Grafschaft für Grafschaft - Generalitat de Catalunya

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Grafschaft für Grafschaft - Generalitat de Catalunya

DIE

PYRENÄENGRAFSCHAFTEN

EINE REISE IN DIE

ENTSTEHUNGSZEIT KATALONIENS

Catalan

Tourist Board

Generalitat de Catalunya

Regierung von Katalonien

Ministerium für Innovation,

Universitäten und Unternehmen


2

Biblioteca de Catalunya. CIP-Daten:

Die Pyrenäengrafschaften : eine Reise in die Entstehungszeit

Kataloniens. – (Guies turístiques de Catalunya)

ISBN 9788439383352

I. Agència Catalana de Turisme II. Catalunya. Departament

d'Innovació, Universitats i Empresa III. Col·lecció: Guies turístiques de

Catalunya. Alemany

1. Arquitectura romànica – Catalunya – Guies 2. Pirineu català

(Catalunya) – Guies 3. Prepirineu meridional (Catalunya) – Guies 4.

Catalunya – Història – 878-1162, Comtes

914.671(23Pirineu)(036)

© Generalitat de Catalunya

Ministerium für Innovation, Universitäten und Unternehmen

Sekretariat für Handel und Tourismus

Generaldirektion Tourismus

Herausgeber: Catalan Tourist Board

Idee: Stoa

Übersetzung: Michael Röhrig/Discobole

Ausführung: Sàpiens, s.c.c.l. / Ara Llibres, s.c.c.l.

Kartografie: Víctor Hurtado / Pere Arriaga

Gedruckt bei: IMGESA

ISBN: 9788439383352

Pflichtexemplar: B-36041-2010

Fotografien:

Asisa: Seiten 9, 40, 65

Prisma: Seiten 8, 10

Generaldirektion für Tourismus der katalanischen Regierung, Fotos von

Rafa Domínguez: Seiten 27, 31 und 58

Jordi Folch: Seiten 4, 12, 13, 15, 18, 20, 21, 24, 36, 37, 38, 41, 43, 49, 52,

61, 63, 66, 67, 68, 70, 71, 72, 74, 77, 78

Ramon Manent: Seiten 19, 28, 50, 53

Fremdenverkehrsbüro Bagà: Seite 47

Jordi Pareto: Seiten 12, 26

Nano Cañas: Seite 30

Toni Vidal: Seite 12

Francesc Gomà: Seite 46

Imagen MAS: Seiten 21, 56, 60

Laura R. Grau: Seite 33


Inhalt

Die Pyrenäengrafschaften

Vorwort: Die Pyrenäengrafschaften, die wirtschaftliche Nutzung

der Identität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5

Eine Reise in die Entstehungszeit Kataloniens . . . . . . . . . . . 7

Kurze Geschichte der katalanischen Grafschaften . . . . . . . . 8

Teilrouten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10

Grafschaft für Grafschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15

Routenbeschreibungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17

Die Grafschaft Girona: die Grenze des Reichs . . . . . . . . . . 18

Die Grafschaft Empúries: die unabhängige Grafschaft . . . . 24

Die Grafschaft Besalú: der Hof Tallaferros . . . . . . . . . . . . 33

Die Grafschaft Ripoll: Land der Grafen und Äbte . . . . . . . . 38

Die Grafschaft Berga: im Schatten des Pedraforca . . . . . . . 43

Die Grafschaft Cerdanya: die Wiege des Grafengeschlechts 46

Die Grafschaft Urgell: zwischen Ketzern und Heiligen . . . . 50

Die Grafschaft Pallars Sobirà: Romanik inmitten der Berge . 53

Das Arantal: die Querimònia ..................... 57

Die Grafschaft Ribagorça: das Licht der Bilder . . . . . . . . . 58

Die Grafschaft Pallars Jussà: die Herren des Gebirges . . . . 63

Die Vizegrafschaft Cardona: die ungekrönten Könige . . . . . 68

Die Grafschaft Osona: der Schlussstein Altkataloniens . . . . 74

3


Ansicht der Alten Brücke über den Fluvià in der Grafenstadt Besalú


Die Pyrenäengrafschaften

Vorwort:

Die Pyrenäengrafschaften, die

wirtschaftliche Nutzung der Identität

Ich freue mich, Ihnen mit diesen Zeilen den Führer für die

Pyrenäengrafschaften vorstellen zu können, in dem die erste der

großen nationalen touristischen Routen beschrieben und erläutert

wird, die die Generaldirektion für Tourismus der katalanischen

Regierung im Kontext von „Eine Reise in die Entstehungszeit

Kataloniens“ eingerichtet hat. Dieser Route ist die Wiederbelebung

des katalanischen Jakobswegs vorausgegangen, die nach der Aufnahme

Kataloniens in den Consejo Xacobeo (Staatlicher Rat für den

Jakobsweg) inzwischen eine vollendete Tatsache darstellt; folgen wird

eine zweite nationale touristische Route entlang den Grenzfestungen,

die sich derzeit in Vorbereitung befindet.

Somit wird am Ende der laufenden Legislaturperiode praktisch das

ganze Land von den großen touristischen Routen erfasst sein, die im

Strategieplan für den Tourismus in Katalonien 2005–10 (Pla Estratègic

del Turisme a Catalunya 2005-10, PETC) vorgesehen sind, den das von

mir geleitete Ministerium in den letzten Jahren verfolgt hat. Nämlich:

Altkatalonien und die Pyrenäen, einschließlich der Vorpyrenäen und

der angrenzenden Gebiete, durch die Route der Pyrenäengrafschaften,

das gesamte Hinterland, von Sant Pere de Rodes und der Küste des

Empordà bis nach Zentralkatalonien, sowie der Westen Kataloniens

durch den Jakobsweg mit seinen Seitenwegen, und schließlich

Neukatalonien, vom Llobregat bis zum Ebro und zum Segre, durch die

Route der Grenzfestungen.

Hier jedoch soll jetzt von der Route der Pyrenäengrafschaften die

Rede sein, die durch die gesamte pyrenäische und vorpyrenäische

Region des Landes führt und deren Ziel es ist, ein leistungsstarkes,

nachhaltiges und wettbewerbsfähiges touristisches Angebot zu

schaffen, das auf der wirtschaftlichen Erschließung der wichtigsten

materiellen und immateriellen natürlichen, architektonischen und

kulturellen Ressourcen beruht, die mit den mittelalterlichen

Ursprüngen Kataloniens im Zusammenhang stehen. Die Route der

Pyrenäengrafschaften stellt in diesem Sinne ein komplettes

touristisches Angebot dar, das die Landschaften und natürlichen

5


6

Schauplätze der Pyrenäen und Vorpyrenäen mit den herausragenden

historischen Persönlichkeiten jener Epoche und dem beeindruckenden

pyrenäischen Denkmalserbe, das vom Kloster Sant Pere de Rodes über

zahlreiche andere erstrangige Sehenswürdigkeiten bis hin zum

romanischen Tor des Klosters Ripoll, zur Stadt Cardona und ihrer

Festung oder zu dem von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannten

Ensemble der romanischen Kirchen des Boí-Tals reicht, in Verbindung

bringt. Zu den erwähnten anderen Sehenswürdigkeiten zählen zum

Beispiel die mittelalterlichen Stadtkerne von Vic und La Seu d’Urgell

mit ihren jeweiligen bischöflichen und Diözesanmuseen, die

romanischen Kirchen in Berguedà und Pallars oder die Grenzfestungen

des Montsec und des Àger-Tals. Darüber hinaus bietet die Route

Möglichkeiten, mehr über historische Persönlichkeiten zu erfahren, die

bei der Entstehung Kataloniens eine relevante Rolle gespielt haben,

wie die Grafen von Empúries, Bernhard I. Tallaferro, Graf Wilfried der

Haarige, Abt Oliba, Bischof Armengol von Urgell, Arnau Mir de Tost oder

die Herren von Erill. In anderen Worten offerieren wir ein

kulturtouristisches Angebot, das Natur, Geschichte und Kultur erstmals

in einer einzigen Route zusammenfasst, deren Leitmotiv die Entstehung

Kataloniens ist.

Die Einrichtung der Route der Pyrenäengrafschaften ist, wie bereits

erwähnt, von den Richtlinien des Strategieplans für den Tourismus in

Katalonien 2005–10 inspiriert und stellt ein gutes Bespiel für die

Tourismuspolitik des Ministeriums und der Generaldirektion für

Tourismus in den vergangenen Jahren dar. Mit dieser Politik verfolgen

wir ein doppeltes Ziel: erstens die Konsolidierung und Stärkung der

Rolle des Tourismus in der katalanischen Wirtschaft, also die

Bewahrung der herausragenden Stellung Kataloniens unter den

führenden touristischen Reisezielen der Welt, und zweitens die

Renovierung des katalanischen Touristikmodells in Übereinstimmung

mit den Grundprinzipien des ethischen und nachhaltigen Tourismus,

die sowohl von der Europäischen Union als auch von der

Welttourismusorganisation (UNWTO) verfolgt werden. Diese Prinzipien

halten uns dazu an, auf Identität und Wahrhaftigkeit zu setzen und all

das wirtschaftlich zu erschließen, was dazu beitragen kann, Katalonien

von anderen touristischen Reisezielen in der Welt zu differenzieren und

einzigartig zu machen. Mit der Route der Pyrenäengrafschaften setzen

wir also auf die Diversifikation des katalanischen Touristikmodells nach

Vorgabe der erwähnten ethischen Empfehlungen und Prinzipien und

der neuen Trends auf dem internationalen Tourismusmarkt.

Letztendliches Ziel ist es, Katalonien zu einem touristischen

Qualitätsreiseziel zu machen, das seine eigene Identität wertschätzt

und in dem das ganze Land nach Kriterien der territorialen

Ausgewogenheit vom Tourismus profitiert.

Josep Huguet i Biosca

Minister für Innovation, Universitäten und Unternehmen


Die Pyrenäengrafschaften

Eine Reise in die Entstehungszeit

Kataloniens

Die Route der Pyrenäengrafschaften entspricht einer Reise zu den

Ursprüngen Kataloniens. Einer Reise, die die beeindruckenden

Gebirgslandschaften mit der Schönheit der romanischen Architektur

verbindet und an zahllosen Stätten entlangführt, an denen die Schritte

berühmter Persönlichkeiten wie Abt Oliba oder Graf Wilfried dem

Haarigen noch stets nachzuhallen scheinen.

Vom Empordà nach Ribagorça führt die Route vor der Gebirgskulisse der

Pyrenäen durch wunderschöne Landschaften, die die Wiege

historischer Figuren und Schauplatz großer Heldentaten, Legenden,

Mythen und Traditionen gewesen sind. Ein natürliches und vom

Menschen geformtes Milieu mit verstreuten Klöstern, Kirchen und

Burgen, die an eine Epoche erinnern, in der auch Europa, der

Feudalismus, die Kreuzzüge und die romanischen Kunst ihren Ursprung

hatten.

Die Route der Pyrenäengrafschaften hält für jeden Besucher

touristische Unterkünfte bereit, die seinen Wünschen und

Anforderungen entsprechen: von kleinen Hotels über Landunterkünfte

bis hin zu den zahlreichen Campingplätzen in den Landkreisen, die die

Route berührt. Überall kann auch die katalanische Bergküche verkostet

oder eine breite Palette an Qualitätsprodukten erstanden werden, die

von den Wurstsorten llonganissa aus Vic und xolís aus dem Pallars bis

hin zu allen möglichen traditionell hergestellten Käsesorten reicht.

Über die Gastronomie und die sich bietenden Einkaufsmöglichkeiten

hinaus darf aber auch das umfangreiche Freizeitangebot nicht

vergessen werden, das es in der ganzen Region erlaubt, die Natur zu

entdecken und zu genießen.

Im vorliegenden Führer werden die am besten geeigneten,

interessantesten oder schnellsten Routen zum intensiven Entdecken der

historischen Pyrenäengrafschaften, ihrer Landschaften und der

Geheimnisse ihrer Denkmäler vorgeschlagen. Hinter jeder Kurve der

Haupt- und Nebenstraßen, über die die Route führt, lässt sich etwas

von der Entstehungsgeschichte Kataloniens entdecken und begreifen,

wie eine römisch und westgotisch geprägte Gesellschaft im 9. bis 12.

Jahrhundert eine eigene Identität entwickelte, die in einem

architektonischen Stil, einer Sprache und dem Namen eines Landes

ihren Ausdruck fand.

Zeitlich reicht die Route der Pyrenäengrafschaften vom wenig

bekannten 9. Jahrhundert, in dem Wilfried der Haarige den Prozess in

Gang brachte, der zur Unabhängigkeit der katalanischen Grafschaften

führen sollte, bis in das 15. Jahrhundert, in dem der Tod Martins des

7


8

Menschlichen ohne lebende Nachkommen zum Erlöschen des Hauses

Barcelona führte, das Katalonien für mehr als fünf Jahrhunderte regiert

hatte.

Die Route führt in den katalanischen Pyrenäen, im weitesten Sinne,

durch das Gebiet der ehemaligen Grafschaften, aus denen

Altkatalonien (Catalunya Vella) entstand. Reisende können sie an

einem Stück zurücklegen oder aber Schritt für Schritt, Grafschaft für

Grafschaft erschließen. Egal, ob man von West nach Ost oder von Ost

nach West reist: Die Route bietet die Möglichkeit, eine sorgfältig

getroffene Auswahl an mittelalterlichen Denkmälern und Museen zu

besuchen, die in das historische Ambiente Altkataloniens und der Marca

Hispanica und in die Zeiten des gefürchteten Kriegers Tallaferro oder

der frommen Gräfin Ermesinde zurückführen. Eine Reise in die

Entstehungszeit des Landes.

Kurze Geschichte der

katalanischen Grafschaften

Als das moslemische Heer 711 die Meerenge von Gibraltar überquerte,

wurde das westgotische Königreich Toledo gerade von internen

Machtkämpfen erschüttert. Dieser Die Schlacht von Tours und Poitiers. Miniatur

Umstand erklärt, warum die (14. Jh.) aus den Grandes Chroniques de

Mauren bereits drei Jahre später

France, Schloss Chantilly, Frankreich


Osca (Huesca) erreichten, von

wo aus sie die Eroberung

Kataloniens und Frankreichs

in Angriff nahmen. Nach dem

Überschreiten der Pyrenäen

wurden sie jedoch im Jahr 732

in der berühmten Schlacht von

Tours und Poitiers vom späteren

fränkischen Herrscher Karl

Martell, dem Großvater Karls

des Großen, geschlagen. Diese

Niederlage bedeutete das Ende

des moslemischen Vormarsches

in nördliche Richtung.

Die Pyrenäengrafschaften

Nachdem sie die arabische

Invasion gestoppt hatten,

setzten die Franken nach

und drangen in diversen,

Der Tod Karls des Großen. Miniatur,

aufeinander folgenden Wellen

Nationalbibliothek Frankreichs, Paris

auf die Pyrenäenhalbinsel vor.

Der erste fränkische König,

der eine feste Grenze etablierte, war Pippin der Kurze, der dazu die

natürliche Barriere der Pyrenäen nutzte. Sein Sohn Karl der Große

wollte später Saragossa erreichen und den wasserreichen Ebro zur

neuen Grenze machen, musste diesen Plan nach der Niederlage bei

Roncesvalles (778) jedoch aufgeben. Der karolingische Feldzug

allerdings wurde fortgeführt, und die Franken eroberten 785 Girona,

bevor sie 801 Barcelona von der moslemischen Belagerung befreiten.

Damit war ganz Altkatalonien, von den Pyrenäen bis an den Llobregat,

befreit und die Spanische Mark geboren.

Die zahlreichen Grenzen des Karolingerreichs erlaubten es den

Regierenden nicht, sich persönlich um die Verteidigung aller Marken

(Grenzregionen) zu kümmern. Um diese trotzdem zu gewährleisten,

teilten die karolingischen Monarchen das Gebiet in kleine

Verwaltungseinheiten auf, die jeweils von einem Grafen verwaltet

wurden. Zu Beginn des 9. Jahrhunderts umfasste die Spanische Mark

sechs solcher Grafschaften: Pallars-Ribagorça, Empúries-Peralada,

Girona-Besalú, Urgell-Cerdanya, Rosselló-Vallespir und Barcelona.

Die Privilegien einiger Grafen, die Abwesenheit der Monarchen und die

Einfälle der Araber waren Faktoren, die dazu führten, dass es zu ersten

internen Auseinandersetzungen und Aufständen gegen die fränkische

Vorherrschaft kam. Grafen, die sich den karolingischen Machthabern

widersetzten, wurden abgesetzt, während die, die ihnen treu blieben,

weitere Grafschaften zugesprochen kamen. Auf diese Weise übernahm

Wilfried der Haarige, Graf von Urgell-Cerdanya, auch die Herrschaft

über die Grafschaften Osona, Girona und Barcelona, und das Haus

9


10

Barcelona erlangte die Führung

in Katalonien, die es über das

gesamte Mittelalter bewahren

sollte.

Wilfried der Haarige stand

vor zwei wesentlichen

Herausforderungen, der

Verteidigung der Grenzen

gegen die Moslems und der

Wiederbevölkerung weiter

Miniatur aus dem Liber Feudorum Maior. Zeugnis

katalanischer Landstriche. Für

diese zweite Aufgabe gründete

er die Klöster Sant Joan de les

des Grafen von Besalú, Bernhard I. Tallaferro

Abadesses und Santa Maria de

Ripoll, die beide umfangreiche

Besitztümer in der ganzen Mark zugesprochen bekamen.

Wenig später wurde Wilfried in einer der Schlachten gegen die Araber

tödlich verletzt. Er fand seine letzte Ruhe im Kloster Santa Maria de

Ripoll, das seitdem als Pantheon der Dynastie diente. Wilfrieds

Grafschaften wurden im Block seinen Erben übertragen, wobei der

Grafentitel, der bis dahin auf Lebenszeit von den karolingischen

Monarchen vergeben worden war, in ein erbliches Privileg

umgewandelt wurde und die Dynastie des Hauses Barcelona ihren

Anfang nahm. Schon bald waren die Grafen von Barcelona als einzige

niemandes Vasall, nicht einmal des Papstes, und Raimund Berengar I.,

Graf von Barcelona, regierte praktisch als König von Katalonien.

Die Vorherrschaft des Hauses Barcelona setzte sich zu Zeiten Raimund

Berengars III. fort, der Besalú und die Cerdanya in sein

Herrschaftsgebiet eingliederte. So weitete das Geschlecht seinen

Einflussbereich auf Okzitanien aus und konsolidierte die Existenz

Neukataloniens (Catalunya Nova). Das entstandene Reich erbte

Raimund Berengar IV., nach dessen Heirat mit Petronella von Aragón

die katalanischen Grafschaften mit Aragonien vereint wurden. Von

diesem Moment an waren die Grafen von Barcelona zugleich auch

Könige von Aragonien.

Teilrouten

Die Route der Pyrenäengrafschaften erstreckt sich über elf

Grafschaften, in denen jeweils zwei oder drei herausragende

Sehenswürdigkeiten ausgewählt worden sind, die man an einem Tag

besichtigen kann. Für Besucher, die mehr Zeit für den Besuch der

einzelnen Grafschaften haben, wurde auch noch eine Auswahl anderer


Die Pyrenäengrafschaften

Sehenswürdigkeiten getroffen, deren Anzahl von Fall zu Fall variiert.

Außerdem gibt es zu jeder Grafschaft einen Abriss ihrer

frühmittelalterlichen Geschichte sowie eine kurze historische und

künstlerische Erläuterung der herausragenden Denkmäler.

Nördlicher Teil der Route:

vom Empordà zum Boí-Tal (5 Tage)

NÖRDLICHER TEIL DER ROUTE DER PYRENÄENGRAFSCHAFTEN

ETAPPE BESICHTIGUNGEN

GRAFSCHAFT

Etappe 1 Kloster Sant Pere de Rodes

Mittelalterliches Ensemble

von Castelló d’Empúries

Empúries

Etappe 2 Grafenstadt Besalú

Besalú

Església de Sant Cristòfol de Beget o

monestir de Sant Joan de les Abadesses

Ripoll

Etappe 3 Monestir de Ripoll Ripoll

El Pedraforca - Vila vella de Gósol Berga

Etappe 4 Conjunt monumental de la catedral de la

Seu d’Urgell

Església de Sant Pere del Burgal (Les Valls

d’Àneu)

Urgell

Pallars Sobirà

Etappe 5 Conjunt romànic de la Vall de Boí Ribagorça

Südlicher Teil der Route:

vom Boí-Tal nach Girona (5 Tage)

ETAPPEN BESICHTIGUNGEN GRAFSCHAFT

Etappe 1 Romanische Architektur des Boí-Tals Ribagorça

Etappe 2 Die Burg von Mur

Kirche Santa Maria de Covet

(Isona i Conca Dellà)

Pallars Jussà

Etappe 3 Mittelalterlicher Ortskern von Solsona

Mittelalterliches Ensemble von Cardona

Cardona

Etappe 4 Mittelalterliche Architektur von Vic

Bischöfliches Museum von Vic

Osona

Etappe 5

SÜDLICHER TEIL DER ROUTE DER PYRENÄENGRAFSCHAFTEN

Ensemble von Girona

Girona

11


12

Vielha Nord- und Südroute

0

N-230

El Pont

de Suert

Balaguer

Boí-Tal

Romanisches Ensemble

Tremp

Sant Pere

del Burgal

Kirche

(Les Valls d’Àneu)

Sort

Burg von

Mur ETAPPE 2 Santa Maria

de Covet

Kirche

(Isona i

Conca Dellà)

C-12

N-260

C-13

ETAPPE 5

ETAPPE 1

C-13

Nordroute: vom Empordà zum Boí-Tal (5 Tage)

Südroute: vom Boï-Tal nach Girona (5 Tage)

Kirche / Kloster

Sehenswerter Ort

Burg

C-28

N-260

30 km

N-260

La Seu d’Urgell

Denkmalskomplex

Pedraforca

Gósol

Historischer Ortskern

ETAPPE 3

Solsona

ETAPPE 3

Mittelalterliches

Ensemble

Cardona

Mittelalterliches

Ensemble

Puigcerdà

Manresa

Charakteristische Landschaft des Pallars Jussà Romanischer Kreuzgang des Klosters Sant Benet de Bages

ETAPPE 4

C-14

C-14

C-26

N-260

C-26

C-55

C-16

C-26

Berga

C-15


Ripoll

Kloster

C-25

N-152

C-17

C-26

C-17

C-38

ETAPPE 2

Sant Joan

de les

Abadesses

Kloster

Sant Cristòfol

de Beget

Kirche

Olot

ETAPPE 4

Vic

Mittelalterliches Ensemble

Bischöfliches Museum

C-25

Sta. Coloma

de Farners

Besalú

Grafenstadt

Banyoles

C-63

ETAPPE 5

Girona

Mittelalterliches

Ensemblel

AP-7

N-II

Figueres

N-260

La Bisbal

d’Empordà

Sant Pere

de Rodes

Kloster

Castelló

d’Empúries

Mittelalterliches

Ensemble

Heiligtum von Montgrony in der Grafschaft Ripoll Die mittelalterliche Stadt Pals (Empordà)

N-II

AP-7

ETAPPE 1

N-260

C-31

13


14

WOCHENENDTOUREN AUF DER ROUTE DER PYRENÄENGRAFSCHAFTEN

GRAFSCHAFT

Girona

Empúries

Besalú

Ripoll

Berga

Cerdanya Llívia

Altstadt

Urgell

Pallars

Sobirà

Val d’Aran Vielha

Vilamòs

Pallars

Jussà

Ribagorça

Cardona

Osona

HÖHEPUNKTE SEHENSWÜRDIGKEITEN

Mittelalterliches

Ensemble von Girona

Burg von La Bisbal

Mittelalterliches

Ensemble von

Castelló d’Empúries

Kloster Sant Pere

de Rodes

Mittelalterliches Ensemble von Pals

Mittelalterliches Ensemble von

Peratallada

Kloster Sant Quirze de Colera

Burg von Requesens

Mittelalterliches Ensemble von Peralada

Kloster Santa Maria de Vilabertran

Grafenstadt Mittelalterliches Ensemble von

Besalú

Santa Pau

Grafenstadt Kloster Sant Joan de les

Ripoll Abadesses

Kirche Sant Cristòfol de Beget

Burg Mataplana

Heiligtum Sant Pere de Montgrony

Pedraforca / Kirche Sant Llorenç prop Bagà

Historischer Kirche Santa Maria de Lillet

Ortskern von Kirche Sant Vicenç de Rus

Gósol

Kirche Sant Jaume de Frontanyà

Kirche Sant Sadurní de Rotgers

Kirche Sant Quirze de Pedret

Kirche Sant Vicenç d’Obiols

Denkmalskomplex

der Kathedrale

von La Seu

d’Urgell

Romanische

Architektur im

Àneu-Tal

Interpretationszentrum der

Homilies d’Organyà

Burg von Sort

Ausstellung „Hugo Roger III.,

Aufstand in den Bergen“

Altstadt

Ökomuseum Çò de Joanchiquet

Burg von Mur Burg von Llordà

Mittelalterliches Ensemble von Àger

Kirche Santa Maria de Covet

Romanische Architektur

des Boí-Tals

Mittelalterliches

Ensemble von Cardona

Altstadt von Vic /

Bischöfliches

Museum von

Vic

Kloster de Sant Benet de Bages

Mittelalterlicher Ortskern von Solsona

Mittelalterliche Siedlung L’Esquerda

Kloster Sant Pere de Casserres

Kloster Santa Maria de Lluçà

Kloster Santa Maria de l’Estany


Teilrouten Grafschaft für Grafschaft (1, 2 oder 3 Tage)

Neben den beiden Hauptabschnitten umfasst die Route auch

Varianten für ein- bis dreitägige Touren in den verschiedenen

Grafschaften.

In Anbetracht der geografischen

und klimatologischen Merkmale

der Umgebung sollten bei der

Reiseplanung vor allem im

Winter die zu erwartenden

Wetterbedingungen

berücksichtigt werden.

Andererseits ist zu bedenken,

dass bei der Routenauswahl

von der Benutzung eines

Pkw ausgegangen worden ist.

Ist die Benutzung größerer

Hauptfassade des Benediktinerklosters

Fahrzeuge, zum Beispiel

Santa Maria de Ripoll

von Reisebussen, geplant, so

empfehlen wir, sich im Vorfeld über die Eignung der vorgeschlagenen

Strecken zu erkundigen. Ebenfalls zu berücksichtigen ist der

Festtagskalender, der das ganze Jahr über zahlreiche Volksfeste und

Veranstaltungen jeder Art bietet.

Grafschaft für Grafschaft

Die Pyrenäengrafschaften

Die Route führt durch die ehemaligen katalanischen Grafschaften, die

Schauplatz der Geburt und Formung des Landes waren:

Grafschaft Girona

Grafschaft Empúries

Grafschaft Besalú

Grafschaft Ripoll

Grafschaft Berga

Grafschaft Cerdanya

Grafschaft Urgell

Grafschaft Pallars Sobirà

• Arantal

Grafschaft Ribagorça

Grafschaft Pallars Jussà

• Vizegrafschaft Cardona

Grafschaft Osona

15


ROUTENBESCHREIBUNGEN


18

Die Grafschaft Girona:

die Grenze des Reichs

Die Häuser am Onyar in Girona mit ihren

Die Stadt Girona bietet ihren Besuchern

farbig gestrichenen, auf den Fluss

Eindrücke aus der Entstehungszeit der

hinausragenden Rückfassaden

katalanischen Grafschaften, und La

Bisbal d’Empordà ist der ideale Ort,

um die Rolle der Kirche in der katalanischen Politik des Mittelalters

zu verstehen.

Unsere Routenempfehlung

Wenn man nur einen Tag zur Verfügung hat, empfiehlt sich der Besuch

der Grafschaftshauptstadt Girona und der Burg von La Bisbal

d’Empordà. Der Routenvorschlag für einen zweitägigen Besuch beginnt

in der Stadt Girona. Von dort geht es zunächst in Richtung La Bisbal

d’Empordà. Sehenswert sind des Weiteren die mittelalterlichen

Ensembles von Pals, Peratallada und anderen Orten der Umgebung.

1. Von Girona nach La Bisbal d’Empordà

2. Von La Bisbal d’Empordà nach Forallac (Peratallada)

3. Von Forallac nach Pals

Die Geschichte: Karl der Große

Die Bedeutung Karls des Großen für die Geschichte Gironas beruht vor

allem auf dem Umstand, dass er es war, der die Eroberung der Gebiete

südlich der Pyrenäen, von Navarra bis zum Cap de Creus, in Gang

setzte, die dann in das Frankenreich eingegliedert wurden. Obwohl die

Überlieferung behauptet, Karl der Große habe dieses Gebiet erobert,

steht seine persönliche Beteiligung nicht fest, und sowohl Girona als

auch Barcelona kapitulierten offiziell vor seinem Sohn Ludwig. Die

Stadt Girona wurde 785 an Karl den Großen übergeben und mit ihren


Grafschaft Girona

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Die Pyrenäengrafschaften

Besitztümern zur Grafschaft Girona gemacht.

Heute haben der Landkreis Gironès und die

benachbarten Kreise einige der herausragenden

Baudenkmäler der Karolingerzeit zu bieten.

Ein gutes Beispiel ist der ummauerte Stadtkern

Gironas, der im 9. und 10. Jahrhundert komplett

erneuert wurde.

Figur Karls des Großen von Jaume Cascalls,

Kathedralmuseum Girona

í

ó

19


20

Herausragende Sehenswürdigkeiten der Grafschaft Girona

Besuch in Girona, der Stadt Karls des Großen

Drei Elemente gelten allgemein als Symbole für den Aufenthalt Karls des

Großen in Girona: der romanische Glockenturm der Kathedrale, der „Stuhl

Karls des Großen“ und die gotische Skulptur des heiliggesprochenen Kaisers.

Stadtmauer-Promenade: Wir schlagen vor, die Besichtigung Gironas

mit der Stadtmauer zu beginnen. Sie ist römischen Ursprungs und wurde

in der Zeit der Karolinger (9. Jh.) sowie im Spätmittelalter (14.–15. Jh.)

umgebaut. Die herausragenden romanischen Elemente, der Júlia-Turm und

das Rufina-Tor, sind beide unweit des Sant-Domènec-Komplexes zu finden.

Kloster Sant Pere de Galligants: Das Kloster Sant Pere de Galligants,

eine ehemalige Benediktinerabtei aus dem 12. Jahrhundert, gehört zu

den schönsten romanischen Baudenkmälern Kataloniens. Es umfasst

eine dreischiffige Kirche mit fünf Apsiden, einen achteckigen

Glockenturm und einen Kreuzgang, der ein wunderschönes Beispiel für

die frühmittelalterliche katalanische Bildhauerkunst darstellt. Die

Hauptfassade ist mit einem Radfenster dekoriert. Seit 1857 beherbergt

das Kloster das Archäologiemuseum von Girona, das heute dem Netz

des Nationalen Kunstmuseums von Katalonien (MNAC) angeschlossen ist.

Arabische Bäder: Ihrem volkstümlichen Namen zum Trotz sind die

der in Girona nicht arabischen Ursprungs. Sie stammen aus dem 12.–13.

Jahrhundert und sind insofern überraschend, dass von außen nichts auf ihre

innenarchitektonische Pracht hinweist, für die das achteckige, von acht

schlanken Säulen umgebene Wasserbecken ein schönes Beispiel darstellt.

Sant Feliu: Die Kirche Sant Feliu erhebt sich am Nordtor der

Stadtmauer auf dem Gelände eines ehemaligen Friedhofs, der

traditionell als letzte Ruhestätte des aus Girona stammenden heiligen

Märtyrers und Namensgebers der Kirche gilt. Abgesehen von der

Einzigartigkeit der Kirche, bei der ein romanischer Grundriss mit

gotischen Gemäuern kombiniert wurde, verdienen auch die externen

Wehrelemente aus dem 13. Jahrhundert und die mit heidnischen und

christlichen Reliefs dekorierten spätrömischen und frühchristlichen

Sarkophage in den seitlichen

Mauern der Apsis die

Aufmerksamkeit der Besucher.

Kathedrale: Der Bau der der

Mutter Gottes geweihten und

am höchsten Punkt der Stadt

stehenden Kathedrale von Girona

begann im 11. Jahrhundert im

romanischen Stil. Im Laufe

Die ehemalige Benediktinerabtei Sant Pere

de Galligants, Sitz des Archäologischen

Museums von Girona


Die Pyrenäengrafschaften

des 14. Jahrhunderts wurden die Arbeiten dann im gotischen Stil

fortgesetzt, wobei aber der romanische Kreuzgang aus dem 12.

Jahrhundert und der aus der gleichen Zeit stammende, als „Turm Karls

des Großen“ bekannte Glockenturm erhalten blieben. Die Kathedrale

von Girona weist die Besonderheit auf, dass ihr von einem

beeindruckenden Kreuzgewölbe gedecktes gotisches Schiff weltweit

das breiteste seiner Art ist. Der Glockenturm diente als Strebewerk für

dieses große Schiff. Von besonderem Interesse sind in der Kathedrale

der Eingangsbereich, das Mittelschiff, die senyera (katalanische Flagge)

der Ermesinde, der Stuhl Karls des Großen, das Grab Raimund

Berengars II. des Flachskopfes, die Legende von Flachskopf und dem

Falken, der Turm Karls des Großen, der Kreuzgang, das Standbild Karls

des Großen und der Schöpfungsteppich.

Kunstmuseum: Wir empfehlen die eingehende Besichtigung der ersten

vier Säle, die der romanischen Epoche gewidmet sind. Zu den

herausragenden Exponaten zählen der tragbare Altar aus Sant Pere de

Rodes und einige aus dem gleiche Kloster stammende Kapitelle des

Meisters von Cabestany, der bemalte Balken von Cruïlles, die

Wandmalereien aus Pedrinyà und das Kapitell des Kanonikerhauses,

alles Meisterwerke der katalanischen Romanik.

Museum für jüdische Geschichte: Das Studienzentrum Bonastruc ça

Porta präsentiert das jüdische Erbe Gironas und Kataloniens. Besucher

bekommen hier einen klaren Eindruck davon, wie die Juden im

Mittelalter in den katalanischen Judenvierteln lebten: wie sie sich

kleideten, was sie aßen und sogar, wie sie begraben wurden. Das

Museum befindet sich an einer der interessantesten Stellen des

historischen Stadtkerns.

Besuch in La Bisbal d’Empordà: die belagerte Burg

Von Girona führt die Landstraße C-66 nach La Bisbal d’Empordà, der

Hauptstadt des Landkreises Baix Empordà. Inmitten einer flachen, von

kleinen Hügeln übersäten Landschaft lassen

sich hier zahlreiche Ortschaften mit

Kreuzgang der Kathedrale von

Girona, an der Nordseite der Kirche

21


22

mittelalterlichen Sehenswürdigkeiten entdecken, darunter Púbol mit

dem Schloss, das Gala und Salvador Dalí gehörte, oder Foixà, ehemaliger

Sitz einer bedeutenden Baronie.

Die Burg: Die im schönen Ortskern von La Bisbal stehende Burg, deren

Existenz seit 1180 dokumentarisch belegt ist, ist das besterhaltene

Beispiel für die katalanische Zivilarchitektur der Romanik. Auf der

oberen Turmterrasse ist die Kapelle Sant Miquel zu finden, die einen

herrlichen Rundblick auf die Empordà-Ebene bietet. Zur Rechten sieht

man den Beginn einer schmalen Wendeltreppe, die wohl zu den

unteren Räumlichkeiten der Bischofsresidenz führte. Mit der

Eintrittskarte bekommen Besucher auch Zutritt zum seitlichen

Burgsaal, in dem mit einer audiovisuellen Präsentation die eng mit den

Feudalkriegen verbundene Geschichte der Burg erklärt wird.

Weitere Sehenswürdigkeiten der Grafschaft

Viele Dörfer im Hinterland von Baix Empordà charakterisieren sich

durch die mittelalterliche Architektur, die sich ihre Straßen und Plätze

bis heute bewahrt haben. In Peratallada und Pals lassen sich die die

urbanen Strukturen und das städtische Umfeld der Epoche der

katalanischen Grafschaften am besten nachempfinden.

Mittelalterliches Ensemble von Pals

Um von La Bisbal nach Pals zu gelangen, folgt man der Landstraße C-66

weiter in Richtung Palafrugell. Auf halbem Weg zweigt zur Linken die

GI-652 ab, die in den aufgrund seiner Lage auf dem Puig Aspre schon aus

der Entfernung sichtbaren Ort führt. Der ihn überragende mittelalterliche

Turm kann auf dem ganzen Weg als Orientierungshilfe genutzt werden.

Beim mittelalterlichen Ensemble von Pals handelt es sich um einen

ummauerten Ortskern mit schmalen, steilen Gassen, deren Architektur

ihnen einen ganz besonderen Reiz verleiht. Die 170 m lange, mit sechs

Türmen versehene Stadtmauer befindet sich in einem guten

Erhaltungszustand. An einem Ende der Anlage stehen die Reste der

Burg mit dem heute so genannten „Stundenturm“. Viele Steine der

Festung wurden im 14. Jahrhundert für den Wiederaufbau der Kirche

Sant Pere verwendet.

Mittelalterliches Ensemble von Peralada (Forallac)

Peratallada gehört zu den besterhaltenen mittelalterlichen Ensembles

in Baix Empordà. Um dorthin zu gelangen, nimmt man in Pals die

Landstraße C-31 in Richtung Torroella de Montgrí. Die nach links

abzweigende GI-651 führt über Palau-sator zum wenige Kilometer

dahinter liegenden Peratallada. In der auf einem riesigen, zerklüfteten

natürlichen Felsvorkommen, dem es auch seinen Namen (kat. pedra

tallada = behauener Fels) verdankt, gelegenen Ortschaft sind die

Stadtmauer und die Burg mit einigen Prachtsälen und dem massiven

Hauptturm erhalten. Außerhalb der Stadtmauer ist die Kirche Sant

Esteve sehenswert, die sich die schlichte Eleganz der katalanischen

Romanik bewahrt hat.


Praktische Informationen

ANKUNFT IN GIRONA

In Girona gibt es kostenlose

Parkgelegenheiten am

Stadtrand und kostenpflichtige

Parkplätze im historischen

Zentrum der Stadt.

INFORMATIONS- UND

FREMDENVERKEHRSBÜRO

GIRONA

C/ Joan Maragall, 2

17002 Girona

Tel.: (+34) 872 975 975

ot.girona@gencat.cat

STADTMAUER-PROMENADE

Passeig de les Muralles

17004 Girona (Gironès)

KLOSTER SANT PERE DE

GALLIGANTS

ARCHÄOLOGISCHES MUSEUM VON

KATALONIEN –GIRONA

Kloster Sant Pere de Galligants

C/ de Santa Llúcia, s/n

17007 Girona

Tel.: (+34) 972 202 632

ARABISCHE BÄDER

C/ de Ferran el Catòlic, s/n

17004 Girona (Gironès)

Tel.: (+34) 972 213 262

www.banysarabs.cat

KIRCHE SANT FELIU

Pujada de Sant Feliu, 29

17004 Girona

Tel.: (+34) 972 201 407

KATHEDRALE

Plaça de la Catedral

17004 Girona

www.catedraldegirona.org

KUNSTMUSEUM VON GIRONA

Pujada de la Catedral, 12

17004 Girona

Tel.: (+34) 972 203 834

www.museuart.com

Die Pyrenäengrafschaften

MUSEUM FÜR JÜDISCHE

GESCHICHTE

C/ de la Força, 8

17004 Girona

Tel.: (+34) 972 216 761

www.girona.cat/call/cat/index.php

ANKUNFT IN LA BISBAL

D’EMPORDÀ

Der dem historischen Zentrum

am nächsten gelegene

Parkplatz in La Bisbal

d’Empordà befindet sich auf

dem Plaça de Joan Carreras

Dagas.

Unbedingt empfehlenswert ist

die audiovisuelle Präsentation,

die in der Burg angeboten wird.

FREMDENVERKEHRSBÜRO LA

BISBAL D’EMPORDÀ

Edifici Torre Maria,

C/ de l’Aigüeta, 17

17100 La Bisbal d’Empordà

Tel.: (+34) 972 645 500

www.visitlabisbal.cat

BURG VON LA BISBAL

D’EMPORDÀ

Plaça del Castell, s/n

17100 La Bisbal d’Empordà

Tel.: (+34) 972 645 166

www.visitlabisbal.cat

PALS

FREMDENVERKEHRSBÜRO PALS

C/ Hospital, 22

17256 Pals

Tel.: (+34) 972 637 380

www.pals.cat

PERATALLADA

RATHAUS FORALLAC,

TOURISMUSABTEILUNG

C/ Unió, 3

17111 Forallac

Tel.: (+34) 972 645 522

www.forallac.com

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24

Die Grafschaft Empúries:

die unabhängige Grafschaft

Castelló d’Empúries und Sant

Das Kloster Sant Pere de Rodes, ehemalige

Benediktinerabtei der Grafschaft Empúries,

Pere de Rodes sind die

am Nordhang der Serra de Verdera

herausragenden historischen

Schauplätze in der Grafschaft

Empúries. Castelló ist die ehemalige Hauptstadt der Grafschaft,

während das Kloster Sant Pere die Möglichkeit bietet, Einblick in die

Ursprünge der romanischen Kunst in Katalonien zu bekommen.

Unsere Routenempfehlung

In der Grafschaft Empúries gibt es zwei Sehenswürdigkeiten, die man

unbedingt besichtigen sollte: das Kloster Sant Pere de Rodes und die

ehemalige Grafschaftshauptstadt Castelló d’Empúries. Für den Fall,

dass man für den Besuch der Grafschaft mehr als einen Tag Zeit hat,

schlagen wir eine Route vor, die in Castelló d’Empúries beginnt und

zunächst nach Sant Pere de Rodes führt. Dann geht es vom Kloster

über Peralada, Vilabertran und Sant Quirze de Colera zur Burg von

Requesens.

1. Von Castelló d’Empúries nach El Port de la Selva (Sant Pere de Rodes)

2. Von El Port de la Selva nach Peralada

3. Von Peralada nach Vilabertran (Chorherrenstift Santa Maria)

4. Von Vilabertran nach Rabós (Kloster Sant Quirze de Colera)

5. Von Rabós nach La Jonquera (Burg von Requesens)


Grafschaft Empúries

0

Hauptstadt der Grafschaft

Kirche / Kloster

Burg

ROSSELLÓ

20 km

Requesens

6 (La Jonquera)

La Jonquera 1

Capmany

Herrschaftsgebiet der Grafschaft

Zum Zeitpunkt ihrer Gründung

(9. Jh.)

Maximale Ausdehnung nach der Vereinigung

mit der Grafschaft Roussillon (10. Jh.)

Rabós

Peralada

4 7

3

5

CASTELLÓ

D’EMPÚRIES

Empúries

(L’Escala)

Verges

Ullastret

Die Pyrenäengrafschaften

L’Armentera

Portbou

Llançà

Albons

El Port

de la Selva

2

Roses

Vulpellac (Forallac)

Cadaqués

Torroella de Montgrí

1. Sant Quirze de Colera

2. Sant Pere de Rodes

3. Santa Maria de Vilabertran

4. Sant Domènec de Peralada

5. Basilika de Santa Maria de Castelló

6. Burg von Requesens

7. Burg von Peralada

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26

Die Geschichte: die Grafschaft

Empúries, zwischen Kreuz

und Schwert

Die seit 812 existierende

Grafschaft Empúries war stark

maritim geprägt. Obwohl das

Mittelmeer vom 7. bis 13.

Jahrhundert von den Arabern

Bibliothek des Museums der Burg von Peralada

beherrscht wurde, gelang es den

emporianischen Geschwadern

mehrfach, sich der moslemischen Vorherrschaft erfolgreich zu

widersetzen.

Im Jahr 890 unternahmen die Schiffe der Grafschaft eine der

verwegensten Operationen gegen die arabischen Truppen. Später

griffen die Moslems dann Castelló d’Empúries an, und dieses Mal ging

die Schlacht zu Ungunsten der Einheimischen aus: Ihre Schiffe wurden

verbrannt und die Hafenanlagen zerstört. Die emporianische Flotte

verlor einen Teil ihrer Kapazität, auch wenn sie weiterhin zu den

mächtigsten der Region zählte.

Waren Empúries und Sant Martí bedeutende Küstenorte, so diente

Peralada den Grafen als Residenzort im Hinterland, der einerseits

weniger anfällig für Angriffe war und andererseits eine bessere

Kontrolle der land- und viehwirtschaftlichen Ressourcen der Grafschaft

erlaubte. Hauptstadt der Grafschaft wurde allerdings Castelló

d’Empúries, da Peralada am Ende des 11. Jahrhunderts unter der

Herrschaft der Vicomtes Rocabertí stand.

Herausragende Sehenswürdigkeiten der Grafschaft Empúries

Besuch in Castelló d’Empúries

Am schnellsten erreicht man Castelló d’Empúries von La Bisbal aus über

die Autobahn AP-7. Wer jedoch langsamer reisen und die

emporianische Landschaft genießen will, sollte von La Bisbal zunächst

auf der C-252 nach Verges fahren, wo in der Karwoche die berühmte

mittelalterliche Totentanz-Prozession stattfindet. Von dort geht es

dann weiter auf der Landstraße C-31. Einige Kilometer hinter

Viladamat zweigt zur Rechten eine Kreisstraße nach L’Armentera und

Sant Pere Pescador ab, und von dort führt die GIV-6216 durch den

Naturpark Aiguamolls de l’Empordà nach Castelló d’Empúries. Ein

Spaziergang durch diese mitten in der schönen Schwemmlandebene der

Muga gelegene ehemalige Grafschaftshauptstadt erlaubt es, in die Zeit

des Mittelalters einzutauchen.

Die Epoche der Grafen in Castelló: Castelló d’Empúries,

Grafschaftshauptstadt seit Beginn des 11. Jahrhunderts, hat es

verstanden, die mittelalterliche Vergangenheit in seinen Straßen und

Denkmälern zu bewahren. Bedeutendste Sehenswürdigkeit des auf dem


Die Pyrenäengrafschaften

Puig Salner liegenden historischen Ortskerns ist die Basilika Santa

Maria, die so genannte „Kathedrale des Empordà“.

In Castelló entwickelten die Grafen eine rege Bautätigkeit. Hugo II. von

Empúries (1078–1116) ließ den Ort befestigen und den Grafenpalast

errichten. Im 13. Jahrhundert wurde mit dem Bau der Basilika Santa

Maria begonnen, die Sitz eines eigenen Bistums der Grafschaft werden

sollte. Mit dem Bau wollten die Grafen einmal mehr ihre

Unabhängigkeit vom Haus Barcelona unterstreichen. Tatsächlich

gehörte die Grafschaft Empúries zu den wenigen katalanischen

Grafschaften, die es verstanden, sich der barcelonesischen

Vorherrschaft bis zur Eingliederung in die Krone Aragon im Jahr 1402 zu

entziehen. Heute wird der Titel der Grafen von Empúries von den

Herzögen von Medinaceli gehalten.

Das mittelalterliche Kurien- und Kerkergebäude: In diesem Gebäude,

das heute das Fremdenverkehrsbüro beherbergt, erhält man die für die

Besichtigung von Castelló d’Empúries und den Besuch des Naturparks

Aiguamolls de l’Empordà mit seiner vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt

erforderlichen Informationen. An den Wänden des ehemaligen Kerkers

sind von den Gefangenen angebrachte Graffiti mit Schiffsmotiven zu sehen.

Die Basilika Santa Maria: Der Bau der Basilika wurde nach den

stilistischen Vorgaben der Romanik begonnen, auch wenn sie letztlich

ein gotisches Bauwerk darstellt. Sie weist die typischen Maße und

Struktur einer Kathedrale auf, als die sie von den Grafen von Empúries

geplant war. Unter den in der Basilika erhaltenen Elementen verdienen die

gräflichen Grabstätten, das romanische Taufbecken, das Alabasterretabel

des Hochaltars und das Sakristeimuseum mit seinen wertvollen

Goldschmiede- und Textilkunstwerken besondere Erwähnung.

Besuch in Sant Pere de Rodes: das Kloster am Ende der Welt (El Port

de la Selva)

Der Besuch dieses wunderschön gelegenen Benediktinerklosters

erlaubt es, N äheres ü ber e ines der bedeutendsten klösterlichen

Pilgerzentren im mittelalterlichen Katalonien zu erfahren.

Fassade der Basilika Santa Maria de Castelló, auch

bekannt als „Kathedrale des Empordà”

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Die Epoche der Grafen in Sant Pere de Rodes: Zwischen dem 10. und

13. Jahrhundert erlebte das Benediktinerkloster Sant Pere de Rodes die

Zeit seiner größten Blüte. Davon zeugen die Gebäude des

Denkmalskomplexes und die Kunstwerke, die sie schmückten, trotz der

erlittenen Plünderungen bis heute.

Sant Pere de Rodes gehörte zum Kloster Sant Esteve de Banyoles, bis

der Adlige Tassi und sein Sohn Hildesind 943 seine Unabhängigkeit

durchsetzten. Schon sehr bald konnte das Kloster auf die feste

Unterstützung der Grafen von Empúries zählen.

Das 12. und 13. Jahrhundert stellten für das Kloster Sant Pere dank des

zunehmenden Reichtums eine großartige Epoche dar. Damals wurden

der obere Kreuzgang, das nicht mehr erhaltene Kirchenportal des

Meisters von Cabestany, der Glockenturm und der Wehrturm errichtet.

Parallel dazu entstand ein bedeutendes Skriptorium, aus dem unter

anderem der letzte Band der so genannten Bibel von Ripoll stammt, die

ein Meisterwerk der mittelalterlichen katalanischen Miniaturenkunst

darstellt. Der Verfall der Benediktinerklöster begann im 14.

Jahrhundert, in dem auch in Sant Pere de Rodes allmählich erste

Anzeichen eines Niedergangs erkennbar wurden. Zu den Gründen

zählten die Erdbeben, die die Region im 15. Jahrhundert heimsuchten,

und die Kriege zwischen Spanien und Frankreich.

Das Kloster: Sant Pere de Rodes erreicht man am besten über das stets

ruhige Örtchen Vilajuïga. Dafür fährt man von Castelló d’Empúries

zunächst nach Figueres und von dort auf der Landstraße N-260 weiter in

Richtung Portbou. Nach einer kleinen Abzweigung zur Rechten in

Richtung Marzà wird die Landstraße von der Kreisstraße GI-604

gekreuzt, auf der man Vilajuïga in wenigen Minuten erreicht. Von hier

führt eine sehr kurvige Straße (GIP-6041) hinauf zum Kloster, die, je

höher man kommt, eine immer spektakulärere und überwältigendere

Aussicht auf das Cap de Creus, ein

wahrhaftes katalanisches finis terrae an

östlichen Ende der Pyrenäen, bietet.

Das Kloster Sant Pere de Rodes wurde auf

verschiedenen Terrassenebenen am Hang

des Höhenzugs Serra de Verdera angelegt.

Die 1022 geweihte Kirche bildet über einem

dreischiffigen Grundriss mit Querschiff, Apsis

mit Chorumgang und Apsidiolen einen

ansprechenden Raum mit gestreckten Linien

und wohlbemessenen Proportionen. Der

Glockenturm weist die charakteristischen

Elemente der romanischen Architektur

Das Enkolpion von Sant Pere de Rodes. Bronzenes Reliquiar-

Brustkreuz mit Gelenk. Kunstmuseum Girona


Die Pyrenäengrafschaften

lombardischen Stils des 11. Jahrhunderts auf. Von den beiden

Kreuzgängen, dem unteren und dem oberen, gelangt man, wie üblich,

in alle Räumlichkeiten des Klosters. Im ehemaligen Refektorium

(Speisesaal) wird heute eine audiovisuelle Präsentation zum

klösterlichen Leben gezeigt.

Ein Teil der inzwischen geplünderten bildhauerischen Dekoration des

Klosters Sant Pere de Rodes stammte vom Meister von Cabestany, der

eine berühmte Werkstatt führte. Heute sind im Eingangsbereich der

Kirche Kopien einiger Reliefs zu sehen, die ihm zugeschrieben werden

und das Hauptportal der Kirche zierten. Die Originale sind über diverse

Museen und Privatsammlungen verstreut.

Interessant für Wanderfreunde dürfte der Weg sein, der vom Kloster

zur Burgruine Sant Salvador emporführt. Und für all jene, die noch

tiefer in die Geschichte eintauchen wollen, gibt es in der Serra de Pau

und der Serra de Rodes verschiedene gekennzeichnete Routen zu den

Dolmen der Gegend.

Weitere Sehenswürdigkeiten der Grafschaft

Weitere Sehenswürdigkeiten der Grafschaft Empúries sind die Stadt

Peralada, das Chorherrenstift von Vilabertran, das Kloster Sant Quirze

de Colera und die Burg von Requesens. Die beiden zuletzt genannten

Baudenkmäler stehen in der zur Naturlandschaft von nationalem

Interesse erklärten Serra de l’Albera. Das Albera-Gebirge, natürliche

Grenze zwischen dem Landkreis Alt Empordà und Roussillon, diente

wegen seiner leicht zugänglichen Wege traditionell als

Durchgangsgebiet für Pyrenäenüberquerungen.

Die Stadt Peralada

In die am Ufer der Muga gelegene Stadt Peralada gelangt man sowohl

von Vilajuïga als auch von Figueres über die N-260 und die GIP-6042. In

Castelló d’Empúries muss man die GIP-6042 Richtung Vilanova de la

Muga nehmen. Hat man diese Ortschaft passiert, braucht man nur noch

die N-260 zu überqueren, um den Zielort zu erreichen.

Dieser von Ackerland und ehemaligen, inzwischen trocken gefallenen

Seen umgebene Ort entstand Ende des 8. Jahrhunderts um die Burg

Toló. Die Grafschaft Peralada, eine der ältesten auf dem Gebiet des

heutigen Kataloniens, wurde der Grafschaft Empúries angegliedert. Im

11. Jahrhundert wurde Peralada zum Sitz der Rocabertís, die zu den

einflussreichsten katalanischen Vicomtes zählten. Vom historischen

Zentrum des Ortes sind wesentliche Teile der beiden ummauerten

Bereiche erhalten, sowie ein Netz von Gassen mit Natursteinfassaden,

die dem Ort einen unverkennbaren mittelalterlichen Charakter verleihen.

Ramon Muntaner, der 1265 in Peralada geboren worden war, hinterließ

in seiner Chronik eine Beschreibung des schrecklichsten Ereignisses in

der Geschichte dieser Stadt: der Belagerung, Plünderung und

Brandschatzung im Sommer 1285 während des von Papst Martin IV. zum

29


30

Kreuzzug erklärten Kriegs

des französischen Königs

Philipp III. des Kühnen

gegen Katalonien. Nach

einem Brand zu Beginn des

14. Jahrhunderts ließen die

Vicomtes eine neue Burg

errichten, die heute Sitz eines

Casinos und jedes Jahr im

Sommer Veranstaltungsort eines

renommierten internationalen

Kreuzgang Sant Domènec in Peralada, der einzige Musikfestivals ist. Weitere

erhaltene Teil des ehemaligen Augustinerklosters

sehenswerte Baudenkmäler der

Stadt sind der Kreuzgang

Sant Domènec, Sitz des Zentrums für Kulturtourismus, und das Kloster

El Carme, das das Museum der Burg von Peralada beherbergt.

Zentrum für Kulturtourismus Sant Domènec: Die herausragenden

Sehenswürdigkeiten dieses Zentrums sind der romanische Kreuzgang

Sant Domènec, der einst zu einem Augustinerkloster aus dem 11.

Jahrhundert gehörte, sowie der in seiner Art einmalige Siegelstempel

des Vicomte Guillem (Wilhelm) de Castellnou. Das Zentrum zeigt die

beiden Dauerausstellungen L’Empordà, territori museu („L’Empordà,

Museumsgebiet“) über die wichtigsten Identitätskennzeichen der

Stadt und des Landkreises, und Desperta ferro! (“Eisen, erwache!”),

die sich auf die Chronik des edlen En Ramon Muntaner und das

mittelalterliche Peralada konzentriert.

Museum der Burg von Peralada: Das Museum der Burg von Peralada

besitzt diverse Sammlungen, von denen einige zu den besten zählen,

die man im Empordà zu sehen bekommt. Es umfasst eine Bibliothek mit

über 40 000 Bänden, die Kirche El Carme, in der einige aus dem Kloster

Sant Pere de Rodes stammende Kapitelle des Meisters von Cabestany zu

sehen sind, eine Sammlung von Glaswaren aus der Zeit vom Alten

Ägypten bis ins 18. Jahrhundert und schließlich das Weinmuseum mit

der alten Kellerei von Peralada. Noch immer wird von den in der

Umgebung des Ortes gelesenen Trauben übrigens ein exzellenter Wein

mit der Ursprungsbezeichnung Empordà-Costa Brava bereitet.

Kloster Santa Maria de Vilabertran

Von Peralada aus führt die Kreisstraße C-252 nach Vilabertran, wo

eines der schönsten augustinischen Chorherrenstifte der Provinz

Girona steht. Das Kloster Santa Maria de Vilabertran zählt zu den am

besten erhaltenen Ensembles der katalanischen Architektur des 11.

Jahrhunderts. Das stilistisch nüchtern gehaltene Zönobium umfasst einen

romanischen Kernbereich mit einer robusten Kirche, einem Kreuzgang und

den Klosterräumen. Im Sommer ist der Komplex Veranstaltungsort

eines bedeutenden klassischen Konzertzyklus, der Schubertíada.


Kloster Sant Quirze de

Colera (Rabós)

Das vor kurzem

restaurierte Kloster Sant

Quirze oder Sant Quirc ist

ein gutes Beispiel für eine von

den Grafen von Empúries

protegierte klösterliche

Einrichtung. Den heute im

interessanten Naturpark

L’Albera gelegenen Komplex

erreicht man von Rabós

oder Vilamaniscle aus über

ausgeschilderte Feldwege.

Kirche der Benediktinerabtei Sant Quirze de Colera,

gelegen im Naturpark L’Albera

Das Kloster wurde im 8. Jahrhundert gegründet, auch wenn die

beeindruckenden Reste, die man bewundern kann, aus dem 11. und 12.

Jahrhundert stammen. Erhalten sind die Kirche, eine Galerie des

Kreuzgangs sowie die stark veränderten Anbauten des West- und des

Südflügels. Für Wanderfreunde, die die Gegend besuchen, empfiehlt

sich unbedingt auch die Besteigung der verschiedenen Gipfel dieses

Pyrenäenausläufers.

Burg von Requesens (La Jonquera)

Diese in strategischer Lage auf einer Anhöhe am Fuß der Serra de

l’Albera errichtete ehemalige Festung umfasst drei befestigte Bereiche

mit spektakulären runden und quadratischen Türmen, Toren, Zinnen

und Wehrerkern. Für die Besichtigung begibt man sich zunächst über

die GI-601 nach Cantallops; von dort führt eine gut ausgeschilderte

Waldpiste nach Requesens.

Das heutige Aussehen der Burg von Requesens entspricht einer

Restaurierung, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts von den Grafen

von Peralada in Auftrag gegeben wurde. Im unteren Bereich verdienen

die große Kapelle, bei deren Bau alte Elemente wieder verwendet

wurden, und die Stallungen besondere Aufmerksamkeit. Der obere

Bereich umfasst verschiedene Wohnräume, deren Böden mit dem

Wappen der Rocabertís geschmückt sind, und einen großen Saal mit

Kamin und großzügigen Fensteröffnungen.

31


32

Praktische Informationen

ANKUNFT IN CASTELLÓ

D’EMPÚRIES

Castelló d’Empúries besitzt

zwei Besucherparkplätze, von

denen aus das Ortszentrum und

das Informations- und

Fremdenverkehrsbüro leicht

erreichbar sind. Dieses Büro, in

dem man alle möglichen

Informationen über Castelló

d’Empúries und seine

Bewohner erhält, ist auch ein

guter Ausgangspunkt für die

Besichtigung des Ortes.

Die audiovisuelle Präsentation,

die man im mittelalterlichen

Kurien- und Kerkergebäude zu

sehen bekommt, bietet einen

Einblick in das damalige Leben

in der Stadt.

FREMDENVERKEHRSBÜRO

CASTELLÓ D’EMPÚRIES

Plaça de Jaume I, s/n

17486 Castelló d’Empúries

Tel.: (+34) 972 156 233

www.castello.cat

BASILIKA SANTA MARIA

Plaça de Mossèn Cinto

Verdaguer, s/n

17486 Castelló d’Empúries

Gemeindemuseum:

Tel.: (+34) 972 158 019

ANKUNFT IN SANT PERE DE RODES

Besucher können ihr Fahrzeug

auf einem der beiden

Parkplätze vor dem Eingang

der Klosteranlage parken. Zu

empfehlen ist der näher am

Kloster gelegene bewachte

Parkplatz. Beim Kauf der

Eintrittskarte erhält man einen

Plan des Komplexes und einige

kurze Erläuterungen, die dabei

behilflich sind, sich im Kloster

zurechtzufinden und es zu

verstehen.

Camí del Monestir, s/n

17489 El Port de la Selva

Tel.: (+34) 972 387 559

www.mhcat.cat

FREMDENVERKEHRSBÜRO EL

PORT DE LA SELVA

Mar, 1

17489 El Port de la Selva

Tel.: (+34) 972 387 073

www.elportdelaselva.cat

ZENTRUM FÜR

KULTURTOURISMUS SANT

DOMÈNEC

Plaça Peixateria, 6

17491 Peralada

Tel.: (+34) 972 538 840

www.peralada.org

MUSEUM DER BURG VON

PERALADA

Plaça del Carme, s/n

17491 Peralada

Tel.: (+34) 972 538 125

KLOSTER SANTA MARIA DE

VILABERTRAN

C/ de l’Abadia, 4

17760 Vilabertran

Tel.: (+34) 972 508 787

www.mhcat.net

KLOSTER SANT QUIRZE DE

COLERA

Albera-Massiv

17754 Rabós

Rathaus Rabós

C/ de la Plaça, 2

17754 Rabós

Tel.: (+34) 972 563 082

BURG VON REQUESENS

Burg von Requesens

17700 La Jonquera

Tel.: (+34) 972 193 081

CAT VILAJUÏGA

(TOURISTISCHEN

EMPFANGSZENTREN)

Tel.: (+34) 972 530 977


Die Grafschaft Besalú:

der Hof Tallaferros

Die ehemalige Grafschaft Besalú nahm

die von dichten Wäldern und

Lavaböden geprägte Gebirgslandschaft

des heutigen Landkreises Garrotxa ein.

Die Pyrenäengrafschaften

Unsere Routenempfehlung

Wenn man nur einen Tag zur Verfügung hat, empfiehlt sich der Besuch

Besalús; bei einem zusätzlichen Tag sollte man auch den

mittelalterlichen Ortskern von Santa Pau besichtigen. Die Route

verläuft von Besalú aus nach Süden in Richtung Banyoles. Nachdem man

den See von Banyoles auf der Westseite passiert hat, geht es weiter in

westliche Richtung ins Innere des Landkreises nach Santa Pau.

1. Von Besalú nach Santa Pau

Gasse im Call (historisches Judenviertel)

von Besalú

Die Geschichte: Bernhard I. von Besalú, genannt Tallaferro

Der Ursprung der Grafschaft Besalú ist eng mit der Figur Bernhards I.

(um 970–1020), Großenkel Wilfrieds I. des Haarigen und Sohn Oliba

Cabretas, Graf von Cerdanya und Besalú, verbunden. Im Laufe seines

33


34

Grafschaft Besalú

Tregurà de Dalt

(Vilallonga de Ter)

Camprodon

Sant Pau de Segúries

RIPOLL

FENOLLET

Olot

Hauptstadt der Grafschaft

Kurzfristiger Bischofssitz (1017-1020)

Kirche / Kloster

Jüdisches Gemeinschaft

Herrschaftsgebiet der Grafschaft zum

Zeitpunkt ihrer Gündung (9. Jh.)

Maximale Ausdehnung zur Zeit des Grafen

Bernhard I. Tallaferro.

VALLESPIR

Sant Llorenç

Darnius

de la Muga

Beget (Camprodon)

Albanyà

Terrades

Montagut i Oix

Figueres

Lladó

BESALÚ

Santa Pau

Mieres

A LT

ROSSELLÓ

Maçanet

de Cabrenys

Lebens nahm Bernhard I. an mehreren militärischen Unternehmungen

teil. Der Beiname Tallaferro (Eisenschneider) zeugt von den dabei

unter Beweis gestellten Führungsqualitäten. Nach dem Tod seines

Vaters im Jahr 990 regierte Bernhard die geerbten Grafschaften

Cerdanya und Besalú zunächst gemeinsam mit seiner Mutter Irmingard

und seinen Brüdern Wilfried und Oliba. Nach dem Tod Irmingards

wurden die Grafschaften dann unter den Brüdern aufgeteilt, wobei

Bernhard Besalú und die Besitztümer Vallespir und Fenollet

zugesprochen bekam. Auf diese Weise wurde er zum ersten Grafen von

Besalú und Stammvater eines unabhängigen Geschlechts. Außerdem

erhielt er durch den Verzicht seines Bruders, Abt Oliba, auf die

Grafschaft Ripoll auch die Herrschaft über dieses Gebiet.

0

12

Banyoles

1. Sant Pere de Besalú

2. Sant Vicenç de Besalú

Bàscara

20 km


Die Pyrenäengrafschaften

Die Regierungszeit Bernhards I. von Besalú war vom Ziel geprägt, die

Grafschaftshauptstadt auch zum Sitz eines neuen Bistums zu machen.

1016 reiste er deshalb mit Oliba nach Rom, um Papst Benedikt VIII. um

die Gründung desselben zu ersuchen. Zwischen 1017 und 1020 wurde in

Besalú dann tatsächlich ein Bistum eingerichtet, und Wilhelm, ein Sohn

des Grafen, zum ersten Bischof bestimmt. Bernhard starb bei einem

Reiseunfall auf dem Weg in die Provence und wurde in der Abtei Santa

Maria de Ripoll beigesetzt. Im Laufe seiner Regierungszeit wurden die

politischen und wirtschaftlichen Fundamente für die zukünftige

Entwicklung seiner Grafschaft gelegt.

Herausragende Sehenswürdigkeiten der Grafschaft Besalú

Besuch der Grafenstadt Besalú

Besalú ist der zentrale Ort dieser Routenetappe. Von Cantallops

nimmt man zunächst die Nationalstraße N-II oder die Autobahn AP-7

bis nach Figueres und von dort die N-260. Auf dem Weg lässt man,

während man sich der Gebirgslandschaft der Garrotxa nähert, nach

und nach die mediterrane Landschaft des Empordà hinter sich.

Beim Spaziergang durch die stets belebten Straßen Besalús bekommen

Besucher ein prachtvolles Denkmalsensemble zu sehen, und einmal im

Jahr, während des am ersten Septemberwochenende stattfindenden

Festes „Besalú Medieval“ (Mittelalterliches Besalú), kann man sich

sogar einen Eindruck davon verschaffen, wie das Leben hier vor tausend

Jahren ausgesehen haben mag. Im Mittelpunkt eines touristischen

Besuches in Besalú stehen das historische Judenviertel und der

Kernbereich des Klosters Sant Pere. Abrunden lässt sich der Aufenthalt

mit der Besichtigung der Pfarrkirche Sant Vicenç, der Ruinen von Santa

Maria de Besalú und der Grafenburg. Für die beiden letzteren müssen

im Fremdenverkehrsbüro Besichtigungstermine vereinbart werden.

Das historische Judenviertel: Die Juden ließen sich ab dem 9.

Jahrhundert in Besalú nieder. Ihr Viertel (kat. call), erreicht man durch

einen kleinen Torbogen, der zu einem Platz mit der Synagoge, der

Mikwe und dem Judentor führt.

Die Synagoge: Im Jahr 1264 stellte Jakob I. den Juden von Besalú ein

Privileg aus, das ihnen den Bau einer Synagoge gestattete. Dieses

Gebäude war das Zentrum des öffentlichen Lebens der jüdischen

Gemeinschaft. Heute ist der Platz mit den wenigen erhaltenen Resten

der Synagoge für Besucher frei zugänglich und bietet eine prachtvolle

Aussicht auf die Alte Brücke über den Fluvià.

Die Mikwe: Die Mikwe (traditionelles jüdisches Ritualbad) ist auf der

Pyrenäenhalbinsel einzigartig und gehört zu den besterhaltenen in

Europa. Die Reinigung der Seele durch das rituelle Tauchbad war

unerlässlicher Bestandteil der religiösen Praxis der Juden.

35


36

Das Judentor: Unter der Synagoge gibt Innenansicht der Mikwe, des rituellen

es eine gepflasterte mittelalterliche

jüdischen Tauchbads aus dem 12.

Gasse mit Stufen, die im Zuge einer

Jahrhundert im Call von Besalú

archäologischen Ausgrabung entdeckt

wurde. Es handelt sich um den alten Weg, den die Juden benutzen

mussten, wenn sie das Call verlassen wollten. Um die Stadt zu betreten,

mussten sie dann wieder das Haupttor auf der Brücke passieren.

Das Kloster Sant Pere : Das einzige vollständige Gebäude, das vom

ehemaligen Benediktinerkloster Sant Pere erhalten ist, ist die 1003 von

Tallaferro geweihte Kirche. Die Pilger verehrten hier Reliquien der

Heiligen Primus und Felicianus. Im Inneren der Kirche ist der durch

seine Säulen mit skulptierten Kapitellen außergewöhnliche

Chorumgang besonders interessant. Die Fassade ist mit zwei sich über

menschlichen Figuren erhebenden Löwen dekoriert.

Hospital Sant Julià: Besalú besaß diverse Pilgerhospize, von denen das

Hospital Sant Julià als einziges bis in unsere Tage erhalten geblieben

ist. Sehenswert ist die Fassade aus dem 12. Jahrhundert mit ihrem mit

Archivolten und Kapitellen dekorierten Portal.

Königliche Kurie: Zentraler Raum des Gebäudes der königlichen Kurie

ist ein großer gotischer Saal mit schöner hölzerner Kassettendecke, von

dem aus man restaurierte Fragmente der Stadtmauer aus dem 11.

Jahrhundert bewundern kann. Im Erdgeschoss ist eine audiovisuelle

Präsentation zur Geschichte Besalús zu sehen.

Weitere Sehenswürdigkeiten der Grafschaft

Santa Pau erlaubt es seinen Besuchern, in das natürliche Herz der

ehemaligen Grafschaft Besalú vorzudringen. Von Besalú erreicht man

den Ort auf zwei verschiedenen Wegen: Entweder begibt man sich über

die C-66 nach Banyoles und nimmt dort die GI-524, oder man fährt auf

der Autostraße A-26 nach Olot, um von dort auf derselben Nebenstraße

nach Santa Pau zu gelangen. Ein Teil des recht gebirgigen


Gemeindegebiets ist von Eichen-, Buchenund

Steineichenbeständen bedeckt.

Mittelalterliches Ensemble von Santa Pau

Die Pyrenäengrafschaften

Ansicht der mittelalterlichen Stadt

Santa Pau inmitten des Naturparks

Vulkangebiet La Garrotxa

Die auf einer Anhöhe um die Burg, die Kirche Santa Maria und einen von

Arkaden umgebenen Platz angelegte Altstadt von Santa Pau wurde

vollständig zum historisch-künstlerischen Denkmal erklärt. Da

verschiedene Besichtigungstouren durch die Stadt angeboten werden,

sollte man dem Fremdenverkehrsbüro einen Besuch abstatten. Santa

Pau ist ein idealer Ausgangspunkt für die Entdeckung herrlicher

Naturlandschaften, etwa des Buchenwalds Fageda d’en Jordà oder des

Naturparks Vulkangebiet La Garrotxa.

Praktische Informationen

ANKUNFT IN BESALÚ

Am Ortseingang von Besalú gibt

es bei der Brücke über den

Fluvià einen großen Parkplatz.

Von dort sucht man am besten

zunächst das Fremdenverkehrsbüro

auf, wo unter anderem

Führungen durch Gebäude

angeboten werden, die sonst

nicht für Besucher zugänglich sind.

INFORMATIONS- UND

FREMDENVERKEHRSBÜRO

Plaça de la Llibertat, 1

17850 Besalú

Tel.: (+34) 972 591 240

www.besalu.cat

INFORMATIONS- UND

FREMDENVERKEHRSBÜRO

FREMDENVERKEHRSBÜRO SANTA PAU

Plaça Major, 1. Can Vayreda

17811 Santa Pau

Tel.: (+34) 972 680 349

www.garrotxa.com/santapau

37


38

Die Grafschaft Ripoll:

Land der Grafen und Äbte

Das Kloster Santa Maria de Ripoll ist

einer der Orte, die am besten

geeignet sind, um sich mit den echten

und den mythischen Ursprüngen der

katalanischen Grafschaften vertraut zu machen. Das auch als „Wiege

Kataloniens“ bezeichnete Kloster wurde von Wilfried dem Haarigen

gegründet.

Das Heiligtum von Montgrony im

gleichnamigen Gebirgszug

Unsere Routenempfehlung

Verfügt man über mehr als einen Tag für den Besuch der Grafschaft,

dann ist Ripoll der beste Ausgangspunkt für zwei Routen, die es

erlauben, ihre herausragenden Sehenswürdigkeiten kennenzulernen.

Die erste führt über Sant Joan de les Abadesses nach Beget, die zweite

über Gombrèn nach Montgrony.

1. Von Ripoll nach Sant Joan de les Abadesses

2. Von Sant Joan de les Abadesses nach Camprodon (Beget)

3. Von Ripoll nach Gombrèn (Burg Mataplana und Heiligtum Sant

Pere de Montgrony)

Die Geschichte: Wilfried I., der Mythos von den Ursprüngen

Die Geschichte Kataloniens ist eng mit der Person Wilfrieds des

Haarigen verbunden, aber auch mit einem Ort: dem Kloster Santa Maria

de Ripoll.

Wilfried I. der Haarige (ca. 840–897) bekam nach dem Tod seines Vaters

den Grafentitel und alle südlich der Pyrenäen gelegenen karolingischen

Grafschaften außer Empúries, Pallars und Ribagorça übertragen. Im


Grafschaft Ripoll

6

5

Gombrèn

Campdevànol

RIPOLL

Hauptstadt der Grafschaft

Kirche / Kloster

Burg

Herrschaftsgebiet

der Grafschaft (988-1003)

1

Ogassa

2

Sant Joan de les Abadesses

Llaès (Ripoll)

Die Pyrenäengrafschaften

Sant Pau de Segúries

Vallfogona de Ripollès

Laufe seines Lebens eroberte er Osona und das Berguedà und

organisierte deren Wiederbevölkerung, ein Projekt, das in der

Errichtung der Grafschaft Osona gipfelte. Um den territorialen

Zusammenhalt zu konsolidieren, förderte der Haarige die Gründung

neuer Klöster, unter denen Santa Maria de Ripoll (887) und Sant Joan de

les Abadesses (um 885) herausragen, die bei der Verwaltung des

Gebiets eine tragende Rolle spielten. Wilfried starb bei einer Schlacht

gegen die Araber bei Navès (Solsonès). Sein Tod führte zur Entstehung

des Grafengeschlechts des Hauses Barcelona, das das Kloster Santa

Maria de Ripoll zum gräflichen Pantheon machte.

Herausragende Sehenswürdigkeiten der Grafschaft Ripoll

Besuch der Grafenstadt Ripoll

Das 880 von Wilfried dem Haarigen geweihte Benediktinerkloster Santa

Maria de Ripoll war bis ins 15. Jahrhundert eines der bedeutendsten

Klöster Kataloniens.

Kloster Santa Maria de Ripoll: Von Olot aus erreicht man Ripoll auf der

Landstraße C-26 über den in der Serra de Puig d’Estela, einem in den

Höhenlagen von Buchen- und in den Tälern von Kiefern- und

Eichenwäldern bestandenen Gebirgszug, gelegenen Canes-Pass. Das

emblematischste Denkmal der am Zusammenfluss von Ter und Freser

entstandenen Hauptstadt des Ripollès ist das Kloster Santa Maria.

Dieses Zönobium ist ein herausragendes Bauwerk der katalanischen

Romanik, aber auch des Romantizismus und der Renaixença

(„Wiedergeburt“, katalanistische Kulturbewegung), nachdem es gegen

0

3

1. Santa Maria de Ripoll

2. Sant Joan de les Abadesses

3. Sant Pere de Camprodon

4. Sant Cristòfol de Beget

5. Sant Pere de Montgrony

6. Burg Mataplana

4

15 km

39


40

Geschichte

einer Legende

Die Legende, die Wilfried den

Haarigen als Gründer des

katalanischen Vaterlandes

präsentiert, wurde erstmals im 12.

Jahrhundert in der Gesta Comitum

Barcinonensium aufgegriffen. Der

literarische und politische Erfolg

der Legende sorgte dafür, dass

die Chronik um neue Erzählungen, wie die gegen Mitte des 14. Jahrhunderts

hinzugefügte Episode über den Ursprung der vier roten Streifen der

katalanischen Flagge, bereichert wurde. Dieser Legende nach tauchte

Ludwig der Fromme seine Finger in die offene Wunde Wilfrieds des

Haarigen, nachdem dieser von den Arabern tödlich verletzt worden war,

und zeichnete mit dem Blut die vier Streifen auf dessen goldenen Schild.

Ende des 19. Jahrhunderts unter Leitung des Architekten Elies Rogent

komplett umgebaut wurde. Als ursprüngliche Elemente sind die Kapitelle des

Kreuzgangs (zweigeschossig, 252 Säulen), die gräflichen Grabstätten

und das im 12. Jahrhundert skulptierte Portal, das als bedeutendstes

romanisches Skulpturenensemble in Katalonien gilt, erhalten.

Weitere Sehenswürdigkeiten der Grafschaft

Diese Etappe endet am Kloster Sant Joan de les Abadesses. Weitere

Sehenswürdigkeiten an der Hauptroute sind die Kirche Sant Cristòfol in

Beget und Gombrèn mit der Burg Mataplana und dem Heiligtum Sant

Pere de Montgrony.

Kloster Sant Joan de les Abadesses

Von Ripoll nach Sant Joan de les Abadesses gelangt man über die in

Richtung Sant Joan führende C-26, die dem zur Rechten liegenden Ter

flussaufwärts folgt. Das Kloster dieses Ortes war, neben dem von Ripoll,

das wichtigste Zentrum der Wiederbevölkerung von Osona.

Ursprünglich lebte hier eine Gemeinschaft von Benediktinernonnen, die

jedoch im Jahr 1017 des Ortes verwiesen und durch Augustiner- und

Benediktinermönche ersetzt wurden. Heute sind vom ehemaligen

Kloster Sant Joan de les Abadesses nur die Kirche aus dem 12.

Jahrhundert, der gotische Kreuzgang und der aus späterer Zeit

stammende Abtspalast erhalten. In der Kirche sind das hölzerne

gotische Skulpturenensemble der Kreuzabnahme und die aus Alabaster

geschnitzte Madonnenfigur Santa Maria la Blanca besonders sehenswert.

Kirche Sant Cristòfol de Beget (Camprodon)

Von Sant Joan de les Abadesses führt die Landstraße C-38 nach

Camprodon, einen traditionellen Touristenort mit einem reichen


Die Pyrenäengrafschaften

Handelsleben und einem breiten

Beget und seine monumentale einschiffige

Freizeit-, Hotel- und Sportangebot.

Kirche mit ihrem viergeschossigen

Zur gleichen Gemeinde zählt

quadratischen Glockenturm

Beget, die nächste Station der

Route. Um diese im Landkreis

Garrotxa gelegene Ortschaft zu erreichen, verlässt man Camprodon in

Richtung Molló und nimmt dann die nach rechts abzweigende GIV-5223.

Auf dem Weg kommt man an der Ruine der von einer steilen Anhöhe aus

das Beget-Tal dominierenden Burg von Rocabruna vorbei.

Größte Sehenswürdigkeit des in einem Talgrund gelegenen Weilers

Beget ist die kleine, aber trotzdem monumental wirkende romanische

Kirche Sant Cristòfol. Sie ist der einzige erhaltene Verweis auf ein

ehemaliges Benediktinerkloster, bei dem sie errichtet wurde.

Herausragendes architektonisches Element des Komplexes ist der 22 m

hohe, viergeschossige Glockenturm. In der Kirche werden der

berühmte Pantokrator von Beget (Christus als Weltenherrscher) aus

dem 12. Jahrhundert, ein romanisches Taufbecken und ein gotisches

Alabasterretabel bewahrt.

Burg Mataplana (Gombrèn)

Von Beget kehrt man über die C-26 wieder in die Kreisstadt Ripoll

zurück. Dort nimmt man dann die Gl-401 nach Gombrèn, einem

mittelalterlich wirkenden Dorf mit engen Gassen, von dem eine

Gemeindestraße hoch zur Burg Mataplana führt.

Die prachtvolle romanische Palastburg war einst Sitz der Barone von

Mataplana. Der Überlieferung nach lebte hier der niederträchtige Graf

Arnau, eine Figur, die vielleicht durch den örtlichen Baron inspiriert

war und zu der man in Gombrèn alle möglichen Informationen findet.

Gegenwärtig können die Reste des Palastes, die Kapelle Sant Joan de

Mata und das Viertel, in dem die Dienstleute der Barone lebten und

dessen Ausgrabung noch nicht abgeschlossen ist, besichtigt werden.

41


42

Heiligtum Sant Pere de Montgrony (Gombrèn)

Von Gombrèn aus führt eine Gemeindestraße über den Coll de Jou zum

Heiligtum von Montgrony, das mitten im gleichnamigen Gebirgszug

steht und von dem aus sich ein wundervoller Rundblick mit dem

Pedraforca im Hintergrund bietet. Der höchste Gipfel dieser

beeindruckenden Gebirgslandschaft ist der bei Klettersportlern sehr

beliebte Puig de Montgrony. Das Heiligtum besteht aus zwei

einzigartigen Gebäuden, einer Kapelle, in der die Muttergottes von

Montgrony, eine schwarzen Jungfrau, der verschiedene Wunder

zugeschrieben werden, verehrt wird, und der romanischen Kirche Sant

Pere, die man über eine steile Treppe erreicht. In der Kirche sind

verschiedene Wandmalereien erhalten, die den Grafen Arnau zeigen.

Das Heiligtum wird auch mit der Legende von Otger Cataló in

Verbindung gebracht, dem man die Neugründung Kataloniens

zuschreibt. Während des traditionellen so genannten Festa del Comú

(Gemeindefest) werden im Heiligtum Montgrony kostenlos Brötchen,

Würste und Wein ausgegeben.

Praktische Informationen

ANKUNFT IN RIPOLL

Ein Parkplatz ist hinter dem

Kloster zu finden.

FREMDENVERKEHRSBÜRO

RIPOLL

Plaça de l’Abat Oliba, s/n

17500 Ripoll

Tel.: (+34) 972 702 351

www.ripoll.cat

KLOSTER RIPOLL

Plaça del Monestir, s/n

17500 Ripoll

Tel.: (+34) 972 704 203

www.ripoll.cat/ turisme5.php

KLOSTER SANT JOAN DE LES

ABADESSES

FREMDENVERKEHRSBÜRO SANT JOAN DE

LES ABADESSES

Plaça de l’Abadia, 9

17860 Sant Joan de les

Abadesses

Tel.: (+34) 972 720 599

www.santjoandelesabadesses.com

SANT CRISTÒFOL DE

Beget

FREMDENVERKEHRSBÜRO LA VALL DE

CAMPRODON

Ctra. C-38 pk 9,600

Tel.: (+34) 972 740 936 /

(+34) 972 740 010

www.valldecamprodon.org

BURG MATAPLANA

Anmeldung erforderlich

Tel.: (+34) 686 11 33 44 /

972 72 13 17

Ecomuseu Molí Petit, s/n

17860 Sant Joan de les Abadesses

www.alt-ter.org

HEILIGTUM SANT PERE DE

MONTGRONY

17531 Gombrèn

Tel.: (+34) 972 198 022, oder

Rathaus Gombrèn:

(+34) 972 730 300

CAT RIPOLL (TOURISTISCHEN

EMPFANGSZANTREN)

Ctra. C-26 pk 193 (Can Guetes)

Tel.: (+34) 972 115 959

www.turismecat.cat


Die Grafschaft Berga:

im Schatten des Pedraforca

Die Grafschaft Berga, die sich im

Ansicht des Pedraforca-Massivs

Schatten des sagenumwobenen

Pedraforca-Massivs erstreckt, war zwischen dem 11. und 14.

Jahrhundert Schauplatz des Wirkens faszinierender historischer

Persönlichkeiten, etwa des Trobadors Guillem de Berguedà (Wilhelm II.

von Berguedà) oder der Anhänger der katharischen Bewegung. In dieser

wundervollen natürlichen Umgebung erlauben Weiler wie Maçaners und

Gósol und die romanischen Kirchen eine Annäherung an die

mittelalterliche Vergangenheit Zentralkataloniens.

Unsere Routenempfehlung

Abhängig von der zur Verfügung stehenden Zeit machen wir zwei

Routenvorschläge für den Besuch der Grafschaft. Der erste führt in die

beiden Gemeinden, die den Pedraforca umgeben: Gósol und Saldes.

Hat man mehr Zeit zur Verfügung, dann sollte man außerdem einige der

sieben romanischen Kirchen des Landkreises besichtigen.

1. Von Castellar de n’Hug nach Gósol

2. Von Cercs nach Avià

Weitere Routenvorschläge:

Die Pyrenäengrafschaften

1. Von Saldes nach Gósol

2. Von Saldes nach Guardiola de Berguedà (Sant Llorenç prop Bagà)

3. Von Guardiola de Berguedà nach La Pobla de Lillet (Santa Maria

de Lillet)

4. Von La Pobla de Lillet nach Castellar de n’Hug (Sant Vicenç de Rus)

5. Von Castellar de n’Hug nach Sant Jaume de Frontanyà

43


44

Grafschaft Berga

Les Oluges

Castellfollit

de Riubregós

Hauptstadt der Grafschaft

Kirche / Kloster

Herrschaftsgebiet der Grafschaft zur

Zeit Olibas I. (ab. 988 erster Graf von

Berga, Allerdings der Grafschaft Cerdanya

Untergeordnet)

Die Grafschaft Cerdanya, von der Berga

immer abhing

Maximale Ausdehnung nach der Eingliederung

in die Grafschaft Barcelona (1117)

Grenze zu den moslemisch beherrschten

Gebieten im Jahr 1000

Pedraforca

Gósol

1

Saldes

Cercs

Castellar de n’Hug

4

2 La Pobla de Lillet

Guardiola de Berguedà

3 RIPOLL

5 Sant Jaume

Borredà de Frontanyà

BERGA

6

Avià

7

Viver i Serrateix

Pinós

M A R C A D E B E R G A

Gàver (Estaràs)

CERDANYA

Puig-reig

Coaner

(Sant Mateu de Bages)

1. Sant Llorenç prop Bagà

2. Santa Maria de Lillet

3. Sant Jaume de Frontanyà

4. Sant Vicenç de Rus

5. Sant Sadurní de Rotgers

6. Sant Quirze de Pedret

7. Sant Vicenç d'Obiols

6. Von Sant Jaume de Frontanyà nach Borredà (Sant Sadurní de

Rotgers)

7. Von Borredà nach Cercs (Sant Quirze de Pedret)

8. Von Cercs nach Avià (Sant Vicenç d’Obiols)

Die Geschichte: Guillem, Trobador und Vicomte

Die Grafschaft Berga wurde Mitte des 10. Jahrhunderts im Zusammenhang

mit der Ausdehnung der Grafschaft Cerdanya gebildet. Anfangs

umfasste das Kerngebiet der neuen Grafschaft nur die Täler von Lillet,

Bastareny und Gósol, jedoch führten die im Laufe des 11. Jahrhunderts

gemachten Eroberungen zur allmählichen Expansion zu beiden Seiten des

Llobregats. Über einen engen Korridor, die so genannte „Mark von Berga“,

reichten die Grenzen der Grafschaft bis nach Cervera und Tàrrega.

0

25 km


Die Pyrenäengrafschaften

Seit ihrer Entstehung war die Grafschaft

Berga eng mit der Grafschaft Cerdanya

verbunden und ging 1109 endgültig in den

Besitz der Grafen von Cerdanya über.

Unter den Mitgliedern des

Grafengeschlechts von Berga ragt vor

allem der erstgeborene Sohn des Vicomte

Romanische Miniatur, die Wilhelm Wilhelm I., Guillem de Berguedà, heraus,

von Berguedà im Gespräch mit zwei der ein rastloser, ungestümer und

Damen zeigt

gewalttätiger Mensch war. Nach dem

Tode seines Vaters zwischen 1183 und

1187 erbte Guillem ein Lehnsgut mit umfangreichen Besitztümern in

der Grafschaft Berga. Es ist jedoch nicht sicher, ob er tatsächlich auch

den Titel des Vicomte übertragen bekam; einen dokumentarischen

Beleg dafür gibt es nicht. Seinem kriegerischen Charakter zum Trotz

widmete Guillem de Berguedà einen Teil seines Lebens der

Trobadordichtung. Dabei schuf er ein umfangreiches Werk, das von

großer formaler Sorgfalt geprägt ist. Guillem de Berguedà starb im Jahr

1196 ohne lebende Nachkommen. Die Vizegrafschaft wurde 1199 an

König Peter I. verkauft. Dieser Verkauf bedeutete das Ende des

Geschlechts der Vicomtes von Berguedà.

Herausragende Sehenswürdigkeiten der Grafschaft Berga

Auf dieser Etappe der Route sollte man es in der prachtvollen

natürlichen Umgebung des Pedraforca keinesfalls versäumen, Maçaners

und Gósol zu besuchen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um von

Cerdanya nach Berguedà zu gelangen. Die schnellste Verbindung führt

über die Landstraße C-16 durch den Cadí-Tunnel in Richtung Bagà und

Guardiola de Berguedà. Man kann aber auch in Das die Landstraße GI-400

und anschließend die BV-4031 nehmen, um über den Coll de la Creueta

und La Pobla de Lillet direkt nach Castellar de n’Hug zu fahren. Diese

Landstraße ist trotz einiger sehr kurviger Abschnitte eine durchaus

empfehlenswerte Alternative, da sie durch eine wunderschöne

Berglandschaft führt.

Sant Vicenç de Rus (Castellar de n’Hug)

Die Kirche Sant Vicenç de Rus steht inmitten einer typischen

Mittelgebirgslandschaft. Das Bauwerk stammt aus dem 12. Jahrhundert

und zeichnet sich durch seine wertvollen Wandmalereien aus. Zu sehen

sind eine Reihe von gotischen Originalmalereien sowie Kopien

romanischer Malereien, deren 1985 entdeckte Originale im Nationalen

Kunstmuseum von Katalonien (MNAC) ausgestellt sind. Auch der Besuch

der spektakulären Quellen des historischen Flusses Llobregat ist zu

empfehlen.

Santa Maria de Lillet (La Pobla de Lillet)

Das Chorherrenstift Santa Maria de Lillet liegt inmitten einer

ansprechenden Gebirgslandschaft. Die den Kreuzgang umgebenden

Räumlichkeiten des Klosters sind überraschend gut erhalten. In der

45


46

Die Grafschaft Cerdanya:

die Wiege des Grafengeschlechts

Llívia, das römische Iulia Libica, einer der Ursprungsorte des Grafengeschlechts

Während des 9. Jahrhunderts waren die Grafschaften Urgell und Cerdanya in

einer einzigen vereint. Die Trennung fand infolge der Aufteilung der

Erbschaft Wilfrieds des Haarigen statt. So wurde die Grafschaft Cerdanya im

11. Jahrhundert dem Herrschaftsgebiet der Grafen von Barcelona

zugeschlagen. Der Pass Coll de Pimorent war als wichtigster strategischer

Punkt der Grafschaft des Öfteren Grund für militärische

Auseinandersetzungen zwischen Grafen, die ihn kontrollieren wollten.

Ab 1659 geriet Alta Cerdanya durch den Pyrenäenfrieden, infolge dessen

Katalonien und Spanien nicht nur diesen Teil von Cerdanya, sondern auch

Roussillon, Conflent, Capcir und Vallespir an die französische Krone abtreten

mussten, unter französische Verwaltung. Die drei wichtigsten Landstraßen,

die heute durch den Landkreis Cerdanya führen, sind die N-260 von Ost nach

West, die N-152 im östlichen Randgebiet und die C-16 in Nord-Süd-Richtung.

Über sie erreicht man alle Orte des unbestreitbar schönen Landkreises,

dessen landschaftliche Vielfalt Bergwiesen ebenso umfasst wie

submediterrane Wälder. Cerdanya wird durch den ständigen Kontrast

zwischen der vom Segre, der ein wichtiges verbindendes Element der

Grafschaft gewesen ist, durchflossenen Ebene und den sie umgebenden, oft

an 3 000 m hohen Gipfeln geprägt.

Die Romanik hat in Cerdanya keine großen Bauwerke hinterlassen; die

mittelalterlichen Kirchen des Landkreises sind vielmehr recht klein, durch die

wundervolle Naturlandschaft, in der sie stehen, jedoch sehr pittoresk.

Erwähnenswert sind hier die zwischen Isòvol und Bellver de Cerdanya

gelegene ehemalige Kollegiatkirche Santa Maria de Talló und die Pfarrkirche

Sant Pere d'Alp.

CAT PUIGCERDÀ (TOURISTISCHEN EMPFANGSZANTREN)

Pic de l’Eina cantona N-152

17520 Puigcerdà

www.turismecat.cat


Die Pyrenäengrafschaften

heutigen Pfarrkirche befindet sich eine sehenswerte Schnitzfigur des

Christus als Weltenherrscher. Liebhaber der Natur und des

katalanischen Jugendstils ( Modernisme) sollten in La Pobla de Lillet

unbedingt auch die von Gaudí gestaltete Parkanlage Jardins Artigas

besuchen, in der Architektur und Landschaft meisterhaft integriert sind.

Sant Llorenç prop Bagà (Guardiola de Berguedà)

Von La Pobla de Lillet folgt die Landstraße B-402 dem Llobregat und

führt nach Guardiola de Berguedà, einem Ort, der einst zum

Herrschaftsbereich der Grafschaft Cerdanya gehörte. Die kürzlich

restaurierte Kirche des ehemaligen Klosters von Sant Llorenç prop Bagà

erhebt sich über einer Krypta mit identischem Grundriss. Durch die

strategisch günstige Lage von Sant Llorenç bieten sich wundervolle

Aussichten über die Täler des Bastareny und des Llobregat, durch die

auch traditionelle Routen zur Überquerung der Pyrenäen verliefen.

Auch der Besuch von Bagà, dem einstigen Sitz der Baronie von Pinós,

mit seinem höchst interessanten historischen Ortskern ist unbedingt die

Mühe wert.

Ausflug zum Pedraforca, dem magischen Berg

Von Guardiola de Berguedà führt die B-400 nach Maçaners und Saldes,

direkt an der Grenze des Naturparks Cadí-Moixeró. Von diesen beiden

Orten aus bietet sich die beste Aussicht auf die unverwechselbare

Silhouette des legendären Pedraforca.

In Maçaners befindet sich das Fremdenverkehrsbüro des Pedraforca-

Massivs, in dem man Informationen über das Angebot an Aktivitäten

erhält und eine Ausstellung über die Entstehung und die Flora und

Fauna von Saldes, der Gemeinde, zu der der Weiler gehört, besuchen

kann. Von Saldes führt die Landstraße dann entlang der Südseite des

Bergmassivs weiter nach Gósol.

Besuch des historischen Ortskerns von Gósol: Katharer und

Trobadore

Westlich des Pedraforca-Massivs liegt, bereits im Naturpark Cadí-

Moixeró, das Pyrenäendorf Gósol, neben dem sich auf einer Anhöhe die

Ruinen der alten Burg aus der Epoche der Grafen und die Kirche Santa

Maria erheben. Gósol, das Jahrhunderte später

durch den Aufenthalt Picassos und seiner

Lebensgefährtin Fernande Olivier Berühmtheit

erlangte, ist eng mit dem „Weg der guten

Menschen“ verbunden. Dieser Name geht auf die

Ereignisse im 13. und 14. Jahrhundert zurück, als

die Grafschaft Berga zum Durchgangsgebiet für die

Katharer wurde, die vor der Verfolgung in Okzitanien

flohen und einen sicheren Zufluchtsort suchten.

Innenansicht des Palastes der Barone von Pinós in Bagà


48

Weitere Sehenswürdigkeiten der Grafschaft

Zum Abschluss dieser Etappe empfiehlt sich der Besuch einiger der

romanischen Kirchen, die auf dem Gebiet der ehemaligen Grafschaft

Berga besichtigt werden können.

Sant Quirze de Pedret (Cercs)

Von Guardiola de Berguedà geht es auf der C-16 nach Cercs, in eine

Gemeinde, die mit der Kirche Sant Quirze de Pedret über ein

herausragendes Bauwerk der katalanischen Romanik verfügt. Das

Gebäude wurde im 9. und 10. Jahrhundert, also in vorromanischer Zeit,

direkt am Ufer des Llobregat errichtet, weist aber auch einige

romanische Elemente auf. In der Kirche befinden sich Kopien von

Werken des Meisters von Pedret, der zu den wenigen romanischen

Künstlern mit eigenem Stil zählt. Die Originale dieser Apsismalereien

können im Diözesanmuseum von Solsona und im MNAC bewundert

werden. Wenn man sich zu Fronleichnam in der Region aufhält, sollte

man unbedingt das von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe

erklärte Patum-Fest im benachbarten Berga besuchen.

Sant Sadurní de Rotgers (Borredà)

Um von Cercs aus das auf halber Strecke zwischen Berga und Ripoll

liegende Borredà zu erreichen, überquert man auf der Landstraße C-26

den Stausee von Baells. Die Kirche Sant Sadurní de Rotgers weist die

Besonderheit auf, dass sie den Namen ihres Gründers trägt. Bereits im 9.

Jahrhundert gab es hier einen als Palast Rodegari bekannten Ort, der mit

dem Kloster Ripoll verbunden war und auf den der Name zurückgeht.

Die Kirche, die heute hier zu besichtigen ist, stammt aus dem 12.

Jahrhundert. Die Altarfront ist eine Kopie; das Original mit Szenen aus dem

Leben des heiligen Saturninus, Bischof von Toulouse, befindet sich im

Bischöflichen Museum in Vic. Sehenswert sind in der Nähe von Borredà

auch die Felsbecken und Wasserfälle des Bachs Riera de Merlés.

Sant Jaume de Frontanyà

In Borredà beginnt die Landstraße BV-4656, die über die Anhöhe Collet

de Marcians nach Sant Jaume de Frontanyà an der Grenze zum

Landkreis Ripollès führt. Die Kirche Sant Jaume ist der einzige

verbliebene Teil eines ehemaligen Klosters. Seine wohlgestaltete und

-proportionierte Apsis macht dieses Bauwerk zu einem relevanten

Beispiel für die Geschichte der katalanischen und europäischen

romanischen Kunst. Im Herbst kommen wegen der großen

Sortenvielfalt jedes Jahr zahllose Pilzsammler nach Sant Jaume, und im

Winter lässt sich leicht das berühmte Edelweiß finden, das hier auch als

„Schneeblume“ bezeichnet wird.

Sant Vicenç d’Obiols (Avià)

Alternativ kann man von Cercs auch über die C-26 in die

entgegengesetzte Richtung nach Berga fahren. Von dort aus führt die

gleiche Landstraße weiter nach Avià, einer Gemeinde auf der großen

Hochebene des Baix Berguedà. Auf einer Felsterrasse über dem


Llobregat steht hier die vor 888

gegründete Kirche Sant Vicenç

d’Obiols, die ein schönes Beispiel für

die romanische Architektur des 10.

Jahrhunderts darstellt. Im Inneren der

Kirche sind Hufeisenbögen zu bewundern,

und bei Ausgrabungen wurden vierzig

anthropomorphe, direkt in den Felsen

gehauene Gräber gefunden, die zu

einer ehemaligen Nekropole gehörten.

Praktische Informationen

PEDRAFORCA-MASSIV

FREMDENVERKEHRSBÜRO PEDRAFORCA-

MASSIV

Pl. Pedraforca, s/n

08697 Saldes

Tel.: (+34) 938 258 046

www.saldes.cat

GÓSOL

BERGZENTRUM GÓSOL

C/ del Conseller Agustí Carol i

Foix, s/n

25716 Gósol

Tel.: (+34) 973 370 016

gosol.ddl.cat

BAGÀ

INTERPRETATIONSZENTRUM DES

KATHARISMUS

Pujada Palau, 7

Tel.: (+34) 938 244 862

www.viladebaga.org

SANT LLORENÇ PROP BAGÀ

(GUARDIOLA DE BERGUEDÀ)

Dinamització del Patrimoni, SL

Tel.: (+34) 608 222 525

www.dinapat.com

SANTA MARIA DE LILLET

FREMDENVERKEHRSBÜRO LA POBLA DE

LILLET

Parc Xesco Boix, s/n

08696 La Pobla de Lillet

Tel.: (+34) 938 236 146

www.poblalillet.cat

Die Kirche Sant Jaume de Frontanyà,

ehemaliger Sitz einer kleinen

augustinischen Kanonikergemeinschaft

SANT VICENÇ DE RUS

(CASTELLAR DE N’HUG)

Dinamització del Patrimoni, SL

Tel.: (+34) 608 222 525

www.dinapat.com

FREMDENVERKEHRSBÜRO

CASTELLAR DE N’HUG

Plaça de l’Ajuntament

08696 Castellar de n’Hug

Tel. 93 825 70 97

www.castellar.diba.es

SANT JAUME DE FRONTANYÀ

Rathaus Sant Jaume de

Frontanyà

Plaça, s/n

08619 Sant Jaume de Frontanyà

Tel.: (+34) 938 239 194

www.santjaumedefrontanya.net

SANT SADURNÍ DE ROTGERS

(BORREDÀ)

Dinamització del Patrimoni, SL

Tel.: (+34) 608 222 525

www.dinapat.com

SANT QUIRZE DE PEDRET

(CERCS)

Dinamització del Patrimoni, SL

Tel.: (+34) 608 222 525

www.dinapat.com

SANT VICENÇ D’OBIOLS (AVIÀ)

Dinamització del Patrimoni, SL

Tel.: (+34) 608 222 525

www.dinapat.com

49


50

Die Grafschaft Urgell:

zwischen Ketzern und Heiligen

Die Errichtung des Bischofssitzes in La Seu d’Urgell hat zu einem

starken Einfluss der Bischöfe auf die Geschichte dieser Pyrenäenregion

geführt.

Unsere Routenempfehlung

Die wichtigsten Elementen des kulturellen Erbes dieser Grafschaft

befinden sich in La Seu d’Urgell. Von hier aus kann man in das südlich

gelegene Dorf Organyà reisen. Naturfreunde finden in der Umgebung

von La Seu d’Urgell zahlreiche Routen durch den Naturpark Cadí-

Moixeró.

1. Von La Seu d’Urgell nach Organyà

Die Geschichte: der heilige Armengol von Urgell

Die moslemische Herrschaft über diese Gebiete, die später zur

Grafschaft Urgell werden sollten, bedeutete keinen Bruch mit der

westgotischen Ordnung, die hier in den vorhergehenden Jahrhunderten

etabliert worden war. So nahm im Jahr 781, als das Gebiet sich noch

unter moslemischer Kontrolle befand, mit Felix von Urgell ein

inbrünstiger Verteidiger des Adoptianismus den Bischofssitz ein. Dieser

Lehre zufolge war Jesus Christus nicht wesenhaft Gott, sondern nur ein

zum Gottessohn adoptierter Mensch gewesen. Nachdem der

Adoptianismus auf den Synoden in Regensburg (792) und Frankfurt am

Main (794) als Häresie verurteilt worden war, wurde Felix seines Amtes

enthoben. Der heilige Armengol war von 1010 bis 1035 Bischof von

Urgell. An ihn erinnert man sich nicht zuletzt als Gründer des

Chorherrenstifts Santa Maria d’Urgell und der Förderer des Baus der

ersten romanischen Kathedrale. Auch der heilige Odo, Sohn der Grafen

Artau I. von Pallars Sobirà und Llúcia de la Marca, war ein Bischof, der

sich der Errichtung monumentaler Bauwerke widmete. Während seines

Pontifikats zwischen 1095 und 1122 wurde die Kathedrale von La Seu

d’Urgell wiedererrichtet und die Kirche von Guissona geweiht. Der

heilige Odo führte in Urgell den Gottesfrieden

(Pax und Treuga Dei) ein.

Herausragende Sehenswürdigkeiten der

Grafschaft Urgell

Besuch des Denkmalskomplexes der Kathedrale

von La Seu d’Urgell

Man erreicht La Seu d'Urgell von Gósol aus über

die Landstraße LV-4008, die zu einem gute Teil

an der westlichen Seite des Naturparks Cadí-

Moixeró entlangführt. Hinter Cerc erreicht man

Hommage des heiligen Bischofs Armengol für Wilfried II.,

Darstellung aus dem Liber Feudorum Ceritaniem


Grafschaft Urgell

Peralta i Calassanç

Die Pyrenäengrafschaften

Canillo

Andorra

Montferrer i Castellbò

Tost

2

La Seu d’Urgell

CASTELLCIUTAT

(Ribera d’Urgellet)

Cabó

Josa i Tuixén

1 Organyà

Coll de Nargó

Sant Llorenç

Conques

(Isona i Conca Dellà)

Llordà

(Isona i

Conca Dellà)

de Morunys

Oliana

Àger

M A R C A D ’

Haiptstadt der Grafschaft

Bischofssitz

Kathedrale / Stiftskirche

Balaguer

Camarasa

U R G E L L

Ponts

Guissona

Agramunt

Solsona

Cardona

1. Santa Maria d’Organyà

2. Santa Maria d’Urgell

Herrschaftsgebiet der Grafschaft

Zum Zeitpunkt des Todes Wilfrieds des Haarigen (897)

Maximale Ausdenhnung (11.-12. Jh.)

An die Grafschaft Pallars abgetretenes Gebiet (Ende 11. Jh.)

Grenze zu den Moslemischbeherrschten Gebieten im Jahr 1000

eine Ebene und muss lediglich noch den Segre überqueren, um in die

Hauptstadt von Alt Urgell zu gelangen. Zu den wichtigsten

Zufahrtsstraßen in die Kreisstadt zählen die aus Cerdanya kommende

N-260 und die aus Baix Urgell kommende C-14.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten dieser Etappe sind die Kathedrale

und das Diözesanmuseum von La Seu d’Urgell. Santa Maria d’Urgell (12. Jh.)

ist die einzige romanische Kathedrale, die in Katalonien erhalten ist.

Sie umfasst die Kapellen Santa Eulàlia, Sant Francesc d’Assís und Sant

Miquel und einen Kreuzgang.

Die Sammlung des im ehemaligen Dekanatshaus, das an den Kreuzgang

der Kathedrale angebaut ist, untergebrachten Diözesanmuseums

umfasst einige außergewöhnliche Stücke, unter denen die herausragen,

die mit dem heiligen Armengol in Verbindung stehen, und zu denen zum

Beispiel dessen Umhang gehört.

0

30 km

51


52

Weitere Sehenswürdigkeiten der Grafschaft

Unbedingt einen Besuch wert ist auch Organyà, wo die berühmte

Predigtensammlung Homilies d’Organyà entdeckt wurden. Um Organyà

zu erreichen, nimmt man in La Seu

d’Urgell die Landstraße C-14 in

Richtung Coll de Nargó und folgt dann

dem Lauf des Segre. Der historische

Ortskern Organyàs zählt zu den

besterhaltenen in Alt Urgell.

Organyà

Die Kollegiatkirche Santa Maria

stammt aus der Zeit der

Jahrhundertwende vom 10. zum 11.

Jahrhundert. Von der alten

romanischen Kirche sind die Apsis und

das mit interessanten bildhauerischen

Kreuzgang der Kathedrale

Motiven dekorierte Portal erhalten.

Santa Maria d’Urgell

Organyà ist jedoch vor allem dafür

berühmt, dass man hier 1904 mit den

Homilies d’Organyà den ältesten bekannten kompletten literarischen

Text in katalanischer Sprache entdeckte. Einige Kopien der von Ende

des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts stammenden Homilies sind

in dem nach ihnen benannten Interpretationszentrum zu sehen,

während die Originale in der Katalanischen Nationalbibliothek

aufbewahrt werden.º

Praktische Informationen

ALT URGELL

TURISME ALT URGELL

Passeig de Joan Brudieu, 15

25700 La Seu d’Urgell

Tel.: (+34) 973 353 112 /

(+34) 902 154 715

www.ccau.cat/

ANKUNFT IN LA SEU D’URGELL

In La Seu d’Urgell gibt es einen

großen Parkplatz auf dem

Plaça del Doctor Peiró (hinter

der Kathedrale)

TURISME DE LA SEU

Av. de les Valls d’Andorra, 33

25700 La Seu d’Urgell

Tel.: (+34) 973 351 511

www.turismeseu.com

DIÖZESANMUSEUM LA SEU

D’URGELL

Plaça del Deganat, s/n

25700 La Seu d’Urgell

Tel.: (+34) 973 353 242 /

(+34) 973 350 054

www.museudiocesaurgell. org

ORGANYÀ

FREMDENVERKEHRSBÜRO ORGANYÀ

Plaça de les Homilies, s/n

25794 Organyà

Tel.: (+34) 973 382 002

organya.ddl.net

DER GOTTESFRIEDE UND DIE

WAFFENRUHE GOTTES

RATHAUS COLL DE NARGÓ

Pl. de l’Ajuntament, 1

25793 Coll de Nargó

Tél. : (+34) 973 383 048

www.collnargo.com


Die Grafschaft Pallars Sobirà:

Romanik inmitten der Berge

In der Berglandschaft von Pallars Sobirà

sind zahlreiche sehenswerte religiöse

Bauwerke zu finden. Auf den Fresken

in der zentralen Apsis der Kirche Sant

Pere del Burgal ist eine weibliche

Figur dargestellt, die als die Gräfin

Llúcia de la Marca, eine bedeutende

Persönlichkeit der katalanischen

Grafschaften, identifiziert wird.

Unsere Routenempfehlung

Ein günstiger Ausgangspunkt für die

Route entlang diversen Kirchen ist das

Ökomuseum der Àneu-Täler in Esterri

d'Àneu. Als letzte, für Freunde der Romanik

unerlässliche Besichtigungsstation

Kirche Sant Pere del Burgal

empfehlen wir, auf dem Weg nach

Sort noch beim ehemaligen Kloster Sant Pere del Burgal Halt zu machen.

1. Von Sort nach La Guingueta d’Àneu

2. Von La Guingueta d’Àneu nach Alt Àneu

Die Pyrenäengrafschaften

Die Geschichte: Llúcia de la Marca

Die Grafschaft Pallars Sobirà entstand im Jahr 1011 durch die Teilung

der Grafschaft Pallars in das Pallars Sobirà und das Pallars Jussà. Zur

Herrin der neuen Grafschaft wurde durch die Eheschließung mit Artau I.

die aus Okzitanien stammende Llúcia de la Marca. Mit dieser

Verbindung versicherte sich Graf Raimund Berengar I. von Barcelona

der Unterstützung der katalanischen Grafschaften. Nach dem Tode des

Grafen Artau I. im Jahr 1081 übernahm Llúcia zusammen mit einem

ihrer Söhne, Artau II., die Regierungsgeschäfte der Grafschaft. Die

aktive Teilnahme einer Frau an der Regierung war kein isolierter oder

ungewöhnlicher Fall, sondern durchaus zum Beispiel mit den Rollen

vergleichbar, die Llúcias Schwester Almodis de la Marca oder Gräfin

Ermesinde von Carcassonne spielten.

Herausragende Sehenswürdigkeiten der Grafschaft Pallars

Sobirà

Im Àneu-Tal finden Besucher ein umfangreiches und wertvolles

architektonisches Erbe inmitten einer außergewöhnlich schönen

landschaftlichen Umgebung. Die Besichtigungsroute schließt den

Besuch des Ortes Sort ein. Wer noch mehr erleben will, kann sich in

Weilern wie Vilamur oder Soriguera weit in die Vergangenheit der

Pyrenäen zurückversetzen lassen.

53


54

Grafschaft Pallars Sobirà

Hauptstadt der Grafschaft

Kirche / Kloster

Burg

3

Isil o Gil (Alt Àneu)

2

5

València d’Àneu

Esterri d’Àneu

(Alt Àneu)

6 4 Lladorre

Espot

SORT

Enviny (Sort)

Gerri de la Sal

(Baix Pallars)

Herrschaftsgebiet der Grafschaft

Zum Zeitpunkt ihrer Gründung (9. Jh.)

Tirvia

Llavorsí

Burg von Sort

Um von La Seu d’Urgell aus nach Sort, der Hauptstadt von Pallars

Sobirà zu gelangen, muss man die Landstraße N-260 nehmen und den

Pass Port del Cantó (Collada del Cantó) überqueren. Dabei führt die

Strecke meist durch eine unebene Waldlandschaft. Sort liegt am Ufer

des Noguera Pallaresa zwischen den Hängen der umliegenden Berge.

Die Altstadt wird von der Ruine der Burg von Sort oder Burg der Grafen

von Pallars dominiert, die heute in einen öffentlichen Platz integriert

ist. Erhalten sind ein Teil der mittelalterlichen Baumasse aus dem 11.

und 12. Jahrhundert mit einem Rundbogen, eine breite Mauer mit

gotischen Fenstern aus dem 15. Jahrhundert und zwei romanische

Rundtürme. Neben landschaftlichen Reizen bietet Sort Besuchern auch

ein umfassendes Sport- und Freizeitangebot, dessen Schwerpunkte der

Wildwassersport auf dem Noguera Pallaresa, das Canyoning und

Wanderritte sind.

1

0

1. Sant Pere del Burgal

2. Sant Pere de Sorpe

3. Sant Joan d’Isil

4. Sant Martí d’Escalarre

5. Sant Julià d’Unarre

6. Santa Maria d’Àneu

15 km


Die Adelsfrauen

Die Pyrenäengrafschaften

Die Rechte und die Handlungsfähigkeit, die die Frauen der Oberklasse in

Katalonien sowohl im gesellschaftlichen und privaten Leben als auch im

Bereich der Politik genossen, wurden durch die spanisch-westgotische

Rechtstradition ermöglicht, die sich wesentlich von der karolingischen

Gesetzgebung unterschied. Als Beispiele mögen hier der Nießbrauch der

Witwe am Mannesnachlass, die gleichmäßige Verteilung des väterlichen

Erbes unter allen Kindern, unabhängig vom Geschlecht, oder die

Zuweisung eines zehnten Teils des Besitzes des Mannes an seine Frau

nach der Eheschließung dienen.

Ausstellung „Hugo Roger III., Aufstand in den Bergen” (Sort)

Diese Ausstellung des Museums für katalanische Geschichte im

Fremdenverkehrsbüro von Sort befasst sich mit der Situation am Ende

des 14. Jahrhunderts. Mit der Geschichte des letzten Grafen von

Pallars, Hugo Roger III., als rotem Faden beschreibt sie das Leben in

jener Epoche und den dekadenten Zustand des Feudalismus in den

letzten Jahrhunderten des Mittelalters war.

Sant Pere del Burgal (La Guingueta d’Àneu)

Die Landstraße C-13 führt von Sort nach Esterri d’Àneu. Kurz bevor man

diesen Ort erreicht, passiert man das am Ufer des Torrassa-Stausees

gelegene La Guingueta d’Àneu. Ebenfalls empfehlenswert ist ein Halt

im ummauerten Weiler Escaló.

La Guingueta d’Àneu ist eine an Gewässern, Bergwiesen und

historischer Architektur reiche Gemeinde. Ein gutes Beispiel für diese

Architektur ist das ehemalige Kloster Sant Pere del Burgal. Obwohl das

Zönobium im 9. Jahrhundert erstmals erwähnt wurde, stammt das

Gebäude, das heute zu sehen ist, dem aus 11. Jahrhundert. Die

Kirchenruine weist die für romanische Kirchen höchst ungewöhnliche

Besonderheit auf, dass sie nicht nur drei Apsiden am Chorhaupt,

sondern auch noch eine weitere an der gegenüberliegenden Seite des

Hauptschiffes besitzt. Ein Bildnis der Gräfin Llúcia de la Marca in der

Freske der Hauptsapsis zeugt von der engen Verbindung des Klosters

mit dem Grafengeschlecht von Pallars. Das Original befindet sich

gegenwärtig im MNAC.

Santa Maria d’Àneu (La Guingueta d’Àneu)

Die aus dem 11. Jahrhundert stammende Kirche ist das einzige

Gebäude, das vom Kanonikerkloster Santa Maria d'Àneu erhalten

geblieben ist. Auffallend ist die große Hauptapsis. Die Wandmalereien,

mit denen sie dekoriert war, befinden sich heute im MNAC und sind

neben denen von Sant Climent de Taüll einzigartig in der romanischen

Malkunst, und zwar sowohl aufgrund ihrer thematischen Originalität als

auch aufgrund der Frische und Freiheit ihrer Komposition, die der

allgemein verbreiteten Auffassung von einer der romanischen Malerei

eigenen Starrheit widerspricht.

55


56

Detail der Wandmalereien in der Apsis der Kirche

Santa Maria d’Àneu

Sant Pere de Sorpe (Alt Àneu)

Von La Guingueta aus geht es nun die C-13

hinauf, über die man hinter Esterri d’Àneu die

Gemeinde Alt Àneu erreicht, wo Naturfreunde

in den Genuss des Mata de València, eines der

größten Tannenwälder der Pyrenäen, kommen.

Die romanische Kirche Sant Pere de Sorpe

besitzt einen dreischiffigen Grundriss. Das Renaissanceretabel des

Hochaltars wird von einer romanischen Schnitzfigur des heiligen Petrus

dominiert. Die Wandmalereien aus dem 12. Jahrhundert befinden sich

heute im MNAC. Von der Kirche aus empfiehlt sich ein Ausflug in

den Naturpark Alt Pirineu, der seine Einrichtung dem hohen

naturlandschaftlichen Interesse des Schutzgebiets verdankt.

Praktische Informationen

ANKUNFT BEI DEN

ROMANISCHEN KIRCHEN

Bei allen Kirchen, die

besichtigt werden, gibt es

einen kleinen Parkplatz. Im

Fall von Sant Pere del Burgal

sind es etwa 20 Minuten

Fußweg vom dort zur Kirche;

hier ist angemessenes

Schuhwerk empfehlenswert.

Die Besichtigung der

verschiedenen Kirchen des Tals

wird vom Ecomuseu de les Valls

d’Àneu (Ökomuseum der Àneu-

Täler) koordiniert.

CASA GASSIA – ÖKOMUSEUM

DER ÀNEU-TÄLER

C/ del Camp, 22-24

25580 Esterri d’Àneu

Tel.: (+34) 973 626 436

www.ecomuseu.com

FREMDENVERKEHRSBÜRO

ESTERRI D’ÀNEU

c/ Major, 40 bis

25580 Esterri d’Àneu

Tel.: (+34) 973 626 345

www.esterrianeu.cat

SANT PERE DEL BURGAL

25596 Escaló

(La Guingueta d’Àneu)

Tel.: (+34) 973 626 436

www.ecomuseu.com

SANTA MARIA D’ÀNEU

25588 Escalarre

(La Guingueta d’Àneu)

Tel.: (+34) 973 626 436

www.ecomuseu.com

SANT PERE DE SORPE

25587 Sorpe (Alt Àneu)

Tel.: (+34) 973 626 436

www.ecomuseu.com

BURG VON SORT

25560 Sort

Tel. Rathaus:

(+34) 973 620 010

www.sort.cat

AUSSTELLUNG „HUGO ROGER III.,

AUFSTAND IN DEN BERGEN“

FREMDENVERKEHRSBÜRO DES KREISES

PALLARS SOBIRÀ

25560 Sort

Camí de la Cabanera, s/n

Tel.: (+34) 973 621 002

www.pallarssobira.info


Das Arantal: die Querimonia

Die Pyrenäengrafschaften

Das Arantal erreicht man von La Guingueta d’Àneu oder Les Valls d’Àneu

aus über den Pass Port de la Bonaigua, der mit einer Höhe von über 2 000

Metern zu den höchsten Kataloniens zählt und die traditionelle

Verbindung des Tals zum Rest des Landes darstellt. Von der

Wallfahrtskirche Mare de Déu des Ares aus bietet sich eines der

schönsten Panoramen der Pyrenäen.

Der Hochgebirgslandkreis Val d’Aran umfasst ein nach Norden, also in

Richtung Atlantik, geöffnetes Tal, das mit den anderen katalanischen

Pyrenäentälern wenig gemein hat. Die zentrale Achse dieses Tals ist die

Garonne. Hinzu kommen der Noguera Pallaresa und der Noguera

Ribagorçana, zwei Nebenflüsse des Segre. Das Arantal wurde als Teil der

mittelalterlichen Grafschaft Comminges im 12. Jahrhundert in das

Herrschaftsgebiet des Hauses Barcelona integriert. 1283 wurde es dann

von französischen Truppen besetzt, die es bis in das folgende

Jahrhundert hinein nicht wieder verließen. 1313 erhielt der

katalanische König Jakob II. jedoch die Herrschaft über das Tal zurück

und gestand den Aranesern noch im selben Jahr das Privileg der

Querimònia zu, einer Grundrechtscharta, die dem Tal bedeutende

wirtschaftliche Entlastungen brachte.

In den Ortschaften des Tals sind zahlreiche steinerne Zeugnisse der

mittelalterlichen Vergangenheit erhalten. Zwischen Vielha e Mijaran

und Arties finden sich an der Landstraße C-28 zum Beispiel Orte mit

einem unbedingt sehenswerten mittelalterlichen religiösen und zivilen

Kunsterbe, wie Betren mit der Kirche Sant Estèue, Escunhau mit der

Kirche Sant Pèir (12. Jh.), Casarilh mit einer geschnitzten romanischen

Christusfigur (12.–13.Jh.) oder Arties mit seiner innen schön dekorierten

Kirche Santa Maria (12.–13. Jh.). In Salardú ist außerdem die romanische

Christusfigur (13. Jh.) erwähnenswert, die in der Kirche Sant Andrèu

verehrt wird.

Auf dem Weg von Vielha e Mijaran nach Bossost sind unter anderem die

Orte Gausac, Casau, Vilac, Betlan, Aubèrt, Montcorbau und Arròs

sehenswert, die alle romanische Sehenswürdigkeiten besitzen. Auch in

Vielha, am linken Ufer der Garonne, sind im alten Stadtkern einige

Zeugnisse der mittelalterlichen Vergangenheit erhalten, unter denen

die Pfarrkirche Sant Miquèu (12. Jh.) herausragt, die einst zur

inzwischen verschwundenen Burg des Ortes gehörte und zahlreiche

wertvolle Kunstwerke besitzt. Um von hier die Region Ribagorça zu

erreichen, muss man den Vielha-Tunnel durchqueren. Am südlichen

Tunnelausgang sind die Gebäude des im 12. Jahrhundert gegründeten

ehemaligen Hospizes von Vielha zu sehen, in dem die Pilger und

sonstigen Überquerer des höchst gefährlichen Vielha-Passes, der zu den

höchsten der Pyrenäen zählt, Unterkunft fanden.

VIELHA

Museum des Arantals

C/ Major, 26

Tel.:(+34) 973 641 815

(auch Reservierung für den Besuch

des Ökomuseums Çò de Joanchiquet

in Vilamòs)

57


58

Die Grafschaft Ribagorça:

das Licht der Bilder

Die romanischen Kirchen des Boí-Tals

Sant Quirc de Durro

gehören zu den größten künstlerischen

Werten Kataloniens. Im Jahr 2000 wurde das romanische Ensemble von der

UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Unsere Routenempfehlung

Die Kirchen des Boí-Tals liegen über die kleinen Weiler von Barruera

verstreut. Es empfiehlt sich, als Ausgangspunkt Erill la Vall, wo sich das

Interpretationszentrum der Romanik befindet, zu wählen und von dort aus

der Route entlang der Weiler, in denen die Kirchen stehen, zu folgen.

Man kann die Gelegenheit nutzen, um den Nationalpark Aigüestortes i

Estany de Sant Maurici zu besichtigen. Die Informationsstelle des Parks

befindet sich in der nahe gelegenen Ortschaft Boí.

1. Von Erill la Vall nach El Pont de Suert

Rückansicht der Kirche

Die Geschichte: die Erills, Grafen und Mäzene

Die Grafschaft Ribagorça entstand im Jahr 920 nach der Aufteilung der

alten Grafschaft Pallars-Ribagorça, der neben der Ribagorça die

benachbarten Grafschaften Pallars Jussà und Pallars Sobirà

angehörten. Das ursprünglich zur Grafschaft Ribagorça gehörende Boí-

Tal war Gegenstand von Streitigkeiten zwischen den Grafschaften des

Pallars. Dennoch entwickelte sich im des 11. und 12. Jahrhunderts eine

unablässige Bautätigkeit im Stil der lombardischen Romanik. Der Grund

für diese hohe architektonische Produktivität liegt in dem mit einer

Konsolidierungsphase der feudalen Ordnung einhergehenden Aufstieg

und Machtausbau der Herren von Erill.


Grafschaft Ribagorça

0

Bielsa

Sos del Rei Catòlic

Viu

Perarrua

Graus

MARCA RIBAGORÇANA

Estada

Sanui i Alins

25 km

Hauptstadt der Grafschaft

Bischofssitz

Kirche / Kloster

Benavarri

Benasc

Senyiu

Calvera

(Beranui)

Durro

(La Vall de Boí)

8

Herrschaftsgebiet der Grafschaft

Zum Zeitpunkt ihrer Gründung (9. Jh.)

Maximale Ausdehnung (10.-12. Jh.)

An die Grafschaft Pallars abgetreten (1025)

Grenze zu den moslemisch beherrschten

Gebieten im Jahr 1000

RODA (ISÀVENA)

Viacamp i Lliterà

Die Pyrenäengrafschaften

4 3

La Vall

de Boí

5

6

Vergrößerter

Ausschnitt

1 2

Taüll

(La Vall de Boí)

In der Zeit der Jahrhundertwende vom 11. zum 12. Jahrhundert

nahmen die Herren von Erill an den Rückeroberungsfeldzügen des

aragonesischen Königs Alfons I. der Streitbare teil. Das aus diesen

Kampagnen stammende Beutegut verschaffte ihnen die notwendigen

Mittel für die Errichtung der Kirchen des Boí-Tals.

9

7

VALL DE BOÍ

1. Sant Climent de Taüll

2. Santa Maria de Taüll

3. Sant Joan de Boí

4. Santa Eulàlia d’Erill la Vall

5. La Nativitat de Durro

6. Sant Quirc de Durro

7. Sant Feliu de Barruera

8. Santa Maria de Cardet

9. L’Assumpció de Cóll

59


60

Altarfront aus Durro mit einer

Darstellung des vom heiligen Cyriacus

und seiner Mutter erlittenen

Martyriums. MNAC, Barcelona

Herausragende

Sehenswürdigkeiten der

Grafschaft Ribagorça

Die Kirchen des Boí-Tals, allen

voran die Kirche Sant Climent de Taüll, sind die herausragenden

Bauwerke der Romanik in Katalonien. Man verlässt das Arantal durch

den 1948 eingeweihten Vielha-Tunnel, ein gewaltiges Bauwerk, das

verhindert, dass der Landkreis in den Wintermonaten vom Rest der

Pyrenäenhalbinsel abgeschnitten wird. Anschließend gelangt man über

die Landstraße N-230, dem Lauf des Noguera Ribagorçana folgend, in

den Landkreis Alta Ribagorça. Dessen Hauptort, El Pont de Suert,

erreicht man über die Landstraße N-230, die Lleida und Vielha

verbindet. Bevor man in die Kreisstadt gelangt, passiert man die beiden

Nebenstraßen L-500 und L-501, die in das Boí-Tal führen.

Interpretationszentrum der Romanik des Boí-Tals

In Erill la Vall befindet sich das Interpretationszentrum der Romanik.

Dort gibt ein modernes Museumsprogramm den Besuchern die

wesentlichen Informationen, die sie zum Verständnis der Bedeutung

und Originalität der Kirchen des Tals benötigen. Über seine Kirchen

hinaus hat das Boí-Tal das ganze Jahr über jedoch auch noch eine ganze

Reihe anderer Attraktionen zu bieten, die vom Skisport im Winter bis

hin zu Kuraufenthalten oder Wandertouren in den wärmeren

Jahreszeiten reichen. Von Erill la Vall führt die Landstraße bergauf,

bergab nach Boí, Taüll und Durro, den verschiedenen Stationen dieses

Routenabschnitts.

Santa Eulàlia d’Erill la Vall

Die im 11. und 12. Jahrhundert erbaute Kirche Santa Eulàlia besitzt

einen schlanken sechsgeschossigen Glockenturm, der zu den schönsten

des Tals gehört. Durch die Sichtverbindung zu den Türmen von Boí und

Taüll konnte er zur Kommunikation und zur Überwachung der

Umgebung genutzt werden. Im Innern der Kirche befindet sich eine

Kopie der Skulpturengruppe der Kreuzabnahme, deren Originale auf

das MNAC und das Bischöfliche Museum von Vic verteilt sind.

Sant Joan de Boí

Sant Joan de Boí ist die Kirche im Boí-Tal mit den meisten erhaltenen

architektonischen Elementen aus der ersten Bauperiode im 11.

Jahrhundert. Der im Stil der lombardischen Romanik gehaltene

Sakralbau besitzt drei durch Säulen voneinander getrennte Schiffe und

ein hölzernes Dach. Die Innen- und Außenwände waren mit romanischen

Wandmalereien des Meisters von Boí geschmückt, von denen einige im

MNAC und im Diözesanmuseum von Lleida zu besichtigen sind.


Die Pyrenäengrafschaften

Sant Climent de Taüll

Das im Jahr 1123 durch den Bischof von Roda-Barbastro geweihte

Gotteshaus ist das Musterbeispiel der romanischen Kirche der

Pyrenäen. Es umfasst drei durch Säulen

voneinander getrennte Schiffe, hölzernes

Gebälk und drei an der Außenseite mit

lombardischen Bogenfriesen dekorierte

Apsiden. Beim Betrachten der Kirche

von außen fällt der hohe Glockenturm

auf. Der in die Hauptapsis gemalte

Pantokrator mit seinem forschenden

Blick ist das herausragende Beispiel der

romanischen Malerei Kataloniens. Das

vom Meister von Taüll stammende

Original wird heute im MNAC bewahrt.

Für winterliche Besucher der Kirche

mag es von Interesse sein, dass eine

asphaltierte Piste von El Pla de l’Ermita

zur Skistation Boí-Taüll führt, die zu den

modernsten und meistfrequentierten

des Landes zählt.

Sant Climent de Taüll,

paradigmatisches Beispiel der

romanischen Architektur der Pyrenäen.

Die Originalfresken befinden sich im

Santa Maria de Taüll

Nationalen Kunstmuseum von

Nur wenige Meter von Sant Climent

Katalonien (MNAC) in Barcelona

entfernt steht die Kirche Santa Maria de

Taüll, bei der die Apsiden der drei Schiffe wie bei den anderen Kirchen

des Tals mit lombardischen Bogenfriesen verziert sind. Die

Wandmalereien, mit denen der Innenraum dekoriert war, wurden in

das MNAC überführt. In der Hauptapsis befand sich eine ansprechende

Darstellung der Anbetung der Jungfrau Maria mit dem Kind durch die

Heiligen Drei Könige.

Nativitat de Durro

Die Kirche Nativitat de la Mare de Déu de Durro oder Santa Maria de

Durro muss etwas errichtet worden sein als die anderen. Es handelt sich

um ein Gotteshaus von beträchtlicher Größe, das man durch ein Tor

betritt, dessen von Säulen gestützte Kapitelle mit zoomorphen und

pflanzlichen Motiven verziert sind. Mitte Juni findet in Durro mit der

Baixada de les Falles eines der spektakulärsten Feste der Pyrenäen

statt. Bei diesem Fest, das heidnischen Ursprungs ist, werden

brennende Kiefernstämme (kat. falles) in das Dorf hinabgeschleppt.

Sant Quirc de Durro

Trotz ihrer architektonischen Schlichtheit ist die Einsiedelei Sant Quirc

aufgrund ihrer privilegierten Lage auf dem Durro mit herrlichen

Aussichten auf das untere Boí-Tal ausgesprochen attraktiv. Der

Standort wurde nicht zufällig gewählt. Vielmehr handelt es sich um

eine Gebietsmarkierung, die mit dem gemeinschaftlich bearbeiteten

Raum und der heidnischen Tradition der falles zusammenhängt.

61


62

Sant Feliu de Barruera

Bei der Pfarrkirche Sant Feliu in Barruera, die, wie die meisten Kirchen

des Tals, außerhalb des ursprünglichen Ortskerns steht, sind recht viele

architektonische Elemente aus dem 11. Jahrhundert erhalten. Der

Glockenturm hat mit seinen strengeren Linien wenig mit denen der

anderen Kirchen des Tals gemein. Trotz seiner landwirtschaftlichen

Vergangenheit ist Barruera heute ein bedeutendes Bergsport- und

Bergtourismuszentrum. Zu empfehlen ist der Besuch des am linken Ufer

des Noguera de Tor gelegenen Feuchtgebiets El Salencar, das zu den

bedeutendsten des Landkreises zählt.

Santa Maria de Cardet

Die zwischen dem 11. und dem 12. Jahrhundert erbaute Pfarrkirche

Santa Maria befindet sich am Rande des Dorfes Cardet. Ihre Apsis ist

zweigeschossig an das Kirchenschiff und die Krypta angebaut. Im MNAC

befindet sich eine schöne Altarfront, die aus dieser Kirche stammt.

Besuchern, die Ruhe und Entspannung suchen, sollten den von schönen

Uferwäldern umgebenen und mit Wasser aus dem Noguera de Tor

gespeisten Stausee von Cardet besuchen.

L’Assumpció de Cóll

Auf dem Weg von Cardet nach El Pont de Suert empfiehlt sich ein

Zwischenstopp in Cóll. Die romanische Kirche Santa Maria de

l’Assumpció de Cóll weist einige Besonderheiten auf, die sie von den

übrigen Kirchen des Tals unterscheiden. Sie wurde 1110 geweiht und

besitzt ein einziges Schiff mit Tonnengewölbe und einer Apsis. Besondere

Erwähnung verdient die bildhauerische Dekoration des Portals.

El Pont de Suert

Von Cóll aus begibt man sich nun wieder auf die Landstraße L-500 und

kehrt dem Noguera de Tor folgend nach El Pont de Suert zurück. Die

Hauptstadt von Alta Ribagorça, die schon vor sehr langer Zeit einen

Verkehrsknotenpunkt darstellte, besitzt eine schöne Altstadt mit

interessanten Zeugnissen ihrer mittelalterlichen Vergangenheit: der Plaça

del Mercadal, der Plaça Major, der Abtspalast und die Alte Kirche mit

der Ausstellung einer Sammlung sakraler Kunst der Ribagorça und einem

Verweis auf das nicht mehr existierende Kloster Santa Maria de Lavaix.

Praktische Informationen

ANKUNFT IM BOÍ-TAL

FREMDENVERKEHRSBÜRO BARRUERA

Passeig de Sant Feliu, 43

25527 Barruera

Tel.: (+34) 973 694 000

www.vallboi.com

INTERPRETATIONSZENTRUM

DER ROMANIK DES BOÍ-TALS

C/ del Batalló, 5

25528 Erill la Vall

Tel.: (+34) 973 696 715

www.centreromanic.com


Die Grafschaft Pallars Jussà:

die Herren des Gebirges

Die Pyrenäengrafschaften

Die Burg von Llordà, ein

In der ehemaligen Grafschaft Pallars Jussà

bedeutendes Bauwerk aus dem 11.

wird aus dem reißenden Gebirgsfluss

Jahrhundert, das sich von der

Noguera Pallaresa nach Durchquerung der

typischen katalanischen Burg

Collegats-Schlucht auf einigen Kilometern

unterscheidet

ein ruhiges und sanftes Gewässer. Die

Höhenzüge des Montsec, heute eine

friedliche Landschaft, stellten zur Zeit der katalanischen Grafschaften

eine natürliche Barriere und Verteidigungslinie dar.

Für einen eintägigen Besuch wird die Besichtigung der Burg von Mur und

der benachbarten Stiftskirche empfohlen. Verfügt man über mehr Zeit,

kann ein Ausflug zur Burg von Llordà, zur Kirche Santa Maria de Covet

oder in das historische Zentrum der auf der anderen Seite des Montsec

gelegenen Ortschaft Àger unternommen werden. Den Landkreis Pallars

Jussà ereicht man von Alta Ribagorça aus über die als „Pyrenäenachse“

(Eix Pirinenc ) bezeichnete Nationalstraße N-260. Auf dieser Straße

fährt man von El Pont de Suert über die Pässe Port de Viu de Llevata

und Coll de la Creu de Perves durch eine herrliche Landschaft bis nach

La Pobla de Segur, von wo die Route über die C-13 am Sant-Antoni-

Stausee entlang weiter nach Tremp führt.

1. Von Isona i Conca Dellà (Burg von Llordà und Santa Maria de

Covet) nach Castell de Mur

2. Von Castell de Mur nach Àger

Die Geschichte: Arnau Mir de Tost

Die Geschichte dieser Region ist stark von der Figur des Arnau Mir de

Tost geprägt, der als Vasall des Grafen von Urgell weitgehend für die

Gebietsvergrößerung der Grafschaft verantwortlich zeichnete. Der

63


64

Grafschaft Pallars Jussà

Taüll

(La Vall de Boí)

RIBAGORÇA

Vilaller

Sopeira

Orrit (Tremp) La Pobla

de Segur

Talarn

TREMP

El Pont de

Montanyana

Àger

34

1

Castell

de Mur

Hauptstadt der Grafschaft

Kirche / Stiftskirche

Burg

Senterada

La Torre de Cabdella

Conques

(Isona i

Abella de la Conca

URGELL

Conca Dellà) 5

Llimiana

Herrschaftsgebiet der Grafschaft

Ursprüngliches Gebiet der Grafschaft Pallars (9. Jh.)

Zum Zeitpunkt der Teilung der Grafschaft (1011)

Eingliederung der Grafschaft Ribagorça (1025)

Eingliederung der Grafschaft Urgell (1082)

P ALLARS SOBIRÀ

Grenze zu den moslemisch beherrschten Gebieten im Jahr 1000

Sohn einer Kastellanen-Familie aus Tost machte den Kampf an der

Grenze zur Hauptaufgabe seines Lebens. Mit dem Kauf der Burg von

Llordà im Jahre 1033 sicherte er sich die Herrschaft über das Becken

von Tremp, wo er weitere bedeutende Festungsanlagen, wie die

Burgen von Orcau, Toló und Mur, erwarb. Nach dem Erwerb dieser

Besitztümer setzte sich Arnau Mir de Tost ein neues Ziel: die

Rückeroberung der moslemisch beherrschten Gebiete südlich des

Montsec. Unter dem Kommando der gräflichen Streitkräfte oder mit

seinen eigenen Truppen baute er seine Herrschaft über den Norden der

Noguera mit den Festungen von Montmagastre und Àger, das daraufhin

2

0

1. Col·legiata de

Santa Maria de Mur

2. Santa Maria de Covet

3. Col·legiata de Sant Pere

4. Sant Vicenç d’Àger

5. Burg von Llordà

25 km


Armengol II. von Urgell verkauft seinem Vasallen

Arnau Mir de Tost die Burg von Llordà.

Aus dem Liber Feudorum Maior

zu einer von ihm geführten Vizegrafschaft

wurde, aus. Im Westen vergrößerte er seinen

Herrschaftsbereich über den Noguera

Ribagorçana hinaus bis an den Éssera. So

herrschte er in den 1060er Jahren über die

Täler des Segre, des Noguera Pallaresa und des

Noguera Ribagorçana und bezog sogar Tribute

von den Taifas (moslemische Teilkönigreiche)

von Saragossa und Lleida, was eigentlich nur

Königen und Grafen vorbehalten war.

Die Pyrenäengrafschaften

1064 kam Arnau eine führende Rolle bei der

Eroberung von Barbastro zu. Nachdem Armengol III. in der Schlacht

gefallen war, übte er gemeinsam mit dem Vizegrafen von Castellbó die

Regierungsgewalt über die Grafschaft Urgell aus. 1072 verstarb er

während einer Pilgerreise auf dem Jakobsweg nach Santiago de

Compostela.

Im Auftrag von Arnau Mir de Tost fand auch eine rege Bautätigkeit

statt, und er hinterließ ein Erbe an Baudenkmälern, das die Region

heute auszeichnet: Zu den herausragenden dieser Bauwerke zählen die

Burgen von Llordà, Mur und Lluçà sowie die Stiftskirche von Àger.

Herausragende Sehenswürdigkeiten der Grafschaft Pallars Jussà

Die Burg von Llordà, Santa Maria de Covet und die Stiftskirche von Àger

sind drei Denkmäler, die ideal dazu geeignet sind, das Leben von Arnau

Mir de Tost nachzuvollziehen.

Burg von Llordà (Isona i Conca Dellà)

Die im 11. Jahrhundert errichtete Burg von Llordà ist von der Residenz

der Könige von Aragón in Loarre und der der Grafen von Barcelona

inspiriert und stellt ein herausragendes Beispiel für die romanische

Profanarchitektur des Landes dar. Um sie von Tremp aus zu erreichen,

fährt man zunächst über die Landstraße C-1412 nach Isona. Von dort

folgt man der Straße weiter bis nach Llordà und richtet sich dann nach

den Wegweisern. Das im Auftrag von Arnau Mir de Tost errichtete

Bauwerk umfasst zwei Bereiche: den oberen, mit dem Palast, und den

unteren, in dem sich die Kirche Sant Sadurní und die Unterkünfte der

Bediensteten und der Soldaten befanden.

Kirche Santa Maria de Covet (Isona i Conca Dellà)

Zurück in Isona führt eine Gemeindestraße zur Kirche Santa Maria de

Covet, die zu den originellsten der katalanischen Romanik des 12.

Jahrhunderts zählt. In der Hauptapsis findet sich eine Kopie der

polychromierten hölzernen Schnitzfigur der Madonna mit dem Kind,

deren Original im MNAC besichtigt werden kann. Was die

65


66

Detail der Säulen des Portals der Kirche

Santa Maria de Covet

Außerdekoration der Kirche

betrifft, ist die Hauptfassade

mit einer großen Rosette und

einem der wenigen katalanischen

Figurenportale versehen: einem

ansprechenden skulptierten und

von Archivolten gerahmten Tympanon.

Besichtigung der Burg von Mur

Um von Tremp zur Burg von Mur zu gelangen, nimmt man zunächst die

C-13 in Richtung Cellers. Kurz bevor man diesen Ort erreicht, biegt man

rechts ab auf die LV-9124 in Richtung Guàrdia de Noguera. Von dort aus

führt eine asphaltierte Straße zur Burg von Mur und zur Stiftskirche

Santa Maria.

Die Burg: Die Burg von Mur ist ein musterhaftes Beispiel der

katalanischen Militärarchitektur des 11. Jahrhunderts. Sie steht

strategisch günstig auf einem Felsen und besitzt einen dreieckigen

Grundriss mit abgerundeten Ecken. Der Wehrgang der einen Meter

dicken und zwischen 14 und 18 Meter hohen Mauer ist bis heute

erhalten. Weitere sehenswerte Elemente der Burg sind ihr 16 Meter

hoher Hauptturm und ein aus der Erhöhung der Mauern auf der

Nordseite resultierender Nebenturm.

Stiftskirche Santa Maria de Mur: In unmittelbarer Nähe der Burg steht

auf der gegenüberliegenden Seite derselben Anhöhe das ehemalige

Augustiner-Chorherrenstift Santa Maria, das im Jahr 1069 vom Bischof

von Urgell geweiht wurde. Eine die Burg und dieses Bauwerk

umgebende Mauer macht den gesamten Komplex zu einer großen

Festungsanlage. Die Errichtung von Santa Maria de Mur ist den Grafen

von Pallars zu verdanken. Vom später errichteten kirchlichen

Gebäudeensemble sind die schlicht strukturierten Kreuzgänge

hervorzuheben. Die Malereien, die die zentrale Apsis der Kirche

zierten, wurden vom Museum of Fine Arts in Boston erworben, während

die Malereien aus der Seitenapsis im MNAC zu finden sind.

Ein Besuch der Burg von Mur kann auch als Anlass zur Besichtigung der

übrigen Grenzburgen dienen, die nicht nur in Pallars Jussà, sondern

auch in den benachbarten Landkreisen liegen. Die Burg von Orcau, eine

typische Felsenburg, die Burgen von Sant Oïsme und von Alsamora mit

ihren monumentalen Haupttürmen oder die halb in Ruinen liegende

Burg von Algerri zeugen von einer Zeit ständiger Auseinandersetzungen

zwischen Christen und Moslems. Zur Stärkung empfiehlt es sich

übrigens auch, die reichhaltige und vielfältige Gastronomie der Gegend

zu kosten, die von der typischen Bauernpfanne bis hin zum


Die Burg von Mur benötigte keinen Burggraben, da sie auf dem

Fels errichtet wurde.

Gamswildbrett reicht und stets von Weinen

der Ursprungsbezeichnung Costers del Segre

begleitet wird.

Die Pyrenäengrafschaften

Mittelalterliches Ensemble von Àger

Zurück in Guàrdia de Tremp, nimmt man erneut

die aus Tremp kommende C-13. Sie führt

zunächst am Terradets-Stausee entlang und dann

über die Serra del Montsec in den Landkreis

Noguera. Nach Erreichen des Camarasa-

Stausees zweigt rechts die nach Àger führende Landstraße C-12 auf.

In Àger findet der Besucher die im Auftrag von Arnau Mir de Tost

errichtete Stiftskirche Sant Pere und die Kirche Sant Vicenç, in der sich

die Grabstätte des Edelmanns befindet. Àger hat neben der Stiftskirche

und der Burg jedoch noch viel mehr zu bieten. So kann man

beispielsweise die Pfarrkirche besichtigen oder einen Ausflug in die

beeindruckende Schlucht von Mont-rebei, einen steilwandigen

natürlichen Pass, unternehmen.

Praktische Informationen

ANKUNFT IM PALLARS JUSSÀ

NATURWISSENSCHAFTLICHES

KREISMUSEUM

Pl. del Vall, 13

Tel.: (+34) 973 653 470

25620 Tremp

www.pallarsjussa.net

FREMDENVERKEHRSBÜRO

TREMP

Plaça de la Creu, 1

25620 Tremp

Tel.: (+34) 973 650 005/09

www.ajuntamentdetremp. cat

BURG VON MUR UND

STIFTSKIRCHE SANTA MARIA

DE MUR

25632 Castell de Mur

Tel.: (+34) 973 402 045

(Stiftung Kulturelle Burgen von

Kataloniena)

Tel.: (+34) 677 701 820

www.castelldemur.com

BURG VON LLORDÀ

25650 Isona

Tel. Museum der Conca Dellà:

(+34) 973 665 062

SANTA MARIA DE COVET

MUSEUM DER CONCA DELLÀ - COVET

(Isona i Conca Dellà)

C/ del Museu, 4

25650 Isona

Tel.: (+34) 973 665 062

www.parc-cretaci.com/

ÀGER

Rathaus Àger

Plaça Major, 1

25691 Àger

Tel.: (+34) 973 455 004

www.ccnoguera.cat/ager

ESPAI D’ATENCIÓ TURÍSTICA

DEL PALLARS JUSSÀ

Ctra. C-13 pk. 90,2

25630 Talarn

Tel.: (+34) 973 652 545

67


68

Die Vizegrafschaft Cardona:

die ungekrönten Könige

Der imposante Denkmalskomplex von

Cardona verweist die Besucher auf

das gleichnamige Adelsgeschlecht.

Der Beiname „Herren des Salzes“,

unter dem es bekannt war, spiegelt

die Bedeutung des zum Ort gehörenden Salzgebirges für die

Entwicklung des Hauses Cardona, das zu den einflussreichsten der

katalanischen Politik des Mittelalters zählte, wider.

Panoramaansicht der Burg und

Stiftskirche Sant Vicenç de Cardona,

Stammsitz eines der ältesten

Adelsgeschlechter des Landes

Unsere Routenempfehlung

Zentrales Element dieser Route ist die Besichtigung von Cardona mit

der Altstadt, der Stiftskirche, der Burg und dem Salzgebirge. Von

Cardona aus sind die übrigen Sehenswürdigkeiten dieser Etappe gut zu

erreichen: in nordwestlicher Richtung Solsona und in südöstlicher

Richtung Sant Fruitós de Bages mit dem Kloster Sant Benet.

1. Von Solsona nach Cardona

2. Von Cardona nach Sant Fruitós de Bages (Sant Benet de Bages)

Die Geschichte: die Herren des Salzes

Das Geschlecht der Cardona, das aufgrund seiner Kontrolle über die

Ausbeutung des Salzgebirges den Beinamen „Herren des Salzes“ trug,

entstand in der frühen Zeit der katalanischen Grafschaften. Ihr

Ursprung geht jedoch auf die Vicomtes von Osona zurück. Erst 1086, zu

Zeiten von Ramon Folc I. von Cardona, erhielt das Haus den Titel

Vizegrafschaft Cardona. Von jenem Moment an entwickelte sich das

Haus Cardona zu einem Geschlecht mit sehr starkem Einfluss auf die

Politik der Grafen von Barcelona und später auch auf die der


Vizegrafschaft Cardona

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à

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ü –

ç

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Die Pyrenäengrafschaften

katalanischen Könige. Hervorzuheben ist in dieser Hinsicht die bei

zahlreichen Gelegenheiten ausgeübte Rolle als Vermittler zwischen der

Krone und den Grafschaften des westlichen Kataloniens, wie den

Häusern Urgell, Pallars oder Castellbò, mit denen eine

Blutsverwandtschaft bestand. Zum wachsenden Einfluss des Hauses

Cardona trug die wirtschaftliche Macht bei, die ihm die Einnahmen aus

dem Salzbergbau bescherten.

Der Aufstieg dieses Geschlechts zeigt sich an den Standeserhöhungen

von Herren über Vicomtes zu Herzögen. Im 15. Jahrhundert waren die

Cardona nach dem Königshaus das wichtigste katalanische Geschlecht,

was ihnen den Beinamen „ungekrönte Könige“ einbrachte.

Die Cardona hielten Besitzungen mit bedeutenden Burgen in

Tagamanent, El Brull, Savassona, Rupit und Casserres. Die Angehörigen

des Hauses hatten immer eine besondere Verbindung zum Kloster Sant

Pere de Casserres, in dem bis zum 12. Jahrhundert die meisten Frauen

der Familie, unter deren Schutz das Kloster stand, begraben wurden.

ç

è

69


70

Herausragende

Sehenswürdigkeiten der

Vizegrafschaft Cardona

Die Kathedrale von Solsona und das in

die Stadt führende Brückentor

Solsona

Von Tremp aus verlässt man das Pallars in Richtung des Landkreises

Solsonès. Die Kreisstadt Solsona erreicht man auf der C-1412 über den Pass

Coll de Comiols, der einige der besten Panoramen der Pyrenäen bietet.

Kurz darauf biegt man nach rechts auf die C-1412b in Richtung Ponts

ab. Von Ponts aus kann man dann entweder bis Basella die C-14 entlang

dem Stausee von Rialb und anschließend die C-26 nach Solsona oder aber

die C-1412a bis Biosca und von dort die C-451 bis zum Etappenziel nehmen.

Für Liebhaber des Autofahrens, die keine Eile haben, gibt es auch noch

eine andere Alternative, die zunächst von Tremp auf der C 142 nach Isona

und dann über den Pass Coll de Bóixols und dann auf der L-511 nach Coll

de Nargó führt. Dort folgt man der C-14 entlang dem Ufer des Oliana-

Stausees, bis man nach links auf die C-26 in Richtung Solsona abbiegt.

Die Ursprünge von Solsona, das um 870 von Wilfried dem Haarigen

eingenommen wurde, liegen in der alten Burg, um die während des

Mittelalters immer neue Plätze und Straßen angelegt wurden. Die

Besichtigung der Kathedrale und des Diözesanmuseum ist höchst

empfehlenswert, am besten während des Karnevals, der in dieser Stadt

ausgiebig gefeiert wird und zu den beliebtesten des Landes gehört.

Kathedrale: Die Kathedrale Santa Maria de Solsona, ein ehemaliges

Chorherrenstift, umfasst einen Komplex von Gebäuden, die zwischen

dem späten 11. und dem 18. Jahrhundert errichtet wurden. Aus der

gräflichen Epoche sind die Apsis und der Glockenturm, beide

romanischen Stils, erhalten. Der übrige Bau wurde während der Gotik

und des Barocks erneuert. Im Inneren der Kirche befindet sich die

Kapelle der Mare de Déu del Claustre (Heilige Jungfrau des

Kreuzgangs), der Schutzpatronin des Ortes, mit einer romanischen

schwarzen Steinskulptur aus dem 12. Jahrhundert, die dem Meister

Gilabertus von Toulouse, einem der wenigen identifizierten Bildhauer

des Mittelalters, zugeschrieben wird.

Diözesan- und Kreismuseum Solsona : Dieses im Bischofspalast

befindliche Museum besitzt einige sehr bedeutende Skulpturen, die


im 12. Jahrhundert die Kreuzgänge der benachbarten Kathedrale

zierten. Auch die vorromanische und romanische Wandmalerei ist mit den

Kompositionen aus Sant Quirze de Pedret und aus Sant Vicenç de Rus, die

zu den bedeutendsten des Landes zählen, in den Museumssälen vertreten.

Besuch des mittelalterlichen Cardonas

Ein Besuch des historischen Zentrums von Cardona liefert den Kontext,

der erforderlich ist, um sich einen Eindruck von den Umständen

verschaffen zu können, unter denen seine Herren in der Epoche der

Vizegrafschaft regierten. Der Kulturpark des Salzgebirges bietet einen

interessanten Kontrapunkt zum Denkmalskomplex, den die Stiftskirche

und die Burg bilden. Um Cardona von Solsona aus zu erreichen, gibt es

zwei Möglichkeiten. Am schnellsten geht es über die nahe am Stausee

Sant Ponç vorbeiführende C-55. Wer lieber die Landschaft genießen

möchte, kann von Solsona aus die Landstraße LV-3002 nehmen und am

Heiligtum Mare de Déu del Miracle einen Zwischenstopp einlegen. Von

dort geht es weiter nach Su, von wo es nur noch wenige Kilometer bis

nach Cardona sind.

Mittelalterzentrum Cardona: Diese am Plaça de la Fira unter den

Aimines-Bögen befindliche Einrichtung dient der Interpretation der mit

mittelalterlichen Gebäuden und engen Gassen gespickten Altstadt. Sie

bietet eine audiovisuelle Präsentation, die den Besuchern die

wesentlichen Schlüssel zum Verständnis der Vergangenheit der

Vizegrafschaft Cardona und ihrer Beziehung zum Salz liefert. Das Mitte

September stattfindende Patronatsfest ist ein weiterer guter Anlass zur

Erforschung aller Winkel des historischen Stadtkerns.

Burg und Stiftskirche Sant Vicenç de Cardona: Das monumentale

Chorherrenstift Sant Vicenç de Cardona, das strategisch günstig auf

einem Gebirgsausläufer über dem Cardener platziert ist, ist ein

Meisterwerk der katalanischen Romanik. Die aus dem 12. Jahrhundert

datierenden Malereien, die die Vorhalle des Eingangs schmückten,

befinden sich heute im MNAC. In der unmittelbaren Umgebung der

Stiftskirche befinden sich auch die Reste der 880 von Wilfried dem

Haarigen errichteten Burg, deren

bemerkenswertestes Element der aus

Salzbergwerk von Cardona im

dem 11. Jahrhundert stammende

Kulturpark des Salzgebirges

71


72

Minyona-Turm ist. Heute gehört dieser Komplex zur Umgebung eines

staatlich verwalteten, hochklassigen Touristenhotels ( Parador

Nacional). Wir empfehlen den Besuchern Cardonas die Teilnahme an

einer der vom Mittelalterzentrum organisierten Führungen.

Kulturpark des Salzgebirges: Als Ergänzung der Besichtigung Cardonas

empfiehlt sich der Besuch des Kulturparks des Salzgebirges, der auf

dem Gelände der Mina Nieves, die bis 1990 zu den wichtigsten

Kalibergwerken Europas zählte, beginnt und in 86 Metern Tiefe

fortgeführt wird. Die mit Helmen geschützten Besucher werden mit

einem Spezialfahrzeug in das Innere dieses bereits von den Römern

erschlossenen und von der UNESCO als schützenswerte Naturlandschaft

anerkannten Berges transportiert.

Weitere Sehenswürdigkeiten der Vizegrafschaft

Weitere mit der Vizegrafschaft Cardona in Zusammenhang stehende

Sehenswürdigkeiten sind Solsona oder das in südöstlicher Richtung

liegende Sant Fruitós de Bages mit dem Benediktinerkloster Sant Benet,

einem herausragenden Beispiel romanischer Architektur.

Um Sant Fruitós de Bages von Cardona aus zu erreichen, fährt man

zunächst auf der Landstraße C-55 über Súria und Callús in Richtung

Manresa. Von Manresa, dem ehemaligen Minorisa, aus nimmt man dann

die Kreisstraße nach Sant Fruitós de Bages. Entscheidet man sich für die

Anfahrt über die C-25 ( Eix Transversal ), so muss man diese an der

Ausfahrt St. Fruitós-Navarcles verlassen.

Kloster Sant Benet de Bages (Sant Fruitós de Bages)

Besonders sehenswert an dieser aus dem 11. Jahrhundert stammenden

Klosteranlage ist die Kirche mit ihrem großen Kuppelgewölbe und dem

beeindruckenden Glockenturm. Der Kreuzgang ist mit seinen thematisch

vielfältig dekorierten Kapitellen der pittoreskeste Teil des Klosters. Der

vorübergehend im Besitz der Familie des Jugendstilmalers Ramon Casas

befindliche Komplex Sant Benet de Bages wurde erst vor kurzem

restauriert und museografisch ausgebaut.

Món St. Benet ist der

Titel einer audiovisuellen

Präsentation, die

mittelalterliche und

moderne Situationen in

diesem Kloster nachstellt.

Innenansicht des erst kürzlich

restaurierten Klosters Sant Benet

de Bages (12. Jh.)

72


Praktische Informationen

KATHEDRALE VON SOLSONA

Plaça de la Catedral, s/n

25280 Solsona

Tel. Fremdenverkehrsbüro:

(+34) 973 482 310

DIÖZESAN - UND

KREISMUSEUM SOLSONA

Plaça del Palau, 1

25280 Solsona

Tel.: (+34) 973 482 101

FREMDENVERKEHRSBÜRO

SOLSONA

Carretera de Bassella, 1

25280 Solsona

Tel.: (+34) 973 482 310

www.solsonaturisme.com

ANKUNFT IN CARDONA

In Cardona stehen

verschiedene Parkplätze zur

Verfügung. Zu empfehlen ist

der am Plaça del Portalet, da

er am nächsten am

Mittelalterzentrum gelegen ist.

FREMDENVERKEHRSBüRO

CARDONA

Av. del Rastrillo, s/n

08261 Cardona

Tel: (+34) 938 692 798

www.cardona.cat/ca/turisme

MITTELALTERZENTRUM

CARDONA

Unbedingt besuchen sollte man

die Museumsausstellung und

die audiovisuelle Präsentation

„Die Cardonas: die Herren des

Salzes“, in denen man anhand

eines Dialogs zwischen zwei

fiktiven Personen, einem

Einheimischen und einem

Fremden, vieles über das

mittelalterliche Cardona

erfährt. Im Mittelalterzentrum

Die Pyrenäengrafschaften

beginnen auch die Führungen

in das historische Zentrum der

Stadt.

Plaça de la Fira, s/n

08261 Cardona

Infotelefon:

(+34) 938 692 475

Reservierungen:

(+34) 902 400 475

www.salcardona.com

BURG UND STIFTSKIRCHE

SANT VICENÇ DE CARDONA

Carretera de la Mina, s/n

08261 Cardona

(+34) 938 684 169

(+34) 902 400 475

KULTURPARK SALZGEBIRGE

Carretera de la Mina, s/n

08261 Cardona

Tel.: (+34) 938 692 475

(+34) 902 400 475

www.salcardona.com

ANKUNFT IN SANT BENET DE

BAGES

Vor dem Eingang des

Komplexes befindet sich ein

Parkplatz.

GEBÄUDE „LA FÀBRICA“

(INFORMATIONSPUNKT UND

BESUCHEREMPFANG)

Tel.: (+34) 938 759 401

Camí de Sant Benet, s/n

08272 Sant Fruitós de Bages

www.monstbenet.cat

CAT SALLENT

(TOURISTISCHEN

EMPFANGSZANTREN)

Ctra C-16, km 61 (La Botjosa)

08650 Sallent

Tel.: (+34) 938 370 200

www.turismecat.cat

73


74

Die Grafschaft Osona:

der Schlussstein Altkataloniens

Panoramaansicht des Klosters von

Seinen Namen verdankt Osona, eine

Sant Pere de Casserres, auf de

der wichtigsten historischen Regionen

gleichnamigen Felssporns

Kataloniens, dem iberischen Stamm

der Ausetaner. Das während der römischen Zeit dicht besiedelte Gebiet

war eines der ersten, um deren Rückeroberung und Wiederbevölkerung

sich die katalanischen Grafen bemühten, da es sich um das traditionelle

Durchgangsgebiet zwischen Barcelona und den Pyrenäen handelte.

Unsere Routenempfehlung

Die Stadt Vic, die wichtigster Station dieser Etappe, dient als

Ausgangspunkt für die Touren zu den verschiedenen Sehenswürdigkeiten.

Eine dieser Touren führt in südwestliche Richtung zum Kloster Santa

Maria de l’Estany, während eine andere Roda de Ter und die

mittelalterliche Siedlung L’Esquerda zum Ziel hat. Zurück in Vic, führt

ein Abstecher nach Tavèrnoles und von dort nach Sant Pere de

Casserres. In nordwestlicher Richtung geht es schließlich zum Kloster

Santa Maria de Lluçà.

1. Von Santa Maria de l’Estany nach Vic

2. Von Vic nach Roda de Ter (mittelalterliche Siedlung L’Esquerda)

3. Von Roda de Ter nach Les Masies de Roda (Sant Pere de Casserres)

4. Von Vic nach Santa Maria de Lluçà

Die Geschichte: Abt Oliba

Oliba (um 971–1046), Urenkel Wilfrieds des Haarigen und dritter Sohn

der Grafen von Cerdanya und Besalú, lehnte die ihm durch seine

Herkunft vorgegebene Bestimmung ab, um sich dem Benediktinerorden

anzuschließen. In diesem Sinne verzichtete er 1002 oder 1003 auf den

Titel des Grafen von Besalú und trat als Mönch in das Kloster Santa

Maria de Ripoll ein.


Grafschaft Osona

Mollerussa Tàrrega

Cervera

Verdú

Tarrés

Die Pyrenäengrafschaften

RIPOLL Sant Joan de

Ripoll

Sant Boi

les Abadesses

de Lluçanès

Torelló

Roda de Ter

1

(l’Esquerda)

Oristà

VIC

2

Osor

Tona

Súria

Artés

3

Moià

Sant Hilari

Sacalm

Centelles

Calaf Manresa

Castellterçol

Jorba

Santa Coloma de Queralt

M A R C A D ’ O S O NA-MANRESA

Hauptstadt der Grafschaft

Bischofssitz

Stiftskirche / Kloster

Oliba stieg in der kirchlichen Hierarchie rasch auf. Im Jahr 1008 wurde

er zum Abt von Ripoll und Sant Miquel de Cuixà und zehn Jahre später,

dank der Unterstützung der Gräfin Ermesinde von Carcassonne, der

Frau des Grafen von Barcelona Ramon Borrell, zum Bischof von Vic

ernannt. Oliba und Ermesinde verband der Kampf gegen die sich im

Land ausbreitende feudale Gewalt. Schließlich sollten die Adeligen, die

die gräfliche Autorität in Zweifel zu ziehen begannen, den

Feudalisierungsprozess jedoch vorantreiben und in Katalonien eine

neue politische Ordnung schaffen.

Oliba genoss als versöhnlicher und diplomatischer Mann des Dialogs

großes Ansehen unter den weltlichen und religiösen Machthabern

seiner Zeit. In kultureller Hinsicht ist seine Förderung der Architektur

hervorzuheben, die sich in der Errichtung der ersten Kathedrale von Vic

und der Klöster von Cuixà und Ripoll manifestierte. Auch seine

literarische Tätigkeit trug bedeutende Früchte, wie beispielsweise die

seinen Vorfahren gewidmeten Lobgedichte.

Mura

Herrschaftsgebiet der Grafschaft

Zum Zeitpunkt ihrer Gründung

(9. Jh.)

Maximale Ausbreitung, zusammen mit der

Grafschaft Manresa (10.-12. Jh.)

Unabhängige Grafschaft Ripoll (988-1003)

Grenze zu den moslemisch beherrschten Gebieten im Jahr 1000

0

1. Santa Maria de Lluçà

2. Sant Pere de Casserres

3. Santa Maria de l’Estany

30 km

75


76

Pax und Treuga Dei (Gottesfriede und

Waffenruhe Gottes)

Oliba war einer der ersten katalanischen Bischöfe, der die

Versammlungen der Pax und Treuga Dei betrieb, bei denen er eine

Schlüsselrolle spielt. Ziel der in Aquitanien entstandenen Bewegung

war es, den gewalttätigen Übergriffen auf die Bauern und den

Kirchenbesitz mittels verschiedener Maßnahmen, wie dem Verbot

des Waffengebrauchs an bestimmten Tagen (Sonn- und Feiertage)

und an bestimmten Orten (in der so genannten Asyl- oder

Freistätte, also im Umkreis von dreißig Schritten um die Kirche, was

in vielen katalanischen Dörfern den gesamten ursprünglichen

Siedlungskern einschloss), ein Ende zu bereiten.

Herausragende Sehenswürdigkeiten der Grafschaft Osona

Besichtigung von Vic, dem Sitz des Abts Oliba

Im Mittelpunkt dieser Etappe steht die Stadt Vic, und dort vor allem die

Kathedrale Sant Pere als untrennbar mit der Lebensgeschichte des Abts

Oliba verbundenes Baudenkmal. Der Besuch des Bischöflichen Museums

und des römischen Tempels (Montcada-Palast) trägt dazu bei, ein

klareres Bild von der mittelalterlichen Vergangenheit des Hauptortes

des Landkreises Osona zu bekommen.

Vic erreicht man von Cardona aus über die C-25 ( Eix Transversal) und

die Stadt Manresa. Das heißt, man begibt sich am besten zunächst nach

Manresa und dort auf die genannte Autostraße, die auf dem Abschnitt

zwischen Manresa und Vic auch schöne Aussichten auf die östlichen

Pyrenäen bietet. Weniger schnell, dafür jedoch abwechslungsreicher

ist die Fahrt auf kleineren Landstraßen über Súria, Balsareny, Avinyó,

Santa Maria d’Oló und Santa Eulàlia de Riuprimer.

Auf dem Weg nach Vic empfiehlt sich ein Zwischenstopp in L’Estany,

um das Kloster Santa Maria zu besuchen. Von der C-25 kann man auf

halber Strecke nach Vic auf die nach L’Estany führende C-59 in

Richtung Moià abbiegen. Ist man auf den Nebenstraßen unterwegs,

dann befindet sich die Abzweigung nach L’Estany zwischen Santa Maria

d’Oló und Santa Eulàlia de Riuprimer. Über das Kloster hinaus gibt es in

L’Estany ein vielfältiges Naturerbe zu entdecken.

Kloster Santa Maria de l’Estany: Vom ehemaligen Chorherrenstift

Santa Maria de l’Estany sind die Kirche, der Kreuzgang und die aus dem

14. Jahrhundert stammende Abtei erhalten. Die einschiffige Kirche mit

drei Apsiden wurde im 12. Jahrhundert erbaut und wurde beim

Erdbeben von 1448 schwer beschädigt. Über der Vierung der Kirche

befindet sich eine halbkugelförmige Kuppel, über der sich ein massiver

Glockenturm erhebt. Herausragendes Element des Klosters ist der

Kreuzgang mit 72 ansprechend skulptierten Kapitellen.


Eines der 72 Kapitelle im Kreuzgang des Klosters

Santa Maria de l’Estany

Kathedrale von Vic: Die ältesten

Belege für die Existenz der Kathedrale

von Vic stammen aus dem späten 9.

Jahrhundert, als Wilfried der Haarige

am Standort der antiken römischen

Stadt Ausa eine städtische Siedlung errichten ließ, um die

Wiederbevölkerung der Grafschaft Osona voranzutreiben. Ab 1038

setzte sich Oliba für den Ausbau und die erneute Weihung der

Bischofskirche Sant Pere ein.

Die im 11. Jahrhundert errichtete und im 12. Jahrhundert ausgebaute

Kathedrale von Vic gehörte bis ins 17. Jahrhundert zu den

herausragenden Beispielen der Baukunst der katalanischen Romanik.

Der aus dem 11. Jahrhundert stammende sechsgeschossige

Glockenturm mit lombardischen Bogenfriesen und Zahnfriesen, der

viele Ähnlichkeiten mit dem Turm von Sant Miquel de Cuixà in der

historischen nordkatalanischen Grafschaft Conflent aufweist, die

dreischiffige Krypta, in der Oliba im Jahr 1046 begraben wurde, und der

alte Kreuzgang sind heute die einzigen erhaltenen Elemente der von

Oliba errichteten Kathedrale.

Bischöfliches Museum von Vic: Dieses vor kurzem renovierte und

wiedereröffnete Museum beherbergt die zweitwichtigste Sammlung

katalanischer Kunst der Romanik. Zu sehen sind eine wundervolle

Sammlung von Madonnenfiguren und Wandmalereien sowie eine Reihe

außergewöhnlicher Antependien. Ein Großteil dieser Werke stammt aus

Kirchen, die auf der Route der Pyrenäengrafschaften besucht werden

können.

Römischer Tempel - Montcada-Palast: Dieser Palast mit rechteckigem

Grundriss wurde im 11. Jahrhundert bei der Ruine des römischen

Tempels des antiken Ausa errichtet und war seitdem Stammsitz der

Familie Montcada. Die erhaltenen Überreste dieses halb zerfallenen

Herrenhauses entsprechen der Nord- und der Westfassade und lassen

erkennen, dass es sich um ein dreistöckiges Gebäude mit

Tonnengewölbe und hölzernem Gebälk handelte. Sie stellen eines der

besten Beispiele der in unserem Land erhaltenen Profanarchitektur

ihrer Zeit dar.

Weitere Sehenswürdigkeiten der Grafschaft

In der Grafschaft Osona bietet sich die Gelegenheit, die

mittelalterliche Siedlung L’Esquerda, Sant Pere de Casserres und Santa

Maria de Lluçà zu besuchen.

Mittelalterliche Siedlung L’Esquerda (Roda de Ter)

Um die strategisch günstig an einer Windung des Ter liegende

mittelalterliche Siedlung L’Esquerda zu erreichen, fährt man von Vic auf der

77


78

C-153 bis Roda de Ter. Die Siedlung

weist zwei Hauptbesiedlungsepochen

auf, die in die Zeit der Iberer und ins

Mittelalter fallen. Von Letzterer

zeugen die aus dem 9. bzw. 10.

Jahrhundert stammenden Ruinen der

Kirche Sant Pere de Roda, die um sie

herum entstandene Siedlung und eine

neben der Kirche liegende Nekropole

mit anthropomorphen Gräbern. Die

Mittelalterliche Siedlung L’Esquerda mit Siedlung betritt man durch eine

iberischen und mittelalterlichen Resten

iberische Mauer, deren Baumaterial

wahrscheinlich im Mittelalter wieder

verwendet wurde. Durch seine Lage zwischen senkrechten, den

Stausee von Sau überragenden Felswänden wirkt der Komplex noch

monumentaler als er eigentlich ist.

Kloster Sant Pere de Casserres (Les Masies de Roda)

Die benediktinische Klosteranlage Sant Pere de Casserres gehört zu den

am vollständigsten und besten erhaltenen romanischen Komplexen des

hochmittelalterlichen Kataloniens in den Guilleries. Von der

Landstraße C-153 biegt man auf die BV-5213 in Richtung Tavèrnoles und

zum staatlich verwalteten Touristenhotel (Parador Nacional) Vic-Sau ab.

Kurz vor Erreichen des Hotels geht ein Waldweg ab, der zum Kloster führt.

Erst kürzlich restauriert und wieder aufgebaut, vermittelt Sant Pere de

Casserres seinen Besuchern einen Eindruck vom Leben in einer

Mönchsgemeinschaft des 11. Jahrhunderts. Unter den wiederhergestellten

Teilen ragt vor allem die monumentale Kirche heraus, die, bedingt

durch den Standort auf einem von den Mäandern des Ters gebildeten

Felssporn, eine größere Breite als Länge aufweist. Besichtigungen des

Klosters werden von einem Empfangszentrum organisiert, das sich in

der Nähe des Parkplatzes befindet.

Kloster Santa Maria de Lluçà

Ein weiteres Ausflugsziel, das von Vic aus gut zu erreichen ist, ist das

Kloster Santa Maria de Lluçà. Um es zu besuchen, nimmt man in Vic die

C-154 und biegt dann in Santa Creu de Joglars auf die BV-4341 nach

Santa Eulàlia de Puig-oriol ab. Von dort aus führt eine Gemeindestraße

nach Lluçà.

In der im 14. Jahrhundert umgebauten, von dichten Kiefern- und

Eichenwäldern umgebenen Kirche Santa Maria de Lluçà sind noch einige

romanische Elemente, wie zum Beispiel das Taufbecken in einer der

Nebenapsiden, erhalten. Der bekannteste Bereich dieser Anlage ist der

einen unregelmäßigen Grundriss aufweisende Kreuzgang mit seinen

Rundbogen mit ornamentierten Säulenkapitellen. Die aus späterer Zeit

stammende Dekoration des Klosters befindet sich heute im Museum.


Die Pyrenäengrafschaften

Dringend zu empfehlen ist in Lluçà darüber hinaus auch ein Besuch der

interessanten Naturräume der Riera de Merlès.

Um von Vic aus nach Girona zu gelangen, nimmt man zunächst die C-25

(Eix Transversal) und dann die Autobahn AP-7 oder die Nationalstraße.

Besucher, die gerne auch die Fahrt im Auto genießen, können auch

Nebenstraßen durch die Guilleries nehmen: Mögliche Zwischenstopps

auf dem Weg nach Girona sind hier Sant Sadurní d’Osormort,

Espinelves, Arbúcies, Sant Hilari Sacalm, Osor oder Anglès.

Praktische Informationen

ANKUNFT IN VIC

Rund um die historische

Altstadt finden sich sechs

Parkplätze. Es wird empfohlen,

das neben dem Rathaus

befindliche

Fremdenverkehrsbüro zu

besuchen, in dem man einen

Stadtplan und aktuelle

Informationen zu den

Öffnungszeiten der

vorgeschlagenen

Besichtigungsziele erhält.

STÄDTISCHES

FREMDENVERKEHRSBÜRO VIC

C/ de la Ciutat, 4

08500 Vic

Tel.: (+34) 938 862 091

www.victurisme.cat

TOURISMUS-ZENTRUM VON

OSONA

Eix Onze de Setembre, 11

08500 Vic

Tel.: (+34) 938 851 715

www.osonaturisme.cat

KATHEDRALE VON VIC

Plaça de la Catedral, s/n

08500 Vic

Tel.: (+34) 938 864 449

BISCHÖFLICHES MUSEUM VON

VIC

Plaça del Bisbe Oliba, 3

08500 Vic

Tel.: (+34) 938 869 360

www.museuepiscopalvic. com

RÖMISCHER TEMPEL

Carrer Pare Xifré, s/n

08500 Vic

Tel.: (+34) 938 894 432

Tel.: (+34) 938 862 091

MITTELALTERLICHE SIEDLUNG

L’ESQUERDA

ARCHÄOLOGISCHES MUSEUM

L’ESQUERDA

C/ de Bac de Roda, 6

08510 Roda de Ter

Tel.: (+34) 938 540 271

www.lesquerda.cat

KLOSTER SANT PERE DE

CASSERRES

Apt. de correus (Postfach) 56

08510 Les Masies de Roda

Tel.: (+34) 937 447 118

Handy: (+34) 608 892 200

www.santperedecasserres.com

KLOSTER SANTA MARIA DE

LLUÇÀ

FREMDENVERKEHRSBÜRO LLUÇÀ

C/ Major,63

08514 Santa Eulàlia de Puig-oriol

Tel.: (+34) 938 554 034

www.llusa.net

KLOSTER DE SANTA MARIA DE

L’ESTANY

Kloster de Santa Maria de

l’Estany

Plaça del Monestir

08148 L’Estany

Tel. Rathaus:

(+34) 938 303 000

www.ccbages.cat/estany

79


Catalan

Tourist Board

Generalitat de Catalunya

Regierung von Katalonien

Ministerium für Innovation,

Universitäten und Unternehmen

ISBN 978-84-393-8335-2

9 788439 383352

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