Jurahaus

volkagentur

Stille Schönheit im Altmühltal
Der Bildband präsentiert die traditionellen Hausbauten im Altmühltal in ästhetischen und einfühlsamen Fotografien

Alle Baukunst bezweckt

eine Einwirkung auf den Geist,

nicht nur einen Schutz für den Körper.

John Ruskin

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Typisch Jurahaus

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VON DER HÖHLE ZUM JURAHAUS

Zu den ältesten Gebäuden mit

Legschieferdach gehört die Burg

Dollnstein. Das Dach wurde

im Rahmen der umfassenden Sanierung

der Burg in den Jahren

2004 bis 2009 erneuert.

Die Höhlen in den Gesteinsformationen des Altmühltals boten bereits in der

Alt- und Mittelsteinzeit Jägern und Sammlern Schutz. Ab ca. 5000 vor Chr.

bauten sich die Menschen massive Holzhäuser im Tal. Holz blieb für lange Zeit

das bevorzugte Material für Wohnhäuser, Stein wurde vor allem zum Bau von

Kirchen und Burgen verwendet. Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg setzte sich

Stein als Baumaterial auch für Wohnbauten durch.

Die typischen Jurahäuser entstanden allerdings nur an Orten in der Nähe

eines Steinbruchs. Hinweg zum Steinbruch, Aufladen der Platten einzeln von

Hand und der Rückweg mussten mit einem Ochsen- oder Pferdefuhrwerk an

nur einem Tag zu schaffen sein.

Wann genau das erste Jurahaus entstand, ist nicht bekannt. Bei Ausgrabungen

in Eichstätt wurde nachgewiesen, dass dort gegen Ende des 12. Jahrhunderts ein

Haus mit einem Dach aus Plattenkalk stand. Doch bereits die Römer sollen zum

Decken von Dächern den Solnhofener Stein verwendet haben.

Anfang des 18. Jahrhunderts waren die sog. Legschieferdächer (vgl. Seite 71)

üblich, 1719 legte sogar eine Verordnung fest, dass die Baugenehmigung für

Neubauten nur erteilt wird, wenn diese mit Legschieferplatten gedeckt werden.

Später kamen die Platten allerdings aus der Mode; in den Kriegs- und Nachkriegsjahren

verdrängten industriell gefertigte Ziegeldächer die alten Steindächer.

Nach dem Krieg wurden viele der typischen Jurahäuser abgerissen, andere

waren dem Verfall preisgegeben. Zum Glück gab es in den letzten Jahren ein

Umdenken, gab es Menschen, die sich für den Erhalt der Häuser einsetzten. Sie

haben dafür gesorgt, dass noch heute neben fast verfallenen Gebäuden aufwändig

sanierte Schmuckstücke zu finden sind.

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