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Bergbauende an der Saar

Bergbauende an der Saar

S E I T E E 6 N R . 1 5

S E I T E E 6 N R . 1 5 1 GLÜCK AUF! M O N T A G , 2 . J U L I 2 0 1 2 BERGBAU-CHRONIK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1957: Nach der Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik wird am 30. September die Saarbergwerke AG mit Sitz in Saarbrücken gegründet. Anteilseigner sind die Bundesrepublik mit 74 Prozent und das Saarland mit 26 Prozent. 1958 besaßen die Saarbergwerke 99 in Betrieb befindliche Schächte. Schon im selben Jahr mussten infolge der veränderten Verhältnisse auf dem Energiemarkt die ersten Feierschichten gefahren werden. 1962: Am 7. Februar wird der Saarbergbau von dem folgenreichsten Grubenunglück seiner Geschichte getroffen. 299 Bergleute finden auf dem Bergwerk Luisenthal den Tod. 1988: Die Saarbergwerke AG verabschiedet das Drei-Standorte-Konzept. Dieses sieht unter anderem die Stilllegung der Förderung am Standort Camphausen im Jahre 1990 und die Schaffung des Verbundbergwerkes Göttelborn/Reden (Verbund Ost) vor. Die Anlagen Luisenthal und Warndt werden zum Verbundbergwerk West zusammengefahren. Das Bergwerk Ensdorf bleibt selbstständig. 1997: Im März kommt es zu einer harten Auseinandersetzung der Bundesregierung mit den Bergleuten und ihrer Gewerkschaft Bergbau und Energie (IGBE). Tagelang herrscht in der damaligen Hauptstadt Bonn Belagerungszustand. Die Reviere an Ruhr und Saar sind im Aufstand. Am 13. März wird ein Kompromiss zwischen der Regierung, der IGBE und den Bergbau- Unternehmen gefunden. Für die Saar bedeutet dies, dass die Steinkohlenförderung auf dem Bergwerk Göttelborn/Reden Ende 2000 eingestellt wird. 1998: Am 1. Oktober wird die Deutsche Steinkohle AG (DSK) mit Sitz in Herne gegründet. Sie übernimmt die Bergwerke an Ruhr, Rhein und Saar. 2004: Zum 1. Januar werden die Förderstandorte Ensdorf und Warndt/Luisenthal zum Bergwerk Saar zusammengeführt. 2006: Das Verbundbergwerk Warndt-Luisenthal (Verbund West) wird am 1. Januar stillgelegt. Jetzt ruhen alle Hoffnungen für den künftigen Bergbau an der Saar auf dem Flöz Schwalbach. Mit brennenden Fackeln schufen Mitglieder der Grubenwehr am Ende der Mettenschicht eine bewegende Atmosphäre. FOTO: OLIVER DIETZE/DPA Momente des Abschieds Viel Prominenz und tausende Freunde des Bergbaus beim letzten „Glück auf“ in Ensdorf Umweltminister Peter Altmaier, RAG-Chef Bernd Tönjes und Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. FOTO: RUP Wie wird sich dieser kleine Junge wohl einmal an den Bergbau im Saarland erinnern FOTO: OLIVER DIETZE Schutzpatronin: Bergleute in traditioneller Montur tragen die mit Blumen geschmückte Heilige Barbara aufs Festgelände des Bergwerks Saar. FOTO: OLIVER DIETZE Anzeige Prominenz mit großen Verdiensten für den Bergbau: Ex-Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine und Reinhard Klimmt. FOTO: DIETZE Mehr als 10 000 Menschen kamen am Samstag zur Mettenschicht auf das Gelände des Bergwerks Saar. FOTO: B&B Bergwerksleiter Friedrich Breinig während seiner Ansprache. FOTO: OLIVER DIETZE

M O N T A G , 2 . J U L I 2 0 1 2 GLÜCK AUF! N R . 1 5 1 S E I T E E 7 BERGBAU-CHRONIK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ,,Das Leben ist eine kostbare Leihgabe, die uns der göttliche Schöpfer anvertraut hat.“ Der Trierer Bischof Stephan Ackermann in seiner Ansprache Die Kirchenvertreter Gottfried Müller, Robert Brahm, Stephan Ackermann und Barbara Rudolph (v.l.). Glockengeläut und kirchlicher Segen „Doch in Gottes Namen gibt es keinen freien Fall.“ Barbara Rudolph, Oberkirchenrätin der Evangelischen Kirche im Rheinland, zu den Bergleuten Ökumenische Gedanken während der Mettenschicht zum Leben nach dem Bergbau Von SZ-Redakteur Lothar Warscheid D ie Glocken waren es, die den Beginn der Mettenschicht zum Ende des Bergbaus an der Saar einläuteten. Anfangs war es die Anfahrtsglocke, die hell über das Gelände der Anlage Duhamel hallte. Danach läuteten in nahezu allen saarländischen Gemeinden die Kirchenglocken zum Gedenken an diese prägende Industrie-Epoche. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann wies darauf hin, wie selten ein solches Ereignis ist und diese Art der Glocken-Symphonie nur erklingt, „wenn ein neuer Papst oder ein neuer Bischof gewählt ist“. Das Schwingen einer Glocke sei zwar nur ein mechanisches Geräusch, bei dem Metall auf Metall schlägt. „Doch ihre Schwingungen gehen unter die Haut, wecken tiefe Gefühle – vor allem an einem solchen Tag des Abschieds“, rief der Bischof den Versammelten zu. Er zollte dem Bergmanns-Beruf Respekt, „weil der Arbeiter untertage in lebensfeindliche Räume eindringt“. Man sei nahe an der Gefahr und sollte sich stets dessen bewusst sein, „dass das Leben nicht unser Eigentum ist, sondern nur eine kostbare Leihgabe, die uns der göttliche Schöpfer anvertraut hat“. Barbara Rudolph, Oberkirchenrätin der Evangelischen FOTO: ROLF RUPPENTHAL Kirche im Rheinland, beschäftigte sich damit, dass ausgerechnet der biblische Unglücksrabe Hiob (Hiobsbotschaft) über den Bergbau die Weisheit findet. Sie, die Bergmannstochter, sei schon früh auf Hiob gestoßen, der schreibt, dass „tief in der Erde der Mensch nach Eisen und Kupfer gräbt“. „Bis in den letzten Winkel stößt er vor, aus tiefstem Dunkel holt er das Gestein.“ Die Weisheit Gottes reiche jedoch tiefer, machte Rudolph deutlich. „Die tiefste Tiefe sagt: Hier ist sie nicht!“, schreibt Hiob. Doch am Ende löst er das Rätsel auf: „Den Herren stets ernst zu nehmen, das ist Weisheit.“ Die Bergleute – aber auch die vom Bergbau Betroffenen – hätten viele Hiobsbotschaften ertragen müssen, erinnerte die Kirchenfrau. „Doch in Gottes Namen gibt es keinen freien Fall.“ Der Auftritt der katholischen und evangelischen Würdenträger hatte etwas Feierliches und trug Züge eines Gottesdienstes. Die anschließenden Fürbitten waren für die kommenden Generationen. Gemeinsam mit ihren Zuhörern beteten Ackermann und Rudolph mit Weihbischof Robert Brahm und dem Oberkirchenrat Gottfried Müller ein „Vater unser“, bevor zum Segen der Kirche am Ende feierlich das dreistrophige „Te Deum“ („Großer Gott, wir loben dich“) erklang. 2006: Bedingt durch mächtige Sandsteinbänke oberhalb der Flöze kommt es in der Primsmulde immer wieder zu Erderschütterungen, wenn die Bänke brechen. Die Bevölkerung macht ihrem Unmut immer stärker Luft. 2007: Ende des Jahres tritt das Steinkohlefinanzierungsgesetz in Kraft und legt das sozialverträgliche Ende des subventionierten Steinkohlenbergbaus für 2018 fest. 2008: Am 23. Februar kommt es zu der bis dahin stärksten Erderschütterung in der Primsmulde Süd mit der Stärke 4,0 auf der Richterskala. Die Landesregierung verfügt einen sofortigen Abbaustopp, weil sie Leib und Leben in Gefahr sieht. Mehr als 4100 Mitarbeiter des Bergwerks Saar gehen in Kurzarbeit. Die RAG beschließt, den Abbau in der Primsmulde aufzugeben und die künftige Förderung auf die problemlosen, aber wenig ergiebigen Strebe 8.6 und 8.7 Ost, Flöz Wahlschied, Feld Dilsburg Ost zu konzentrieren. Außerdem wird beschlossen, den Bergbau an der Saar Mitte 2012 auslaufen zu lassen. 2010: Bis zum Ende des Saar-Bergbaus müssen 1400 Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens ins Ruhrgebiet oder nach Ibbenbüren wechseln. 2012: Am 30. Juni wird der Bergbau im Saarland endgültig eingestellt. red Hauptquelle: „Der saarländische Steinkohlenbergbau: Dokumentation seiner historischen Bedeutung und seines kulturellen Erbes“, Karlheinz Pohmer (Hrsg.), Krüger-Verlag. ANZEIGE Bandbreite der Gefühlswelten Die DVD-CD-Box „Kaffeeküch’ und Schlagende Wetter – 250 Jahre Bergbau an der Saar“ vom Saarländischen Rundfunk zum Ende des Bergbaus ist ab sofort erhältlich. Der Bergbau hat das Saarland geprägt. „Kaffeeküch’ und Schlagende Wetter“, der Titel unserer DVD-CD-Box anlässlich des Endes des Bergbaus an der Saar nach rund 250 Jahren, beschreibt sehr gut die extreme Bandbreite der Gefühlswelten, die der Bergbau in zweieinhalb Jahrhunderten im Saarland geprägt hat. Zwischen der „Heimeligkeit“, der warmen Geborgenheit der „Kaffeeküch’“, dem Treffpunkt der Bergleute auf dem Grubengelände, in dem es das Bergmannsfrühstück und ein „Schwätzje“ unter Kollegen gab und dem „Schlagenden Wetter“, einer Feinstaubexplosion unter Tage, die den Albtraum eines jeden Bergmanns darstellt und der 1962 im schlimmsten Grubenunglück Deutschlands in Luisenthal 299 Menschen zum Opfer fielen, liegen viele Grautöne bewegender Fakten und Ereignisse wie etwa der große Bergarbeiterstreik der 90er Jahre und die Auseinandersetzungen um die Bergbauschäden ab Mitte der 2000er-Jahre. Der Titel beschreibt die beiden Extreme: Das der Geborgenheit im Bergbau, der Arbeits- und Lebensumfeld definierte, den Lebensunterhalt absicherte, Kameradschaft und Miteinander förderte und über die Schicht hinaus die Saarländer in einen Wattebausch von sozialen Netzwerken packte. Auf der anderen Seite die körperlich extrem harte und oft sehr gefährliche Arbeit unter Tage, verbunden mit Hitze, Lichtentzug und langen An- und Abfahrtswegen im Stollen und von und zum Bergwerk. Hinzu kommen in neuester Zeit die enormen Schäden über Tage durch den Bergbau, die die Menschen in bestimmten Regionen des Foto: RAG-Archiv Saarlandes in Angst und Schrecken versetzen. Der Bergbau hat das Saarland geprägt, hat seinem sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben genau wie seiner Landschaft seinen Stempel aufgedrückt, der noch lange sichtbar bleiben wird. Der Saarländische Rundfunk hat über all die Jahre dieses ambivalente Verhältnis der Saarländer zu ihrem Bergbau ausgewogen, angemessen und fair begleitet, vermittelt und kommentiert. Der Bergbau in all seinen Facetten und mit all seinen verschiedenen Wirkweisen auf Mensch und Natur im Saarland, auf Wirtschaft und Gesellschaft, auf Politik und Kirche wurde seit Bestehen des Saarländischen Rundfunks vor 55 Jahren in Hörfunk und im Fernsehen und in jüngeren Jahren auch in unseren Telemedien-Angeboten abgebildet. Die wesentlichen und prägenden Momente des Bergbaus an der Saar mit ihren direkten und indirekten Auswirkungen auf das Leben der Saarländerinnen und Saarländer finden Sie auf der DVD- CD-Box, die unsere Programme für Sie zusammen getragen haben. Auf den CDs finden sich erstklassige Radiofeatures zur Geschichte des Bergbaus an der Saar, zum Grubenunglück in Luisenthal, zur Kultur des Bergbaus und zu persönlichen Erinnerungen der Menschen, für die der Bergbau ihr Leben war und ist. Auf der DVD befinden sich zwei spannende Fernsehfeatures zu 250 Jahren Bergbau an der Saar sowie zur Schließung des letzten Bergwerks im Saarland. Erinnern Sie sich mit uns an eine bedeutende Zeit, verbunden mit Wachstum und Niedergang, Hoffnung und Verzweiflung, harter Arbeit und verbindender Kameradschaft, zwischen „Muddaglitzje“, „Kaffeeküch’“ und Schlagenden Wettern, die jetzt ihren endgültigen Abschluss findet. PR Die DVD ist ab sofort für 14,95 Euro im „SR-Shop im Musikhaus Knopp“ sowie über SRshop.de erhältlich. Kaffeeküch' und Schlagende Wetter 250 Jahre Bergbau an der Saar DVD-CD-Box ab sofort für 14,95 EUR Erhältlich im „SR-Shop im Musikhaus Knopp“ oder bei SRshop.de

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