Liebe und Trauer - Hospizverein Wiesbaden AUXILIUM eV

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Liebe und Trauer - Hospizverein Wiesbaden AUXILIUM eV

auxilium

wegbegleiter

ambulanter hospizverein wiesbaden auxilium e. v. | 3. ausgabe | nov. 2007

ambulanter hospizverein wiesbaden auxilium e.v.

friedrichstrasse 24, 65185 wiesbaden, telefon 06 11-40 80 80

info@hospizverein-auxilium.de, www.hospizverein-auxilium.de

spendenkonto: wiesbadener volksbank

bankleitzahl 510 900 00, konto 41 19 002

AUXILIUM


Liebe Mitglieder,

liebe Freunde,

sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Vor meinem eignen Tod

ist mir nicht bange.

Nur vor dem Tode derer,

die mir nah sind.

Wie soll ich leben,

wenn sie nicht mehr

da sind?

Allein im Nebel

tast ich Tod entlang

Und lass mich willig

in das Dunkel treiben.

Das Gehen schmerzt nicht

halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl,

dem Gleiches widerfuhr

und die es trugen,

mögen mir vergeben.

Bedenkt:

Den eignen Tod

den stirbt man nur,

Doch mit dem Tod

der andern muss man

leben.

Mascha Kaléko

Sie haben die dritte Ausgabe des „Wegbegleiter“

vor sich. Wir möchten Sie auch in diesem

Heft wieder informieren über das, was uns

im vergangenen Halbjahr wichtig war, woran gearbeitet

wurde und was wir uns für die Zukunft

wünschen.

Bei unserem 20jährigen Jubiläum,

das mit viel Engagement vorbereitet

und durchgeführt wurde, konnten

wir fast 200 Gäste begrüßen.

Die musikalische Begleitung durch

das Straighten-Up-Quartett, der beeindruckende

Festvortrag von Dr.

Stein Huseboe aus Norwegen und

die sehr nachdenklich machende

Performance der Ehrenamtlichen

waren Glanzpunkte unserer Veranstaltung.

Ein wunderschöner Abschluss

dieses Tages war das Konzert

mit der Schiersteiner Kantorei

unter Martin Lutz und Gabriel Dessauer

an der Orgel in der Kirche

St. Bonifatius. Wir sind dankbar

für die unauffällige Mitwirkung so

vieler, ohne die uns ein solches

Fest nie gelungen wäre.

Da sein – beraten – begleiten –

eine höchst anspruchsvolle Anforderung,

die wir an uns stellen – an

uns, die Begleiter der letzten Wegstrecke

und für die Zurückbleibenden

in ihrem einsamer gewordenen

Leben.

Können wir diesem Anspruch überhaupt

gerecht werden? Überschätzen,

überfordern wir uns, wenn wir das von uns

erwarten? Was muss ein Begleiter können oder

auch lassen? Es braucht Mut, Ausdauer und auch

Tapferkeit, eine Begleitung zu übernehmen.

Sie setzt große Achtsamkeit voraus. und viele

Schritte müssen getan werden. Sie geschieht in

einer mitmenschlichen Haltung und der Fähigkeit

sich berühren zu lassen, Zeit zu haben, geduldig

warten zu können, fähig zur Offenheit

ohne voreingenommen zu sein. Es geht um das

ganz schlichte Mitgehen, „Mitschwingen“, um

Zuhören und Hinhören – damit das Herz lauschen

kann –, und um Ausredenlassen, damit

Anliegen verstanden werden können.

Ein Gespür für Vertrauen und Vertraulichkeit ist

notwendig, ohne eine Antwort wissen zu müssen

für das Warum des Leides, das ausgesprochen

wurde. Vielleicht gibt das aufmerksame Zugewandtsein

dem Andern die Möglichkeit, in seine

Antworten hinein zu wachsen. Der Weg, der gegangen

werden muss, ist für den zu Begleitenden

ebenso unbekannt wie für den Begleiter. Wie gut,

wenn solch ein Weg dann ein Stück gemeinsam

gegangen werden kann.

Und schweigen können, wenn alles gesagt ist

oder etwas nicht in Worte gefasst werden kann.

Stille zulassen – einfach da sein – ist oft der

Schlüssel zu einer guten Begleitung.

Begleiten können heißt aber auch, sich selbst

wahrzunehmen, sich nicht zu vergessen, das Leben

in seinen vielen Farben, seiner Schönheit zu

genießen, sich sättigen zu lassen.

Erst dann kann der Andere in seiner Individualität,

seinen Bedürfnissen erkannt und so begleitet

werden, wie er es braucht. Vielleicht mit der Frage:

„Was willst du, das ich dir tue?“

Ich wünsche allen Begleitern, dass sie nie „professionell“

werden, dass sie zu Wärme, Anteilnahme,

Zugeben der eigenen Hilflosigkeit und zum Dienen

fähig sind.

Tun wir’s – versuchen wir’s!

Ich grüße Sie herzlich,

Ihre Edeltraud Minor

2 auxilium wegbegleiter ·november 2007


„Hast du nichts Schöneres zu tun?“

Gedanken und Erlebnisse einer Hospizhelferin

Hast du nichts Schöneres zu tun? Das fragte mich

eine Freundin, als ich ihr erzählte, dass ich eine

Ausbildung zur Hospizhelferin begonnen habe.

Ja, ich wusste auch nicht, ob ich das kann, jemanden

beim Sterben begleiten.

Ich hatte Angst vor dem „ersten Mal“. Aber meine erste

Begleitung war sehr intensiv.

Frau B. hat sich gefreut, dass ich ihr beistand. Sie hat

sich geöffnet, wir hatten innige Gespräche, sie hat sich

mir ganz anvertraut. Als sie schwächer wurde und nicht

mehr sprechen konnte, durfte ich ihre Hand halten,

vorlesen, beten, beruhigen … Irgendwie kam ich mir

vor wie eine Hebamme, Helferin beim Übergang in ein

neues Leben.

Eineinhalb Jahre bin ich jetzt im Einsatz. Nicht immer

war ich willkommen.

Ich erinnere mich an Frau M., unheilbar krank, aber

noch sehr vital. Ihre Tochter hatte sich Unterstützung

durch Auxilium gewünscht, Frau M. lehnte dies jedoch

rigoros ab. Sie käme ganz gut alleine klar und wolle niemandem

zur Last fallen. Mich fragte sie: „Was wollen

Sie? Reden? Ich habe immer alles mit mir alleine ausgemacht,

und so soll’s auch bleiben“.

Dann Frau K. Sie lebte ganz allein und anonym in einer

Hochhauswohnung – keine Angehörigen, keine Nachbarschaftskontakte,

eine Cousine und wenige Freundinnen,

alle hochbetagt und weit weg. Ganz pragmatisch

hat sie Tod und Sterben gesehen, alles war

wohlgeordnet. Einzig das Sauerstoffgerät, auf das sie

bald angewiesen sein würde, wo sollte es nur hin? Es

wollte so gar nicht zur Einrichtung

passen. Eine „anonyme

Beerdigung ohne Zeremonie“

sollte es werden,

keiner würde um sie trauern.

So habe sie es dem Bestatter

weitergegeben. Ihre

Cousine und Erbin, mit der

ich später die Wohnung aufgelöst

und den Nachlass geregelt

habe, war fassungslos.

Sie hat sehr wohl getrauert.

Auch ohnmächtig und hilflos

habe ich mich erlebt. Frau S.

habe ich zu ihren Chemotherapien

begleitet, doch ihr

Zustand verschlimmerte sich

zusehends, sie musste stationär

aufgenommen werden.

Schlimme Bilder schwirren

Da ist ein Land

der Lebenden,

da ist ein Land der Toten,

Und die Brücke zwischen

ihnen ist die Liebe,

das einzig Bleibende,

der einzige Sinn.

Thornton Wilder

mir im Kopf, wenn ich an ihr Sterben denke: Dreibettzimmer,

Hektik, Lärm, Besucher rein, raus … und hier

die schwer nach Luft ringende Frau, rasselnder Atem,

kalter Schweiß … Die Chemotherapie wird unverändert

fortgesetzt. Ja, merkt denn keiner, dass hier ein Mensch

stirbt? Ich kann nicht viel tun, ein bisschen Luft zufächeln,

die schweißnasse Stirn kühlen. Als Nichtangehörige

werde ich gar nicht wahrgenommen.

Um auf die eingangs gestellte Frage meiner Freundin

zurückzukommen: „Schöneres“ gibt es bestimmt, dennoch,

für mich ist es genau das „Richtige“.

Luise Hellberg

In belastenden Situationen, Trauerprozessen,

beim Abschiednehmen am Lebensende und in

Krankheit und Tod kann Humor befreiend und

lösend wirken. ANNAs Karikaturen zeichnen

solche Ausnahmesituationen und Alltagserscheinungen

mit Herz und Ironie auf.

Cartoon: © Anna Regula Hartmann-Allgöwer

www.annahartmann.net

auxilium wegbegleiter ·november 2007 3


Hospiz- und Palliativnetz

Wiesbaden und Umgebung

4

Um schwerkranke und alte Menschen medizinisch

und pflegerisch optimal zu versorgen, psychosozial

zu betreuen, spirituell zu begleiten

und ihnen als Mitmensch zur Seite zu stehen, dazu

haben sich im Raum Wiesbaden Fachkräfte verschiedener

Berufsgruppen im Hospiz- und Palliativnetz

Wiesbaden und Umgebung organisiert. Ziel dieses

Netzwerks ist es, Menschen am Lebensende so zu

unterstützen, dass sie in Geborgenheit und ohne

Qualen ihren letzten Lebensabschnitt gestalten und

leben können, wenn möglich zu Hause, eingebunden

in ihre gewohnte Umgebung und begleitet von ihren

Angehörigen. Die Region Wiesbaden verfügt über

ein in Deutschland einmaliges, umfassendes, erprobtes

und anerkanntes Palliativnetz zur Versorgung am

Lebensende.

Bereits im Jahr 2001 hat sich in Wiesbaden eine Interessengemeinschaft

zur Versorgung von Palliativpatienten

gebildet. Inzwischen beteiligen

sich folgende Personengruppen und Institutionen:

Hausärzte mit palliativmedizinischer

Zusatzausbildung, Fachärzte

(Schmerztherapeuten, Palliativmediziner,

Onkologen), Palliativpflegedienste, die

Palliativstation der Städtischen Kliniken

HSK, der ambulante Hospizverein Auxilium,

das stationäre Hospiz Advena in

Erbenheim, seit 2006 auch das Hospiz

Ferrutius in Bleidenstadt, das Kinderhospiz

Bärenherz, Psychologen, Psychoonkologen,

Seelsorger, ein Apotheker,

Physiotherapeuten und Sozialarbeiter.

Im Jahr 2007 wurde der Verein Hospiz-

PalliativNetz Wiesbaden und Umgebung

gegründet.

Mein Name ist …

Frank Gebauer

Der Abschluss spezieller Verträge zur integrierten Versorgung

am Lebensende (IVP: Integrierte Versorgung

von Palliativpatienten) mit den meisten Krankenkassen

gewährleistet eine schnelle und unkomplizierte Vermittlung

der Dienstleistungen der Netzpartner nach individuellem

Bedarf und auch eine 24-Stunden-Erreichbarkeit

über einen telefonischen Bereitschaftsdienst.

Die Koordination der Dienste erfolgt über das ZAPV in

Wiesbaden (Zentrum für ambulante Palliativversorgung,

Tel. 0611-44 75 40 40).

Bitte sprechen Sie uns an. Wir geben gerne weitere

Auskünfte oder vermitteln Sie an die zentrale Koordinationsstelle

ZAPV. (Geschäftsstelle Auxilium, Telefon

0611-40 80 80).

Informieren Sie sich im Internet:

www.palliativnetz-wiesbaden.de

Ruth Reinhart-Vatter

Als Diplom-Betriebswirt (Fachrichtung Controlling)

habe ich über 20 Jahre Erfahrung in

der Wirtschaft sammeln können. Mein persönliches

Ziel: arbeiten um zu leben – und nicht

umgekehrt. Als vor über elf Jahren meine

Tochter geboren wurde, habe ich meine Arbeitszeit auf Teilzeit umgestellt. Das größte

(Zeit-)Geschenk, was ich mir und meiner Familie machen konnte. Seit dem 15. Mai 2005

arbeite ich für den Hospizverein Wiesbaden Auxilium e.V., ebenfalls in einem Teilzeitumfang

von 50%. Hierbei macht die Vielfältigkeit in der Arbeit das „Salz in der Suppe“

aus. In großen Organisationen war mein Einsatz beschränkt auf Fachgebiete, hier aber ist

der Generalist gefragt. Wissen einbringen, lernen und neue Herausforderungen bewältigen

sind die Hauptmerkmale dieser Arbeit. Das Arbeitsspektrum ist sehr weit und reicht

von der Wartung der Hard- und Software über Öffentlichkeitsarbeit bis hin zu Vertrags-

auxilium wegbegleiter ·november 2007


Betreuungen durch den Hospizverein Auxilium

Zahlen

Statistiken zu erstellen, zu lesen und zu interpretieren

ist schwierig. Beschwerlich ist es oft schon

im Vorlauf, die interessierenden Daten zu erhalten.

Zum Jubiläum möchten wir einige Zahlen vorstellen.

Wieviele Patienten von Ehrenamtlichen des Hospizvereins

Auxilium in den ersten Jahren des Bestehens

begleitet wurden, ist heute nicht mehr zu eruieren.

Seit 1998 liegen regelmäßige Rechenschaftsberichte

der Einsatzleitung vor. Diese zeigen, dass die ambulanten

Begleitungen deutlich zugenommen haben

und dass insbesondere immer mehr Menschen zu

Hause betreut werden konnten. Im ersten Halbjahr

2007 nahmen bereits 89 Menschen unseren ehrenamtlichen

Dienst in Anspruch (2006: insgesamt

126).

verhandlungen und Erbschaftsabwicklungen. Die Liste

der Aufzählungen würde sehr lang werden. Ach ja, das

Wechseln von elektrischen Sicherungen in unseren Dienstwagen

gehört auch schon mal zum Arbeitsumfang.

Zweieinhalb Jahre Auxilium – ich finde es sehr spannend

und weine meinen bisherigen Beschäftigungsverhältnissen

keine Träne nach. Das (Arbeits-)Leben hat für mich

einen neuen Sinn und Inhalt bekommen. Ganz allgemein:

für Menschen da sein. Das ist ein sehr zufrieden

stellendes Gefühl. Jeder kann das auf seine Art und Weise

leben. Ich tue das, um den Hospizverein am Laufen zu

halten. Frank Gebauer

Seit 2001 bieten unsere speziell ausgebildeten Pflegefachkräfte

zusätzlich Palliative-Care-Beratungen im häuslichen

Bereich an. Diese palliativ-medizinischen Begleitungen

wurden von Anfang an sehr gut angenommen.

Die Zuwachsraten betrugen in den letzten zwei Jahren

32% (2006) bzw. 94% (2005). Im ersten Halbjahr 2007

bedurften bereits 60 Menschen der Palliative-Care-Beratung

(2006: insgesamt 87). Seit 2006 ermöglichen

die Krankenkassen auf Grund der Verträge zur „Integrierten

Versorgung am Lebensende“ eine ganzheitliche

Betreuung schwerstkranker Menschen während

des letzten Lebensabschnitts. Teile dieser Versorgung

sind die palliativmedizinische Betreuung und die hospizliche

Begleitung, die gleichzeitig oder auch einzeln

in Anspruch genommen werden können.

Die Zahl der HospizhelferInnen im Einsatz ist variabel,

im Moment stehen uns 42 ausgebildete BegleiterInnen

zur Verfügung, 31 davon sind im Betreuungseinsatz.

Jährlich werden 12 HospizhelferInnen neu ausgebildet

– überwiegend Frauen, von denen etwa die Hälfte nach

Abschluss der Ausbildung eine ehrenamtliche Tätigkeit

beim Verein übernehmen.

Über die Anzahl der ehrenamtlich

geleisteten Einsatzstunden

stehen gerundete

Zahlen zur Verfügung

(2006: ca. 2500). Keinerlei

Angaben haben wir

dazu, wie zeitaufwändig

die einzelnen Betreuungen

sind. Fest steht, dass

sich das, was in diesen

Stunden von den ehrenamtlichen

Begleiterinnen an menschlichem Beistand

vermittelt wird, sowieso nicht messen oder in Zahlen

ausdrücken lässt.

Ruth Reinhart-Vatter

auxilium wegbegleiter ·november 2007 5


Neue Flyer, neues Logo

Haben Sie schon unsere neuen Flyer gesehen?

Sie wurden anlässlich unserer Jubiläumsfeier

entwickelt. Mit fünf unterschiedlichen Exem- Die Flyer können kostenlos in der Geschäftsstelle bezoplaren

wollen wir auf unsere Angebote hinweisen, gen oder im Internet heruntergeladen werden.

wol len wir die Menschen erreichen, die uns brau- Gleichzeitig wurde ein neues Logo entwickelt: zwei ineinchen

und auch die, die uns helfen können:

andergreifende, im Bogen verlaufende Pinselstriche in

• Lebensbegleitung bis zuletzt für schwerstkranke warmen Erdtönen. Diese zwei Bogen können ein Symbol

Menschen und ihre Angehörigen

für zwei Hände oder Schalen sein, die einander zuge-

• Palliativ-pfl egerische Beratung für schwerstkranke wandt sind. In der Distanz zueinander ist Freiraum für

Menschen und ihre Angehörigen zu Hause Individualität und Andersartigkeit. Die Pinselbogen sig-

Trauerbegleitung

nalisieren aber auch die Bereit schaft zu Nähe, liebevollem

• Ausbildung zum/

Angenommenwerden und Schutz.

zur Hospizhelfer/in

• Stiftungs-Flyer AUXILIUM

Eine Beziehung kann entstehen,

die Leben zulässt.

Buchbesprechung

Stein Huseboe:

Liebe und Trauer

Stein Huseboe, Palliativmediziner und Hospizfachmann,

ist es gelungen, ein sehr informa tives

und einfühlsames Werk über Palliativmedizin

und Palliative Care zu schreiben. Es ist ein Herzensanliegen

des Autors, Themen des Lebens und des

Sterbens liebevoll zu vermitteln. In dem ansprechend

gestalteten Buch mit vielen kunstvollen Bildern

taucht dann auch ein Herz als immer wiederkehrendes

Motiv auf.

„Es ist merkwürdig“, sagte Solveig kurz vor ihrem

Tod zu mir, „dass das Licht in der Dunkelheit am

sichtbarsten ist.“ Mit diesem Zitat endet

das Buch. Solveig war die Tochter des

Autors, die als junge Frau durch Suizid

aus dem Leben geschieden ist. Ihr,

Victor, Thomas und anderen jungen

Verstorbenen verdankt das Buch seinen

Ursprung, und ihnen ist es gewidmet.

Von ihnen berichtet der Autor, und an

ihren Beispielen wird die Hospizphilosophie

vorgestellt. Dazu gehören die

Bereitschaft und die professionelle Fähigkeit,

Schmer zen zu lindern und

Symptome zu kontrollieren, den Tod

als Teil des Lebens zu interpretieren,

Trauer als Ausdruck der Liebe zu sehen,

Schwerkranke und Ster bende ganzheitlich

zu begleiten. Interdisziplinäre Zusammenarbeit

am Lebensende ist für

den Autor eine Selbstverständlichkeit,

die noch nicht überall etabliert ist.

15,60 Euro

Stein Huseboe

Liebe und Trauer

Was wir von Kindern

lernen können

Lambertus-Verlag, 2005

ISBN 3-7841-1602-7

„Früher oder später kommt für alle Schwerkranken und

Sterbenden der Zeitpunkt, an dem der Tod die bessere

Alternative als das Leben ist“. Das A und O gelingender

Begleitung sind offene Kommunikation und Informationsaustausch,

die guten Gespräche eben, die sich wie

ein roter Faden durch die Begegnungen ziehen. Autonomie,

Integrität und Würde der Menschen bleiben in

einem (gut funktionierenden) Zuhause immer besser

gewahrt als in einer Institution, da „die Seele der Patienten

dort verankert ist“.

Bestätigt hat mich als Pfarrerin, dass der Mediziner

Huseboe Ritualen eine deutliche Wertschätzung entgegenbringt:

„Viele hundert Jahre haben wir gebraucht,

um Rituale für den Todesfall zu entwickeln. In den

letzten fünfzig Jahren haben wir die meisten von ihnen

zunichte gemacht.“

Trauer hat so viele unterschiedliche Gesichter

wie es Menschen gibt, und sie

braucht zur Bewältigung Rituale. Es gilt,

der Trauer Zeit und Raum zu geben, sie

nicht zu „verschieben“ auf später, denn jeder

weitere Verlust lässt sie zur „Klette“

werden.

Huseboe hält Kinder für großartige Psychologen,

von denen wir viel lernen können,

z.B. von ihrer Fähigkeit, sich fl exibel

und schnell in sich verändernden und belastenden

Situationen zurecht zu fi nden,

eben noch zu spielen und gleich bei einem

Erwachsenen Trost zu suchen – oder selbst

Trost zu spenden.

Liebe und Trauer“ ist ein Buch, das sich

lohnt zum Einsteigen, Nachlesen und

Nachdenken.

Inge Schäfer-Panitz

6 auxilium wegbegleiter ·november 2007


Angebote für Trauernde

Trauergruppen

• für trauernde Menschen

bis ca. 45 Jahre

jeden 2. Donnerstag im Monat,

19.30 Uhr

• für ältere Menschen jeden

1. Donnerstag im Monat,

19.30 Uhr

Geschäftsstelle Hospizverein

Auxilium, Friedrichstraße 24,

65185 Wiesbaden

Anmeldung über Geschäftsstelle,

Telefon 0611-40 80 80

Trauer-Café

• ein offenes Treffen

für trauernde Menschen,

jeden 1. Freitag im Monat,

16–18 Uhr

Kirchenfenster Schwalbe 6,

Schwalbacher Straße 6,

65189 Wiesbaden

Ein Angebot vom Wiesbadener

Netzwerk für Trauerbegleitung

Ausbildung

zur/zum HospizhelferIn

Wir brauchen Sie.

Wir suchen Menschen, die nach

einer sinnvollen Aufgabe Ausschau

halten. Menschen mit

etwas Zeit, die Schwerkranke

und Sterbende auf ihrer letzten

Wegstrecke begleiten möchten

und eine große Bereicherung

dadurch erfahren können.

Oder haben Sie andere Fähigkeiten,

die Sie in unsere Vereinsarbeit

einbringen möchten?

Wenn Sie das suchen, haben wir

genau das Richtige für Sie und

freuen uns über Ihren Anruf.

Der neue Ausbildungsgang zur/

zum HospizhelferIn beginnt am

16. Januar 2008. Für nähere

Auskünfte und eine Anmeldung

wenden Sie sich bitte an unsere

Geschäftsstelle (Friedrichstr. 24,

65185 Wiesbaden, Telefon 0611-

40 80 80).

Ich begleite, um Menschen

wirklich zu begegnen …

Öffentliche Vortragsabende

jeweils letzter Montag im Monat um 19.30 Uhr

Roncalli-Haus, Pavillon, Friedrichstraße 24, 65185 Wiesbaden

26. November 2007 Selbstmord oder Freitod?!

Prof. Dr. F. Braus, Klinik für Psychiatrie, HSK, Wiesbaden

28. Januar 2008 Der Tod Jesu Christi – der Tod des Menschen:

Was hat beides miteinander zu tun?

Ursula Hausen, Priesterin d. Christengemeinschaft, Wiesbaden

25. Februar 2008 Juristische Hilfen für den Ernstfall :

Patientenverfügung, Vollmachten, Erbrecht

Jürgen Reinemer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Erbrecht,

Wiesbaden

8. März 2008 12. Wiesbadener Hospiztag

Thema und Referenten werden rechtzeitig veröffentlicht

24. April 2008 Bestattung in Frauenhänden.– bestatten Frauen anders?

Sabine Kistner, Klinikseelsorgerin/Bestatterin, Frankfurt/M.

Nikolette Schneider, Ökonomin/Bestatterin, Frankfurt/M.

26. Mai 2008 Frau Holle – Tod und Leben im Märchen

Dr. Jutta Failing, Kunsthistorikerin, Frankfurt/M.

30. Juni 2008 Tod mitten im Leben – alles zu Ende?

Mitten im Leben sind wir mit dem Tod umfangen

Eberhard Frisch, Klinikpfarrer/Notfallseelsorger, Wiesbaden

Juli: Sommerpause

Lange saßen sie dort und hatten es schwer. Aber sie hatten es gemeinsam schwer

und das war ein Trost. Leicht war es trotzdem nicht.

Astrid Lindgren

Neue Mitglieder seit November 2006

Bahr, Rüdiger, Oestrich-Winkel

Bischof, Kurt, Taunusstein

Börner, Hildegard, Wiesbaden

Brück, Irmgard, Hochheim

Büchs Tolle, Barbara, Wiesbaden

Caumanns, Mechthild, Wiesbaden

Colnot, Jutta, Wiesbaden

Colnot, Adelheid, Wiesbaden

Dahmen, Wilma, Wiesbaden

Danneil, Hanswalter, Wiesbaden

Danneil, Margot, Wiesbaden

Döbbelin Christine, Wiesbaden

Dost, Henry, Wiesbaden

Dost, Margot, Wiesbaden

Eckhardt, Volker, Mainz-Kastel

Fiedler, Bärbel, Wiesbaden

Freie Gesundheitshilfe e. V.,

Wiesbaden

Gallitz, Ingrid, Hohenstein

Gies, Gerlinde, Niedernhausen

Haddenhorst-Kallmann, Dr. Gerda,

Wiesbaden

Heidenfelder, Ecaterina, Wiesbaden

Herrmann, Sylviane, Taunusstein

Heß, Petra, Wiesbaden

Hoffinger, Ingeborg, Wiesbaden

Jelinek, Miroslav, Wiesbaden

Kendinibilir, Gabriele, Wiesbaden

Kiefer, Prof. Dr. Herbert, Wiesbaden

Krohmann, Gisela, Wiesbaden

Matzdorff, Friedrich, Bad Soden

Nikolai, Jutta, Oestrich-Winkel

Opper, Gudrun, Wiesbaden

Pawelczyk, Edeltraud, Wiesbaden

Peipers, Barbara, Wiesbaden

Peipers, Marianne, Wiesbaden

Petry Sighilda, Wiesbaden

Schäfer, Ellen, Wiesbaden

Schäfer, Gerd, Wiesbaden

Schiller, Erich, Wiesbaden

Schneider Ursula, Niedernhausen

Stegemann, Mechthild, Wiesbaden

Stemmler, Manfred Freddy,

Mainz-Kastel

Trost, Berthold, Taunusstein

Vogel, Erika, Wiesbaden

Wagner, Gudrun, Wiesbaden

Wießner, Norbert, Wiesbaden

Wodniok, Edith, Wiesbaden

auxilium wegbegleiter ·november 2007 7


Spenden

Danke für Ihre Mitgliedschaft,

danke für Ihre Spende,

danke für Ihre Hilfe!

Unser besonderer Dank gilt Familie Herberg. Sie

hat uns ein weiteres Auto für den ambulanten palliativpflegerischen

Dienst zur Verfügung gestellt.

Und wir danken der Q Kreativgesellschaft mbH

(www.q-gmbh.com) für die erneute Übernahme

der Gestaltung unserer Zeitschrift.

Der Hospizverein Wiesbaden Auxilium e.V. finanziert

sich, abgesehen von einem geringen Beitrag

der Krankenkassen zur Sterbebegleitung durch Ehrenamtliche

und zur Palliativberatung durch unsere

Palliativschwestern, ausschließlich aus den Mitgliederbeiträgen

und aus Ihren Spenden.

Ihre Hilfe und Unterstützung ist ganz wichtig für

uns. Sie können uns unterstützen, indem Sie z. B.

die monatlichen Betriebskosten für unsere Autos

übernehmen oder einen DVD-Player für unsere

Hospizhelferausbildung finanzieren.

Für alle Geldspenden, die z. T. recht großzügig ausfielen

und die wir hier nicht im Einzelnen aufzählen

können, sind wir Ihnen von Herzen dankbar.Nur

mit Ihrer Hilfe ist es uns möglich, die an uns gestellten

Aufgaben zu erfüllen.

Spendenkonto:

Wiesbadener Volksbank,

BLZ 510 900 00, Konto-Nr. 41 19 002

Wir wünschen Ihnen, dass der Segen und Frieden

des Weihnachtsfestes Sie erfüllen möge und das

Jahr 2008 für Sie viel Gutes bereithält.

Edeltraud Minor, Vorstandsmitglied

Impressum

Die perfekte Liebe

Weihnachtsversion von 1.Korinther 13

Wenn ich mein Haus perfekt mit Lichterketten,

Tannenzweigen und klirrenden Glöckchen

schmücke, aber keine Liebe für meine Familie

habe, bin ich nichts als eine Dekorateurin.

Wenn ich mich in der Küche abmühe, kiloweise Weihnachtsplätzchen

backe, Feinschmeckergerichte zubereite

und zum Essen einen wunderschön gedeckten Tisch

präsentiere, aber keine Liebe für meine Familie habe,

bin ich nichts als eine Köchin.

Wenn ich in der Suppenküche mithelfe, im Seniorenheim

Weihnachtslieder singe und all meinen Besitz an

die Wohlfahrt spende, aber keine Liebe für meine Familie

habe, nützt es mir gar nichts.

Wenn ich den Weihnachtsbaum mit glänzenden Engeln

und gehäkelten Eissternen schmücke, an tausend

Feiern teilnehme und im Chor Kantaten singe, aber

nicht Jesus Christus im Herzen habe, dann habe ich

nicht begriffen, worum es eigentlich geht.

Die Liebe unterbricht das Backen,

um das Kind zu umarmen.

Die Liebe lässt das Dekorieren und küsst den Ehemann.

Die Liebe ist freundlich trotz Eile und Stress.

Die Liebe beneidet andere nicht um ihr Haus mit ausgesuchtem

Weihnachtsporzellan und passenden Tischtüchern.

Die Liebe schreit die Kinder nicht an, sie sollen aus dem

Weg gehen, sondern ist dankbar, dass es sie gibt und sie

im Weg stehen können.

Die Liebe gibt nicht nur denen, die etwas zurückgeben

können, sondern beschenkt gerade die mit Freuden, die

das Geschenk nicht erwidern können.

Die Liebe erträgt, glaubt, hofft, erduldet.

Die Liebe hört niemals auf.

Videospiele werden zerbrechen, Perlenketten werden

verloren gehen, Golfschläger werden verrosten. Aber das

Geschenk der Liebe wird bleiben.

Verfasser unbekannt

Herausgeber: Ambulanter Hospizverein Wiesbaden AUXILIUM e.V. · V. i. S. d. P.: Vorstand · Redaktion: Edeltraud Minor, Ruth Reinhart-Vatter

Gestaltung: Q Kreativgesellschaft, Wiesbaden, www.q-home.de · Fotos: Frank Gebauer, Edeltraud Minor, Hans Vatter

8 auxilium wegbegleiter ·november 2007

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