Salutogenese und Widerstandskraft - Vereinigung Zuercher Internisten

zuercher.internisten.ch

Salutogenese und Widerstandskraft - Vereinigung Zuercher Internisten

Salutogenese und

Widerstandskraft

Ulrich Schnyder

Psychiatrische Poliklinik USZ

ulrich.schnyder@psyp.uzh.ch

Symposium 2008 Vereinigung Zürcher Z

Internisten, 24.1.2008


Annie Leibovitz

Domestic violence


Sebastião Salgado: Kroatien 1994


Sebastião Salgado: Irakisches Kurdistan 1997


Paul Klee, 1940:

verletzt


Khaled Hosseini:

„I became what I am today at the age of twelve, , on a

frigid overcast day in the winter of 1975. I remember the

precise moment, crouching behind a crumbling mud

wall, peeking into the alley near the frozen creek. That

was a long time ago, but it‘s wrong what they say about

the past, I‘ve

learned, about how you can bury it.

Because the past claws ist way out. Looking back now, , I

realize I have been peeking into that deserted alley for

the last twenty-six

years.“

The Kite Runner, , 2003


Salutogenese und

Widerstandskraft

• Begriffsklärung:

rung:

Salutogenese

‣ Posttraumatische Reifung

‣ Psychological Well-Being

‣ Resilienz

• Zum Zusammenhang zwischen

psychischer und körperlicher k

Gesundheit


Salutogenese und

Widerstandskraft

• Begriffsklärung:

rung:

Salutogenese

‣ Posttraumatische Reifung

‣ Psychological Well-Being

‣ Resilienz

• Zum Zusammenhang zwischen

psychischer und körperlicher k

Gesundheit


Salutogenese

Aaron Antonovsky

Sense of Coherence:

‣ Comprehensibility

‣ Manageability

‣ Meaningfulness

(Verstehbarkeit)

(Handhabbarkeit)

(Sinnhaftigkeit)


Posttraumatische Belastungsstörungen

6 Monate nach schweren Unfällen

Prädiktoren (T1) beta p

Partnerschaft .15


Posttraumatic Growth

Tedeschi & Calhoun*

Belastende Ereignisse können sowohl positive wie auch

negative Auswirkungen haben, die sich gegenseitig nicht

ausschliessen müssen:

‣ Neue MöglichkeitenM

‣ Klärung von Beziehungen

‣ Persönliche Stärke

‣ Spirituelle Veränderungen

‣ Wertschätzung tzung des Lebens

_____________________________________________________________________________

* Tedeschi RG, Calhoun LG (1996) The Posttraumatic Growth Inventory: measuring the positive

legacy of trauma. Journal of Traumatic Stress 9: 455-471


Psychological Well-Being

Carol Ryff

Multidimensionales,

kognitives Modell:

‣ Aktive Gestaltung der Umwelt

‣ Persönliches Wachstum

‣ Lebensinhalt

‣ Autonomie

‣ Selbst-Akzeptanz

‣ Positive menschliche Beziehungen


Charakteristika resilienter Menschen (1)

Steven Southwick

l

l

l

l

l

l

Vorbilder

Realistischer Optimismus

Humor

Moralischer Kompass (persönliche Integrität)

Altruismus

Religion und Spiritualität


Charakteristika resilienter Menschen (2)

Steven Southwick

l

l

l

l

l

l

Soziale Unterstützung

Kennstärken: Übereinstimmung von Kompetenzen

und Anforderungen

Aktive Bewältigung, Angst konfrontieren

Training

Kognitive Flexibität, posttraumatische Reifung,

Akzeptanz

Sinn, Lebensinhalt


Salutogenese und

Widerstandskraft

• Begriffsklärung:

rung:

Salutogenese

‣ Posttraumatische Reifung

‣ Psychological Well-Being

‣ Resilienz

• Zum Zusammenhang zwischen

psychischer und körperlicher k

Gesundheit


Zusammenhang zwischen körperlichen

k

und psychischen Erkrankungen

Depression only PTSD only PTSD+Depressio

Complex PTSD Other Dx

12

10

8

6

4

2

0

Chronic

Fatigue

FibromyalgiaIrritable

Bowel

Chronic Ill-defined

Pelvic Painsymptoms

N=17,081. All ORs p


Weit verbreitete Sichtweisen, oft gehörte

Erklärungen:

rungen:

• “Sie bilden sich das alles nur ein…”

• “Das ist alles nur psychisch...”

• “Sie sind nicht wirklich krank, es ist nur Stress…”

• “OK, Sie sind krank, aber nur weil Sie gestresst

sind…”


Zusammenhang zwischen körperlichen

k

6

5

4

3

2

1

und psychischen Erkrankungen

Depression only PTSD only PTSD+Depressio

Complex PTSD Other Dx

0

Infectious Neoplasms Endocrine CirculatoryRespiratory

N=17,081. All ORs p


Take home message

‣ Belastung kann krank machen, und zwar

sowohl psychisch als auch körperlichk

‣ Die psychische Reaktion auf eine schwere

Belastung - insbesondere PTSD - beeinflusst

die Auswirkung der Belastung auf die

körperliche Gesundheit

‣ Es gibt plausible Mechanismen, wie

psychische Störungen zu körperlichen

k

Krankheiten führen f

könnenk


“Adverse Childhood Experiences (ACE)” Study:

Kindheitstrauma und Erkrankungsrisiko bei

erwachsenen, allgemeinmedizinischen ambulanten Patienten

Odds Ratio

4

3

2

1

1 2 3 4+ adverse experienc

0

Ischemic Any cancer Stroke Chronic lung

heart disease

disease

Diabetes

N = 8’506. 8

From Felitti et al., 1998


Health Risk Behaviors as a Function

of Childhood Trauma

No exercise

BMI 35

*

*

*

*

*

1 trauma

2 traumas

3 traumas

4 traumas

Current smoking

*

*

*

*p < .05

1 1.2 1.4 1.6 1.8 2 2.2 2.4

(Felitti et al., 1998)

Odds Ratio (Relative to No Trauma)


Welchen Einfluss haben psychische

Störungen auf die körperliche k

Gesundheit

Patienten mit PTSD

• klagen über schlechtere Gesundheit und

schlechtere körperliche k

Leistungsfähigkeit

• nehmen mehr ärztliche Leistungen in

Anspruch

• haben eine erhöhte hte somatische Morbidität

• haben eine höhere h here Mortalität


Welchen Einfluss haben psychische

Störungen auf die körperliche k

Gesundheit

Patienten mit PTSD

• klagen über schlechtere Gesundheit und

schlechtere körperliche k

Leistungsfähigkeit

• nehmen mehr ärztliche Leistungen in

Anspruch

• haben eine erhöhte hte somatische Morbidität

• haben eine höhere h here Mortalität


Jährliche Gesundheitskosten bei

HMO-Patientinnen

2.5

2

1.5

1

0.5

0

Primary

Care

Moderate PTSD v. Lo PTSD

High PTSD v. Lo PTSD

* *

Specialty

Care

Mental

Health

Total

*

*

PTSD Checklist:

moderate = 30-44

high = 45+

*p < .05 adjusted for

demographics,

chronic disease, and

mental health

Walker et al., 2003


Welchen Einfluss haben psychische

Störungen auf die körperliche k

Gesundheit

Patienten mit PTSD

• klagen über schlechtere Gesundheit und

schlechtere körperliche k

Leistungsfähigkeit

• nehmen mehr ärztliche Leistungen in

Anspruch

• haben eine erhöhte hte somatische Morbidität

• haben eine höhere h here Mortalität


Welchen Einfluss haben psychische

Störungen auf die körperliche k

Gesundheit

Patienten mit PTSD

• klagen über schlechtere Gesundheit und

schlechtere körperliche k

Leistungsfähigkeit

• nehmen mehr ärztliche Leistungen in

Anspruch

• haben eine erhöhte hte somatische Morbidität

• haben eine höhere h here Mortalität


National Comorbidity Survey:

Korrigierte odds ratios für f r somatische Erkrankungen

Unique effect of disorder on:

PTSD

Panic

GAD

Social

Phobia

Neurological 2.48 1.75 .87 .86

Vascular 1.88 2.28 1.10 .85

Respiratory 1.43 1.69 1.18 .96

Gastrointestinal 1.96 1.19 1.84 1.45

Metabolic/autoimmune 3.32 .87 1.70 1.90

Musculoskeletal 2.52 2.00 1.13 .96

Each disorder adjusted for all other anxiety disorders and covariates!

Highlighted ORs are significant

Sareen et al., 2005


Wie beeinflussen psychische Störungen

die körperliche k

Gesundheit

Psychologie:

Depressivität

Feindseligkeit

Coping

Verhalten:

Rauchen

Ernährung

Bewegung

Biologie:

Kardiovaskuläre Reaktivität

Autonomes Hyperarousal

Gestörte Schlaf-Physiologie

Adrenerge Dysregulation

Erhöhte Schilddrüsenfunktion

Veränderte HPA-Aktivität


Aber…viele dieser Veränderungen

bei psychiatrischen Patienten sind ja

nur schwach ausgeprägt

gt…

Wie können k

die tatsächlich zu

handfesten Krankheiten

führen


Eine mögliche m

Erklärung:

rung: Allostatic Load

“The strain on the body produced by repeated

up and downs of physiologic response, as well

as the elevated activity of physiologic systems

under challenge, and the changes in

metabolism and wear and tear on a number of

organs and tissues”

– McEwen & Stellar, 1993


Allostasis und Allostatic Load

Allostasis

Allostatic Load


Erhöhter hter Allostatic Load durch PTSD

Andere Risikofaktoren


Selbstmedikation

(Nikotin & Alkohol)


Stress aufgrund der

Folgen des Trinkens

--Schnurr & Jankowski, 1999


Sympathikus-

Aktivierung

Krankheits-

schwelle

Allostatic Load


Auswirkung von allostatic load auf die

Inzidenz kardiovaskulärer rer Erkrankungen

New Disease Over 2.5 Years (N = 736)

15%

10%

0

1-2

³ 3

5%

0%

Number of Allostatic Load Indicators

Seeman et al., 1997


Definition von allostatic load:

z.B. Summe von 10 Risiko-Indikatoren

High-risk Quartile

• BMI ≥28.4

• Glycosylated hemoglobin ≥5.6%

• Diastolischer Blutdruck ≥79

• DHEA ≤204 ng/ml

• Systolischer Blutdruck ≥136

• Norepinephrine ≥12.4

μg/ g/ 12hr

• HDL-Cholesterin

≤46

• Epinephrine ≥2 μg/12hrg/12hr

• Totales Cholesterin ≥204

• Cortisol 23.7 (12.5%) μg/12hrg/12hr

Glover et al., 2006


Allostatic load

bei Müttern M

krebskranker Kinder

*p


Verbessert die Behandlung

psychischer Erkrankungen auch die

körperliche Gesundheit

Das wissen wir (noch)

nicht…was sollen wir also tun


Schlussfolgerungen

Wir brauchen:

• Eine intensivere Zusammenarbeit zwischen

somatischer und psychiatrischer Medizin

• Biologische Endpunkte in Psychotherapiestudien

• Therapiestudien bei psychiatrischen Patienten mit

körperlichen Erkrankungen, z.B. PTSD + Diabetes

• Integrierte Anstrengungen zur Reduktion problemati-

schen Gesundheitsverhaltens bei psychiatrischen

Patienten, z.B. Programme zur Gewichtsreduktion


Trauma, PTSD und Gesundheit

Schnurr & Green 2004

PTSD

Attentional

Processes

Illness

Behavior

Psychological

Alterations

Health Risk

Behaviors

Exposure

Biological

Alterations

Disease


1. Stress macht primär über PTSD und andere

psychologische Veränderungen krank

PTSD

Attentional

Processes

Illness

Behavior

Psychological

Alterations

Health Risk

Behaviors

Exposure

Biological

Alterations

Disease


2. PTSD und andere psychologische Veränderungen

beeinflussen das Krankheitsverhalten

PTSD

Attentional

Processes

Illness

Behavior

Psychological

Alterations

Health Risk

Behaviors

Exposure

Biological

Alterations

Disease


3. Der Einfluss von PTSD auf die Gesundheit wird

über psychologische, biologische und Verhaltens-

Mechanismen vermittelt

PTSD

Attentional

Processes

Illness

Behavior

Psychological

Alterations

Health Risk

Behaviors

Exposure

Biological

Alterations

Disease


Take home message: noch einmal!

‣ Belastung kann krank machen, und zwar

sowohl psychisch als auch körperlichk

‣ Die psychische Reaktion auf eine schwere

Belastung - insbesondere PTSD - beeinflusst

die Auswirkung der Belastung auf die

körperliche Gesundheit

‣ Die Konzepte “Resilienz” und “Allostatic Load”

könnten erklären, ren, wie psychische Störungen

zu körperlichen k

Krankheiten führenf

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine