffpunkten und Ähnlichem. Dank Navigationsgerät war ab Januar 2007

vor allem letzteres redundant und das Finden der Schulen war kein Problem mehr. In der Schule

angekommen, klärte ich meistens noch einige Kleinigkeiten (Wann kommt die Presse? Gibt es

Besonderheiten mit einzelnen Klassen? Wer sind die Aufsichtspersonen? Nimmt der Deutschlehrer

an der Stunde teil?). Auch stellte ich hier Fragen nach lokalen Besonderheiten: Welche Sprachen

können die Schüler in welcher Stufe wählen? Gibt es Austauschprogramme oder Schulfahrten nach

Deutschland? usw.

Nachbereitet wurden die Interventionen durch die Abrechnung der entsprechenden Ausgaben

sowie durch Kommentierung der jeweiligen Interventionen in den Unterlagen. Dabei wurden

sowohl Hinweise auf die verwendeten Animationsbausteine als auch auf die allgemeinen Umstände

notiert. Diese sind im Ordner Schulbesuche zu konsultieren und ermöglichen eine gute Vorbereitung

auf einen erneuten Besuch in der Schule (was hat nicht geklappt, worauf muss man folglich

achten, was lief gut).

Ablauf der Interventionen

Der Ablauf der Stunden unterscheidet sich je nach Klassenstufe. Während in der Grundschule

(CP/CE1) vor allem spielerische Aktivitäten ankommen, findet in den cinquièmes ein intensiverer

Austausch mit den Schülern statt.

Im Einzelnen sahen meine typischen Stunden so aus:

CP/CE1

Bei den „Kleinen“ gelingt es meiner Ansicht nach am besten, die Stunde komplett auf Deutsch

zu halten. Die Kinder sind neugierig, lieben es, Neues auszuprobieren, und haben kein Problem

damit, Fehler zu machen.

Nach einer Vorstellungsrunde mit „Guten Tag!“ und „Hallo“ und einem Ballspiel zur Wiederholung

ist das Eis meist schon gebrochen. Dadurch, dass jeder zumindest zwei bis drei Worte auf

Deutsch gesagt hat, sind die nächsten Schritte ein Kinderspiel. Mit geheimnisvollem Gesicht holte

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Midi-Pyrénées

ich meist die Maus (aus der „Sendung mit der Maus“) aus der Tasche und stellte sie vor.

Mit Hilfe des Maus-Posters vom WDR kann man auch leicht den Elefanten und die Ente

präsentieren, so dass die Kinder im Handumdrehen drei Tiere und damit drei Farben gelernt haben.

Mit weiteren Farben, die ich mit Farbkarten zeigte, lassen sich dann schon weitere Aktivitäten

anschließen, die die Kinder zum Zuhören und auch zum Mitmachen auffordern: Meist habe ich es

mit dem Spiel „Farben berühren“ oder der Obstsalat-Variante mit Farben versucht. Das macht den

Kindern viel Spaß, und sie lernen ohne Schwierigkeiten etwa sechs Farben, ohne es überhaupt zu

merken. Zaubert man danach eine Tüte (deutsche) Gummibärchen aus der Tasche und führt noch

„Bitte“ und „Danke“ ein, ist auch das schüchternste Kind aus der Reserve gelockt und bittet um

ein rotes/grünes/gelbes Bonbon.

Danach kann dann je nach Zeit und Belieben noch das eine oder andere Spiel gestartet werden

(Zahlen einführen und danach Gruppen bilden; „Wie geht‘s?“ und Antworten lehren und dann

beginnt die Jagd nach den Stühlen; Memory). Zum Abschluss der Stunde verabschieden sich alle

voneinander (auch die Maus!).

Meist habe ich in CP/CE1 nicht über die Argumente oder nur wenig über Deutsch an sich gesprochen,

sondern habe die Informationen (Passeport, Elternbrief) den Lehrern gegeben und sie gebeten,

diese an die Eltern zu verteilen. Die Kinder sind in diesem Alter für solche Gespräche noch

nicht empfänglich, so dass die Argumente allenfalls beim Klassenleiter ankommen würden.

CM2

Im CM2 waren die Stunden eine Mischung aus spielerischen Aktionen und Informationsvermittlung.

Nach einer „Guten Tag!“-Runde habe ich mich meist auf Deutsch vorgestellt, jedoch nur in knapper

Form mit Bildern und Zwischenfragen (auf Deutsch: „Bist Du schon in Deutschland gewesen?

Wo? Kennst Du Deutsche?“). Nach einer Sammlung des Verstandenen nutzte ich meistens die

dabei gelernten Sprachregeln (Umlaute, fehlende Nasale, Nebensilbe wird gesprochen), um etwas

mehr Wortschatz zu vermitteln, so dass die Schüler in der Lage waren, Memory auf Deutsch zu

spielen.

Was in der CM2 jedoch auch schon sehr wichtig scheint, ist, auf Bekanntes aufzubauen. Es sollte

also immer ein Gespräch stattfinden, über Bekanntes aus Deutschland, zu Deutsch usw. Dies

erlaubt es, auf einige Vorurteile zu reagieren und einige Argumente anzubringen. Hier bietet es sich

an, mit den „En route vers l‘Allemagne“-Heften des Goethe-Instituts zu arbeiten. So setzen sich

die Kinder näher mit Deutschland und vor allem mit Deutschland heute auseinander und können

auch noch später, sei es im Unterricht oder zuhause, weiterlernen und -entdecken. Ebenso bieten

sich weitere Spiele an („Wie geht‘s?“-Spiel oder Ähnliches), um den Schülern zu zeigen, dass es gar

nicht so schwer ist, Deutsch zu lernen.

Abschließend sollte auch immer auf das Lernen von Deutsch als Fremdsprache eingegangen

werden, um bestehende Vorurteile abzubauen und die Schüler zu beruhigen.

cinquième

Im Collège ist die Vermittlung von Informationen über Deutsch und Deutschland der zentrale

Bestandteil der Animation. Vor allem zum Jahresende hin sind diese Schüler schon zu erwachsen,

um sehr aktive Spiele zu machen; sie sind meist froh, wenn sie einfach nur rumsitzen können und

Neues hören.

Nach der Begrüßung bei Betreten des Klassenzimmers habe ich mich recht ausführlich und

ausschließlich auf Deutsch vorgestellt, mit Karte, Bildern, transparenten Worten (Geografie

usw.) und dem DeutschMobil, so dass die Schüler gezwungen sind, sich zu konzentrieren, vor


Midi-Pyrénées

allem wenn die „Lehrerin“ kein Wort Französisch zu sprechen scheint. Bei der anschließenden

Verständniskontrolle merken sie dann sehr schnell, dass dem nicht so ist, sie außerdem vieles - wenn

nicht alles - verstanden haben, freuen sich, dass sie ihre Fragen loswerden können (ohne es mit

Spanisch oder Englisch versuchen zu müssen) und es ist ein leichtes, die „Regeln“ der deutschen

Sprache zu erarbeiten (und darzustellen, dass im Gegenzug Französisch oder Englisch gar nicht so

einfach ist, wie man immer denkt).

Bei der Frage nach ihren Kenntnissen über Deutschland, die Deutschen und Deutsch kommen

dann schon viele Dinge und/oder Namen zusammen, die sie erkennen lassen, dass sie ja doch schon

Einiges wissen. Wenn sie es auch nicht immer richtig einordnen können („le mur de Berlin - c‘était

pour séparer les Juifs du reste de l‘Allemagne pendant la guerre“), ist es da möglich, einige Sachen

aus der deutschen Geschichte, Kultur usw. zu erklären.

Danach ging ich meist entweder zu einer Hitparade mit deutscher Musik (natürlich immer mit

Tokio Hotel!), zu einem Quiz (Jeopardy, Wer bin ich?) oder zu einer Sequenz aus Karambolage über

(meist „Die deutschen Grenzen“ nach einer Vorentlastung zu den deutschen Nachbarländern).

Als Abschluss fasste ich dann die Stunde zusammen, fragte sie nach ihren Eindrücken zu Deutsch

vor und nach der Stunde, um dann auf die Argumente überzuleiten bzw. ihre Fragen zu beantworten.

Dies ist eine kurze Zusammenstellung meiner prinzipiellen Vorgehensweise, die jedoch immer an

die Klassen angepasst werden muss. Das Gefühl dazu bekommt man erfahrungsgemäß sehr schnell.

Andere mögen lieber singen oder Geschichten vorlesen, ich für meinen Teil habe mich mit meinem

Vorgehen sehr wohl gefühlt; das ist es in erster Linie, was bei den Schülern ankommt: die Person

da vorne steht voll hinter dem, was sie sagt.

Variation im Stundenaufbau ist außerdem sehr wichtig, sei es, um aktuelle oder saisonale Inhalte zu

vermitteln, oder um sich - ganz banal - nicht selbst zu langweilen. Wenn man nicht mehr weiß, ob

man dieses oder jenes in dieser Stunde schon gesagt hat, ist es Zeit, etwas zu ändern. So vermittelt

man die Inhalte motivierter und überzeugender. Und das ist auch das Bild, das das DeutschMobil

in den Köpfen der Schüler behält: ein junger Deutscher kommt, um sein Land und seine Sprache

vorzustellen und macht dies mit einer Freude und Energie, die anstecken und auch bei der hundertsten

Wiederholung noch frisch wirken.

Zusammenarbeit mit den Schulen und Lehrern

Insgesamt betrachtet verlief der Kontakt zu den Schulen bzw. den Schulleitungen meist sehr gut.

Die Mehrzahl der Schulleiter interessierte sich für die Arbeit des DeutschMobils und unterstützte

sie. In wenigen Fällen, in denen die Deutschlehrer die komplette Organisation des DeutschMobil-

Besuches alleine übernommen und die Schulleitung außen vor gelassen hatten, bestand kein Kontakt

zum Schulleiter (jedoch meist in Fällen, in denen er desinteressiert schien).

Die Deutschlehrer bzw. die Kontaktpersonen waren meist sehr engagiert und taten ihr Bestes, um

den Besuch des DeutschMobil gut vorzubereiten und mich freundlich zu empfangen. Nur in wenigen

Ausnahmefällen fehlte es an Absprache; anscheinend waren in diesen Fällen die Konditionen

des Besuchs nicht gelesen worden und so fand ich mich mit verschiedenen Problemen konfrontiert:

Orts- und Schulwechsel zwischen jeder Interventionsstunde oder auch Klassen mit Deutschlernern,

die mir nicht angekündigt waren. Auch die Bedingung, die Presse einzuladen, wurde oft

nicht beachtet.

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Midi-Pyrénées

Elternabende

Trotz regelmäßiger Aufforderung, einen Elternabend mit dem DeutschMobil-Besuch zu verbinden,

fanden nur acht Infoveranstaltungen in meinem Beisein statt. In sechs von acht Fällen ging es

dabei nur um die Wahl der Fremdsprache Deutsch, so dass nur wenig Präsenz vonseiten der Eltern

zu verzeichnen war. Zwei der acht Veranstaltungen hatten den Übergang von der Grundschule in

das Collège zum Thema, so dass viele Eltern anwesend waren. Jedoch konnte ich in diesen Fällen

nur sehr kurz über Deutsch sprechen.

Als eine nette Alternative zu den Elternabenden empfand ich Interventionen, zu denen die Eltern

eingeladen waren. So konnten diese live dabei sein, wenn ich mit den Kindern gearbeitet habe, aber

auch im Anschluss daran noch ihre Fragen loswerden. Damit konnten einige Vorurteile gegenüber

der deutschen Sprache vorab relativiert werden und in den Gesprächen genauer auf den Deutschunterricht,

Austauschmöglichkeiten usw. eingegangen werden. Ein Nachteil dieser Organisation ist

natürlich, dass nur wenige Eltern erreicht werden: nicht jeder kann am Vor- oder Nachmittag für

eine Stunde den Arbeitsplatz verlassen und in die Schule kommen. Die bei den vier so gestalteten

Tagen/Terminen anwesenden Eltern waren jedoch sehr erfreut, das miterleben zu können, und

meinten, ihren Standpunkt bezüglich Deutsch noch einmal zu überdenken.

Erfahrungen und Erwartungen

Als einzige wirklich schlechte Erfahrung aus diesem DeutschMobil-Jahr blieb mir nur die Begegnung

mit einem Aushilfslehrer in einer Grundschule, der nicht auf meinen Besuch vorbereitet

war und mich vor einer Klasse CM2 mit „envoyée du troisième Reich“ begrüßte und mich als

„personne qui fait la promotion d‘une langue morte qu‘est l‘allemand“ vorstellte. Nach dem ersten

Schock und einem „Beinahe-Aufbruch“ entschied ich mich jedoch, für die Kinder zu bleiben, die

sehr dankbar waren und am Ende der Stunde sogar zu mir kamen, um mir mitzuteilen, dass es

ihnen sehr gut gefallen hat und sie den Auftritt des maître sehr bizarre fanden. Nach dem Ende der

Stunde und einem Gespräch mit diesem Lehrer wurde mir klar, dass er wirklich nicht ganz geheuer

ist und trotz seiner Aussagen immer wieder mit Deutschen zu tun hatte. Im Nachhinein bin ich

froh, geblieben zu sein, da zum einen die Kinder nichts für diese Einstellung des Lehrers können

und zum anderen der Dialog mit solchen Menschen zwar unangenehm, aber dennoch wichtig ist.

Natürlich klappte auch sonst nicht immer alles, sei es, dass die Konditionen des Besuchs nicht gelesen

wurden (und man sich unangekündigt beispielsweise den Deutschschülern gegenüber sieht), sei

es, dass die entsprechenden Lehrkräfte nicht auf dem Laufenden, die Räume nicht vorbereitet oder

angemessen ausgestattet (fehlende Fernbedienungen für TV und DVD-Player, zu kleine Räume)

oder die Schüler nicht oder nur schwer aufzutreiben waren. Aber selbst dann ist es faszinierend

zu sehen, wie schnell und leicht dieser „Organisationsverzug“ aufgeholt und die Stunde begonnen

werden konnte.

Insgesamt waren die Erfahrungen der DeutschMobil-Besuche in den Schulen sehr positiv; die

Begegnung mit Schulleitern, die sich für die Sprachenvielfalt einsetzen und sich für Deutsch und

Deutschland interessieren, empfand ich als sehr bereichernd. Der Kontakt zu den Deutschlehrern,

der in den meisten Fällen informativ und sehr herzlich war, schaffte es, immer neu zu motivieren

und auch in der vierten Stunde am Tag alles zu geben. Als besonders angenehm sehe ich die Stunden

an, in denen die Deutschlehrer (und teilweise auch die Schulleitung) ihr Interesse bekundeten

und durch Auskünfte über lokale Besonderheiten wie Schüleraustausch oder Klassenfahrten

nach Deutschland die allgemeinen Informationen konkretisierten und den Schülern noch direkter

erlebbar machten. Auch für die Bereitschaft der Lehrer, mich zu sich nach Hause oder zum Essen

einzuladen, bin ich sehr dankbar.


Sonderaktionen

26. 09. 2006 Journée des langues européennes

Midi-Pyrénées

...auf der Place St. Etienne in Zusammenarbeit mit der Maison de l‘Europe. Bei diesem ganztägigen

Einsatz konnten leider nur etwa 40 Schüler und ein Dutzend Erwachsene erreicht werden, was zum

Einen der wenig zentralen Lage, zum Anderen dem schlechten Termin geschuldet ist: Die Journée

findet viel zu früh im Schuljahr statt, so dass die Lehrkräfte noch nicht die Ruhe zum Organisieren

von Sonderaktionen gefunden haben dürften. Dennoch sollte diese Aktion auch im nächsten

Schuljahr wahrgenommen werden, ist es doch ein angenehmer Einstieg in die DeutschMobil-

Arbeit. Zudem kam das Lokalfernsehen für ein kurzes Interview mit den Verantwortlichen und mir

vorbei.

16.11.2006 Einführungsseminar für die neuen DAAD-Lektoren in Frankreich in Paris

In diesem Rahmen konnten Anneke Viertel und ich als DeutschMobil-Lektorinnen und DAAD-

Sprachassistentinnen den neu eingereisten DAAD-Lektoren das Projekt DeutschMobil mit

Präsentation und Spielen vorstellen. Viele Lektoren hörten zum ersten Mal von unserem Projekt

und zeigten sich sehr interessiert.

18.,19.,25.01.2007 Journées franco-allemandes der Académie de Toulouse

...mit organisierten Gesprächsabenden an verschiedenen Orten. In Gourdon, Castres sowie in

Condom wurden in zwei Schulen bzw. einer Bibliothek Infoabende veranstaltet, durch die neben

Lehrern Schüler und ihre Eltern über die verschiedenen Gesichtspunkte des Deutschlernens informiert

werden sollten. Im Einzelnen:

Gourdon: Neben drei DeutschMobil-Interventionen im CE1, zu denen die Eltern eingeladen

waren, fand eine Diskussionsrunde statt, bei der vor allem Lehrer der Gegend und Vertreter der

Académie anwesend waren. Das DeutschMobil konnte aus Zeitgründen nur sehr kurz vorgestellt

werden.

Castres: Eine Diskussionsrunde mit Vertretern der Académie, des CDDP, des ADEAF und mit

Deutschlehrern sollte Eltern über den Deutschunterricht informieren. Auch hier waren nur einzelne

Eltern anwesend. Das DeutschMobil konnte hier genauer vorgestellt werden, in Einzelgesprächen

baten Lehrer auch um detailliertere Informationen (und Termine, die jedoch nicht mehr vergeben

werden konnten).

Condom: Geplant waren DeutschMobil-Interventionen im CM2 und in den Klassen der cinquième.

Jedoch fielen diese aus: Wegen starken Schneefalls konnten die Schüler nicht in die

Schulen kommen. Da ich dennoch und unter extremen Bedingungen angereist war, wurden alle

anwesenden Schüler der Schule (18 von 450) versammelt, so dass ich Schülern von der sixième bis

zur troisième Deutsch und Deutschland vorstellen konnte, wenn auch nur drei darunter waren, die

im Laufe des Schuljahres eine neue Fremdsprache wählen konnten.

22.01.2007 Anniversaire du traité de l‘Élysée - Infostand im CRIJ

Das Centre régional d‘information pour la jeunesse zusammen mit dem Goethe-Institut und dem

Lektor des DAAD. Auch bei diesem Termin wurden nur wenige Leute erreicht, jedoch konnten

diese Interessenten somit gut und intensiv beraten werden: Schüleraustausch, Studienmöglichkeiten,

Praktika, Deutschkurse usw. Das typische DeutschMobil-Publikum konnte in diesem Rahmen

nicht angesprochen werden.

20. bis 26.03.2007 Leipziger Buchmesse

Informationsstand des DeutschMobil (in direkter Nähe zum France Mobil) in der zentralen Glas-

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Midi-Pyrénées

halle. Dabei konnten zahlreiche Besucher über das DeutschMobil informiert werden. Durch mehrere

Preisrätselverlosungen in Zusammenarbeit mit den Lektoren des France Mobil war es möglich,

besser wahrgenommen zu werden. Im Laufe der Messe konnten wir auch durch Besuche an den

Ständen von Partnern und anderen Verlagen Kontakte knüpfen und Material für das DeutschMobil

erhalten (Kalender, Deutschlandpuzzle, Spiele).

09.05.2007 Journée de l‘Europe auf der Place du Capitole in Toulouse

...neben dem gemeinsamen Infostand mit dem Goethe-Institut konnte ich mit zwei cinquième-

Klassen zusammenarbeiten, die mit Begeisterung an den vorbereiteten Spielen teilgenommen

haben. Besonders die Hitparade mit deutscher Musik (inkl. Tokio Hotel) kam gut an.

Außeneinsatz

Auch dieses Jahr wurde das DeutschMobil Midi-Pyrénées wieder an die Académie de Limoges ausgeliehen.

Und so verbrachte ich zwei Wochen (19. bis 23. Februar und 07. bis 11. Mai 2007) in

dieser wunderschönen Region. Zum einen habe ich dabei in der Inspection de Tulle (département

Corrèze) 13 Klassen der CE1 und zwei Klassen der cinquième besucht; die Organisation wurde

von der Conseillière pédagogique pour les langues, Marie-Christine Renson, vor Ort durchgeführt.

Unterkommen konnte ich unentgeltlich im Collège Victor Hugo in Tulle.

Zum Anderen konnte ich im Mai - unterbrochen von einer Sonderaktion zur Journée de l‘Europe

in Toulouse, für die ich so über 600 Kilometer zurücklegen musste - vier Schulen im Norden der

Haute-Vienne (87) sowie ein weiteres Collège im Süden der Region besuchen. Dort wurde ich sehr

nett von einem Deutschlehrer beherbergt.

Leider gelang es im Laufe des Schuljahres (auch über das Goethe-Institut) nicht rechtzeitig, den

Kontakt zur verantwortlichen IPR, Thérèse Behrouz, herzustellen; da sie für zwei Académies

zuständig ist, scheint sie etwas schwieriger zu erreichen zu sein. Für das kommende Jahr besteht der

Kontakt nun erfreulicherweise, auch dank der Nachfrage durch eine der besuchten Deutschlehrerinnen

im Limousin.

Eine Neuerung für das kommende Schuljahr wird die Ausweitung des Besuches um eine weitere

Woche (im ersten Trimester des Schuljahres) sein, die es ermöglichen dürfte, den Anfragen zu entsprechen

und der schwierigen Lage des Deutschunterrichts in dieser doch recht kleinen Region

mit großer anglophoner Bevölkerungsminderheit Abhilfe zu verschaffen. Dabei sollte neben dem

Kontakt zur IPR auch der zu Madame Renson sowie zu den Deutschlehrern Patrick Parrotin sowie

Laurence und Simon-Knut Meyer genutzt werden.

Sprachassistenz an der Universität Toulouse II Le Mirail

Organisation

Nach den Anlaufschwierigkeiten der DAAD-Sprachassistenz im Vorjahr musste zu Beginn des

Schuljahres zunächst geklärt werden, wie die Arbeit an der Universität geplant und durchgeführt

werden könnte. Durch Gespräche mit Barbara Berzel (DAAD Paris), Roberto di Bella (DAAD-

Lektor an der Universität Toulouse) sowie dem Leiter der section d‘allemand, Alain Cozic, wurde

dann jedoch recht schnell klar, dass und wie mein Einsatz an der Uni koordiniert werden konnte.

Noch vor Anfang des Semesters fand eine Besprechung mit Dozenten statt, die gerne mit einer

Assistentin zusammenarbeiten wollten. Somit wurde ein Einsatz in verschiedenen Kursen nahezu


Midi-Pyrénées

aller Niveaus beschlossen, der genau geplant wurde, um nicht im Laufe des Jahres mit der Arbeit

des DeutschMobils zu kollidieren.

Einbindung in die section d‘allemand

Die Zusammenarbeit mit der Deutschabteilung lief gut, der Kontakt zu den Dozenten war kollegial

und offen. Auch durch meine Mitarbeit bei der Planung und der Durchführung des Tages

der Offenen Tür am 31. Januar 2007, wo ich als DAAD-Sprachassistentin und DeutschMobil-

Lektorin teilgenommen habe, konnte diese Zusammenarbeit intensiviert werden.

Am Ende des Studienjahres fand ein Gespräch über die an der section eingesetzten Lehrwerke bzw.

über eine eventuelle Einführung neuer Lehrmittel statt, wo ich meine Erfahrungen und Kenntnisse

über die Lehrwerkslandschaft beratend einbringen konnte. Daran waren neben den verantwortlichen

Dozenten auch der aktuelle DAAD-Lektor sowie die neue DAAD-Lektorin Stefanie Waterstradt

(ab September 2007) anwesend.

Kurse

Der nach den vorbereitenden Gesprächen zusammengestellte „Stundenplan“, den ich in eigener Verantwortung

erstellte und der an den Wünschen der Lehrkräfte ausgerichtet war, sah folgendermaßen aus:

- Am Anfang des Jahres, noch vor Semesterbeginn, nahm ich an Kursen für non spécialistes 2ème

année (Musikwissenschaftler) teil, im Rahmen derer wir Dialogübungen gemacht und über Landeskunde,

dabei insbesondere aktuelle Musik, gesprochen haben.

- Im Laufe des Jahres arbeitete ich in verschiedenen Kursen als Gast mit, übernahm dabei vor

allem in Kursen für non spécialistes einzelne Stunden. Diese nutzte ich, um den Studenten aktuelle

Themen nahe zu bringen; es ging dabei um deutsche Musik, deutschen Film und - auf einem relativ

niedrigen Niveau - auch um Politik. Jedoch gab es auch Einheiten zur Sprachpraxis (Wegbeschreibungen

im Anfängerkurs, Dialoge zum Kauf von Theater- und Fahrkarten usw.); teilweise habe

ich auch verschiedene Themen zusammen mit den Studenten erarbeitet (zum Beispiel deutsche

Geografie).

- In einer Stunde nahm ich an einem kleinen Plenumsgespräch über die Verarbeitung des Nationalsozialismus

teil, um den Studenten neben dem Standpunkt der Dozentin noch eine etwas jüngere

Sicht auf diesen Teil der deutschen Geschichte zu erlauben.

- Über das Studienjahr verteilt arbeitete ich mit einer kleinen Gruppe von Studentinnen zusammen,

die das CAPES (das französische Staatsexamen) vorbereiteten. Die zuständigen Dozenten,

Anne Butet, André Combes sowie Jean-Paul Confais, baten mich, mit den CAPES-Studenten

den mündlichen Ausdruck (inkl. Phonetik) und Gesprächsstrategien zu üben und sie gleichzeitig

durch Referate zu aktuellen landeskundlichen Themen auf möglicherweise prüfungsrelevante

Themenblöcke vorzubereiten. Daher konnte ich nach vorangehender Sammlung wichtiger Themenbereiche

Dossiers (Zeitungsartikel, Karikaturen, Statistiken usw.) zusammenstellen, die die

Studentinnen als Übung im Plenum vorstellten und die im Kurs durch Diskussionen vertieft

wurden. Bearbeitet wurden dabei unter anderem Dossiers zur Rolle der neuen Frau, zu Rechtsradikalismus,

zu Migration und Integration in Deutschland, zum neuen Nationalbewusstsein nach der

Fußballweltmeisterschaft und zur Politik (Parteien, Staat).

Dies scheint erfolgreich gewesen zu sein, waren doch dieses Jahr - statt drei im Vorjahr - acht admissibles,

also zu den Prüfungen zugelassen (bei zwölf Bewerbern).

Weitere Sonderaktionen

22. Januar 2007 Informationsveranstaltung mit Ausstellung des DFJW (deutsch-französische Karikaturen)

und Ständen des DAAD, des DeutschMobils und des Goethe-Instituts sowie verschie-

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Midi-Pyrénées

dener lokaler Vereine mit Deutschlandbezug im CRIJ (Centre régional pour l‘information de la

jeunesse) zu verschiedenen Fragen (Austausch mit Deutschland, Job- und Stipendienangebote,

DeutschMobil- und France Mobil-Interessenten); kontaktierte Personen: 12 (vgl. auch Pressespiegel

im Anhang).

31. Januar 2007 Tag der offenen Tür an der Université de Toulouse II Le Mirail

Dozenten der section d‘allemand sowie der DAAD-Lektor Roberto di Bella haben diesen Tag der

offenen Tür organisiert und ein vielfältiges Programm zusammengestellt: Salon littéraire mit Buchverkauf

und Lesungen, Quiz, deutsch-französisches Theater, deutsch-französisches Büffet, eine touristische

Ausstellung und vieles mehr. Dabei konnte ich zum Einen in der Vorbereitung helfen

und einige Preise für das Quiz zur Verfügung stellen und zum Anderen am Tag selbst den Infostand

mitbetreuen, wo Studenten, aber vor allem auch Schüler des lycée sich über Studien-

und Arbeitsmöglichkeiten in Deutschland informieren konnten. So konnten auch einige Interessenten

für die France Mobil-Lektorate und Hospitanten für das DeutschMobil gefunden werden.

Außerdem konnte ich eine Klasse CM2 mit DeutschMobil-Spielen unterhalten. Dieser Tag war ein

voller Erfolg und wird im kommenden Jahr sicher wiederholt werden; kontaktierte Personen: 25

Schüler, ca. 300 Erwachsene.

Betreuung

Der Kontakt zu Barbara Berzel bestand von Anfang an; vor allem in der Planungsphase stand sie

mit Rat und Tat per Telefon zur Seite, um den Start ins Semester zu erleichtern und den Kontakt

zur Universität zu verbessern.

Durch das Einführungsseminar für die neu eingereisten DAAD- und Ortslektoren vom 15. bis 18.

November 2006 konnte ich sie persönlich und den DAAD Paris kennen lernen, was die Zusammenarbeit

im Laufe des Jahres vereinfacht hat. Bei diesem Seminar konnte ich auch viele Informationen

über das französische Hochschulsystem sowie zahlreiche Anregungen für den Unterricht

an der Universität gewinnen. Durch die Präsentation des Programms DeutschMobil in diesem

Rahmen zusammen mit Anneke Viertel (DeutschMobil-Lektorin in der Aquitaine und DAAD-

Sprachassistentin an der Université de Bordeaux III) wurden die anderen Lektoren auf dieses Programm

aufmerksam gemacht und ihnen die Arbeitsweise des DeutschMobils vorgestellt. Dadurch

setzten sich auch einige Lektoren mit den DeutschMobil-Lektoren der jeweiligen Region in Verbindung

und konnten sie auf Interventionen begleiten. Insgesamt brachte das Seminar einen nicht

zu unterschätzenden Motivationsschub für die weitere Arbeit im deutsch-französischen (Hoch-)

Schulbereich.

Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Strukturen

Die Zusammenarbeit mit der Einsatzstelle

Durch die Angliederung an das Goethe-Institut Toulouse hatte ich erhofft, eng mit den

Beschäftigten und den vorhandenen Strukturen zusammenarbeiten zu können und die bestehenden

Kontakte zu den Deutschlehrern und den Fremdsprachenassistenten der Region sowie der

Académie (inkl. der conseillers pédagogiques) nutzen zu können.

Das Institut stellt dem DeutschMobil einen Arbeitsplatz mit Computer (inkl. Internetanschluss)

und Telefon zur Verfügung, auch das Büromaterial konnte ich weitgehend über das Goethe-Institut

beziehen; Im Allgemeinen konnte ich völlig frei arbeiten, meine Arbeitszeit nach Gutdünken einteilen

und musste mich diesbezüglich nach niemandem richten. Außerdem war die Arbeitsatmosphäre

mit den meisten Kollegen sehr angenehm; bei Fragen konnte ich die Mitarbeiter jederzeit um Hilfe bitten.


Die Zusammenarbeit mit der Académie

Midi-Pyrénées

Der Kontakt zum IPR, Yves Chevillard, ist gut. Er ist sehr interessiert an der Arbeit, macht jedoch

keine Vorgaben, welche Schulen ich besuchen sollte, wo ein Einsatz besonders wünschenswert wäre

usw. Im Rahmen der deutsch-französischen Tage und den dabei stattfindenden tables rondes stellte

er sich voll hinter das Projekt und unterstützt auch darüber hinaus die Arbeit. Zudem hat er vor

allem bei Problemen ein offenes Ohr, wie zum Beispiel bei einem problematischen Schulbesuch in

Albi. Nach meinem Bericht an Monsieur Chevillard kontaktierte er sofort den zuständigen inspecteur,

der den Lehrer dazu veranlassen sollte, sich bei mir zu entschuldigen.

Die Zusammenarbeit mit der Presse

Leider ist es mir nicht gelungen, die Wichtigkeit der Pressearbeit an den Schulen klar zu machen,

so dass nur wenige Artikel über die Besuche des DeutschMobil in den Schulen erschienen sind.

Erst seit der Mitte des Jahres und durch deutlichere Hinweise meinerseits auf die Bedingungen

des Besuches (inkl. Einladung der Presse) zeigt sich hierbei eine Besserung, und die Presse sendet

häufiger einen Journalisten an die Schulen. Gleichwohl wurden die veröffentlichten Artikel (noch)

nicht zugesandt.

Vorbereitung und Betreuung - Seminare

Durch die drei Seminare der Robert Bosch Stiftung im Laufe des Schuljahres wurden wir

DeutschMobil-Lektoren nach meinem Empfinden sehr gut begleitet.

Für das Einführungsseminar im Juli 2006 in Stuttgart ist besonders die effiziente Einarbeitung in

die Aufgaben des Lektorats durch die verschiedenen Schwerpunkte sowie die Besprechungen im

Tandem mit den ausscheidenden Lektorinnen des Jahres 2005/2006 positiv anzumerken. Jedoch

konnte das Programm bei der Einführung der Generation 2007/2008 verbessert werden, beispielsweise

durch die Einführung in die Animation durch die aktuellen Lektoren.

Das Zwischenseminar im Dezember 2006 in Berlin mit dem Seminar zur Präsentationstechnik hat

die Arbeit des DeutschMobils insbesondere für Sonderveranstaltungen und Elternabende erleichtert,

weswegen auch darüber nachzudenken ist, ob dies nicht vorgezogen werden könnte (wobei

fraglich ist, wie das realisiert werden kann). Vor allem durch das Treffen und den Austausch mit

den Lektoren des France Mobil konnten wir dort auch neue Animationsideen gewinnen. Es wäre

toll, wenn die Zeit dafür etwas verlängert werden könnte. Dies würde auch eine weitere und

engere Zusammenarbeit (Regionalpartnerschaften, gegenseitige Besuche, intensiverer Austausch

der Methoden) erlauben, was für beide Seiten sehr bereichernd sein dürfte.

Dies ist auch ein Wunsch, der im gemeinsamen Seminar der Deutsch- und France Mobile im Juni

2007 in Montpellier ausgedrückt wurde. Dort konnten wir im Rahmen eines abwechslungsreichen

und sehr interessanten Programms, das Nadine Gruner und Michaël Dufour-Ledoux ausgearbeitet

hatten, uns methodisch-didaktisch austauschen, neue Animationsbausteine und viele Ideen entwickeln.

Bisher wurde dabei eine intensivere Zusammenarbeit zwischen den Mobilen von Partnerregionen

angedacht, erste Ideen für einen deutsch-französischen Wettbewerb gesammelt, die im

Moment nach der Vorarbeit in Montpellier weiterentwickelt werden, oder Pläne konkretisiert, ein

funktionales Alumni-Netzwerk aufzubauen. All diese Ideen ermöglichen eine noch ansprechendere

und aktuellere Arbeit eines jeden Lektors allein, aber eben auch die Verknüpfung von gemeinsamen

Stärken für die Werbearbeit auf beiden Seiten des Rheins.

Das Abschlussseminar im Juli 2007 in Stuttgart war ein würdiger Abschluss des Stipendienjahres

2006/2007, bei dem wir durch das Bewerbungsseminar neue Motivation für das Leben nach dem

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Midi-Pyrénées

DeutschMobil finden konnten, das es aber auch ermöglichte, die erworbenen Erfahrungen und

Kenntnisse an die neue Generation der Lektoren 2007/2008 weiterzugeben. Abgesehen von der

sehr, teilweise zu straffen zeitlichen Planung des Seminars (vor allem der Tag des Austausches der

alten gegen die neuen Mobile war viel zu voll gestopft (auch wenn keiner mit den Staus und Pannen

rechnen konnte) und die Zeit für die Präsentation der Animationsbausteine folglich viel zu knapp)

war die (Arbeits-)Atmosphäre sehr angenehm und produktiv.

Das durch die DeutschMobil-Generation 2005/2006 angeregte zweite Zwischenseminar vom 13.

bis 15. April in Volnay (Bourgogne), das wir selbst organisiert haben, hat es ermöglicht, auch in den

letzten drei Monaten gute Arbeit zu leisten, hat doch die „heiße DeutschMobil-Phase“ zwischen

Januar und April viel Energie und permanenten Einsatz gekostet. Durch dieses Treffen haben wir

alle neue Kraft gewonnen, neue Ideen entwickelt und vor allem die Arbeit am DeutschMobil-Kit

so weit vorangebracht, dass es nun - zum Ende des Schuljahres - weitgehend fertig gestellt ist und

unter die Leute gebracht werden kann.

Für das kommende Schuljahr und unserer nachfolgenden Generation schlage ich vor, erneut ein

zweites Zwischentreffen zu veranstalten. Wie bereits in Stuttgart im Plenum angesprochen, ist zu

überlegen, ob und inwiefern dies mit dem Deutsch- und France Mobil-Treffen kombiniert werden

könnte. Dies sollte auf jeden Fall angestrebt werden, könnte doch so zum Einen der Kontakt zu

den France Mobil-Lektoren schon früher im Jahr (also deutlich bevor es fast zu spät ist) intensiviert

und konkretisiert werden, zum Anderen die in Koproduktion entwickelten Ideen selbst ausprobiert

werden, anstatt sie an die nächste Generation weiterzugeben, die im Juli noch nicht so weit ist und

sein kann, diese Ideen anzunehmen und abzuschätzen, was wie anwendbar ist.

Gesamtbeurteilung des Schul- und Studienjahres

Das vergangene Jahr war teilweise sehr anstrengend, dabei jedoch immer sehr vielseitig und sehr

bereichernd; durch den Einsatz sowohl als DAAD-Sprachassistentin als auch als DeutschMobil-Lektorin

war die Arbeit sehr abwechslungsreich. Die Arbeit an der Universität hat es mir

erlaubt, mich weiter wissenschaftlich mit der deutschen Sprache auseinanderzusetzen und meine

pädagogischen Erfahrungen im universitären Unterricht weiter auszubauen. Dieses Tätigkeitsfeld

hat als angenehme Abwechslung zudem die Motivation für das DeutschMobil-Lektorat gefördert.

Indem ich von der Terminplanung über die Vorbereitung und die Durchführung der Sprachanimationen

bis zur Budgetverwaltung den gesamten Arbeitsbereich des DeutschMobils in weitgehender

Selbstständigkeit abgedeckt habe, konnte ich auch außerhalb des didaktischen Zweiges viel lernen:

ich habe so entdeckt, dass ich sehr gerne organisiere und koordiniere. Auch im Kontakt oder in der

Auseinandersetzung mit manchmal vielleicht schwierigen Personen habe ich so viel Übung erhalten,

so dass ich damit leichter werde umgehen können. Die in diesem Jahr erlangte Flexibilität,

sei es im Umgang mit Menschen, sei es durch immer neue Orte, Situationen oder ganz banal Fahrstrecken,

weiß ich sehr zu schätzen. Dabei war vor allem der Kontakt zu einer Vielzahl von unterschiedlichen

Menschen sehr bereichernd: in Gesprächen mit Kollegen, Académie-Mitarbeitern,

Studenten, Deutschlehrern, Schulleitern und allen voran den fast 5.000 Schülern konnte ich diese

kennen lernen und viele interessante Dinge von und mit ihnen lernen.

Diese Vielseitigkeit, die es wohl in nur wenigen Arbeitsstellen gibt, möchte ich nicht missen, werde

ich die dadurch erworbenen Kompetenzen doch auch in Zukunft in verschiedenen Bereichen einsetzen

können.


Midi-Pyrénées

Durch die Werbung für Deutsch als Fremdsprache in Frankreich kann das DeutschMobil hoffentlich

nicht nur helfen, die Zahl der Deutschlerner zu erhöhen, sondern trägt auch zu einem

aktuelleren und realistischeren Deutschlandbild bei. Dies ist eine wichtige Aufgabe der DeutschMobil-Lektoren,

ist dies doch ein erster Schritt, sich mit dem Nachbarland auseinanderzusetzen. Und

dies ist auch eine der häufigsten Reaktionen der Schüler: dass sie etwas Neues über Deutschland

gelernt haben, dass sie vielleicht sogar das eine oder andere Vorurteil abbauen konnten und nun

Deutschland mit etwas anderen Augen sehen.

Ich hoffe, dass das DeutschMobil auch in Zukunft einen so positiven Einfluss auf das Deutschlandbild

nicht nur der jüngeren Franzosen haben wird, dass sich außerdem in Zusammenarbeit mit dem

France Mobil die deutsch-französischen Beziehungen weiter verbessern und unsere beiden Länder

gute Nachbarn bleiben bzw. noch bessere Nachbarn werden. Durch die bereits gestartete Alumni-

Arbeit kann durch den engeren Kontakt zwischen den DeutschMobil- und France Mobil-Lektoren

sicher auch manch andere Verbindung geknüpft werden.

Folgende Tipps möchte ich meiner Nachfolgerin geben:

- Sag „Nein“, auch wenn Dich die Deutschlehrer noch so sehr zu einem Termin drängen

wollen. Du legst die Bedingungen und auch die Termine fest, nicht sie. Ein voller Terminkalender,

den man in der anfänglichen Übermotivation vielleicht zu meistern glaubt, kann

schwer zu ertragen sein, wenn zwischendurch mal die Luft raus ist und noch andere Dinge

dazu kommen. Man muss mit seiner Energie haushalten und zur Not auch mal einen

Termin ausschlagen.

- Bewahre Ruhe und Geduld, sei es beim Autofahren (die Anderen können ruhig hupen…!)

oder im Unterricht. Wenn etwas mal nicht klappt, ist das kein Problem; wenn etwas nicht

funktioniert (fehlende Vorbereitung in den Schulen, defekte Technik oder Ähnliches),

muss man anders klarkommen. Aufregung hilft dabei sicher nicht. Und vor allem im

Umgang mit Schülern ist immer wieder Geduld und Fingerspitzengefühl von Nöten. Das

DeutschMobil möchte einen Gedankenaustausch anregen und Neugierde wecken: das geht

nur mit Zuhören (manchmal auch nur mit klaren Worten, wenn die Schüler es übertreiben)

und Freundlichkeit.

- Nimm Dir Zeit für Dich selbst. Packe die Tage nicht zu voll, sondern gönne Dir eine

Pause zwischendurch, um die Gegend anzuschauen, um mit Leuten zu reden (anstatt nur

kurz darüber weg zu gehen), um Energie zu tanken. Die ist extrem wichtig, auch immer

absolut da zu sein, um gute Arbeit leisten zu können. Nimm Dir aber auch Zeit, um abzuschalten.

Wochenendarbeit kommt immer wieder mal vor, aber nutze das Wochenende

lieber, Toulouse zu entdecken, neue Leute und Freunde zu treffen, einem Hobby nachzugehen.

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Midi-Pyrénées

Zu guter Letzt möchte ich noch meinen Dank aussprechen:

- den Kollegen des Goethe-Instituts für ihre Hilfe und Unterstützung in stressigen Phasen.

- den Dozenten und Kollegen der Universität, die mich immer in der Arbeit unterstützt

haben und Verständnis für meinen engen Terminplan hatten.

- dem IPR der Académie de Toulouse, Yves Chevillard für die angebotene Unterstützung bei

Problemen.

- allen Deutschlehrern der Académies de Toulouse und de Limoges für ihre Freundlichkeit

und ihr Engagement, vor allem denen, die mich so herzlich in ihren Familien begrüßt

haben, besonders Agnès C., Patrick P. (und Flora), Christine P., Joël S., Nicole E., Rudi A.,

Florence O. und Chantal P.

- dem DAAD und vor allem Barbara Berzel und Klaudia Knabel für die Hilfe bei der Organisation

und sonstigen Fragen sowie für die nette Atmosphäre in Bonn.

- Karin Karlsson und Maike Heitkamp sowie der Robert Bosch Stiftung für die informativen

und tollen Seminare in Stuttgart und Berlin.

- meinen DeutschMobil-Kollegen für den fruchtbaren Austausch in allen Belangen, für

gegenseitige Motivationsmails und -telefonate, für die tolle Zeit bei den Seminaren und

sonstigen Treffen.

- Nadine Gruner für ihre immer freundliche Antwort auf alle Fragen, für die Organisation

der Seminare (vor allem Volnay und Montpellier).

Vielen Dank für dieses großartige Jahr!

Sabine Pretscher


Midi-Pyrénées

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B erichte aus den Regionen

Normandie | Calvados

Lektorin......... Jessica Wilzek

Einsatzstelle.... Conseil Général du Calvados

Kontakt.......... Service Europe

9 rue Saint Laurent

14000 Caen

Fon: (0033) 02 31 57 18 10

Fax: (0033) 02 31 57 18 11

deutschmobil@cg14.fr

Das zweite Jahr DeutschMobil Caen

Seit dem vergangenen Schuljahr 2005/06 verfügt die Akademie Caen über ein eigenes DeutschMobil.

Die Aktion DeutschMobil wird in der Basse-Normandie in Zusammenarbeit mit dem Conseil

général du Calvados organisiert, der den Lektorinnen auch die Büroräume im Service Europe zur

Verfügung stellt. Wie bereits im letzten Jahr umfasst auch dieses Jahr das hauptsächliche Einsatzgebiet

die drei Départements der Basse-Normandie: den Calvados, die Manche und die Orne.

Insgesamt besuchte ich mit dem DeutschMobil 118 Collèges und Grundschulen in der Basse-

Normandie und der nördlichen Bretagne. Dabei erreichte ich über 7.800 Schüler und habe 10.268

km zurückgelegt.

Schulbesuche

Vorbereitung des DeutschMobil-Jahres mit der Schulbehörde und den Gebietskörperschaften

Zu Beginn habe ich Kontakt mit den die Aktion betreuenden Vertretern der Akademie sowie der

Conseils généraux der zwei Départements Manche und Orne aufgenommen, um mich vorzustellen.

Die Zusammenarbeit mit dem Conseil général der Orne verlief gut. Über die Chargée de mission

Orne développement/ Conseil général de l‘Orne sowie über lokale Vertreter der Académie wurden

Collèges als auch Grundschulen über das DeutschMobil informiert, so dass ich gleichmäßig viele

Grundschulen und Collèges besuchen konnte.

In der Manche hatte ich allerdings überwiegend Anfragen von Collèges. Teilweise haben die

Deutschlehrkräfte oder die Direktion der Collèges Interventionen in den umliegenden Grundschulen

organisiert, doch hier wären für nächstes Jahr zusätzliche Interventionen in den Grundschulen

wünschenswert. Bei einem Auswertungsgespräch des DeutschMobil-Jahres 2006/2007 mit


den Vertretern der Conseil généraux und der Académie wurde dies angesprochen.

Die IPR machte allerdings darauf aufmerksam, dass in der Manche nur noch wenige Grundschulen

Deutsch als erste Fremdsprache anbieten. Die Interventionen in den Grundschulen werden ab dem

nächsten Schuljahr hauptsächlich in den CM2-Klassen stattfinden, um für die classes bilangues (ab

der 6ème) zu werben.

Im Calvados haben alle Collèges wie im vergangenen Jahr einen Informationsbrief erhalten. Dieser

Brief ging auch an ausgewählte Grundschulen.

Ablauf der Schulbesuche

Zu Beginn meiner Tätigkeit als Lektorin, d.h. im September und Oktober, habe ich Anfragen der

Schulen entgegengenommen und Termine ausgemacht. Mitte November hatte ich alle Termine -

bis auf meinen Außeneinsatz in der Bretagne - vergeben.

Die Zusammenarbeit mit den Lehrern und der Schulleitung stellte sich in den überwiegenden

Fällen als positiv heraus. In den Collèges stellte sich mir bis auf 1-2 Ausnahmen immer der

Deutschlehrer oder die Deutschlehrerin vor. In kleineren Collèges wurde der DeutschMobil-

Besuch oft von der Direktion organisiert. Allerdings gab es auch Schulen, an denen sich mir die

Schulleitung nicht vorgestellt hat, bzw. keine Zeit fand mich zu begrüßen. In diesen Schulen

machte sich oftmals ein Mangel an Unterstützung der Deutschlehrkräfte bemerkbar, die Presse

wurde nicht eingeladen und das Kollegium unterstützte meine Animationen nicht, d.h. unter

Umständen wurden die Lehrer nicht oder nur unzureichend informiert, ihre Schüler für meine

Animationen freizustellen.

Die Organisation der DeutschMobil-Besuche in den Grundschulen übernahm häufig die Schulleitung,

in vielen Fällen habe ich die Deutschlehrkraft nicht kennen gelernt, da diese meistens

an mehreren Schulen arbeiten und es ihnen aufgrund ihres Stundenplans nicht möglich ist, an

der DeutschMobil-Animation teilzunehmen. In einigen Fällen hat mich die Deutschlehrkraft aber

auch zu den Animationen in den von ihr betreuten Schulen begleitet, was für mich und den Effekt

der Interventionen sehr positiv ist.

Eine Schwierigkeit in insbesondere kleineren Grundschulen mit nur 1-2 CE1 Klassen war, den

Kontakt zum Kollegium herzustellen. Ich empfand es als positiv in den Collèges während des Mittagessens

in der Kantine mit anderen Lehrern ins Gespräch zu kommen und ihnen über die Aktion

DeutschMobil zu berichten. In Grundschulen war das oftmals nicht möglich. Kritische Anmerkungen

gegenüber Deutschland und der deutschen Sprache (besonders gegenüber dem Deutschunterricht

in Grundschulen) sind mir zwar selten, aber wenn dann in Grundschulen begegnet.

Es wäre wünschenswert, das gesamte Kollegium über die DeutschMobil-Präsenz zu informieren

und eventuell der Lektorin die Möglichkeit zu geben, sich und die Aktion DeutschMobil kurz

vorzustellen. Bei lediglich einer Unterrichtsstunde in einer Grundschule ist der Zeitaufwand dafür

allerdings zu groß. Dort muss man davon ausgehen, dass die Direktion das Kollegium vorbereitet.

Die Lektorin könnte höchstens im ersten Kontakt mit der Direktion darauf verweisen.

Elternabende

Normandie | Calvados

Elternabende und der Kontakt zu Eltern sind meiner Meinung nach ein wichtiger Teil der

DeutschMobil-Arbeit, da die Entscheidung für oder gegen eine Fremdsprache häufig (in den

Grundschulen sogar fast ausschließlich) von den Eltern getroffen wird. Die Teilnahme des

DeutschMobils an Elternabenden ist allerdings mit Schwierigkeiten verbunden. Das Ziel des letzten

DeutschMobil-Jahres in Caen, die Teilnahme an Elternabenden zu erhöhen, konnte nicht ver-

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Normandie | Calvados

wirklicht werden. Trotz meines wiederholten Angebots auch bei Elternabenden präsent zu sein,

haben nur wenige Schulen Interesse. Oft berichten sie mir, dass von Seiten der Eltern kein großes

Interesse an Informationsveranstaltungen besteht. Tatsächlich habe ich an zwei Elternabenden

in Collèges teilgenommen. Der erste Elternabend war eine Informationsveranstaltung über den

Deutschunterricht mit Präsenz des Comité de jumelage der Stadt. Es waren ca. 10 Personen anwesend.

Ein zweiter Elternabend, der eine weitaus breitere Informationsveranstaltung zu allgemeinen

Veränderungen am Collège darstellte, interessierte dagegen ca. 150 Eltern. Aus diesem Grund

wäre es vorteilhafter, das DeutschMobil zu inhaltlich über den Deutschunterricht hinausgehenden

Elternabenden einzuladen.

In den Départements Orne und Manche stellt sich die Organisation von Elternabenden noch

schwieriger dar, da diese meist nicht zu den Zeitpunkten meiner Interventionen, sondern später

im Schuljahr stattfinden, ich aber aufgrund der großen Entfernung nicht noch einmal zu einem

Elternabend in die Region fahren kann. Um die Eltern doch noch zu erreichen und für den

Deutschunterricht zu sensibilisieren, habe ich den Lehrkräften oder der Schulleitung angeboten,

diese zu den Animationen einzuladen. Ein Collège hat dieses Angebot angenommen, allerdings

sind keine Eltern gekommen.

Eine andere Aktion um Eltern zu erreichen habe ich zusammen mit dem Comité de jumelage

Bretteville sur Odon/ Gladbach im Calvados organisiert: in einer Grundschule habe ich Animationen

mit den CE1-Klassen durchgeführt, aber auch alle anderen Klassen haben jeweils 20 Minuten

lang an einer verkürzten DeutschMobil-Animation teilgenommen. Jedes Kind hat vom Comité de

jumelage ein kleines Geschenk bekommen. Für die Eltern, die am Ende des Schultages ihre Kinder

abholten, hatten das Comité de jumelage und das DeutschMobil einen Informationsstand auf dem

Schulgelände aufgebaut, die dann auch gut besucht waren.

Von zwei Collèges im Calvados wurde das DeutschMobil zu Journées portes ouvertes eingeladen.

Ich habe die Teilnahme daran als gute Möglichkeit Eltern zu erreichen erlebt. Die DeutschMobil-Animationen

haben als „Attraktion“ auch zunächst nicht an Deutsch interessierte Eltern und

Kinder in den Deutsch-Unterrichtsraum „gelockt“. Während die Kinder an der Animation teilnahmen,

hatten die Eltern Gelegenheit mit der Deutschlehrkraft über den Ablauf des Deutschunterrichts

an dem jeweiligen Collège zu sprechen. Ein zusätzlicher positiver Effekt entstand dadurch,

dass auch den Eltern durch die Animation demonstriert werden konnte, das Deutsch durchaus

„erlernbar“ ist.

Presse

Die Presse wurde von Seiten der Schulleitungen zu den meisten Interventionen eingeladen. Im

Allgemeinen ist sie in den Collèges häufiger präsent als bei Einsätzen in Grundschulen. Die Leiterin

der Presseabteilung des Conseil général erhielt monatlich von mir eine aktualisierte Auflistung der

angemeldeten Schulen, um die Presse darüber zu informieren.

Als besondere Presseereignisse gab es ein kurzes Interview über die Aktion DeutschMobil des

lokalen Fernsehsenders Normandie-TV anlässlich eines vom Infopoint OFAJ, des Centre régional

d‘information jeunesse (CRIJ) und Europe direct veranstalteten „Journée franco-allemande“

(24.01.07). Animationen des DeutschMobils während des „Festival des livres pour la jeunesse“ in

Le Havre am 30./31.03.07 und einer Veranstaltung des Service des jumelages anlässlich des Journée

de l‘Europe am 09.05.07 im Mémorial, Caen wurden auf France3 gesendet. Während des Journée

de l‘Europe wurde ebenfalls ein Interview mit mir für den Radiosender RCF aufgezeichnet.


Bilanz des Schuljahres

Die wichtigsten positiven Erfahrungen sind natürlich das Feedback der Schüler. Wenn es ihnen

gefallen hat und sie nach der Stunde zu mir kamen, um mir zu sagen, dass es eine schöne Stunde

war, und sie jetzt Lust haben Deutsch zu lernen, war das sehr motivierend. Auch die positiven

Reaktionen der Lehrer und Schulleitungen sind natürlich sehr erfreulich. In den Grundschulen war

es schön zu sehen, dass die Kinder in der Pause weiter die in der DeutschMobil-Stunde gelernten

Lieder singen. Im Collège wurde ich in der Kantine oder auf dem Schulhof oft mit „Guten Tag“

oder „Hallo“ begrüßt.

Gegen Ende des Schuljahres 2006/2007 gab es ein Auswertungsgespräch des DeutschMobil-Jahres

mit Vertretern der Conseils généraux des Calvados, der Manche und der Orne, der IPR, sowie

Vertretern der Académie aus den drei Départements. Die Bilanz fiel positiv aus. Das DeutschMobil

konnte an vielen außerschulischen Veranstaltungen teilnehmen und dadurch einen größeren

Personenkreis kontaktieren und für die deutsche Sprache und Kultur sensibilisieren. Auch die

gleichmäßigere Aufteilung der Animationen auf die drei Départements der Basse-Normandie

wurde positiv angemerkt.

Der IPR der Académie Rennes gab per E-Mail ebenfalls ein positives Feedback der Animationen in

der Bretagne.

Zum aktuellen Zeitpunkt habe ich etwa die Hälfte aller versendeten Fragebögen zur Evaluation

der Animationen zurückerhalten. Der Rücklauf aus den Collèges ist bisher sehr positiv. Bis auf

drei Collèges in der Manche, haben alle besuchten Collèges steigende Deutschlernerzahlen. In

zwei Collèges, in denen sich die Deutschlernerzahlen bereits im letzten Schuljahr nach einem

DeutschMobil-Besuch erhöht hatten, könnte es im kommenden Schuljahr zur Eröffnung einer

zweiten Deutschklasse kommen.

Sonderaktionen

Das DeutschMobil Caen hat im Schuljahr 2006/2007 an folgenden Sonderaktionen teilgenommen:

Fête de l‘Europe „L‘Europe à portée de main“, Caen-Bénouville

Veranstalter: Service des Jumelages et des Echanges Européens

Das DeutschMobil hatte auf dem Europafest in der Nähe von Caen einen eigenen Stand in

einem Zelt mit Kinderanimationen, so dass viele Eltern mit ihren Kindern vorbeikamen. Ich

konnte so die Kinder durch Spiele und die Eltern durch einen eigenen Informationsstand für das

DeutschMobil interessieren. Auch Lehrer und allgemein an Deutschland interessierte Besucher

kamen an meinen Stand, um sich zu informieren. Während der zwei Tage des Festes kamen ca.

8.000 Besucher.

35jähriges Jubiläum der Städtepartnerschaft Argentan - Rothenburg/Fulda

Normandie | Calvados

Interventionen in Schulen, nämlich Collège Truffaud und Collège Jean Rostand in Argentan. Die

zwei Collèges der Stadt Argentan hatten mich zu Interventionen im Oktober eingeladen. Zu dem

Zeitpunkt meiner Interventionen in den Schulen fanden Feierlichkeiten zu dem 35. Jubiläum der

Städtepartnerschaft mit Deutschland statt, so dass viele Deutsche in der Stadt waren, auch einige

Jugendliche.

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Normandie | Calvados

„Lumière sur nos voisins européens“ - Animation im Kino „Lux“

Veranstalter: Service des Jumelages et des Echanges Européens

Im Herbst zeigte das Kino „Lux“ in Caen den deutschen Film „Das Wunder von Bern“ in der

Veranstaltungsreihe „Lumière sur nos voisins européens“. Im Anschluss an den Film habe ich mit

den anwesenden Kindern und Jugendlichen eine Animation durchgeführt. Der Service des Jumelages

et des Echanges Européens hatte zusätzlich im Foyer ein Buffet mit deutschen Spezialitäten

aufgebaut.

„Concours vidéo jeunes - Calvados/ Basse-Franconie“ Douvres-la-Délivrande

Veranstalter des Concours: Service des Jumelages et des Echanges Européens

In der Woche vor dem „Concours vidéo jeunes - Calvados/ Basse-Franconie“ bin ich mit dem

DeutschMobil in ein Collège und eine Grundschule in Douvres-la-Délivrande, dem Austragungsort,

gefahren. Während des Concours fanden verschiedene sportliche und kulturelle Veranstaltungen

für Jugendliche statt, an denen ca. 80 geladene deutsche Jugendliche teilnahmen. Durch meine

Interventionen sollten die französischen Jugendlichen Lust bekommen an den Veranstaltungen

gemeinsam mit den Deutschen teilzunehmen.

Lehrgang für Deutschassistenten in Caen/ Mémorial

- Präsentation der Aktion DeutschMobil im Rahmen eines Lehrgangs der Deutsch-Assistenten im

Calvados im Rahmen des Programms „Speak 14“

Veranstalter: Service des Jumelages et des Echanges Européens

Ich habe die Aktion DeutschMobil den Assistenten vorgestellt und ihnen einen Eindruck einer

DeutschMobil-Stunde vermittelt. Mit einigen Assistentinnen hatte ich danach noch Gelegenheit

zur Zusammenarbeit.

„Journée franco-allemande“ in Caen

Veranstalter: Point Info OFAJ und Europe Direct - CRIJ Basse-Normandie

Das DeutschMobil hatte einen eigenen Stand beim deutsch-französischen Tag im CRIJ. Ich konnte

an Deutschland interessierte Besucher und vor allem Lehrkräfte über die Aktion informieren.

2e Festival des livres jeunesse - Thème: l‘Allemagne, Le Havre

Veranstalter: Association Ca s‘passe au Quai

Das Festival ging über zwei Tage. Das DeutschMobil war mit einem eigenen Stand vertreten. Am

ersten Tag konnte ich mit mehreren Schulklassen und Kindergruppen Animationen durchführen.

Am zweiten Tag informierte ich hauptsächlich interessierte Lehrer und Eltern.

Lehrerseminar in Caen

Veranstalter: Service des Jumelages et des Echanges Européens

Präsentation der Aktion DeutschMobil im Rahmen eines Lehrerseminars für Deutsch- bzw.

Französischlehrer aus dem Calvados, bzw. aus Unterfranken

Journée portes ouvertes in Trouville-sur-Mer

Collège-Lycée Marie-Joseph

Ich konnte mehrere kurze Animationen mit Kindern durchführen, habe aber hauptsächlich zusammen

mit dem Deutschlehrer Eltern über den Deutschunterricht informiert.


Journée portes ouvertes in Lisieux

Collège Jean-Baptiste de la Salle

Einen ganzen Vormittag über habe ich mit kleineren Kindergruppen Animationen durchgeführt,

Interventionen in Schulen, währenddessen die Eltern zuschauen (und auch mitmachen) konnten.

Einige Eltern haben sich danach intensiv bei der Deutschlehrerin über den Deutschunterricht

erkundigt. Die DeutschMobil-Animationen wurden am Eingang der Schule angekündigt und

lockten viele Kinder und ihre Eltern in das Deutsch-Klassenzimmer.

Journée de l‘Europe, Caen Mémorial

Veranstalter: Service des Jumelages et des Echanges Européens

Das Deutschmobil hatte einen eigenen Stand mit Informationsmaterial. Ich habe jede Stunde eine

Animation mit verschiedenen Klassen unterschiedlicher Altersstufen durchgeführt. An den Stand

kamen aber auch viele Lehrer sowie Mitglieder von Comités de jumelage. Insgesamt haben am

Journée de l‘Europe 14 Collèges mit 350 Schülern teilgenommen.

Tag in der Grundschule Bretteville sur Odon

Veranstalter: Comité de jumelage Bretteville sur Odon

Das Comité de jumelage hatte für jedes Kind der Schule ein Überraschungsei als Geschenk, welches

sie nach einer DeutschMobil-Animation bekommen haben. Im Schulhof hatten sowohl das

Comité als auch ich einen Informationsstand für die Eltern, die nach der Schule ihre Kinder abholten,

aufgebaut.

Vorbereitung und Betreuung durch die Robert Bosch Stiftung und die betreuende Institution

vor Ort

Seminare

Die Begleitung des Lektorats durch die von der Robert Bosch Stiftung organisierten Seminare

bewerte ich als positiv. Das Einführungsseminar bestand aus einer gelungenen Mischung aus Erfahrungsaustausch

mit den Vorgängerinnen und Fortbildungseinheiten, wie die Fortbildung vom

OFAJ.

Das Zwischenseminar als Forum für den Austausch sowohl mit den anderen DeutschMobil-Lektoren

als auch den France Mobil-Lektoren fand ich ebenfalls sehr hilfreich. Auch da finde ich besonders

die Mischung aus Erfahrungsaustausch und Fortbildung gelungen. Die Möglichkeit Ideen

zusammenzutragen und auszutauschen, sowie sich gegenseitig von Problemen und Problemlösungen

zu berichten, ist wichtig, da wir in unserem beruflichen Alltag kaum Möglichkeiten auf ein Feedback

haben. Der Austausch mit den France Mobil-Lektoren hat zu einer besseren Vernetzung

untereinander, insbesondere auch auf die Vermittlung deutsch-französischer Schulpartnerschaften

hin, geführt.

Generell ist es sehr wünschenswert so viele Seminare wie organisatorisch möglich zeitgleich mit den

France Mobil-Lektoren zu organisieren, um genug Zeit zum Austausch zu haben.

Das Abschlussseminar mit Bewerbungs-Workshop fand ich ebenso wie die anderen Seminare hilfreich

und gut organisiert.

Einarbeitung am Einsatzort

Normandie | Calvados

Die Einarbeitung am Einsatzort war ausführlich und sehr hilfreich. Ich habe den September über

meine Einsätze im künftigen Schuljahr inhaltlich und organisatorisch vorbereitet. Doris Rouxel

und Laurence Delaunay vom Service des Jumelages haben mich bei der Planung unterstützt

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Normandie | Calvados

und mich über den Ablauf des Projekts im letzten Jahr informiert, so dass ich von den Erfahrungen

meiner Vorgängerin profitieren konnte. Besonders wichtig war dabei auch, dass ich meine

Vorgängerin gerade zu Anfang bei konkreten Problemen kontaktieren konnte. Die Zusammenarbeit

mit der Académie funktioniert auch deshalb gut, weil mich der Service dabei unterstützt.

Mein Arbeitsplatz ist sehr gut ausgestattet. Der Conseil général stellt mir Computer, Drucker, Fax,

Telefon, Kopierer und PDA zur Verfügung. Der Laptop von der Robert Bosch Stiftung ist bei

Außeneinsätzen, und vor allem Präsentationen während Elternabenden sehr hilfreich. Durch die

Ausstattung mit Laptop und Beamer war es mir auch möglich in einigen Collèges Präsentationen

mit Bildern aus Deutschland zu zeigen.

Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge

Wünschenswert wäre mehr Zeit für die Zusammenarbeit mit den France Mobil-Lektoren, da die

Zusammenkünfte in diesem Jahr sehr produktiv waren, und daraus das Internetforum so wie auch

konkrete Ideen für die Alumni-Arbeit entstanden sind. Auch der Austausch von Methodik und

Inhalt der Interventionen war für die eigene Arbeit sehr bereichernd.

Bewertung der Aktion DeutschMobil - Ausblick

Ratschläge für meine Nachfolgerin

1. Meine Nachfolgerin sollte nicht zu viel Wochenendarbeit auf sich nehmen, da häufig während

des Jahres noch interessante Veranstaltungen am Wochenende dazukommen und der Terminkalender

aber schon so voll ist, dass man sich nicht mehr einfach einen Tag unter der Woche zum Ausruhen

frei nehmen kann.

2. Die maximale Vier-Tage-Interventionswoche sollte eingehalten werden, ein Tag muss mindestens

für die Büroarbeit reserviert bleiben.

3. Da die Ferien schon sehr praktisch auf das Schuljahr verteilt sind, schlage ich vor während der

Ferien KEINE Interventionen in Nachbarakademien, die vielleicht noch keine Ferien haben, zu

machen, sondern für Büroarbeit (und natürlich Urlaub) zu reservieren, um zu verschnaufen.

Bewertung des Stipendiums für meine berufliche Weiterentwicklung

Für mich war das DeutschMobil-Lektorat meine erste Stelle nach dem Studium, und ich habe

während dieser Zeit unglaublich viel gelernt. An fachlichen Qualifikationen konnte ich Erfahrungen

in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, der inhaltlichen Planung, Organisation und

Durchführung von Veranstaltungen, der pädagogischen Aufbereitung von Kultur- und Sprachvermittlung,

der Budgetverwaltung und des Projektmanagements sammeln. Persönlich habe ich

sicherlich an Selbstbewusstsein, sprachlicher und interkultureller Kompetenz, Flexibilität und Verhandlungsgeschick

dazu gewonnen. Ich habe so unterschiedliche Dinge gelernt wie nein zu sagen,

Interviews zu geben, mit schwierigen Kindern umzugehen. Als Lektorin wird man mit Stereotypen

gegenüber Deutschen und Deutschland konfrontiert, seltener auch mit Ressentiments. Es

erfordert kulturelles und diplomatisches Geschick damit umzugehen. Als DeutschMobil-Lektoren

prägen wir das Deutschland oder Deutschenbild der Kinder und Jugendlichen (manchmal auch

der Erwachsenen), denen wir während unserer Tätigkeit begegnen, da ist es wichtig freundlich

und authentisch aufzutreten. Die Lektorentätigkeit schult vor allem den respektvollen Umgang mit

verschiedenen Personengruppen und Altersstufen, den Umgang mit einer fremden und mit der

eigenen Kultur.


Allgemeine Bewertung der Aktion DeutschMobil

Das Projekt DeutschMobil ist ein sehr wichtiger Faktor in der Unterstützung des Deutschunterrichts

in Frankreich. Viele Deutschlehrkräfte, die aufgrund mangelnder Schülerzahlen an mehreren

Schulen unterrichten müssen, um auf eine normale Stundenzahl zu kommen, fühlen sich in

der Werbung für ihr Fach durch das DeutschMobil unterstützt. Es ist ihnen oft nicht möglich

Schüleraustausche oder Deutschtage zu organisieren, wenn sie an drei oder mehr Schulen angestellt

sind. Durch einen Besuch des DeutschMobils, so haben mir einige Lehrkräfte berichtet, fühlen sie

sich motiviert, da sie sehen, dass es Organisationen und Aktionen gibt, die sich verstärkt für den

Deutschunterricht einsetzen und sie nicht „allein“ kämpfen müssen.

Bisher wurde die Hälfte der Fragebögen ausgefüllt an mich zurückgeschickt. Bis auf drei Ausnahmen

in der Manche, stieg die Zahl der Deutschlerner in allen vom DeutschMobil besuchten Collèges

zum Teil sehr stark an. In zwei Schulen, in denen die Schülerzahlen bereits im letzten Jahr nach

einem DeutschMobil-Besuch angestiegen waren, könnte sogar eine zweite Deutschklasse eröffnet

werden. Dies beweist ebenfalls wie wichtig die Kontinuität der Aktion DeutschMobil ist. Für die

Schüler ist der Besuch des DeutschMobils, zusammen mit einem Austausch oder einer Reise nach

Deutschland sowie anderen Aktionen rund um die Sprache, eine Attraktion, die den Deutschunterricht

zum Ereignis und die deutsche Sprache und Kultur lebendig und konkret macht. Schüler

in der 6ème, die das DeutschMobil an ihrem Collège im Schulhof stehen gesehen haben, freuen

sich auf den Besuch im nächsten Jahr, in der sie zur Zielgruppe gehören.

In den Grundschulen, ist die Unterstützung durch das DeutschMobil für Deutsch als erste Fremdsprache

ebenfalls sehr wichtig. Allerdings könnte der Schwerpunkt vermehrt auf Informationstage

für Eltern gelegt werden. Aus den Fragebögen ergab sich, dass in vielen vom DeutschMobil besuchten

Schulen, durchaus eine große Anzahl Kinder Deutsch lernen wollte, die Eltern sich letztendlich

aber dagegen entschieden haben.

Das DeutschMobil Caen ist in diesem Jahr in Schulen in der gesamten Basse-Normandie und

der nördlichen Bretagne unterwegs gewesen. Die Bretagne hatte längere Zeit nicht von den

DeutschMobil-Besuchen profitieren können, und das positive Feedback der Deutschlehrer, der

Schulleitung, sowie auch des IPR der Académie Rennes, machen es sehr wünschenswert, das

DeutschMobil auch im kommenden Schuljahr wieder in der Bretagne zum Einsatz zu bringen.

Beschreibung erfolgreicher Interventionsformen

Normandie | Calvados

Zur Weihnachtszeit habe ich in einem Collège Interventionen mit den dortigen Deutschlehrerinnen

durchgeführt, bei denen ich ca. 45 min. der Stunde gestaltet habe und sie in den verbleibenden

10 min. die Vorzüge des Deutschunterrichts an diesem Collège z.B. verschiedene Reisen oder

Austausche, Aktionen wie die Vorführung deutscher Theaterstücke, Besuch von Kinofilmen etc.

vorgestellt haben. Dadurch wurde dem Vorurteil vieler Jugendlicher entgegengewirkt, dass Deutsch

eine langweilige Sprache sei, mit der man nichts anfangen kann.

Eine andere Deutschlehrerin hatte ihre Schüler aus der 4ème am Ende einer Animation dazu eingeladen,

den Schülern der 5ème zu erzählen, wie der Deutschunterricht ‚wirklich‘ ist, um die Vorurteile

über das sture Auswendiglernen von grammatikalischen Formeln zu dementieren.

Eine Deutschlehrerin in der Manche organisierte nach dem DeutschMobil-Besuch einen Wettbewerb

mit Geschenken aus dem DeutschMobil. Die Schüler konnten an einem Quiz teilnehmen,

dessen Antworten hauptsächlich aus der Broschüre „Passeport pour l‘Europe“ oder aus der

DeutschMobil-Stunde zu entnehmen waren. So wurden die Schüler noch mal an den Tag mit dem

DeutschMobil erinnert.

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Normandie | Calvados

Eine schöne Animation in einer Grundschule war die bereits unter dem Punkt ‚Elternabende‘

erwähnte Veranstaltung, die von einem Comité de jumelage vorbereitet wurde. Jedes Kind der

Schule hatte an diesem Tag ein paar Wörter auf Deutsch und ein Lied gelernt und konnte mit

einem Geschenk, einem Überraschungsei, nach Hause gehen.

In den Grundschulen haben mich einige Lehrerinnen nach deutschen Kinderliedern gefragt und

wollten das Guten-Tag-Lied, das ich mit den Kindern gesungen hatte, in der nächsten Stunde

wiederholen. Um eine Kontinuität in der DeutschMobil-Arbeit zu gewährleisten, habe ich den

Lehrkräften in den Grundschulen Bilder einer Schultüte zum Ausmalen dagelassen, so dass sie mit

den Kindern in der folgenden Stunde, die von mir vorgestellte deutsche Tradition der Schultüte

noch einmal vertiefen konnten.

Drei Beispiele

Vorstellung auf Deutsch im Collège

Bei der zu jeder Intervention dazu gehörenden Vorstellung in deutscher Sprache lasse ich die

Kinder zusätzlich zu ihrem Namen noch sagen, was sie lieben, da auf meine Frage, welche Wörter

sie auf Deutsch können, oft der Ausdruck „Ich liebe dich“ genannt wurde. Die Schüler haben den

folgenden Text gesagt:

Guten Tag

Ich bin…

Ich liebe (Schokolade, Musik, Sport, Partys, Filme etc.)

Und du?

Das kommt gut an, da sie merken, dass sie, obwohl sie nie Deutsch gelernt haben, schon eine

kleine Unterhaltung führen können. Um dies noch zu verdeutlichen, habe ich in kleinen oder sehr

aufmerksamen Klassen manchmal noch Nachfragen gestellt:

Schüler: Ich liebe Sport!

Ich: Welchen Sport? Tennis, Fußball, Basketball, Handball, Ski…

Schüler: Ich liebe Fußball und Handball.

Viele wollen danach wissen, wie ihr Hobby auf Deutsch heißt. Diese Art der Vorstellung steigert

das Vertrauen in das eigene Können und widerspricht dem Vorurteil Deutsch sei wie Latein eine

Sprache, in der man nur schwer kommunizieren kann.

Arbeiten mit DVDs im Collège - Karambolage-Episode zu den Nachbarländern Deutschlands

Viel Spaß macht mir und den Kindern auch die Karambolage-Episode über die Nachbarländer

Deutschlands zu schauen. In dieser Episode werden zufällig ausgewählte französische Passanten

nach den Nachbarländern Deutschlands gefragt, die sie nicht auf Anhieb nennen können oder falsche

Angaben machen. Ich zeige diese Episode, nachdem die Klasse zusammen die Nachbarländer

erraten und neben einer Deutschlandkarte an der Tafel befestigt hat.

Deutsche Bräuche in der Grundschule - die Schultüte

In der Grundschule erkläre ich am Ende der Animation den Brauch der Schultüte. Ich lasse dazu

die Kinder raten, was der Gegenstand sein könnte, zu welchem Anlass man ihn bekommt und

wer ihn bekommt. Anschließend erkläre ich den Brauch, bevor sich jedes Kind ein Geschenk aus

der Schultüte nehmen darf, wenn es mir ein während der Stunde gelerntes deutsches Wort sagen

kann.


Auszüge aus E-Mails von Schülern

Normandie | Calvados

Zum Schluss ein paar Auszüge aus E-Mails von Schülern, die ich während des Jahres bekommen

habe:

- J‘adore la langue allemande. Et il y a aussi „vier“ (si je ne me trompe pas) petits Allemands que j‘aime

beaucoup. Les TOKIO HOTEL !!!

- Je ne suis pas très, très bonne en Allemand, je n‘ais jamais eu de cours d‘Allemand, mais j‘aime vraiment

cette langue et c‘est vraiment une passion immodérée que j‘ai pour votre si beau pays. J‘ai toujours rêvé

d‘y aller un jour ! Stshüsss

- aujourd‘hui vous êtes venue dans notre collège ça nous a bien plu car vous donnez envie de faire de

l‘Allemand. Nous voudrions vous remercier d‘être venue. En 4eme nous allons faire de l‘allemand.

- Guten tag! oui je me souviens de ca... C‘est la première chose que vous nous avez appris a la deutsch

mobil!

Jessica Wilzek

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B erichte aus den Regionen

Einleitendes

Pays de la Loire

Lektorin......... Inga Kathke

Einsatzstelle.... Centre Culturel Franco-Allemand de Nantes

Kontakt.......... 1 rue du Guesclin

44000 Nantes

Fon: (0033) 02 40 35 39 43

Fax: (0033) 02 40 12 05 41

deutsch_mobil_nantes@yahoo.de

Neun Monate auf Frankreichs Straßen mit dem DeutschMobil liegen hinter mir, neun Monate

lang haben mir Schüler und Schülerinnen und Lehrer und Lehrerinnen immer wieder die gleichen

Fragen gestellt, neun Monate lang habe ich gelernt, was es heißt im Jahre 2007 Repräsentantin

Deutschlands zu sein und das Kommunikationsstrukturen in Frankreich manchmal anders funktionieren

als in Deutschland. Zugegeben im September war ich noch skeptisch, ob ich dieser Aufgabe

gewachsen sein würde. Beim Vorbereitungsseminar im Juli 2006 in Stuttgart befand sich

Deutschland noch im Rausch des WM-Sommers, der auch mich erstmalig dazu brachte, mir beim

Public Viewing auf dem Stuttgarter Schlossplatz unsere Nationalfarben auf den Wangen zu tragen.

In Frankreich habe ich gelernt, dass wir Deutschen 2007 eine Nation sind, die durch folgende

Schlagwörter gekennzeichnet ist: Kartoffeln, Sauerkraut und Brezeln, Hitler, Michael Ballack und

Knut, Tokio Hotel, Angela Merkel, Volkswagen und Mercedes-Benz.

Ein Jahr DeutschMobil bietet einem nicht nur die einmalige Möglichkeit Frankreich und die

Franzosen in einem ganz besonderen Kernbereich der französischen Gesellschaft, nämlich der

Education nationale, kennen zu lernen, sondern auch eine bereichernde Erfahrung hinsichtlich

der eigenen Identität im europäischen Kontext. Vieles habe ich trotz der vorherigen intensiven

Beschäftigung mit unserem Nachbarland erst durch die Arbeit als DeutschMobil Lektorin verstehen

und vor allem auch mögen gelernt - und das gilt sowohl für typisch deutsche als auch

typisch französische Eigenheiten. Ein Jahr lang DeutschMobil ist eine bereichernde Erfahrung in

persönlicher und beruflicher Hinsicht. Darum mein Fazit: Ich würde wieder fahren.

Die Bilanz in Zahlen

In den vergangenen 9 Monaten habe ich in der Region der Pays de la Loire und der Bretagne

insgesamt 11 880 km mit dem DeutschMobil zurückgelegt und dabei rund 70 Schulen besucht,


an denen ich über 200 Sprachanimationen durchführte und mehr als 5.000 Schülern und

Schülerinnen eine Erstbegegnung mit Deutsch ermöglichen konnte. Die bisher rückläufigen

Auswertungsbögen zum Besuch des DeutschMobils fallen überwiegend positiv aus und haben zum

Teil sehr erfreuliche Steigerungen der Deutschlernerzahlen.

Organisation und Durchführung der Schulbesuche

Erstellung der Jahresplanung

Die Nachfrage der Collèges nach dem DeutschMobil in der Akademie Nantes war und ist weiterhin

ungebremst. Bereits zu Beginn des Lektorats Mitte September lagen weit über 50 Anfragen vor.

Dabei handelt es sich zu einem Großteil um Schulen, die das DeutschMobil bereits aus den Vorjahren

kannten und wussten, dass eine rechtzeitige Reservierung einen Besuch des DeutschMobils

ermöglicht. Ich habe alle Anfragen zunächst gesammelt und die Schulen um etwas Geduld bei

der Rückmeldung gebeten. Die Rückmeldefrist sollte nicht zu früh angesetzt werden. Ich habe

Mitte Oktober zunächst die Termine bis Januar vergeben und Schulen, die das DeutschMobil erstmalig

angefragt haben bevorzugt. Andere Schulen, die bereits mehrere Jahre in Folge regelmäßig

Besuch vom DeutschMobil hatten, habe ich auf die Warteliste gesetzt. Da die Mayenne im letzten

Schuljahr drei Wochen im Rahmen des Außeneinsatzes der Lektorin besucht wurde, war in der

diesjährigen Jahresplanung nur eine Woche für den Einsatz im Norden der Region vorgesehen.

Schwierig bei der Erstellung des Jahresplans war für mich vor allem, dass ein diesbezügliches Feedback

meiner Vorgängerin fehlte und sie als Ansprechpartnerin nicht zur Verfügung stand. Trotz

des Blicks auf die Landkarte haben sich so bei der Jahresplanung einige Fehlplanungen eingeschlichen,

die jedoch häufig erst Wochen später, sozusagen en route, zu Tage traten, weil ich Distanzen

unterschätzt hatte und sich der zeitliche Aufwand für An- und Abreise belastender als erwartet

auf den Arbeitsalltag auswirkte. In den Wintermonaten Januar und Februar sollten zudem eher

Schulen angefahren werden, die eine Anfahrzeit von weniger als 1,5 h erfordern. Meiner Nachfolgerin

möchte ich deshalb bereits an dieser Stelle ermutigen, mir ihre Jahresplanung vorzulegen

beziehungsweise ihr dabei behilflich zu sein. Wichtig erscheint mir, die Vergabekriterien vorweg

eindeutig für sich selbst zu definieren, da diese gelegentlich von den Lehrern eingefordert werden.

Außerdem erscheint es mir sinnvoll, die einzelnen Kalenderwochen den jeweiligen Départements

zuzuordnen. Hierbei sollten bereits 3 Wochen für den Außeneinsatz in einer anderen Akademie

und 1-2 Wochen für Ersatztermine eingeplant und freigehalten werden. Nachdem alle Ferientermine

und Feiertage in der Jahresplanung eingetragen sind, können die Termine den Anfragen entsprechend

vergeben werden. Ich habe mir dafür eine Datei angelegt, in der ich die Schule mit

Angabe der Anzahl der Klassen, Ansprechpartner und ob ein Besuch des DeutschMobils bereits

erfolgt war unter Vorbehalt eingetragen habe. Anschließend habe ich in den Unterlagen meiner

Vorgängerinnen überprüft, ob das DeutschMobil die Schule im letzten Jahr besucht hatte oder

nicht. War dies der Fall, habe ich mich an den Grundsatz „DeutschMobil bei großer Nachfrage

nur alle zwei Jahre“ gehalten und die Schule zunächst bei der Terminvergabe hinten angestellt.

Andernfalls habe ich das Einschreibeformular mit einem Terminvorschlag an die Schule geschickt

und die im Kalender vermerkt. Alle Einschreibeformulare habe ich in einem Ordner abgelegt und

bei Bestätigung des Termins im Kalender und in der Ablage abgezeichnet.

Absagen erteilen

Pays de la Loire

In einigen wenigen Fällen, lagen mir Anfragen von Schulen vor, die das DeutschMobil bereits das

zweite oder dritte Jahr in Folge hatten oder bei denen meine Vorgängerinnen aus den gemachten

Erfahrungen heraus von einem Besuch abrieten. Aufgrund einer anfänglichen Skepsis meinerseits

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Pays de la Loire

bezüglich der subjektiven Bewertung jeder einzelnen Lektorin an einer Schule, habe ich dennoch

einige der negativ bewerteten Schulen besucht. Rückblickend kann ich der Nachfolgerin nur empfehlen

kritische Anmerkungen der Vorgängerinnen ernst zu nehmen, denn in der Regel beziehen

diese sich nicht auf die jährlich wechselnden Schüler, sondern auf Lehrer und Schulleitung. Das

Erteilen von Absagen erfordert ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl und eine solide Argumentation,

da häufig die Lehrer sich danach zurückmelden und argumentieren, dass sie sich bereits in

der ersten Septemberwoche für das DeutschMobil angemeldet haben und das Argument, das die

Jahresplanung bereits voll sei, nicht akzeptiert wird. In Ausnahmefällen hat sich dann sogar der

stellvertretende Schulleiter persönlich gemeldet. Mehr Verständnis erhält man, wenn man aufzeigt

für welch großes Gebiet die Lektorin zuständig ist und dass gemäß dem Grundsatz eine Schule alle

zwei Jahre, die Termine zunächst vorrangig an neu interessierte Schulen vergeben werden, man aber

gerne bereit ist, sich im Laufe des Schuljahres zurück zu melden, falls noch Kapazitäten frei sind.

Außeneinsätze

Bretagne

Für den Außeneinsatz des DeutschMobils in der Bretagne hatte ich zunächst zweimal zwei

Wochen jeweils Ende Januar/Anfang Februar und Ende März eingeplant. In Absprache mit dem

DeutschMobil Caen wurden die vier Départements der Bretagne untereinander aufgeteilt, so dass

Nantes die Départements Morbihan und Finistère und Caen Ile-et-Vilaine und Côte-d‘Amor

bedienen sollte. Gemeinsam haben wir im November mit dem IPR der Akademie de Rennes Kontakt

aufgenommen und ihn gebeten, die entsprechenden Informationen an die Schulen weiterzuleiten.

Der erste Zeitraum erwies sich bei der Organisation aus verschiedenen Gründen als extrem

ungünstig. Ein Grund dafür sind die Witterungsverhältnisse Ende Januar/ Anfang Februar. Selbst

wenn im Nordwesten selten zentimeterweise Schnee fällt, so kann es doch zu Glatteis und schwierigen

Straßenverhältnissen kommen, die die großen Distanzen bei einem Außeneinsatz zusätzlich

erschweren. Des Weiteren ist der Zeitraum zwischen Weihnachts- und Winterferien so knapp

bemessen, dass die Weitergabe von Informationen in dieser Zeit an den Schulen häufig hängt, die

Lektorin selbst ist vor Weihnachten zum Zwischenseminar in Deutschland und anschließend ebenfalls

in den Weihnachtsferien. All dies hat sich negativ auf die Terminvergabe ausgewirkt. Bei mir

hatte dies zur Folge, dass ich für den ersten Zeitraum nur zwei Anfragen aus der Bretagne hatte und

dafür viele Kilometer zurücklegen musste. Die frei gebliebenen Termine habe ich dann kurzfristig

an andere Schulen innerhalb meiner Akademie vergeben.

Der zweite vorgesehene Zeitraum Mitte/Ende März lag deutlich günstiger und mir lagen mehr

Anfragen vor, die ich allesamt bedienen konnte. Auffällig war hierbei, dass in der Bretagne

überwiegend Grundschulen das DeutschMobil angefordert haben. Insgesamt muss ich jedoch

einräumen, dass die Informationsweitergabe für den gesamten Außeneinsatz unbefriedigend war.

Im Nachhinein erreichten mich mehrere Anrufe aus der Bretagne, die aufgrund der Presseresonanz

vom Einsatz des DeutschMobils erfahren hatten und sich zum Teil auch an das Maison d‘Allemagne

in Brest gewendet hatten.

Rückblickend erscheint es mir auch sinnvoll, die für den Außeneinsatz vorgesehene Akademie

bereits im Oktober zu kontaktieren und über den Zeitraum zu informieren. Hierbei ist es sinnvoll,

wenn diese Informationen auf der Internetseite der Akademie erscheinen bzw. seitens der Akademie

ein Mailing an die Deutschlehrer versendet wird, so dass interessierte LehrerInnen die Lektorin

oder den Lektor direkt zur Terminvereinbarung kontaktieren können. Dies muss seitens der Lektorin

gegebenenfalls mehrfach freundlich eingefordert werden.


Pays de la Loire

Ein weiterer Vorschlag: die Daten und Regionen der Außeneinsätze könnten auch auf der Internetseite

des DeutschMobils erscheinen. So habe ich zum Beispiel über das Kontaktformular der

Internetseite Anfragen aus Poitiers und der Bretagne erhalten. Bei einem geplanten Einsatz des

DeutschMobil Nantes in der Bretagne 2007/08 halte ich es für sinnvoll, das Maison d‘Allemagne in

Brest noch stärker in die Planung mit einzubeziehen und Kontaktdaten des DeutschMobil Nantes

sowie den vorgesehenen Zeitraum dort schriftlich zu hinterlegen. Da am Maison d‘Allemagne

mehrere Jahre ein DeutschMobil stationiert war, wenden sich LehrerInnen häufig mit ihrer ersten

Anfrage dorthin. In diesem Jahr sind dort mehrfach Anfragen aufgelaufen, deren Weiterleitung nur

unzureichend oder gar nicht gewährleistet wurde, obwohl ich telefonisch und per E-Mail Kontakt

aufgenommen und über den Einsatz informiert hatte.

Akademien Orléans und Poitiers

Mir liegen mehrfach Anfragen aus den Akademien Poitiers und Orléans vor, die ich nur unzureichend

bedienen kann. Hier sollte über eine Auslagerung des DeutschMobils im nächsten Jahr

nachgedacht werden. In den Osterferien habe ich eine Woche lang Interventionen in Tours

durchgeführt. Aus den Unterlagen meiner Vorgängerinnen konnte ich entnehmen, dass sie die

Anfragen aus Tours ähnlich bedient haben. In diesem Jahr konnten dort zwei neue Schulen und

fünf Schulen, die das DeutschMobil bereits kannten, bedient werden. Alle drei Deutschlehrer

haben mich direkt kontaktiert und um einen Einsatz gebeten. Da der Einsatz in der Ferienzeit der

Akademie Nantes lag, kam es nicht zu Engpässen bei der Terminvergabe mit der Basisregion. Für

das kommende Schuljahr sollte ein Einsatz in Tours jedoch dennoch gut abgewägt werden, da die

Presseresonanz vor Ort fehlte und die bereits mehrfach besuchten Schulen, den Einsatz teilweise

als selbstverständlich annehmen. Für den Fall, dass Tours angefahren wird, ist es anzustreben, neue

Schulen zu kontaktieren.

In der Akademie Poitiers habe ich im Departement Deux-Sèvres auf Einladung des Comité de

Jumélage Bressuire-Friedberg an zwei Tagen Anfang Januar an den Schulen des Ortes Sprachanimationen

durchgeführt. Wie bereits meine Vorgängerin Juliane Uhlenbrock, kann ich nur empfehlen,

dieser Einladung nachzukommen. Der Besuch des DeutschMobil war hervorragend organisiert, die

Presseresonanz groß - sogar ein lokaler Radiosender hat berichtet - und das Comité de Jumélage

um die Sicherung der Deutschlernerzahlen bemüht. Zudem ist die Entfernung Nantes-Bressuire

kürzer als manch andere Fahrtstrecke innerhalb der Akademie Nantes.

Durchführung der Schulbesuche

Die Nachfrage der Collèges überwog das gesamte Schuljahr über die Anfragen aus den Ecoles

Primaires mit mehr als zwei Dritteln. Für das kommende Schuljahr habe ich bereits die entsprechenden

Kontakte im Grundschulbereich gesammelt und mit der IA-IPR eine Verbesserung der

Erreichbarkeit der Grundschulen besprochen. In der Regel bin ich bei der Planung von Grundschul-

und Collègebesuchen gleich vorgegangen. Nachdem das Einschreibeformular mit dem

Termin von den Schulen bestätigt wurde, habe ich ca. eine Woche vor dem Termin den Elternbrief

per Post oder E-Mail an die zuständige Deutschlehrerin geschickt und sie gebeten, diesen

für alle Schüler zu kopieren. Bei den Grundschulen hatte ich vorweg immer noch einmal telefonischen

Kontakt, da die Organisation des Schulalltages hier flexibler gehandhabt wird und kurzfristig

Änderungen möglich sind. Um die Anfahrtszeit zu kalkulieren, habe ich die Route entweder mit

einem Routenplaner im Internet oder mit dem Navigationsgerät berechnen lassen und zusätzlich

ca. eine halbe Stunde eingeplant. Im Normalfall war ich 20-40 Minuten vor dem Beginn der

ersten Stunde an der Schule, wo ich mich zunächst mit dem Einschreibeformular, auf dem stets

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Pays de la Loire

ein Ansprechpartner vermerkt ist, am Empfang gemeldet habe. Meistens wurde dann zunächst

geklärt, ob das DeutschMobil im Schulhof oder anderweitig auf dem Schulhof geparkt werden

kann. Anschließend habe ich mir den Raum zeigen lassen, in dem die Animationen stattfinden

sollten. Sofern kein Wechsel des Raumes von Stunde zu Stunde eingeplant war, habe ich die Stühle

im Stuhlkreis angeordnet, Karten und Poster aufgehängt und die vorhandene Technik geprüft. Falls

ein Raumwechsel von Stunde zu Stunde anstand, habe ich die Sitzordnung in den Klassenräumen

belassen. In den Pausen oder noch vor Beginn der Sprachanimationen bot sich häufig die Gelegenheit

die Schulleitung zu begrüßen und Informationsmaterial zu hinterlassen. Falls dies nicht

der Fall war, so habe ich mich stets bemüht diese wenigstens vor der Abfahrt über meine Arbeit

zu informieren. An den Collèges habe ich die Deutschlehrer in der Regel spätestens in der Mittagspause

beim gemeinsamen Essen kennen gelernt. Das Mittagessen an der Schule bot eine gute

Gelegenheit für den Informationsaustausch und ich habe die LehrerInnen im Anschluss mit zum

DeutschMobil gebeten, um ihnen Informationsmaterial und Ansichtsexemplare zu überreichen.

Eine Schulstunde am Collège

Sofern durch einen Stuhlkreis vor Stundenbeginn die gewöhnliche Unterrichtssituation bereits

aufgelockert werden konnte, habe ich die Schüler per Handschlag mit „Guten Tag“ und „Hallo“

begrüßt. Andernfalls habe ich damit begonnen mich an der Tafel mit der Deutschlandkarte vorzustellen

und anschließend mit den Schülern das Verstandene erschlossen. In der Regel habe ich

die Stunde zweigeteilt: in einen eher theoretisch-erklärenden Teil und einen spielerisch-praktischen

Part. Der theoretisch-erklärende Teil orientiert sich dabei im Wesentlichen an den Bausteinen,

die auch im Handbuch zur Sprachanimation beschrieben sind. Ich habe nach der Vorstellung auf

Deutsch zunächst den Begriff der „transparenten Worte“ eingeführt und dann meist einen kurzen

Sprachvergleich von englischen, deutschen und französischen Worten an der Tafel durchgeführt,

wobei ich bei den ersten drei Worten in der Reihenfolge Französisch, Englisch, Deutsch, den englischen

Ausdruck bei den Schülern erfragt habe, dann andersherum drei deutsche Worte vorgegeben

habe und sie die französische und englische Entsprechung erraten haben und abschließend die

Schüler selbst französische Worte habe nennen lassen und deren Entsprechung mit ihnen gemeinsam

gesucht habe. Im Anschluss konnte ich auf große Gemeinsamkeiten zwischen dem Englischen

und den Deutschen verweisend, erklären, dass Deutsch die meistgesprochene Muttersprache

Europas ist und zu einigen Ausspracheaspekten überleiten. Übrigens, ruft die Aussage, Deutsch

ist die meistgesprochene Muttersprache in Europa stets Unglauben und Skepsis hervor. Nach der

Erklärung der phonetischen Aspekte, anhand der bekannten Marken „Kinder“ und „Uhu“, können

alle Schüler die Regeln für die deutsche Aussprache und da man Deutsch schreibt wie man spricht,

was ich immer anhand vom SMS schreiben im Französischen veranschauliche, wird es auch dringend

Zeit für mehr Aktivitäten. Meist folgte dann mit zwei Freiwilligen das „Eskimo/ esquimau“-

Experiment mit zwei Schiefertäfelchen, was für viel Spaß sorgte, weil selbst die anwesenden Lehrer

bezüglich der französischen Orthografie oft ratlos waren und das ganze eine Eigendynamik entwikkelte,

die bisweilen zu kreativen Schreibvorschlägen führte. Das Eskimo-Experiment war in der

Regel die Überleitung zum zweiten spielerischen Teil der Stunde. Als warming-up spielte ich mit

den Schülern „Handball“: Alle durften aufstehen und sich den Ball gegenseitig zuwerfen, um sich

einander und vor allem mir namentlich vorzustellen. Jeder der dran war, setzte sich, so dass auch

wirklich keiner um die zwei Sätze „Ich bin… Und wer bist du?“ herum kam. Manchmal habe ich

dann Worte, die die Schüler bereits kannten an der Tafel gesammelt und konnte so vorhandenes

Wissen reaktivieren. Besonders beliebt war bei den Schülern das Obstsalat-Spiel in der Variante mit

„Hallo, wie geht‘s?“ und den Antwortoptionen „Danke, gut“, „es geht so“ und „schlecht“. In zu

unruhigen Klassen habe ich es jedoch vermieden dieses recht lebhafte Spiel anzubieten. Hier bot


Pays de la Loire

sich eher eine Hitparade oder der Montagsmaler an. Meistens war ohnehin keine Zeit für mehr als

zwei Spiele und wenn die Schüler viele Fragen hatten im zweiten Teil, so gab es gelegentlich auch

nur eine Runde Handball.

Am Ende habe ich immer den Elternbrief mit Hinweis auf meine E-Mailadresse und soweit vorhanden

die Broschüre „L‘allemand - passeport pour l‘Europe“ verteilt sowie den Schülern ein kleines

Souvenir überreicht. Dabei konnten noch Vokabeln wie „Danke(schön)- bitte(schön)“, „Tschüs

und Auf Wiedersehen“ eingeführt werden. Bei kleinen Klassen mit knapp 20 Schülern habe ich

das Programm variiert und mehr Aktivitäten eingefügt. Hier habe ich Schüler beispielsweise zu

Beginn in zwei Gruppen die Deutschlandkarte auf dem Boden puzzeln lassen, so dass am Ende eine

physische und eine politische Karte Deutschlands vor ihnen lagen. Meist entwickelte sich daraus

ein Gespräch mit Vorwissen, Fragen seitens der Schüler, der Suche nach der Partnerstadt und dem

Ort der Austauschschule auf der Karte etc. Anschließend habe ich auch hier Spiele gespielt und

einige Aspekte der Phonetik und Orthografie erklärt.

Eine Schulstunde an der Grundschule

Mit den CM1/CM2 habe ich ähnlich wie mit den 5ièmes am Collège gearbeitet und die Stunde

in zwei Teile unterteilt. Erstaunlicherweise sind die Grundschüler häufig viel aufnahmefähiger

und denken besser mit als die Collègiens. Sogar der Sprachvergleich mit Englisch kann mit den

Grundschülern gemacht werden, sofern man Vokabular wie Farben, Wochentage, einfache Verben

verwendet. Das Eskimoschreibexperiment bietet sich in den Grundschulen nur bedingt an, da die

Schüler gelegentlich noch mit der französischen Orthografie so große Probleme haben, dass hier

eher Frust aufkommt und der Spaßfaktor, der am Collège vorhanden ist, mit viel Ehrgeiz nicht

aufkommen will. Freude haben die Kleineren aber bei phonetischen Erklärungen zu den Umlauten

und bei typisch deutsch, typisch französischen Onomatopoetika. Besonders gern habe ich an

den Grundschulen das Memoryspiel mit den transparenten Worten gespielt und natürlich auch

Handball. Zum Ende der Stunde konnten dann alle gelernten Worte noch einmal beim Hören

eines deutschen Liedes wiederholt werden. Die Schüler haben sich dazu die Diddl-Maus oder den

Handball zugeworfen und beim Anhalten der Musik musste das Kind mit dem Ball oder der Maus

ein gelerntes Wort nennen. Ähnlich wie am Collège habe ich auch hier am Ende den Elternbrief

und falls vorhanden die Broschüre „En route vers l‘Allemagne“ sowie kleine Souvenirs vom OFAJ

verteilt.

Bei den CE1/CE2 sollte der erklärende-theoretische Part ganz wegfallen, da sie sich häufig noch

nicht lange konzentrieren können einen eher spielerisch-musikalischen Ansatz einfordern. Ich hatte

nur eine einzige Klasse in dieser Alterstufe und war entsprechend überrumpelt, als ich merkte dass

die Schüler auch noch kein Verständis für kartografische Darstellungen hatten. Deutschland war

plötzlich die „Welt“ und „viel größer als Frankreich“ in den Augen der Schüler. Ein spontaner

Programmwechsel hat mir dann aber schnell Zugang zu ihnen verschafft. Das „Guten-Tag-Lied“

wurde begeistert gesungen und trotz der Tatsache, dass März war, knüpften die Kleinen an ihr

Vorwissen an und gaben mir „Kling-Glöckchen-kling“ zum Besten. Aktivitäten wie Memory und

die Arbeit mit Bildkarten lassen sich in dieser Altersgruppe am ehesten umsetzen.

Negative und positive Erfahrungen

Zu den schönsten Erfahrungen gehören die Grundschulbesuche, da die Kinder nach den Stunden

im Hof zu einem kommen und aufgeregt Fragen stellen und gelernte Worte ausprobieren oder sich

die gesamte Klasse im Schulhof spontan und laut „Auf Wiedersehen“- rufend vom DeutschMobil

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Pays de la Loire

verabschiedet. Toll ist es auch, wenn Schüler einen mit ihrer Art mitzudenken verblüffen; zwei, drei

Worte erfragen und wenige Minuten später einen eigenen Satz auf Deutsch bilden. Am Collège

hatte ich zweimal nette Zettelbotschaften am Auto kleben und besonders schön ist es auch, wenn

Schüler nach der Stunde noch einmal direktes Feedback geben oder man Äußerungen erhascht wie

„c‘est sympa, l‘allemand“, „je pense que je vais parler avec mes parents pour changer encore une

fois la langue…“. Frustrierend fand ich Klassen am Collège, die aus ihrer passiven Haltung kaum

heraus zu locken waren und wo mir eine unausgesprochene Ablehnung entgegen schlug. Wurden

die Ressentiments nicht konkretisiert, war es schwierig diese aufzubrechen und man fühlte sich wie

der Alleinunterhalter an der Tafel. Bei offen geäußerter Kritik an der deutschen Sprache, der deutschen

Geschichte oder der deutschen Handballmannschaft, die den Schiedsrichter bestochen habe

( ? ), ließ sich die Situation viel einfacher entschärfen und eine lockere Arbeitsatmosphäre schaffen.

In einem Fall begrüßte mich ein Schüler mit Hitlergruß. Daraufhin habe ich das Thema „Drittes

Reich“ kurz thematisiert, erklärt, dass der Hitlergruß in Deutschland heute in der Öffentlichkeit

strafbar ist, dass der Krieg 60 Jahre her ist, die Deutschen sicher vieles falsch gemacht haben, aber

sich auch sehr, sehr viel geändert hat und habe zur deutsch-französischen Freundschaft übergeleitet.

Leider hat die anwesende Lehrerin den Schüler des Raumes verwiesen. Das Problem der disziplinarischen

Maßnahmen seitens der anwesenden Lehrkräfte, erfordert häufig viel Fingerspitzengefühl

von der Lektorin und manchmal auch hohe Frustrationstoleranz. Insgesamt habe ich sehr gute

Erfahrungen damit gemacht, dass Thema des Dritten Reiches kurz zu thematisieren, sobald es nur

im Ansatz zur Sprache kam. Häufig konfrontierten mich die Schüler auch mit deutschem Vokabular

wie „schnell, schnell“, „Jawohl, Herr General“ und „Ausweis bitte“, welches sie aus Filmen

über den Krieg kannten. Ich habe in keiner Klasse die Interventionen abgebrochen, sondern mich

besonders bei schwierigen Klassen bemüht, freundlich und cool zu bleiben und nicht in eine Trotzhaltung

zu verfallen und diesen Klassen als Strafe die „Souvenirs“ vorzuenthalten, die ich bereits

in Parallelklassen ausgegeben hatte. Meiner Ansicht nach, hätte dies die Ressentiments einzelner

Schüler nur noch verstärkt und wäre somit kontraproduktiv für das Ansinnen des DeutschMobils.

Zusammenarbeit mit Lehrern und der Schulleitung

An Schulen, an denen sowohl der Direktor als auch die (Deutsch-)lehrer besonders engagiert und

germanophil waren, hat sich dies unmittelbar in der Arbeit mit den Schülern niedergeschlagen.

In der Regel traf ich hier eine offenere Atmosphäre an, Deutsch als Fremdsprache wurde nicht

als etwas total Exotisches erlebt und die Schüler zeigten auch an kulturellen Aspekten größeres

Interesse. Als besonders positiv bewerte ich, wenn anwesende Lehrer selbst von ihren Deutschlanderfahrungen

erzählen konnten, einzelne Worte kannten oder begeistert bei den Aktivitäten mitmachten.

Die Zusammenarbeit mit den Deutschlehrern verlief höchst unterschiedlich. Ich habe

hoch motivierte und engagierte Lehrkräfte kennen gelernt, die mit außergewöhnlichen Ideen ihre

Schülerzahlen konstant halten. Sie haben häufig an den Interventionen teilgenommen, sich den

Klassen vorgestellt und von Austauschmöglichkeiten am Collège erzählt. Ihre Ideen haben auch

meine Arbeit bereichert. Auf der anderen Seite gibt es viele Deutschlehrer, die an zwei bis drei

Collèges gleichzeitig Unterricht erteilen und deren Stelle durch stetig sinkende Deutschlernerzahlen

gefährdet ist. Sie haben aufgrund der Pendelei zwischen den Schulen nicht die Möglichkeit

sich entsprechend vor Ort einzubringen, müssen an dreimal so vielen Elternabenden, Tagen der

offenen Tür etc. teilnehmen und erhoffen sich vom Besuch des DeutschMobils häufig mehr als wir

leisten können - bis hin zur Rettung ihres Arbeitsplatzes. Grundsätzlich halte ich es für wichtig,

diese Lehrer bei der „Initiation à l‘allemand“ zu unterstützen, die Lektorin sollte es jedoch von sich

weisen Retterin des Arbeitsplatzes zu sein und bei überzogenen Erwartungen bezüglich des Anstiegs


der Deutschlernerzahlen auf verschiedene Faktoren, die dies beeinflussen hinweisen. Immer wieder

erstaunt hat mich, wie groß die Scheu vieler Deutschlehrer war, mit mir Deutsch zu sprechen.

An den Grundschulen habe ich häufig Kontakt mit der Directrice gehabt und gelegentlich eine

Intervenante de langue kennen gelernt. Die Grundschullehrer waren stets sehr offen von den

Methoden und Spielen der Animation zu profitieren und haben sich gern eingebracht. Manchmal

wurde der Kontakt zu den Grundschulen über den Deutschlehrer des Collèges hergestellt, der dann

auch die Möglichkeit nutzte, sich den zukünftigen Schülern vorzustellen.

Zwei bis dreimal kam es vor, dass das DeutschMobil als reines Infomobil verstanden wurde und die

Lehrer bei mir direkt nach Give-aways des OFAJ fragten, ohne dass ein Besuch des DeutschMobils

vorgesehen war. In diesen Fällen habe ich sie gebeten sich direkt mit dem OFAJ in Verbindung zu

setzen. In kleineren Mengen und je nach vorhandenen Möglichkeiten, habe ich aber Lehrern, deren

Schule ich besuchte, Extra-Material für geplante Deutschaktionen zur Verfügung gestellt.

Zusammenarbeit mit der Akademie

Besonders positiv hervorzuheben ist die seit September 2006 verbesserte Zusammenarbeit mit

der Akademie Nantes. Die neue IA-IPR Danielle de Backer hat auf Einladung der Lektorin eine

DeutschMobil-Intervention am Collège begleitet und großes Interesse, die Arbeit zwischen Akademie

und DeutschMobil besser zu vernetzen. In einem weiteren Arbeitstreffen, welches Anfang April

im CCFA gemeinsam mit Isabel Beckmann stattgefunden hat, wurden bereits konkrete Vorschläge

für das kommende Schuljahr ausgesprochen. Unter anderem entstand hier die Idee gemeinsam eine

Informationswoche zu Deutsch als Fremdsprache im Januar durchzuführen. Angedacht ist jeweils

eine Informationsveranstaltung pro Département, an der DeutschMobil, Schüler, die an den Austauschprogrammen

Voltaire und Sauzay teilgenommen haben, die Akademie und Deutschlehrer

teilnehmen und interessierte Eltern informieren. Frau de Backer hält auch die Durchführung von

Sprachanimationsworkshops für Eltern in diesem Rahmen für denkbar. Für das kommende Schuljahr

wünscht Frau de Backer einen intensiven Einsatz des DeutschMobils in den Départements

Mayenne und Sarthe, da es dort um die Deutschlernerzahlen schlechter bestellt als in anderen

Départements ist. Sowohl die Internetseite der Akademie steht der Lektorin für Ankündigungen

offen als auch die Möglichkeit, über die IA-IPR Mailings zu versenden. Frau de Backer hat

außerdem mitgeteilt, dass das derzeitig in 33 Klassen laufende Projekt der „classes bilangues“, bei

dem die Schüler sowohl mit Deutsch als auch mit Englisch als 1. Fremdsprache beginnen, im

nächsten Jahr leider nicht fortgeführt werden soll. Diese Entscheidung ist sehr zu bedauern.

Einige aktuelle Zahlen zum Thema Deutsch aus der Akademie Nantes (Stand April 2007):

- In der Sekundarstufe lernen zurzeit 41.000 Schüler Deutsch

- In der Primarstufe lernen 6.000 Schüler Deutsch

- Insgesamt unterrichten 669 Lehrer Deutsch

- Mehr als 100 Schüler haben am Sauzay-Programm teilgenommen

- 33 „classes bilingues“ gibt es derzeit in der Akademie

- An 9 lycées und 21 collèges wird eine section européenne angeboten

- In Nantes gibt es seit der rentrée 2006 ein Abi-Bac Gymnasium

Pays de la Loire

- Insgesamt 220 Schüler haben sich der europäischen Sprachprüfung in

Deutsch unterzogen, 86 von ihnen haben das Niveau A2 und 50 das Niveau B1 erreicht

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Pays de la Loire

Elternabende

Die Nachfrage nach Elternabenden ist sehr gering. Insgesamt habe ich nur an zwei Veranstaltungen

in der Sarthe und in Maine-et-Loire teilgenommen. Beide dienten als Informationsveranstaltung

zur Fremdsprache Deutsch. Positiv an beiden Veranstaltungen ist hervorzuheben, dass die Schulleitung

hierzu auch die Eltern der Grundschüler eingeladen hatte. In der Sarthe kam außerdem

eine DAAD Lektorin mit zwei Studentinnen dazu. Meine Aufgabe bei den Elternabenden war es

vor allem durch meine Präsenz mit dem DeutschMobil, die Vorstellung des Projektes und einem

kurzem PowerPoint Vortrag mit Argumenten für das Deutschlernen zu veranschaulichen, wie groß

das Interesse auf beiden Seiten des Rheins an Lernern der Fremdsprache des Nachbarlandes ist.

Die Resonanz der anwesenden Eltern war positiv, jedoch bezweifele ich die Effektivität derartiger

Veranstaltungen, da wie schon des Öfteren bemängelt wurde, hier nur bereits interessierte Eltern

erscheinen. Diese Eltern haben in der Regel sehr konkrete Fragen zu den Möglichkeiten der Fremdsprachenwahl

am jeweiligen Collèges, die nur von den Lehrkräften vor Ort kompetent beantwortet

werden können.

Eine Idee, um in diesem Bereich ein breiteres Publikum und mehr Eltern zu erreichen, ist die Teilnahme

an den „Journée portes ouvertes“, die an fast allen Schulen zum Jahresbeginn stattfinden.

Eventuell sollte bereits auf dem Einschreibeformular die Möglichkeit bestehen, dass DeutschMobil

dazu einzuladen. Dabei könnten Eltern, Lehrer und Schüler gleichermaßen kontaktiert werden.

Denkbar sind Sprachanimationen im Schulhof, Austeilung von Informationsmaterial oder auch die

Durchführung eines Deutschlandquiz mit anschließender Verlosung.

Sonderaktionen

Festival du cinéma allemand, CCFA Nantes

Im Rahmen des Festival du cinéma allemand und der Semaine allemande des CCFA Nantes im

November, habe ich mit einer Schulklasse eine öffentliche Animation und Verlosung vor dem Programmkino

durchgeführt und dabei ca. 60 SchülerInnen kontaktiert.

Workshop in Angers

Besonders gefreut hat mich die Einladung der Conseillère pédagogique départementale LVE in

Maine-et-Loire mit einem Workshop „DeutschMobil“ am „Journée des Langues“ in Angers teilzunehmen.

Dort konnte ich Kontakte zu GrundschullehrerInnen knüpfen und über die Aktion

DeutschMobil und Methoden der Sprachanimation informieren. Leider war eine parallel stattfindende

Veranstaltung für Englisch als Fremdsprache mehr als doppelt so gut besucht.

Weihnachtsmarkt in St. Julien de Concelles

Auf Einladung der Deutschlehrerin des Collège Public August Mailloux nahm ich am Weihnachtsmarkt

in St. Julien de Concelles teil, wo die Deutschschüler einen Stand mit Weihnachtsbasteleien

und Plätzchen zur Finanzierung ihrer Klassenreise nach Berlin organisiert hatten. Hier gab es allerdings

keine Möglichkeit, das DeutschMobil publikumswirksam zu parken, so dass der Erfolg und

die Rahmenbedingungen (Weihnachtsmarkt) als gering zu bewerten ist.

Comité de jumelage Bressuire-Friedberg

Als besonders bereichernd habe ich die Zusammenarbeit mit dem Comité de Jumélage Bressuire-

Friedberg im Departement Deux-Sevrès Anfang Januar erlebt. Das Comité hat den Besuch des

DeutschMobils bereits zum zweiten Mal hervorragend organisiert, so dass zwei Collèges und zwei


Grundschulen besucht werden konnten und eine enorme Presseresonanz zu weiteren Anfragen aus

der Region Deux-Sèvres führte. Dabei wurde auch ein Radiobeitrag zum DeutschMobil gesendet.

Journée franco-allemande in Angers

Am Journée franco-allemande am 22. Januar 2007 war das DeutschMobil Nantes ganztägig in

Angers präsent. Hier fanden zunächst Animationen an einem Collège statt und am späten Nachmittag

stand das DeutschMobil auf Einladung des Office de Coopération Internationale de la

ville d‘Angers in der Fußgängerzone von Angers. Dort war ein Informationsstand zur deutschfranzösischen

Freundschaft zwischen Angers und Osnabrück aufgebaut, der regen Zulauf hatte.

Journée pédagogique Laval

Die Teilnahme des DeutschMobil am Journée pédagogique in Laval im Rahmen der dortigen

Messe mit dem Schwerpunkt der Partnerschaft Mayenne-Schwaben bildetet den Abschluss meiner

Arbeit als DeutschMobil-Lektorin. Die Messe fand vom 16.-20. Mai 2007 statt. In mehreren

Hallen waren Firmen mit deutsch-französischen Kontakten, Vereine, Tourismus, usw. vertreten.

Der Mittwoch als Messeauftakt war zudem für Schulklassen reserviert, die verschiedene Animationsprogramme

auf dem Gelände wahrnehmen konnten. Am Nachmittag konnte ich mit einer

Grundschulklasse eine öffentliche Animation durchführen, die auf reges Interesse stieß und auch

Eingang in einen Radiobeitrag für Bayern 3 fand. Des Weiteren bot sich die Möglichkeit Kontakte

zu wichtigen Persönlichkeiten der deutsch-französischen Beziehungen zu knüpfen.

Vorbereitung auf und Einführung in das Lektorat

Betreuung durch die Robert Bosch Stiftung

Pays de la Loire

Das Seminar zur Einführung in die Tätigkeit als DeutschMobil Lektorin im Juli 2006 war hervorragend

von der Robert Bosch Stiftung organisiert. Vor allem die Möglichkeit, den neuen LektorInnen

hier bereits Einblick in die Arbeit zu geben und sie an der Auswertung des Schuljahres

mit den alten LektorInnen und den Vertretern der Einsatzstellen teilnehmen zu lassen, erscheint

mir sinnvoll. Für die pädagogische Arbeit vor Ort mit den Klassen, waren die Einführung in

das „Handbuch zur Sprachanimation“ durch Annette Post und die Simulation einer DeutschMobil-Intervention

überaus hilfreich. Ebenfalls gute Ideen habe ich aus dem Workshop zur Sprachanimation

des OFAJ mitnehmen können, wobei hier auch gruppendynamische Aspekte und das

Kennenlernen der LektorInnen untereinander einen wichtigen Grundstein für die weitere Zusammenarbeit

legten. Alles in allem wurden die LektorInnen auf dem Vorbereitungsseminar enorm für

ihre kommende Tätigkeit motiviert, ein Aspekt, der meines Erachtens nach sehr wichtig für das

Engagement der einzelnen LektorInnen vor Ort ist.

Die Arbeit im Tandem, die den Austausch von alter und neuer Lektorin ermöglicht, halte ich

grundsätzlich für sinnvoll. Um diesen Informationsaustausch jedoch effizient zu gestalten, würde

ich mir für die kommenden Jahrgänge eine Art Leitfaden wünschen, der als Hilfe beim Austausch

dienen kann. Für die neuen LektorInnen ist es schwierig bereits im Juli genaue Fragen zu stellen

und für den ausscheidenden Jahrgang eventuell ebenfalls schwierig einzuschätzen, was zu Beginn

relevant war und welche Informationen ihnen selbst am meisten geholfen haben. Ich habe aus der

Erfahrung mit meiner Vorgängerin heraus, bereits zu Beginn des Lektorates eine Datei angelegt,

in der ich im Laufe des Jahres immer wieder eingetragen habe, was ich gerne gewusst hätte. Für

das kommende Jahr bietet in diesem Bereich vermutlich das gemeinsame Forum im Internet von

DeutschMobil und France Mobil eine große Hilfe, kann jedoch den Austausch mit der Vorgängerin

nicht ersetzen, da die einzelnen Lektorate und ihre Einsatzstellen strukturell zu unterschiedlich

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Pays de la Loire

sind.

Das Zwischenseminar im Dezember in Berlin war ebenfalls toll organisiert. Leider war hier der zeitliche

Rahmen wesentlich enger gesteckt als beim Einführungsseminar, so dass für den gemeinsamen

Austausch mit den anderen LektorInnen und den France Mobil LektorInnen fast nur die Abendstunden

blieben. Den Zeitpunkt des Seminars halte ich für besonders günstig, da hier bereits aufgetauchte

Probleme thematisiert und anschließend für den Rest des Schuljahres hoffentlich behoben

werden können.

Obwohl ich den Workshop zu Präsentationstechniken eine gute Idee fand und viel Spaß dabei hatte,

sollte die Zeit eventuell für einen interkulturellen Austausch zwischen France und DeutschMobilen

genutzt werden. Ich könnte mir gut vorstellen, dass dieser ebenfalls von jemand externes, zum

Beispiel durch das OFAJ, animiert wird und die LektorInnen so noch einmal für ihre Arbeit vor

Ort sensibilisiert werden und neue Ideen für ihre pädagogische Arbeit vor Ort mitnehmen. Leider

fehlte in Berlin auch die Zeit, um typisch deutsche Dinge in Bild und Material für die französischen

Kinder einzufangen. Insgesamt bewerte ich die Betreuung durch die Robert Bosch Stiftung durchweg

positiv und bin dankbar für das Verständnis und die Unterstützung, die mir in meiner besonderen

Situation aufgrund der Schwangerschaft während des Lektorates entgegen gebracht wurden.

An dieser Stelle möchte ich mich bei den beiden Ansprechpartnerinnen Karin Karlsson und Maike

Heitkamp recht herzlich bedanken.

Einführung am Centre Culturel Franco-Allemand

Bei meiner Ankunft kümmerte sich zunächst der Vize-Präsident des Trägervereins des CCFAs,

Marc Chateigner, um meine Einführung. Er verwahrt auch das technische Material, welches zum

DeutschMobil gehört und kümmert sich um organisatorische Dinge in Bezug auf das Fahrzeug,

wie zum Beispiel die Einfahrtsgenehmigung für das DeutschMobil in die Rue du Guesclin, in der

das Centre liegt. Zudem war er stets bereit, wichtige Korrespondenz, beispielsweise mit der Schulakademie,

Korrektur zu lesen. Bei Monsieur Marc Chateigner konnte dankenswerter Weise auch

das DeutschMobil sowie Interventionsmaterial, welches in den Räumen des CCFA keinen Platz

mehr fand, den Sommer über abgestellt werden. Seine Frau und er haben dann sogar die Lektorin

selbst zwei Wochen lang beherbergt, bis ich eine Wohnung gefunden hatte. Die Einrichtung eines

Bankkontos für das DeutschMobil-Budget lief ebenfalls über Marc Chateigner. Im Nachhinein

wurde dies als für beide Seiten unvorteilhaft bewertet, da das Konto zwar im Rahmen der Vertragsbedingungen

des CCFAs eröffnet, aber auf den Namen Marc Chateigner geführt wurde. Dies hat

zur Folge, dass die Lektorin die Visa Karte zwar innerhalb Frankreichs überall einsetzen kann, de

facto aber der Name Marc Chateigner darauf vermerkt ist. Für die Abrechnung des CCFA stellt das

Unterkonto DeutschMobil mit seinem Jahresbudget Schwierigkeiten dar, da es somit im Gesamtbudget

des Vereins auftaucht, ohne dass sie darauf Zugriff hätten. Eine Änderung des Kontos wurde

zum Schuljahresende sowohl meinerseits als auch von Marc Chateigner explizit gewünscht.

Hilfreich bei der Einarbeitung in das Lektorat war auch die Koordinationsstelle mit Nadine Gruner

in Montpellier. Wann immer ich eine Frage vor Ort in Nantes nicht befriedigend klären konnte,

stand sie mir hilfreich als Ansprechpartnerin zur Seite. Ihr gilt an dieser Stelle mein ganz besonderer

Dank.

Einbindung des DeutschMobils am CCFA

Im Verlauf des Schuljahres stand Direktorin Isabel Beckmann, wann immer es ihr zwischen der

Tätigkeit an der Universität und den Aufgaben im CCFA möglich war, für eine persönliche Absprache

zur Verfügung. Für Anregungen und Kritik war sie stets offen und bemüht, Problempunkte


konstruktiv mit Blick auf das kommende Schuljahr zu lösen. Besonders erfreulich ist, dass in

diesem Zusammenhang auch die Arbeit mit der Akademie und der IPR Danielle de Backer intensiviert

werden konnte.

Die Einbindung des DeutschMobils in die laufenden Programmpunkte des CCFA ist sowohl im

pädagogischen Bereich als auch bei kulturellen Veranstaltungen ausbaufähig. Die Lektorin ist dabei

auf die Unterstützung des CCFA angewiesen und kann nicht in Eigeninitiative öffentlich wirksame

Veranstaltungen organisieren. Für das kommende Schuljahr würde ich mir eine Aktion zum

deutsch-französischen Tag in Nantes wünschen und halte auch die Einbeziehung der Lektorin in

schulnahe Angebote des CCFA wie den diesjährigen „soutien scolaire“ in den Osterferien für sinnvoll.

Ich habe monatlich ein Protokoll geschrieben, in dem ich meine Tätigkeiten kurz vermerkt habe

und eventuell anstehende Aktionen angekündigt habe. Dieses habe ich dann an Isabel Beckmann,

Remo Radtke und Marc Chateigner weitergeleitet.

Positiv ist die Zusammenarbeit mit den halbjährlich wechselnden Praktikanten und Praktikantinnen

im CCFA hervorzuheben. Sie haben sich stets mit enormem Engagement im CCFA eingebracht

und waren stets bereit auch die Arbeit der Deutsch-Mobil Lektorin zu unterstützen.

Materielle Ausstattung des Arbeitsplatzes

An meinem Arbeitsplatz im CCFA standen mir Telefon, Faxgerät, Kopierer und schwarz-weiß

Drucker zur Verfügung. Gängige Büromaterialien wie Ordner, Tesafilm, Büroklammern und Klebezettel

wurden mir bei Bedarf ebenfalls zur Verfügung gestellt. Im Büro gibt es mehrere kleine

Ablagemöglichkeiten für Material und Unterlagen und im Archiv steht Platz für die Ablage von

Werbebroschüren, Infomaterialien und Give-aways zur Verfügung. Insgesamt ist das Platzangebot

unzureichend, jedoch im Rahmen des Möglichen bereits seitens des CCFAs großzügig bemessen.

Während der Sommerpause ist ein Großteil des DeutschMobil-Materials privat bei Marc Chateigner

untergebracht.

Anregungen für das kommende Schuljahr

Pays de la Loire

Für das kommende Schuljahr ist eine Weiterführung der Zusammenarbeit zwischen Isabel Beckmann

als direkter Ansprechpartnerin der Lektorin wünschenswert. Da die Jahresplanung des

DeutschMobils spätestens Ende Oktober abgeschlossen ist, sollte frühzeitig über eine mögliche

Einbindung des DeutschMobils in Veranstaltungen des CCFAs nachgedacht werden und dies

sowohl im pädagogischen als auch kulturellen Bereich abgesprochen werden. Die Lektorin sollte

nach Möglichkeit von Anfang an in strukturelle Aspekte des Centre Culturel Européen eingeführt

werden und über aktuelle Sitzungen des StADaF informiert werden, da die dortigen Informationen

von Relevanz für die Arbeit als Lektorin sein können. Die getrennte Kontoführung von

DeutschMobil und CCFA sollte umgesetzt werden. Außerdem ist eine Verbesserung des Arbeitsplatzes

erstrebenswert.

Resümee

Ein knappes Jahr als DeutschMobil-Lektorin in Frankreich zu arbeiten, ist eine enorm bereichernde

Erfahrung in vielerlei Hinsicht. Zum einen habe ich für meinen zukünftigen Beruf als

Lehrerin wichtige und bereichernde Erfahrungen sammeln können.

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Pays de la Loire

Zum anderen hatte ich erstmalig Kontakt mit so genannten Schülern aus schwierigen Verhältnissen

und mit hyperaktiven Kindern und konnte wertvolle Einsichten im Umgang mit diesen Kindern

gewinnen. Zum anderen bot mir das Lektorat die Möglichkeit selbständig und eigenverantwortlich

zu arbeiten und gleichzeitig Absprachen und Kontakte mit Lehrern, Kollegen und Mitarbeitern zu

treffen und zu knüpfen. Die fast tägliche Herausforderung sich auf neue Schüler einzustellen, hat

mich gelehrt, dass das gleiche Unterrichtsprogramm entsprechend der Schülergruppe nie das dasselbe

ist und häufig bereits geringfügige Änderungen im Ablauf eine völlig neue Dynamik ergeben

können. Meine Sprachkenntnisse im Französischen konnte ich sowohl mündlich als auch schriftlich

vertiefen und um vielerlei landeskundliches Wissen erweitern. Die Einblicke, die das Lektorat

in die Bereiche der deutsch-französischen Pädagogik, des Austausches und ihren vielzähligen Organisationen

bot, werden mir sicher zu gegebener Zeit eine Hilfe sein, wenn ich selbst einen Austausch

oder ein deutsch-französisches Projekt mit meinen Schülern plane. All diese Aspekte werden

mir bei meiner Tätigkeit als Französischlehrerin in Deutschland von großem Nutzen sein. Insgesamt

ist mir innerhalb des knappen Jahres immer wieder bewusst geworden wie repräsentativ die

Aktion DeutschMobil und wie groß ihre Breitenwirkung vor Ort allein durch das Fahrzeug ist. Als

Lektorin wird man auch auf dem Parkplatz oder an der Tankstelle angesprochen und kann dann

erklären, was es damit auf sich hat. Insbesondere das ständige Verbessern und Evaluieren der Aktion

DeutschMobil in Rücksprache zwischen den LektorInnen, Einsatzstellen, den France Mobilen,

den Lehrern, Partnern und nicht zuletzt der Robert Bosch Stiftung habe ich als besonders positiv

wahrgenommen. Die Dynamik der Aktion bleibt dadurch gewahrt und die Gefahr sich mit dem

DeutschMobil in eine Einbahnstraße des „das war schon immer so“ ist nicht gegeben. Meinem

Erachten nach, lebt das Projekt von dieser Dynamik und den sich auf ganz unterschiedliche Art einbringenden

LektorInnen, weshalb ich auch den jährlichen Wechsel der LektorInnen begrüßenswert

finde. Mit dem Projekt DeutschMobil gelingt es zudem eine Vielzahl von Organisationen und

Partnern, die im deutsch-französischen Bereich tätig sind, einem breiteren Publikum zugänglich zu

machen.

Meiner Nachfolgerin wünsche ich eine schöne und bereichernde Zeit in Nantes, ein konstruktives

Arbeitsklima, viele interessierte Klassen und Lehrer sowie allzeit gute Fahrt mit dem DeutschMobil!

Inga Kathke


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B erichte aus den Regionen

Schulbesuche

Provence-Alpes-Côte d‘Azur

Lektor............ Kilian Jacob

Einsatzstelle.... Centre Franco-Allemand de Provence

Kontakt.......... 19 rue du Cancel

13100 Aix-en-Provence

Fon: (0033) 04 42 21 29 12

Fax: (0033) 04 42 21 29 13

deutschmobilpaca@web.de

Im Zeitraum Oktober 2006 bis Ende Juni 2007 besuchte der Lektor insgesamt 30 Collèges und 73

Ecoles Primaires in der Region. Dabei nahmen 6.824 SchülerInnen an den 264 Sprachanimationen

teil. Im angegebenen Zeitraum wurden 16.329 km zurückgelegt. Bei den vier abgehaltenen Elternabenden

waren 93 Eltern anwesend. Verstärkte Anfragen kamen aus den Départements Bouchesdu-Rhône

(13) und Var (83), v.a. aus den Ballungsräumen Marseille-Aix und Toulon-Hyères.

Bereits seit Schuljahresbeginn (September 2006) lief die Aktion sehr gut an. Das Telefon des Lektors

im Centre Franco-Allemand de Provence in Aix stand selten still. Ende Oktober war somit

bereits ein Großteil des Terminkalenders voll. Nachdem die Daten der anrufenden Deutschlehrer-

Innen aufgenommen worden waren und mündlich ein vorläufiger Termin vereinbart war, folgte das

Versenden des Anmeldeformulars per Mail, Post oder Fax, welches die LehrerInnen dann ausgefüllt

nach Aix zurücksandten. Ein paar Tage vor dem Schulbesuch vergewisserte sich der Lektor nochmals

telefonisch bei den DeutschlehrerInnen, ob für den ausgemachten Termin in den jeweiligen

Schulen alles vorbereitet war.

Bei der Zeiteinteilung eines Interventionstages bewährte es sich, eine Stunde Zeitpuffer zwischen

Abfahrt in Aix und Ankunft am Zielort einzubauen, um häufige Staus einzuberechnen. In den

allermeisten Fällen konnte der Vito auf den Schulhöfen geparkt werden und erregte das erwünschte

Aufsehen. Das Navigationsgerät erwies sich als sehr praktisch und erleichterte die Suche an den

Orten der Schulen erheblich.

Die Interventionen setzen sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen, deren Schwierigkeitsgrad

sich je nach Niveau der Schüler flexibel anpassen lässt:


Provence-Alpes-Côte d‘Azur

Zunächst stellt sich der Lektor auf Französisch vor und erklärt mit einfachen Worten kurz seine

Tätigkeit in der Region PACA und erwähnt ebenfalls die anderen Kolleginnen bzw. auch die

Präsenz des France Mobils in den deutschen Bundesländern. Wenn man die Schüler fragt, was denn

ihrer Meinung nach „DeutschMobil“ sei bzw. bedeute, so kommen sie auch sehr schnell selber auf

Sinn und Aufgabe des Deutsch- und auch des France Mobils. Aus Gründen der Ausgewogenheit

erschien die Nennung des France Mobils besonders wichtig. Dies erhöhte auch die Akzeptanz der

Schüler, denn sie fanden es logisch, dass, wenn Franzosen in Deutschland in den Schulen unterwegs

sind, auch Deutsche in Frankreich ihr Land und ihre Sprache vorstellen. Als Ziel der Intervention

nannte der Lektor den SchülerInnen immer folgende Elemente: Deutschland und die deutsche

Sprache kurz vorstellen, Spaß haben am Deutschlernen und während der Animation natürlich das

Hauptziel: „Deutsch ist nicht schwer, das werden wir alle zusammen sehen.“

Nach der Vorstellung der eigenen Person und des Deutsch- und France Mobils fragt der Lektor

immer, wer von den SchülerInnen schon einmal in Deutschland gewesen sei. Auf diese Frage

kommt dann öfters: „Ja, aber ich weiß nicht wo“, „Europa-Park Rust“, die jeweilige Partnerstadt

oder eine große Stadt wie Berlin, München etc. Wichtig ist es, die SchülerInnen, die bereits in

Deutschland waren, von ihren (meist positiven) Erlebnissen erzählen zu lassen und auch die Ziele

auf der großen Deutschlandkarte ihren Mitschülern zu zeigen. Somit kommt die Botschaft bei

den anderen an: „Deutschland ist ja gar nicht soweit weg und es macht Spaß dort hinzufahren.“

Ich erwähne auch die Flugdauer von circa einer Stunde (z.B. Nizza-Berlin, oder Marseille-Baden-

Baden) und die günstigen Angebote der Fluggesellschaften zwischen Frankreich und Deutschland,

was die SchülerInnen immer sehr beeindruckt.

Die zweite Frage, die ich stelle (um möglichst viele SchülerInnen in die Eröffnungsdiskussion einzubinden),

lautet: „Wer von Euch kennt denn Deutsche in der Region PACA oder in Deutschland?“.

Als Antwort kommt dann: Deutsche Nachbarn (in PACA leben circa 55.000 Deutsche

ganz oder teilweise, zuzüglich zahlreicher Touristen), Familienangehörige in Deutschland, Ferienbekanntschaften

oder Begegnungen auf Campingplätzen der Region bzw. in Deutschland selbst,

deutsche Gastschüler älterer Geschwister etc. Für alle, die mit Deutschen oder Deutschland noch

nie etwas zu tun hatten, füge ich immer noch hinzu: „Seht ihr, jetzt kennt ihr alle auch einen

Deutschen.“, worauf das Gelächter meistens groß ist.

Die dritte Einstiegsfrage lautet: „Wer weiß denn ganz allgemein etwas über Deutschland?“ Antworten:

Fußballvereine (Bayern München, hier kann man dann sehr gut das Bundesland Bayern zeigen

und seine Landeshauptstadt München), Bundesliga, deutsche Nationalmannschaft bzw. Spielernamen,

leider immer noch Hitler und der Zweite Weltkrieg (ich erkläre dann immer, dass das Gott

sei Dank lange vorbei ist und dass Frankreich und Deutschland heute große Freunde sind und eng

zusammenarbeiten), die Rockgruppe Tokio Hotel, die auf Deutsch singt und bei den Mädchen

auch in Frankreich sehr beliebt ist, die Hauptstadt Berlin und die Berliner Mauer, das Modell

Claudia Schiffer und natürlich deutsche Automarken (Mercedes und Co, woraufhin ich den trendbewussten

Jugendlichen zu deren großem Erstaunen auch erkläre, dass auch Adidas und Puma

deutsch sind).

Die letzte Einstiegsfrage schließlich: „Kennt ihr deutsche Wörter oder Sätze?“ Hier ist die Begeisterung

immer besonders groß v.a. wenn die Collège-Schüler bereits in der Primarstufe ein wenig

Deutschunterricht hatten. Ich schreibe immer alle Wörter an die Tafel und schließe diese Phase mit

der Feststellung ab: „Seht ihr, ihr könnt ja sogar schon ein bisschen Deutsch!“

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Provence-Alpes-Côte d‘Azur

Anschließend lasse ich die SchülerInnen erklären, wie man sich auf Deutsch vorstellt (oft wissen

sie das bereits) und schreibe es dann an die Tafel. Danach zeige ich ihnen einen knallorangen Arte-

Fußball und erkläre ihnen, dass Arte deutsch-französisch ist und lasse sie erzählen, was sie über

den Sender wissen bzw. fordere sie auf, ab und zu mal Arte zu gucken (da viele französische Haushalte

immer noch weniger Fernsehsender haben als deutsche, sind Arte bzw. die Schwerpunkte

des Senders den SchülerInnen ganz gut bekannt). Den Fußball lasse ich dann durch die Klasse

werfen/reichen, und jeder stellt sich auf Deutsch vor. Vorher lasse ich die SchülerInnen die Sätze

zusammen sagen, damit sie sich sicherer fühlen. In der Grundschule kommt dieses Vorstellungsspiel

immer genauso gut an wie im Collège, wobei sich die Grundschüler oft sogar besser anstellen.

Nachdem sich jeder auf Deutsch vorgestellt hat, frage ich sie, ob das denn schwer war, wobei meistens

die Antwort „nein“ herauskommt. Danach stelle ich mich mit Hilfe der einschlägigen transparenten

Wörter auf Deutsch vor und bediene mich zusätzlich dabei der Deutschlandkarte bzw.

bestimmter Gesten. Die SchülerInnen finden häufig alle transparenten deutschen Wörter heraus

und sprechen sie meistens auch gleich richtig auf Deutsch aus. Sie haben somit ein Erfolgserlebnis

und sehen ein, dass Deutsch ja eigentlich gar nicht so schwer ist.

Als nächstes teile ich Ihnen ein kleines Deutschland-Quiz mit zehn landeskundlichen Fragen bzw.

Scherzfragen zum Ankreuzen aus (eine Version für den Primar- und eine Version für den Sekundarbereich)

und kündige an, dass sie etwas gewinnen können. Das Quiz kommt immer sehr gut

an. Während die Schüler beschäftigt sind, teile ich den Elternbrief und am Collège die Broschüre

„Allemand - passeport pour l‘Europe“ aus, mit dem Hinweis, es sich gut durchzulesen, den Brief

den Eltern unbedingt zu zeigen bzw. von ihnen unterschreiben zu lassen.

Im nächsten Baustein lasse ich mehrere Schüler das französische Wort „un esquimau“ an die Tafel

schreiben, wobei v.a. am Wortende alle Varianten herauskommen und erläutere ihnen anschließend

die Einfachheit der deutschen Rechtschreibung („Eskimo“ statt „esquimau“): Im Deutschen darf

man alles schreiben, so wie man es hört und hat für den Laut „o“ nicht theoretisch verschiedene

Möglichkeiten am Wortende wie im Französischen bei „esquimau“). Zusätzlich weise ich darauf

hin, dass im Deutschen jeder Buchstabe ausgesprochen werden darf. Man spricht wie man

schreibt - und andersherum. Ich schreibe ihnen einige transparente Wörter an die Tafel (Berlin,

Paris, Banane, Tomate, Tante, Olive …), die sie dann „wie in Deutschland“ ganz einfach aussprechen

können. Der Einwand eines Schülers, dass Deutsch ja eigentlich so einfach funktioniere

wie Französisch in der Chatversion (viele Schüler verbringen anscheinend ihre Freizeit gerne in

Chaträumen bzw. sind abonniert beim Chatanbieter MSN), d.h. man schreibt wie man spricht,

brachte mich auf die Idee, das auch noch zusätzlich zu erwähnen. Alle sind von diesen Argumenten

eigentlich überzeugt.

Als nächstes gehe ich (v.a. in den Grundschulen, deren Schüler die Möglichkeit haben, ein Collège

mit einer „classe bilangue“ zu besuchen) auf die häufige Ähnlichkeit des Deutschen und Englischen

ein. Ich zeige den SchülerInnen sich ähnelnde Wortpaare (finger-Finger, house-Haus, mouse-Maus

etc.) und erkläre ihnen, dass Deutsch ja schon viel einfacher ist, wenn sie bereits Englisch hatten

(was ja bei allen der Fall ist).

Am Schluss der Animation zeige ich Ihnen immer noch einen Deutschen HipHop-Clip und teile

die kleinen Geschenke des OFAJs als „Preise“ aus. Dabei kann man auch immer gut in groben

Zügen die Funktion des OFAJs und des Schüleraustausches erklären.


Provence-Alpes-Côte d‘Azur

Bezüglich der Nachbereitung händige ich dem Deutschlehrer das Evaluationsformular aus mit

dem Hinweis, es mir unbedingt so schnell wie möglich mit den einschlägigen Schülerzahlen

zurückzusenden. Für Nachfolger / innen fülle ich ein eigenes Evaluationsformular aus, das die Mitarbeit

und Organisation der Schulen und Lehrer beschreibt bzw. auf besonders negative und positive

Punkte aufmerksam macht (Empfang, Parkmöglichkeit, Beteiligung der Schüler etc.).

Im Allgemeinen war Interesse an Deutschland sowohl im Primar- als auch im Sekundärbereich

vorhanden. Die Schüler waren während der Interventionen meistens sehr motiviert, hatten zahlreiche

Fragen und beteiligten sich rege. Es ist oft gelungen, Vorurteile und Berührungsängste

abzubauen. Es war äußerst selten, dass sich SchülerInnen stark desinteressiert zeigten oder unangebrachte

Bemerkungen machten. Von ganz entscheidender Bedeutung ist meiner Meinung nach die

Rolle des Deutschlehrers und auch des Klassenlehrers bzw. des Lehrers, der während der Animation

anwesend ist. Es hat sich als sehr positiv herausgestellt, wenn der Deutschlehrer wenigstens am

Anfang der Stunde sich den SchülerInnen kurz vorstellt, was leider nicht immer der Fall war. Einigen

Klassenlehrern, die eigentlich die Disziplin garantieren sollten, war die DM-Animation total

gleichgültig und von so einer Haltung blieben die Schüler natürlich auch nicht ganz unberührt,

was die Qualität der Intervention etwas minderte. Gerade in den Grundschulen ist die Rolle des

Klassenlehrers bzw. seine Einstellung zum Deutschen und Deutschland sehr wichtig, da ihm die

Schüler nach der Intervention (wenn der Lektor bereits wieder weg ist) noch wichtige Fragen stellen.

Die Organisation der Interventionen seitens der Deutschlehrer wäre öfters noch verbesserungsfähig,

insbesondere hinsichtlich der Räumlichkeiten, Medientechnik, Essen in der Schulkantine, Parken

und des Kopierens des Elternbriefes durch die Schulverwaltung. Vielleicht sollte man so etwas

auf dem Deutschlehrertag (in der Region PACA findet er immer im Dezember statt) ansprechen.

Positiv erwähnt werden muss das große Engagement mancher Deutschlehrer in so genannten „Problemschulen“

(z.B. in den „Quartiers Nord“ von Marseille), wo die Interventionen vorbildlich

organisiert waren. Die Schüler dieser Schulen (zum größten Teil mit maghrebinischer und afrikanischer

Herkunft) begegneten dem Lektor und dem Thema „Deutschland“ und „deutsche Sprache“

mit großer Offenheit und Interesse.

Die Zusammenarbeit mit den Schulleitern bzw. IPRs erwies sich als problemlos. Von den Schulleitern

wurde man eigentlich immer sehr freundlich begrüßt.

Im Zeitraum von Oktober 2006 bis Juli 2007 wurden vier Elternabende organisiert im Hinblick

auf die „classes bilangues“. Der erste, in der Grundschule von Mimet (13) war von 15 Eltern

besucht. Viele Mütter hatten hier Bedenken, dass diese Klassen zu schwierig seien könnten, die aber

vom anwesenden Principal des zuständigen Collèges und vom Lektor zerstreut werden konnten.

Der zweite Elternabend am Collège Gassendi in Digne-les-Bains (04) war ein großer Erfolg. Es

waren 60 Eltern anwesend, d.h. die Aula war bis auf den letzten Platz besetzt.

Am letzten Elternabend waren nur 5 Eltern anwesend, wobei das Collège in La Ciotat (13) (bzw.

dessen Verwaltung) anscheinend nur wenig Werbung in den umliegenden Grundschulen gemacht

hatte. Die Elternabende fanden ohne die Beteiligung der anderen Sprachlehrer statt. Meistens

meinten die Deutschlehrer, die Kollegen legten hierauf keinen Wert, bzw. die Deutschlehrer hielten

dies nicht für angebracht.

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Provence-Alpes-Côte d‘Azur

Im März 2007 besuchte das DM PACA zahlreiche Grundschulen auf Korsika (Ajaccio und Bastia).

Frau Fleurent, eine Grundschullehrerin, die in einigen Grundschulen bereits Deutsch unterrichtete,

begleitete und unterstützte den Lektor in den Schulen in Ajaccio.

In Bastia verlief die Zusammenarbeit mit der dortigen Collège-Lehrerin, Frau Picchioli, hervorragend.

Die Interventionen stießen bei den korsischen Grundschülern auf große Begeisterung. In

Ajaccio und Bastia existieren so genannte „classes bilangues“ (Deutsch und Englisch parallel ab der

6ème). Allerdings gibt es nicht nur „classes bilangues“ mit der Paarung Deutsch-Englisch, sondern

auch Italienisch-Englisch und Korsisch-Englisch, womit die Konkurrenz für die deutsche Sprache

im Primar- und Sekundärbereich noch größer ist. Da deutsche Touristen laut des französischen

Statistikamtes INSEE die größte Zahl der ausländischen Korsikabesucher ausmachen (noch vor

den Italienern), wurde immer auch auf die Bedeutung der deutschen Sprache in diesem für die

Insel vorrangigen Wirtschaftssektor hingewiesen. Aufgrund des sehr positiven Echos seitens der

korsischen Schüler und Lehrer sollte die Korsika-Tournee des DeutschMobils PACA auch in

Zukunft ein fester Bestandteil des Interventionsplans darstellen. Teilweise wurden der deutschen

Sprache und den Deutschen mehr Interesse und Sympathie entgegengebracht als auf dem Festland.

Zusätzlich sollte die wichtige und engagierte Arbeit von Frau Fleurent (Deutschanfängerstunden

in zahlreichen Grundschulen Ajaccios) und Frau Picchioli (sehr guter persönlicher Kontakt zu den

Grundschulen in und um Bastia) unbedingt unterstützt werden.

Ende Mai fuhr das DM PACA eine Woche in die Nachbarregion Rhône-Alpes (Collègebesuch in

Montélimar und Grundschulbesuche in Montélimar und Dieulefit). In Montélimar wurde in einer

Grundschule (Saint-James) auch ein Elternabend im Hinblick auf die „classe bilangue“ organisiert,

an dem 15 Eltern teilnahmen.

Die Zusammenarbeit mit der Presse war zufriedenstellend. Das DeutschMobil erschien mit Artikeln

in den regionalen Tageszeitungen Var-Matin, La Provence und La Tribune. Leider machten

sich die Deutschlehrer bzw. die Collèges selten die Mühe, die Presse einzuladen bzw. die Journalisten

sagten sich zwar an, kamen dann entweder gar nicht oder zu einem anderen Tag oder zu einer

anderen Uhrzeit (als das DeutschMobil gar nicht mehr oder noch nicht vor Ort war).

Sonderaktionen

Das DeutschMobil PACA nahm an folgenden Sonderaktionen teil:

Vereinsmesse ASSOGORA in Aix-en-Provence

Infostand zusammen mit dem CFA Provence in Aix im Rahmen der Vereinsmesse „Assogora“ auf

der sich alle Vereine der Stadt Aix am ersten Sonntag im September vorstellen.

Deutsche Woche - Infostand Aix-en-Provence

Im Rahmen der „Semaine allemande“ im Oktober 2006 war das DM zweimal bei einem Infostand

des CFA auf dem Aixer Hauptmarkt anwesend, wobei es regen Publikumsandrang gab.

Ebenso fanden ein „Schnupperkurs Deutsch“ für Kinder und ein Kurs für Erwachsene mit dem

DeutschMobil-Lektor im CFA statt.

Präsentation in Lourmarin und Marseille

Das DeutschMobil konnte im Rahmen einer Veranstaltung des Vereins Provence-Allemagne in

Lourmarin dem anwesenden Publikum vorgestellt werden, ebenso bei einer Veranstaltung, die das

CFA zusammen mit dem Schweizer Konsulat in Marseille in dessen Räumlichkeiten durchführte.


Gorch Fock in Toulon

Provence-Alpes-Côte d‘Azur

Bei einer Einladung des DeutschMobils auf das im November 2006 in Toulon ankernde Segelschulschiff

der Bundesmarine Gorch-Fock gelang es, Fotos des Autos vor dem Segelschiff zu

machen.

Deutschlehrertage

Vorstellung des Programms DeutschMobil auf den Deutschlehrertagen in Marseille (Dezember

2006) und Cannes (Mai 2007).

Deutsch-Französische Woche, Saint-Cyr

Im Januar 2007 nahm das DeutschMobil im Rahmen der Semaine Franco-Allemande an der Preisverleihung

eines Deutschland-Quiz am Collège Saint-Cyr teil mit anschließendem „Apéritif allemand“

für die Schüler des Collèges (Apfelsaftschorle und Spezi) bzw. stiftete die Preise (Fußbälle,

T-Shirts, Poster, Schlüsselanhänger, Kulis, Radiergummis). Das Ganze wurde mitorganisiert vom

„Comité de jumelage de Saint-Cyr“ (Partnerschaft mit Denzlingen).

50 Jahre Römische Verträge, Marseille

Im März 2007 war das DM PACA in Partnerschaft mit dem Comité de l‘Europe (Marseille) bei

den Feierlichkeiten anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Römischen Verträge präsent. Das Programm

konnte dabei bei einer offiziellen Feierstunde im Rathaus des zweiten Arrondissements in

Marseille, sowie bei einem Straßenfest (Infostand in Marseille, Nähe Vieux Port) einem breiten

Publikum vorgestellt werden.

Fête de l‘Europe, Vitrolles

Im Mai 2007 nahm das DeutschMobil PACA mit dem Centre Franco-Allemand an der „Fête de

l‘Europe“ (Anlass Europatag) in Vitrolles teil. Dabei war das Fahrzeug sehr gut sichtbar positioniert.

Die Teilnahme an diesem Fest war besonders wichtig, da Vitrolles über längere Zeit vom

rechtsextremistischen „Mouvement National Républicain“ regiert wurde (Bürgermeisterin Catherine

Mégret, bis 2002) und das Thema „Europa“ zu dieser Zeit keine Rolle spielte.

Vorbereitung und Betreuung

Das Einführungs- und Zwischenseminar waren hervorragend organisiert und sehr hilfreich.

Zusätzlich böte es sich vielleicht an, bereits auf dem Einführungsseminar einen erfahrenen Lehrer/

Pädagogen einzuladen, der ein wenig über Tipps und Tricks aus der Praxis berichten könnte, was

das Problemfeld „Disziplin“ angeht. Nicht dass es gravierende Probleme bezüglich mangelnder Disziplin

seitens der Schüler gegeben hätte, meistens haben das ja auch die anwesenden Klassenlehrer

gut übernommen, aber manchmal traten diese auch zu autoritär auf (so verwiesen sie z.B. Schüler

wegen Lappalien des Raumes), was schlecht für die Stimmung und auch für das Fach Deutsch

war.

Die Einarbeitung am Arbeitsort, sprich im Centre Franco-Allemand de Provence in Aix, vollzog

sich ohne Probleme, zumal die Erfahrungsberichte der Vorgängerinnen sehr hilfreich waren. Die

Atmosphäre im Centre ist immer sehr gut und auch die Infrastruktur ist zufrieden stellend. Der

DeutschMobil-Lektor war bei zahlreichen Veranstaltungen des CFA anwesend und wirkte auch

teilweise bei ihrer Vorbereitung und Durchführung mit, so z.B. bei der „Semaine Allemande.“

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Provence-Alpes-Côte d‘Azur

Als sehr interessant erwies sich das gemeinsame Seminar (25.-29. Juni 2007) mit den LektorInnen

des France Mobils in Montpellier. Es konnten zahlreiche binationale Projekte geplant werden

und es erlaubte Einblicke in die Arbeitsmethoden der französischen KollegInnen (unterschiedliche

Ansätze der Sprachanimation). Ein solches Treffen sollte auf alle Fälle beibehalten werden. Vor

allem für die LektorInnen des DeutschMobils, die verlängern, bot das Seminar tolle Anregungen.

Der gute und ständige Kontakt zu den französischen KollegInnen sollte in Zukunft noch verfestigt

werden.

Das Abschlussseminar in Stuttgart war gut organisiert (Unterbringung und Veranstaltungen). Der

Zeitplan war jedoch sehr dicht, was manchmal wichtige Punkte etwas zu kurz kommen ließ.

Es wäre zu begrüßen, wenn das Einführungs- und Abschlussseminar in Zukunft mit den LektorInnen

des France Mobils stattfände, um zumindest die französischen KollegInnen kurz kennen zu

lernen und sich mit ihnen auszutauschen. Dies würde außerdem die binationale Dimension des

Programms unterstreichen.

Die Arbeitsatmosphäre am Centre Franco-Allemand de Provence in Aix war hervorragend. Der

Direktor des Centre, Herr Rothacker, war stets ansprechbar, ließ dem Lektor aber auch die nötige

Freiheit, selbstständig zu arbeiten und sich zu organisieren. Die Infrastruktur erwies sich als zufrieden

stellend. Das gesamte Büroteam in Aix stand dem DeutschMobil immer sehr hilfreich zur

Seite. Gerade über die zahlreichen und gut besuchten Veranstaltungen des Deutsch-Französischen

Wirtschaftsclubs, der ein fester Bestandteil des Centre Franco-Allemand ist, konnte das Projekt

DeutschMobil auch über den Bereich „Schule / Erziehung“ hinaus bekannt gemacht werden. Mitglieder

des Wirtschaftsclubs, die auch Schülereltern sind, wurden somit auf das DeutschMobil aufmerksam

und setzten sich in den Schulen ihrer Kinder für eine Intervention im nächsten Schuljahr

bzw. für das Fach Deutsch ein.

Allgemeine Bewertung

Die wichtigsten Ratschläge, die ich meinem Nachfolger mit auf den Weg geben würde:

Sich nie aus der Ruhe bringen lassen, sich nichts von DeutschlehrerInnen vorschreiben oder aufzwingen

lassen (gerade bei Einsätzen in Nachbarregionen wollen die DeutschlehrerInnen einem

viel in eine Woche stopfen), jeder Person, mit der man Kontakt hat, sehr freundlich entgegenzutreten.

Die DeutschMobil-LektorInnen verkörpern in dem Moment, indem sie an den Schulen

(und anderswo) präsent sind, „Deutsche“ bzw. „Deutschland.“ Für viele Schüler, aber auch Lehrer,

sind wir der erste Kontakt mit Deutschland und Deutschen, es ist also auf äußerst diplomatisches

Verhalten zu achten.

Die Arbeit als DeutschMobil-Lektor zeichnet sich besonders durch ihre Vielfältigkeit aus: Obwohl

pädagogische Fähigkeiten viel Raum einnehmen, sind ebenso Selbstständigkeit, Organisationstalent

und sicheres Auftreten bei öffentlichen Terminen sehr wichtig. Wir repräsentieren unser Land

auf zivilgesellschaftlicher Ebene und begegnen jeden Tag neuen Menschen. Dies macht die Arbeit

als DeutschMobil-Lektor sehr bereichernd und spannend und gibt wichtige Erfahrungen mit, die

zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung einen großen Beitrag leisten.


Provence-Alpes-Côte d‘Azur

Den Erfolg des Projekts DeutschMobil konnte der Lektor jeden Tag während der Interventionen

feststellen. Die Begeisterung und das Interesse für Deutschland waren v.a. bei den Grundschülern

sehr groß. Die Organisation und Durchführung (Koordination, Einsatzstellen, Sponsoren und

Partner) ergänzen sich hervorragend und sind gut konzipiert. Für kommendes Schuljahr stehen

bereits die ersten Termine für Mitte September. Wie man an den ersten Zahlen sieht, die bereits

von Schulen eingetroffen sind, steigerte sich die Zahl der Deutschlerner bzw. wurde konsolidiert,

was zweifelsohne einen zusätzlichen Motivationsschub für das Schuljahr 2007/08 gibt.

Kilian Jacob

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P rojektkoordination

DeutschMobil Koordination Montpellier

Koordination.. Nadine Gruner

Einsatzstelle.... Maison de Heidelberg

Kontakt.......... 4 rue des Trésoriers de la Bourse

34000 Montpellier

Fon: (0033) 04 67 60 48 11

Fax: (0033) 04 67 66 22 29

coordination@deutschmobil.fr

Auch im Schuljahr 2006/07 sitze ich als rechte Hand von Projektleiter Kurt Brenner in der

DeutschMobil-Koordinierungsstelle im Heidelberg-Haus Montpellier, wo alle Fäden zusammenlaufen.

Die Betreuung der einzelnen Lektorate wird immer umfassender und komplexer. Jede

Einsatzstelle funktioniert anders, angefangen mit der Ausstattung bis hin zur Finanzierung. Meine

Aufgabe ist es alle unter einen Hut zu bringen, damit alles wie am Schnürchen läuft. Der rote Faden!

Koordination heißt soviel wie Innendienst bei der Aktion DeutschMobil. Über das tägliche Sekretariat

hinausreichend, sind wir auch ein richtiger Think Tank und setzen neue inhaltliche Impulse

für die weitere Programmentwicklung. Schließlich wollen wir nicht den Anschluss verlieren und

„wettbewerbsfähig“ bleiben in den Augen unserer Partner und Sponsoren. Die Arbeitsatmosphäre

im Heidelberg-Haus ist dabei sehr angenehm und stets geschäftig, die Zusammenarbeit mit den

Kollegen empfinde ich als sehr produktiv und anregend.

Besonders reizvoll ist das breit gefächerte Aufgabenspektrum im Projektmanagement, neben der

Budgetverwaltung und dem Stellen von Subventionsanträgen heißt es auch zu Protokollieren,

Dokumentieren und Bilanzieren. So zeichne ich auch erneut für Layout und Endredaktion des

vorliegenden Tätigkeitsberichts verantwortlich.

Dass ich den Lektoren jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehe, versteht sich von selbst. Gerade

zum Schuljahresbeginn steht das Telefon nicht still und bohrende Fragen zur Verwaltung, Abrechnung

und Pressearbeit gehören zur Tagesordnung. Das Métier der Lektoren ist mir natürlich

auch nicht gänzlich unbekannt. So bot sich auch in diesem Schuljahr wieder die Möglichkeit bei

DeutschMobil-Einsätzen zu hospitieren und selbst aktiv zu werden, etwa als Moderatorin während

der Konzerttournee von Stimmband, im Nikolauskostüm in Carcassonne oder als alleinige Animateurin

in Cap d‘Agde.


Wichtige Neuerungen im Schuljahresverlauf 2006/07 war die Umgestaltung der Webseite

www.deutschmobil.fr, die seitdem auf dem aktuellsten Stand ist. Im Frühjahr wurde darüber

hinaus ein interne Austauschplattform für DeutschMobil und France Mobil geschaffen, die ich u.a.

betreue. Das Forum steht sowohl den aktuellen als auch ehemaligen Lektoren offen.

Eine Maßnahme der Öffentlichkeitsarbeit war die Konzeption einer DeutschMobil-Weihnachtskarte,

die an alle Partner, Lehrer und Freunde der Aktion versandt wurde. In Zusammenarbeit mit

einer Grafikerin wurde zudem das Pressecommuniqué zu einer modernen Infobroschüre umgestaltet,

die nun in deutscher und französischer Sprache das Programm DeutschMobil bewirbt.

Die Vorbereitung verschiedener Messeteilnahmen fällt ebenfalls in meinen Aufgabenbereich und

bei der Frankfurter Buchmesse, der Sprachenmesse Expolangues in Paris sowie der Leipziger Buchmesse

konnte ich in diesem Schuljahr selbst vor Ort sein und am Stand das interessierte Publikum

beraten und über DeutschMobil informieren. Die Kontaktaufnahme zu unseren Partnern war vor

Ort obendrein sehr einfach.

Immer stärker bin ich auch in die Einführungs-/Zwischen- und Abschlussseminare der Robert

Bosch Stiftung einbezogen und werde als Referentin/Ausbilderin für verschiedene Programmpunkte

engagiert. Hinzu kommt die selbständige Organisation des mittlerweile traditionellen Treffens

aller Deutsch und France Mobil Lektoren in Montpellier. Im Sommer 2007 konnte vor allem

die Alumni-Idee weiterverfolgt werden, die im Herbst in einer Vereinsgründung münden sollte.

Mit Zufriedenheit kann ich feststellen, dass die Zusammenarbeit mit den französischen Kollegen

in diesem Schuljahr maßgeblich vorangetrieben werden konnte, ich möchte an dieser Stelle nur auf

die interregionalen Tandems hinweisen.

Eine besondere Herausforderung war die sehr kurzfristige Organisation der Autoübergabe vor der

SRH Hochschule in Heidelberg, die im Endeffekt jedoch glatt und erfolgreich mit prominenten

Gästen über die Bühne ging.

Mein herzlicher Dank gilt der Robert Bosch Stiftung, die die Schaffung dieser halben Stelle

ermöglicht hat, Kurt Brenner danke ich für sein Vertrauen in meine Arbeit und unserem

pädagogischen Leiter Hans Demes für seine Beraterfunktion. Auch im kommenden Schuljahr

stehe ich allen Beteiligten wieder als Ansprechpartnerin zur Verfügung und freue mich auf neue

Herausforderungen...

Nadine Gruner

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P artner & Sponsoren

Ohne unsere Partner gäbe es kein DeutschMobil. Allen voran das Dreigestirn der Föderation der

Deutsch-Französischen Häuser, der Robert Bosch Stiftung und der Daimler AG, die die Aktion Anfang

2001 auf den Weg brachten und den seit September 2007 schon zehn DeutschMobilen auf unterschiedlichste

Art und Weise Fahrtwind geben. Sei es durch örtliche Anbindung an die Einsatzstellen

der Föderation, sei es finanzielle und inhaltliche Unterstützung durch die Robert Bosch

Stiftung oder Mobilität durch die Mercedes Vito Busse der Daimler AG - soviel zivilgesellschaftliches

Engagement ist vorbildlich. In diesem Sinne danken wir allen Ansprechpartnern, die uns

im vergangenen Aktionsjahr kompetent und unterstützend begleitet haben. Mittlerweile könnte

man fast schon von einem Quartett reden, denn auch der Deutsche Akademische Austauschdienst

DAAD baut seine Förderung weiter aus und finanziert bald schon drei Stipendien für Sprachassistenten.

Der DAAD finanziert die Lektorate in Toulouse und in Bordeaux, das dritte Stipendium für

eine Sprachassistenz wird ab September 2007 in Nantes übernommen. Diese Lektoren unterrichten

neben ihrer DeutschMobil-Tätigkeit auch an den örtlichen Hochschulen. Inhaltlich hat

DeutschMobil mit den Lektoren der Arbeitsgemeinschaft AllES (Action pour l‘Allemand dans

l‘Enseignement supérieur) kooperiert, die für den universitären Germanistennachwuchs an den

Schulen wirbt. Bei der Teilnahme von zwei Lektorinnen am Einführungsseminar für neue DAAD-

Lektoren in Paris konnten neue Kontakte geknüpft werden.

Jedes Jahr erweitert sich die Liste unserer Förderer und Sponsoren, die auf unterschiedlichste Art

und Weise zum Gelingen der Aktion DeutschMobil beitragen. Die Zusammenarbeit gestaltete

sich auch im Schuljahr 2006/2007 wieder sehr kooperativ, wofür sich die gesamte DeutschMobil-

Equipe aufs Herzlichste bedanken möchte. Allen voran den französischen Schulakademien, die den

nicht selbstverständlichen Zutritt zu den Schulen gewähren und den Deutschinspektoren (IPR IA

d‘Allemand), die unseren Lektoren beratend zur Seite stehen.

Ein wichtiger Partner ist das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) in Paris und Berlin, welches

uns Jahr für Jahr großzügig mit Geschenken für die Schüler ausstattet (Schlüsselanhänger,

Kugelschreiber, Radiergummis, Lineale, Poster, Glossare, etc.) und zudem die Realisierung zahlreicher

„Rendez-vous avec l‘Allemagne“ ermöglicht hat. Die DeutschMobile dienen im Gegenzug als

mobile Infopunkte für Austausch- und Förderprogramme des Jugendwerks.

Die Goethe-Institute in Frankreich sind wichtige Ansprechpartner für DeutschMobil und stellen

auch unterschiedliche Materialien bereit, so u.a. die beliebte Zeitschrift „En route vers l‘Allemagne“,

die sich an Grundschüler richtet. Die Goethe-Institut in Toulouse und Bordeaux sind zudem

Ankerplätze der DeutschMobils für die Regionen Midi-Pyrénées und Aquitaine. Im kommenden

Schuljahr wird das Goethe-Institut auch in Nancy und Lyon ein Mobil aufnehmen.

Durch die enge Zusammenarbeit mit der Kulturabteilung der Deutschen Botschaft in Paris und

die regelmäßige Teilnahme einer DeutschMobil-Vertreterin an den StaDaF-Sitzungen (Ständige

Arbeitsgruppe Deutsch als Fremdsprache), ist DeutschMobil fester Bestandteil der Auswärtigen

Kulturpolitik. Auch im Jahr 2006 stellte das Auswärtige Amt Mittel für verschiedene DeutschMobil-Aktionen

bereit. Das CIDAL (Centre d‘Information et de Documentation de l‘Ambassade

d‘Allemagne), ein Dokumentationszentrum der Deutschen Botschaft in Paris hat uns Materialien,

Zeitschriften und Infobroschüren über Deutschland zur Verfügung gestellt.


Partner & Sponsoren

Eine immer gewichtigere Rolle spielen französische Gebietskörperschaften für das Fortbestehen einzelner

Lektorate. Der Conseil Général de la Moselle in Metz hat die die Mobilkosten für Einsätze im

Département Moselle getragen und stellt mit dem Centre Transfrontalier in Saint-Avold zugleich

Einsatzstelle für die Lektorin dar.

Seit zwei Jahren beherbergt der Service Europe des Conseil Général du Calvados eine DeutschMobil-

Lektorin, die in der Normandie unterwegs ist.

In Toulouse stellt der Conseil Régional Midi-Pyrénées Mittel für die Betriebskosten des dort angesiedelten

DeutschMobils zur Verfügung. Das neunte DeutschMobil in Bordeaux wird freundlichweise

vom Conseil Régional d‘Aquitaine gefördert, Rahmen einer Regionalpartnerschaft mit dem Bundesland

Hessen. Verhandlungen mit dem Conseil Régional Rhône-Alpes verliefen positiv, sodass ab

September 2007 DeutschMobil Nummer 10 in Lyon an den Start gehen kann.

Die Partnerschaft mit dem deutsch-französischen Kulturkanal ARTE wurde im Juni 2004 auf den

Weg gebracht und gestaltet sich gewinnbringend für beide Seiten. Erneut erhielten die Lektorinnen

zahlreiche Giveaways, wie Schlüsselanhänger, Kappen, Stifte, Aufkleber, Fußbälle, etc. Besonders

am Herzen liegt uns das bunte Magazin Karambolage, das über deutsche und französische Mythen

aufklärt. Filmausschnitte daraus dürfen in den Klassen verwenden werden, so auch von der beliebten

„Sendung mit der Maus“ mit französischen Untertiteln.

Die langjährige Zusammenarbeit mit verschiedenen Schulbuchverlagen konnte erfolgreich

fortgeführt werden. Der Max Hueber Verlag versorgte die Lektoren mit DaF-Lehrwerken wie

Tamtam, Tamburin, Planet und schickte viele bunte Poster, die heute zahlreiche französische

Klassenzimmer schmücken. Der traditionsreiche Stuttgarter Klett Verlag begleitet DeutschMobil

schon seit einigen Jahren. Und wieder erhielten wir Pakete mit Probeexemplaren, Liederbüchern

und Wörterbüchern, etc. Auch der Langenscheidt Verlag schenkte uns Exemplare von Lehrwerken,

Lernposter, kleine Lektüren für Jugendliche und Bildkarten. Nicht zuletzt seien auch die Editions

Larousse erwähnt, die uns jedes Jahr auf Neue sehr großzügig mit verschiedenen deutschen

Wörterbüchern für den Schulbereich bedenken (Junior allemand, Schule allemand & Compact).

Das angestrebte Sponsoring durch den Heidelberger Fruchtsafthersteller Capri-Sonne (Wild

GmbH & Co. KG) konnte jedoch aufgrund von Vertriebsproblemen in französischen Schulen

kurzfristig nicht zustande kommen. Sehr gefreut haben wir uns über die Bereitstellung von

Getränken während der Autoübergabe in Heidelberg.

Wir freuen uns auf eine intensive Zusammenarbeit im kommenden Schuljahr. Der Nutzen liegt auf

beider Seiten und es lohnt es sich zweifelsohne für alle Beteiligten.

Ihnen allen gebührt ein großes Dankeschön für ihre Treue und Großzügigkeit gegenüber

DeutschMobil.

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S onderaktionen

Deutsch-Französisches Forum Strasbourg

Europäische Stellenbörse und Studienmesse, 18.-19. Oktober 2006

Unser Messestand war in der Nähe des Haupteingangs sehr gut platziert. Das DeutschMobil und

das France Mobil konnten auf der uns zur Verfügung gestellten Fläche ausgestellt werden. Ergänzt

durch eine bunte Dekoration der Wände mit Postern und Informationsmaterialien verschiedener

Partner auf den Ausstellungstischen gehörte er so eindeutig zu den auffälligsten und schönsten

Ausstellungsflächen!

France Mobil Referentin Stéphanie Cornet und ich waren über den großen Andrang, den wir an

unserem Stand hatten und das Interesse, das unseren Projekten entgegengebracht wurde, sehr positiv

überrascht! Es ist schwierig, die Zahl der Interessenten an unserem Stand zu schätzen, jedoch

waren wir fast ununterbrochen im Einsatz und am Sprechen, Erklären und Kontakte notieren.

Dabei war die Bandbreite der Besucher an unserem Messestand sehr groß: Vertreter anderer Institutionen,

z.B. Hochschulen, die für Nachwuchs in ihren Einrichtungen werben möchten; Lehrer, die

an einem Einsatz des DeutschMobils interessiert sind; Personen, die sich nach Möglichkeiten erkundigt

haben, am Programm DeutschMobil mitzuwirken; StudentInnen, die sich für die Tätigkeit als

Lektorin für Deutsch/France Mobil interessieren; Personen, die Deutsch bzw. Französisch lernen

möchten und sich nach Sprachkursen erkundigt haben und Leute, die lediglich wissen wollten, um

was es bei den beiden Projekten geht. Viele Standbesucher lobten DeutschMobil und France Mobil

als „magnifique projet“ oder „tolle Initiative, super Projekt“.

Ein Bonus unseres Auftritts liegt sicher auch darin, dass wir neben der Präsentation von France

Mobil und DeutschMobil über ein breites Wissen über Möglichkeiten im deutsch-französischen

Bereich verfügen.

Insgesamt bewerte ich die Teilnahme des DeutschMobils am Deutsch-Französischen Forum als

sehr lohnenswert, insbesondere in Zusammenarbeit mit einer Vertreterin des Parallelprojektes

France Mobil. Bei einer erneuten Teilnahme am DFF sollte dieses Konzept unbedingt beibehalten

werden! Dieser gemeinsame Auftritt und der Kontakt zwischen beiden Projekten war sehr hilfreich,

da wir zwei Tage lang über unsere Arbeit sprechen und Ideen austauschen konnten.

Cora Mathe


Sprachenmesse Expolangues Paris

24.-27 Januar 2007

Expolangues Paris

Die Sprachenmesse Expolangues gehört seit Jahren zu den Pflichtterminen von DeutschMobil. Auf

dem Gelände von Paris Expo an der Porte de Versailles tummelten sich bis Messeschluss mehr als

25.000 Besucher, um sich über die Sprachen der Welt zu informieren. Die deutschen Mittlerorganisationen

waren an einem Gemeinschaftssstand repräsentiert, wo auch die Sprachwerbeaktion

DeutschMobil vertreten durch die Pariser Lektorin Annette Gramß und Nadine Gruner aus Montpellier

einen zentralen Ausstellungsplatz fand.

In guter Nachbarschaft zum Goethe-Institut Paris, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst,

dem Deutsch-Französischen Jugendwerk, dem Deutschlehrerverband ADEAFs, der Deutschen

Zentrale für Tourismus, u.v.a.m. konnte sich das Pariser Publikum umfassend informieren.

Die Kontakte zu den Partnern konnten erfreulicherweise weiter ausgebaut werden. Auch zahlreiche

Deutschlehrer schauten vorbei und ließen sich für einen Animationstermin in der Metropolregion

Ile-de-France vormerken.

Gemeinschaftsstand der deutschen Institutionen

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S onderaktionen

Leipziger Buchmesse

22.-25. März 2007

Verlosung am DeutschMobil-Stand in der Glashalle

Interview Deutsch-France-Mobil am ARTE-Stand

rechts: Hans Demes (DeutschMobil)

Bis zum nächsten Jahr! DeutschMobil und Francee Mobil

Team und Mitarbeiter von ARTE


Leipziger Bücherfrühling...

Leipziger Buchmesse

Eine der spannendesten Sonderaktionen ist mit Sicherheit die Reise in sächsische Leipzig, nicht

nur um den literarischen Neuheiten auf dem Büchermarkt zu frönen. DeutschMobil und France

widmen sich einem ganz verwandten Thema, nämlich der Sprachvermittlung. Platziert im lichtdurchfluteten

Herzstück der Messe, der Glashalle, zusammen mit unserem Aushängeschild, dem

Vitobus, konnten die Lektorinnen Nora Günther-Schellheimer (Languedoc-Roussillon) und Sabine

Pretscher (Midi-Pyrénées), Nadine Gruner, Hans Demes und nicht zuletzt Projektleiter Kurt Brenner

aus der Koordinierungsstelle ihre mobile Sprachwerbeaktion erfolgreich repräsentieren. Fast

jeder der über 127.000 Messebesucher musste das Mobil zumindest aus den Augenwinkeln wahrnehmen

dank der zentralen Lage. Natürlich kam auch die druckfrische Infobroschüre erstmalig

zum Einsatz.

Gleich am ersten Tag gab es ein Podiumsgespräch beim nahe gelegenen ARTE-Stand. Hans

Demes als pädagogischer Leiter stellte anekdotenreich das Programm DeutschMobil in einem

Interview zusammen mit einem France Mobil-Vertreter der französischen Botschaft Berlin vor.

Nadine Gruner konnte in einer Radioaufzeichnung bei RFI Sachsen zum Thema Jugendliche und

Lesen auch über DeutschMobil berichten.

Das Zusammenspiel zwischen dem DeutschMobil und France Mobil Stand sollte eine besondere

Eigendynamik entwickeln. Ein gemeinsames Quiz lockte hunderte von Schülern zur Teilnahme an,

die zwischen den Ständen hin und her flitzten, um die notwendigen Informationen einzusammeln.

Die stündlichen Verlosungen wurden effektvoll von den Lektoren inszeniert und es gab attraktive

Preise zu gewinnen. Eine richtige Rallye!

Vor Ort konnten viele Kontakte zu Verlagen aufgefrischt werden, die Stimmung war heiter und

ausgelassen, das Messepublikum interessiert. Ein voller Erfolg - bis zum nächsten Jahr!

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S onderaktionen

Motivationswochenende der Lektoren in Volnay/Burgund

13.-15. April 2007

Auf dringenden Wunsch der LektorInnen sich in der

Hochphase der DeutschMobil-Einsätze noch einmal

auszutauschen, konnte ein gemeinsames Treffen im

Burgund auf die Beine gestellt werden. Untergebracht

in einer rustikalen Herberge auf dem Land gab es genug

Freiraum für einen intensiven Austausch. Auf einen

festen Programmablauf wurde bewusst verzichtet, damit

die Begegnung zwanglos ablaufen konnte. Dennoch

spielte DeutschMobil erwartungsgemäß die Hauptrolle

und blieb selbst nach Mitternacht Gesprächsthema

Nummer eins. Erfahrungen und Erlebnisse aller Art konnten so im Gespräch aufgearbeitet

werden. Da die Lektoren im Verlauf des Schuljahres in der Regel auf sich allein gestellt sind, war

dieses Wochenende umso wichtiger, um neue Kraft für die kommenden Animationsmonate zu

tanken.

Dank strahlendem Sonnenschein konnte die Arbeit auf die Terrasse verlagert werden, die zum

Dreh- und Angelpunkt der Begegnung wurde. Dort konnten verschiedene Spielvarianten und

Musik vorgeführt, Materialien gezeigt und untereinander ausgetauscht werden. Genutzt werden

konnte die gemeinsame Zeit für vor allem für die Weiterentwicklung des DeutschMobil-Kits. Erste

Zwischenergebnisse konnten vorgestellt und neue Ideen angestoßen werden. Bis zum Schuljahresende

soll dieses Projekt zum Großteil abgeschlossen werden. Auch organisatorische Fragen konnten

vor Ort geklärt werden.

Am Samstagnachmittag flogen die acht Teilnehmerinnen ins nahe gelegene Beaune aus, um

gemeinsam diese traditionsreiche Weinstadt zu erkunden.

Ein abschließendes Brainstorming für ein DeutschMobil-Lied schuf eine gute Basis für Text und

Komposition.


2. Seminar Deutsch-France-Mobil

25.-29. Juni 2007 im Heidelberg-Haus Montpellier

Empfang im Heidelberg-Haus in Anwesenheit von

IPR-IA d‘allemand Norbert Biscons (links).

Die Seminarteilnehmer im Heidelberg-Haus

Deutsch-französische Spielideen

Seminar Deutsch-France-Mobil

Klappe, die Zweite. Auch im Juni 2007 gelang

es wieder alle DeutschMobil Lektoren und

France Mobil Referenten um einen runden

Tisch zu versammeln. Im winterlichen Berlin

durfte man sich zum ersten Mal gegenseitig

beschnuppern, doch nunmehr sollte man sich

näher kennen und schätzen lernen.

Schauplatz der zweiten Auflage dieses dreitägigen

Begegnungsseminars war erneut die

Koordinierungsstelle DeutschMobil, das Heidelberg-Haus

in Montpellier. Zum Auftakt

lernten sich die interregionalen Tandempaare

mit witzigen Steckbriefen kennen und ließen

sich gemeinsam im Fotorahmen ablichten. Der

obligatorische Stadtrundgang durch Montpellier

mit Kurt Brenner sollte auch nicht fehlen.

Beim angeregten Austausch von Animationsbausteinen

im Anschluss zeitigte vor allem

die spielerische Improvisation mit diversen

Gegenständen spannende Ergebnisse. Alle

Ideen für diese deutsch-französische Pädagogik

in unterschiedlichen Schultypen wurden

schriftlich für die Nachfolger festgehalten.

Ein Themenschwerpunkt war der Ausbau der

interregionalen Kooperation Deutsch-France-

Mobil, die immer mehr Gestalt annimmt. Die

Konzeption eines Newsletters wurde ebenso

beschlossen wie ein gemeinsamer Wettbewerb.

Eine Arbeitsgruppe bildete sich zum Thema

Alumnivereinigung. Um es gleich vorweg zu

nehmen, wird diese Initiative Anfang Dezember

2007 in der Gründung des gemeinnützigen

Vereins „OuverTüre e.V.“ münden, der vor

allem Projekte im interkulturellen Jugendbereich

fördert und auf die Beine stellen möchte,

um auch nach der Lektoratszeit weiterhin für

die deutsch-französische Freundschaft aktiv

bleiben zu können...

www.ouvertuere.org

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S onderaktionen

Übergabe neuer DeutschMobile am 6. Juli 2007

SRH Hochschule, Heidelberg

„Alte & neue Lektoren“ auf der SRH Plaza, Heidelberg

Symbolische Schlüsselübergabe: Kurt Brenner

und Meltem Aytaç (Daimler AG)

Partner und Sponsoren in der SRH Hochschule


Übergabe Heidelberg

Auch in diesem Jahr konnten die Fahrzeuge dank der Daimler AG in feierlichem Rahmen ausgewechselt

werden. Anfang Juli 2007 fand dieses Ereignis vor der SRH Hochschule in Heidelberg

statt. Gastgeber Professor Wolfram Hahn als Rektor der Hochschule stellte für den Empfang von

neun alten und neun neuen Mobilen seine weiträumige Plaza zur Verfügung. In Reih und Glied

wurden die ausgedienten Fahrzeuge aufgestellt und warteten auf ihre Nachfolger. 18 DeutschMobile

am gleichen Ort, das war neuer Rekord!

Zur allgemeinen Aufwärmung an diesem zunächst verregneten Vormittag bot die Lektorengeneration

2006/2007 ein kleines Ständchen dar, eine Hymne auf den Vito-Bus, auf ihr geliebtes

DeutschMobil. „Denn Lektoren fahren Vito und sind immer schneller da...“ Natürlich ließen sie

es sich auch nicht nehmen alle Anwesenden mit Wortkarten und gestenreich in die Vorstellung

einzubinden.

Unter den Gästen befanden sich Heidelbergs Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner, der ein

Grußwort sprach, als auch Christian Dumon, französischer Generalkonsul aus Stuttgart. Die

Robert Bosch Stiftung wurde durch Christina Hesse vertreten, die in einer lebendigen Ansprache

die Erfolge dieser Sprachwerbeaktion hervorhob. Meltem Aytaç von der Daimler AG übergab

schließlich symbolisch einen überdimensionalen Autoschlüssel an Projektleiter Kurt Brenner, als

auf die Sekunde genau die neuen Fahrzeuge einfuhren und der Himmel aufriss. Die Sonne strahlte

mit Kurt Brenner um die Wette, der sich bei allen Partnern und Förderern für das langjährige Engagement

bedankte und die Relevanz seiner Kulturmobile für die deutsch-französische Freundschaft

betonte. Nach seiner erfolgsgekrönten Initiative in Frankreich ging im Sommer 2002 die Schwesteraktion

France Mobil als Gegenantwort in Deutschland an den Start. Beide Aktionen wurden

mit dem renommierten Adenauer-de Gaulle Preis 2003 geehrt. Auch im kommenden Schuljahr

werden die DeutschMobile viel von sich hören lassen, wenn es wieder heißt im Auftrag der Sprachenvielfalt

in Europa unterwegs zu sein und dem Germanistenschwund den Garaus zu machen.

Trotz aller Heiterkeit hieß es nun auch Abschied nehmen von den mobilen Weggefährten mit dem

guten Stern: Neun Augenpaare sollten ihren Vito Bussen etwas wehmütig hinterher blicken, als

diese ihre Heimreise nach Benztown antreten...

18 auf einen Streich!

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S tatistik

Deutschlernen in Frankreich

Es gibt erfreuliche Nachrichten: Zum ersten Mal seit 25 Jahren hat sich zum Schuljahresbeginn

2007 der Anteil der Deutschlerner in der Mittelstufe leicht erholt. Es geht wieder aufwärts. Lernten

im Schuljahr 2006/07 noch 15,2% aller Schüler Deutsch, so zählte man zur Rentrée im September

2007 bereits 15,4%. Ein bescheidener Erfolg, der jedoch den allgemeinen Aufwärtstrend

bestätigt. DeutschMobil hat mit Sicherheit einen Beitrag zu dieser positiven Entwicklung geleistet.

Die Sprachwerbeaktion hat sich zu einer festen Instanz für die Verbreitung des Deutschen in Frankreich

entwickelt, was viele erfolgreiche Statistiken beweisen. Noch immer gilt: Nach einem Besuch

des DeutschMobils steigt die Zahl der Deutschlerner als erste Fremdsprache im Durchschnitt um

25% und bei der zweiten Fremdsprache um 50%.

Erfolge sind messbar. So auch bei DeutschMobil. Unsere Lektoren erfassen alle Schulbesuche

regelmäßig in Zahlenform. Wichtig sind die absoluten Zahl, d.h. die Anzahl der Animationen, wie

viele Schüler wurden angesprochen und in welchen Klassenstufen. Gegen Schuljahresende kommt

der Moment der Wahrheit; wie viele Kinder werden die Herausforderung annehmen und sich

für die deutsche Sprache entscheiden? Statistikbögen werden an die Grundschulen und Collèges

versandt, um den DeutschMobil-Einsatz quantitativ und qualitativ auszuwerten. Manchmal geht

es um die weitere Existenz der Sprache, finden sich wieder genug Schüler um eine neue Klasse

zu rechtfertigen? Wenn es nie zuvor eine Deutschklasse gab, ist die Freude umso größer, wenn

sich plötzlich genug Interessenten finden. DeutschMobil ist jedoch keine Wunderwaffe gegen

den Deutschlernerschwund und muss stets im Zusammenhang mit anderen Faktoren betrachtet

werden, geografische Lage, Situation in der Schule, Haltung der Eltern und des sozialen Umfelds

gegenüber der deutschen Sprache. Wenn an dieser Stelle bereits Ignoranz und Desinteresse herrschen,

ist auch DeutschMobil machtlos. Nur engagierte Lehrer, Schulleiter und Eltern können

langfristig den Erfolg sichern, da DeutschMobil nur punktuell eingreifen kann. Strategisch bedeutend

ist der Termin der DeutschMobil-Animation, je näher er am Stichtag der offiziellen Fremdsprachenwahl

liegt, desto günstiger.

Die Jahresleistung der DeutschMobile ist beachtlich. Die Lektoren haben im Schuljahr 2006/2007

im Durchschnitt etwa 110 verschiedene Schulen besucht, 280 Animationen durchgeführt und

dabei etwa 6.700 französische Schüler angesprochen.

Nicht zu unterschätzen bleiben dabei die zurückgelegten Kilometer. Mobilität heißt das Erfolgsrezept

von DeutschMobil. Bis in die entlegendsten Zipfel Frankreichs dringen die Lektoren vor, denn

gerade dort ist das Wissen über den Nachbarn dürftig. Die Generation 2006/07 hat allein mehr als

125.000 km zurückgelegt.

Im Anschluss sind sämtliche Schulbesuche der neun Lektorate chronologisch geordnet und in

Tabellenform aufgeführt. Betrachtet wird zudem die Anzahl der Animationen als auch die Anzahl

der kontaktierten Schüler. Abschließend wird die positive Entwicklung der Deutschlerner nach

einem DeutschMobil-Besuch an ausgewählten Beispielen aufgezeigt.


Schullisten

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E rfolge in Zahlen

Im Folgenden werden einige der erfolgreichen DeutschMobil-Besuche in Zahlenform ausgewertet.

In der Ecole primaire (Grundschule) wird in der Regel die erste Fremsprache gewählt, die ab der

6 e im Collège erlernt wird.

Im Collège selbst wird über die zweite Fremsprache entschieden, die ab der 4 e auf dem Lehrplan

steht. Der Zeitpunkt der Sprachenwahl variiert jedoch von Académie zu Académie zum Teil erheblich.

In Grundschulen (écoles primaires/élémentaires)

Schule Rentrée 2006 Rentrée 2007 Entwicklung in %

Ecole primaire René Coty 0 9 neue Klasse

Les Clayes-sous-Bois (Yvelines)

Ecole élémentaire Pré Saint Jean 3 8 +167%

Buc (Yvelines)

Ecole élémentaire 13 19 +46%

Sarreguemines

Ecole primaire 6 14 +133%

Abreschviller

Ecole primaire 1 9 +800%

Luttange

Ecoles primaires 13 20 +54%

Dieulefît

Ecole Saint Antoine 12 16 +33%

Grasse

Ecole primaire de Bellevue 5 13 +160%

Saint Malo

Ecole primaire d‘Argouges 0 11 neue Klasse

Bayeux

Ecole primaire Gustave Flaubert 25 34 +36%

Vimoutiers


Im Collège/ Mittelstufe (second degré)

Erfolge in Zahlen

Schule Rentrée 2006 Rentrée 2007 Entwicklung in %

Collège Claude Debussy 8 35 +338%

Aulnay-sous-Bois (Seine Saint-Denis)

Collège Notre Dame de la Providence 10 22 +120%

Vincennes (Val de Marne)

Collège de la Maine (LV2) 13 26 +100%

Aigrefeuille sur Maine

Collège Vercel (LV2) 9 17 +89%

Le Mans

Collège Lamoricière (LV1) 18 26 +44%

Saint Philbert de Grand Lieux

Collège Saint Exupéry (LV1) 12 22 +83%

Chalonnes-sur-Loire

Collège Littré 15 35 +133%

Bourges (Centre)

Collège de la Maine (LV2) 13 26 +100%

Aigrefeuille sur Maine

Collège Vercel (LV2) 9 17 +89%

Le Mans

Collège La Nativité 21 31 +48%

Aix-en-Provence

Collège Les Garrigues 0 19 neue Klasse

Castres

Collège Pasteur 17 36 +112%

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