Wilde Bienen - Wildbienen in der Umweltbildung

wildbienen.umweltbildung.de

Wilde Bienen - Wildbienen in der Umweltbildung

Umweltpädagogische

Materialien

Vielen Dank für das Interesse an dem Wildbienen Starter-Set des NABU-Projektes

Wildbienen in der Umweltbildung“.

Im Folgenden finden Sie neben der Bauanleitung für die Insekten-Nistwand eine Auswahl

an Futterpflanzen für Schulen für Wildbienen und außerschulische sowie eine Literaturliste Einrichtungen

und eine Auflistung von

interessanten Internet-Seiten, die sich mit dem Thema Wildbienen beschäftigen. Die

Listen sollen regelmäßig aktualisiert werden und sind zum download auf unserer Internetseite

zu finden.

Wilde Bienen

Auf der Internetseite finden Sie aber noch mehr:

Neben allgemeinen Informationen zum Thema Wildbienen finden Sie unsere aktuellen

Schulungen zum „Wildbienenexperten“, eine Liste mit Wildbienenexperten vor Ort und

„bienenfreundliche“ Gartencenter 2. in - Ihrer 4. Nähe Klasse sowie weitere Möglichkeiten, wie Sie

das Thema Wildbienen in der Schul- und Umweltbildung erarbeiten können.

Ein Projekt der NABU-Naturschutzstation Münsterland e.V.

weitere Informationen unter:

www.Wildbienen-Umweltbildung.de

weitere Informationen unter:

www.Wildbienen-Umweltbildung.de

Ein Projekt der NABU-Naturschutzstation Münsterland e.V.

gefördert durch:

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Wilde Bienen

Einleitung

Die Materialien zum Thema „Wildbienen“ wurden für Grundschulkinder der 2. bis 4. Klasse

konzipiert. Sie ermöglichen eine ganzheitliche Behandlung des Themas. Schwerpunkt ist die

Lebensweise der Wildbienen, insbesondere die vielfältigen Nistweisen. Die dem Programm

beigefügte Pflanzenliste und Bauanleitung ermöglichen auch Ungeübten, mit relativ wenig

Aufwand wirkungsvolle Nisthilfen zu bauen und für die Wildbienen wichtige

Nahrungspflanzen auszuwählen. Wird eine ganze Nistwand gebaut, kann man für die

Beschaffung des Materials und die praktischen Arbeiten die Eltern einbeziehen. Auch im

Rahmen des Offenen Ganztags besteht die Möglichkeit, als Vertiefung des

Sachkundeunterrichts eine Nistwand auf dem Schulgelände zu errichten. Verschiedene

Arbeitsgemeinschaften wie Garten-AG, Werk-AG oder Umwelt-AG können sich dabei gut

ergänzen. Im Optimalfall steht das Bienenhotel in einem Schulgarten, in dem zusätzlich

bienenfreundliche Blumen gepflanzt werden, aber auch mit Topfpflanzen lassen sich

Wildbienen anlocken.

Auch wenn nur ein bis zwei Doppelstunden für das Thema zur Verfügung stehen, sollte der

spielerischen Vertiefung der ausgewählten Themen ausreichend Raum gegeben werden und

der praktische Schutz nicht zu kurz kommen. Denn durch den Bau von Nisthilfen wird den

Kindern vermittelt, dass Naturschutz Spaß macht und schon mit kleinen Maßnahmen Erfolge

erzielt werden können.

Anmerkung Materialien in Kursivschrift. Es empfiehlt sich, Zeichnungen und Fotos zu

laminieren.

Einstieg ins Thema

Glas Honig

„Machen alle Bienen Honig“ Nur die Honigbienen, die mit vielen Tausend Tieren in einem

Bienenstaat leben. Sie brauchen den Honig als Nahrungsvorrat für den Winter. Im

Honigbienenstaat kümmern sich Ammenbienen um den gesamten Nachwuchs. Die

Honigbienen, die ursprünglich wild in Baumhöhlen lebten, sind im Laufe von Jahrtausenden

zu Haustieren des Menschen geworden und werden heutzutage in Bienenstöcken gehalten.

Die Honigbiene ist die einzige nicht wilde Bienenart. Ihr stehen mehr als 500

Wildbienenarten allein in Deutschland gegenüber! Bei den meisten (Ausnahme z.B.

Hummeln) versorgt jedes Weibchen seinen Nachwuchs allein. Weil es kurz darauf stirbt,

benötigen Wildbienen keinen Nahrungsvorrat für den Winter. Bei den Hummeln überlebt nur

die befruchtete Königin, die in Winterstarre fällt und im nächsten Frühling einen neuen

Hummelstaat aufbaut.

Systematik

Die Bienen gehören innerhalb der Klasse der Insekten zur Ordnung der Hautflügler. Sie haben

ihren Namen von zwei Paar durchsichtigen geäderten Flügeln, die nur in der gleichen

Richtung bewegt werden können (anders als z.B. bei Libellen). Die Flügel können jedoch

auch reduziert sein oder ganz fehlen (z.B. bei Ameisen). Andere Insektenordnungen sind z.B.

Heuschrecken, Libellen oder Käfer. „Kennt ihr weitere Hautflügler“ Wespen, Ameisen und

Hornissen

Körperbau der Bienen

Zeichnungen „Vereinfachtes Schema einer Wildbiene“ (ohne und mit Beschriftung).

Viele Kinder glauben, dass Bienen nur über ein Paar Flügel verfügen und dass die Beine am

Hinterleib ansetzen, so wie bei der Biene Maja, die auch eine Stupsnase hat, obwohl Bienen

mit ihren Fühlern riechen. Die Kinder sollen anhand der Zeichnung die wichtigsten sichtbaren


Merkmale eines Bienenkörpers benennen. Dabei soll darauf hingewiesen werden, dass

Merkmale wie die Einteilung des Körpers in Kopf, Brust (mit Flügeln und drei Beinpaaren)

und Hinterleib sowie die Facettenaugen und das Außenskelett typisch für alle Insekten sind.

Paarung und Revierverhalten

Die Wildbienenweibchen sorgen für den Nachwuchs. Einzige Aufgabe der Männchen ist die

Begattung der Weibchen. Dabei haben sie verschiedene Strategien entwickelt, um die

Weibchen zu balzen.

Wollbienen-Männchen bewachen z.B. ein Revier mit nektarreichen Blüten, die Weibchen

anlocken sollen. Fremde Männchen oder andere Insektenarten, die versuchen, Nektar aus den

Blüten zu saugen, werden von dem Wollbienen-♂ mit Hilfe der fünf Stacheln an seinem

Hinterleib vertrieben. Dabei passiert es nicht selten, dass auch größere Insekten in die Flucht

geschlagen oder schwer verletzt werden.

Spiel Wollbienenrevier:

3 Körbchen mit Schokokugeln

Körbchen mit Schokokugeln (= Blüten mit Nektar) werden in einiger Entfernung zu den

Kindern aufgestellt. Die Kinder (= andere Insektenarten) stellen sich bis auf eins hinter einer

Startlinie nebeneinander auf und rennen auf Kommando alle gleichzeitig zu den Körben, um

eine Schokokugel zu ergattern. Ein Kind, das das Wollbienen-Männchen darstellt, verteidigt

sein Blütenrevier, indem es versucht, von der Seite so viele Kinder wie möglich zu fangen,

bevor sie die Körbchen erreicht haben. Gefangene Kinder werden in der nächsten Runde

ebenfalls zu Fängern. Das letzte nicht gefangene Kind ist der Gewinner.

Wichtig: Nicht auf hartem Untergrund oder neben einer Mauer spielen! Darauf hinweisen,

dass kein Kind über den Haufen gerannt werden darf!

Nistweise

Die Anpassungsfähigkeit, die die verschiedenen Wildbienenarten bei der Wahl eines

Nistplatzes an unterschiedlichste Lebensräume und vorhandene Materialien zeigen, fasziniert

nicht nur Kinder. Obwohl sie ihre Nester häufig in unmittelbarer Nähe des Menschen, sogar

in Bohrlöchern von Regalen, Schlüssellöchern oder alten Schläuchen anlegen, bleiben die

Tiere meist unbemerkt. In dem folgenden Bienensong wird die Vielfalt der Nistweisen durch

Überzeichnung in Text und Bildern auf humorvolle Art vorgestellt. Die Kinder sollen

daraufhin entscheiden, ob es sich um eine Lügengeschichte oder die Wahrheit handelt.

Bienensong:

Bienensong an alle verteilen

lustige Zeichnungen zum Bienensong

Zeichnungen zu Nistweisen von Sandbiene, Blattscheiderbiene, Mauerbiene

Die Leiterin übt die Melodie mit den Kindern. Die Kinder singen nur den Refrain. Dann singt

sie die erste Strophe vor und bittet die Kinder um ihre Einschätzung, ob es die beschriebene

Nistweise tatsächlich gibt oder sie nur der Phantasie des Songschreibers entsprungen ist.

Dabei zeigt sie eine Zeichnung herum, mit der die jeweilige Nistweise auf die Schippe

genommen wird (z. B. die Darstellung einer Sandbiene mit einer Schaufel). Nachdem sich die

Kinder per Handheben für eine Antwort entschieden haben, sagt die Leiterin, wer Recht hatte

und zeigt zum Beweis eine Zeichnung mit der entsprechenden Nistweise herum. Mit den

folgenden Strophen wird genauso verfahren.

Bienen-Nistwand beobachten:

Liste „Bestimmungshinweise für häufige Hautflügler an Nisthilfen“

Zeichnung Nisthilfenwand mit Füllung

Foto Nestverschlüsse von Scherenbiene, Mauerbiene und Grabwespe

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Der Besuch einer Bienen-Nistwand ist natürlich deutlich interessanter als das Betrachten von

Fotos. Aber selbst an einer besiedelten Nisthilfe sieht man nicht immer lebende Bienen, z.B.

bei Regen. Mögliche Fragen: „Was sieht man“, „Woran erkennt man, welcher Bewohner

dort eingezogen ist“

Betrachtet man die Art des Verschlusses (es werden u. a. Lehm, Pflanzenmaterial, Steine oder

Harz verwendet), und den Durchmesser des Einfluglochs (er lässt auf die Größe der

Wildbiene schließen) kann man schon einige Aussagen treffen. Außerdem ist die Flugzeit

artspezifisch. Anhand der Nahrung, die das einfliegende Tier einträgt, kann man überprüfen,

ob es sich um eine Wildbiene oder eine Wespe handelt, von denen man auch einige Arten an

Nisthilfen beobachten kann. Wildbienen sind reine Vegetarier und tragen nur Pollen für ihren

Nachwuchs ein, Wespen auch tierische Kost wie Insekten und ihre Raupen. Die in Frage

kommenden Wildbienenarten kann man noch weiter eingrenzen, wenn man erkennen kann,

ob die Tiere den Pollen am Bauch oder an den Beinen eintragen.

Spiel „Brutzellen bauen“:

2 Bambusstangenhälften, der Länge nach gespalten, pflaumengroßes Stück Knete, Dose mit

Grieß, 2 Zahnbürsten, Becher mit Wasser, 2 Pipetten (+ 1 als Ersatz), Reiskörner, Tisch

Die Kinder stellen sich in zwei Schlangen nebeneinander auf. Zwischen ihnen steht ein Tisch,

darauf eine Bambusstangenhälfte für jede Gruppe und ein Becher mit Reiskörnern. In ca. 10

m Entfernung stehen ein Becher mit Wasser, ein Teller mit Knete und eine Dose mit Grieß.

Der Spielleiter steht zwischen den Gruppen und hält zwei Pipetten und zwei Zahnbürsten in

den Händen. Die Gruppen sollen in einer vorgegebenen Zeit möglichst viele Brutzellen

hintereinander in ihre Bambusstangenhälfte bauen. Die Gruppe mit den meisten vollständigen

Zellen gewinnt.

Die typische Brutzelle einer Wildbiene in einem Stängel (im Spiel Bambusstange) besteht

aus einer Wand z. B. aus Lehm (im Spiel Knete), dem Proviant für den Nachwuchs in Form

von Pollen (Grieß) und Nektar (Wasser), der in einer Bauchbürste (Zahnbürste) gesammelt,

bzw. mit dem Saugrüssel (Pipette) aufgesogen wird, dem Ei (Reiskorn), das auf den Proviant

gelegt wird und einer abschließenden Wand (Knete), hinter der die nächste Zelle beginnt.

Daraus ergibt sich, welches Kind welchen Auftrag hat: Das jeweils erste Kind jeder Gruppe

läuft los, holt ein Stück Knete und setzt es als Wand in die Bambusstangenhälfte seiner

Gruppe ein. Erst wenn es sich hinten angestellt hat, darf das nächste Kind der Gruppe

loslaufen. Es nimmt eine Zahnbürste vom Spielleiter mit, nimmt damit möglichst viel Grieß

auf und streift ihn in der Zelle ab. Dann stellt es sich ebenfalls hinten an. Wenn die Menge an

Grieß nicht ausreicht (so viel, dass man eine erbsengroße Kugel daraus formen könnte), muss

das nächste Kind ebenfalls Grieß holen. Das dann folgende Kind läuft mit einer Pipette zum

Wasserbecher und saugt damit Wasser auf, das es auf den Grieß träufelt (ein Tropfen genügt).

Das nächste Kind holt wiederum Knete und baut die Abschlusswand. Dann beginnt in

gleicher Weise die Befüllung der nächsten Zelle usw., bis der Leiter das Spiel beendet und die

Zellen beider Gruppen gezählt werden.

Das Spiel verbindet motorische mit mentalen Anforderungen und fördert die Kommunikation

der Kinder untereinander, da sie darauf achten müssen, was ihr Vorgänger gemacht hat und

die Gruppe schnell merkt, dass sie erfolgreicher ist, wenn die Kinder sich gegenseitig Tipps

geben, was als nächstes zu tun ist.

Hinweise: Die Leiterin soll darauf hinweisen, dass immer nur ein kleines Stück Knete

genommen werden darf, weil es sonst für die restlichen Zellen nicht mehr reicht. Die Kinder

müssen die Zahnbürste bzw. die Pipette dem Leiter zurückgeben, bevor sie sich wieder hinten

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anstellen. Bei jüngeren Kindern sollte der Leiter die Funktionsweise einer Pipette

demonstrieren.

Anpassungen an das Sammeln von Pollen:

Zeichnungen Bein von Honig- und Wildbiene mit und ohne Beschriftung

Fotos Rote Mauerbiene (Bauchsammler) und Hosenbiene (Beinsammler)

Honigbienen feuchten den Pollen mit Nektar an und transportieren diese Fracht in Form von

Paketen mit Hilfe eines speziellen Sammelapparats an den Beinen. Bei den Wildbienen gibt

es Bein- und Bauchsammler. Die Beinsammler sammeln den Pollen mit Beinbürsten, das sind

behaarte Stellen am hinteren Beinpaar, in denen der Pollen sich verfängt. Bei den

Bauchsammlern befindet sich die behaarte Stelle entsprechend auf der Unterseite des

Hinterleibs. Der Pollen wird nicht angefeuchtet. Weil dadurch ein größerer Teil des Pollens

auf der nächsten besuchten Blüte verbleibt als bei den Honigbienen, sind Wildbienen die

effektiveren Bestäuber.

Entwicklung

Foto Röhrchen mit weiblicher und männlicher Bienenbrut in verschiedenen Stadien

Die Entwicklung der Wildbienen (s. Sachinformationen) wird besprochen. Ideal ist natürlich

ein Beobachtungskasten mit Röhren aus Glas, in denen die Brutzellen mit den verschiedenen

Entwicklungsstadien (Ei mit Pollenvorrat, Larve, Puppe) betrachten werden können.

Allerdings bergen diese Röhrchen die Gefahr, dass ein großer Teil der Brut verschimmelt.

Atmungsaktiver sind Röhrchen aus Holz, die nur an der Oberseite mit Glas abgedeckt sind.

Sowohl die Eier, aus denen Männchen schlüpfen, als auch die männlichen Larven und Puppen

sind kleiner als die der Weibchen. Die männliche Brut befindet sich in den vorderen Zellen.

Obwohl die Eier, aus denen Männchen werden, also zuletzt gelegt wurden, schlüpfen

Wildbienen-Männchen vor den Weibchen, ihre Entwicklungszeit ist kürzer.

Aktion „Nisthilfen bauen“:

Bauanleitung

Sollen die Eltern mit einbezogen werden, macht es Sinn, den Kindern ein Informationsblatt,

eine Nisthilfe und ein Blumentöpfchen mit einer Wildbienensaatmischung oder zumindest

eine Liste mit Bienenpflanzen mit nach Hause zu geben. Nicht alle Familien haben einen

Garten, aber selbst auf einem kleinen Balkon oder sogar einer Fensterbank findet sich Platz

für ein Bienenhotel und einige Glockenblumen im Topf. Keine andere Tiergruppe eignet sich

derart für faszinierende Beobachtungen aus nächster Nähe wie die Wildbienenweibchen, die

unermüdlich Baumaterial und Proviant herbeischaffen und ihr gesamtes, nur vier bis sechs

Wochen dauerndes Leben der Brutfürsorge widmen.

Es ist darauf zu achten, dass die Niströhren eine Tiefe von ca. 8 - 10 cm nicht unterschreiten,

damit mehrere Brutzellen hintereinander angelegt werden können.

Die fertigen Nisthilfen müssen an einem sonnigen, nach Süden oder Südosten exponierten

und vor Regen geschützten Standort angebracht werden. Nisthilfen aus Lehm müssen nicht

gebrannt werden. Sie können einfach zum Trocknen am endgültigen Standort aufgestellt

werden.

Aktion „Bienenpflanzen säen“:

Liste „Nahrungspflanzen für Wildbienen“, Blumentöpfchen, Untersetzer und Esslöffel für

jedes Kind, Erde, Wildbienen-Blumensaat, Wäschesprenger zum Angießen

Besteht keine Möglichkeit, in der Schule wenigstens einen Kasten zu bepflanzen, sollte

zumindest jedem Kind ein Blumentöpfchen mit einer wildbienenfreundlichen Saatmischung

mit nach Hause gegeben werden, um deutlich zu machen, dass zu einem umfassenden Schutz

von Wildbienen auch Nahrungspflanzen in der näheren Umgebung der entsprechenden

Nisthilfen gehören. Darauf hinweisen, dass die Samen nicht zu dicht gesät werden!

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