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Mat.-Nr. 06051-5102

Deutschland 6,80 €

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Das Magazin für den innovativen Unternehmer

DEZEMBER 2011

www.profi rma.de

Ein bisschen Sport

muss sein Unternehmer

WAHRER ALBTRAUM

Immer häufi ger wittert der

Fiskus eine verdeckte Gewinnausschüttung.

Seite 58

LEICHTER ZUGRIFF

Mobile Webseiten eignen sich

für kleine Firmen meist besser

als eine App. Seite 66

sind erfolgreicher, wenn

sie die Gesundheit ihrer Mitarbeiter

fördern. Schon ein kleiner Aufwand

zahlt sich kräftig aus. Ab Seite 24


Hauke Carstensen, einer von rund 160.000 Mitarbeitern der Volksbanken Raiffeisenbanken:


Gesunder Ehrgeiz, schön und gut. Aber dabei sollte eines nie auf der Strecke bleiben:

die Fairness. Fair ist, wer jedem Menschen – ob groß, klein, jung oder alt – den gleichen

Respekt entgegenbringt, den er sich auch selbst wünschen würde. Deshalb ist Fair Play

für mich mehr als ein Fachwort aus dem Sport. Es ist eine Überzeugung, und zwar

eine urgenossenschaftliche: Beim gerechten Umgang miteinander sind alle Gewinner.“

Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt.

vr.de/ueberzeugung

Wir machen den Weg frei.

Wir machen den Weg frei. Gemeinsam mit den Spezialisten der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken: DZ BANK, WGZ BANK,

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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser, dass Gesundheit unser höchstes Gut ist, erklären uns

nicht nur die Krankenkassen und das Grundgesetz, sondern auch der gesunde

Menschenverstand: Ohne Gesundheit ist alles nichts. Aber von jedem persönlichen

Zipperlein einmal abgesehen, ist der Gesundheitsschutz auch in den Fokus

der Wirtschaftsforscher gerückt, weil es harte Zahlen gibt. Laut einer Studie

von Booz & Company lasten auf Deutschlands Arbeitgebern krankheitsbedingte

Kosten von jährlich rund 3.600 Euro je Arbeitnehmer. Für alle deutschen Unternehmen

summierte sich dieser Aufwand im Jahr 2009 auf schwindelerregende

129 Milliarden Euro.

Besonders interessant ist dabei, dass nur ein Drittel dieser Kosten aus den reinen

Fehlzeiten resultiert. Der größere Teil entsteht dadurch, dass Mitarbeiter auch

zur Arbeit kommen, wenn sie krank sind. Das erhöht die Fehleranfälligkeit,

steigert die Zahl von Unfällen, vermindert bestenfalls nur das Tempo und die

Qualität. Nicht zu vergessen, dass auch noch Kollegen angesteckt werden.

Das Bewusstsein für diese Zusammenhänge wächst nur langsam. „Im deutschen

Mittelstand gibt es kein betriebliches Gesundheitsmanagement, das den Namen

verdient“, beklagt der frühere Personalleiter der Sick AG in Waldkirch, Rudolf

Kast, der dort selbst ein solches Management aufgebaut hat. In unserer Titelgeschichte

ab Seite 24 stellen wir Ihnen daher einige Unternehmer vor, die auf diesem

Gebiet mit gutem Beispiel vorangehen. Die Initiativen, die sie angestoßen

haben, und die Programme, die erfolgreich in ihren Betrieben laufen, lassen sich

in vielen Firmen ebenso umsetzen. Das ist sinnvoll, denn damit sinkt der Krankenstand,

und die Mitarbeiterzufriedenheit steigt. Das ist doch ein Ansporn!

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

dieter.roemer@profi rma.de

ProFirma 12 2011

Chefredakteur Dieter Römer

Gesundheit!

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Wissen und Werkzeuge für Unternehmer.

Wirtschaftsmagazin, Themenportal und

Unternehmer-Cockpit.

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Inhalt 12.2011

Titelthema:

Ein bisschen Sport

muss sein

Unternehmer sind erfolgreicher, wenn

sie die Gesundheit ihrer Mitarbeiter

fördern. Schon ein kleiner Aufwand

zahlt sich kräftig aus.

29 Interview Zum richtigen Gesundheitsmanagement

gehört mehr als

ein Betriebsarzt, meint der Mediziner

Dr. Wolfram Pfeiffer.

12

Milorad Krstic hat aus einer kleinen Werkstatt

für Autopfl ege ein Unternehmen mit weltweit

500 Mitarbeitern aufgebaut.

42

Mitarbeiterjahresgespräche sind ein

wichtiges Element der Personalentwicklung.

24

08 Wir Unternehmer

08 Innovator des Monats Der frühere Spitzensportler

Olivier Bernhard hat einen Laufschuh mit neuem Dämpfungssystem

entwickelt.

10 Redezeit Produktion auf Bestellung ist die richtige Strategie,

um hohen Nachfrageschwankungen zu begegnen, sagt der

Unternehmensberater Jürgen Abel.

12 Unternehmerporträt Milorad Krstic – ein Visionär mit Bodenhaftung.

16 Mittelstand 2.0 Papersmart macht den Markt für Büromaterial

transparent.

18 Auszeit Whale-Watching vor Teneriffa.

20 Wirtschaft & Politik Rekorddefi zite und Rekordsteuereinnahmen.

24 Unternehmensführung

24 Titelthema Kleiner Aufwand, große Wirkung Eine gezielte Gesundheitsförderung

leistet in Betrieben einen wichtigen Beitrag, den

Krankenstand zu senken und die Mitarbeiterzufriedenheit zu erhöhen.

34 Wirtschaftsstandort Der Ökonom Professor Thomas Straubhaar sieht

die deutsche Wirtschaft für Krisen gut gerüstet.

38 Strategie Wie Arbeitgeber im Kampf um Talente das Internet nutzen.

42 Mitarbeitergespräch Gute Noten, schlechte Noten.

45 Querdenker Professor Martin Beck über die Tücken von Call-Centern.

46 Recht Die Vergütung von Betriebsräten ist ein gefährlicher Marsch

durch ein Minenfeld.

4 ProFirma 12 2011


48 Finanzen & Steuern

48 Trends Familienunternehmen lassen nichts anbrennen.

50 IT-Leasing Tausche alt gegen neu.

54 Auslandsgeschäft Bei der Erschließung neuer Märkte sind die

Banken ein wichtiger Dienstleister.

57 Soll & Haben Ecovis-Steuerberater Erwin Reichholf über die

Missbrauchsbekämpfung bei der Umsatzsteuer und die Folgen

für Betriebe.

58 Betriebsprüfung Die Umsatzsteuer-Nachschau bringt viele

Firmenchefs ins Schwitzen.

60 Steuertipp Die wichtigsten Änderungen im Steuerrecht im Jahr 2012.

62 GmbH-Chef Der Fiskus bestimmt beim Gehalt mit.

66 IT & Investition

Special Business Digital

66 Kommunikation Mobile Websites eignen sich für kleine Unternehmen

besser als Apps.

70 ERP-Software Web-basierte Dienste und Cloud-Services ergänzen die

klassische Unternehmens-Software.

74 Cole‘s Corner Drehbuch für Raubkopierer.

76 QR-Codes Brücken ins Netz.

80 Zeiterfassung Mit der richtigen Software lassen sich Projekte effi zi-

enter abrechnen.

84 Business English

www.profi rma.de

ProFirma 12 2011

Lektion 21 Briefe zum Jahresende

an die Geschäftspartner

sind eine schöne Tradition. Bei

der Korrespondenz an englischsprachige

Empfänger gilt es

einige Regeln zu beachten.

Das Portal für den innovativen Unternehmer

Rubriken

03 Editorial

06 ProFirma Professional

88 Rückschau, Termine

89 Vorschau, Impressum

90 Schluss mit lustig (40)

Diese vier ausgewählten Arbeitshilfen aus dem umfangreichen Angebot von

ProFirma Professional haben wir in diesem Monat für Sie kostenlos freigeschaltet:

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■ Fachbeitrag Social Media im Personalmanagement.

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Mit dem Top-Thema des Monats bietet ProFirma Professional

seinen Abonnenten eine Zusammenstellung von Fachbeiträgen

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Wie viel Umsatz wird mein Unternehmen im kommenden

Planungszeitraum erwirtschaften? Reicht die Liquidität aus? Diese

und ähnliche Fragen beschäftigen vor dem Beginn eines neuen

Geschäftsjahres viele Unternehmer. Haufe-Index: 1828510

Finanzplanung mit Soll/Ist-Vergleich Haufe-Index: 1828511

Moderne Budgetierung: Praxisbeispiele Haufe-Index: 2671856

Finanz- und Liquiditätsplanung Haufe-Index: 659848

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Fehlzeiten haben in der Praxis gravierende Auswirkungen auf Unternehmen.

Um die Krankheitszeiten zu reduzieren, ist es erforderlich,

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■ Projekt-Controlling Haufe-Index: 1413286

Projekt-Controlling ist die betriebswirtschaftliche Begleitung der

Prozesse innerhalb des Projektmanagements.

■ Lohnsteuertabelle Haufe-Index: 642123

Im Dezember 2011 gibt es komplett neue Lohnsteuerwerte. Diesem

Rechner können alle Werte tagesgenau entnommen werden.

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Das Vertragsmuster enthält eine Vereinbarung über die Gewährung

einer Pensionszusage durch die GmbH an ihren Geschäftsführer.

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Wir Unternehmer – Innovator des Monats

Olivier Bernhard

Laufen auf der Wolke

Der Spitzensportler Olivier Bernhard hat einen Laufschuh mit einem neuen Dämpfungssystem entwickelt,

der gegenüber anderen Sportschuhen auch noch die Herzfrequenz senkt. VON MICHAEL BAHNERTH

Am Anfang der Erfolgsgeschichte stand die Qual. Olivier

Bernhards Qual. Ein Dutzend Jahre Spitzensport. Er war drei

Mal Duathlon-Weltmeister, hält beim Ironman-Triathlon auf

Hawaii mit 2,41 Stunden immer noch die drittbeste Laufzeit

überhaupt. Aber seine Archillessehnen blieben auf der Strecke.

Laufen war nur noch Schmerz. Er lernte einen Ingenieur kennen,

der eine neuartige Gummisohle unter einen herkömmlichen

Schuh geklebt hatte. Bernhard lief wie auf Wolken, und

seine Archillessehnen waren wieder so, wie sie sein sollten:

Einfach nur klaglos da. Er entwickelte den Schuh weiter.

Bernhard traf zwei Marketingspezialisten, beide auch passionierte

Läufer. „Start-up“, fragten David Allemann und Caspar

Coppetti, „mit Laufschuhen?“ Sie entwickelten Prototypen

und gingen Laufen. Danach hängten sie ihre Jobs an den Nagel,

gründeten die Firma „On“. Das war im Januar 2010, in Zürich.

Ihre Sohle aus 13 Wolkenelementen nannten sie „Cloud-

Tec“. Einen Monat später gewannen sie den „Ispo BrandNew

Award“, einen Innovationspreis, 300 Mitbewerber ließen sie

hinter sich. Von da an war klar, dass „On“ mitrennen wird im

David Allemann, Caspar Copetti und Olivier

Bernhard (v.l.) tragen die aktuellen Modelle

des neuartigen Laufschuhs Cloud-Tec.

weltweit Zehn-Milliarden-Euro-Laufschuhmarkt. Dieses Jahr

verkauften sie 40.000 Paare zum Listenpreis von 159 Euro, in

2012 werden es wohl 80.000 sein in 400 Verkaufsstellen.

„Der Schuh funktioniert so“, sagt Bernhard: „Er ermöglicht

weiches Landen und hartes Abstoßen, da sich die Luftkissen

beim Landen sanft nach hinten verschieben. Nach der Landung

sind sie fest verschlossen, und dann kann man sich richtig

kraftvoll abstoßen.“ Bernhard spricht von einem „komplett

neuen Laufgefühl“. Nun kommt das „Institut für Bewegungswissenschaften

und Sport“ der ETH Zürich ins Spiel, Professor

Boutellier. Er nahm 40 gut trainierte Läufer und schickte

sie aufs Laufband, mit ihrem Schuh und dem „On“-Gerät.

Und jetzt kommt’s: Im Schnitt hatten die Probanden mit dem

neuen Schuh einen um zwei Schläge niedrigeren Puls. Zwölf

Läufer konnten ihre Herzfrequenz sogar um zehn Schläge pro

Minute reduzieren, und wer selbst läuft, kennt den Unterschied,

ob er mit 155 Schlägen unterwegs ist oder mit 145. Der

Schuh hat im Grunde nur einen Nachteil: Laufen muss man

immer noch selbst. www.on-running.com

8 ProFirma 12 2011

Foto: On


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Wir Unternehmer – Redezeit

Jürgen Abel

Immer mehr bringt immer weniger

Hohe Lagerbestände sind gefährlich und gefährden sogar das Unternehmen, wenn sich die Nachfrage

ändert. Produktion auf Bestellung ist heute deshalb die richtige Strategie.

Die Autos gehen wieder vom Band, der

Teileeinkauf läuft auf Hochtouren und

die Auftragsbücher der Zulieferer sind

gefüllt. Schnell soll der erlittene Verlust

der Krise kompensiert werden, und die

Produktion wird auf Volllast gefahren.

Auf die Gefahr hin, Vorräte anzuhäufen,

wird dieser Aufholkurs gerade von

Unternehmen praktiziert, die in Zeiten

entstanden, als sich die Produktion

noch unabhängiger von der Nachfrage

fühlte. Es war schließlich Verlass auf

den Vertrieb, der früher oder später für

Absatz sorgte. Zwar entstanden gewisse

Lagerbestände, aber die gingen bis jetzt

noch immer weg!

So dachte auch ein deutscher Stoßfängerhersteller.

Die Maschinen liefen auf

Hochtouren, obwohl das Auftragsvolumen

überschaubar war. Plötzlich

musste sich das Unternehmen mit einer

Überproduktion auseinandersetzen,

die früher noch zuverlässig durch den

Vertrieb abgebaut wurde. Das geschah

nicht, denn der Kunde bestellte nun

Stoßfänger für eine Sonder-Edition und

hatte keinen Bedarf an der Überproduktion.

Sogar Rabatte halfen nichts, die

Lager blieben verstopft. So war auch

kein Platz für die nötigen Rohstoffe,

und der Liefertermin verschob sich immer

weiter. Was war passiert? Das Unternehmen

hatte sich auf ein Produkt

ausgerichtet und daran die gesamte

Produktivitätsoptimierung angepasst.

Nun waren die Auftragsbücher zwar

voll, aber trotzdem steckte das Unternehmen

in der Bredouille.

Vor 20 Jahren noch wäre unser Zulieferer

im Trend gelegen, weil sich Unternehmen

auf die Herstellung eines Teils

spezialisieren konnten. Ablaufveränderungen

waren nicht zu erwarten. Heute

hingegen ist aus einem Produzentenmarkt

vielmehr ein Kundenmarkt

geworden. Die Käufer bestimmen, was

produziert wird, wann und wie viel geliefert

werden soll.

Jürgen Abel

berät mittelständische Unternehmen bei

der Optimierung ihrer Produktion. Seit mehr

als 25 Jahren beschäftigt er sich mit dem

industriellen Supply-Chain-Management.

Im Juni erschien sein Buch „Die fl exible

Produktion, Praxisbuch für Entscheider“

bei MI-Wirtschaftsbuch.

Info: www.juergenabel.de

Während es vor 20 Jahren eine Standardstoßstange

aus Stahl gab, die auf viele

Modelle passte, gibt es heute unzählige

Varianten für jedes Modell. Der Endkunde

kann entscheiden, ob er seine Stoßfänger

mit Nebelscheinwerfern möchte,

ob Parksensoren integriert sein sollen,

ob eine Wischanlage eingebaut werden

kann und welche Größe die Nummernschildaussparung

haben soll. Diese Variationen

müssen nun noch mit allen

lieferbaren Wagenfarben multipliziert

werden, und es entsteht eine Vielfalt von

bis zu 300 unterschiedlichen Stoßfängern

in kleinen Abnahmevolumina.

Der Sprung vom mitternachtsblauen

Stoßfänger mit Nebelscheinwerfer und

Parksensor heute zum rubinroten Stoßfänger

mit Wischanlage und kleiner

Nummernschildaussparung morgen

mag groß sein, aber er wird zusehends

Produktionsalltag. Hierzu muss der

Blick wegschweifen von der maximalen

Auslastung der Maschinen, hin zum

Bedarf des Kunden. Wer zukünftig nur

das produziert, was beauftragt ist, kann

schnellen Marktveränderungen gelassen

entgegenblicken und Kunden termingerecht

zufriedenstellen.

Wichtig ist dabei stets der Blick auf

die engste Stelle in der Produktion,

ihre Kapazität bestimmt die Dauer der

Produktion und einhaltbare Liefertermine.

Wenn dieser Engpass nach der

Methode der „Theory of Constraints“

behandelt wird, gehören verschobene

Liefertermine der Vergangenheit an.

Überproduktionen fallen weg, die Kundenzufriedenheit

steigt, und der Produktions-

sowie der Personalbedarf kann

deutlich leichter kalkuliert werden.

Unser Stoßfängerhersteller war anfangs

nervös, als seine Maschinen nicht mehr

das Maximum produzierten, sondern

ausschließlich Aufträge abarbeiteten.

Dafür war er umso entspannter, als der

Vertrieb das Ende des kostenintensiven

Überschusses verkündete.

10 ProFirma 12 2011

Foto: privat


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Wir Unternehmer – Porträt

Milorad Krstic

Visionär mit Bodenhaftung

Aus einer kleinen Werkstatt für Autopfl ege und -aufbereitung heraus hat

Milorad Krstic im badischen Dogern binnen 25 Jahren einen Kleinkonzern mit

weltweit mehr als 500 Mitarbeitern aufgebaut. VON GERHARD HERR

„Entschuldigung, ich bin ein bisschen später dran, weil ich

noch beim Joggen war!“ Milorad Krstic betritt knapp fünf

Minuten nach Zehn sein Büro im zweiten Stock des Firmenstammsitzes

in Dogern am Hochrhein. Im dunkelblauen Nadelstreifenanzug

mit blauem Hemd und akkurat gebundener

Krawatte sieht der 53-Jährige gar nicht so aus, als ob er gerade

auf Waldwegen am Rande des malerischen Südschwarzwalds

sportlich unterwegs war. Er stellt seinen Pilotenkoffer neben

dem stylischen und korrekt aufgeräumten Schreibtisch ab.

„Noch ein paar Minuten brauch’ ich, ich muss schnell in die

Wiedervorlagemappe schauen, ob es Überraschungen gibt.

Dann sollte ich auch noch ein paar Telefonate führen, ich bin

erst gestern Abend spät mit dem Flieger zurückgekommen“,

entschuldigt er sich erneut.

Mit einer Kfz-Werkstatt fi ng alles an

Dann inspiziert er gemeinsam mit Angela Lautenbach-Bellwald,

seiner Assistentin, rechten Hand und „Herrin über all

meine Konten“, Unterlagen und Rechnungen. Es folgt ein

Telefonat mit seiner Rechtsanwältin über die Unternehmensform

einer mal wieder zu gründenden kleineren Firma. „Meine

Rucksackunternehmen“, nennt Krstic diese Ableger. Nur das

rollende R im ansonsten nahezu akzentfreien Hochdeutsch

und natürlich sein Name verraten noch die Herkunft des Vorstands

der Kleenoil Panolin AG: Im Jahr 1973, als 16-Jähriger,

kam er mit dem Zug aus dem damaligen Jugoslawien nach

München, sprach kein Wort Deutsch. Es verschlug ihn an

den Hochrhein, in die Kreisstadt Waldshut-Tiengen, nur ein

paar Kilometer von Dogern, dem heutigen Stammsitz seines

Kleinkonzerns entfernt. Dort schlug er sich anfangs in einer

Baufi rma als Kranfahrer durch. Daneben absolvierte er im

Fernstudium die Ausbildung zum Kaufmann.

Im Jahr 1986 begann in Waldshut seine Karriere als Unternehmer.

Zunächst gründete er eine kleine Kfz-Pfl egewerkstatt,

dann die Autovermietung Pfi ffi kus und gemeinsam mit zwei

ehemaligen englischen Luftwaffenoffi zieren die Kleenoil International

Ltd. in England. Er übernahm dabei die Leitung

der Kleenoil Deutschland. Parallel begannen die Geschäftsbeziehungen

mit dem Schweizer Ölspezialisten Panolin AG.

Er verkaufte erstmals deren synthetisch hergestellte und biologisch

abbaubare High-Tech-Schmierstoffe. Dann entwickelte

er gemeinsam mit Ingenieuren ein Filtersystem, das die

Ölwechselintervalle an Baumaschinen, Industrieanlagen und

„Ich führe ein Leben mit

Turbolader und Ladeluftkühlung.“

MILORAD KRSTIC

Lastwagen verlängert. Früh erkannte Krstic, dass angesichts

knapper werdender Erdölreserven andere Lösungen zu deren

Einsparung gefunden werden müssen.

Zwölf Jahre später folgte dann die Gründung der Ceram Ingenieurkeramik

GmbH, die sich ein paar Kilometer weg vom

Hochrhein, im kleinen Birndorf, niederließ. Heute gilt Ceram

als weltweit geschätzter Lieferant von Siliciumcarbid, Aluminium-

oder Chrom- und Titanoxiden, mit denen Brennerdüsen,

Turbinen oder Werkzeuge in der chemischen Industrie

und Teile der Luft- und Raumfahrt beschichtet werden. Wieder

eine Geschäftsidee mit Zukunft.

Schließlich wird Kleenoil Panolin zur Aktiengesellschaft

umfi rmiert. Seit dem Jahr 2002 fahren Lastwagen in einem

Feldtest 500.000 Kilometer ohne Motorölwechsel. 100.000

Betriebsstunden liefen Industrieanlagen ohne Ölwechsel.

Vorher waren Wechsel schon nach 2.000 Stunden fällig

Den deutschen Industriepreis für das „Kleenoil System ICC

– ölwechselfreie Maschinen“ bekam er im Jahr 2009. Panolin

Öle hatten im Jahr 2010 in der deutschen Forstwirtschaft

12 ProFirma 12 2011


schon einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent. Das System

Kleenoil wird von Experten für seine Mustergültigkeit

beim Ressourcensparen gelobt, eindrucksvoll zuletzt von Ex-

Bundesumweltminister Professor Klaus Töpfer bei der Feier

zum 25-jährigen Bestehen von Krstics Unternehmen.

Wenn Milorad Krstic von seinen Unternehmen und zukünftigen

Plänen erzählt, erkennt man schnell den Visionär in

ihm. In seine Äußerungen mischen sich aber auch Kritik an

der aktuellen Wirtschaftspolitik, an der Regierung und der

in Großbetrieben oftmals mangelhaften Unternehmerethik.

Gewinnmaximierung und stetes Wirtschaftswachstum sind

ihm ein Gräuel. Er hält solche Vorgaben für eine „perverse Erfi

ndung des 20. Jahrhunderts“. Die Natur zeige doch, dass es

nicht nur Wachstum, sondern auch Ruhephasen geben müsse,

das solle sich die Wirtschaft mal abschauen, sagt der Vater

von drei Kindern.

„Beim Schreiben nehm’ ich mich zurück, beim Reden weniger“,

meint er dann fast entschuldigend. Während eines weiteren

Telefonats an diesem Morgen mit einem Baumaschinenhändler

platzt ihm das eine oder andere grobe, aber in dieser

harten Branche durchaus übliche Wort raus. „Dass man ein

Geschäft per Handschlag macht, ist für mich selbstverständlich“,

sagt Krstic, nachdem er den Hörer aufgelegt hat. Der

am anderen Ende der Leitung wisse das jetzt auch. Dem hat

er nämlich erklärt, dass es einen Fehler in der Software seines

Öl-Sensors gegeben hat. Das sei der Grund des Ausfalls beim

ProFirma 12 2011

70-Tonnen-Bagger gewesen. Jetzt müsse schlicht und einfach

ein neues Programm aufgespielt werden. Der Chef persönlich

hat wieder mal seinen Verkäufer für die Panne in Schutz genommen.

Mission Konservenfabrik

Da ist das „große Herz“, für das der Selfmademan Krstic unter

Weggefährten und Mitarbeitern bekannt ist. Und mit viel Fleiß

stellt er immer wieder neue Firmen auf die Beine. Selbst wenn

deren Schicksal schon besiegelt gewesen ist, wie im Fall der

von ihm in seiner ehemaligen Heimatstadt Bijeljina im heutigen

Bosnien-Herzegowina quasi aus Ruinen aufgebauten

Konservenfabrik Sava. Kurz vor dem Konkurs hat er diese im

Jahr 2009 gekauft. Er nahm für deren Sanierung einige Millionen

Euro in die Hand, kaufte noch zwölf Hektar Gelände

für die Expansion hinzu. Schon im Juni 2010 glänzten die

sanierten Hallen mit dichten Dächern und neuen Maschinen.

200 Mitarbeiter zählt die Sava Semberija d.o.o. heute. An den

Abfüllbändern für Tomatensaft, Gurken, Paprika und Obst

oder Marmeladen tragen Frauen und Männer weiße Kittel,

Mundschutz und Hauben. „Wir sind dort endlich auf Westniveau

angekommen“, sagt Krstic. Bereits im Oktober 2010

hatten die Mitarbeiter den Lagerbestand von 4.000 Tonnen

aufgebaut. Einen Monat später standen die Gläser in den Supermärkten

des Landes.

13


Wir Unternehmer – Porträt

Stolz ist Krstic auf diese Mission in seiner alten Heimat. Stolz

darauf, auch dank der Unterstützung der dortigen Regierung

1.500 Bauern einen Abnehmer und damit eine Zukunft gegeben

zu haben. Und wieder legt er Wert auf die ihm eigene

Unternehmerethik: „Natürlich und gesund“ ist das Motto

für die hundert verschiedenen Produkte und Fertiggerichte.

Künstliche Aromen oder Geschmacksverstärker wird es im

Sava-Glas nicht geben. Demnächst will er mit den Produkten

auf den EU-Markt.

Weil er an seinen Wurzeln hängt, hat er auch mal eine Straße

in das Dorf gebaut, in dem seine 92-jährige Mutter noch lebt.

Und weil er dort so viel unternimmt, gab es auch Interviews

im Fernsehen oder Besuche in Talkshows. In einer Reportage,

die über ihn gezeigt wurde, plauderte seine alte Lehrerin

eifrig in die Kamera: „Er war nie ein Einser-Schüler. Aber er

war immer sehr intelligent und fl eißig.“ Von der Schule sei er

oft zu Hause geblieben, um auf dem Bauernhof zu arbeiten,

schildert die Lehrerin die schwere Kindheit.

Soziales Engagement für Kinder

Beim Thema Sava kommt er wieder zurück auf die morgendlichen

Jogging- oder Fahrradtouren. Beim Laufen fi elen ihm

auch die Begründungen für die Sieben-Sterne-Qualität der

Produkte ein. Die hat er dann mit dem Handy an seine Assistentin

weitergegeben. So wie 100 andere Probleme, die er an

der frischen Luft schon gelöst habe. „Ich will nichts komplizieren,

ich will auch von meinen Ingenieuren einfache Erklärungen,

keine Formulierungsakrobatik“, sagt Krstic, der immer

die richtigen Leute, auch im Aufsichtsrat seiner Kleenoil

Panolin AG, um sich geschart hat: Wirtschaftswissenschaftler

und Techniker. „Im Zweifel bin ich kein Spezialist“, gibt er

offen zu.

„Er ist ein herzensguter Mensch“, verrät seine Assistentin Angela

Lautenbach-Bellwald die Charakterzüge ihres Chefs, mit

dem sie schon lange per „Du“ ist. So hat er in Zusammenar-

Klaus Werner führt Krstic in den Fertigungshallen der Ceram Ingenieurkeramik

in Birndorf vor, wie fein die keramischen Pulver sind, mit

denen später Werkzeuge für die Raumfahrt beschichtet werden.

beit mit der Stadt Waldshut-Tiengen für eine Grundschule in

Tiengen einige Nachhilfelehrer eingestellt, die seit 2009 Kinder

mit Sprach- und Lerndefi zit fördern. „Die Weichen im Leben

werden doch am Anfang gestellt. In unserer Gesellschaft

ist es aber schick, die Elite zu fördern“, sagt Krstic. Er habe als

Kind vom Land dazu aber eine andere Meinung. Mit seinem

Freund und Coach, dem Jesuitenpater Hermann-Josef Zoche,

mit dem er leidenschaftlich Abende lang philosophiert, hat er

die Idee der „Schwachenförderung“ geboren.

Mittlerweile ist es Zeit für die Mittagspause: Nein, der Vorstand

Krstic lädt nicht zum Lunch ins Spitzenrestaurant ein.

Weil der Stamm-Italiener Ruhetag hat, geht’s schnell in die

Dorfwirtschaft. Er und seine für den Export im Unternehmen

zuständige 28-jährige Tochter Marina bestellen das Mittagsmenü

für 6,50 Euro – Kürbissuppe, Putencurry mit Reis und

eine Flasche Mineralwasser. Sohn Sascha hat keine Zeit fürs

Essen. Stolz zeigt sich der Familienvater jetzt, dass der 27-Jährige

mit kaufmännischem Hochschulabschluss als Betriebsleiter

die Firma von der Pike auf kennenlernt. Auf der Straße

begrüßt Milorad Krstic ein paar Rentner: „Mensch Mille,

wie geht’s dir, haben uns schon lange nicht mehr gesehen.“

Krstic erkundigt sich im Gegenzug nach dem Befi nden der

Gattinnen. Man kennt sich.

Entspannung im roten Flitzer

Hier weiß jeder auch vom sozialen Engagement, und keiner

neidet Krstic die Limousine oder den italienischen Sportwagen,

mit dem er zur Entspannung fl ott über die Schwarzwaldstraßen

donnert: „Bei so einem Leben, wie ich es führe, mit

Turbolader und Ladeluftkühlung, bin ich auf abrupte Wechsel

angewiesen“, sagt er. Die nötige Entspannung gebe ihm eben

der rote Flitzer: Aus dem Flugzeug raus, mit dem Geschäftswagen

zurück an den Hochrhein, Krawatte weg und losfahren.

Ansonsten habe er aber zu Autos ein kühles Verhältnis.

Nur extrem sauber müssen sie sein. Da ist er wieder, der Gründer

der Autoreinigung Top Car.

Der Terminkalender beinhaltet an diesem Nachmittag auch

noch die Stippvisite bei Ceram. Geschäftsführer und Mitgesellschafter

Klaus Werner muss Krstic die aktuellen Probleme

bei der Lieferung „Seltener Erden“ aus China genauer erklären.

Diese Basisstoffe, Titanmetalle, verarbeitet das Unternehmen

wieder zu Produkten, die nach China geschickt werden. Ein

Geschäft, bei dem derzeit viel Geld auf dem Spiel steht. „Wir

drei Gesellschafter haben das Unternehmen gegründet, weil

die Technologie spannend ist und daraus ein profi tables Unternehmen

werden kann“, sagt Krstic und hat wieder dieses

Glänzen in den Augen. „Entschuldigung, jetzt muss ich aber

los, der Flieger wartet nicht“, verabschiedet er sich. Weil er

mit seinem Kleenoil Panolin-System gerne noch den afrikanischen

Markt aufrollen möchte, muss er jetzt wieder selbst

ran. Die Verabschiedung von Lebensgefährtin Andrea und der

neunjährigen Tochter Maria geht schnell. Ein Leben mit Turbolader

und Ladeluftkühlung geht weiter.

www.kleenoilpanolin.com

14 ProFirma 12 2011

Fotos: Gerhard Herr


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Wir Unternehmer – Mittelstand 2.0

Papersmart

Vergleichen, bewerten, bestellen

Der neue Online-Anbieter Papersmart macht den unübersichtlichen Markt für Büromaterial

transparent und ist dabei mehr als nur eine Preissuchmaschine für den gewerblichen Bürobedarf.

VON JÜRGEN CHRIST

Ob Hefter, Textmarker oder Aktenordner:

Ohne Büromaterial kommt kein

Unternehmen aus. Doch die Preise variieren

stark. Eine Marktstudie zeigt,

dass die Preise selbst bei Standardartikeln

um mehr als 100 Prozent zwischen

verschiedenen Anbietern abweichen.

Dennoch betreiben Unternehmen nur

selten Kostenoptimierungen, weil der

Aufwand für den Preisvergleich in keinem

Verhältnis zum Eingesparten steht.

Der neue Online-Anbieter Papersmart

löst dieses Problem und ist dabei mehr

als nur eine Preissuchmaschine.

„Da meist mehrere Produkte gekauft

werden, vergleicht Papersmart nicht nur

einzelne Produkte, sondern direkt den

gesamten Warenkorb. Schließlich will

niemand alle gewünschten Produkte

einzeln vergleichen und bestellen“, erklärt

Geschäftsführer Michael Wendt

das Modell. Papersmart schlägt den

besten Anbieter vor und verspricht Einsparungen

von bis zu 45 Prozent. Dabei

können Bestellungen auf zwei Anbieter

aufgeteilt werden, sollte dies günstiger

als der beste Alleinlieferant sein.

Der 23-jährige Michael Wendt und der

22-jährige Alexander Hoffmann, beide

ehemalige Studenten der Otto Beisheim

School of Management, entwickelten

diese Vergleichs- und Bestellplattform

im Rahmen ihrer Diplomarbeit. Im

August gründeten sie mit vier weiteren

Männern das Unternehmen in Vallendar

in der Nähe von Koblenz, das ohne

Fremdfi nanzierung auskam. Zur Qualitätssicherung

gründeten die cleveren

Studenten einen Beirat und holten sich

renommierte Experten mit an Bord.

„Tief beeindruckt hat mich die Entwicklung

der sogenannten ‚generischen Artikel’,

die Endkunden ungeahnte Flexibilität

bei der Produktwahl und höhere

Sparpotenziale ermöglichen”, erklärt

Professor Dr. Malte Brettel, Leiter des

Gründerzentrums an der RWTH Aachen,

eines der Mitglieder im Beirat.

Die Nutzung von internationalen Klassifi

zierungsstandards erlaubt es dem

jungen Unternehmen, seinem Kunden

ganze Produktkategorien zum Vergleich

anzubieten. Ein Kunde braucht

sich beispielsweise für einen gelben

Textmarker nicht auf einen der zwölf

Markenanbieter festzulegen. Er wählt

einfach einen gelben Textmarker und erhält

dann jeweils das günstigste Produkt.

Die beiden Existenzgründer haben mit

ihrer Idee den deutschen B2B-Markt

im Visier, der mit einem Gesamtvolumen

von 4,73 Milliarden Euro zu den

größten in Europa zählt. Als Zielgruppen

peilen sie Unternehmen und Institu-tionen

an, die Bürobedarf bislang

über herkömmliche Händler beziehen.

Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen

sollen von dem Einsparpotenzial

profi tieren. „Das Team ist sehr

kompetent, und technisch scheint mir

die Herausforderung herausragend

gelöst. Kunden und Anbieter werden

gleichermaßen von den Ergebnissen

der komplexen Vergleichsalgorithmen

profi tieren“, meint Professor Dr. Lutz

Kaufmann, Lehrstuhlinhaber für Internationale

Strategie und Beschaffung an

der WHU – Otto Beisheim School of

Management und ebenfalls Mitglied des

selbst geschaffenen Beirats.

www.papersmart.de

Die Gesellschafter

(von links nach

rechts):

Klaus Wächter,

Alexander Hoffmann,

Michael Wendt,

Simon Stemplinger,

Stefan Wille,

Dirk Steffens.

16 ProFirma 12 2011

Foto: Papersmart


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Wir Unternehmer

Whale-Watching vor Teneriffa

50 Tonnen Eleganz

Man nennt sie die „Inseln des ewigen

Frühlings“, und Teneriffa, die Insel mit

der Form eines Faustkeils, ist die größte

der sieben Haupt- und sechs Nebeninseln

der Kanaren, gut 2.000 Quadratkilometer

groß, 900.000 Einwohner. Es

gibt die sechs Pyramiden von Guimar,

von denen noch niemand weiß, weshalb

sie dort stehen. Es gibt eine Menge

Touristen im Süden an der Playa de las

Americanas, eine Menge Bausünden auf

der ganzen Insel, aber auch noch kleine

Paradiese. Und es gibt Wale.

Whale-Watching also, wie das heute

heißt. Noch nicht in ganz großem Stil.

AUSZEIT

Erst ein paar Anbieter haben diesen

Wirtschaftszweig entdeckt. Was man in

diesem Gewässer sieht, sind jede Menge

relativ kleine Pilotwale, drei Meter lang.

Sie sehen aus wie aus der Form geratene

Delphine. Man trifft sie zwischen Teneriffa

und La Gomera, wo sie sich dauerhaft

niedergelassen haben.

Das Problem an den Pilotwalen ist, dass

sie schnell langweilig werden. Zu viele

und vor allem zu klein, um nachhaltig

zu beeindrucken. Um beim Walebeobachten

wirklich sprachlos zu werden

und auch ein wenig demütig, braucht

es schon einen Pottwal, dieses epische

Das schöne Ding

Er heißt „Sitzhörer“, weil man in einem Kopfhörer sitzt – dem „Sonic-Chair“ aus Köln. Im Grunde

ist es ein Sessel mit 32 Liter Lautsprechervolumen, einem Sechskanal-Verstärker und einer

Tiefton-Körperschallmembran in der Rücklehne. Oder ein multimediales Schneckenhaus mit

Anschlüssen für Laptop, iPod und so weiter, in das man sich zurückziehen kann, wenn man

vom Getöse der Welt genug hat. Der Rückzug ist nicht ganz billig. Die teuerste Variante kostet

gut 10.000 Euro. Aber Ruhe vor der Welt war schon immer ein Luxus. www.sonic-chair.com

50-Tonnen-Tier, das als „Moby Dick“ in

die Literatur eingegangen ist. Aber die 18

Meter langen Ozean-Kolosse mit ihrem

9.5 Kilogramm schweren Gehirn, dem

schwersten der Welt, sind rar geworden.

Vielleicht eine Million Tiere, andere sagen

300.000, soll es noch geben.

Man sollte sich diese endliche Chance

nicht entgehen lassen. Die meisten

Touristen versuchen ihr Glück von Los

Christianos im Süden aus. Das ist nicht

wirklich zu empfehlen. Die Whale-Watcher

werden all-inclusive-mäßig in Bussen

zu den Booten gekarrt. Besser man

geht nach Los Gigantes, nördlich von

Los Christianos. Gigantes liegt an der

zweithöchsten Steilküste Europas, und

irgendwie denkt man, diese riesigen

Felsen und riesige Wale: Das passt. Die

Boote dort sind kleiner, die Touristengruppen

auch, die Skipper verdienen

weniger, sind dafür umso mehr an zufriedenen

Kunden interessiert. Und ein

zufriedener Kunde ist einer, der einen

Pottwal beobachtet hat. Weiter nördlich

kann man auch mit irgendeinem Fischer

rausfahren, wenn der gerade Lust

hat. Ist dann ein bisschen teurer.

Mit ein wenig Glück hat man dann Bilder

fürs Leben in der Erinnerung und

auf der Speicherkarte der Kamera. Wie

der Wal bläst, hochschießt, 50 Tonnen

Eleganz, wie die gigantische Fluke noch

einen Moment winkt, bevor er abtaucht

ins Reich der Riesenkalmare. (mib)

18 ProFirma 12 2011

Fotos: Sonic; Sam Chadwick /shutterstock.com


Bekanntes, aber auch viel Unbekanntes aus dem

Schaffen des deutschen Malers Max Beckmann zeigt

das Kunstmuseum Basel noch bis Ende Januar.

Max Beckmann im Kunstmuseum Basel

Gemalte mythische Orte

geschäftstüchtich

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Klasse, wie meine Bank

ihr Geschäft versteht …

und auch meines!

Für den

TERMIN-

KALENDER

Jetzt nennt man ihn einen „Titanen der Moderne“, den deutschen Maler

Max Beckmann (geboren in Leipzig 1884, gestorben in New York

1950). Zuvor war er lange Zeit ein deutscher Künstler, der ein wenig in

Vergessenheit geraten war. Ein Sonderling war er. Schloss sich keiner

avantgardistischen Strömung an, sondern machte, wie man das heute so

sagt, „sein Ding“. „Sein Ding“ war immer das Figurenbild, das macht ihn

so ansehnlich. In einer Sonderausstellung zeigt das Kunstmuseum Basel

noch bis Ende Januar 2012 70 Landschaftsgemälde von Beckmann; Bekanntes

und viel Unbekanntes. Es ist wie Urlaub in Europa, wie eine Neuentdeckung

von bereits Entdecktem. Er nimmt einen mit auf eine Reise,

seine Reise, die umso mehr Freiraum für einen selbst offeriert, weil seine

Landschaften von dieser grandios-distanzierten Sichtweise sind. So wird

aus jeder Landschaft ein fast mythischer Ort voller angedeuteter Sehnsüchte.

Beckmann ist Kopfkino aller Reisenden, die zu Hause geblieben

sind. (mib) www.kunstmuseumbasel.ch

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Wir Unternehmer

WIRTSCHAFT & POLITIK

Deutsche Staatsverschuldung

Rekorddefi zite und Rekordeinnahmen

Ende 2010 erreichten die öffentlichen Schulden wieder einen Rekord. Auch in diesem Jahr werden einige

Milliarden hinzukommen, obwohl die Steuereinnahmen nach der jüngsten Schätzung auf 571 Milliarden Euro

steigen werden. Das ist nichts Neues: Seit 1950 wachsen Schulden und Einnahmen fast im Gleichschritt.

Stetig wachsender Schuldenberg

Entwicklung der Schulden des öffentlichen

Gesamthaushalts in in Deutschland von

1950 bis 2010 (in Milliarden Euro)

Stetig wachsende Steuereinnahmen

Steueraufkommen in Deutschland

von 1950 bis 2010 (in Milliarden Euro)

2.035,9 2010 530,6

1.694,3 2009 524,0

1.577,8 2008 561,2

1.552,3 2007 538,2

1.545,3 2006 488,4

1.489,8 2005 452,1

1.429,7 2004 442,8

1.357,7 2003 442,2

1.277,2 2002 441,7

1.223,5 2001 446,2

1.210,9 2000 467,3

1.199,5 1999 453,1

1.165,4 1998 425,6

1.132,4 1997 407,6

1.082,9 1996 409,0

1.018,7 1995 416,3

848,0 1994 402,0

769,8 1993 383,0

686,3 1992 374,1

599,5 1991 338,4

538,3 1990 281,0

388,4 1985 223,5

238,8 1980 186,6

130,0 1975 123,8

64,2 1970 78,8

44,6 1965 53,9

28,9 1960 35,0

21,3 1955 21,6

9,5 1950 10,5

Quelle: Statista, Bundesministerium der Finanzen

20 ProFirma 12 2011


Arco Buijs

Chief Executive Officer

Steigenberger Hotels AG

Steigenberger denkt wie

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Mit Microsoft ® Of�ce 365 macht Vodafone für Steigenberger

Teamwork und Organisation leichter als je zuvor. Schalten

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Unternehmertage vom 07.-10. Februar 2012

Zur Mandelblüte auf Mallorca

Die Service-Gesellschaft des Bundes der Steuerzahler

lädt ein zum Fachseminar auf Mallorca

Wie steht Ihr Unternehmen? Welche Chancen bieten sich, wo lauern Gefahren? Im immer komplexeren

Geschäftsleben wird mangelnder Überblick zunehmend Existenz gefährdend. Dabei liefern Ihnen die

Betriebswirtschaftlichen Auswertungen (BWA) Ihres Steuerberaters regelmäßig und zeitnah Antworten

auf die zentralen Fragen. Allerdings nur dann, wenn Sie mit diesem wertvollen Werkzeug richtig

umgehen können! In unserem Seminar

Die Betriebswirtschaftliche Auswertung –

optimal nutzen!

zeigen wir Ihnen, wie Sie die BWA gezielt einsetzen, um die wesentlichen Entwicklungen Ihres

Betriebes stets im Blick zu haben. Unser Referent kommt aus der Praxis und macht Sie anhand

konkreter Beispiele mit der BWA vertraut. Der Ablauf ist im Übrigen so gestaltet, dass Sie individuelle

Fragen in Ruhe mit dem Referenten erörtern können.

Begeisterte Teilnehmer bestätigen uns immer wieder: Der Besuch dieses Seminars ist eine gute

Investition – auch in die Zukunft Ihres Betriebes! Danach werden Ihnen viele betriebliche

Entscheidungen leichter fallen, weil Sie sich dann auf „festem Boden bewegen“.

Agieren statt reagieren soll und wird nach diesem Seminar Ihre Devise lauten!

Es erwartet Sie ein gleich gesinnter Kreis klein- und mittelständischer Unternehmer, der sicher

auch außerhalb der Seminarzeiten Gelegenheit für anregende Gespräche bietet.

Detailliertes zum Inhalt und Verlauf sowie zum abwechslungsreichen Rahmenprogramm –

zu dem wir natürlich auch Ihre Begleitung herzlich begrüßen – senden wir Ihnen gerne zu.

www.steuerzahler-service.de


RetouranFax0611-34107599

BdSt Steuerzahler Service GmbH

JA, ich melde mich an!

Ich möchte zunächst weitere Informationen

Seminartitel: Die Betriebswirtschaftliche Auswertung –

optimal nutzen!

Referent: Jens Albers, Steuerberater

Termin: 07.–10. Februar 2012

Ort: Hotel Bon Sol, Illetas bei Palma de Mallorca

Gebühr: € 1.445,- + MwSt.

(regulär € 1.595,- + MwSt. )

€ 150,- Ermäßigung für ProFirma-Leser!

Name Teilnehmer: Firma:

Anschrift:

Telefon/Fax/E-Mail:

Die Teilnahmegebühr enthält:

Die Seminargebühr, ausführliche Begleitunterlagen,

Tagungsbewirtung

Drei Übernachtungen im Einzelzimmer mit Balkon

Drei Frühstücks- und Mittagsbuffets inkl. Getränke

Cocktail-Empfang und festliches Abendessen am 07.02.

Zwei Inseltouren am 08.+09.02.: Im Privatbus mit

professioneller Führung nach Esporles zum Landgut

„La Granja“ mit herrlicher Gartenlandschaft, Freilichtmuseum

und Tierpark. Große Sightseeing-Tour in Palma

und Altstadt-Führung. Malerische Ostküsten-Tour nach

Valdemossa und Sollér. Fahrt mit der Historischen

Eisenbahn entlang der Mandelblüte. Café-Besuche,

Eintrittsgebühren.

Zwei Abendessen in Palma: elegant im Hafen,

mallorquinisch im Gewölbe-Restaurant.

Rücktransfers im Privatbus zum Hotel

Erfahrene deutsche, spanischsprechende

Betreuung vor Ort

Eigene Anreise

Übernachtung im: EZ E DZ D Begleitperson: (€ 95 + MwSt. im DZ inkl. Frühstücks- und Mittagsbuffet / Tag)

Verlängerung: vom bis EZ E

€ 99,- + MwSt. DZ D € 149,- + MwSt. ( jeweils inklusive reichhaltigem Frühstücksbuffet)

Datum: Unterschrift:

Bitte per Fax oder per Post an: BdSt Steuerzahler Service GmbH · Adolfsallee 22 · 65185 Wiesbaden

Seminarorganisation: Dagmar Bocchini · Telefon (0611) 34107520 · Fax (0611) 34107599

E-Mail: bocchini@steuerzahler-service.de · www.steuerzahler-service.de


Unternehmensführung – Titelthema

Gesundheitsmanagement

Kleiner Aufwand, große Wirkung

Überforderung und Burnout im Betrieb stehen im Rampenlicht der öffentlichen

Aufmerksamkeit. Gesundheitsförderung leistet einen Beitrag, den Krankenstand zu

senken und die Mitarbeiterzufriedenheit deutlich zu erhöhen. Das nützt allen.

VON DR. ULRIKE FELGER

24 ProFirma 12 2011

ProFirma

Titelthema


Foto: privat

Ergonomie, Führungskultur, Betriebssport, Arbeitssicherheit

oder Kantinenessen – unter dem Etikett „Gesundheit“ tummelt

sich eine Vielzahl von Themen, Trends und Schlagworten, die

die Aufmerksamkeit verantwortungsvoller Unternehmer fordern.

Ebenso unübersichtlich wie das Themenspektrum präsentieren

sich die zahllosen Dienstleister, Förderprogramme,

Bildungsangebote, Institute und Institutionen, die sich der betrieblichen

Gesundheitsförderung zuordnen.

Laut einer aktuellen Studie von Booz & Company lasten auf

Deutschlands Arbeitgebern krankheitsbedingte Kosten von

jährlich rund 3.600 Euro pro Arbeitnehmer. Im Jahr 2009 beliefen

sich, hochgerechnet auf alle deutschen Unternehmen,

die Kosten auf etwa 129 Milliarden Euro. Nur ein Drittel davon

resultiert aus reinen Fehlzeiten. Der größere Teil entsteht

dadurch, dass Arbeitnehmer trotz Krankheit am Arbeitsplatz

erscheinen. Ihre eingeschränkte Einsatzfähigkeit vermindert

die Arbeitsqualität, erhöht die Fehleranfälligkeit und steigert

die Anzahl von Unfällen.

„Im deutschen Mittelstand gibt es

noch kein Gesundheitsmanagement,

das den Namen wirklich verdient.“

RUDOLF KAST, DIE PERSONALMANUFAKTUR, WITTNAU

Dennoch: „Im deutschen Mittelstand gibt es kein betriebliches

Gesundheitsmanagement, das den Namen verdient“,

konstatiert Rudolf Kast, Inhaber von Die Personalmanufaktur

in Wittnau. Dabei sei die Arbeit in den vergangenen Jahren

intensiver geworden und ihr Einfl uss auf die individuelle Gesundheit

erheblich gestiegen. Der frühere Personalleiter der

Sick AG in Waldkirch hat selbst ein betriebliches Gesundheitsmanagement

aufgebaut. Seine Zutaten: Ein engagiertes

Steuerungsgremium, vom Thema überzeugte Führungskräfte

sowie Mitarbeiter, die als interne Promotoren die Selbstverantwortung

in der Belegschaft stärken.

Fehlendes Wissen als Ursache

Die Zurückhaltung des Mittelstands führen zwei aktuelle

Studien des TÜV Süd zum Teil auf fehlende Informationen

über psychische Belastungsfaktoren zurück, aber auch auf

fehlendes Wissen über die Ausgestaltung eines effektiven

Gesundheitsmanagements. Den größten Handlungsbedarf

in der betrieblichen Gesundheitsförderung sehen die Experten

bei gesundem Führungsverhalten, Konfl iktmanagement,

verlängerter Lebensarbeitszeit und Arbeitsmotivation. „Viele

Mittelständler befremdet das Thema Gesundheit“, bestätigt

Karin Patzel-Kohler, systemischer Coach aus Steinheim/Murr.

Gegenüber weithin akzeptierten Unfallszenarien habe eine

Krankheitsgeschichte im psychischen Bereich häufi g die

ProFirma 12 2011

Der Vorturner

„Es fi ng an mit der Erkenntnis, dass meine Leistungsfähigkeit

sinkt. Mit zunehmender Bürotätigkeit baut

sich der Fitnessgrad ab – und umso beschwerlicher

werden körperliche Einsätze auf der Baustelle. Diese

Erkenntnis wollte ich nicht vom Tisch fegen, sondern

im Betrieb umsetzen.

Die Innungskrankenkasse hat mir dann ein Bonusprogramm

mit den Zielen Prävention und Prophylaxe

angeboten. Wir sind mit der ganzen Truppe in ein

Reha-Zentrum gegangen und haben eine Diagnose

und Analyse der körperlichen Disposition gemacht.

Das Resultat war erstaunlich: Meine Mitarbeiter sind

echte Kerle, aber sie haben eine überdurchschnittlich

entwickelte Bauchmuskulatur und weniger gute

Rückenmuskeln. Heute wissen wir, dass das durch

die Bewegungsabläufe bei der Arbeit kommt.

In zunächst 20 Sitzungen haben wir eine Stunde

vor Feierabend zusammen mit einem Sportlehrer

bestimmte Turnübungen gelernt, die hier Abhilfe

schaffen sollen. Dann haben wir gemeinsam weitergemacht.

Die Übungen sind nach der Einarbeitung

jederzeit und überall praktikabel – zu Hause, in der

Werkstatt, sogar auf der Baustelle.

Nach einem Jahr haben wir die Körperdaten erneut

erhoben und festgestellt, dass wir muskulär ins

Gleichgewicht gekommen sind. Alle haben gewonnen:

Die Mitarbeiter haben einen fi nanziellen Bonus

bei der Krankenkasse bekommen. Und im Betrieb

ist der Krankenstand deutlich gesunken. Die Ausfälle

wegen Rückenbeschwerden sind auf null runtergegangen.

Im Nachgang haben wir Geräte angeschafft, um die

Lastenverteilung beim Heben zu verbessern. Aufkleber

an Hebepunkten, aber auch an den Toiletten

oder der Stechuhr erinnern an gutes Heben.“

Klaus Brandenburg

Inhaber von Fußboden Brandenburg, Gummersbach,

sechs Mitarbeiter

25


Unternehmensführung – Titelthema

Reinhard Krumm

Vorstandsvorsitzender der

Volksbank Lahr, knapp 500

Mitarbeiter

Der Pragmatische

Stigmatisierung der Betroffenen zur Folge, so ihre Erfahrung.

Oft sei es ein persönliches Schicksal, das in kleinen Betrieben

die Aufmerksamkeit für das Thema wecke.

„Wir haben irgendwann von der Krankenkasse den Hinweis

bekommen, dass der Krankenstand sich in bestimmten Segmenten

kumuliert“, berichtet Markus Müller, geschäftsführender

Gesellschafter von Breuer & Schmitz in Solingen. Die

anonymen und aggregierten Daten hätten endlich einen Anhaltspunkt

gegeben, um den generell hohen Krankenstand

unter den eher älteren und häufi g ungelernten Kräften zu reduzieren.

Ab 50 Versicherten beim selben Anbieter sind solche

Datenanalysen möglich. „Der Mangel an Informationen

in diesem Bereich war für mich ein ständiger Quell von Frustration:

Ich sehe Kosten und Fehlzeitenwirkung, aber nie die

Ursache dafür“, sagt Müller. Der Vorstoß der Kasse habe das

Thema entemotionalisiert und deutlich versachlicht.

Entsprechend der Analyse hat sich der metallverarbeitende Betrieb

darauf konzentriert, in muskel- und gelenkbelastenden

Bereichen Entlastung zu schaffen. Wichtigster Partner und

treibende Kraft in dem Projekt war das Institut für betriebliche

Gesundheitsförderung (BGF) in Köln, ursprünglich eine Einrichtung

der AOK Rheinland. „Wir produzieren Scharniere,

das ist unsere Kernaufgabe – einen Stab an Gesundheitsmanagern

kann ich bei 80 Mitarbeitern kaum beschäftigen“, bringt

Markus Müller die Realität des Mittelstands knurrig auf den

Punkt. Eine Rückenschule, die Anschaffung von Transportgeräten

oder der sukzessive Austausch der Bestuhlung wirken

wenig spektakulär, doch der Krankenstand hat sich im Laufe

der Projeks von 6,9 auf 4,6 Prozent in diesem Bereich ver-

„Schon seit Längerem bieten wir für unsere Führungskräfte alle zwei Jahre einen Checkup

an. Seit zehn Jahren haben wir beispielsweise Verträge mit drei Fitnessstudios. Gut

150 unserer fast 500 Mitarbeiter nehmen das an. Dann haben wir noch Betriebssportgruppen

und einen Ergonomie-Check.

Wir sind überzeugt, dass gesunde Mitarbeiter in einem gesunden Unternehmen gute

Leistung erbringen – dafür wollen wir uns engagieren. Wir sehen unser Angebot einerseits

als Beitrag zur Mitarbeitergesundheit, andererseits wollen wir Mehrwert bieten

und gute Mitarbeiter ans Haus binden. Spätestens wenn die geburtenstarken Jahrgänge

in den Ruhestand gehen, wird uns das Abwerbungsthema erreichen.

Dieses Jahr haben wir erstmals einen Gesundheitstag durchgeführt, um das Thema in

die Breite zu tragen. Fast 65 Prozent der Belegschaft beteiligen sich, wir mussten noch

drei Zusatztermine anbieten. Die Teilnahme ist freiwillig und ,kostet’ die Mitarbeiter

einen halben Urlaubstag, den Rest zahlt die Bank. Dort gibt es Vorträge, Gesundheitsübungen,

Nordic Walking, Ernährungsberatung und vieles mehr. Worum es uns dabei

geht? Wir wollen helfen, dass sich im Kopf der Teilnehmer ein Hebel umlegt und sie

Gesundheit als Wert erkennen, für den man sich einsetzt.

Gerade denken wir über die Einrichtung von Laufgruppen nach, vielleicht als kleiner

Wettbewerb zwischen den Filialen oder sogar als Sponsoring-Event, an dem auch Kunden

teilnehmen können. Ich selbst laufe 15 bis 20 Mal im Monat und weiß, dass man

auf den eigenen Körper hören muss, sonst meldet er sich.“

Mitarbeiter-Gesundheit

in Zahlen

■ Krankenstand 2010:

4,8 Prozent

(entspricht dem Vorjahresniveau)

■ durchschnittliche Dauer einer Arbeitsunfähigkeit:

17,6 Tage

(Anstieg um 0,7 Prozent aufgrund

zunehmender psychischer Erkrankungen)

■ Art der Erkrankungen in Prozent:

Muskel- und Skeletterkrankungen (24,2), akute Verletzungen

(12,9), Atemwegserkrankungen (12), psychische

Erkrankungen (9,3 – Tendenz weiter steigend)

■ höchster Krankenstand 2010 in den Branchen:

Energie, Wasser, Entsorgung und Bergbau

■ niedrigster Krankenstand 2010 in den Branchen:

Banken und Versicherungen

26 ProFirma 12 2011

Foto: privat


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Unternehmensführung – Titelthema

Michael Grimm

geschäftsführender Gesellschafter

der Ingentis Software-Entwicklung GmbH,

Nürnberg, 55 Mitarbeiter

ringert. Die Einrichtung eines Gesundheitskreises, der dank

dem unermüdlichen Einsatz der zuständigen Personalmanagerin

auch gelebt wird, hat Erfolge dauerhaft gemacht.

Zu Beginn eine Befragung

Der Einsteiger

Im Idealfall startet ein systematischer Prozess zum Aufbau

eines betrieblichen Gesundheitsmanagements mit einer Mitarbeiterbefragung

zu Ressourcen und Belastungen am Arbeitsplatz.

Nach der Auswertung kann an konkreten Belastungen

gearbeitet werden. Doch es gibt auch Skepsis, schließlich ist

Gesundheit eine ganz persönliche Angelegenheit: „Ich möchte

keine Gesundheitsabfrage machen, deshalb bewegen wir

uns eher in Feldern, die jeden interessieren“, erklärt Reinhard

Krumm, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Lahr. Ergeben

sich im Kontakt mit Mitarbeitern, beispielsweise bei Rückkehrgesprächen,

Anhaltspunkte für Verbesserungen, liegt es

an der Führungskraft, solche Dinge aufzugreifen.

Je enger der Austausch mit den Mitarbeitern, desto individueller

können mögliche Maßnahmen aufgesetzt werden. „Von

allgemeinen Gesundheitstipps halte ich nichts, letztlich ist es

hochspezifi sch, wer was braucht“, merkt Peter Flühr an, Inhaber

des Beratungsunternehmens Achilles in München. Er will

Menschen neue Handlungsoptionen erschließen, über die

sie selbst ihren persönlichen Gesundheitsstatus beeinfl ussen

können. „Leider haben viele Aktionen zu sehr Schaufenstercharakter“,

sagt Flühr und propagiert einen ehrlicheren Umgang

mit der Materie: „Wir sollten das Leistungsmanagement

nennen – darum geht es letztlich und da ist nichts Verwerfliches

dabei.“ Der Berater macht im Mittelstand zwei Lager

„Die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter, ihr Wohlbefi nden und das Betriebsklima in der

Firma sind uns sehr wichtig. Natürlich haben wir ein Interesse, dass unsere Mitarbeiter

so gesund wie möglich sind und dies auch bleiben. Wir hatten bisher eine gute Krankheitsquote,

die wollen wir halten. Mitarbeiterbindung, insbesondere von High-Potentials,

ist für uns ein Riesenthema, gerade aus betriebswirtschaftlicher Sicht.

Wir sind in den vergangenen Jahren ziemlich stark gewachsen und wollten nun unsere

Aufmerksamkeit auf das richten, was unsere Mitarbeiter bewegt. In diesem Moment

erreichte uns eine Anfrage von PräKoNet, einem Verbundprojekts des BMBF zum

Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit von ITK-Fachkräften über das gesamte Arbeitsleben.

Es ging um die Entwicklung einer betrieblichen Gesundheitsförderung, die den Herausforderungen

der Wissensarbeit entspricht und eine Reduktion psychischer Belastung im

Fokus hat.

Geschäftsführung und Mitarbeiter bildeten einen Arbeitskreis, um Stressursachen zu

identifi zieren. Das Ergebnis: Es ging vor allem darum, Zuständigkeiten besser zu defi nieren

und für Mehrarbeit klare Regeln zu schaffen – die gab es vorher nicht.

Mittlerweile haben wir einiges getan. Wir haben die Arbeitszeitregelungen präzisiert

und ein strukturiertes Gehaltssystem entwickelt. Das stand dringend für uns an. Obst

zur freien Verfügung oder unser Sportbeauftragter sind Kleinigkeiten und doch auch

wichtiger Teil unserer Neuerungen.“

Falsches Heben schwerer Gegenstände (links) ist eine häufi ge Ursache

von Rückenleiden. Besser geht es so wie auf dem Foto rechts.

LINK-TIPPS

Bundesamt für Arbeitsschutz und

Arbeitsmedizin, www.baua.de

Institut für betriebliche Gesundheitsförderung,

www.bgf-institut.de

„Corporate Health Jahrbuch 2011“,

www.tuev-sued.de

28 ProFirma 12 2011

Fotos: privat (2), IKK (2)


ProFirma 12 2011

INTERVIEW

„Alles nur Feigenblätter“

Intelligentes Gesundheitsmanagement ist mehr als ein Betriebsarzt und ein jährlicher

Gesundheitstag. Ein Gespräch mit Dr. Wolfram Pfeiffer, Leitender Arzt im Bereich Check-up und

Facharzt für Innere Medizin und Sportmedizin bei Praeveneo in Karlsruhe.

Herr Dr. Pfeiffer, Sie arbeiten häufi g mit

mittelständischen Unternehmen zusammen.

Wie steht es in den Betrieben um

das Thema Gesundheitsmanagement?

Pfeiffer: Als die letzte Krise vorbei war,

wachte man auf und merkte, dass man

das Thema völlig vernachlässigt hat.

Dabei sind demografi sche Entwicklung

und Fachkräftemangel für viele Betriebe

heute schon Realität. Der Mittelstand

besucht seit zehn Jahren bei der IHK

Seminare zum Thema – und erst jetzt

stellt man dort fest: „Oh, das gibt es ja

wirklich.“ In vielen Unternehmen beschränkt

sich Gesundheit auf den Aspekt

arbeitsmedizinische Betriebsbetreuung,

wenn überhaupt. Doch das ändert sich

gerade: Die Nachfrage nach Angeboten

im Bereich Gesundheitsmanagement

steigt gerade gewaltig.

Woran erkennt man eigentlich den Gesundheitsstatus

im Unternehmen?

Pfeiffer: Fehlzeitenquote, Fluktuation

und die Art der Erkrankungen liefern

wesentliche Grundlagen. Auch das betriebliche

Eingliederungsmanagement

gibt Anhaltspunkte. Hier sind Führungskräfte

im Mittelstand oft hoffnungslos

überfordert und wenden sich mit ihrer

Sorge um einzelne Mitarbeiter konkret

an uns. Es ist sehr legitim und meistens

sinnvoll, sich Hilfe von außen zu holen.

Am meisten erfährt man immer im direkten

Kontakt mit den Mitarbeitern und

weiß so, wo Handlungsbedarf besteht.

Wie sehen die Gesundheitsangebote der

Firmen in der Regel aus?

Pfeiffer: Jedes Unternehmen ist nach

dem Arbeitssicherheitsgesetz verpfl ichtet,

seine Mitarbeiter zu betreuen. Da

gibt es eine Bildschirmarbeitsplatz-

DAS GESPRÄCH FÜHRTE DR. ULRIKE FELGER

beurteilung, Impfungen werden thematisiert,

oder es gibt eventuell einen Gesundheitstag.

Das sind alles Feigenblätter.

Der gesetzliche Rahmen wird heute zwar

erfüllt, alles was jedoch zugekauft werden

müsste, liegt im Mittelstand brach. Da

macht die Einstellung in jedem einzelnen

Unternehmen den Unterschied. Die ganze

Arbeitsmedizin muss sich erneuern und zur

zentralen Säule des betrieblichen Gesundheitsmanagements

werden.

Und was schlagen Sie dem Mittelstand vor?

Pfeiffer: Es bedarf eines sinnvollen Konzepts.

Dieses besteht aus Check-ups für

Führungskräfte und vielleicht sogar Mitarbeiter.

Schließlich haben Vorgesetzte eine

Leuchtturm-Funktion im Betrieb. „Gesund

führen“ muss da defi nitiv thematisiert

werden. Dann gehören Work-Life-Seminare

dazu, die Themen wie Ernährung, Fitness,

Bewegung sowie Stress- und Zeitmanagement

ansprechen. Die Leute müssen

verstehen, dass man selbst lebenslang an

seiner Fitness arbeiten muss. Für eine betriebliche

Gesundheitsinitiative testen wir

beispielsweise Fitnessanbieter vor Ort und

handeln für unsere Kunden Rahmenverträge

aus. Zusätzlich erarbeiten wir gerade

ein Online-Info-Tool, das Zugriff auf spezifi

sche Gesundheitsinformationen liefern

soll. Quasi eine Informationsplattform vom

Arbeitsplatz aus.

Das klingt nach einem erheblichen Aufwand.

Wie kontrollieren Sie den Erfolg

dieser Anstrengungen?

Pfeiffer: Wir machen eine Vorher/

nachher-Befragung, wir nennen das

Work-Life-Check, zum Beispiel unter

dem Motto „Fit und schlank in Ihrer

Bank“, je nach Unternehmen. Ein

wichtiger Baustein sind auch Gesundheitszirkel

oder ein Gesundheitsbeauftragter.

Der Austausch zwischen

Kollegen zum Thema muss gefördert

werden, das halten wir für wichtig.

Man kann gesundes Verhalten niemandem

überstülpen, das muss von

innen kommen.

Welche Erfahrung haben Sie mit der Akzeptanz

solcher Angebote?

Pfeiffer: Die meisten Mitarbeiter sehen

Gesundheitsangebote als persönliche

Wertschätzung, das gilt insbesondere

für Maßnahmen zur Gesundhaltung älterer

Mitarbeiter. Das Gefühl, „Ich gehöre

dazu“ und „Ich bin denen wichtig

genug, Geld in die Hand zu nehmen“, ist

positiv und verstärkt die Bindung an den

Arbeitgeber.

Und welche Rolle spielt der Chef beim

Thema Gesundheit?

Pfeiffer: Der Fisch stinkt vom Kopf.

Natürlich muss jeder seinen eigenen

Weg fi nden, aber der Chef gibt letztlich

die große Linie vor. Kürzlich berichtete

mir ein Unternehmer mit 30 Mitarbeitern

Folgendes: Mittwochs schickt er

alle seine Mitarbeiter um 16 Uhr nach

Hause, er geht selbst durch die Firma

und schickt die Leute raus. Denn er

ist fest davon überzeugt, dass er das

doppelt und dreifach wieder zurückbekommt.

29


Unternehmensführung – Titelthema

30

Walter Pfeiffer

Bereichsleiter der Personal Ceramtec

GmbH, Plochingen, 2.000 Mitarbeiter

(Deutschland)

aus: Während die einen das Thema belächeln oder bagatellisieren,

stürzen sich andere mit vollem Elan an die Arbeit. Als

Ausgangsbasis empfi ehlt Flühr eine systematische Gesundheitskommunikation:

„Zwischen Wegdrücken und Übertreiben

muss ein ehrlicher Austausch stattfi nden.“ Das sei umso

wichtiger, weil sich beim Thema Gesundheit viele Menschen

schnell angegriffen fühlten – oder unverhofft Glaubenskonfl

ikte und Ideologiedebatten losbrechen.

Auch hier kommt der Führungsmannschaft eine zentrale Rolle

zu: Jeder Vorgesetzte hat Vorbildfunktion und entscheidet

in seiner Einfl usssphäre, wie bestimmte Themen bewertet

werden. Laut Fehlzeiten-Report 2011 haben Mitarbeiter, die

von ihren Führungskräften gut informiert werden und Anerkennung

erfahren, weniger gesundheitliche Beschwerden.

Doch die Einstellungen gegenüber der Verantwortung für die

Gesundheit von Mitarbeitern seien ambivalent. Zwar nähmen

die Vorgesetzten ihren sehr großen Einfl uss auf das Betriebsklima

wahr, Fragen nach einer Verantwortung für die Gesundheit

der Belegschaft wichen sie jedoch aus oder lehnten

sie sogar ab.

Auf Signale richtig reagieren

Der Realist

Für Walter Pfeiffer, Bereichsleiter Personal bei der Ceramtec

GmbH in Plochingen, sind die Führungskräfte auch hier wichtige

Multiplikatoren. Man müsse ihre Wahrnehmung schulen,

sie befähigen, auf Signale zu reagieren, und ihnen klar kommunizieren,

dass ihr Einsatz gewünscht ist: „Niemand darf ein

schlechtes Gewissen für sein Gesundheitsengagement haben.“

Insgesamt werde die Akzeptanz der oberen Führungsriege

„Das Thema Gesundheit hat bei uns einen hohen Stellenwert. Wir arbeiten mit einer

Scorecard, da gehören Softfacts wie Mitarbeiterzufriedenheit oder Gesundheit ins Portfolio.

Zudem müssen wir davon ausgehen, dass durch das erhöhte Rentenalter und

den sich anbahnenden Fachkräftemangel unsere Mitarbeiter länger fi t bleiben müssen.

Wenn es uns gelingt, die Absenz unserer Mitarbeiter zu senken, die durch krankheitsbedingte

Fehlzeiten und Leistungseinschränkungen entsteht, steigern wir die Kapazität

der Workforce unserer Belegschaft. Das wird wichtig, umso schwieriger es wird, passende

Mitarbeiter zu fi nden.

Unsere Angebote zu Gesundheitsthemen sind umfassend: Da gibt es Nordic-Walking-

Kurse und andere externe Kurse, teilweise in Kooperation mit der Krankenkasse. Es gibt

Gesundheitstage, Mess- und Untersuchungsangebote, Grippeschutzimpfungen, eine

Info-Runde Nichtrauchen, Herzinfarkt-Informationen, Ernährungsberatung, einen individuellen

Stress-Check, Entspannungseinheiten im Haus, eine Rückenschule und vieles

mehr. Einige Themen bearbeiten wir zielgruppenbezogen, etwa das Thema Suchtprävention

oder das Langzeitprogramm Azubifi t mit den Auszubildenden.

Ein gelungenes Gesundheitsangebot muss abwechslungsreich sein, denn es ist unheimlich

schwer, die Motivation für das Thema hochzuhalten. Wir müssen die Leute ständig

aufs Neue begeistern – immer das Gleiche wird auf Dauer langweilig. Kürzlich haben

wir sogar eine Show-Küche aufgebaut und gesunde tolle Gerichte gekocht.“

Viele Betriebskantinen bieten heute deutlich mehr

an als Currywurst und Pommes. Gesunde Ernährung

ist gefragt und Obst daher willkommen.

ProFirma 12 2011


Fotos: privat (2), Roman Sigaev /shutterstock.com

Der Überzeugte

„Die Ursprünge unseres betrieblichen Gesundheitsmanagements

liegen in den 1930er-Jahren. Für uns

ist Gesundheitsengagement kein Trend, sondern

ein innerer Antrieb aufgrund unserer persönlichen

Grundhaltung. Es geht uns nicht darum, die Krankheitsquote

zu verringern. Trotzdem nehmen wir zufrieden

zur Kenntnis, dass wir sowohl regional als

auch in der Branche überdurchschnittliche Werte

haben.

Vor fünf Jahren haben wir uns entschlossen, kostenneutral

ein breiteres Gesundheitsangebot zu formulieren.

Dabei stehen wir in der Tradition unserer

anthroposophischen Denkweise: Wir wollen Dinge

anbieten, um den Menschen gesund zu halten. Im

Fokus stehen Entspannung und Bewegung. Dass die

Leute da selbst aktiv werden müssen, gehört zum

salutogenetischen Prinzip: Man kann niemanden

zum Jagen tragen. Die Einsicht, etwas zu tun, um

Balance zu fi nden, muss von innen kommen.

Die Maßnahmen fi nden in der Freizeit statt, so haben

wir mehr Mittel für die Realisierung zur Verfügung.

Da gibt es außer Eurythmie und Sprachgestaltung

auch Radtreffs, Massageangebote, Lauftrainings,

eine Gesundheitsbibliothek, Kurse oder zum Beispiel

Workshops zu Stress- und Vitalitätsmanagement. Die

Teilnahmequote liegt bei mehr als 35 Prozent.

Einmal im Jahr machen wir alle Angebote auf einem

Gesundheitsmarktplatz publik, da können die Mitarbeiter

während der Arbeitszeit reinschnuppern. Wir

wollen unsere Programme dauernd attraktiv halten

und so den Leuten den Mund wässrig machen.

Denn: Wenn Mitarbeiter gesund bleiben, haben Arbeitnehmer

und Arbeitgeber etwas davon.“

Roland Sturm

Personalleiter der Weleda AG Deutschland, Schwäbisch

Gmünd, 800 Mitarbeiter (Deutschland)

ProFirma 12 2011

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Unternehmensführung – Titelthema

Die Teamplayer

„Vor zehn Jahren propagierte die AOK in einem

Rundbrief an die Weco-Geschäftsführer ein gesundes

Arbeitsleben für Manager – und fand dort offene

Ohren: Was für den Führungskreis gut ist, kann für

die Gesamtheit der Mitarbeiter kaum schlecht sein,

war die Ansicht. In der Folge fand sich ein kleiner

Kreis zusammen, um ein Konzept zur betrieblichen

Gesundheitsförderung zu erarbeiten.

In der Hektik des Alltags kamen die guten Ansätze

jedoch zum Erliegen. Im Jahr 2005 nahmen wir einen

zweiten Anlauf. Ein Arbeitskreis Gesundheit formierte

sich. Der Nutzen der Initiative war offenkundig:

Während die Belegschaft merkte, dass sich ihr

Arbeitgeber nicht erst rührt, wenn etwas aus dem

Ruder läuft, erhoffte sich die Unternehmensleitung

einen möglichst gesunden Mitarbeiterstamm bis hin

zum altersbedingten Ausscheiden.

Die örtliche Krankenkasse, hier die AOK, zeigte

großes Interesse und bot gute Unterstützung. Ihr

halbjährlicher Gesundheitsbericht lieferte wichtige

Anhaltspunkte, wo es bei unseren Mitarbeitern im

Argen lag. Sie stellte auch den Kontakt zum Institut

für Betriebliche Gesundheitsförderung BGF in Köln

her, das in verschiedenen Projekten bis heute aktiv

ist.

Eine Mitarbeiterbefragung sowie die Analyse der Arbeitsunfähigkeitsdaten

führten zu einem Planungsgespräch

zum Thema ,Rückenfi t am Arbeitsplatz’.

Einige Schwierigkeiten mit entsprechenden Angeboten

hatten jedoch nicht zuletzt die Schichtarbeiter.

Eine Betriebsbegehung der BGF lieferte neben

einem Ergo-Bericht viele Tipps und Anregungen für

Maßnahmen wie beispielsweise eine Rückenschule

oder Gesundheits-Aktionstage.“

Klaudia Baum (l.) und Renate Carus

vom Arbeitskreis Gesundheit in der Weco

Pyrotechnische Fabrik GmbH, Eitorf/Sieg,

400 Mitarbeiter in Deutschland

In manchen Unternehmen, darunter auch viele Kleinbetriebe, haben

sich feste Sportgruppen gebildet. Sie treffen sich auch in der Freizeit.

für das Thema immer besser, so sein Eindruck. Die Integration

von Gesundheitsthemen in Zielvereinbarungen sind der

Hebel, das Thema im Betrieb zu implementieren. Trotzdem

brauche es einen langen Atem: „Wir müssen morgens ziehen

und abends schieben, damit es vorangeht – und akzeptieren,

dass es Kollegen gibt, die wir nie erreichen.“

Oft sind es die pragmatischen Lösungen, die nach einem

gründlichen Blick auf Belastungssituationen deutliche Verbesserung

bringen. Bei Weleda stehen an zwölf Stellen im

Betrieb Automaten mit aufbereitetem Trinkwasser. „Auch

wenn es banal ist, merken wir, wie es ankommt und damit

direkt der Gesunderhaltung dient“, sagt Personalleiter Roland

Sturm. Die Nürnberger Software-Schmiede Ingentis stellt ihren

Mitarbeitern täglich frisches Obst zur Verfügung. Unternehmer

Müller schaltete einen Brennpunkt von Sehnenüberlastungen

mit dem Gang zum Baumarkt aus: Wo früher mit

Schraubendrehern gearbeitet wurde, kommen jetzt kleine,

leichte Akkuschrauber zum Einsatz. Ihre Lebensdauer von

höchstens einem halben Jahr stört Müller nicht: „Ein eingesparter

Krankheitstag refi nanziert mir die Sache locker.“ Die

Gesundheitspragmatiker übernehmen damit Verantwortung

weit über den eigenen Betrieb hinaus: Laut Booz & Company

zahlt sich jeder in betriebliche Prävention investierte Euro für

die deutsche Volkswirtschaft mit mindestens fünf und bis zu

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32 ProFirma 12 2011

Fotos: privat (2), Shutterstock


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Unternehmensführung – Wirtschaftsstandort Deutschland

Interview

„Stark genug für weitere Krisen“

Für zukünftige Rückschläge ist der Standort Deutschland gut gerüstet, betont Professor

Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI).

Ein Grund: die Innovationskraft der Mittelständler. DAS GESPRÄCH FÜHRTE MONIKA HOFMANN

Herr Professor Straubhaar, wie ist

Deutschland für aktuelle und künftige

Krisen aufgestellt?

Straubhaar: Prinzipiell sehr gut. Denn

im Gegensatz zu anderen europäischen

Ländern oder auch zu den USA haben

wir weniger mit strukturellen Problemen

zu kämpfen. In den vergangenen

Jahren bewegte sich hierzulande einiges.

Vor allem ist unser Arbeitsmarkt

so weitgehend fl exibilisiert, dass er jetzt

konjunkturelle Schwankungen und

Schocks besser verkraftet. Aber auch

auf der Unternehmensebene passierte

viel. Vor zehn Jahren galt Deutschland

noch als der kranke Mann Europas, jetzt

hat es die vergangene Krise souverän gemeistert,

die Arbeitslosenzahlen sinken,

es zählt wieder zu den europäischen

Wachstumsmotoren.

Wo sehen Sie die besonderen Stärken

des Wirtschaftsstandorts Deutschland?

Straubhaar: Eindeutig in der Innovationskraft

der deutschen Industrie. Die

Unternehmen haben sich dem Strukturwandel

gestellt, neue Prozesse und

Verfahren, Produkte und Leistungen

entwickelt – und sich gut auf dem Weltmarkt

positioniert. Der deutsche Standort

ist auch deshalb so stabil, weil es

hierzulande nicht nur Dienstleister gibt,

sondern eine gesunde Mischung von Industrie

und Dienstleistungen.

Und die Schwächen?

Straubhaar: Nachholbedarf sehe ich

eher im Bereich der Politik. So sind weitere

Strukturreformen vor allem für den

Arbeitsmarkt nötig, um ihn noch krisenfester

zu gestalten.

„Deutsche Mittelständler haben auf vielen Feldern

eine beachtliche Nischenkompetenz errungen.“

PROF. THOMAS STRAUBHAAR, HWWI, HAMBURG

Können sich die deutschen Unternehmer

also gut gerüstet für die nächste

Krise fühlen?

Straubhaar: Gewiss. Viele Industriebetriebe

wandelten sich von Herstellern

zu Systemanbietern. Ein Maschinenbauer

offeriert heutzutage nicht nur

eine Anlage, sondern zusätzlich viele

Leistungen rund um diese Anlage und

pfi ffi ge Problemlösungen. Zudem gruppieren

sich inzwischen zahlreiche Anbieter

von Dienstleistungen um diesen

industriellen Kern, etwa in Form von

Beratung, Design oder Architektur. Gerade

in diesem industriellen und industrienahen

Bereich haben sich die deutschen

Mittelständler eine beachtliche

Nischenkompetenz erarbeitet.

In anderen Ländern gibt es eine solche

Mischung nicht?

Straubhaar: Ähnlich stabile Strukturen

gibt es in der Schweiz und in Norditalien,

wo sich ebenfalls aus der alten

Industrie ein mittelständisch geprägter

Mix aus Herstellern, Systemanbietern

und Dienstleistern entwickelt hat. Dagegen

mangelt es in einigen europäischen

Ländern, etwa Großbritannien,

zum Teil aber auch in den USA, inzwischen

oft am industriellen Kern. Ihre

Wirtschaft entwickelte sich weg von

der klassischen Industrie hin zu reinen

Dienstleistungen, wie sie im Finanzsektor

angeboten werden. Die Dienstleistungen

stehen quasi im luftleeren

Raum. Daher sind solche Strukturen

anfälliger für Krisen.

Warum ist dabei die Nischenkompetenz

so wichtig?

Straubhaar: Firmen schaffen genau

damit die beste Voraussetzung, um Krisen

und konjunkturelle Schwankungen

gut zu überstehen. Da zahlreiche Mit-

Schläger

telständler in ihrem Marktsegment

aufgrund ihrer Kernkompetenz die

Technologieführerschaft übernommen

HWWI/Gregor

haben, geht es für sie nicht mehr so sehr Foto:

34 ProFirma 12 2011


darum, ihre Produkte und Leistungen

billiger als die ausländische Konkurrenz

anzubieten. Sie können angesichts

der Innovationsführerschaft selbst die

Preise bestimmen.

Wie lässt sich die Innovationskraft auch

in einem kommenden Konjunkturabschwung

erhalten?

Straubhaar: Dafür ist es wichtig, sogar

in der Krise in Forschung und Entwicklung

zu investieren. Nur mithilfe von

Innovationen können die Mittelständler

ihre Technologieführerschaft weiterhin

halten. Dabei liegt ihr Wettbewerbsvorteil

weniger in den Kosten als in der

kreativen Entwicklung von Ideen und

ProFirma 12 2011

im effi zienten Management komplexer

Wertschöpfungsnetzwerke.

Inwieweit ist hier der Staat gefragt?

Straubhaar: Er sollte sich besser heraushalten,

wenn es um Innovationen

geht. Denn mit Bürokratie und Regeln

konterkariert er eher das Ziel, Innovationen

hervorzubringen. Zudem muss

eine staatliche Förderpolitik stets fern

der Praxis am Reißbrett entscheiden,

welche Neuerungen sie unterstützt und

welche nicht – das funktioniert nicht.

Stattdessen haben die Unternehmer ein

viel besseres Gespür dafür, welche Neuheiten

sich umsetzen lassen und letztlich

auch einen Markt fi nden.

Die Solarbranche massiv zu unterstützen,

war also die falsche Entscheidung?

Straubhaar: Ja, zumal da hier die Mittel

in Entwicklungen fl ießen, die wie die

Photovoltaik sehr teuer sind und sich

wohl am Markt ohne Staatshilfe nicht

durchsetzen würden. Andere Verfahren,

etwa die Solarthermik sowie die

Wind- und Wasserkraft, behaupten

sich eher am Markt, weil sie niedrigere

Kosten verursachen und effi zienter arbeiten.

Klar ist aber: Die Energiewende

bringt einen Innovationsschub, auch

ohne staatliche Förderung. Dabei haben

die deutschen Firmen wieder weltweit

ihre Nase vorn, denn in diesem Bereich

leisten sie schon seit Jahren Pionierarbeit

– damit sichern sie sich aufs Neue

einen Wettbewerbsvorsprung.

Kann der Fachkräftemangel diese

positive Entwicklung des Standorts

Deutschland gefährden?

Straubhaar: Davon gehe ich nicht aus.

Im Fachkräftemangel sehe ich vor allem

einen Führungsmangel. Zwar müssen

wir mit dem Problem der schrumpfenden

und alternden Bevölkerung und

der damit sinkenden Erwerbstätigenzahl

zurechtkommen, doch gibt es zugleich

ein riesiges, noch immer kaum

genutztes Potenzial: Die Frauen, die

Älteren und die Erwerbstätigen mit Migrationshintergrund.

Dennoch gelingt

es vielen Unternehmern nicht, dieses

Potenzial auszuschöpfen.

Woran liegt das?

Straubhaar: Die meisten Firmenchefs

haben sich noch nicht an den Gedanken

gewöhnt, dass sie jetzt um die Fachkräfte

werben müssen. Das heißt vor allem

auch, Lohnzugeständnisse zu machen,

Weiterbildungsoptionen zu erarbeiten

und fl exible Arbeitszeiten anzubieten,

gerade für Erwerbstätige mit Familie

oder zu pfl egenden Angehörigen ist

dies ein wichtiges Kriterium. Doch

dieses Umdenken lohnt sich: Wenn sich

Mitarbeiter erst einmal für einen mittelständischen

Arbeitgeber entschieden

haben, bleiben sie meist lange dort.

Aber viele kleine und mittlere Firmen,

erfüllen diese Anforderungen schon.

35


Unternehmensführung – Wirtschaftsstandort Deutschland

Straubhaar: Ihre Zahl steigt, weil sie

einen doppelten Nutzen daraus ziehen:

Wer verstärkt auf solche Kriterien achtet

und so seinen Mitarbeitern gegenüber

Wertschätzung zeigt, motiviert

nicht nur seine Beschäftigten, sondern

zieht auch neue Fachkräfte an. Denn

das spricht sich herum, daher kann er

sich auf diesem Weg als guter Arbeitgeber

profi lieren.

Inwieweit reicht die Arbeitsmarktfl exibilität,

damit Unternehmen fl exibel auf

Schwankungen reagieren können?

Straubhaar: Klar ist, dass den Firmen

heute wesentlich mehr Luft zum Atmen

bleibt, als noch vor einigen Jahren.

Angesichts der gelockerten Regeln für

die Kurzarbeit, die Zeitarbeit, die Arbeitszeiten

einschließlich Jahres- und

Lebensarbeitszeitkonten sowie für betriebliche

Beschäftigungsbündnisse

können sie heute spürbar fl exibler auf

Schwankungen und Schocks reagieren.

Firmenchefs fällt es daher jetzt leichter,

Mitarbeiter einzustellen und sie in

schwierigen Phasen zu halten.

Unternehmer haben angesichts dieser

Flexibilität auch rascher neue Jobs geschaffen?

Straubhaar: Davon gehen wir aus. Dass

dieses Prinzip funktioniert, belegt die

erfreuliche Entwicklung des Arbeitsmarkts.

Die Zahl der Arbeitslosen nahm

vor drei Jahren zum ersten Mal seit vielen

Jahren wieder deutlich ab, sogar die

Sockelarbeitslosigkeit verringerte sich.

Und auch die Krise konnte die positive

Entwicklung nicht umkehren.

Sehen Sie hier noch Reformbedarf?

Straubhaar: Gewiss. Zwar stellte der

ehemalige Bundeskanzler Gerhard

Schröder mit der Agenda 2010 die richtigen

Weichen für die Flexibilisierung

des Arbeitsmarkts und setzte mit den

Hartz-IV-Regeln das Prinzip Fördern

und Fordern teilweise um. Doch einige

wichtige Schritte fehlen noch: Mit

Lohnzuschüssen ließe sich die Arbeitslosigkeit

weiter abbauen.

Wie stellen Sie sich das vor?

Straubhaar: Da die meisten der Lang-

zeitarbeitslosen gering qualifi ziert sind,

wäre es sinnvoll, neben gezielten WeiterbildungsmaßnahmenLohnzuschüsse

einzuführen. Denn sie könnten die

Eintrittshürden für den Arbeitsmarkt

deutlich senken. Jeder verdient dann

einfach seiner Produktivität entsprechend

– und erhält, wenn der Lohn

dann zu niedrig ist, Zuschüsse. Nach

den aktuellen Hartz-IV-Regeln wird jedoch

ein großer Teil des zusätzlichen

Verdiensts angerechnet, sodass sich das

Arbeiten kaum lohnt. Hier muss netto

mehr übrig bleiben.

Welche Rolle spielen die Lohnkosten?

Straubhaar: Unternehmer haben in

erster Linie die Lohnstückkosten im

Blick. Vor einigen Jahren noch führte

Deutschland hier die Weltrangliste an.

Inzwischen haben sie sich auch angesichts

moderater Tarifabschlüsse im

vorderen Mittelfeld eingependelt. Das

war wichtig, um den Wettbewerbsvorsprung

auszubauen.

Sehen Sie die Exportkraft deutscher Unternehmen

gefährdet, wenn sich neue

globale Krisen anbahnen?

Straubhaar: Gerade die USA, die für

unsere Exporteure zu den wichtigsten

ZUR PERSON

Professor Thomas Straubhaar ist

Direktor und Sprecher der Geschäftsführung

des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts

(HWWI) und

Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre,

vor allem internationale

Wirtschaftsbeziehungen, an der Universität

Hamburg. Er absolvierte sein

Volkswirtschaftsstudium in Bern und

Berkeley (USA), promovierte im Jahr

1983 und habilitierte 1987. Der Ökonom

lehrte von 1992 bis 1999 an der

Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg,

seit dem Jahr 1999 an der Universität

Hamburg. Von 1999 bis 2006

war er Präsident des Hamburgischen

Weltwirtschaftsarchivs, seit dem Jahr

2006 leitet er das HWWI.

Zielländern zählen, schwächeln derzeit.

Sie haben nicht nur konjunkturelle,

sondern auch strukturelle Probleme zu

meistern. Daher beeinfl usst die Frage, ob

die USA in absehbarer Zeit eine positive

Wende schaffen, massiv die Weltmärkte

und damit auch die Exportfähigkeit der

deutschen Unternehmer. Wir erwarten

allerdings kein Horrorszenario.

Und die europäische Schuldenkrise?

Straubhaar: Eine der Grundvoraussetzungen,

um all diese Potenziale weiter

ausschöpfen zu können, sehe ich darin,

das Vertrauen in den Euro zu stärken.

Ich plädiere für Maßnahmen, die eine

Umschuldung Griechenlands möglich

machen, private Gläubiger mit an den

Sanierungskosten beteiligen und einen

Mechanismus schaffen, der generell für

mehr Stabilität in der Eurozone sorgt

– und den die EU-Länder konsequent

anwenden müssen. Nur so können wir

rechtzeitig Krisen erkennen, darauf

reagieren und möglicherweise künftig

verhindern, dass ein Land wegen seiner

Schulden handlungsunfähig wird.

Müssen Unternehmer befürchten, dass

das wachsende Haushaltsdefi zit in Europa

und hierzulande alle anderen politischen

Ziele konterkariert?

Straubhaar: Steuersenkungen, wie sie

viele Politiker noch im Sommer propagierten,

halte ich derzeit nicht für

sinnvoll. Sie wären das falsche Signal.

Stattdessen geht es jetzt für alle darum,

mit engeren Budgets klarzukommen.

Dennoch bleibt der Staat nach wie vor

handlungsfähig genug, um seine wichtigsten

Ziele wie Bildung oder Arbeitsmarktreformen

umsetzen zu können.

Trotz aller Risiken sind Sie also vorsichtig

optimistisch?

Straubhaar: Richtig, denn letztlich sind

wir stark genug, um weitere Schocks

zu verkraften, da wir uns weltweit eine

gute Position erarbeitet haben und inzwischen

auch besser wissen, mit Krisen

umzugehen. Allerdings dürfen wir

diese Stärke nicht als Selbstläufer betrachten:

Um sie zu erhalten, brauchen

wir weitere Reformen, vor allem auf

dem Arbeitsmarkt.

36 ProFirma 12 2011


12

4 195069 807601

www.brandeins.de brand eins 13. Jahrgang Heft 12 Dezember 2011 7,60 Euro C 50777

Schwerpunkt

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Unternehmensführung – Strategie

Das Unternehmen als Marke

Verkehrte Arbeitswelt

Früher suchte man als Mitarbeiter einen Job – heute mühen sich Unternehmen, um

gute Jobkandidaten anzuziehen. Wer eine eigene Arbeitgebermarke aufbauen will, sollte

auch das Internet nutzen, um im Kampf um die Talente zu bestehen. VON TIM COLE

Viele Unternehmen rollen

ihren Bewerbern – im übertragenen

Sinn – inzwischen

einen roten Teppich aus.

Deutschland leidet nicht an einer Jobkrise

– sondern an zweien! Die erste, verursacht

durch ein immerhin schrumpfendes

Millionenheer an Arbeitslosen,

macht regelmäßig die Runde durch die

Medien, beschäftigt Talkmaster und

Politiker. Die zweite fi ndet mehr oder

weniger im Verborgenen statt, beschert

der deutschen Wirtschaft aber mindestens

genauso viele Probleme.

„Der Mittelstand hat Mühe, rund 40

Prozent seiner offenen Stellen mit qualifi

ziertem Personal zu füllen“, behauptet

Ina Ferber, Leiterin Personalmarketing

und Social-Media-Recruiting beim Jobportal

Monster.de in Hamburg (siehe

Interview). So konstatierte der Verein

Deutscher Ingenieure (VDI) beispielsweise

in einer Arbeitsmarktstudie: „Die

Ingenieurlücke nimmt kräftig zu – im

Jahr 2010 waren deutlich mehr offene

Stellen als Arbeitslose zu verzeichnen.“

Und laut dem Deutschen Industrie- und

Handelskammertag (DIHK) sind derzeit

40.000 Lehrstellen in Deutschland nicht

besetzt.

Vor diesem Hintergrund müssen sich

Chefs und Personalleiter gerade in

kleinen und mittleren Betrieben etwas

einfallen lassen, denn ihnen drohen

Umsatzausfall und Gewinneinbrüche,

wenn in ihren Betrieben die Arbeit

mangels geeigneter Mitarbeiter liegen

bleibt und Aufträge nicht erfüllt werden

können.

„Der Krieg um die knappe Zahl an

Talenten ist längst in vollem Gang“,

behauptet Lutz Altmann von der Per-

sonalberatung Humancaps in Kerpen.

Gerade mittelständische Unternehmen

müssten komplett umdenken: Statt in

aller Ruhe unter einer Vielzahl von Bewerbern

aussuchen zu können, sei man

im Internet-Zeitalter gezwungen, den

umgekehrten Weg zu gehen und sich

für Bewerber möglichst attraktiv darzustellen.

Das Mittel dazu heißt „Employer

Branding“ – der Arbeitgeber als Marke.

In seiner einfachsten Form bedeutet das

zunächst, einen Link zur Personalabteilung

auf der eigenen Homepage zu

setzen oder auf einem der zahlreichen

sozialen Netzwerke aufzutreten. Gerade

kleine Fertigungsunternehmen

oder Handwerksbetriebe tummeln sich

dort bereits zu Tausenden. Eine Suche

auf Facebook nach „Schreinerei“ ergab

mehrere 100 Einträge – von der Schreinerei

Asenkerschbaumer in Tittmoning

bis zur Schreinerei Zeyer in Karlsbad.

Ob Bäcker, Metzger, Schuster, ob Elektrofachbetrieb,

Anlagenbauer oder

Maschinenschlosserei: Das sogenannte

Social Web quillt geradezu über vor

Selbstdarstellungen kleiner und mittlerer

Unternehmen auf der Suche nach

geeignetem Fachpersonal oder Kandidaten

für eine Lehrstelle.

Es sei ja auch wichtig, vor allem junge

Leute dort abzuholen, wo sie sich am

liebsten aufhalten: auf Facebook, Twitter

oder in Videoportalen wie Youtube,

sagt Carsten Franke, Vorstand der Per-

WorkPerformance

sonalberatungsfi rma Milch & Zucker Foto:

38 ProFirma 12 2011


AG in Bad Nauheim. Er selbst bezeichnet

sich als Spezialisten für „eRecruiting“:

„Web 2.0 als Mitmachmedium hat

längst auch die Personalarbeit verändert.

Die Hochqualifi zierten bewegen sich

heute nicht nur bei der täglichen Arbeit,

sondern vor allem bei der Jobsuche wie

selbstverständlich im Internet. Daraus

ergeben sich jede Menge Chancen, aber

auch Risiken für Unternehmen.“

Mittelständler brauchen

keine teuren Kampagnen

Konzerne wie Lufthansa, Siemens oder

Daimler putzen sich deshalb auch

schon längst im Internet kräftig heraus

in der Hoffnung, Talente anzuziehen.

Solche millionenschweren Kampagnen

können sich Mittelständler nicht leisten

– „und sie müssen es auch nicht“,

glaubt Oliver Tuszik, Chef des Kölner

IT-Systemhauses Computacenter. Sein

Dienstleistungsunternehmen mit rund

4.000 Mitarbeitern in Deutschland legte

im Jahr 2010, nach dem Ende der Finanzkrise,

wieder kräftig zu – aber der

Arbeitsmarkt war leer gefegt. „Außerdem

gibt es Vorurteile gegen die IT-Berufe“,

sagt Tuszik, „viele denken immer

noch an den einsamen Entwickler, der

allein vor seinem Rechner sitzt und sich

nur von Pizza ernährt.“ Der Unternehmer

beschloss, etwas für den Ruf der

Branche zu tun – und dabei natürlich

auch für sich selbst.

ProFirma 12 2011

Als Erstes gab Computacenter eine

Meinungsumfrage in Auftrag, aus der

hervorging, dass 80 Prozent aller ITler

Spaß an ihrem Beruf haben. Dann zogen

Firmenmitarbeiter mit der Videokamera

los und befragten Schüler und

Studenten: „Was haltet Ihr vom IT-Beruf?“

Die Filme wurden auf einer eigenen

Website („IT’s your future“) und auf

Youtube zum Download freigeschaltet.

Gleichzeitig wurde auf Facebook die

Seite „Computacenter Karriere“ eingerichtet,

auf der es Stellenangebote,

Kommentare und Erfahrungsberichte

junger und älterer Mitarbeiter gibt. Auf

einem eigenen Twitter-Kanal (@computacenterDE)

stellen Computacenter-

Mitarbeiter kurze Nachrichten ein zu

Themen rund um IT-Lösungen, Cloud

Computing und IT-Sicherheit. Und

in einem fi rmeneigenen „Newsroom“

werden Interna ausgetauscht („Computacenter

begrüßt 20 Trainees“) und

Podcasts zu aktuellen IT-Themen angeboten

(„Handliche Anwendungen

durchbrechen alte Barrieren“).

Für Tuszik hat sich die Beschäftigung

mit sozialen Medien „auf jeden Fall

ausgezahlt“, wie er sagt: Innerhalb von

drei Monaten hat sein Unternehmen

mehr als 700 Facebook-Freunde hinzugewonnen,

die durch Klicken auf den

„Like“-Knopf eine aktive Empfehlung

an ihren Bekanntenkreis weitergegeben

haben. Und auf Twitter gewann Computacenter

500 „Follower“. „Wenn

„Es geht darum, herauszufi

nden, welcher

Bewerber zu welchem

Arbeitsplatz passt.“

TOBIAS ORTNER, WORKPERFORMANCE,

INGOLSTADT

ONLINE-PRÜFUNG

Mehr als die Hälfte aller deutschen Unternehmen

schauen zuerst im Internet

nach, bevor sie einen neuen Mitarbeiter

anstellen. Das hat der IT-Branchenverband

Bitkom in einer aktuellen

Umfrage festgestellt. „Jeder Bewerber

sollte wissen, was über ihn im Internet

steht, und darauf achten, was er selbst

oder andere über ihn im Web verbreiten“,

rät Verbandschef Prof. Dieter

Kempf. Er rät Jobsuchenden, eine eigene

Online-Präsenz aufzubauen und

sie stets auf dem neuesten Stand zu

halten, zum Beispiel in eher geschäftlich

orientierten Netzwerken wie Xing

oder LinkedIn, beziehungsweise auf

Job-Portalen wie Monster oder Stepstone.

Wo recherchieren Unternehmen

über Bewerber?

49 %

Suchmaschinen

Quelle: Bitkom 10/11

21 %

Business-

Netzwerke (Xing,

LinkedIn etc.)

19 %

Social Networks

(Facebook,

StudiVZ etc.)

11 %

Andere

Quellen

39


Unternehmensführung – Strategie

man bedenkt, dass selbst Konzerne sich

schwertun, auf ein paar Hundert Follower

zu kommen, ist das sagenhaft“,

freut er sich.

Personaler müssen umdenken

„Im Kontext Social Media werden Recruitment,

Personalmarketing sowie

Employer Branding und HR-Communication

noch enger zusammenwachsen“,

behauptet Lutz Altmann von Humancaps.

Dabei müssten vor allem die

Mitarbeiter in den Personalabteilungen

umdenken. „Die entscheidende Frage

lautet: Gebe ich als Arbeitgeber den

Personalern die benötigten neuen Freiheiten

bei der Social-Media-Kommunikation

oder ziehe ich mich als Unternehmen

in meine eigene Sandburg zurück?“

INTERVIEW

„Facebook allein reicht nicht“

Ina Ferber, Leiterin Personalmarketing und Social-Media-Recruiting beim Jobportal

Monster.de, über Markenbildung für mittelständische Unternehmen.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE TIM COLE

Frau Ferber, ist Employer Branding für

Mittelständler ein probates Mittel im

Kampf um Talente?

Ferber: Ja, aber nur, wenn es als ein Prozess

verstanden wird, der auch gelebt

wird. Es geht nicht nur darum, ein paar

Stellen zu besetzen. Eine Hochglanzbroschüre

und eine Facebook-Seite reichen

allein längst nicht aus.

Wie soll man vorgehen?

Ferber: In drei Schritten. Zunächst muss

das Unternehmen eine Vision entwickeln

und sich die Frage stellen: Wie wollen

wir sein? Dann muss es diese Vision

umsetzen, also sich fragen: Was müssen

wir tun, um so zu werden, wie wir sein

wollen? Und schließlich muss die neue

Arbeitgebermarke richtig kommuniziert

werden: Wie können wir zeigen, was wir

sind? Vor allem aber muss es erkennen,

dass Employer Branding kein Projekt ist,

sondern ein Prozess. Die Marke muss gelebt

werden.

Wie wichtig sind da Social Media und Web 2.0?

Ferber: Sehr wichtig. Nur darf man nicht

Social Media machen, ohne vorher seine

Hausaufgaben im Web 1.0 gemacht zu haben.

Das fängt bei der Homepage an und

hört beim Bewerbungsmanagement noch

längst nicht auf. Wer sich beispielsweise

weigert, Bewerbungen per E-Mail entge-

Dass sich vielerorts mittelständische

Unternehmen schwertun mit der Markenbildung,

liegt allerdings nicht nur

an mangelhafter Flexibilität: Häufi g

fehlen auch einfach Mittel und Mitarbeiter

dafür. Diese Marktlücke füllt

beispielsweise der Personaldienstleister

WorkPerformance in Ingolstadt, der

sich vor allem auf kleine und mittlere

Zulieferunternehmen in der Autobranche

spezialisiert hat und ihnen bei der

Talentsuche hilft – und das manchmal

mit recht ausgefallenen Methoden.

„Interesse an einem Treffen an der

Motocross-Strecke? Oder bevorzugen

Sie die moderne Kunst?“, fragt das Unternehmen

auf seiner Facebook-Seite:

„Um hohen und hoch spezialisierten

Bedürfnissen zu genügen, beschreiten

wir sogar ungewöhnliche Wege. Stu-

genzunehmen, wird unter Umständen

seine Zielgruppe verärgern, statt sich

als Arbeitgeber attraktiv zu machen. Das

gleiche gilt für zu langes Warten: Wenn

Sie sich erst nach zwei oder drei Wochen

beim Bewerber melden, dann hat der

wahrscheinlich schon längst einen anderen

Job.

Woran messen Sie den Erfolg einer Employer-Branding-Kampagne?

Ferber: Ziel einer erfolgreichen Kampagne

ist es nicht, viele Bewerber zu

produzieren, sondern die richtigen.

Haben Mittelständler überhaupt eine

Chance gegen Großkonzerne, die Employer

Branding im großen Stil und mit viel

mehr Aufwand betreiben können?

Ferber: Je besser die Mittelständler Employer

Branding machen, desto schwerer

werden es die Konzerne haben.

denten, Absolventen, Berufsanfänger

und Hochqualifi zierte bitten wir zum

außergewöhnlichen Vorstellungsgespräch.“

„Es geht darum, herauszufi nden, wer

zu welchem Arbeitsplatz passt“, sagt

Geschäftsführer Tobias Ortner. Mit

seinem kleinen 16-Mann-Team durchforstet

er die Stellenbörsen und stellt

Kontakte zu Universitäten dar, alles mit

dem Ziel, Angebot und Nachfrage im

automobilen Arbeitsmarkt zusammenzuführen.

Ohnehin zählen im Employer Branding

oft Ideen und authentische Auftritte

mehr als Computerhexerei und ein fl otter

Auftritt bei Facebook. Davon ist zum

Beispiel Magdalena Münstermann aus

Telgte überzeugt, die gemeinsam mit

privat

ihrem Mann Bernd einen im Jahr 1845 Foto:

40 ProFirma 12 2011


gegründeten Familienbetrieb führt, das

Trocknungs- und Entstaubungsanlagen

für Kunden in aller Welt herstellt. „Unsere

Marke ist Familienfreundlichkeit

und Innovation“, behauptet sie. Und daran

arbeitet sie kräftig und gezielt.

Dass Familienleben und Arbeit harmonisch

zueinanderpassen, ist der Chefi n

ein großes Anliegen, denn „so etwas

spricht sich schnell herum“. Bei der

Firma Münstermann nehmen sich auffallend

viele Väter eine Kinder-Auszeit.

Magdalena Münstermann organisiert

Tagesmütter sowie eine U3-Kinderbetreuuung

vor Ort. „Wenn es Krankheit

oder einen Pfl egefall in der Familie gibt,

sind wir ganz fl exibel“, erzählt sie.

Die Chefi n weiß, dass ihr Unternehmen

im Gespräch bleiben muss, wenn sie

mit attraktiveren Standorten wie Hamburg,

Bremen, Oldenburg oder Münster

mithalten will. Dazu hat sie das „Telgter

Modell“ aus der Taufe gehoben, das

Schulen und regionale Unternehmen

zusammenbringt und mittlerweile auf

den ganzen Regierungsbezirk ausgedehnt

wird.

Vor allem aber, und darauf ist sie besonders

stolz, erregt ihre Firma Aufmerksamkeit

durch Leistung: Für eine neuartige

Trocknungsanlage, die modernste

Kohlenfasertechnik nutzt, bekam

Münstermann den begehrten Seifriz-

Innovationspreis der Steinbeis-Stiftung.

„Die Hälfte unserer 200 Mitarbeiter

sind hoch qualifi zierte Ingenieure“, sagt

Magdalena Münstermann. „Da hilft ein

solcher Preis natürlich, wenn wir uns

als Arbeitgeber erfolgreich bei jungen

Hochschulabgängern bewerben wollen.

Bei uns gibt es jedenfalls keine Jobkrise

– ganz im Gegenteil“

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Unternehmensführung – Personalführung

Mitarbeitergespräche

Gute Noten, schlechte Noten

Die Mitarbeiterbeurteilung ist eines der wichtigsten Elemente der Personalentwicklung.

Angestrebt sind größtmögliche Fairness und Objektivität. Was ist bei der Bewertung zu

beachten, von der inzwischen häufi g auch Teile des Gehalts abhängen? VON HENNING ZANDER

Unternehmerisches Denken fordert

Jürgen Lorenz von seinen Mitarbeitern.

Er ist Vorstand der Conplement AG in

Nürnberg, eines IT-Dienstleisters mit 44

Mitarbeitern. Seine Mitarbeiter sind am

Erfolg des Unternehmens beteiligt. Auf

diese Weise wurden im vergangenen

Jahr bei der Conplement AG rund 30

Prozent des Gewinns vor Zinsen und

Steuern unter den Mitarbeitern ausgeschüttet.

Die Erfolgsbeteiligung kann

zwischen fünf und 20 Prozent betragen,

bezogen auf das Einkommen. Je

mehr Leistung der einzelne Mitarbeiter

bringt, desto höher fällt sein fl exibler

Einkommensanteil aus.

Ob Erfolgsbeteiligung oder das Feedback

im Jahresgespräch – immer wieder

müssen Führungskräfte die Arbeit ihrer

Mitarbeiter bewerten. Nicht immer ist

das einfach. Während in der Produktion

noch die Beurteilung nach Stückzahlen

möglich ist, müssen bei Dienstleistungen

andere Kriterien herangezogen

werden. Inwieweit kann man verschiedene

Jobs überhaupt vergleichen?

Bei der Conplement AG werden die Mitarbeiter

gegen Jahresende in Entwicklungsgesprächen

an Vereinbarungen

gemessen. Hier werden Entwicklungsmaßnahmen

defi niert, sozusagen eine

Roadmap mit Zielen und Zwischenzielen.

„Diese Ziele sind sehr spezifi sch,

dabei kann es sich zum Beispiel um ein

Zertifi kat handeln, das erworben werden

muss, oder um Vorträge, die vor der

Gruppe gehalten werden sollen“, sagt

Lorenz. Wenn 100 Prozent der Zielvorgaben

erfüllt sind, wird der maximale

variable Gehaltsanteil erreicht.

Projekte, Aufträge, Weiterbildungsmaßnahmen

der Mitarbeiter trägt die

Dokumentationspfl icht über das, was er

im ablaufenden Jahr geleistet hat.

Neben dem Entwicklungsgespräch und

einem Gespräch zur Hälfte des Jahres

fi nden auch regelmäßig Einzelgespräche

statt, in denen der Mitarbeiter erfahren

kann, wo er bei seiner Zielerreichung

steht. Als Dienstleister legt die Conplement

AG zudem sehr viel Wert auf das

Urteil der Kunden. „Einmal im Jahr fi ndet

hierzu eine Befragung statt. Wenn

die Kundenzufriedenheit unter 80 Prozent

liegt, dann fällt auch das variable

Gehalt niedriger aus“, sagt Lorenz.

Die Leistung verbessern

Das Vereinbaren von Zielen und deren

Überprüfung ist einer von vielen Wegen,

die Leistung der Mitarbeiter zu messen

und zu bewerten. Für Personalberater

Michael Paschen, Geschäftsführer der

Profi l M-Beratung in Wermelskirchen,

muss eine Beurteilung vor allem folgende

Elemente aufweisen: Sie muss die

Entwicklungsfähigkeit des Mitarbeiters

aufgreifen, sie muss konkret sein, verstehbar

und wertschätzend. „Die Mitarbeiter

müssen verstehen, wo sie stehen“,

sagt Paschen. Und was von ihnen er-

Mitarbeiterjahresgespräche sind eine

gute Gelegenheit, abseits des Tagesgeschäfts

eine Bestandsaufnahme

zu machen und Ziele zu vereinbaren.

42 ProFirma 12 2011


wartet wird. Das Beurteilungsgespräch

kann so der Startschuss für Aktivitäten

werden, die Führungskraft und Mitarbeiter

vereinbaren, um die Leistung des

Mitarbeiters zu verbessern.

Auch bei Phoenix Contact, einem

Elektronikhersteller aus Blomberg in

Nordrhein-Westfalen mit rund 1.100

Mitarbeitern in Deutschland, werden

Zielvereinbarungen mit den Mitarbeitern

getroffen. Wie bei der Conplement

AG kann es sich auch hier um durchgeführte

Projekte oder um konkrete Weiterbildungsmaßnahmen

handeln. Eine

leistungsbezogene Zulage richtet sich

nach dem Erreichen der Ziele.

Dieses System steht neben den im Tarifvertrag

festgelegten leistungsbezogenen

Komponenten. Standardisiert wird hier

die Leistung nach Parametern wie der

Anwendung von Kenntnissen und Fähigkeiten,

Teamarbeit oder Arbeitseinsatz

bewertet. Insgesamt fl ießen 16

ProFirma 12 2011

verschiedene Aspekte in die Bewertung

auf einer Skala von 1 bis 8 ein. Die Führungskräfte

nehmen sich bei der Bewertung

zunächst einen Mitarbeiter als

Maß, der aus ihrer Sicht das jeweilige

Stellenbild zu 100 Prozent erfüllt und

so bei der Bewertung eine 4 erhält. Neben

diesen Mitarbeiter platzieren sie die

anderen vergleichbaren Mitarbeiter, die

mehr oder weniger Leistung erbringen,

und erstellen somit ein Ranking.

Doch die angestrebte Objektivität des

Bewertungsverfahrens funktioniert

nicht immer. „Es kann Beurteilungsfehler

geben“, sagt Ines Ludwig, Leiterin

Personalmanagement, Recruiting und

Consulting bei Phoenix Contact. „Eine

mögliche Fehlerquelle ist die Gefahr,

dass eine Führungskraft Konfl ikten aus

dem Weg gehen will und deshalb tendenziell

besser bewertet als der Durchschnitt.“

Eine weitere Fehlerquelle:

Höhere Entgeltgruppen werden tendenziell

besser beurteilt als niedrigere.

„Um dies zu vermeiden, bekommen die

Führungskräfte spezielle Schulungen“,

sagt Ines Ludwig. Zudem wurde ein Bewertungslexikon

erarbeitet, in dem Beispiele

für gute und schlechte Leistung

benannt sind und die Kriterien auf die

Arbeitsbereiche übersetzt werden. Diese

können im Labor anders interpretiert

werden als in der Produktion.

Einheitlichkeit ist nicht sinnvoll

Ziel des Systems ist es, die Mitarbeiter

fair und gerecht zu beurteilen. Doch Beurteilungssysteme,

die für alle Mitarbeiter

eines Unternehmens gelten, stoßen

auch auf Kritik. Für Winfried Berner,

Unternehmensberater und Inhaber der

Umsetzungsberatung aus Mitterfels in

Bayern, ist die Vergleichbarkeit für alle

Mitarbeiter nach einem einheitlichen

Maßstab nicht immer sinnvoll. Schließlich

schaffe man die Vergleichbarkeit

nur, indem das Wesentliche bei der

Ausübung der jeweiligen Stelle weggelassen

werde. Für Winfried Berner bergen

Bewertungssysteme zudem immer

auch die Gefahr einer Fehlsteuerung.

„Die Mitarbeiter richten ihre Leistung

natürlich danach aus, an welchen Maßstäben

sie gemessen werden. Doch

TYPISCHE BEWERTUNGSFEHLER

HALO-EFFEKT

Ein positiver oder negativer Eindruck des

Mitarbeiters überstrahlt alle anderen Aspekte.

Dies kann zum Beispiel der soziale

Status, das Aussehen oder einfach nur eine

besondere Verhaltensweise sein. Dieser

Effekt wird noch verstärkt, wenn der Beurteiler

auf eine bestimmte Verhaltensweise

oder ein Merkmal besonders Wert legt.

EGOZENTRIEFEHLER

Der Beurteiler macht sich selbst zum

Maßstab für die Erfüllung der Aufgaben.

Was er leisten kann, das verlangt er auch

von seinem Mitarbeiter, unabhängig von

dessen Position und Aufgabe im Unternehmen.

ANDORRA-PHÄNOMEN

Der Mitarbeiter passt sich der Rolle an,

die ein Vorgesetzter von ihm erwartet.

Wenn er etwa denkt, dass sein Vorgesetzter

eine schlechte Meinung über ihn hat,

dann passt er seine Leistung nach unten

an. Der Vorgesetzte wiederum sieht sich

dadurch in seinen Ansichten bestätigt.

TENDENZ ZUR MITTE

Ist der Beurteiler ängstlich oder unentschlossen,

wählt er bei den Beurteilungen

eher mittlere Werte. Ein Grund hierfür ist

häufi g ein Mangel an Informationen über

den zu Beurteilenden. Leistungsstarke

Mitarbeiter werden dadurch eher ab-, leistungsschwache

Mitarbeiter aufgewertet.

360-GRAD-FEEDBACK

Viele Fehlerquellen können durch ein

360-Grad-Feedback umgangen werden.

Neben der Beurteilung der Führungskraft

fl ießt auch die Selbstbeurteilung des Mitarbeiters

mit ein. Auch Kunden, Kollegen

und Mitarbeiter werden befragt. Dadurch

kann eine objektivere Beurteilung erreicht

werden, die ein realistisches Bild

wiedergibt – und nicht das vorgefertigte

aus dem Kopf des Vorgesetzten.

43


Unternehmensführung – Personalführung

CHECKLISTE

JAHRESGESPRÄCH

FRÜHZEITIGE TERMINIERUNG

Der Mitarbeiter sollte früh genug

erfahren, wann das Jahresgespräch

stattfi ndet, damit er sich gut darauf

vorbereiten kann. Er sollte schon über

die zu besprechenden Themen informiert

sein. Zudem kann er aufgefordert

werden, entsprechende Fragen

und Ziele für den Termin zu formulieren.

GUTE VORBEREITUNG

Anhand des Protokolls des vorigen

Gesprächs sollte sich die Führungskraft

noch einmal bewusst machen,

was eigentlich im vergangenen Jahr

vom Mitarbeiter erwartet worden war.

Es sollte geprüft werden, ob diese

Ziele erreicht worden sind. Wenn

nicht, woran lag es? Was muss getan

werden, damit der Mitarbeiter seine

Ziele besser erreicht?

BESTANDSAUFNAHME

DER AKTUELLEN SITUATION

Im Gespräch werden das ablaufende

Jahr und die aktuelle Situation des

Mitarbeiters erörtert. Der Mitarbeiter

sollte die Chance haben, sich zu allen

Punkten zu äußern. Keinesfalls sollte

die Führungskraft das Jahresgespräch

zur Generalabrechnung über vergangenes

Fehlverhalten nutzen.

ZIELE FORMULIEREN

Mit dem Mitarbeiter sollten Ziele für

das kommende Jahr vereinbart werden.

Wichtig ist, dass diese sich klar

und messbar defi nieren lassen. Sie

sollten Handlungsspielräume lassen

und für den Mitarbeiter auch umsetzbar

sein.

DOKUMENTATION DER

ERGEBNISSE

Es sollte ein Gesprächsprotokoll ausgearbeitet

werden, damit die Ergebnisse

auch später noch nachvollziehbar

sind.

„Will eine Führungskraft Konfl ikten aus dem Weg

gehen, bewertet sie oft besser als der Durchschnitt.“

INES LUDIG, PHOENIX CONTACT, BLOMBERG

was ist, wenn diese Maßstäbe gar nicht

das sind, was eigentlich erreicht werden

sollte?“, fragt Berner.

Die Alternative liegt aus seiner Sicht darin,

eine klare Orientierung zu bieten.

Anhand konkreter Aufgaben ist für die

jeweilige Funktion klar zu sagen, was die

Führungskraft erwartet. „Es ist eine primäre

Führungsaufgabe, zu defi nieren,

was ich von meinen Mitarbeitern will,

wofür sie eigentlich bezahlt werden“,

sagt Berner. „Wenn mir das selbst nicht

klar ist, kann ich auch keine Orientierung

bieten.“ Berner sieht auch Nutzen

in einem Beurteilungssystem. Der liege

darin, dass man sich im Jahresrhythmus

unabhängig vom situationsbezogenen

Feedback zusammensetze und eine Gesamtbilanz

ziehe. Dabei sollten auch die

nächsten Entwicklungsschritte für den

Einzelnen defi niert werden.

Machen es standardisierte Verfahren,

die versuchen, Leistungen in Zahlen

auszudrücken, der Führungskraft zu

einfach? Sollte Bewertung nicht immer

im Dialog zwischen Führungskraft und

Mitarbeiter stattfi nden? Personalberater

Michael Paschen sieht den Nutzen von

Skalensystemen jedoch eher als Hilfsmittel,

um konkrete Anforderungen zu

defi nieren. „Man muss dem Mitarbeiter

gegenüber begründen können, wie er es

schaffen kann, etwa von einem Doppel-

Minus auf ein Doppel-Plus zu kommen“,

sagt Paschen. Doch sobald ein

System zu undurchsichtig, es methodisch

aufgeblasen wird, sieht der Personalberater

Schwierigkeiten. „Dann geht

es nicht mehr darum, was der Mitarbeiter

tun kann, besser zu werden, sondern

warum es anstatt einer 4,5 eine 3,5 in

der Bewertung gegeben hat.“ Die Gerechtigkeitsdebatte,

die man eigentlich

vermeiden wollte, kommt dann erst

richtig in Schwung.

Doch die Schwierigkeit liegt nach Meinung

von Unternehmensberater Winfried

Berner noch woanders. „In vielen

Fällen werden Beurteilungssysteme gar

nicht richtig ernst genommen.“ In diesen

Fällen würden Bögen von der Personalabteilung

verschickt, die nur lustlos

und nach Anmahnung ausgefüllt würden.

Zurück in der Personalabteilung,

kämen sie dann in die Ablage. „So etwas

hat natürlich keinerlei Steuerungswirkung“,

kritisiert der Unternehmensberater.

Nur wo das Beurteilungssystem

ernst genommen werde, könne es auch

eine Orientierungshilfe bieten.

44 ProFirma 12 2011

Foto: privat


Es gab einmal eine Zeit, in der Begriffe, die mit „Call“ begannen,

nichts für höhere Töchter und für seriöse Kaufl eute waren.

Anständige Menschen kamen – jedenfalls offi ziell – nicht mit

diesen Welten in Kontakt. Das hat sich dramatisch geändert.

„Call“ ist heute überall. An vielen Stellen hat „Call“ den Kontakt

zum realen Menschen ersetzt. Der Bankberater, der früher

seine Kunden über Jahre begleitete, ist durch Automaten

und Call-Center ersetzt. Die Versicherungsagentur ist auf eine

Verkaufsveranstaltung mit Verkaufsdruck geschrumpft, und

der Versicherungskunde muss sich mit einem anonymen

Call-Center herumschlagen, um seinen komplizierten Versicherungsfall

sachgerecht und lösungsorientiert bearbeitet zu

bekommen. Und die Kommunikationsunternehmen, deren

Job eigentlich das Zusammenbringen von Menschen wäre,

halten sich den Kunden per Call-Center möglichst weit vom

Leibe, wovon der Autor aus praktischer Anschauung ein Liedchen

singen kann.

Es ist merkwürdig, wie wenig kundenorientiert die Mehrzahl

der Call-Center ist. Es gibt keine persönlichen Vertrauenskontakte

mehr, im Ernstfall ist keiner zuständig, schwierige Fälle

werden weiter- oder herumgereicht. Die Dokumentation

der Gespräche ist mehr als lückenhaft oder fehlt gleich ganz,

sodass der Anrufer, der dann eher ein Bittsteller ist, jedem

neuen Telefonpartner seine Lebens- und Leidensgeschichte

erneut schildern muss und dabei nicht sicher sein kann, ob

sie sprachlich verstanden, fachlich aufgenommen und korrekt

dokumentiert wird. Und allzu oft muss sich der Anrufer,

immerhin der Kunde, der den ganzen Laden fi nanziert, Belehrungen

von offensichtlich unkundigem Personal anhören.

Spöttisch gesagt: Viele Anrufe sind eine Art Schnellfortbildung

für die Mitarbeiterschaft des Call-Centers – auf Kosten

des Kunden und vielleicht zum Vorteil des nächsten Anrufers.

Man mag nur schwer glauben, dass diese Form von organisier-

ProFirma 12 2011

Querdenker

Martin Beck Der Unternehmensberater

ist Großhandelskaufmann, Diplom-

Betriebswirt (FH) und Honorarprofessor

an der Hochschule Nürtingen.

www.prof-beck.net

Per Anruf Kunden verlieren

Von Professor Martin Beck

ter und technisierter Kundenabfertigung, die weit hinter dem

Niveau des guten, alten Mitarbeiters am Schalter zurückliegt,

ein Fortschritt für die Dienstleistungsgesellschaft sein soll.

Die meisten Call-Center legen sich wie ein tiefer Graben oder

wie ein abwehrender Drache zwischen den Kunden und den

Lieferanten. Man könnte sie auch als Organisationen zur Verhinderung

von persönlichen Kontakten bezeichnen. Nur der

Vollständigkeit halber sei gesagt: Es gibt auch Call-Center, die

funktionieren, weil dort gut geschulte Mitarbeiter gut informiert

sind und freundlich und lösungsorientiert auftreten.

Das zeigt: Eigentlich kann es gar nicht so schwer sein, einige

Grundregeln zu beachten und den Call-Center-Mitarbeitern

pädagogisch nahezubringen. Als Anrufer und Kunde darf ich

erwarten:

> die sofortige Dokumentation des Besprochenen, insbesondere

der getroffenen Zusagen und Vereinbarungen;

> rasche Erreichbarkeit eines entscheidungsberechtigten Vorgesetzten,

der dem Kunden in allen schwierigeren Fällen zumindest

ein Gefühl von Betreuung und Respekt vermittelt;

> die zügige Benennung eines Erst-Ansprechpartners (sozusagen

eines Fallmanagers), der in einem schwierigeren Fall

den Kunden bis zur Lösung des Problems begleitet.

Für die Call-Center-Branche müsste es eine Ehrensache sein,

den Kunden wirklich zu bedienen, statt ihn wie eine heiße

Kartoffel (die in diesem Falle aber häufi g heißer und nicht

kühler wird) von Anonymus zu Anonymus weiterzureichen.

Sonst braucht sie sich nicht zu wundern, wenn ihre Kunden

im Schutz der Anonymität von Bank zu Bank oder von einem

Kommunikationsunternehmen zum nächsten hüpfen wie

der Schmetterling von Blüte zu Blüte. Ein schlecht funktionierender

Kundenkontakt ist sozusagen eine Einladung zur

geschäftlichen Untreue. Dabei gibt es nichts Ökonomischeres

als einen treuen Kunden.

Kolumne

45


Unternehmensführung

Betriebsratsvergütung

Nach dem Gesetz gelten zwei eiserne

(und strafbewehrte) Grundsätze für die

Betriebsratsvergütung: Zum einen dürfen

Betriebsratsmitglieder wegen ihres

Amtes nicht gegenüber normalen Arbeitnehmern

bevorzugt oder benachteiligt

werden. Zum anderen dürfen sie

keine Vergütung für ihre Betriebsratstätigkeit

erhalten.

Diese Aufgabe ist bei der Grundvergütung

in aller Regel noch zu meistern.

Hier gibt es schließlich Tarif- oder Entgeltsysteme,

die einen objektiven Rahmen

bieten. Weitaus herausfordernder

sind variable Vergütungsbestandteile,

sofern diese nicht einfach nur an den

Unternehmenserfolg anknüpfen, sondern

auch eine persönliche Leistungskomponente

beinhalten. Schon bei

„normalen“ Arbeitnehmern ist die objektiv

nachvollziehbare und gerechte

Bewertung und Vergütung schwierig;

bei Betriebsräten gerät sie zum Marsch

durch ein Minenfeld.

Vollzeit-Betriebsräte problemlos

Überraschenderweise sind nicht die

„Vollzeit-Betriebsräte“ die problematischen

Fälle. Bei Betriebsratsmitgliedern,

die von der Pfl icht zu Erbringung

ihrer Arbeitsleistung vollständig

freigestellt sind, kann der Arbeitgeber

RECHT

Ein Marsch durch ein Minenfeld

Bei der Vergütung für Betriebsräte steckt der Unternehmer in der Zwickmühle:

Er darf sie gegenüber normalen Arbeitnehmern weder bevor- noch benachteiligen,

aber auch nicht für ihre Tätigkeit bezahlen. VON BERND WELLER

Ein Betriebsratsmitglied sollte vom Unternehmer dazu angehalten werden, die Dauer

und den Anlass seiner Tätigkeiten in dieser Eigenschaft schriftlich zu dokumentieren.

schließlich erst gar nicht in die Versuchung

kommen, falsche Ziele zu setzen

oder eine mangelhafte Zielereichung

zu bewerten. Bei der variablen Vergütung

von vollständig freigestellten Betriebsratsmitgliedern

ist vielmehr wie

bei deren Grundvergütung vorzugehen.

Nachdem ein (zahlenmäßig möglichst

großer) Kreis von vergleichbaren Arbeitnehmern

bestimmt wurde, erhält

das freigestellte Betriebsratsmitglied

einfach den Durchschnitt oder den Medianwert

der variablen Vergütung seiner

Vergleichsgruppe.

Deutlich komplexer gestaltet sich die

variable Vergütung von nicht oder nur

teilweise freigestellten Betriebsratsmitgliedern.

Diese haben noch Arbeitsleistung

zu erbringen. Von ihnen muss (sie

dürfen ja nicht schlechter oder besser

46 ProFirma 12 2011


als andere Arbeitnehmer behandelt

werden) ebenfalls persönliche Leistung

erwartet werden, und ihnen können

daher auch persönliche Ziele gesetzt

werden. Es liegt auf der Hand, dass diese

Ziele nicht im Zusammenhang mit der

Betriebsratstätigkeit stehen dürfen, zum

Beispiel der Abschluss einer Betriebsvereinbarung.

Das wäre dann nämlich

die Vergütung von Betriebsratstätigkeit.

Diese ist aber gesetzlich verboten.

Zielerreichung variieren

Bei den Zielen muss berücksichtigt

werden, dass ein Betriebsratsmitglied

nicht (annähernd) im gleichen zeitlichen

Rahmen seiner Arbeitspfl icht

nachkommt wie ein normaler Arbeitnehmer.

Die Teilnahme an Betriebsratssitzungen

und anderen Pfl ichtaufgaben

konsumiert Zeit. Zeit, in der das

Betriebsratsmitglied nicht an seiner

Zielerreichung arbeiten kann. Würde

man einem Betriebsratsmitglied dieselben

Ziele wie einem normalen Arbeitnehmer

setzen, dann würde man ihn

gegenüber den anderen Arbeitnehmern

schlechter stellen. Er hätte dann in kürzerer

Zeit nämlich proportional mehr

zu erledigen.

Wobei gilt, dass der Arbeitgeber selbstverständlich

dazu berechtigt ist, den

Betriebsrat dazu zu verpfl ichten, sich

ab- und wieder anzumelden, wenn er

seine normale Tätigkeit unterbricht

und Betriebsratstätigkeiten ausübt. Dies

ist keinesfalls eine böswillige Schikane;

letztlich dient dies den ureigensten Interessen

des Betriebsratsmitglieds selbst.

Aus diesem Umstand heraus ergibt

sich demnach ebenfalls das Recht des

Arbeitgebers, die Zeiten, in denen das

Betriebsratsmitglied nicht arbeitet,

sondern seiner Betriebsratstätigkeit

nachkommt, dauerhaft zu erfassen, zu

kumulieren und zu speichern.

Im Ergebnis muss also der Arbeitgeber

oder der Vorgesetzte bei der Zielsetzung

zunächst überlegen, welche Ziele

er dem Betriebsratsmitglied unter Beachtung

dessen verringerter Arbeitszeit

setzen kann. Bei der Bemessung der

Zielerreichung wiederum sollte er dann

nochmals mit den aufgelaufenen Be-

ProFirma 12 2011

triebsratszeiten abgleichen, ob sich die

Perspektiventscheidung vom Jahresanfang

im Nachhinein als zugunsten des

Betriebsratsmitglieds überhöht oder

aber zu gering darstellt. Besondere Umstände

wie Restrukturierungen können

schließlich erhebliche Zeiten bei Betriebsratsmitgliedern

blocken.

Statistikbeweis hilft

So mancher Personalleiter mag sich

fragen, ob der Aufwand gerechtfertigt

ist und ob er die Betriebsratsmitglieder

nicht dazu „ermuntert“, sich lieber häufi

ger abzumelden, um damit geringere

Zielvorgaben zu haben. Im gewissen

Umfang mag diese Sorge berechtigt

sein. Der Arbeitgeber vergisst dabei

aber sein Recht und seine Pfl icht, in jedem

Abmeldefall und in der Summe

zu prüfen, ob das Betriebsratsmitglied

tatsächlich Betriebsratstätigkeit geleistet

hat. Darüber hinaus kann sich der

Personalleiter insoweit auch des sozialen

Drucks der betrieblichen Kollegen

gewiss sein.

Am Ende darf der Personalleiter nicht

vergessen, wie viel Sicherheit er im Umgang

mit Betriebsräten durch eine solche

Maßnahme gewinnt. Statt wie üblich

lamentieren zu müssen, dass man

dem Betriebsratsmitglied, von dem man

später noch eine positive Entscheidung

(Einstellung, Betriebsvereinbarung u.a.)

wünscht, in unschönen Gehaltsverhandlungen

gegenübersteht und nur

unzureichende objektive Argumente

hat, erleichtern die nachvollziehbaren

Argumente eines solchen Statistikbeweises

diese Aufgabe menschlich wie

rechtlich ungemein.

Nicht ganz vergessen sollte der Personalleiter

dabei auch, dass ihm die Dokumentation

– wie in vielen anderen

Compliance-Bereichen auch – dabei

hilft, gegenüber der Staatsanwaltschaft

oder der Geschäftsführung nachzuweisen,

welche Entscheidung er aus welchen

Gründen getroffen hat.

Der Autor: Bernd Weller, Rechtsanwalt und

Fachanwalt für Arbeitsrecht, Partner, Heuking

Kühn Lüer Wojtek, Frankfurt am Main

Urteils-Ticker

WEIHNACHTSGELD DARF NICHT

EINSEITIG GESTRICHEN WERDEN

Ein Arbeitgeber darf das über Jahre

hinweg gezahlte Weihnachtsgeld

nicht einfach streichen, entschied das

Landesarbeitsgericht (LAG) Rheinland-

Pfalz. Das gelte auch dann, wenn bei

der letzten Zahlung darauf hingewiesen

wurde, das die Auszahlung freiwillig

erfolgt. Über die Jahre sei eine betriebliche

Übung entstanden, die der

Arbeitgeber nicht ohne Einwilligung

des Arbeitnehmers kassieren könne

Anders ist es, wenn die Freiwilligkeit

der Zahlung bereits im Arbeitsvertrag

festgehalten wurde.

INFO: LAG Rheinland-Pfalz,

Az. 5 Sa 604/10

GRÜNDUNGSZUSCHUSS

AUCH IM AUSLAND

Ein deutscher Arbeitsloser, der sich

selbstständig macht, hat auch im Ausland

Anspruch auf den Gründungszuschuss

entschied das hessische Landessozialgericht

(LSG) und verurteilte

die Bundesagentur für Arbeit zur

Zahlung. Im Gesetz sei ausdrücklich

geregelt, dass auch eine Beschäftigungsaufnahme

in der EU gefördert

werden könne. Geklagt hatte ein

Diplom-Betriebswirt, der in Österreich

eine Pizzeria übernommen hatte.

INFO: LSG Hessen,

Az. AZ l 7 AL 104/09

IMPRESSUMSPFLICHT

BEI FACEBOOK

Wenn ein Unternehmen bei Facebook

eine Seite zu Marketingzwecken betreibt,

muss diese ein eindeutiges

Impressum aufweisen, urteilte das

Landgericht (LG) Aschaffenburg. Dazu

reiche es nicht, wenn auf der Seite

Anschrift, Telefonnummer und ein

Link auf die Website des Unternehmens

aufgeführt seien.

INFO: LG Aschaffenburg,

Az. 2 HK O 54/11

47


Finanzen & Steuern

Die deutschen Familienunternehmen

verfügen über eine außergewöhnlich

große Finanzkraft. Auch nach der Finanz-

und Wirtschaftskrise stehen sie

fi nanziell und wirtschaftlich besser da

als der Gesamtdurchschnitt der Unternehmen

in Deutschland. Dies zeigt eine

Untersuchung der 500 umsatzstärksten

Familienunternehmen, deren Ergebnisse

die Wirtschaftsauskunftei Bürgel

und die Beratungs- und Prüfungsgesellschaft

Rödl & Partner jetzt vorlegten.

„Bei den wichtigsten Erfolgskennzahlen

Eigenkapitalquote, Gesamtkapitalrendite

und Liquidität stehen Familienunternehmen

gegenüber der Gesamtwirtschaft

und den Unternehmen des Euro

Stoxx 50 überdurchschnittlich gut da“,

erklärt Dr. Norbert Sellin, Geschäftsführer

von Bürgel. Im Betrachtungszeitraum

2007 bis 2010 konnten die Unternehmen

ihre bereits auskömmliche

Eigenkapitalquote um acht Prozentpunkte

auf 53,7 Prozent steigern.

„Aufgrund der Stärke des eigenen

operativen Geschäfts können Famili-

FINANZTRENDS

Studie zur Finanzstärke

Familienunternehmen lassen nichts anbrennen

enunternehmen konjunkturelle Abschwünge

sehr gut abfedern“, betont

Wolfgang Kraus, geschäftsführender

Partner der auf die Beratung von Familienunternehmen

spezialisierten Beratungs-

und Prüfungsgesellschaft Rödl

& Partner in Nürnberg. Im Vergleich

mit den Euro-Stoxx-50-Unternehmen

erwirtschafteten Familienfi rmen in den

80%

60%

40%

20%

BETRIEBSRENTE

Scheidung kann für Arbeitgeber teuer werden

Bei Scheidung von Mitarbeitern mit einer betrieblichen Altersversorgung

(bAV) sieht das Versorgungsausgleichsgesetz grundsätzlich

vor, dass die Teilung einer bAV auf das Ehezeitende erfolgt.

In vielen Fällen liegt dieser Zeitpunkt aber mehrere Jahre

vor dem rechtskräftigen Scheidungsurteil, und die Teilung kann

rückwirkend gar nicht mehr vorgenommen werden. Da der Gesetzgeber

bisher offengelassen hat, ob und wie die Wertentwicklung

der bAV zwischen Ehezeitende und Rechtskraft des Urteils

zu berücksichtigen ist, mussten die Betroffenen eine höchstrichterliche

Entscheidung abwarten. Diese liegt jetzt vor und bietet

für Arbeitgeber eine böse Überraschung. Denn in einem Urteil

vom 7. September 2011 beschloss der Bundesgerichtshof, dass

67,7%

21,0%

Baugewerbe

Jahren 2007 bis 2010 eine überdurchschnittlich

hohe Gesamtkapitalrendite.

Im Geschäftsjahr 2010 lag diese sogar

bei rund 8,3 Prozent (Euro Stoxx 50:

5,9 Prozent).

Die Studie „Finanzkraft von Familienunternehmen“

kann im Internet kostenfrei

heruntergeladen werden: www.roedl.de/

studie_familienunternehmen

ANALYSE DER EIGENKAPITALQUOTEN NACH BRANCHEN

(Untersuchungszeitraum 2007 bis 2010)

Quelle: BÜRGEL; Rödl & Partner (eigene Auswertung)

der Ausgleichswert aus einer externen Teilung zugunsten des

Ausgleichsberechtigten ab Ehezeitende zu verzinsen ist. Im konkreten

Fall ging es um eine Pensionszusage. Folge: Der Arbeitgeber

muss dem Ausgleichsberechtigten eine Verzinsung von 5,25

Prozent zahlen. Einige Monate zuvor hatte das OLG Celle einen

Lebensversicherer zur Nachverzinsung verurteilt.

„Betroffene Versorgungsträger sollten ihre Teilungsordnungen

zeitnah prüfen“, empfi ehlt Andreas Buttler, Gesellschafter-Geschäftsführer

des bAV-Beratungshauses Febs Consulting. Denn

es gelte zu verhindern, dass die Zinsen am Ende tatsächlich zulasten

des Arbeitgebers oder des Versicherers gehen.

INFO: www.febs-consulting.de

48 ProFirma 12 2011

51,7%

27,5%

Unternehmensdienstl.

50,2%

36,4%

Industrie

49,2%

Bergbau

36,9%

47,5%

Handel

29,3%

45,4%

26,8%

Verkehr,

Nachrichten

39,9%

9,5%

Finanzdienstleister

Familienunternehmen

Gesamtwirtschaft

39,5%

25,4%

Sonstige

Dienstl.

20,4%

29,2%

Gesundheit,

Soziales

Foto: Deutscher Factoring-Verband


Factoring-Branche wächst trotz Vorurteilen

Auch im ersten Halbjahr 2011 haben die

Mitgliedsunternehmen des Deutschen

Factoring-Verbands einen deutlichen

Volumenzuwachs erwirtschaftet: Wie

der Verband bei einem Pressegespräch

in Frankfurt berichtete, nahm der Umsatz

gegenüber dem Vorjahreszeitraum

um 28 Prozent auf 75,60 Milliarden

Euro zu. Die Factoring-Quote stieg damit

schon im ersten Halbjahr 2011 auf

knapp 6,5 Prozent an. Diese Quote gibt

das Verhältnis zwischen dem angekauften

Forderungsvolumen und dem Bruttoinlandsprodukt

in Prozent an und gilt

in der Branche als Vergleichsmaßstab

für die Rolle des Factorings in einer

Volkswirtschaft.

Ein weiterer Beleg für die zunehmende

Bedeutung ist auch der Anstieg der

Kundenzahl, die seit Jahresbeginn um

Spezialisten der

67 Prozent auf nunmehr 14.570 wuchs.

Der Verband legte außerdem eine Studie

der Universität Köln zur Bedeutung

des Factorings in Deutschland vor. Aufschlussreiches

Ergebnis: In Deutschland

genießt Factoring bei den Nutzern

einen deutlich besseren Ruf als bei den

Nichtnutzern.

Als Hemmnis gegen die Einführung

von Factoring führen viele befragte

Unternehmen Befürchtungen an, Factoring

sei zu teuer und die Abwicklung

zu kompliziert. „Dieses Ergebnis bedeutet,

dass wir die Vorteile des Factorings

noch besser kommunizieren müssen,

um diese zumeist unberechtigten Vorurteile

gerade bei den Nichtnutzern

zu beseitigen“, sagte Joachim Secker,

Sprecher des Vorstands des Deutschen

Factoring-Verbands.

Sieht Informationsbedarf: Joachim Secker,

Vorstand des Deutschen Factoring-Verbands.

Spielraum

schreibt man

mit F.

Wer �nanziell unabhängig ist, kann sich ganz auf sein

Geschäft konzentrieren. Mit Factoring gewinnen Sie

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Forderungen zeitgemäß managen


Finanzen & Steuern – Finanzierung

IT-Leasing

Tausche alt gegen neu

Hard- und Software altern oft schneller, als sie abgeschrieben werden können.

Deswegen kann Leasing eine gute Alternative zum Kauf von IT sein. Firmenchefs

sollten bei dieser Finanzierungsform aber genau rechnen. VON SABINE HÖLPER

Woran erkennt man, dass ein Film vor zehn oder 15 Jahren gedreht

wurde? An den Frisuren der Schauspieler, an ihrer Kleidung?

Heutzutage eher nicht. Man merkt es an den Handys

am Ohr und an den Computerbildschirmen auf den Schreibtischen:

Die Technik, die damals en vogue war, ist heute im

wahrsten Sinne des Wortes aus dem vorigen Jahrhundert. Die

Lebenszyklen von Informationstechnologie sind derart kurz,

dass ein gestern gekauftes Gerät schon morgen veraltet sein

kann. Für kleinere und mittlere Unternehmen, die fünf- oder

gar sechsstellige Summen in IT investieren müssen, ist das ein

echtes Problem. Denn es bleibt

ihnen gar nichts anderes übrig,

als in immer kürzeren Abständen

zu investieren. Schließlich

sind sie auf modernste Technik

angewiesen und können es sich

nicht erlauben, neue Entwicklungen

zu ignorieren.

Ein Ausweg aus diesem misslichen

Kreislauf ist IT-Leasing.

Wer Hard- und Software least

anstatt zu kaufen, ist technisch

immer auf dem neuesten Stand.

Nach einem vorher defi nierten

Zeitraum von zum Beispiel

drei Jahren werden die Geräte

gegen neue ausgetauscht – und

man muss sich nicht einmal

um die Entsorgung der alten

Anlagen kümmern.

IT-Leasing bietet die gleichen Vorteile wie alle anderen Leasing-Formen:

Es schont die Liquidität des Unternehmens und

ist in der Regel bilanzneutral. Somit bleibt die Kreditlinie bei

der Bank unangetastet und das Unternehmen erschließt sich

zusätzliche fi nanzielle Spielräume. Zudem hält Leasing die Belastungen

relativ gering, zumal die monatlichen Zahlungsraten

in der Regel aus den laufenden Erträgen fi nanziert werden

können. Vor allem aber sind Leasing-Raten – egal, wie sich

die Kreditzinsen entwickeln – konstant und bieten dem Unternehmer

damit Planungssicherheit während der gesamten

Vertragslaufzeit. Hinzu kommt,

dass Leasing-Raten oftmals als

Betriebsausgaben Gewinn mindernd

genutzt werden können.

IT-Leasing noch

wenig verbreitet

Entscheidender Pluspunkt des

IT-Leasings ist jedoch, dass es

das Risiko der technologischen

Überalterung der Hard- und Software

im Unternehmen deutlich

reduziert. Denn ein Firmenchef

steckt beim Kauf neuer IT-Geräte

immer im Dilemma, dass

das Equipment vor Ablauf der

Abschreibungsdauer von fünf

Jahren technisch veraltet. Viele

Unternehmer setzen die Tech-

50 ProFirma 12 2011


Foto: BFL Leasing GmbH

nik daher über die volle Abschreibungsdauer ein, auch wenn

sie schon vorher nicht mehr die Leistung bringt, die nötig wäre.

Leasing hingegen erlaubt dem Unternehmen, neue Technologien

dann einzuführen, wenn es sinnvoll ist. Das kann schon

nach zwei oder drei Jahren sein.

Trotzdem ist die Akzeptanz von IT-Leasing noch lange nicht

so groß wie beim Pkw-Leasing. Fast zwei Drittel des gesamten

Leasing-Volumens in Deutschland gehen auf Pkw und Nutzfahrzeuge

zurück, Büromaschinen und EDV machen weniger

als zehn Prozent des gesamten Geschäfts aus. Daraus zu

schließen, IT-Leasing lohne sich nicht, wäre allerdings falsch.

Die IT-Branche hat bisher lediglich versäumt, Leasing erfolgreich

zu vermarkten. Die Automobilbranche hingegen hat

schon vor Jahren erkannt, dass Leasing ein lukratives Geschäft

ist, und tritt entsprechend offensiv auf. „Die Hersteller werben

mit Leasing-Raten von 299 Euro pro Monat“, sagt Gilles

Christ, Vorstand bei der Grenkeleasing AG in Baden-Baden.

Die Systemhäuser redeten hingegen noch immer zu viel über

Bits und Bytes. Spezial-Leasing-Anbieter wie Grenkeleasing

versuchen daher mit Nachdruck, den IT-Handel stärker für

das Thema Leasing zu sensibilisieren.

Ein besseres Marketing macht allerdings noch kein besseres

Produkt. Ob Leasing die richtige Finanzierungsform ist,

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„Leasing ist eine Finanzierungsform,

die gerade Produkten mit

kurzen Innovationszyklen wie in

der IT ganz besonders entgegenkommt.“

PETER DIECKMANN, GESCHÄFTSFÜHRER

BFL LEASING GMBH, ESCHBORN

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Finanzen & Steuern – Finanzierung

muss jedes Unternehmen immer im Einzelfall klären. Dabei

reicht es nicht, auf optisch niedrige Leasing-Raten zu schauen.

Mindestens genauso wichtig ist ein Blick auf die Kosten und

damit das Zinsniveau. Denn während die Kontokorrentzinsen

bei etwa fünf bis acht Prozent liegen, muss man für Leasing

etwa zehn Prozent kalkulieren. „Leasing ist teuer“, sagt Tom

Streicher, Leiter IT und Organisation bei der Steuerberatungsgesellschaft

Ecovis in Rostock. Es kommt daher auf die fi nanziellen

Möglichkeiten des Unternehmens an. Verfügt ein Betrieb

über eine starke Finanzkraft, ist der Kauf von Hard- und

Software wahrscheinlich günstiger. Leasing rückt vor allem

dann ins Blickfeld, wenn die Liquidität geschont werden soll.

Wichtig ist auch die Höhe der geplanten Investition.

Zwar schließen die meisten Anbieter Verträge schon ab

einem Volumen von 500 Euro ab. Ob Leasing bei derart

geringen Beträgen sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt.

Nicht nur die Kosten sind bei kleinen Summen relativ hoch,

auch der Papierkram steht kaum im Verhältnis zum Nutzen.

„Ein Kleinunternehmer, der zwei Rechner für 3.000 Euro

kauft, fragt sich, ob er dafür den Verwaltungsaufwand eingehen

soll“, sagt Berater Streicher. Ganz anders stellt sich die

Sache dar, wenn Geräte für Zehn- oder Hunderttausende Euro

benötigt werden, wie beispielsweise bei der All Service Unternehmensgruppe

für Gebäudemanagement. Das Frankfurter

Unternehmen least IT-Komponenten, die im Sicherheitsdienst

eingesetzt werden. Das sind zum Beispiel Sicherheitskoffer für

Geldtransporter oder Rack-Systeme für die Fahrzeuge. 40.000

Euro kostet ein einzelner Schrank, etwa 6.000 Euro ein Sicherheitskoffer.

Rund 30 solcher Koffer hat das Unternehmen im

Einsatz. Da kommen gewaltige Summen zusammen, und

dann ist der Verwaltungsaufwand wiederum gerechtfertigt.

Immer wichtiger: Serviceleistungen

INTERVIEW

„Vergleichsangebote einholen“

Sinnvoll dürfte Leasing darüber hinaus für Firmen sein, die

nicht einfach Produkte benötigen, sondern Lösungen. Das ist

auch der Trend. „Ein Unternehmen möchte nicht einfach nur

IT“, sagt Peter Dieckmann, Geschäftsführer der BFL Leasing

GmbH in Eschborn. „Es will in der Regel ein IT-Projekt realisieren.“

Dann aber ist nicht nur Hardware vonnöten, sondern es

werden auch Software und Implementierungsdienstleistungen

benötigt. „Denken Sie nur an Themen wie Datenmigration und

Schulungen für eine neue Applikation“, sagt Diekmann. Häufi g

gehe es den Unternehmen außerdem darum, „den Gerätepark

aufzuräumen, die Druckkosten zu reduzieren und die Prozesse

zu optimieren“, so Dieckmann. All dies erfordert Know-how,

das ein Unternehmer nicht unbedingt hat, aber ein auf IT spezialisierter

Leasing-Anbieter sehr wohl. Gemeinsam mit dem Fach-

Tom Streicher, Leiter IT und Organisation bei Ecovis in Rostock, über Stolperfallen

beim Leasing von Hard- und Software. DAS GESPRÄCH FÜHRTE SABINE HÖLPER

Herr Streicher, raten Sie Ihren Mandanten,

IT zu leasen?

Streicher: Das kommt auf den Einzelfall

an. Aber grundsätzlich ist Leasing gerade

bei Wirtschaftsgütern, die schnell veralten,

sinnvoll. Das Unternehmen kann

die Belastung konstant halten und die

Investitionszyklen auf ein lineares Maß

beschränken.

Sie kümmern sich bei Ecovis selbst um

das IT-Leasing, kennen also die Praxis.

Worauf sollte ein Unternehmer bei der

Vertragsgestaltung achten?

Streicher: Ein Unternehmer sollte sich

immer zwei, drei Vergleichsangebote

einholen. Dabei sollte man gerade jetzt

darauf achten, ob die Zinsen marktgerecht

sind. Auch das Kleingedruckte

muss man sich gut durchlesen, um nicht

etwa teure Zusatzleistungen mit abzuschließen.

Entscheidend ist auch die Wahl

der Vertragsvariante. Bei einem Vollamortisationsvertrag

muss man aufpassen, dass

man nicht in Wahrheit einen Mietkauf eingeht.

Dann nämlich ist der große Vorteil

von Leasing weg, dass der Unternehmer

das Wirtschaftsgut nicht aktivieren muss.

Der Deutsche Leasingverband führt Büromaschinen

und EDV als gemeinsamen

Posten auf. Lohnt sich Leasing auch bei Büromaschinen?

Streicher: Bei Büromaschinen ist der Vorteil

noch viel größer. Nehmen Sie einen

Kopierer: Der ist enorm teuer, gleichzeitig

ist der Preisverfall sehr hoch – und das bei

ständig steigender Leistung. Ein Kauf wäre

hier wirtschaftlich wenig sinnvoll. Beim

Leasing sieht es hingegen so aus: Wir

schließen einen Vertrag über fünf Jahre

ab, bekommen aber schon nach drei,

vier Jahren ein neues Gerät. Und das zu

sehr günstigen Konditionen.

52 ProFirma 12 2011

Foto:Ecovis


händler kann es seinen Kunden ein genau auf deren Bedürfnisse

zugeschnittenes Angebot machen – Finanzierung inklusive.

Immer häufi ger sind in den Leasing-Angeboten auch Komponenten

wie Wartung, Service und Instandhaltung enthalten.

Auch das hat die IT-Branche von der Automobilbranche gelernt:

„Pkw-Leasing ist deshalb so erfolgreich, weil die Autohäuser

ihren Kunden eine Paketleistung anbieten, inklusive

Wartung, Versicherung und Winterreifen“, sagt Grenkeleasing-Vorstand

Christ. Darin soll die Zukunft der Anbieter

liegen. „Weg von der Hardware, hin zur Dienstleistung“, sagt

Christ. „Künftig unterschreiben die Kunden nicht mehr zwei

gesonderte Verträge für Leasing und Service. Sie unterschreiben

nur noch einmal und zahlen auch alles in einer Rate.“

Solche Komplettangebote sind für Unternehmer nicht nur bequem.

Sie geben ihm auch die Sicherheit, dass seine Technik

stets läuft. Dennoch ist Vorsicht angebracht. Denn auch diese

Sicherheit hat ihren Preis. Und der kann zu hoch werden,

wenn man sie gar nicht braucht, etwa weil sich ein hauseigener

IT-Spezialist um die Wartung kümmert.

Es ist nicht die einzige Stolperfalle, die sich in IT-Leasing-

Verträgen verstecken kann. Ecovis-Berater Streicher warnt

auch davor, überfl üssige Versicherungen mit abzuschließen.

„Häufi g ist in der bestehenden Unternehmensversicherung

die IT mit abgedeckt“, sagt Streicher. „Wenn man dann im

Leasing-Vertrag das Kreuzchen an der falschen Stelle macht,

hat man eine teure Zusatzversicherung abgeschlossen.“ Überhaupt

kann es ins Geld gehen, wenn man das Kleingedruckte

nicht aufmerksam liest. So sehen längst nicht alle Verträge kostenlose

Anpassungen und Upgrades vor, häufi g werden auch

die Implementierungskosten ausgeklammert. Bei komplexen

Projekten kommt da schnell ein dicker Extraposten auf das

Unternehmen zu.

Wir bieten Ihnen 100 %-ige Sicherheit für Ihre Forderungen

und sorgen dafür, dass Sie schnell liquide sind.

Die SüdFactoring ist eine Tochtergesellschaft der LBBW-

Unternehmensgruppe, die in der Mittelstandsfinanzierung

eine bedeutende Rolle spielt. Diese Verbindung steht nicht

nur für Seriosität und Sicherheit, sondern auch für die

enge Verzahnung klassischer Finanzierungsformen mit

innovativen Instrumenten, wie der Forderungsfinanzierung.

Für weitere Informationen: Telefon + 49 711 127-772,

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WELCHER ANBIETER IST

DER RICHTIGE?

Sie können Ihre IT dort leasen, wo Sie auch die Firmenfl

otte leasen, oder aber zu einem Spezialanbieter

gehen. Der Vorteil der auf IT spezialisierten

Leasing-Anbieter ist, dass sie über Branchenwissen

verfügen und dem Unternehmen somit helfen

können, die beste Lösung zu fi nden. Andererseits

spricht nichts gegen eine breit aufgestellte

Leasinggesellschaft, vor allem dann, wenn man

seit Jahren gut mit einem Unternehmen zusammenarbeitet.

Zu den Spezialisten gehören Hersteller-unabhängige

Anbieter wie Grenkeleasing, CHG-Meridian

oder BFL Leasing sowie Anbieter, die für einen bestimmten

Hersteller tätig sind, wie etwa Siemens

Financial Services. Es liegt nahe, beim Kauf eines

Siemens-Produkts auch deren Leasing-Firma zu

wählen. Zwingend notwendig ist das aber nicht.

Das Gleiche gilt, wenn Ihr Fachhändler mit einem

bestimmten Leasing-Anbieter zusammenarbeitet.

Sie können mit dem empfohlenen Leasing-Geber

zusammenarbeiten, müssen es aber nicht.

Bei der Suche nach dem geeigneten

Leasing-Anbieter unterstützt der Bundesverband

Deutscher Leasing-Unternehmen unter:

www.leasingverband.de.

Die schönsten Rechnungen

sind die, die sofort bezahlt

werden.


Finanzen & Steuern – Auslandsgeschäft

Serviceleistungen der Banken

Sicher in die weite Welt hinaus

Kleine und mittlere Unternehmen drängen ins Ausland. Erste Anlaufstation ist oft die

Hausbank. Sie fi nanziert nicht nur das Auslandsgeschäft, sondern vermittelt auch Kon-

takte zu Banken, Geschäftspartnern und Experten vor Ort. VON SIGRUN AN DER HEIDEN

Das Exportgeschäft ist keine Domäne

der Konzerne mehr. Das belegt eine

neue Studie der DZ-Bank in Frankfurt,

bei der 1.500 Chefs kleinerer und mittlerer

Unternehmen zu den eigenen internationalen

Aktivitäten befragt wurden.

So sind mehr als 53 Prozent der

Mittelständler geschäftlich im Ausland

engagiert: Besonders in Europa, aber in

zunehmendem Maße auch in Amerika

und Asien. Bereits 35 Prozent der Unternehmen

mit einem Jahresumsatz von

weniger als fünf Millionen Euro machen

jenseits der Landesgrenzen Geschäfte.

Quelle: DZ Bank, Mittelstandsstudie Frühjahr 2011, Zukunftsmärkte in Asien

USA/Kanada

17%

Wohin es kleine und mittlere

Unternehmen zieht:

Bei den ersten Schritten ins

Ausland steht Westeuropa ganz

oben auf der Liste, dahinter folgen

Mittel/Ost- und Nordeuropa.

Bei den Firmen mit Umsätzen bis zu 25

Millionen Euro sind es sogar 55 Prozent.

Rund 40 Prozent der kleineren Unternehmen

sind Neueinsteiger, das heißt,

dass sie erst seit maximal fünf Jahren im

Ausland aktiv sind. Die Firmen wollen

sich neue Absatzmärkte erschließen,

um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Hans-Jürgen Wessler ist Chef eines solchen

kleinen Exporteurs. Der Geschäftsführer

der Union Stahl Nord GmbH aus

Hannover liefert per Schiff Grobbleche

nach Singapur, Japan und China. Die

Westeuropa

64%

Mittel-/Südamerika

13%

Nordeuropa

24%

Mittel/

Osteuropa

44%

Naher Osten

12%

Produkte des Mittelständlers werden

zum Bau von Schiffen gebraucht sowie

in der Erdöl- und Erdgasexploration

eingesetzt. Neben Asien gehören Firmen

in Nord- und Südeuropa zu den

Hauptkunden des Sechs-Mann-Betriebs.

Wessler weiß, dass das Exportgeschäft

neben großen Chancen auch Risiken

birgt und hat vorgesorgt: Die Warenlieferungen

nach Fernost sichert er per

Akkreditiv (siehe Kasten rechts) ab. Die

Zahlungsverpfl ichtung seiner Kunden

ist bindend. Sobald alle vereinbarten

Dokumente vorliegen, weist die Bank

Übriges Asien

15%

Russische Föderation

21%

54 ProFirma 12 2011

China

24%

Südostasien

24%

Japan

8%


seiner Geschäftspartner die Zahlung an.

„Unsere Lieferkontrakte bewegen sich

oft im sechs- oder siebenstelligen Bereich“,

sagt Wessler. „Da sichere ich jede

Lieferung ab.“ Seine Hausbank prüft die

Dokumente und wickelt den Zahlungsverkehr

ab. Auch die Finanzierung seiner

Exporte stemmt der Unternehmer

zusammen mit seiner Bank.

Das Beispiel zeigt: Die Internationalisierung

stellt gerade kleine und mittlere

Unternehmen vor große Herausforderungen.

„Sie haben häufi g keine eigene

Infrastruktur und zu wenig Personal,

um sich um die Märkte zu kümmern,

die sie erobern wollen“, weiß Christoph

Pellengahr, Auslandsexperte der DZ

Bank. Das Zentralinstitut der Volks-

und Raiffeisenbanken versorgt die Kunden

der Genossenschaftsbanken mit aktuellen

Länderinformationen und hilft

Unternehmern, alle relevanten Fragen

zu beantworten. „Wir sind die Anlaufstelle

und öffnen die Türen zu Partnerbanken

und Experten im Ausland. Bei

Bedarf begleiten wir Unternehmer auch

zum Bankgespräch“, sagt Pellengahr.

Im Export fangen viele

Mittelständler ganz von vorne an

So wie die DZ Bank bieten auch alle anderen

Kreditinstitute ihre Dienste für exportierende

Mittelständler an. Die Commerzbank

setzt im Auslandsgeschäft

auf ein Betreuungsmodell, bei dem der

inländische Firmenkundenbetreuer

eine zentrale Rolle spielt. Dieser holt

die jeweiligen Spezialisten mit an den

Tisch, je nachdem, ob der Kunde Fragen

zum Exportgeschäft, zum Zahlungsverkehr,

zum Risikomanagement oder zur

Errichtung einer Niederlassung im Ausland

hat. „Unsere Spezialisten gehen

mit dem Firmenkundenbetreuer zum

Unternehmer und erstellen ein Konzept

aus einem Guss für die Niederlassung

im Ausland“, sagt Bernd Geisenberger,

Abteilungsleiter Vertriebsmanagement

International bei der Commerzbank

Mittelstandsbank.

Auch die Sparkassen können sich auf

ein internationales Netzwerk stützen.

In einer eigenen Gesellschaft, der S-

Country Desk GmbH, bündelt die Spar-

ProFirma 12 2011

EXPORTGESCHÄFT

Zahlungs- und Finanzierungsinstrumente

im Export

Dokumenten-Akkreditiv: Zahlungsversprechen

der Bank des Importeurs an

den Exporteur. Die ausländische Bank

zahlt den vereinbarten Betrag, sobald

der Exporteur fristgerecht die im Akkreditiv

geregelten Dokumente vorgelegt

hat. Darunter fallen Papiere, die

den Versand oder die Einlagerung einer

Ware, deren Versicherung, Bewertung

und Beschaffenheit belegen. Die Bank

des Exporteurs prüft die Dokumente und

leistet eine Gutschrift an den Unternehmer.

Da der Exporteur seine Ware erst

nach Eröffnung und Vorlage des Akkreditivs

versendet, sichert er seine Forderung

ab. Im Liefervertrag ist geregelt,

wer die Kosten trägt. Diese sind von der

Laufzeit abhängig und setzen sich aus

einer Dokumentengebühr sowie einem

Diskontsatz zusammen, wenn die Bank

das Zahlungsziel vorfi nanziert.

kassenfi nanzgruppe ihr Know-how.

Ihre Mitarbeiter klären Fragen zu Chancen

und Risiken und helfen, eine Markteintrittsstrategie

zu erarbeiten. Sie zapfen

lokale Informationsquellen an, um

qualifi zierte Auskünfte zu vermitteln,

beraten bei der Standortwahl, unterstützen

bei der Suche nach Kooperationspartnern

und Immobilien, stellen

den Kontakt zu einer Partnerbank mit

deutschsprachigen Kundenbetreuern

her und klären Finanzierungsfragen.

„Häufi g machen wir die Finanzierung

zusammen mit der Partnerbank. Wir

stellen die Kreditlinien für das laufende

Geschäft zur Verfügung, die Bank vor

Ort fi nanziert die Immobilie, die auch

als Sicherheit dient“, sagt Arno Bach,

Geschäftsführer von S-Country Desk.

Der Vorteil liegt auf der Hand: „Selbst

etablierte Mittelständler sind im Ausland

Existenzgründer. Wir transportieren

die Bonität des Kunden mit ins Ausland“,

betont Bach.

Bestellerkredit: Dieser an das Exportgeschäft

gebundene Kredit an den Importeur

ist meist durch die staatliche

Exportkreditversicherung sowie eine

Zahlungsgarantie der Bank des Importeurs

gedeckt. Der Exporteur haftet nur

für Verluste in Höhe des Hermes-Selbstbehalts

von 15 Prozent. Die Laufzeit beträgt

drei bis sieben Jahre.

Forfaitierung: Der regresslose Verkauf

einzelner mittel- bis langfristiger Exportforderungen

an die Bank sichert dem Exporteur

sofortige Liquidität. Dafür zahlt

er einen Zinssatz, eine Risikoprämie

(abhängig vom Land und der Währung)

sowie eine Gebühr, deren Höhe von der

Laufzeit und der Bonität des Exporteurs

abhängt. Die Bank übernimmt dafür alle

mit der angekauften Forderung verbundenen

Risiken.

In den meisten Fällen fi nanzieren Privatbanken,

Sparkassen und Genossenschaftsbanken

die Auslandsinvestitionen

ihrer Firmenkunden durch

Kreditlinien für das deutsche Mutterhaus.

Da die Bank bereits in die Vorbereitung

des Auslandsengagements

eingebunden war, ist das Risiko bekannt

und kalkulierbar. Bei größeren

Vorhaben lohnt es sich, Fördermöglichkeiten

wie Zuschüsse oder günstige

Förderkredite zu prüfen. „Unsere Experten

des Euro Info Centers suchen die

Fördertöpfe für die geplante Investition

im europäischen Ausland und helfen

bei der Bearbeitung der Anträge“, betont

DZ-Bank-Experte Pellengahr. Wer

jedoch Märkte jenseits des Atlantiks

oder in Asien erobern möchte, dem stehen

nur begrenzt Fördermöglichkeiten

zur Verfügung. „Mittelständler nutzen

meist das zinsgünstige KfW-Programm

Unternehmerkredit Ausland mit Kreditlaufzeiten

von fünf, zehn oder 20

55


Finanzen & Steuern – Auslandsgeschäft

„Kleinen Unternehmen fehlt häufi g das Personal,

um sich um Auslandsmärkte zu kümmern.“

CHRISTOPH PELLENGAHR, DZ BANK, FRANKFURT

Jahren“, meint Pellengahr. Zwar gibt es

auch Investitionsförderungen ausländischer

Staaten, doch ist die Antragstellung

meist sehr aufwändig. „Unternehmer

verzichten oft auf eine Förderung,

weil der Aufwand im Verhältnis zur

Investitionssumme zu hoch ist“, weiß

S-Country-Desk-Chef Arno Bach.

Knapp drei Viertel der kleinen und mittleren

Unternehmen sammeln ihre erste

Auslandserfahrung im Export. Neben

den klassischen Bankprodukten wie

der Abwicklung des Auslandszahlungsverkehrs

oder der Exportfi nanzierung

und -absicherung über Akkreditive,

Bankgarantien, Inkassodienste sowie

den Ankauf von Forderungen nutzen

sie verstärkt das Beratungs- und Dienstleistungsangebot

ihrer Bank. Unternehmen,

die erstmals ins Ausland exportieren,

bekommen Tipps sowie praktische

Hilfestellung von ihrem Bankberater.

„Wir unterstützen den Kunden bei der

Abwicklung seines Exportgeschäfts, indem

wir die Dokumente prüfen, die er

einreicht, oder erstellen sie auf Wunsch

auch für das Unternehmen“, sagt Commerzbank-Experte

Geisenberger. Wer

möchte, kann seine Mitarbeiter von

Spezialisten der Bank fürs Exportgeschäft

schulen lassen.

Auch auf die Risiken im Exportgeschäft

weisen die Institute hin. Bei reinen Exportlieferungen

in Schwellenländer

empfi ehlt DZ Bank-Experte Pellengahr

eine Absicherung durch die Exportkreditgarantien

des Bundes, die über die

Euler Hermes Kreditversicherungs-AG

abgewickelt werden. Diese staatliche

Versicherung für Exportgeschäfte deckt

einen Zahlungsausfall aus wirtschaftlichen

oder politischen Gründen ab.

Allerdings ist die Hermesdeckung kein

Vollkaskoschutz. Die Selbstbeteiligung

des Exporteurs liegt im Schadensfall bei

fünf (politische Risiken) oder 15 Prozent

(wirtschaftliche Risiken). Im Zuge

der Finanzkrise hat der Bund jedoch die

Deckung erweitert: Befristet bis Ende

2013 können Unternehmer gegen Zahlung

eines Aufschlags die Selbstbeteiligung

für wirtschaftliche Risiken auf

fünf Prozent reduzieren.

Auch Unternehmer, die ein Konto im

Ausland für ihre Geschäfte brauchen,

greifen gerne auf den Service ihrer

Hausbank zurück. Die meisten Institute

helfen ihren Kunden, ein Konto bei

einer ausländischen Filiale oder Partnerbank

zu eröffnen. „Wir machen die

Kontoeröffnung von Deutschland aus

und führen die Korrespondenz mit der

ausländischen Bank. Der Unternehmer

muss nur noch die Unterschrift leisten“,

sagt Sparkassen-Experte Bach. Pro Jahr

eröffnen die Mitarbeiter von S-Country

Desk für Mittelständler mehr als 1.000

Konten im Ausland. Die Finanzen ausländischer

Töchter werden jedoch häufi

g von Deutschland aus gesteuert. „Wir

wickeln die Auslandszahlungen ab

und binden die Niederlassungen in das

Cash-Managementsystem des Kunden

ein“, erklärt Bernd Geisenberger.

„Wer sich nicht absichert, pokert“

Seit Juni bietet die Commerzbank ihren

Kunden die Eröffnung von Konten

in der chinesischen Landeswährung

Renminbi an. Das Währungskonto

wird in Deutschland geführt, was den

Zahlungsverkehr mit China stark vereinfacht.

Auch das klassische Dokumentengeschäft

zur Absicherung der

Exporte wickelt das Frankfurter Institut

inzwischen in Renminbi ab.

Damit plötzliche Währungsschwankungen

die kalkulierten Margen im

Auslandsgeschäft jedoch nicht zunichtemachen,

sichern immer mehr Mittelständler

Währungsrisiken ab. „Sobald

ein Liefervertrag unterschrieben oder

ist, sollten Unternehmer den Kurs sichern,

der ihr Geschäft rentabel macht“,

rät DZ-Bank-Experte Christoph Pellengahr.

„Wer nicht sichert, pokert.“ Bei

den Unternehmen ist diese Botschaft

angekommen. Die Nachfrage nach Devisentermingeschäften,

die Währungen

zum Liefertermin absichern, sowie Devisenoptionen,

die einen festen Kurs bei

fl exibler Einlösung garantieren, nimmt

zu. Mit der gestiegenen Volatilität der

Währungen steigt zwar der Preis der

Währungsabsicherung, doch zeigt sie

auch, wie wichtig eine feste Kalkulationsbasis

für den wirtschaftlichen Erfolg

ist. Hans-Jürgen Wessler hat Glück und

kann sich diese Kosten sparen. „Wir

rechnen nur in Euro ab, sonst liefern wir

nicht“, betont der Chef der Union Stahl

Nord. Er akzeptiert weder US-Dollar

noch andere Fremdwährungen. So umgeht

er jedes Wechselkursrisiko.

SO UNTERSTÜTZEN BANKEN IM

AUSLANDSGESCHÄFT

> Auslandsauskünfte

(Bank- und Wirtschaftsauskünfte)

> Auslandszahlungsverkehr

> Devisengeschäfte

> Internationales Cash-Management/

Währungskonten

> Dokumentengeschäft

(Akkreditive, Garantien)

> Inkasso- und Wechselgeschäfte

> Exportfi nanzierungen

> Zins- und Währungsmanagement

> Kontakte zu Partnerbanken oder

eigenen Filialen im Ausland

> Kontoeröffnungen im Ausland

> Länder- und Marktinformationen

> Internationales Kooperationsnetzwerk

> Beratung und Begleitung bei

Investitionen im Ausland

ein verbindliches Angebot abgegeben Foto: DZ Bank

56 ProFirma 12 2011


ProFirma 12 2011

Soll & Haben

Erwin Reichholf ist Steuerberater

und Partner der Steuerberatungsgesellschaft

Ecovis in Augsburg.

INFO: www.ecovis.com

Die Eigendynamik

der Missbrauchsbekämpfung

Die Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. So

ähnlich ist es auch, wenn Betriebsprüfer umsatzsteuerliche

Sachverhalte würdigen müssen. Gerade für kleinere und mittlere

Unternehmen kann das nachteilige Folgen haben. Denn

die Erkenntnis, dass die Umsatzsteuer eine der betrugsanfälligsten

Steuerarten innerhalb der EU ist, und das zunehmende

Interesse der Finanzverwaltung, so viel Einnahmen wie möglich

zu generieren, verbaut den Prüfern oftmals den Blick für

eine sachgerechte und praxisnahe Bewertung umsatzsteuerpfl

ichtiger Geschäftsvorgänge.

So werden Unternehmer und Steuerberater in der jüngsten

Zeit immer wieder damit konfrontiert, dass der gleiche Geschäftsvorgang

zwischen zwei beteiligten Unternehmen steuerlich

unterschiedlich beurteilt wird. In solchen Fällen kommt

es vor, dass ein Betriebsprüfer, der den Empfänger der Leistung

unter die Lupe nimmt, Umsätze gerne mal als steuerfrei

einstuft oder statt des vollen Umsatzsteuersatzes von 19 Prozent

den ermäßigten Satz von sieben Prozent ansetzt. Für das

Unternehmen hat das zur Folge, dass die Umsatzsteuerschuld

und somit der Vorsteuerabzug sinkt und eine Steuernachzahlung

fällig wird. Abgesehen von dem damit verbundenen Verwaltungsaufwand

wäre dies verschmerzbar, wenn es dabei

bliebe, dass der leistende Geschäftspartner seine Rechnung

entsprechend korrigiert, sich den unberechtigten Anteil der

Umsatzsteuer von seinem Finanzamt erstatten lässt und dem

Leistungsempfänger überweist. Für beide Seiten wäre dann

der Fall erledigt.

Doch in der Praxis kann sich dieses Prozedere über einen langen

Zeitraum hinziehen. Immer wieder kommt es nämlich

vor, dass das Finanzamt des leistenden Unternehmers bei

der umsatzsteuerlichen Bewertung des Geschäftsvorgangs

zu einem anderen Ergebnis kommt als das Finanzamt des

Von Erwin Reichholf

Leistungsempfängers. Denn auch dieses Finanzamt ist bestrebt,

so viel Mehreinnahmen wie möglich zu erzielen. Deshalb

versucht es, die Steuererstattung zu vermeiden, indem

es die entsprechenden Belege anfordert oder seinen Prüfer

vor Ort schickt. Am Ende kann eine andere Bewertung des

Geschäftsvorgangs stehen mit der Folge, dass die beteiligten

Finanzämter erst einmal untereinander zu einem Konsens fi nden

müssen. Besonders schwierig wird dies dann, wenn beide

Finanzämter in unterschiedlichen Bundesländern angesiedelt

sind und damit nicht der gleichen obersten Landesbehörde

(Oberfi nanzdirektion) unterstellt sind.

Damit ist die eigentlich gewollte Neutralität der Umsatzsteuer

innerhalb der Unternehmerkette nicht mehr gewährleistet,

und teilweise erhebliche Zeitverzögerungen zwischen Steuerzahlung

und Steuererstattung können zu einem beachtlichen

Liquiditätsrisiko für die betroffenen Unternehmen werden.

Denn bis zu 19 Prozent des Umsatzes müssen für das Finanzamt

zwischenfi nanziert werden. Für die Unternehmen ist

diese Situation auch deswegen problematisch, weil sie über

keinen unmittelbaren und schnell durchsetzbaren Rechtsanspruch

verfügen, aufgrund dessen sie eine zeitnahe Prüfung

oder eine einvernehmliche Lösung zwischen den beiden Finanzämtern

erwirken könnten. Sie sind den Finanzbehörden

fast schutzlos ausgeliefert.

Es erscheint daher dringend geboten, dass sich die Finanzverwaltung

auf nationaler Ebene eine baldige Lösung des Problems

einfallen lässt. Gelingt dies nicht, kann man auch die

Hoffnung auf eine ebenso notwendige europaweite Lösung

begraben. Denn der oben beschriebene Fall lässt sich ohne

Weiteres auf zwei Unternehmen aus unterschiedlichen EU-

Ländern übertragen, die grenzüberschreitende Geschäfte abwickeln.

Kolumne

57


Finanzen & Steuern – Umsatzsteuer

Umsatzsteuer-Nachschau

Prüfung ohne Warnung

Viele Selbstständige haben Angst vor einer Betriebsprüfung. Bei der Umsatzsteuernachschau

ist diese Angst berechtigt. Denn sie ist entgegen der harmlosen Bezeichnung wohl

die unangenehmste Form einer Kontrolle durch das Finanzamt. VON KLAUS LINKE

Umsatzsteuerbetrug hat Hochkonjunktur.

Um die zunehmenden Betrügereien

zu unterbinden, steht den Betriebsprüfern

mit der Umsatzsteuer-Nachschau

ein starkes Instrument zur Verfügung.

Das Tückische daran: Im Gegensatz zu

einer Betriebsprüfung wird sie nicht angekündigt.

Und seit Mitte 2011 räumt

der Gesetzgeber den Prüfern noch wei-

tergehende Befugnisse ein als bisher.

Gesetzlich geregelt ist die Umsatzsteuer-Nachschau

in Paragraf 27 Abs. 1 Satz

1 Umsatzsteuergesetz. Danach dürfen

die Prüfer ohne vorherige Ankündigung

während der Geschäfts- und Arbeitszeit

Grundstücke und Räume des

Steuerpfl ichtigen betreten, um Sachverhalte

festzustellen, die für die Erhebung

UMSATZSTEUER-NACHSCHAU

Wo die Prüfer Betrug wittern

Die Finanzverwaltung hat einen Katalog erarbeitet, der besonders

prüfungsrelevante Sachverhalte aufl istet und die Steuerpfl ichtigen,

auf die solche Erkenntnisse zutreffen, einem erhöhten

Prüfungsrisiko aussetzt. Dazu gehören folgende Punkte:

> Das Unternehmen wurde erst vor

Kurzem erworben,

> das Unternehmen vermietet hochwertige

Freizeitgegenstände wie Segelyachten

oder Wohnmobile,

> im vorigen Voranmeldungszeitraum

wurden ungewöhnlich hohe Anschaffungen

getätigt,

> der Betrieb hat Geschäftsbeziehungen

ins Ausland,

> es wurden Vorsteuerberichtigungen

zugunsten des Steuerpfl ichtigen vorgenommen,

> das Unternehmen hat verstärkt mit Sub-

unternehmern zusammengearbeitet,

> die Umsatzsteuerzahlung der

Jahreserklärung weicht erheblich von

in früheren Jahren gemeldeten

Beträgen ab,

> es werden wiederholt Geschäfte

mit nahestehenden Personen

abgewickelt,

> die letzte Betriebsprüfung hat

Unregelmäßigkeiten bei der Umsatzsteuer

ergeben,

> der Betrieb hatte Geschäftsbeziehungen

mit mittlerweile insolventen

Partnern.

der Umsatzsteuer von Bedeutung sein

könnten. Besondere Verdachtsmomente

sind dazu nicht erforderlich. In

den Anwendungsbereich der Nachschau

fällt jeder Steuerzahler, der eine

berufl iche oder gewerbliche Tätigkeit

ausübt und somit Unternehmer im

Sinne des Umsatzsteuergesetzes ist. Der

Umfang der Kontrollen ist auf umsatzsteuerliche

Sachverhalte beschränkt.

Es ist damit zu rechnen, dass die Finanzverwaltung

die Anzahl solcher Prüfungen

deutlich erhöhen wird. Denn

mit dem Steuervereinfachungsgesetz

2011 sind die Befugnisse der Sonderprüfer

zusätzlich erweitert worden. So

sind sie jetzt auch berechtigt, auf elektronisch

gespeicherte Aufzeichnungen,

Geschäftspapiere, Bücher, elektronische

Rechnungen und andere Urkunden zuzugreifen.

ProFirma rät: Erledigen Sie Ihre Umsatzsteuerangelegenheiten,

wenn möglich,

auf einem eigens dafür eingerichteten

PC. Diesen kann der Prüfer dann einsehen,

ohne dass er die zahlreichen anderen

Daten zu sehen bekommt, die für

ihn auch von Interesse sind.

Unterschiede zur Außenprüfung

und Steuerfahndung

Eine Außenprüfung gemäß den Paragrafen

193 bis 203 der Abgabenordnung

muss stets rechzeitig schriftlich angekündigt

werden. Diese Ankündigung

58 ProFirma 12 2011


Unternehmen, die hochwertige Freizeitgegenstände wie Yachten vermieten, sind beliebte Ziele der Umsatzsteuerprüfer.

(Prüfungsanordnung) enthält Angaben

zum sachlichen Umfang und Zeitraum

der Prüfung. Der Steuerpfl ichtige kann

dadurch Zeit gewinnen, dass er gegen

die Prüfungsanordnung Widerspruch

einlegt. Bis zur Zurückweisung des Widerspruchs

vergehen in der Regel mehrere

Wochen. Diese Zeit kann der Firmenchef

mithilfe seines Beraters nutzen,

um Argumente zu sammeln, kritische

Vorgänge zu „bereinigen“ oder um noch

vor Erscheinen des Prüfers eine strafbefreiende

Selbstanzeige zu erstatten,

wenn trotz allem Steuerstrafbestände

nicht zu vermeiden sind. Der wichtigste

Unterschied zur Steuerfahndung besteht

darin, dass der Prüfer bei der Umsatzsteuernachschau

nicht berechtigt

ist, alle Unterlagen zu durchsuchen und

bei Bedarf zu beschlagnahmen.

ProFirma 12 2011

MEHR WISSEN ONLINE

www.profi rma.de

Weiterführende Informationen und Arbeitshilfen

haben wir für Sie als Dossier

auf www.profi rma.de zusammengestellt.

Unter anderem:

> Fachbeitrag Umsatzsteuer

> Fachbeitrag Vorsteuerabzug

> Tabelle: Umrechnungskurse 2011

> Übersicht: Bemessungsgrundlage

Lesen Sie mehr unter

www.profi rma.de/knowledgeStart

Der wohl häufi gste Anwendungsfall

der Nachschau ist die Existenzprüfung

bei neu gegründeten Unternehmen. Der

Prüfer vergewissert sich vor Ort, ob das

Unternehmen, das in der Anlaufphase

regelmäßig hohe Vorsteuerbeträge

geltend macht, unter der offi ziellen

Anschrift tatsächlich existiert. Auch

prüft er, ob der Jungunternehmer meist

kostenintensive Anschaffungen wirklich

wie angegeben getätigt hat und betrieblich

nutzt. Die Anmeldung hoher

Vorsteuerbeträge erhöht die Gefahr, in

den Fokus einer Kontrolle zu geraten.

Immer wieder werden Scheinfi rmen

aufgedeckt, die sich mit fi ngierten RechnungenVorsteuererstattungsansprüche

erschleichen wollen. Grundsätzlich

wird überprüft, ob die Eingangs- und

Ausgangsrechnungen korrekt sind.

Weitere Anlässe für eine Nachschau

sind folgende Unregelmäßigkeiten:

> das Fehlen von Umsatzsteuervoranmeldungen,

wiederholte Null-Meldungen,

hohe steuerfreie Umsätze,

> besonders hohe Vorsteuererstattungen,

> häufi ger Wechsel zwischen Umsatzsteuerzahlungen

und Vorsteuererstattungen,

> Kontrollmitteilungen anderer

Finanzämter,

> Umsätze mit unterschiedlichen

Steuersätzen,

> starke Umsatzabweichungen vom

Branchendurchschnitt,

> Wechsel der Branche,

> (anonyme) Anzeige,

> unvollständige Angaben auf

Geschäftsbriefen.

Ablauf der Nachschau

Der Prüfer muss sich bei seinem Erscheinen

ausweisen. Soweit notwendig,

müssen ihm die Personen, die von der

Nachschau betroffen sind, angeforderte

Aufzeichnungen, Bücher, Geschäftspapiere

und andere Unterlagen über

Sachverhalte vorlegen, die der Nachschau

unterliegen und entsprechende

Auskünfte erteilen. Auch der elektronische

Zugriff muss gewährleistet sein.

Die Mitwirkungspfl icht braucht sich

allerdings nur auf umsatzsteuerliche

Aspekte zu beziehen.

Wie sollte sich der Geprüfte verhalten?

Es empfi ehlt sich, nach Erscheinen des

Prüfers unverzüglich Kontakt mit dem

Steuerberater aufzunehmen, damit dieser

die Nachschau begleiten oder noch

wichtige Hinweise geben kann. Es empfi

ehlt sich ferner, sich kooperativ zu

verhalten. Konkrete Fragen des Prüfers

sollten kurz und knapp beantwortet

werden. Allzu redselige Steuerpfl ichtige

reden sich nicht selten um Kopf

und Kragen. Der Prüfer sollte genau

erläutern, aus welchen Gründen die

Nachschau stattfi ndet, und über den

geplanten Umfang seiner Ermittlungen

Auskunft geben.

59


Finanzen & Steuern – Steuertipp

Steueränderungen 2012

Hausaufgaben für das neue Jahr

Zum 1. Januar 2012 treten wieder zahlreiche Neuerungen in Kraft, die sich auf die

Gewinnermittlung bei Betrieben, auf die Lohnabrechnung und auf die private Steuer-

erklärung auswirken. VON OTTFRIED WEISS

Der Reformeifer des Gesetzgebers in Sachen

Steuerrecht war in diesem Jahr gebremst.

Dennoch müssen Firmenchefs

wieder eine Reihe neuer Vorschriften

berücksichtigen. Hier ein erster Überblick,

was steuerlich am 1. Januar 2012

auf Unternehmer zukommt und wie sie

darauf reagieren sollten.

Gewerbesteuervorauszahlungen

Unternehmer durften bis zum Jahr

2011 Kinderbetreuungskosten in Höhe

von zwei Dritteln, höchstens 4.000 Euro

im Jahr, als Betriebsausgaben von ihrem

Gewinn abziehen. Vorteil: Dadurch

minderte sich auch die Gewerbesteuerbelastung.

Von 2012 an ist ein Betriebsausgabenabzug

für die Kinderbetreuung

nicht mehr zulässig.

ProFirma rät: Um 2012 Nachzahlungen

zu vermeiden, sollten Sie beim Finanzamt

die Anpassung der Gewerbesteuervorauszahlungen

– ohne Einbeziehung

der Gewerbesteuer – beantragen.

E-Bilanz

Für das Wirtschaftsjahr 2012 erwartet

das Finanzamt nach den Buchstaben

des Gesetzes eigentlich die elektronische

Übermittlung der Bilanzdaten.

Doch in einem Infoschreiben hat

das Bundesfi nanzministerium klargestellt,

dass noch keine Konsequenzen

drohen, wenn die Bilanz für 2012 ein

weiteres Mal in Papierform beim Finanzamt

eingeht.

ProFirma rät: Nutzen Sie diese Frist, um

Ihre Software Schritt für Schritt anzupassen,

und lassen Sie Ihr Personal

schulen, damit Sie die Bilanz vom 1. Januar

2013 an nach dem E-Bilanz-Standard

erstellen können.

Lohnsteuerkarte 2010

Der Abruf der elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale

startet wegen

technischer Probleme nicht wie vorgesehen

zum 1. Januar 2012, sondern

wohl erst im zweiten Quartal 2012.

Wenn Sie beim Lohnabzug auf Nummer

Sicher gehen wollen, sollten Sie die

Lohnsteuerkarte 2010 aufbewahren, die

auch noch 2011 gültig ist.

ProFirma rät: Nur wenn Ihnen ein Mitarbeiter

einen aktuellen Ausdruck der

Lohnsteuerabzugsmerkmale des Finanzamts

aushändigt, sollten Sie den

Lohnsteuerabzug basierend auf diesen

Daten vornehmen. Ohne aktualisierte

Unterlagen gelten die Daten der Lohnsteuerkarte

2010 weiter.

Verbindliche Auskunft

Bei verbindlichen Auskünften mit

einem Gegenstandswert von weniger

als 10.000 Euro oder bei einer Bearbeitungszeit

von weniger als zwei Stunden

fallen im kommenden Jahr keine Gebühren

mehr an. Zudem erheben die Finanzämter

keine Gebühren mehr, wenn

die verbindliche Auskunft zurückgezogen

wird.

ProFirma rät: Im internen Schreiben einer

Finanzbehörde heißt es, dass diese

Neuregelungen bereits für verbindliche

Auskünfte greifen, die nach dem 4. Januar

2011 beim Finanzamt eingegangen

sind.

Riester-Vertrag

Haben Sie einen Riester-Vertrag abgeschlossen,

weil Ihnen als Ehegatte ein

abgeleiteter Riester-Anspruch zusteht,

mussten Sie bisher keinen Euro Beitrag

zahlen. Von 2012 an müssen Sie Mindestbeiträge

von 60 Euro im Jahr entrichten,

sonst erhalten Sie keine Riester-

Zulagen.

Sanierungsklausel wird

suspendiert

Im Entwurf des Beitreibungsrichtlinien-

Umsetzungsgesetzes fi ndet sich eine

interessante Passage zur Sanierungsklausel

bei Kapitalgesellschaften nach

Paragraf 8c Abs. 1a KStG. Diese Passage

wurde jedoch im Paragrafen 34 Abs. 7c

KStG gut versteckt. Die Sanierungsklausel,

nach der bei der Übernahme

von Anteilen im Sanierungsfall die

Verluste auf den neuen Anteilseigner

übergingen, wurde rückwirkend wegen

Einwendungen der EU-Kommission gekippt.

Der neu eingefügte Paragraf 34

Abs. 7c Sätze 3 und 4 KStG sieht danach

Folgendes vor: Sollte der EuGH feststellen,

dass die Sanierungsklausel keine

staatliche Beihilfe ist, wird die Regelung

60 ProFirma 12 2011


für alle offenen Steuerfälle rückwirkend

wieder eingeführt.

Stichtag 1. Januar 2012

Steuerzahler müssen alle steuerlich relevanten

Unterlagen zwischen sechs und

zehn Jahren aufbewahren. Die Aufbewahrung

fordert oft viel Platz, der eigentlich

besser für den Betrieb genutzt werden

könnte. Doch zum 1. Januar 2012

laufen wieder Aufbewahrungspfl ichten

aus. Die Unterlagen aus längst vergangenen

Jahren dürfen danach entsorgt

werden. Fragt sich nur, für welche Jahre

die Unterlagen in den Reißwolf dürfen?

Folgende Spielregeln müssen Sie beachten:

Die sechs- oder zehnjährige Aufbewahrungspfl

icht beginnt mit Ablauf

des Jahres, in dem die Unterlagen ein

letztes Mal für die Erstellung des Jahresabschlusses

verwendet wurden. Konkret:

Haben Sie den Jahresabschluss für 1999

beispielsweise im Jahr 2001 erstellt, beginnt

die zehnjährige Aufbewahrungspfl

icht für diese Unterlagen am 1. Januar

2002 und endet am 31. Dezember 2011.

Die Unterlagen für 1999 können Sie also

entsorgen.

Elektronische

Ausgangsrechnungen

Im Steuervereinfachungsgesetz 2011

wurden rückwirkend zum 1. Juli 2011

die Voraussetzungen zum Vorsteuerabzug

bei elektronischen Rechnungen

entschärft. Für den Vorsteuerabzug

muss die elektronische Rechnung nun

keine digitale Signatur mehr enthalten.

Unternehmer, die viele Ausgangsrechnungen

verschicken, sollten deshalb

prüfen, ob sich die Umstellung von Papierrechnung

auf den elektronischen

Rechnungsversand lohnt. Meist ist das

aus folgenden Gründen der Fall:

> Kostenersparnis: weniger Tinte,

Papier, Porto,

> Zeitersparnis,

> schnellere Übermittlung und somit

schnellere Bezahlung der Rechnung.

Unter elektronische Rechnungen fallen

alle Rechnungen per E-Mail, per Datei,

per USB-Stick oder Rechnungen, die auf

ein Computer-Fax verschickt werden.

Steuerfreiheit von Stipendien

Bisher sind nur die Stipendien steuerfrei,

die „unmittelbar“ aus öffentlichen

Mitteln oder von zwischenstaatlichen

oder überstaatlichen Einrichtungen,

denen die Bundesrepublik Deutschland

als Mitglied angehört, zur Förderung

und Forschung gewährt werden. Von

2011 an erstreckt sich die Streuerfreiheit

des Paragrafen 3 Nr. 44 EStG auch

auf Stipendien, die nur „mittelbar“ dem

geförderten Zweck zugute kommen.

Mehr Informationen = weniger Risiko!

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KURZ NOTIERT

Altersvorsorge: Für Beiträge in einen

Rürup-Vertrag kommt im Jahr 2012 ein

Sonderausgabenabzug von 74 Prozent

der Beiträge in Betracht. Tipp: Haben

Sie den Vertrag bereits vor dem Jahr

2010 abgeschlossen, wandeln Sie diesen

unbedingt noch bis spätestens 31.

Dezember 2011 in einen zertifi zierten

Vertrag um. Andernfalls verlieren Sie

rückwirkend von 2010 an Ihren Sonderausgabenabzug

für die Beitragszahlungen.

Auslandssachverhalte: Beteiligen Sie

sich an einer Firma im Ausland oder

gründen in einem anderen Land eine

Firma, müssen Sie das von 2012 an

spätestens nach fünf Monaten beim

Finanzamt anzeigen (Paragraf 138

AO). Andernfalls droht eine Strafzahlung.

Mahlzeiten: Die Sachbezugswerte für

die Gewährung von Mahlzeiten beträgt

im Jahr 2012 für ein Frühstück

weiterhin 1,57 Euro, für ein Mittagessen

und ein Abendessen jeweils 2,87

Euro (bisher 2,83 Euro). Passen Sie

diese Werte in Ihrer Lohnbuchhaltung

an.


Finanzen & Steuern

Verdeckte Gewinnausschüttung

Zunächst hielt der Gesellschafter-Geschäftsführer

einer GmbH den Steuerbescheid

für einen der fast schon

üblichen Irrläufer aus dem Finanzamt.

Aber dann musste er sich von seinem

Steuerberater nach einem Telefonat mit

dem Finanzamt belehren lassen: „Die

wollen Schenkungsteuer von Ihnen.“

Und zwar zusätzlich zur Steuernachzahlung

aus einer sogenannten verdeckten

Gewinnausschüttung (vGA).

In der Tat: Diese steuerliche Einschätzung

des Finanzamts auf der Grundlage

eines entsprechenden Schreibens des

Bundesfi nanzministeriums (BStBl. I, S.

1207) war ein weiterer Höhepunkt in

den Wirrungen um diese Steuerfalle.

Was ist eigentlich eine „verdeckte Ge-

GMBH-CHEF

Fiskus bestimmt beim Gehalt mit

Die verdeckte Gewinnausschüttung ist für jede GmbH ein Albtraum, weil hohe

Steuernachzahlungen drohen. Gesellschafter-Geschäftsführer sollten Steuerbescheide

genau prüfen lassen und sich notfalls gerichtlich wehren. VON LOTHAR VOLKELT

winnausschüttung“? Im besten Juristendeutsch

heißt es in einem BFH-Urteil

vom 22. Februar 1989 (Az: IR 44/85):

„Die verdeckte Gewinnausschüttung

ist eine Vermögensminderung oder

verhinderte Vermögensmehrung, die

durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst

ist, sich auf die Höhe des Einkommens

auswirkt und nicht auf einem den

gesellschaftsrechtlichen Vorschriften

entsprechenden Gewinnverteilungsbeschluss

beruht.“ In der Verwaltungspraxis

bedeutet das: Bei Unklarheiten

stellt das Finanzamt schnell eine vGA

fest und verschickt den entsprechenden

Steuerbescheid nach dem Motto: Der

betroffene Steuerzahler kann sich ja ans

Finanzgericht wenden und den Sach-

verhalt gerichtlich klären lassen, wenn

ihm der Bescheid nicht passt.

Der Ermessensspielraum, den das Finanzamt

bei der Auslegung dieser

Rechtsvorschrift hat, ist groß:

> Mal sind die Formvorschriften für

Zahlungen der GmbH an den Gesellschafter-Geschäftsführer

nicht korrekt

eingehalten,

> mal werden Leistungen der GmbH an

den Gesellschafter-Geschäftsführer

in „unüblicher“ Höhe anhand mehr

oder weniger verlässlicher Vergleichszahlen

moniert (Gehalt, Tantieme,

Zahlungen für die Alterssicherung),

> oder per Erlass wird das Gesetz ganz

einfach neu interpretiert.

Dabei sind die Folgen für den Gesellschafter-Geschäftsführer

enorm. Neben

der Lohnsteuer, die er für sein Gehalt

zahlen muss, fallen für den als unangemessen

veranlagten Teil des Gehalts

15 Prozent Körperschaftsteuer und

Gewerbesteuer sowie 25 Prozent Abgeltungsteuer

an. Das summiert sich zu

einer Steuerbelastung von 60 Prozent

und mehr. Im obigen Beispielfall käme

noch zusätzlich Schenkungsteuer hinzu.

Die Strafsteuer muss er auch dann

entrichten, wenn es sich um eine irrtümliche

Auszahlung handelt, weil eine

vGA regelmäßig nicht mehr rückgängig

Finanzamt

gemacht werden kann. Foto:

62 ProFirma 12 2011


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Finanzen & Steuern

Dass es sich bei der vGA und der nachfolgenden

Besteuerungspraxis nicht um

Einzelfälle handelt, belegen zahlreiche

Finanzgerichtsurteile dazu. Inhaltlich

geht es dabei um nahezu alle Zahlungen,

die zwischen der GmbH und

ihren Gesellschaftern möglich sind.

Das reicht von A wie Abfi ndungszahlungen

beim Ausscheiden über Beiträge

zur Pensionsrückstellung und zu

Vergütungen für ein nachvertragliches

Wettbewerbsverbot bis Z wie überhöhte

Zinszahlungen für ein Darlehen,

das der Gesellschafter-Geschäftsführer

seiner GmbH gewährt hat. Wer die

Fachliteratur studiert, fi ndet Monat für

Monat neue Fälle, in denen sich die Finanzgerichte

mit Streitfragen zwischen

den örtlichen Finanzämtern und den

GmbH-Gesellschaftern um die steuerliche

Behandlung von Zahlungen

– meist um die Höhe des gezahlten Gesamtgehalts

– streiten.

Jüngstes Beispiel: Das Finanzgericht

des Saarlandes entschied, dass drei Geschäftsführer

für eine Kfz-Handels- und

Reparatur-GmbH mit einem Umsatz-

volumen von 20 Millionen Euro zu

viel sind. Folge: Nicht mehr der Markt

entscheidet, wie viel der Geschäftsführer

verdienen darf. Vielmehr darf das

Finanzamt genau hochrechnen, wie viel

jeder der drei Geschäftsführer verdienen

darf – und zwar anhand dessen, was

ein Geschäftsführer allein in einer Firma

dieser Größenordnung verdient.

Nur wer sich wehrt,

kommt zu seinem Recht

Dazu gibt das Gericht eine höchst

genaue Rechenmethode vor. Es gilt:

Nicht der dreifache Verdienst des für

die GmbH-Größe angemessenen Geschäftsführer-Gehalts

ist steuerlich

zulässig. Laut Finanzgericht ist der

„verdreifachte Vergleichswert um 30

Prozent zu reduzieren“.

Beispiel: Eine Bau-GmbH mit einem

Geschäftsführer, 50 Mitarbeitern und

zehn bis 20 Millionen Umsatz zahlt

einem Geschäftsführer laut Branchenvergleich

rund 160.000 Euro. Hat die

gleiche GmbH drei Geschäftsführer

Checkliste: Was tun, wenn das Finanzamt

eine verdeckte Gewinnausschüttung feststellt?

Das passiert: Maßnahmen:

Die Finanzbehörde unterstellt eine verdeckte

Gewinnausschüttung (vGA) und

lässt der GmbH einen entsprechenden

Steuerbescheid zukommen.

> Sie informieren Ihren Steuerberater.

> Sie legen Einspruch gegen den Steuerbescheid ein.

> Sie beantragen Aussetzung der Vollziehung.

> Beachten Sie die Frist zur Vorlage Ihrer Stellungnahme/Begründung.

darf jeder Geschäftsführer maximal

(160.000 x 3) x 0,7 x 0,33 = 110.000 Euro

verdienen, vorbehaltlich besonderer

Gründe. Die muss dann der Steuerberater

liefern.

Ständige Rechtsprechung der Finanzgerichte

ist allerdings auch, dass die Finanzämter

dazu angehalten sind, jeden

Einzelfall zu prüfen. Im Umkehrschuss

heißt das: Betroffene Unternehmen und

Gesellschafter haben einen Anspruch

darauf, dass ihr Einzelfall gründlich geprüft,

analysiert und jede Besonderheit

individuell gewürdigt wird. Passiert

das nicht, müssen die Firmenleiter zur

Selbsthilfe greifen und sich wehren –

verbunden mit dem vollen Kostenrisiko

und der Gewissheit, dass die nächste

Betriebsprüfung besonders kritisch ausfallen

dürfte.

Übrigens: Dass auf eine vGA auch noch

Schenkungsteuer gezahlt werden muss,

ist laut mündlicher BMF-Ankündigung

unterdessen vom Tisch. Die offi zielle

Aussetzung des zitierten Finanzerlasses

steht allerdings noch aus. Es bleibt also

spannend.

Rechtsposition begründen > Lassen Sie den monierten Vorgang anhand der dazu ergangenen Rechtsprechung vom Steuerberater prüfen.

> Formulieren Sie Ihre Stellungnahme/Begründung unter Hinzuziehung Ihres Steuerberaters.

> Ziehen Sie in komplizierten Fällen einen Fachanwalt für Steuerrecht hinzu.

Ablehnung des

Einspruchs durch das Finanzamt

Überprüfung des

Sachverhalts durch

eine Klage vor dem

Finanzgericht

Ablehnung

Ihres Klagebegehrens

> Prüfen Sie die Ablehnungsgründe zusammen mit Ihrem Steuerberater.

> Prüfen Sie die in der Ablehnung zitierten Rechtsnormen/Urteile/Erlasse.

> Lassen Sie die Erfolgswahrscheinlichkeit einer Klage durch Ihren steuerlichen Berater oder den

Fachanwalt für Steuerrecht prüfen.

> Beauftragen Sie den Steuerberater oder Fachanwalt für Steuerrecht mit der Klageerhebung.

> Stellen Sie die klageerheblichen Unterlagen (Verträge, Protokolle, sonstige schriftlich Aufzeichnungen,

Gedächtnisprotokolle) zusammen.

> Begründen Sie die Klage

> Bereiten Sie mit Ihrem Anwalt und dem Steuerberater die mündliche Verhandlung vor.

> Prüfen Sie, ob Prozesskostenhilfe beansprucht werden kann.

> Sofern Revision zugelassen: Lassen Sie die faktische Bedeutung des Steuerfalls bewerten (Höhe des strittigen

Betrags, Dauer des voraussichtlichen Verfahrens, grundsätzliche Bedeutung des Falls usw.), und entscheiden Sie

nach wirtschaftlichen Kriterien, ob Sie Revision einlegen wollen.

> Lassen Sie die Erfolgswahrscheinlichkeit anhand der zum Fall vorliegenden Rechtsprechung prüfen.

> Prüfen Sie, ob Verfahrensfehler vorliegen.

> Legen Sie Revision vor dem Bundesfi nanzhof ein.

> Prüfen Sie, ob Prozesskostenhilfe beansprucht werden kann.

64 ProFirma 12 2011


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IT & Investition – Special Business Digital

Mobile Website oder App?

Der richtige Einstieg

Der Hype um Smartphones und Tablet-PCs hat den Markt für mobile Anwendungen

befeuert. Apps gehören heute zum guten Ton. Dabei sind mobile Websites gerade für

kleine Unternehmen meist besser geeignet. VON KARSTEN ZUNKE

Einen Heizkessel netzwerkfähig zu machen und an ein DSL-

Modem anzuschließen, hat viele Vorteile; zumindest für

Wohnungsinhaber, die über ein Smartphone verfügen. Der

Heiztechniksystemhersteller Viessmann hat eine Applikation

für Smartphones auf den Markt gebracht, mit der sich die Heizung

über eine mobile Internet-Verbindung steuern lässt. Die

Bedienoberfl äche der „Vitotrol App“ entspricht dabei dem

Farb-Touch-Display der herkömmlichen Fernbedienung.

Raumtemperatur, „Party“- oder Sparbetrieb sowie verschiedene

andere Betriebsprogramme können jederzeit von unterwegs

kontrolliert und eingestellt werden. Auch Buderus und

andere Heiztechnikanbieter haben diesen Trend erkannt und

setzen auf Apps.

Jedes dritte in Westeuropa neu verkaufte Mobiltelefon ist bereits

internet-fähig – also ein Smartphone. Tendenz steigend.

Doch die modernen Taschencomputer funktionieren je nach

Hersteller mit unterschiedlichen Betriebssystemen, also müssen

Apps für jedes System neu programmiert werden. Viele

Firmen wollen mit einer iPhone-App starten und ziehen mit

einer App für das aufstrebende Google-Betriebssystem Android

nach. Immer öfter raten Experten, mehrere Systeme abzudecken.

Neben Apple und Google sind beispielsweise auch

die Betriebssysteme von Blackberry und Microsoft-Handys

interessant. Das bedeutet: Aufwand und Kosten für die Programmierung

summieren sich im Laufe der Zeit beträchtlich,

denn auch die Pfl ege und Aktualisierung muss für jede App

einzeln bewerkstelligt werden. Hinzu kommt: Wer gefunden

werden will, muss seine App vermarkten – das kostet ebenfalls

Zeit und Geld.

Mobile Websites meist günstiger

Deshalb rät Florian Fischer, Geschäftsführer des Münchner

IT-Dienstleisters Royalmedia, vielen seiner Kunden zu einer

mobilen Website. „Wenn mehrere Plattformen abgedeckt

werden sollen, ist die mobile Website meist günstiger“, sagt

Fischer. Denn eine mobile Website wird einfach über den

Internet-Browser angesteuert und funktioniert unabhängig

vom Betriebssystem des Smartphones. Eine mobile Website

darf aber nicht einfach eine originalgetreue Abbildung ihres

klassischen Vorbilds sein. Stattdessen sollte man sie bewusst

„entschlacken“ und sich auf die wirklich wichtigen Funktionen

und Informationen beschränken. Informationen generell

gut lesbar darstellen und alles Unwichtige weglassen – das

ist das Motto im mobilen Web. Ansonsten wird es auf den

kleinen Smartphone-Displays schnell unübersichtlich.

Apps brauchen mehr Pfl ege

Auch Kira Song, Geschäftsführerin des App-Spezialisten Appadvisors

in München, würde gerade kleinen Unternehmen aus

Kostengründen im ersten Schritt zu einer mobilen Version

der bestehenden Website raten – vor allem, wenn sie zunächst

nur Informationen über ihr Unternehmen mobil zugänglich

machen wollen. „Eine App sollte man immer wie ein Produkt

betrachten, das gepfl egt, vermarktet und weiterentwickelt

werden muss. Eine Unternehmens-Website hingegen dient

der Präsentation eines Unternehmens“, so Song. „Jeder Unternehmer

sollte sich zuerst fragen, wie Interessenten auf eigene

Angebote aufmerksam werden. Wenn Nutzer beispielsweise

via Smartphone im Internet eine günstige Pension suchen,

werden sie Suchmaschinen befragen und keine Recherche in

einem App-Store starten“, erklärt Song die Problematik. In

vielen Fällen sei daher eine mobile Website sinnvoll.

Anders würde man die Frage „App oder Website?“ wahrscheinlich

beantworten, wenn man seinen Bestandskunden

einen Mehrwert bieten und sich als Partner profi lieren möchte

– wie beispielsweise das Schweizer Familienunternehmen

Sax Farben. Sax hat eine App entwickeln lassen, mit der sich

die Nutzer beim Blick durch die Smartphone-Kamera mit ein

paar Fingertipps virtuell ihre Wände bunt anstreichen können

– in den Farbnuancen des Anbieters.

66 ProFirma 12 2011

ProFirma

Special


Wer in einem App-Store unter 500.000 Apps auffallen möchte,

muss geschickt vorgehen. „Eine App wird heruntergeladen,

wenn man die richtige Kategorie, ein gutes Icon und einen

prägnanten Titel gewählt und den richtigen Preis festgesetzt

hat“, erläutert Jan Söhlke, Inhaber der IT-Beratung i-Worx aus

Hohenhameln und Braunschweig (siehe Interview auf Seite

69). Insbesondere beim Preis sollten Unternehmer aufpassen.

Das Problem: Viele Leute laden kostenlose Apps nur herunter,

um sie auszuprobieren, löschen sie schnell wieder und geben

im schlimmsten Fall eine schlechte Bewertung ab. In einigen

Fällen empfi ehlt Söhlke seinen Kunden daher, die Apps kostenpfl

ichtig anzubieten. „Wer seine App im App-Store nach

vorn bringen möchte, sollte außerdem alle Marketing- und

PR-Aktivitäten auf den ersten Tag konzentrieren“, rät Söhlke.

Denn wer bei den Neuerscheinungen sichtbar ist, schafft

es auch in andere Kategorien aufzusteigen, so die Erfahrung.

Experten schätzen, dass für Pfl ege, Updates und Vermarktung

mindestens noch einmal die gleiche Summe einkalkuliert

werden muss wie für die Entwicklung einer App. Ein kostspieliges

Unterfangen.

Die „Vermarktung“ einer mobilen Website orientiert sich

dagegen an den Erfordernissen klassischer Websites und ist

vergleichsweise unkompliziert: Damit diese gut gefunden

wird, sind Suchmaschinenoptimierung und Suchmaschinen-

Advertising ratsam (SEO und SEA, siehe Glossar). Der Vorteil:

Das Unternehmen kann dabei auf die Erfahrungen zurück-

Druck im Kessel: Viessmann hat eine Applikation für

Smartphones auf den Markt gebracht, mit der sich die

Heizung übers Internet steuern lässt.

ProFirma 12 2011

GLOSSAR

APP

Die Abkürzung steht für das englische Wort „Application“.

Im Mobile Marketing versteht man darunter

Zusatzprogramme, die sich Nutzer auf ihre internetfähigen

Smartphones laden können.

HTML 5

HTML 5 ist die Weiterentwicklung der Hypertext Markup

Language (HTML), einer Programmiersprache für

Websites. Sie befi ndet sich noch in der Entwicklung

und soll zahlreiche Funktionen direkt unterstützen –

beispielsweise Video, Audio und dynamische Grafi ken.

MOBILE WEBSITE

Das mobile Pendant zur klassischen Website. Sie ist

für kleine Displays (z.B. Smartphones) optimiert, wird

über einen Browser angesteuert und von Suchmaschinen

gefunden.

MOBILE SEO

Für die Suchmaschinenoptimierung (Search-Engine-

Optimization, SEO) gelten im Prinzip die gleichen Regeln

wie im klassischen Web. Das kleine Display rückt

die Top-Platzierungen jedoch stärker in den Fokus. Oft

muss bereits ab Suchtreffer drei gescrollt werden.

MOBILE SEA

Mobile Suchmaschinenwerbung (Search-Engine-Advertising,

SEA) sollte speziell für mobile Endgeräte

konzipiert werden. Doch der Wettbewerb ist hart, für

die mobilen Textanzeigen stehen nur fünf Anzeigenplätze

zur Verfügung (bei Desktop-Kampagnen sind es

zehn).

NATIVE APP

Eine native App wird explizit für ein bestimmtes Smartphone-Betriebssystem

programmiert. Um sie zu aktualisieren,

muss der Nutzer ein Update herunterladen.

WEB APP

Hierbei handelt es sich streng genommen nicht um

eine App, sondern um eine mobile Website, die wie

eine App anmutet. Sie kann über den Browser angesteuert

werden. Meist kann ein Lesezeichen im App-

Look auf dem Smartphone gespeichert werden.

Foto: Viessmann Werke GmbH & Co. KG

67


IT & Investition – Special Business Digital

Wichtige Kriterien auf einen Blick

Mobile Website und App unterscheiden sich nicht nur in der Programmierung.

Wo sie ihre Stärken ausspielen, zeigt diese Übersicht.

Mobile App Mobile Website

Auffi ndbarkeit Im Appstore Über Suchmaschinen

Nutzung von Smartphone-Funktionen

(Kamera, GPS, Sensoren)

greifen, die es mit der klassischen Website gemacht hat (z.B.

häufi g gesuchte Begriffe, Keywords oder Produkte entsprechend

nutzen).

Trotzdem lassen sich auch mit schmalen Budgets Apps einsetzen.

So bietet zum Beispiel der Münchner Dienstleister Royalmedia

seine Business-Apps explizit für kleine Unternehmen

an. Relevante Basisfunktionen sind bereits vorkonfi guriert.

Neben einer Startseite mit den wichtigsten gängigen Navigationspunkten

sind auch häufi g verwendete Funktionen wie

Produktübersichten, News oder ein „Empfehlen-Button“ in

der Basis-Applikation enthalten.

Intern gewinnt die App

Optimal Nur bedingt möglich

Usability Optimal Ladezeiten können

Seitenaufbau verzögern

Offl ine nutzbar Ja Nein

Abhängig vom Smartphone-Betriebssystem

Änderungen und Optimierungen

in Echtzeit?

Ja Nein

Nein, nur via Update des

Nutzers

Kosten Hoch (Entwicklung,

App-Vermarktung, Pfl ege,

jedes Betriebssystem

erfordert eigene App)

„Diese Apps bieten gängige Funktionen von der Stange, die

man jederzeit erweitern kann“, erläutert Royalmedia-Geschäftsführer

Fischer. Die Applikationen können individuell

mit Informationen gefüllt und mithilfe eines Content-Managementsystems

vom Anwender selbst aktualisiert werden.

Es ist keine Konzeption, Entwicklung und eigenständige

Programmierung erforderlich, weshalb diese Apps bereits ab

5.000 Euro erhältlich sind. Andere Anbieter haben ähnliche

Angebote. Doch auch in diesem Preissegment darf der zusätzliche

Kostenfaktor nicht unterschätzt werden: Wer die Mini-

Software für mehrere Betriebssysteme anbieten möchte, muss

mehr als eine App in Auftrag geben.

App und mobile Website unterscheiden sich aber auch unter

strategischen Gesichtspunkten: Während sich Apps in erster

Linie für die Kundenbindung eignen, sind mobile Websites

vor allem in der Neukundengewinnung interessant. Denn

während bei einer Suche die Website den Erstkontakt herstellt,

wird eine App häufi g von Nutzern heruntergeladen,

denen das Unternehmen und seine Produkte bereits bekannt

Ja

Moderat, für einfache

Websites sehr gering

Sax Farben hat eine App entwickelt, mit der sich die Nutzer

beim Blick durch die Smartphone-Kamera mit ein paar

Fingertipps virtuell ihre Wände bunt anstreichen können.

sind. Noch anders ist die Situation im unternehmensinternen

Einsatz. Hier sind mobile Applikationen den mobilen Websites

deutlich überlegen. Ihr größter Vorteil: Sie können auch

offl ine genutzt werden. Besuchszeiten erfassen, Angebote einsehen,

Projekte verwalten: Wenn die Mitarbeiter der Münchner

Digital-Kreativagentur Berger Baader Hermes auf einem

Kundentermin sind, können sie dies seit Kurzem direkt vor

Ort erledigen. Möglich macht dies eine iPhone-Applikation,

die mit der Agentur-Software synchronisiert werden kann.

Projektaufgaben und Kommentare können eingesehen, bearbeitet,

neu erstellt und der Status geändert werden. Auch

Aufgaben lassen sich via App an Teammitglieder vergeben.

25 Mitarbeiter nutzen die App. „Abstimmungen können

schneller erfolgen, wir arbeiten jetzt effi zienter“, sagt Matthias

Berger, Managing-Partner der Münchner Agentur. Da der mittelständische

Dienstleister nach Aufwand abrechnet, werden

auch Besuchszeiten via App erfasst – entweder durch manuelle

Eingabe oder per Stoppuhr. Diese läuft auch im Hintergrund

weiter. Sollte kein Zugang zum Internet vorliegen, werden

alle Daten gespeichert und gesendet, sobald wieder eine

Verbindung besteht.

„Alles, was heute an Desktop-Software in den Unternehmen

vorhanden ist, wird mittelfristig auch mobil zugänglich sein.

Apps sind in diesem Zusammenhang insbesondere für spezielle

Aufgaben oder komplexe Geschäftsprozesse sinnvoll“, so

Bergers Erfahrung. Soll eine App nur von wenigen Personen

innerhalb eines Unternehmens genutzt werden, ist eine Programmierung

aufgrund der hohen Kosten allerdings nicht

die erste Wahl. Fünfstellige Euro-Summen sind die Regel,

sechsstellige keine Seltenheit. „Unternehmer sollten zunächst

Sax

recherchieren, ob es bereits Apps gibt, die sich für das eigene

Business nutzen lassen“, rät Berger. Denn auch „Lösungen

i-Works,

von der Stange“ können viele Prozesse optimieren. Fotos:

68 ProFirma 12 2011


ProFirma 12 2011

INTERVIEW

„Die mobile Website ist der erste Schritt“

Bei kleinen Budgets ist eine einfache mobile Website der erste Schritt. Unternehmen

sollten dafür zunächst die Produkte defi nieren, die sie mobil anbieten wollen, meint Jan Söhlke,

Inhaber der IT-Beratung i-Worx in Hohenhameln und Braunschweig.

Herr Söhlke, wie sollten kleine und mittlere

Unternehmen strategisch vorgehen,

wenn sie sich eine Präsenz im mobilen

Web aufbauen wollen?

Söhlke: KMU sollten zunächst defi nieren,

welche Produkte und Dienstleistungen

sie mobil anbieten möchten, und ob die

Zielgruppe dies tatsächlich nachfragt. Im

ersten Schritt empfi ehlt es sich daher,

zu prüfen, wie viele Leute bereits mobil

auf die klassische Website zugreifen und

welche Inhalte sie dabei abrufen. Diese

Informationen liefert jede Web-Analyse-

Lösung. Dadurch wird beispielsweise

klar, ob die gesamte Website für einen

mobilen Zugriff interessant ist oder nur

bestimmte Bereiche.

Was bedeutet dies für das weitere Vorgehen?

Söhlke: Man muss klären, warum bestimmte

Inhalte mobil abgerufen werden,

und versuchen, sie entsprechend

zu präsentieren. Bei kleinen Budgets ist

eine einfache mobile Website der erste

Schritt. Diese muss nicht einmal alle

Inhalte der klassischen Seite umfassen.

Adresse, Anfahrtskizze, Öffnungszeiten –

solche Informationen werden gern mobil

abgerufen. Wenn die Nutzer unterwegs

auch andere Inhalte lesen möchten,

sollte man auch diesen Content mobil

anbieten.

Mit welchem Aufwand ist es verbunden,

Informationen über eine Firma mobil zugänglich

zu machen?

Söhlke: Eine statische mobile Web-

Präsenz mit zwei bis drei Seiten lässt

sich innerhalb eines Tages erstellen.

Komplexe Auftritte dauern länger. Das

eigentlich Aufwendige ist allerdings die

Nutzer- und Zielgruppenanalyse im Vor-

DAS GESPRÄCH FÜHRTE KARSTEN ZUNKE

feld, sowie die klare Zieldefi nition für den

mobilen Auftritt. Ebenso muss konzeptionell

vorgebaut werden – beispielsweise

sollte technisch sichergestellt sein, dass

ein Nutzer, der in seinem iPhone die Web-

Adresse in den Browser tippt, auch auf der

mobilen Seite landet und nicht auf der

klassischen Website. Als Nonplusultra kann

die Website auch für verschiedene Endgerätetypen

optimiert werden. Die konzeptionellen

Aufgaben rund um einen Mobile-

Auftritt werden häufi g unterschätzt.

Und was ist mit den allgegenwärtigen Apps?

Söhlke: Für Unternehmen, die das mobile

Internet aktiv für Marketingzwecke oder

unternehmensintern nutzen wollen, sind

„Dank HTML 5 werden sich Mischformen

zwischen App und mobiler Website durchsetzen.“

Apps die erste Wahl. Mit Marketing-Apps

ist man beispielsweise sehr schnell beim

Kunden. Sie bieten eine bessere Hardware-

Unterstützung, mehr Funktionen und hohe

Performance. Unternehmensintern kann

man mit Apps die Effi zienz enorm erhöhen

– beispielsweise wenn Service oder

Außendienst über die App angebunden

sind. Insbesondere bei komplexen Anforderungen

sind sie einer mobilen Website

überlegen.

Wohin geht der Trend im mobilen

Internet, und welche Rolle spielt dabei

HTML 5?

Söhlke: Zum einen wird das mobile Internet

dank HTML 5 interaktiver und die

Darstellung über verschiedene Browser-

Typen hinweg standardisiert. Mit HTML

5 können zum Beispiel Videos besser in

den Content eingebunden werden, auch

auf mobilen Webseiten. Daher werden

sich dank HTML 5 Mischformen zwischen

App und Website verstärkt durchsetzen.

Das Gerüst verhält sich beispielsweise

wie eine App und der Content wie eine

Website, dieser kann dadurch in Echtzeit

aktualisiert werden. Auch wird es immer

mehr mobile Websites geben, die

wie eine App anmuten. Als Lesezeichen

auf den Home-Bildschirm des Smartphones

abgelegt, wird eine Unterscheidung

zwischen App und Website für den

User bald nicht mehr möglich – und

aus dessen Sicht auch nicht mehr nötig

sein.

69


IT & Investition – Special Business Digital

Unternehmens-Software

Sowohl als auch

Die Software-Anbieter haben kräftig in virtuelle Strukturen investiert. Doch der Mittelstand

reagiert verhalten. Dabei geht es gar nicht um die Ablösung klassischer Unterneh-

mens-Software, sondern um die Erweiterung durch On-Demand-Modelle. VON ANJA SCHNAKE

Die Zukunft von Customer-Relationship-Management

(CRM) ist virtuell,

mobil und sozial. So sehen es die Mitglieder

des IT-Branchenverbands Bitkom,

und so antizipieren es die Software-Anbieter

im Markt. Nach einer

aktuellen Studie der Experton Group im

Auftrag des Hightech-Verbands Bitkom

wird der Umsatz mit Cloud Computing

in Deutschland von 1,9 Milliarden Euro

im Jahr 2011 auf 8,2 Milliarden Euro im

Jahr 2015 steigen. Mit der zunehmenden

Verbreitung von Smartphones und

Tablet-PCs wächst zudem die Bedeutung

der mobilen Internet-Nutzung im

geschäftlichen und privaten Umfeld,

und soziale Netzwerke etablieren sich

zusehends als Kommunikationsplattformen

im Vertrieb. „Es stehen Technologien

im Fokus, die den Anwendern

bessere Leistung und mehr Effi zienz

bringen“, sagt Bitkom-Präsident Professor

Dr. August-Wilhelm Scheer.

Noch zum Jahreswechsel 2009/2010 haben

weder die deutschen Unternehmen

noch die Software-Anbieter den Themen

SOA, SaaS und Cloud Computing

große Bedeutung beigemessen – heute

hat der IT-Konzern Microsoft allein in

Deutschland mehr als 100 Millionen

Euro in den Ausbau cloud-fähiger Datenverarbeitungszentren

gesteckt. IBM,

Hewlett-Packard, Google, Amazon und

SAP haben kräftig in ihre virtuellen

Strukturen investiert.

Schöne, hybride IT-Welt

Und die Anwender? Beim Run auf das

neue Geschäftsmodell reagiert vor allem

der Mittelstand bisher verhalten. Eine

internationale Studie von GfK Custom

„Kostenvorteile allein werden die Zielgruppe nicht

zur Umstellung auf die neue Technologie bewegen.“

MARKUS VEHLOW, PWC, FRANKFURT

Reserach zu Chancen und Herausforderungen

für Cloud-Computing-Angebote

hat deutlich gemacht, dass gerade

in den etablierten Märkten Deutschland,

Großbritannien und USA kleine Unternehmen

bisher kaum mit Cloud-Lösungen

in Berührung gekommen sind.

Je größer die Betriebe, desto häufi ger

werden sie eingesetzt. Noch Anfang des

Jahres hielten vier von fünf Mittelständlern

Cloud Computing für irrelevant,

ermittelte die Unternehmensberatung

Pricewaterhouse Coopers (PwC). Nur

jede zehnte Gesellschaft dieses Typs

nutzt IT-Services aus der Wolke. „Die

Vorbehalte sind erheblich, viele wissen

gar nicht, welche Möglichkeiten Cloud

Computing bietet. Die Kostenvorteile

allein werden die Zielgruppe nicht zur

Umstellung auf die neue Technologie

bewegen“, sagt Markus Vehlow, Experte

für Cloud Computing bei PwC.

Kein Wunder: Denn auf lange Sicht

geben diese keine eindeutige Empfehlung

ab. Wenn aus einem erfolgreichen

Test- der Ernstfall wird und monatliche

Mietkosten auf lange Zeiträume

hochgerechnet werden, können die gesamten

Projektkosten für die Inhouse-

Lösung niedriger ausfallen. Auch deshalb

bleibt der Web-Service häufi g das

Provisorium. „Idealer Anwendungsfall

für Web-Services sind Pilotprojekte von

Kunden, bei denen anfänglich nicht

klar ist, ob daraus ein langfristig bestehendes

Business wird“, so Jürgen Litz,

Geschäftsführer beim CRM-Anbieter

Cobra. „Wenn der Außendienst zum

Beispiel mit bundesweit fünf Zentralen

zusammenarbeitet und der Einstieg

schnell gehen soll, wird anfangs oft mit

der Cloud-Lösung experimentiert –, bis

wir am Ende des Jahres einen kleinen

Server installieren.“

Dabei sollten die Vorteile gerade klei-

Pantelic/shutterstock.com

ne und mittelständische Firmen überzeugen:

Um Administrationsaufgaben,

Slavoljub

die bisher die Tage des hauseigenen Foto:

70 ProFirma 12 2011

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IT-Leiters ausfüllten, kümmert sich bei

der Nutzung cloud- oder web-basierter

Services der Dienstleister. Auch kleine

Organisationen können mit diesen Systemen

ohne große Anfangsinvestitionen

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von CRM kann ein On-Demand-Modell

das Investitionsrisiko minimieren, denn

bei Bedarf können einzelne User einfach

hinzugebucht werden. Davon profi

tieren insbesondere Mittelständler mit

knapp bemessenen IT-Ressourcen, kleine

Teams oder junge Unternehmen, die

zusätzliche Expertise gebrauchen kön-

nen. „Die Frage des Make-or-Buy stellt

sich auf jeder Stufe. Man kann verschiedene

Dienste zerlegen und modular aus

der Cloud beziehen“, meint IT-Experte

Dr. Dirk Mahnkopf, Business Advisor

IT-Management Solutions beim CRM-

Anbieter SAS in Heidelberg.

Allerdings werden On-Demand-Modelle

die etablierten Nutzungsmuster für

Software – vor allem den Lizenzbetrieb

– nie ganz ersetzen, glaubt Jürgen Röhricht,

der bei SAP in Walldorf für Saleson-Demand

verantwortlich ist: „Wir

sehen bei unseren Kunden vor allem

hybride Strategien, die keineswegs darauf

abzielen, hauseigene IT-Strukturen

vollständig abzulösen. Schließlich wollen

die Firmen auch ihre Investition

schützen.“ Viele würden seiner Meinung

nach Kernsysteme wie ERP im

Haus behalten, aber beispielsweise CRM

in die Cloud verlegen. „Einige Arten von

Software werden wahrscheinlich nie in

die Cloud wandern“, so der Experte.

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IT & Investition – Special Business Digital

INTERVIEW

„Mobiles CRM ist

Interaktion mit dem Kunden“

Viele Unternehmen beherrschen heute kaum noch die Komplexität

ihrer CRM-Projekte, meint Marketingexperte Dr. Reinhold Rapp

aus München. DAS GESPRÄCH FÜHRTE ANJA SCHNAKE

Herr Rapp, gibt es bei den Cloud-Modellen

für CRM wirklich neue Impulse

– oder vor allem mehr Komplexität?

Rapp: Viele Unternehmen schaffen

es heute kaum, die Komplexität ihrer

CRM-Projekte in der Umsetzung zu beherrschen.

Daher gilt es, erst einmal

die existierenden Themen zu lösen. Vor

allem im B2B-Geschäft werden Marketing

und Vertrieb auf ganz neue Beine

gestellt – was die Unternehmen vor

enorme Herausforderungen stellt. Denn

die meisten Unternehmen haben intern

ein Mosaik aus Zuständigkeiten entwickelt.

Mit der Verlagerung der Kommunikation

ins Web muss daraus ein gemeinsamer

Prozess werden.

Was bringen diese Entwicklungen an Effekten

für den Kunden mit sich?

Rapp: In erster Linie eine enorme Beschleunigung

in der Erfüllung von Servicewünschen.

Bisher erleben die Kunden

noch Medien-, System- und zum

Teil Firmenbrüche. Das wird sich ändern.

Zudem werden Kundenbewertungen

eine noch wichtigere Rolle spielen –

diese Feedback-Mechanismen lassen

sich auch auf andere Geschäftsbereiche

übertragen, etwa Lieferantenbewertung

oder Ähnliches.

Ist mobiles CRM nicht alter Wein in neuen

Schläuchen?

Rapp: Der Trend war ja bisher eher mobiler

Vertrieb, nicht Kundenbeziehung.

Bisher haben die Geräte dafür gesorgt,

dass sich die Mitarbeiter optimal vorbereiten

und den Termin nacharbeiten

können. Nun geht es um Interaktion.

Mit dem iPad kann der Vertrieb mit dem

Kunden gemeinsam Präsentationen

anschauen, Konfi gurationen austüfteln

und Bestellungen auslösen. Irgendwann

stellt sich die Frage, ob man nicht sogar

den Besuch beim Kunden ersetzen kann.

Wie soll das konkret aussehen?

Rapp: Vielleicht trifft man sich eines Tages

nur noch in virtuellen Konferenzen

oder greift auf andere Online-Instrumente

zurück. Oder man entwickelt mobile

Geräte und Anwendungen immer

stärker als Serviceplattformen – Reservierungsservices

für Restaurantketten

zum Beispiel.

Ein vertriebsnahes Zukunftsszenario

könnte nach Ansicht der Walldorfer

so aussehen: Die hauseigene Cloud-Lösung

„SAP Sales On Demand“ steht den

Mitarbeitern via Browser zur Verfügung

– auch auf mobilen Geräten. Nach dem

Kundenbesuch greift der Vertriebsmitarbeiter

im Auto auf die App zu, setzt

den Kontakt auf „gewonnen“ und erstellt

den Auftrag. Dieser wird direkt

an den Innendienst geleitet, der dann

sofort aktiv werden kann. Gleichzeitig

wird der Vorgang im ERP-System abgelegt

und die Abwicklung angestoßen.

„Mobile Lösungen können Wochenberichte

erzeugen, in die Gesprächsergebnisse

sehr kurzfristig einfl ießen; das ist

eine extrem unbürokratische Lösung“,

so der Cobra-Chef. Es kommt auch deshalb

gut an, weil das übliche Verfassen

von Textberichten in der App durch ein

standardisiertes Erfassungformular ersetzt

wurde – die Texteingabe ist nicht

die Stärke dieser Geräte, aber auch nicht

die Leidenschaft des Vertriebs. Eine

standardisierte Rückmeldung könnte

deshalb effektiver sein als das umständliche

Schreiben von Wochenberichten.

Informeller Austausch ist Trumpf

Mehr Effi zienz versprechen sich Unternehmen

auch vom Einsatz sozialer

Netzwerke: Plattformen wie Facebook,

Linkedn oder Xing erleichtern die direkte

Interaktion mit Kunden, potenziellen

Mitarbeitern oder anderen Interessengruppen.

Mit Twitter ist zudem

ein Nachrichtenmedium entstanden,

das einen schnellen, direkten Austausch

mit einzelnen Zielgruppen ermöglicht.

Im Unternehmen selbst werden Social-

Media-Technologien verstärkt unter

dem Stichwort Enterprise 2.0 eingesetzt:

Über fi rmeninterne Blogs, Wikis

und Foren tauschen die Mitarbeiter

komfortabel Wissen, Meinungen und

Erfahrungen aus. „Dafür müssen Organisationen

die technischen und organisatorischen

Voraussetzungen schaffen“,

betont August-Wilhelm Scheer. „Statt

einseitiger Kommunikation mittels

Werbung oder Mitarbeiterzeitschriften

wird der persönliche Austausch über

das Internet immer wichtiger.“

72 ProFirma 12 2011

Foto: privat


IT & Investition – Kolumne

Dass der Katastrophenfi lmer Roland Emmerich auf einmal

ein Experte für Shakespeare sein soll, ist erstaunlich genug.

Dass er die uralte Kamelle wieder ausgegraben hat, wonach

nicht der Barde von Stratford, sondern der Herzog von Oxford

der wahre Verfasser der Werke von Shakespeare sein soll,

macht seinen neuen Film „Anonymous“ aber auch nicht besser.

Dafür bin ich beim Googeln zum Thema „Wer schrieb

Shakespeares Stücke wirklich?“ auf eine wichtige Erkenntnis

gestoßen: Auch im Zeitalter Königin Elisabeths I. gab es schon

Ärger mit Raubkopierern!

Eigentlich dachte ich immer, das Digitalzeitalter habe Schuld

an dem Problem – von wegen: Schon im 17. Jahrhundert wurde

Geisteseigentum geklaut, was der Notizblock hergab: Windige

Verleger setzten Schreiber ins Publikum, die mehr oder

weniger genau mitschrieben, was da auf der Bühne passierte.

Kurze Zeit später erschienen dann billige „Quarto“-Ausgaben

von Welthits wie „Romeo und Julia“, „Lady Macbeth“ oder

„Hamlet“ auf dem Markt, von deren Erlös der Autor – mag er

nun Shakespeare oder von Oxford geheißen haben – keinen

Penny zu sehen bekam.

Heute dagegen setzen sich Copyright-Diebe mit einer Handy-

Cam ins Kino oder lassen beim Rockkonzert ein Aufnahmegerät

mitlaufen; wobei inzwischen ja schon ein gewöhnliches

iPhone so gute Aufnahmen liefert, dass sich davon mühelos

DVD-Kopien ziehen lassen. Die Kunst besteht darin, sich

nicht vom Platzanweiser erwischen zu lassen. Obwohl: Wenn

der ein ausreichend großzügiges Trinkgeld bekommt (oder

wenn der Raubkopierer womöglich der Kinobesitzer selbst

ist), dann ist sogar das weiter kein Problem.

Mein Freund Dr. Gunter Denk, der mit seiner kleinen Firma

Sanet in Bangkok sitzt und deutsche Mittelständler bei ihrem

Gang nach Asien begleitet, muss sich jeden Tag mit Produkt-

Cole's Corner

Drehbuch

für Raubkopierer

Von Tim Cole

Tim Cole Der IT-Journalist und Chefredakteur

mehrerer Elektronikzeitschriften

ist ein gefragter Autor und Redner zum

Thema E-Commerce.

Info: www.cole.de

piraterie und Copyright-Verletzungen herumschlagen. Er ist

da inzwischen schon ziemlich abgebrüht. „In Asien deswegen

vor Gericht zu gehen, ist sowieso fast aussichtslos“, rät er seinen

Klienten. „Die besten Mittel sind immer noch strikte Geheimhaltung

und eine Portion gesunder Menschenverstand.“

Wer sein geistiges Eigentum – wie Konstruktionspläne oder

Rezepturen – unbekümmert nach Südostasien exportiere,

und es dort im Betrieb ungeschützt herumliegen lasse, sei ja

im Grunde selber schuld.

Zumal es gerade für digitale Vermögenswerte durchaus geeignete

Schutzmittel gibt, um sensible Informationen vor Produktpiraten

und Industriespionen zu schützen: Digitale Wasserzeichen

zum Beispiel oder die wirksame Verschlüsselung

von E-Mails und Datenbanken. Wenn sie doch nur jemand

verwenden würde! „Es ist unglaublich, wie sorglos deutsche

Unternehmen mit ihren intimsten Firmengeheimnissen und

ihrem geistigen Eigentum umgehen“, sagt Gunter mit einem

leichten Unterton von Resignation in der Stimme.

Vielleicht war Shakespeare auch hier seiner Zeit voraus, denn

er hat zeitlebens keines seiner Stücke in Buchform herausgebracht

(die „First Folio Edition“ seiner gesammelten Werke

erschien erst sieben Jahr nach seinem Tod); stattdessen ließ er

sie aufführen und lebte offenbar recht gut von den Einnahmen

an der Abendkasse. Der Text seiner Schauspiele war für ihn

im Grunde nur das Rohmaterial, aus dem er unvergessliche

Theatermomente schuf. Womit sich der Kreis zu Roland Emmerich

und seinen Filmen schließt: Welcher leidenschaftliche

Kinogänger interessiert sich schon primär für das Drehbuch?

Wir wollen Action sehen, einstürzende Hochhäuser und riesige

Raumschiffe am Himmel! Davon versteht der gute Mann

nämlich wirklich was – von englischer Literaturgeschichte dagegen

etwas weniger.

74 ProFirma 12 2011


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IT & Investition – Marketing

Mobile Codierungsverfahren

Brücken ins Netz

Die rasante Verbreitung von Smartphones und Tablet-PCs macht Codierungsverfahren

mobil und jederzeit zugänglich. Das bietet neue Möglichkeiten für unternehmerisches

Marketing. VON JÜRGEN CHRIST

In den Flyern des Discounters Aldi sind

sie ebenso zu fi nden wie in Zeitschriften

oder an den guten alten Litfaßsäulen:

Die Rede ist von QR-Codes (QR steht

für Quick Response oder „schnelle

Antwort“), jenen unscheinbaren Pixelquadraten

in Weiß und Schwarz, die

aussehen wie kleine Labyrinthe. Wenn

man allerdings die Smartphone-Kamera

darauf richtet, offenbaren sich Web-

Adressen, Kontaktdaten oder andere

Inhalte. Vor allem im Marketing, aber

auch im B2B-Bereich erfreut sich die

Technik wachsender Beliebtheit, nachdem

sie lange im Dornröschenschlaf

versunken schien.

„Wir führen den Boom auf zwei Dinge

zurück: Zum einen auf die rasante

Ausbreitung von Smartphones mit leistungsfähigen

Kameras und immer besseren

Bildschirmen, zum anderen auf

die höhere Bandbreite und Verfügbarkeit

der Netze“, erklärt Christian von

den Brincken, Geschäftsführer Marketing

der Ströer Out-of-Home Media AG

in Köln, Marktführer für Außenwerbung

in Deutschland. Von den Brincken

ist sicher, dass „QR-Codes und ähnliche

Technologien immer wichtiger werden,

weil immer mehr Menschen leistungsfähige

Smartphones besitzen und an

den spielerischen Umgang mit mobilen

Endgeräten gewöhnt sind“. Und weil

sie es gewohnt sind, statt Flyern und

Broschüren im Handschuhfach lieber

Screenshots, Links oder eben Codes direkt

auf dem Smartphone abzulegen.

Auch Matthias Schultze, Inhaber des

Malerbetriebs Heyse in der Nähe von

Hannover, setzt bei seinen Printanzeigen

auf QR-Codes: „Die Kunden der

klassischen Handwerksbetriebe sind

es noch nicht gewohnt, dass mit solchen

Dingen gearbeitet wird. Und weil

es selten verwendet wird, erhöht das

die Aufmerksamkeit mehr, als wenn

wir eine ganzseitige Anzeige schalten“,

meint Schultze, der eine spezielle

Web-Adresse so codiert hat, dass er Zugriffsstatistiken

direkt auswerten kann.

In solchen Codes verstecken sich aber

nicht nur Web-Adressen; sie können

vollständige Kontaktdaten, Termine

oder auch SMS enthalten. Mit einer kostenfrei

erhältlichen Scanner-Applikation

für Smartphone oder Tablet-PCs lassen

sich die Codes – vom Kunden oder

Geschäftspartner – schnell einlesen und

verarbeiten. So können beispielsweise

die Kontaktdaten einer Visitenkarte

direkt im eigenen Handy-Adressbuch

gespeichert werden, ebenso der Veranstaltungstermin

im Kalender.

In der Automobilbranche

entwickelt

Der QR-Code wurde ursprünglich zur

Markierung von Baugruppen und Komponenten

für die Logistik in der Automobilproduktion

des Toyota-Konzerns

bereits im Jahr 1994 entwickelt. Seine

Verwendung ist kosten- und lizenzfrei.

Online steht inzwischen eine Reihe

kostenfreier Dienste (siehe Kasten Seite

78) zur Verfügung, mit denen sich

beispielsweise Visitenkarten mit inte-

„Der Kunde muss sicherstellen, dass die abgelegten

Informationen aktuell und verfügbar sind.“

FELIX WALTER, WALTER DIGITAL, STUTTGART

76 ProFirma 12 2011

Fotos: walter digital, privat


Die Smartphone-Kamera hone-Kamera erfasst den

Code und ruft uft die dort abgelegten

Informationen auf – in diesem Fall die

Website des Malerfachbetriebs Heyse.

griertem QR-Code als Druckvorlage

erstellen lassen oder wahlweise Web-

Adressen oder freie Texte codiert werden

können. Die generierte Grafi k lässt

sich einfach in eine Website einbinden,

in Flyern, auf Produktverpackungen

oder auf Plakaten verwenden. Sowohl

die Online-Codierung als auch die Code-

Scanner-Applikation fürs Smartphone

sind kostenfrei erhältlich. Der QR-Code

bildet also heute eine wichtige Schnittstelle,

eine Brücke zwischen Print und

Online; eine häufi ge Anwendung ist

zum Beispiel Offl ine-Werbung für ein

Produkt, das dann online bestellt werden

kann – dank einem QR-Code, der

den Interessenten direkt zur Vertriebs-

Website führt.

Anwendungen

im Geschäftsbereich

Während der QR-Code zu den Massenanwendungen

zählt, existiert eine Reihe

anderer, ebenfalls bewährter Codierungsverfahren,

darunter der klassische

Barcode im Einzel- und Großhandel

oder der Aztec-Code, den beispielsweise

die Deutsche Bahn zur Identitätsprüfung

auf Online-Tickets verwendet.

ProFirma 12 2011

da ist auch mein Geschäft drin

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IT & Investition – Marketing

Im Geschäftskundenbereich stößt der

von Océ (das niederländische Unternehmen

mit Sitz in Venlo ist Marktführer im

Bereich Digitaldruck- und Dokumentenmanagementsysteme)

entwickelte

„Phantom-Code“ auf großes Interesse.

Wie der Name bereits andeutet, handelt

es sich um einen unsichtbaren Code,

der in Drucksachen verwendet wird

und ebenfalls als Schnittstelle zwischen

Print und Online fungiert. Als erstes

lizenziertes Unternehmen setzt die in

Stuttgart ansässige Walter Digitaldruckerei

das Verfahren ein. Vor allem bei

Immobilienmaklern, Versicherungen,

Agenturen, Verlagen und im Handel ist

der Phantom-Code gefragt, der in hochwertigen

Broschüren und Katalogen gedruckt

wird.

Der nahezu unsichtbare Code wird in

Bildern oder Grafi ken hinterlegt und

kann später mit einem Lesestift, der

mit der USB-Schnittstelle des PCs verbunden

ist, ausgelesen werden. Dahinter

verbirgt sich eine Web-Adresse, wo

weitere Informationen abrufbar sind.

Der Kunde liefert die Druckdaten, die

Druckerei kauft bei Océ eine Lizenz.

Allerdings hat das Verfahren seine Tücken,

wie Felix Walter, Geschäftsführer

von Walter Digital in Stuttgart, einräumt:

„Es ist aufwendig, da der Kunde

sicherstellen muss, dass seine Website

und die dort hinterlegten Informationen

dauerhaft bestehen bleiben.“ Aber

der Phantom-Code hat auch Vorteile,

weil er für geschlossene Benutzergruppen

eingesetzt werden kann. Der

USB-Lesestift kostet, je nach Bestellmenge,

zwischen zehn und 30 Euro.

Eingesetzt wird der Phantom-Code

beispielsweise von Großhändlern oder

Unternehmen, die ihre Fachhändler informieren

wollen, ohne umfangreiche

und teure Kataloge zu drucken. Die Alternative:

Sie verschicken kleinformatige

Kataloge mit Phantom-Code, die zu

detaillierten Online-Informationen führen.

Ein anderes Beispiel: Eine Ladenkette

oder ein Franchise-Unternehmen

mit 270 Fachgeschäften möchte sicherstellen,

dass die Einzellizenznehmer die

unternehmerische Corporate Identity

(CI) bei Umzügen und Ladendekoration

einhalten. Während früher dazu

umfangreiche gedruckte Gebrauchsanleitungen

notwendig waren, reichen

heute vier bis fünf Blätter mit Phantom-

Codes aus, die zu Videos, Anleitungen

oder Abbildungen auf einer mit Passwort

gesicherten Website führen.

Bilderkennung statt Code

Während sicht- und unsichtbare Codes

immer noch mit einem gewissen Aufwand

für den Nutzer verbunden sind,

bietet ein neues Verfahren von Ströer

eine interessante Alternative: Die Spezialisten

für Außenwerbung haben

die QR-Technologie weiterentwickelt,

und unter dem Namen „Virtual out-ofhome“

(Vooh) eine Smartphone-App

zur Bild- beziehungsweise Musterkennung

auf den Markt gebracht. Der Vorteil:

Statt optisch oft störender Codes

LINK-TIPPS

QR-Code-Generator:

zxing.appspot.com/

generator/

Druckfähige Visitenkarten mit

QR-Code erstellen:

www.tec-it.com/

online-demos/Business-Cards/

Free-Business-Cards.aspx

kann das Unternehmen einfach nur sein

Logo oder ein Plakat verwenden. Die

Vooh-App erkennt die Werbekampagne

durch Abfrage einer Online-Datenbank,

in der weitere Inhalte hinterlegt

sind. Der Interessent wählt dann aus

einem Menü auf seinem Smartphone

aus, ob er eine Audiodatei hören, ein Video

sehen, die Produkt-Webseite oder

Facebook-Firmenseite aufrufen möchte,

was mittels QR-Code nicht möglich ist.

„Vooh bietet sich speziell für Kunden

an, die eine Vielzahl an Informationen

transportieren müssen – beispielsweise

Automobilhersteller, Technikhersteller,

Mobilfunkanbieter, Veranstalter oder

Filmverleiher. Sie können dem Konsumenten

via Vooh ihre kompletten Inhalte,

die sich hinter ihrem Logo oder

Key Visual verstecken, zur Verfügung

stellen und mit ihm direkt in Kontakt

treten“, erläutert Christian von den

Brincken das Prinzip.

Alternative Phantom-Code:

Dieser Code ist unsichtbar und kann nur

von geschlossenen Benutzergruppen

mit einem speziellen Lesestift verarbeitet

werden. Die Anwendung ist vor

allem im B2B-Bereich interessant.

78 ProFirma 12 2011

Foto: Walter Digital/Océ


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IT & Investition – Zeitmanagement

Effi ziente Zeiterfassung

Kleinvieh bringt auch Geld

Geringe Arbeitsaufwände werden bei der Projektabrechnung oft vergessen.

Der Einsatz einer Zeiterfassungs-Software schafft Abhilfe und spart Ressourcen.

VON STEFAN GNEITING

Das Telefonat mit dem Kunden dauerte

nur zehn Minuten, dann war alles

geklärt. Der Fachmann des IT-Dienstleisters

konnte das Problem schnell

lösen, der Kunde war zufrieden. Ist der

Auftragnehmer gut organisiert, dann

vermerkt er diese zehnminütige telefonische

Hilfestellung in seinem Projektprotokoll.

Versäumt er dies, fällt das

Telefongespräch bei der Abrechnung

unter den Tisch, und die Firma hat honorarfrei

gearbeitet.

Auf den ersten Blick erscheinen zehn

Minuten als Kleinigkeit, für die sich

der Abrechnungsaufwand nicht lohnt.

Doch das stimmt nicht. Ein Beispiel:

Arbeitet ein Mitarbeiter nur 30 Minuten

pro Tag an Projekten, die er nicht

in die Fakturierung einbringt, dann ergeben

sich im Jahr zirka 110 Stunden

unbezahlte Arbeit. Bei einem Stundenhonorar

von 50 Euro entgehen dem Unternehmen

5.500 Euro. Für die meisten

Selbstständigen und Kleinunternehmen

ist dieser Betrag keine Kleinigkeit. Die

meisten Unternehmer wissen das – und

verlangen konsequenterweise von ihren

Mitarbeitern die Aufteilung der gesamten

Arbeitszeit auf Projektkonten.

Doch diese Vorgabe allein führt meist

noch nicht zum Ziel. Das Problem:

Weil die detaillierte Aufzeichnung ohne

eine intuitiv und schnell zu bedienende

Software sehr zeitaufwändig sein kann,

schätzen die Mitarbeiter den Aufwand

am Ende des Tages oder vielleicht sogar

der Woche. „Die Erfahrung zeigt, dass

die Mitarbeiter dann meistens deutlich

weniger als die tatsächlich geleistete

Arbeitszeit berechnen“, sagt Alexander

Greisle, Trainer und Experte für

„Die Lösung muss so einfach zu bedienen sein,

dass die Mitarbeiter keine Ausrede haben.“

WOLFGANG BRANDHUBER, TROII SOFTWARE GMBH, BRAUNAU

Zeit- und Selbstmanagement aus Obertraubling.

Vor allem kurze Arbeitsaufwände,

wie die eingangs erwähnte

Telefonberatung, gehen bei der Schätzmethode

häufi g verloren und werden

dem Kunden nicht in Rechnung gestellt.

Greisle empfi ehlt seinen Kunden daher

den Einsatz einer Software-Lösung für

die Projektzeiterfassung. Damit kann

man aufzeichnen, wie lange wer an

welchem Projekt gearbeitet hat; außer-

dem erfasst die Software, welche Art

von Arbeit geleistet wurde. Bei einigen

Programmen kann sogar der jeweilige

Stundensatz hinterlegt werden, was

den Zeitaufwand beim Erstellen einer

Rechnung reduziert. Komplexere Lösungen

bieten außerdem verschiedene

Auswertungsmöglichkeiten oder erlauben

sogar eine integrierte Fakturierung

direkt aus der Anwendung heraus bei

Projekten ohne sonstige Aufwände,

etwa für Material oder Auslagen.

Disziplin gefordert

Aber sogar die Software-Unterstützung

garantiert nicht, dass die Mitarbeiter die

geleistete Arbeitszeit vollständig einem

bestimmten Projekt oder Kunden zuordnen.

Die konsequente Erfassung von

Arbeitszeiten und die korrekte Zuordnung

verlangen von den Mitarbeitern

ein hohes Maß an Disziplin. „Deshalb

ist es für die Akzeptanz einer Lösung

wichtig, dass sie einfach zu bedienen

ist und die Mitarbeiter die Arbeitszeit

mit wenigen Mausklicks erfassen und

dem entsprechenden Projekt zuordnen

können“, sagt Souheil Manaa von der

Haufe-Lexware GmbH in Freiburg. Der

Business-Designer ist für die kürzlich

vorgestellt, kostenfreie Lösung Lexware

Zeitmanagement verantwortlich.

Diese erlaubt nicht nur die Projektzeiterfassung

am PC, sondern bietet außerdem

die Möglichkeit, Daten über

80 ProFirma 12 2011


Bei jedem Auftrag die Stoppuhr händisch zu bedienen, ist keine Lösung. Eine Alternative sind Programme für die Zeiterfassung.

das Smartphone oder einen anderen

mobilen Zugang einzugeben. Die Verbindung

mit einer in einem Rechenzentrum

gehosteten Datenbank bietet zwei

Vorteile: Erstens fungiert die Cloud-

Datenbank als Back-up-Sicherung der

lokal gespeicherten Daten, zweitens

erlaubt sie die Synchronisation der am

Smartphone eingegebenen Zeiten mit

den PC-Daten.

Auch die Programmierer der Troii-

Software haben bei ihrer Timr-Lösung

viel Wert auf die Benutzeroberfl äche

gelegt: „Die Lösung muss so einfach

zu bedienen sein, dass die Mitarbeiter

keine Ausrede haben“, sagt Wolfgang

Brandhuber, Geschäftsführer bei Troii

im österreichischen Braunau. Timr gibt

es entweder als Enterprise-Lösung, bei

der die Datenbank im unternehmenseigenen

Netzwerk gehostet wird, oder

als Cloud-Lösung auf Basis von Nutzerlizenzen.

Zeiterfassung als

Controlling-Instrument

Weil ein Großteil seiner 20 Mitarbeiter

ständig unterwegs ist, legt Simon Herzog,

geschäftsführender Gesellschafter

der diens/t/ag Medizinsysteme GmbH

aus Höchberg, vor allem Wert auf die

einfache Einbindung mobiler Geräte.

ProFirma 12 2011

Kriterien

für die richtige Zeiterfassung

Folgende Punkte sollten Sie bei der Auswahl einer geeigneten Anwendung

zur Zeiterfassung auf jeden Fall berücksichtigen.

Einzelplatzlösung oder Multi-User-

Ansatz: Wer als Selbstständiger allein

arbeitet, dem genügt eine Lösung für einen

Nutzer. Sobald aber mehrere Mitarbeiter

an einem Projekt arbeiten, sollte

die Software Multi-User-fähig sein.

Webinterface oder lokale Anwendung:

Einige Applikationen setzen die

Installation einer Software auf dem

jeweiligen Gerät voraus. Lösungen mit

Webinterface werden dagegen über

einen Browser bedient. Das hat den

Vorteil, dass die Anwendung ohne

vorherige Installationsroutine von jedem

beliebigen Gerät mit Browser und

Internet-Anschluss bedient werden

kann.

Arbeitszeiten unterwegs erfassen:

Sind die Mitarbeiter häufi g unterwegs,

sollte die gewählte Lösung die Erfassung

auf Smartphones erlauben. Je mehr mobile

Betriebssysteme eine Anwendung

unterstützt, desto größer ist die Freiheit

bei der Wahl des geeigneten mobilen

Endgeräts.

Integrierte Rechnungsstellung und

Exportfunktion: Sind die Projektzeiten

erfasst, kann man sie auch für die Rechnungsstellung

nutzen. Einige Lösungen

bieten eine integrierte Fakturierung, andere

eine Exportfunktion, um die Daten

beispielsweise im Excel-Format zur Weiterverwertung

abzulegen.

Schnittstellen zu CRM/ERP: Schnittstellen

zu CRM- oder ERP-Lösungen erlauben

die Verwendung von Stammdaten

aus den Unternehmensanwendungen

beziehungsweise umgekehrt den Export

der Zeiterfassungsdaten direkt in die

Managementsysteme.

81


IT & Investition – Zeitmanagement

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Unter anderem:

> Fachbeitrag Zeit- und Zielmanagement

> Checkliste Zeitmanagement

> Praxistipss: So werden Sie effi zienter

> Effektiver in der Kostenrechnung

Lesen Sie mehr unter

www.profi rma.de/knowledgeStart

LEXWARE ZEITMANAGEMENT

Kostenfreie Lösung von Lexware

Lexware Zeitmanagement ist eine kostenlose Software zur Erfassung

und Zuordnung von Arbeitszeiten zu Projekten. Die Anwendung,

die sich vor allem an Freiberufl er, Selbstständige und

Kleinbetriebe richtet, steht unter www.zeitmanagement.lexware.de

zum Download zur Verfügung. Die Hauptanwendung für

den PC kann mit Applikationen für die mobile Zeiterfassung für

verschiedene Smartphone-Systeme (Android, Apple iOs, Microsoft

Windows Phone 7) erweitert werden. Der Mitarbeiter hat

die Wahl zwischen der manuellen Zeiteingabe und der automatischen

Zeiterfassung über eine Stoppuhr, die im Hintergrund

„Eine stationäre Arbeitszeiterfassung

funktioniert bei uns nicht, da viele Kollegen

vor Ort beim Kunden arbeiten“,

erklärt Herzog. Seine Mitarbeiter erfassen

daher die Arbeits- und Projektzeiten

auf dem Blackberry-Smartphone. „Zusammen

mit der Fahrtenbuchoption

sind wir in der Lage, die Fahrten der

Mitarbeiter zu optimieren, und können

auch sehen, ob wir bei den Projektzeiten

noch im grünen Bereich sind“, erklärt

Herzog die Vorteile, die sich aus dem

Einsatz der Software ergeben.

Alexander Greisle setzt bei seiner täglichen

Arbeit auf den Xpert-Timer

der Firma Xpert-Design Software in

Stadtbergen. Ihn interessiert weniger

die Möglichkeit der vereinfachten

Rechnungsstellung, sondern vielmehr

läuft. Mit nur einem Klick werden die Zeiten sowie eine kurze

Beschreibung der Tätigkeit einem bestimmten Projekt zugeordnet.

Eine Monats- oder Tagesansicht gibt einen schnellen Überblick

über die geleisteten Arbeiten. Tabellarische und grafi sche

Reportfunktionen helfen bei der Auswertung. Über eine Exportfunktion

lassen sich die Projektdaten auch in Excel übersichtlich

darstellen. Die kostenlose Software soll Schritt für Schritt weiter

ausgebaut werden: Die Anbindung von Lexware Zeitmanagement

an bestehende Applikationen wie Lexware Faktura/Warenwirtschaft

oder Lexware Lohn+Gehalt ist in Planung.

Einfach, übersichtlich und kostenlos: Lexware Zeitmanagement richtet sich vor allem an Freiberufl er und Kleinunternehmer.

die Optimierung seines eigenen Zeitmanagements.

„Springe ich zu sehr

zwischen verschiedenen Projekten hin

und her, dann wird mir das mithilfe

des Projektzeiterfassungs-Tools sehr

schnell bewusst“, sagt Greisle. „Ein häufi

ges Klicken auf die am Bildschirmrand

ständig sichtbare Zeiterfassungsleiste

ist für mich ein Hinweis, mich mehr auf

ein Projekt zu fokussieren.“

Projekterfassungslösungen können also

die Effi zienz in zweifacher Hinsicht verbessern:

Einerseits bei der Erfassung der

Arbeitsaufwände und der Fakturierung

und andererseits beim Zeitmanagement

der Mitarbeiter. Die Investition in eine

angemessene Software-Unterstützung

dürfte sich damit innerhalb kürzester

Zeit amortisieren.

82 ProFirma 12 2011


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Business English

The contents

Typically, an end of year letter will

contain the following:

> a review of the company’s performance,

> a summary of main projects that

were carried out,

> an overview of the success of those

projects including specifi c data or

visuals,

> praise and thanks for good work,

> a look to the future.

Business English

Briefe zum Jahresende – mehr als ein kurzer Gruß

Formulating an end of year letter

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Starting out

Opening phrases set the tone of your

letter. If you are writing an external letter

for clients, partners and staff , your

tone will probably be more formal:

2011 has been an outstanding year

for NetTEch GmbH. During the past

year, we have grown considerably

both in terms of global staff, subsidiaries

and in product range.

On the other hand, internal letters will

have a more personal touch and use the

“I”-form:

I cannot believe how quickly the year

2011 has gone by. As the MD of Net-

Tech, it has been a privilege to work

with such a talented and dedicated

team.

Reviewing company performance

Here, specifi c details are more useful and

serve more purpose than vague praise:

for example, it could be an opportunity

to present the projects the company has

initiated or completed over the past 12

months, as well as to remind business

partners of successes such as awards won.

Lektion 21

NetTEch’s partners developed the prototype

for an energy friendly computer

programme which still maintains

computer processing speeds.

NetTech launched its fi rst opensource

software project, a tool that

makes it easier to programme multicore

chips.

NetTech initiated the innovative

“Cleaner Earth” Campaign in July

this year which aims to cut our CO2

emissions in 2012 by 4 %.

NetTech participated in the Global

Standards Awards and achieved the

Prize for Best Overall Achiever.

Praising individuals

Where congratulations are due, especially

during diffi cult times, you can use

something along the lines of the following

phrases to single out an individual

or a team for special praise:

> Congratulations are due to Ramesh

R. Sharma and Ted Wilson for their

success in founding Kafas Global, a 75

% subsidiary of NetTech in Bombay.

The head offi ces have already been

inaugurated and we look forward to

further excellent achievements from

the Indian team next year.

> Without a doubt, our partners at

NetTech UK deserve much praise for

their hard work despite the diffi culties

they faced due to understaffi ng this

year. Well done and we hope to continue

with our UK expansion this year.

84 ProFirma 12 2011

ProFirma

Serie


Closing remarks

To draw your letter to a close, refer to

future cooperation and projects to

strengthen team building.

We have a great year to look forward

to with the outcome of several

projects coming up in the very fi rst

months of 2012. All that remains to

be said is: have a very relaxing festive

period and we will be back to new

challenges in January.

The festive season?

Christmas may mark the festive season

for Europeans but it is important to

remember that this is not the case globally.

This will affect how overt you are

in reference to Christmas. The end of

the year, although celebrated on a different

date in many Asian countries, is

a culturally neutral event and therefore

more globally appealing.

The sample text above handles this issue by

mentioning it indirectly with “festive period”.

However, fi nding out how your business

partner’s country celebrates the Western

Christmas period, if at all, is a good

idea, so that you know whether to mention

Christmas or to stick with more neutral

greetings. Inserting a greeting in their language

could be a good way to cement ties

with your partner and show cultural sensitivity

– but do remember to double check

this with a native speaker if possible.

ProFirma 12 2011

Vocabulary

vague (hier:) schwammig

praise Lob

to single out jmd. herausgreifen

to inaugurate einweihen, eröffnen

to strengthen festigen

festive period die Festzeit

overt explizit

to cement ties Beziehungen festigen

in retrospect rückblickend

takeover bids Übernahmeangebote

threatened angedroht

renewed erneuert

delighted erfreut

close Ende

tireless unermüdlich

to benefi t profi tieren

custom Kundschaft

Sample end of year letter to a cooperation partner





Anne Klarsicht

Managing Director,

Network Verlag GmbH,

Hefnerstr. 87, 50862 Cologne

Klaus Petersen

Head of Business Communication

IT Solutions Ltd

79 Aldersgate Street

London EC1A 4HY 3 Dezember 2011

Dear Klaus,

Our success in 2010!

In retrospect, 2010 has been a successful year for our two companies. At times

it was not easy in a year of takeover bids, threatened staff cuts and a diffi cult

economic climate in the publishing industry.

However, I am pleased to announce that our investment partners, Turner & Co.,

have expressed renewed interest in our joint projects. We will be having a series

of meetings here in Cologne in February to discuss our continued cooperation.

I would, of course, be delighted if you could attend.

Further to that, as the close of the year approaches, I would like to take this

opportunity to thank you for your tireless support this year. It has been a pleasure

to work with your staff and we have all greatly benefi ted from our combined

know-how. I wish you all a Merry Christmas and a very good start to the New Year!

Yours sincerely

Anne

Sample end of year letter to a customer (Key Account)


Dear Isaac,

I‘d like to take this opportunity to thank you for your custom over the past year.

It has been both challenging and inspiring to see the launch of our new line through

and to follow up on its success, of which you have been an important part.

As I will be moving back to the USA next year - Peter, whom you know, will be

taking my place - I wanted to thank you personally for your support and to wish

you all the best over the festive season.

Best regards

Chris

TIPS:

1. Not the position but the relationship you have with the MD dictates how you

address him or her.

2. The fi rst paragraph summarizes what has happened over the last year.

3. The second paragraph introduces the good news and points to future contact.

4. The third paragraph thanks the partner and passes on seasonal greetings to the

rest of the staff.

5. The fi nal paragraph is a good place to introduce any changes that may be

coming up in the new year.

S. 86 Das Adverb, S. 87 Kreuzworträtsel

85


Business English

Adjektiv oder Adverb?

Good or well, possible or possibly?

Der Gebrauch von Adjektiven und Adverben in der englischen Sprache wird häufi g als schwierig empfunden. In

diesem Beitrag fi nden Sie Beispiele, die Ihnen den Umgang mit den Wortarten erleichtern sollen.

How to use them

Richard was extremely happy about his

unexpected promotion.

Th ere are two adjectives and one adverb

in that example; can you spot them and

do you know which noun / verb they

relate to?

„Extremely“ is of course an adverb –

oft en easy to recognise as they usually

end in „-ly“, although watch out: some

adjectives, eg: lovely, also end in „-ly“.

Here the adverb modifi es the adjective

„happy“, which in turn modifi es the

proper noun „Richard“. „Unexpected“ is

also an adjective, referring of course to

the promotion.

Adjectives are also used aft er the verb

„to be“ when they refer back to the noun

or pronoun before the verb, as in the following

example:

Th ey have been depressed all week

because the presentation went badly.

Finally, you also need to remember to

use adjectives rather than adverbs aft er

sense or appearance verbs, eg:

EXERCISE

> Th e new fragrance smells wonderful

(not: …).

> Th e paper appeared fl imsy at fi rst

glance (not: …).

Forming adjectives and adverbs

Many adjectives and adverbs can be formed

from nouns or verbs, eg:

a crowd (noun) -> crowded (adj.)

the sun (noun) -> sunny (adj.)

-> sunnily (adv.)

an accident -> accidental (adj.)

(noun) -> accidentally (adv.)

There are a variety of suffi xes that can

be used to form adjectives, eg:

Add „-y“: greed -> greedy

Add „-ic“: alcohol -> alcoholic

Add „-ful“: doubt -> doubtful

Add „-al“: nation -> national

Add „-ous“: danger -> dangerous

Add „-less“: care -> careless

Add „-able“: respect -> respectable

Add „-ive“: progress -> progressive

Complete the following sentences, selecting the appropriate adverb

or adjective from the list below!

regular, carefully, shortly, well, better, delighted, worse, regularly, short, early, careful

1. John gets sales results than Joshua does.

2. We expect payment.

3. They pay their bills .

4. The presentation was very .

5. They will be here .

6. He fi nished his task because he didn’t want to make any mistakes.

7. She was because she didn’t want to make any mistakes.

8. They are about the rise in profi ts.

9. He spoke French than she did.

10. She didn’t feel so she stopped work .

Adverbs are simpler to form, as they

generally necessitate merely the addition

of „-ly“, eg: dangerous ? dangerously.

There are of course adverbs that do

not take the „-ly“ suffi x, including adverbs

of frequency such as „often„ or

„never“.

Comparatives and superlatives

When using adjectives and adverbs it

helps to be able to compare things as

well as describe them. For one syllable

adjectives, the endings „-er“ and „-est“

are used, while for longer adjectives you

will need „more“ and „most“. So:

low -> lower -> lowest

and profi table -> more profi table

-> most profi table

There are some additional rules concerning

spelling; fi rst of all, if a word ends

in „-e“ then just add an „-r“, eg:

nice -> nicer -> nicest.

If a word ends in a single vowel and a

single consonant, then you need to double

the last consonant, eg:

big -> bigger -> biggest.

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86 ProFirma 12 2011

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Answers: 1. better (worse); 2. regular; 3. regularly;

4. short; 5. shortly; 6. carefully; 7. careful; 8. delighted;

9. worse (better); 10. well (= BE)/good (= AE), early


Another rule concerns two syllable adjectives

that end in „-y“, eg: happy. For

these fi rst substitute the „-y“ for an „-i:

happy -> happier -> happiest.

Irregular adjectives and adverbs

Some adjectives and adverbs have irregular

forms: good -> better -> best and

bad -> worse -> worst. Luckily, the list

of frequently used irregular adjectives is

fairly short!

CROSSWORD PUZZLE

1 2

3

ProFirma 12 2011

4 5

7 8

10 11

15

13 14

17 18

Across:

1. something that removes the right to vote

4. always in the same or similar way

7. another word for vague

10. hold tightly

14. another word for keep

15. protesting loudly

16. to do something without care or

attention

17. another word for argument or

disagreement

18. a lot of uncontrolled activity and/

or emotion

16

Die Autoren:

Lucy Renner Jones und Anita Duncan

12

Vocabulary

to spot erkennen

to refer sich beziehen auf

to necessitate erfordern

merely nur, lediglich

9

Down:

2. to “give” a vote

3. a person who behaves differently

from everyone else

5. to have no money or assets

6. a connection to a group or organisation

8. careful inspection

9. a term or period of time

11. to do what should be done, perhaps

because of law or regulation

12. the head of a town or city government

13. to have caught something

(eg: attention)

6

Answers: Across: 1. disenfranchising, 4. consistently, 7. nebulous, 10.clutch , 14. maintain, 15. vocal,

16. cursorily, 17. dispute, 18. frenzy Down: 2. cast, 3. maverick, 5. insolvent, 6. affi liation, 8. scrutiny, 9. stint,

11. comply, 12. mayor, 13. hooked


Rückschau & Termine

Mittelstandsprogramm bietet kostenfreie Innovationen

Der Startschuss für die neue Runde des

Mittelstandsprogramms ist gefallen. Ab

sofort können sich mittelständische

Unternehmen um mehr als 2.000 Förderpreise

mit einem Gesamtwert von

mehr als 1,1 Millionen Euro bewerben,

die von Sponsoren kostenfrei bereitgestellt

werden. ProFirma unterstützt die

Initiative als Medienpartner.

Unabhängig von Größe und Branche

erhalten mittelständische Unternehmen

die Möglichkeit, mit den ausgelobten

Preisen ihre Wettbewerbsfähigkeit

ohne Investitionsrisiko zu erhöhen. Die

Bewerbung ist online über www.mittelstandsprogramm.com

schnell und einfach

möglich. Auch im neunten Jahr des

Bestehens unterstützt der renommierte

Mittelstandsexperte Prof. Dr. h.c. Lothar

Späth die Förderinitiative.

„Das Mittelstandsprogramm bietet mit

seinen Förderpreisen die Möglichkeit,

Innovationen kostenfrei und schnell im

eigenen Unternehmen einzuführen“, erklärt

Martin Hubschneider, Initiator des

Programms, die Wirkung der Förderinitiative.

In diesem Jahr sind renommierte

Sponsoren wie OKI Systems Deutschland,

Monster Worldwide Deutschland,

American Express, CAS Software und

Inxmail sowie viele andere mit dabei.

Anspruch des Mittelstandsprogramms

ist es, Unternehmen aus dem Mittelstand

dort zu unterstützen, wo Prozesse

durch moderne Innovationen optimiert

werden können.

Entsprechend breit ist das Angebot an

Förderpreisen, das sich über die Bereiche

Vertrieb, Marketing, Back Offi ce,

Organisation, Planung und Management

erstreckt. Hierzu gehören innovative

IT-Lösungen und Dienstleistungen

wie beispielsweise CRM-, ERP-, Archivund

Controlling-Systeme, Finanzen,

Personalgewinnung und Fortbildung

sowie Analyse- und Consulting-Dienstleistungen.

Bewerbungsschluss ist der

22. März 2012.

INFOS und Anmeldung unter:

www.mittelstandsprogramm.com

Drei Gewinner

beim Demografi e Exzellenz Award

Die Türenmann GmbH aus Stuttgart,

die Erlau AG aus Aalen und die K&U

Bäckerei aus Neuenburg am Rhein sind

die Gewinner des Demografi e Exzellenz

Awards 2011. Nach 2010 wurden

damit zum zweiten Mal Unternehmen

aus Baden-Württemberg ausgezeichnet,

die sich in ihren Betrieben auf vorbildliche

Weise der Herausforderung

des demografi schen Wandels gestellt

haben. Initiator des Awards ist das

Forum Baden-Württemberg im Bundesverband

Deutscher Unternehmensberater

(BDU). Unterstützt wird die Initiative

vom Ministerium für Finanzen

und Wirtschaft Baden-Württemberg.

Das Stuttgarter Unternehmen Türenmann

erhielt den Preis in der Kategorie

bis 50 Mitarbeiter für das Projekt „Alte

Hasen und junge Hüpfer – Altersgemischte

Teams im Handwerk“. Neben

Projekten aus der Personalführung

waren auch Demografi e-orientierte

Produkte und Dienstleistungen zugelassen.

Hier siegte in der Kategorie 50

bis 250 Mitarbeiter die Erlau AG mit ihren

Vita-Gym-Bewegungsgeräten. Die

älteste Aktiengesellschaft Süddeutschlands

(1828) zeigt, wie man angestammtes

Know-how in den Seniorenmarkt

einbringen kann. Mit der „Senior

Ausbildung“ punktete die K&U Bäckerei

in der Kategorie der Unternehmen mit

mehr als 250 Mitarbeitern. Erstmals in

Deutschland brachte die Bäckerei einen

eigenen Berufsschullehrgang mit

22 Erwachsenen auf den Weg.

Der Demografi e Exzellenz Wettbewerb

wird auch im nächsten Jahr stattfi nden.

Die Bewerbungsphase läuft vom 1. bis

30. Juni 2012.

INFO: www.demografi e-exzellenz.de

88 ProFirma 12 2011

Fotos:CAS Software


Vorschau 01/02.2012

Titelthema: Die Trends im Handel

Die Handelslandschaft hat sich verändert und tut dies immer noch. Das Online-

Geschäft wächst in allen Bereichen, sogar im Lebensmittelvertrieb ist es angekommen.

Dienstleistungen rund um die verkauften Waren spielen eine immer

größere Rolle, und Aspekte wie „Convenience“ und „Nutzen statt besitzen“

gewinnen an Bedeutung. In unserer Titelgeschichte beschreiben wir aktuelle

Trends und zeigen, wie Händler am besten mit ihnen umgehen sollten.

IMPRESSUM

Redaktion:

Dieter Römer (Chefredakteur)

E-Mail: Dieter.Roemer@ProFirma.de

Paul Lauer (Redakteur)

E-Mail: Paul.Lauer@ProFirma.de

Christoph Lorenz (Redakteur)

E-Mail: Christoph.Lorenz@profi rma.de

Hans-Walter Neunzig (Redakteur)

E-Mail: Hans-Walter.Neunzig@ProFirma.de

Gabi Reuys (Assistentin)

E-Mail: Gabi.Reuys@ProFirma.de

Telefon 07 61/89 83 031, Fax 07 61/89 83 112

Hausadresse der Redaktion:

Haufe-Lexware GmbH & Co. KG

Munzingerstr. 9, 79111 Freiburg

Autoren dieser Ausgabe:

J. Abel, M. Bahnerth, Prof. M. Beck, J. Christ, T.

Cole, A. Duncan, Dr. U. Felger, St. Gneiting, S.

a.d. Heiden, G. Herr, S. Hölper, M. Hofmann, K.

Linke, E. Reichholf, L. Renner Jones, A. Schnake, L.

Volkelt, O. Weiss, B. Weller, H. Zander, K. Zunke

Grafi k: Hanjo Tews

ProFirma 12 2011

Anzeigen-Verkauf:

Bernd Junker (Anzeigenleitung)

Telefon 09 31/27 91 556

E-Mail: Bernd.Junker@haufe-lexware.com

Oliver Cekys (Senior Key Account Manager)

Telefon 09 31/27 91 731

E-Mail: Oliver.Cekys@haufe-lexware.com

Thomas Horejsi (Senior Key Account Manager)

Telefon 09 31/27 91 451

E-Mail: Thomas.Horejsi@haufe-lexware.com

Michaela Dotzler (Disposition)

Tel. 09 31/27 91 559, Fax 09 31/27 91 477

E-Mail: Anzeigen@ProFirma.de

Verbreitete Aufl age:

3. Quartal 2011: 90.802

Verkaufte Aufl age: 66.105

IVW-geprüft. ISSN 1435-6082

Die nächste Ausgabe erscheint am 28. Dezember 2011

Weitere Themen:

GUTSCHEINE

Gefährlicher Rabatt

Schnäppchenportale im Internet versprechen

Unternehmen Neukunden

und Mehrgeschäft. Aber der Einsatz von

Rabattgutscheinen ist auch riskant.

FINANZEN 2012

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ENERGIE

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Dach integrierten Systemen spart sich

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Verlag: Haufe-Lexware GmbH & Co. KG

Verlagsleitung: Reiner Straub

Munzinger Straße 9, D-79111 Freiburg

www.Haufe.de

Druck: Druckerei Echter, Würzburg

Vertrieb im Handel:

SPECIAL INTEREST

Zeitschriften Distribution & Marketing GmbH

Nordendstraße 2; 64546 Mörfelden-Walldorf

Abonnentenservice:

Haufe Service Center GmbH, Postfach,

79091 Freiburg

Telefon 01 80/50 50 169*, Fax 01 80/50 50 441*

E-Mail: Zeitschriften@Haufe.de

* 0,14 €/Min. aus dem dt. Festnetz, max. 0,42 €/Min. mobil.

Ein Service von dtms.

Der jährliche Bezugspreis beträgt für ProFirma im Inland: 64 Euro inkl. MwSt. und Versand, im Ausland 79 Euro inkl. Versand. Das Kombi-Jahresabo ProFirma

Professional kostet im Inland 237,60 Euro inkl. MwSt. und Versand, im Ausland 252,60 Euro inkl. Versand. Bezieher der Produkte aus der „Lexware professional

line“ (9018, 9182, 9183, 9170, 9171, 9172, 9173, 9174, 8804, 9094) erhalten ProFirma im Rahmen ihres Abonnements. Für Mitglieder des Bundes der Selbständigen

(BDS) und des Bundesverbandes Metall ist der Bezug im Mitgliedsbeitrag enthalten.

89


Schluss mit lustig

H2O blickte um sich. Das also ist sie, dachte er, die Hülle, in

der mein restliches Leben Platz haben soll. Meines und das

meiner Frau. Der letzte Lebensabschnitt. Ein luxuriös ausstaffi

erter Schiffsbauch, Kombüse, Wohnbereich, Bad, zwei Kajüten,

ein paar Bücher, Seekarten, Funkanlage, Satellitentelefon,

Fernseher. Um ihn herum das Meer, noch eine Hülle, von der

er nicht wusste, ob sie ihm passen würde.

Noch zwei Stunden bis zum Sonnenuntergang. Dann würden

er und Clara die Leinen losmachen und in Richtung Rhodos

segeln. Noch gestern Abend hatte es so gut geklungen, als

er mit Clara auf dem Achterdeck

saß und einen Single Malt trank:

die Weltmeere besegeln. „Mensch“,

hatten seine Kollegen in den letzten

Tagen verlauten lassen, „Du hast es

gut. Kein Terminstress mehr, keine

Hatz nach Geld, keine Schuldgefühle,

weil dein Leben ins Geschäft

fl ießt und nicht in die Familie.“ War

das die Ursache seiner momentanen

Kraftlosigkeit? Dass ihm die einzige

Struktur, die er ein Leben lang kannte,

nicht mehr zur Verfügung stand?

Dass er nichts mehr erreichen musste

außer schönen Buchten und lauschigen

kleinen Häfen?

Ruhig bleiben, Henning, sagte er sich. Das passt zum Ruhestand.

Ein Whisky wäre gut, dachte er, aber dann würde ein

zweiter folgen, und dann würde ihn nichts anderes mehr interessieren

als ein dritter. Auch ein Ruhestandsmodell, dachte

er. Kein Selbstmitleid, Henning, sagte er sich. Du lebst einen

Traum, den andere nur träumen können. Du segelst mit deiner

Frau um die Welt. Du bist Abenteurer. Klingt doch besser

als Geschäftsmann. Seekarten anstelle von Statistiken. Nie

mehr das Boot durch eine Wirtschaftskrise steuern, sondern

nur noch durch stürmische See. Ein alter Mann, eine Frau

und das Meer. Das wirkliche Leben. Keine Banker mehr, keine

Marketingfuzzis, keine Welt, die nicht bereit ist für deine

Innovationen.

Eine Welt, die Biopommes-Automaten keine Chance gibt. Die

organische Gasgewinnung direkt aus Kuhmägen skeptisch

H 2O

... wirft sein altes Leben über Bord

von Michael Bahnerth

Das ist das Ende. Henning Hirschmüller-Oberst, H2O genannt, nimmt Abschied vom

Unternehmerdasein und sucht mit seiner Frau Clara neue Herausforderungen auf hoher See.

sieht. Eine Welt voller Feiglinge, die Visionen bedrohlich fi nden.

Die Vollkaskokonzepte von Apparatschiks wollen anstatt

Erneuerer mit Fantasie. Nein, Henning, oder viel besser,

ja, das musst du dir nicht mehr antun.

Wirklich nur einer, rechtfertigte er sich vor sich selbst, wirklich

nur ein kleiner Whisky. Um der Welt zuzuprosten und all

den Vollpfosten da draußen symbolisch „good bye“ zu sagen

und „mit mir nicht mehr“. Da stand er dann auf seinem Boot,

blickte auf die offene See und nahm Abschied wie ein Mann,

wie er fand. Danach nahm er einen zweiten Whisky, um sein

neues Dasein zu begrüßen und den

Sonderfrieden zwischen ihm und

der Welt willkommen zu heißen.

Im Grunde, redete er sich zu, werde

ich nur das regelmäßige Golfspiel

vermissen. Der Gedanke an Golf

löste Wehmut aus. Er ging runter

in den Rumpf, holte seine Golftasche,

nahm ein Sechsereisen und

machte auf dem Achterdeck ein

paar Schwünge. Es lief gut, rund,

kraftvoll, ohne zu viel Kraft zu investieren.

Er nahm einen Ball hervor.

Ja, das würde er jetzt tun. Er

ging in die Kombüse, holte einen

Eierbecher aus Plastik, legte ihn aufs

Achterdeck und den Ball in die Öffnung. Locker stellte er sich

vor den Ball, ging ein wenig in die Knie, konzentrierte sich,

machte ein paar Probeschwünge, hielt den Atem an und zog

durch. Der Kontakt zwischen Schläger und Ball war jenes feine

„Klick“, das ihm sagte, dass er optimal getroffen hatte. Weit

hinten klatschte der Ball ins Meer. H2O lächelte. Das wäre ein

Hole-in-one gewesen.

„Hallo Liebling“, hörte er Clara. „Ich hab alles. War was?“

„Nein, alles gut. Ich bin bereit.“ „Das ist gut, Henning. Und

noch was, bevor es losgeht, ich habe keine Lust, mein Leben

mit einem Kapitän Haddock zu verbringen.“ „Aye, aye. Wie

wär’s? Motor anwerfen, Leinen los, später Segel setzen?“ „Genau

Henning. Auf zu neuen Ufern.“

IM NÄCHSTEN HEFT beginnt eine neue Reihe.

90 ProFirma 12 2011

Folge 40

Illustration: Reinhold Harwath


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