Die Social-Media - GFS Fundraising & Marketing GmbH

gfs.de

Die Social-Media - GFS Fundraising & Marketing GmbH

Ausgabe 4, Dezember 2011, G 52195

NEUES AUS DER WELT DES FUNDRAISINGS

TITELTHEMA

Mit Promis Duftmarken

setzen –

helfen Stars beim

Fundraising?

THEMA

Wie in einer Ehe –

das 14. Bad Honnefer

Fundraising Forum

THEMA

Ein deutlicher

Mehrwert –

Erbschaftsinitiativen

THEMA

Die Social-Media-

Hitparade –

pluragraph.de

Stars im

Fundraising


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Neues aus FUNDland

IMPRESSUM

Fred Fuchs, 2011

Jahrgang 13, Ausgabe 4, Dezember 2011, G 52195

HERAUSGEBER GFS Fundraising & Marketing GmbH

Linzer Straße 21, 53604 Bad Honnef

Tel.: +49 2224 918-250

Fax: +49 2224 918-260

E-Mail: fundiert@gfs.de

GESCHÄFTSFÜHRUNG Jörg Gattenlöhner, Arne Peper,

Michael Solzbacher, Axel Götz

REDAKTIONSLEITUNG Prof. Dr. Michael Urselmann

REDAKTION Dr. Udo Marquardt

GRAFIK/LAYOUT GFS Fundraising & Marketing GmbH

FOTOS GFS; S. 1+2: © istockphoto/Adam Kmiolek;

© Bigstockphoto: S. 4 Tomislav Forgo,

S. 5 Jinru Huang; S. 7 © Fotolia/elxeneize;

S. 9 Foto: privat; S. 8—9: © Bigstockphoto/

Darko Novakovic, © Fotolia/Steve Estvanik;

S. 10—11 © Bigstockphoto/Giko Der Artdirector;

S. 11 Foto C. Busch: Sandra Then

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne

Zustimmung des Herausgebers unzulässig. Das gilt für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfi

lmungen und ihre mögliche Verarbeitung.

FUNDIERT® ist ein eingetragenes Warenzeichen der GFS Fundraising & Marketing GmbH.


Arne Peper

Finanzen, Controlling

Editorial

Michael Solzbacher

Kreation, Produktion

Jörg Gattenlöhner

Marketing, Consulting

Weihnachten ist für Kinder und Fundraiser/-innen eine ganz besondere

Zeit. Die Kinder warten aufs Christkind und wir warten auf die ersten

Ergebnisse der großen Weihnachtskampagnen.

Um die spannende Wartezeit ein wenig zu verkürzen, legen wir Ihnen

die neue FUNDIERT ans Herz.

Darin blicken wir zurück auf das 14. Bad Honnefer Fundraising Forum

zum Thema Spenderbindung. Wir informieren Sie über Erbschaftsinitiativen

in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit Corinna Busch

haben wir über das Thema Prominente und Fundraising gesprochen.

Olav Boumann, deutscher Botschafter beim „International Fundraising

Congress, rät allen Fundraisern/-innen dringend, schon jetzt einen Besuch

beim nächsten Kongress in Noordwijkerhout einzuplanen. Und

schließlich stellen wir Ihnen pluragraph.de vor.

Im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der GFS wünschen

wir Ihnen frohe und friedliche Feiertage und alles Gute für das neue

Jahr.

Inhalt

03 Editorial

Axel Götz

Analysen, Data Solutions

04 Das 14. Bad Honnefer

Fundraising Forum

06 Die Social-Media-

Hitparade

07 Der Fundraising-Gipfel

08 Ein deutlicher Mehrwert

Über Erbschaftsinitiativen

10 Mit Promis Duftmarken

setzen

12 Neu bei der GFS

Termine

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4

Wie in einer Ehe

Das 14. Bad Honnefer Fundraising Forum

behandelte das Thema Spenderbindung

Jörg Gattenlöhner (GFS Fundraising

& Marketing GmbH) brachte es in

seiner Begrüßungsrede auf den

Punkt: Wer über Spenderbindung

nachdenkt, der muss über menschliche

Beziehungen nachdenken.

Wenn man weiß, was eine Ehe über

die Jahre zusammenhält, dann kann

man die Erkenntnisse daraus durchaus

auch auf das Fundraising übertragen

und für die Bindung von

Spendern nutzbar machen.

Den Zauber des Anfangs nutzen

Unter Bezugnahme auf den Paartherapeuten

Hans Jellouscheck

sprach Gattenlöhner über den Zauber

des Anfangs und der ersten Verliebtheit,

darüber, wie wichtig es ist,

miteinander im Gespräch zu bleiben

und immer auch den Blickwinkel

des Partners einzunehmen. Er zog

daraus den Schluss: Wenn jemand

bereit ist, sich neu für eine Organisation

zu engagieren, dann sollte man

diesen Zauber des Anfangs nutzen

und möglichst rasch versuchen, den

Spender dauerhaft an die Organisation

zu binden. Um diese Bindung

dann aufrechtzuerhalten, kommt es

darauf an, mit dem Spender Kontakt

zu halten und sich immer wieder

zu fragen, wie der eigentlich über

eine bestimmte Maßnahme denkt.

Zum Schluss zitierte Gattenlöhner

das „Fundraising-Urgestein“ Lothar

Schulz: „Eine hohe Spenderbindung

kann nur über Interaktion und persönlichen

Kontakt aufgebaut werden.“

Treue lohnt sich

Warum Spenderbindung wichtig ist,

das machte Prof. Dr. Michael Urselmann

(Fachhochschule Köln) in seinem

Einführungsvortrag deutlich. Bei

Kosten von 100 bis 200 Euro für die

Gewinnung eines Neuspenders zahlt

sich die Bindung von Spendern tatsächlich

in barer Münze aus. Allein

im ersten Jahr verliert eine Organisation

durchschnittlich 50 Prozent ihrer

Neuspender, danach liegt der Verlust

bei einem Drittel pro Jahr.

Wenn man diesen Trend verlangsamen

kann, hat das spürbaren Einfl

uss auf die Spendeneinnahmen.

Eine Halbierung der Abwanderungsquote

steigert die Spendeneinnahmen

rein rechnerisch um 50 Prozent.

Man sieht: Treue zahlt sich

aus. Entsprechend votierte Urselmann

für eine intensive Erstspenderbindung

trotz der entstehenden

Zusatzkosten. Und, ganz im Sinne

Jörg Gattenlöhners, betonte er:

Je früher man mit der Spenderbindung

beginnt, umso besser ist es.

Es gilt, den Zauber des Anfangs

zu nutzen.

„Friendraising“

Julia Biermann (Kindermissionswerk

Die Sternsinger“) referierte

über Spenderbindung via Internet.

Ihre Frage: Wie kann man die digitalen

Medien zur Spenderbindung

nutzen? Ihr Kernpunkt: Da das


Internet vielfältige Möglichkeiten

des Dialogs in beide Richtungen

bietet, ist es ein ideales Instrument

zur Spenderbindung. Vor allem die

sozialen Netzwerke eignen sich dazu

hervorragend, da hier zahlreiche

Förderer mit der Organisation und

untereinander kommunizieren können.

Allerdings machte Biermann

auch Einschränkungen. Das Internet

eignet sich nur dann zur Spenderbindung,

wenn man eine entsprechende

Zielgruppe hat.

Bei einer Spenderklientel mit einem

Durchschnittsalter von mehr als 70

Jahren ist es z. B. wenig hilfreich.

Zudem handelt es sich gerade bei

den Netzwerken wie Facebook weniger

um ein Fundraising-Instrument.

Spenden werden hier weniger

generiert. Biermann sprach von

„Friendraising“, also von einer reinen

Bindungsmaßnahme.

Gelebte Transparenz

Da die Referentin zum Thema Spenderreisen

kurzfristig hatte absagen

müssen, wurde das Thema in einer

Art Table-Session behandelt.

Michael Urselmann sprach mit Julia

Biermann, Cornelia Wolf (Stiftung

Kinderzukunft) und Rainer Küchler

(idea e.V. Evangelische Nachrichtenagentur)

über ihre Erfahrungen mit

Spenderreisen. Ähnlich wie beim

„Friendraising“ wurde auch hier der

nicht monetäre Benefi t der Spenderreisen

betont. Die Reisen werden

von den Spendern als gelebte Transparenz

verstanden, von der sie hinterher

begeistert berichten. Hier ist

also durchaus auch ein viraler Effekt

einzubeziehen.

Um den Zauber des Anfangs ging

es auch im Vortrag von Sabine Boos

(UNICEF). Sie sprach über die Bindung

von Neuspendern am Telefon.

Klares Fazit ihres Vortrags: je eher,

je besser. Dankanrufe nach der Erstspende

bieten nicht nur die Möglichkeit,

aus den Spendern Förderer

zu machen, die regelmäßig spenden.

Immerhin liegt die Umwandlungsquote

hier bei durchschnittlich

10 Prozent. Neuspender, die telefonisch

erreicht werden, spenden in

der Folge auch mehr. Und Förderer,

die über Face-to-Face-Maßnahmen

gewonnen werden, bleiben nach

einem Dankanruf deutlich länger bei

der Organisation als Förderer, die

diesen Anruf nicht erhalten haben.

Ihre Meinung ist uns wichtig

„Spenderbindung über Spenderbefragung“

war das Thema des Vortrags

von Dr. Manuela Schulz

(Amnesty International) und Axel

Götz (GFS Data Solutions GmbH).

Hier ging es nicht nur darum, mit

dem Spender im Dialog zu bleiben,

sondern auch darum, seine Sicht der

Dinge zu erfragen. Nicht nur die mit

durchschnittlich 20 Prozent sehr hohen

Responsequoten auf die Spenderbefragung

selbst zeigen, wie sehr den

Spendern der Dialog mit ihrer Organisation

am Herzen liegt.

Deutlich wurde das auch dadurch,

dass angeschriebene Spender, die

nicht auf den Fragebogen reagiert

hatten, trotzdem im Anschluss mehr

spendeten als zuvor.

Allein das Signal Amnestys, dass der

Organisation die Meinung ihrer Spender

wichtig ist, wird schon positiv gewertet

und schafft Bindung.

Wie wichtig das Thema Spenderbindung

den Fundraisern/-innen ist,

zeigte sich nicht nur an der Zahl von

mehr als 200 Teilnehmern am 14. Bad

Honnefer Fundraising Forum.

Die Diskussionen und Fragerunden

nach den einzelnen Vorträgen waren

äußerst lebhaft. Entsprechend dankbar

wurde die neu geschaffene Möglichkeit

angenommen, nach den Vorträgen

mit den Referenten noch in

einer Art Table-Session ins Gespräch

zu kommen.

UMA

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Die Social-Mediai pluragraph.de listet die Netzwerk-Aktivitäten von gemeinnützigen

Organisationen, Politik, Kultur und Verwaltung auf

Social Media sind in aller Munde, aber bislang gibt es

kaum Möglichkeiten, den Erfolg von Aktivitäten bei

Facebook, Twitter und Co. zu messen. Zwar kann jeder

Nutzer bei Facebook oder Twitter problemlos verfolgen,

ob die Zahl der „Likes“ und „Followers“ steigt oder sinkt,

aber ein Vergleich mit anderen ist schwierig.

Genau das will pluragraph.de ändern. Die Seite versteht

sich als „Plattform für Social-Media-Benchmarking und

Social-Media-Analyse im nichtkommerziellen Bereich.

Ziel ist eine möglichst vollständige Aufl istung der

Social-Media-Aktivitäten von gemeinnützigen Organisationen

(NPOs), Politik, Kultur und Verwaltung. pluragraph.de

bezieht sich auf Organisationen und Personen

im deutschsprachigen Raum.“

Die Nummer eins ist ...

pluragraph.de ist also so etwas wie die Charts der Social

Media. Hier können Organisationen vergleichen, wie

stark sie in den Netzwerken wahrgenommen werden.

Derzeit sind 1.441 Organisationen gelistet (Stand November

2011). So können sich z. B. Tierschutzorganisationen

vergleichen oder Katastrophenhilfeorganisationen.

Die Ergebnisse sind teilweise erstaunlich. So wird

Tierschutz wesentlich stärker wahrgenommen als Nothilfe

oder humanitäre Hilfe. Absoluter Spitzenreiter im

Netz ist die Amadeu Antonio Stiftung, die sich für eine

Gesellschaft ohne Rechtsextremismus, Rassismus und

Antisemitismus einsetzt.

Das Ranking von pluragraph.de basiert im Wesentlichen

auf vier Faktoren: den Likes jeder Facebook-Seite, den

Followern jedes Twitter-Profi ls, weiter der Anzahl derer,

die ein Profi l in den VZ-Netzwerken „gut fi nden“, und

der Anzahl der Listungen in einem Kreis von Google+.

Dazu kommen noch die Aktivitäten bei Flickr und

YouTube. Das Ranking, das so zustande kommt, sagt

nur etwas aus über die Follower- und Fan-Zahlen. Es

ist kein Urteil über die Qualität eines Profi ls oder einer

Organisation.

Keine raschen Auswirkungen auf das Fundraising

Der eigentliche Nutzen des Rankings für Organisationen

liegt darin, dass sie selbst beurteilen können, ob ihre

Social-Media-Aktivitäten insgesamt die Wahrnehmung

in der Öffentlichkeit steigern oder nicht. Ein direkter

Nutzen auch für das Fundraising dürfte sich daraus

mittel- bis langfristig ergeben.

pluragraph.de ist kostenlos. Organisationen können sich

problemlos selbst anmelden. Gegründet wurde die Plattform

von den drei Social-Media- und Online-Experten

Jona Hölderle, Niels Richter und Martin Fuchs.

UMA


Der Fundraising-Gipfel

Olav Boumann ist Gründer und Geschäftsführer

von Bouman Consulting. Er hat für

CBM und den WWF gearbeitet und ist Vater

der wohl erfolgreichsten Cause-related-

Marketing-Kampagne Deutschlands:

des Krombacher Regenwaldprojekts mit

Günther Jauch.

Olav Bouman im Interview über

„The International Fundraising Congress“ 2011

FUNDIERT: Herr Bouman, Sie sind

Offi cial Country Ambassador Germany

für den „International Fundraising

Congress“ (IFC) und waren in dieser

Eigenschaft natürlich auch beim Kongress

im Oktober 2011. Hat sich der

Besuch gelohnt?

Olav Bouman: Ja, der Besuch hat sich

gelohnt! Wobei der Besuch dieses Mal

mit vielen Aufgaben verbunden war,

die mit meinen Funktionen als Ambassador

für Deutschland und Mitglied

des Programmbeirats zusammenhängen.

Ansonsten muss ich sagen:

Ich gehe seit 15 Jahren zu dem

Kongress und habe es nie bereut.

Jeder Besuch war ein Quell der Inspiration.

FUNDIERT: Mit gut 1.000 Fundraisern

von etwa 450 Organisationen aus

63 Ländern ist der IFC sozusagen die

Vollversammlung der internationalen

Fundraising-Szene. Was gibt es Neues

an Themen und Trends?

Bouman: Das Programm bietet natürlich

einmal Standardthemen, die sozusagen

die Fundraising-Basics ab-

bilden für Leute, die neu dazukommen.

Dann gibt es Themen, die tiefer

gehen. In diesem Jahr war das Leadership.

Wie werden wir zu besseren Managern,

zu besseren Führungspersönlichkeiten?

Also ein Thema, das nicht

direkt auf das Fundraising bezogen

ist, sondern die Frage beinhaltet, wie

wir unsere Mitarbeiter motivieren,

eine gute Leistung zu bringen – und

das in einer guten Umgebung.

Ein anderes großes Thema war natürlich

das Social Networking. Wobei wir

da immer noch vor der Frage stehen,

ob wir uns schon in der „Erntephase“

befi nden – oder ob wir noch investieren

müssen.

FUNDIERT: Der IFC aus deutscher

Sicht: Wie stark waren deutsche

Organisationen und Agenturen vertreten?

Bouman: Ich war 1995 zum ersten

Mal beim IFC. Damals waren eigentlich

alle wichtigen Persönlichkeiten

des Fundraisings aus Deutschland

auch auf dem Kongress. Das hat sich

über die Jahre verändert. Im letzten

Jahr war dann ein Tiefpunkt mit nur

16 Teilnehmern aus Deutschland bei

rund 1.000 Besuchern insgesamt.

Das habe ich mit Sorge betrachtet,

denn Deutschland ist ja ein nicht

ganz unerheblicher Fundraising-

Markt.

Das möchte ich als Ambassador ändern.

In diesem Jahr waren es dann

schon wieder 30 Teilnehmer aus

Deutschland. Der Trend ist also gestoppt.

Aber wir möchten mehr Menschen

aus Deutschland zum IFC bringen,

nicht nur als Delegierte, sondern

auch als Referenten.

FUNDIERT: Warum lohnt sich ein Besuch

für deutsche Fundraiser/-innen?

Bouman: Einmal kann man sich zu

jedem Thema im Fundraising wirklich

gut informieren in den Vorträgen und

Workshops. Und das auf internationalem

Niveau. Man hat die Basics und

die neusten Trends an einer Stelle

konzentriert. Der andere Punkt ist der

Austausch mit Kollegen aus anderen

Ländern. Diese Gespräche sind höchst

inspirierend und mindestens so wichtig

wie die reine Wissensvermittlung.

UMA

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Ein deutlicher Mehrwert

Über Erbschaftsinitiativen in der Schweiz,

in Österreich und in Deutschland

Allein in Deutschland werden laut Auskunft des Deutschen

Instituts für Altersvorsorge bis zum Jahr 2020

rund 2,6 Billionen Euro vererbt. Von dieser gigantischen

Summe geht allerdings nur ein winziger Teil an gemeinnützige

Organisationen. Die Gründe dafür liegen nicht

etwa daran, dass Menschen gemeinnützige Organisationen

nicht durch ein Erbe unterstützen wollen. Es ist

viel einfacher. Wir beschäftigen uns nicht gern mit dem

Tod, schon gar nicht mit dem eigenen. Und deshalb

schieben wir das Thema Testament so lange vor uns her,

bis es zu spät ist.

Nüchterne Zahlen belegen das. Fast drei Viertel (74 Prozent)

aller Bundesbürger ab 18 Jahren haben weder ein

Testament verfasst noch einen Erbvertrag geschlossen.

Die Frage, wie mit dem eigenen Nachlass umgegangen

werden soll, rückt meist erst mit steigendem Alter in den

Blick.

Auch die Höhe des monatlichen Nettoeinkommens spielt

eine Rolle. Vereinfacht gesagt: Wenn wir etwas zu vererben

haben, machen wir uns mit zunehmendem Alter

Gedanken über ein Testament.

Den letzten Willen aktiv gestalten

Genau darin liegt eine Chance für gemeinnützige Organisationen.

Denn sie haben nur dann die Chance, bedacht

zu werden, wenn tatsächlich ein Testament vorliegt,

in dem sie berücksichtigt werden. Liegt kein Testament

vor, gehen sie leer aus. Auch wenn sich das Erbrecht

von Land zu Land unterscheidet, so ist es doch in

einem Punkt identisch: Wer nach seinem Tod eine gemeinnützige

Organisation bedenken will, muss ein Testament

machen. Deshalb haben sich in zahlreichen Ländern Organisationen

zu Erbschaftsinitiativen zusammengeschlossen.

Deren Botschaft lautet: „Bitte machen Sie ein Testament

und berücksichtigen Sie darin gemeinnützige Organisationen.

Gestalten Sie Ihren letzten Willen aktiv.“ Es handelt

sich also um Sensibilisierungskampagnen.

Beispiel Schweiz: handfeste Kennziffern für den

Erfolg

Kampagnen gibt es u.a. in den USA, in England, Irland,

Belgien und Spanien. In der Schweiz startete 2010

„MyHappyEnd“ als Zusammenschluss von zehn Organisationen.

Inzwischen sind 16 Organisationen beteiligt.

Die Kampagne scheint also zumindest aus Sicht der Beteiligten

ein Erfolg zu sein. Thilo Mangold, Mitarbeiter in

der Geschäftsführung von MyHappyEnd, bestätigt das:

„Ja, wir sprechen bei MyHappyEnd von einer erfolgreichen

Entwicklung. Messen können wir aber nur die Reichweite

unserer Sensibilisierungskampagne und die eingehenden

Beitrittsanfragen von Organisationen.

Schwieriger messbar ist etwa der Eingang von Legaten bei

den Mitgliederorganisationen, die eindeutig durch MyHappyEnd

ausgelöst wurden — aber sogar da werden erste Erfolge

gemeldet.“ Auch wenn sich der Erfolg der Kampagne

noch nicht direkt in einer steigenden Zahl von Legaten

beziffern lässt, so gibt es laut Mangold doch handfeste

Kennziffern: „Einzelne Mitgliederorganisationen erhielten

bereits Legate von Menschen, die über unsere Kampagne


auf die Möglichkeit, testamentarisch zu spenden, aufmerksam

wurden. Über 65 Organisationen haben sich

2011 für eine Mitgliedschaft interessiert, 2012 wird

MyHappyEnd weiter wachsen. Der TV-Spot erreichte

über zehn Millionen Bruttokontakte, der Gegenwert

der geschalteten Freespace-Inserate in Printmedien ist

riesig.“

Beispiel Österreich: Start im Frühjahr 2012

Der Erfolg von MyHappyEnd hat in den deutschsprachigen

Ländern für einige Bewegung gesorgt. In Österreich

formiert sich gerade eine vom Fundraising Verband

Austria (FVA) initiierte Kampagne. FVA-Geschäftsführer

Dr. Günter Lutschinger zum Stand der Initiative: „Bereits

24 Organisationen nehmen fi x am Projekt teil, mit

weiteren führen wir noch Gespräche. In den nächsten

Wochen werden wir uns intensiv mit der Recherche befassen,

um die Kampagne optimal ausrichten zu können.

Ab Frühjahr 2012 möchten wir sukzessive in die Öffentlichkeit

gehen. In einer breit angelegten Kampagne

werden wir das Thema „Erben für den Guten Zweck“ in

den Blickpunkt der Menschen rücken. Wir wollen sie

motivieren, über ein sensibles und mitunter tabuisiertes

Thema zu reden, Hemmschwellen abzubauen und Handlungen

zu stimulieren.“

Und Deutschland?

Auch in Deutschland gibt es inzwischen ernsthafte Bemühungen,

eine Erbschaftsinitiative auf den Weg zu

bringen. Eine Reihe von Organisationen sind miteinander

im Gespräch. Aber bis zum Start einer deutschen

Kampagne ist noch ein gutes Stück Weg. Die eigentliche

Aufgabe dabei ist es, unterschiedlichste Organisationen

auf einen Nenner zu bringen. Dr. Lutschinger über die

Erfahrungen in Österreich: „Die teilnehmenden Organisationen

sind sehr unterschiedlich, es sind sowohl große

als auch kleinere Organisationen dabei. Ebenso haben

sie einen sehr unterschiedlichen Hintergrund, angefangen

von Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen bis hin

zu den klassischen humanitären und Umweltorganisationen.

Und auch die internen Diskussionen mussten

geführt werden. Daher brauchte es auch seine Zeit, bis

die Kampagne starten konnte.“

Aber die Mühe lohnt sich. Das belegen die Schweizer

Erfahrungen. Thilo Mangold von MyHappyEnd betont

den Mehrwert der Initiative für die einzelnen Organisationen:

„Das Tabuthema ‚Sterben und Vererben‘ wird auf

mehrere Schultern verteilt, die Organisationen müssen

sich nicht exponieren. Außerdem sind die Leistungen

des Vereins offensichtlich nachgefragt: Neben der Sensibilisierungskampagne

mit TV-Spot, Webpage und

Füllerinseraten sind dies eine professionelle Geschäftsführung

und die Möglichkeit von Know-how-Transfer

und Austausch unter den Mitgliedern.“

UMA

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FUNDIERT: Frau Busch, Sie haben

die Internetseite stargebot.de initiiert.

Dort kann man Begegnungen

und Erlebnisse mit Promis für einen

guten Zweck ersteigern.

Wie schwierig ist es, an Promis zu

kommen, die sich für einen guten

Zweck einsetzen?

Corinna Busch: Mittlerweile ist das

nicht mehr schwierig. Als ich Stargebot

Your Charity World vor drei

Jahren gegründet habe, war es nicht

so einfach, weil es bis dahin in

Deutschland ein Charity-Auktionsportal

noch gar nicht gab. Die Prominenten

waren natürlich erstmal

ein bisschen vorsichtig. Aber das hat

sich gelegt. Jetzt haben schon viele

mitgemacht, die Begegnungen waren

immer sehr nett, die Menschen, die

etwas ersteigert haben, und die Prominenten

haben immer sehr viel

Spaß an den Abenden oder Tagen,

je nachdem, was es ist. Jetzt kommen

Prominente auch schon auf uns

zu und fragen an. Wir haben ja auch

mit einigen schon mehrere Auktionen

gemacht.

FUNDIERT: Welche Vorbehalte bei

den Stars gibt es, sich für eine Organisation

einzusetzen?

Mit Promis

Duftmarken setzen

Ein Interview mit der stargebot.de-Inhaberin

Corinna Busch über Prominente im Fundraising

Busch: Es gibt Prominente, die sich

wahnsinnig viel einsetzen und teilweise

ja auch eigene Charitys haben

und das sehr engagiert und

zeitintensiv betreiben. Und natürlich

gibt es auch Prominente, die bei

dem Thema eher zurückhaltend sind.

Bezogen auf Stargebot Your Charity

World wissen die Prominenten, dass

wir seriös sind, die Auktionseinlösungen

werden ja auch von uns immer

begleitet und dokumentiert. Natürlich

können die Prominenten gern

auf ihre aktuellen Projekte hinweisen.

Und sie können die Organisation,

für die sie sich mit der Auktion

einsetzen, vorstellen.

Es hat eigentlich nur Vorteile. Und

wenn man da vernünftig mit umgeht,

kommt niemand zu Schaden.

FUNDIERT: Wie fi nden Sie bei stargebot.de

die Stars, die mitmachen?

Busch: Es kommen sehr viele Stars

auf uns zu, die anfragen, ob wir

etwas zusammen machen können.

Es ist auch so, dass wir über all die

Jahre sehr viele sehr gute Kontakte

zu Prominenten aufgebaut haben

und wir dann auf sie zugehen: Wir

haben gehört, da kommt ein neuer

Film raus, willst du nicht vielleicht

ein Meet-and-greet zur Filmpremiere

versteigern? Oder: Jetzt geht wieder

die Golfsaison los, wollen wir nicht

eine Golfrunde versteigern? Das

ist ein gegenseitiges Nehmen und

Geben.

FUNDIERT: Nun sind Sie ja aus dem

Geschäft. Und Organisationen mit

einem großen Namen wie Greenpeace

oder Amnesty haben es auch

nicht schwer, Prominente zu fi nden,

die sich für ihre Sache starkmachen.

Aber wie geht eine mittelgroße oder

kleine Organisation die Sache an?

Busch: Da gibt es zwei klassische

Wege. Der eine Weg ist, man wendet

sich an uns. Die zweite Möglichkeit

ist, sich Prominente auszusuchen,

die gut zur Organisation passen

könnten und die vielleicht noch keine

Charity haben. Ja, und dann einfach

bei den Prominenten anfragen.

FUNDIERT: Wenn man jemanden für

seine Ziele begeistert hat, wie geht es

dann weiter?

Busch: Die Organisation sollte ihre

eigenen Ziele und Vorstellungen

ganz klar defi nieren. Man muss

überlegen, was man in der Koopera-


tion bewirken kann. Kann man ein

oder zwei Events initiieren, für die

sich der Prominente zur Verfügung

stellt? Kann man Presseinterviews

initiieren, bei denen der Prominente

über sein Engagement berichtet?

Beide Parteien sollten in Kooperation

entwickeln, wie die Zusammenarbeit

am besten und fruchtbarsten umgesetzt

werden kann.

FUNDIERT: Werbung mit Promis

generiert in jedem Fall Aufmerksamkeit,

aber wie sieht es mit der

Differenzierung gegenüber Wettbewerbern

aus?

Busch: Da muss jede Organisation

ihre eigenen USPs bauen, z. B. indem

sie einen tollen Event kreiert, der

jedes Jahr wiederholt wird. Wichtig

ist, dass man Menschen, die sich

für die Organisation interessieren,

die sich vorstellen können, sie zu

unterstützen, dass man die „offl ine“

zusammenbringt. Es ist einfach so,

wenn man z. B. an einem Tag oder

Abend zusammenkommt und dann

Die Medienunternehmerin und Grimme-Preis-

Trägerin Corinna Busch leitet das Charity-

Auktionsportal stargebot.de.

auf der Bühne durch einen Prominenten,

den Moderator, durch Betroffene,

durch Erkrankte auf die

Geschichte der jeweiligen Organisation

und ihre Anliegen hingewiesen

wird, dass das einfach die Menschen

viel mehr berührt. Und sie gehen aus

der Veranstaltung raus und sagen,

ja, die müssen wir mit Geld oder Zeit

unterstützen, die Sache ist wirklich

wichtig. In dieser Hinsicht können

Organisationen mit Hilfe von Prominenten

ihre Duftmarken setzen.

FUNDIERT: Wenn man sich ein

Portal wie „looktothestars.org“ anschaut,

dann hat man den Eindruck,

in den USA macht praktisch jeder

Promi in Charity. Warum tun sich

da deutschsprachige Stars schwerer?

Busch: Ich denke, es liegt daran,

dass in den angelsächsischen Ländern

ganz allgemein soziales Engagement

eine längere Tradition hat

als bei uns. Bei uns wird auch sehr

viel getan, keine Frage. Aber wenn

man sich beispielweise die Erlöse an-

schaut, die bei Charity-Auktionen

online oder offl ine erzielt werden,

dann hinken wir da hinter England

und Amerika wahnsinnig weit

hinterher. Wenn man in Deutschland

bei einer Charity-Veranstaltung

etwas versteigert, muss man immer

schon froh sein, wenn man für die

Dinge halbwegs vernünftige Preise

bekommt. In Amerika und England

gehen da die Preise viel, viel mehr

in die Höhe. Ich habe das bei einem

Charity-Event in England erlebt,

bei dem sogenannte Brandboxes

für eine Charity versteigert wurden.

Da waren also in den Boxen jeweils

zehn Topmarken, handgefertigte

Designerschuhe, die Mitgliedschaft

in einem exklusiven Fitnessclub

usw. Jede Box kostete 35.000 Euro.

Davon gab es zwölf Stück. Und die

waren in zwei Minuten weg. Das ist

in Deutschland D noch anders.

UMA

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+ Kurz Kurz notiert notiert +++ +++ Aktuelles Aktuelles +

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Neu bei der GFS

Janina Minde verstärkt ab sofort

als Senior-Beraterin das Marketing-Team

der GFS. Geboren in

Tarnowitz, Polen, hat sie in Bonn

Ethnologie studiert und ihren Magister

Artium gemacht.

Bereits während des Studiums war

sie im Deutschen Bundestag angestellt

und hat für mehrere Abgeordnete

die Öffentlichkeitsarbeit

gemacht. Im Anschluss ging es

dann zu der Katastrophen- und

Entwicklungshilfeorganisation

„HELP – Hilfe zur Selbsthilfe e. V.“.

Dort war Minde Referentin für

Öffentlichkeitsarbeit und PR.

Fachfrau für Fundraising und

PR

Da HELP mit zu den Gründungsmitgliedern

der „Aktion Deutschland

Hilft“ (ADH) gehört, war sie

bald auch ADH-Pressesprecherin,

zunächst ehrenamtlich, von 2004

bis 2009 dann hauptamtlich.

Es folgten ein Sabbatical und die

freiberufl iche Arbeit als Communication

Consultant für zahlreiche

Organisationen, verbunden mit

vielen Auslandsaufenthalten. So

reiste sie direkt nach dem schweren

Erdbeben vom 12. Januar 2010 in

Haiti für HELP als Nothelferin nach

Port-au-Prince.

In Kampagnen denken

Dass Janina Minde jetzt als Senior-

Beraterin Fundraising und PR-

Spezialistin für die GFS arbeitet,

drückt auch die Überzeugung des

GFS aus, dass Fundraising langfristig

nur dann erfolgreich sein

kann, wenn Konzepte ganzheitlich

als Kampagnen gedacht werden.

Privat lacht und liest Janina Minde

gern. Lieblingsbuch derzeit ist

„Homo Faber“ von Max Frisch. Sie

fährt gern Rad. Und es gibt gleich

drei Männer in ihrem Leben: Ehemann

Cornelius, dann Korbinian,

seines Zeichens Dackel und Janinas

treuer Cross-Walk-Partner im Siebengebirge.

Und schließlich ist da

Sohn Luca-Alexander, stolze sechs

Jahre alt und defi nitiv Mamas Boy.

UMA

31. Januar 2012

4. Fundraisingtag München

München

16. Februar 2012

Tagesseminar „SEPA für gemeinnützige

Organisationen“

Hannover

6. und 7. Februar 2012

Fundraising für Umwelt und

Entwicklung

Münster

29. Februar und 1. März 2012

Norddeutscher Fundraisingtag

Hamburg

13. März 2012

Mitteldeutscher Fundraisingtag

Jena

19. bis 21. März 2012

Fundraising für Hochschulen

Bad Boll

18. bis 20. April 2012

Deutscher Fundraising Kongress

Berlin

Für Richtigkeit und inhaltliche Qualität der aufgeführten Seminare

übernimmt die Redaktion der FUNDIERT keinerlei Gewähr.

Januar Februar März April

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