Ausgabe 101 - CEMP Online

cemp.online.de

Ausgabe 101 - CEMP Online

editorial

nachrichten

Liebe Lesende,

vor Euch liegt die 101. CEMP, entstanden in

unzähligen Arbeitsstunden des neuen

„Redaktionskreises“. Vielleicht hat sie ein

bisschen länger als gewohnt auf sich warten

lassen, aber dafür hat sie ordentlich Winterspeck

angesetzt, 32 Seiten Demokratie, Berichte

und Nachrichten für den interessierte Pfadfindenden.

Das Thema Demokratie ist ursprünglich

in einer frühen RedAKtionssitzung

entstanden, als die Neuwahlen im September

noch nicht angedacht waren, jetzt im

Nachhinein erweist es sich als durchaus treffsicher.

Für das nächste Jahr nehmen wir uns

vor, zweimal in Eurem Briefkasten zu landen.

Viel Spaß mit der 101. CEMP, der Demokratie

und dem prallgefüllten Berichteteil.

Und unsere guten Vorsätze fürs nächste Jahr

sind die beste Zeitschrift zu bleiben. Frohes Fest

und guten Rutsch wünscht Euch

Eure RedAKtion

2

Inhaltsverzeichnis

ImpressumEditoral.....................................2

Nachrichten............................................3

Berichte.................................................6

Landeshajk................................................6

Segelchenende........................................7

Großes Jurtendach...................................8

Familientreff..........................................10

Tacheles zum DEKT................................12

Technikkurs Oldenburg...........................13

Mit Kindern fühlen.....................................14

Bundesversammlung................................15

RR-Lager..................................................16

Landesversammlung.................................18

Kongress..................................................20

Thema.....................................................22

Demokratie in Ecuador..............................22

Die Wahlen..............................................25

Demokratie und Wirtschaft.......................29

Demokratie im VCP....................................28

Demokratie in Deutschland........................31

Die Harte Nuss.........................................32

CEMP

CEMP“,Ausgabe 101, Dezember 2005

CEMP ist die Zeitschrift für Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter im VCP Land Niedersachsen

und erscheint quartalsweise. Der Bezugspreis

ist mit dem Mitgliedsbeitrag abgegolten.

Leserbriefe und namentlich gekennzeichnete

Beiträge entsprechen nicht

notwendigerweise der Redaktionsmeinung.

Die Redaktion behält sich vor,

Zuschriften zu kürzen.

Verleger

erleger: VCP Land Niedersachsen e.V.

Herausgeber: Landesleitung des VCP

Land Niedersachsen

RedAKtion und V.i.S.d.P

.i.S.d.P.:

.: Tommy

Forkmann (Tommy), Hanno Terbuyken

(Hanno), Nils Schierkolk (Nils), Christoph

Knoke (ck), Sebastian Reichert (Buddy),

Heike Jungherr (heike), Christian Alles

(christian)

Mitwirkende dieser Ausgabe:Ole

Petersen, Sven Jungk, Kirsten Busse,

Arcon, Ludi, Tim Mrzyglod (Fotos),

Bernhard Bischof

Satz und Layout: ck, nils

Druck: Akzent Druck, Hannover

Auflage: 1.300 Exemplare

Redaktionsanschrif

edaktionsanschrift:

t: RedAKtion CEMP,

VCP Land Niedersachsen, Postfach 265, 30002

Hannover

mailto:redaktioncemp@niedersachsen.vcp.de

web: www.cemp-online.de

fotos auf dem cover: Buddy Reichert

Ranger und Rover außer Rand und Band – das Foto der letzten vier Quartale


nachrichten

CEMP gratuliert (nachträglich)

Fast schon zum ersten Geburtstag gratulieren

können wir Christian Brems und seiner Frau

Andrea: Bereits am 27. Dezember 2004 kam

Louisa zur Welt – so rasant dass unser Hauptberuflicher

eine Zusatzqualifikation als Hebammer

erwerben konnte.

Nachträglich alles Gute zu wünschen bleibt uns

für Liska, die am 29 Juli 2005 bereits ihren

ersten Geburtstag feiern konnte. Kerstin und

Joska Nossol mögen es uns verzeihen, dass

CEMP so lange nicht erschienen ist.

Dass Kleine auch ganz gross sein können zeigt

uns Mathis Johann: Seit dem am 23. März

2005 Elias Paul das Licht der Welt erblickte,

ist er großer Bruder. Darüber freuen sich nicht

nur Fiete und Svenja Henne.

Ebenfalls zu Eltern wurden Rebekka Theus und

Daniel Buss. Wer alles zur Premierenfeier von

Merle Celine Theus am 19. April 2005 anwesend

war, ist der RedAKtion leider nicht bekannt.

Bereits vier Tage nach der Geburt wurde die

RedAKtion über die Geburt unserer zukünftigen

Landesleitung benachrichtigt: „Wir freuen

uns über die Geburt unseres Sohnes Anton.

Anton ist am 14. Juli um 19:41 im

Marienhospital in Aachen geboren. Er ist 49cm

groß und wiegt 2910g. Steffi und Anton geht

es gut und wir freuen uns sehr“, schrieb Florian

Gerecke. Wenn das keine guten Nachrichten

sind ...

Familienzu- wachs gab es auch bei Familie

Hahn, wo Nele am 19. Juli 2005 kleine

Schwester von Janno und Tochter von Christian

und Emmi wurde.

Nicht verwandt mit unserer Bundeskanzlerin

ist Meriken, deren Eltern Joschi und Annette

Buhr aus Müden/Örtze kommen. Die Tochter

kam am 7. September 2005 zur Welt.

Unbestätigten Angabe zufolge haben auch Eike

und Kathrin Jordan (geborene Stannat) Zuwachs

bekommen. Deren Kind höre auf den

Namen Hauke, heißt es, doch wann es geboren

wurde, war bis RedAKtionsschluss nicht in

Erfahrung zu bringen.

Der VCP List in Hannover hat am 13.04.2005

ein neues Gruppenkind bekommen: Jari

Haeno. Und zuletzt haben Fried(rich) und

Frederike Rathing, geb. Greth am 29.10.2005

in Altenhagen bei Springe geheiratet.

Trotz der vergangenen Zeit gratuliert ihnen und

allen Eltern sonst

die RedAKtion

Termine

Nicht mehr an dieser Stelle findet die geneigte

Lesendenschaft die altuellen Termine.

Zum einen ist der ReAKtion sehr

unwohl dabei, als aktuell zu verkaufen,

was Morgen schon verjährt ist, zum anderen

ist die Zahl der Informationsquellen

in den letzten Jahren rapide gestiegen:

Nicht nur die Homepage http://

www.niedersachsen.vcp.de, nein auch

der „Pfadfinden“-Kalender und der Wandplaner

sind zu sichereren Quellen geworden

als die geliebte CEMP. Wir bedauern

diesen Schritt zutiefst, müssen ihn aber

in aller Konsequenz vollziehen, um noch

mit erhobenem Haupte durch dieses Leben

gehen zu können.

Zum Tode von

Heidi Pfingsten

Nach schwerer Krankheit

verstarb am 3.September

2005 unsere lang-jährige

Mitpfadfinderin und Freundin

Heidi Pfingsten. Seit Beginn der Pfadfinderarbeit

1977 hat Heidi im Stamm

Stephanus Berenbostel mitgearbeitet. Fast 17

Jahre war sie als Gruppenleiterin in der Kinderstufe

tätig und hat die Spielidee der „Kurzen“

in ihrer Arbeit umgesetzt. Die meisten Pfadfinderinnen

und Pfadfinder und späteren Gruppenleiter

wurden durch Heidi geprägt. Sie verkörperte

für die Kinder und Jugendlichen was

Pfadfinderinnen und Pfadfinder sind.

Darüber hinaus hat Heidi neun Jahre lang in

der Stammesleitung mitge-arbeitet und ihre

Ideen, Anregungen und praktischen Hinweise

in die Arbeit eingebracht. Zu den Gruppenleitern

hatte sie guten Kontakt, die sie ja zum

größten Teil als Leiterin ihrer eigenen Gruppe

kannten.

Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass

auch ihr Mann, Detlef, im Stamm mitarbeitete.

Und es war deshalb nicht verwunderlich, dass

auch Christina und Birgit, ihre beiden Töchter,

als Pfadfinderinnen und später als

Gruppenleiterinnen in die Fußstapfen ihrer

Mutter traten.

Auch nach ihrer aktiven Zeit als Gruppenleiterin

3


nachrichten

.. und die FDP im niedersächischen

Landtag.

hat Heidi sich um die Be-lange des Stammes

gekümmert: bis zuletzt war sie für die Finanzen

und Abrechnungen der Fahrten und Lager

zuständig und wenn es gewünscht wurde,

stand sie im Stammesrat für Gespräche und

Beratung zur Ver-fügung.

Über den Stamm hinaus war Heidi im Elternund

Freundeskreis des Stammes aktiv tätig und

hat an vielen Ausflügen und Freizeiten teil-genommen.

Als Kirchenvorsteherin trug Heidi fast

17 Jahre lang bis zum ihrem Tode über die

Stammesarbeit hinaus Mitverantwortung für die

ge-samte Stephanusgemeinde.

Heidi hinterlässt eine große

Lücke in unserem Stamm

und im Freundeskreis. Wir

danken Gott, dass er uns so

eine Mitarbeiterin geschenkt

hat.

Für den Stamm Stephanus

Berenbostel

Bernhard Bischoff

Abenteuer Landtag

Die Vereinabrungen, die im

Rahmen der Aktion „Abenteur

Landtag“ letztes Jahr im September von Vertreterinnen

und Vertretern der Ringverbände

und der Fraktionen im niedersächsischen

Lantag unterziechnet wurden, sind den Parteien

übergeben worden.

Nach dem Besuch in Berlin in diesem Jahr

(einen ausfürlichen Bericht dazu findet Ihr im

„Pfadfinden“-Kalender) und dem Kinderwünschetag

2003, sind für 2006 weitere Aktionen

in Vorbereitung.

Mehr dazu in der nächsten Ausgabe oder auf

unserer Homepage unter http://

www.niedersachsen.vcp.de.

Bundeslager 2006

Vom 3. bis 12. August 2006 findet in Großzerlang

das nächste Bundeslager statt. Von nun

an findest Du hier regelmäßig Neuigkeiten –

insbesondere rund ums niedersächsische Teillager

„MS Albatros“. Weitere Hintergrundinfos

findest Du auf der Seite www.100pro.info und

in der aktuellen anp.

MS Albatros – entdecke die Welt

In unserem Teillager werden wir entdecken,

dass Menschen verschieden sind. Viele Sprachen,

Religionen, Nationalitäten und Kulturen

machen die Welt zu einem sehr vielfältigen

Lebensraum.

Mit unserem

„Lagerschiff“,

der MS

Albatros,

möchten

wir uns

m i t

Euch auf

Entde-

Übergabe der Vereinbarung an die Grünen

...

ckungs-

reise begeben,

um diese

Vielfalt zu erleben und kennen zu lernen.

Erst wenn wir unsere Mitmenschen auf der ganzen

Welt entdecken und dann tolerieren so, wie

sie sind, erst dann können wir mit ihnen in

Frieden leben.

Welchen Beitrag leisten wir zum Frieden

Wir als Pfadfinderinnen und Pfadfinder werden

Botschafter des Friedens, weil wir die Unterschiede

der Menschen entdecken und diese

nicht verurteilen, sondern ihre Fähigkeiten einbringen.

Konflikte können verhindert werden,

wenn wir die menschliche Vielfalt verstehen

und in Freundschaft zusammenführen.

Was kannst du bei und mit uns entdecken

Egal ob in einem handwerklichen PROshop,

dem PROjekt Erkundungszentrum oder der inhaltlichen

Auseinandersetzung mit Religionen,

Sprachen und Kulturen – entdecke, warum

Menschen unterschiedlich sind und verstehe

damit umzugehen.

Wenn Du auf der MS Albatros anheuern möchtest,

wende Dich mit Deinem Anliegen am besten

direkt an die jetzige Besatzung.

.

4


nachrichten

Das große Dankeschön

Stell Dir vor, Du übernachtest freiwillig in Deinem

Klassenzimmer (nie im Leben!). Heimeliger

Kreidegeruch umgibt Deine Nase. Dazu

eine feine Note von sechsunddreißig ausgetretenen

Wanderstiefeln (igitt!). Deine komfortable

Schlafposition gewährt Dir ungehinderten

Ausblick auf ungezählte Kaugummis jeder Farbe

und Größe unter den Schreibtischen

(baahhh!). Aufstehen bei Sonnenaufgang

(Gottseidank – die Schulglocken klingeln erst

in zwei Stunden, um die letzten ungetrübten

Träume zu verscheuchen!) und die Toiletten

laden zur Katzenwäsche ein: von sechs Toiletten

sind drei geflutet und zwei dauerhaft besetzt

(mal sehen, welche neuen Sprüche es

morgen an den Wänden zu lesen gibt!)…

Viele Hundert von Euch haben sich im April

auf den Weg nach Hannover gemacht, um dort

fünf Tage (oder mehr) als freiwillige HelferInnen

zum Gelingen des 30. Deutschen Evangelischen

Kirchentages beizutragen!

Der VCP hat mit insgesamt 1.200 Helferinnen

und Helfern einen großen Teil zum Erfolg des

Kirchentages geleistet: Kirchentagsgäste betreuen,

Veranstaltungszentren koordinieren, Einund

Ausgänge bewachen, Transportieren, Kommunizieren,

Unterstützen, Begleiten,… und natürlich

das Falten ungezählter Papphocker – das

gehörte zu den Aufgaben, die viele HelferInnen,

zum Teil bis an ihre

Grenzen, forderten.

Die HelferInnen des

VCP Niedersachen haben

den 30. Deutschen

Evangelischen

Kirchentag zusätzlich um viele eigene Beiträge

bereichert: das VCP Zentrum in der Schule in

Linden, der Stand auf dem Markt der Möglichkeiten,

die Begegnungsjurte neben der Oper,

die überwältigende Black Box im Zentrum Jugend,

die Stadtrundfahrten, das VCP Event, der

VCP Gottesdienst, die Friedensandachten und

vieles mehr … WOW! ... Ihr habt den Herausforderungen

tausender Kirchentagsbesucher,

langer Warteschlangen an der Essensausgabe

und voller Schulunterkünfte getrotzt und einen

„runden“ KiTa geschaffen! Euch allen, die Ihr

zum Gelingen des diesjährigen Kirchentages als

Helfer oder Helferin beigetragen habt, möchten

wir ganz herzlich danken! Eure Landesleitung

Britta hat uns verlassen ...

Nach fast fünf Jahren für den VCP hat Britta

Wagener leise Adieu gesagt. Nicht weil wir so

böse zu ihr waren oder sie den VCP nicht mehr

mag, sondern um sich beruflich zu verändern.

Seit dem 1. Oktober nun arbeitet Britta für die

Evangelische Jugend der Propstei

Schöppenstedt bei Wolfenbüttel als

Jugendwartin arbeiten.

Wir werden Dich vermissen und tuen es jetzt

schon. Dir alles Gute für Deine neue Stelle und

mehr als nur ein bißchen Dankeschön für Deine

Zeit beim VCP.

... aber Miriam kommt bald

Die Lücke, die Britta hinterlassen hat, wird zum

1. Januar wieder geschlossen. Mit halber Stelle

und voller Kraft steigt Miriam Lukosch in die

Arbeit für den VCP ein. Ihr Dienstsitz wird wie

der von Britta in den Räumen des Arbeitsbereiches

Kinder- und Jugendarbeit (AJAB) in

Wolfenbüttel sein. Eine ausführliche Vorstellung

unserer neuen Hauptberuflichen

folgt in der nächsten

CEMP. Bis dahin

erst einmal:

Herzlich Willkommen

im

VCP.

5


erichte

30.09.2005 – 3.10.2005 im Ostharz

Boots & Boats - Landeshajk vom AK Pfad

6

Verdreckt, müde, hungrig und teilweise noch

nass sitzen

wir im Zug

auf dem

Nachhauseweg

nach einem

Wochenende

voller

Abenteuer

und sind in

Gedanken

schon halb in

der warmen

Badewanne

und noch halb an der wunderschönen Bode

im Ostharz. Wochenende zu sagen wäre sogar

untertrieben, da wir von Freitag bis Montagnachmittag

mit anderen Jugendlichen zwischen

14 und 16 Jahren die Umgebung des Selketals

unsicher machten.

«Boots and Boats»: als wir am Freitag starteten,

erwarteten wir einen spannenden

Landeshajk mit

Kanu, Fahrrad

und zu Fuß,

und wir wurden

nicht enttäuscht


höchstens vom

Wetter. Am

Samstagmorgen

begann

nämlich

der eigentliche

Hajk in Fünfergruppen

und es

war nicht nur

recht stürmisch , sondern es regnete sich auch

im laufe des gesamten Tages so richtig ein, dass

wir am Ende pitschnass waren. Bei manchen

Posten oder auch aus Versehen unterwegs traf

man auf die anderen Gruppen, wo man sich

(hatte man am morgen nicht einen Mitarbeiter

aus dem AK-Fahrt-Team solange genervt bis er

nachgab) riesig freute, einen der bekannten

Freunde zu sehen. Am Morgen hatten wir nämlich

alle mit einem leichten Schreck feststellen

müssen, dass das AK-Fahrt-Team uns eigen-

händig aufgeteilt hatte, was jedoch im

Nachhinein recht lustig und interessant

war, da man auf diese Weise viele neue

Leute kennen lernte. Nachdem wir uns

also den ganzen Samstag per Geo-Koordinaten

und auf verschiedene Art und

Weise durch den Ostharz entlang der

Bode, übrigens eine tolle Umgebung

fürs Pfadfinden, bewegt hatten, suchten

wir uns Alle gegen Abend durchnässt

ein Quartier zum schlafen. Nach

langem Hin und Her fanden alle 5

Gruppen etwas, von der „Musikantenscheune“

über Schutzhütten bis zu

Höhlen. Da uns Kälte und Nässe ja nichts ausmacht

und wir uns abends (oder auch morgens

J) leckeres Essen auf den Tragias gekocht

hatten, machten wir uns am Sonntagmorgen

nach mehr oder weniger Schlaf wieder motiviert

auf zu neuen Taten. Von „SMS-Aufgaben“

und Posten mit GPS-Gerät war neuste Technik

mit dabei, aber auch die Arbeit mit Kompass

und Karte, sofern diese

nicht durchweicht und

zerrissen war, wurde nicht

vernachlässigt...

Sonntagabend erwartete

uns an unserem Ausgangsschlafplatz,

zur großen

Überraschung aller

ein richtiges Festmahl

(Klöße, Gulasch und Rotkohl),

was wir aber

vielleicht () auch unserem

Geburtstagskind Beke

verdankten. Nach dem

herrlichen Essen (was

aber das ganze Wochenende sehr gut war!) gab

es Viel aus den Hajkgruppen zu erzählen und

nach und nach verschwanden alle in ihren

Kothen, Loks, Kröten oder Jurten..

Insgesamt kann man sagen, dass wir trotz des

Wetters viel Spaß hatten und vor allem viel gelernt

haben (z.B. kennen wir jetzt mehr als 5

verschiedene Namen für die „Abdeckplane“

bzw. den „Drachen“ bzw. den „Opa“...etc...J!)

Danke an das AK Fahrt Team für die Bemühungen

und Gut Pfad!

„Die Braunbärinnen“ , Stamm J.H.Wichern


erichte

Maschseefischer in Gefahr – Piraten auf

Hannovers Hausteich

„Du, wann machen wir das wieder“ fragte

mich ein Gruppenkind auf dem Rückweg

vom Piratenwochenende in Hannover

am Maschsee. Ein Wochenende mit

ganz viel Segeln, Kanu fahren und Kentern.

Eigentlich war das Kentern am

Schönsten, denn bei sommerlichen Temperaturen

um die 25º C ist Wasser das

Beste, was einem passieren kann. Die

tolle Stimmung unter den 50 Teilnehmern

und Leitern aus Mehdingen,

Altwarmbüchen Südstadt, Wolfenbüttel,

Georgsmarienhütte, Christian Brems aus dem

Land Niedersachsen, Willi Duckstein aus dem

Bezirk Hannover und den hannoverschen

Likedeelern wurde einzig getrübt durch die Inkompetenz

des Cateringservices. Dieser konnte

nämlich nicht unterscheiden zwischen vegetarischem

Essen und nur ein ganz bisschen

Fleisch, dass man auch nicht schmeckt und

sieht… Etwas ungewöhnlich war unser Zeltplatz

schon; auf einer öffentlichen Grünfläche,

200m vom Olympiastützpunkt/Bundesleistungszentrum

und nur 50m vom Maschsee

entfernt, von dem Steg mit den Booten. Das

ständige Überqueren des Inlinerweges

unsererseits am Maschsee verursachte

durchaus eine gewisse Verwirrung der Passanten.

Doch alles in allem war diese Kooperationsveranstaltung

von Land, Bezirk und den

Likedeelern ein voller Erfolg.

Kirsten Busse

7


erichte

8

Großes Jurtendach „Spiele für die Gruppe“

Es fing alles damit an das, halt Stop, wie fing

eigentlich alles an Ich kam ja fast als Letzter.

Okay, ist aber auch kein Problem, ich erzähle

mal, was ich vorfand, als ich kam.

Der Anfang

Ich kam also an diesem kalten späten Freitagabend

in einem Großraumbully an der Hütte

Lizenhöh an. Nach

dem ich mein Gepäck

ordnungsgemäß

an der Haustür

abgegeben hatte

wurde ich durch die

„Dreckschleuse im

Keller“ ins Haus gelassen.

Drinnen war

schon viel los. Die

Leute die vor mir

gekommen waren

hatten bereits ihre

Zimmer bezogen

und hatten sich im

Esssaal versammelt.

Einige wuselten

noch durchs Haus, aber langsam traf man sich

zum Essen. Das Essen bestand aus einer nahrhaft

duftenden Erbsensuppe mit Würstchen

und Brot. Ihr wollt jetzt sicher wissen wie war

diese Suppe, sorry da muss ich passen ich habe

nämlich Brot gegessen. Aber jetzt Schluss mit

Essen, ich möchte ja keine Witze darüber machen,

was aber noch erwähnt werden sollte,

das essen wurde uns immer fertig gebracht und

das Brot war zu trocken! An diesem Abend,

nach Essen und Abwasch, trafen wir uns im

sogenannten „Sockenraum“ und stellten uns

erst einmal vor. Wie so etwas geht, wissen ja

sicher alle. Man sagt seinen Namen, sein Alter,

wo her man kommt usw. und wenn man

sich dann fünf Leute gemerkt hat, ist man gut.

He, noch´ne tolle Sache, an diesem Abend

haben wir auch noch einen stillen Freund bekommen,

der uns an diesem Wochenende eine

Freude im Zusammenhang mit Schnee machen

sollte. Nachdem kennen lernen ging es in den

Wald, wir spielten Kamelien (so´ne Art verstecken)

und wanderten einen Fackelpfad zurück

zur Hütte. Ich erinnere mich dann auch nur

noch daran das wir noch lange gesungen haben.

Also gesungen heißt, das wir so Bündische

Lieder gesungen haben, nicht das dass,

irgendwer mit Samstagmorgen durcheinander

bringt. Weil so weit sind wir ja noch nicht.

Samstag

Es geschah natürlich so das übliche, Aufstehen,

Essen, Abwaschen.

Aber dann.

Wir wussten nicht

so recht was uns

erwartete, wir kamen

also in das

uns als Sockenraum

bekannte

Zimmer und wir

sahen es. Es war

kein normales

Zimmer mehr,

denn es war über

Nacht zu einem

Ich hatte sie auf dem Hinweg noch an, ganz bestimmt,

Tonstudio geworden,

so mit Schalt-

sie muss hier sein!

pult, Mikros (bestimmt

sechs Stück), Klavier, Schlagzeug

(wusstet ihr das ich seit her immer ein Schlagzeug

mit auf Fahrt nehme, wenn ich meinen

Wölflingen Christliche Lieder bebringen will),

usw. Nee im Ernst wir haben dann den ganzen

Vormittag, mit Pausen soll man ja nicht

vergessen, mit dem AK Religionspädagogik

Christliche Lieder geübt, und die dann auch

gleich mal auf nee CD aufgenommen. Da fällt

mir ein, ich habe gar keinen Plattenvertrag unterzeichnet.

Aber wir haben das echt wie die

Großen gemacht, mit Stimmübungen, Tonleiter,

mit einer ersten und einer zweiten Stimme.

(Also ich Hab meine Zweite bis heute nicht

gefunden) und sogar Kanon. Mehr will ich jetzt

darüber auch nicht schreiben, denn es gab

dann Mittag. Wir lobten Gott, ob wegen des

Essens oder weil das Singen zuende war, wer

weiß. Weil das Wetter draußen, echt ungemütlich

war, überlegte man nun, ob man das nachmittägliche

Spieleprogramm nicht ausfallen

lassen wolle um stattdessen in die Eishalle zu

fahren. Aber wie es in der Demokratie so ist,

gab es aber einen kleinen Tisch, der es sich


nicht nehmen lassen

wollte draußen

etwas zu spielen.

Das hatte zur Folge,

das sich wenig

später alle wetterfest

einpackten und

nach draußen zum

spielen gingen. Wir

spielten Spinnennetz,

Killerkänguru,

mit komischen

LKW Planen über

den Schnee rutschen

und Kuchen

essen. Ach nee das war ja als wir schon wieder

drinnen waren. Wie gesagt, wir haben Kuchen

gegessen und der war auch echt lecker. Später

teilten wir uns noch mal in drei Gruppen, eine

machte mit der Vormittags Musik weiter, eine

andere beschäftigte sich mit Andachten und

die letzte mit Sexuellen Missbrach an Kindern.

Was die Gruppen so erarbeitet haben, will ich

gar nicht so genau beschreiben. Ich denke es

hat sich jeder was, für sich persönliches, erarbeitet

und muss nun mal schauen was er damit

anfängt. Die Andachten Gruppe hat sicher

ein Paar Andachten gebastelt, die Musiker bringen

sicher ihre CD bald raus und Ich war in

der Sexuellen Missbrauch Gruppe, (ich hatte

nämlich keine Lust mehr zum Musik machen,

das war aber nicht der einzig Grund). Wir haben

uns dort ganz nett unterhalten und die

Problematiken in diesem Gebiet erläutert. Nach

dem Abendessen kamen wir zum spektakulären

Höhepunkt des Tages, wir machten eine

VCP-Expedition. Auf dieser Expedition mussten

wir viele Hindernisse bewältigen, wir sind

in ein Unwetter geraten, haben Maschinen

gebaut und fremde Völker kennen gelernt. Und

dann neigte sich der Tag auch schon dem Ende

zu, es war spät geworden. Die Leute verteilten

sich, einige gingen schlafen, ein paar sammelten

sich später wieder und fingen an, richtige

Lieder zu singen. Und in dieser Nacht geschah

es auch, das zwei etwas gelangweilte Gruppenleiter,

(man muss dazu sagen, es gibt eigentlich

keine gelangweilten Gruppenleiter. Die lassen

sich nämlich immer schnell was tolles Einfallen

und dann hat auch keiner mehr Langeweile)

auf die Idee kamen das man ja eine kleine

nächtliche Nachtwanderung machen könnte.

Schnell war eine Karte gefunden, Material

berichte

Bei Indy sah das spassiger aus…

beschafft, ein wagemutiges

Team

zusammen gesucht

und los ging es. Die

Wanderung selbst

war sicher noch

spannender als die

Einleitung, wir

kämpften uns

durch tiefen

Schnee, über reißende

Bäche die

den Weg kreuzten,

durch ein Schneegestöber,

einen

Berg runter und einen noch steileren Berg

wieder rauf. Es war echt hart aber nicht hart

genug für uns. Nach einem Staffellauf mit Fackeln

an dem besagten steilen Berg, gingen

wir zurück zur Hütte, wo noch etwas gesungen

wurde.

Der Sonntag war eigentlich ganz lustig. Wenn

man nämlich bedenkt was passiert wenn man

eine Horde Gruppenleiter, unbeaufsichtigt von

ihren Gruppenkindern, mit einer Plastikplane

auf einen tief verschneiten Berghang stellt, kann

das echt lustig werden. In der Gruppe wird man

auch immer Leute finden die keinen Platz mehr

auf der Plane bekommen haben, für solche

Leute ist das aber keineswegs ein Problem, ob

man nun auf der Plane, der Schneehose oder

rückwärts auf dem Rücken den Hang hinunter

kommt ist egal, Hauptsache unten! Als alle

unten waren, liefen wir noch etwas durch den

Wald und kehrten dann zur Hütte zurück. Nach

allumfassender Reinigungsaktion, versammelten

wir uns noch einmal im Sockenraum, erzählten

was mit unseren stillen Freunden passiert

war und erarbeiteten einige Meinungsgraffitis.

Fazit: Das Brot war zu hart, die Lieder vom AK

Religionspädagogik waren zu schwer, man

konnte viele nette Leute kennen lernen, jemand

fand die geringe weibliche Teilnehmerrate schade,

alle hätten mehr spielen wollen und alle

fanden auch den Schnee toll, die Leute waren

alle nett, es gab immer gut Stimmung, viele

Leute werden jetzt LKW-Deckstreifen mit auf

Fahrt nehmen und es hätten viele Leute gerne

mehr Inspiration für künftige Gruppenstunden

bekommen. Aber keine Sorge, es hat Allen

irgendwie Spaß gemacht!

Arcon

9


Die Arche Noah in Almke

berichte

Familien-Treffen 2005

10

Gott sah auf die Erde. Die Menschen waren

verdorben und gewalttätig und er beschloss,

sie zu vertilgen,

genau so,

wie er es

vor langer

langer Zeit

schon

einmal getan

hatte.

Er sprach

zu Noah:

„Noah,

baue mir

eine Arche

aus Zedernholz,

300 Ellen

lang, 50

Ellen breit

und 30 Ellen

hoch.

Ich will

eine Sintflut

über die Erde bringen. Die Menschen haben

nichts dazugelernt. Du aber gehe mit deiner

Frau, deinen Söhnen und deren Frauen in

die Arche und nimm von allen Tieren zwei mit,

je ein Männchen und ein Weibchen. In sechs

Monaten werde ich den großen Regen schicken.“

Dieses Jahr stand das viertägige VCP

Familientreffen am Himmelfahrt-Wochenende

unter dem Motto „Arche Noah“. Nachdem Aufbau

der Zelte und der Eröffnung, bei der alle

Familien in die Arche aufgenommen wurden,

begann es fast ohne Unterbrechung zu regnen,

so wie es sich für eine richtige Sintflut gehört.

Dennoch wurde die Freizeit – wie schon in den

Vorjahren – mit knapp 120 Teilnehmenden zu

einem Erlebnis für groß und klein. Sabina stellte

mit den Kindern Fackeln her, mit Claudia konnten

Tiermarionetten gebastelt werden, Ulrike

war auf der Suche nach Tierspuren, um diese

mit Gips auszugießen, Ralf faltete mit uns

Origami-Tiere, mit Christian und Jan konnte

geklettert werden, Olli baute Holzboote und

Cord lass Geschichten am Lagerfeuer vor. Au-

ßerdem wurden Kanu gefahren, gemalt oder

einfach gespielt. Sicherlich war die Veranstaltung

eine gute Gelegenheit, der eigenen Familie

das „Pfadfinden“ etwas näher zu bringen,

alte Freunde wiederzutreffen und neue Freundschaften

zu schließen. Am Feuer wurde sich

mit Tschai gewärmt und Stockbrot gebacken.

Die Abende klangen mit schönen Geschichten,

Gitarrenklängen und Singen am Lagerfeuer aus.

Pünktlich zum Abschlussgottesdienst am Sonntag

öffnete sich der Himmel, die Regenwolken

verzogen sich und die Sonne kam zum Vorschein.

Über dem Lagerplatz war ein großer

Regenbogen zu sehen.

Vielen Dank an den AK RelPäd und an Christa,

die sich schon im Vorfeld viele Gedanken gemacht

haben und damit überhaupt so eine Freizeit

ermöglicht haben.

Ich denke, ich kann im Namen aller sagen,

dass wir im nächsten Jahr gerne wieder nach

Almke kommen. Nur sollten wir uns vielleicht

ein etwas sonnigeres Thema zum Motto machen

Wie wäre es z.B. mit: „Die Sonne gibt

uns Kraft“

Ju

Fotos: Tim


erichte

11


erichte

Die Talkshow der ev.-luth. Landeskirche Hannovers

Tacheles – sag, was Sache ist!

Am 23. Mai wurde in Hannovers Marktkirche

die Talkshow „Tacheles“ aufgezeichnet, um

dann zwei Tage später auf dem Nachrichtensender

Phoenix ausgestrahlt zu werden. Thema

der Sendung: „Jugend ohne Zukunft -

Droht ein Kampf der Generationen“ Als geladene

Talk-Gäste diskutierten: Eine BWL-Studentin

und Jungmanagerin (23), ein Vertreter

des globalisierungskritischen Netzwerks Attac,

die Präsidentin des Deutschen Evangelischen

Kirchentages, der Generalsekretär der Evangelischen

Allianz Deutschland sowie der ehemalige

Arbeitsminister Norbert Blüm. Fünf

VCPerInnen saßen im Publikum.

Ein Bericht

Erstmal sollt ihr erfahren, wie es überhaupt

dazu kam, dass eine Handvoll Leute aus unserem

Verband dem „Talk am roten Tisch“ aus

nächster Nähe beiwohnte – das war nämlich

kein Zufall: Die „Tacheles“-Redaktion hat dies

„eingefädelt“. Wohl um während der paar Publikums-Kameraeinstellungen

eine irgendwie

dem Thema gerecht werdende und gleichzeitig

konturenreiche Mischung von Zuschauenden

abbilden zu können, waren die ersten Reihen

für vorher ausgewähltes Publikum reserviert

worden. Dazu wandten sich die Redakteure

auch an das VCP-Büro und baten um die

Vermittlung von interessierten Pfadis, die gerne

auch „zünftig in Tracht“ erscheinen sollten. Nun

ja, diesen Gefallen taten wir den MacherInnen

der Sendung. Die Hoffnung, so auch Positionen

des VCP an die Öffentlichkeit bringen zu

können, wurde jedoch enttäuscht. Das Talken

blieb den von Vornherein dafür vorgesehenen

Menschen überlassen. Natürlich will ich hier

jetzt nicht jammernd meine Enttäuschung

darüber loswerden, dass ich nicht wichtig genug

fürs Fernsehen bin. Da das Verfolgen der Sendung

durchaus aufschlussreich war, verließ ich

die Marktkirche auch nicht unzufrieden. Ein

wenig konnte mensch sich aber schon als „Dekoration“

vorkommen, zumal wir zusätzlich zu

unseren Halstüchern auch unbedingt die blauen

Kirchentagstücher überstreifen sollten…

Inhalte

Zu den Inhalten: Die sog. „demographischen

Probleme“ (immer mehr alte Leute bei immer

weniger Nachwuchs, was unser Rentensystem,

den „Generationenvertrag“, vor Probleme stellt)

gingen die DiskutantInnen verschiedenartig an.

Der Vertreter der Evangelischen Allianz hatte

den frommsten Ansatz: Der Vater von zehn Kindern

forderte schlicht mehr Neugeborene. Er

beklagte die Abtreibungspraxis, sprach vom

„Beruf Mutter“, der gesellschaftlich anzuerkennen

sei, und machte so sein äußerst konservatives

Weltbild deutlich. Fast schon penetrant

warf er immer wieder auch ungefragt den Begriff

‚Werte’ in die Runde, wobei es ihm um

alte Werte ging, auf die sich junge Leute zu

besinnen hätten.

Publikumsliebling Norbert Blüm, selbst Anhänger

mancher konservativer Werte, erkannte

immerhin, dass Kinder allein noch keine Lösung

sind – diese müssten auch Arbeit haben,

um in die Rentenkassen einzahlen zu können.

Um an Jobs zu kommen bräuchten wir ein solidarisches

Klima, in dem vorhandene Arbeit

auch gerecht verteilt wird - die Ellbogengesellschaft

müsse z.B. von der Kirche ein klares

Kontra erhalten, ergänzte die DEKT-Generalsekretärin

Friederike von Kirchbach.

Attac-Sprecher Pedram Shahyar brachte die

These ein, der „Kampf der Generationen“ könne

ein Konstrukt sein, welches geschaffen wurde,

um von den eigentlich entscheidenden sozialen

Problemen abzulenken. „Die Grenze verläuft

nicht zwischen alt und jung, sie verläuft

zwischen arm und reich“, so Shahyar. Der

Wohlstand nehme in Deutschland und der Welt

dank steigender Produktivität insgesamt zu –

es müsse ein Recht aller geben, daran auch

teilzuhaben.

Sandra Trögl, Abgängerin einer privaten Elite-

Universität, nannte das Recht auf Bildung als

ein Beispiel für Teilhabe am Wohlstand, das

gleichzeitig auch noch für die Sicherung desselben

in der Zukunft sorge. Daher müsse es

gegen Bildungsabbau-Tendenzen verteidigt

werden. Sie warnte dabei auch vor dem Leistungsdruck

unserer Gesellschaft, der – ob bei

Männern oder Frauen – z.B. die Möglichkeiten

für eine gute Kindererziehung einschränkt.

12


erichte

Alles in allem waren die ausgetauschten Positionen

zwar nicht neu, sie boten zum Einstieg

in den 30. DEKT aber ein gutes Abbild einer

Diskussion, die sich hinter der Losung „Wenn

dein Kind dich morgen fragt…“ zweifellos verbirgt.

Zu Tacheles

Die Sendung „Tacheles“ greift aktuelle Themen

auf und will die Streitkultur innerhalb der Kirche

kultivieren. In ihrer Selbstdarstellung heißt

es: „Streit ist zwar vielfach verpönt in der evangelischen

Kirche. Tacheles zeigt: Kirche kann

auch anders. Hier sitzen Menschen gemeinsam

am roten Tisch, die sonst nicht im Gespräch

miteinander sind. Schließlich war schon

Martin Luther ein Freund deftigen Streits: „Man

lasse die Geister aufeinanderplatzen...““

Quelle: www.tacheles.net

Ole Petersen

Der Technikkurs im Bezirk Oldenburg

Nachdem im Jahre 2004 der Technikkurs aus

unerklärlichen Gründen ausfiel, wurde er den

Osterferien

2005

wieder

angeboten.

Natürlich

in

unserer

schönen

Bildungsstätte

in Sage, die mit sonnigem, trockenem

Wetter und wahren Kokosteppichen die Fahrten-

und Lagersaison einleitete.

So haben sich 5 Sippen aus allen Teilen des

Bezirks angemeldet. Bei zwei der Sippen wurde

jedoch die

Mindestteilnehmendenzahl verfehlt,

so dass wir aus beiden Sippen eine

Kurssippe bildeten.

Bei schönstem Sonnenschein bauten

diese Sippen am ersten Tag ihre

Kohten auf. Nach einem ersten Jurtenabend

ging es dann in die Schlafsäcke,

von denen viele den frostigen

Nachttemperaturen nicht gewachsen

waren. Bundeswehrdecken sorgten in

den folgenden Nächten dann dafür,

dass niemand mehr fror. Nach einer

für viele also kalten Nacht ging es am

nächsten Tag mit dem Bau eines

Kochtisches los, der sofort nach Fertigstellung

genutzt wurde, sich eine warme Mahlzeit zuzubereiten,

denn gekocht haben die Sippen natürlich

selber. Die folgenden 1 ½ Tage waren

dann für den Technikzirkel reserviert. Themen

des Zirkels waren: Feuer, 1. Hilfe, Material (-

Pflege), Zelt (insbesondere Kröte und Lokomotive

- die Kohte stand ja schon), Knoten

und Bünde sowie Karte und Kompass.

Mit so viel neuem Wissen ging es für die

Gruppen dann für 24 Stunden auf Fahrt.

Sie wurden mit verbundenen Augen ausgefahren

und an einem ihnen nicht bekannten

Punkt ausgesetzt. Sie mussten

nun herausfinden wo sie sind, und sich

auf den Weg zurück in die Bildungsstätte

machen. Die Übernachtung gestaltete

sich für die Gruppen höchst unterschiedlich.

Während eine Gruppe in ihrer

Konstruktion vom ersten Kursregen komplett

durchnässt wurde, wurden anderen Gruppen

gut versorgt: Zwei Gruppen wurden eingeladen,

auf Privatbesitz zu zelten, eine von den

beiden wurde sogar von einem Altpfadfinder,

der endlich zurückgeben wollte,

was ihm auf früheren Fahrten

Gutes widerfahren ist, mit

heißen Spaghetti versorgt.

Eine Gruppe schlief im Wald,

was einen Förster oder Jäger

verwunderte, doch nach einem

wortlosen Blick in die Kohte am

frühen morgen ließ er die Gruppe

in Ruhe. Wer weckt denn

auch schon kleine Kinder direkt

nach Sonnenaufgang

Zurück in der Bildungsstätte

ging es dann mit einem zünftigen

Geländespiel weiter, ehe

der Abschlussabend eingeläutet wurde. Auch

am Abbautag ließ uns das Wetter nicht im Stich

und wir konnten unser Material trocken abbauen.

13


erichte

„Mit Kindern fühlen“ im Ostharz

14

Es begann an einem Freitag Abend, als sich

11 aufgeweckte, motivierte Gruppenleiter der

Kinderstufe auf den Weg in ein anderes Raum-

Zeit-Kontinuum

machten.

Ziel der Reise war das

Pfadfinderzentrum

Ostharz, in dem sie

sich an diesem Wochenende

auf eine

Zeitreise begeben sollten.

Dort fand nämlich

der erste Teil der Seminar-Trilogie

„Mit

Kindern waltern“ statt.

Dieses erste Seminar trug den Namen „Mit Kindern

fühlen“, und sollte den Teilnehmern einen

Einblick in die Gefühls- und Erlebenswelt

ihrer Gruppenkinder ermöglichen.

Hierbei war es unter anderem das Ziel, sich

selbst einmal wieder in die „guten alten Zeiten“

mit Bunter Tüte für ’ne Maaak zurückzuversetzen.

Nachdem einige Anreisende

bereits auf der

Hinfahrt erste Lernerfolge

verzeichnen konnten

(dass man

beispielsweise mit einem

Niedersachsen Ticket

NICHT in Sachsen-

Anhalt fahren kann),

begann auch schon das

Programm.

Erste Station war ein Kinder-Test…die Gruppenleiter

wurden bezüglich ihrer Kenntnisse in den

Bereichen „Kinderlieder“, „Pokemonfiguren“

und „Bastelmotorik“ auf Herz und Nieren geprüft.

Nachdem jeder der Teilnehmer diesen Test

selbstverständlich mit Bravour bestanden hatte,

ging es auf eine Traum- und Zeitreise in die

Welt der eigenen Kindheit zurück.

Auf diesem Zustand blieben dann die meisten

von uns auch für den Rest des Wochenendes

hängen, was eine Menge Spaß zur Folge hatte!

Nach einer kurzen Reflektion ging es dann auch

nahtlos ins Abendprogramm über, in dem sich

die „Activen“ von den „Uschis“ und „Walters“

trennten.

Am nächsten Morgen ging es

pünktlich um 8 Uhr frisch und

fröhlich wieder ans Werk. Nach

einem Wellness-Frühstück in

geselliger Runde stand das

Chaos-Spiel auf der Tagesordnung.

Hierbei ging es darum, mal

wieder den Trieb nach „unbedingt-gewinnen-wollen“

und

wie verrückt durchs Gelände zu

rennen und „ICH HAB’S!“-Brüllen

zu entfalten.

Nach einer kleinen Runde „Bull-Dog“ zwischen

ausgewachsenen Gruppenleitern, wo dem ein

oder anderen zumindest der „gewichtige“ Unterschied

zwischen Damals und Heute wieder

bewusst wurde, ging es auch schon ans Mittagessen.

Nachmittags wurde dann

„das Kind an sich“ in der Theorie

etwas näher gebracht.

Auch wichtige Anregungen

für „Mr. K“s in der Gruppenstunde

waren Bestandteile

der anschließenden

Reflektion.

Schwuppdiwupp das Abendessen

mit Piri-Mango-Creme

und schwer-erziehbaren Teekannen-Deckeln

gemeistert,

ließ man dann den Tag beim gemütlichen Stockbrot

am Lagerfeuer ausklingen.

Auch am nächsten Morgen war die Nacht

bereits um 8 Uhr wieder vorbei -doch noch

lange nicht das Seminar. Nach einer kleinen

Andacht im Freien wurden noch einmal sämtliche

vorhandenen Energien aktiviert, um den

Programmpunkt „Power-Spiele“ zu absolvieren.

Dieses Engagement wurde jedoch auch sofort

mit einem entspannenden Seminar-Ausklang

in Form von gegenseitiger Massage und einer

progressiven Muskelentspannung belohnt

(„…und wenn Sie sich lieber im Liegen entspannen

möchten, drücken Sie bitte die 2…“).

Gerrit und Maren


10.-12. Juni 2005

berichte

VCP-Bundesversammlung 2005

Zwölf Delegierte und eine Bundesratsstimme

durften für Niedersachsen auf die Burg fahren.

Nur Württemberg hat mehr Delegierte (nämlich

einen mehr) und so waren die Niedersachsen

kaum zu übersehen – nicht nur beim

Abendprogramm. Außerdem kam der Antrag

unserer Landesversammlung zum Thema

„Kinderarmut“ genau zur richtigen Zeit,

schließlich war Kinderarmut auch der inhaltliche

Schwerpunkt der Bundesversammlung.

Aber eine Bundesversammlung besteht nicht

nur aus Anträgen und inhaltlichen Schwerpunkten,

sondern auch auch aus Berichten: Bericht

der Bundesleitung, der Rechtsträger, der Beauftragten,

der Fachgruppen… das Berichtsheft

zur Bundesversammlung hatte 110 Seiten.

Der VCP macht eine gute, vielfältige Arbeit,

so kann man die Berichte zusammenfassen.

Das soll auch in Zukunft so bleiben: Mit

dem Projekt Qualitätsmanagement und dem

Stufenforum – mit diesem Treffen soll den verschiedenen

Stufen ein schärferes Profil gegeben

werden – gibt es schon mal eine Grundlage,

diese Arbeit noch besser zu machen. Kürzungen

in den öffentlichen Haushalten und bei

den Geldern der Kirche machen das natürlich

nicht einfacher, und da ist Initiative gefordert.

„Fund Raising“ und die VCP-Stiftung sind ein

Anfang, dass der VCP aber in der Öffentlichkeit

nicht präsent genug ist, macht die Situation

nicht einfacher. Sogar zum Kirchentag sind

viel zu wenig Berichte über den VCP erschienen,

auch in kircheninternen Medien, so

jedenfalls wurde es auf der BV deutlich.

Niedersachsen kommt – gegen Kinderarmut

Außerdem hat die Bundeszentrale einen neuen

Generalsekretär namens Wolfgang Schmohel.

Bei dem professionellen „Assessment-Center“

zur Besetzung der Stelle hatte sich kein geeigneter

Generalsekretär gefunden, also hat die

Bundesleitung Wolfgang direkt angesprochen.

Nachdem der BVV noch einmal erklärt hatte,

was eine Entlastung ist, hat die BV Hans-Jürgen

dann mit überwältigender Mehrheit entlastet.

(Für die, die es interessiert: Die Entlastung ist

die Bestätigung, dass die Bundesvorsitzenden

der Ordnung gemäß gearbeitet haben.)

Nach den Berichten gab es dann den inhaltlichen

Schwerpunkt zum Thema Kinderarmut.

Ein Film, viele Infotafeln, ein kollektives Brainstorming,

zwei Vorträge unter anderem von Willi

Duckstein, Hauptamtlicher beim VCP Hannover,

und sechs Kleingruppen später waren die

Delegierten zwar erschöpft von der Masse der

Informationen. Aber dafür gab’s einen ausführlichen

Einblick in die Problematik und eine gute

Vorbereitung für den Antrag unserer Landesversammlung.

Niedersachsen rockt – erstmal allein

Leider konnte die Bundesversammlung keinen

echten Antrag aus unserer Resolution rauslesen,

und so haben wir uns gemeinsam Gedanken

gemacht, wie man den Antrag umformulieren

könnte. In der neuen Fassung steht: „Die BV

beauftragt die Bundesleitung, Handlungskonzepte

zur Bearbeitung des Themas zu entwickeln

und in den Bundesrat einzubringen.“

Und mit dieser konkreten Aufforderung hat die

Bundesversammlung unseren Antrag mit 95

Ja-Stimmen und 15 Enthaltungen angenommen.

Niedersachsen kommt, kann man da nur

sagen!

Fazit

Aber auf der Bundesversammlung kann man

auch richtig Spaß haben, daran gibt es keinen

Zweifel. Für Samstag abend hatten die Hessen

eine karibische Nacht vorbereitet, komplett mit

Salsa-Tanzlehrer. Der sorgte auch für gute Stimmung

und schnelle Füße, aber am Ende der

Tanzstunde wollte keiner mehr die gähnende

Leere der Tanzfläche füllen. Keiner Nicht ganz,

denn es waren ja Niedersachsen im Raum! Erst

nach einer halben Ewigkeit (oder doch nur einer

halben Stunde) haben sich auch andere

Bundesländer zu uns gesellt. Da gab es aber

schon keinen Zweifel mehr: Niedersachsen

rockt! Und das hoffentlich auch im nächsten

Jahr wieder.

Hanno Terbuyken

15


erichte

Das Ranger/Rover-Herbstlager in Almke

Ranger/Rover-Lager sollte man öfter machen.

Denn mal wieder Teilnehmer zu sein, entspannt

ungemein, es kommt

für Ranger/Rover aber

viel zu selten vor. Der

Meinung waren

jedenfalls die meisten

der Über-15-jährigen,

die zum Lager „Eine

Nacht ist nicht allein

zum Schlafen da“

nach Almke gekommen

waren. Vom 30.

September bis zum 3.

Oktober hatten sie ihr

Schwarzzeug auf dem Jugendzeltplatz aufgestellt.

Vier Tage ohne Kindergruppen, ohne

Aufgaben im Stamm und ohne die Last der

Verantwortung durften sie das Programm genießen,

dass der Sprecherkreis Ranger/ Rover

für sie vorbereitet hatte.

Als Teilnehmer und Teilnehmerinnen konnten

sich die 45 Ranger/Rover bei klassischen Angeboten

wie Brotbacken oder Lagerbauten in

alte Zeiten zurückversetzt fühlen. Allerdings

können sich Ranger/Rover natürlich an der Fortgeschrittenen-Variante

versuchen. Da ist es

nicht getan

mit

einfachen

Lagertoren

oder

Kirchtürmen.

Stattdessen

hat

sich eine

Gruppe

an einer

freitragenden

Brücke

versucht.

Es stellte

sich jed

o c h

heraus, dass eine solche Brücke eben doch

nicht ohne Tampen und Knoten funktioniert!

Mehr Erfolg hatte die andere Gruppe, die aus

einer Kohte und einem eigens hergestellten kleinen

Ofen eine Lagersauna gebaut hat. Für alle

Ranger/Rover, die schon

einmal in verschiedenen

Gremien des VCP aktiv

waren, gab es darin eine

„heiße Sitzung“ einmal

anders.

Eine heiße Sitzung hatte

auch die Diskussionsgruppe,

die sich am

Samstag mit Symbolen

und Ritualen im VCP beschäftigte.

Erzählungen

von Aufnahme-Zeremonien

und Erlebnissen mit anderen Stämmen

und Pfadfinder-Verbänden haben ein buntes

Bild davon ergeben, welche unterschiedlichen

Rollen Rituale im VCP spielen können. Mit Eindrücken

aus ganz Niedersachsen und neuen

Denkanstößen gingen die Ranger/Rover dann

in den Samstag nachmittag, allerdings nicht

ohne das nach drei verschiedenen Rezepten

gebackene Brot ihrer Mitfahrer und Mitfahrerinnen

zu probieren. Offensichtlich kommt im

VCP mit zunehmendem Alter immer mehr Erfahrung

mit dem Brotbacken im Feuer zusammen,

denn

im Gegensatz

zu den

Brückenbauern

ist

den selbst ernannten

Bäckersleuten

ihr

Brot beim

ersten Anlauf

gelungen,

und das in

gleich drei

Varianten –

ein echter

Genuss.

Das Wetter

wollte nicht

so recht mitspielen, aber trotz gelegentlichem

Regen und grauem Himmel war die Stimmung

16


erichte

gut. Zwischendurch war immer wieder die Kreativität

aller Menschen auf dem Lagerplatz gefragt:

Wenn jem

a n d

„Bängoräng!“

rief, sollten

sich alle

spontan in

eine Pose

werfen.

Das hat so

gut geklappt,

dass sich

dieser

Trend mit Sicherheit auch auf anderen Ranger/

Rover-Maßnahmen fortsetzen wird.

Schließlich winkte am Sonntag ein Ausflug des

ganzen Lagers nach Wolfsburg ins großartige

Badeland! Drei Stunden schwimmen, Wasserrutschen

und ausgedehnte Sauna-Gänge sorgten

für einen entspannten Vormittag. Der einzige

Wermutstropfen: neun verschwundene Badeanzüge

und Badehosen. Die Sauna-Pfadfinder

und Pfadfinderinnen hatten ihre Bademode

in einem

Schrank eingelagert,

den sie

nicht abschließen

konnten.

Nach umfangreichen

Sauna-

Erfahrungen,

von der

Blütensauna

bis zum finnischen

Aufguss

auf Eis, war die

Bademode

weg: Eine eifrige

Putzfrau

hatte sie mitgenommen und als Fundsachen

weggeräumt, wie sich erst Tage später herausstellen

sollte. In dem Moment jedenfalls konnten

die neun nicht anders als die Situation mit

Humor und ihre Handtücher als Wickelröcke

nehmen, um den Weg zur Umkleide zu bewältigen.

Nach dem Höhepunkt Badeland konnte sich

das Lager kaum noch steigern, und so kam es

am Sonntag nachmittag zu einem Motivationstief,

zu dem der wieder einsetzende Nieselregen

seinen Teil beigetragen hat. Aber unter

Pfadfinderinnen und Pfadfindern gibt es genug

Möglichkeiten,

jedes

Tief

i n

ein

Hoch

z u

verwandeln.

So stieg die Stimmung mit einer schönen Erntedanks-Andacht,

heißem Tee und aufrüttelnden

Aktionsspielen immer weiter an und entlud sich

am Abend in einer Geburtstagsfeier in der Jurte,

die bis in den frühen Morgen reichte – und

das alles ohne Alkohol, denn auch auf dem

Ranger/Rover-Lager ist der Beschluss der

Landesversammlung konsequent durchgesetzt

worden, im VCP Niedersachsen keinen Alkohol

zu trinken.

Mit dem Abbau

am Montag

morgen und einem

letzten

„Bängoräng“

endete das Lager

dann endgültig.

Obwohl

nicht so viele

Ranger/Rover

gekommen waren

wie erhofft,

war das Lager

ein Erfolg: Die

Teilnehmer und

Teilnehmerinnen

konnten ebenso wie die Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter alte Kontakte erneuern, neue

Kontakte knüpfen und neue Geschichten, Anregungen

und Motivation mit nach Hause nehmen.

Zwar schien zum Abbau nicht die Sonne,

daran war aber nur die Sonnenfinsternis

Schuld, die allen auf imposante Art und Weise

heimleuchtete.

Hanno Terbuyken

17


erichte

Landesversammlung 2005

18


erichte

im Sachsenhain/Verden

Fotos von Tim Mrzyglod

19


erichte

Kongress 2005

20


erichte

Wie ie viel ist zu viel

Ist Bier auch Alkohol Was ist positiv am Alkohol

Wie gehe ich mit Alkohol um Ja, es geht

mal wieder um Alkohol, und um viele Fragen

zum Umgang mit ihm. Er ist ein brisantes Thema

in der Gesellschaft und bei uns im Jugendverband.

Nicht erst seit der Landesversammlung

ist Alkohol ein Streitthema. Auch

auf dem Kongress wurde das Thema diskutiert.

Ist ein Verbot sinnvoll Wie soll es weitergehen

nach der nächsten LV, wenn nämlich

das Verbot ausläuft Eine mögliche Idee wäre,

das Verbot auf die Bundesebene zu tragen. In

einigen Bünden ist es völlig normal, nichts zu

trinken, auch Rauch ist dort oft unerwünscht.

Doch stellt sich die Frage, ob ein Verbot nicht

zur Schaffung einer Scheinwelt dient und ob

es nicht sogar die Aufgabe eines Jugendverbandes

ist, auch auf diesem Gebiet seine

positiven Einflüsse auf die Jugendlichen wirken

zu lassen.Man kann Alkohol nicht von Jugendlichen

abhalten, und in den seltensten

Fällen lassen sich Experimente unter dem Motto

-Jugend forscht- vermeiden. Diese Phase vermag

wohl niemand zu beeinflussen, egal welches

gute Vorbild es versucht. Erst nach dieser,

teilweise heftigen, Kennenlernphase, sind

viele Jugendliche wieder für gute Ratschläge

Fotos von Daniel Werner

offen, einige leider nicht.

Jetzt ist es besonders wichtig, ihnen einen vernünftigen

Umgang mit Alkhol vorzuleben. Die

ARbeitsgruppe auf dem Kongress hat einen

Leitfaden zu diesem Thema entwickelt, der

Richtlinien enthält, wie zum Beispiel auf Lagern

mit Jüngeren der Umgang mit dem Thema

sein sollte.

Im allgemeinen ist jedoch zu sagen, dass es

sich nicht nur um Jugendliche handelt, die mit

dieser Drofe nicht umgehen können. Auch viele

Ältere sind betroffen. Ein Umdenken der breiten

Masse ist erforderlich. Saufen köst keine

Probleme und dient nicht der Entspannung.

Was ist also zu tun Der kritische Umgang mit

alkohol muss gelernt werden. Die

Jugendschutzbestimmungen müssen konsequent

eingehalten werden. Ein neues gastfreundschaftliches

Denken muss her, bei dem

das Anbieten alkoholfreier Getränke selbstverständlich

ist.

Das Thema ist füe einen Jugendverband zu

wichtig, als dass es einfach durch ein Verbot,

welches auf Bezirks- oder Stammesebene eh

nicht durchgesetzt werden kann, unter den

Teppich gekehrt wird. In diesem Sinne, Prost!

Ludi

21


thema

Demokratie in Ecuador

Im Sommer letzten Jahres feierte das Land

Ecuador ein demokratisches Jubiläum. Doch

wie klein der Schritt von einer Demokratie in

eine Diktatur sein kann, bekam das Land

einmal mehr vor nicht allzu langer Zeit zu spüren.

Der 10. August spielte in der Geschichte Ecuadors

gleich zweimal eine bedeutende Rolle:

1809 ertönte in Quito der sogenannte „Schrei

nach Unabhängigkeit“, der

1830 dann tatsächlich zur

Unabhängigkeit vom Spanischen

Königreich führte. 170

Jahre später fand Ecuador

dann als eines der ersten

Länder Lateinamerikas zurück

zur Demokratie.

In den Jahren davor waren

die Regierungen stets direkt

oder indirekt von Militärs gelenkt

worden, die dann in

den siebziger Jahren

letztendlich vollständig in

den Regierungssessel gestiegen

sind. Einst vom Erdölboom

an die Spitze des Staates

gelockt, erkannten sie 1978 jedoch ihr eigenes

Unvermögen und leiteten einen

Öffnungsprozess ein. Nach einem Referendum

über eine neue Staatsverfassung und zwei

Wahlgängen hatte Ecuador einen friedlichen

Übergang von der Diktatur zur Demokratie geschafft:

Jaime Roldós war demokratisch gewählter

Präsident.

Die Erwartungen der Bevölkerung, dass nun

der Reichtum des Landes auf ebenso demokratisch

legitimierte Weise verteilt werden würde,

wurden enttäuscht. Der Regierung gelang

es nicht, die verbreitete Günstlingswirtschaft

einzudämmen und das Solidaritätsverständnis

der Ecuadorianer wandelte sich nach und nach

zu einem korruptions-geprägten Streben nach

Eigennutz. Die Wirtschaft wurde bald von einer

Oligarchie ( = „Herrschaft der wenigen“,

in diesem Falle einiger Familienclans) regiert.

Hinzu kam eine Schuldenkrise in den achtziger

Jahren, von der sich das Land nicht mehr

erholte.

1997 kam es zu einer spektakulären Entlassung

des gewählten Präsidenten: Abdalá

Bucarám wurde wegen „geistiger Unfähigkeit“

von der Parlamentsmehrheit des Amtes enthoben

und durch den Parlamentspräsidenten

Fabián Alcarón ersetzt. An der Unzufriedenheit

der Bevölkerung mit der Regierung konnte dieser

Akt jedoch nichts ändern. Indigene Gruppen

begannen, sich in die Politik einzumischen

und organisierten sich im

mittlerweile sehr einflussreichen

Dachverband CONAIE

(Confederación de

Nacionalidades Indígenas

del Ecuador). Unter anderem

war es ihrem Druck zu

verdanken, dass noch im

selben Jahr eine Nationalversammlung

einberufen

wurde, durch die im Mai

1998 eine neue Verfassung

verabschiedet werden

konnte. Es kann als einer

der großen Erfolge der

ecuadorianischen Demokratie

gewertet werden,

dass damit einerseits die kulturelle Vielfalt anerkannt

und andererseits soziale Ungleichheit

als eine Herausforderung und Aufforderung für

mehr Beteiligung begriffen wurde.

Die wirtschaftliche Lage Ecuadors verschlechterte

sich jedoch zunehmend, so dass sich die

Zahl der in Armut lebenden Personen zwischen

1995 und 2000 verdoppelte. Der im Jahr 2000

amtierende Präsident Jamil Mahuad bastelte

an einem Plan, gegen die galoppierende Inflation

der Landeswährung „Sucre“ den US-Dollar

einzuführen. Als die Proteste gegen dieses

Vorhaben zu groß wurden, flüchtete er ins Ausland

und wurde vom damaligen Vizepräsidenten

Gustavo Noboa abgelöst. Die Dollarisierung fand

jedoch trotz allem statt und trieb die Verarmung

vor allem auf dem Land und in den Stadtrandzonen

noch weiter voran.

Im November 2002 fanden wieder planmäßige

Wahlen statt, die überraschend der Ex-Militär

Lucio Gutiérrez für sich entschied. Gutiérrez


thema

war damals einer der Hauptinitiatoren des Sturzes

von Mahuad gewesen. Er hatte den Wählern

eine sozial orientierte Wirtschaftspolitik,

politische Souveränität und mehr Mitspracherecht

der indigenen Bevölkerung versprochen.

Zu diesen Zielen führende Strategien konnte

er jedoch nicht vorweisen. Zwar schien es auf

den ersten Blick vielversprechend, dass

Gutiérrez selbst Mestize ist und somit der erste

nicht-hellhäutige Präsident Ecuadors wurde.

Doch wirklich politische und wirtschaftliche

Stabilität ins Land zu bringen, wurde ihm kaum

zugetraut. Für viele Wähler stellte er schlichtweg

das kleinere Übel dar. So ist es auch nicht weiter

verwunderlich, dass sich Gutiérrez als ein weiterer

Amtsinhaber entpuppte, der grundlegende

Reformen scheut und

möglichst den vermeintlich

einfachsten Weg wählt.

Gutiérrez‘ Regierungsverhalten

lief gleich zu Beginn

konträr zu einem seiner

Wahlversprechen, nämlich

der „oberste“ Korruptions-

und Armutsbekämpfer

sein zu wollen. Die meisten

Ministerposten und

Regierungsstellen wurden

von Familienangehörigen,

Ex-Militärs, Ex-Putschisten

und Freunden des Präsidenten

besetzt. Außerdem verfolgte Gutiérrez mit

seiner Politik schon von Anfang an die Empfehlungen

des IWF (Internationaler Weltwährungsfond)

und machte Ecuador damit zum

einzigen Land der Welt, das sich im voraus dazu

verpflichtet hat, seine Erdöleinnahmen für

Schuldenrückzahlungen zu verwenden.

Unternehmerkreise, die Mehrzahl der konservativen

Parteien sowie Gutiérrez selbst waren

begeistert von den anscheinenden wirtschaftlichen

Erfolgen. Die Verarmung der

Bevölkerungsmehrheit nahm jedoch weiter zu,

vor allem als unter dem Druck des IWF die

Subventionen von Benzin und Elektrizität aufgehoben

wurden, was die Lebenserhaltungskosten

erheblich erhöhte. All dies führte dazu,

dass das Vertrauen der Bevölkerung immer

mehr bröckelte. Wenn ihr Unmut zu groß wurde,

wechselte Gutiérrez kurzerhand die Minister-

bzw. Kabinettsmitglieder aus und bot die

Posten der Opposition an. Dieses Spiel funktionierte

einige Male, bis am Ende nur noch ein

einziges Mitglied von Gutiérrez‘ Partei PSP (Partei

der Patriotischen Gesellschaft) in der Regierung

blieb. Die ecuadorianische Tageszeitung

„El Comércio“ kommentierte: „Die PSP regiert

nicht mehr.“

Die Opposition suchte nach einer Möglichkeit,

dieser Handlungsunfähigkeit des Präsidenten

ein Ende durch einen verfassungsmäßigen

Rücktritt zu bereiten. Sie fand heraus, dass die

PSP nicht deklarierte Wahlspenden von einem

Drogenhändler und Wahlplakate in großem

Ausmaß von der PT in Mexiko erhielt. Da diese

Vorwürfe jedoch die Partei betrafen und nicht

den Präsidenten direkt, reichten sie nicht aus,

um den Rücktritt voranzutreiben. Die Popularität

von Präsident Gutiérrez sank immer weiter,

sogar noch unter

die Umfragewerte,

die

seine beiden

Vorgänger zu

ihren schlechtesten

Zeiten

erzielt hatten.

Der Kongress

leitete im

Herbst 2004

e i n

Amtsenthebungsverfahren

gegen

Gutiérrez

ein, das allerdings scheiterte. Der Präsident

schien langsam den Ernst der Lage zu begreifen

und wusste sich nicht anders zu helfen,

als im Dezember 2004 27 der 31 Richterposten

im Obersten Gerichtshof, welcher sich während

des Verfahrens gegen ihn gestellt hatte, einfach

auszutauschen. Damit handelte er ganz

eindeutig gegen die ecuadorianische Verfassung,

da die Judikative dort Autonomie genießt

und Eingriffe des Nationalkongresses in das

Gerichtswesen nicht gestattet sind. Daraufhin

prangerte die Opposition Gutiérrez als „Diktator“

an. Versuche, das neue Gericht wieder

absetzen zu lassen, scheiterten.

Die Lage spitzte sich noch weiter zu, als das

neue Oberste Gericht die Strafverfahren gegen

die beiden Ex-Präsidenten annullierte und

Bucarám prompt nach Guayaquil zurückkehrte.

Die Regierungen der Provinzen Azuay,

Chimborazo und Pichincha riefen für den 13.

April diesen Jahres die Bevölkerung zu einem


thema

Streik gegen die Regierung auf, um die Regierung

zur Absetzung des neuen Obersten Gerichtshofs

zu bringen. Von da an überschlugen

sich die Ereignisse. Am 13. April brachen im

Süden und im Zentrum Quitos langanhaltende

Proteste aus, die tatsächlich dazu führten, dass

Gutiérrez am Abend des 15. April die Auflösung

des Gerichtshofs erklärte. Allerdings rief

er außerdem für Quito den Notstand aus, was

der Bevölkerung weiteren öffentlichen Protest

verbot. Die bislang friedlichen Demonstranten

reagierten jedoch mit nun heftiger werdenden

Protesten, so dass nach nur 19 Stunden der

Notstand wieder aufgehoben wurde. Die Aufhebung

des Obersten Gerichtshofs wurde in der

Nacht zum 17. April vom Kongress bestätigt.

Doch die protestierende Bevölkerung verlangte

nun den Rücktritt des Präsidenten und demonstrierte

weiter. Am Abend des 19. April kam es

dann zur Eskalation. Bei Zusammenstößen

zwischen Demonstranten und nationalen

Sicherheitskräften, kam ein Fotojournalist durch

den Einsatz von Tränengas ums Leben. Am

folgenden Tag wurde das Ministerium für Soziale

Wohlfahrt in Brand gesteckt und das Gebäude

des Nationalkongresses von Studenten

gestürmt. Nachdem der Kongresspräsident

Quintana verweigert hatte, die Neubesetzung

des Obersten Gerichtshofs in die Tagesordnung

der Kongresssitzung des 20. April aufzunehmen,

konstituierte eine Mehrheit der Abgeordneten

den Kongress kurzerhand neu. Der so

entstandene „Oppositionskongress“ setzte

zuerst Quintana und kurz darauf Gutiérrez ab.

Er nahm damit die verfassungsmäßige Möglichkeit

wahr, einen Präsidenten, der die Amtsgeschäfte

nicht mehr vollständig wahrnimmt,

wegen „Preisgabe des Amtes“ abzusetzen und

umging damit ein erneutes aufwändiges

Amtsenthebungsverfahren.

Der Versuch von Gutiérrez, sich daraufhin außer

Landes zu begeben, scheiterte an einer

Gruppe Demonstranten, die auf dem Flughafen

in Quito das Rollfeld blockierte. Gutiérrez

konnte sich nur noch per Hubschrauber in die

brasilianische Botschaft flüchten, wo er Asyl

beantragte. Die Menschenrechtsorganisationen

Ecuadors forderten die Auslieferung des gestürzten

Präsidenten und leiteten eine Klage vor den

internationalen Gerichtshöfen gegen ihn ein,

da die Justiz des eigenen Landes bekanntlich

auf äußerst wackeligen Beinen stand.

Bereits kurz nach Gutiérrez‘ Amtsenthebung

wurde der Vizepräsident Alfredo Palacio zum

neuen Präsidenten vereidigt. Währenddessen

feierten einige hundert Demonstranten vor dem

Regierungspalast das Ende der Ära Gutiérrez

mit Gesängen, Feuerwerk und Verbrennungen

von PSP-Fahnen. Andere wiederum belagerten

das Kongress-Sitzungsgebäude und forderten

den Rücktritt des gesamten Nationalkongresses

mit der Parole „Que se vayan todos!“ („Alle

sollen gehen!“). Palacio schaffte es in das

Verteidigungsministerium zu gelangen, wo er

seine erste Pressekonferenz hielt. Der politikunerfahrene

Kardiologe wollte auf keinen Fall

das Parlament auflösen, da dies gegen die Verfassung

gewesen wäre. Allerdings machte er

bekannt, in einem Referendum über eine neue

Verfassung abstimmen lassen zu wollen.

Weiterhin versprach er, das Geld aus dem

Ölgeschäft neu aufzuteilen und große Teile für

Bildung und soziale Projekte einzusetzen. „Heute

sind Diktatur, Sittenlosigkeit, Gewalt, Terror

und Angst zu Ende gegangen“, so Palacio.

Wie glaubwürdig all diese Versprechen sind

bleibt fragwürdig. Auch die internationalen

Reaktionen waren vorerst vorsichtig, da man

sich über die Verfassungsmäßigkeit der gesamten

Abläufe noch nicht im Klaren war.

Mittlerweile haben sich jedoch sowohl Bevölkerung

als auch internationale Öffentlichkeit mit

der neuen Regierungssituation zufrieden gegeben.

Doch die Dauer dieser eher zähneknirschenden

Inkaufnahme als wirklichen Zufriedenheit

ist ungewiss, wurde Palacio doch

bereits vor seinem Amtsantritt für unfähig gehalten,

das Land zu regieren und ernannte er

doch prompt ein ehemaliges Mitglied der Regierung

unter Noboa zum Energieminister, was

ihm sogleich große Kritik einbrachte.

Fakt ist, dass Ecuador nach dem Korruptions-

Perzeptions Index 2004 von Transparency International

als eines der korruptesten Länder

der Welt gilt. Nach jenem Index spielt es diesbezüglich

in einer Liga mit Uganda, Irak und

Sierra Leone. Und Fakt ist auch, dass seit dem

Sturz von Bucarám im Jahr 1997 keine gewählte

Regierung mehr ihre Legislaturperiode

beenden konnte. Es scheint als steuere der verarmte

Andenstaat auf die Unregierbarkeit zu.

Bleibt die Frage, inwieweit man hier noch wirklich

von einer Demokratie sprechen kann.

Heike


thema

Die Wahlen in Deutschland - eine kurze Übersicht

Lebensgrundlage der Demokratie

Wahlbeteiligung von JugendlichenInsgesamt ist

sowohl bei der gesamten Bevölkerung (1980:

88,6% - 2002: 79,1%), wie bei den Jugendlichen

(bis 25) (1980: 79,65% - 2002:

69,15%) eine Abnahme der Wählenden zu

beobachten.

Da die bis 25-Jährigen nur 8% der Wahlberechtigten

ausmachen, können sie nicht für die

Abnahme der Wahlbeteiligung insgesamt betrachtet

verantwortlich sein. Die Differenz zwischen

1980 und 2002, also die Abnahme des

Wähleranteils, ist jedoch bei den Jugendlichen

noch etwas stärker (10,5%) als bei der gesamten

Bevölkerung (8%). Nach Geschlecht aufgeschlüsselt

zeigt sich, das junge wie ältere

Frauen stets weniger Wahlbeteiligung zeigen

als gleichaltrige Männer. Wie in der Stadt zeigt

sich auf dem Land ein Abstand zur Wahlbeteiligung

der Gesamtbevölkerung (6%), sowie

ein geringes Vertrauen in die repräsentative

Parteiendemokratie.

Ein Spruch von der Homepage des Landeswahlleiters

Niedersachsen: die Wahlen - die

Lebensgrundlage der Demokratie. Doch wieviele

achten diese „Binsenweisheit“ Seit mitte

der 70er Jahre ist die Wahlbeteiligung rückläufig,

zuletzt 2003 lag sie bei ungefähr 67%

bei den Landtagswahlen, über 80% lag sie das

letzte Mal 1974. Regelmäßig zu den Wahlterminen

kommt das Thema der „Politikverdrossenheit“

der Jugend wieder auf. Wie

schon gesagt, die Jugend stellt ungefähr 8%

der Wahlberechtigten in Niedersachsen dar.

Diese acht Prozent sind, salopp gesagt, eher

ein Tropfen auf dem heißen Stein, da die Wahlverdrossenheit

bei älteren Leuten zwar schwächer

abnimmt, als bei den Jugendlichen, dieser

Faktor wiegt allerdings schwerer, da durch

die kopfstehende Aterspyramide mehr ältere

Menschen wahlberechtigt sind als jüngere.

Mittlerweile sind weit über 60% der Wahlberechtigten

über 60 Jahre alt. Manche mögen

sagen, „meine Stimme allein bringt doch

nichts“. Nun gut, was in Schleswig-Holstein

bezüglich der Wahlmisere der SPD oder in

Sachsen hinsichtlich des Einzugs der NPD in

den Landtag passiert ist, ist weiterhin zweifelhaft

und bringt sicherlich nicht gerade mehr

Vertrauen für die Demokratie. Hier sieht der

ohnehin enttäuschte Wählende nur wieder

einmal mehr, das demokratische Politik eben

doch nicht immer für die Allgemeinheit geschieht.

Auch die mittlerweile monatlich auftauchenden

Skandale, ob gesammelte Flugmeilen

oder kassierte Nebeneinkünfte aus dubiosen

Dienstverhältnissen tragen nicht gerade

zum Vertrauen in denjenigen bei, der einen

selbst dort im Parlament vertreten soll. Wohin

diese Politikverdrossenheit der langwierigen

Verhandlungen, Debatten und Diskussionen

führt, hat man zuletzt im sächsischen Landtag

beobachten können, als die NPD dort ihren

Einzug feierte und die restlichen Politiker nur

unbeholfen dreinschauen und sich nicht gegen

die vorbereiteten und immer geschlossen

auftretenden Antidemokraten wehren können.

Wieso konnten diese extremistischen Kräfte in

den Landtag einziehen Warum konnten sie fast

die gleiche Anzahl Sitze erlangen wie die SPD

59 % der Wahlberechtigten gaben am 19.September

2004 ihre Stimmen ab, 41 % für eine

der großen Volksparteien, 9,8 % für die NPD

und 24,5 % die PDS. Warum haben wir immer

weniger Lust, uns am Wahlsonntag aus dem

Haus zu begeben und unsere Stimme abzugeben

Die sogenannte Partei der Nichtwähler

würde bei weitem große Anteile der Sitze in

den Landtagen Deutschlands erlangen. Uns

muss wieder klar gemacht werden, was unsere

einzelne Stimme für das Land in dem wir

leben, für die Demokratie in der wir leben, bedeutet.

Ein Sprichwort aus dem Sport besagt,

dass das Wichtigste sei, dass man mitgemacht

habe, auch wenn man verloren hat. Dies lässt

sich leicht auch auf unsere Bürgerpflicht „wählen

gehen“ übertragen. Strittig ist weiterhin, wie

leichtfertig das Kreuzchen auf dem Wahlzettel

gemacht wird. Wie leichtfertig waren die etwa

125.000 Sachsen, die die NPD gewählt haben,

oder gar die 500.000, die für die PDS,

mittlerweile die.linke, stimmten Wieviel Vorbereitung

gehört zur Wahl Es sollte an und für

sich ausreichen, dem Wahlkampf der jeweiligen

Partei zu folgen, um sich ein ungefähres

Meinungsbild über das Programm zu verschaffen.

Leider ist das Programm heutzutage im all


thema

gemeinen sehr schwammig geworden, die

beiden großen Volksparteien CDU und SPD unterscheiden

sich über weite Strecken nur marginal,

Bildung für alle, Arbeit für alle, der eine

macht dies falsch, die Gegnerpartei jenes (etwas

polemisierend gesagt). Also bleibt uns,

dem Wählenden nicht viel anderes übrig, als

sich selbst die Informationen zu verschaffen,

die uns interessieren. Zeitung lesen Oft sind

die Tageszeitungen auch mit den verschiedenen

Farben der Parteien „gefärbt“. Internet Wie

verlässlich sind die Informationen Wo finde

ich da was Auf den Internetpräsenzen der Parteien

kommt man da auch nicht viel weiter,

wenn man eine objektive Meinung haben

möchte. Auch der Stammtisch in der Kneipe

bleibt fraglich, da auch hier oft gefährliches

Halbwissen mit den perfidesten Behauptungen

vereint werden.Nein. Als modernen Wählenden

bleibt uns heute nichts anderes mehr übrig,

als wie vor dem Kauf eines neuen Autos zu

verfahren. Was gibts bei dem einen extra, was

bei dem anderen Wer hat die tolleren Angebote

Dies ist natürlich nicht in materieller Hinsicht

zu sehen, erkaufte Wählerstimmen, wie

sie etwa eine zeitlang im Internetauktionshaus

ebay versteigert wurden, sollen kein falsches

Bild auf dieses Beispiel werfen. Der moderne

Wählende informiert sich selbst über die verschiedenen

Programme der Parteien, hat sich

eine eigene Meinung gebildet. Die Aufgaben

und Pflichten der Parteien in unserer Bundesrepublik

beinhalten unter anderem die Meinungsbildung.

Das heißt, eine gesellschaftskonforme

Meinung für eine bestimmte Gruppe

von Leuten zu propagieren, nämlich den Wählern

aus den verschiedenen ethnischen, sozialen

Gruppen, aus den verschiedenen

Bevölkerungsschichten, aus den Altersklassen.

Diese Wähler identifizieren sich durch ihre Stimme

mit der Meinung der Partei, durch ihr

Kreuzchen am Sonntag haben sie aktiv an der

Demokratie mitgewirkt, haben den Volksvertreter,

der da im Landtag sitzt, legitimiert und ihm

gleichzeitig auferlegt, eine bestimmte Meinung

zu einem Thema zu vertreten. Tut er dies nicht,

wird er oder sie normalerweise nicht wiedergewählt.

Die nun anstehenden Neuwahlen im

Bundestag zum Beispiel, trüben ebenfalls das

Selbstverständnis der Demokratie. Da wird fröhlich

in der Öffentlichkeit diskutiert, ob es denn

nun rechtens wäre, den Bundestag aufzulösen

oder nicht. Mittlerweile wurde der Auflösung

durch den Bundespräsidenten zugestimmt, so

dass wir gerade quasi regierungslos sind. 53

Tage Wahlkampf, ob das reicht, „die Meinung

zu bilden“ Stammwählern mag das genügen,

aber was ist mit der großen Menge an Wählenden,

die von der momentanen Situation enttäuscht

sind Werden die etwa von den großen

Volksparteien abspringen und eine der Extremen

unterstützen Allgemeine Umfrageergebnisse

ergeben, dass Schwarz-Gelb noch

einen marginalen Vorsprung vor den anderen

hat. Was passiert aber, wenn sich dieses Verhältnis

noch weiter zu den extremeren Parteien

ändert Haben wir dann eine linke Regierung,

deren Opposition nicht mehr (die ehere

mittlere Rechte), sondern von der NPD bestimmt

wird Das mag zwar sehr krass formuliert

sein, könnte aber eintreten, denn der Kreis

der „Protestwähler“ wird größer. Andererseits

könnte dieses geschichtsträchtige Ereignis auch

durchaus Vorteile für die Demokratie bieten.

Viele werden hier wieder an ihre Pflicht erinnert,

aktiv zu werden und wählen zu gehen.

Trotz allem: Es bleibt in gewisser hinsicht spannend,

ob die vorgezogenen Neuwahlen die Verdrossenheit

ein wenig dämpfen, ob der besonderen

Medienpräsenz und der durchaus ungewöhnlichen

Weise, verfrüht wieder „Demokratie“

auszuüben. Es erscheint als besonderes Ereignis

viel mehr Leute anzusprechen, denn aus

der momentanen Unzufriedenheit heraus wird

es sicher viele geben, die ihrem Unmut auf die

eine oder andere Weise Luft machen wollen.

Allerdings bleibt abzuwarten, in welcher Hinsicht

sich dies äußert. Die Wahlen boykottieren

und nicht teilnehmen, eine der extremen

Parteien wählen oder schlichtweg den Wahlzettel

ungültig machen Abschließend kann

gehofft werden, dass sich durch die aufgerüttelten

Zeiten mehr „Volk“ dazu entschlossen

fühlt, das Recht auf Teilnahme an der

Regierungsbildung wahrzunehmen und so für

eine klare Entscheidung zu sorgen. Schließlich

war Sinn und Zweck der ganzen Angelegenheit,

für klare Machtverhältnisse im Parlament

zu sorgen und eine eindeutige Mehrheit für oder

wieder der momentanen Politik unserer Regierung

zu etablieren.

Wählen gehen!

Nils

Quellen:http://www.wikipedia.de

http://www.niedersachsen.de

http://www.destatis.de


thema

Demokratie und…Wirtschaft

„Die international forcierten Profit-Maximierungs-Strategien

gefährden auf Dauer unsere

Demokratie“ (Franz Müntefering).

Der SPD-Generalsekretär machte vor einiger

Zeit mit dem obigen Zitat von sich reden. Ob

seine mahnenden Worte als bedeutungsloses

Wahlkampfgetöse abgetan werden sollten oder

nicht – hier dienen sie wunderbar als Einleitung

in die Materie „Demokratie und Wirtschaft“.

Dieses Thema ist mannigfaltig. So könnte es

hier um die innere Organisation der Wirtschaftswelt

gehen, um das Wie und Warum bedeutsamer

Entscheidungen von Wirtschaftsunternehmen

und –Institutionen. Mitbestimmung in

Betrieben könnte ein Seiten füllendes Thema

sein. Auch nach Wechselwirkungen zwischen

sog. freiheitlicher Demokratie und florierender

Wirtschaft könnte gefragt sein. Oder nach der

Einflussnahme der Wirtschaft auf die Meinungsbildung,

also den in einer Demokratie so

entscheidenden Prozess.

Bei der Komplexität des Themas (immerhin

befassen sich mehrere Wissenschaften damit)

ist die Gefahr groß, einen stark nach Ideologie

riechenden Gesinnungsaufsatz zu schreiben.

„Kapitalismuskritik hat in der Cemp Tradition“

wurde mir zwar zugeflüstert, und gerne würde

ich nun auch loslegen, mich über die nicht demokratisch

legitimierte Macht von Banken und

Konzernen oder die alles beherrschende „Logik

des Marktes“ auszulassen. Stattdessen

möchte ich nun aber einfach zwei Zeitungsausschnitte

zitieren, die zu denken geben und

von jedem Leser selbst beurteilt werden mögen.

„Öl erscheint vielen Verbrauchern derzeit als

sehr teuer. Tatsächlich ist Öl heute billiger als

vor 20 Jahren, in realen Preisen gerechnet. Und

es ist kaum teurer als Anfang der dreißiger Jahre.

Damals entstand der internationale Ölmarkt.

Seitdem ist die weltweite Nachfrage um 2000

Prozent gestiegen, während die Ölressourcen

knapper wurden. Eigentlich hätte Öl also sehr

viel teurer werden müssen. Doch entgegen der

Logik des Marktes ist es billig geblieben.

Das Demokratie-Defizit in den Golfstaaten, der

Region mit den größten Ölressourcen, ist der

wichtigste Grund für dieses scheinbare Mysterium.

Im Umkehrschluss folgt daraus, dass

mehr Demokratie das Öl teurer machen wird.

(…) Die Eliten der Ölstaaten ließen sich Knebel


thema

verträge zur uneingeschränkten Ölausbeutung

durch Ölkonzerne abtrotzen, weil sie sich ausschließlich

von ihren eigenen Partialinteressen

leiten ließen – und weder zum Wohl ihrer Völker

noch zu dem künftiger Generationen handelten.

Demokratisch

legitimierte

Eliten

hätten derartigen

Verträgen

aller Wahrscheinlichkeit

nach nicht zustimmen

können.

(…) Die herrschenden

Petrodollar-Monarchien

waren

weiterhin geneigt,

sich auf

einen Kuhhandel

mit dem

g r ö ß t e n

Ölverbraucher,

den USA, einzulassen:

eigene

Herrschaftsabsicherung

und

militärische Kooperation

gegen

eine moderate

Ölpolitik. Mangels

Legitimation und Kontrolle durch die eigenen

Völker förderten die Regierungen der

Ölstaaten auf der Grundlage dieser Abmachung

weiterhin mehr Öl, als es der Marktlogik für

erschöpfbare Rohstoffe entsprach.

DIE ZEIT Nr.14 vom 31.03.2005

Wissen Sie eigentlich warum Arnold

Schwarzenegger in Kalifornien zum Gouverneur

gewählt wurde Weil im Sonnenstaat das Licht

ausging. Am Jahresanfang 2001 lieferten die

Kraftwerke über mehrere Monate zu wenig

Strom. Die Wirtschaft stand still. In den Straßen

von Los Angeles krachten Autos ineinander,

weil die Ampeln ausfielen. Die Bürger demonstrierten

wütend. Vor allem gegen den demokratischen

Gouverneur Gray Davis, der kurz

zuvor noch als Präsidentschaftskandidat gehandelt

worden war. Doch wie kam es zu den

Stromausfällen Im Internet und in dem Dokumentarfilm

„The Smartest Guys in the Room“,

der dieses Jahr auf dem Sundance-Festival Premiere

hatte, kann man Tondokumente hören.

Zum Beispiel: „Wenn wir 30 sind, müssen wir

nie mehr arbeiten und sind Millionäre.“ Oder:

„Ja, lass

uns mit

dem Sparbuch

der

kleinen

kalifornischen

Großmutter

spielen.“

Es

sind Dialoge

unter

Brokern

d e s

Energiehändlers

Enron. Das

texanische

Unternehmen

war

zu dieser

Zeit der

siebtgrößte

US-Konz

e r n ,

21.000

Mitarbeiter,

60 Milliarden

Dollar

Börsenwert, Chef Ken Lay ein enger Freund

der Familien Bush und Cheney. Mit gezielten

Manipulationen haben Mitarbeiter von Enron

den Strom in Kalifornien künstlich verknappt,

um die Preise und eigenen Gewinne in die Höhe

zu treiben. „Gaming the market“ heißt das.

Davis sagte vor kurzem während eines Vortrags

an der Universität von Los Angeles: „Während

ich gegen Enron kämpfte und auf Unterstützung

aus Washington drängte, saßen die mit

Dick Cheney zusammen.“ Unter dem Eindruck

der Energiekrise gewann der Republikaner

Schwarzenegger die Neuwahl im Oktober

2001. Drei Monate später musste Enron Insolvenz

anmelden. Bald beginnt der Prozess

gegen die noch lebenden Mitglieder des Managements.

taz Nr. 7651 vom 28.4.2005

Ole Petersen


Ein mühsames Geschäft

thema

Demokratie im VCP

Der VCP als demokratischer Jugendverband

besteht aus vielen gleichberechtigten Einzelpersonen,

die auf der Basis gemeinschaftlich

gefasster Ordnungen und Beschlüsse ein Ganzes

bilden. Weil jedes seiner Mitglieder einen

eigenen, freien Willen hat, muss sich der VCP

so organisieren, dass Einzelinteressen ausgeglichen

werden und so ein gemeinsamer

Verbandswille entsteht. Das

klingt kompliziert, ist im Grunde

aber nichts weiter als die

Übertragung der Definition von

Demokratie (vgl. http://

de.wikipedia.org/wiki/Demokratie)

auf unseren Verband. Zwar

besagt keine unserer Ordnungen

explizit, dass der VCP ein demokratischer

Jugendverband

ist, doch bereits in Aufgabe und

Ziel „sieht der Verband seine

Aufgabe darin, durch Förderung

von Demokratisierung und Mitbestimmung

einen Beitrag zu

leisten zur Veränderung der Lebensbedingungen

Aller mit dem

Ziel sozialer Gerechtigkeit.“ Eben diese Mitbestimmung

der Verbandsmitglieder sowie ein

demokratischer Leitungsstil werden noch an

zahlreichen weiteren Stellen in der Bundesordnung

aber auch in unserer Landesordnung

erwähnt.

Doch wie wird aus dem eigenen und freien

Willen der Wille des Verbandes Wie kommen

unsere Beschlüsse zustande, die dem Verband

sein Gesicht geben Die Meinungsbildung erfolgt

in erster Linie auf den vier großen Ebenen:

Von der Ortsebene aus werden Meinungen

und Ansichten weiter getragen in den Bezirk,

die Bezirke entscheiden über den Willen

des Landes und die Länder letztlich gestalten

das, was den Bund zum Verband macht. Bei

so vielen Meinungen ist nicht zu erwarten, dass

das, was am Ende herauskommt, dem Willen

und der Stimme jedes einzelnen Mitglieds entspricht.

Und anders als in vielen anderen Organisatio-

nen hat bei uns jedes Mitglied unabhängig vom

Alter eine Stimme, die es wahrnehmen kann:

„In der Mitgliederversammlung sind alle Mitglieder

des VCP am Ort vertreten. Dadurch wird

ermöglicht, dass alle gleichberechtigt an Entscheidungen

mitwirken“ (Ordnung des VCP

Land Niedersachsen). Eben diese Mitgliederversammlung

ist es, die Stammes- beziehungsweise

Ortsleitungen wählt, die

Delegierte zur Bezirksversammlung

entsendet und die

Arbeit vor Ort gestaltet: „Jedes

Mitglied ist mitverantwortlich für

die Arbeit am Ort“ (ebd.). Theoretisch

könnte sogar ein

siebenjähriges Kind zur Leitung

gewählt oder in die Bundesversammlung

delegiert werden.

Dass diese in der Praxis nicht

geschieht, ist sicher nicht verkehrt.

Doch soll dieses Beispiel

zum einen verdeutlichen, wie

weit unser demokratisches

Selbstverständnis im VCP

reicht, und zum anderen daran

erinnern, welche Verantwortung und Herausforderung

eine ernst gemeinte Demokratie mit

sich bringt: Um die Gestaltung von Demokratie

ernsthaft zu leben, müssen alle Dinge –

mindestens die Angelegenheiten vor Ort – in

kindgerechter Form aufbereitet werden.

Zum demokratischen Selbstverständnis gehört

auch, Beschlüsse, die nicht dem eigenen Willen

und Verstehen entsprechen, zu achten und

nach ihnen zu leben. Immer häufiger finden

sich im VCP Grüppchen zusammen, die für sich

selbst entscheiden, den einen oder anderen

Beschluss nicht anzuerkennen. Keiner der Sätze

in unseren Ordnungen verlangt, dass wir in

allen Dingen gleich zu handeln haben. Doch

wenn wir Beschlüsse fassen, die unverbindlich

sind, wird der Verband in Beliebigkeit zerfallen

und er verlässt damit seinen demokratischen

Weg. Erstaunlicherweise sind es jedoch

häufig solche Interessenvertretungen, die sich

nicht an Beschlüsse halten, die sich zuvor jeg


thema

lichem Meinungsbildungsprozess entzogen

haben. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Sie

reichen von der Erwatung, die eigene Meinung

würde sowieso nicht mehrheitsfähig sein, über

die Ablehnung und Vorverurteilung des Gegenübers

hin zu reiner Bequemlichkeit.

Und bequem ist Demokratie nie; denn sie erfordert

Aktivität. Sie erfordert es, sich einer Diskussion

zu stellen, Argumente vorzubereiten,

sich kundig zu machen und zu positionieren.

Sie verlangt es, beizeiten zurückzustecken und

die Meinung der anderen zu achten. Sie setzt

die Bereitschaft voraus, Beschlüsse und Prozesse

so zu dokumentieren, dass sie die vorstehenden

Ebenen erreichen.

Innerhalb eines Mandates zu entscheiden bedeutet

selten, (ausschließlich) den eigenen

Willen vertreten zu können. Ohne die Rückkopplung

und Anbindung an die Delegierenden

verlieren Beschlüsse an Akzeptanz. Hilfreich

für alle ist sicher, nicht nur Ergebnisse zu

dokumentieren, sondern auch durch Wiedergabe

von Diskussionsprozessen Transparenz zu

erzeugen und so ein anderes Verständnis von

Zusammenhängen zu schaffen.

Der oder die ideale Delegierte also ist stets bereit,

sich der Diskussion hinzugeben, weiß seine

oder ihre Meinung konkret zu artikulieren,

wird niemals müde, sich und anderen Informationen

zu beschaffen und diese wenn nötig

für alle nachvollziehbar aufzubereiten; er oder

sie ist bereit, Kompromisse einzugehen, und

achtet die Meinung der anderen. Er oder sie

hat seine Wurzeln in der aktiven Arbeit des

Verbandes und ist vor allem – einE überzeugteR

DemokratIn. Natürlich ist Gremienarbeit nicht

jedermanns/-fraus Sache. Und all die gerade

genannten Eigenschaften bringen wohl nur die

wenigsten mit. Doch eine Demokratie steht und

fällt mit den Möglichkeiten der Willensbildung

und der Art und Weise, wie sie in Anspruch

genommen wird. Wenn wirklich jedeR nur einen

winzigen Teil in diesem Prozess gestaltet,

würde der VCP dann nicht anders aussehen

ck


thema

Die Entwicklung der Demokratie in

Deutschland

Wo kommt sie her, unsere Demokratie Der

Ursprung des Wortes, das hat jeder schonmal

gehört, liegt im Griechischen. „Demos“, das

Volk, und „kratein“, herrschen, ergeben zusammen

Demokratie, die Volksherrschaft. In der

Geschichte Deutschlands hat Demokratie aber

nicht als Volksherrschaft, sondern als Volksvertretung

begonnen.

Unsere Reise durch fast 200 Jahre deutsche

Geschichte beginnt im Jahr 1814. Europa ist

von Napoleon besetzt, aber die Völker des alten

Kontinents wehren sich: In den so genannten

„Befreiungskriegen“ kämpft das deutsche

Heer mit Unterstützung aus dem Volk gegen

Napoleons Armee und erreicht das Ende der

Besatzung. Um Mitteleuropa nach Napoleon

neu zu formen, treffen sich Europas Staatschefs,

Monarchen, Kanzler und Minister, zum Wiener

Kongress (1814/15). Dort schließen sich 37

souveräne Fürsten und vier freie Städte zum

Deutschen Bund zusammen, der von Österreich

geleitet wird und der das Heilige Römische

Reich Deutscher Nation ersetzt. In der Bundesakte

vom 8. Juni 1815 steht Artikel 13,

der auf dem Weg zur Volksvertretung eine wichtige

erste Phase einleitet: „In allen Bundesstaaten

wird eine landständische Verfassung stattfinden“.

Die Verfassungen, die zwischen 1814 und

1848 in Deutschland entstehen, werden vielfach

vom Landesherrn erlassen (oktroyiert) und

zementieren das „monarchische Prinzip“: Sie

enthalten zwar Grundrechts-Garantien, ein eingeschränktes

Wahlrecht für ein Landesparlament

und das Recht dieses Parlamentes,

Gesetze zu schaffen. Die Staatsgewalt bleibt

aber nach wie vor in den Händen des Monarchen,

der auch Träger der Souveränität des Staates

ist. Nicht alle deutschen Staaten halten das

Verfassungsversprechen ein. Vor allem in Preußen

weigert sich der König, eine Verfassung

zuzulassen.

Ende Februar 1848 kommt es in Offenburg zu

einer Volksversammlung, die Pressefreiheit,

Schwurgerichte, Vereinsfreiheit, die Bewaffnung

des Volkes (als Gegensatz zum Reichsheer) und

ein gesamtdeutsches Parlament fordert. In vielen

anderen Staaten folgen Bürger diesem Vor-

bild, im Februar und März gibt es wiederholt

Versammlungen und Straßenkämpfe zwischen

Bürgern und Regierungstruppen. Eine Bürgerwehr

übernimmt Berlin, nachdem die königlichen

Truppen die Stadt räumen. Wegen der

anhaltenden Unruhen geht der Bundestag (die

Versammlung von Gesandten aller Staaten des

Deutschen Bundes, also Vertreter der Monarchen)

Kompromisse ein: Die Zensur wird aufgehoben,

die Bundesfarben werden schwarzrot-gold

– die Farben der Jenaer Burschenschaft,

die schon 1815 ein vereinigtes Deutschland

gefordert hat. Außerdem stimmt der Bundestag

Wahlen zu einer Nationalversammlung

zu und arbeitet einen Verfassungsvorschlag für

ein konstitutionelles Erbkaisertum aus.

Der Vorschlag wird nicht umgesetzt, denn am

18. Mai 1848 tritt nach weitgehend freien und

allgemeinen Wahlen in der Frankfurter

Paulskirche die deutsche Nationalversammlung

zusammen. Um es vorweg zu nehmen: Drei

Jahre lang versucht die Nationalversammlung

vergeblich, eine funktionierende deutsche Zentralgewalt

zu schaffen. Die so genannte

Paulskirchen-Verfassung, die Ende März 1849

vollendet wird, sieht einen gewählten deutschen

Kaiser vor, der die völkerrechtliche Vertretung

des Landes wahrnimmt und die Grundrechte

garantiert. Das Parlament, der Reichstag, hat

zwei Kammern, das Staatenhaus mit

Abgeordeten der Landtage und Landesregierungen

und das Volkshaus mit Abgeordneten des

Volkes (einer pro 50.000 Einwohner).

Die Paulskirchen-Versammlung spaltet sich bald

nach ihrer Zusammenkunft in eine kleindeutsche

und eine großdeutsche Fraktion. Die kleindeutsche

Fraktion will einen Bundesstaat ohne

Österreich mit dem König von Preußen als deutschem

Kaiser an der Spitze. Zur großdeutschen

Fraktion gehören die Österreicher, Süddeutschen

und Republikaner, die einen Bundesstaat

unter der Leitung Österreichs fordern. Die bereits

geschriebene Verfassung wird von fast allen

Staaten des Bundes angenommen, außer von

Österreich und den Königreichen Bayern, Hannover,

Preußen und Sachsen. Diverse Aufstände,

unter anderem in Dres


thema

den und Baden, lassen das Reich nicht zur

Ruhe kommen. Die neue Zentralgewalt ist zu

schwach, um die Aufstände niederzuschlagen.

Preußen und Österreich rufen ihre Abgeordneten

aus der Nationalversammlung ab und die

linke Mehrheit im Parlament („Rumpfparlament“)

zieht im Mai 1849 nach Stuttgart. Die

Befürworter einer großdeutschen Lösung (mit

Österreich) bleiben in Frankfurt. Preußen

schließt mit Hannover und Sachsen das so genannte

„Dreikönigsbündnis“.

An diesem Punkt ist die Nationalversammlung

am Ende. Preußen betreibt eine eigene Politik,

eine „Deutsche Union“ unter preußischer Führung,

der Österreich durch einen Zusatzvertrag

angeschlossen werden soll. Es droht ein Krieg

um die Vormachtstellung in Deutschland zwischen

Österreich und Preußen, nachdem die

österreiche Monarchie die Revolutionen im eigenen

Land niederschlagen konnte. Preußen

verzichtet auf die Union und auf den Krieg,

und im Juni 1851 wird der Deutsche Bund

wieder hergestellt.

Zwar ist damit die bürgerlich-liberale Revolution

gescheitert, aber der Weg zum Verfassungsstaat

ist nicht mehr umkehrbar. Preußen und

Österreich haben eigene (allerdings oktroyierte)

Verfassungen, und die Grundrechte für ihre

Bürger sind dort verankert. Von einer Demokratie

als Volksherrschaft kann man allerdings

nicht sprechen – noch nicht. Aber die Bevölkerung

macht den weit verbreiteten Wunsch nach

einer deutschen Einigung dennoch bekannt, vor

allem auf Festen und Kundgebungen. Die Industrialisierung

stärkt Preußen im Kampf gegen

Österreich und im Frieden von Prag 1866

stimmt Österreich der Auflösung des Deutschen

Bundes zu. Preußen gründet im gleichen Jahr

den Norddeutschen Bund.

1870 kommt es im Streit um die spanische

Erbfolge zum deutsch-französischen Krieg. Die

Truppen des Norddeutschen Bundes und der

süddeutschen Staaten kämpfen gemeinsam

gegen Frankreich. Im Verlauf des Krieges stürzt

in Frankreich das Kaiserreich, und im Januar

1871 wird der preußische König Wilhelm I.

zum deutschen Kaiser ernannt. Das Deutsche

Reich entsteht. In der Verfassung des Reiches

ist zwar der Kaiser – wie gehabt – der völkerrechtliche

Vertreter des Bundesstaates. Die

gesetzgebende Gewalt sind aber die beiden

Parlamentskammern: der Bundesrat, aus Vertretern

der 25 Bundesstaaten, und der Reichstag,

in dem 397 Abgeordnete des Volkes sitzen.

Sie werden gewählt in freien, allgemeinen,

direkten und geheimen Wahlen. Eine Regierung

gibt es nicht; Kaiser und Reichskanzler

(bis 1890 Otto von Bismarck) lenken die

Geschicke des Reiches und müssen sich nicht

vor dem Parlament verantworten. Trotzdem bilden

sich aus Interessengruppen die ersten politischen

Parteien. Mit der immer weiter gehenden

Industrialisierung steigen die sozialen Probleme

im Reich, und die betroffenen Gruppen

(vor allem die Arbeiter) organisieren sich in

Gewerkschaften und der 1890 gegründeten

SPD, die nach den Wahlen 1912 erstmals die

größte Fraktion im Reichstag stellt.

Im November 1918, kurz vor dem offiziellen

Ende des ersten Weltkrieges, beginnt mit einem

Matrosenaufstand in Kiel die deutsche

Revolution, die sich gegen das alte Kaiserreich

richtet. Nach Massenaufständen und Straßenkämpfen

bilden sich in ganz Deutschland Arbeiter-,

Bauern- und Soldaten-Räte, die die

Regierungsgewalt übernehmen. Am 9. November

ruft Philipp Scheidemann (SPD) die Republik

aus. Gleichzeitig überträgt Reichskanzler

Max von Baden sein Amt an den SPD-Vorsitzenden

Friedrich Ebert. Auf einem Kongreß aller

Arbeiter-, Bauern- und Soldaten-Räte

Deutschlands lehnen die Delegierten das Rätesystem

ab und beschließen, die Einheit des

Reiches zu erhalten und Wahlen zu einer Nationalversammlung

auszurufen. Die enge Zusammenarbeit

zwischen Reichskanzler Ebert, dem

Militär und der Verwaltung führt zu einem liberal-demokratischen

Verfassungsstaat statt

einer sozialistischen Räte-Republik nach russischem

Vorbild.

Bei den ersten Wahlen 1919 wird Philipp

Scheidemann Reichskanzler, Reichspräsident

wird Friedrich Ebert. Die Weimarer Verfassung

(so genannt, weil sie in Weimar geschrieben

wurde) ist die erste deutsche Konstitution, die

keinen Kaiser mehr kennt. Die Minister der

Regierung sind vom Vertrauen des Reichstages

abhängig, der Reichstag wird in freien, allgemeinen,

direkten und gehemeinen Wahlen

von allen Deutschen gewählt, die älter als 20

Jahre sind. Der Reichstag hat wesentlich mehr

Rechte als die von Preußen dominierte Länderkammer,

der Reichsrat. Der Reichspräsident hat

in der Weimarer Verfassung eine sehr starke

Stellung und die Parteien müssen ihre Rolle

bei der Regierungsverantwortung erst noch fin-


thema

den. Nicht jeder unterstützt jedoch die neue

Republik: Die Reichswehr steht in der Tradition

des kaiserlichen Heeres, ihre Befehlshaber

und Offiziere sind häufig Monarchisten. Deshalb

ist das Militär von der Demokratie weitgehend

abgekoppelt, die Befehlshaber verstehen

sich als Schiedsrichter in einer möglichen

Staatskrise.

Linke und rechte Bewegungen gegen die junge

Republik führen zu häufigen, gewalttätigen

Aufständen und politischer Instabilität. Die Ermordung

führender Reichspolitiker (Außenminister

Walter Rathenau, 1922), die Besetzung

des Ruhrgebiets durch Frankreich (1923),

die Nachwirkungen des Friedensvertrags von

Versailles und eine Wirtschaftskrise machen

Deutschland schwer regierbar. 1930 beginnt

die Zeit der Präsidial-Kabinette, weil im Reichstag

keine regierungsfähigen Mehrheiten gefunden

werden können. Unter Berufung auf den

Artikel 48 der Weimarer Verfassung, der dem

Präsidenten das Recht gibt, Notverordnungen

zu erlassen und dadurch das Parlament zu

umgehen, lenkt Reichspräsident Paul von Hindenburg

die Geschicke des Landes mit den

Reichskanzlern Brüning (1930 bis Mai 1932),

Franz von Papen (Mai 1932 bis November

1932) und Kurt von Schleicher (November

1932 bis Januar 1933).

Bei den Reichstagswahlen 1930 gewinnen

sowohl die Kommunisten als auch Adolf Hitlers

NSDAP viele Mandate dazu. Der innenpolitische

Kampf radikalisiert sich, Straßenschlachten

zwischen links und rechts sind an der Tagesordnung.

Bei erneuten Wahlen im Juli 1932

wird die NSDAP stärkste Fraktion. Im Januar

1933 ernennt Hindenburg Adolf Hitler zum

Reichskanzler. Die nationalsozialistische Diktatur

beginnt, Deutschlands junge Demokratie

erfährt den größten Rückschlag in ihrer Geschichte.

Unter der NSDAP-Diktatur werden

Parteien und Interessenverbände verboten, die

Institutionen der Gesellschaft gleichgeschaltet,

die Grundrechte außer Kraft gesetzt und statt

dem Glauben an die Verfassung herrscht Angst

vor der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges 1945

teilen die Alliierten Deutschland in vier

Beatzungszonen. Die Länder des alten Reiches

gibt es nicht mehr (zum Beispiel wird Preußen

1947 aufgelöst). In den westlichen Besatzungszonen

entstehen Gewerkschaften und neue

politische Parteien (Christlich-Demokratische

Union Deutschlands (CDU) 1945, Freie Demokratische

Partei (FDP) 1946), die SPD

nimmt ihre Arbeit wieder auf (erster Nachkriegs-

Parteitag 1946). Auf der Londoner Sechs-

Mächte-Konferenz einigen sich England, Frankreich,

die USA und die Benelux-Länder (Belgien,

Niederlande, Luxemburg) auf einen föderalistischen

westdeutschen Staat. Nach dieser

Vorlage tritt am 1. September 1948 der Parlamentarische

Rat zusammen. Dieser von Konrad

Adenauer (CDU) und Carlo Schmid (SPD) geleitete

Rat besteht aus Abgeordneten der bereits

gewählten Landtage und entwirft das Grundgesetz

– allerdings nur für die drei Westzonen.

In der sowjetischen Besatzungszone (SBZ)

werden 1945 antifaschistische Parteien zugelassen.

In diesem Jahr gründen sich die Kommunistische

Partei Deutschlands (KPD), die

SPD, die CDU und die Liberal-Demokratische

Partei Deutschlands (LDPD) und schließen sich

in einer Einheitsfront zusammen. Im März

1946 vereinigen sich SPD und KPD der SBZ

zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands

(SED). Es finden Gemeindewahlen statt, die

die SED mehrheitlich gewinnt. Der SED-Vorstand

beschließt 1948, die sowjetische Zone

zu einer Volksdemokratie zu machen und politisch

nach Osten auszurichten.

Am 23. Mai 1949 wird für die drei Westzonen

das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland

(BRD) verkündet, im August wird zum

ersten Bundestag gewählt. Konrad Adenauer

(CDU) wird der erste Bundeskanzler der BRD.

Am 7. Oktober 1949 wird in der sowjetischen

Besatzungszone die Deutsche Demokratische

Republik (DDR) gegründet, deren Verfassung

vom Deutschen Volkskongreß beschlossen

wurde. Die Abgeordneten zur Volkskammer

werden über Einheitslisten gewählt, erster Ministerpräsident

wird Otto Grotewohl (SED).

Damit gibt es zwei separate deutsche Staaten,

die demokratisch gegründet worden sind. Die

DDR entwickelt sich in der Folge zu einem sozialistischen,

undemokratischen Obrigkeitsstaat,

die BRD zu einer föderalistischen Demokratie.

Zum Abschluss: Alle Macht geht vom Volke

aus. Und so soll es auch in Zukunft bleiben.

Hanno Terbuyken

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