Heft für Schülerinnen und Schüler - Landtag Schleswig-Holstein

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Heft für Schülerinnen und Schüler - Landtag Schleswig-Holstein

Reportage: der Landtagsabgeordnete

Reportage: der Landtagsabgeordnete

auf den spuren des jüngsten abgeordneten

Eben noch Auszubildender in einer Werbeagentur in Kiel, nun

mittendrin im politischen Geschehen: Seit der Landtagswahl in

Schleswig-Holstein am 6. Mai 2012 hat sich das Leben von Sven

Krumbeck komplett verändert. Der damals 22-Jährige zog als

jüngster Abgeordneter für die Piratenpartei in den Landtag ein.

Fraktionssitzungen, Plenardebatten und Ortstermine bestimmen

nun seinen Terminkalender. Ein Tag im Leben des jüngsten

schleswig-holsteinischen Landtagsabgeordneten.

im express durch schleswig-holstein

8:45 Uhr. Dezember 2012. Im Landtag. Im Büro von Sven Krumbeck

wird es hektisch. Nur noch knapp eine Stunde bleibt bis

zum ersten Termin im etwa 90 Kilometer entfernten Hochdonn

im Kreis Dithmarschen. Die Zeit drängt. Gemeinsam mit Patrick

Ratzmann, dem Fraktionsgeschäftsführer der Piraten, eilt

Krumbeck durch die Gänge des Landtags – vorbei an der Kantinenküche,

durch die Sicherheitsschleuse, bis ins Parkhaus. In

Hochdonn soll die Dorfschule geschlossen werden. Krumbeck

ist als Bildungsexperte der Piraten mit Elisabeth Bartusch und

Sandra Neukamm vom Elternbeirat verabredet. Den Fraktionsgeschäftsführer

nimmt er mit, weil der ein „echter Dithmarscher

Jung’“ ist, dem die Belange der Heimat am Herzen liegen – und

weil Ratzmann besser plattdeutsch sprechen kann als er selbst.

Was bisher an diesem Novembermorgen geschah: Gegen acht

Uhr hat Krumbeck zu Hause seinen Tablet-PC angemacht, die

Tagesschau geguckt, auf Twitter-Nachrichten reagiert und

E-Mails gecheckt. Danach hat er sich auf den Weg in sein Abgeordnetenbüro

im Landeshaus gemacht, dort den regionalen

Pressespiegel durchgearbeitet und sich mit seiner Referentin

besprochen. Die letzten beiden Tage lag er krank im Bett, es ist

Arbeit liegengeblieben.

aus notwehr politisch aktiv

9.30 Uhr. Krumbeck sitzt am Steuer. Mit 160 Stundenkilometern

geht es über die Autobahn. Die beiden Piraten besprechen

Parteiangelegenheiten. Plötzlich sagt Ratzmann: „Die Karten

für Wacken sind ausverkauft.“ Krumbeck hakt ungläubig nach

– das Festival ist erst im August nächsten Jahres. An seinem

Handgelenk trägt er mehrere Festival-Bändchen. „Wir lassen uns

durch nichts bestechen – nur durch Wacken-Karten“, scherzt

Ratzmann.

Vor ein paar Jahren hat Politik noch gar keine Rolle im Leben

von Sven Krumbeck gespielt. „Aus Notwehr“, so nennt er es,

wurde er dann aktiv: „Ich habe angefangen, mich für Politik zu

interessieren, als sie unmittelbar in mein Leben drang.“ Das war

2007, als nach dem Amoklauf in Emsdetten in der Öffentlichkeit

darüber diskutiert wurde, ob Ego-Shooter und andere gewaltverherrlichende

Computerspiele verboten werden sollten. Über das

Internet stieß Krumbeck auf den Stammtisch der Piraten in Kiel,

und ihre Forderungen deckten sich mit seiner Haltung: Die Piraten

setzen sich gegen die Kriminalisierung von Computerspielen

ein, finden das diskutierte Herstellungs- und Verbreitungsverbot

von „Killerspielen“ übertrieben und treten für mehr persönliche

Freiheit im Internet ein. Krumbeck ging nun regelmäßig zum

Stammtisch der Piraten, besuchte Parteitage und kümmerte

sich um Programmierarbeiten. Später war er Protokollführer,

als die Partei auf Fehmarn den schleswig-holsteinischen

Landes verband gründete. „Bis dahin wusste ich noch nicht

mal richtig, was man mit der Erst- und der Zweitstimme macht“,

sagt Krumbeck.

Als die schleswig-holsteinischen Piraten ihre Listenkandidaten

für die Landtagswahl 2012 auswählten, war Krumbeck mit

Anfang 20 schon ein alter Hase unter den Mitgliedern. „Bei der

Aufstellung dachte ich: Ja, gut, ich kann’s ja mal versuchen“,

erzählt er. Zu dem Zeitpunkt waren die Piraten gerade in das Abgeordnetenhaus

in Berlin gezogen, und plötzlich schien es auch

in Kiel möglich, dass die Partei die 5-Prozent-Hürde knackt.

Krumbeck in seinem Büro mit dem Fraktionskollegen Torge Schmidt.

Die Piraten nutzen die Software Liquid Feedback,

um zu innerparteilichen Entscheidungen zu kommen.

Mitglieder können Vorschläge auf die Online-

Plattform stellen – über die dann diskutiert und bei

ausreichender Unterstützung abgestimmt wird.

Wer keine Zeit hat oder sich bei einem Thema nicht

so gut auskennt, kann sein Stimmrecht an andere –

zum Beispiel an einen Abgeordneten – delegieren.

Delegierter

Delegierter

ja nein

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