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Hot Stripe - Space Kites

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Alles Easy

Easy reloaded und

Easy² von Level One

Ausgabe 6/2009 – Dezember/Januar Deutschland: 5,50; A: 6,20; CH sfr 10,80; DK: dkr 62,00; B/NL/L: 6,30; F: 7,20; I: 7,70; E: 7,70

Eisblume

Independent im Eigenbau

Belle Époque

Fête du Vent in Marseille

Meister der Großdrachen

Interview mit Cliff Quinn

Himmelsstürmer

Symphony von Invento

Der folgende Bericht ist in der

Ausgabe 6/2009 des Magazins

Sport & Design Drachen erschienen.

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LENKDRACHEN

Zeitsprung

Hot Stripe von Space Kites

Text: Richard Wilmanns

Bilder: Manuel Wilmanns

Wer einmal genauer dem Flug einer Schwalbe zusieht, wird folgende Beobachtung machen:

Schwalben fliegen schnell und ihr Flug ist so präzise, dass sie in einem Stakkato von

fliegerischen Zickzacksequenzen zielgerichtet ihre kleinen geflügelten Beutetiere mit dem

Schnabel ergreifen können. Außerdem sind Schwalben in der Lage, einen sehr stabilen

Schwebeflug durchzuführen. Das beobachtete auch Michael Tiedtke von Space Kites und führte

zumindest einen Teil der Flugeigenschaften von Schwalben auf die stabilisierende Wirkung

ihres gespaltenen Schwanzes zurück. 1995 zog er die Konsequenz aus diesen Beobachtungen,

indem er einen Drachen mit einer Art Schwalbenschwanz baute, den er auf den Namen

Hot Stripe“ taufte.

Name:

Fakten

Tiedtkes Erwartung war: Außergewöhnlich

schnell, präzise und

wendig sollte der Drachen sein.

Das war er dann auch tatsächlich.

Dennoch: Um jeglichen Irrtum auszuschließen,

baute Michael Tiedtke den

gleichen Drachen noch einmal, aber ohne

Schwalbenkiel, ganz konventionell. Er

verglich die Flugeigenschaften des Hot

Stripe mit dem Vergleichsdrachen und

sah sich in seiner Theorie bestätigt: Der

Hot Stripe flog eindeutig besser. Letztlich

war es dann auch der Hot Stripe, der

Michael Tiedtke in die Umlaufbahn der

bekannten und erfolgreichen Drachenbauer

katapultierte.

Ende Februar 2010 wird der Hot Stripe

sein 15-jähriges Jubiläum feiern. Auch

wenn die Entwicklungen im Drachenbau

in diesen Jahren weiter gingen, wurden

seit Bestehen des Hot Stripe nur die

Verbinder und Details seiner Waage im

Rahmen der Modellpflege verändert, von

denen letztere aber für die Flugeigenschaften

nicht von Bedeutung sind.

Angesichts dessen wird dieser Test auch

die Frage beantworten müssen, ob der für

Nähte wie mit dem Lineal gezogen

Hot Stripe

Hersteller: Space Kites

Kategorie:

Empf. Verkaufspreis:

Spannweite:

Standhöhe:

Allround, Präzision,

Power, Speed

135,– Euro

230 cm

100 cm

Kiellänge: 76 cm

Leitkantenlänge (Packmaß):

Segel:

Gewicht:

Gestänge:

149 cm

Porcher Marine 42 g/qm

300 g

6-mm-GFK

Stand-Offs: 3/2-mm-CFK

Abspannung „Schwalbenschwanz“:

3-mm-CFK

Seitenverbinder:

Mittelkreuz:

Empf. Leine:

Windbereich:

APA

HQ

50-130 daN, 30 m

1-7 Bft.

135,– Euro erhältliche Hot Stripe von

Space Kites den aktuellen Ansprüchen an

einen modernen Allrounder überhaupt

genügen kann.

Transport light

Laut Michael Tiedtke verzichten einige

Drachenfreunde aus Transportgründen

gern auf mehr oder weniger raumgreifende

Drachenköcher. Deshalb wird auch

der Hot Stripe standardmäßig in einem

Sack aus dünnem Fahnentuch geliefert.

Dessen Funktion ist es, den Drachen

nebst des dazu passenden Gestänges

zusammenzuhalten, weshalb er aber auch

nicht in der Lage ist, seinen Inhalt vor

äußeren Einflüssen zu schützen. Hinzu

kommt, dass der Hot Stripe ohne

Gebrauchsanleitung geliefert wird. Allerdings

trägt sich Michael Tiedtke mit dem

Gedanken, in Zukunft Drachenköcher

gegen Aufpreis anzubieten und eine

Gebrauchsanleitung zu liefern.

Dass die inneren Werte oft wichtiger sind

als der äußere Schein, erweist sich auch

im Fall des Hot Stripe als zutreffend. Wie

anfangs schon erwähnt unterscheidet

sich der Hot Stripe von anderen gängi ­

gen Lenkdrachen durch einen Kielbereich,

der einem Schwalbenschwanz

ähnelt. Hinzu kommt eine Aufteilung

der Segelpaneele, die hervorragend zu

dieser Besonderheit passt. Das unverwechselbare

und rassige Outfit des Hot

Stripe vermittelt das Gefühl, einen ganz

besonderen Drachen zu fliegen.

Verarbeitung top

Die 18 Paneele des Segels aus hochwertigem

Porcher Marine mit 42 Gramm pro

Quadratmeter sind mit absolut sauberen

sowie schnurgeraden doppelten, geschlossenen

Kappnähten (visuelle Königsdisziplin

der Nähtechnik) zusammengefügt.

Dieser positive Eindruck von

Unverwechselbar extravagantes Outfit

Verstärkung des Mittelkreuzbereichs

auf der Rückseite

Akkuratesse setzt sich bei der ebenso

sorgfältig ausgeführten Verbindung des

Segels mit den Einfassungen der

Leitkanten fort. Letztere wurden genau

wie die eingesäumten Schleppkanten

über jeweils eine Splitkappe am Ende

Feine, aber stabile Nase

58 www.sport-und-design-drachen.de

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LENKDRACHEN

Ein großartiges Flugbild ist

das Ergebnis ausgeklügelter

Entwicklungsarbeit

der Seitenstäbe abgespannt. Die

Einfassungen der Seitenstäbe für

die 6-Millimeter-Seitenverbinder

von APA sind großzügig ausgeschnitten.

Die oberen Seitenverbinder

sind mit einer

Kombination von Clip und

Schlauch vor Verrutschen

nach unten gesichert. Ein

Clip sichert die unteren

Seitenverbinder nach

oben und die Kombi nation von Clip und

Schlauch fixiert sie nach unten hin.

Das Umfeld des eng eingefassten

6-Millimeter-Mittelkreuzes von Exel ist

ausreichend mit Dacron verstärkt, zumal

auf der Rückseite des Segels eine weitere

Verstärkung um das Mittelkreuz herum

aufgenäht ist. Wie es sich gehört, sind die

unteren Spreizen des Hot Stripe mittelkreuzseitig

mit GFK ausgefüttert, um das

Bruchrisiko in diesem Bereich zu verringern.

Der Kielstab wird mittels Klettverschluss

abgespannt. Die stabile Nase

des Hot Stripe besteht aus Lkw-Plane und

ist doppelt mit Dacron unterlegt. Der

„Schwalbenschwanz“ wird durch zwei

3-Millimeter-GFK-Stäbe über Splitkappen

am Segel und ein mittels Clip gesichertes

Pro & Contra

Besonders gelungenes Outfit

Herausragende Verarbeitung

Sehr hohe Präzision

Hohe Zugkraft und Geschwindigkeit

Sehr hohe Inlandtauglichkeit

Leichte Scheuerstellen am Segel

Keine Gebrauchsanleitung

Schlauchstück am Kielstab abgespannt.

Bei näherer Betrachtung finden sich

rechts und links von den Kanten des

Schlauchstücks Abriebspuren am Segel.

Der Grund dafür ist, dass die Enden des

Schlauchstücks beim zusammengerollten

Drachen ins Segel drücken und die

Schutzschicht leicht beschädigen. In

Zukunft sollte das Segel des Hot Stripe

daher an diesen Stellen mit einem

schmalen Streifen Dacron vor Abrieb

geschützt werden.

Die vier Stand-Offs des Hot Stripe sitzen

in Clips an den Schleppkanten des Segels

und spannen diese an den unteren

Spreizen ab. Im Bereich der Clips ist das

Segel mit doppelten Lagen aus Dacron

beidseitig verstärkt. Die Waage des Hot

Abspannung des Schwalbenschwanzes

Stripe besitzt an den oberen Seitenverbindern

drei Knoten, an denen sie

den jeweiligen Windverhältnissen gemäß

verstellt werden kann. Ein vierter Waageschenkel

führt jeweils zur Mitte der

Seitenstäbe, um ein Durchbiegen bei

Starkwind zu verhindern. Diese Schenkel

müssen bei Änderungen der Waageeinstellung

ebenfalls über eine Knotenleiter

verkürzt oder verlängert werden,

damit sie ihrer Funktion nachkommen

können und nicht durchhängen.

Zwischen den oberen und mittleren

Waageschenkeln links und rechts befindet

sich jeweils noch ein quer verlaufender

Auffangschenkel. Dieser verhindert

ein Verheddern der Waage im Kielbereich

und ist insbesondere für den Trickflug

von Bedeutung.

Leichtwind-Künstler

Schon ab einer Grundwindstärke von

1 Bft. lässt sich der Hot Stripe an

50-Dekanewton-Schnüren und mit

ruhigen Lenkbewegungen gut fliegen.

Unendlich langsam schleicht er über

die Wiese. Es ist die Faszination der

Langsamkeit, an der auch zuschauende

Spaziergänger teilhaben. Bei einer

Zunahme der Windstärke bis gut 3 Bft.

lässt sich der Hot Stripe an 70-Dekanewton-Schnüren

zwar immer noch recht

entspannt fliegen, jedoch nimmt seine

Geschwindigkeit deutlich zu. Er fliegt

enge Spins um die Flügelspitze und

gewinnt an Stabilität am Windfensterrand.

Enge Spins rechts herum quittiert

der Hot Stripe allerdings mit einem

Flattergeräusch der linksseitigen Schleppkante,

die deshalb nachgespannt werden

musste. Dann fliegt er völlig leise.

Der Hot Stripe reagiert mit beeindruckender

Präzision auf Lenkbefehle.

Knapp über der 3-Bft.-Grenze und an

100-Dekanewton-Leinen gibt er seinem

Piloten mit handfester Zugentwicklung

einen ersten Eindruck von seinen

Kraftpotenzialen.

Stürmerqualitäten

Fortgeschrittene Einsteiger, die gängige

Flugmanöver beherrschen, finden im Hot

Stripe einen Partner, mit dem sie über ein

breites Windspektrum von 1 bis 7 Bft. ihr

Flugvermögen weiterentwickeln können.

Ab 4 bis 5 Bft. aufwärts sollten Piloten

allerdings Vorsicht walten lassen, da der

Hot Stripe jetzt sein Anforderungsprofil

in Sachen Speed und Power deutlich

erhöht. Bei Wind zwischen 6 und 7 Bft.

in einer steileren Waageeinstellung und

an Leinen von 130 Dekanewton entwickelt

er Speed- und Powerqualitäten, die

einen sehr erfahrenen und aufmerksamen

Piloten erfordern: Für einen

Drachen seiner Größe (Flugspannweite

230 Zentimeter) rast er nun mit sehr

hoher Geschwindigkeit durch das

Windfenster. Lenkbefehlen folgt er schnell

und präzise. Der Hot Stripe absolviert

bezug

Space Kites

Middelsburer Padd 10

26553 Dornum

Telefon: 049 33/22 53

E-Mail: shop@spacekites.net

Internet: www.spacekites.net

Die Faszination der Langsamkeit – Fliegen mit

dem Hot Stripe bei einem Hauch von Wind

rasante Spins fast gänzlich ohne Höhenverlust

und verlässt sie wie auf Schienen.

Auf abrupte Richtungswechsel reagiert er

mit enormer Wendigkeit und beeindruckender

Präzision.

Der Hot Stripe fordert seinen Piloten

förmlich heraus. Schnelle Orts- und

Richtungswechsel sowie riskante bodennahe

Flüge des Drachens sind eine echte

Herausforderung. Zu diesem Flugverhalten

passt dann auch die hohe Zugkraft

des Hot Stripe, der zumindest leichtgewichtigere

Piloten bei starkem Wind zügig

über den Rasen zieht. Auch bei Starkwind

kann man den Hot Stripe nicht hören, er

fliegt gespenstisch leise. Nur wer näher

bei ihm steht, vernimmt ein Zischen,

wenn der Drachen vorbeifegt.

Dauerbrenner

Die drei herausragenden Flugeigenschaften

des Hot Stripe sind Präzision, Speed

und Power, die allesamt auf sehr hohem

Niveau angesiedelt sind. Hinzu kommt

Der Hot Stripe lockert

sogar monotones Grau auf

mit einem großen Windbereich von 1 bis

7 Bft. und unkritischen Reaktionen auf

Windlöcher sowie Böen die hohe

Inlandtauglichkeit dieses Drachens. Das

Schwalbenschwanz-Konzept des Hot

Stripe beeinflusst nicht nur seine Flugeigenschaften

positiv, es verleiht ihm in

Verbindung mit einer absolut stimmigen

Paneelaufteilung des Segels eine Individualität,

die ihresgleichen sucht. All

diese Eigenschaften garantieren ein außergewöhnliches

Flugvergnügen.

Zusammenfassend sei gesagt, dass der

Hot Stripe zu einem völlig angemessenen

Preis die an einen Allrounder gestellten

Ansprüche sehr gut umsetzt. Nach

wie vor zählt er zu den Spitzendrachen

unter den Allroundern. Damit

steht seiner Jubiläumsfeier nichts

mehr im Wege.

Die Waage des

Hot Stripe

Anzeige

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