München-Mini: Kriminelles München

volkagentur

Ein Stadtplan des Verbrechens
Die erfahrene Journalistin Katharina Rieger begibt sich mit ihrem Mini-Reiseführer auf die Spur des Verbrechens in München.

Stationen-Schnellcheck

Folter auf dem Marienplatz

Am Marienplatz 1 startet unsere

Tour ins kriminelle München. Im Mittelalter

wurden hier Menschen hingerichtet.

Als die Stadt wuchs und damit die

Zahl der Schaulustigen, verlegte man

das Spektakel auf die Schwanthalerhöhe.

Doch weiterhin wurden die Urteile

auf dem zentralen Marktplatz gesprochen.

Dazu läutete die Provisurglocke,

die »Arme-Sünder-Glocke«, heute ist

sie noch zu sehen am Alten Peter. Auch

die Familie Pämb hörte ihren Klang. Der

Prozess gegen die Landfahrer-Sippe im

Jahr 1600 ist eines der grausamsten

Verfahren, das je in München stattgefunden

hat.

Am 29. Juli warten tausende Schaulustige

darauf, die Eltern Anna und Paulus

Pämb, ihre Söhne Michel und Gumbrecht,

den erst zehnjährigen Hans und

zwei Komplizen zu sehen. Unter Folter

haben die Landfahrer Diebstähle, Raubüberfälle,

Hexerei, Brandstiftungen und

über 300 Morde gestanden! Dass es

keine Leichen gibt, stört niemanden.

Die Familie muss sterben.

Auf dem Marienplatz verliest ein Ratsknecht

die Geständnisse. Paulus Pämb

soll »allein hundert junge Kinder und

zehn alte Leut mit gräulicher Zauberei

erkrümmt und erbärmlich umgebracht«

haben. Vor der johlenden Menge foltert

der Scharfrichter die Männer, mit

Marienplatz

B 1706 dient der Marienplatz noch

einmal als Hinrichtungsort − für die

Teilnehmer des Oberländer

Bauernaufstands.

einer glühenden Zange reißt er ihnen

Stücke aus Armen und Oberkörpern.

Er schneidet Anna Pämb die Brüste ab,

sie werden ihren Söhnen und ihr selbst

»umbs Maul gerieben«.

In einem langen Zug durch das Karlstor

hinaus bringt man die Gefolterten zur

Richtstatt. Der Scharfrichter rädert die

Männer A , bricht ihnen Arme und

Beine, Paulus Pämb stößt er einen

Spieß in den Darm. Sechs Scheiterhaufen

lodern, alle verbrennen bei lebendigem

Leib. Bis auf den kleinen Hans – er

wird ein halbes Jahr später verbrannt.

Bis 1861 gibt es in München öffentliche

Hinrichtungen B , die letzte Richtstätte

befand sich in der Arnulfstraße, neben

dem heutigen Augustiner-Keller. Heute

ist dort der Businesskomplex »Art Deco

Palais«.

A Ein Räuber wird gerädert – mittelalterliche

Darstellung der Folter.

K.O. im Donisl

Am westlichen Marienplatz steht das

Wirtshaus »Donisl« 2 C – Schauplatz

des größten Wirtshausskandals Münchens.

Schon 1315 gibt es hier einen

Chronologie

des Münchner

Verbrechens

16. Juli 1315

München erhält das Recht,

»alle der Stadt oder dem Land

schäd lichen Leut’ zusammenzufangen,

nach München zu

führen und dieselben allda mit

denen Rechten zu überwinden«.

1370

Erste Polizeistundenverordnung.

Niemand

darf auf den Straßen sein

nach dem Läuten der

»Pirglocken«

(Bierglocken).


Gärtnerplatz Reichenbachstraße 27 Sendlinger Straße Stachus-Untergeschoss Justizpalast Maximiliansplatz 5 Ettstraße Kardinal-Faulhaber-Straße Filmcasino am Odeonsplatz Arcisstraße 48 Stiglmaierplatz

Der Mord an Parkhaus-Millionärin

Charlotte Böhringer

Wenige Schritte vom Isartor entfernt,

Parkgarage Böhringer in der Baaderstraße

6 11 . In der obersten Etage des

Betonbaus stirbt am 15. Mai 2006 Charlotte

Böhringer L . Die Witwe (59) wird

gegen 19 Uhr im Eingangsberich ihres

Penthouses erschlagen.

24 Mal schlägt ihr der Täter einen teils

scharfkantigen Gegenstand auf den

Kopf. Die Mordwaffe wird nie gefunden.

Es gibt keine Einbruchspuren, nichts

fehlt. Schnell gerät ihr Neffe Benedikt

T. (33) unter Verdacht. Er studiert Jura,

soll mit erfolgreich abgelegtem Exa men

Geschäftsführer im Parkhaus werden.

Doch im ersten Staatsexamen fällt er

durch. Benedikt soll gefürchtet

haben, dass ihn seine

Tante enterbt. Es gibt

Streit.

Rund ein Jahr

nach dem Mord

wird Benedikt T.

angeklagt. In dem

Indizien-Prozess

spielen zwei

500-Euro-Scheine

aus der Geldbörse von

Benedikt T. eine große

Rolle. Eine Blutspur der

Tante befindet sich an den Banknoten.

Am Blazer der Getöteten findet

sich eine Genspur des Neffen. Wichtig ist

auch die Frage, ob Linkshänder Benedikt

die Schläge so hat ausführen können:

Die letzten fünf waren mit der rechten

Hand erfolgt.

Am 12. August 2008 spricht das Münchner

Schwurgericht den Neffen schuldig:

Er hat aus Heimtücke, Kaltblütigkeit

und Habgier seine Tante ermordet. Lebenslang

mit besonderer Schwere der

Schuld. Frühestens nach 22 Jahren kann

Benedikt T. vorzeitig entlassen werden.

Bei der Urteils-Verkündung schreit er:

»Das ist falsch, jeder Satz ist falsch.« Der

8. April 1972

Sperrbezirk Innenstadt

– auch in den Häusern

verbietet die Stadt die

Prostitution.

5. September 1972

Terroristen überfallen

die israelische Mannschaft

im Olympischen

Dorf. 15 Menschen sterben

bei der missglückten

Befreiungsaktion.

L Charlotte Böhringer (†2006)

Bundesgerichtshof hat das Urteil mittlerweile

bestätigt. Seine Familie kämpft für

eine Neuauflage des Mordprozesses.

Die brutale Pantherbande

Der Gärtnerplatz 12 im Jahr 1949 ist

eine Ruinenlandschaft, hier kommt es zu

einer schicksalhaften Begegnung: Hugo

Werner ist Chef der Pantherbande. Alois

Lechart ist Banden-Aussteiger und sollte

längst bei der Fremdenlegion in Frankreich

sein. Der 17-jährige Hugo wird

misstrauisch, als er Alois am Gärtnerplatz

sieht – er fürchtet, dass seine Räuberbande

auffliegt: das Todesurteil für

Alois! Die Bande lockt ihn in die nördlichen

Isar auen und erschießt ihn. Es ist

nicht der erste Mord, schon 1946 befahl

Hugo Werner seiner Truppe nach einem

misslungenen Überfall, den Neuling Albrecht

Sticht zu töten. Genickschuss! Sie

raubten die Leiche aus, versteckten sie

in einem Schwabinger Keller. Aus einer

Bubenbande waren Mörder geworden.

Sie träumen vom großen Geld und

überfallen 1951 das Hauptzollamt. Sie

erbeuten kein Geld, aber Hugo Werner

verletzt einen Kassenboten schwer mit

einem Schuss in den Unterleib. Wenig

später erschießen sie bei einem Überfall

den Harlachinger Gärtnermeister

Matthias Augustin (70). Es ist der Onkel

von Bandenmitglied Erich R., der einen

Selbstmordversuch überlebt und dann

bei der Polizei auspackt. Drei Morde,

zwei versuchte Morde: Acht Mitglieder

der Panther müssen sich vor Gericht

22. August 1975

Serienkiller Horst David

ermordet die Münchner

Prostituierte Waltraud

Frank. Eines von sieben

bekannten Opfern.

M Münchner Nachtleben der 50er Jahre.

verantworten. Der Maurergeselle Hugo

Werner wird mit 21 Jahren im Mai 1953

zu lebenslanger Haft verurteilt. 1972

begnadigt ihn Ministerpräsident Alfons

Goppel.

Reichenbachstraße:

Brand im Altenheim der

jüdischen Gemeinde

Schreckliche Szenen spielen sich am

13. Februar 1970 in der Reichenbachstraße

27 13 ab: Das Altenheim der

jüdischen Gemeinde Münchens brennt,

die Feuerwehr rettet aus der Flammenhölle

40 Menschen N . Doch sieben

sterben. Die meisten sind Überlebende

des Holocaust, sie ersticken, verbrennen,

einer stirbt beim verzweifelten

Sprung in die Tiefe.

Das Feuer ist mit Benzin im Treppenhaus

N Brand im Altenheim der jüdischen Gemeinde

14. Dezember 1976

Der Industriellen-Sohn

Richard Oetker wird in

Weihenstephan entführt,

kommt zwei Tage

später gegen 21 Millionen

Mark Lösegeld frei.

26. September 1980

Eine Bombe detoniert

am Haupteingang des

Oktoberfests. 13 Menschen

sterben, über 200

werden verletzt.

gelegt worden. Drei Tage zuvor haben

drei Palästinenser versucht, eine El-Al-

Maschine auf dem Flughafen in Riem

Ein Laden voller Krimis

Ob Klassiker, Hörbücher, fremdsprachige

Originale oder signierte Bücher – in der

Buchhandlung Glatteis in der Corneliusstraße

31 finden Krimi-Fans alles für

ihre Leidenschaft. Lesungen gibt’s auch,

wie etwa mit dem Münchner Top-Autor

Friedrich Ani.

zu entführen, dabei ist ein Israeli ums

Leben gekommen. Die Vermutung: Den

Brand müssen palästinensische Terroristen

oder Neonazis gelegt haben. Bis

heute ist die Tat nicht geklärt. Mittlerweile

steht ein anderer Verdacht im

Raum: Linksradikale um den Anarchisten

Dieter Kunzelmann könnten die Tat verübt

haben. Der TV-

Journalist Georg M.

Hafner untersuchte

die These, wonach

die linksextreme

Gruppe »Tupamaros

München« an der Tat

beteiligt sein könnte.

Die Münchner

Staatsanwaltschaft

prüfte 2012, ob sie

Nachermittlungen

einleiten soll. Doch

der Verdacht ließ

sich nicht erhärten.

4. Oktober 1981

Am Ammersee finden

Polizeibeamte die Leiche

von Ursula Hermann

(10). Sie war entführt

und in einer Kiste gefangen

gehalten worden.

Sündige Meile

Sendlinger Straße

Zurück Richtung Marienplatz, in die

Sendlinger Straße 14 : Mit den schicken

Shopping-Passagen »Hofstatt«

wird sie endgültig zur Straße der Besserverdiener.

Nach dem Krieg ist sie

ein billiger Straßenstrich. München-

Kolumnist Sigi Sommer schreibt: »Die

Sendlinger Straße galt neben der Müllerstraße

schon immer als eine ›Rue de

Galopp‹ der Handelsklasse C.« Schlägereien

zwischen Zuhältern sind normal.

Die Beschwerden nehmen zu, 1956

entscheidet der Stadtrat: München

richtet zum ersten Mal einen Sperrbezirk

ein, verbietet die öffentliche Prostitution

in der Altstadt. Dass sich das

Geschäft dann in Wohnungen verlagert

Ja mei!

Stachus: Geldübergabe an

den Oetker-Entführer

Eine Stahltür im Stachus-Untergeschoss

15 neben der »Central Apotheke«:

Am 16. Dezember 1976 öffnet sie

sich, eine Männerhand schnappt einen

Alu-Koffer, die Tür schließt sich wieder.

21 Millionen Mark Lösegeld verschwinden

im Untergrund.

Dieter Zlof (34) O hat den Industriellen-Sohn

Richard Oetker (25) entführt

und die Lösegeld-Übergabe minutiös

geplant. Zlof war mal Handwerker am

Stachus, er kennt alle Gänge. Mit einem

geklauten Schlüssel hatte er seinen

Fluchtweg vorbereitet, die Schließmechanismen

der Türen mit Mark-Stücken

blockiert – die Polizei findet die Münzen,

kann Zlofs Weg so rekonstruieren.

Zwei Tage zuvor hat Zlof Oetker am Parkplatz

der Uni in Weihenstephan entführt.

Grausam: Er pfercht Oetker (1,94 Meter)

in eine 1,45 Meter kurze Kiste, die

mit einem Akustomat ausgestattet ist.

Jeder Laut löst einen Stromschlag aus.

Es ist Zlof selbst, der den Mechanismus

versehentlich auslöst – durch diese

starken Stromschläge brechen Oetker

23. Mai 1984

Großrazzia im Wirthaus

»Donisl« am Marienplatz.

Systematisch

waren die Gäste mit

K.O.-Tropfen betäubt

und ausgeraubt worden.

9. Juli 1986

Der Siemens-Manager

Karl Heinz Beckurts

stirbt bei einem

Bomben anschlag der

RAF auf sein Auto bei

Straßlach.

O Zlof erläutert vor Gericht die

Funktionsweise der Kiste, in die er

Oetker gesperrt hatte.

beide Oberschenkelhalsknochen und

acht Lendenwirbel. Nach der Lösegeldübergabe

findet die Familie den Schwerverletzten

in einem Opel.

Zwei Jahre später schnappt die Polizei

Dieter Zlof. Am 9. Juni 1980 wird er

zu 15 Jahren Haft verurteilt. Nach der

Entlassung versucht er in London, über

12 Millionen Mark des Lösegelds umzutauschen.

Das macht zwei Jahre Haft

obendrauf. Ein anderer Teil der Scheine

ist in einem Waldversteck verrottet. Zlof

lebt heute in München. Richard Oetker

äußert sich erstmals 2010 in der Presse

zur Entführung: Er kenne »keine Racheoder

Hass-Gefühle«.

Justizpalast:

Der Prozess um Vera Brühne

Am Stachus findet sich Münchens

prächtige Bühne für Krimis der Realität:

Im Justizpalast 16 drängen sich am

4. Juni 1962 die Schaulustigen, der Richter

spricht Vera Brühne P und Johann

Ferbach des Mordes schuldig. Lebenslanges

Zuchthaus. Brühne ruft: »Ich bin

doch, bitte, unschuldig, ich kann nicht

mehr!« Sie bricht zusammen.

Der Fall Brühne ist das große Justizdrama

der Nachkriegszeit. Am 20. April

1960 wird die Polizei nach Pöcking am

14. Juli 1990

Mord an dem Volksschauspieler

Walter

Sedlmayr in seiner

Schwabinger Wohnung

in der Elisa beth straße.

Starnberger See gerufen. In einer Villa

liegen die Leichen des Arztes Dr. Otto

Praun und seiner Haushälterin Elfriede

Kloo – die zeitweise auch seine Geliebte

war. Sie haben Schusswunden,

liegen in Blutlachen. Die Kripo glaubt:

Erweiterter Suizid, die beiden werden

bestattet. Doch als das Testament auftaucht,

ist Prauns Sohn fassungslos.

Eine Ex-Freundin seines Vaters, Vera

Brühne, soll in Spanien eine Finca im

Millionenwert erben. Der Sohn lässt die

Leichen exhumieren. Gerichtsmediziner

Wolfgang Spann beschreibt in seinen

Memoiren, wie er die Leiche Prauns vor

sich hat: »Bei der Leichenöffnung fanden

sich – entgegen dem Ergebnis der

bisherigen polizeilichen Ermittlungen

– neben einer weit fortgeschrittenen

Leichenfäulnis mit teilweiser Skelettierung

des Schädels zwei Schädeldurchschüsse.«

Zwei Schüsse Selbstmord

scheidet aus.

P Vera Brühne 1962 beim Prozess im

Justizpalast

11. Dezember 1991

Die Sprachstudentin

Kristin Harder wird im

Nachtcafé zum letzten

Mal lebend gesehen. Ihr

Mörder ist bis heute

nicht gefasst.

20. August 1991

Auf dem Campingplatz

Thalkirchen wird die

Irin Sinead O‘Neall (20)

erstochen. 12 Jahre

später fasst die Polizei

den Mörder (38) in

Bremerhaven.

tet. Der Hauptbelastungszeuge ist der

notorische Betrüger Siegfried Schramm.

Ihm soll Ferbach im Gefängnis die Tat

gestanden haben. Für das Publikum ist

klar: Die unnahbare Brühne muss Ferbach

zum Mord angestiftet haben. Von

sexueller Hörigkeit ist die Rede, das

prüde Deutschland erschaudert.

Stopp in der Justizkantine

Der Münchner Justizpalast hat diesen

Namen verdient: Friedrich von

Thiersch ist der Architekt des neobarocken

Pracht-Gebäudes vom Ende

des 19. Jahrhunderts. In der Kantine im

Erd geschoss gibt’s günstiges Essen und

hungrige Staatsanwälte zu beobachten.

Sie ist nach einer kurzen Taschenkontrolle

am Eingang frei zugänglich.

Vor Gericht tauchen Widersprüche

auf. Ungeklärt ist bis heute, woher

der Wohlstand von Dr. Praun stammte.

Brühne und Ferbach werden verurteilt.

Das Verfahren wurde nicht wieder

aufgenommen. 1979 begnadigt Ministerpräsident

Franz Josef Strauß Vera

Brühne. Sie lebt wieder in der Kaulbachstraße

und stirbt im April 2001 mit

91 Jahren. Bis zuletzt beteuert sie ihre

Unschuld. Restlos geklärt ist der Fall bis

heute nicht.

UNGELöST!

Der Mord an Kristin Harder

Feiern bis zum Morgen: Der In-Club

»Pacha« am Maximiliansplatz 5 17

ist ein Hotspot der Party-Wütigen. Der

Club war in den 90ern als »Nachtcafé«

beliebter Treffpunkt. Hier wird die

Sprachstudentin Kristin Harder (28) Q

am 11. Dezember 1991 um 1.30 Uhr

zum letzten Mal gesehen. Sie hatte Prüfungen

erfolgreich bestanden, feierte

erst in Neuhausen im »Frundsberg«,

zog mit einer Kneipenbekanntschaft

weiter ins »Nachtcafé«. Dort trennten

sich ihre Wege, Kristin wollte ins

»Schumann’s«. Unklar ist, ob sie dort

verabredet war.

11. April 1995

Am Stiglmaierplatz

verschwindet Sonja

Engelbrecht (19)

spurlos.

Q Mit diesem Foto fahndete die Polizei

nach Kristin Harder

11. April 1992: In einem Wald bei Neubiberg

taucht ein Müllsack auf. Darin das

Bein einer Frau. Abgetrennt vom Rumpf.

Zersägt am Knie. Kristin Harders Bein.

14. August 1992: Im Isarrechen bei

Landshut verfängt sich ein Unterarm.

Kristin Harders Unterarm. Die Leiche

war tiefgekühlt worden. Jemand hatte

sie fachgerecht zerteilt. Ein Arzt Ein

Metzger Bis heute ist der Mörder von

Kristin Harder auf freiem Fuß.

Ettstraße:

Die Zentrale der Ermittler

Im Polizeipräsidium an der Ettstraße

18 R laufen die Fäden der Ermittler

R Das Polizeipräsidium an der Ettstraße

18. Mai 1996

Ermordung des

griechischen Übersetzers

Michael T. – die

Täter verstecken die

Leiche im Kino

»Filmcasino«.

14. November 1998

»Mehmet« macht

Schlagzeilen: Der erst

14-jährige Serienstraftäter

wird in die Türkei

abgeschoben.

Es kommt zum Prozess wegen Mordes

aus Habgier. Die Angeklagten: Vera

Brühne (52), die mit ihrer Tochter in einer

Eigentumswohnung in der Kaulbachstraße

lebt, und der Montageschlosser

Johann Ferbach (49), der zeitweise ihr

Gefährte war – 1944 hatte er Brühne

bei einem Luftangriff das Leben geretzusammen,

1913 bezieht die Polizei das

imposante Gebäude zwischen Michaelskirche

und Dom. Auf dem Areal hatte sich

zuvor das Augustinerkloster befunden.

Vielen Münchnern ist das Präsidium als

»Löwengrube« bekannt, an dieser rückwärtigen

Adresse befindet sich die Hof-

Einfahrt. Der eigentliche Haupteingang

an der Ettstraße wird vergleichsweise

wenig genutzt. Architekt Theodor Fischer

(1862 – 1938) zeichnet verantwortlich für

den Bau. Im Büro des Polizeipräsidenten

befinden sich noch heute die original

Holzvertäfelung und die dazu passenden

Jugendstilmöbel. Als realistische Kulisse

ist die Ettstraße in zahlreichen Film- und

TV-Projekten verewigt. Natürlich in der

grandiosen Serie »Löwengrube«, bei

»Derrick« und »München 7« sowieso.

Sehr pittoresk machen sich dabei der

altertümliche Paternoster und die weitläufigen

Flure. Tabu für Dreharbeiten

sind die Haftzellen. Wer das Präsidium

freiwillig besuchen möchte, sollte sich

das kleine Polizei-Museum ansehen. Hier

gibt es wichtige Stücke aus der Münchner

Kriminalgeschichte. Etwa die Masken

von Deutschlands erster Geiselnahme.

Aber auch Uniformen aller Epochen sind

zu sehen. Mit Anmeldung bei einer Führung

zu besichtigen. Verein Münchner

Blaulicht, Tel: 089 / 2910 2010.

14. Januar 2005

Der Modemacher

Rudolph Moshammer

wird in seinem Haus in

Grünwald erdrosselt.

S Kurt Eisner

Promenadeplatz:

Der Mord an Kurt Eisner

An der rechten Ecke des Luxushotels

Bayerischer Hof, in der Kardinal-

Faulhaber-Straße 19 , erinnert eine

Gedenkplatte an den Mord an Kurt Eisner

S . Am 21. Februar 1919 tötet hier Anton

Graf Arco auf Valley (22) den bayerischen

Ministerpräsidenten Kurt Eisner (51) mit

zwei Schüssen. Die Regierung des Pazifisten

Eisner hatte nur rund 100 Tage Bestand.

Eisner war Mitbegründer der Unabhängigen

Sozial demokratischen Partei Deutschlands

(USPD) und hatte die Novemberrevolution

in Bayern angeführt. Sein historischer

Ausruf am 8. November 1919 im

Mathäserbräu: »Die Dynastie Wittelsbach

ist abgesetzt! Bayern ist fortan ein Freistaat!«

Eisner führte das Fauenwahlrecht

und den Achtstundentag ein. Am Morgen

seines Todestages wollte Eisner zum

Landtag, seinen Rücktritt bekannt geben.

Die USPD hatte bei den Landtagswahlen

nur 2,5 Prozent erhalten. Eisner war

Jude, sein Mörder Arco-Valley getrieben

von Antisemitismus, Nationalismus und

Sozia listenhass. Er gehörte zum Umfeld

der rechtsradikalen Thule-Gesellschaft.

Der Mörder Arco-Valley wurde bereits

1924 wieder aus der Haft entlassen.

15. Mai 2006

Die Parkhaus-Millionärin

Charlotte Böhringer

wird in ihrem Penthouse

in der Baaderstraße

getötet. Ihr Neffe wird

als Mörder verurteilt.

6. Oktober 2009

Am Isarhochufer, hinter

dem Landtag, finden

Spaziergänger ein totes

Baby. Bis heute ist

unklar, wer die Mutter

des Mädchens ist.

Filmcasino:

Eine Leiche im Kino

Es gibt viele Wege, eine Leiche zu beseitigen.

Ausgerechnet in einem Kino verstecken

Gauner ihr Opfer im Jahr 1996.

Der üble Gestank im Filmcasino am

Odeons platz 20 U sorgt für viele

Beschwerden, bis der Kinobetreiber die

Polizei ruft. In der Dachverschalung vor

der Leinwand findet sich die Leiche des

griechischen Übersetzers Michael T.

(53). Der Mann ist am 18. Mai 1996

entführt und erdrosselt worden. Die

Entführer lassen seine Familie im Glauben,

der Mann lebe noch. Man hält die

Familie irrtümlich für vermögend, will

700.000 Mark von ihr erpressen. Die

beiden Täter werden verhaftet. Einer ist

Putzmann im Kino gewesen.

Maxvorstadt: Tatort des

Serienkillers Horst David

Abstecher in die Maxvorstadt, in die

Arcisstraße 48 21 . Im 4. Stock des

Appartementhauses wohnt 1975 die

Edelprostituierte Fatima Grossart, eine

Marrokanerin mit dunklem Teint und

strahlendem Lächeln. Die 23-Jährige

ist verheiratet mit dem Musik-Manager

Klaus Grossart, der Touren des Pantomimen

Marcel Marceau organisiert.

Fatima schafft an, sie inseriert in

Münchner Zeitungen. Am 24. August

1975 ist Horst David T ihr letzter Kunde.

Er geht als siebenfacher Frauenmörder

in die Kriminalgeschichte ein.

Der verheiratete Malermeister aus

Regensburg ist für ein Wochenende in

T Horst David

24. März 2011

In Krailling findet eine

Frau ihre ermordeten

Töchter (8 und 11 Jahre

alt). Der Täter: der

verschuldete Onkel der

Kinder.

München, wohnt in einem Bahnhofshotel.

David ruft bei Huren an. Erst bei

Waltraud Frank in der Winzererstraße.

Er fährt hin, hat Sex mit ihr und erwürgt

die 24-Jährige. Zwei Tage später ist Fatima

Grossart dran. Mit ihr hat er keinen

Sex, sondern erwürgt sie gleich.

19 Jahre später wird David gefasst. Im

Mai 1994 wendet sich die Regensburger

Polizei an die Münchner Mordkommission:

Die 85-jährige Mathilde Steindl

ist in Regensburg erwürgt worden. Im

selben Haus wohnt der Verdächtige

Horst David. Sein Fingerabdruck wird

abgeglichen im neuen System AFIS –

Automatisiertes Fingerabdruck-Identifizierungssystem.

Volltreffer!

David hatte 1975 einen Fingerabdruck

hinterlassen: an einem Cola-Glas in der

Wohnung von Waltraud Frank. Horst David

wird in München verhört. Er gesteht

die Morde an den beiden Münchner

Prostituierten. Und einen weiteren: Die

Rentnerin Martha Lorenz (67) tötete er

1983 in Regensburg.

Beim weiteren Verhör kommt eine beispiellose

Mordserie an den Tag. David

ist der Killer der 59-jährigen Barbara

Ernst, der 70-jährigen Maria Bergmann

und der 84-jährigen Kunigunde Thoss.

Kein Mediziner hatte am natürlichen Tod

der Frauen gezweifelt. Schließlich gibt

David den Mord an seiner Nachbarin

Mathilde Steindl zu.

Experten glauben, dass die Prostituierten-Morde

1975 in München nicht Davids

erste Morde waren. Einen Satz sagt der

Täter im Verhör zu Mordermittler Josef

Wilfling immer wieder: »Mehr waren es

nicht, das müssen Sie mir glauben.«

Davids Motiv kann im Prozess 1995 nicht

schlüssig geklärt werden. Im Vordergrund

stehen Geldstreitigkeiten. Doch

ein Psychologe nimmt an, dass David die

Frauen stellvertretend für seine Mutter

getötet hat. Er war von ihr als Kind aus-

28. Mai 2013

Mord an der Isar: Ein Unbekannter

ersticht den

Radfahrer Domenico L.

(31) in der Erhardtstr.

Zunächst hatte der Fremde

Domenicos Freundin

ins Gesicht gespuckt.

8. November 2013

In Ramersdorf und im

Westend werden Gedenktafeln

für die Opfer des

rechtsextremen NSU enthüllt.

Am 29. 8. 2001 haben

die Rechtsterroristen

Habil Kilic (38) in

gesetzt worden. Andererseits war er 20

Jahre lang verheiratet und seinen beiden

Söhnen ein guter Vater. Bis zur Festnahme

hatte er eine Geliebte. Sie beschreibt

ihn als fürsorglich und liebevoll.

Horst David sitzt seine lebenslange

Freiheitsstrafe in Straubing ab. Frühestens

2015 kann er ein Gnadengesuch

stellen. Dann ist er 77 Jahre alt.

UNGELöST!

Wo ist Sonja Engelbrecht

Tatort Stiglmaierplatz 22 : Am 11. April

1995 um 2.30 Uhr kommen die 19-jährige

Sonja Engelbrecht U und ihr Schulfreund

Robert an den Platz. Sie waren

erst in der Kneipe »Vollmond« in der

Schleißheimer Straße, danach in einer

Privatwohnung in der Schellingstraße.

Jetzt will Sonja ihre Schwester anrufen,

damit sie abgeholt wird. Die Tram

kommt, Robert steigt ein und sieht Sonja

noch in der Telefonzelle. Seither ist die

hübsche, blonde Frau verschwunden. Die

bayerische Polizei fahndet weiter nach

ihr. Die Fachoberschülerin trug eine

schwarze Lederhose, hohe schwarze

Schnürstiefel, eine schwarze Lederjacke,

einen violetten Pullover, silberne Ringe

und Halskette und ein Halstuch. Sie

machte ein Praktikum in einer Anwaltskanzlei.

Manchmal trampte sie. Ist sie zu

ihrem Mörder ins Auto gestiegen

U Das offizielle Fahndungsfoto von

Sonja Engelbrecht

seinem Gemüseladen in

der Bad-Schachener-Str.

erschossen. Theodoros

Boulgarides (41) töteten

sie am 15. 6. 2005 in seinem

Schlüsseldienst in

der Trappentreustr.

Die Tour durchs kriminelle München

21

Englischer

Garten

Schellingstraße

Dachauer Straße

Ludwigstraße

Dachauer Straße

22

9

Möhlstraße

8

Prinzregentenstraße

Residenz

19

17 18

Ismaninger Straße

5

4

15

Stachus

16

Bildnachweis

Karte: Volk Verlag, unter Verwendung von OpenStreetMap

A Luzerner Bilderchronik, 1513

B

Hinrichtung des

Johann Georg Kittler, 1706

C

Volk Verlag

D, H, M, P, R, SZ-Photo

Trogenstraße

Die Spurensuche geht weiter!

Mehr Minis rund um Themen zu

München & Bayern – beispielsweise

zum Mystischen München – finden

Sie unter www.volkverlag.de.

6

Maximilianstraße

7

Paul-Heyse-Straße

Seeriederstraße

14

Metzstraße

3 11

Sendlinger-

Tor-Platz

Maximiliananlagen

Hofgarten

Theresienwiese

E, L, N, O, T dpa

F Die Gartenlaube, 1873

G

Sven Petersen

I

Stadtarchiv München

J, S Urheber unbekannt

U

wikipedia Rufus46

12 13

10

Zweibrückenstraße

Hauptbahnhof

20 Odeonsplatz

1

2 Marienplatz

Rosenheimer

Platz

Rosenheimer Straße

Impressum: Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

© 2014 by Volk Verlag; Streitfeldstraße 19; 81673 München; Tel.: 089/420 79 69 80; Alle Rechte, ein schließlich

derjenigen des auszugsweisen Abdrucks sowie der photomechanischen Wiedergabe, vorbehalten.

ISBN 978-3-86222-090-8

7,95 Euro

www.volkverlag.de

250 m

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München

Ein Stadtplan des Verbrechens

Zahlen und Fakten

Heute ist München stolz auf den Titel, »sicherste Großstadt« in Deutschland zu sein.

Was das genau bedeutet, verdeutlichen die sieben Punkte aus dem Sicherheitsreport

des Polizeipräsidiums München. Dabei wird die Zeitspanne der zehn Jahre von 2001 bis

2011 betrachtet.

Immer weniger Straftaten

2001 vermeldete die Polizei für die Landeshauptstadt

noch 116.902 Straftaten.

Zehn Jahre später ist die Zahl gesunken

auf 102.358 Delikte. Die Aufklärungsquote

hingegen stieg von 57,7 auf 60,4 Prozent.

Das Interessante daran: Gleichzeitig hat

sich die Einwohnerzahl von 1,2 Millionen

auf rund 1,35 Millionen erhöht.

Rotlicht-Rekord

Im Jahr 2011 sind 2.881 Prostituierte in

München verzeichnet, so viele wie noch

nie zuvor. Davon sind 699 Deutsche, die

meisten Huren kommen aus Rumänien.

132 männliche Prostituierte sind registriert.

Allerdings muss man davon ausgehen,

dass die tatsächliche Zahl der Prostituierten

deutlich höher liegt. Viele arbeiten

in der Illegalität, nicht selten unter

Zwang. Im März 2012 wurde der Fall einer

Afrikanerin (17) bekannt, die wochenlang

in einem Haus wie eine Sexsklavin gehalten

wurde. 2010 war eine Chinesin in einem

Haus bei München eineinhalb Jahre

lang festgehalten und zur Prostitution

gezwungen worden. Die Täter sind bislang

nicht gefasst.

Die Provinz ist gefährlicher

München ist die Insel der Seligen, was

die Kriminalität betrifft. In deutlich kleineren

Städten wie Wolfsburg, Leverkusen

oder Bottrop lebt sich’s gefährlicher!

Morde werden seltener

Wenige Jahre nach dem Krieg, 1951,

verzeichnete die Münchner Polizei 22

Morde. 2001 ist diese Zahl gesunken auf

14 vollendete Tötungsdelikte. Und 2011

sind es zwei vollendete Morde. Es handelt

sich um den grausamen Doppelmord an

zwei Schwestern in Krailling. Die Kinder

wurden niedergemetzelt vom eigenen

Onkel, der sich in Geldnöten befand.

Weniger Vergewaltigungen

Im Jahr 2011 gab es 143 Vergewaltigungen

in der Stadt München, ein Viertel der

Taten sind Beziehungstaten (also durch

den Partner oder Ex-Partner). Im Jahr

2001 waren es noch 249 Taten. Was sich

immer wieder zeigt: Sogenannte Angstzonen

wie Bahnhöfe, Züge, Parks oder Tiefgaragen

sind sicher. Im Jahr 2011 wurden

nur drei Delikte an solchen Orten registriert

Aus der Wiesn-Wache

• 17 Kameras überwachen das Festgelände

mittlerweile, so kann die Polizei Taschendiebe

schnappen, die Betrunkenen

am Bavaria-Hang die Börsen aus

den Hosentaschen ziehen.

• 75 Leute haben sich so heftig daneben

benommen, dass sie die Wiesn 2011 erst

gar nicht betreten durften. Das ist extrem

wenig, wenn man die Gesamtzahl

von 6,9 Millionen Besuchern betrachtet.

Vielleicht liegt’s am Hopfen im Wiesnbier,

er soll ja sehr stark beruhigen.

4.000 Strafsachen im Jahr

Mörder, Betrüger, Schläger: Wenn sie in

München oder dem Landkreis erwischt

werden, wird ihnen der Prozess gemacht

im Strafjustizzentrum an der Nymphenburger

Straße 14. Dort befinden sich die

Strafkammern des Landgerichts München

I. In einer Großstadt haben sie viel

zu tun: Binnen eines Jahres gehen dort

etwa 4.000 Straf- und Strafvollstreckungssachen

ein. Bundesweit bekannt ist Saal

101, er ist mit 250 Sitzplätzen der größte

der Stadt: Das Oberlandesgericht macht

dort den NSU-Angeklagten den Prozess.

Die Mörder von Walter Sedlmayr und

Rudolph Moshammer standen hier vor

Gericht. Und Tennis-Star Boris Becker

musste sich wegen Steuerhinterziehung

verantworten. Die Tage des Straf justizzentrums

sind gezählt: Etwa im Jahr

2020 soll ein Neubau am Leonrodplatz

bezogen werden.

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