Der ultimative Dunkelhainführer

ingerigar

Bogumil Bouvier

Der ultimative Dunkelhainführer

Teil 6 Finstermoor ‐ das ehemalige Industriegebiet


Ich bin Bogumil Bouvier, Reiseschriftsteller, Fan des Übernatürlichen und nun schon recht

lange Stadtschreiber von Dunkelhain. Die Stadtschreiberwohnung teile ich mir mit meiner

Lebensgefährtin Lätitia Leibovitz, die für die Bilder zuständig ist und mich natürlich auch

sonst in allen Fragen berät. Wir haben uns in Dunkelhain schon ganz prächtig eingelebt.

Und nun lernen wir allmählich auch die Randgebiete des Städtchens kennen.

Gegenstand unserer Recherchen für die vorliegende

Ausgabe des "Ultimativen Dunkelhainführers" war

Finstermoor ­ ein eher abgeschiedenes und unbekanntes

Gebiet am südöstlichen Rand des Binnensees.

Früher war hier allerlei Industrie angesiedelt. Vieles

wurde abgerissen, einiges ist stehengeblieben, manches

scheint einfach vergessen worden zu sein. So finden sich

hier noch Reste der alten Bahnanlage.

Aber es ist auch neues Leben eingekehrt. Die eine oder

andere neue Fabrik wurde saniert und einem neuen

Zweck zugeführt. Auf einem Teil des Bahngeländes

entstand der Filmpark "ShotaMovie". Eine Diskothek, ein

Fitnesscenter und ­ ganz neu! ­ ein Zentrum für Kunst

und Kultur wurden in alten Fabriken angesiedelt. Wir

haben alles gründlich angeschaut und geben Ihnen Tipps

zur Freizeitgestaltung.

Gerade rechtzeitig lernten wir den Architekten und Denkmalpfleger Theobald Ziller kennen,

der sich mit der Erhaltung alter Industriegebäude beschäftigt. Die meist robusten und

dauerhaften Industriebauten bieten seiner Ansicht nach eine Fülle von neuen Nutzungsmöglichkeiten.

Ihm danken wir für seine kenntnisreichen Erläuterungen.

Wir danken ­ wie immer ­ auch den Mitarbeitern des Hokuspokus­Verlags, die uns bei allen

Schwierigkeiten eine große Hilfe waren.

So können wir Ihnen nun endlich auch den sechsten Teil des Führers vorstellen.

Bogumil Bouvier

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Inhalt

Stadtrundgang 6 (Karte) 4

­ Filmpark "ShotaMovie" 5

­ Besuch im Fitnesscenter "Muskelproduktion Inc." 7

­ Besuch in der Diskothek "Milchbar" 10

­ "Zentrum für Kunst und Kultur" in der alten Fabrik 12

­ Ein Tag auf dem Angelplatz "Chitang" 16

Wissenswertes über Industriedenkmalspflege 19

Die Geschichte Dunkelhains am Teufelsmoor 20

Bilder aus Finstermoor 22

Alte Sagen vom Finstermoor 24

So leben Prominente in Dunkelhain: David Copperman 26

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Stadtrundgang 6

Unser Stadtrundgang führt uns von der Dunkelhainer Teufelsbucht kommend über die Brücke

auf die Jebidah­Allee ins Industriegebiet Finstermoor. Wir biegen dann nach links ab zum

Filmpark. Von dort gehen wir den Flussweg entlang zum Fitnesscenter "Muskelproduktion

Inc." und zur Diskothek "Milchbar". Wir biegen dann links ab in den Heringsfarmweg. Vorbei

an der "Metallverwertung Rostig" gelangen wir zum "Zentrum für Kunst und Kultur" in der

Alten Fabrik. Alternativ führt uns der Weg den Flussweg entlang in die andere Richtung zum

"Angelplatz "Chitang".

Je nach Zeit und persönlichem Interesse wird der Besuch von Filmpark, Fitnesscenter,

Angelplatz, Diskothek oder Kulturzentrum im Vordergrund stehen. Der Besuch dieser

Lokalitäten nimmt jeweils mehrere Stunden Zeit in Anspruch. Sie werden also je nach Laune

oder Tageszeit wählen müssen. Die Diskothek ist erst ab 18 Uhr geöffnet, das Kulturzentrum

schon ab 10 Uhr, der Angelplatz rund um die Uhr.

Empfohlene Kombinationen: Tagsüber Filmpark und anschließend Diskothek oder Angelplatz am

Tage, Besuch des Kulturzentrums am späten Nachmittag oder Abend.

1 Filmpark "ShotaMovie"

2 Fitnesscenter "Muskelproduktion Inc."

3 "Altes Stellwerk" (Copperman)

4 Diskothek "Milchbar"

5 "Metallverwertung Rostig"

6 "Zentrum für Kunst und Kultur"

7 Bauernhof Nibelung

8 Angelplatz "Chitang"

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Von der Brücke kommend sehen wir das große Gelände des Filmsets "ShotaMovie" schon

vor uns liegen. Um an der Besichtigungstour teilzunehmen, gehen Sie zur ersten Tür beim

Parkplatz neben dem Schnellimbiss bzw. den Toiletten.

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Mit etwas Glück dürfen Sie im Studio bei einer echten Filmszene zuschauen. "Drei, zwei,

eins – Bombe!", ruft der Regisseur. Und in der Hotellobby beginnt alles ganz furchterregend

zu wackeln. Natürlich ist alles nur eine Kulisse, eins zu eins nachgebaut, zu 360 Grad

bespielbar. Und natürlich wackelt hier nichts wirklich: Die Kameraleute ruckeln nur

geschickt an ihren Kameras. Es muss Bewegung ins Spiel, schließlich sollen an diesem

Drehtag Soldaten das Hotel stürmen. ­ So oder anders, Sie sind live dabei!

Im Anschluss können Sie noch durch die Filmkulissen im Freien streifen und sich dabei in

südlicher Landschaft oder wie in einem Western fühlen.

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Besuch im Fitnesscenter "Muskelproduktion Inc."

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Vom Filmpark ist der Weg nicht weit zum Fitnesscenter "Muskelproduktion Inc.".

Freuen Sie sich auf ein großzügig bemessenes Sportstudio, in dem Sie nahezu alles finden

werden, was Ihnen gefallen könnte. Die ehemalige Fabrik bietet genügend Raum dafür.

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Im Erdgeschoss des Fitnesscenters befindet

sich die große Schwimmhalle mit Galerie im

1. Obergeschoss, von wo aus man dem

Treiben im Becken bequem zuschauen kann.

Außerdem gibt es zwei große Sporthallen:

eine Gymnastikhalle und eine Gerätehalle für

Kraft­ und Ausdauertraining.

Im 1. Obergeschoss befindet sich neben

Duschen und Toiletten noch eine Bar mit

Imbiss. Im 2. Obergeschoss ist die Abteilung

für asiatischen Kampfsport untergebracht,

eine Tischtennishalle und ein Raum mit

Whirlpools ergänzen das Angebot.


Besuch in der Diskothek "Milchbar"

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Gleich neben dem Fitnesscenter finden Sie die Diskothek "Milchbar". Den doch eher

ungewöhnlichen Namen verdankt sie weniger den angebotenen Getränken als vielmehr der

chicen weißen Einrichtung. Ab 17 Uhr bis 4.00 Uhr früh ist täglich geöffnet. Hier trifft sich

ganz Dunkelhain zum Abtanzen.

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"Zentrum für Kunst und Kultur" in der alten Fabrik

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Der Weg führt den Flussweg vorbei am Fitnesscenter "Muskelproduktion Inc." und der

Diskothek "Milchbar" bis zur "Metallverwertung Rostig". Hier biegen wir nach links in den

Heringsfarmweg ein. Vorbei am Schrottplatz gelangen wir zum "Zentrum für Kunst und

Kultur", das seinen Platz in einer abgewirtschafteten Fabrik gefunden hat und diese nun

mit neuem Leben füllt. Das Gebäude aber sollte möglichst unverändert erhalten bleiben.

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Treppenhaus und Blick auf die Glasbläserei

Kunstwerkstatt

Kunstwerkstatt

Musikstudio

Musikstudio

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Ausstellungsraum

Tanzstudio

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Imbiss

Kinosaal

Foyer

Kleiner Vortragssaal

Kellerbühne

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Ein Tag auf dem Angelplatz "Chitang"

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Wer sich entschlossen hat den Angelplatz zu besuchen, geht den Flussweg entlang

stadtauswärts. Der Angelplatz "Chitang" ­ der Name deutet es schon an ­ wurde im

chinesischen Stil gestaltet und ist als ruhiger Freizeitpark zum Erholen sehr beliebt. Hier

gibt es vielerlei ausgewiesene Angelstellen, verschiedene Aussichtspunkte, die besonders

die Landschaftsfotografen anlocken, einen chinesischen Pavillon, eine kleine Imbissbude,

einen idyllischen Grillplatz, Toiletten und eine Lama­Haltestelle am Ausgang.

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Wissenswertes über Industriedenkmalspflege

Die Idee der Industriedenkmalspflege ist ausgerichtet auf die Erhaltung und neue Nutzung

von Industriedenkmalen im Sinne einer ressourcenschonenden, nachhaltigen Entwicklung

sowie auf die Dokumentation, Erforschung und Vermittlung der Industriegeschichte.

Industriedenkmale sind Ausdruck gesellschaftlicher Leistung sowie Zeugnis baulicher

Entwicklung. Für die kulturelle Identität sind sie von gleicher Bedeutung wie Schlösser und

Burgen, Natur und Landschaft, Sprache und Musik. Erhaltung und Pflege der Baudenkmale

sind Zeichen von Bildung und Verantwortung.

Für die bisherigen Industriekultur­Bewegungen ist typisch, dass sie aus gesellschaftlichen

Notsituationen heraus entstanden sind. Mit dem Strukturwandel ­ ausgelöst durch die

Krisen bestimmter Industriezweige ­ brach in den letzten Jahrzehnten in manchen Regionen

ein ganzes gesellschaftliches System zusammen.

Der zunehmende Verfall und der drohende Abriss der letzten Zeugnisse einer meist weit

zurückliegenden wirtschaftlichen Blütezeit wurden von der regionalen Bevölkerung als

existentieller Angriff auf die eigene Identität begriffen. Der Kampf für den Erhalt war damit

immer auch ein politisches Projekt und ein Projekt gesellschaftlicher Anerkennung.

Inzwischen hat sich deutlich gezeigt, dass alte Fabrikgebäude äußerst vielseitig und flexibel

umgenutzt werden können. Von gewerblichen über kulturelle und gastronomische

Nutzungen bis hin zur Wohnnutzung ist ein breites Spektrum an Möglichkeiten gegeben.

Die größten Schwierigkeiten beim Substanzerhalt treten in Form von funktionalen

Ansprüchen der neuen Nutzer auf. Hier zeigt sich ein klarer Konflikt zwischen dem Erhalt

von identitätsstiftenden Werten und funktional­wirtschaftlichen Interessen. In dieser Frage

kann auch die Denkmaltheorie nur Anhaltspunkte bieten. Die konkreten architektonischen

Lösungen müssen jeweils am einzelnen Objekt geklärt werden.

Es hat sich gezeigt, dass bestimmte Bauelemente, wie Fenster und technische Ausstattung,

bei alten Fabriken aus funktionalen Anpassungsgründen gefährdeter sind als andere. Einige

historische Zeugnisse, wie Gebrauchs­ und Altersspuren oder alte Pflasterung, scheinen in

ihrer Wirkung auf den architektonischen und ästhetischen Gesamteindruck noch sehr

unterbewertet zu sein: Sie wurden in vielen Fällen leichtfertig beseitigt. Die leitenden

Kriterien bei der Umgestaltung sollten immer sowohl stilistische als auch bauphysikalische

Dauerhaftigkeit zum Ziel haben. (Theobald Ziller)

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Die Geschichte Dunkelhains am Teufelsmoor

Dunkelhain am Teufelsmoor besteht aus mehreren früher eigenständigen Ortsteilen, die

schließlich zu einem Städtchen zusammenwuchsen.

Nebelhausen ­ die Innenstadt, liegt am Nordufer des Binnensees. Noch weiter nördlich

schließt sich Finsterfelde, der locker besiedelte ländliche Teil mit vereinzelten Gehöften an.

Über die Inseln Silberfels, die zauberhafte Feeninsel im Westen, und Düsterstrom, weiter

im Osten des Binnensees gelegen, erreicht man Dunkelwasser und Finstermoor, die

zusammen das Teufelsmoor bilden.

Die Anfänge Dunkelhains verbergen sich wortwörtlich im dichten Nebel Nebelhausens.

Einzig die „Sage um Nebelhausen“ gibt einige Hinweise: „Dunkelhain war am Anfang nur eine

winzige Siedlung im großen Sumpfgebiet rund um das Teufelsmoor. Die kleinen Hütten

standen weit auseinander, halt immer da, wo sich ein kleines trockenes Plätzchen fand.“

Wir können davon ausgehen, dass die Siedler im Teufelsmoor sich in den Anfängen recht

kärglich durch Sammeln, Fischen und Jagen ernährten.

Der erste Aufschwung kam wohl, als die Insel Silberfels mitten im Binnensee besiedelt

wurde. Diesen neuen Siedlern gelang es, aus Silberfels ein kleines buntes Paradies zu

erschaffen. Kein Wunder, dass man vermutet, sie hätten das nur durch ihre magische

Energie vermocht. Vielleicht war es aber doch die geografisch günstige Lage, die ihnen half.

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Das Teufelsmoor ­ vor allem der heutige Ortsteil Dunkelwasser ­ blieb weiterhin dünn

besiedelt von düsteren Gestalten, die ihren eigenen dunklen Geschäften nachgingen und sich

wenig um die Geschicke der anderen scherten. Noch heute trifft man hier meist mürrische

Einzelgänger, die die neugierigen Touristen misstrauisch beäugen oder ihnen geschickt das

Geld aus der Tasche ziehen.

Ganz anders dagegen verlief die Entwicklung im Ortsteil Finstermoor. Hier wurde Torf

gewonnen und das Moor nach und nach trocken gelegt. Es entstanden zunächst einige

Torfwerke. Später dann siedelte sich auch andere Industrie dort an. Das machte eine bessere

Verkehrsanbindung nötig, so dass Schienen für die Eisenbahn verlegt und ein Güterbahnhof

gebaut wurde.

So brachte der industrielle Aufschwung allmählich ganz Dunkelhain Gewinn und

bescheidenen Reichtum.

Mit dem Entstehen einer wachsenden Mittelschicht und deren Bedürfnis nach geeignetem

Wohnraum dehnten sich die Außenbereiche von Nebelhausen nach Westen und Osten aus.

Zur Förderung der Jugend wurde in der Innenstadt eine Schule gebaut ­ die

"Schreckensakademie" ­ und die "Düsterbibliothek" eingerichtet. Später kam noch das

"Schmerz von Dunkelberg­Hospital" dazu. Damit wurde Dunkelhain zu einem

Bildungszentrum für das gesamte umliegende Gebiet.

Der Wohnraum wurde nun knapp, und so mancher, der es sich leisten konnte, wollte der

Enge Nebelhausens entfliehen. Im etwas abgelegenen Ortsteil Düsterstrom, wo sich viel

Platz zum Bau großer Villen bot, erbauten die Reichen ­ oder sagen wir die Vampire und

Finanzhaie ­ ihre protzigen Domizile.

Neugierige Touristen kommen deshalb gerne hierher, um vielleicht einen Blick auf den einen

oder anderen Prominenten zu erhaschen.

Der Tourismus zog in Dunkelhain ein, als man die Schwefelquelle entdeckte. Der Stadtrat

bewies Weitsicht und ließ die "Dunkelhainer Schwefeltherme" errichten. Diese zog nun

Heilungssuchende von überall her an, denn der Therme wurden wahre Wunderkräfte

nachgesagt. So erlangte Dunkelhain bald Berühmtheit als Kurort.

Damit kamen auch immer mehr Touristen, die diesen reizvollen und rätselhaften Ort

erkunden wollten. Neue Geschäfte, Cafés und Restaurants wurden eröffnet, die "Galerie in

den Dunkelhainer Höfen" eingerichtet. Dunkelhain prosperierte, und die alte Industrie wurde

immer nebensächlicher für die Stadt.

In den letzten Jahrzehnten begann der Verfall der Dunkelhainer Industrie. Werke wurden

unrentabel, blieben leer stehen und verfielen, die Schienen nicht mehr gebraucht und von

Vandalen zerstört. Finstermoor rottete mehr oder weniger vor sich hin. Die

Herausforderungen der neuen Zeit bestehen nun darin, nicht mehr benötigte

Industrieanlagen „umzunutzen“, d. h. sie möglichst als historische Denkmäler zu erhalten,

aber einer anderen Nutzung zuzuführen. Ein schönes Beispiel dafür ist das neu erstandene

"Zentrum für Kunst und Kultur".

Für diesen Beitrag danken wir Luzibald Lewandowski, Archivar der "Düsterbibliothek", der

sich als exzellenter Kenner der Geschichte Dunkelhains am Teufelsmoor weit über die

Grenzen des Städtchens hinaus einen Namen gemacht hat.

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Bilder aus Finstermoor

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Alte Sagen vom Finstermoor

Von Irrlichtern und Nachtwischen

So rankten sich um die Irrlichter, die man auch Nachtwische nannte, allerhand Geschichten

und Überlieferungen:

Nachtwische tauchten als kleine blaue Flämmchen auf, die oft vor jemand herliefen, der

müde von der Arbeit im Moor heimging, jäh verschwanden, um plötzlich wieder zu

erscheinen. Ein hiesiger Tagelöhner rief einmal einem Flämmchen zu: "Naachtwisch,

Naachtwisch, Hawwerschtroh, dei Seel werd nimmie froh!", worauf das Flämmchen dem

Mann nachlief bis ans Haus und, weil er flugs die Tür hinter sich zuschlug, ein Loch in diese

brannte. Auch das Ärgern und Uzen vertragen die Irrlichter nicht. Ein Knecht, der ihnen vom

Fenster aus zusah, rief im Übermut: "Errwisch, Errwisch, Hawwerschtroh, dei aarmie Seel

werd nimmie froh!" Da erbosten die Irrwische und stürzten sich auf ihn. Man konnte meinen,

die ganze Stube sei voll Feuer und einige Male knallte es derart, dass es sich anhörte, wie

eine gewaltige Explosion. Es war aber nichts anderes, als das Geräusch der Schläge, die der

Knecht hinter die Ohren und auf noch ganz andere Körperteile bezogen hatte.

Einmal ging ein armer Tropf aus Finsterfelde Birkenreiser schneiden. Er wollte damit

Stallbesen herstellen, um mit dem Erlös seinen acht Kindern besser die Mäuler stopfen zu

können. Bei der Arbeit wurde er von der Dunkelheit überrascht und als er aus dem Wald trat,

sah er in Richtung Düsterstrom ein Licht. In der Annahme, es sei das Licht von einem Haus,

ging er darauf zu. Das Irrlicht aber wanderte ihm die ganze Nacht voraus und als der Morgen

graute, war der Mann noch eine Wegstunde vom Haus entfernt. Das Bündel mit den

Besenreisern hat dabei auf seinem Rücken nicht mehr gedrückt als eine Hühnerfeder, auch

war er auf seiner langen Wanderung weder müde noch hungrig geworden.

Auf einem Stoppelacker in der Moddergrube hat ein Finsterfelder Bauer beim Mistfahren

seine Frau am Fuhrwerk verloren. Weil er sie nicht selbst findet, ruft er den Irrwisch und

verspricht ihm fünf Gulden, wenn er ihm bei der Suche hilft. Um die Frau wird es plötzlich

hell, und so kann sie der Bauer leicht sehen. Dann fahren sie heim; der Irrwisch sitzt hinten

auf dem Fuhrwerk. Zu Hause angekommen holt der Bauer fünf Gulden und legt sie aufs

Sitzbrett. Der Irrwisch nimmt sie und verschwindet. Im Sitzbrett aber sind seither fünf

eingebrannte Stellen zu sehen.

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Einst lag im Finstermoor noch

ein Woog (stehendes Gewässer)

neben dem anderen und solche

Moorlöcher, in denen Irrlichter

hausten, gab es zuhauf.

Die Irrlichter waren tatsächlich

Sumpfgase, die mit kleinen

blauen Flämmchen brannten.

Man sah sie am besten, wenn

es abends nach einem heißen

Sommertag duster wurde und

die Moorfrösche ihr Konzert

begannen.

Allerdings wusste man nichts

von der Herkunft der Flammen,

und hielt sie für unerlöste

Seelen, die keine Ruhe fanden.


Viele Jahrhunderte wurde das Moor als düsterer, abweisender und unheimlicher Ort erlebt,

vor allem in der Dämmerung, wenn dichte Nebel aufzogen.

Der Knabe im Moor von Annette von Droste Hülshoff

O schaurig ist's übers Moor zu gehn,

Wenn es wimmelt vom Heiderauche,

Sich wie Phantome die Dünste drehn

Und die Ranke häkelt am Strauche,

Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,

Wenn aus der Spalte es zischt und singt,

O schaurig ist's übers Moor zu gehn,

Wenn das Röhricht knistert im Hauche!

Fest hält die Fibel das zitternde Kind

Und rennt als ob man es jage;

Hohl über der Fläche sauset der Wind ­

Was raschelt da drüben im Hage?

Das ist der gespentische Gräberknecht,

Der dem Meister die besten Torfe verzecht;

Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind!

Hinducket das Knäblein sich zage.

Vom Ufer starret Gestumpf hervor,

Unheimlich nicket die Föhre,

Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,

Durch Riesenhalme wie Speere;

Und wie es rieselt und knittert darin!

Das ist die unselige Spinnerin,

Das ist die gebannte Spinnlenor',

Die den Haspel dreht im Geröhre!

Da birst das Moor, ein Seufzer geht

Hervor aus der klaffenden Höhle;

Weh, weh, da ruft die verdammte Margret:

"Ho, ho, meine arme Seele!"

Der Knabe springt wie ein wundes Reh,

Wär'n nicht Schutzengel in seiner Näh',

Seine bleichenden Knöchelchen fände spät

Ein Gräber im Moorgeschwehle.

Da mählich gründet der Boden sich,

Und drüben, neben der Weide,

Die Lampe flimmert so heimatlich,

Der Knabe steht an der Scheide.

Tief atmet er auf, zum Moor zurück

Noch immer wirft er den scheuen Blick:

Ja, im Geröhre war's fürchterlich,

O schaurig war's in der Heide!

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So leben Prominente in Dunkelhain: David Copperman

Das chicste Haus von Dunkelhain soll im Industriegebiet zu finden sein. Stimmt das denn?

Wir waren natürlich neugierig und gespannt. Nun ist das keine herkömmliche Villa, sondern

ein entkerntes und umgestaltetes Stellwerk im früheren Bahnhofsbereich. Von außen blieb es

weitgehend unverändert.

Bei dem neuen Besitzer handelt es sich um den

bekannten Zauberkünstler und Illusionisten David

Copperman ­ landesweit bekannt unter dem

Künstlernamen Daniel der Dunkle. Er scheint

sehr begabt zu sein, denn er ist noch recht jung

und hat sensationell schnell Karriere gemacht!

Das Gebäude bewohnt er zusammen mit seiner

Lebensgefährtin Tina Tyler, die auf dem besten

Wege ist, ein berühmter Rockstar zu werden.

Beide stammen aus Dunkelhain und sind in recht

einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Sie sagen

übereinstimmend, dass sie dem "Zentrum für

Kunst und Kultur" hier in Finstermoor, dem

ehemaligen Industriegebiet, viel zu verdanken

haben, weil sie dort immer kostenlos üben

durften. Deshalb ist es ihnen nun auch ein

Anliegen, ihren Beitrag zu Erhaltung und Pflege

der alten Industriebauten zu leisten.

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Auf diesem Bild kann man gut erkennen, dass das Coppermansche Anwesen mitten im

Industriegebiet liegt. Ein paar alte Gleise sind noch übrig geblieben. Wenn man sich an

solcher Aussicht nicht stört, kann man hier sehr schön abgeschieden und von aufdringlichen

Paparazzis unbehelligt auch als bekannter Star leben. David Copperman und seine

Lebensgefährtin wissen das zu schätzen.

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Da wir David Copperman schon längere Zeit privat kennen, war es natürlich ein Leichtes zu

Informationen und Bildern zu kommen. So besuchten wir die Coppermans voll Freude auf

einen netten Abend. Und wir waren tief beeindruckt von diesem Loft mit den alten ­

aufgefrischten ­ Mauern und der ansonsten sehr modernen Einrichtung. Es ist wohl dieser

Kontrast, der den speziellen Reiz ausmacht.

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Zunächst ließen wir es uns schmecken. Tina ist eine ganz hervorragende Köchin, wie wir

feststellen durften.

Nach einem kleinen Digestif, durften wir uns dann gründlich umsehen:

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Und dann gibt es noch das

tolle Musikstudio im Turm ...

... und das Kellergeschoss mit

Pool und Sauna.

Wir haben den Abend sehr

genossen!

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Das erwartet Sie im nächsten Heft

Finsterfelde

­ das ländliche Gebiet im Norden

Freuen Sie sich auf:

­ den idyllischen Angelwald

­ eine Landkommune

­ einen Fischerhof

­ und vieles mehr

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