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Freizeit-Info

Wedeler, Seestermüher und Haseldorfer Marsch Heydorn Verlag Uetersen

Charaktervolle Marsch

Charaktervolle Marsch Kulturelle Kleinode auf den Dörfern Schlossgarten mit seinen Weihern und alten Baumarten aus vielen Ländern sind erlaubt. Im westlichen Teil des Parks liegt die älteste Kirche des Kreises Pinneberg, ein schöner, romanischer Backsteinbau, der in seiner ursprünglichen Form bis heute erhalten ist. Das alte Handwerk des „Bandreißens“, der Herstellung von Fassreifen aus Weidenhölzern, erleben Besucher in der Bandreißerkate, geöffnet an jedem ersten Sonntag im Monat. Im Elbmarschenhaus, übrigens auch Sitz des Naturschutzbunds (NABU) Elbmarschen, kann die Natur- und Kulturlandschaft der Marschen entdeckt werden, zudem gibt es hier Tipps zu weiteren Ausflugszielen. Geöffnet ist Montag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Ebbe und Flut sorgen für einzigartigen Bewuchs entlang der Elbe, wie hier in Hetlingen. Dieses Teehäuschen gehört zum Gut Seestermühe. Zum Herrenhaus Seestermühe führt eine alte, doppelreihige Lindenallee. 22

Klein UMuster Nordende Nationales E-Muster Geotop „Liether Kalkgrube“ und plattdeutsche Kultur im „Töverhuus“ Ein Blick in die Urgeschichte der Erde Einzigartige naturkundliche und geologische Einblicke verspricht ein Spaziergang durch das Naturdenkmal „Liether Kalkgrube“, das 16 Hektar große Naturschutzgebiet hat den Rang eines Nationalen Geotops. Und Liebhaber der plattdeutschen Sprache kennen das ehemalige Bauerngehöft „Töverhuus“, das immer wieder als Kulisse von TV- und Radiosendungen „op Platt“ dient. In der Liether Kalkgrube, östlich des Dorfes Klein Nordende gelegen, sind die ältesten geologischen Gesteinsschichten des Norddeutschen Tieflandes zu sehen, denn die sonst in etwa sechs bis sieben Kilometer Tiefe zu findenden Schichten sind bis an die Erdoberfläche aufgestiegen. Die Grube selbst entstand durch die 1926 begonnene Gewinnung von Düngekalk, seit 1991 steht sie unter Naturschutz. Für Besucher führen ein Fußweg zur Sohle und ein Panorama-Rundweg mit vier Aussichtspunkten außen um die Grube herum. Die Besonderheiten der Liether Kalkgrube locken viele Geologie-Fans an. Denn hier ist in ganz Schleswig-Holstein die einzige Schichtfolge aus dem Erdzeitalter Perm zu sehen, die sowohl Wüstenablagerungen des Rotliegenden wie auch Meeresablagerungen des Zechsteins umfasst. Diese Gesteine als Teil eines Salzstockes sind bis zu 260 Millionen Jahre alt. In der Nordböschung der Liether Kalkgrube ist eine Abfolge aus Sandschichten und Braunkohleflözen angeschnitten. Dabei handelt es sich um Ablagerungen aus dem frühen Eiszeitalter, Pflanzenreste in der Kohle dokumentieren eine stetige Abkühlung des Klimas im Zeitraum zwischen etwa 2.100.000 bis 600.000 Jahren v. Chr. Das Geotop Kalkgrube bietet aber nicht nur spektakuläre geologisch bedeutsame Ansichten, sondern ist zudem Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere. Unter den Moosen und Pflanzen, die auf der „Roten Liste Schleswig-Holstein“ als gefährdet eingestuft sind, kommen hier zum Beispiel die Orchideenart Sumpfstendelwurz, das Breitblättrige Knabenkraut, das Sumpfherzblatt, die Schwarzweide und das Tausendgüldenkraut vor. Gefährdete Tierarten, wie die Kreuz- und die Knoblauchkröte, die Zauneidechse und die Ringelnatter, wärmeliebende Insekten und höhlenbrütende Vögel finden hier ihren Lebensraum. Gelegentlich zu beobachten sind zudem auch Graureiher, Eisvogel und der Neuntöter. Am Eingang der Grube ist ein Findlingsgarten eingerichtet, aus 31 Findlingen, die mit eiszeitlichem Inlandeis aus dem Norden nach Südholstein gekommen sind. An einigen Steinen finden sich Tafeln mit Angaben über die Gesteinsart, das Alter und die Herkunft. Die bis zu 1,9 Milliarden Jahre alten Findlinge stammen hauptsächlich aus Schweden, einzelne aus Südwestfinnland. Als Naherholungsgebiet ist die Liether Kalkgrube ganzjährig öffentlich zugänglich, zahlreiche Tafeln informieren über geologische Zusammenhänge und über die Pflanzenwelt. Termine öffentlicher Führungen werden auf www.lietherkalkgrube.de bekanntgegeben. In Klein Nordende selbst, in der Dorfstraße 80, liegt das Töverhuus, ein ehemaliges Bauernhaus, das heute für Veranstaltungen genutzt wird. Der Ursprung dieses Hofes reicht bis ins Jahr 1701 zurück. Bekannt wurde das „Zauberhaus“, so lautet die Übersetzung des plattdeutschen Namens, weil hier diverse Radiound Fernsehsendungen für den NDR aufgezeichnet werden und plattdeutsche Lesungen mit bekannten Rezitatoren stattfinden. Nach Voranmeldung erhalten Gruppen im „Lüttjen Buuernhuus- Café“ Kaffee und Kuchen, zudem dient das Töverhuus als charmante Kulisse für standesamtliche Trauungen. Das Kulturzentrum lädt zu wechselnden Veranstaltungen ein, vom Jazzfrühschoppen und der „Schummertied in´t Töverhuus“ über Auftritte bekannter Liedermacher und politischem Kabarett bis hin zu Konzerten, Märkten und dem „Weltfischbrötchentag“. Termine finden sich unter www.toeverhuus.de. Michaela Eschke n Das idyllische Töverhuus ist Kulisse zahlreicher Veranstaltungen. Foto: Gerd Nelaimischkis 23