München-Mini: Italienisches München

volkagentur

Auf Spurensuche in der nördlichsten Stadt Italiens Katja Sebald führt den Leser zu unbekannten, kunsthistorisch bedeutenden oder einfach nur stimmunsgvollen italienischen Orten in München.

Stadtmuseum Pizzeria »Grano« Lieb

drale 1493, ein Jahr vor der Weihe, noch

ohne Turmbekrönung. 37 Jahre später

entschied man sich für die damals »neumodischen«

Turmhelme, die Halspachs

Schüler und Nachfolger Lukas Rottaler

anstelle der ursprünglich geplanten gotischen

Spitztürme vorschlug. Lange dachte

man, dass die Zwiebeltürme einem

Vorbild im »Welschland«, also in Italien,

folgten, etwa der venezianischen Kirche

Madonna dell’Orto. Heute geht man davon

aus, dass der Baumeister von einer

Abbildung des Felsendoms in Jerusalem

inspiriert worden war, den er fälschlicherweise

für den Tempel Salomons hielt.

Direkt über der Mariensäule befindet

sich auch das berühmte Glockenspiel

im Münchner Rathaus 5 C . Und

wer hätte wohl gedacht, dass sich unter

den tanzenden Schäfflern ein kleiner

Italiener versteckt Der bayerische

Kasperl trägt hier nicht zufällig das

Kostüm des Arlecchino aus der Commedia

dell’Arte.

Wie der Arlecchino

über die Alpen kam

Ihren Kasperl haben die Münchner einem

Italiener zu verdanken: Franz Graf von

Pocci E ging als der »Kasperlgraf« in

die Geschichte ein. Der Spross eines italienischen

Adelsgeschlechts aus Viterbo

bei Rom wuchs am Promenadeplatz in

München auf. Sein Vater Fabricius diente

schon am Hof von Kurfürst Karl Theodor,

der junge Pocci trat 1830 als Kammerjunker

in die Dienste Ludwigs I. Fast fünfzig

Jahre lang war Pocci Beamter am bayerischen

Hof: 1847 wurde er Hofmusikintendant,

1863 unter Maximilian II.

Oberzeremonienmeister und 1864 nach

dem Regierungsantritt Ludwigs II.

Oberstkämmerer. Von dem jungen Pocci

ist überliefert, dass er sich gerne vom

häuslichen Studierplatz davonstahl, um

auf dem nahe gelegenen Dultplatz dem

Treiben der Schausteller zuzusehen. Hier

erlebte er den derben Dultkasper, der

alles andere als ein Freund der Kinder

war. Vielmehr ging es den Marktleuten

darum, Erwachsene mit dem ungezügelt

deftigen kleinen Kerl zu unterhalten.

Poccis Beschäftigung mit der Figur des

Kasperls kann bereits für das Jahr 1837

belegt werden, als der lustige »Kasperl

Larifari« mit der dicken Knollennase, dem

prächtigen grünen Wams und der eleganten

gelben Hose erstmals in seinem

druckgrafischen Werk auftaucht, ab 1843

auch in kleinen Theaterstücken D . Poccis

»Kasperl Larifari« ist wie sein Urahn,

der Arlecchino aus der Commedia

dell’Arte, ein gewiefter Spaßmacher mit

Sprachwitz und wahrhaft italienischem

Temperament. Er war bis weit ins 20.

Jahrhundert hinein der Liebling der

Münchner Kinder.

C Der Arlecchino im Glockenspiel

D Kasperl Larifari von Franz Graf von Pocci (r.)

E

1557

Albrecht V. holt Orlando

di Lasso als Hofmusikus

nach München.

1558

Albrecht V. gründet die

Wittelsbacher Bibliothek,

aus deren Sammlung

die »Bayerische

Staatsbi bliothek«

hervorgeht.

1563

Albrecht V. lässt seine

bedeutende Kunstsammlung

in einem »neu

erpauten marstal«

unterbringen.


Palais Leuchtenberg

Bayerische Staatsbibliothek

TIPP: Die viel lebendigere Fortsetzung

der Ludwigstraße nach dem

Siegestor heißt Leopoldstraße. Sie hat

zwar viel von ihrem einstigen Szene-

Charme eingebüßt, erinnert aber an einem

lauen Sommerabend immer noch

an einen italienischen Corso und eignet

sich prächtig, um mit einem geliehenen

Cabrio auf und ab zu fahren. Aus der

großen Ära der Leopoldstraße stammt

auch die Pizzeria »Bei Mario« 22 in

der Adalbertstraße: Mario Gargiulo, der

sie 1966 eröffnete, nimmt für sich in

Anspruch »l’uomo che portò la pizza a

Monaco« zu sein – der Mann, der die

Pizza nach München brachte.

ür eine südamerikanische Republik

estellt worden war. Als es aber nach

inem Umsturz diese Republik nicht

ehr gab, wurde es als Schnäppchen

erkauft.

in italienischer Franzose –

as Palais Leuchtenberg

ugène de Beauharnais war nicht nur

er Stiefsohn Napoleons und der

chwiegersohn des ersten bayerischen

önigs, er war auch von 1805 bis 1814

izekönig von Italien. Ab 1814 lebte er

n München. 1817 wurde er von Max I.

oseph zum Fürsten von Eichstätt und

erzog von Leuchtenberg erhoben – und

ar damit der ideale erste »Kunde« für

ie an der Ludwigstraße geplanten

delspaläste. Ludwig jedoch war wenig

egeistert von der Vorstellung, dass

usgerechnet »der Franzose« sich als

rster an seiner italienischen Straße

iederlassen wollte. Leo von Klenze

ber entwarf für ihn eines der stattlichsen

Häuser Münchens mit über 250

immern. Die Fassade des an drei Seien

freistehenden Gebäudes rund um

inen Innenhof orientiert sich stark am

alazzo Farnese, dem Paradestück

chlechthin der römischen Renaissancerchitektur.

Das Palais Leuchtenberg

23 U wurde nach massiven Kriegszerstörungen

in den sechziger Jahren rekonstruiert,

im Original erhalten hat sich

nur der Balkon an der Südseite. Heute

ist hier das Bayerische Finanzministerium

untergebracht. Ludwig I. aber

muss ausgerechnet vor dem Haus seines

ungeliebten Schwagers für immer

und ewig in Bronze gegossen ausharren.

Eine venezianische Treppe

für den König – die Bayerische

Staatsbibliothek

Der erste Bau, den Friedrich von Gärtner

für die Ludwigstraße plante, war die

Bayerische Staatsbibliothek 24 V .

An diesem monumentalen Bau, der die

Dimensionen des bisher Gebauten

sprengte, lässt sich bereits der von Gärtner

entwickelte »Rundbogenstil« ablesen,

für den er sich von der Palastarchitektur

in Siena, Genua wie auch Florenz

inspirieren ließ. Vorbild für die Fassade

der Staatsbibliothek aber war der römische

Palazzo Ruspoli. Die Funktionalität

des Gebäudes musste sich Gärtners

Idealen und seinem rasterartigen

Grundrissschema unterordnen, was bald

für heftige Kritik sorgte.

Wir werfen nur einen kurzen Blick ins

Innere der »Stabi«, der mit fast 8 Millionen

Bänden die neben Berlin größte Bibliothek

Deutschlands, die natürlich auch

einen längeren Besuch wert wäre. Sie ist

hervorgegangen aus der 1558 von Albrecht

V. gegründeten Bibliothek, die

entweder über dem Antiquarium oder

aber in der erwähnten Kunstkammer

über dem Marstall untergebracht war.

Uns interessiert die – einst dem König

allein vorbehaltene – monumentale

Haupttreppe, für die Gärtner sich von

der Treppe im Dogenpalast in Venedig,

der Scala dei Giganti, inspirieren ließ.

Die von Ludwig Schwanthaler geschaffenen

»Giganten« an ihrem oberen Ende

sind der Bibliotheksgründer Albrecht V.

und der Bibliotheksbauer Ludwig I.

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U Das Palais Leuchtenberg

V Rundbögen und Treppe in der Bayerischen

Staatsbibliothek

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