PROJEKT Schüler STÄRKEN - Integration Eschweiler

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PROJEKT Schüler STÄRKEN - Integration Eschweiler

eine feste Bezugsperson gibt, die sich

auch ausschließlich und persönlich um

alle Mitglieder ihrer Klasse in einer familienähnlichen

Atmosphäre kümmert – Lernen

im Wohnzimmer.

So ist denn auch der Fächerkanon in dieser

gewünschten Schule auf wenige lebensnotwendige

Kernfächer beschränkt:

Mathematik und Deutsch sollten aus der

Sicht der Expertinnen und Experten erhalten

bleiben, Biologie, Chemie und Physik

zu einem Fach „Naturwissenschaften“ zusammengefasst

werden. Englisch als

Sprache erscheint wenig relevant, stattdessen

sollte das Lernen von Sprachen

gefördert werden, die Zuwanderergruppen

in Deutschland sprechen. Die

eigene Erfahrungs- und Lebenswelt, nicht

abstrakte Vorgaben geben die gewünschte

Fächerkombination in der idealen Schule

vor. Dazu gehören dann eben auch

„praktische“ Fächer mit einem hohen Verwertungsbezug:

Kochen, Handwerk,

Streitschlichtung, Sport. In der „familiären

Schule“ ist auch Platz für das gemeinsame

Lernen mit Tieren.

In dieses Konzept hinein passt das Bild

des idealen Lehrers und der idealen Lehrerin:

Er/sie muss jung und dynamisch

sein, möglichst sportlich und gut gekleidet.

Ganz besonders wichtig aber ist die Übernahme

einer Rolle, die aus der Sicht der

Expertinnen und Experten aktuell nicht mit

der eines Lehrers oder eine Lehrerin korrespondiert:

Es ist die Rolle des verständnisvollen

Realitätsvermittlers, der freundlich

und ruhig Lernstoff auch mehrfach

erklärt, und dem man im Unterricht anmerkt,

das er Freude am Umgang mit jungen

Menschen und dem Vermitteln von

Wissen hat und auch über sich und anderes

lachen kann.

Zweifelsohne: Würde man die Vorstellungen

von der idealen Schule und dem idealen

Lehrer/der idealen Lehrerin aus der

Sicht von Schülerinnen und Schülern aus

verschiedenen Epochen nebeneinander

stellen, so ließen sich sicherlich in allen

Projektionen Ähnlichkeiten finden. Auffällig

ist jedoch beim Bild dieser Expertinnen

und Experten der durchgängig starke Bezug

auf ein möglicherweise noch erlebtes,

in jedem Fall aber gewünschtes Familienbild,

das in das System Schule verlängert

wird: umsorgt sein, emotional gebunden

und sozial eingebunden sind die Charakteristika,

die Schule und Lehrer/innen aus

der Sicht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer

dieses Projektes bieten müssten,

wenn sie denn für als Lernort und Lehrende

akzeptiert werden sollen. Und dieser

Lernort Schule hat im Tagesablauf seinen

begrenzten Stellenwert und lässt Zeit-

Raum für andere Dinge.

Das im Intensivgespräch gezeigte Engagement

zur Vermittlung der Vorstellung

der Expertinnen und Experten über die

ideale Schule und Lehrer/in steht in auffallendem

Kontrast zur Erwartung an die eigene

Rolle in diesem Projekt: Die Jugendlichen

weisen diese Rolle des Experten/der

Expertin eher von sich, da sie die

Welt als von Erwachsenen dominiert

wahrnehmen, in denen sie eh kein Gehör

finden. „Experte/Expertin“ ist für sie eher

negativ besetzt, da sie diesen Begriff mit

der Erwartung konfrontieren, dass ihre

Vorschläge zur Umgestaltung des Systems

Schule nicht bzw. nicht mehr in ihrer

Schulzeit umgesetzt werden.

Andererseits: Das Interesse und der

Wunsch nach intensivem Dialog mit der

„anderen Seite“ überlagerte in diesem Projekt

ihre grundsätzliche Skepsis über die

Realisierungschancen ihrer Vorstellungen

von der idealen Schule.

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Gemeinsam oder allein …

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