Epitheliale Hauttumore (weisser Hautkrebs) - Vereinigung Zuercher ...

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Epitheliale Hauttumore (weisser Hautkrebs) - Vereinigung Zuercher ...

Hauttumore: Die Guten und die Bösen

Vereinigung Zürcher Internisten – Symposium 2013

Hafner Jürg, Dermatologische Klinik, Universitätsspital Zürich

Epitheliale Hauttumore (weisser Hautkrebs)

Epidemiologie

Die Gruppe der epithelialen Hauttumore (Laiensprache: „weisser Hautkrebs“) umfasst eine Reihe

von sehr häufigen Hauttumoren, die einen grossen Anteil der älteren Bevölkerung betrifft.

Ungefähr 50% der über 60-jährigen zentraleuropäischen Bevölkerung hat aktinische Keratosen

und das Basalzellkarzinom stellt mit ca. 200 neu registrierten Fällen pro 100'000 Einwohner pro

Jahr mit Abstand den häufigsten malignen Tumor des Menschen dar. In Wirklichkeit dürften

jedoch mindestens noch einmal gleich viele nicht registrierte Basalzellkarzinome pro Jahr

auftreten. Das spinozelluläre Karzinom der Haut ist im Vergleich dazu bereits deutlich weniger

häufig mit ca. 40 neu registrierten Fällen pro 100'000 Einwohnern pro Jahr.

Die Inzidenz der epithelialen Hauttumore nimmt immer noch stark zu. Dabei handelt es sich um

die heutige „Ernte“ des seit den 1960er Jahren stark veränderten Freizeitverhaltens der

wohlhabenden westlichen Nationen. Hautkrebs tritt oft mit einer Latenz von mehreren Dekaden

klinisch in Erscheinung, weshalb wir heute vor einer wahren „Welle“ von neuen Fällen stehen.

Dadurch wird das Gesundheitswesen und insbesondere die Fachgebiete, die sich intensiver mit

der Haut beschäftigen -allen voran natürlich die Dermatologie-, vor grössere Herausforderungen

gestellt.

Karzinogene, Co-Karzinogene und Prävention

Das mit Abstand wichtigste Karzinogen für Hautkrebs im Allgemeinen, und natürlich auch für den

weissen Hautkrebs im Speziellen ist die UV-Strahlung. Sowohl die höher energetischen UVB-

Strahlen (280 – 320 nm Wellenlänge), als auch die niedriger energetischen, aber im Spektrum des

Sonnenlichtes viel stärker vertretenen UVA-Strahlen (320 – 400 nm Wellenlänge) können

Hautkrebs verursachen. Epidemiologische Daten liefern sehr starke Hinweise, wenn nicht den

Beweis, dass vor allem ein kumulativer Niederdosis-UV-Schaden zu epithelialen Hauttumoren

führt. Auch wird durch den kumulativen Niederdosis-UV-Schaden die Lentigo maligna und das

Lentigo maligna-Melanom als Ausnahme aus der Gruppe der melanozytären Hauttumore

verursacht. Lentigo maligna als auch das Lentigo maligna Melanom treten ganz vorwiegend im

Bereich der chronisch UV exponierten Haut des Gesichtes, der Handrücken und der Vorderarme

auf und weisen ein anderes biologisches Verhalten als die übrigen melanozytären Hauttumore

auf.

Im Gegensatz dazu ist der akute Hochdosis-UV-Schaden (dh Sonnenbrände und insbesondere

wiederholte starke Sonnenbrände in der Kindheit und Jugend) mit der späteren Entstehung von

melanozytären malignen Hauttumoren, insbesondere dysplastischen melanozytären Nävi und dem

malignen Melanom vom SSM-Typ und vom NM-Typ, assoziiert.


Gross angelegte Präventionskampagnen in den besonders stark betroffenen Ländern, wie

Australien zielen daher darauf ab, dass Schulkinder grundsätzlich langärmelige Hemden,

langbeinige Hosen, einen Sonnenhut und an unbedeckten Hautstellen eine Sonnencreme tragen

sollen, wenn sie zur Schule gehen. Diese Massnahmen haben in Australien bereits heute zu einer

messbaren Abnahme der Hautkrebsinzidenz bei den ganz jungen Jahrgängen geführt. Ein weiteres

Hauptaugenmerk liegt auf der Sekundärprophylaxe durch die Früherkennung verdächtiger neuer

Hautläsionen durch die Patienten und ihre Angehörigen.

Anzumerken ist noch, dass der textile Hautschutz der Anwendung von Sonnencremen in der

Wirksamkeit weit überlegen ist. Dies hat auch damit zu tun, dass Sonnencremen niemals in der

Art und Weise, wie sie von der Industrie vorgeschrieben wäre zur Anwendung gelangen. Meistens

wird die Sonnencreme zu dünn aufgetragen oder zu wenig häufig verwendet. Theoretisch

bedeutet der Sonnenschutzfaktor (SPF) für UVA und UVB, wie er auf den Packungen von

Sonnencremen aufgedruckt ist, um welchen Faktor die eintreffende schädliche UV-Strahlung von

der Haut abgehalten wird. Um diesen Faktor verlängert sich theoretisch auch die UV-

Eigenschutzzeit des betreffenden Individuums, bis ein klinisch fassbarer Sonnenbrand auftritt. Mit

anderen Worten: eine korrekt (dh dick und wiederholt) aufgetragene Sonnencreme mit dem

Sonnenschutzfaktor SPF 20 (UVA + B) verlängert die minimale erythematöse UV-Dosis oder

maximale UV-Expositionszeit zwanzigfach. D.h. z.B. dass bei einem Hauttyp 2: erst nach 100-200

Minuten Sonnenexposition statt nach 10-20 Minuten ein Sonnenbrand eintritt. Wichtiger ist aber

wie gesagt das Aufsuchen des Schattens zu den Tageszeiten mit der steilsten Sonneneinstrahlung

(11.00 – 15.00 Uhr), sowie das Tragen eines textilen Sonnenschutzes, bevor man sich auf die

Wirkung von Sonncremen zu stark verlässt.

Hautkrebs erkennen: Diagnostik der epithelialen Hauttumore (Tabelle 1)

Es gibt ein breites Spektrum von epithelialen Hauttumore, wobei man auch die seltenen Tumore

der Hautanhangsgebilde (Talgdrüsen, Schweissdrüsen) und seltene Varianten der gewöhnlichen

epithelialen Hauttumore hinzurechnet. In der täglichen klinischen Praxis beschränkt sich das

Spektrum allerdings in 99% der Fälle auf die aktinischen Keratosen, den Morbus Bowen, das

Basalzellkarzinom und das spinozelluläre Karzinom der Haut.

Dabei spielt es sowohl für die korrekte diagnostische Erkennung, als auch für das damit direkt

verbundene Therapiekonzept eine grosse Rolle, in welchem Niveau der Haut sich der maligne

Prozess abspielt. Daneben muss bei invasiven Tumoren mittels Biopsie festgestellt werden, ob sie

eher gut abgegrenzt oder stärker infiltrativ wachsen und ob im Falle eines spinozellulären

Karzinoms eine mässig gute bis gute Differenzierung, oder eine schlechte zellmorphologische

Differenzierung mit höheren Metastasierungsrisiko vorliegt.

Aktinische Keratosen und der Morbus Bowen sind streng intraepithelial lokalisierte Hauttumore.

Diese Formen von weissem Hautkrebs können zusammen mit den oberflächlich invasiven Formen

(insbesondere aktinische Keratosen mit initialer Kanzerisierung) mit anderen therapeutischen

Methoden angegangen werden als die klar invasiven Tumore.


Die aktinische Keratose stellt im histologischen Sinn ein spinozelluläres Karzinom in situ

(Präkanzerose) mit starker Tendenz zur Spontanregression dar. Die Spontanregression von

aktinischen Keratosen, welche insbesondere unter konsequenter Vermeidung von weitere

karzinogener UV-Exposition beobachtet werden kann, ist im Wesentlichen auf immunologische

Phänomene der körpereigenen Tumorabwehr zurückzuführen. Ungefähr 50% der aktinischen

Keratosen können sich unter konsequentem UV-Schutz spontan zurückbilden. Die genaue

Inzidenz von spinozellulären Karzinomen, die auf vorbestehenden aktinischen Keratosen entsteht,

ist nicht bekannt und methodisch auch kaum fassbar. Sie dürfte geschätzt bei 10% in 10 Jahren

liegen.

Der Morbus Bowen ist klinisch und histologisch von der aktinischen Keratose eindeutig

abgrenzbar. Klinisch handelt es sich um eine scharf begrenzte, oft angedeutet polyzyklische

erythrosquamöse Hautläsion von mehreren Millimetern bis Zentimetern Durchmesser, welcher sich

typischerweise an den Handrücken, Fingerrücken und Unterschenkeln, und seltener aber auch im

Gesicht und schliesslich an allen übrigen Körperregionen lokalisiert. Histologisch weist der Morbus

Bowen neben der verloren gegangenen normalen Schichtung der Epidermis charakteristische

eingestreute grosse Keratinozyten mit polypoiden Zellkernen auf. Diese „Bowen-Zellen“ dehnen

sich typischerweise entlang den Infundibula der Haut Anhangsgebilde (Haarwurzelscheiden,

Talgdrüsen-Ausführungsgänge) aus. Dies dürfte einer der Hauptgründe für die Rezidivhäufigkeit

des Morbus Bowen nach der Anwendung von oberflächlich-abrasiven Therapiemodalitäten sein.

Das Basalzellkarzinom ist der häufigste invasive maligne Tumor in der Humanpathologie. Er tritt

ebenfalls in unterschiedlichen klinischen Manifestationsformen auf, welche optimalerweise

wiederum eine adaptierte Behandlung nach sich ziehen. In 90% der Fälle tritt das

Basalzellkarzinom im Bereich des Gesichts und des Kopfes auf, und zwar einerseits im Bereich

max. UV exponierter Hautareale, wie der Nase und andererseits aber auch entlang den

sogenannten „embryonalen Fusionslinien“ des Gesichtes, d.h. der Linie zwischen dem medialen

Augenwinkel und der Nasolabialfalte, im Bereich der lateralen Augenbrauenregion, entlang der

präaurikulären Hautfalte, in der Mulde der Concha auris und entlang der retroaurikulären

Hautfalte. Im Gegensatz zu den meisten anderen malignen Tumore des Menschen reicht beim

Basalzellkarzinom eine einzige zelluläre Mutation zur Auslösung des Tumorwachstums aus - eine

Mutation des Patched-Gens auf beiden Allelen des betreffenden Chromosoms. Das

Basalzellkarzinom metastasiert grundsätzlich nicht, und die wenigen mitgeteilten Fälle in der

Literatur von metastasierenden Basalzellkarzinomen sind vermutlich auf Mischformen aus

Basalzellkarzinom und spinozellulärem Karzinom, sogenannte metatypische Basalzellkarzinome,

zurückzuführen.

In ¾ der Fälle wächst das Basalzellkarzinom klinisch und histologisch gut abgegrenzt. Man spricht

dann vom nodulären Typ des Basalzellkarzinoms. Diese Form ist therapeutisch wesentlich

einfacher anzugehen und rezidiviert wesentlich weniger häufig, als der Gegenpart, das sogenannte

szirrhöse oder infiltrativ wachsende Basalzellkarzinom. Dieses macht ungefähr 1¼ der Fälle aus.


Initiale Basalzellkarzinome manifestieren sich in ungefähr der Hälfte der Fälle als hautfarbene

leicht glänzend-weissliche Papeln, welche sich mit der Zeit im Laufe des Wachstums zu einer

schüsselförmig gestalteten Läsion mit einem etwas aufgeworfenen papulösen Randsaum und

typischen Teleangiektasien ausweiten. In der anderen Hälfte der Fälle stellt der Patient initial eine

sehr diskret veränderte, durch vermehrte Verletzlichkeit und Auftreten von kleinen spontanen

Blutungen auffallende Hautstelle fest. In beiden Situationen berichten viele Patienten, dass diese

Hautstellen phasenweise etwas Juckreiz verursachen. Die sklerodermiformen oder invasiven

Basalzellkarzinome entwickeln sich im Laufe des weiteren Wachstums eher zu weisslichen Arealen

von leicht verhärteter und etwas eingezogen wirkender Haut und sie werden deshalb

„sklerodermiforme“ Basalzellkarzinome genannt. Der genaue Subtyp von Basalzellkarzinomen kann

allerdings nur histologisch mittels Probebiopsie exakt festgestellt werden. Dies hat für die weitere

Therapieplanung wichtige Konsequenzen. Seltener tritt das oberflächliche Basalzellkarzinom, das

klinisch als erythrosquamöser Fleck in Erscheinung tritt, insbesondere an der Haut des

Oberkörpers und der Extremitäten auf. Bei dieser Form des Basalzellkarzinoms, das bei

ungenauem Betrachten leicht mit einem nummulären Ekzemherd verwechselt werden könnte,

spricht man auch vom „Rumpfhautbasaliom“.

Die spinozellulären Karzinome der Haut treten gehäuft in den besonders stark UV-exponierten

Arealen des Kopfes, d.h. im Bereich der Glatze, der Stirnregion, der Ohrhelixkanten, des

Nasenrückens und im Bereich der Handrücken und Vorderarme auf. Spinozelluläre Karzinome sind

eher keratotische Tumore, welche palpatorisch hart sind und oft von einer relativ dicken

Schuppenplatte bedeckt sein können. Das biologische Verhalten der spinozellulären Karzinome

hängt vermutlich stark vom histologischen Differenzierungsgrad und vom Immunstatus des

Patienten ab, auch wenn es hierfür bis heute keine valide wissenschaftliche Studie gibt. Gut oder

mässig differenzierte spinozelluläre Karzinome von guter klinischer Abgrenzung und einer

Invasivität, welche die Grenze zwischen Dermis und Subkutis nicht überschreitet, sind im

Allgemeinen einfach zu erkennen, relativ einfach zu behandeln und metastasieren in der Regel

nicht. Erst dann, wenn gut oder mässig differenzierte spinozelluläre Karzinome bis in die Subkutis

oder bis in tiefere Strukturen, wie Muskulatur oder Knorpel invadieren, treten Metastasen, in der

Regel zunächst in den lokoregionären Lymphknoten auf. Die globale Metastasierungsrate von

spinozellulären Karzinomen der Haut liegt vermutlich bei durchschnittlich ungefähr 3%. Erst die

klinisch aggressiveren und histologisch dann meistens auch entdifferenzierten spinozellulären

Karzinome, sowie diejenigen Tumore, mit einer perineuralen Invasion und generell spinozelluläre

Karzinome bei Patienten mit einem kompromittierten Immunstatus (vor allem immunsupprimierte

Organtransplantatempfänger, aber auch Patienten mit einer chronischen lymphatischen Leukämie

oder anderen Formen von erworbener Immuneffizienz) haben ein höheres Risiko zur

metastatischen Ausbreitung. Diese müssen deshalb sehr rasch und unter radikaler Miterfassung

sämtlicher lokaler Ausläufer chirurgisch behandelt werden.

Behandlung des weissen Hautkrebses (Tabelle 2)

Zur Behandlung der verschiedenen Hauttumoren ist es nun besonders hilfreich, wenn man sich

das oben genannte Schema der klinischen Manifestationen vor Augen hält.


Insbesondere die aktinischen Keratosen mit multifokaler oder konfluierender Manifestation im

Kopfbereich (so genannte Flächenkanzerisierung) sind für eine Behandlung durch oberflächlich

wirksame, selektive Therapiemethoden gut zugänglich. Auch etwas weitere fortgeschrittene

aktinische Keratosen mit histologisch fokal feststellbarer initialer Kanzerisierung (knappe

Durchbrechung der Basalmembran mit Infiltration des Stratum papillare der Dermis) können noch

dieser Gruppe zugerechnet werden. Solitäre Läsionen dieser Art können gut mittels Kürettage, mit

dem scharfen Löffel und anschliessender kaustischer Behandlung der Blutung mit

Eisenchloridlösung oder Trichloressigsäure-Lösung, oder dann in der dermatologischen Praxis

mittels Kryotherapie durch flüssigen Stickstoff behandelt werden. Für die grossflächigen Läsionen

hat sich in den vergangen Jahren immer mehr die photodynamische Therapie oder der Einsatz

von topischer Immunmodulation durch Imiquimod-Creme durchgesetzt. Beide Verfahren zielen

auf eine semiselektive Elimination der onkogen veränderten Keratinozyten ab, und lassen die

gesunden epidermalen Zellen unbeschädigt. Dies führt nach der grossflächigen Anwendung der

beiden Therapien jeweils zu einem raschen Ersatz der Tumorzellen durch ortständige normale

Zellen, was klinisch praktisch einer Restitutio ad integrum gleich kommt. Auch alle anderen

oberflächlich abrasiven Methoden, wie Haut-Peelings, Dermabrasion oder der Einsatz abrasiver

Laser (CO2-Laser, ERYAG-Laser) sind zur Behandlung dieser oberflächlichen Formen von

epithelialen Hauttumoren geeignet.

Der Morbus Bowen sollte je nach Lokalisation und Ausdehnung entweder chirurgisch exzidiert

werden, oder er kann auch mit hohen Heilungsraten (90% und höher) mittels Kryotherapie mit

flüssigem Stickstoff, photodynamischer Therapie oder Imiquimod-Creme behandelt werden. Eine

Alternative zur Behandlung des Morbus Bowen stellt auch die Röntgen-Weichstrahltherapie (20-

50 kV) dar. Da der Morbus Bowen sehr oft relativ grossflächig an den Fingerrücken auftritt, wo

keine überschüssige Haut vorliegt, sind diese zur Chirurgie alternativen Therapieverfahren oft sehr

erwünscht.

Die knotigen gut abgegrenzten Formen des Basalzellkarzinoms, und ebenso das superfizielle

„Rumpfhautbasaliom“ können je nach Ausdehnung und Lokalisation ebenbürtig durch eine

einfache chirurgische Exzision mit knappem Sicherheitsabstand von 2 – 3 mm oder durch ein

genügend tief durchgeführte Kryotherapie in Lokalanästhesie, oder durch die

Röntgenweichstrahltherapie mit einer Kurativität von ungefähr 90% mit genügender Sicherheit

einfach behandelt werden. Für die selteneren, aber wesentlich schwierigen zu behandelnden

invasiven Formen des szirrhösen oder „sklerodermiformen“ Basalzellkarzinoms erzielt nur die

chirurgische Therapie unter Schnittrandkontrolle eine genügend hohe Heilungsrate von 96% -

98%. Man spricht hier auch von der mikrographischen Chirurgie, einer Wortkonstruktion aus

mikroskopisch schnittrandkontrolliert und topografisch. Das Prinzip besteht darin, dass der

Exzisionsdefekt erst dann wiederherstellungschirurgisch verschlossen wird, wenn mikroskopisch

einwandfrei erwiesen ist, dass der Tumor zu allen Schnitträndern, d.h. seitlich und zur Basis in

sano entfernt werden konnte. Die mikrographische Chirurgie kann in der klassischen Form am

Schnellschnitt (sogenannte Mohs micrographic surgery) oder in ihrer leicht abgewandelten Form

am Formalin fixierten und Paraffin eingebetteten Gewebe (sogenannte Tübinger Methode)

durchgeführt werden.


Die spinozellulären Karzinome erfordern ein ähnliches therapeutisches Vorgehen, wie die

Basalzellkarzinome, wobei aber stets im Auge behalten werden muss, dass spinozelluläre

Karzinome metastasieren können (total in ca 3%, vor allem jedoch schlecht differenzierte Tumore

und SCC mit einer sehr tiefen Eindringtiefe). Deshalb muss ihre Therapie eher entschlossener und

radikaler gestaltet werden. Die häufigeren Formen der klinisch gut abgegrenzten und histologisch

gut bis mässig differenzierten spinozellulären Karzinome können ebenfalls mit den 3 Modalitäten

einfache chirurgische Exzision mit 3 mm Sicherheitsabstand, genügend tiefe Kryotherapie in

Lokalanästhesie mit flüssigem Stickstoff, oder Röntgenweichstrahltherapie behandelt werden,

jeweils mit Heilungsraten von ungefähr 95%. Die klinisch rasch progredienten, histologisch dann

auch meistens wenig differenzierten spinozellulären Karzinome der Haut und insbesondere

diejenigen Tumore mit einer perineuralen Invasion benötigen hingegen eine sehr rasche und

konsequente chirurgische Therapie, welche stets unter Schnittrandkontrolle (Mikrographische

Chirurgie) zu erfolgen hat. Problemtumore, welche tiefere Strukturen infiltrieren, sollten

idealerweise an Zentren mit der nötigen multidisziplinären Erfahrung therapiert werden.

Eine spezielle Situation stellen immunsupprimierte organtransplantierte Patienten dar, welche eine

ungefähr 70-fach erhöhte Inzidenz von spinozellulären Karzinomen der Haut aufweisen. Bei

immunsupprimierten Patienten kann die Röntgenweichstrahltherapie nicht angewendet werden,

da sie weitgehende unwirksam ist. In der Regel benötigen diese Patienten für solitäre

Problemtumore praktisch immer eine schnittrandkontrollierte Exzision nach den Kriterien der

mikrographischen Chirurgie, und im Allgemeinen ist auch hier rasches und entschlossenes

Handeln erforderlich. Spinozelluläre Karzinome bei immunsupprimierten Patienten sind generell

als Problemtumore zu betrachten. Wir sehen aber auch immunsupprimierte Patienten mit 50 und

mehr spinozellulären Karzinomen zum Zeitpunkt der Erstvorstellung. Das sind Situationen, welche

die Möglichkeit einer systematischen chirurgischen Exzision aus praktischer Sicht überschreiten. In

solchen Situationen ist es am besten, wenn klinisch rasch progrediente Tumore oder Tumore in

heikler Lokalisation (zentrofaziale und periorbitale bzw. periorale Region, Ohrregion, Handrücken

und Fingerrücken) chirurgisch unter Schnittrandkontrolle behandelt werden, während die

zahlreichen Tumore an anderen Lokalisation, wie Vorderarme und Oberkörperregion durchaus

auch mittels multipler Kryotherapie angegangen werden könne. Spinozelluläre Karzinome am

Handrücken und Fingerrücken sind bei grossflächigem und konfluierendem Befall unter

Umständen ebenfalls eher einer Kryotherapie, als einer sehr aggressiven chirurgischen Behandlung

zugänglich, wenn man mal vom Auftreten von sehr aggressiven Tumoren mit perineuralem

Wachstum absieht, welche stets chirurgisch therapiert werden müssen, mit allen Konsequenzen.

Zusammenfassung

Die Gruppe der epithelialen Hauttumore („weisser Hautkrebs“) umfasst eine Reihe von sehr

häufigen Hauttumoren, die einen grossen Anteil der älteren Bevölkerung betrifft. Das mit Abstand

wichtigste Karzinogen ist die kumulative UV-Strahlung.

Die Einschätzung der Ausdehnung und Aggressivität entscheidet über die gewählte

Therapieoption:

Oberflächliche und gut differenzierte epitheliale Hauttumore, die oft grossflächig konfluieren,

können primär mit abrasiven Methoden wirksam behandelt werden.


Invasive, aber gut abgegrenzte und gut differenzierte epitheliale Hauttumore werden meistens mit

einer einfachen Exzision, einer Röntgenweichstrahltherapie oder mittels einer Kryotherapie mit

flüssigem N2 (optimalerweise auch die Kryotherapie in Lokalanästhesie) entfernt (5-Jahres-

Heilungsrate 90-95%).

Einen grösseren Therapieaufwand benötigen die invasiven, und zudem schlecht abgegrenzten

epithelialen Hauttumore. Hierzu gehört in erster Linie das mikronoduläre und das szirrhöse

Basalzellkarzinom, das schlecht differenzierte und das desmoplastische spinozelluläre Karzinom,

und im Extremfall Karzinome mit perineuraler Infiltration). Diese Tumore erfordern eine

chirurgische Exzision unter Verwendung einer Schnittrandkontrolle. Nur so kann die Heilungsrate

auf einen Bereich von 96 – 99% angehoben werden (sonst eher 70% in fünf Jahren).

Immunsupprimierte Patienten entwickeln rund 70x häufiger spinozelluläre Karzinome, und zudem

können diese tendenziell sich eher biologisch etwas aggressiver verhalten. Hier können die ganz

oberflächlichen SCC noch mittels Kryotherapie behandelt werden. Die invasiven Tumore erfordern

hingegen eine rasche Exzision unter Schnittrand-Kontrolle.


Tabelle 1

Hautkrebs erkennen:

Epitheliale Hauttumore = „Weisser Hautkrebs

Intraepithelial (Laien: „Verputz ist erkrankt“ und benötigt Therapie)

- Aktinische Keratosen (Ca spinocellulare in situ vom Typ der aktinische Keratose)

- Morbus Bowen (Ca spinocellulare in situ vom Typ des M.Bowen)

Oberflächlich invasiv (Laien: „Mauerwerk oberflächlich angegriffen“)

- Aktinische Keratose mit initialer Kanzerisierung

- Oberflächliches Ca spinocellulare der Haut

- Oberflächliches Basalzellkarzinom (syn.: Rumpfhautbasaliom)

Invasiv, jedoch gut abgegrenzt (Laien: „Mauerwerk ist vom Krebs betroffen,

umschriebene Stelle“)

- Ca spinocellulare der Haut, gut oder mässig differenziert

- Basalzellkarzinom, nodulärer Typ

Invasiv, und schlecht abgegrenzt (Laien: „Mauerwerk ist vom Krebs betroffen,

Hautkrebs bildet Wurzeln, ausgedehnt“)

- Ca spinocellulare der Haut, schlecht differenziert oder desmoplastisch

- Basalzellkarzinom der Haut, mikronodulärer Typ oder szirrhöser Typ

- Ca spinocellulare oder Basallzellkarzinom mit perineuraler Infiltration

Tabelle 2

Hautkrebs behandeln:

Epitheliale Hauttumore = „Weisser Hautkrebs

Intraepithelial (Laien: „Verputz ist erkrankt“ und benötigt Therapie)

und

Oberflächlich invasiv (Laien: „Mauerwerk oberflächlich angegriffen“)

- Curettage / Peeling / Elektrodessikation (alt) / ablative Laser (CO2- oder ErYAG)

- Photodynamische Therapie PDT (Delta-Aminolävulinsäure + Lichtquelle (485 nm))

- Imiquimod-Crème (topische Immunmodul., Innate Immunity, Toll-like Receptor 7-8)

Invasiv, jedoch gut abgegrenzt (Laien: „Mauerwerk ist vom Krebs betroffen,

umschriebene Stelle“)

- Einfache Exzision („Spindelexzision“ mit 3 mm Sicherheitsabstand)

- Kryotherapie in zwei kurativen Gefrier-Tau-Zyklen (am besten in Lokalanästh.)

- Radiotherapie, optimalerweise mit Röntgenweichstrahlen (20-50 kV)

Invasiv, und schlecht abgegrenzt (Laien: „Mauerwerk ist vom Krebs betroffen,

Hautkrebs bildet Wurzeln, ausgedehnt“)

- Chirurgische Exzision unter topographischer Schnittrandkontrolle am Mikroskop

synonym: Mikrographische Chirurgie MGC n. F.Mohs (Mohs‘ Micrographic Surgery)

- Formalin-Fixation, Paraffinschnitt (24 h): Slow Mohs oder „Tübinger Torte“

- Kryostat-Fix., Schnellschnitt (30 Min): Fresh Frozen Technique n. Mohs (klassisch)

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