Gesund wohnen mit Farbe Gesund wohnen mit Farbe - Caparol Farben AG

caparol.ch

Gesund wohnen mit Farbe Gesund wohnen mit Farbe - Caparol Farben AG

*

Ausgabe 01| 2007

technikforum

Farben | Lacke | Bautenschutz

Fokus

Damit Flecken

nicht durchschlagen

Aktuell

Spachteln auf

hohem Niveau

Trend

Wo die Rendite noch

stimmt – Dekorative

Gestaltungstechniken

erleben Renaissance

Im Brennpunkt

Gesund wohnen

mit Farbe


Fokus

Gesund wohnen

mit Farbe

Technikforum 03

Worauf Handwerker achten sollten – Von Horst Rusam

Der Mensch verbringt einen Grossteil

seiner Zeit in der eigenen Wohnung oder

anderen Innenräumen. Daher kommt

dem Raumklima besondere Bedeutung

zu. Denn wie wohl wir uns in einem

Raum tatsächlich fühlen, hängt stark

von der Temperatur, Luftfeuchtigkeit,

Luft bewegung, Licht, Farbe und nicht

zuletzt vom Schadstoffgehalt der

Innenraumluft ab.

Viele Menschen leiden unter einer Allergie

und dürfen mit bestimmten Stoffen nicht in

Kontakt geraten. Jedenfalls kann der Handwerker

zumindest bei der Verringerung des

Schadstoffgehaltes durch Verwendung schadstoffminimierter

Innenfarben einen wich -

tigen Beitrag leisten.

Die Luft als unser wichtigstes „Lebensmittel“

wird von vielen Schadstoffen unterschiedlicher

Herkunft belastet. Hierzu gehören

die Aussenluft (z. B. verkehrsbedingte oder

gewerbliche Schadstoffe), Baustoffe und

Geräte (Baumaterial, Möbel, Elektrogeräte,

Drucker) sowie der Mensch und seine

Aktivitäten (Stoffwechsel, Rauchen, Heizen,

Reinigungsmittel).

Die am häufigsten vorkommenden

Schadstoffe in Innenräumen sind Lösemittel

und Weichmacher aus Beschichtungsstoffen,

Klebstoffen und Fussbodenbelägen, Form -

aldehyd aus Spanplatten, Möbeln, Fuss -

bodenbelägen, Klebstoffen und Beschichtungsstoffen

sowie Schimmelpilze in Feuchträumen.

Lindan, PCP (Pentachlorphenol)

und PCB (Polychloriertes Biphenyl), die in

>


04 Farben und Putze

Die Frankfurter Malerfirma Kautz + Hinkel sorgte für die Neugestaltung des Isenburg-Zentrums. Dabei wurden alle Decken und Wände in den öffentlichen Zonen

des Shopping-Centers mit der emissionsminimierten und lösemittelfreien Innenfarbe Indeko-plus behandelt.

früheren Jahren in Holzschutzmitteln bzw.

Fugendichtstoffen verwendet wurden, sind

in der Schweiz inzwischen verboten,

können jedoch noch als „Altlast“ ebenfalls

vorhanden sein.

Emissionen aus

Beschichtungsstoffen

Grundsätzlich lässt sich die Belastung durch

flüchtige organische Verbindungen in drei

Kategorien einteilen: Der Gesamtanteil an

flüchtigen Stoffen hat Einfluss auf die Umweltbelastung

und die bodennahe Ozonschicht.

Flüchtige Anteile, die innerhalb von

24 Stunden nach der Verarbeitung verdunsten,

stellen eine Belastung für den Verarbeiter

dar. Der Profiverarbeiter kann in der

Regel durch entsprechende Lüftung oder

sonstige persönliche Schutzmassnahmen

damit umgehen. Nach der Trocknung der

Beschichtung werden keine Schadstoffe

mehr in die Raumluft abgegeben und die

Raumbenutzer somit nicht geschädigt.

Flüchtige, hochsiedende Anteile mit einer

Verdunstungszeit von mehr als 24 Stunden

stellen für den Raumbenutzer möglicherweise

eine gesundheitliche Belastung dar.

Denn auch nach der Trocknung der Beschichtung

werden Schadstoffe an die Raumluft

abgegeben.

Beschichtungsstoffe für die Innenanwendung

sollten daher schadstoffminimiert

und möglichst frei von hochsiedenden

Stoffen (Weichmachern) sein. Die Farben -

industrie bietet entsprechende Produkte mit

verschiedenen Bindemitteln an.

Dispersionsfarben werden vom Handwerk

mit Abstand am häufigsten angewendet.

Ausser dem Bindemittel Dispersion bestehen

sie aus mineralischen Pigmenten und

Füllstoffen sowie Additiven, wobei letztere

unter anderem circa ein bis zwei Prozent

Lösemittel als Filmbildehilfsmittel sowie

Konservierungsstoffe zur Vermeidung von

Bakterienbefall in dem wässrigen Produkt

enthalten.

Seit einigen Jahren werden Dispersionsinnenfarben

als LF = lösemittelfrei und ELF

= emissionsminimiert und lösemittelfreie

Qualitäten angeboten, bei denen während

der Trocknung praktisch nur noch Wasser an

die Raumluft abgegeben wird.

LF-Innenfarben dürfen nach der Definition

maximal 0,1 Prozent, ELF-Innenfarben

maximal 0,01 Prozent Lösemittel enthalten.

Eine Gesundheitsgefährdung ist bei diesen

geringen Lösemittelanteilen nicht zu erwarten.

Die Dispersionsfarben enthalten einen

geringen Anteil (ca. 0,2 bis 0,4 Prozent)

Konservierungsstoffe, die in sehr seltenen

Fällen bei allergisch reagierenden Personen

eine Reaktion hervorrufen können. Inzwischen

gibt es im Markt mit Caparol Sensitiv

eine Dispersionsinnenfarbe, die nach einem

speziellen Verfahren ohne Zusatz an Konservierungsmittel

hergestellt wird und auch

für Allergiker geeignet ist.

Silikatinnenfarben enthalten als Bindemittel

Wasserglas, bis zu fünf Prozent

Dispersion, mineralische Pigmente und

Füllstoffe sowie Additive. Lösemittel- und

Konservierungsmittel sind bei Silikatfarben

in der Regel nicht enthalten.


Schimmelschutzfarben für den Innenbereich

sind meist speziell rezeptierte Dispersionsfarben

mit einem Biozidzusatz zur Vermeidung

von Schimmelpilzbefall. Dieser fungizide

Wirkstoff sollte so beschaffen sein, dass

er nicht aus dem getrockneten Anstrich in

die Raumluft ausdunstet. In hochwertigen

Schimmelschutzfarben werden Wirkstoffe

verwendet, die für Mensch und Tier unschädlich

sind. Schimmelschutzfarben mit

fungiziden Wirkstoffen sollten die Anforderungen

des Ausschusses zur gesundheitlichen

Bewertung von Bauprodukten (AgBB)

erfüllen. In diesen Bewertungen wird gut -

achterlich bestätigt, dass aus dem getrockne -

ten Anstrich keine gesundheits gefähr denden

Emissionen an die Raumluft abgegeben

werden.

Umwelt- und gesundheitsbewusste

Hand werker verwenden emissionsminimierte

Innenfarben, die wenig oder keine

Kompakt

Neben zahlreichen Schadstoffen, die die Luft

in Innenräumen belasten, macht immer mehr

Menschen zunehmend auch der Elektrosmog

zu schaffen.

Mobilfunk, Mikrowelle, schnurloses Telefon:

Die Zahl der Störquellen, die Wohlbefinden

und Biorhythmus negativ beeinflussen,

nimmt zu. All diese Hilfsmittel produzieren

Schadstoffe an die Raumluft abgeben. In sensiblen

Bereichen sollten die ELF-Produkte

verwendet werden, für die entsprechende

Gutachten, zum Beispiel TÜV-überwacht,

vorhanden sind.

Fazit

Für Räume, in denen sich allergisch rea -

gierende Menschen oder immunschwache

Personen aufhalten, sollten ausschliesslich

Innenfarben verwendet werden, die auf

allergene Bestandteile geprüft und für Allergiker

geeignet sind. Ein entsprechendes

Gutachten für solche Produkte ist zwingend

erforderlich. Die Hersteller solcher hochwertigen

Produkte geben bei Bedarf dem

Hautarzt bzw. Allergologen Auskunft über

die verwendeten Rohstoffe.

Bei der Anwendung von Schimmelschutzfarben

ist es empfehlenswert, nur Pro-

Elektrosmog die „Rote Karte“ zeigen –

Farbe schützt vor Strahlungsfeldern und sorgt für

ein gesundes Raumklima

nämlich hoch- oder niedrigfrequente Strahlungsfelder,

welche die Bewohner in Wohnund

Arbeitsräumen wie ein Netz umgeben:

den sogenannten Elektrosmog.

Für viele Menschen stellt diese Belastung

des Raumklimas ein ernst zu nehmendes

Gesundheitsrisiko dar. Doch was lässt

sich dagegen tun? Radiowecker, PC und

Co. entfernen? Nicht einmal solche Radikalmassnahmen

würden das Problem lösen. Da

sind immer noch die Kabel, die in der Wand

verlaufen – und die hochfrequente Strahlung

der Mobiltelefone, die Wände oft mühelos

durchdringen.

Vor beidem kann man sich nun mit

einem innovativen neuen Wandanstrich

schützen: Die Wellnessfarbe „ElectroShield“

dämpft hochfrequente elektromagnetische

Strahlung, die durch Aussen- oder

Zwischen wände eindringt, nachweislich

um bis zu 99,9 Prozent. Elektrische Wechselfelder,

wie sie von Installationen, Stromleitungen

in Wänden und elektrischen

Geräten aus gehen, werden sogar bis zu

99,999 Prozent reduziert. <

Technikforum 05

Nikotinablagerungen und unangenehme Gerüche an

Wänden und Decken werden durch die neue Innenfarbe

CapaSan reduziert.

dukte zu verwenden, bei denen sich die eingesetzten

Wirkstoffe nachweislich nicht aus

dem Anstrich in die Raumluft verflüchtigen.

Auch hier ist es ratsam, vom Hersteller ein

entsprechendes Gutachten anzufordern.

Gerade in unserer heutigen sehr kritischen

Zeit macht es Sinn, sich als Verarbeiter ein

Image als umwelt- und gesundheitsbewusster

Betrieb aufzubauen. Das entsprechende Kundenklientel

ist zumindest im Privatbereich

oder auch in Behörden vorhanden. Die dafür

notwendigen hochwertigen Produkte stehen

dem Handwerker zur Verfügung – zumal in

jüngster Zeit die Entwicklung von Farben forciert

wurde, die neben den unbestritten positiven

Eigenschaften der bisherigen Farbengenerationen

einen aktiven Zusatznutzen für

den Verbraucher mit sich bringen (sogenannte

smart paints). So ist es der Caparol-Forschung

gelungen, den photokatalytischen

Effekt in der Dispersions-Innenfarbe CapaSan

umzusetzen und somit die Vorteile dieser

Technologie einem weiten Anwenderkreis zu

erschliessen. Die photokatalytische Wirkung

sorgt für eine gesundes Raumklima, indem

zum Beispiel Nikotin oder andere unangenehme

Gerüche reduziert werden. Auch zum

Schutz gegen Elektrosmog kann das Fachhandwerk

mit ElectroShield nun eine Lösung

anbieten (mehr im Kasten auf dieser Seite

sowie unter www.wellness-farben.ch).


06 Dekorative Innenwandtechniken

Einzigartige Innenwandoberflächen gelingen mit der neuen ArteTwin-Technik.


Fokus

Wo die Rendite

noch stimmt

Das Spektrum an dekorativen und

damit kreativen Gestaltungstechniken

ist riesig. Es reicht von relativ leicht

auszuführenden Wickel- und Wischtechniken

über Imitationsmalerei bis hin

zu handwerklich anspruchsvollen

Spachtel- und Glättetechiken. Bislang

besitzen letztere einen geringen Markt -

anteil. Die Kosten für den Endverbraucher

sowie hohe Ansprüche an die

handwerklichen Fähigkeiten des Ver -

arbeiters gehören zu den Gründen

hierfür.

Eine neue Generation von Werkstoffen eröffnet

Glättetechniken nun jedoch grosse

Marktchancen. Denn ihre Oberflächen-Optik

entsteht durch die Kombination unterschiedlicher

Werkstoffe bzw. Farbtöne, die

gleichzeitig appliziert werden. Dadurch entfallen

mehrschichtige, zeitaufwendige Spachtelaufträge

– ein entscheidender Grund für

die bisher geringe Marktbedeutung.

Hinzu kommt, dass handwerkliche Gestaltungstechniken

derzeit eine Renaissance

erleben. Sie entsprechen dem Zeitgeist

nach individuellem Innenraumdesign.

Caparol-Fachleute im Bereich dekorativer

Innenwandtechniken haben es sich daher

zur Aufgabe gemacht, trendgemässe Produkte

und Techniken zu entwickeln, die

zudem eine hohe Wertschöpfung erreichen.

Ein innovatives Beispiel hierfür ist die

Spachteltechnik ArteTwin. Dank des modernen

Werkstoffs und optimiertem Arbeitsverfahren

bleibt sie nicht mehr nur

einem bestimmten Kundenklientel vorbehalten.

Dabei hat sich gezeigt, dass Interessierte

auch bereit sind, einen angemessenen

Preis zu zahlen – bei attraktiven Margen

für das Handwerk.

Technikforum

Dekorative Gestaltungstechniken erleben eine Renaissance –

Von Thomas Hummert

Was ist neu an ArteTwin?

07

Bei der ArteTwin-Technik werden unterschiedliche

Farbtöne oder Materialien gleichzeitig

verarbeitet. Die Werkstoffe enthalten

weisse Partikel, die Oberflächen einen besonderen

Charakter verleihen. Mit ArteTwin

können individuelle und vielschichtige Wirkungen

erzielt werden. Wie keine andere Gestaltungstechnik

lebt die Technik von der

„Handschrift“ des Verarbeiters. Dabei stellen

die Resultate keine Imitation von Glättetechniken

dar. Oberflächen, wie man sie vom

klassischen italienischen „Marmorino“ kennt,

sind mit ArteTwin nicht zu erreichen.

Dennoch ist die Optik extravagant.

Die Systembausteine

ArteTwin ist kein Produkt, sondern eine Technik,

die aus aufeinander abgestimmten Komponenten

besteht:

> ArteTwin Basic

> ArteTwin Effect (in Gold oder Silber)

> ArteTwin Spezialkelle

Das Basismaterial ist verarbeitungsfertig,

weiss pigmentiert, matt und deckend. Die

weissen Partikel geben ArteTwin die typische

Optik. In der Technik steckt eine grosse Gestaltungsvielfalt,

da mehr als 120 Farbtöne

über ColorExpress ausgemischt werden können

und zusätzlich viele Kombinationen mit

Arte Twin Effect möglich sind.

Der zweite Systembaustein heisst Arte -

Twin Effect. Ihn kennzeichnen der halbtrans -

parente Charakter und die typischen weissen

Partikel. Zusätzlich enthält der Werkstoff sogenannte

Iriodine, auch Perlglanzpigmente

genannt. Sie erzeugen einen edlen, zeitgemässen

Metalleffekt in Gold oder Silber.

>


08 Dekorative Innenwandtechniken

Werkstoffe nebeneinander auf der ArteTwin-Spezial -

kelle anordnen.

Je nach Verarbeitung sind Glanz- bzw. Matt-

Glanz-Effekte möglich, da das Material

seidenglänzend auftrocknet.

ArteTwin Basic und Effect sind „butterweich“

zu verarbeiten. Deshalb können nicht

alle Spachtelwerkzeuge verwendet werden.

Da im Markt keine geeigneten Kellen existie -

rten, entwickelten Fachleuten mit der Arte -

Twin-Spezialkelle ein besonderes Werkzeug.

Es besteht komplett aus Kunststoff. Die Arbeitsflächen

sind sehr weich, angeschliffen und abgerundet,

um Kellenschläge zu vermeiden.

Wie bei allen Beschichtungen ist der

Untergrund und dessen Vorbereitung entscheidend

für den Erfolg. Dass dabei die

einschlägigen Regelwerke wie die SIA-Normen

und GTK-Merkblättern zu beachten

sind, ist selbstverständlich. Gerade bei hochwertigen

Techniken muss besonderes Augenmerk

auf die Rissüberbrückung gelegt

Kompakt

ArteTwin: Broschüre und

Verarbeitungsanleitung

In einer neuen Broschüre informiert Caparol

über die innovative, patentierte ArteTwin-

Technik. Sie ermöglicht eindrucksvolle Raumstimmungen:

Harmonisch Ton-in-Ton, glanzvoll

in Silber, strahlend in Gold: ArteTwin bietet

eine lebendige Oberfläche mit dreidimensionaler

Struktur.

Die Broschüre gibt einen Überblick über

die verschiedenen Werkstoffe, die gleichzeitig

mit einem Werkzeug verarbeitet werden. So

Werkstoffe im Fleckverfahren, in geringem Abstand

und mit Richtungswechseln aufspachteln.

werden, da derartige Flächen nicht einfach

ausgebessert werden können. Risse werden

vom Endkunden in solchen Flächen zumeist

nicht akzeptiert.

Anders als bei den klassischen Glättetechniken

muss der Untergrund für ArteTwin

nicht völlig glatt hergestellt werden. Er sollte

kontrastfrei und gleichmässig strukturiert

sein. So müssen leicht wellige Gipsputze nicht

bis zur vollständigen Glätte gespachtelt werden.

Bei Gipskarton ist die Qualitätsstufe 3 erforderlich.

Als Zwischenbeschichtung haben

sich die Innenfarbe Indeko-plus sowie Caparol

Putzgrund (Farbton weiss) bewährt. Hier

ist darauf zu achten, dass Rollspuren vermieden

werden. Je nach vorhandenem Untergrund

ist eine entsprechende Grundbeschichtung

erforderlich. Auf Untergründen

wie Gipsputz oder Gipskarton empfiehlt sich

Caparol Haftgrund als Grundierung.

entstehen unterschiedlichste Wirkungen, von

optisch zurückhaltend bis aussergewöhnlich

effektvoll, je nach Farbwahl und Ausführung.

Die Arbeitsanleitung zeigt auf, wie Innenoberflächen

aussergewöhnlich gestaltet werden

können. Ob imposantes Foyer oder edler

Wohnbereich, moderne Gastronomie oder

extravagante Arbeitswelt – die Möglichkeiten

sind vielfältig.

Erhältlich sind die Informationsmittel

bei Caparol Farben AG, Marketing, Brunnen -

strasse 3, 8604 Volketswil, Fax 043 399 42 21,

info@caparol.ch, www.caparol.ch.

Fleckspachtelung ineinander verziehen.

Die richtige Verarbeitung

Zunächst wird ArteTwin Basic in zwei unterschiedlichen

Farbtönen und/oder in Kombination

mit ArteTwin Effect nebeneinander

auf die Kelle gelegt. Dabei sollte der Farbton,

der die Grundstimmung der Fläche bildet,

zu zwei Drittel und der Akzentton zu einem

Drittel aufgelegt werden. Es ist darauf zu

achten, dass auf einer Fläche oder in einem

Raum immer dieselbe Kombination angewendet

wird.

Beim Auftragen der Werkstoffe ist es

wichtig, dass mit wenig Druck und dem richtigen

Kellenwinkel gearbeitet wird. Sonst gelangt

zu wenig Material auf die Fläche. Damit

sich die Werkstoffe bzw. Farbtöne nicht

schon auf der Kelle miteinander vermischen,

wird in der Flecktechnik (in geringem Abstand)

gespachtelt. Wichtig hierbei sind Richtungswechsel,

die individuell ausgeführt werden.

Auf diese Weise können zwei bis drei

Quadratmeter vorgelegt werden. Danach

wird das aufgebrachte Material ineinander

verzogen. Dank einer solchen Arbeitstechnik

können mehrere Personen an einer Fläche

arbeiten, ohne dass die verschiedenen

„Handschriften“ sichtbar werden.

Nach Ablüftzeit von ca. 20 bis 30 Minuten

oder nach Trocknung der ersten

Schicht wird der Spachtelgang wiederholt.

Die Flecktechnik mit anschliessendem Verziehen

ist elementarer Bestandteil. Ergebnis

ist eine mehrfarbige und gleichzeitig harmonische

Oberfläche. Die Wirkung von

Arte Twin kann individuell gesteuert werden.

So lassen sich mit einer zweiten Spachtelung

ruhige, zurückhaltende Oberflächen erzielen.

Werden zusätzliche Metall- oder Perlglanzeffekte

gewünscht, kann mit ArteTwin


Nach der Fleckspachtelung wird in der gewünschten

Optik nachgespachtelt.

Effect komplett oder teilweise überspachtelt

werden. Charakteristisch für die ArteTwin-

Technik sind leichte Verarbeitungsstrukturen.

Daher lassen sich keine völlig glatten

Oberflächen gestalten.

Wird die empfohlene Arbeitstechnik nicht eingehalten,

stören sichelähnliche Materialspuren die Optik.

Oberflächeneigenschaften

Im normal beanspruchten Wohnbereich

muss ArteTwin nicht zusätzlich geschützt

werden. Die Oberflächen lassen sich mit

einem feuchten Schwamm ohne viel Aufwand

reinigen. Ein Überzug mit ArteTwin

Effect erhöht die Reinigungsfähigkeit. Hier

ist jedoch zu beachten, dass sich die Optik

ändert. Wird eine erhöhte Reinigungsfähigkeit

gefordert (wie z. B. in Fluren und Treppenhäusern),

kann ArteTwin zusätzlich mit

Deco-Lasur matt oder glänzend geschützt

werden. Hierzu wird das Material unverdünnt

mit der ArteTwin-Spezialkelle dünn

aufgespachtelt, wobei die glänzende Variante

Farbtöne anfeuert und um zwei Stufen

dunkler wirken lässt. <

Die Business-Lounge besticht durch ihre goldene Wandbeschichtung, die Clusterdecke sorgt für

zusätzlichen Glanz.

Wie kaum ein zweites Bauwerk beein -

druckt die Münchener Allianz Arena durch

ihre „Tag-“ und „Nacht-Architektur“: als

ruhiger, silbrig-neutraler Körper am Tag

und als strahlende Kulisse bei Nacht.

Grund hierfür ist die „transluzente“ Hülle

aus rautenförmigen ETFE-Folienkissen, die

das Stadion durch Veränderung der Beleuchtung

zu einem einzigen Leuchtkörper

macht. Diese Oberfläche verwandelt den

massiven Stahl- und Betonbau in ein leichtes,

transparentes Gebilde. Die luftige Materialität

der Membrankonstruktion bildet

die Voraussetzung für die Beleuchtung.

Um die imposante Farbigkeit der Hülle

durch Reflexion auf die massiven Gebäudeteile

zu übertragen und zugleich den

Lichtfarben rot, blau und weiss eine neutrale

Farbigkeit entgegenzusetzen, sah das

Farb- und Materialkonzept der Architekten

eine silberne, metallisch wirkende Materialität

vor. Da dies aus Kostengründen nicht

zum Beispiel in Edelstahl zu realisieren war,

mussten neue Wege beschritten werden.

Die von Caparol eigens hierfür entwickelte

metallisch wirkende Spezialbeschichtung

ermöglichte die Gestaltungswünsche der

Architekten und berücksich tigte zugleich

die finanziellen Zwänge des Investors.

„Vor zwei Jahren fragte das Münchner

Büro von Herzog & de Meuron bei uns an,

ob es möglich sei, die Oberfläche eines mit

Effektlack beschichteten Betons zu einem

vertretbaren Preis auch für grossformatige

Anwendung auf mineralischen Untergründen

zu realisieren“, berichtet Reinhard

Franz vom Planer- und Objektservice der

Caparol-Firmengruppe. Ausgehend von

einem bereits existierenden Basismaterial

Technikforum

Stadion der Superlative

Die Allianz Arena be eindruckt auch durch glanzvoll

gestaltete Innenräume

09

Aufgrund der Aussenhülle ändert die Allianz

Arena je nach Licht und Wetter ihre Anmutung.

(Foto: Rainer Viertlböck/Artur/Caparol)

wurde dieses daraufhin so lange weiterentwickelt

und modifiziert, bis es den Wünschen

und Anforderungen der Architekten

entsprach.

In den Innenräumen sah das Farbkonzept

den Einsatz von ebenfalls metallisch

wirkenden Gold- und Bronze-Farbtönen

vor. Auch diese Anforderungen konnten mit

der entwickelten Produktqualität erfüllt

werden. Nach einem umfangreichen Bemusterungsverfahren

entschieden sich

Bauherren, Generalunternehmer und Architekten

für den Einsatz der Caparol-Werkstoffe.

Sie verleihen Innenräumen wie Welcome-Zonen,

Business-Club und verschiedenen

VIP-Logen ein edles Ambiente und

geben den Wandflächen auf der Esplanade

ihr unverwechselbares Erscheinungsbild.

Mittlerweile ist aus der zunächst eigens

für die Allianz Arena entwickelten Silber -

beschichtung über Variationen in Gold

und Bronze eine ganze Kollektion in klassischen

aber auch trendigen Metallic-Farbtönen

geworden.


10 Farben und Putze

Fokus:

Damit Flecken

nicht durchschlagen

Kationische Isolierbeschichtungen bilden den neuesten Stand der Technik –

Von Alfred Lohmann

Wasserflecken, Nikotinablagerungen,

Holzinhaltsstoffe oder auch Rotwein -

flecken bilden Problemstellungen,

die bei Renovierungen immer wieder

auftreten. Bei der Überarbeitung mit

wäss rigen Beschichtungen schlagen

diese Inhaltsstoffe durch.

Zur anstrichtechnischen Lösung der Problematik

nutzen Handwerker zumeist lösemittelhaltige

Beschichtungen. Die enthaltenen

Lösemittel lösen die Verfärbungen nicht an,

und die lösemittelhaltigen Beschichtungen

sperren den Untergrund vor nachfolgendem

Wasser zum Beispiel aus Dispersionsfarbanstrichen

ab. Das Wasser kann die löslichen

Verfärbungen dadurch nicht erreichen. Sie

„ruhen“ sozusagen im Untergrund. Nachteilig

wirken sich jedoch der deutliche Geruch

der eingesetzten Lösemittel, die hohe

Spannung der Beschichtung bei der Trock -

nung und die sehr geringe Wasserdampfdurchlässigkeit

aus (Abbildung 1).

Gesundheitsbewusstsein

wächst stetig

Die Kunden des Handwerks sind hinsichtlich

etwaiger Gesundheitsbelastungen deutlich

sensibler geworden. Gerade die stark

riechenden schnelltrocknenden Nitrosperrgründe

wurden immer weniger akzeptiert.

Eine deutliche Verbesserung brachte die Entwicklung

von aromatenfreien Isolierfarben

wie Dupa-inn No.1. Diese Entwicklung stellte

eine wesentliche Verbesserung in der

flächigen Verarbeitung dar. Nicht nur der

Kunde, sondern auch der Verarbeiter schätzt

die deutlich verringerte Geruchsbelästigung.

Zudem zeichnet sich Dupa-inn No. 1 durch

eine gute Diffusionsfähigkeit gegenüber Was-

>

Leichte Nikotinverschmutzungen sind oft erst nach Entfernen von Bildern oder Uhren erkennbar. Für ein

ordentliches Anstrichergebnis müssen diese Flächen mit einer absperrenden Beschichtung behandelt werden.

Stärkere Nikotinverschmutzungen sollten zuvor durch Abwaschen mittels Wasser unter Zusatz von fett -

lösendem Haushaltsreiniger entfernt werden.

Abbildung 1

Lösemittelhaltige Absperrfarbe:

Die Verfärbungen (braun) werden

durch die Lösemittel nicht angelöst

und verbleiben im Untergrund.

Das Bindemittel ergibt nach der

Trocknung eine wasserunlösliche

Schicht.

Verfärbter

Untergrund

Verfärbung

Lösemittel Bindemittel


Verfärbter Untergrund

Wässrige Absperrfarbe

Verfärbung

Wasser

Bindemittel

Technikforum 11

Ausser Nikotin können auch andere Verschmut zungen Verfärbungen eines neuen Anstrichs verursachen. Um das zu verhindern, sind absperrende Spezialbeschichtungen

häufig vonnöten. Zuvor müssen jedoch auch die Verschmutzungen erst einmal entfernt werden.

Abbildung 2

Wässrige Absperrfarbe

Das Wasser der Beschichtung löst die Verfärbungen im Untergrund an.

Aufgrund der schnellen Trocknung werden die Verfärbungen jedoch vom

Bindemittel in der Beschichtung ummantelt und so wasserunlöslich eingebunden.

Abbildung 3

Kationischer Sperrgrund

Die negativ geladenen Verfärbungen werden am positiv geladenen

Kationen-Sperrgrund wasserfest gebunden. Dadurch gelingt es,

ein Eindringen dieser organischen Verfärbungen in die Deckbeschichtung

zu verhindern.

verfärbter Untergrund

Kationische Sperrgrundierung, positiv geladen

Verfärbung negativ geladen Deckanstrich


12 Farben und Putze

serdampf und eine sehr niedrige Spannung

bei der Trocknung aus. Durch die Spannungsarmut

besitzt der Verarbeiter auch

bei kritischen Untergründen ausreichend

Sicherheit für die Haltbarkeit der Ausführung.

Neben den aromatenfreien Beschichtungen

entwickelte die Farbenindustrie auch wasserlösliche

Isolierbeschichtungen. Diese lösen

zwar die Verunreinigungen des Untergrundes

an, die Schmutzablagerungen selbst sind jedoch

nach der Trocknung in der Beschichtung

eingebunden. Die sehr geringe Wasserquellbarkeit

dieser Bindemittel lässt Verfärbungen

auch bei einer nachfolgenden wässrigen

Beschichtung nicht mehr frei. Fleckenfreie

Anstriche sind somit zu erzielen. Allerdings

setzen solche Beschichtungen Objektbedingungen

voraus, die eine schnelle Trocknung

ermöglichen. Wärmere Temperaturen, eine

nicht zu hohe Luftfeuchtigkeit und genügende

Schichtdicke des Anstrichs sind Voraus-

Kompakt

Einen neuen Weg, wasserlösliche Verfärbungen

aus dem Untergrund zu isolieren, hat

die Caparol-Forschung entwickelt. Bei dem

neuen Isoliergrund Caparol AquaSperrgrund

fein wird ein kationisches Bindemittel eingesetzt.

Dessen positiv geladene Teilchen ziehen

die negativ geladenen Verfärbungen an

und binden diese unlöslich an sich. Dadurch

kann das in nachfolgenden Beschichtungen

enthaltene Wasser Nikotin-Bestandteile,

eingetrocknete Wasserflecken und Russverfärbungen

nicht mehr anlösen. Das neue

Erzeugnis lässt sich auch bei niedrigen

Tem peraturen über +5 Grad Celsius noch

mit gutem Ergebnis verarbeiten. Sein Diffu -

sionsvermögen ist zudem wesentlich höher

als bei den bisherigen wässrigen Absperr -

mitteln.

Das Bindemitel besitzt auch gute haftvermittelnde

Eigenschaften. Das gilt selbst für

Untergründe wie Glas, keramische Fliesen -

beläge und ähnliche. Gut einsetzbar ist der

neue Sperrgrund auf problematischen Untergründen

in sensiblen Bereichen wie zum

setzungen für ein gutes Ergebnis mit wäss -

rigen Beschichtungen. Überdies führt der

Einsatz der genannten Grundbeschichtungen

zu weniger wasserdampfdurchlässigen Anstrichen

(Ab bildung 2).

Fängerteilchen binden Partikel

Die Nachteile dieser wässrigen Isolierfarben

liessen die Entwickler nicht ruhen. Man

wollte ihre grossen Vorzüge durch Vermeidung

der Nachteile nochmals verbessern. Bei

den Untersuchungen erkannten die Forscher,

dass organische Verschmutzungen

neben der Wasserlöslichkeit noch weitere für

eine Beschichtung relevante Eigenschaften

besitzen. Sie entdeckten, dass diese Stoffe

aus negativ geladenen Teilchen bestehen.

Die Vermutung lag nahe, dass diese Partikel

durch positiv geladene „Fängerteilchen“

in der Beschichtung wasserunlöslich ange-

Kationisches Bindemittel für Caparol AquaSperrgrund fein

Neue Isoliertechnik gegen Flecken auf Wänden und Decken

Beispiel bei Privatwohnungen, Büros, Gast -

stätten, Hotels, Krankenhäusern und ähn -

lichen Bauten.

Wasserlösliche Bestandteile aus dem

Untergrund, die bei einem Überarbeiten

mit wässrigen Farben durchschlagen,

konnten bisher nur auf zwei Wegen abgesperrt

werden. Das gelang zum einen mit

lösemittelhaltigen Beschichtungen, die

jedoch aus ökologischen Gründen nur ein -

geschränkt einsetzbar sind. Übliche wässrige

Isoliergrundbeschichtungen sperren den

Untergrund so ab, dass Wasser die Verfärbungen

nicht mehr anlösen kann. Es sind

dabei eingrenzende Randbedingungen wie

eine er höhte Temperatur, gute Trocknungs -

eigen schaften und ausreichende Schicht -

dicken einzuhalten, damit die isolierende

Wirkung sich uneingeschränkt entfalten

kann.

Der neue Caparol-AquaSperrgrund fein

ist ein idealer Ersatz für die bisherigen

wässrigen Filtergrund-Produkte. Detaillierte

Informationen über den innovativen Problem-

bunden werden können, bei gleichzeitigem

offenporigen Anstrich. Daraus entwickelte

sich die Kationentechnik.

Kationische Isolierfarben besitzen leicht

sauer eingestellte, positiv geladene Bindemittel,

welche die gelösten, negativ-geladenen

Verfärbungen an sich binden können. Durch

die aktive Bindung der Verfärbungen funktioniert

die wässrige Grundbeschichtung nicht

nur durch eine schnelle Trocknung. Sie kann

ausserdem offenporiger, also wasserdampfdurchlässiger

eingestellt werden. Hierdurch

gelingt es, die Problematik der bisherigen

wässrigen Grundbeschichtungen zu beseitigen.

Neben diesen positiven Effekten wird

auch die Haftung auf verschiedenen Untergründen

deutlich verbessert. Die verwendeten

Bindemittel weisen eine sehr gute Haftung

selbst bei sehr glatten Untergründen

wie etwa keramischen Belägen, Glas oder

Kunststoffen auf (Abbildung 3). <

Stop für Schimmel und Flecken

Systemlösungen von Caparol

löser sowie die Broschüre „Stop für

Schimmel und Flecken“ gibt es bei

Caparol Farben AG, Marketing, Brunnen -

strasse 3, 8604 Volketswil, Fax 043 399 42 21,

info@caparol.ch, www.caparol.ch.


Technikforum

Praxis

Spachteln auf hohem Niveau

Begriffe wie „malerfertig“ und „anstrichfertig“ haben es in sich – Von Alfred Lohmann

„Malerfertig, anstrichfertig oder tapezierfertig

gespachtelt“: Solche Begriffe

geistern regelmässig durch Ausschreibungstexte.

Dahinter verbirgt sich der

Versuch, Gipskartonflächen so eindeutig

zu beschreiben, dass bei Beschichtungsarbeiten

zur Untergrundvorbereitung

keine Nachforderungen entstehen. Das

Prob lem dabei ist, dass diese Begriffe

nicht eindeutig definiert sind. So versteht

der Planer sicher anderes unter

Untergrundvorbereitung als das nachfolgende

Fachhandwerk (Gipser/Maler).

Untergründe aus Gipsplatten stellen im Vergleich

zu Mauerwerk einen Untergrund dar,

der bereits eine hohe Ebenheit aufweist.

Dadurch sind keine grossen Putzdicken

erforderlich, um Niveaudifferenzen auszugleichen.

Je nach Anforderung an die nachfolgende

Beschichtung muss die Oberfläche

mehr oder weniger nachbearbeitet werden.

In der SIA Norm 242/1 „Verputz- und Gipser -

arbeiten“ sind die Mindestschichtstärken auf

Wände, Decken und Grundputz festgelegt.

Auf Gipsplatten sind jedoch keine Mindestschichtstärken

definiert. Der Bundesverband

der Gips- und Gipsbauplattenindustrie, der

Deutsche Stuckge werbebund und der

Haupt verband Farbe Gestaltung Bautenschutz

haben sich daher dieser Problematik

angenommen. Ergebnis ist das Merkblatt

„Verspachtelung von Gips platten, Oberflächengüten“.

Es definiert die Oberflächenqualitäten

von gespachtelten Gipsplatten eindeutiger

als bisher und ist damit Pflichtlektüre

für Handwerk, Planer und Architekten.

Wesentliches Merkmal der Veröffentlichung

ist die Einteilung in vier Qualitätsstufen.

Dieses Merkblatt kann beim schweizerischen

Maler- und Gipserunternehmer-Verband

bezogen werden (smgv-Merkblatt

Nr. 2 „Verspachtelung von Gips platten, Oberflächengüten“).

Bevor auf dieses Merkblatt

ausführlicher eingegangen wird, sind indes

Ein neues Merkblatt definiert eindeutige Qualitätsstufen

für die Verspachtelung von Gipskarton -

platten. Die Stufe Q 2 entpricht dabei der Standardverspachtelung.

Nach dem Verfüllen der Fugen

erfolgt ein Nachspachteln.

Normen zu erörtern, die für den Sachverhalt

bislang Orientierung boten.

DIN 18 202

Für die Verspachtelung von Gipsplatten besassen

schon immer mehrere Normen und

Merkblätter Relevanz. Hierzu gehört die

DIN 18 202, Tabelle 3 „Ebenheitstoleranzen“.

Darin werden Masse angegeben, die

zwischen Mindest- und erhöhter Anforderung

differenzieren. Erhöhte Anforderungen

müssen dabei besonders vertraglich vereinbart

werden. Die Masse der DIN 18 202 beziehen

sich auf ein Zusammenwirken verschiedener

Bauteile. Für die Verspachtelung

13

von Gipsplatten sowie die Ebenheit eines

Putzes sind sie deshalb gerade im Hinblick

auf dünnfilmige Anstrichstoffe wenig aus -

sagekräftig.

BFS-Merkblatt Nr. 12

Der Bundesausschuss Farbe und Sachwertschutz

(BFS) unterscheidet im Merkblatt

Nr. 12, Teil 1, „Verarbeitung von Gipskartonplatten“

zwei Arten von Verspachtelungen.

Zum einen wird hier ebenfalls auf die

Ebenheitstoleranz der DIN 18 202 verwiesen.

Darüber hinaus ist im Abschnitt „Unebenheiten

bei Streiflicht“ ausgeführt, dass

bei den zulässigen Toleranzbereichen der

DIN 18 202 „sichtbar werdende Abzeichnungen

von Unebenheiten nicht gänzlich

auszuschliessen“ sind. Diese können auch

durch die „handwerkliche Ausführung“ bedingt

sein. Bei erhöhter Anforderung wird

eine vollflächige Verspachtelung angeraten

(Sonderverspachtelung).

DIN 18 340

Seit 2005 geht auch die VOB, Teil C, DIN

18 340 „Trockenbau“ auf die Thematik ein.

Der Punkt „Ausführung“ differenziert zwischen

mehreren Vorgehensweisen.

Grundverspachtelung (3.2.1)

Hierzu zählt nur das Füllen der Stossfugen

und ein Überziehen der Schrauben. Es

werden keine dekorativen oder optischen

Anforderungen gestellt. Diese Art der

Spachtelung eignet sich zum Beispiel unter

Belägen aus Fliesen.

Grundverspachtelung mit einer

Nachverspachtelung (3.2.2)

Um diese Qualität zu erreichen, bedarf es

einer Grundverspachtelung nach 3.2.1 und

einer Nachverspachtelung bis zum Erreichen

eines stufenlosen Überganges. Es dürfen

>


14 Farben und Putze

Qualitätsstufe 3 wird durch ein breites Ausziehen

der Fugenbereiche und Abporen der Kartonober -

fläche erreicht.

keine Bearbeitungsabdrücke oder Spachtelgrate

sichtbar bleiben. Sollten hochwerti -

gere Techniken gefordert werden (Lasuren,

matte, nicht strukturierte Anstriche, Glätte -

techniken) sind zusätzliche Spachtel- und

Schleifgänge zu vereinbaren.

Merkblatt

„Verspachtelung von Gips -

platten; Oberflächengüten“

Die detailliertesten Beschreibungen zu

Verspachtelungen finden sich im Merkblatt

Nr. 2 „Verspachtelung von Gipsplatten;

Oberflächengüten“. Es unterscheidet vier

Qualitätsstufen:

Qualitätsstufe 1 (Q 1)

Die Stufe Q 1 wird bei Oberflächen verlangt,

an die keine optischen (dekorativen) Anforderungen

gestellt werden (ähnlich der

Grundverspachtelung nach DIN 18 340).

Diese Ausführungsart kommt für Fliesen und

Keramikplatten in Frage. Sie beinhaltet nur

das Füllen der Fugen. Seitliches Verziehen

des Spachtelmaterials über den unmittelbaren

Fugenbereich ist zu vermeiden. Neben

Spachtelmassen können Dispersions- und

Epoxidharzklebstoffe sowie geeignete Mörtel

(Gipsverträglichkeit prüfen) eingesetzt

werden.

Für die höchste Qualitätsstufe wird die gesamte

Gipsplatte vollflächig gespachtelt.

Qualitätsstufe 2 (Q 2)

Diese Qualität entspricht der Standardverspachtelung

nach BFS. Sie erfüllt auch die

Kriterien der Grund- mit Nachverspachtelung

nach DIN 18 340. Ist in einem Leistungsverzeichnis

nichts zur Qualität der

Verspachtelung vereinbart, so gilt diese Stufe

als Grundlage. Verlangt wird hier eine

Grundverspachtelung nach Q 1 und ein

Nachspachteln mit Fein- oder Finishspachtel

(z. B. Caparol-Akkordspachtel fein) bis zum

Erreichen eines stufenlosen Überganges zur

Plattenoberfläche. Es dürfen keine Spachteloder

Bearbeitungsspuren sichtbar bleiben.

Gegebenenfalls ist zu schleifen. Diese Art der

Ausführung kommt für mittlere bis grob

strukturierte Wandbekleidungen wie etwa

Rauhfasertapeten oder matte füllende Anstriche

in Frage. Abzeichnungen, vor allem

bei Streiflicht, sind bei dieser Qualitätsstufe

nicht auszuschliessen.

Qualitätsstufe 3 (Q 3)

Bei erhöhten Anforderungen an Oberflächen

werden zusätzliche Spachtelgänge erforderlich.

Dies entspricht der Sonderverspach -

telung des BFS-Merkblatts und der DIN

18 340, die zusätzliche Spachtel- und

Schleif gänge verlangt.

Um Qualitätsstufe 3 zu erreichen, muss

Q 2 hergestellt werden. Zusätzlich sind ein

Hier ist Qualitätsstufe 4 zwingend notwendig.

Denn insbesondere Streiflicht verlangt höchste

Handwerkskunst.

breites Ausspachteln der Fugen sowie ein

scharfes Abziehen der restlichen Kartonoberfläche

zum Porenverschluss mit ge -

eigneten Spachtelmassen erforderlich. In

Frage kommen hier Caparol Akkordspachtel

fein oder bei maschineller Verarbeitung

Caparol-Akkordspachtel SF sowie Ratio-

Spachtel. Auf diese Weise lässt sich ein einheitlich

saugender und glatter Untergrund

erzielen.

Bei Verspachtelung der Fugen- und Befestigungsbereiche

zeichnen sich die unterschiedlichen

Materialien (Spachtelmasse und

Kartonoberfläche der Platte) nach einer

Beschichtung mit dünnfilmigen Farben

gerade im Streiflicht ab. Einerseits weisen

diese Materialien unterschiedliche Saugfähigkeiten,

andererseits auch verschiedene

Oberflächenstrukturen auf. Spachtelstellen

sind sehr glatt und haben höchstens einige

Poren. Der Karton, der aus Zellulose besteht,

stellt bei Feuchteeinwirkung seine feinen Fasern

auf. Hier kann neben der ganzflächigen

Spachtelung auch bei Q 2 eine füllende

Grundbeschichtung (z. B. mit Caparol-Haftgrund)

eine gleichmässige Oberfläche er -

geben.

Geeignet ist Q 3 für fein strukturierte

Wandbekleidungen und matte, nicht strukturierte

Beschichtungen. Im Streiflicht sind

Abzeichungen ebenfalls nicht völlig auszu-


schliessen. Eine erhöhte Anforderung an die

Ebenheit der Oberfläche sollte gemäss DIN

18 202 vereinbart werden.

Qualitätsstufe 4 (Q 4)

Die höchste Anforderung an gespachtelte

Oberflächen beinhaltet eine vollflächige Verspachtelung

oder Abstuckung der gesamten

Fläche. Letzteres ist in der Schweiz Standard.

Hierzu werden sogenannte Weissputze

ganzflächig von zwei bis fünf Millimeter

stark auf die Gipskarton-Platten aufgezogen.

Diese Qualitätsstufe verbindet die Stufe

Q 2 mit einem breiten Ausspachteln der

Fuge sowie einem vollflächigen Überziehen

und Glätten der gesamten Oberfläche. Hierfür

eignen sich Caparol Akkord Leichtspachtel

H oder bei Maschineneinsatz

Caparol Akkord Leichtspachtel SP.

Ausgabe 01| 2007

* technikforum

Farben | Lacke | Bautenschutz

Fokus

Damit Flecken

nicht durchschlagen

Aktuell

Spachteln auf

hohem Niveau

Trend

Wo die Rendite noch

stimmt – Dekorative

Gestaltungstechniken

erleben Renaissance

Im Brennpunkt

Gesund wohnen

mit Farbe

Die Oberflächenausführung wird für

Lasuren und Beschichtungen bis zu mitt -

lerem Glanz empfohlen. Soll glänzend beschichtet

oder lackiert werden, sind wei tere

Arbeitsgänge notwendig (z. B. Abziehen

mit einem Lackspachtel). Aufgrund von

Lichteinwirkung (Streiflicht durch Fenster

oder Beleuchtungskörper) werden bei Stufe

Q 4 unerwünschte Abzeichnungen von

Plattenoberfläche und Fugen sowie wechselnde

Schattierungen weitgehend vermieden.

Sie lassen sich jedoch auch hier nicht

völlig ausschliessen, da Lichteinflüsse in

einem weiten Bereich variieren und nicht

eindeutig erfasst werden können. Hierzu

sind auch die Empfehlungen und Hinweise

im smgv-Merkblatt „Beschichtungen auf

Weissputz und Spachtelungen“ zu beachten.

Herausgeber

Redaktion

Autoren dieser

Ausgabe

Gestaltung

Litho

Druck

Anschrift der

Redaktion

CAPAROL Farben AG

Brunnenstrasse 3

8604 Volketswil

www.caparol.ch

Erich Dietz (verantw.), Dr. Franz Dörner

Alfred Lohmann (Caparol-Technik),

Horst Rusam (Caparol-Technik),

Thomas Hummert

Jost Design, Darmstadt, Deutschland

data-graphis, Wiesbaden, Deutschland

Linsenmann Gissler AG

CAPAROL Farben AG

Presseabteilung Redaktion Technikforum

Brunnenstrasse 3, 8604 Volketswil

Telefon: 043 399 42 22

Telefax: 043 399 42 23

E-Mail: info@caparol.ch

Veröffentlichung von Bildern und Texten nur

mit Genehmigung der Redaktion.

www.caparol.ch

Technikforum

15

Darüber hinaus sind auch bei sorgfältigster

handwerklicher Ausführung Grenzen

gesetzt. Jeder Ver arbeiter hat schon fest -

gestellt, dass Spach telungen einwandfrei

aussahen, durch eine andere Lichtsituation

jedoch Grate erkennbar waren. Deshalb

verlangt Merkblatt Nr. 2, dass besondere

Lichtsituationen vor Beginn der Arbeiten

vertraglich definiert und zur eindeutigen

Beurteilung herangezogen werden müssen.

Für vergleichbare Lichtverhältnisse bei der

Ausführung der Arbeiten hat der Auftrag -

geber zu sorgen.

Dispersionsspachtelmassen stellen gerade

auf Gipsplatten eine hervorragende Möglichkeit

dar, die geforderten Qualitäten her -

zustellen. Technikforum wird sich daher in

einem der nächsten Hefte mit der Verarbeitung

dieser Produkte befassen. <

Impressum Technikforum – Farben Lacke Bautenschutz

CAPAROL Farben AG · 02/07


Capadecor Metallocryl

Metallische Oberflächen – für innen und aussen

CAPAROL

Qualität erleben.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine