Edition 0309 - Schiffsreisen Magazin

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Edition 0309 - Schiffsreisen Magazin

Liebe Leser des Schiffsreisen-Magazins,

Kreuzfahrtfreunde und Schiffsliebhaber,

gute Zeiten für Reisende – denn die

Preise purzeln in ungeahnte Tiefen –

sind schlechte Zeiten für die

Kreuzfahrtwelt. Auch, dass halb leere

Schiffe nur solange Freude machen, wie

die Passagiere von zwei

Essens-Sitzungen zu einer

zusammengefasst werden und stets

Pool frei sind, das Schiff aber immerhin

noch fährt, wissen Flussreise-Kunden

der Reederei Deilmann inzwischen

ebenso gut wie jene von Transocean

Tours, die sich auf eine Weltreise mit der

ASTOR gefreut hatten.

„In der Krise müssen wir enger

zusammenrücken“ heißt ein Schlagwort,

das gerade in den letzten Wochen und

Monaten bisweilen zu hören ist. Gerade

das ist aber unerklärlicherweise in dieser

kleinen Branche, in der jeder jeden

kennt, kaum üblich. Gerade die

deutschen Kreuzfahrtveranstalter, die

mehrheitlich nur ein oder zwei

Hochseeschiffe in Fahrt haben, täten

klug daran, durch bessere Abstimmung

untereinander der inzwischen

übermächtigen Mitbewerberschaft

entgegen zu treten. Warum braucht es,

um die „heimatlosen“

Weltreisen-Passagiere der ASTOR auf

die DEUTSCHLAND umzubuchen,

einen gemeinsamen Insolvenzverwalter

beider Unternehmen? Warum muss erst

eines der Unternehmen gänzlich, das

andere zur Hälfte in Insolvenz versinken,

um eine gemeinsame Weltreise

durchführen zu können? Eine

Kooperation zu beider Nutzen hätte man

auch früher haben können, stünden nicht

Stolz und der Tunnelblick aufs eigene

Unternehmen dagegen.

An Bord der MSC SPLENDIDA saß ich

jüngst am Kapitänstisch und erzählte,

wie sehr ich mich darüber freue, dass

meine Berliner Kollegin Jenny May mit

ihren erstklassigen

Italienisch-Kenntnissen die Kontakte zu

den italienischen Reedereien für uns

pflegt. Als Beispiel kam ich auf ein

Interview auf der ITB 2009 zu sprechen,

das Frau May geführt hat, und das sehr

rasch zum „Kaffeeplausch alla Italiana“

wurde, bei dem Interviewpartner

Giovanni Onorato die Zeit und seine

nächsten Termine vergaß. Ich hatte noch

nicht einmal den Namen der

betreffenden Reederei – Costa –

erwähnt, sondern nur den des

Geschäftsführers, als das Gespräch vom

Kapitän brüsk unterbrochen wurde: „We

don’t have anything to do with that

company; I don’t want to hear about

that!“ Kein Gespräch bitte, in dem eine

andere Reederei auch nur ansatzweise

vorkommt. Ähnliches erlebte ich schon

vor zwei Jahren, als ich an Bord eines

deutschen Cruise-Liners einem

Mitpassagier einen Filmbeitrag über die

Taufe des betreffenden Schiffes zeigte.

Dummerweise folgte direkt im

Anschluss eine

Island-Spitzbergen-Reportage, gedreht

auf dem Schiff eines Mitbewerbers. Der

Kreuzfahrtdirektor stand schon in den

Startlöchern, um mich direkt nach dem

Abgang meines Gesprächspartners mit

einer saftigen Gardinenpredigt zu

bedenken – da nützte auch die Frage:

„Und wie wollen Sie im nächsten Hafen

geheim halten, dass es außer Ihrem

Schiff noch andere gibt?“ nicht mehr

viel.

Unter der Bericht erstattenden Zunft der

Kreuzfahrt-Journalisten hat sich das in

den letzten Jahren geändert. Mit Freude

stelle ich fest, dass fast jeder Kollege den

anderen anrufen kann mit der Bitte um

eine Information, ein Foto oder einen

Kontakt. Der Austausch klappt fast

Veranstalter dabei mitspielen soll, wird’s

wieder schwierig. Die Verteilung von

Werbeflyern für das

Schiffsreisen-Magazin an eincheckende

AIDA-Passagiere in Hamburg wurde

von AIDA gestoppt und verboten – die

Befürchtung, es könne jemand beim

Lesen einen Blick auf das „falsche“

Schiff erhaschen, ist größer als das

Bewusstsein um den Nutzen

kontinuierlicher Berichterstattung. Tom

Fecke, Deutschland-Chef von Royal

Caribbean, sieht das lockerer. Er sprach

sich in einer Unterhaltung auf der

Hamburger Messe „Seatrade“ offen für

mehr Kooperation aus: „Wir sollten das

Ziel, Kreuzfahrten zum Erfolg zu führen,

mehr als gemeinsames Projekt sehen“,

sagt er und nennt als Beispiel die

gemeinsam von vielen Veranstaltern

ausgerichtete „Kreuzfahrt-Woche“.

Auch Herbert Fervers, Inhaber von Lord

Nelson Seereisen (MS MONA LISA) hat

kein Problem damit, anderen ihren

Erfolg zu gönnen: „Leben und leben

lassen“, lautet kurz und knapp seine

Devise.

Vielleicht gelingt es ja, nach diesen

Beispielen die Parallele zwischen ums

Überleben rudernden Reiseveranstaltern

und einer Schiffshavarie zu erkennen:

Spätestens beim Einsteigen in die

Rettungsboote arbeitet man Hand in

Hand, nicht gegeneinander. Vielleicht

geht’s auch schon ein bisschen früher?

Herzlichst,


Transocean insolvent

Transocean Tours in Bremen sah sich im

Rahmen einer internen Umstrukturierung

und Erneuerung des Unternehmens

Anfang September gezwungen,

Insolvenz-Anträge zu stellen. Der

Betrieb der Hochsee- und Flussschiffe

geht bis auf Weiteres unverändert weiter;

die ausgeschriebenen Fahrpläne werden

erfüllt. Lediglich die MARCO POLO

wechselt, wie bereits zuvor angekündigt,

gänzlich in den britischen Markt, den sie

bisher nur einige Monate im Jahr bedient

hatte. Transocean wird nun vom gleichen

Insolvenzverwalter betreut wie

schon die ebenfalls abzuwickelnde

Flussschiff-Sparte von Deilmann. Das

Bremer Unternehmen hat derweil gute

Aussichten, von der Münchner

Investmentgesellschaft Premicon AG

aufgefangen zu werden. Premicon ist

Eigner des Vollcharterschiffes ASTOR

(Hochsee) sowie dreier Flussschiffe aus

dem Transocean-Programm. Es wird

erwartet und angekündigt, dass damit die

Premicon-Line in Köln, die mit der

Vermarktung der PREMICON QUEEN

betraut ist, und Transocean künftig näher

zusammenrücken werden, wenn

Premicon als verantwortlicher Geldgeber

hinter seinem Bremer

Marketing-Unternehmen steht.

ASTORIA verkauft

Die aus dem Chartervertrag bei

Transocean ausgeschiedene ASTORIA

wechselt nun doch zum britischen

Veranstalter Saga Tours. Dem Auslaufen

des Chartervertrages war eine Insolvenz

des niederländischen Eigner Club Cruise

gefolgt, sodann ein

Schraubenwellenschaden, der die

ASTORIA zur Absage ihrer Weltreise

und somit zum vorzeitigen Abbruch

Dienstes unter Transocean-Flagge

zwang. Durch die undurchsichtigen

Verhältnisse nach der Insolvenz war der

Verbleib des in Barcelona aufliegenden

Schiffes zunächst ungeklärt. Nunmehr

kam es zur Versteigerung, wo Saga den

Zuschlag erhielt, aber vermutlich

deutlich weniger zahlte als die zunächst

vereinbarten 30 Millionen Euro.

Nunmehr soll die bisherige ASTORIA

auf einer europäischen Werft für weitere

14 Millionen instand gesetzt und

renoviert werden. Hierbei bekommt sie

Balkonkabinen und ein zeitgemäßes

Outfit. Im Mai wird sie dann als SAGA

PEARL II die SAGA ROSE (ex

SAGAFJORD) ersetzen, die aus der

Saga-Flotte ausscheidet.

Neues in Frankreich

Das derzeit einzige französische

Kreuzfahrtschiff, die BLEU DE


FRANCE (ex EUROPA) bekommt

Verstärkung. Unter den Töchtern von

Royal Caribbean soll nunmehr auch die

bisherige PACIFIC DREAM (ex

HORIZON, Celebrity) in die Flotte von

Croisières de France überführt werden.

Kurz zuvor hatte die direkte

Muttergesellschaft des erst 18 Monate

alten französischen Unternehmens,

Pullmantur, das Konzept leicht geändert

und aus der BLEU DE FRANCE ein

internationales Kreuzfahrtschiff mit

französischem Flair gemacht, auf dem

auch auf deutsche, spanische und Gäste

aus dem englischen Sprachraum

Rücksicht genommen wird. Pullmantur

will sich damit wieder selbst in die

Vermarktung des im französischen

Markt nur langsam Fuß fassenden

Produktes einschalten. Zeitgleich

beobachtet offenbar die Carnival

Corporation den Erfolg im französischen

(von ihr nicht bedienten) Markt mit

Argusaugen und erwägt eine

Wiederbelebung der traditionellen

Croisières Paquet, ein Markenname, der

von der Eignergesellschaft Costa derzeit

nicht genutzt wird. Der deutsche Markt

hat bereits auf die Veränderungen

reagiert. So bietet das Kölner

Unternehmen 1Avista Reisen auf der

BLEU DE FRANCE insgesamt fünf

Abfahrtstermine für einwöchige

Kreuzfahrten im Roten Meer zu überaus

günstigen Preisen an.

EUROPA besucht

Yachthafenresidenz

Die „Megayacht“ EUROPA ist zwar

definitiv zu groß für die Liegeplätze der

Yachthafenresidenz Hohe Düne, hat aber

dennoch ihr Sommerprogramm 2009 um

einen ungewöhnlichen Besuch erweitert.

Im Rahmen eines Charity-Events ging

sie vor der Yachthafenresidenz Hohe

Düne vor Anker. Das exklusive

Hotel-Resort liegt auf der „Hohen Düne“

gegenüber vom Cruiseport Warnemünde

auf der Ostseite der Hafeneinfahrt und

verfügt über einen großzügigen eigenen

Yachthafen. 500 Gäste feierten im

August zugunsten der von Königin

Silvia von Schweden gegründeten World

Childhood Foundation, der

EUROPA-Kapitän Friedrich Jan

Akkermann und Sebastian Ahrens,

Geschäftsführer von Hapag-Lloyd

Kreuzfahrten, einen Scheck über

102.700 Euro übergeben konnten, Die

EUROPA hatte in den vergangenen

Jahren verschiedentlich ungewöhnliche

Besuche an der Ostseeküste gemacht; so

war sie das erste Schiff, das vor dem

Grandhotel

Heiligendamm ankerte, um dort

auszubooten.

Udos Rockliner kommt

Die an Bord der MEIN SCHIFF

geborene Idee Udo Lindenbergs, ein

Kreuzfahrtschiff zu chartern und eine

Reise ganz unter das Zeichen seiner

Rockmusik zu stellen, konnte schnell

unter Dach und Fach gebracht werden.

Vom 05. – 09. Mai 2010 wird die MEIN

SCHIFF unter dem Moto „Rock the

Ocean“ von Hamburg nach Dover

unterwegs sein, wo die Passagiere auf

einem Ausflug nach London wiederum

auf den Spuren der Rockmusik wandeln

können. Die Rückkehr in den Elbhafen

fällt zeitlich mit dem Hamburger

Hafengeburtstag zusammen. Richard

Vogel, CEO von TUI-Cruises, freut sich,

dass sich Lindenberg für die MEIN

SCHIFF entschieden hat. Lindenberg

dazu: „Volle Kraft voraus für den

Panik-Pionier zur See – Udo Lindenberg

mit seinem ersten weltweiten

Rockliner...“

CALYPSO beendet

Charter

Die vielen deutschen Kreuzfahrern noch

als Clubschiff-Vorläufer bei Transocean

Tours in den 90er Jahren bekannte

CALYPSO, die nunmehr der

zypriotischen Gesellschaft Louis Cruises

gehört, beendet einen dreijährigen

Chartervertrag im britischen Markt. Ob

Louis das Schiff danach wieder selbst

vermarktet, ist noch nicht bekannt. Die

zünftige Oldie-Flotte von Louis wird in

Deutschland und Österreich von Air

Maritime vermarktet.

EasyCruise verkauft

Stelios Haji-Ioannou hat sich nicht nur

von seinem derzeitigen Hochseeschiff

EASYCRUISE LIFE (ex PALMIRA, ex

LEV TOLSTOI) getrennt, sondern von

seiner ganzen Idee und Marke

EasyCruise. Das mit der EASYCRUISE

ONE (einer ehemaligen Luxusyacht aus

der Renaissance-Flotte) begonnene

Billigkreuzfahrtgeschäft sollte einst

rasch wachsen, hatte Stelios doch mit

Louis Cruises in Zypern eine

Absichtserklärung zum Bau von sechs

neuen Easy-Schiffen unterzeichnet.

Nunmehr veräußerte er das gesamte

Kreuzfahrtprodukt an Hellenic Seaways,

Griechenlands größten

Fährschiff-Anbieter. Zunächst wird das

Geschäft mit drei- und viertägigen

Reisen ab und bis Piräus weitergeführt.

Längerfristige Pläne der neuen Reederei

der EASYCRUISE LIFE sind jedoch

nicht bekannt.

Vom iPod zum iPort

Normalerweise ist ein iPod klein,

handlich und passt in die Westentasche.

Die Atlantic Alliance stellte auf der

Hamburger Fachmesse Seatrade eine

andere Variante vor: Ein Standgerät

namens iPort für die Hafenterminals, das


mit Hilfe eines Touchscreens den

ankommenden Kreuzfahrt-Passagieren

eine Übersicht über die

Sehenswürdigkeiten, das

Gastronomie-Angebot und andere

touristisch interessante Angebote der

Stadt bietet. Dabei zeigt es auf

entsprechenden Karten auch gleich den

Weg zum Ziel, gibt Fußweg-, Bus- und

Taxizeiten an und ermöglicht so eine

kurzfristige Planung des Landganges vor

Ort. Ein Prototyp stand auf der Seatrade

zur Verfügung; im Einsatz ist das Gerät

derzeit noch nicht. Die Atlantic Alliance

preist es derzeit noch als

Alleinstellungsmerkmal den ihr

angeschlossenen 13 Häfen an der

Atlantikküste an. Entsprechend teuer ist

das System noch: Rund 15 000 Euro

kosten Hard- und Software. Letztere

muss individuell für jeden Hafen

entwickelt werden, braucht jedoch –

auch beim Einsatz mehrerer Terminals –

nur einmal bezahlt zu werden.

EUROPAs

Hafenrundfahrt

Anlässlich ihres 10jährigen Jubiläums

hat MS EUROPA in Hamburg eine

Hafenrundfahrt mit Passagieren und

geladenen Gästen absolviert. Dabei ließ

ein Helikopter weiße Rosenblütenblätter

auf das Flaggschiff der

Hapag-Lloyd-Flotte regnen. Wie bereits

bei der ersten Hafenrundfahrt 2006

reichte die mächtige Containerkralle am

Terminal Waltershof von der Landseite

grazil eine Champagnerflasche an

Geschäftsführer Sebastian Ahrens

herüber. Der Event endete mit einem

großen Feuerwerk über Hamburgs

Hafen. Bevor die EUROPA mit dieser

Feier ins Alltagsgeschäft zurückkehrte,

hatten ihre 188 Suiten und zehn

Penthäuser bei der Werft Blohm & Voss

ein Facelifting erfahren. Für die

Passagiere bedeutet dies zum Beispiel

eine neue Beleuchtungsanlage für die

Bühnenshows sowie neue

32-Zoll-Bildschirme in den

Penthouse-Suiten. In Verbindung mit

dem Event stattete der Berlitz Cruise

Guide – namentlich der anwesende

Herausgeber Douglas Ward – das Schiff

zum zehnten Mal mit der Bestbewertung

„Fünf Sterne plus“ aus.

QE 2 – Schicksal

ungewiss

Nach ihrem Verkauf an das Emirat

Dubai ist das Schicksal der QUEEN

ELIZABETH 2, die 40 Jahre bei der

Reederei Cunard überwiegend als

Transatlantik-Liner im Einsatz war,

wieder ungewiss. Die dortige

Gesellschaft wollte den legendären Oldie

nach seinem Ausscheiden aus dem

aktiven Passagierdienst als Hotel und

abendländische Ikone an einer noch zu

bauenden Palm-Insel vor Dubais Küste

vertäuen und hatte 100 Millionen Dollar

für das Schiff bezahlt, aus dem keinerlei

Erinnerungsstücke entfernt werden

durften. Schiffsliebhaber erregten sich

indes über Pläne, den Schornstein vom

Schiff zu entfernen und durch ein

gläsernes Wohngebäude zu ersetzen.

Nunmehr ist das Emirat Dubai in

Zahlungsschwierigkeiten; neben

ehrgeizigen Hafenprojekten wurde auch

der Bau der Palm-Insel auf Eis gelegt.

Damit wurde die QE2 wieder vakant.

Ein Einsatz des Schiffes als

schwimmendes Hotel zur Fußball-WM

2010 in Kapstadt kam ins Gespräch.

Inzwischen dementiert Südafrika jedoch,

das Schiff dort einsetzen zu wollen.

Club Columbus:

Kreditkarte für

Kreuzfahrer

Der Club Columbus, Kreuzfahrer-Club

von Transocean Tours in Bremen, gibt

zeitgleich mit seinem 25jährigen

Jubiläum als erster Kreuzfahrer-Club

eine allgemein einsetzbare Kreditkarte

für seine Mitglieder heraus. In

Zusammenarbeit mit Master-Card und

der Bremer Landesbank schmückt das

Logo des größten deutschen

Kreuzfahrer-Clubs (6000 Mitglieder) die

goldene Master-Card, die als

Zusatzleistungen noch mit einem

hochwertigen Versicherungspaket, einer

Guthabenverzinsung und einer

ergänzenden EC-Karte lockt.

Reisemesse Essen

Die Reise- und Campingmesse Essen

vom 24.-28. Februar 2010 wird verstärkt

auf Kreuzfahrten setzen. Der von

Einsätzen auf der MONA LISA und

LILI MARLEEN bekannte

Kreuzfahrtdirektor Andrej Belinskiy, der

das Unterhaltungsprogramm der Messe

organisiert, will das Thema Kreuzfahrt

mit mehr Ausstellern als bisher in den

Mittelpunkt rücken und auf der

Messebühne vorstellen und diskutieren.

„Dazu laden wir auch die Fachpresse

herzlich ein“, sagte Belinskiy im Vorfeld

dem Schiffsreisen-Magazin und will aus

der Landschaft deutschsprachiger

Kreuzfahrt-Medien interessante

Gesprächspartner gewinnen, die den

kreuzfahrtinteressierten Messebesu-


Copyright: Daniela Rall

Moin Moin!

Neue Geschichten für Euch! Ich weiß ja

nicht, wie oft Ihr so unterwegs wart auf

See, aber ich hab ganz schön viel erlebt.

Soll ich mal erzählen...?

* * * * *

Also, Ihr werdet’s nicht glauben. Da les

in der Zeitung die Überschrift: Tödliche

Zäpfchen. Und denk natürlich an einen

Arzneimittelskandal. Aber weit gefehlt.

Die Security-Mitarbeiter am Flughafen

und wohl auch am Hafen haben ein

Problem: Es gibt Sprengsätze in

Zäpfchenform, die passen – ja, genau da

rein. Und können per Handy gezündet

werden. Jetzt will man das Telefonieren

per Handy verbieten, anstatt es langsam

zu erlauben. Denn dahin ging ja der

Trend. Na gut, das lässt sich ja noch mit

bordeigenen Telefonen

(gewinnbringend) regeln. Außerdem will

man die Passagiere schon direkt nach der

Buchung überprüfen. Hm, wie das geht?

Wie bei der Kreditvergabe durch

Warenhausbanken: Name, Beruf,

Nationalität, nicht zuletzt die

Wohngegend entscheiden dann. Wenn

Ihr dann einen Namen habt, der auf –vic

oder –ski endet, in einem Wohnblock

wohnt und in der Spielhölle jobbt, dann

fliegt Ihr schon mal gar nicht mit. Aber

erst mal wär ja die Frage, wie man

kurzfristig reagiert. Wenn die Dinger mit

einem herkömmlichen Metalldetektor

nicht zu finden sind, was machen wir

dann? Massenröntgen am Flughafen?

Nö, geht nicht. Aber schließlich... weiß

doch wohl jeder, wie eine proktologische

Untersuchung funktioniert, oder? Und

arbeitslose Ärzte gibt’s genug. Oder –

mir fällt da ein echter Hamburger Jung

vom Kiez mit ziemlich eindeutigen

Neigungen ein. Der begibt sich

regelmäßig zu entsprechenden

Untersuchungen. Und freut sich, wie er

vorher gern sagt, immer schon auf die

„große Hafenrundfahrt“. Die kreisenden

Bewegungen des Zeigefingers erklären

den Rest. Man könnte ja mal fragen, ob

er die auch bei zweitausend Passagieren

im Terminal am Grasbrook-Kai

durchführen kann...

* * * * *

Also, Ihr werdet’s nicht glauben. Ich hab

einen Freund, der ist Journalist. Beim

Schiffsreisen-Magazin. Ach, das wisst

Ihr ja. Pardon. Also, der hat mir erzählt,

dass er von TUI-Cruises viele

Pressemeldungen kriegt. Ist ja klar, die

müssen ihren Kahn ja auch mal füllen,

und freundliche Berichterstattung in der

Zeitung über eine ganze Seite ist allemal

besser und billiger als eine bezahlte

Anzeige von ’ner Viertelseite. Aber das

Witzige ist: Kaum sind mal zwei dieser

Meldungen von ein- und derselben

Mitarbeiterin unterschrieben. Jedesmal

’ne Neue. Klar, aufsteigendes

Unternehmen, das wächst, könnte man

denken. Nur: Die Flotte wächst nicht

mit. Ein Schiff bisher. Unverändert.

Aber eine neue Mitarbeiterin für jede

Pressemeldung? Kommen die nur für

diesen einen Kurztext? So’ne Art

Zeitarbeit für 15 Minuten? Oder was

machen die da? „Wie viele sind es denn

inzwischen?“ hab ich meinen Freund


gefragt. „Gefühlt: Ein Dutzend“, hat er

gesagt. Gut, gefühlte zwölf sind

wahrscheinlich de facto acht. „Und wenn

nun so’ne Pressereise stattfindet, wie

viele Journalisten fahren dann

normalerweise mit?“ hat mich

interessiert. „Wenn das effizient sein

soll, vielleicht acht bis zehn!“ Hmmm,

bemerkenswert, fand ich, und hab mir

meinen Teil gedacht. Ob diese

Presse-Girls dann auch alle mitfahren?

Dann sind also acht Kabinen zu

betreuen. Mit acht Ladies. Klar, eine

einfache Rechnung. Und die älteste der

Welt. Wo hab ich die nur schon mal

gehört...?

* * * * *

Also, Ihr werdet’s nicht glauben. Da kam

ich doch neulich auf ein hypervornehmes

Schiff. Pangasius,

Victoria-Barsch, Hummerschwänze und

all so was wollten die haben. Hab ich

auch alles mitgebracht. Nicht in meinem

Korb, den ich immer auf dem Rücken

hab’. Da sind kleine Häppchen zum

Probieren drin. Das überzeugt! Ich hatte

schon den Kühlwagen geordert, und der

kam dann auch. Für die Großbestellung.

Ich wollte natürlich zeigen, dass auch

alles da ist, was bestellt wurde. Aber da

hatte keiner ein Auge für, denn

gleichzeitig kam ein Lieferant, der

brachte Petersilie, Dill, Sternfrüchte,

Kirschtomaten, alles eben, was man zum

Dekorieren braucht. Gut, ich war nicht

sauer, denn ich kenn den Hotelmanager

schon ewig. „Kuckma, mein Deern“,

hatter zu mir gesagt und mich am Arm

gefasst, „wichtig ist das hier. Wenn’s

schön aussieht, kann auch Seelachs

drunter sein. Leckere Soße drüber,

geschnitztes Obst, Mandelsplitter,

Soßensprenkel – fragt kein Mensch, was

drunter ist!“ Aha, so ist das. „Du bleibst

doch zum Essen?“ fragte er. „Na klar!“

Erstens hatte ich Kohldampf, und

zweitens wollte ich mal sehen, was aus

der Lieferung so wird, wenn sie auf den

Tisch kommt. Und ich sach Ihnen: super.

Hätt’ ich nicht gedacht, was man aus

meinem Fisch machen kann. Aber dann

kam das Dessert. Da hab ich Eis

genommen. Mach ich eigentlich immer,

das ist schön leicht, und ich tu’ ja noch

arbeiten am Nachmittag. „Coup

Danmark“, hieß das. Und wissen Sie,

was kam? Ein kleiner Metallbecher mit

einer Kugel Vanilleeis. Leicht

angeschmolzen. Und einem Klecks

Schokosoße. Auf einem

Fünf-Sterne-Schiff. Und da ist mir

aufgefallen: Das ist eigentlich immer so.

Oder haben Sie bei dem, was als

„Eisbecher“ angepriesen wird, schon

jemals an Bord was bekommen, was sich

mit dem Becher aus der italienischen

Eisdiele an der Ecke messen kann? Ich

nicht. Noch nie. Auf dem einen Schiff

reicht’s für ’ne Aldi-Waffel dazu, auf

dem nächsten vielleicht gerade für so

einen holländischen Keks, der schmeckt

wie Spekulatius. Aber das isses. Mehr

gibt’s nicht. Komisch, was?

* * * * *

Zu guter Letzt...

... hatte ich doch neulich bei einem

Riesenschiff voll internationaler Gäste

einen Lieferengpass aufgefangen. Ein

ganzer LKW mit Tiefkühlware war

verschwunden. Keine Gambas, keine

Scampi. Meine Vorräte reichten zwar

nicht, um das komplett aufzufangen,

aber „wenigstens für die Erste Klasse“,

sie gefleht. Die gibt’s ja neuerdings

wieder: Garden-Villa bei NCL,

Yacht-Klasse bei MSC. Auf jeden Fall

Klassenfahrt. Und zum Dank durfte ich

zwei Nächte mitfahren. Tolle Suite mit

zwei Zimmern, gut gefüllte Mini-Bar.

Und die war das Problem. Auf dem

Sideboard ein Tablett, weißes Tuch,

Eiskübel, Gläser aller Sorte. Nur kein

Flaschenöffner. Ich hatte das

Fischmesser in der Tasche und hab so

lange gporkelt, bis ich mir in den Finger

geschnitten habe. Flasche immer noch

zu. „Jetzt reicht’!“ hab ich gerufen. Das

haben die bestimmt noch in der

Nachbar-Kabine gehört. Und am

nächsten Morgen fragt mich der Butler

(den gibt’s da wirklich!!), ob ich den

Flaschenöffner nicht gefunden hätte.

Und zeigt ihn mir: An die Wand

montiert im – Badezimmer. Ja, echt!

Was denken die sich eigentlich?! Hätte

doch auch sein können, dass ich eine

Bekanntschaft mach’ an Bord. Und

demjenigen meine Suite zeige. Und ihm

ein Bier anbiete. Dann hol ich das vor

seinen Augen aus dem Kühlschrank und

verschwinde damit - - auf’m Klo. Na

denn Prost...!


Herbert Frickes neues Buch

"Geständnisse an der Reling" wurde

am 23. September in Hamburg an

Bord der CAP SAN DIEGO

vorgestellt.

1. Auflage

192 Seiten

Format 13 x 18,5 cm

ISBN 978-3-7688-2632-7

Preis: 12,90 Euro

gebunden mit Schutzumschlag

Delius Klasing

Die Lady war so um die Sechzig und

begann mit „Na?“ Das hörte sich an wie

ein Klingelton im Handy und sollte

heißen: hier an der Reling wartet eine

Mitteilung auf Sie. Ich überhörte die

Mitteilung zunächst und wartete auf den

nächsten Klingelton. Der kam dann auch

und hieß wieder „Na?“ Sollte ich den

Speicher öffnen? Aber der öffnete sich

schon von selbst. Und zwar mit der

Anfrage: „Na? Sie hier?“ Mein

Klingelton war auf leise eingestellt und

antwortete nur „Mmm“. „Auch

unterwegs nach Bora Bora?“ Gerade

wollte ich antworten: „Nein, nach

Berlin-Charlottenburg!“ da meinte die

Dame mit deutlich berlinerischem

Akzent, sie komme aus

Berlin-Charlottenburg.

Etwas Ähnliches war mir schon früher

mal passiert, und ich überlegte deshalb,

ob es so etwas wie eine verbale

Vorahnung gibt? Wenn es eine

Vorsehung gibt, muss es ja auch eine

Vorhörung geben? Dass man nämlich

die Antwort eines Gegenübers schon zu

hören glaubt, bevor der oder die

überhaupt etwas gesagt hat. Ohne

hinzuschauen ahnte ich, dass diese Dame

sportlich aussieht, gefönte graue Haare

hat und Männershorts trägt. Dann hob

ich meinen Blick ein bisschen

widerwillig aus dem Meer da unten

hinauf an die Reling und erkannte: Sie

sieht tatsächlich sportlich aus, hat

gefönte graue Haare und trägt

Männershorts. Allerdings nicht

marineblaue, wie ich mir vorgestellt

hatte, sondern senfgelbe.

„Det is jut“, versuchte ich, mich ihrer

Redeweise anzupassen. „Wat is jut?“

„Na, det Se aus Balin stammen und nu

nach Bora Bora wollen.“ Sie schien

erleichtert, dass ich mit meinem verbalen

Daumen den Deckel ihrer geistigen

Kaffekanne aufgeklappt hatte. Nun

konnte er mit einem Schwall in den

Becher meiner Aufmerksamkeit fließen,

all der frisch gebrühte geistige Kaffee

aus ihrem lange nicht abgefragten

Gedankenspeicher. „Vielleicht“, meinte

sie, „vielleicht is dies meene letzte

Kreuzfahrt.“ „Wieso, sind ´se krank?’

„Nee. Aba da muss ick ma uff Holz

klopp´n. Is ja keen Holz da. Muss ick

mir an de Birne klopp´n.“ „Wieso, de

Reling is Mahagoni, da könnse jerne

druffklopp´n. Und wennse jesund sind,

wieso dann die letzte Kreuzfahrt?“ „Weil

se nich mehr so jut jehn, die Jeschäfte.

Wissen´se, ick hab´n Pelzjeschäft am

Ku´damm. Un Ku´damm jeht nich mehr

so jut. Friedrichstraße jeht jetzt bessa.

Un Pelze sind sowieso schlecht, weil de

Jrünen immer druff rumhacken, auf uns

Pelzhändler.“ „Nich nur die Jrünen!“

sagte ich.


„Na, ham´se Recht, sojar de CDU will

Füchse und Seehunde verbieten. Dabei

sind die längst tot, bevor se zu mir

kommen. Ob ick nu det Fell vakofe oder

nich. Ick persönlich hau´ die Viecher ja

nich tot. Und übrijens hat der Mensch

schon vor tausend Jahren Pelzmützen

und Fellmäntel jetragen, und det hat de

Population von disse Tiere übahaup nich

jeschadet.“ „Früher“, sagte ich und

ertappte mich bei einer unangenehm

besserwisserischen politpädagogischen

Stimmlage, wie sie der dicke Gabriel

und der dünne Trittin so von sich geben,

wenn sie ihre Umweltmaske tragen,

„früher waren die Menschen auf Felle

und Pelze angewiesen, heute haben wir

genügend andere Möglichkeiten.“ „Und

det Pelz scheen macht und der

weiblichen Visage schmeichelt, de janze

Optik, det hat für Sie nix zu bedeuten?“

„Doch, doch, aber Textilien schaffen das

Der ideale Ort für ein sehr persönliches Gespräch: auf See, am Ende der Welt

doch auch!“ „Textilien? Soll det heißen,

Sie vergleichen ein edles

Polarfuchs-Cape aus meinem

Kürschner-Atelier mit irjendwelchen

P&C, H&M oder C&A- Klamotten? Wat

sin´n Sie für eener?“

„Ich finde dieses Abschlachten der

Seehundbabys in Kanada echt

widerlich!“ „Icke ooch“, gab sie

überraschend preis. „Aber der Fuchs

oder det Kaninchen, die fallen ja nich

von alleene um.“ „Aber“, protestierte

ich, „das Tragen von Leoparden- oder

Tigerfellen finde ich pervers!“ „Icke

ooch“, sagte sie wieder. „Bei mir finden

se keen Seal, keen Bärenfell un keene

Raubkatzen.“ „Aber Nerz!“ mahnte ich

meinen Standpunkt an. „Nerze sind wie

jezüchtete Ratten“, antwortete die Frau

für alle Felle. „Det jibt Leute, so welche

wie Sie“, ereiferte sie sich, „die rejen

sich uff über Nerze im Käfig, und

jleichzeitig fressen´se de Eier von

einjepferchte Käfighühner, kauen an de

Schenkeln von ermordete Hähnchen und

lejen sich Putenwurst uff de Biostulle.

Ham se mal jesehen, wie in eener

Putenfarm oder in eener

Hähnchenschlachterei de Tiere jetötet

wer´n? Koppüber, bis de Säje kommt.

Und die säächt dann oft vorbei. Dajejen

is de sekundenschnelle elektrische

Hinrichtung von Nerzen ne humane

Anjelejenheit. Un ham´se ma jesehen

wie so´n Dackel kiekt, bevor er in China

in´n Kochtopp kommt? Und wenn

Heringe schreien könnten, würden Sie,

junger Mann, keen einzijen Rollmops

mehr essen. Im übrijen heeß ick Jisela,

mit einem i !“ Ich horchte auf, denn das

war genau die Gisela, der ich neulich

schon mal da oben auf der Galerie des

Theatersaals begegnet war, als ich zum

erstenmal die drei Engel auf der Bühne

tanzen sah.

Dann nahm das Gespräch eine

polynesische Wendung, ich war ganz

froh darüber, denn ich konnte mit meiner

tierfreundlichen Meinung sowieso

keinem Stubenküken und keinem

Salzwiesenlamm das Leben retten,

keinem Alpaka, keinem

Angorakaninchen und keiner

fettleberkranken Gans. Keinem Frosch,

keinem Dorsch, keiner Auster, keinem

kaviargefüllten Stör und keinem noch so

süßen Kälbchen. Dass wir bei Tieren mit

verschiedenen Maßen messen, das

konzedierte ich der resoluten Gisela.

Wartet auf Gesprächspartner: Herbert Fricke Stabile Grundlage: die Mahagoni-Reling


Und machte mir Gedanken über unseren

menschlichen Hochmut zu entscheiden,

wer geschlachtet werden darf und wer

nicht. Wer abgeschossen wird und wer

am Leben bleibt. Der Rehbock wird

erschossen, der Kampfhund wird

gefüttert. Der Schmetterling darf fliegen,

die Spinne wird erschlagen. Auch bei

Pflanzen entscheiden wir, wer zu

schützen sei und wer als Unkraut

ausgerissen wird. Löwenmaul darf leben,

Löwenzahn wird abgestochen. Wir

pflegen einen zoologischen und

botanischen Rassismus aus humaner

Überheblichkeit.

Als ich meine Erkenntnis zornig der Frau

an meiner Seite, ich meine an meiner

rechten Relingsseite, darzulegen suchte,

wurde diese auf einmal ganz

nachdenklich. Ganz weich. Ganz anders.

Fast anhänglich. „Ick hab mir darüber

Die Weite der Südsee macht die Gedanken frei... ... und löst die Zunge zum Reling-Geständnis

noch jar keene richtjen Jedanken

jemacht, Sie stoßen mir ja richtig an“,

meinte sie, und dann redeten wir über die

Südsee und Bora Bora und die Schönheit

in diesem Teil der Welt. Auf dem

Globus direkt gegenüber von

Berlin-Charlottenburg. Ihr Mann habe

nicht mitkommen können auf diese

Kreuzfahrt, leider, denn sein Herz, das

schlage trotz Schrittmachers nicht mehr

regelmäßig. Er müsse auch den Laden

führen, er sei ein feiner Charakter, er

habe ihr angeraten loszufahren, das

Leben zu genießen und die Welt

kennenzulernen. Jahrelang hätten sie

keinen Urlaub machen können, und

jetzt? Jetzt sei seine Pumpe im Eimer,

wie Gisela formulierte. „So isset,“ sagte

sie melancholisch, „man schiebtet immer

allet solange uff, bis man mi´m Arsch

nich mehr vonne Brille kommt!“

Und dann kam es, ihr Geständnis an der

Reling. Ihr lieber Mann habe ihr dieses

Ausflugsticket für Bora Bora geschenkt.

Sie kramte ein Billett aus der Tasche.

Ey, dachte ich, der teuerste Ausflug der

ganzen Reise. Einen Helikopterflug über

Bora Bora. Ein 600-Euro-Ticket. Für ein

Erlebnis der besonderen Art.

„Mit dem Hubschrauber über diese

Trauminsel! Toll!“ beneidete ich Gisela.

„Das muss der Wahnsinn sein. Da

wünsche ich Ihnen aber sehr viel Spaß!“

„Kannst ruhig DU zu mir sagen. Sag´

einfach Jisela!“ meinte Gisela mit einem

i. „Un weeste wat, ick traue mir nich. Ick

habe doch so´ne jroße Angst vor´n

Fliejen. Schon im Jet muss ick mir

immer anklammern. In so´n Helikopter

traue ick mir übahaup nich rein. Wat soll

ick´n machen?“

Ich bemühte mich, nicht gierig zu

wirken, war es aber schon. Für diesen

schlechten Charakterzug möchte ich

mich hiermit ausdrücklich entschuldigen.

Ich schäme mich ja auch.

„Kannst det Ticket ja an mir vakofen“,

biederte ich mich an. „Aba dann wird er

janz traurig sein, wenn ick sein

jutjemeintes Jeschenk einfach so

vakofe?“ „Brauchstet ihm ja nich zu

sagen“. „Na, soll ick mein´ Justav

belüjen?“ „Nee, pass uff, ick habet“,

sagte ich, und verfiel wegen der

Seriosität meiner Ausführungen ins

Hochdeutsche zurück: „Du veräußerst

mir Dein Flugticket für den

Hubschrauber. Ich fotografiere für Dich,

erzähle Dir haargenau alle meine

Eindrücke, und Du kannst Dich dann so

fühlen und so berichten, als seiest Du

dabei gewesen.“


Gisela mit einem i überlegte intensiv.

„Vielleicht ne jute Idee“, meinte sie

schließlich. „Du machst mir die Fotos,

druckst se mir auch aus, allet jratis für

mir, und icke jebe Dir dafür det Ticket“.

„Jratis? Du jibstet mir jratis?“

wiederholte ich erstaunt. „Ja, aber Du

musst meine Kamera mitnehm´ un

druffdrücken, so oftet jeht! Ick hab´da

so´ne dijitale Kamera mit Sjupersuhm un

janz ville Pixels, vaschtehste?“

Morgen früh sollten wir also vor Bora

Bora sein. Gisela übergab mir ihre

Kamera. Geladen und schussbereit. Und

das Ticket! Und meinte: „Aba wenn de

nu abnippelst von da oben? Wenn dat

Ding runtafällt mit Dir und de Kamera?“

„Denn sagst Du Deinem Justav, dass Du

überlebt hast, aber leider nicht die

Kamera, und sagst ihm dankeschön noch

mal für den jeschenkten Flug!“

Tatsächlich standen Nastja und Svetja

am nächsten Morgen an der

angegebenen Stelle, ein bisschen abseits

vom Ankunftstrubel unseres „grand

bateau“. Masha und die beiden Tänzer

der Gruppe waren schon los zum

nächsten Strand. Als ich den beiden

Mädchen mein Ticket für den Helikopter

zeigte, waren sie ganz aufgeregt. „Only

one?“ fragte Nastja. „Yes, only one!“

bedauerte ich. Sie klopften mir auf die

Schulter, ich erzählte ihnen kurz die

Story, wie ich an die Karte gekommen

war, und sie sagten nicht „Bye, have a

nice time“, sondern: „wir kommen mit

zum Start und warten unten auf Dich.“

Ein weißer VW-Kombi mit der

Aufschrift „Helicopter Service“ rollte

heran. Es stellte sich heraus, dass zwei

weitere Paare den Rundflug gebucht

hatten, alle sieben stiegen wir in den

kleinen Bus und holperten zum Hangar.

Unterwegs gab ich Nastja das Ticket.

S i e solle fliegen, ich gönnte dieses

Erlebnis ihr noch mehr als mir selber.

Sie schaute mich mit aufgeblendeten

Scheinwerferaugen an, wollte das Ticket

nicht annehmen, ich bestand darauf und

fragte sie, ob sie mit dieser kleinen

Digital-Kamera hier umgehen könne. Sie

nickte und war total aufgeregt.

Dann Ankunft am kleinen Start- und

Landeplatz. Wir waren verblüfft: unser

Fahrer war gleichzeitig der Pilot. Er stieg

in den weißen Hubschrauber. Die beiden

Paare wollten – was für ein Glück –

unbedingt zusammen fliegen. Die

Maschine hatte hinten drei und links

neben dem Pilot noch einen Sitz, das

passte. Nastja, sein nächster Fluggast,

solle bitte eine halbe Stunde warten,

sagte der Pilot, zog seinen Helm auf, die

Rotorblätter begannen zu kreisen, der

Motor knatterte helikoptertypisch los,

und sie hoben ab.

Einladung zum Gespräch: ein Liegestuhl Bora Bora: Weißer Pulverstrand

Nach einer halben Stunde kamen vier

überwältigte Passagiere zurück. Sie

stiegen aus und rannten im Wind und im

Lärm der rotierenden Blättern zu uns

herüber, Nastja lief mit der Kamera und

dem Ticket hinüber zur Maschine, stieg

Tiefes Blau und sattes Grün: Die Südsee aus der Vogelperspektive

nach hinten auf den linken Sitz, wir

winkten ihr nach, wollten warten und

zeigten mit den Daumen nach oben:

Guten Flug! Da machte mir der Pilot aus

seinem aufgeklappten Fenster mit

seinem behelmten Kopf ein Zeichen,

heranzukommen, schrie in meinen

fragenden Blick „Viens!“ Und ich

kapierte. Der Mann zeigte auf die noch

offene rechte Tür, wir rannten hin, Svetja

hinten rein in die Maschine, ich setzte

mich neben den Piloten, wir schnallten

uns an, ich hängte mir beide Kameras,

die von Nastja und die eigene, um den

Hals, kein Wort war mehr zu verstehen,

er nickte, sprach in das kleine Mikro vor

seinem Mund und gab Gas.

Der Helikopter hatte einen gläsernen

Boden, bot also total freie Sicht nach

allen Seiten. Abenteuer für

Schwindelfreie! Es gibt im Leben ganz


selten Eindrücke noch weit jenseits jeder

Schwelgerei. Eindrücke, die sich

herkömmlicher Beschreibung entziehen.

Dies war der schönste Flug meines

Lebens. Jean-Pierre, wie er sich später

vorstellte, flog hoch in die blaue Luft,

knapp zwischen den beiden berühmten

Bergkuppen des Vulkans Pahia

hindurch, ging im Sinkflug bis fast auf

Meereshöhe hinunter, zeigte uns die

silbergrauen Haie am Riff, ich dachte,

gleich klatscht er mit den Kufen in die

Wellen, er folgte dem Kreis des Atolls

von Bora Bora, kurvte über die Motus

und die runden Nachbarinseln, er

schwebte über diese atemberaubende

Symphonie der Formen und der Farben,

donnerte über die edle Armada der

Segelboote aus aller Welt, umkreiste

unser Kreuzfahrtschiff, auf dem

Crewmitglieder vom Panoramadeck

nach oben winkten, er ging sogar auf

Grandiose Hubschrauberaussicht auf das Atoll

meine Fotowünsche ein, als ich die

Sonne im Rücken brauchte, um dieses

tieftürkise Türkis noch türkiser zu

machen, das glitzernde Silber noch

silberner, er freute sich, dass wir uns so

freuten, vollführte Manöver, die unsere

halbe Stunde „wie im Fluge“

verdoppelten, und machte uns drei

überglücklich. So glücklich, dass wir uns

nach der Landung in die Arme fielen.

Und dass ich einen wildfremden

französischen Hubschrauberpilot auf die

stoppelige Wange küsste. Die Mädchen

küssten ihn auf seinen verdutzten

Pilotenmund. Er freute sich mit uns,

fragte nicht mehr nach irgendwelchen

Formalitäten oder Tickets und brachte

uns zurück zum Anleger. Aideu, merci,

Jean-Pierre, vous étiez tres formidable!

Noch ganz aufgeregt tuckerten die

fliegenden Ballerinen mit dem

Tenderboot zurück an Bord. Selig,

aufgedreht, aber gezwungenermaßen

auch pflichtbewusst. Zwei Stunden

Probe am Nachmittag waren angesetzt.

Bora hin, Bora her, das Training für den

Auftritt übermorgen war angesetzt. Ich

nutzte die Zeit, um mit meinem Freund

Wolfgang, dem DJ aus dem Skyclub auf

Deck 9, die Insel im offenen Jeep zu

umrunden und zu erkunden. Es ist ja

immer gut, jemanden zu kennen, der

jemanden kennt, der jemanden kennt.

Wolfgang Sauck kennt Gott und die

Welt.

Glück und Tristesse liegen oft so nah

beieinander. Zurück an Bord am

nächsten Morgen brachte ich Gisela ihre

tolle digitale Kamera in die Kabine. Sie

saß stumm auf ihrer Kojenkante und

empfing mich mit leeren großen Augen.

Sie schaute die Fotos auf dem kleinen

Display an und sagte ohne Emotion:

„Die haste aba jut jeschossen!“ „Wird

Dein Justav denken, die hast Du jemacht,

wird er sich freuen, wird Dich vielleicht

noch mehr lieben als vorher schon“,

antwortete ich fröhlich. Aber dann

sackten mir die Mundwinkel nach unten,

denn ich sah ins graue Gesicht von

Gisela. „Wat is´n, Mädel?“ fragte ich,

„wat kiekste denn so komisch?“ Sie

weinte nicht. Sie lachte nicht. Sie sah nur

mit leerem Blick zum offenen Bullauge.

„Haste schöne Bilder jemacht“, sagte sie

leise, „aber dem Justav brauche ich se nu

nich mehr zu zeigen. Den interessieren

keine Fotos mehr. Der is nämlich tot.

Seit jestern. Hier – jrad vorhin hab´ick

det Fax jekricht.“ Ich nahm Gisela in den

Arm. Sie hatte schon den Rückflug

buchen lassen, und sie flüsterte: „Dabei

waret doch jrade allet so schön ...“

Es muss nicht immer Reling sein:

Herbert Fricke beim Sundowner an der Bar

Bye-bye, Bora Bora!


Mit dem Reisen fing alles an. Reisen

nach Ungarn, wo sich ab September

1989 DDR-Bürger in der Botschaft der

Bundesrepubik sammelten. Nachrichten

drangen noch nicht durch den Eisernen

Vorhang, und so wurde der Spaziergang,

der zufällig am Botschaftszaun

vorbeiführte, begleitet von

Verwunderung über die lockere Art, mit

der offenbar hunderte von Schulklassen

und Freizeitgruppen spätsommerliche

Zeltferien im Botschaftspark

verbrachten. Wer aber, der auf

In Berlin fing alles an

Städtetrip im gerade noch existierenden

Ostblock war, hätte auf die andere, die

noch viel unwahrscheinlichere Erklärung

kommen sollen: auf die Wahrheit? Wer

hätte den über die Köpfe der Wartenden

ragenden Balkon wahrnehmen sollen als

jenen Ort, von dem wenige Wochen

später die Freiheit verkündet würde?

Und wer hätte gewagt, das Genscherwort

von der Ausreise als

ersten aus der Berliner Mauer krachend

zu Boden fallenden Brocken zu hören?

Am allerwenigsten die Menschen, die zu

jener Zeit auf den Weltmeeren

unterwegs waren. Sei es im Mittelmeer

oder schon in der Karibik, im Roten

Meer oder auf der anderen Seite des

Globus’. Denn was für uns heute

selbstverständlich ist, der Druck auf den

Knopf vom Kabinen-TV, das gab es

damals noch nicht. Jedenfalls nicht als

„Heimatfernsehen“ per Satellit. Und so

konnte es auch auf der damaligen

EUROPA, der heutigen BLEU DE

FRANCE, gelingen, die auf der Brücke

bereits bekannte Nachricht bis nach dem

Abendessen geheim zu halten, wie der

langjährige Erste Offizier Peter Losinger

erzählt. „Kapitän Raasch wollte die frohe

Botschaft allen Passagieren im

Europasalon im Rahmen des

Abendessens verkünden“, erinnert sich

Losinger. Die Wirkung innerhalb der

Gemeinschaft der Reisenden auf dem

600 Passagiere fassenden Schiff war

natürlich überwältigend.

„EUROPA-like“, wie Losinger betont,

also distinguiert und stilvoll. Erst

herrschte völlige Stille, als wenn das

Schiff eine Nebelwand durchführe, von

der man noch nicht weiß, was dahinter

ist. Dann aber, weiß Losinger noch –

„ich werde das Bild nie vergessen“ - war

die Begeisterung ungetrübt, die

1. Offizier Peter Losinger (MS EUROPA)

tranken auf das Ereignis und die

Zukunft, viele lagen sich spontan in den

Armen. Als „ruhigen, stillen

Freudentaumel“ hat Peter Losinger die

Passagierreaktion in Erinnerung, und

jedenfalls eines, da ist er sicher, hat er an

diesem Abend nicht gehört: bange

Fragen oder gar Zweifel, was das neue

Miteinander der Deutschen bringen

möge – womöglich Kosten oder gar

Einschränkungen für die bisher

Privilegierten, zu denen jedenfalls die

EUROPA-Passagiere ausnahmslos

gehören dürften. Karin Kilian, heute

Junior-Chefin von Hansa-Touristik in

Stuttgart, war gerade als Reiseleiterin auf

der EUROPA und ergänzt: „Hinter den

Kulissen erfuhren wir natürlich sofort,

was los war. Die Eltern meines Kollegen

Martin Elliger kamen uns Büro gestürmt.

Sie hatten’s schon gehört, und


durch die persönliche Nachricht hatten

wir keine Sekunde Zweifel, dass es

stimmte!“ Die Bürobesprechung war

damit natürlich zu Ende, denn „die

Nachricht hatte eingeschlagen wie eine

Bombe“, und Karin Kilian erinnert sich

an Grüppchen von Passagieren, die

beieinander standen und spekulierten,

welche Veränderungen dieser Schritt

brächte und welche Chancen sich in der

neuen Situation auftun würden.

Verhaltener war die Reaktion auf einem

anderen Schiff, das ebenfalls die

deutsche Flagge führte: der ARKONA.

Das FDGB-Urlauberschiff war auf

Mittelmeer-/Schwarzmeertour, und an

Bord waren DDR-Bürger unter sich. Der

damalige Funkstellenleiter

Hans-Joachim Zeigert kramt in seinen

Erinnerungen: „Wir waren ja monatelang

unterwegs und bekamen nur die

wichtigsten Nachrichten. Zeitverzögert,

versteht sich.“ Auch er weist auf das

noch in den Kinderschuhen steckende

Satellitenfernsehen hin. „Von der ganzen

‚Wende’ hatten wir bis dahin wenig

mitbekommen!“ Einen Freudentaumel

wie auf der EUROPA gab es auf der

ARKONA nicht, sondern vielmehr

Stimmen, die sich besorgt fragten: Was

soll aus unserer ARKONA werden,

wenn die DDR-Bürger künftig überall

hin reisen, mit jedem beliebigen Schiff

fahren können? Dass gerade die bei

West-Touristen beliebte ARKONA den

Sprung ins vereinte Deutschland Dank

ihres langjährigen Seetours-Charters mit

Bravour schaffen würde, wussten sie

natürlich noch nicht. Dass, wie der

FDGB-Vorsitzende Harry Tisch Jahre

später in einer Fernsehsendung über die

FDGB-Schiffe anklagend erwähnte, die

ARKONA künftig nicht mehr für

Die alte EUROPA (1982-1999), heute BLEU DE FRANCE

Friseusen, Landwirte und

„Ernte-Kapitäne“ (so das DDR-Wort für

Mähdrescherfahrer, die einst auf der

VÖLKERFREUNDSCHAFT in drei

Tagen sämtlich Biervorräte „vernichtet“

hatten) reserviert sein würde, ahnten sie

vielleicht schon. „Wir haben dann aus

dem örtlichen Fernsehen, das wir

empfangen konnten, und der

Borszeitung, deren Nachrichten aber

natürlich aus der DDR kamen, die

Entwicklung weiter verfolgt“, erzählt

Hans-Joachim Zeigert, der später selbst

zum Journalismus wechselte.

Die VISTAMAR dampfte im Herbst

1989 unter der Flagge von Jahn-Reisen

und in papageienbuntem Gewand durch

ihre erste Saison. Weihnachten fuhr sie

von Manaus amazonasabwärts und bog

nach Norden, in die Karibik, ab. Auf den

Inseln erlebten einige Passagiere kuriose

Solidaritätsbezeigungen: Vor

Bretterbuden stehen Ölfässer, weht

Wäsche im Wind, zieht die schmale

Rauchsäule von ein paar gebratenen

Fischen gen Himmel. Eine dicke,

scharze Mami in pinkfarbenem Top

dreht sich von der Feuerstelle um: „Hey,

man, whe’re you from?“ Den mit

Kamera und Teleobjektiv bewaffneten

Passagier im bunten T-Shirt, Autor

dieses Textes, könnte man auch gut für

einen Amerikaner halten. „Germany“

ruft er herüber und glaubt die Sache

damit erledigt. Die Karibenlady holt

daraufhin ihre Familie zusammen, alle

stehen am Zaun, beglückwünschen den

Besucher aus dem ferner Europa, der gar

nicht weiß, wie ihm geschieht. „We saw

everything on TV“, schallt es ihm

entgegen, alles habe man im Fernsehen

verfolgt. Die Überwindung der Mauer,

deren Niederreißen, die Erkundungen

der Ost-Berliner in den Westteil der

Stadt, die Straßenparty, die Freude der

Menschen. Eine Art zu feiern, die den

Latinos zweifelsohne liegt. „We were so

happy, we were so happy“, versichern

sie immer wieder und umarmen ihren

Gast. Der steht da, völlig ergriffen, und

irgendwann fließen Tränen. Tränen der

Rührung ob dieser Menschen, die selbst

ums Überleben ihrer Familie kämpfen

und doch Zeit haben, sich für andere zu

freuen.

Weniger emotionale Erlebnisse hatte

Hoteldirektor Engelbert Lainer. Er war

1989 noch auf der VISTAFJORD, wo er

einst seine Schiffskarriere begonnen

hatte. Das Schiff befand sich gerade in

seiner deutsch-amerikanischen Phase, in

der bis zur 50% der Kabinen mit

deutschen Gästen gefüllt wurden. Zur

Bekanntheit hatte die Rolle der

VISTAFJORD als erstes ZDF-Traum-

Engelbert Lainer, Hoteldirektor


Die VISTAFJORD hatte in der 80er Jahren viele deutsche Passagiere

schiff Anfang der 80er Jahre

beigetragen. Regelmäßige Abfahrten aus

Hamburg taten ein Übriges. Lainer

erzählt: „Ich ging zum Kapitän und sagte

ihm, ich wollte, ja, ich müsste doch eine

kleine Party machen für die deutschen

Gäste!“ Dieser hatte Bedenken. „Lass es

sein, das interessiert die Leute nicht!“

war die Antwort. Konnte sich der

Norweger nicht richtig vorstellen, was

den Deutschen die Nachricht bedeutete?

Lainer machte seine Party dennoch – und

saß (fast) alleine da: mit nur vier Gästen.

Der Kapitän hatte Recht behalten.

Eine von Rührung geprägte Geschichte

aus der turbulenten Zeit zwischen

Maueröffnung und Einigungsvertrag

erzählt auch Herbert Fricke,

NDR-Moderator und Buchautor

(„Geständnisse an der Reling“). Auf

einer Reise in die Südsee nahm er 1990

ein Stück Berliner Mauer, persönlich

losgeklopft und für gute Freunde

verwahrt, mit in die Südsee. „Dort war

Helmut Hörmann auf seiner Yacht

KLEINER BÄR unterwegs“, erzählt

Fricke, der die KLEINER BÄR in seiner

Weihnachtssendung „Gruß an Bord“

alljährlich mit Grüßen bedenkt. „Die

hatten, obwohl weit weg von

Deutschland, natürlich schon davon

gehört, dass die Grenzen zwischen den

Kreuzfahrtdirektor Ernst Herrmann

deutschen Staaten gefallen waren. Aber

die Gefühle, die aufkamen, als er dort in

der Cook’s Bay plötzlich ein Stück

Berliner Mauer in der Hand hatte, sind

unbeschreiblich. Da wurde geweint und

dann gefeiert, die ganze Nacht...“

Ernst Herrmann war Ende der achtziger

Jahre bereits Kreuzfahrtdirektor auf der

BERLIN und sollte es noch über zehn

Jahre bleiben. Er erzählt, dass am Tag

des Mauerfalls zur „Berliner Gala“, die

auf fast jeder Reise zelebriert wurde, mit

Regina Thoss sogar eine Künstlerin aus

der damaligen DDR an Bord war. „Am

Nachmittag kam sie zu mir und erzählte

mir ganz aufgeregt, ihr Sohn hätte sie an

Bord angerufen, und es gebe große

Aufregung in Berlin, da die

Grenzübergänge geöffnet werden

sollten“, erinnert sich Herrmann 20 Jahre

zurück. „TV-Verbindung zu den

gängigen deutschen Sendern hatten wir

nicht, denn wir befandfen uns gerade vor

der Küste von Ägypten. Abgesehen

davon nahm das auch niemand ernst,

denn man war damit beschäftigt, die

Kreuzfahrt zu genießen und hatte keine

Zeit, sich um Gerüchte zu kümmern.“

Am späteren Abend war’s dann kein

Gerücht mehr: „Die Show sollte um

22.00 Uhr beginnen. Ich vergesse nie,

wie Regina Thoss wenige Minuten

vorher vollkommen aufgelöst in den

Grand Salon stürmte und immer wieder

rief ‚Die Mauer ist weg, die Mauer ist

weg!’ Unsere Gäste waren voll aus dem

Häuschen. Wir hatten viele Passagiere

aus Berlin an Bord. Ihr Ansturm auf die

Station des armen Funkers folgte

sogleich, und er gab ihnen alle

Informationen, die er im Äther

aufschnappen konnte.“ Die Gala-Show,

so berichtet Ernst Herrmann, begann mit

Das Tor ist auf!

ziemlicher Verspätung – und „mit

Gänsehaut“.

Knapp ein Jahr später trafen sich die

BERLIN-Passagiere zu einer

besinnlichen Stunde im Grand Salon: am

3. Oktober 1990. In der abgedunkelten

Lounge klang aus dem Off die vertraute

Stimme ihres Kreuzfahrt-Direktors:

„Lassen Sie mich angesichts der

Tatsache, dass unser Schiff BERLIN

heißt, einen kurzen Augenblick an diese

Stadt erinnern: Westberlin war in der

Nachkriegszeit für die Beziehungen

beider deutscher Staaten Störfaktor und

doch verbindende Klammer zugleich.

Aus östlicher Sicht wirkte West-Berlin

wie ein Stachel im Fleisch der DDR,

diente aber dem Westen als konstante

Erinnerung an die Teilung.

DerÜberlebenswille der Berliner sorgte

für einschneidende Veränderungen in


Endlich: 3. Oktober 1990, die Deutschen feiern am Reichstag

den Beziehungen zwischen Siegern und

Besiegten des zweiten Weltkrieges. Aus

den Besatzungs- wurden Streitmächte,

aus den Besiegten Verbündete, Berlin

wurde ein Symbol der Freiheit.

Darum gab der Reeder Peter Deilmann

diesem Schiff den Namen BERLIN, um

das Symbol der Freiheit in alle Welt

hinaus zu tragen. Die Reederei und die

Besatzung sind stolz darauf, dass dieses

Schiff den Namen der ehemaligen und

neuen Hauptstadt trägt... Freuen wir uns

auf Deutschland!“

Nicht nur auf Deutschland durften sich

dir DDR-Bürger freuen, sondern auf die

ganze Welt. Was folgte, waren Jahre der

Freiheit. Eine Freiheit, die den Bürgern

der früheren DDR gefehlt hat, wie das

Buch „Der Spaziergang von Rostock

nach Syrakus“ zeigt. Es

erzählt die Geschichte eines Rostocker

Kellners, der 1988 eine waghalsige

Flucht über die Ostsee begeht, nur, um

auf den Spuren Johann Gottfried Seumes

nach Syrakus zu wandern. Seine größte

Sorge war jedoch, dass er wegen seiner

eigenmäctigen Reise ausgebürgert

werden könnte. Für solche Wünsche aber

war in der Planwirtschaft kein Platz,

dabei hätten sie Verständnis und

Loyalität für’s System fraglos sehr

gestützt. So konnten die früheren Bürger

der DDR erst ab 1990 frei entscheiden,

welche Länder Welt sie gern bereisen

möchten. Besonders schön dabei: Die

Umstellung ihrer Sparkonten brachte

vielen einen bescheidenen Wohlstand

und damit die Chance, nachzuholen, was

vierzig Jahre verwehrt war. Nichts war

und ist so unpassend wie die nicht selten

gehörte Kritik daran, dass an Bord von

Kreuzfahrtschiffen heute anteilig ebenso

Bürger aus den nun seit fast zwanzig

Jahren zum Bundesgebiet gehörenden,

östlichen Bundesländern mitreisen wie

solche, die dies schon in den siebziger

und achtziger Jahren konnten. Auch in

der Nautik war die Vereinigung und

Grenzöffnung ein wichtiger Schritt.

Nicht nur die Integration der

Ostseehäfen (der Cruiseport

Warnemünde gehört heute zu den

wichtigsten Passagierwechselhäfen im

Baltikum und wird zudem von

US-Passagieren als „The port of Berlin“

wahrgenommen), sondern auch die von

Seeleuten aus der ex-DDR hat die

Seefahrt bereichert. Arnd-Peter Böttcher

blieb der beliebte ARKONA-Kapitän,

Dr. Friedhold Hoppert, vielen von der

A’rosaBLU bekannt, ist heute einer der

beliebtesten AIDA-Kapitäne,

Ost-West-Austausch per pedes

und Thomas Röder hat von MONA

LISA bis DEUTSCHLAND viele

Kreuzfahrtschiffe geführt. Während in

Hamburg die Seefahrtsschule

geschlossen wurde, hat man in Wustrow

weiterhin Seeleute ausgebildet. Heute

steht in Warnemünde ein hochmoderner

Schiffssimulator, und in jedem Semester

absolvieren hier rund 300 junge Leute

einen Studiengang, der sie zu Nautikern

oder Schiffsbetriebstechnikern macht.

Ebenso, wie schon vor 1989 viele

Mitarbeiter im Service, auf der Brücke

oder in der Maschine aus

Baden-Württemberg oder Bayern kamen,

so stammen nicht wenige Seeleute der

neuen Bundesländer aus dem

küstenfernen Sachsen.

Zumindest auf den Meeren gibt es keine

Schranken mehr zwischen Deutsch und

Deutsch.


Katalog der Fachbuchhandlung WEDE

WEDE-Katalog

Schifffahrts-Freunde, die Hamburg

regelmäßig besuchen, haben"s gut:

Sie sind regelmäßig im Hanse-Viertel

(Große Bleichen 36) zu Gast, denn hier

gibt es nicht nur im Schaufenster der

Buchhandlung WEDE regelmäßig alle

Neuerscheinungen aus der maritimen

Szene, sondern in den Regalen auch eine

Vielzahl interessanter (auch

fremdsprachiger) Bücher über die

Seefahrt und die große Zeit der

Ozean-Liner. Der Katalog verrät alles

Neue aus der maritimen Bücherwelt.

Wer den Weg nach Hamburg scheut, der

kann bei WEDE auch bestellen. Die

Bücher, die wir Ihnen auf der nächsten

Seite vorstellen, erhalten Sie bei WEDE.

www.WEDE-Buch.de

abenteuer & reisen

Jubiläumsedition:

10 Jahre MS EUROPA

www.abenteuer-reisen.de

KREUZFAHRT -

EXTRA

Das Sonderheft zum 10. Geburtstag der

MS EUROPA kam pünktlich zur Feier in

Hamburg am 21.09.2009.

Eine Reportage zur Jubiläumsfeier im

Hafen der Hansestadt lesen Sie hier:

Für Dich soll\'s weiße Rosen regnen

Chefredakteur Peter Pfänder blickt hinter

die Kulissen: Das fängt bei der

Geschichte der fünf Vorgängerinnen der

heutigen EUROPA an, schließt

Organisatorisches wie das Catering ein,

und natürlich den Genuss auf dem

5-Sterne-Liner: die Sansibar, das

Kulinarische und die Unterhaltung. Zum

Beispiel mit Altrocker Udo Lindenberg.

Und wer's ganz genau wissen möchte,

erfährt in Hintergrundreportagen alles

über die Bordbäckerei, die

Routenplanung und das Technische.

Heftpreis: 8,- Euro


Wer kennt sie nicht, die RICKMER

RICKMERS, den grünen Großsegler im

Hamburger Hafen? Aber, und dieser

Lücke widmen sich die Autoren von

Hoffmann & Campe, wer kennt die

Geschichte, die dazu gehört?

In fünf Generationen sind Reederei und

Werft Rickmers zu einer festen Größe in

Schifffahrt, Wirtschaft und Handel

geworden. Die Firmengeschichte geht

auf den 1807 auf Helgoland geborenen

Reeder Rickmer Clasen Rickmers

zurück. Das Buch beschreibt parallel die

Entwicklung der Firmen und die

Familiengeschichte der Rickmers, schaut

ins Familienalbum und in die Annalen

der Firma. Ein Stammbaum gibt einen

Überblick über die Familie Rickmers.

Naturgemäß schreibt der Rückblick auf

Reedereientwicklung und das Schicksal

der Schiffe auch ein Geschichtsbuch der

Schifffahrt durch unterschiedliche

Epochen. Entscheidend war dabei der

Wechsel von der Segel- zur motorisier-

175 Jahre Rickmers

von Andreas Wrede und Dr. Rainer

Poeschl

Erschienen im Verlag Hoffmann &

Campe, Hamburg

ISBN-Nr. 978-3-455-50111-7

300 Seiten mit s/w- und

Farbabbildungen

Format: 25 x 28,5 cm

gebunden mit Schutzumschlag

im Schuber

Preis: 59,- Euro (D), 60,70 Euro (A),

100,- sfr (CH)

www.hoffmann-und-campe.de

ten Schifffahrt. Fotos der

Rickmers-Schiffe, von Stapelläufen und

der Werfttätigkeit lassen das maritime

Herz des Lesers höher schlagen. Bilder

vom täglichen Schiffsbetrieb, den

Seeleuten bei Ladevorgängen und

Reparaturarbeiten zeigen die

menschliche Seite der bewegten

Firmengeschichte nicht nur auf der Seite

der Familie Rickmers. Lebendig wird die

Geschichte zudem durch im Original

abgebildete Artefakte aus

Korrespondenz und Geschäftsbüchern.

Nach der Lektüre ist der Leser nicht nur

der Familie ebenso nahe gekommen wie

der Schiffahrt mit ihren Aufs und Abs

durch wirtschaftliche Krisen und

Weltkriege, sondern er sieht auch, wie

ein solches, persönlich geführtes

Unternehmen in allen Zeiten Erfolge

haben kann - mal große, mal

bescheidene. Das Unternehmen wird

noch heute von Angehörigen der Familie

Rickmers geleitet.

Drei Tage im September

Die letzte Fahrt der ATHENIA

Ein Sachhörbuch

6 CDs mit einer Gesamtlaufzeit von 400

Minuten

Von Cay Rademacher

gelesen von Schauspieler Volker Brandt

Erschienen im Audio-Media-Verlag,

München

ISBN-Nr. 978-3-86804-061-6

CDs in einer Box inkl. Booklet

Preis: 19,90 Euro

Kriegsbeginn 1939: Für alle Schiffe, die

in fremden Häfen weilten oder auf See

waren, bedeutete dies eine unerwartete

Gefahr. Der Autor beschreibt zunächst

die Atmosphäre an Bord des überfüllten

Liners. Bevor die Katastrophe nach

einem Torpedotreffer ihren Lauf nimmt,

zeichnen CD 2 und 3 ein exaktes Bild

der weltpolitischen Lage, das man in

dieser Präzision selten findet. Durch

persönliche Geschichten der Reisenden

hat der Zuhörer das Gefühl, in der

Gemeinschaft der Passagiere

mitzureisen, als die ATHENIA tödlich

getroffen wird. Er erlebt die

Verzweiflung an Bord hautnah mit,

denkt aber auch über weiter gehende

Fragen nach: Ließ sich die evakuierte

ATHENIA noch abschleppen und retten?

Stammte der Torpedo von einem

deutschen U-Boot?


Kreuzfahrten in 1001 Nacht

Mit dem "Traumschiff" rund Arabien

Arabien, märchenhaftes Wunderland

Die Idee, eine Kreuzfahrt rund um die

Arabische Halbinsel zu machen, ruft

gleichermaßen Märchen, Mythen und

Erzählungen aus dem Morgenland in

Erinnerung, fliegende Teppiche

eingeschlossen. Die Gedanken schweifen

gen Osten, in die Länder der

aufgehenden Sonne, die auch im Winter

wärmer ist als die europäische

Sommersonne.

Allseits bekannte Gestalten aus

Tausendundeiner Nacht, Sindbad der

Seefahrer, Harun Al-Raschid, Aladin,

Ali Baba, aber auch Karl Mays Hadschi

Halef Omar und seine Reisegefährten

sind uns auch gegenwärtig bei einer

solchen Reise. Sie alle haben unsere

Sichtweise des Orients nicht unerheblich

beeinflusst. Schließlich pflegen wir seit

Kindertagen das Klischee dieser

märchenhaften Version des

Morgenlandes. Verschleierte

Harems-Damen gehören dazu.

Forschungsreisende des Mittelalters wie

Ibn Batuta oder der Seefahrer Ahmed

Ibn Majid hinterließen

Erfahrungs-Berichte, die weniger

bekannt sind, die wir aber gern in

Augenschein nähmen. Die Gelegenheit

ist gegeben: Die DEUTSCHLAND, das

im Abendland beheimatete Traumschiff,

kreuzt mit unregelmäßiger

Regelmäßigkeit in den Gewässern und

an den Küsten der Arabischen Halbinsel

- und das Traumschiff wird dabei auch

kameratechnisch in Szene gesetzt.

Rund Arabien

Die Kreuzfahrt diese Bildbandes beginnt

mit dem Anlauf von Abu Dhabi in den

Vereinigten Arabischen Emiraten, führt

durch den Persischen Golf nach

Manama, Bahrein und Doha, Katar, dann

zurück in die Emirate, nach Dubai und

Sharjah. Nach der Einfahrt in die Straße

von Hormuz geht die DEUTSCHLAND

vor der omanischen Enklave Khasab auf

Reede. Dann ist der Indische Ozean

erreicht, zu dessen Küstengewässern der

Golf von Oman und das Arabische Meer

zählen. Das Ostküstenemirat Fujairah

wird angelaufen, dann Muskat und

Salalah. Bab Al-Mandab, das Tor der

Tränen, die Meerenge zwischen

Indischem Ozean und Rote Meer, wird

passiert. Zwei Seetage später Anlauf in

Safaga an der ägyptischen Küste, dann

nordgehend Einfahrt in den Suezkanal,

um am Mittelmeer erst in Alexandria,

dann an der Levante, in Beirut und

Tartus, festzumachen. 4.500 Seemeilen

werden dabei zurückgelegt.

Mehr als 5.000 Jahre Geschichte in

Erzählungen einzubinden, die eine

Kreuzfahrt rund um die Arabische

Halbinsel begleiten, bedarf gewisser

Auswahlkriterien und verbietet manche

Ausschweifung. Momentaufnahmen

hingegen sollen ein erfrischend aktuelles

Bild liefern.

Die Seereise soll erholsam sein, Zeit zu

Muße und eigener Betrachtung geben.

Möge die Komposition von Text und

Bild das richtige Maß gefunden haben.

Bei aller Ernsthaftigkeit zwischen Katharina Bahlcke (Text) und

Lektoraten und Landausflügen, sollen Christian Prager (Fotos)

auch die Traumschiff-Episoden, die Erschienen im Pietsch-Verlag

letztlich nur die TV-Version des wahren ISBN-Nr. 978-3-613-50614-5

Traumschiffes sind, einen Beitrag zum 224 Seiten, 310 farige Abbildungen, geb.

vergnüglichen Urlaubserlebnis leisten. Format: 305mm x 320mm

Preis: 98.00 € (D,A), 162.00 sfr (CH)

Katharina Bahlcke, Autorin www.Paul-Pietsch-Verlage.de


von Herbert Fricke

Erschienen bei Delius Klasing, Bielefeld

ISBN-Nr. 978-3-7688-2632-7

192 Seiten, 13x18,5cm, gebunden

Preis: 12,90 Euro

Geständnisse an der

Reling

Das Gespräch an der Reling - es entsteht

immer spontan, und die erste große

Überraschung besteht darin, wer der

Gesprächspartner ist, der da den Arm

aufs Mahagoniholz stützt und

Redebereitschaft signalisiert. Was mag

er auf dem Herzen haben? Wenn diese

Frage auftaucht, hat Autor Herbert

Fricke bereits Feuer gefangen. Der

beliebte NDR-Moderator ("Gruß an

Bord") weiß, wie er Menschen zum

Reden bringt: durch Zuhören. Wenig

eigene Aktion, dafür ein offenes Ohr.

Dass er damit Erfolg hat, vielen ein

Katalysator für unverdaute Probleme ist

und schließlich auch Geschichten

erfährt, aus denen sich ein Buch machen

lässt, hat er in den letzten Jahren auf

seinen Reisen gezeigt und praktiziert.

Herausgekommen ist ein sehr buntes

Kaleidoskop kurzer, wahrer

Begebenheiten. Solche über die man laut

lachen kann - etwa die Deutschstunden

mit der Stewardess Olena, die alle

sprachlichen Finessen im Deutschen

"wörtlich" nimmt und den Autor an

seiner eigenen Sprachlogik zweifeln

lässt. Oder - auf der anderen Seite - die

junge russische Tänzerin, von der Mafia

grausam verstümmelt, die ihren Beruf

dennoch ausübt und an Herbert Frickes

Seite die Lebenslust wiederentdeckt. Der

Autor wäre nicht er selbst, hätte er nicht

hier und da ein amouröses Abenteuer in

seine Geschichten eingestreut - ein

eigenes Geständnis sozusagen...

Buchpräsentation

Nicht an der Reling, aber zumindest an

Bord wurden sie vorgestellt, all die

Geständnisse, die Herbert Fricke in

seinem Buch gesammelt hat: Auf der

CAP SAN DIEGO in Hamburg. Dass

dazu fast 300 Besucher gekommen und

der Saal bestens gefüllt war, ist

bezeichnend. Hätte Fricke genug Zeit

gehabt, es wäre im Gespräch mit den

Besuchern gewiss der nächste Band

entstanden. Wichtiger jedoch waren die

Stimmen, die seine Texte vortrugen.

Angefangen bei Nachrichtensprecher Jo

Brauner wurde jede Geschichte perfekt

vorgetragen. Die Schauspielerin Andrea

Christina Furrer lieh ihre Stimme, der

die Morgennebel von Bora Bora

innewohnen, einem Text aus der Südsee.

TV-Moderatorin Kay Janet Pönninghaus

hatte ein "schlüpfriges" Kapitel erwischt.

Im frechen, kurzen Rock lieh sie dem

Text eine Unschuldmiene, die ihn erst

authentisch machte. Noch mehr hat der

Schauspieler Gerd Hey jenes Kapitel,

das abtaucht in die düstere

Vergangenheit, als Deutsche keineswegs

touristisch motiviert in die baltischen

Staaten reisten, sondern dort verbrannte

Erde hinterließen, zu seinem ureigenen

gemacht. "Das", so Herbert Fricke,

"musste jemand lesen, der aus der

entsprechenden Generation stammt."

Der Autor, so hört man, hat schon

wieder ein neues Projekt: "Gerüchte an

der Reling" wünscht sich der Verlag

Delius Klasing zur Vollendung der

Trilogie.

Gerd Hey taucht tief in die Vergangenheit Andrea Furrer: Südsee mit Leidenschaft Kay Pönninghaus: Geschichte von der Krim

Leseprofi Jo Brauner


Momente einzigartiger Schönheit. Nie

gesehene, spektakuläre Landschaften,

dramatische Tierbegegnungen,

Lichtspiele von erhabener Pracht – in der

Antarktis zeigt sich die Schöpfung von

ihrer schönsten Seite. Thomas Haltner

hat den sechsten Kontinent am Ende der

Welt mehrfach bereist. Ob strahlende

Sonnentage oder Sturm auf hoher See,

ein Besuch zwischen gigantischen

Kolonien von Pinguinen oder des

südlichsten Badeplatzes und der

südlichsten Bar der Welt: mit

fantastischen Aufnahmen und

spannenden Texten können die Leser

diese Reisen nachvollziehen, sich selbst

auf eine Tour vorbereiten oder einfach

nur von einem Besuch in dieser

abenteuerlichenWelt träumen. Haltner ist

studierter Diplom-Fotodesigner und seit

1991 freiberuflich als Reisefotograf und

Journalist tätig. Seine Reportagen und

Fotos werden in Zeitschriften, Büchern

und Kalendern veröffentlicht.

Abenteuer Antarktis

von Thomas Haltner

Erschienen in der Edition Stürtz

Verlaugshaus GmbH & Co. KG,

Würzburg

ISBN-Nr. 978-3-8003-1943-5

128 Seiten mit 230 Abbildungen

Format 24 x 30 cm

geb. mit Schutzumschlag

Preis: 19,95 Euro (D), 20,60 Euro (A),

33,80 sfr (CH)

www.verlagshaus.com

Über den Autor

Geboren am 20. August 1961 in

Hagen/Westfalen Fichte Gymnasium

Hagen, Abitur 1980 Zivildienst, Malteser

Hilfsdienst Hagen

Studium an der Fachhochschule

Dortmund, Schwerpunkt "Visuelle

Kommunikation“ Fotografie:

S/W-Fotografie, Experimentelle

Fotografie, Siebdruck und Layouts,

Ausstellungen Film: Kurzfilme in S/W,

handkolorierte Filme, Musik-Videos

Februar 1990 Abschluss als Diplom

Designer 6 Monate Studienaufenthalt am

State University College of Buffalo, NY.

USA 1990 bis 1991 Bastei Verlag,

Bergisch Gladbach 1991 Weiterbildung

Text/Grafik-Gestaltung am PC Seit 1991

freiberuflicher Fotodesigner und

Reisejournalist. Reisefotografie,

Reise-Reportagen für deutsche und

internationale Zeitungen und

Zeitschriften, Titelbilder, Kalender und

Bücher, Vertreten durch bedeutende

Bildarchive, Hotelfotografie,

Auftrags-Fotografie

Fotograf und Autor des Buches

„Abenteuer Antarktis“

Ein Monatskalender

von Thomas Haltner

Erschienen im Stürtz Verlagshaus,

Würzburg

ISBN-Nr. 978-3-8003-2753-9

14 Seiten, 54 x 48 cm,12 Abbildungen

Dreisprachiges Kalendarium und kurze

Bildbeschreibung

Preis: 25,95 Euro (D, A), 45,- sfr (CH)

zur Verlags-Homepage:

www.verlagshaus.com

A N T A R K T I S

Motive des Kalenders:

Januar: Kreuzfahrt MS HANSEATIC

Februar: Lichtstimmung Port Lockroy

März: Pinguine am Strand

April: Eisberge im offenen Meer

Mai: Vulkaninsel Paulet Island

Juni: Tafeleisberge

Juli: Eisberg-Sightseeing-Tour

August: Wedell-Robben auf dem Eis

September: Pinguine auf dem Treibeis

Oktober: Die MS EXPLORER im Eis

November: Königspinguine

Dezember: Eselspinguine


Als sich zum ersten Mal Menschen mit

ihren Booten aufs Meer wagten, hatten

sie – vor allem wenn sie in die

Dunkelheit gerieten – ein Problem: den

Ort, von dem sie gestartet waren, wieder

zu finden. Stockfinstere Ufer – wo um

Gottes Willen war die Ansiedlung, wo

die Daheimgebliebenen in ihren Hütten

um die Rückkehr der mutigen Seefahrer

bangten? Man musste man sich etwas

einfallen lassen, um einen Wegweiser

auf See zu haben. Diese Aufgabe kam

den Wartenden zu Hause zu: Sie

entzündeten am Ufer ein Feuer, das den

Weg nach Hause wies. Die Idee half den

Seefahrern, ihren Weg zumndest auf der

Rückreise ohne lange Irrfahrten zu

finden.

Mit der Sicherheit kam der Mut. Man

wagte sich weiter aufs Meer hinaus.

Weiter draußen jedoch waren die tief

liegenden, am Boden entzndeten Feuer

nicht mehr zu sehen, sie verschwanden

hinter der Kimm. Aber auch dafür wurde

eine Lösung gefunden. Ein höher

gelegener Ort musste her. Hierfür wählte

man Klippen am Ufer. Sie waren aus

größerer Entfernung noch

Modernes Leuchtfeuer auf See


auszumachen. Der nächste Schritt war

dann nur eine logische

Weiterentwicklung. Auf den Klippen

wurden Türme gebaut, auf denen die

Flammen in den Nachthimmel loderten

und den Seeleuten Sicherheit gaben: die

ersten Leuchttürme. Sie waren aus Holz

gebaut und hatten daher nur eine

begrenzte Lebensdauer. Manche fielen

auch ihrem eigenen Feuer zum Opfer

und brannten ab. Die nächste Stufe

waren stabile Bauten aus Bruch- oder

Ziegelsteinen. Heute wählt man auch

hochmoderne Baumaterialen: Stahl oder

Aluminium, zum Teil auch

glasfaserverstärkten Kunststoff.

An Stellen, wo ein Leuchtfeuer

gebraucht wird, aber der Untergrund

und/oder die Wetterverhältnisse den Bau

eines Turmes nicht zulassen, weicht man

auf Feuerschiffe, schwimmende

Leuchttürme, aus. Sie liegen fest

"Lighthouse" in Kanada Museum: Fresnell-Linse aus der Nähe

verankert auf See, und ihre Besatzungen

werden im wöchentlichen oder

vierzehntägigen Turnus ausgewechselt.

Für Seeleute wie auch für Landratten

wurden die schlanken Türme mit ihrer

individuellen, oft eigenwilligen

Architektur zu Weggefährten. Ein

Leuchtturm blinkt jeden, der

vorbeikommt, freundlich an, heißt ihn

Willkommen, bietet Orientierung und

ein Gefühl von Sicherheit. Jeder, der auf

See unterwegs ist, kann sich Ihrer

Unterstützung bedienen, unabhängig

davon, ob sein Schiff mit GPS oder

Radar ausgerüstet oder die Technik

ausgefallen ist.

Auch bei den schon erwähnten

Landratten haben Leuchttürme eine

große Fangemeinde. Ein Grund dafür

dürfte die ihnen innewohnende Symbolik

sein: Licht in der Finsternis,

Orientierungshilfe, Sicherheit und

Unterstützung bei der Suche nach dem

richtigen Weg. Nicht wenige Menschen

suchen heutzutage solchen Beistand für

ihr Leben. Manche Projekte, die

Lebenshilfe bieten, führen das Wort

„Leuchtturm“ im Namen.

Wanderziel Leuchtturm Leuchtturm-Museum an den Großen Seen Nordamerikas

Leuchttürme - Teil der Landschaft


Leuchttürme sind genau wie

Aussichtstürme Anziehungspunkte für

Touristen. Aber Aussichtstürme sind für

Besucher gebaut worden, Leuchttürme,

vor allem wenn sie noch in Betrieb sind,

können nur selten betreten werden, denn

sie sind Zweckbauten zur Sicherung des

Verkehrs auf See. Beim Warnemünder

Leuchtturm war zu DDR-Zeiten die

Möglichkeit, ihn zu besteigen und die

Aussicht zu genießen, selbstverständlich.

Seine Liebhaber haben dieses Recht

gegen Westvorschriften bis heute

verteidigt. Wanderer wählen gern einen

Leuchtturm als Ziel; stünde stattdessen

beispielsweise ein Wasserturm in der

Nähe, fiele es niemandem ein,

hinzuwandern, wenn man ihn nicht

einmal besichtigen kann.

In Andenkenläden an der Küste hat das

Thema Leuchtturm einen festen Platz. Es

gibt Leuchtturm-Kalender, Bildbände

über Leuchttürme, Ansichtskarten und

kleine Leuchtturm-Modelle für das

heimische Wohnzimmer. Auch die Post

hat der Beliebtheit der Leuchttürme

Rechnung getragen und

Briefmarkenserien mit bekannten

Leuchttürmen herausgebracht.

Als ältester Leuchtturm der Welt gilt der

Leuchtturm auf der Insel Pharos. Seine

Existenz ist historisch belegt. Er gehört

zu den sieben Weltwundern der Antike.

Erbaut wurde er ungefähr 300 v. Chr. zur

Sicherung der Einfahrt in den Hafen von

Alexandria in Ägypten. Im 4.

Jahrhundert n. Chr. wurde er durch ein

Erdbeben stark beschädigt und um das

Jahr 1200 bei einem weiteren Erdbeben

vollständig zerstört. Da er heute nicht

mehr existiert, gibt es widersprüchliche

Meinungen, wie hoch der Turm war. Die

Angaben schwanken zwischen 50 und

140 m. Die Sichtweite soll bis zu 7,5 km

betragen haben. Auch der „Koloss

Herz des Leuchtturms: Das Leuchthaus mit

der Fresnell-Linse

von Rhodos“ gehörte zu den sieben

Weltwundern, war ein Leuchtturm

gehört und existiert ebenfalls heute nicht

mehr. Er hielt mit erhobenem Arm eine

Fackel in der Hand. Nach Meinung

einiger Historiker soll diese Fackel

ebenfalls ein Signal für die Seefahrer

gewesen sein.

Mit dem Aufblühen des Seehandels

erlebten auch die Navigationshilfen

einen Aufschwung. An vielen Küsten

wurden neue Leuchttürme gebaut. Was

für Seefahrer eine segensreiche

Einrichtung war, rief an Land nicht

überall Begeisterung hervor. Für manche

Küstenbewohner waren gestrandete

Schiffe ein willkommener Nebenerwerb.

Um ihre Einnahmequelle nicht zu

verlieren, zündeten sie Feuer an, die die

Schiffe in die Irre leiteten und in

gefährliche Gewässer lockten. Helgoland

hat sich angeblich lange gegen einen

Leuchtturm gewehrt.

Ein typischer Leuchtturm ist rund und

weiß-rot geringelt. So sehen aber

beileibe nicht alle aus. Es gibt eine große

Vielfalt; allen gemeinsam ist nur, dass

sie Lichtsignale aussenden. Der typische

Leuchtturm hat den Vorteil, dass er auch

tagsüber von See her leicht als

Leuchtturm zu erkennen ist. Die Signale

jedes Leuchtturms haben eine bestimmte

individuelle Charakteristik, Kennung

genannt. Anhand der Seekarte oder eines

Leuchtfeuerverzeichnisses können

Seeleute identifizieren, um welchen

Leuchtturm es sich handelt. Die

Kennung besteht aus einer Kombination

von Scheinen, Blinken und Blitzen.

Scheine sind längere Lichtsignale

zwischen kurzen Verdunklungen, Blinke

sind Lichtsignale von mindestens zwei

Klassischer, rotgeringelter Leuchtturm Leuchtturm außer Dienst


Kreuzpeilung am Kreiselkompass Nächtliche Arbeit an der Seekarte

Sekunden zwischen längeren

Dunkelphasen, Blitze sind kurze

Lichtsignale von unter zwei Sekunden

mit längeren dunklen Phasen

dazwischen. Viele Leuchttürme senden

bei Nebel und schlechter Sicht auch

akustische Signale aus. Kann man zwei

Leuchttürme gleichzeitig erspähen, dann

ist über eine Kreuzpeilung (der

Kreiselkompass gibt Auskunft über die

Himmelsrichtung, in welcher das

Leuchtfeuer steht, und erlaubt eine

Rückkopplung des Winkels der beiden

Türme zueinander) sogar eine exakte

Positionsbestimmung des Schiffes

möglich.

Den einsamen Beruf des

Leuchtturmwärters gibt es heute in

Deutschland nicht mehr. Die Technik

wird automatisch gesteuert und

überwacht. Nur für die Wartung und für

Reparaturen muss ein Techniker

kommen.

In einigen Ländern gibt es noch

Leuchtturmwärter. Im vorigen Jahr

wurde für einen Leuchtturm mit

Hotelpension in der Bucht von San

Francisco ein Leuchtturmwärterpaar

gesucht. Der Job mag reizvoll sein, aber

länger als einige Jahre hat es noch kein

Paar ausgehalten.

Die Beliebtheit der Leuchttürme ist der

Grund dafür, dass viele von ihnen

erhalten werden, auch wenn sie nicht

mehr in Betrieb sind. Die

Einsatzmöglichkeiten für die

"Pensionäre" sind vielschichtig: Oft kann

man sie besichtigten, in manchen von

ihnen übernachten und in einigen sogar

heiraten.

Wen es reizt, mal eine Nacht im

Leuchtturm zu schlafen, kann das z. B.

im Leuchtturm „Roter Sand“ vor

Bremerhaven in der Nordsee tun. Der

spektakulärste deutsche Leuchtturm liegt

weit draußen, runde 50 Kilometer von

der Küste entfernt. Land ist von dort aus

nicht mehr zu sehen. Die Anfahrt dauert

drei Stunden und ist wetterabhängig. Der

Leuchtturm ist nicht mehr in Betrieb.

Seit 1999 werden Übernachtungen

angeboten; ein ganz spezielles

Abenteuer, aber ohne den Komfort eines

5-Sterne-Hotels. Trotzdem gibt es mehr

Anfragen als Möglichkeiten, denn die

Anzahl der Übernachtungsgäste ist

naturgemäß sehr begrenzt.


Wenn das mal kein perfektes Timing ist:

Im Januar begrüßt Dubais neues

Kreuzfahrtterminal seine ersten Gäste,

wird das höchste Gebäude der Welt – der

Burj Dubai – eröffnet und startet die

BRILLIANCE OF THE SEAS ihre

Turnusreisen ab Dubai.

Wasserpfeife, Bauchtanz & Co.

Royal Caribbean International hat sich

gut vorbereitet: mit einer Shisha Lounge

unter freiem Himmel samt

landestypischer Unterhaltung.

Küchenchef Frank Lehmann kredenzt

zum ohnehin umfangreichen Speiseplan

zusätzlich pikant gewürzte orientalische

Spezialitäten – Lammfleisch mit Zimt

beispielsweise. Während der Koran an

Land den öffentlichen Alkoholgenuss

verbietet, muss man an Bord nicht

darben. Im Gegenteil: Da für die

Dubai-Routen auch zahlungskräftige

russische

Badespaß auf der

BRILLIANCE OF THE SEAS

Klientel erwartet wird, wurde das

Spirituosenangebot um zahlreiche

Premiummarken erweitert. Und für

Gäste aus Good Old Germany gibt es

eine breite Palette deutschsprachiger

Ausflüge.

Nur gut sechs Flugstunden entfernt

ist Dubai idealer Ausgangspunkt für

Kreuzfahrten durch den arabischen Golf.

Von der Stadt der Superlative über das

Sultanat Oman nach Fujairah und Abu

Dhabi ins Königreich Bahrain.

Märchenhafte Paläste, flimmernde

Wüsten, grüne Oasen, traditionelle

Souks, aber auch futuristische

Wolkenkratzer, gigantische

Shopping-Malls – architektonische

Dazu passt das sich über neun Decks

erstreckende Atrium der bei Meyer in

Papenburg erbauten Schiffslady. Sie

punktet mit fünf Restaurants, zahlreichen

Bars und Lounges, Kletterwand,

Die BRILLIANCE OF THE SEAS (90 000 BRZ) Besuch im Dhau-Hafen: ein Muss


Minigolfparcours, Poollandschaften mit

rauschenden Wasserfällen und perfekt

inszenierten Broadwayshows im riesigen

„Pacifica Theater“. In den 1.050

Kabinen (davon 577 mit Balkon) finden

maximal 2.501 Passagiere Platz, umsorgt

von 859 dienstbaren Geistern.

Gut drei Tage

stehen für die Boomtown Dubai zur

Verfügung. Wer zum ersten Mal da ist

und in kurzer Zeit möglichst viel sehen

möchte, sollte die City-Tour buchen.

Aber es geht auch auf eigene Faust: Die

seit September größtenteils oberirdisch

fahrende „Dubai Metro“ ist – klimatisiert

und fahrerlos – eine empfehlenswerte

Alternative zu dem oft im Stau

stehenden Hop-On-Hop-Off-Bus

(Fahrpläne und Streckennetz unter

http://metrogis.rta.ae ).

Ein „Muss“ ist die Dhau-Tour durch den

16 Kilometer langen Dubai Creek, die

Teatime im luxuriösen Burj al Arab oder

eine Stippvisite im riesigen Wasserpark

vom Hotel Atlantis auf „The Palm“.

Wenn es Sie eher in die Souks oder die

riesigen Shopping Malls zieht – seit

kurzem gilt dort ein Dresscode:

Öffentliche Zärtlichkeitsbekundungen

gelten als unanständig, freizügige

Kleidung als respektlos. Im „Ski Dubai“

empfiehlt es sich ohnehin, Moonboots

und wattierte Winterkleidung

überzuziehen. Aus der Zeit vor der

Entdeckung des Erdöls erzählt das in

einem alten Fort untergebrachte Dubai

Museum. Ob und wie im Burj Dubai,

dem mit 818 Metern und 162

Stockwerken momentan höchsten (und

mit einer Bausumme von 1,8 Milliarden

Dollar teuersten) Gebäude der Welt,

Besichtigungen möglich sind, war bei

Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

Ahlan - Willkommen im Oman

Das Sultanat ist das vielleicht

orientalischste Ziel der Reise. Die

Fremdenführer empfangen in

Dishdashas, schneeweißen bodenlangen

Gewändern, und bunten Kummas und

handbestickten Kappen. Im Gürtel steckt

der traditionelle Krummdolch Khandjar.

Ist das Emirates Palace das schickste Hotel der Welt?

Vorbei an dem in Blau und Gold

gehaltenen Al-Alam-Palast und der

riesigen Grand Mosque führen

Überlandausflüge nach Nizwa, dem

religiösen Mittelpunkt des Oman, zur

Festung Nakhl, den Heißen Quellen von

Al Thowarah oder in das 3.000 Meter

hohe Hajar-Gebirge mit einem Mix aus

Schluchten, Oasen, Palmenhainen und

Plantagen. Punkt 12 Uhr mittags klingelt

das Handy des Fahrers – „Time to pray“

ist im Display zu lesen. Keine Zeit – der

Reiseablauf muss eingehalten werden.

Allerdings habe Allah dafür Verständnis

– das Gebet wird eben bei nächstbester

Gelegenheit nachgeholt.

Szenenwechsel

Im „ärmsten“ der sieben Emirate, dem

kleinen Fujairah, ist vom Glanz und

Glitter der großen Brüder nicht viel zu

Die Jumeirah-Moschee Besuch im Gold- und im Gewürz-Souk

Übermorgen-City: Dubai


Gebirgstour durch dramatische Landschaften im Hajjar-Gebirge

sehen. Dafür ruft die Wüste. Die Zeiten,

in denen das Meer aus Sand lediglich mit

dem guten alten vierbeinigen

Wüstenschiff erkundet werden konnte,

sind längst passé. Stattdessen setzt sich

eine Karawane von komfortablen

Allradfahrzeugen in Bewegung.

Dramatische Gebirgszüge und fruchtbare

Täler wechseln sich zunächst ab. Mit der

Zeit wird die Landschaft eintöniger. Bald

ist das erste Wadi, ein im Sommer

ausgetrocknetes Flussbett, erreicht. Und

dann heißt es: Luft

ablassen! Weil die Reifen der schweren

Geländewagen besser greifen, wenn sie

mehr Auflagefläche haben. Mit

eingelegtem erstem Gang und

durchgedrücktem Gaspedal schießt der

Toyota Land Cruiser mit heulendem

Motor auf leuchtend rot-orangene

Sanddünen zu. Mit Schwung geht es steil

bergauf. Und genauso spektakulär auch

wieder hinunter. Je mehr die Insassen

kreischen, umso wilder wird die Fahrt.

Alternativ auch per Sandboard oder auf

Skiern zu genießen.

Luxus und Wüste

Abu Dhabi ist nicht nur das größte,

sondern auch das reichste der sieben

Vereinigten Arabischen Emirate. Die

Scheich-Zayed-Moschee protzt mit vier

107 Meter hohen Minaretten, 82

Kuppeln, 1.192 Säulen, dem größten

handgefertigten Teppich der Welt sowie

dem weltgrößten Kronleuchter. Fast

41.000 Gläubige können gleichzeitig

beten. Besucher sind herzlich

willkommen und dürfen – wenn sie sich

auf der Internetseite des Fremdenver-

… eine Jeepsafari durch die endlose Wüstenlandschaft …

Dinner im Wüstensand

kehrsamts www.visitabudhabi.ae

angemeldet haben – sogar fotografieren.

Und noch zwei Superlative: Direkt vor

den Toren der Hauptstadt türmen sich

die größten Sanddünen der Welt auf, und

das Emirates Palace Hotel wetteifert mit

dem Burj al Arab um den Titel „Größtes

und luxuriösestes Hotel der Welt“. Das

„Falkenkrankenhaus“ demonstriert

eindrucksvoll den Stellenwert der treuen

(und teuren) Jagdgefährten der Emiratis -

Tradition wird neben aller

Hypermoderne groß geschrieben.


Cyber-Spaß an Bord

Spektakuläre Aussichten im Panoramalift

Königreich im Persischen Golf

Der sumerischen Mythologie nach wird

auf dem Gebiet von Bahrain das

paradiesische Land Dilmun mit dem

Garten Eden und der Pflanze der

Unsterblichkeit vermutet. Bis in die

achtziger Jahre war das aus 33 Inseln

bestehende Königreich nur per Schiff

und Flugzeug zu erreichen. Die

gewaltige Konstruktion des Fahad

Causeway verbindet es mit

Saudi-Arabien - eine der teuersten

Brücken der Welt. Dank Sebastian Vettel

ist der Bahrain International Circuit nicht

nur bei Formel 1-Fans bekannt. Vor ihm

fuhr bereits 2004 Michael Schumacher

auf der 5.417 Meter langen Rennstrecke

aufs Siegerpodest. Wie wäre es mit einer

Fahrt im Hummer auf der

Geländewagen-Teststrecke? Allerdings

nur als Beifahrer buchbar. Aber

immerhin!

Zehn Jahre alt: das Burj al Arab


Palermo: Ausflug nach Monreale

„Buon Giorno!“ Die Reederei Costa ist

international geworden. Aber gerade das

fördert das Traditionsbewusstsein – nicht

nur auf einer Reise ins Stammland des

60 Jahre alten italienischen

Unternehmens. Und so begrüßt auch der

Steward von den Philippinen seine

Passagiere auf Italienisch, während er

neben überbackenen Tomaten auch

gewaltige Portionen Ham and Eggs an

den Frühstückstisch bringt. Der steht auf

Deck unter italienischer Sonne, und

durch die Scheiben des Windschutzes

scheint undeutlich eine Großstadtkulisse

im Morgendunst: Bella Napoli. Reisende

aus Österreich und Deutschland verfallen

den Erinnerungen an Rudi Schuricke und

starten per Boot nach Capri.

„Prego, prego!“ schreien die

italienischen Bootsleute, die das

Monopol auf die Touren zur Blauen

Grotte haben. Für die Burschen ist das

hier knallhartes Geschäft, und die

Passagiere merken rasch, was sie an

ihrer geradezu

liebevollen Schiffsbesatzung auf der

COSTA CONCORDIA haben. Der

Wechsel in eine kleine Schaluppe findet

direkt vor der Grotte „auf See“ statt und

vermittelt einen Hauch von

Schiffbrüchigen-Romantik. Vier

Personen, bitte auf dem Boden Platz

nehmen, sonst hat der Kopf unter der

niedrigen Einfahrt keine Chance!

Geschickt wartet der kleine Italiener auf

ein Wellental, dann spült er mit einem

Ruderschlag das Boot in die Grotte. Das

unwirkliche Türkis, das sonst an den

Himmel gehört, strahlt von unten und

trägt insgesamt fünf Boote in die

niedrige Höhle. De facto neunzig,

gefühlt nur zehn Sekunden verweilt man

darin. Für den Bootsmann, der seinen

Trinkgeldanspruch schon beim

Einsteigen angemeldet hat, immerhin

So sieht der Schiffsmaler die COSTA CONCORDIA Costa-Schornstein der 60er als Türgriff


Die Wand des Foyers zeigt gleich alle europäischen Fahrtgebiete

genug Zeit, um eine herzzerreißende

Arie zu schmettern. Dass seine Kollegen

es ihm gleichtun – bei freier Auswahl

des Musikstücks, versteht sich – erhöht

zwar nicht den Kunstgenuss, aber die

Lautstärke.

Über Nacht dampft die COSTA

CONCORDIA ihrem nächsten Ziel

entgegen: Palermo. Der Samstag Abend

an Bord gehört einer grandiosen Show

im Theater. Auch hier verleugnet die

italienische Schiffslady ihre Wurzeln

nicht: Alte Schlager von Rita Pavone

bilden mit Modernem einen urigen Mix,

dem vor allem eines innewohnt:

italienische Lebensart, „La dolce Vita“.

Entertainment-Muffel verbringen den

Abend an Deck und werden reich

belohnt. Der gut informierte Kapitän hat

einen Schlenker nach Backbord gemacht

– gerade querab der Bordwand hat der

Stopp an der malerischen Amalfi-Küste

Enge Gassen von Monreale


Kurz vor Mitternacht: Feuerspuckender Stromboli Malerisches Taormina Versteckte Winkel in Monreale

Stromboli anscheinend irgendwas zu

sich genommen, was ihm nicht

bekommen ist. Eine halbe Stunde vor

Mitternacht spuckt er es in einem

gespenstischen Feuerbogen in die Nacht.

Siziliens Hauptstadt scheint zu schlafen.

Das Hafengebäude gähnt vor Leere, der

Uniformierte an der Abfertigung vor

Müdigkeit. Die Strapazen einer langen

Nacht mit netten Signorinas stehen ihm

ins Gesicht geschrieben. Über das

Gesicht des Taxifahrers huscht ein

Lächeln, als er das Fahrtziel hört:

„Catacombe Cappuccini“. Wer eine

Kellerbar mit italienischem Milchkaffee

erwartet, sieht sich getäuscht. Die

„Gastgeber“ in dem Kapuzinerkeller

stehen seit mindestens hundert Jahren an

den Wänden aufgereiht. Dafür, dass es

sich sämtlich um Mumien handelt –

schön angekleidet und überwiegend gut

erhalten – haben sie erstaunlich

lebendige Gesichtsausdrücke, und ein

englisches Guidebook, das sie als „The

living dead“ bezeichnet, behält Recht.

Eines aber ist die schweigende

Gesellschaft von 8000 nach

Berufsständen geordneten Gesellen

nicht: gruselig.

Taormina für Fußgänger Die Gruftis von Palermo in den "Catacombe Capuccini" sind ein Querschnitt... ... durch die Kleidermode der Jahrhunderte


Wenn draußen Palermo zum Leben

erwacht, dann erfüllt es alle Klischees:

Laut und verkehrsreich, chaotisch und

manchmal auch kriminell geht es zu in

den engen Straßen. Aber auch

liebenswert und charmant. Das erlebt

zumindest der Passagier, der sich treiben

lässt, der auch jene engen Gassen

entdeckt, in denen spielende Kinder und

trocknende Wäsche das Bild bestimmen.

Ein Blick um die Ecke – eine winzige

Piazza, ein träge plätschernder Brunnen,

ein Café mit alten Männern beim

Kartenspiel. Hier gibt es Kaffee, so

stark, dass der Löffel darin senkrecht

steht, dazu einen Grappa, und die

Mandelplätzchen aus dem staubigen

Schaufenster werden ohne Aufforderung

serviert. Auch das ist Palermo.

Fun an Deck: die Wasserrutsche

Auf einem (fiktiven) Gemälde-Motiv im Foyer sitzt Costas Hausarchitekt Jo Farcus u.a. mit Leonardo da Vinci zu Tisch

Civitavecchia. Der Hafen von Rom.

Aber muss er sein, der Ganztagsausflug

mit den vielen Besichtigungen? Bisher

war kaum Zeit, die Annehmlichkeiten an

Bord zu genießen. Also lieber ein

Ausflug nach Bali. Mit einer

balinesischen Massage im „Samsara

Spa“ an Bord, einem der größten

Wellness-Tempel auf See. Eine

Bürstenbehandlung der Beine regt den

Kreislauf an, Räucherstäbchen den Geist.

Dazu gibt’s stilechten, grünen Tee. Das

Pooldeck mit seiner Wasserrutsche,

seiner Großbildleinwand und den Buffets

ist an so einem Hafentag leergefegt.

Selbst am Formel-Eins-Rennsimulator

keine Schlange; fünfzehn Minuten

Ferrari-Feeling gibt’s ohne Wartezeit.

Keiner, der sich dem Ausflug

verweigerte, hat es bereut. Am Abend:

Kurs Nordwest. Der Bug richtet sich auf

den Zielhafen Savona. Die Passagiere

merken es nicht. Die Abschiedsgala lässt

nicht an Ausschiffung und

Koffertransport denken. Heute ist noch

Urlaubsstimmung – und italienische

Leichtigkeit.

Hier geht's direkt zu Costa:

www.costakreuzfahrten.de

Infos zur Kapuzinergruft:

wikipedia.org/Kapuzinergruft(Palerm

o)

Geschichte von Costa Kreuzfahrten:

Costa Presseinformation

Details zur Blauen Grotte:

http://wikipedia.org/BlaueGrotte(Cap

ri)

Formel-1-Simulator an Deck An Bord fährt auch eine Kapelle mit

Relaxen im Samsara-Spa Lust auf Caffè Latte?


Der Flaggenmast weist nach Westen.

Hinter ihm das undurchdringliche

Dickicht des Dschungels. Und eine

Stadt, die es in sich hat, und die Dank

des Tourismus’ eine Reinkarnation

erlebte: Manaus. Das sagenhafte

Urwald-Mekka der Kautschuk-Barone

war der richtige Auftakt für eine

Südamerika-Kreuzfahrt: raus aus dem

Flugzeug und hinein ins pralle Leben!

Ins brodelnde Nebeneinander weißer

Villen des ausgehenden 19. Jahrhunderts

auf der einen und der Armut der

Straßenkinder auf der anderen Seite.

Was Südamerika ausmacht – auch hier,

tief im Dschungel – ist die Lebensfreude.

Selbst der Familienvater, der heute noch

überlegt, wie er morgen

seine Kinder satt bekommt, tanzt abends

in den Straßen. Dabei gibt es

erstaunliche Möglichkeiten, sein Geld zu

verdienen. Auf dem Markt gibt’s nicht

nur Maniküre (oder sagt man auch hier

schon Nail-Design?), Schneider und

Schuster, sondern auch einen

professionellen Formular-Ausfüller mit

klappriger Schreibmaschine. Neben ihm

ein Passfotograf mit einer uralten

Balgen-Kamera. Wahrscheinlich

stammen all diese Utensilien aus der

Blütezeit der Stadt. Jener Zeit, als das

pompöse Opernhaus gebaut und die

Pariser Markthallen kopiert wurden. In

Paris sind sie längst verschwunden. In

Manaus stehen sie noch. Die Bauten

bilden einen grotesken Fremdkörper in

diesem mörderischen Klima mitten im

Urwald. Zwar schaffen die schmucken

Gründerzeit-Villen, z.T. von Deutschen

errichtet, ein wenig Vertrautheit in dieser

fremden Welt, wollen aber nicht so recht

zu den Mangobäumen rechts und links

der Alleen passen.

Langsam tastet sich der Bug der

DELPHIN aus dem Hafen. Einem

Binnenhafen, zweieinhalbtausend

Kilometer vom Meer entfernt. Am

Amazonas. Vorbei sind zwar die Zeiten,

als man in Schlauchbooten tragbare

Echolote vorausschicken musste, weil es

für Schiffe dieser Größe keine

verlässlichen Daten des eigenwilligen

Flusses gab, doch Vorsicht ist auf der

Kommando-Brücke immer noch

geboten. Das Wasser, von dem etwa 190

Tonnen pro Sekunde ostwärts rollen,

bringt Sand und Sedimente mit. Dort, wo

die DELPHIN gestern noch gefahren ist,

könnte heute eine Sandbank sein. Ihre

Lage kennt nur der einheimische Lotse.

Der kleine, drahtige Südamerikaner,

dessen riesige Nase von einer blauen

Mütze beschirmt wird, braucht dazu

keine Navigationsgeräte. Er sieht am

Kräuseln der Wellen, wo die tückischen

Untiefen heute lauern.

Immer wieder sieht man an den Ufern

Holzhäuser, einen Steg, ein Boot,

Wäsche im Wind. Das ist der

Unterschied zwischen dem Oberlauf des

Amazonas’ und der Strecke unterhalb

von Manaus: Einst holte die Regierung

mit einem Programm „Land ohne

Menschen für Menschen ohne Land“

Brasilianer hierher, die einen Kilometer

Land am Ufer bekamen, um sich dort

Typisches Holzdorf am Ufer Kontaktfreudige Jugend Open-Air-Friseurgeschäft


"Natural Viagra" hat der Medizinmann

niederzulassen. Die gut gedachte

Initiative brachte jedoch eine völlige

Zersiedlung des Landes mit sich. Eine

Infrastruktur zu schaffen, ist für diese

Gebiete kaum noch möglich. Kinder, die

hier leben, haben spätestens zur

Einschulung ihr erstes Boot. Sie

brauchen es schlicht für den Schulweg.

Der kann in vielen Fällen drei Stunden

Paddeln bedeuten: Sportunterricht

inklusive sozusagen. Die Anfangs- und

Endzeiten des Unterrichts richten sich

allein nach den Gezeiten. Gegen die

Strömung kämen die Kleinen mit

Muskelkraft nicht an. Bei Flut fließt der

Amazonas hier mit 40 Kilometern pro

Stunde stromaufwärts!

Reisemöglichkeiten haben diese

Menschen kaum. Ihre Produkte (auch

heute noch ist Naturkautschuk gefragt)

geben sie Schiffen mit, die regelmäßig

vorbeikommen, und wo sie etwas

einkaufen können. Ansonsten sind sie

Selbstversorger.

Boca de Valeria liegt an einem

Seitenarm des Amazonas. Mit den

bordeigenen Zodiacs wird es erreicht.

Unter Urwaldriesen entlang, wo erste

romantische Vorstellungen enttäuscht

werden. Etwa jene, dass einem bunte

Papageien hier nur so um den Kopf

schwirren. Flora und Fauna haben sich

ideal den Lebensbedingungen angepasst

- aber die sind keineswegs so rosig, wie

man annehmen könnte. Eine nur fünf bis

acht Zentimeter starke Humusschicht

etwa macht die Nutzung des Bodens für

landwirtschaftliche Zwecke beinahe

unmöglich. Auch die Besiedlung durch

Tiere (immerhin gibt es 15 000 Arten,

von denen in unseren Breiten 8 000

unbekannt sind) ist eher mager: Die

Maßeinheit „34 kg Tiere pro Hektar“

Wer keinen Billardtisch hat, baut sich einen

ist zwar gewöhnungsbedürftig, zeigt

aber, wie einsam der Regenwald letztlich

ist. Auch die Aussicht, mit „echten“

Indios in Kontakt zu kommen, wird im

Keim erstickt. Rund 300 Stämme gibt es

noch, aber die bekommt kein Besucher

zu sehen. Was wir treffen, ist

Mischbevölkerung. Übrigens sind diese

Menschen gegen die Malaria, die hier

häufig vorkommt, keineswegs immun:

Drei Viertel von ihnen sind infiziert und

leiden unter regelmäßigen Anfällen.

Deshalb ziehen viele Akademiker, etwa

Lehrer oder Ärzte, das

Arbeitslosen-Dasein in den Städten einer

Betätigung auf dem Lande vor. Dabei

wäre dies, gerade im schulischen

Bereich, bitter nötig. Kaum ein anderes

Land hat eine so junge Bevölkerung wie

Brasilien: Die Hälfte der Einwohner ist

unter 18 Jahre alt! Bei irrsinnigen

Bankzinsen von über 70% und einer

noch höheren Inflation sind die Chancen

Verladung von Tropenhölzern im Hafen

dieser jungen Menschen, das bisschen Land, das ihre

Eltern haben, auf die Dauer zu halten,

eher schlecht. Früher oder später

übernehmen es die Banken und

verkaufen es an Großgrundbesitzer. Die

roden und lassen Rinder dort weiden -

für amerikanische Fastfoodketten. Dabei

ernähren zwei Hektar Land nur drei

Rinder, womit man wieder beim

Problem der schlechten Bodenqualität

angelangt ist. All diese Umstände

werden den Passagieren bereits an Bord

in guten Lektoraten vermittelt.

Mit diesem Hintergrundwissen

betrachtet man die Bewohner, die den

steilen Bergweg hinauf nach Boca de

Valeria säumen, aus einem anderen

Blickwinkel. Seit gelegentlich

Kreuzfahrtschiffe hier ausbooten, gibt es

für das Dorf eine neue Perspektive. Und


Pfahlbauten schützen vorm Tidenhub Neugierige kleine Einheimische Wohnen am Fluss

dem Eindruck, dass die Dorfkinder

ständig mit einer indianischen

Federtracht herumliefen, gibt sich

niemand hin. Ein Dollar für’s Foto wird

gern genommen. Wer hinter die Kulissen

schauen will, spaziert fernab von den

Mitpassagieren über den sandigen

Dorfplatz, schaut in Häuser und beginnt,

wenn möglich, ein Gespräch. Zum

Beispiel mit den Jugendlichen, die in

einer Apfelsinenkiste einen

Mini-Billardtisch improvisiert haben. Sie

sind gut informiert; Satellitenfernsehen

gibt es auch hier. Freilich ist das Abbild

der Welt, das sie dort sehen, von ihrer

eigenen so verschieden wie nur möglich.

In Santarém wartet eine typische,

südamerikanische Stadt mittlerer Größe,

mit der Kirche als Mittelpunkt, der Platz

davor mit tausenden kleiner Fähnchen

geschmückt. Irgend ein Grund für Fiesta

findet sich immer. Dann tönen auch aus

dem Gotteshaus heiße Samba-Rhythmen.

In Alter do Chao haben Kreuzfahrer seit

über zwanzig Jahren nur ein Ziel: Den

schneeweißen Sandstrand. Hier kann

man im Amazonas baden. Und um mit

einer Mär gleich aufzuräumen: Piranhas

trifft man im Amazonas so oft wie Haie

im Atlantik. Man sollte wissen, welche

Strömungsverhältnisse sie bevorzugen

und wo sie sind - hier jedenfalls nicht.

Unvorstellbare 300 Kilometer weitet sich

der Amazonas in seinem Mündungsdelta

aus und spuckt weithin sichtbar sein

lehmig-weißes Wasser in die blaue See.

Die lehmig-trübe Färbung des

Weißwassers ist 400 km in den Atlantik

hinein sichtbar. Eine große Insel liegt

inmitten des Gewirrs kleinster

Wasserstraßen. Das vorsichtige

Manövrieren durch diese Breves-Kanäle,

die das Mündungsgebiet bilden, wird

von -zig kleinen Booten begleitet.

Obwohl ein Kreuzfahrtschiff hier kein

ungewohnter Anblick ist, rücken sie

doch aus, um den großen, weißen

Schwan zwischen den vielen hölzernen

Linienschiffen zu bestaunen, mit denen

man für ein paar Dollar (bei hiesigen

Verhältnissen allerdings leicht ein

Monatseinkommen) die Strecke nach

Manaus auch befahren könnte - in

Hängematten-Unterkünften, versteht

sich. Der Unterlauf des Amazonas ist

geprägt von der Tide, die bei Flut das

abfließende Wasser im Flusslauf aufstaut

und eine Flutwelle 800 km den Strom

hinauf treibt. Ansiedlungen gibt es

wenige, immer wieder sieht man

einzelne Hütten, die sich an das

undurchdringliche, grüne Dickicht

schmiegen, das nur mit erfahrenen

Begleitern und einem Buschmesser zu

bezwingen ist. Diese Hütten sind nur

vom Fluss aus erreichbar.

Einziges Verkehrsmittel: das Boot

Nachwuchsschönheit in Boca de Valeria Passage der Stadt Parintins


Runde 1700 km Fahrt auf dem

Amazonas, dem mächtigsten Strom der

Erde, hat ein Kreuzfahrer hinter sich,

wenn er die Urwaldmetropole Manaus

erreicht. Am Hafen zieht sich eine

architektonische Meisterleistung entlang

– ein über 1300 Meter langer,

schwimmender Anleger, der den

Pegelunterschieden bis zu 14 Meter

folgt. An einer Skala lassen sich die

unterschiedlichen Pegel ablesen.

Mitten im Urwald

Manaus liegt am Zusammenfluss der

Flüsse Solimões und Rio Negro, die sich

hier zum Amazonas vereinen. Mit

unterschiedlicher Fließgeschwindigkeit

und unterschiedlichen Temperaturen (der

lehmig-weiße Solimões reflektiert das

Sonnenlicht, während der schwarze Rio

Negro es absorbiert) treffen die beiden

Wasser aufeinander, so dass sie über

zehn Kilometer nebeneinander

herfließen, ohne sich zu vermischen.

„Meeting Of Waters“ oder „Die

Besuch auf dem Fleischmarkt Zeitungsverkäufer am Opernhaus

Hochzeit der Flüsse“ wird dieser Effekt

auch genannt.

Die Menge der Wassermassen, die der

Amazonas transportiert, ist schwer

vorstellbar; einen Eindruck ergibt

vielleicht folgendes Bild: Um den

leergepumpten Bodensee wieder mit

Wasser zu füllen, würde der Amazonas

nur zwei Tage brauchen, während der

Rhein bei Schaffhausen dafür ganze

sieben Jahre benötigt. Dabei liegt

Manaus nur 92 Meter über Normal-Null.

Dieser Höhenunterschied ist das ganze

Gefälle auf einer Länge von 1700

Metern. Die Fließgeschwindigkeit ist

deshalb recht niedrig.

Manaus ist auf dem Landwege nur über

eine häufig verschlammte und dadurch

unpassierbare Urwaldpiste zu erreichen.

Seine Verkehrsverbindung ist der Fluss

und – seit 1967 – der internationale

Flughafen. Schiffsverbindungen mit

hölzernen Linienschiffen führen den

Fluss auf- und abwärts. Auf den offenen

Decks bieten Hängematten den

Passagieren ein Ruheplätzchen für die

mehrtägige Reise. Mit etwa 60

US-Dollar kostet eine Fahrt nach

Laeticia (Kolumbien) oder Santarém (auf

dem halben Wege zu Mündung) etwa

den halben Jahreslohn eines armen

Bauern Amazoniens.

Aufstieg und Fall in 25 Jahren

Wohl keine Stadt der Welt hat einen

solchen Aufstieg hinter sich.

„Kometenhaft“ wird er oft genannt, ohne

zu vergessen, dass zu einem Kometen

auch das rasche Verglühen gehört. Als

portugiesisches Fort wurde Manaus


1669 erwähnt. Im 18. Jahrhundert zählte

man nicht mehr als 300 Einwohner, und

erst in der ersten Hälfte des 19.

Jahrhunderts gab es blutige Aufstände

von Soldaten in dem Städtchen, dessen

indianischer Name übersetzt „Mutter

Gottes“ heißt, und das inzwischen zum

Kaiserreich Brasilien gehörte.

1848 bekam Manaus Stadtrechte, und ab

1866 war ein lebhafter Handel erlaubt,

der viele Ausländer in die Stadt brachte,

deren Einwohnerschaft bis dahin in

erster Linie Indianer und nur rund ein

Sechstel Weiße ausmachte. Mit dem

Handel kamen erste Wirtschaftserfolge

in den Urwald, und so erweiterten

internationale Schifffahrtslinien ihre

Routen bis nach Manaus. Um 1880

verbanden regelmäßige Linien Manaus

mit New York und Liverpool. 1884

wurde die Sklaverei in der Stadt

abgeschafft.

Gummilöwen

Aber den märchenhaften Boom brachte

der Stadt ein weißer Saft, den Jesuiten

um 1700 bei den Indianern entdeckten.

Sie gewannen ihn aus dem „weinenden

Baum“ und vermochten ihn in einem

Räucherverfahren zu Gummi zu

verarbeiten. Nachdem dieses Verfahren

weißen Kaufleuten bekannt wurde und

sie zudem verstanden, welche

Möglichkeiten das neue Material für

Technik und Industrie schaffen würde,

kommerzialisierte man das Sammeln und

Verarbeiten von Kautschuk. Obwohl das

Verfahren aufwändig war (die Gebiete,

in denen die Bäume standen, waren

weitläufig) machten Händler riesige

Gewinne.

Das berühmte Opernhaus wurde aufwändig renoviert und erstrahlt in neuem altem Glanz

Manaus wurde zu einer Art

Urwaldparadies, in dem für die

Oberschicht Milch und Honig flossen.

Der Reichtum ist nur mit dem der

heutigen Ölstaaten zu vergleichen. Geld

spielte keine Rolle. Mitten im Dschungel

entstand Brasiliens modernste Stadt, die

als einzige über elektrische

Straßenbeleuchtung, Frisch- und

Abwassersystem und eine Straßenbahn

verfügte. Man baute das sagenhafte

Teatro Amazonas, für das die Baustoffe

samt und sonders aus Europa verschifft

wurden: Carrara-Marmor, böhmisches

Kristall, Deckenfliesen aus Deutschland.

Man orientierte sich vornehmlich an

Paris, baute die dortigen Markthallen

nach (die es in Paris schon lange nicht

mehr gibt), aber auch ein kleiner „Big

Ben“ durfte nicht fehlen.

Dabei wurden die Wurzeln zum

Niedergang schon gelegt, als Manaus

noch im Aufbau war. Schon 1874

schmuggelte ein Engländer den

Kautschuk-Samen nach Malaysia, wo

man Plantagen anlegen und das

wertvolle Material für einen Spottpreis

gewinnen konnte – verglichen mit dem

mühsamen Verfahren im brasilianischen

Regenwald. 1896 wurde das Teatro

Amazonas eröffnet, und bereits 1909

schloss es wieder. Der Geldsegen war

Anfang des 20. Jahrhunderts abrupt zu

Ende, als Manaus die Konkurrenz aus

Fernost spürte.

Das moderne Manaus

Die Stadt ist aus ihrem

Dornröschenschlaf wieder erwacht. Ein

Spaziergang durch Manaus zeigt heute

eine typische südamerikanische

Großstadt, die aber immer noch viel

europäisches Flair hat. Die Bauten aus

der Zeit, als Paris in den Regenwald

kopiert wurde, geben der Stadt noch

immer eine besondere Atmosphäre. Die

steht natürlich im krassen Gegensatz zu

Hupkonzerten, Autoverkehr, schlafenden

Bettlern und bettelnden Kindern sowie

zur „Privatisierung der Sozialhilfe“ à la

Brasilien: Dem Taschendiebstahl.

Ende der 60er Jahre wurde Manaus zur

Freihandelszone erklärt, um den Handel

in den Dschungel zurückzubringen.

Seitdem kauft man Luxusprodukte

ungewöhnlich günstig ein.

Regierungsprogramme für Arbeit kamen

hinzu. Diese Programme allerdings

kämpfen gegen die Windmühlenflügel

der Landflucht an. Noch 1960 hatte die

Stadt rund 340 000 Einwohner. Heute,

keine 50 Jahre später, sind es rund 1,6

Millionen.

Die Landstriche am Unterlauf des

Amazonas’ sind stark zersiedelt. Das

rührt in erster Linie von einem gut

gemeinten Programm der Regierung mit

dem Namen „Land ohne Menschen für

Menschen ohne Land“. Jeder Brasilianer

hatte die Möglichkeit, einen Kilometer

Land am Amazonas zu bekommen und

für sich zu nutzen. Dadurch gibt es am

Unterlauf kaum Dörfer, und die Kinder

müssen in eigenen Booten oft drei

Stunden lange Wege zur Schule in Kauf

nehmen. Die Menschen sind hier

allerdings das Reisen gewohnt, während

sie oberhalb von Manaus in dörflichen

Gemeinschaften leben, die zweimal im

Jahr von einem Arzt besucht werden.

Beide Gruppen versprechen sich von

Manaus eine Verbesserung der

Lebensqualität. Dieser Wunschtraum

endet freilich nicht selten in der Gosse,

in Armut, Bettelei und Prostitution. Die


Das Haus des deutschen Kautschuk-Barons Waldemar Scholz

Hemmschwelle ist niedrig bei

Menschen, in deren Dörfern sog.

„Pistoleros“ das Sagen haben, die von

der zuständigen Polizei das Recht auf

Waffengewalt erkauft haben und davon

rücksichtslos Gebrauch machen.

Wirtschaftserfolg

Manaus blüht wieder. Touristen kommen

ins Land; sie kommen per

Kreuzfahrtschiff oder nutzen Manaus als

Basis für ein- oder mehrtägige Ausflüge

in den Dschungel. Auch Abenteuer-

Kreuzfahrten auf einheimischen Schiffen

gibt es, zum Teil zu luxuriösen Yachten

mit 10-15 Passagieren ausgebaut.

Einige der zuwandernden Landbewohner

haben Erfolg. Sie verdingen sich als

Schuhputzer, verkaufen selbst

hergestelltes Gebäck, sind geschickt als

Fischer oder eröffnen ein

Open-Air-Maniküre-Studio auf dem

Markt. So unrecht haben sie letztlich

nicht, diejenigen, die ihr Glück in der

Stadt suchen. Die Kindersterblichkeit

liegt hier, wo es staatliche

Krankenhäuser gibt, die jedem

Brasilianer offen stehen, bei 2,2%. Die

Analphabetenquote beträgt 3,3%. Für

Brasilien durchaus annehmbare Werte.

Für Kreuzfahrer sind die brasilianischen

Juweliere ein Wirtschaftsfaktor, auf den

man früher oder später treffen wird.

Hans Stern und Amsterdam Sauer sind

auch hier vertreten. Die rührigen

Edelsteinhändler bieten nicht nur ihre

Waren an, sondern offerieren auch

touristische Dienstleistungen zum

Nulltarif. Wer mit dem Taxi von Stern

zum Opernhaus gefahren ist, so rechnet

man, der wird auch einem Abstecher in

eine schicke Hotel-Anlage nicht

abgeneigt sein. In der dortigen

Stern-Vertretung findet er

Gesprächspartner, die Deutsch sprechen,

und natürlich auch manches schöne

Schmuckstück. Die Preise sind günstig,

und man braucht nicht zu befürchten,

dass man über’s Ohr gehauen wird. Nur

Vorsicht: südamerikanische

Schmuckstücke sind sehr bunt. In der

Urwald-Aura zwischen Papageien und

bunter Kleidung wirkt das durchaus

adäquat. Zurück in Deutschland wirkt

mancher Tausend-Dollar-Ring, als

stamme er aus dem

Kaugummi-Automaten. Entweder beim

Aussuchen die rosarote Brille abnehmen

oder auf Spontan-Käufe verzichten.

Auch das nehmen Stern & Co. klaglos

hin.

Manaus für Kreuzfahrer

Ein Tag in Manaus – manchmal nur ein

halber – da bleibt wenig Zeit. Zu wenig

für eine Stadt, die aus 222 Stadtteilen

besteht, und die man eigentlich einmal

ohne und einmal mit Kamera erkunden

müsste. In manchen Ecken ist die teure

Spiegelreflex einfach nicht ratsam. Dass

Beschwerliches Einsteigen auf den "Linienschiffen" 222 Stadtteile hat Manaus Fröhlichkeit und Feierlaune auf den Straßen


die Klunker an Bord bleiben (und zwar

alle!), versteht sich wohl von selbst.

Jeans, verwaschenes T-Shirt,

Turnschuhe oder Sandalen, eine

einheimische Zeitung unterm Arm,

flotter Marsch durch die Straßen – so

bieten Sie der Straßenkriminalität wenig

Angriffsfläche, wenn nicht ausgerechnet

Sie das Überleben einer Großfamilie

bezahlen wollen.

Natürlich gibt es (gast)freundliche Leute

in Manaus. Zum Beispiel in den

Markthallen. Wer Handel treibt, hat

einen gewissen Stolz. Und ob er nun den

größten Fisch gefangen hat oder nicht,

der Händler posiert willig für ein Foto.

Ebenso die bildhübschen Mädchen, nach

unserem Verständnis reif für die höhere

Schule, nach hiesiger Rechnung

durchaus im heiratsfähigen Alter,

schmeißen sich dem blonden Europäer

für ein Foto an die Brust (wobei nicht

auszuschließen ist, dass ihr Bruder ihm

derweil die Brieftasche klaut). Kommt

man in fünf Jahren wieder, haben sie

vielleicht schon die 4,7 Kinder, die eine

brasilianische Familie durchschnittlich

bekommt.

Natürlich darf man das Teatro Amazonas

nicht auslassen. Nachdem es 1987 und

1990 renoviert wurde, strahlt es in altem

Glanz, und seine Bühne wird wieder

bespielt. Eine Opernaufführung ist

seitdem ein noch größerer Genuss als in

vergangenen Tagen, denn es wurde bei

der Modernisierung eine Klimaanlage

hinzugefügt. Wie man einst in

Abendkleidung das mörderische Klima

aushielt (Manaus liegt 3° südlich vom

Äquator und kennt keinen Wechsel

zwischen Sommer und Winter), bleibt

dem Besucher von heute ein Rätsel.

Tagsüber wird das Opernhaus für

Besuchergruppen geöffnet. Gleich

daneben liegt – ebenfalls ein

beeindruckendes Gebäude aus der

Gründerzeit – der Justizpalast.

Noch ein Anziehungspunkt ist das

Schloss des deutschen Kautschukbarons

Waldemar Scholz. Es gibt sehr

realistisch die Maßlosigkeit wieder, die

unter den reichen Urwaldkönigen um

sich gegriffen hatte. Der Besitzer

verbrachte just die goldenen Jahre in

Manaus, das er als armer Mann erreichte

und auch als solcher wieder verließ.

Heute beherbergt das „Palácio Rio

Negro“ genannte Gebäude ein

Kulturzentrum. Ein Blick über den

Garten hinaus lohnt sich: In Sichtweite

zieht sich eines der Elendsviertel

Aufwändig bemalte Decken im Opernhaus Der große Theatersaal des Opernhauses

So nahe liegen Arm und Reich in

Manaus beieinander.

Weitere Sehenswürdigkeiten

Alfândega – altes Zollgebäude am

Hafen, das mit zur genialen Konstruktion

des Hafens mit seinen schwimmenden

Anlegern gehört.

Museu de Ciências Naturais da

Amazônia – Naturkundemuseum mit

Fischen, Insekten und anderen Arten

(außerhalb der Stadt).

Museu do Homem do Norte – Sammlung

von über 4000 Alltagsgegenständen und

Kulturobjekten indianischen Lebens.

Kleine Linienschiffe fahren stromaufwärts Seeschiffe aller Größen erreichen Manaus Armutsviertel und Bauruinen allenthalben


Wahre Schönheit kennt kein Alter

Das einzige, was fehlte, waren die

Geburtstagskerzen. Es gab eine riesige

Schokoladentorte von mindestens zwei

Tischlängen, feinsten Champagner aus

einer 30-Liter-Magnumflasche, ein

Feuerwerk wie zum Hafengeburtstag und

über 500 geladene namhafte Gäste, die

persönlich ihre Glückwünsche

übermitteln wollten.

Welches Geburtstagskind kann schon

behaupten, es würde eine derartige Feier

zu seinem 10. Jahrestag erleben? Wohl

nur einer „jungen Dame“ wurde diese

besondere Ehre zuteil: der MS

EUROPA, Flaggschiff von Hamburgs

Luxusreederei

Hapag-Lloyd-Kreuzfahrten, die am 21.

September 2009 ihr Jubiläum

standesgemäß mit einer exklusiven

Mini-Kreuzfahrt durch den Hafen der

Stadt feierte.

Bekam zum Geburtstag Rosenblätter, Champagner und 5 Sterne: MS EUROPA


Anstelle von Geburtstagskerzen gab es

bunt beleuchtete Gasluftballons, die des

Nachts in den Himmel stiegen, anstelle

eines Blumenstraußes regnete es 2000

weiße Rosenblätter aus einem

Helikopter, und anstelle eines

traditionellen Tanzes präsentierten die

Stilvolle Party auf allen Decks

Tuckerboote vor Övelgönne eine

Balletteinlage zum Wiener Walzer.

Noch nie hat ein Schiff in der Hafenstadt

seinen Jahrestag mit so vielen

Überraschungen, Luxus und

Komplimenten zelebriert. Man wird ja

schließlich auch nur einmal im Leben

10.

Allerdings „Nicht 10 Jahre alt, sondern

10 Jahre jung“, so lautete zumindest das

Motto, unter dem die einzigartige Party

stand. Und obwohl 10 in Schiffsjahren

noch kein Alter ist, hat es sich die

EUROPA nicht nehmen lassen, vor

ihrem großen Tag noch die eine oder

andere Alterserscheinung zu beseitigen.

Während eines straffen 12-tägigen

Wellness-Aufenthalts im

Trockendock-Resort der Schiffswerft

Blohm + Voss genoss sie ein

All-Inclusive-Pflegeprogramm der

besonderen Art: Zunächst wurden

12.000m² ihrer Haut mit einem

Permanent-Make-Up aus 4.000 Litern

Farbe versehen, um einige mindere

Fältchen und Unebenheiten zu

beseitigen, die sich nach 663.797

Seemeilen (=31 Weltumrundungen)

eingeschlichen hatten. Anschließend

unterzog sie ihre Teakholz-Fassade

einem aufwändigen Abschliff-Peeling

und ließ ihr Innenleben, d.h. ihre 188

Suiten und 10 Penthouses komplett

liften, straffen und überholen. Zu guter

Letzt passte sie ihre Garderobe noch mit

5.000m² schickem Teppich dem Anlass

an und ließ sich, wie es einer Dame

gebührt, mit einer schmucken 270m

Neu gestaltet: der Spa-Bereich

Ankerkette ausstatten.

Derart erholt und überholt war die „alte

Jungfer“ fast taggenau 10 Jahre nach

ihrer Jungfernfahrt kaum

wiederzuerkennen. Sie feierte mit ihren

Gästen ausgelassen bis spät in die Nacht

und glänzte mit ihren gastgeberischen

Fähigkeiten – gleich fünf Hamburger

Gourmetrestaurants verwöhnten die

illustre Geburtstagsgesellschaft an

diesem Abend. Das beste Geschenk kam

jedoch zum Schluss: Das zehnte Jahr in

Folge wurde die MS Europa vom Berlitz

Cruise Guide in der Person von Douglas

Ward als bestes Schiff mit der Kategorie

„5 Sterne plus“ ausgezeichnet.

Zünftige Shanties begleiten die EUROPA Die EUROPA passiert die Köhlbrandbrücke Die Taufpatin schneidet mit Sebastian Ahrens die Torte an


Passage von Louis C. Jacob an der Elbchaussee: Bettlakenwinken für die Jubilarin EUROPA

Feuerwerk am Schwimmdock von Blohm & Voss

Und dabei fand der Schiffskritiker nicht

nur lobende Worte für das blendende

Äußere, sondern vor allem für das Innere

des Schiffes, die „Software“: den

Service, die Freundlichkeit und

Familiarität an Bord. Dies beweist

einmal mehr, dass es auch bei

Kreuzfahrtschiffen nicht nur auf das

Äußere ankommt. Bleibt abzuwarten,

was passiert, wenn die EUROPA ihre

Volljährigkeit erreicht...

Bootsballett für eine Luxuslady Die Sonne ging, 5 Sterne kamen...

Feuerwerk über den Landungsbrücken


Newcastle – für deutsche Touristen ist

die Provinz-Hauptstadt in Englands

Mittelosten Ausgangspunkt für Reisen in

die Umgebung: ins historische

Universitätsstädtchen Durham, zum

Museumshafen von Hartlepool oder dem

Hadrians-Wall. Zahlreiche andere

Besucher haben gar nicht England,

sondern das nahe Schottland zum Ziel.

Seit der Indienststellung der KING OF

SCANDINAVIA haben aber auch

dreitägige Mini-Cruises einen ganz

besonderen Reiz.

„Königliches“ Schiff

Die meisten Könige werden erst im

Erwachsenenalter gekrönt. So auch die

KING OF SCANDINAVIA. Ehe der in

der DFDS-Flotte junge Spross royalen

Freuden entgegensah, hatte er bereits

zwanzig Dienstjahre als VAL DE

LOIRE auf dem Buckel. Gleichwohl tut

die Krönung der einst französischen

Schiffslady zum skandinavischen König

der Flotte von DFDS durchaus gut.

Erfahrene Passagiere erleben ein überaus

gepflegtes Schiff, das zu ihrer

Überraschung ein wenig vom Interieur

bekannter DFDS-Fähren abweicht. Der

französische Einschlag ist unverkennbar,

und der Blick auf die überaus

geschmackvollen Bilder an den Wänden

lässt die leise Hoffnung aufkeimen, dass

sich die von DFDS angekündigte

Totalrenovierung im nächsten Jahr noch

etwas hinziehen möge. Zumindest für

echte Schiffsliebhaber hat sich die

Passage ob der einmalig schönen

Modelle (Maßstab 1:100) von QUEEN

MARY, BREMEN, LIBERTÉ und

FRANCE schon gelohnt, die als

Blickfang in den großzügigen Foyers

stehen. In Vitrinen und Wandrahmen

erinnern antikes Navigationsbesteck und

historische Logbuchauszüge an die

christliche Seefahrt vergangener Tage.

Leinen los!

Ijmuiden verschwindet achteraus; die

KING OF SCANDINAVIA hat sich mit

der Kraft eigener Seitenstrahlruder aus

dem engen Hafen gekämpft. Der Blick

auf die Außendecks, an denen der

vierwöchige Werftaufenthalt spurlos

vorübergegangen ist, hinterlässt weniger

gute Eindrücke. Der stumme Schrei nach

Farbe und Rostschutz ist unverkennbar.

Dennoch freut man sich über die offene

Seitenpromenade und die vielen

einzelnen, durch Treppen verbun-

denen Decks, die noch Tuchfühlung mit

den Naturelementen zulassen.

15 Stunden braucht die KING OF

SCANDINAVIA, um mit

west-nordwestlichem Kurs die

Tyne-Mündung zu erreichen. Die

Hinfahrt freut die Passagiere, die durch

die Zeitverschiebung eine Stunde

geschenkt bekommen. Da bleibt genug

Zeit, um in der Show-Lounge (eine

klassische, ein Deck hohe Lounge mit

Tanzparkett) die professionell gestaltete

Tanzshow zu genießen. Ein 15köpfiges

Entertainment-Team geht stets mit auf

die Reise. Zwei kurze Blöcke von je

zwanzig Minuten und ein wenig

Animation füllen den Abend, der hier

um 22.00 Uhr beginnt, wenn die

Bordshops schließen. Für viele

Passagiere geht’s anschließend ins neu

eingebaute Casino oder in die Disco


In der Markthalle gibt's ein zweites Frühstück Brücken beherrschen das Stadtbild von Newcastle Wer will, kann sich mit Alkoholvorräten eindecken

Newscastle voraus carte-Frühstück zu verbringen. Dennoch

Wer lieber früh aufsteht, hat

Gelegenheit, die geschenkte Stunde im

„Blue-Riband“-Restaurant beim à-la-

Newcastler Baustil: Very British!

sollte man mit den britischen

Frühstücksleckereien – Rührei, Speck,

Würstchen, Porridge und noch ein

Dutzend weitere Spezialitäten, die man

auf dem Kontinent vergeblich sucht –

rechtzeitig fertig sein, denn die

Revierfahrt auf dem Tyne lohnt einen

Besuch an Deck. Mit einem Typhongruß

läuft die KING OF SCANDINAVIA in

die enge Flussmündung ein und folgt

dem Verlauf des gewundenen Flussbetts.

Schiffsliebhaber sehen vor ihrem

geistigen Auge die Werften an den Ufern

wieder auferstehen, einundzwanzig an

der Zahl. Die letzte lag über zehn Meilen

vom offenen Meer entfernt. So berühmte

Schiffe wie MAURETANIA und

AQUITANIA entstanden hier am Tyne,

aber auch die schwedische

GRIPSHOLM von 1925. Die Mehrzahl

der Betriebe, die so klangvolle Namen

wie Walker Naval Yard und Swan

Hunter trugen, existiert heute nicht mehr.

Wer aber bei der Fahrt zum Liegeplatz

der KING OF SCANDINAVIA das

anschaulich gestaltete Buch „Lost

Shipyards Of The

Tyne“ in Händen hält, glaubt durchaus,

den Lärm von Hämmern und Nieten

noch zu hören.

Vom DFDS-Anleger ist das offene Meer

nicht mehr zu sehen. Kapitän Larsen

bringt die Fähre sicher an die Pier. Bis in

die Innenstadt von Newcastle dauert der

Bustransfer rund eine halbe Stunde. Vom

Hauptbahnhof aus wird die Hauptstadt

des alten Königreiches Northumbria

erkundet.

Typisch England

Die Mini-Cruise-Passagiere haben sich

als Ziel eine typisch englische Stadt

ausgesucht: uralte, steinerne Kirchen aus

dem 12. Jahrhundert stehen zwischen

den klobigen Wohnhäusern, deren

Antlitz stets von einem

überdimensionalen Kamin beherrscht

wird. Die Fassaden der Stadthäuser

bilden in vielen Straßenzügen ein

harmonisches Bild aus hellem Sandstein,

wie man ihn hier in der zweiten Hälfte

des 19. Jahrhunderts verbaute. In der

City wartet eine alte Markthalle mit

eiserner Dachkonstruktion darauf,

werden. Ein Blick in die einzelnen

Läden lohnt sich, findet man doch

manches Angebot, das man sich in

Deutschland nicht (mehr) träumen ließe:

Da gibt es noch eine historische

Wiegestube, wo jeder für zehn Pence auf

riesigen Waagen das Gewicht von

Waren, Paketen, Kind, Hund oder sich

selbst bestimmen lassen kann. Offenbar

sind Personenwaagen nicht sehr

verbreitet in Großbritannien; und selbst,

dass jeder Schaulustige das Gewicht von

kleinen und großen, dicken und dünnen

Engländern auf der überdimensionalen

Skala ablesen kann, scheint niemanden

zu stören. Man erträgt neugierige Blicke

mit britischer Gelassenheit.

Was vollmundig als „Chinatown“

angekündigt wurde, ist letztlich nur ein

wenig attraktiver Straßenzug, und

„vollmundig“ allenfalls eine Hommage

an die hier ansässige chinesische

Gastronomie. Die Suche nach einem

Mittagessen, das gegen die

Reichhaltigkeit des Buffets an Bord

nicht absticht, ist hier aber erfolgreich:

Für fünf Pfund gibt’s ein China-Buffet,

soweit das Auge reicht.


Hypermoderne hydraulische Brücke

Diese Technik bewegt die Brücke

Historisches Gegenstück zur neuen Brücke

Stadt der Brücken

Der Besuch in Newcastle wäre nicht

vollständig, vergäße man den

Spaziergang am Tyne-Ufer. Die ins

hügelige Auf und Ab der Stadt

eingebetteten Straßen fallen steil zum

Flusslauf ab; man passiert ein Denkmal

für Queen Victoria und sieht am

Wegesrand das Gebäude, in dem

Thomas Cook 1875 sein erstes

Reisebüro eröffnete.

Newcastle ist die Stadt der Brücken.

Vier Querungen des Tyne sieht man auf

den ersten Blick. Unter der Hochbrücke,

die exakt zwischen die Hausdächer

eingepasst zu sein scheint, liegt eine

putzige Drehbrücke mit einem weißroten

Türmchen, die im 19. Jahrhundert dafür

sorgte, dass der Straßen- und der

Schiffsverkehr abwechselnd fließen

können. Fest vertäut liegt die TUXEDO

PRINCESS, ein ausrangiertes Schiff, das

jetzt abendlichen Vergnügungen dient.

Die Kulturszene hat sich jedoch weiter

am gegenüber liegenden Ufer

ausgebreitet: In einer futuristisch

anmutenden Glashülle lockt das

Konzerthaus zu großen

Opernaufführungen und musikalischen

Events, während im alten Speicher der

„Baltic Flour Mills“ Kunstausstellungen

gastieren. Dadurch wurde mit Blick auf

das 21. Jahrhundert eine weitere Brücke

notwendig: die Aufsehen erregende

„Millennium-Bridge“ für Fußgänger.

Wer Glück hat, erlebt sogar das

Spektakel der Brückenöffnung, wenn die

beiden parabelförmigen Brückenbögen,

die mit Stahlseilen untereinander

abgespannt sind, hydraulisch um 45°

gekippt werden, so dass die

Unterquerung einer Schiffshöhe

entspricht.

Zurück in der Stadt, bleibt noch Zeit für

einen Besuch in Einkaufsgalerien,

Buchläden oder einem typischen

regionalen Kaufhaus, das Aufschluss

darüber gibt, welche Möbel und

Wohnaccessoires sich in britischen

Haushalten wohl befinden mögen. Zwei

Busverbindungen gibt es zurück zum

Schiff, und die Wartezeit lässt sich mit

einem Blick ins historische

Bahnhofsgebäude überbrücken. Dass der

letzte Bus – erwartungsgemäß – überfüllt

ist, es aber keinen zweiten gibt, so dass

der Doppeldecker gnadenlos bis zur

Zuladegrenze (und darüber hinaus)

vollgestopft werden muss, spricht ebenso

wenig für das Organisationstalent von

DFDS wie der Umstand, dass das

abendliche Hochwasser offenbar völlig

überraschend kam und die Einschiffung

um Stunden verzögert. Dass die

Tagesgäste, die sich auf Mini-Kreuz-

Queen Victoria zum Gedenken

Wenn das Wahrzeichen von Newcastle um 45° gekippt wird, können die Schiffe passieren


fahrt befinden, keine bevorzugte

Abfertigung genießen (wie bei den

meisten anderen Fährreedereien üblich),

macht die Sache keineswegs besser.

Es ist bezeichnend für die

Mini-Cruise-Passagiere: Während sie

sich am ersten Abend vom opulenten

„Großen

Leckereien am großen Büffet der KING OF SCANDINAVIA

Skandinavischen Buffet“ (das für 27,50

Euro keine Wünsche offenlässt) zu einer

Schlemmer-Orgie ins

Seven-Seas-Restaurant locken ließen,

trifft man sie heute in einem der beiden

à-la-carte-Restaurants wieder. Wer den

ganzen Tag in Newcastle auf den Beinen

war,

lässt sich abends gern am Tisch

verwöhnen. Für die deutschen und

niederländischen Gäste ist es der

Ausklang der Reise: Man geht noch ins

Casino, vielleicht zu einer Einkaufstour

in den Bordshop. Dort gibt es neben

Hochprozentigem auch Englisches

Weingummi, Cadbury’s Schokolade und

die unwiderstehlichen Marzipan-Pralinen

von Dänemarks Edel-Confisier Anthon

Berg. Und schließlich wartet in der

Piano-Bar, wo ein guter Pianist dem

weißen Konzert-Flügel romantische

Klänge entlockt, noch ein feiner,

schottischer Whisky. Brummi-Fahrer

und die mit Stout oder Kilkenny

eingedeckte Jugend lagern im Foyer

vorm Fernseher. Das "Hey, man" wird

von freundlichem Winken begletet,

wenn auch die Augen schon etwas glasig

sind. Das Foyer selbst mit seinen

Schiffsmodellen wirkt nun schon

vertraut, und auch das leise

Maschinengeräusch unterm Kopfkissen

hat in der zweiten Nacht etwas

Anheimelndes. Eigentlich könnte die

Kreuzfahrt jetzt richtig beginnen. Dabei

ist sie morgen früh zu Ende. Eigentlich

schade.

Katapultflugzeug an Bord der alten BREMEN (Modell)

Crossing The Tyne

Herausgeber: Newcastle City Council

ISBN: 1857951212; Preis: 8.50 Pfund

Lost Shipyards Of The Tyne

Herausgeber: Newcastle City Council

ISBN: 1-857951-22-0; Preis: 6.99 Pfund

Modell der LIBERTE, ex EUROPA


Erika Albrecht Brunhild Erley

Auf der AMADEA tourt sie um die

Welt: Lesungen, Kreativ-Kurse und

Gästebetreuung sind die Aufgaben der

passionierten Chronistin. Dabei zeigt

sie, dass man auch als Crew-Mitglied

mit über 80 nicht "out" ist.

Gudrun Schlüter

Sie hat als Presse-Referentin von

Kreuzfahrt-Reedereien Jahrzehnte lang

die Welt bereist - u.a. 50mal

transatlantik mit der QE2. Nunmehr

erfüllt sie sich persönliche

Reise-Wünsche und schreibt über

Erlebtes.

Christian Eckardt

Der Bremerhavener Schifffahrtsautor

fand seinen Einstieg beim Großumbau

der NORWAY 1979/80. Schwerpunkt

seiner 30jährigen Tätigkeit für

Tageszeitungen und Magazine sind die

Fähr- und Kreuzschifffahrt.

Unsere Fachfrau für Golf-Themen

beschäftigt sich dieses Mal mit der

Frage: Wie komme ich ins Land des

Golfs? Auf der Fähre nach Newcastle

wird - neben der Stadt an der

Tyne-Mündung - der Weg zum Ziel.

Sigrid Schmidt

Die Grande Dame der Redaktion blickt

auf 30 Jahre Kreuzfahrt zurück. Dabei

ist manche maritime Leidenschaft

erwacht. Zum Beispiel für

Leuchttürme. In einer Serie stellt sie

ihre schönen schlanken Lieblinge vor.

Herbert Fricke

Seemann, Journalist, Buchautor

maritimer Themen und Moderator der

Welt zweitältester Radiosendung

"Gruß an Bord". In diesen Tagen

erscheint Herbert Frickes neues Buch

"Geständnisse an der Reling".

Kay Janet Pönninghaus

Die Moderatorin wurde mit

gelungenen TV-Interviews zur

Fachfrau für People-Geschichten.

Zwischen Champagner und

Geburtstagstorte begutachtete sie die

neuen Accessoires der "Lady

EUROPA".

Horst Benk

Seit er sich in England niedergelassen

hat, versorgt er das

Schiffsreisen-Magazin mit gutem

Bildmaterial von der Insel: Schiffe,

Häfen, Golfthemen. Dieses Mal

schaute seine Kamera der Kollegin

Erley über die Schulter.

Fred Friedrich

Er verhehlt nicht, dass ihn die großen

Schiffe mit all ihren Bordeinrichtungen

mehr faszinieren als die Oldies im

deutschen Markt. Deswegen reist er

gern zu jeder Taufe und berichtet für

uns gleich über zwei Schiffsjungfern.


Das

ist eine Internet-Publikation und

erscheint 6x jährlich jeweils am

15. Januar

15. März

15. Mai

15. Juli

15. September und

15. November

im Media-Maritim-Verlag e.K.

Kaiserstraße 210, 45699 Herten.

Anschrift der Redaktion:

Redaktion Schiffsreisen-Magazin

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Oliver Schmidt (V.i.S.d.P.)

Reiger Weg 38

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Mobil: +49 172 - 635 60 58

e-Mail:

Ständige freie Mitarbeiter: Startseite: OS, Government aof Dubai

Erika Albrecht, Jennifer Bligh, Annette

Bopp, Brunhild Erley, Miriam v.

Fritschen, Margit Kremeyer, Jenny May,

Kay J. Pönninghaus, Gudrun Schlüter,

Sigrid Schmidt, Jutta Schobel, Imke

Schwarzrock, Snežana

Šimičić, Jutta Spiessbach,

Simone Wieting, Carina Wolfram, Horst

Benk, Christian Eckardt, Herbert Fricke,

Fred Friedrich, Dr. Dr. Gottfried Mai,

Hagen Mesters, Gerd Müller, Andreas

Pfeffer, Peter Pospiech, Ton Valk,

Helfried Weyer

Redaktion und Verlag übernehmen keine

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(DTCM), Horst Benk, Hapag-Lloyd

Kreuzfahrten, Seelmann-Eggebert

Editorial: OS

Nachrichten-1: Deilmann, RCCL

Nachrichten-2: Costa, OS

Nachrichten-3: OS

Molly vom Fischmarkt 1-2: Daniela Rall

Geständnisse an der Reling 1: Delius

Klasing

Geständnisse an der Reling 2-5: OS

Schiffe o. Mauern 1: OS

Schiffe o. Mauern 2: Hapag-Lloyd, OS

Schiffe o. Mauern 3: Cunard/NAC, OS

Schiffe o. Mauern 4: OS

Medienseite 1: Wede, WDV-Verlag

Medienseite 2: Daniela Rall, Maindruck

Verlag

Medienseite 3: Hoffmann & Campe,

Audio-Media-Verlag

Medienseite 4: Pietsch-Verlag

Medienseite 5: Delius Klasing, OS

Medienseite 6: Stürtz Verlag

Autoren d. E.: OS, Benk, Pfeffer,

Schlüter

Leuchttürme 1-4: OS

1001 Nacht 1: RCCL, Government of

Dubai (DTCM)

1001 Nacht 2-3: Government of Dubai

(DTCM)

1001 Nacht 4: RCCL, Government of

Dubai (DTCM)

Kreuzfahrt Italienisch 1-4: OS

Delphin 1-7: OS

Delphin 8: Hansa Kreuzfahrten

Guten Morgen Manaus 1-4: OS

Hafenrundfahrt EUROPA 1: Kay

Pönninghaus, OS

Hafenrundfahrt EUROPA 2-3: Kay

Pönninghaus, Hapag-Lloyd Kreuzfahrten

Königliche Mini-Cruise: Horst Benk

Kehrwoche an Bord 1: OS

Kehrwoche an Bord 2-3: Christin

Eckardt, OS

Kehrwoche an Bord 4: Christin Eckardt,

Cunard/Seabourn, OS

ABC-Inseln 1-6: OS

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