Der Spuk ist noch nicht vorbei

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Der Spuk ist noch nicht vorbei

Thema: DIW Berlin

06.03.2010 | Der Tagesspiegel

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Ressort: WIRTSCHAFT

Rubrik: WIRTSCHAFT

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Der Spuk ist noch nicht vorbei

Die Griechen streiken und demonstrieren - und in Berlin bekommt ihr Ministerpräsident großes Lob

Berlin/Berlin- Bundeskanzlerin Angela Merkel

griff zu einem drastischen Bild, um die Spekulation

mit Kreditausfallversicherungen zu geißeln,

welche die griechische Schuldenkrise wohl

gehörig angeheizt haben. Wer mit solchen Finanzprodukten,

den so genannten CDS, spekuliere,

verhalte sich genauso wie jemand, der das Haus

seines Nachbarn versichert, "um es anschließend

zu zerstören", sagte Merkel am Freitagabend im

Kanzleramt. Der griechische Regierungschef Giorgos

Papandreou, der neben ihr stand, hörte die

Botschaft gern. Denn schließlich steht er mitten in

der Haushaltskrise gleich von zwei Seiten unter

Druck - durch eine streikende Bevölkerung in der

Heimat und das unheilvolle Treiben von Spekulanten

an den internationalen Finanzmärkten.

Da kam die Rückendeckung der Kanzlerin gerade

recht. "Wir müssen es schaffen, den Spekulanten

das Handwerk zu legen", sagte Merkel nach dem

Treffen mit dem griechischen Regierungschef.

Weil die Spekulation mit Kreditausfallversicherungen

nicht an den Grenzen der EU halt mache,

brauche man auch die Hilfe der USA, sagte die

deutsche Regierungschefin weiter.

Merkel zeigte sich zuversichtlich, dass sich die

Frage direkter finanzieller Hilfen für Griechenland

auch in Zukunft nicht stellen wird. Statt Geld

gibt es aber Lob aus Berlin - für das Athener Sparpaket

im Umfang von 4,8 Milliarden Euro, das am

Freitag das griechische Parlament passierte. Sie

habe "große Hochachtung vor dem, was Griechenland

geleistet hat", sagte Merkel.

Auch wenn die Finanzmärkte die Lage in Griechenland

offenbar wieder entspannter bewerten,

ist der Spuk aber noch lange nicht vorbei. "Ich

würde die Erleichterung nicht zwingend teilen",

sagte Ansgar Belke, Forschungsdirektor beim

Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung

(DIW). Zwar habe die griechische Regierung mit

der Ankündigung eines harten Sparkurses durchaus

Vertrauen zurückgewonnen. Doch der Staat

wird in den nächsten Monaten noch weitere 20

Milliarden Euro auftreiben müssen, da demnächst

alte Schulden und Zinsen für Kredite fällig werden.

"Mitte Mai könnte es wieder brenzlig werden",

sagte Belke. Der Zinssatz, den die Griechen

für die jetzt platzierten zehnjährigen Anleihen bezahlen

müssen, liegt bei 6,3 Prozent. Das liegt an

dem hohen Risikoaufschlag. Doch je teurer die

Kredite, desto schwieriger wird es für Papandreou,

seinen Haushalt zu sanieren. DIW-Direktor

Belke glaubt, dass die Diskussion um möglichen

finanziellen Beistand der Euro-Partner noch nicht

vom Tisch ist: "Als letzte Option können spätere,

zeitlich befristete bilaterale Hilfen für Griechenland

nicht ausgeschlossen werden."

Doch auch die eigene Bevölkerung muss der griechische

Ministerpräsident noch überzeugen. Die

griechischen Gewerkschaften riefen zu einem erneuten

Generalstreik für den 11. März auf. Am

Rande der Demonstrationen im Zentrum Athens

kam es zu Ausschreitungen: Nach Fernsehberichten

setzte die Polizei Schlagstöcke und Tränengas

ein, um Demonstranten und linke Abgeordnete

daran zu hindern, ein Transparent "Gleich was -

Der Mensch hat immer Vorrang" am Parlamentsgebäude

anzubringen. Dabei wurde ein Politiker

leicht verletzt. Von Gehaltskürzungen sind bislang

nur die Staatsbediensteten betroffen. Die

jährlichen Einbußen machen etwa ein volles Monatsgehalt

aus. Viele Griechen fürchten einen Dominoeffekt:

Auch die privaten Arbeitgeber dürften

Kürzungen beim Weihnachts- und Urlaubsgeld

zur Diskussion stellen. Überdies trifft die

Mehrwertsteuererhöhung um zwei Prozentpunkte

ab dem 15. März alle Griechen.

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Thema: DIW Berlin

06.03.2010 | Potsdamer Neueste Nachrichten

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Der Spuk ist noch nicht vorbei

Artikel im Web

Die Griechen streiken und demonstrieren -

ihr Ministerpräsident wirbt in Europa für sein

Sparpaket

Athen/Berlin - Giorgos Papandreou hatte

Glück: Er erreichte sein Flugzeug am Freitagmorgen

gerade noch rechtzeitig, bevor die Fluglotsen

in Athen wieder zu streiken begannen und den

Luftverkehr für vier Stunden lahmlegten. Der griechische

Ministerpräsident flog zunächst nach Luxemburg,

am Abend wurde er in Berlin erwartet,

um bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

für sein Sparpaket zu werben, mit dem er das Land

vor dem Bankrott retten will. Von dort aus wird

er nach Paris fliegen.

Papandreou braucht das Vertrauen und den öffentlichen

Zuspruch der europäischen Regierungen,

wenn er die Finanzmärkte davon überzeugen will,

dass sein Land sich selbst aus der Schuldenkrise

befreien kann. Der Ministerpräsident hatte vor seiner

Reise noch einmal unterstrichen, dass er die

europäischen Partner nicht um Finanzhilfen bitten

werde: "Griechenland will keinen Cent von deutschen

Steuerzahlern", erklärte Papandreou.

Bundeskanzlerin Merkel äußerte sich im Vorfeld

des Treffens zuversichtlich über die weitere Entwicklung

in Griechenland. Die erfolgreiche Platzierung

einer griechischen Anleihe am Donnerstag

sei "ein gutes Signal" gewesen. Mit der neuen

Anleihe hatte Griechenland insgesamt fünf Milliarden

Euro einwerben können. Die Finanzmärkte,

auf denen in den Wochen zuvor noch massiv gegen

den griechischen Staat spekuliert worden war,

bewerten die Lage in dem hochverschuldeten

Land seit offenbar wieder entspannter.

Vorbei ist der Spuk damit aber noch lange nicht.

"Ich würde die Erleichterung nicht zwingend teilen",

sagte Ansgar Belke, Forschungsdirektor

beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung

(DIW). Zwar habe die griechische Regierung

mit der Ankündigung eines harten Sparkurses

durchaus Vertrauen zurückgewonnen. Doch

der Staat wird in den nächsten Monaten noch weitere

20 Milliarden Euro auftreiben müssen, da

demnächst alte Schulden und Zinsen für Kredite

fällig werden. "Mitte Mai könnte es wieder brenzlig

werden", sagte Belke. Der Zinssatz, den die

Griechen für die jetzt platzierten zehnjährigen Anleihen

bezahlen müssen, liegt bei 6,3 Prozent. Das

liegt an dem hohen Risikoaufschlag. Und je teurer

die Kredite, desto schwieriger wird es für Papandreou

werden, seinen Haushalt zu sanieren. Der

Grieche ist also dringend darauf angewiesen, dass

die EU-Partner weiter Unterstützung signalisieren

- wenn auch bisher ohne die Zusage von Finanzhilfen.

"Als letzte Option können spätere, zeitlich

befristete bilaterale Hilfen für Griechenland nicht

ausgeschlossen werden", ist sich DIW-Direktor

Belke sicher.

Doch auch die eigene Bevölkerung muss der griechische

Ministerpräsident noch überzeugen. Während

das Parlament die Sparmaßnahmen am Freitag

absegnete, riefen die griechischen Gewerkschaften

zu einem erneuten Generalstreik für den

11. März auf. Am Rande der Demonstrationen im

Zentrum Athens kam es zu Ausschreitungen:

Nach Fernsehberichten setzte die Polizei Schlagstöcke

und Tränengas ein, um Demonstranten und

linke Abgeordnete daran zu hindern, ein Transparent

"Gleich was - Der Mensch hat immer Vorrang"

am Parlamentsgebäude anzubringen. Dabei

wurde ein Politiker leicht verletzt. Von Gehaltskürzungen

sind bislang nur die Staatsbediensteten

betroffen. Die jährlichen Einbußen machen etwa

ein volles Monatsgehalt aus. Viele Griechen fürchten

einen Dominoeffekt: Auch die privaten Arbeitgeber

dürften Kürzungen beim Weihnachtsund

Urlaubsgeld zur Diskussion stellen. Überdies

trifft die Mehrwertsteuererhöhung um zwei Prozentpunkte

ab dem 15. März alle Griechen.

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