DIE WIRTSCHAFT

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Branchen &Betriebe: Westfalen

und Euro-Alkohol kooperieren

Seite 9

Geld &Geschäft: Die

Zahlungsmoral wird besser

Seite 17

Leben &Wissen: Wie lange gibt

es noch das Arbeitszeugnis?

Seiten 25/26

DIE WIRTSCHAFT

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Münster |Münsterland

Ausgabe 1/15 |Dienstag, 24. Februar 2015 www.die-wirtschaft-muensterland.de Einzelpreis: 2,00 Euro

Aschendorff Verlag GmbH &Co. KG | Soester Straße 13 | 48155 Münster | PVST88690

Von wegen alles Jacke

Der Fachkräftemangel wird auch für die Unternehmen im Münsterland zur Herausforderung. Helfen

könnten ein breiter Schulterschluss und eine gemeinsame Strategie, um zu finden und zu binden.

Gesucht. Gefunden. Das war einmal.

Unternehmen –vom kleinen Handwerksbetrieb

bis zum großen Mittelständler

–werden es künftig schwererhaben,

die passenden Mitarbeiter

zu finden und zu binden. Engpässe

drohen, wenn sich Prognosen erfüllen,

die für das Jahr 2030 in NRW

einen Fachkräftebedarf von über

890 000 voraussagen. Schon in fünf

Jahren wird der demografischeWandel

auch im Münsterland jeden treffen,

sagen Experten.

Der Wandel kommt schleichend.

Während Münster

mit seinem beneidenswerten

Bevölkerungszuwachs

noch voneinem deutlichen

Plus in der mittleren und berufstätigen

Altersgruppe profitiert, müssen sich die

Kreise rundum längst sputen. In Regionen

wie dem Westmünsterland, in dem

man mit einer Arbeitslosenquotevon aktuell

4,5 Prozent schon fast auf eine Vollbeschäftigung

zusteuert, ist der Arbeitsmarkt

bereits heute invielen Bereichen

wie leer gefegt. Nicht nur das: Auch

Unternehmensnachfolger und Existenzgründer

werden dort gesucht. Unterm

Strich stellt sich schneller als gedacht die

Frage, wie es morgen noch um Wettbewerbsfähigkeit

und Wertschöpfung bestellt

sein wird. Erste Bremsspuren in

einer Zeit, in der man trotz einer weltpolitisch

unübersichtlichen Lage konjunkturell

noch ein Plus registriert.

Stichwort Schulabgänger: Im Jahr 2010

verabschiedeten die allgemeinbildenden

Schulen im Münsterland noch 20 417Jugendliche.

Schon im Jahr 2020 werden es

nur noch 16 648 sein. Ein Minus von

18,46 Prozent. Fortsetzung Seite 2

Bitte anprobieren! Unternehmen müssen aufpassen, dass Jacken und Helme nicht im Schrank hängen bleiben.

Foto: Peter Endig

OFFEN GESAGT

Stamm(es)kräfte

Wie wird esdem Häuptling morgen

ergehen –mit seiner dezimierten,

schon ins Alter gekommenen

Zahl tapferer Stammesmitglieder, ganz

ohne junge Indianer? Wird er so zu

neuen Jagdgründen aufbrechen, Tipis

und Ponyherde schützen können?

Vor allem Unternehmen in gleichermaßen

technisch wie kaufmännisch ausgerichteten

Branchen schauen wie

unser Häuptling skeptisch in die Zukunft.

Wenn gegenwärtig die Suche

nach versierten Mitarbeitern schon aufwendig

ist, so wird sie morgen noch

mühsamer werden. Zweige, die absehbar

vom Fachkräftemangel stärker als

andere betroffen sind, müssen sich immer

kräftiger und kreativer ins Zeug

legen, um die erforderliche Kopfstärke

im Betrieb sicherzustellen.

Unabhängig vom unumkehrbaren Bevölkerungsrückgang

rächt sich jetzt der

Akademisierungswahn vergangener

Jahre. Er hat mit dafür gesorgt, dass

sich 2013 erstmals mehr Schulabgänger

für ein Studium als für eine Berufsausbildung

entschieden haben. Dass

unterdessen manch einer an der Universität

am Arbeitsmarkt von morgen

vorbeistudiert, ist mehr als ärgerlich.

Dabei hätten viele junge Menschen die

Chance, zum Beispiel als Meister, Techniker

oder Fachwirt beruflich erfolgreich

zu sein.

Berufliche Bildung, allen OECD-Forderungen

zum Trotz ein deutsches Erfolgsprodukt,

braucht auch deshalb

neuen Rückenwind und keine Bremser.

Gegen den Fachkräftemangel, den das

Münsterland mit seiner guten Beschäftigungslage

bald zu spüren bekommen

wird, muss überdies gemeinsam vorgegangen

werden. Gefühlte und echte

Grenzen darf esnicht mehr geben.

Denn es wäre fatal, wenn die Region

aus Mangel an Stamm(es)kräften ihre

gute Wettbewerbsfähigkeit verlieren

würde.

wk

„Wirtschaft“ wirkt

Arbeitgeber fordern Einführung eines eigenen Unterrichtsfachs an den Schulen

Lernen fürs Leben: Ein Fach „Wirtschaft“

könnte dabei helfen.

Foto: dpa

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2 0 0 0 9

Der Tweet einer Schülerin hat es

deutlich gemacht: Wirtschaftsfragen

spielen im Unterricht offenbar immer

noch eine zu geringe Rolle.

Wirtschaft muss ein

eigenständiges Unterrichtsfach

an allgemeinbildenden

Schulen

in NRW werden.

So weit gehen die Arbeitgeberverbände

Ruhr/Westfalen, die schon vor einem

Jahr diese Forderung in einem entsprechendes

Positionspapier erhoben haben.

Nurbei einer Bündelung der Wirtschaftsthemen

könne es zu einem „deutlichen

Qualitätssprung in der Vermittlung ökonomischer

Kompetenzen“ kommen.

Ein Unterrichtsfach „Wirtschaft“ bietet

aus Sicht der Verbände den Raum, fundiert

und zusammenhängend eine ökonomische

Bildung zu vermitteln, die

grundlegende wirtschaftliche Zusammenhänge,

Funktionsweisen, Konzepte

und Begriffeumfasst. Eine Erhöhung der

Stundenzahl insgesamt sei dafür nicht erforderlich,

insbesondere wenn die Zeitbudgets

für wirtschaftliche Themen aus

anderen Fächern zusammengezogen

werden.

„JungeMenschen brauchen wirtschaftliche

Grundkenntnisse und Kompetenzen,

um als mündigeWirtschafts- und Staatsbürger

verantwortungsvoll zu handeln.“

Der Modellversuch des Schulministeriums

„Wirtschaft an Realschulen“ habe

gezeigt, wie positiv ein Unterrichtsfach

wirkt.

wk

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2 MACHER &MÄRKTE

„Wir müssen neue

Wege gehen“

Vom „Ausbildungsbotschafter“ bis zum „Fachkräftemonitor“: Der Engpass wird

nicht alle Sparten und Qualifikationen gleichermaßen treffen.

Die Metall- und die Elektroindustrie zählen zu den Branchen, in

denen der Fachkräftebedarf nicht gedeckt werden kann. Foto: dpa

IMPRESSUM

DIE WIRTSCHAFT Münster IMünsterland

Verlag und Herausgeber:

Aschendorff Verlag GmbH &Co. KG

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An der Hansalinie 1, 48163 Münster

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Auflage:

17.000 Exemplare

Hinweis: Dieser Ausgabe liegen Beilagen der Deutschen Gesellschaft

für Privatpatienten mbH, Hamburg sowie Engel &Völkers -

Commercial -Dr. Buse Grundbesitz- und Beteiligungs-GmbH bei.

Wir bitten unsere Leser um freundliche Beachtung.

Fortsetzung von Seite 1

„Der demografische Wandel wird

zu einem Rückgang des Arbeitskräftepotenzials

führen. Umso

wichtiger ist die Steigerung des

Fachkräfteanteils durch bedarfsgerechte

Qualifizierung –in

Unternehmen und durch übergeordnete

Angebote. “

Dr. Thomas Robbers, Wirtschaftsförderung

Münster

Der exklusive Kreis der

Schulabsolventen gewinnt

im Hinblick auf den Fachkräftebedarf

enorm an Bedeutung.

Die Industrieund

Handelskammer (IHK) Nord Westfalen

und die Handwerkskammer Münster

wissen dies –und agieren inzwischen gemeinsam:

Obwohl Handwerk, Industrie,

Handel und Dienstleister im selben Teich

fischen, bemühen sie sich Schulter an

Schulter darum, eine positive Stimmung

für die berufliche Ausbildung zu schaffen.

Aktuell werden bei einer von beiden

Kammern getragenen Aktion über 1000

„Ausbildungsbotschafter“ gesucht. Auszubildende

selbst sollen auch im Münsterland

in die Schulen gehen und für eine

Lehre im Betrieb trommeln.

„Sie kennen die Fragen, die die Jugendlichen

beschäftigen,

und können sie

gleichzeitig und aus

eigener Erfahrung

beantworten“,

nennt Kurt Heine,

stellvertretender

Hauptgeschäftsführer

der Handwerkskammer,

einen Aspekt

der ungewöhnlichen

Aktion. Das

Ziel ist ehrgeizig:

Gleich 1200 Schulen

sollen Besuch









bekommen, nicht

von Berufsberatern

oder Chefs, sondern von Azubis. Das

„Botschafter“-Projekt macht deutlich,

wie sehr Betriebe inzwischen bemüht

sind, Nachwuchs zu gewinnen.

Der Fachkräftemangel wird nicht alle,

aber doch viele Sparten und Qualifikationen

treffen. Wie schmerzhaft es wird,

kann man seit Jahren beim Blick auf den

„Fachkräftemonitor“ feststellen. Die IHKs

bieten dieses Prognose-Instrument mit

Unterstützung des Wirtschaftsforschungsinstituts

Wif0R in Darmstadt frei

im Netz an.

Den prozentual größten Engpasssagt der

Monitor für Mechatronik und Automatisierungstechnik

voraus. Hier wirdeslaut

Hochrechnungeine Unterdeckung in Höhe

von 54,1 Prozent geben. In absoluten

Zahlen ausgedrückt: 3790 Fachkräfte

werden dann in der Berufsgruppe gesucht,

aber nur 1740 stehen zur Verfügung.

Noch dramatischer wird esimBereich

der technischen Forschungs-, Entwicklungs-,

Konstruktions- und Produktionssteuerungsberufe.

Hier wird man

2030 landesweit 44 400 Fachkräfte suchen,

aber nur auf ein Potenzial von 21

100zurückgreifen können. Auf der Seite

der „Top-Überschussberufsgruppen“ führen

Fein- und Werkzeugtechnik sowie Juristen

mit 44,3 bzw.26,2 Prozent die Liste

an.

Schon heute setzt der von der Demografie

mitverursachte Mangel ein. Kürzlich

meldetedie Zeitarbeitsbranche, dass die

Unternehmen bei ihr nicht mehr nur die

Aushilfe, sondern immer häufiger die

Fachkraft suchen. Gefragt sind der Industrieelektriker,

der Elektrotechniker

und Elektroniker, der Schweißer und

Schlosser, ergab das Mittelstandsbarometer

des Interessenverbandes Deutscher

Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) in

Münster.

„Die Betriebe, die jetzt nicht ausbilden,

wird schon bald das Leben bestrafen“,

formulierte kürzlich Birgit Wiesehahn-

Haas, Vizepräsidenten der IHK. In der

Emscher-Lippe-Region jedenfalls nähere

sich das Fachkräfteproblem längst mit

Siebenmeilenstiefeln.

Zu den ungelösten Problemen gehört es,

dass es dem vergleichsweise noch ausbildungsstarken

und -bereiten Münsterland

bisher nicht richtig gelingt, junge Menschen

aus anderen Regionen anzulocken.

Lehrstellen bleiben unbesetzt. Die Absurdität,

die damit einhergeht, wird Monat

für Monat beim Blick in den Arbeitsmarktbericht

deutlich: Das Münsterland

glänzt mit einer Arbeitslosenquote von

aktuell 5,5 Prozent. In der benachbarten











Region Emscher-Lippe verharrt die Quote

bei 12,5 Prozent.

Es ist also mehr als die bisher bekannte

Konzept-Repertoire gefragt.Hermann Eiling,

Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer,bestätigt

dies: „Das Handwerk

muss bei der Gewinnung von Auszubildenden

und Beschäftigten verstärkt

neue Wege gehen. Ein Beispiel dafür ist

die Integration vonMenschen mit Migrationshintergrund.

Auch Frauen wollen

wir verstärkt für das Handwerk begeistern.

Bei der Initiative,Und Morgen Meister‘

sprechen wir gezielt Studienabbrecherinnen

und -abbrecher für eine Berufsausbildung

im Handwerk an –mit

wachsendem Erfolg.“

Wissenstransfer, Wissensmanagement,

Personalentwicklung auch für ältere Mitarbeiter,

Willkommenskultur, enge KontaktezuSchulen

und Hochschulen –der

Werkzeugkasten der Personalabteilungen

füllt sich. Kaum einer kann es sich

noch leisten, die künftige Besetzung der

Stellen dem Zufall zu überlassen.

„Es ist zielführend, gemeinsam entwickelte

Strategien zu verfolgen. Zum Beispiel

durch die verbesserte Ausrichtung

von Bildungs- und AusbildungsangebotenamBedarfder

regionalen Wirtschaft.

Oder durch die Qualifizierung von

Arbeitssuchenden bzw. durch die optimierte

Vermittlung“, betont Dr. Thomas

Robbers, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung

Münster. Und: „Zur Sicherung

und Fortentwicklung unserer

wettbewerbsfähigen Wirtschaft ist die

Deckung des Fachkräftebedarfs eines der

zentralen Handlungsfelder.“ wk

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Kunden wird durch eine faire, vertrauensvolle Zusammenarbeit

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MACHER &MÄRKTE 3

Es begann alles in

einer Doppelgarage

Besuch bei Hans Hund, dem neuen Präsidenten der Handwerkskammer Münster. Warum auch in

schwierigen Zeiten der Schritt in die Selbstständigkeit zum Erfolg führen kann.

Der Rundgang durch die Firma wird

zur Führung durch die Hightech-

Welt der Gebäudetechnik. Begeisterung

für Details, Lösungswege, Leitungen

und Leistungen schwingt in

jedem Satz mit. Fast nebenbei verrät

Hans Hund an der Wärmepumpe im

Obergeschoss, dass Mitsubishi-Ingenieure

von Japan aus die Effizienz

dieses Unikats im Blick haben. Das

passt gut zu dem Satz, den der Kammerpräsident

zuvor formuliert hat:

„Im Handwerk kann man viel erreichen.

Handwerker zu sein, ist kein

gesellschaftlicher Abstieg!“

„Ich war mir sicher:

Du kannst das.“

Hans Hund auf die Frage, warum er sich 1981 trotz

der Rezession selbstständig machte.

Im Gegenteil. Zum Bocholter Hans

Hund passt der Begriff Aufstieg.

Kinder- und Jugendzeit auf dem

elterlichen Bauernhof im Amt Liedern-Werth,

sieben Geschwister,

Messdiener in St. Michael. Hans Hund

lernt früh den Umgang mit Natur und

Technik. Als Prof. Hans Haber in den 60er

Jahren vor staunendem Publikum im

Gymnasium den Blick in die Weiten des

Weltraums lenkt, ist es um einen jungen

Zuhörer endgültig geschehen. Hans

Hund will jetzt genau wissen, wie Technik

funktioniert.

Über 60 Mitarbeiter,die allermeisten davon

sotechnikbegeistert wie der Seniorchef,

bilden heute

die Hans Hund

GmbH. Ein Handwerksunternehmen

auf der Höhe

der Zeit. Über

2000 Quadratmeter

Lagerhalle

und Werkstatt,

stattlicher Fuhrpark,

800 Quadratmeter topmoderne Büro-

und Sozialräume, Auftraggeber in

ganz Deutschland. „Der Betrieb steht immer

im Zentrum. Er gehört nicht mir oder

meinem Sohn allein. Er gehört allen Mitarbeitern“,

sagt Hans Hund, der mit modernem

Führungsverständnis lenkt und

motiviert.

1973 legte Hans Hund die Meisterprüfung

im Elektroinstallateurhandwerk ab.

Und während zwei Kinder groß wurden,

absolvierteder jungeFamilienvater auch

noch die Meisterprüfung als Kälteanlagenbauer.ZweiMeisterbriefe–nicht

nur

zur Zierde hängen sie noch heute hinter

seinem Schreibtisch an der Wand. Sie

sind Programm.

Das strahlende Lächeln ist sein Markenzeichen: Hans Hund versteht es, Menschen zu motivieren.

Als Anfang der 80er Jahre ein Konzern

den umtriebigen „Doppel-Meister“ in die

Zentrale locken will, entscheidet sich

Hund für die Selbstständigkeit. Mitten in

einer schwierigen Wirtschaftsphase, ausgelöst

von der zweiten Ölkrise, wagt er

den Schritt: „Ich war mir sicher: Du

kannst das.“ In einer Doppelgarage beginnt

das Abenteuer. Klimageräte, die

dort keinen Platz finden, stehen zum

Testlauf auf der Terrasse –beim Kaffeetrinken

ist die Familie vonpiependen und

surrenden Maschinen umgeben.

Fleiß, unternehmerischer Mut, Weitsicht

und das notwendige Quäntchen Glück

bilden die Basis für die Entwicklung des

Handwerksbetriebs. Neubauten, Erweiterungen,

Umzüge–2014bezieht die Firma,

die längst die komplette Gebäudetechnik

vonKlima bis Sanitär beherrscht,

das heutige Domizil.

Das Handwerk –für Hans Hund, der den

Betrieb mit Sohn Alexander (37) führt,

ist es bis heuteLebensinhalt. Zudem eine

Branche, der Hund eine sehr gute Zukunft

voraussagt. Voraussetzung: Es entscheiden

sich genügend tüchtige Menschen,

den Wegzubeschreitenund einen

Handwerksberuf zu erlernen. Hund: „Die

Möglichkeiten, die sich daraus ergeben

können, sind enorm.“

Doch es hapert am Image, nicht zuletzt,

weil in den meisten weiterführenden

Schulen zu wenig auf die Vielfalt im

Handwerk hingewiesen wird, bedauert

der Kammerpräsident. „Viele wissen gar

nicht, washeutzutagealles zu uns gehört

und was Handwerksbetriebe heute inzwischen

bieten.“

Bei Hund in Bocholt trifft man zum Beispiel

auf die Rückenschule für die Mitarbeiter,

ein Patensystem für alle Auszubildenden

und Inhouse-Schulungen. Und

wer will, kann seine Arbeitskleidung im

Betrieb reinigen. Im Sozialbereich stehen

Waschmaschine und Trockner. wk

ZUR PERSON

Hans Hund (64) ist seit Dezember

Präsident der Handwerkskammer

Münster und steht damit an der

Spitze einer Organisation, der 27

900 Betriebe mit rund 190 000

Beschäftigten angeschlossen sind.

Seit 25 Jahren engagiert sich der

selbstständige Handwerksmeister

(Elektroinstallateur, Kälteanlagenbauer)

ehrenamtlich für das

Handwerk. Viele Jahre gehörte er

dem Vorstand der Elektro-Innung

Bocholt an, 1993 wurde er Obermeister.

Seit 2000 ist Hans Hund

stellvertretender Kreishandwerksmeister

der Kreishandwerkerschaft

Borken. 2009 wurde er Vizepräsident

der Kammer und Vorsitzender

des Wirtschaftsförderungsausschusses.

Foto: Wolfgang Kleideiter

Typisch Ford: bewegt die Wirtschaft

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4 MACHER &

Rückenwind für die Gastgeber

Im Münsterland ist der Tourismus ein riesiger Wirtschaftsfaktor –den

gleichwohl die meisten Menschen in der Region komplett übersehen.

Für den gestressten Großstädter aus

dem nahen Ruhrgebiet ist es eine unwirkliche

Erscheinung: Ruhe, Natur

und wenig befahrene Wirtschaftswege

als Sportgelände fürs Fahrrad.

Für den Münsterländer ist das Idyll

im besten Fall selbstverständlich.

Großes Potenzial, das kaum wahrgenommenwird,

klagt Michael Kösters

vom Münsterland e.V.

„Das Münsterland

nimmt sich als

Urlaubsziel selbst

nicht richtig wahr.“

Michael Kösters

Vorstand Münsterland e.V.

Der Tourismus ist im Münsterland

ein versteckter Gigant.

Er sorgt im Jahr für

1,6 Milliarden Euro Umsatz

in der Region und sichert

–rechnerisch –38600 Stellen. Zudem

ist die Tendenz seit Jahren konstant

steigend. Eigentlich könnteMichael Kösters,

der für Tourismus zuständige Vorstand

des Münsterland e.V., Tagfür Tag

mit stolzgeschwellter Brust ins Büro am

Grevener Flughafen kommen. Doch er

registriert immer wieder, dass die Wirtschaftsleistung

von Gastronomie, Hotellerie

und verbundenen

Branchen kaum

anerkannt wird.

Die Branche ist sehr

kleinteilig organisiert;

es gibt keine

einzelnen große Arbeitgeber

im Fremdenverkehr.

In der

Konsequenz „nimmt

sich das Münsterland

als Urlaubsziel

selbst nicht richtig

wahr“, klagt der

oberste Tourismuswerber.

Und zieht

seine Schlüsse: „Wir

müssen immer mehr

nach innen arbeiten.“

Kösters will die

Einstellungen der

Münsterländer verändern,

will

Schwachstellen in

der Infrastruktur beseitigen

– und will

vor allem die „Gastgeber-Kultur“

der

manchmal etwas spröden Westfalen voranbringen.

„Man neigt zur Selbstzufriedenheit“,

klagt Kösters. „Viele glauben, das laufeja

alles vonalleine.“ Tutesnicht, hält er dagegen.

Und kann Belege liefern. Beispiel

Radwege: Was mal ein Alleinstellungsmerkmal

war, droht im Meer der zunehmenden

Konkurrenz unterzugehen. Das

Idylle Münsterland: An manchen Stellen mangelt esanSelbstbewusstsein und Drive.

reicht von der Qualität der Wirtschaftswege,die

schon mal deutlich besser war,

über die Verknüpfung vonRouten bis zur

Ausschilderung von Sehenswürdigkeiten.

„Da müssen wir investieren“, folgert

Kösters – und vermisst Unterstützung

insbesondere impolitischen Raum.

Dabei lohnt sich jeder Euro, der für den

Tourismus ausgegeben wird. Am Beispiel

der Stadt Rheine hat es das „Sparkassen

Tourismusbarometer Westfalen-Lippe“

fürs Jahr 2013 mal nachgerechnet. Überraschendes

Ergebnis:Aufwendungen von

900 000 Euro standen tourismusbedingte

Erlöse von 2,8 Millionen Euro gegenüber.

Für jeden ausgegebenen Euro kamen

drei zurück.

„Da sind die Imageeffekte nicht einmal

eingerechnet“, ergänzt der Vorstand des

Münsterland e.V. Die werden immer

wichtiger: Wer imWettstreit um kluge

Köpfe auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich

sein will, muss nicht nur adäquateLöhne

und Gehälter zahlen, sondern auch ein

attraktives Umfeld bieten. Da machen

sich die Investitionen für den Tourismus

gleich doppelt bezahlt: „Das Geld geben

wir auch für uns selbst aus.“

550 gewerbliche Betriebe in 70 Orten,

über 1,5 Millionen Gäste, die es zusammen

auf mehr als 3,5 Millionen Übernachtungen

im Jahr bringen, dazu 45

Millionen Tagesbesucher: Das kann doch

kein Geheimnis sein. Aber im Münsterland

werden an vielen Stellen nicht einmal

die Chancen wahrgenommen, die

Fotos: Münsterland e.V.,West

das Publikumsinteresse mitb

provokant bringt Kösters

Punkt: „Man neigt ein weni

zufriedenheit.“ Und er nenn

kennt Betriebe, deren mode

munikationsmittel ein Faxge

in Zeiten von HRS.de und B

sind viele Betten und Ferien

bestenfalls telefonisch zu bu

Dörfer, die mitten in der be

son ihre Gaststätten bes

Abend öffnen –und den gar

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MÄRKTE 5

Kultur

„Mehr mit der

Zeit gehen“

Tourismusexperte sieht die regionale Branche gefordert

fälisch genießen

ringt. Etwas

es auf den

zur SelbsttDetails:

Er

rnstes Komrät

ist. Auch

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wohnungen

chen. Ganze

sten Radsaitenfalls

am

nicht so wenigen

Radlern tagsüber geschlossene Türen

und Biergärten zeigen. „Da fehlt

manchmal ein wenig der Drive.“ Vonden

Betriebsgrößen gar nicht erst zu reden –

welches Haus im Münsterland bringt

schon eine ganze Busladung von Gästen

unter?

Dabei lohnt sich eigentlich

jede Anstrengung,

weiß Kirsten Grundmann.

Die junge Hamburgerin

organisiert seit

Jahren die PR-Arbeit für

die Initiative „Westfälisch

genießen“, zu der

auch eine Reihe münsterländischer

Gastronomiebetriebe

zählt. Eine

Erfolgsgeschichte. Ein

bisschen Stolz auf die

eigene Region, Geschichtsbewusstsein

und eine gehörige Portion

Kreativität: Werauf

diese Bestandteile für

sein Betriebskonzept

setzt, kann sich des Kundenzuspruchs

sicher

sein, glaubt Grundmann.

„Regionalität und

Nachhaltigkeit werden

immer stärker nachgefragt“,

sagt sie. Inzwischen

steht mancherorts

eine ganze Produktkette

vonden kleinen Erzeugern bis zum Gast.

„Da sind echte Netzwerke entstanden“,

freut sie sich. Und die Wirtschaftsexperten

könnten auch diese Summe noch in

die touristische Wertschöpfung einrechnen.

Doch selbstverständlich ist das im Münsterland

noch nicht. Zu seiner Heimat hat

der Westfale offensichtlich auch kulinarisch

eine größere Distanz als der Badener

oder der Bayer.

Die schwierigsten Veränderungen geschehen

im Kopf. Das weiß auch Michael

Kösters. Gerade deshalb wendet sich der

Münsterland e.V.mit seiner Arbeit immer

wieder nach innen. Mit Vorträgen und

Rundbriefen, mit Workshops und Schulungen.

Aber auch mit technischen

Dienstleistungen –bis hin zu den Schnittstellen

für die diversen Buchungssysteme.

„Das ist das mühselige Bohren dicker

Bretter“, räumt er ein. Nicht ohne zu ergänzen:

„Aber ich glaube, es lohnt sich.“

Die passenden Argumentehat er ja in der

Tasche –die Erfolgszahlen des versteckten

Giganten Tourismus.

ur

„Regionalität und

Nachhaltigkeit werden

immer stärker

nachgefragt.“

Kirsten Grundmann

PR-Expertin für „Westfälisch genießen“

Tourismus im Münsterland

Betriebe: Allein im gewerblichen Bereich

(also mit mindestens zehn Gästebetten)

arbeiten im Münsterland 550

Hotels und Pensionen mit zusammen

25 000 Betten. Die empfangen gut 1,5

Millionen Gäste imJahr. Dazu kommen

weitere rund 120 000 Gäste in(statistisch

nicht genau erfassten) Kleinbetrieben.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer

ist mit 2,3 Tagen ziemlich kurz.

Herkunft: 90 Prozent der Gäste kommen

aus Deutschland (viele davon aus

dem Ruhrgebiet), aber auch 3,5 Prozent

aus den Niederlanden.

Ausflüge: Zu den Nächtigungsgästen

kommen nach Zahlen des Deutschen

Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts

noch 45 Millionen Tagesreisende.

Das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche

Institut

für Fremdenverkehr, dwif-

Consulting Berlin, hat

auch den regionalen Tourismus

im Visier. Wir sprachen mit dem

dwif-Geschäftsführer Dr. Mathias Feige,

u.a. Beiratsmitglied beim Sparkassen-

Tourismusbarometer Westfalen-Lippe.

Tourismus ist in Westfalen-Lippe

ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.Ein

Selbstläufer ist er aber nicht. Was

muss die Branche in der Region tun,

um zukunftsfähig zu bleiben?

Feige: Sie darfnicht aufhören neugierig

auf die Welt zu sein und zu investieren –

wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der

Zeit! Die Kundenwünsche und das Kundenverhalten

verändern sich rapide, die

Gäste sind welterfahren und übertragen

die Qualitätserfahrungenmit den Besten

als Erwartungen auch auf die Anbieter in

Westfalen-Lippe. Nicht der Nachbar ist

also der Konkurrent, sondern die Marktführer

in der ganzen Welt. Diese Maßstabserweiterung

ist bei vielen Betrieben

der sehr kleinteiligen und vor allem innenorientierten

deutschen Tourismusbranche

noch nicht angekommen. Und so

wundert sich mancher über kritische

oder gar ausbleibende Gäste, weil er gar

nicht weiß, welche Erwartungen er nicht

(mehr) erfüllt. Zukunftsfähigkeit bedeutet

daher die permanente Beobachtung

von Kundenwünschen und Konkurrenz

sowie die Fähigkeit, daraus die richtigen

Schlüsse für das eigene Unternehmen zu

ziehen –und diese dann auch umzusetzen.

Sie haben mehrere Innovationsfelder

definiert. Dazu gehört auch die

Digitalisierung. Was genau muss

man sich darunter vorstellen?

Feige: Digitalisierung bedeutet weit

mehr als nur eine halbwegs ordentliche

Website. Elektronische Buchungs- und

Zahlungsmöglichkeiten werden heute

ebenso selbstverständlich erwartet wie

Kommunikationskanäle für Feedbacks

über die erlebte Angebots- und Servicequalität

in Echtzeit in den sozialen Medien.

Auch die Möglichkeit, sich vor Ort,

z.B. mittels QR-Codes, Informationen aller

Art auf sein Smartphone zu holen, ist

heuteeigentlich Standard. Leider wissen

das viele Tourismusanbieter noch nicht

und meinen, eine rein auf Information –

statt auf Kommunikation –ausgerichtete

Websitesei schon genug. Das bundesweite

„Digitalisierungsbarometer“ weist leider

nach, dass das deutsche Gastgewerbe

und hier besonders die Gastronomie auf

dem letzten Platz aller Branchen in Hinblick

auf Websites, soziale Medien, Buchungsmöglichkeiten

etc. liegt.

Sie haben bei der Übergabe des

Sparkassen-Tourismuspreises Westfalen-Lippe

Freizeiteinrichtungen

und Gastgewerbebetriebe vor

Selbstüberschätzung gewarnt. Auf

welchen Gebieten wünschenSie sich

eine realistischere Einschätzung?

Feige: Diese Erkenntnis ergab sich aus

unseren aktuellen Befragungen. So

meinten rund 70 Prozent aller Betriebe,

sie seien in Hinblick auf Innovationskraft

und Qualität top –

das sahen aber nur

gut zehn Prozent

derer auch so, die

mit diesen Betrieben

zusammen

kundengerechte,

innovativeAngebote

entwickeln und

diese dann auch

verkaufen wollen.

Hier ist also Sensibilisierung

und

Aufklärung über

Kundenerwartungen

bzw. über den

tatsächlichen State

of the Art notwendig,

und dazu muss

Dr. Mathias Feige

man hin zu den Betrieben. In Sachsen hat

man dafür z.B. das Innovationsmobil entwickelt:

Der Landestourismusverband

fährt durch die Lande und informiert in

unterhaltsamer Form über Kundenwünsche

und gute Beispiele und regt so zum

Nachmachen an. Denn: Man muss nicht

immer gleich das Radneu erfinden; kleine

pfiffigeIdeen reichen oft aus, um Menschen

zu erfreuen, oder,noch besser,mit

kleinen Servicedetails zu überraschen –

die beste Kundenbindung!

Können Sie als Tourismusexperte

im Urlaub eigentlich abschalten?

Feige: Das ist nicht immer leicht, weil

man ja alles mit kritischen Expertenaugen

sieht, aber je länger der Urlaub dauert,

desto leichter wird es. Zudem fahre

ich ohnehin dorthin, wo möglichst wenig

los ist und möglichst wenig Menschen

sind –Natur pur ist mein Reiseziel, und

die ist immer authentisch. wk

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6 MACHER &MÄRKTE

Grenzlage als

Standort-Vorteil

Die EU hat ihre Fördertöpfe wieder gefüllt.

Insgesamt 440 Millionen Euro stehen allein an

Interreg-Mitteln zur Verfügung. Jetzt gilt es, mit

guten Projekten davon zuprofitieren.

Nachbarn sind Deutsche und Niederländer

seit ewigen Zeiten. Das Verhältnis

zwischen beiden Ländern ist

längst wieder entspannt. Keine Frage:

Die Menschen diesseits und jenseits

der Grenze können gut miteinander.

ImGroßen, im Kleinen –

vor allem regional.

„Mancherorts könnte die Erkenntnis,

welche Vorteile die Grenznähe

bietet, durchaus noch etwas wachsen.“

Dorothee Feller, Regierungsvizepräsidentin

Kultur und Freizeit,

Wissenschaft

und die

Wirts

Kchaf

t: Es gibt viele Felder,

auf denen

sich das Münsterland

und die Provinzen

Gelderland

sowie Overijssel

tummeln; gemeinsa

und zu beiderseitige

Vorteil. Aber, jetzt mal

Es könnte von allem du

bisschen mehr sein.

Kooperationen über G

sind auch der EU wichtig.

sie auch gefördert. Der Gre lan -

wurde Ende vergangenen J iede

aufgefüllt, er ist prall wie nie. 2 illionen

Euro kommen bis 2020 allei us

Brüssel –das sind 45 Prozent mehr al

der vergangenen Förderperiode. Dasselbe

geben das Land

NRW und die niederländische

Seite.

Wer eine Scheibe

von dem Kuchen

abhaben möchte,

muss sich mit einem

Projekt bewerben.

Im Vergleich

zu früher

sind die Anmeldeverfahren inzwischen

deutlich entschlackt worden. Das ist

nicht vonPappe. Werdie bürokratischen

Hürden bei der EU-Förderung kennt,

kann ein Lied davon singen. Fast wie ein

Segen klang darum der Satz, den Regierungspräsident

Prof. Reinhard Klenke

beim Neujahrsempfang seiner Behörde

zu eben diesem Thema sagte: Die Verfahren

seien „in ihrer Abwicklung und in

ihren Verfahrensabläufen deutlich vereinfacht

worden“.

u

t

ke

sich

„unser

stärken, I

Leitmärkte

maschutz u

enac

zu fördern“.

Etwas mehr a 0Millione

Interreg-Mittel s nden vie

Räumen für die S erpunkt- i

„Health and Life-Scie “, „En

CO -arme Wirtschaft“, „ gisti

²

business/Food“ und „Hig h

&Materials“ reserviert.

Auch bei deren Vergabe gilt jedo

Windhund-Prinzip. Heißt: Wer zue

eine guteIdee vorlegt, hat auch die größte

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MACHER &MÄRKTE 7

Kein Wunder also, dass die Bezirksregierung

in Münster sowie

die Euregio in Gronau für eine

Intensivierung der Kooperation

werben, grundsätzlich und natürlich

mit Blick auf Projekte.

Davongibt es derzeit rund 20 in

frühen Stadien, konkretisierte

Ideen, in erste Formen gegossene

Skizzen halt.

„Das Gros davon sind

EUREGIO

STEIN-

FURT

GRENZE

Verbundvorhaben von

Hochschulen und Unternehmen“,

erklärt die

Euregio-Geschäftsführerin

Dr. Elisabeth Schwenzow.

Universitäten oder

Fachhochschulen allein

sind beim Interreg-Programm

von der Förderung ausgenommen.

Dabei fungieren für den hiesigen Beritt

die Bezirksregierung in Münster und für

die niederländische Seite die Provinzregierungen

als Anlaufstelle, Kontrolle –

und Filter.Auf der deutschen Seiteübernehmen

die neu eingerichteten Stellen in

den Dezernaten für gewerbliche Wirtschaft

diese Aufgaben. Dort werden die

Projekt-Anträge angenommen, geprüft,

überprüft, qualifiziert „und dadurch am

Ende in der Regel deutlich verbessert“,

sagt Schwenzow.

Das bedeutet letztlich auch: Die Behörde

versteht sich in Sachen EU-Grenzland-

Förderung als Lotse; damit vorallem die,

die nicht laufend mit dem institutionalisierten

Europa zu tun haben, nicht „im

Gestrüpp undeutlicher Programmbezeichnungen“

und bürokratischer „Verworrenheiten

hängen bleiben“, so Klenke.

Grundsätzlich gilt: Je näher dran, desto

besserdie Kooperation. Folglich ist in den

Kreisen Borken und Steinfurt die Grenze

weitgehend verschwunden. In der Stadt

Münster aber und den Kreisen Coesfeld

und Warendorf „könnte die Erkenntnis,

welche Vorteile sie durch die Grenznähe

haben, durchaus noch etwas wachsen“,

OVERIJSSEL

ARBEITSKRÄFTE

COESFELD

KREISE

MÜNSTERLAND

sagte unlängst Regierungsvizepräsidentin

Dorothee Feller.

Schwenzow sieht das genauso. Und weil

nichts Sachverhalte besser erläutert als

Beispiele, bringt sie das der Arbeitskräfte:Inder

Region Overijssel ist die Arbeitslosigkeit

hoch, im Münsterland hingegen

herrscht bereits jetzt vielerorts ein Fachkräftemangel.

Da muss man nur eins und

WARENDORF

ZUSAMMENARBEIT

GELDERLAND

GRENZRAUM

UNTERNEHMEN

Dorothee Feller, Regierungsvizepräsidentin

Auf dem weiten Feld der erneuerbaren Energien können die Niederländer von Unternehmen aus dem Münsterland

eine Menge lernen, sagte Euregio-Geschäftsführerin Dr. Elisabeth Schwenzow.

Foto: dpa/Marcus Führer

Dr. Elisabeth Schwenzow, Euregio-Chefin

EURO

eins zusammenzählen. Nahander Grenze

klappt das ganz gut. Inzwischen hat

aber auch der Kreis Warendorf Interesse

signalisiert, womöglich niederländische

Fachkräfte rekrutieren zu wollen, sagt

sie.

Wobei: Die Hürden für den kleinen

Grenzverkehr sind unnötigerweise hier

und da hoch. Abschlüsse werden diesseits

und jenseits der Grenze nicht immer

anerkannt, immer weniger Niederländer

sprechen Deutsch –die Zahl der Deutschen,

die des Niederländischen mächtig

sind, warvon je her überschaubar.Hinzu

kommt: Die Sozialversicherungssysteme

sind sehr verschieden, die kulturellen

Hürden ordentlich. So ist es in den Niederlanden

unüblich, sich formal mit Lebenslauf,

Arbeitsproben und Foto um

einen Job zu bewerben. „Dort geht man

im Betrieb vorbei und bespricht das Nötige

direkt mit dem Chef“, sagt die Euregio-

Geschäftsführerin.

Natürlich gibt es auch positive Beispiele

für ein gelungenes Miteinander. ImGesundheitsbereich

und in der Medizintechnik

etwa arbeiten beide Länder eng

zusammen. Das Gleiche geltefür das weite

Feld der Forschung. Von den Niederländern

lernen, sagt die Euregio-Chefin,

könne NRW beispielsweise im Bereich

des Innovationsmanagements. Auf der

anderen Seite könnten sich die Niederländer

beim Thema erneuerbare Energien

vom Münsterland eine Scheibe abschneiden.

REGION

BORKEN

NIEDERLANDE

MILLIONEN

MÜNSTER

SCHWENZOW

Was diesseits und jenseits der Grenze jedoch

noch fehlt, sei „das Bewusstsein,

dass die Grenzlage anund für sich ein

Schatz ist, der gehoben werden muss“,

sagte Feller. Dazu „müsse ein Stimmung

kreiert werden“, eine Begeisterung, „etwas

mit Gefühl“.

Die Niederländer jedenfalls haben die

Vorteile inzwischen erkannt. Jedenfalls

hat die Regierung in Den Haag ein Positionspapier

formuliert,

in dem

den Grenzräumen

eine besondere

Bedeutung

zugewiesen wird.

Ähnlich tickt inzwischen

auch

die Region Twente,

die mit ihren

längst beerdigten

Flughafen-Plänen die Münsterländer arg

geärgert hatte. Den Ball könnte die Region

aufnehmen und im Spiel halten. „Da

sind wir einfach aufgefordert, zu handeln“,

sagt Feller.

Selbst der Markenbildung des Münsterlandes

könnte die Nähe zu den Niederlanden

dienen. Die ist nämlich durchaus

ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem

sich werben ließe. Allerdings nur, wenn

das Miteinander ganz praktisch mit Leben

gefülltwird–und nicht blutleereAbsicht

bleibt.

er

KOOPERATION

FACHKRÄFTEMANGEL

„Das Gros der bisher eingegangenen

Projekt-Anträge sind Verbundvorhaben

von Hochschulen und

Unternehmen.“

Dr. Elisabeth Schwenzow, Euregio-Geschäftsführerin

INFOS

Grenzgebiete haben zwei Probleme: Auf der einen Seite

stellt die Grenze eine Zerschneidung in wirtschaftlichem,

kulturellem und sozialem Sinne dar, auf der anderen Seite

werden Grenzräume von der nationalen Politik oftmals

vernachlässigt. Vor diesem Hintergrund verfolgt die EU

mit ihrem Interreg-Programm das Ziel, „dafür zusorgen,

dass nationale Grenzen kein Hindernis für eine ausgewogene

Entwicklung und Integration des europäischen Raumes

sind“. Das aktuelle Interreg-Förderprogramm, für das

insgesamt rund 440 Millionen Euro zur Verfügung stehen,

wurde im November 2014 von der EU-Kommission gebilligt.

Es läuft bis 2020. Die Euregio-Geschäftsstelle in Gronau/Enschede

hat fürdas hiesige Euregio-Gebiet das regionale

Management für das Interreg-Programm

„Deutschland –Nederland“ übernommen.

Stolze –Dr. Diers –Beermann GmbH

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Unser Angebot umfasst eine breite Spanne von Dienstleistungen insbesondere

für mittelständische Unternehmen und deren Gesellschafter von der Einkommensteuererklärung

über die Abschlusserstellung bis zur Jahresabschluss- und Konzernabschlussprüfung.

Weiterhin beraten wir in Fragen des Steuerrechts -insbesondere

im Bereich des Umwandlungsteuerrechts, des internationalen Steuerrechts

und der Unternehmensnachfolge. Zu unserem Dienstleistungsspektrum

Geschäftsführer:

Prof. Dr. Fritz-Ulrich Diers

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Wilfried Beermann

Dr. Marie-Theres Stolze

Heinz Stolze

zählt auch die betriebswirtschaftliche Beratung. Jeder Mandant hat bei uns einen

persönlichen Ansprechpartner, der das Unternehmen langjährig betreut. Über

unsere örtlichen Niederlassungen in Emsdetten und Rheine hinaus kooperieren

wir im Rahmen der CW &Smit anderen Praxen und sind Mitglied des internationalen

Netzwerks von Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern „AGN“, um auch

überregional und grenzüberschreitend unsere Mandanten betreuen zu können.

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8 MACHER &MÄRKTE


9 BRANCHEN &BETRIEBE

Entlastung

fürs Klima

Westfalen AG und eal Euro-Alkohol GmbH

beschreiten neuen Weg der Kooperation

Die Floskel von der „Win-Win-Situation“

gebrauchen Wirtschaftsvertreter

immer wieder gerne, wenn beide

Partner Vorteile aus einem Geschäft

ziehen. Als jetzt zwei münsterländische

Traditionsunternehmen eine

Kooperation vereinbarten, war das

nicht nur für die beiden Betriebe von

Vorteil. Von der Kooperation zwischen

der Westfalen AG und der Firma

eal Euro-Alkohol GmbH in Lüdinghausen

profitiert sogar noch die

Umwelt.Wir recyceln ein bisher

nicht genutztes Abfallprodukt“,

erläuterte

Projektleiter Heinz

Gausling von der

Westfalen-Gruppe die Situation. Im Klartext:

Westfalen verarbeitet das Kohlendioxid,

das bei der Alkoholproduktion der

eal Euro-Alkohol GmbH anfällt. 3,5 Millionen

Euro investierten die Westfalen in

die Anlageauf dem Gelände des Alkoholproduzenten

in Lüdinghausen.

Kohlendioxid –ist das nicht der „Klima-

Killer“? Stimmt. Aber ohne dieses Gas

schmeckt das Bier schal, die verpackte

Pizza wäre schnell schimmelig oder die

Schweißnaht in der Edelstahlverarbeitung

wäre „schrumpelig“. Auch dafür

wird Kohlendioxid verwendet. Seit gut

einem Jahr ist die Produktionsanlageder

Westfalen-Gruppe auf dem Gelände des

Alkohol-Produzenten im Gewerbegebiet

zwischen dem Dortmund-Ems-Kanal und

der Bahnlinie zwischen Dortmund und

Coesfeld in Betrieb. Jährlich werden

17000 Tonnen Kohlendioxid produziert.

Eine 35 Meter langeLeitung transportiert

das Rohgas von eal in das neue benachbarte

Westfalen-Werk, das zweckmäßigerweise

direkt auf dem Gelände des Alkohol-Produzenten

angesiedelt ist. In der

Maschinenhalle durchläuft das Gas eine

Reinigungs- und Verflüssigungsanlage,

anschließend wird esauf minus 25 Grad

abgekühlt und in drei Hochtanks gepumpt.

Das passiert alles so unspektakulär,

dass der komplette Betrieb ferngesteuert

wird. Lediglich speziell geschulte

Tankwagen-Fahrer legen beim Umfüllen

noch einmal Hand an. Ansonsten wird

die Gas-Produktion von der zentralen

Leitwarteder Westfalen-Gruppe in Hörstel

ferngesteuert. Mit den Spezialfahrzeugen

wird das Gas zu Kunden oder

eigenen Betrieben gebracht.

„Wir wollen uns von Lieferanten unabhängig

machen“, begründete Dr. Wolfgang

Fritsch-Albert, Vorstandsvorsitzender

der Westfalen AG, beim ersten Spatenstich

die Firmenpolitik. Das Unternehmen

betätigt sich seither nicht nur mit

dem Vertrieb von Gas, sondern steigt

erstmals auch in die Produktion ein. Fast

zeitgleich wurde nämlich auch in Frankfurt

eine vergleichbare Produktionsanlage

in Betrieb genommen. „Die neuen

Werke machen uns unabhängig von Lieferanten

und verbessern die Liefersicherheit

für die Anwender“, so Gerhard

Schlüter, Mitglied der Westfalen-Geschäftsleitung.

Ein großer Teil des in Deutschland konsumierten

oder verarbeiteten Alkohols

stammt aus Lüdinghausen. Die Euroalkohol

GmbH stellt nicht nur hochwertigen

Alkohol für den Lebensmittel- oder Pharmabereich

her.Das in anderen Unternehmen

produzierte „Hochprozentige“ wird

hier auch gereinigt und weiterverarbeitet.

Und bei diesen ProduktionsvorgängenfälltKohlendioxid

an, das in der Vergangenheit

einfach an die Umwelt abgegeben

wurde.

Die Produktionsanlage sorgt somit für

eine nicht unerhebliche Klima-Entlastung.

„Wir können mit dieser Zusammenarbeit

die Kohlendioxid-Emissionen in

unseremProduktionsablauf enormreduzieren“,

freut sich auch Dr. Bernhard

Strotmann, eal-Geschäftsführer, über

den positiven Effekt dieser Kooperation.

Werner Storksberger

Freuen sich über die Kooperation: Klaus-Dieter Kemper (eal), Willi Mildner (Westfalen), Gerhard Schlüter (Westfalen),

Anton Holz (Stv. Bürgermeister Lüdinghausen), Dr. Bernhard Strotmann (eal), Erhard Geuting (eal) und

Heinz Gausling (Westfalen).

Foto: west

EINE FRAGE

Dass zwei sich so gut ergänzende Unternehmen wie die Euro-Alkohol und die Westfalen AG zusammenfanden

und gemeinsame Wege bei der Kohlendioxid-Produktion und -Verarbeitung gehen, ist ein

Glücksfall. Was tut die IHK, um Unternehmen, die gemeinsame Interessen haben könnten, zusammenzubringen?

Karl-Friedrich Schulte-Uebbing, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen: Solche Kooperationen

stärken die regionale Wirtschaft. Für die IHK ist es deshalb eine ureigene Aufgabe, Unternehmen

die Möglichkeit zu geben, sich kennenzulernen und zu vernetzen. Sei es in der Außenwirtschaft, wo

Unternehmen mit sehr konkreten gemeinsamen Interessen ihre Erfahrungen über Exportmärkte austauschen,

bis zu konkreter Vermittlung etwa inder Unternehmensnachfolge. Das Spektrum der

unterschiedlichen Plattformen reicht von Fachveranstaltungen über Datenbanken bis hin zur Visitenkartenparty

für Existenzgründer. Wie da wer mit wem hinterher kooperiert, bekommen wir allerdings

in den wenigsten Fällen mit. Das regeln die Unternehmen selbst und läuft meist hinter den Kulissen.

Optimal platziert zwischen dem Dortmund-Ems-Kanal und der Bahnstrecke Gronau –Dortmund liegt die Euro-Alkohol

und die Kohlendioxid-Produktionsanlage der Westfalen AG. Links: Die Gebäude des Alkoholproduzenten mit den

Lagertanks und der Rektifizierungsanlage. Rechts im Bild: Über den Kanalanleger wird Euroalkohol ebenfalls mit Rohstoffen

versorgt.

Foto: Teamfoto Marquardt

Betriebliches Gesundheitsmanagement im Münsterland

Im Gespräch mit Jutta Kuhlmann, Gesundheitsmanagerin der IKK classic

Körperlich anstrengende Arbeit oder eine monotone Arbeitshaltung belasten ebenso

wie Termindruck oder fehlende Abstimmungsprozesse die Gesundheit von Mitarbeitern

und können zu einem hohen Krankenstand führen. Krankheitsbedingte Ausfälle

kosten deutschen Unternehmen jährlich rund 60 Milliarden Euro und –jenach

Größe –geraten Betriebe bei längeren Krankheitsausfällen oft auch organisatorisch

unter Druck. Zusätzlich kämpfen viele Betriebe darum, Mitarbeiter möglichst lange

im Unternehmen zu halten bzw. geeigneten Nachwuchs zu finden. Konkret geht es

dabei um die Gestaltung der körperlichen Anforderungen für ältere Mitarbeiter,sowie

um die Weitergabe von wichtigen Erfahrungen an junge Beschäftigte. Bei all diesen

Dingen unterstützt IKK-Gesundheitsmanagerin Jutta Kuhlmann –sie ist erste Ansprechpartnerin

in Sachen betriebliches Gesundheitsmanagement im Münsterland.

Frau Kuhlmann, was läuft schief in deutschen Betrieben?

Jutta Kuhlmann: Da ist zum einen die gesundheitliche Situation: Trauriger Spitzenreiter

bei den Gründen für die Arbeitsunfähigkeit in Betrieben ist das Muskel- und

Skelettsystem. Laut einer aktuellen Analyse der IKK classic entfallen 25,5 Prozent auf

das Kreuz mit dem Kreuz, gefolgt von Krankheiten der Atmungsorgane mit 15,4

Prozent. Fast ähnlich hoch –mit 15,3 Prozent –schlagen Verletzungen zu Buche. Und

psychische Erkrankungen liegen mit 9,8 Prozent auf Platz vier.Höchste Zeit also, sich

um die Gesundheit der Mitarbeiter zu kümmern. Weitere Probleme sind Fachkräftemangel

und Demografie: Die geburtenstarken Jahrgänge verlassen allmählich den

Arbeitsmarkt. Für die Betriebe wird es schwerer, den Personalbedarf durch eigene

Ausbildung zu decken, zugleich steigt der Altersschnitt der Fachkräfte. Im branchenübergreifenden

Run auf Schulabgänger und gestandene Spezialisten zählen inzwischen

nicht nur finanzielle Vorteile. Mit den gewandelten Lebensentwürfen ändern

sich auch die Ansprüche an den Arbeitgeber.Neben familienfreundlichen Angeboten

haben für die nachwachsenden Erwerbsgenerationen gerade gesundheitsgerechte

Arbeitsbedingungen eine wichtige Bedeutung.

Was ist das Besondere am BGM mit der IKK classic?

Jutta Kuhlmann: Im Rahmen des BGM unterstützen wir seit vielen Jahren Firmen unterschiedlichster

Branchen und Größen –kleinere Betriebe liegen uns aber besonders

am Herzen. Sie haben oft nicht ausreichend finanzielle und personelle Ressourcen

sowie die zündenden Ideen, um BGM umzusetzen. Doch sie unterschätzen häufig

auch ihre Stärken. Kleinere Betriebe sind beweglicher als große Unternehmen. Zum

Beispiel können sie Änderungen im Arbeitsablauf oder in den Prozessen viel schneller

und flexibler umsetzen. Mit einem gut funktionierenden Team als Grundlage lässt

sich eine Menge bewegen. Wenn es gelingt, diese Beweglichkeit für gesundheitsfördernde

Ansätze in den Betrieben zu nutzen, können Unternehmen beim Ringen um

Fachkräfte einen erheblichen Wettbewerbsvorteil erzielen. Und: Ein gesundheitsbewusster

Betrieb erhöht nicht nur seine Attraktivität für potenzielle Neueinsteiger, er

trägt auch dazu bei, die Leistungskraft der eigenen Fachkräfte möglichst lange zu

erhalten.

Wie genau läuft BGM mit der IKK classic ab?

Jutta Kuhlmann: Auf diesem Gebiet bauen wir auf unsere langjährigen Erfahrungen.

Das Besondere: Mit der IKK classic wird BGM so individuell wie die Unternehmen

selbst. Wirbegleiten die Betriebe während des gesamten Prozesses des betrieblichen

Gesundheitsmanagements. Und das Engagement von Arbeitgebern und Arbeitnehmern

wird auch noch honoriert. Als Belohnung erhalten Arbeitgeber einen Bonus

von bis zu 2.500 Euro –50Euro pro IKK-versichertem teilnehmenden Arbeitnehmer.

Die IKK-versicherten Mitarbeiter erhalten ebenfalls 50 Euro, wenn sie an sämtlichen

Trainings teilgenommen haben. Am Bonusprogramm können Arbeitgeber teilnehmen,

die bei der IKK classic versicherte Mitarbeiter beschäftigten. Hierzu schließt

die Geschäftsleitung eine verbindliche Vereinbarung mit der IKK classic über die

gemeinsam geplanten Maßnahmen und Qualitätskriterien ab. Die Analyse der Gesundheitssituation,

Workshops und Gesundheitstrainings sowie spezielle Seminare

für Führungskräfte sind dabei wichtige Bausteine auf dem Weg zumehr Gesundheit

im Betrieb.

Weitere Informationen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement der IKK classic

im Münsterland sind bei Jutta Kuhlmann unter der Rufnummer 059714001-8150

erhältlich oder unter: www.ikk-classic.de/bgm

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Gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen

werden immer

bedeutender (©CulturaGettyImages)

Jutta Kuhlmann, Gesundheitsmanagerin

der IKK classic


BRANCHEN &BETRIEBE 10

So sehen Finalisten aus: Mitarbeiter bzw. Mitunternehmer der Firma Heitkamp &Hülscher aus Stadtlohn schafften es 2014 auf NRW-Ebene bis in die Endrunde

Foto: Heitkamp &Hülscher

Anders als die Masse

Der „Große Preis des Mittelstandes“ wird Jahr für Jahr vergeben. Jurymitglied Hermann-Josef

Raatgering von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Borken kennt das Verfahren.

Hermann-Josef Raatgering (63), bei

der Wirtschaftsförderungsgesellschaft

des Kreises Borken (WfG) zuständig

für Innovationsberatung,

entscheidet seit 2007 als Juror mit

bei der Vergabe des „Großen Preises

des Mittelstandes“. Unsere Mitarbeiterin

Susanne Menzel sprach mit ihm

über das Verfahren.

Die Auszeichnung bedeutet

für die Unternehmen, dass

sie sich bei Tausenden Betrieben,

die es im Münsterland

gibt, als bunte Maus

aus der Menge abheben“, betont er die

Bedeutung dieser „Oskar“-Verleihung.

„Und das gilt nicht nur für die Gewinner

selbst, sondern ebenso für die Finalisten.“

Wer schlägt die Firmen für den

„Großen Preis des Mittelstandes“

vor?

Raatgering: Das sind Politiker wie Bundestags-

und Landtagsabgeordnete, aber

auch Städte, Gemeinden oder Wirtschaftsförderungsgesellschaften

– wie

die des Kreises Borken. Es kommt selten

vor, dass sich Unternehmen selbst ins Gespräch

bringen.

Welche Voraussetzungen müssen

die Kandidaten mitbringen, um ins

Auswahlverfahren zu kommen?

Raatgering: Neben der Schaffung von

Arbeitsplätzen sollte auch ein gesundes

Wachstum nachgewiesen werden. Zudem

Besonderheiten, die beispielgebend

für den Mittelstand sind. Da reicht die

Spanne von Innovationen bis hin zu Engagement

im sozialen Bereich oder der

außergewöhnlichen Mitarbeitermotivation.

Die Juroren berücksichtigen bei diesen

Punkten die Entwicklung der letzten

fünf Jahre.

Wie viele Vorschläge werden jedes

Jahr ausgewertet?

Raatgering: Wenn wir uns in Leipzig zusammensetzen,

um eine Auswahl für

NRW zu treffen, kommen schon15bis 20

Vorschlägeauf den Tisch. Jeder einzelne

wirdpräsentiert und diskutiert. Letztlich

werden dann sechs oder sieben in die engere

Wahl genommen. Bei dem Wettbewerb

selbst gibt es dann ja unterschiedliche

Kategorien. Die ersteStufesind Auswahl

und Nominierung, gefolgt von der

Auszeichnung als Finalist. Als Letztes folgen

die Preisverleihung auf Landes- und

schließlich auf Bundesebene.

Wie profitieren die Unternehmen

von der Wahl zum Finalisten oder

gar von der Auszeichnung als Preisträger?

Raatgering: Die Betriebe rücken ins

Licht der Öffentlichkeit, heben sich so

vonder Masse ab. Sie erhalten Aufmerksamkeit.

Zudem bekommen die Firmen

von der Patzelt-

Stiftung Möglichkeiten

und Anregungen,

die Würdigung

auf verschiedene

Arten unterzubringen.

Etwa

als Logo auf Briefbögen

oder als

Emblem bei Tagungen.

Auch die Wirt-

Hermann-Josef Raatgering

schaftsförderungs-

gesellschaft bringt sich mit verschiedenen

Aktionen ein. Frei nach dem Motto:

TueGutes und rede drüber. Man sollte

diese Wirkung auf Kunden und Mitarbeiter

nicht unterschätzen.

Hat es schon Unternehmen gegeben,

die eine Nominierung abgelehnt haben?

Raatgering: Ja, aber es kommt selten

vor. Und wenn, dann aus nachvollziehbaren

Gründen. Etwa, weil der Betrieb gerade

in der Umstrukturierung ist und noch

nicht so gute Zahlen vorweisen kann.

Oder weil die Konkurrenz ebenfalls

schon einmal im Vorschlagsverfahren

war. Bislang aber kann ich für meine Person

sagen: Ich habe die Firmen mit offenen

Augen ausgesucht und präsentiert.

Foto: wfg Borken

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BRANCHEN &BETRIEBE 11

„Ich kenne keinen, der

das so macht wie wir“

Mit Heitkamp &Hülscher aus Stadtlohn und Ruthmann aus Gescher schafften des zwei Firmen

aus dem Kreis Borken in die Finalrunde um den „Großen Preis des Mittelstandes“.

Hervorragende mittelständische

Unternehmen treten Jahr für Jahr

zum Wettbewerb an. Sie alle würden

gerne den „Großen Preis des Mittelstandes“

entgegennehmen. Angesichts

der großen Teilnehmerzahl

kann sich aber schon jeder freuen,

der es bis ins Finale schafft. Im vergangenen

Jahr gelang dies zehn

Unternehmen aus NRW – darunter

gleich zwei aus dem Kreis Borken.

Vo Vn den Mitbewerbern noch

vorein paar Jahren eher müde

belächelt und durchaus

für ein wenig verrückt erklärt

– jetzt ausgezeichnet

für besondere Innovation und Mitarbeitermotivation:

Erwin Hülscher, Geschäftsführer

der Heitkamp &Hülscher

GmbH &Co.KG musste schon ein wenig

schmunzeln, als Regierungspräsident

Prof. Dr. Reinhard Klenke, der Borkener

Landrat Dr. Kai Zwicker sowie WFG-Geschäftsführer

Dr. Heiner Kleinschneider

ihm jetzt zum Titel„Finalist beim Großen

Preis des Mittelstandes“ gratulierten.

„Das hat man nun davon“, kommentierte

er trocken. Dennoch: Kalt erwischt hat

ihn diese Ehrenicht. Denn die „Vision der

Mitarbeitermotivation und -einbindung“

ist nicht neu, sie wurde schon vor fast

zehn Jahren in den Stiel gestoßen.

Das 1958 gegründete, familiengeführte

Unternehmen wird aktuell von 95Beschäftigten

unterstützt und hat seine

Wurzeln im Tief- und Kanal- sowie im

Straßen- und Asphaltbau. Dazu kommen

aber auch neue Betätigungsfelder wie

Projektentwicklung (Baugebiete und Bebauungspläne

entstehen in Eigenregie)

sowie Engagement in den Neuen Medien

(eigenes Unternehmen, digitale Verarbeitung

der Baustellendaten).

Hülscher: „Auf all diesen Wegenwar und

ist es unser Ziel, die Mitarbeiter mitzunehmen.

Denn es gibt kaum eine schlechtere

Visitenkartefür ein Unternehmen als

unzufriedene Mitarbeiter.“ Und deshalb

begann die Ideenschmiede zu arbeiten.

Herausgekommen sind dabei ganz differenzierte

Lösungen.

So gibt es ein betriebliches Gesundheitsmanagement,

bei dem gesundheitsbewusstes

Verhalten und sportliche Betätigung

anhand von Pluspunkten in einem

Bonusheft festgehalten werden. Der Einsatz

zahlt sich amJahresende in barer

Münze aus. Zwischen 5000 und 12 500

Euro wurden in der Vergangenheit von

Heitkamp &Hülscher ausgeschüttet.

Weitere Prämien verspricht das individuelle

Mitarbeiter-Erfolgsbeteiligungsmodell,

an dessen Entwicklung das gesamte

Team beteiligt war. Grundlagefür die Boni

ist eine 360-Grad-Bewertung, bei der

Mitarbeiter und Vorgesetzte sich gegenseitig

einschätzen. Verschiedene weitere

Faktoren wie Arbeitszeit und Verantwortlichkeit

runden das Ganze ab. Erwin Hülscher:

„Wir wollten keine Belohnung

nach dem Gießkannenprinzip, sondern

eine gerechteVerteilung. Ich glaube, das

ist uns gelungen. Es warbisher jedenfalls

nicht einer unzufrieden.“

Ein ganz besonderes Merkmal von Heitkamp

&Hülscher aber ist der Schritt, Beschäftigte

zuMitunternehmern zu machen.

Erwin Hülscher: „Dazu wurde die

H&H Team GmbH &CoKGgegründet.

Die Mitarbeiter können sich mit 2500

Euro an der Gesellschaft beteiligen. Das

Geld dafür gibt´s als Firmendarlehn.“

Der Reiz an diesem Projekt: Das Kapital

bleibt im Unternehmen, die Mitarbeiter

profitieren finanziell, sind emotional als

Mitunternehmer stärker eingebunden –

und tragen auch mehr Verantwortung. In

diesem Falle für den Maschinenpark, der

dem H&H Team unterstellt ist. Hülscher:

„Als wir das 2006 eingeführt haben,

brachten uns die Beschäftigten einen riesigen

Vertrauensvorschuss entgegen. Das

Modell hat sich inzwischen aber so etabliert,

dass wir eine 100-prozentige Beteiligungsquoteerreicht

haben.“ Ein weiterer

positiver Effekt: Seitdem die Arbeitnehmer

auch als Gesellschafter mit eingebunden

sind, sind die Reparaturkosten

am Maschinenpark um 20 Prozent gesunken.

Gratulation zur Auszeichnung: (v.l.) Linda Lemloh (Bezirksregierung Münster), Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke, Geschers

Bürgermeister Hubert Effkemann, Landrat Dr. Kai Zwicker, Ruthmann-Prokurist Uwe Stapper, Ruthmann-Geschäftsführer Rolf Kulawik,

WFG-Geschäftsführer Dr. Heiner Kleinschneider und Gaby Wenning, WFG-Standortmarketing

Foto: Susanne Menzel

Präzisionsarbeit: Die Ruthmann-Steiger werden in den Fertigungshallen zusammengesetzt. Ruthmann ist stolz darauf, die Kunden auch im Service, beispielsweise

bei Ersatzteilen, schnell bedienen zukönnen.

„Alles in allem“, so zieht Erwin Hülscher

Bilanz, „haben wir uns der Königsdisziplin

der Unternehmenskultur gestellt –

und dabei bislang sehr gut abgeschnitten.

Ich kenne keinen, der das so macht wie

wir. Wir sind zu einer Arbeitgebermarke

geworden und das Unternehmen ist kerngesund.

Diese Qualität wollen wir für uns

und unsere Kunden halten –und noch

weiter ausbauen.“

Auch der zweite Finalist zum „Großen

Preis des Mittelstandes“ aus dem Kreis

Borken, die Firma Ruthmann GmbH &Co

KG aus Gescher,konntedie Jury„mit hervorragenden

Daten und Fakten überzeugen“.

So konnte der Steiger- und Cargoloader-Hersteller

Ruthmann für 2012

und 2013 die besten Ergebnisse der

Unternehmensgeschichte vorlegen. Geschäftsführer

Rolf Kulawik: „Erfolg ist

uns nicht fremd, und wir haben uns auch

eine gewisse Siegermentalität zu eigen

gemacht. Ich würde aber beim Großen

Preis des Mittelstandes gerne ganz oben

auf dem Treppchen stehen. Wenn ich mir

dazu unsere Zahlen für das letzte sowie

für dieses Jahr ansehe, könnte esklappen.“

Schon jetzt sei ein „historischer

Auftragseingang“ für 2015 absehbar:

„Bislang sprechen wir von13,7 Millionen

Euro, darunter ein Einzelauftrag von 6,3

GROSSER PREIS DES MITTELSTANDES

Als „Oskar für den Mittelstand“ wird Deutschlands wichtigste

Wirtschaftsauszeichnung auch gerne tituliert. Dabei

gilt nicht nur der Preis als solcher, sondern selbst die

Nominierung schon als eine besondere Ehre.

Ziel ist es, die gewaltigen Leistungen des Mittelstandes

auch in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen: Trotz weltweiter

krisenhafter Entwicklungen in den letzten Jahren

wurden hier immer wieder neue und zusätzliche Arbeitsplätze

geschaffen.

Die Idee, unternehmerische Verantwortung zu fördern, zu

stärken und zu honorieren, entstand 1994. Vier Jahre später

folgte daraus die Stiftungsgründung. Zunächst als Oskar-Stiftung,

2005 wurde der Name in Oskar-Patzelt-Stiftung

geändert. Namensgeber ist Dr. med. Oskar Patzelt,

Schwiegervater des Stifters Dr. Helfried Schmidt.

Die Stiftung ist ehrenamtlich organisiert, mehr als 200

Persönlichkeiten aus allen Bereichen des öffentlichen und

gesellschaftlichen Lebens sind aktuell inden Gremien engagiert.

Millionen Euro. Der bisher größteder Firmengeschichte.

Man kann sagen, bei

Ruthmann brummt´s.“

Dass der Wandel, den die Firma voreinigen

Jahren durchgemacht hat (Kulawik:

„hat durchmachen müssen“), sich mittlerweile

ins Positive gekehrt hat, davon

konnten sich Regierungspräsident Prof.

Dr.ReinhardKlenke, Landrat Dr.Kai Zwicker,

Bürgermeister Hubert Effkemann

wie auch Dr. Heiner Kleinschneider, Geschäftsführer

der Wirtschaftsförderungsgesellschaft,

bei einem Rundgang selbst

überzeugen. „Hier wird gehandelt, nicht

rumpalavert. Bei Ruthmann wird nicht

geheuert und gefeuert, sondern Betriebsloyalität

geschaffen“, lobte der Regierungspräsident.

Vor allem die hohe Ausbildungsqualität

sowie die Innovationsstärke

der Gescheraner seien dafür beispielhaft.

Er unterstrich: „Aus Finalisten

sind schon häufiger Sieger geworden.

Das Münsterland ist ein gut aufgestellter

Wirtschaftsraum. Und der Kreis Borken

hat sich dabei schon ein Abo auf Auszeichnungen

erworben.“

Susanne Menzel


12 BRANCHEN

„Made in Münster“ –ganz alle

funktioniert das noch nicht

Aber: Positive Eigenschaften lassen sich bei der Vermarktung eines Produkts miteinander verbinden. Beispiele aus einer St

die angeblich selbst im Nieselregen noch mit dem Charme einer bodenständigen Wirtschaftsmetropole punkten kann.















Das Potenzial für „made in Münster“

liegt sozusagen auf der Straße. Genauer:

Auf dem Prinzipalmarkt, natürlich

bei leichtem Nieselregen.

„Die Farben des Sandsteins, die

Strukturdes Pflasters, vor allem aber

der Charakter der Menschen, ihre

Bodenständigkeit und Zuverlässigkeit,

gepaart mit einer hohen Wirtschaftskraft“

– das alles bildet ein

Pfund, mit dem sich wuchern lässt.

ZUR PERSON

Professor Steffen Schulz´

Vita führte von Mailand

über Stuttgart nach Münster.

Dort hat er beispielsweise

für Westfalenfleiß

einen Objektstuhl konzipiert.

Von Mitarbeitern mit

Handicaps aus heimischer

Eiche gebaut, ersetzen 200

der Stühle mit dem charakteristischen

Kasten

unter der Sitzfläche seit 2013 die Kirchenbänke in

Münsters Erlöserkirche am Servatiiplatz. Das Möbelstück

hat Schulz als freier Designer entworfen, nutzte

aber den entstandenen Kontakt für eine Kooperation

des Fachbereichs Design der FH mit der gemeinnützigen

Westfalenfleiß. Das Projekt „HeimatHelferBorsten“ erhielt

2013 den Innovationspreis Münsterland in der Kategorie

„Soziale Innovation“.

VomLand NRW anerkannte

Spezielle Firmentrainings

BerufsbegleitendeFortbildungen

Managementtraining

Personalwesen

Rechnungswesen

Controlling

Ausbilderlehrgang

EDV/IT

Datenschutz

Rhetorik,Kommunikation

Verkauf

Berufskraftfahrerqualifizierung

Ausbildung zumHochseilgartentrainer

Sprachen

Davon ist Professor Steffen

Schulz überzeugt. Der Produktentwickler

und -Designer

von der Fachhochschule

Münster spürt einen

starken Trend zu Regionalisierung und

Heimatverbundenheit als Gegenimpuls

zur schnellen Globalisierung im Internet.

Münster könne mit einer hohen Dichtean

inhabergeführten Unternehmen mit hoher

Affinität zu Innovation punkten.

Ganz wichtig ist das Charisma desjenigen,

der das Unternehmen groß gemacht

hat. So ist Titus Dittmann nicht der Skateboard-Szene

hinterhergereist, um seine

Boards zu verkaufen. Der ausgebildete

Lehrer hat sie nach Münster geholt, das

Image der Westfalenmetropole jünger

und wilder gemacht. Es ging dem heute

66-Jährigen –zugleich Marke, Unikum,

Unentwegter und als Berufsjugendlicher

immer noch kein bisschen peinlich –

nicht nur ums Geschäft, sondern um Jugendkultur

und die damit verbundene

Glaubwürdigkeit seiner Produkte. „Natürlich

hätteich es in urbaneren Strukturenwie

Berlin oder Hamburgleichter gehabt

–aber wir sind ein Familienunternehmen,

wir wollen nicht alle umziehen“,

scherzt der Vater der deutschen

Skateboard-Szene, der die Geschäfte an

seinen Sohn Julius übergeben und sein

Herz an die Stiftungsarbeit verloren hat:

„Skate-aid“ fördert weltweit Projekte in

Krisengebieten und an sozialen Brennpunkten.

Das Skateboard dient dabei als

Vehikel. Denn der mühselig errungene

Balanceakt auf schmalen Rollen stärkt

das Ego und lässt die „Sich-immer-wieder-aufrappeln“-Haltung

entstehen, „mit

der auch das Leben zu meistern ist, wenn

„Ein qualitativ hochwertiges Produkt

–und den Standort Münster

on top. Nur so herum kann es

funktionieren.“

Dr. Thomas Robbers

Einrichtung derWeiterbildung

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es knüppeldick kommt“, lautet die Philosophie

von Dittmann. Dessen karitativer

Kraftakt färbt auch kommerziell ab: Authentizität

und das Gefühl, „die machen

mit eben diesem Produkt etwas Gutes“,

wecken Kauflust, so die Experten.

Corporate Social Responsibility (kurz:

CSR) schürt den Unternehmenserfolg:

So ist Kuschelhase Felix, seit 20 Jahren

Erfolgsfigur des Coppenrath-Verlages,

seit 2013 als SOS-Kinderbotschafter

unterwegs. Die Bücher,über das reiselustige

Langohr sind in 29 Sprachen übersetzt,

in China gedruckt und sieben Millionen

Mal verkauft worden. Die hebräische

Ausgabe von„Briefevon Felix“ stand

über 70 Wochen als erstes deutsches

Buch der Nachkriegsgeschichte auf Israels

Bestsellerliste. Wolfgang Hölker

liebt Münster,aber ob ein Label „made in

Münster“ außer für lokale Konsumenten

eine Kaufentscheidung sein kann, ist für

ihn fraglich. „Primär ist es wichtig, eine

starkeMarkezuetablieren und diese mit

Inhalt zu füllen“, erläutert der Verleger.

„Made in Münster –eine schöne Schleife,

allerdings wäre made in Westfalen, als

bekannteund erfolgreiche Wirtschaftsregion,

vermutlich attraktiver“, meint der

Unternehmenschef vom Kreativ-Kai.

In seiner unmittelbaren Nachbarschaft

kreiert Manfred Brassler seit 1999 seine

„Meistersinger“: Statt zwei oder drei Zeigern

haben die mechanischen Luxusuhren

des Autodidakten und Bach-Liebhabers

nur einen, seit letztem Jahr sogar angetrieben

von einem eigenen Werk.

„Herz, Hirn und Gestaltung sind made in

Münster“, betont Unternehmenssprecher

Stefan Loges. Produziert werden 9000

Uhren jährlich im schweizerischen Kanton

Jura. Vier Jahre haben die kreativen

Köpfe inMünster und der Schweiz an

dem ersten Meistersinger-Handaufzugskaliber

getüftelt. Neben dem deutschen,

niederländischen und französischen

Markt erobern die mit vielen Design-Preisen

ausgezeichneten Uhren langsam

auch die Gunst der Kunden in Asien und

den USA.

Vom Markt zwischen New York und San

Francisco lässt Dr. Josef Hesse, einer der

drei Geschäftsführer von

Schäper Sportgerätebau,

lieber die Finger:

„Das Schadensersatzrecht

ist uns zu unkalkulierbar.

In Amerika

müsste jaein Warnschild

,Bitte nicht gegenlaufen –

Sie könnten sich stoßen!`am

Fußballtor hängen.“

Sonst auf der Welt, zwischen

Oman, Schweden, Tadschikistan,

Singapur und der

deutschen Bundesliga verkörpert

fast jedes Toreinen unternehmerischer

Sieg für das Roxeler

Familienunternehmen.

Unternehmensgründer Klemens

Schäper war zwar

schon immer leidenschaftlicher

Fußballfan, abervon

Haus aus Fensterbauer.

Eine Notfallreparatur

beim FC Gievenbeck am

Vereinstor hat Schäperfür

den Sportgerätebau begeistert,

1971 revolutionierte

das Unternehmen

OFFEN GESAGT

Große Chancen

onsumgüter mit Charakter,

KProdukte mit Provenienz,

Manufaktur statt Massenware –

die Globalisierungswelle, die mit

einem gleichförmigen Sortiment

über die Kunden hinwegschwappt,

wird immer häufiger gebrochen. Denn

eine wachsende Zahl von Verbrauchern

verweigert sich dem Einheitsbrei. Für

sie zählt nicht Geiz ist geil, sondern

die Qualität und die gesamte Wertschöpfungskette.

Die Gruppe der Menschen, die dieser

Haltung beim Kaufen frönt, mag

(noch) klein sein. Doch der Trend hat

Marketingexperten längst elektrisiert.

Denn wenn die Konnotationen mit

dem Standort, wie in Münster, stimmen,

dann werden die positiven Eigenschaften,

die Location und Produkt gemeinsam

haben, im Kopf der Kunden

gleich miteinander verknüpft.

Autos aus Stuttgart oder Schinken aus

Parma stehen mit dem bloßen Namen

ihrer Geburtsstädte fürgehobene Mindeststandards,

was Anspruch an die

Wertigkeit und Respekt vor Ressourcen

angeht.

In Münster bieten sich riesige Chancen.

Zwar nicht für alle Branchen, aber für

weitaus mehr Betriebe, als diese es bisher

vielleicht erkannt haben.

Maike Harhues

die Fußballwelt mit den ersten Aluminiumtoren.

„Bei Werder war das Holztor

in der 88. Spielminute zusammengekracht

und mein Schwiegervater hatte

das Glück, einige Metallbauer als Mitarbeiter

zu haben“, erinnert sich Hesse.

Heutebietet das Unternehmen Rundum-

Sorglos-Pakete nicht nur für Fußball,

Leichtathletik und Hockey, liefert nicht

nur das Tor, sondern auch Spieler- und

Betreuerkabinen, Markierungshütchen

und Freistoß-Dummy-Wände. Innerhalb

Deutschlands als komplett montiertes

Tor, nach Übersee zerlegt im Container.

Manchmal an Orte, die die Fußballwelt

noch gar nicht auf dem

Schirm hatte: „Blue

Curacao

kannteich eigentlich als Coc

aber jetzt schießen die dor

Tore“, freut sich Hesse. Und

auch begeistert, seine „ma

ter“-Tore im Barca-Stadion

„Unserewichtigsten Kunden

len kleinen örtlichen Vereine

Diplom-Kaufmann ein.

Die Herkunft der Metallb

zählt für die Kauf-Entscheid

als andereAttribute. Der Ges

der Wirtschaftsförderung M

Thomas Robbers, hält da

eines eigenen Labels da

nur zeit- und kostenin

dern auch für wen


BETRIEBE 13

adt,

in

Ganz bewusst

„klein und fein“

Münsters letzte Altbier-Brauerei exportiert nach Japan und in die USA. Doch eine

Steigerung des Produktionsvolumens passt nicht zum Konzept.

ktail-Zutat –

tauf unsere

o sehr es ihn

de in Münszu

sehen:

sind die vie-

“, räumt der

au-Produkte

ung weniger

chäftsführer

ünster, Dr.

s Etablieren

er für nicht

tensiv, sonig

sinnvoll

außerhalb der Region.

Gleichwohl gilt: „Wir können auf ein extrem

ausgeprägtes Münster-Gefühl in

unserer Stadt bauen, und auch innerhalb

Deutschlands steht unsereStadt für Wirtschaftskraft

und Lebensqualität“, merkt

Robbers, wenn er am Expo-real-Stand

der Westfalenmetropole mit Messebesuchern

Münster-Kaffee aus Hohenholte

trinkt und seine Mitarbeiter kleine Felix-

Plüschhasen, Münster-Kreation made in

China, verschenken. Für Robbers ist die

Reihenfolge klar: „Ein qualitativ hochwertiges

Produkt – und den Standort

Münster on top. Nur soherum kann es

funktionieren.“ Maike Harhues

Von der Verladerampe im Kuhviertel indie Welt: Das Unternehmerpaar Friedhelm Langfeld und Barbara Müller braut Bio-Bier auch

für Amerika und Japan.

Foto: ma

Fotos: Meistersinger, Titus, Constanza

Droop, Ahlke

Mit einem einzigen Bier überzeugt

und per Handschlag besiegelt: So

leicht hat es kaum ein Unternehmen

mit der Weltmarkteroberung. Die

Traditionsbrauerei Pinkus Müller

vertraut weder auf einen teuren Vertriebsmanager

für internationale

Märkte noch auf innovative Werbestrategien,

sondern auf Braukunst

unddie Qualität ihrer Bio-Rohstoffe.

In der Altbierküche an der Kreuzstraße

zählt der Geschmack dessen,

was hier im historischen Kellergewölbe

gebraut wird: Ganz allein

Zufriedenheit eines einzelnen

Gastes –ausgerechnet ein Weinimporteur

aus Amerika –ist es zu verdanken,

dass 1978 der erste Container

mit Spezial, Hefe und Alt über den

großen Teich ging. „Mehr mit Händen

und Füßen denn in Englisch hat

mein Vater die ersten Verträge ausgehandelt“,

schmunzelt Barbara

Müller. Die Englischkenntnisse

ihres heute 86-jährigen Vaters

Hans Müller sind zwar begrenzt,

nicht so war esaber sein unternehmerischer

Mut. Ganz gegen den Trend setzte

er als erster Braumeister der Welt schon

1978 auf biologische Braugerste.

Der Biotrend ist in den USAnicht nur bei

Bierliebhabern schwer im Kommen: Pinkus

gibt es in Bierhandlungen, ähnlich

den hiesigen Weinhandlungen, immer

gut gekühlt, für knapp vier Dollar die Flasche.

„In San Francisco ander Hotelbar

habe ich für eins unser eigenen Bieremit

dem Label World`s First Organic Brewery

13 Dollar bezahlt“, wundert sich Brauingenieur

Friedhelm Langfeld, der nach

seinem Studium in die Familie Müller

eingeheiratet hat, schon gar nicht mehr.

Wasgenau das Pinkus in Japan kostet, wo

der überschaubare Jahreslieferumfang

von 250 Hektolitern vom riesigen Nippon-Konzern

vermarktet wird, weiß der

44-Jährigenicht genau.Doch die Außenhandelsbeziehungen

mit Asien hatten

„In San Francisco an der Hotelbar

habe ich für eins unser

eigenen Biere mit dem Label

World`s First Organic Brewery

13 Dollar bezahlt.“

Friedhelm Langfeld

ihren Ursprung vor 20Jahren wiederum

in der Altbierküche: Ein britischer Gast

mit japanischer Ehefrau, Wohnsitz in Tokio

und Job bei Nippon, war begeistert

von Geschmack und Qualität des hellen

Alts und importiert seitdem aus Münsters

letzter von einst 150 Altbierbrauereien.

Geführt wird das Familienunternehmen

an der Kreuzstraße voneinem gebürtigen

Bocholter zusammen mit seiner Frau Barbara

Müller in sechster Generation.

„Einen Nicht-Münsterländer als Ehemann

hätte ich mir nicht vorstellen können

–der Humor muss passen“, kommentiert

die vierfache Mutter. Nur zum Studium

musste sie ihr geliebtes Münster

Richtung Süden verlassen: Wie auch ihr

Mann hat die heute 49-Jährige inWeihenstephan

studiert. Mit nur 17 Mitarbeitern

produziert das Unternehmerpaar

nunmehr 13 Biersorten, bleibt ganz bewusst

bei „klein und fein“ und der Jahresproduktionsmenge

von 20 000 Hektolitern

im Jahr. Zwar wird inLaer in Flaschen

abgefüllt, aber trotz des Erfolges ist

weder eine Steigerung des Produktionsvolumens

noch eine weitere Unternehmensexpansion

geplant: „Da bin ich ganz

klar die Bremse“, räumt Barbara Müller

ein. Zwischen 30 000 und 50 000 Hektolitern

liegedie Produktionsmenge, an der

viele Brauereien kaputtgegangen seien.

„Und ich habe auch mein unbedingtes Veto

eingelegt, als ein Unternehmer unsere

Gaststätte kopieren und eine Art Pinkus

II in Berlin eröffnen wollte“, erzählt die

vierfache Mutter. Die Authentizität und

Glaubwürdigkeit sind der Braumeisterin

sehr wichtig.

So ganz nebenbei führt sie auch noch die

Altbierküche über dem Braukeller, wo

Gäste seit 1816 ihre Namen und Liebesschwüre

indie Tische geritzt haben. 35

Mitarbeiter helfen beim Ausschank des

eigenen Bieres, das hier vomFass kommt,

und servieren „Möppkes- un Liärberbraut

met Schmöräppelkes“ oder „Pfefferpotthast“.

Trotzdem hat die Braumeistertochterden

Kopf noch frei für eigene kreative

Getränkeideen: „Die Limonade für unser

Radler aus italienischen Bio-Zitronen

und -Zucker schmeckt mir persönlich so

gut, die würde ich am liebsten auch ohne

das Bier in Flaschen füllen.“ Langfeld dagegen

mag es um einiges herber, seit

2012 ist „Pinkus Extra“ auf dem Markt,

was als Idee beim Kartenspielen mit

Freunden entstand. Und wasnach einem

Artikel in der Wochenzeitung „Die Zeit“

–„das Telefon stand nicht still“ –von Bierliebhabern

aus ganz Deutschland eingefordert

wurde: „Der Zeit-Redakteur wollte

unbedingt wissen, als er mir beim

Brauen über die Schulter geschaut hat,

was denn die nächste Innovation des

Unternehmens werde; ich habe ihm von

meiner noch unausgegorenen Idee mit

dem sehr herben Bier erzählt –und der

schreibt das auch noch in die Zeitung! Ich

stand im Zugzwang.“ Aus Wasser, Malz

und 50 Prozent mehr Bio-Aroma-Hopfen

als sonst üblich hat der Brauingenieur ein

neues Pils komponiert, das mit rund 40

Bittereinheiten deutlich markanter als

andere schmeckt. Doch nicht nur im

Braukeller ist Langfeld kreativ,nach eher

zähen Zusammenarbeitsversuchen mit

einer Werbeagentur kann er sich auch als

Grafiker sehen lassen: „Die Flaschenlabels

gestalteich am Computer alle selbst,

das BMX-Rad, das auf der Radlerflasche

rechts hinterm Rathaus das Firmenlogo

hochfährt, ist sogar von unserem jüngsten

Sohn.“

Maike Harhues


14 BRANCHEN &BETRIEBE

Sauber, rein, reinraumrein

Mit permanenter Entwicklungsarbeit hat B+K sich in der Industrie hochreiner Produkte einen Namen

gemacht. In dieser Klasse produzieren weltweit nur wenige Verpackungshersteller.

„In der Reinraumfertigung sehen

wir langfristig hervorragende

Perspektiven.“

Dr. Volker Pfennig, B+K-Geschäftsführung

„Das ist eine Welt für sich.“ Die

Mundwinkel von Klaus-Dieter Hofmeister

deuten ein Schmunzeln an.

Wie bitte? Der 62-Jährige ist Betriebsleiter

der Reinraumproduktion

bei Bischof +Klein –einem von

der Umwelt abgekapselten Bereich

beim Verpackungs- und Folienhersteller

mit Stammsitz in Lengerich.

In diese Welt gelangt man nur durch

eine mehrstufige Schleuse und nach

einer genau vorgeschriebenen Umkleideprozedur.

Im Reinraum werden

in einer nahezu keim- und partikelfreien

Atmosphäre hochreine

Verpackungen und Folien gefertigt.

Zwarist der Cleanflex-Produktionszweig

für Bischof +

Klein (B+K) ein verhältnismäßig

kleiner Bereich, doch

verfügt er über großes

Wachstumspotenzial. Der Komplettanbieter

für flexible Verpackungen und

technische Folien versorgt mit seinen

Spezial-Produkten für hochreine Anwendungen

die pharmazeutische Industrie

weltweit. „Alles, was Rang und Namen

hat“, nickt Hofmeister. Auch die Halbleiterindustrie

ist ein wichtiger Kunde. Sie

braucht beispielsweise

für Rohsilizium –

Grundlage für Hochleistungschips

in

Computern – hochreine

Beutel mit besonderen

Eigenschaften.

In den Märkten

Pharma, Medizin

und Halbleiter gilt Bischof

+ Klein als Vorreiter für flexible

Reinraumverpackungen. Die Verkaufsabteilung

unter Leitung von Benjamin

Kepp konzentriert sich ausschließlich auf

diese Produkte.

Auf rund 3000 Quadratmetern produziert

das Unternehmen mit einer 62-köpfigen

Mannschaft Verpackungs- und Folienlösungen

sowieContainmentsysteme

unter zertifizierten Reinraumbedingungen.

Es ist eine Halle in der Halle entstanden,

in der immer ein kontrollierter Überdruck

herrscht. Luft kann nach außen

entweichen, aber nicht von außen in die

Reinraumfertigung eindringen. 150 000

Kubikmeter Luft werden stündlich umgewälzt

und gereinigt. Mindestens 20 Mal

pro Stunde erfolgt ein kompletter Austausch.

„99,95 Prozent aller Partikel, die

größer als ein Zehntausendstel Millimeter

sind, werden herausgefiltert“, erklärt

Hofmeister.

Mit jahrzehntelanger Erfahrung und permanenter

Entwicklungsarbeit hat B+K

sich in der Industrie hochreinerProdukte

einen Namen gemacht. „In dieser Reinraumklasse

produzieren weltweit nur einige

wenige Verpackungshersteller.“ Der

Aufwand ist enorm. Die Maschinen sind

speziell auf den Reinraum zugeschnitten,

bestimmte Module sind extra mit einem

Gehäuse umgeben. Jede Maschine steht

in einem eigenen Raum. Die größteQuelle

von Verunreinigungen in Form von

Partikeln und Keimen ist jedoch der

Mensch. Also müssen die Mitarbeiter

peinlich genau auf Sauberkeit achten.

Das fängt beim Zutritt an. Wer keine

(elektronische) Berechtigung hat, muss

draußen bleiben. Wer eintreten darf,

läuft zunächst über eine haftende weiße

Fußmatte, die den gröbsten Straßenschmutz

von den Schuhen einfängt.

Dann beginnt der „Parcours“ durch die

mehrstufige, 256 Quadratmeter große

Personalschleuse. Zuerst Straßenschuhe

und Jackeausziehen, dann in Übergangsschuhe

schlüpfen. Weiter geht’s. Privatkleidung

ausziehen und in die Reinraumunterkleidung

schlüpfen. Im Waschraum

Hände waschen und desinfizieren,

Mundschutz anlegen und Einweghaube

aufsetzen. Ab durch die nächste Tür.

Reinraumkleidung anlegen, Übergangsschuhe

gegen Sicherheitsschuhe tauschen.

Zum Schluss die Handschuhe desinfizieren.

Erst jetzt dürfen die Produktionsräume

betreten werden. Neulinge brauchen für

diese Prozedur 25Minuten, routinierte

Mitarbeiter schaffen es schneller. Wenn

die Männer und Frauen zu ihren Arbeitsplätzen

gehen, wirken sie futuristisch in

ihrem blauen Reinraum-Vollschutz. Jährlich

fertigen sie rund 17,5 Millionen Beutel.

Hinzu kommen einige Millionen

Quadratmeter Schrumpffolie. Die Anforderungen

an die Mitarbeiter steigen stetig.

„Das geht nur mit qualifiziertem und

motiviertem Personal“, weiß Klaus-Dieter

Hofmeister.

Schließlich steigen auch die Ansprüche

Alles muss rein sein: Mit großem Aufwand werden bei B+K in Lengerich in einem speziellen Produktionsbereich

hochreine Verpackungen und Folien hergestellt.

Foto: B+K

der Kunden aus aller Welt. Die Beutel,

Kannensäcke und Containmentsysteme

müssen einerseits extrem empfindliche

und teure Wirkstoffevor Verunreinigung

bewahren. Andererseits schützen sie die

Umwelt vor teils gefährlichen Wirkstoffen

wie Zytostatika (Krebsmittel). Der

Wert der Güter kann unter Umständen im

sechsstelligen Bereich liegen. Die Verpackung

muss 100-prozentig sicher sein.

Hier kommt die Qualitätssicherung ins

Spiel. Sie sorgt dafür, dass nur einwandfreie

Produkte zum Kunden gehen. „Der

Prüfaufwand und die Dokumentationspflicht

sind enorm gestiegen. Das liegt an

den hohen regulatorischen Anforderungen

und Kundenvorgaben“, erklärt Michael

Selker.Erleitet die Abteilung Qualitätssicherung

mit elf Mitarbeitern.

Der Hauptmarkt für hochreine Verpackungen

liegt in Deutschland. Doch auch

in der EU, in den USA und in Asien sind

die B+K-Folienspezialitäten gefragt. Verpackungslösungen

werden individuell

auf die Bedürfnisse der Kunden ausgerichtet,

und gemeinsam mit ihnen entwickelt.

„Wir müssen unseren Kunden immer

wieder bewusst machen, wie entscheidend

die Verwendung von Reinraumverpackungen

für die Qualität der

Produkte ist“, verdeutlicht Benjamin

Kepp.

B+K verfügt mit der Reinraumproduktion

über ein Alleinstellungsmerkmal, das

auch in den nächsten Jahren deutlich

ausgebaut werden soll. Mit einer ordentlichen

Portion Zuversicht blicken die Lengericher

in die Zukunft.

Produziertedas Unternehmen 2007 noch

600 000 Reinraum-Beutel monatlich,

waren es 2014 mit 1,3Millionen mehr als

doppelt so viele. Die Mitarbeiterzahl in

der Reinraumproduktion stieg von30auf

über 60. „In der Reinraumfertigung sehen

wir langfristig hervorragende Perspektiven.

Die hohen Anforderungen passen

zu uns und der Produktion in Lengerich“,

betont Dr. Volker Pfennig von der

B+K-Geschäftsführung.

Wilhelm Schmitte

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BRANCHEN &BETRIEBE 15

Das Münsterland-Valley

In einem Umkreis von rund 30 Kilometern rund um Ahaus hat sich eine blühende IT-Landschaft

entwickelt. Die d.velop AGinGescher baut jetzt einen eigenen IT-Campus.

600 Mitarbeiter sollen künftig auf dem IT-Campus in Gescher ihr Geld verdienen. Foto: d.velop

INFOS

Die d.velop AGwurde 1992 gegründet

und 2000 zur nicht börsenorientierten

AGumgewandelt.

d.velop ist ein Anbieter von Lösungen

für die digitale Geschäftsprozessoptimierung

und Enterprise

Content Management auf Basis

digitaler Archivierung. Das Unternehmen

zählt mehr als eine Million

registrierte Nutzer und agiert

hauptsächlich bei Groß- und mittelständischen

Unternehmen sowie

Banken, Kliniken und anderen

Institutionen. Die größten Archive,

die mit der Software verarbeitet

werden, verzeichnen ein jährliches

Zuwachsvolumen von mehr als 70

Millionen Dokumenten unterschiedlichster

Größe, das entspricht

einem Datenvolumen von

mehr als zehn Terabyte. Der Umsatz

stieg in den Jahren 2004 bis

2013 von elf auf 45,4 Millionen

Euro.

In einem Umkreis von 30 Kilometern

rund um Ahaus hat sich eine blühende

IT-Landschaft entwickelt. Die

d.velop AG in Gescher gehört seit 23

Jahren dazu.

Der KreisBorken machtebisher

meist ganz konservativ

als Deutschlands Schweinehochburg

von sich reden.

Das sich rund um

Ahaus seit Jahren die IT-Branche zu einer

festen Größe etabliert hat, haben wenige

auf dem Schirm. Die Tobit.Software AG,

die shopware AG und die d.velop AG gehören

bundesweit mittlerweile zu führenden

Unternehmen imIT-Sektor. Warum

gerade im westlichen Münsterland

ein kleines Silicon Valley entstanden ist,

der Vorstandsvorsitzende der d.velop AG

in Gescher, Christoph Pliete, hat eine –

wenn auch mit leichtem Augenzwinkern

–einleuchtende Erklärung: „Es gibt viele

junge Leute, die sich, wenn abends die

Bürgersteige imwestlichen Münsterland

hochgeklappt werden, mit den Sachen

beschäftigen, die für uns wichtig sind.“

Einen weiterenGrund, der wahrscheinlich

noch eher zutrifft:

„Es hat hier vorJahren einen

Modellversuch der RWTH

Aachen in Ahaus gegeben,

bei dem Mathematisch-technische

Assistenten ausgebildet

wurden. Da wurde mit Fördergeldern

versucht, jungeLeute,

besonders auch Frauen,

an den technischen

Beruf der Informationsverarbeitung

heranzuführen.

Daraus

ist einiges

entstanden

und es sind

Impulse in die

Region gekommen“,

sagt Pliete.

Keimzellen wie Tobit

in Ahaus hätten

sicher auch dazu

beigetragen.

Christoph Pliete ist Vorstandsvorsitzender Christoph Pliete ist

der d.velop AGinGescher.

Vorstandsvorsitzender

und Mitgründer der d.velop AG in

Gescher.Vor 23 Jahren hat er zusammen

mit Thilo Gukelberger das Unternehmen

gegründet, das sich unter anderem auf

Archivsysteme spezialisiert hat.

Groß geworden in einer Familie, die ein

kleines Lebensmittelgeschäft betrieb und

das später den großen Ketten zum Opfer

gefallen ist, beliefert Pliete heute genau

diese Ketten mit seinerSoftware. Bis heute

hat sichd.velopzueinem kleinen Konzern

entwickelt. Die Firmengruppe besteht

aus 15 Unternehmen mit insgesamt

mehr als 500 Mitarbeitern, davon über

300 in Gescher,und einem Jahresumsatz

von 45Millionen Euro.

Dem Standort Gescher ist Pliete immer

treu geblieben, er baut ihn momentan sogar

aus. Neben Büroflächen für das eigene

Unternehmen ist ein IT-Campus mit

weiteren Dienstleistern aus dem Bereich

der Informationstechnologie im Bau. Ein

Weg, um auch in Zukunft für gutes Personal

interessantzusein. „Die Leutewollen

ein attraktives Umfeld“, sagt Pliete. Auf

dem Campus soll ein Fitnesscenter entstehen,

aber auch ein zentrales Gebäude,

das vonmehreren Unternehmenfür Konferenzen

und Tagungen genutzt werden

kann und in dem eine Kantine untergebracht

ist. Pliete: „Das ist der klassische

Sharingansatz.“ Die Unternehmen könntensodeutlich

kleiner bauen, weil sie keine

eigenen Konferenz- oder Besprechungsräume

brauchen.

„Wir gehen davonaus, dass wir bis Ende

2016 etwa zehn Unternehmen mit bis zu

600 Mitarbeitern hier auf dem Campus

haben“, sagt er.Daviele seiner Mitarbeiter

inMünster wohnen, wird gerade ein

Office-Bus geplant. Der soll die Mitarbeitermorgens

in Münster einsammeln und

nach Gescher bringen. Der Clou: Die

Fahrt ist Arbeitszeit, der Bus ist mit

Arbeitsplätzen ausgerüstet, an denen die

Mitarbeiter bereits ihrenDienst beginnen

können.

Dass Pliete den Blick immer in Richtung

Zukunft hat, sieht man auch an seinem

neuesten Produkt. Einer Cloudlösung mit

dem Namen „Foxdox“, bei dem die Konten

aus Datenschutzgründen den Nutzern

und nicht den Providern gehören

und die auf deutschem Recht basiert. ur


16 BRANCHEN &BETRIEBE

Vom Stammhaus

zur Schaltzentrale

Viehoff-Gruppe aus Münster rangiert inder Optiker-Branche bundesweit

inzwischen auf Rang 14 –und das Familienunternehmen wächst weiter.

Teamarbeit: Bernhard (l.) und Johannes Kleikamp führen gemeinsam

die Viehoff-Gruppe. 204 Mitarbeiter-Porträts schmücken die

Magnetwand in der Firmenzentrale.

Foto: gh

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ODER SUCHEN

SIE NOCH?

Die riesige Magnetwand im Empfang

der Firmenzentrale in Münster wird

immer bunter. Jeder Mitarbeiter der

Viehoff-Gruppe ist dort mit einem

Foto auf einer kleinen Tafel verewigt.

Mittendrin sind irgendwo

Bernhard und Johannes Kleikamp

platziert. Die beiden Chefsdes münsterischen

Familienunternehmens,

das sich in der Branche der Augenoptiker

tummelt, behalten trotz des stetigen

Wachstums ihres Betriebes den

Überblick. Und den Durchblick.

Die Last, ein solches Geschäft

zu stemmen, liegt

auf den Schultern des Seniors

und des Juniors gleichermaßen

verteilt. Beide

haben für sich und ihreArbeit klareGrenzen

gezogen. Während sich der Psychologe

und Betriebswirt Johannes Kleikamp

unter anderem um Personalfragen kümmert

und um die neue Technik im Unternehmen,

knüpft Senior Bernhard Kleikamp

Kontakte zuverkaufswilligen Augenoptikern.

Viehoff ist mit Geschäften

zwischen Verden an der Aller bis Koblenz

am Rhein vertreten.

„Oft sind es fehlende Nachfolger in den

Familienbetrieben und das Alter der Inhaber“,

erklärt der 72-jährige Bernhard

Kleikamp das Zustandekommen der Kontakte.

Häufig werde bei ihnen schon angefragt,

ob Interesse an einer Übernahme

bestünde.

Viele Betriebsinhaber kennen Kleikamp

senior aus einer Zeit, als dieser ehrenamtlich

für den Augenoptikerverband tätig

war. Diese ehrenamtliche Laufbahn

Kleikamps begann 1981 als Bezirksmeister

der Augenoptikerinnung Münster.

Später wurde er zum Obermeister der Innung

und zum stellvertretenden Landesinnungsmeister

des Augenoptikerverbandes

NRW sowie zum Vizepräsidenten

des Zentralverbandes der Augenoptiker

(Düsseldorf) gewählt.

Die Messlatte für

die Übernahme

eines weiteren

Geschäftes liegt

in der Viehoff-

Gruppe hoch.

Umsatz und Zustand

des jeweiligen

Betriebes

müssen stimmen. Ein guter Standort

zählt ebenso wie eine vernünftigeGröße.

Der Betrieb in Münster wächst dennoch.

Von bundesweit 10 000 Augenoptik-

Unternehmen wird das münsterische

Unternehmen heute bereits an 14.Stelle

geführt. Das sind Aussagen, die der Zen

tralverband der Augenoptiker (ZVA) und

damit der Interessenvertretung des deutschen

Augenoptiker-Handwerks, die

jährlich dieses Ranking veröffentlicht.

Erstmals taucht das Unternehmen aus

Münster im Jahr 2013 in der Rangfolge

der größten Betriebe in der Augenoptik

auf.

Die Viehoff-Gruppe in Münster umfasst

heute 20Geschäfte mit insgesamt 204

Mitarbeitern. Vor einem Jahr zählte das

Unternehmen „nur“ 17 Geschäfte und

158 Mitarbeiter. Betriebe in Wuppertal,

Koblenz und Oelde sind zwischenzeitlich

integriert worden. „Aktuell sind wir mit

zwölf bis 15 Betrieben im Gespräch“, sagen

Bernhard und Johannes Kleikamp.

Seniorchef BernhardKleikamp und Sohn

Johannes Kleikamp teilen sich seit einem

„Aktuell sind wir mit zwölf bis 15

Betrieben im Gespräch.“

Bernhard und Johannes Kleikamp

Jahr die Verantwortung. Der 33-jährige

Johannes Kleikamp waresauch, der den

Umbau des Stammhauses auf der gefragten

Ludgeristraße zu einer modernen

Schaltzentrale vorangetrieben hat. „Ich

habe nur auf die Kosten geachtet“, fügt

sein Vater hinzu.

Das, wassich jetzt hinter den Mauern des

Firmengebäudes von 1912 verbirgt, und

was die Münsteraner so nicht zu sehen

bekommen, ist topaktuell. Angefangen

vonmodernen Arbeitsplätzen in den Büros

und in der Werkstatt bis hin zu einem

Empfang und zu einem Tagungsraum,

den es in der Vergangenheit in der Gruppe

nicht gab.

Für eine solche Größe, wie sie Viehoff inzwischen

erreicht

hat, bedürfe es

einer solchen

Zentrale, sagt Johannes

Kleikamp.

Rund eine halbe

Million Euro haben

die Unternehmer

investiert. Optionen für noch mehr

Platz gibt es auf drei weiterenEtagen. Damit,

sagt der 33-Jährige, „sind wir so aufgestellt,

dass vom Firmensitz in Münster

etwa 30bis 35 Filialen gesteuert werden

können“.

Zeitgleich zum Ausbau in Münster nahm

die Viehoff-Gruppe eine Lagerhalle in

Greven inBetrieb, die das Unternehmen

dort erworben hat. Von hier aus werden

Brillengestelle und alles, wasein Optiker

heute zubieten hat, versandt.

Trends und Neuheiten in der Branche

werden den Beschäftigten des Unternehmens

beim Trendforum vorgestellt. Momentan

seien Brillengestelle aus Holz

und Horn ein Thema, sagt Johannes Kleikamp.

Multifokallinsen, auch als Gleitsichtkontaktlinsen

bekannt, werden präsentiert.

Ebenso ein „3-D-Sehtest“. Kleikamp

spricht in diesem Zusammenhang

von einer „tatsächlichen Revolution“.

Früher hielt der Optiker seinem Kunden

beim Sehtest ein Auge zu, heutewirddieser

Schritt durch Technik ersetzt.

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Modern ist die neu gestaltete Zentrale der Viehoff-Gruppe in Münster ausgestattet. Hier

ein Blick in den Empfangsbereich.


GELD &GESCHÄFT 17

Soll und Haben

Mit der Zahlungsmoral deutscher Unternehmen geht es nach einer langen

Durststrecke langsam wieder bergauf

Zeit ist Geld: Sobald das Zahlungsziel überschritten ist, verliert der Unternehmer Tagfür Tagbares Geld.

Foto: Colourbox.de

VERZUGSZINSEN

UND VERZUGSKOSTEN

Keine Frage: Ist der Leistungsempfänger

mit der Zahlung im Verzug,

kostet das den Unternehmer Tagfür

Tagbares Geld. Das „Gesetz zur Bekämpfung

von Zahlungsverzug im

Geschäftsverkehr“ schafft hier klare

Regeln. Der Verzugszinssatz liegt

laut Gesetzestext neun Prozentpunkte

über dem jeweiligen Basiszinssatz.

Zudem dürfen Unternehmer

ihren Schuldnern eine Pauschale

von 40 Euro für den Verzugsschaden

berechnen. Dieser Betrag

soll Kosten für das Mahnverfahren

oder eine eventuell erforderliche

Rechtsberatung abdecken. Aus

Unternehmersicht gibt es dennoch

Bedarf fürNachbesserungen. Denn

die scheinbare Besserstellung der

Gläubiger kann mitunter auch eine

Schlechterstellung bedeuten. Das

Problem: Die Verzugspauschale

muss im Fall der Fälle auf die weiteren

Rechtsverfolgungskosten angerechnet

werden. Das ist der Fall,

wenn der Gläubiger ein Inkassounternehmen

oder einen Rechtsanwalt

einschaltet, um seine Forderung

einzutreiben.

Es ist das alte Spiel: Die Leistung ist

längst erbracht, doch die Bezahlung

lässt auf sich warten. Die bundesdeutschen

Unternehmer können davon

ein Lied singen – doch nun

scheint sich das Blatt langsam zu

wenden.

Seit dem Spätherbst geht es

mit der Zahlungsmoral im

Geschäftsbereich überraschend

deutlich bergauf. Abzulesen

ist das unter anderem

am Bisnode-Index. Die Kennziffer, die

ausdrückt, welcher prozentuale Anteil

der Unternehmen seine Rechnungen

pünktlich oder sogar vor Erreichen des

Zahlungsziels begleicht,

steigt seit

Ende September

stetig. Aktuell notiert

der Index bei

86,82 Prozent.

„Das Gesetz hat sich noch nicht

auf das Zahlungsverhalten der

öffentlichen Hand ausgewirkt.“

Einfach ausgedrückt:

Vier von

fünf Firmen zahlen

derzeit zuverlässig.

Luft nach

oben ist allerdings noch vorhanden. Ende

des Jahres 2012 hatten neun von zehn

Unternehmen ihre Rechnungen fristgerecht

beglichen.

Für verspätete Zahlungen gibt es unterschiedliche

Gründe. Viele Geschäftskunden

nutzen die Fristüberschreitung bei

offenen Rechnungen gerne als Finanzierungsersatz.

Doch nicht immer dient der

Geschäftspartner nur als preiswerter

Bank-Ersatz. 65 Prozent der Schuldner

gaben zumJahreswechsel einen vorübergehenden

Liquiditätsengpass als Auslöser

an, berichtet der Bundesverband

Wolfgang Spitz, Präsident des Bundesverbandes

Deutscher Inkasso-Unternehmen

Deutscher Inkasso-Unternehmen

(BDIU). Immerhin: Ein Jahr zuvor lag

dieser Wert noch bei 72 Prozent.„Das belegt,

wie gut die Unternehmen derzeit

wirtschaftlich aufgestellt sind“, sagt

BDIU-Präsident Wolfgang Spitz. Zugleich

sinkt die Zahl der Firmen, die ihren

Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen

können, weil sie selbst nicht in

der Lagewaren, ihre Forderungen gegenüber

den eigenen Kunden durchzusetzen.

Völlig konträr zum Zahlungsverhalten

der deutschen Unternehmer steht indes

die Zahlungsmoral der öffentlichen

Hand. 90 Prozent der Inkassounternehmen

in Deutschland berichten, dass öffentliche

Auftraggeber ihren Verpflichtungen

nur schleppend nachkommen.

Dabei hatte die Bundesregierung noch

Mitte vergangenen Jahres mit einer Gesetzesregelung

dafür gesorgt, dass Unternehmen

schneller an ihr Geld kommen.

In den eigenen Reihen ist die Botschaft

aus dem Berliner Reichstag allerdings offenbar

ungehört geblieben. „Das Gesetz

hat sich noch nicht auf das Zahlungsverhalten

der öffentlichen Hand ausgewirkt“,

resümiert BDIU-Präsident Spitz

ernüchtert.

Dabei lässt das

„Gesetz zur Bekämpfung

von

Zahlungsverzug

im Geschäftsverkehr“

eigentlich

wenig Interpretationsspielraum.

Zahlungs- und

Abnahmefristen

können von Unternehmern und öffentlichen

Auftraggebern seit Juli vergangenen

Jahres nicht mehr beliebigvereinbart

werden.

Wichtig für den Leistungserbringer ist

insbesondere, dass Höchstgrenzen für

die Fälligkeit von Rechnungen eingezogen

worden sind. Für den Fall, dass der

Schuldner ein Unternehmer ist, darf die

Frist maximal 60 Tage betragen. Längere

Fristen sind nur dann erlaubt, wenn sie

ausdrücklich festgelegt und „im Hinblick

auf die Belangedes Gläubigers nicht grob

unbillig“ sind. Für öffentliche Auftraggeber

gelten sogar noch strengere Maßstäbe.

Hier beträgt die maximale Frist für

Zahlungen nur 30 Tage.Fristen vonmehr

als 60 Tagen sind gar unwirksam.

Klarheit bringt das Gesetz auch im Hinblick

auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen

(AGB). Sowohl Zahlungs- als

auch Abnahmefristen in den AGB von

mehr als 30 Tagen stuft der Gesetzgeber

als unangemessen lang ein. Selbst Zeiträume

vonmehr als 15 Tagenwerden als

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18 GELD &GESCHÄFT

Die doppelte Dividende

Mit nachhaltigen Investmentfonds lässt sich ein ethischer, ökologischer oder sozialer Mehrwert erzielen.

Die Finanzkrise hat in den Köpfen

der Anleger Spuren hinterlassen.

Die Sparer denken gründlicher darüber

nach, wo sie ihr Geld parken.

Nachhaltige Investmentfonds werden

dadurch immer beliebter.

„Institutionelle Anleger werden

auch in den kommenden Jahren

die treibende Kraft bleiben.“

Ines Markmiller, Oekom Research

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OFFEN GESAGT

Ideales Paar

U

nternehmen,

die

nachhaltig

wirtschaften,

sind

auch erfolgreich. Diese

These vertritt nicht nur

Ines Markmiller. Die

Pressesprecherin

der Ratingagentur

Oekom Research

kennt aber

die Details des Marktes:

Die Zahl der im

deutschen Sprachraum

zum Vertrieb

zugelassenen

nachhaltigen

Publikumsfonds

habe nach

Berechnungen des Sustainable Business

Institute(SBI) Ende 2014 bei 393 gelegen

–imVergleich zum Vorjahr ein Plus

vonzehn Fonds.Das Volumen der Fonds

betrug insgesamt 47Mrd. Euro nach 40

Mrd. Euro am Ende des Jahres 2013.

Der grundlegende Unterschied zwischen

einer „klassischen“ und einer „nachhaltigen“

Geldanlage findet sich in der Konzeption.

Während konventionelle Anlagenhauptsächlich

die Größen „Rendite“,

„Liquidität“ und „Risiko“ ins Rampenlicht

stellen, gibt es

bei der nachhaltigen Geldanlage

zusätzlich die Mittelverwendun

als Dimension. Realwirtschaftlichen

Auswirkungen der Geldanlage

werden mit einbezogen. So bietet

die direkteInvestition in einen Solarpark

oder die Beteiligung an einem Windkraftfonds

auch eine ökologische Rendite.

Esgibt aber sozial orientierte Fonds

oder Anlageformen, die strengen ethischen

Vorgaben genügen.

Doch wann ist ein Investmentfonds nicht

nachhaltig? In der Branche gelten als

Ausschlusskriterien ökologische, soziale

Faktoren sowie grobe Managementvergehen.

Zu den nicht erlaubte Umweltengagements

gehören der Kernkraftsektor,

Genmanipulation und die Anwendung

von Bioziden. Glücksspiel, Pornografie

und Rüstungsgüter sind soziale Ausschluss-Komponenten.

Inder Unternehmensführung

sind systematische Lobbyarbeit

und Korruption untersagt.

Unter den in Deutschland aufgelegten

Fonds gibt es geschlossene Formen im

Volumen von rund 750 Mio. Euro, die

Wind- und Solarparks oder Projekte mit

nachwachsenden Rohstoffen unterstützen.

Diese Fonds haben den Nachteil,

dass Anleger nur eine geringeChance haben,

dort schnell wieder herauszukommen.

„Der Anleger ist quasi gefesselt“, bewertete

kürzlich Ulf Moslener von der

Frankfurt School of Finance die geschlossenen

Ökofonds.

Oekom Research ist sicher, dass nachhaltigeFonds

den Anlegern viel zu bieten haben.

NachhaltigeProjekte würdenunterstützt

und meist stimme auch die Rendite.„Die

doppelteDividende ist die Triebfeder,

die private und institutionelle Anleger

motiviert“, erklärte Oekom-Vorstand

Robert Haßler.Die gesamten nachhaltigen

Kapitalanlagen

im deutschsprachigen Raum

summierten sich laut Forum Nachhaltige

Geldanlagen Ende 2013 auf 134,5 Mrd.

Euro. Damit hat der Markt im Vergleich

zum Vorjahr um zwölf Prozent zugelegt.

Es sind nicht die Privathaushalte,diedem

Markt Rückenwind geben. „Institutionelle

Anleger werden in den kommenden

Jahren die treibende Kraft bleiben“, sagt

Ines Markmiller.

Die Anzahl der Publikumsfonds mit

Nachhaltigkeitscharakter hat auch europaweit

zugenommen. 957 Fonds waren

Mitte 2014 zum Vertrieb zugelassen, 33

Fonds mehr als zur Jahresmitte 2013.

Zwei entscheidende Motive hat Oekom

Research ausgemacht: „Auf der einen

Seitestehen Investoren, die bei der Kapitalanlagedie

Werteberücksichtigen wollen,

für die sie als Privatperson stehen“,

so die Oekom-Sprecherin. Auf der anderen

Seiten sind einige Geldgeber überzeugt,

dass soziale und umweltbezogene

Investments ein besseres Rendite-Risiko-

Verhältnis haben. Die Entwicklung des

Nachhaltigkeitsindex Stoxx Global ESG

Leaders übertraf binnen Jahresfrist bis

MitteFebruar mit einem Plus vonüber 25

Prozent den Standardwerte-Index Dax

(plus 16,3 Prozent). Jürgen Stilling

Die Zeiten haben sich gewandelt.

Bei der Geldanlage ist eine Rendite

ohne Wenn und Aber für immer

mehr Menschen nicht mehr die oberste

Maxime. Moralische oder soziale Fragen

werden ebenso wie ökologische

Überlegungen beim Sparen vielfach

nicht mehr ausgeklammert. Wegen des

Klimawandels und der Ressourcenknappheit

sind Anleger mit nachhaltigen

Interessen schon längst keine Minderheit

mehr. Langfristig orientiert und

werthaltig müssen die Investments

sein. Rendite und Nachhaltigkeit sind

inzwischen ein ideales Paar.

Hinzu kommt, dass die Finanzkrise das

Vertrauen der Anleger in Banken und

andere Geldhäuser massiv geschädigt

hat. Verbraucher, aber auch institutionelle

Investoren machen sich zunehmend

Gedanken, wie die Finanzinstitute

mit Einlagen umgehen. Berichte

über die Ausbeutung von Menschen in

der Dritten Welt –vor allem bei der

Herstellung von Bekleidung und Sportartikeln

–zeigen Wirkung.

In Zeiten einer Nullzinspolitik der

Europäischen Zentralbank sehen mehr

Anleger die langfristige Perspektive –

und nicht die kurzfristige Profitorientierung.

Doch nicht jedes Produkt, das

als nachhaltig und renditestark beworben

wird, ist optimal. Sparer müssen

sich detailliert informieren, bevor sie

sich für ein entsprechendes Investment

entscheiden. Grund: Die Kriterien sind

bislang nicht einheitlich. Grundsätzlich

gilt, was bei jeder Depot-Zusammensetzung

zu beachten ist: Das Geld sollte

breit gestreut werden.

jst


GELD &GESCHÄFT 19

Nießbrauchsrecht kann

steuerlich günstig sein

Mit klugen Nachfolgeregelungen im Unternehmen sichert der Seniorchef auch seine

Altersversorgung. Westfälische Notarkammer rät zueiner genauen Prüfung.

Die Unternehmensnachfolge ist ein

Thema, das die Wirtschaft beschäftigt.

Nur inetwa 150 000 der rund

380 000 Unternehmen, bei denen in

den nächsten zehn Jahren eine Übertragung

auf andere Eigner ansteht,

stehen Familienmitglieder als Nachfolger

bereit.

Inden verbleibenden rund 230 000

Unternehmen kommen externe

Käufer in Betracht oder die Nachfolge

ist noch ungeklärt. Für den

Seniorchef stellt sich die wichtige

Frage, wie er seine Altersversorgung

nach der Übergabe desUnternehmens sicherstellen

kann.

Um für das Alter vorzusorgen kann ein

Seniorchef sich im Rahmen einer vorweggenommenen

Erbfolge ein Nießbrauchsrecht

einräumen lassen. Das bedeutet:

Er hält weiterhin Anteile am

Unternehmen und sichert sich gegen

einen möglichen Verkauf des Unternehmens

durch seinen Nachfolger ab. Der

Nießbrauch kann dadurch flexibel gestaltet

werden, dass es möglich ist, ihn auf

eine Quote zubeschränken. Darüber hinaus

kann ein Nießbrauchsrecht auch

erbschaftsteuerlich günstig sein kann.

Denn wenngleich der Seniorchef weiterhin

Unternehmensanteile hält, erfolgen

Wertsteigerungen bereits bei seinem

Nachfolger. Auf die Wertsteigerungen

wirdimspäteren Erbgang also keine Erbschaftsteuer

mehr erhoben.

Der Nießbraucher hat wie die anderen

Gesellschafter Vertretungs- und Geschäftsführerbefugnisse

sowie Stimmrechte

in der Gesellschafterversammlung.

Nur imInnenverhältnis unterliegt

er schuldrechtlichen Bindungen. Zur Vertretung

in der Gesellschafterversammlung

und zum Ausüben der mit dem Geschäftsanteil

verbundenen Verwaltungsrechte

kann dem Nießbraucher eine

Stimmrechtsvollmacht gewährt werden.

Es empfehlen sich genaue und eindeutige

vertragliche Regelungen. Gemäß § 15

Abs. 3GmbHG müssen Nießbrauchsrechte

an Kapitalgesellschaftsanteilen notariell

beurkundet werden.

Um seine Altersversorgung zu sichern,

kann der Seniorchef auch mit seinem

Nachfolger einen Verkauf des Unternehmens

gegen wiederkehrende Leistungen

vereinbaren. Dieser zahlt ihm den Kaufpreis

dann nicht in einem Betrag, sondern

als Ratenzahlungen, Rentenzahlungen,

Unterhaltsleistungen oder dauernde

Lasten über einen längeren Zeitraum.

Bei wiederkehrenden Leistungen gilt es

insbesondereaufgrund der steuerrechtlichen

Konsequenzen zwischen Kaufpreisraten,

Renten, dauernden Lasten und

Unterhaltsleistungen zu unterscheiden.

Bei Kaufpreisraten vereinbaren die Beteiligten

im Voraus einen festen Zeitraum,

auf den der Kaufpreis aufgeteilt wird.

Wird der Kaufpreis durch Rentenzahlungenbeglichen,

ist zu beachten, dass diese

mit dem Ertragsanteil steuerpflichtig

sind.

Auch dauernde Lasten sind wiederkehrende

Aufwendungen, die ertragssteuerpflichtig

sind. Im Gegensatz zu Renten

müssen dauernde Lasten aber nicht

gleichbleibend hoch sein. Wenn ihre Höhe

an die Unternehmensentwicklung gekoppelt

ist, kann es sich für den Seniorchef

nachteilig auswirken, dass er vom

Erfolg seines Nachfolgers abhängig ist.

Bei negativer Geschäftsentwicklung

kann sich das Niveau seiner Altersversorgung

erheblich verringern.

Unterhaltsleistungen sind dagegen nicht

steuerpflichtig und beim Nachfolger

nicht abzugsfähig.

Wird Betriebsvermögen gegen wiederkehrende

Leistungen übertragen, ist also

genau zu prüfen, ob die Versorgungsleistung

eine Unterhaltsleistung darstellt

oder eine wiederkehrende Leistung in

einem Austausch mit einer vollwertigen

Gegenleistung. Im letzteren Fall handelt

es sich in steuerlicher Hinsicht um ein

Mehr als ein Handschlag: Die Regelung der Unternehmensnachfolge

ist auch steuerlich ein komplexes Thema. Foto: colourbox.com

„normales“ Veräußerungsgeschäft mit

Veräußerungsentgelt seitens des Seniorchefs

und mit entsprechenden Anschaffungskosten

seitens des Nachfolgers.

Durch einen Steuervergleich muss dann

geprüft werden, ob der Steuervorteil des

Nachfolgers durch den Sonderausgabenabzug

größer ist als die steuerliche Mehrbelastung

des Seniorchefs.

Klaus-Peter Hohenner, Westfälische

Notarkammer

Info

TERMINE -TERMINE -TERMINE -TERMINE -TERMINE

In unserem Magazin erreichen

Sie Ihre Zielgruppe:

Abiturienten und Studieninteressierte

24./25. Februar 2015: 14. Münsteraner Abfallwirtschaftstage, Messe- und Kongresszentrum

Halle Münsterland, Münster

25. Februar bis 1. März 2015: Trends, Frühjahrsmesse, 11 bis 18 Uhr, Messeund

Kongresszentrum Halle Münsterland, Münster

28. Februar 2015: Messe „Bauen und Wohnen“ der Wirtschaftsförderung der

Stadt Lüdinghausen, 11 bis 17 Uhr, Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg, Auf

der Geest 2, Lüdinghausen

5. März 2015: 9. Steinfurter Bioenergiefachtagung, 9bis 17 Uhr, Fachhochschule

Münster, Steinfurt

6. März 2015: Gründertag Kreis Steinfurt „Wir machen Gründer groß“, 13.30

Uhr, Stroetmanns Fabrik, Friedrichstr. 2,Emsdetten

7. März 2015: Berufs- und Studieninformationsmesse, Realschule Wadersloh,

Wadersloh

Spielen Sie unseren

LesernIhren

(Karriere-)Ball zu!

11. bis 12. März 2015: Frühjahrsmesse der Agravis Raiffeisen AG, Messe- und

Kongresszentrum Halle Münsterland, Münster (nur für Fachbesucher)

13. bis 15. März 2015: 31. Emsdettener Frühjahrsmarkt, ganztägig, Innenstadt

20. bis 22. März 2015: 19. Bauen &Wohnen, 10 bis 18 Uhr, Messe- und Kongresszentrum,

Halle Münsterland, Münster

21. und 21. März 2015: Bauen und Wohnen, 11 bis 18 Uhr, Thesingbachhalle,

Velen

14. bis 16. April 2015: Ipomex –Defence Expo, Messe- und Kongresszentrum

Halle Münsterland, Münster (nur für registrierte Besucher)

17. bis 19. April 2015: Ahlener Woche (Gewerbeschau), ab 10 Uhr, Dr.-Paul-Rosenbaum-Platz,

Ahlen

19. April 2015: Industrietage Ahaus, 10bis 18 Uhr, Gewerbegebiet Ahaus

6. und 7. Mai 2015: Tankstelle &Mittelstand 15, Branchenmesse, Messe- und

Kongresszentrum Halle Münsterland, Münster

20. und 21. Mai 2015: 2. iaf Kongress Bahnbau, Messe- und Kongresszentrum,

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20 GELD & G

„Fitnessprogramm“ für das

regionale Zugpferd

Netzwerk „Grenzenloser Maschinen- und Anlagenbau“, kurz GMA, bietet gerade kleinen und mittleren Untern

vielfältige Lösungsansätze an. Der Blick über den Tellerrand kann sich auszahlen.

Design als Wettbewerbsvorteil: Das deutsch-niederländische Firmenprojekt IDkon, ein Spezialist für Maschinenverkleidungen, entstand aus dem Netzwerk „Grenzenloser Maschinen- und Anlagenbau“.

„Beide Netzwerke zeichnen sich

dadurch aus, dass sie bei den

Unternehmen und auf dem Markt

angekommen sind.“

Klaus Ehling, Geschäftsführer Münsterland e.V

EARLY

BIRD

muenster.business de

Das erfolgreiche Wirtschaftsportal

„Einer für alle, alle für einen.“ Das

Motto der Drei Musketiere prägt die

Arbeit des Münsterland e.V., einer

der stärksten Regionalinitiativen in

Deutschland. Alle Wirtschaftsförderungsgesellschaften

der vier Münsterlandkreise

und der Stadt Münster

arbeiten dort in Sachen Wirtschaft

Hand in Hand. Jeder von ihnen spezialisiert

sich auf bestimmte Themen

undbearbeitet sie stellvertretend für

die anderen. Gemeinsam mit hiesigen

Unternehmen will Münsterland

e.V. die Marke Münsterland bekannt(er)

machen, in der Region

selbst und über die Region hinaus.

Dies soll über Netzwerke gelingen.

Welche Netzwerke das sind und wie

diese funktionieren, was ihre Stärken

und ihre Schwächen, was ihre

bisherigen Ergebnisse und noch offenen

Ziele sind – diesen Fragen gehen

wir in unserer Serie nach.

Vrkürzte Ve Produktlebenszyklen,

verschärfte Wettbewerbssituation,

Kostendruck

und knappe Ressourcen

–mit diesen Herausforderungen

müssen viele Unternehmen

tagtäglich umgehen. Immer wieder neue

Strategien sind gefordert, Improvisationstalent

und ein Blick für moderne

Technologien und Trends.

Das Netzwerk Grenzenloser Maschinenund

Anlagenbau, kurz GMA, bietet vielfältige

Lösungsansätze an. Gemeinsam

mit starken Partnern aus Branchenverbänden,

Wirtschaftsförderung, Kammern

und Fachhochschulen. In den Geschäftsfeldern

Markt und Marketing

(Systempartnerschaften, Unternehmensdatenbank,

Messen, Workshops), Technik

und Prozessinnovation (Beratung in

der flexiblen Fertigung, Schweißen,

Blechbe- und verarbeitung,Zerspanung)

sowie Weiterbildung (für Inhaber, Einkauf,

Facharbeiter). GMA richtet sich an

die Branchen Aerospace und Transport,

Agrartechnik, Energie- und Umwelttechnik,

Foodtechnik, Kunststofftechnik und

Verpackungstechnik.

„Wichtig ist es uns, dass die Unternehmensführung

und die Mitarbeiter stets

eingebunden werden“, erläutert GMA-

Sprecher Thomas Melchert von der

Handwerkskammer Münster. Eine passgenaue

Förderung sei stets das Ziel, um

Kooperationen sowie Systempartnerschaften

aufzubauen, aktuelle Marktund

Organisationsstrategien aufzustellen,

um Prozessinnovationen auf den

Weg zu bringen, neue Produkte mit

Mehrwert und Nachhaltigkeit zu entwickeln,

sowie das Know-how aller Mitarbeiter

und die Wettbewerbsfähigkeit

des Unternehmens insgesamt zu stärken.

Das Netzwerk GMA versteht sich als „Fitnessprogramm“,

das die Betriebe „dauerhaft

schlank und leistungsfähig hält“, mit

„Scouts“ wie Thomas Melchert und seinen

Fachkollegen.

Im Fokus aller Aktivitäten steht der freie

und wache Blick über den eigenen Tellerrand

hinaus, um grenzenlos in der Region

und –ineinem zweiten Schritt –

auch grenzenlos in Europa erfolgreich

am Markt mitmischen zu können.

Um diesen besser in den Blick zu bekommen

gibt es Markterkundungsreisen in

Drittländer, Gemeinschaftsstände auf

(inter)nationalen Fachmessen, innovative

Marketingbausteine, Workshops und

themenorientierte Erfahrungsgruppen

rund um erfolgreiches Produktmanagement,

um langfristigeWettbewerbsfähigkeit

zu sichern. Das bezieht sich auch auf

den Herstellungsprozess. Scheuklappen

gibt es beim grenzenlosen Netzwerken

nicht. Auch kleine und mittelständische

Betriebe sollten sich, so Melchert weiter,

neuen Produktionsabläufen nicht verweigern.

Und wie macht man das jenen

Firmenchefs schmackhaft, die bisher zum

Beispiel dachten, Automation sei nur Sache

größerer Unternehmen? Etwa durch

den Einsatz eines Schweißroboters, um

Prozesse in der Produktion auch kleiner

MASCHINEN- UND ANLAGENBAU

Der Maschinen- und Anlagenbau ist die beschäftigungsstärkste Branche des

verarbeitenden Gewerbes im Münsterland. Rund 27 600 Menschen arbeiten

dort, mehr als ein Drittel davon allein im Kreis Warendorf, der damit nach

einer Prognos-Studie (2013) bundesweit bei den Top30-Maschinenbau-Standorten

inDeutschland auf Platz 13 steht. Die gesamte Wertschöpfungskette bringt

es im Münsterland auf 42 000 Arbeitsplätze imMaschinen- und Anlagenbau.

Unter den 439 Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland setzen auch die

Kreise Borken (Platz 27) und Steinfurt (Platz 48) eigene Akzente.

international mischt das Münsterland ebenso vorne mit –mit Exportquoten von

bis zu 80 Prozent. Maschinen werden für die Landwirtschaft, das Ernährungsgewerbe,

die Metallverarbeitung und die Textilbranche produziert. Der Werkzeugmaschinenbau

zählt 3600 Beschäftigte, er fungiert als starker Zulieferer für die

Metallverarbeitung sowie für die Holz- und Kunststoffverarbeitungsbranche.

Nicht wenige Unternehmen haben sich spezialisiert, produzieren Hebezeuge und

Fördermittel, Getriebe, Lager oder Antriebssysteme. Der Branche ist es gelungen,

nach der Wirtschaftskrise mit Umsatzrückgängen von bis zu 25 Prozent

wieder kräftig an Fahrt aufzunehmen. Das gelingt durch eine enge Verzahnung

von Produktion, Forschung, Wissenschaft und Dienstleistungen und nicht zuletzt

durch nachhaltiges netzwerken, das von zahlreichen Förderern wie der

Münsterland e.V. initiiert und unterstützt wird.

und mittelständischer Unternehmen optimieren

zu können. Aber wo bekommt

man die Kenne her und vor allem solch

einen Roboter? Kein Problem, das Netzwerk

GMA arbeitet eng mit dem Handwerkskammer

Bildungszentrum (HBZ)

in Münster zusammen. Unabhängige Informationen,

Entscheidungshilfen,

Schnupperkurse mit Tests und spezifischen

Arbeitsproben gibt es praxisnah –

in der kompletten Schweißroboter-Zelle

des HBZ.

Nach sechs Jahren Netzwerk GMA zieht

Thomas Melchert im Gespräch mit dieser

Zeitung ein positives Fazit: „Wir haben

innerhalb von sechs Jahren 450 Unternehmen

im Netzwerk drin. Diese ansehnliche

Zahl zeigt, dass wir den Nerv der

Unternehmer mit unserem Netzwerkkonzept

getroffen haben.“ Peter Sauer

Engagieren sich für grenzenlosen Maschinen- und An

HWK Münster, Angelika van der Kooi, Projektkoordina

beratung GFW Kreis Warendorf, und Klaus Ehling, Ges

Hermann-Josef Raatgering, WFG Kreis Borken.

ps


ESCHÄFT 21

Brücken

schlagen

ehmen

Netzwerkprojekt „Mechatronik für KMU“ hat

schon über 100 Entwicklungen vorangebracht.

Foto: HBZ Münster /IDkon

„Die Niederländer können die

Deutschen gut bei der Vermarktung

umfassend unterstützen. Die

Deutschen können die Niederländer

gut durch modernste Technologie

unterstützen.“

Thomas Melchert, stellvertretender Geschäftsführer

HWK Münster

Mechanik, Elektronik

und Informatik werden

innerhalb der Produktentwicklung

und Prozessgestaltung

im

Fachgebiet der Mechatronik eng miteinander

verzahnt. Durch das interdisziplinäre

Zusammenwirken von Maschinenbau,

Elektrotechnik und Informationstechnik

sollen in dem 2009 gegründeten

Netzwerkprojekt „Mechatronik für KMU“

(aus dem grenzüberschreitenden INTER-

REG-IV-A-Programm Deutschland-Nederland)

neue Synergien entstehen, Innovationen

vorangetrieben und die Wettbewerbsfähigkeit

der Betriebe gestärkt

werden. Dafür arbeiten alle münsterländischen

Wirtschaftsförderungsgesellschaften,

Kammern, Verbände, Hochschulen

und Dienstleister unter Projektleitung

der Euregio zusammen.

„Alles, waseinen Stecker hat, kann gefördert

werden“, sagt Projektleiterin Angelika

van der Kooi. 70 Prozent der beteiligten

Firmen haben weniger als 100 Mitarbeiter.

Das Netzwerk setzt hier an der Schwachstelle

der kleinen mittelständischen Betriebe

an. Diese haben zwar guteProdukte

und Ideen für Innovationen, aber nicht

die Manpower und das Know-how, ihre

Stärke gewinnbringend voranzutreiben.

Das Netzwerkprojekt „Mechatronik für

KMU“ bietet den Firmen ein Mehrstufenprogramm

an: vom einleitenden Aufschlussgespräch

(Berater prüft mit dem

Unternehmer den Einsatz vonMechatronik

und potenzielle Fördermaßnahmen),

und einem Vertiefungsgespräch (Ingenieure

aus deutschen und niederländischen

Hochschulen unterstützen Unternehmer

bei bedarfsgerechten Mechatronik-Anwendungen)

über die Intensiv-Beratung

(Konzept für technologische Umsetzung)

und Machbarkeitsstudie /Wirtschaftlichkeitsanalyse

bis zum innovativenEntwicklungsprojekt

mit firmeneigenem

Prototyp.

Immer grenzüberschreitend in deutschniederländischer

Kooperation. Die Ländergrenzen

sind zwar längst gefallen,

aber die Netzwerkmitarbeiter müssen

sich mit kulturellen, sprachlichen und

rechtlichen Barrieren auseinandersetzen.

Und sie machen dies so gut, dass bereits

50 Projekteinden Firmen umgesetzt

werden konnten.

Dabei hilft auch das „Netzwerk hinter

dem Netzwerk“, also das Team aus wissenschaftlichen

Experten, etwader Fachhochschule

Münster oder der Universiteit

Twente. ProBetrieb stehen an Fördermitteln

aus dem Topf des Europäischen

Fonds für Regionale Entwicklung und

von den nationalen Partnern des INTER-

REG-IV-A-Programms rund 80 000 Euro

zur Verfügung.

Angelikavan der Kooi vonder Euregio in

Gronau zieht nach fünf Jahren eine positive

Bilanz: „Die Erwartungen wurden

bei Weitem übertroffen. Dank der Unterstützung

durch ,Mechatronik für KMU‘

fanden 179 Intensivberatungen statt, 90

Machbarkeitsstudien wurden durchgeführt

und 106 Entwicklungsprojekte gefördert.

Insgesamt haben rund 257 kleine

und mittelständische Unternehmen finanzielle

Hilfen für mechatronische Innovationen

erhalten.“ Mehrere hundert

weitereBetriebe und Wissenseinrichtungen

haben als Auftragnehmer mittelbar

von dem Förderprojekt profitiert. Weiterer

Gewinn: Fast 150 Innovationen entstanden,

darunter zahlreiche neue und

weiterentwickelte Produkte und Verbesserungen

im Produktionsablauf.

Dabei ist das Netzwerken gerade für kleine

und mittlereBetriebe eine Herausforderung,

weiß Angelika van der Kooi.

„UnsereAufgabe ist es, Brücken zu schlagen

zwischen Theorie und Praxis.“

Ein gutes Beispiel ist das Lengericher

Unternehmen dkon systeme GmbH mit

60 Beschäftigten. Die innovative Produktidee

warda. Eine effizienteund sehr

kleine Windkraftanlage für den privaten

Das Netzwerk soll eine Partnerschaft sein,

die zusammenschweißt. Foto: Münsterland e.V.

Im Netzwerk kommt auch ein moderner Schweißroboter zu Schulungs- und Weiterbildungszwecken

zum Einsatz, um Prozesse in der Produktion auch kleiner und mittelständischer

Unternehmen optimieren zu können.

Foto: HBZ

Gebrauch zu bauen, in Modulbauweise

mit einer Leistung zwischen 0,5 und 2,0

KW und attraktiven Anschaffungskosten

von unter 1000 Euro. Doch wie umsetzen,

wenn das Alltagsgeschäft vollen Einsatz

für andere Dinge erfordert?

Nach einer erfolgreich verlaufenen

Machbarkeitsstudie, der Entwicklung

eines Modells im Kleinmaßstab und dem

Bau einer Miniturbine durch die Fachhochschule

Münster startetedas Lengericher

Unternehmen 2013 per Netzwerk

gemeinsam mit der niederländischen

Partnerfirma Stevens ide Partners aus Enschede

und ElektroService Lengerich mit

der Entwicklung einer kleinen Windturbine

mit vertikaler Rotor-Achse und drei

Marktvorteilen: kein Schattenwurf, geringeGeräuschentwicklung,kleiner

Umfang,

dennoch sehr leistungsfähig.

Es wurden inzwischen drei verschiedene

Prototypen gebaut und erste Feldversuche

gestartet. So inspiriert, gründeten die

Netzwerkpartner die neue Firma IDkon

für Maschinenverkleidungen. Mit ihren

innovativen „Karosserien für Maschinen“

präsentieren sie sich auf der Hannover

Messe 2014.

Solch erfolgreiche Aufbruchstimmung

aus dem Netzwerk heraus freut auch

Manfred Nienhaus von der Gesellschaft

für Wirtschaftsförderung im Kreis Warendorf.

Der Innovationsberater arbeitet

mit seinem Kollegen Hermann-Josef

Raatgering von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft

Kreis Borken eng mit

den Betrieben vor Ort zusammen. Nienhaus

versteht sich als „Scout“, damit gerade

kleinere Firmen den richtigen Kooperationspartner

finden: „In manchen

deutschen Betrieben gibt es am Anfang

noch etwas Zurückhaltung gegenüber

den niederländischen Firmen.“ Da müssen

Nienhaus und seine Kollegen schon

mal alle Vermittlungsregister ziehen.

„Wir müssen dann face to face Überzeugungsarbeit

leisten und auch Ausdauer

und Geduld an den Taglegen.“

Sein Kollege aus Münster, HWK-Wirtschaftsförderer

Thomas Melchert, kennt

das, weiß aber, dass es sich lohnt, als

„Scout“ auch dann am Ball zu bleiben,

wenn Firmen am Anfang noch nicht so

ganz vom Netzwerkgedanken überzeugt

sind. Melchert erinnert sich an ein Projekt

rund um Windkraftanlagen: „Die

Unternehmen sagten hinterher: Wenn

wir vorher geahnt hätten, wie einfach alles

geht, hätten wir uns das Ganze am Anfang

nicht so schwer gemacht.“

Und es gibt nicht wenigeErfolgsbeispiele

des Netzwerkprojektes „Mechatronik für

KMU“. Dem Kunststoffmaschinenentwickler

Adaptec Solution in Ahlen gelang

es etwa, mit der Unterstützung des niederländischen

Unternehmens W.M.V.NL

Europe b.v. inRijssen einen neuartigen

Hochtemperatur-Siebwechsler für die

Kunststoffproduktion zu entwickeln.

Der Ingenieurdienstleister CAE in Beckum

realisierte einen Hochfrequenz-

Elastometer-Prüfstand, mit dem elastische

Bauteile auf ihreSteifigkeit und Verschleißfestigkeit

getestet werden können.

Potenzielle Kunden gibt es im Automobilsektor

und in der Luft- und Raumfahrtbranche.

Peter Sauer

lagenbau: Thomas Melchert, stv. Geschäftsführer

torin KMU Euregio, Manfred Nienhaus, Innovationschäftsführer

Münsterland e.V. (v.l.) Nicht im Bild:

Foto: Peter Sauer

FOLGEPROJEKTE: „IPRO“ UND „GEP“

Nach den Erfolgen der Netzwerke GMA und Mechatronik für KMU sollen inden

kommenden Jahren, auf den bisherigen Erfahrungen aufbauend, zwei Nachfolgeprojekte

anden Start gehen. Das kündigen Angelika van der Kooi und Thomas

Melchert an. Dabei handelt essich zum einen um das Netzwerk IPRO, das

für „intelligente Produkte“ steht, zum anderen um das Netzwerk GEP, das sich

mit Firmen beschäftigt, die „grenzenlos effizient produzieren“.

„Alle kleinen und mittelständischen Betriebe sind angesprochen mitzumachen“,

sagt Vander Kooi. Beim Netzwerk GEP soll die Produkt- und Prozessoptimierung

sowie das Erschließen von Märkten noch stärker als in den Vorgängerprojekten

optimiert werden. Zudem geht es in dem geplanten INTERREG-Projekt

der Euregio um die Einsparung von Energie, eine deutliche Drosselung des

CO²-Ausstoßes und einen umfangreichen Wissenstransfer. Firmen in Deutschland

und den Niederlanden könnten so noch stärker ihr Know-how bündeln,

um strategisch zusammenzu arbeiten und gemeinsam Produkte auf den Markt

zu bringen. Der grenzüberschreitende Technologietransfer soll langfristig zur

Wettbewerbsfähigkeit von Betrieben führen. Professionelles Projektmanagement

unterstützt die Firmen, wie in den beiden vorangegangenen Netzwerken bereits

erfolgreich praktiziert.

ps

TREND

SCOUT

muenster.business de

Das erfolgreiche Wirtschaftsportal


22 GELD &GESCHÄFT

Von AAA bis D–ein Blick

in die Welt der Ratings

In der Theorie ist alles ganz einfach: Für jedes Modul werden Daten gesammelt, die unterschiedlich

stark gewichtet in eine statistisch-mathematische Ratingfunktion eingehen.

Sie entscheiden darüber, obund zu

welchen Bedingungen es Geld von

der Bank gibt. Doch für viele Mittelständler

gleichen die Methoden, mit

denen Kreditinstitute die Bonität

ihrer Kunden beurteilen, einer Black

Box. Werden Ratingprozess verstanden

hat, kann ihn zu seinen Gunsten

beeinflussen.

„Viele Unternehmen kennen ihr

Rating aber gar nicht.“

Peter Koch, IMAP M&A Consultants

Immer wenn die Wirtschaft an

Fahrt gewinnt, fragen Mittelständler

verstärkt Kredite bei den Banken

nach. Dies belegen eine Umfragen

der Bundesbank. Der

Grund: Die Unternehmen müssen neue

Aufträgevorfinanzieren, Vorräteaufbauen

oder wollen in neue Betriebsmittel investieren.

Doch ob und zu welchen Zinsen eine

Bank einem Unternehmen Kredite gewährt,

hängt maßgeblich vondessen Rating

(engl. „Bewertung“) ab. Das ist ein

Zeugnis, das die Kreditwürdigkeit eines

Unternehmens benotet. Die Bank schätzt

dabei ab, ob sie innerhalb eines Jahres

bei einem Kunden mit Schwierigkeiten

bei der Rückzahlung des geliehenen Geldes

rechnen muss.

„Bei guter Bonität bekommt das Unternehmen

seinen Kredit zu einem niedrigenZins.

Bei schlechterermuss es wegen

des höheren Risikos für die Bank einen

höheren Zins zahlen“, erklärt Alexandra

Böhne, Referatsleiterin Unternehmensfinanzierung

beim Deutschen Industrieund

Handelskammertag (DIHK) in Berlin.

Alle Instituteseien zu solch einer Bonitätsbewertung

verpflichtet,

bevor sie

Kredite gewähren,

sagt Böhne einordnend.

Denn nach den

Basel-II-Vorschriften

bemesse sich daran

die Höhe des Eigenkapitals,

das die Banken

selbst für ihre Kreditengagements

hinterlegen müssten.

Da sich die meisten Mittelständler über

Bankkredite finanzieren, ist gerade für

sie ein ausgewogenes Rating überlebenswichtig.

„Viele Unternehmen kennen ihr

Rating aber gar nicht“, hat Peter Koch,

geschäftsführender Partner bei dem Beratungsunternehmen

IMAP M&A Consultants

in Mannheim, beobachtet. „Noch

seltener wissen sie, welche Faktoren zu

ihrem Ratingergebnis geführt haben oder

wie sie es verbessern können“, fügt Ratingberater

Andreas Münster aus Ratingen

hinzu. Das ist bedenklich, denn wer

sich über Kredite finanzieren will, tut gut

daran, seinen Kundenbetreuerfreiwillig,

regelmäßig und aussagekräftig über die

gegenwärtige Lage und die kurzfristigen

Erfolgsaussichten sowie über die mittelund

langfristigen Entwicklungsaussichtenseines

Unternehmens zu informieren.

Neben den bankinternen Ratings bieten

auch sogenannte Rating-Agenturen ihre

Dienste an: Ab 15 000 Euro bis 20 000

Euro aufwärts erstellen sie ein Unternehmensrating,

wenn der Kunde es in Auftrag

gibt –etwa weil er plant, sich über

eine Anleihe am Kapitalmarkt Geld zu beschaffen

oder weil er private Investoren

überzeugen möchte.

Neben den global agierenden Platzhirschen

Standard &Poor´s, Moody´s und

FitchRatings fertigen beispielsweise Coface,

Creditreform oder Euler Hermes

hierzulande Ratings speziell für Mittelständler

an. Solch eine externe Bewertung

kann zwar auch die Verhandlungsposition

gegenüber der Hausbank verbessern,

das bankinterne Rating beim

Global gefürchtet und geschätzt sind die großen Ratingagenturen Standard &Poor´s, Moody´s und Fitch Ratings (im Bild die Zentrale inNew York).

Kreditwunsch ersetzt sie jedoch nicht.

Grundsätzlich besteht ein Rating aus vier

verschiedenen Modulen: erstens den

quantitativen Faktoren oder Hard-Facts.

Das sind Daten, die sich beispielsweise

aus der Bilanz oder Gewinn-und-Verlust-

Rechnung ableiten lassen. Zweitens den

qualitativen Faktoren oder Soft-Facts.

Das sind Risikofaktoren für die Bank, die

nicht ohne Weiteres messbar sind, wie etwa

die Qualität des Managements, die

Unternehmensstrategie oder die Qualität

der Planung und Steuerung. Drittens den

Branchendaten, die auf alle Unternehmen

einer Branche gleichermaßen wirken

und Aussagen über die mittelfristige

Entwicklung dieser Branche erlauben.

Schließlich können auch gut aufgestellte

Unternehmen bei einer negativen Entwicklung

ihrer Branche in Schwierigkeiten

geraten.

Und viertens einer individuellen Komponente.

Da die Kreditinstitute laufend

über die wirtschaftliche Situation des

Schuldners informiert sein wollen, berücksichtigen

sie neben vergangenheitsbezogenen

Aspekten wie dem letzten

Jahresabschluss auch zukunftsgerichtete

Faktoren wie Zwischenzahlen oder

Marktaussichten.

Für jedes Modul werden Daten gesammelt,

die unterschiedlich stark gewichtet

in eine statistisch-mathematische Ratingfunktion

eingehen, über die die Ratingnotefür

ein Unternehmen berechnet

wird. Diese Note ist das Ratingergebnis,

Stabil oder nicht stabil? Bei der Frage Kreditwürdigkeit spielt das Rating heute vielfach

eine große Rolle.

Foto: dpa

mit dem der Kunde einer Ratingklasse

zugeteilt wird. Sie besagt, mit welcher

Wahrscheinlichkeit das Kreditinstitut

aufgrund seiner Erfahrung damit rechnet,

dass ein Schuldner während des

kommenden Jahres ausfällt.„Die Bedeutung

der Bewertungsfaktoren richtet sich

immer nach dem Kunden und nach Art,

Qualität und Inhalt der jeweiligen Ratinginformation“,

erläutert der frühere

Commerzbanker Manfred Breuer.

Bei großen Unternehmen mit mehr als

fünf Mio. Euro Jahresumsatz sindfreilich

andere Bewertungskriterien relevant als

bei kleineren Unternehmen, Freiberuflern

oder Existenzgründern. Neugegründete

Unternehmen beispielsweise können

oft noch keine historischen Firmendaten

vorweisen, sodass die Bank bei der

Beurteilung des Ausfallrisikos stärker andere

Informationen wie persönliche

Daten des Existenzgründers, seine Qualifikation,

den Businessplan und die Wettbewerbssituation

heranziehen muss.

Oder die Kundenstruktur: Ein Unternehmen

mit vielen Kunden aus unterschiedlichen

Branchen und Regionen ist weniger

anfällig für Krisen als ein Unternehmen

mit wenigen Kunden. Entsprechend

ist auch seine Ausfallwahrscheinlichkeit

bei sonst gleichen Bedingungen geringer,

und das kann sich in einer besseren Ratingklasse

bemerkbar machen.

Was wie detailliert abgefragt wird, und

wie stark welche Faktoren das Ergebnis

beeinflussen, kann auch von Bank zu

Bank verschieden sein. Denn jedes Kreditinstituthat

sein eigenes Verfahren entwickelt,

Risikofaktoren auszuwählen

und zu gewichten. Damit hebt es sich von

seinen Mitbewerbern im Wettbewerb ab.

Hinzu kommt, dass die Institute unterschiedliche

Krediteanverschiedene Kunden

ausgegeben, verschiedene Erfahrungen

mit der Rückzahlung dieser Kredite

gemacht haben und über unterschiedliche

Informationen zu einem Kunden verfügen

–dadurch unterscheiden sich im

Einzelfall ihreUrteile. Wegender einheitlichen

aufsichtsrechtlichen Vorgaben

sind Aufbau und Inhalt der bankinternen

Ratings dennoch vergleichbar. ph

Foto: dpa


GELD &GESCHÄFT 23

Gute Kommunikation ist das Aund O

Auch die Banken sind an langfristig guten Beziehungen zu ihren Kunden interessiert.

Gute Finanzkommunikation

ist überlebenswichtig

Grundsätzlich gilt: Hat der

Kunde sein Rating nicht

verstanden, sollte eraktiv

nachfragen, um sich dessen Aussageund

Wirkung erklären zu lassen. „Wer seine

Schwächen kennt, kann daran arbeiten –

und damit sein Rating verbessern“, sagt

Ratingberater Andreas Münster aus Ratingen.

Normalerweise werde die Note

für ein Rating für ein Jahr festgelegt. Allerdings

könne sie auch unterjährig bei

bonitätsrelevanten Veränderungen angepasst

werden.

Viele Unternehmen fürchten, dass vergangeneKrisenjahre

nicht nur Spuren in

ihren Bilanzen hinterlassen haben, sondern

sich dadurch auch negativ auf ihr

Rating auswirken. Diese Sorge ist nicht

ganz unbegründet: Nach einer früheren

DIHK-Umfrage haben zwei Prozent aller

mittelständischen Unternehmen in

Deutschland Finanzierungsprobleme,

weil ihnen die Bank den Geldhahn zugedreht

hat. Weitere 14 Prozent klagen über

schlechtere Kreditkonditionen. „Die

Unternehmen sollten ihrer Hausbank

klarmachen, dass der Einbruch der Geschäftstätigkeit

krisenbedingt einmalig

war und die Geschäfte nun wieder laufen“,

rät Finanzierungsexpertin Alexandra

Böhne vom DIHK. Schließlich seien

auch die Instituteanlangfristig guten Beziehungen

zu ihren Kunden interessiert.

Dazu gehöre auch, dass ihre Kunden am

Markt erfolgreich bestehen könnten. A

und Osei das Gespräch mit der Bank, um

auch in schwierigen Situationen gemeinsam

nach Lösungen zu suchen. ph

So können Firmen

ihr Rating verbessern

Zehn gute Ratschläge, die Unternehmen bei den Kreditverhandlungen

mit einem Geldhaus beherzigen sollten.

Zehn Tipps was Unternehmen tun

können, um ihr Rating zu verbessern:

Informieren Sie sich frühzeitig,

welche Kriterien Ihre Bank für das

Rating heranzieht, wie diese gewichtet

werden und welche Unterlagen

Sie einreichen müssen.

–Ziehen Sie bei Bedarf einen externen

Berater, etwa Ihren Steuerberater oder

einen Wirtschaftsprüfer zur Vorbereitung

auf Ihr Rating hinzu. Sind die Jahresabschlusszahlen

mit einem Vermerk eines

Steuerberaters oder Wirtschaftsprüfers

versehen, erhöht das die Glaubwürdigkeit.

–Gehen Sie gut vorbereitet in die Gespräche

mit Ihrer Bank. Dazu gehört, alle notwendigen

Unterlagen wie etwa Bilanzkennzahlen

aufbereitet und vollständig

parat zu haben. Fragen zu Ihrer Kapitalausstattung,

Wettbewerbsposition, zu erwartende

Geldflüsse sowie zur Organisation

Ihres Unternehmens sollten Sie klar

beantworten können.

–Prüfen Sie, obinIhrem Fall Merkmale

vorliegen, die vom Ratingsystem nicht

standardmäßig abgefragt werden, die

sich aber positiv auf ihre Kreditwürdigkeit

auswirken könnten.

–Informieren Sie Ihren Bankkundenberater

regelmäßig und auch unaufgefordert

über aktuelle Veränderungen wie

beispielsweise einen neuen Großauftrag

o.ä. und dokumentieren Sie Ihre genau

Erfolge.

–Legen Sie auch kritische Punkte offen,

indem Sie gleichzeitig kommunizieren,

welche Gegenmaßnahmen bereits eingeleitet

und welche Zwischenergebnisse erzielt

wurden. So schaffen Sie Transparenz.

–Achten Sie darauf,Ihr Konto anständig

zu führen. Denn das Kontoführungsverhalten

dient der Bank als sogenanntes

Frühwarnsystem. Je länger eine guteZusammenarbeit

zwischen Unternehmen

und Bank besteht, desto besser für das

Rating.

–Halten Sie sich immer an Absprachen

und Vereinbarungen, die Sie mit Ihrer

Bank verabredet haben. Und treffen Sie

nur Versprechen etwa über fristgerechte

Zins- und Tilgungszahlungen, die Sie

auch einhalten können. Damit zeigen Sie

Ihre Zuverlässigkeit.

–Halten Sie Ihre für das Rating relevanten

Unterlagen unaufgefordert auf dem

neuesten Stand.

–Implementieren Sie die Ihnen bekannten

Ratingkriterien dauerhaft in Ihre internen

Steuerungssysteme. Das verbessert

die Eigenkontrolle.

ph

INTERNE RATINGS –EXTERNE RATINGS

Ein Rating ist nicht gleich ein Rating. Zwar handelt es

sich immer um ein Zeugnis, das die Kreditwürdigkeit eines

Schuldners und sein Ausfallrisiko bewertet. Dennoch gibt

es Unterschiede zwischen dem Rating von Staaten oder

internationalen Konzernen und einem Rating, das mittelständische

Unternehmen von ihrer Bank bekommen. Sei

es beim Ziel, das mit dem jeweiligen Rating verfolgt wird,

dem Anlass, dem das Rating dient, dem Vorgehen und

den Kosten –entscheidend ist, ob das Rating von einer

speziellen Ratingagentur oder einem Kreditinstitut erstellt

wird.

Banken vergeben sogenannte interne Ratings. Dazu sind

sie gesetzlich verpflichtet, bevor sie einem Unternehmen

einen Kredit bewilligen und auszahlen. Denn je höher die

Wahrscheinlichkeit ist, dass das Institut das geliehene

Geld nicht zurückbekommt, desto mehr Eigenkapital

muss die Bank für diesen Kredit hinterlegen. Allerdings

ist Eigenkapital teuer für die Bank. Sie hat daher wenig

Interesse an schlechten Krediten. Das interne Rating soll

also Risiken für die Bank vermeiden. Dafür prüft es, ob

das Unternehmen den Kredit tilgen kann. Für ihr Rating-

Urteil schätzt die Bank dabei unter anderem anhand von

Bilanzkennzahlen, der Qualität des Managements und

speziellen Branchendaten ab, ob sie innerhalb eines Jahres

mit Schwierigkeiten bei der Rückzahlung des Darlehens

rechnen muss. Am Ergebnis bemisst sich, in welcher

Höhe und zu welchen Konditionen sie einen Kredit gewährt.

In der Regel erstellen Kreditsachbearbeiter ein solches

internes Rating je nach Größe des Unternehmens innerhalb

weniger Tage. Jede Bank hat dafür ihr eigenes

System. Die Kosten dafür sind in Form einer geringen Gebühr

bereits in den Kreditzinsen, also dem Preis für den

Kredit, enthalten.

Neben diesen Ratings der Banken bieten auch Ratingagenturen

ihre Dienste an, in diesem Fall spricht man von

externen Ratings. Diese umfangreichen Auftrags-Ratings

bieten eine ganzheitliche Analyse und sind universell einsetzbar.

Sie enthalten Zeit- und Branchenvergleiche, zeigen

Entwicklungspotenziale imUnternehmen auf und benennen

Stärken und Schwächen. Solch ein externes Rating

erstellen Analystenteams zusammen mit Branchenspezialisten.

Das dauert vier Wochen und länger und kostet

bis 20 000 Euro aufwärts. Interessant ist diese Dienstleistung

für Unternehmen, die Geld über den Kapitalmarkt

aufnehmen wollen, indem sie eine Unternehmensanleihe

ausgeben. Denn dann gilt es, private Investoren

davon zuüberzeugen, ihnen Mittel zur Verfügung zu stellen.

Andere Anlässe für externe Ratings sind Fusionen

oder Unternehmensnachfolgen. Neben den großen, weltweit

agierenden Ratingagenturen fertigen hierzulande beispielsweise

verschiedene Agenturen speziell fürMittelständler

Ratings an. Solch eine externe Bewertung kann

zwar als Zusatzinformation die Verhandlungsposition

gegenüber der Hausbank verbessern. Das bankinterne Rating

beim Kreditwunsch ersetzt sie jedoch nicht. ph

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STANDORTPORTRÄT GREVEN 24

Ein verlässlicher und

kompetenter Partner

Die Wirtschaftsförderung Greven unterstützt Unternehmen bei der

Verwirklichung von Expansions- und Investitionsprojekten

Wirtschaftsstandort Greven

–top in der Region

In Greven stehen verschiedene Gewerbe-

und Industrieflächen, mit vielfältigen

Nutzungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Die hervorragende Infrastruktur macht Greven zu einem äußerst

zugänglichen Standort

Die Gesellschaft zur Entwicklung und Förderung

der Wirtschaft in der Stadt Greven

mbH (GFW) ist als privatwirtschaftlich geführtes

Unternehmen spezialisiert auf die

Gründungs-, Entwicklungs- und Standortberatung

von Firmen. Sie unterstützt Unternehmen

bei der Verwirklichung von Expansions-

oder Investitionsprojekten. Das strategische

Ziel ist die Positionierung Grevens

als Standort des dynamischen Mittelstands.

DiesesZiel erreichtdie GFW durcheine konsequente

Kundenorientierung. Für die gesamteWirtschaft

fungiert die Wirtschaftsförderung

Greven als zentrale Anlauf-, Beratungs-

und Servicestelle und ist zuständig für

das Standortmarketing.

Die Beratung durch die GFW erfolgt streng

vertraulich und umfasst insbesondere im

Bereich der Immobilien einen umfangreichen

kostenlosen Service. Den Kunden

steht ein erfahrenes Team zur Verfügung,

das die Sprache der Wirtschaft versteht

Getreu nach dem Motto „Ideen brauchen

Raum“ wird bei der Wirtschaftsförderung

Greven die Unternehmensbetreuung groß

geschrieben. Egal ob Neuansiedlung oder

Betriebserweiterung oder regelmäßige

Unternehmensbeuche: Die GFW ist ein verlässlicher

und kompetenter Partner.

Auch Grevens Innenstadtentwicklung

und

ein wachsender Einzelhandel

liegen der GFW

am Herzen. Greven ist

als Einkaufsstadt mit

Greven expandiert und wächst – und die GFW hat

großen Anteil daran.

Foto: GFW

münsterländischem Flair sehr attraktiv: Viele

Fachgeschäfte, eine interessante Fußgängerzone

und mehr als 1100 Parkplätze

– das sind nur drei Argumente, die für das

Einkaufen in Greven sprechen.

Um diese Attraktivität noch weiter zu steigern

wurde unter mit Beteiligung von Politik,

Verwaltung, Bürgern, Anwohnern und

verschiedener „handelnder Akteure inder

Innenstadt“ (iHk) das „integrierte Handlungskonzept

Innenstadt“ erstellt. Es ist

Leitfaden für sämtliche städtebaulichen

Maßnahmen in den nächsten Jahren. Die

Grevener Innenstadt wird sich durch die

Rathauspassage, den umgebauten Niederort

sowie den Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses

am Standort des ehemaligen

Kaufhauses Magnus weiterentwickeln

und stark verändern.

Mehr Infos gibt es unter:

www.gfw-greven.de

Greven ist ein interessanter Wirtschaftsstandort

für Unternehmen aller Art. Viele

Betriebe –vom kleinen Handwerker bis

zur Industrie –prägen die Wirtschaftsstruktur

und sorgen für einen gesunden

Branchenmix.

Greven verfügt über das größte Gewerbeflächenangebot

im Bereich der IHK Nord-Westfalen.

Innerhalbvon zehn Jahren entstanden

über 2500 zusätzliche Arbeitsplätze, die Anzahl

der ansässigen Unternehmen ist in diesem

Zeitraum ebenfalls gestiegen.

Direkt an der A1(Dortmund –Bremen), in

wenigen Minuten auf der A30(Amsterdam –

Berlin) oder A43(Recklinghausen –Münster),

mit dem Flieger vomFMO Münster/Osnabrück

in die ganze Welt, per Bahn (Hamm/

Münster/ Emden) ins Schienennetz und sogar

auf dem Wasser (Dortmund-Ems-Kanal):

Wenn große Lasten zu transportieren sind,

verfügt Grevenüber eine ausgezeichneteVerkehrsanbindung.

Grevenist aber nicht allein aufgrund der gutenInfrastruktur

und der vielschichtigen Gewerbegebiete

interessant. Die weichen

Standortfaktoren spielen eine ebenso große

Rolle. „Wir halten ein gutes Betreuungsangebot

für Kinder und alle Schulformen vor Ort

bereit. Es gibt ein breit gefächertes Freizeitangebot

und viele verlässliche soziale Netzwerke.

Wir haben eine attraktive Innenstadt

mit guten Einkaufs- und Parkmöglichkeiten

und zahlreiche Veranstaltungshighlights im

ganzen Jahr“, so Bürgermeister PeterVennemeyer.

Die Verkehrsanbindung macht den Standort Greven gerade auch für Logistiker interessant. Foto:

Jan-Philipp Jenke

AirportPark FMO –

Gewerbegrundstücke direkt am Flughafen

Der AirportPark FMO bietet neben großzügigen und flexiblen Grundstückszuschnitten einzigartige Standortvorteile im Münsterland

Business mit exzellenter Verkehrsanbindung

Zwischen Münster und Osnabrück, direkt

an der A1 Hamburg-Köln, entsteht

zurzeit der AirportPark FMO. Vis-à-vis

dem Flughafen Münster/Osnabrück

bietet der neue Businesspark hervorragende

Standortbedingungen mit innovativsten

Mehrwerten und langfristig

flexiblen Expansionsmöglichkeiten.

Schumacher Packaging – Hidden

Champion hat bereits 50 Millionen

Euro investiert

Ein Hidden Champion der Verpackungsindustrie,

das Familienunternehmen

Schumacher Packaging aus dem

fränkischen Ebersdorf bei Coburg, hat

sich unter mehr als 20 Konkurrenzstandorten

für den AirportPark FMO

entschieden. Für den Geschäftsführer,

Björn Schumacher, bietet der Airport-

Park FMO eine optimale Infrastruktur

Neue Gewerbegrundstücke direkt vor dem Flughafen Münster/Osnabrück im AirportPark FMO. Luftbild: AirportparkFMO GmbH, 09/2014

und somit beste Voraussetzungen für

den weiteren Ausbau der europäischen

Präsenz in Märkten wie den Niederlan-

den, Belgien und den skandinavischen

Ländern.

Regio-Logistik expandiert bald vom

AirportPark FMO aus deutschlandweit

Direkt vor Schumacher Packaging baut

die Regio-Logistik Deutschland GmbH

&Co. KG bald ihren neuen Hauptsitz.

Nach der Region Münster/Osnabrück

beabsichtigt der Paketdienstleister mit

Partnernneue Regionen in Deutschland

für das Konzept „same day delivery“ zu

gewinnen. Für Regio-Logistik ist der AirportPark

FMO hierfür der ideale Expansionsstandort.

Überzeugendes Standortpaket

Der AirportPark FMO bietet neben großzügigen

und flexiblen Grundstückszuschnitten

einzigartige Standortvorteile

im Münsterland:

–Direkter Autobahnanschluss an die A1

Hamburg-Köln

– Linienflugverkehr u.a. an die Drehkreuze

Frankfurt, London, Istanbul,

München

–24/7-Betrieb mit langfristiger Expansionsmöglichkeit

– Leistungsstarker Breitbandanschluss

mit optionalem

Daten-Service

–Optionale, kostengünstige

Fernwärmeversorgung über

ein Biomasse-Heizkraftwerk

– Straßenbeleuchtung mit

LED-Technologie

– Ressourcen schonende

und Kosten sparende Versickerung

des Regenwassers

Gerne überzeugen wir auch

Sie:

www.airportparkfmo.de

Udo Schröer, Geschäftsführer

AirportPark FMO GmbH


LEBEN &WISSEN 25

„Wir können unseren

Dank nicht versagen ...“

Das Arbeitszeugnis hat esinsich: Machen es 30 000 Prozesse und eine zu geringe

Aussagekraft auf lange Sicht zu einem Auslaufmodell?

Foto: dpa/Jens Büttner

Rund 30 000 Prozesse jährlich in

Deutschland machen es deutlich:

Arbeitszeugnisse bieten reichlich

Konfliktpotenzial für alle Beteiligten.

Dabei nimmt die Bedeutung von

Arbeitszeugnissen für Personalbeauftragte

bei der Auswahl neuer

Arbeitnehmer generell ab, wie Studien

belegen. Zu ungenau, zu viele

Fehler, eine zu geringe Aussagekraft

wird Zeugnissen attestiert, die sich

nach dem Durchlauf durch einen

Zeugnisgenerator oder das Verwenden

von Textbausteinen oft gleichen

wie ein Ei dem anderen. Experten

empfehlen daher Alternativen zum

Arbeitszeugnis, manche fordern gar

die Abschaffung. Doch dazu wäre

eine Gesetzesänderung nötig

Alle Jahre wieder beschäftigt

ein Thema die deutschen

Arbeitsgerichte: der Streit

ums Arbeitszeugnis. Nach §

109Abs. 1Satz 1Gewerbeordnung

steht jedem Arbeitnehmer bei

Beendigung des Arbeitsverhältnisses ein

Zeugnis zu, auf Verlangen auch ein die

Leistung und das Verhalten bewertendes

sogenanntes qualifiziertes Arbeitszeugnis.

Dieses Zeugnis muss auf der einen

Seite wahr sein, darf auf der anderen

aber das berufliche Fortkommen des

Arbeitnehmers nicht erschweren – ein

Balanceakt.

Meist enthalten qualifizierte Zeugnisse

inzwischen eine zusammenfassende Gesamtnote.

AusSorgevor kostspieligen gerichtlichen

Auseinandersetzungen gehen

viele Zeugnisersteller lieber auf Nummer

Sicher und geben eher die bessere als die

schlechtere Note. Das führt zu einer

schleichenden Noten-Inflation: Die PMS-

Personalstudie aus dem Jahr 2010, die

die Notenvergabe in qualifizierten Zeugnissen

analysiert, belegt, dass sich im

Vergleich zu 1994 die Anzahl der sehr guten

Bewertungen verdreifacht hat, die

Zahl befriedigender Noten dagegen halbiert.

Die Beweislast für eine Note kann sich vor

Gericht umkehren: Bis zur Note befriedigend

muss der Arbeitnehmer bei einem

Arbeitsgerichtsprozess beweisen, dass er

besser gearbeitet hat. Bei Bewertungen,

die schlechter als befriedigend sind, ist jedoch

der Arbeitgeber in der Beweispflicht,

die unterdurchschnittliche Beurteilung

zu belegen.

Und auch von anderer Seite droht Prozess-Gefahr:

Vom Bundesgerichtshof

wird die Ansicht vertreten, dass der alte

Arbeitgeber einem neuen Arbeitgeber

gegenüber für unrichtige Angaben im

Zeugnis haftet, sofern dem neuen Arbeitgeber

daraus ein Schaden entsteht.

Die Noten, die aus einem Zeugnis abzulesen

sind, richten sich hierzulande nach

einem Code, der sich nach allgemeiner

und auch gerichtlicher Auffassung eingebürgert

hat und dendie mit der Zeugniserstellung

und -sichtung beauftragten

Verantwortlichen beherrschen sollen –

so zumindest die Theorie. Zeugniscodes

sind standardisierteFormulierungen, die

es den Arbeitgebern ermöglichen, das

Verhalten und die Arbeitsleistung des

Arbeitnehmers einzuschätzen.

Ob ein Arbeitszeugnis gut ist oder nicht,

kann schon vonkleinen Wörtern wie „immer“,

„stets“, „vollen“ oder „vollsten“ abhängen.

Ein einheitliches „Code-Buch“

gibt es nicht, doch es gibt Formulierungen,

die in sehr vielen Zeugnissen in der

einen oder anderen Varianteauftauchen.

So gelten „Seine Arbeitsleistung warstets

zu unserer vollsten Zufriedenheit“ oder

„Ihre Arbeitsweise war immer von größterSorgfaltund

Genauigkeit geprägt“ als

sehr guteBewertungen, wohingegen eine

Bewertung wie „im Großen und Ganzen

arbeitete er zu unserer Zufriedenheit“

eine mangelhafte Arbeitsleistung bescheinigt.

Eine solche codierteZeugnissprache gibt

es in der Form nur in Deutschland und

der Schweiz, sie ist mit vielen Problematiken

verbunden. Schwierigkeiten bestehen

vor allem in der Lesbarkeit der

Zeugnisse im Ausland. Ein ausländischer

Arbeitgeber kann gar nicht verstehen,

dass sich hinter der Formulierung „war

wegen seiner Geselligkeit bei der Belegschaft

beliebt“ der Hinweis auf übermäßigen

Alkoholgenuss verbirgt.

Auch abseits der Codes gibt es unzählige

Möglichkeiten, Kritik am Verhalten von

Arbeitnehmern unterzubringen. Formfehler,beredtesSchweigen

durch Auslassungen,

widersprüchliche Textbausteine:

Rund 80% der in der PMS-Personalstudie

untersuchten Zeugnisse weisen so gravierende

Auffälligkeiten auf, dass die gute

Gesamtnote nicht mehr glaubwürdig

wirkt. Das kann einerseits auf Unkenntnis

des Zeugniserstellers zurückzuführen

sein. Es kann aber auch ein Hinweis darauf

sein, dass Leerstellen und Widersprüche

in der Bewertung benutzt werden,

um eine guteoder sehr guteGesamtwertung

auf versteckte Weise wieder zu

relativieren oder gar zu entkräften. Solche

Feinheiten kann aber nur ein Zeugnisexperte

entdecken, jeder Laie wird

hier beim „Zwischen-den-Zeilen-lesen“

scheitern.

Die Fallstricke, die nicht einwandfreie

Anwendungen der Codes mit sich bringen,

sind nicht zu unterschätzen. In vielen

Unternehmen schreiben sich Arbeitnehmer

ihr Zeugnis inzwischen selbst.

Sie, aber auch nicht so versierte Zeugnisersteller,

oft in kleinen und mittleren

Betrieben, kennen die Codes nicht gut genug

oder wenden sie falsch an, sodass im

schlimmsten Fall ein vermeintlich gutes

oder gut gemeintes Zeugnis zwar gut

klingt, aber genau das Gegenteil bedeutet.

Durch den Einsatz von Textbausteinen

oder durch Zeugnisgeneratoren gleichen

DIE GÄNGIGSTEN CODES

Arbeitsleistung:

„stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ –sehr gut

„stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ –gut

„im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit“ -mangelhaft

Arbeitserfolg und Arbeitsweise:

„stets mit größter Sorgfalt und Genauigkeit“ –sehr gut

„mit großer Sorgfalt und Genauigkeit“ –gut

„mit Sorgfalt und Genauigkeit“ –befriedigend

„im Allgemeinen mit ...“ –ausreichend

Versteckte Hinweise:

„durch aufgeschlossenes Wesen bei Mitarbeitern gern gesehen“

–Quasselstrippe

„bewältigte Aufgaben stets im Alleingang“ –Einzelgänger

„verstand es aufgrund ausgeprägter Kooperationsbereitschaft,

Kollegen in eigene Arbeitsabläufe erfolgreich einzubinden“

–Drückeberger

„war mit Interesse bei der Sache“ –faul

Danksagungs- und Bedauernsformeln:

„Wir bedauern das Ausscheiden und bedanken uns für die

stets sehr gute Zusammenarbeit“ –sehr gut

„Wir können unseren Dank für die stete Arbeitsbereitschaft

nicht versagen“ –ausreichend

Auch das komplette Weglassen der Danksagungs- und/

oder Bedauernsformel kann negativ gewertet werden.

Trennungsformeln geben Aufschluss über die Umstände,

die zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses geführt haben:

„verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch“ -der

Arbeitnehmer hat gekündigt

„Das Arbeitsverhältnis endete am...“ -Kündigung durch

Arbeitgeber

sich viele Arbeitszeugnisse fast aufs Haar.

Damit ist weder dem Arbeitnehmer gedient,

dessen Arbeit womöglich nicht

richtig gewürdigt wird, noch dem Arbeitgeber,der

sich zwar Zeitaufwand erspart,

seinem Unternehmen aber mit einem

schlecht gemachten Zeugnis, das Gleichgültigkeit

gegenüber dem ehemaligen

Arbeitnehmer ausdrückt, eine negative

Visitenkarte ausstellt. Beate Schräder


26 LEBEN &WISSEN

WAS GEHÖRT INEIN ARBEITSZEUGNIS?

Der Arbeitgeber ist zur Ausstellung eines Zeugnisses verpflichtet.

Der Anspruch auf ein Zeugnis entsteht bei Beendigung

des Arbeitsverhältnisses. Das Zeugnis ist schriftlich

auf Firmenpapier zu erteilen und muss vom Arbeitgeber

oder einem diensthöheren Angestellten persönlich

unterschrieben sein. Es muss sauber geschrieben und frei

von Rechtschreibfehlern sein.

Unterschieden wird zwischen einfachem und qualifiziertem

Arbeitszeugnis, letzteres muss auf Verlangen des

Arbeitnehmers erstellt werden.

–Das einfache Zeugnis enthält Angaben zu Beginn und

Ende sowie Art der Tätigkeit.

–Das qualifizierte Zeugnis enthält zusätzlich Angaben

zum Verhalten des Arbeitnehmers im Betrieb, Führungsqualitäten

und Arbeitsleistung (zum Beispiel Arbeitserfolg,

Fachkenntnisse, Verhandlungsgeschick).

In der Regel haben Arbeitszeugnisse einen einheitlichen

Aufbau, zu dem neben der Einführung eine kurze Beschreibung

der beruflichen Entwicklung im Unternehmen

zählt. Danach folgen eine Stellenbeschreibung der zuletzt

ausgeführten Tätigkeit sowie eine Leistungsbeurteilung

und eine Leistungszusammenfassung. Außerdem bewertet

der Arbeitgeber auch das soziale Verhalten. Zum Schluss

finden sich die Begründung für die Beendigung des

Arbeitsverhältnisses sowie Dank, Bedauern und gute

Wünsche für die Zukunft.

Das Zeugnis muss der Wahrheit entsprechen, aber gleichzeitig

wohlwollend sein, es darf das berufliche Fortkommen

des Arbeitnehmers nicht erschweren.

Bei einem triftigen Grund können Arbeitnehmer auch Anspruch

auf die Erstellung eines Zwischenzeugnisses haben,

so zum Beispiel bei bevorstehender Kündigung, Vorgesetztenwechsel,

Elternzeit. Das Zwischenzeugnis besteht

aus denselben Elementen wie das Endzeugnis, es muss jedoch

in der Gegenwartsform geschrieben sein, die

Schlussformel fehlt.

Hilfe bei der Erstellung oder auch Bewertung von

Arbeitszeugnissen finden Arbeitgeber und Arbeitnehmer

z.B. bei Personalberatungen oder Fachanwälten, aber

auch online zum Beispiel unter folgenden Adressen. bs

arbeitszeugnis-generator.com

arbeitszeugnis-info.de

Inhalt und Form müssen stimmen. Ein Arbeitszeugnis ist mehr als ein knapper Beleg für eine Tätigkeit.

„Durch aufgeschlossenes Wesen bei

Mitarbeitern gern gesehen.“

Eine solche Formulierung im Arbeitszeugnis weist Experten

darauf hin, dass es sich bei der Person um eine

„Quasselstrippe“ handelt.

DAMIT IHRE KUNDEN

IMMER ANSIE DENKEN!

Fluch des

Wohlwollens

Das persönliche Empfehlungsschreiben könnte die

Alternative zum Arbeitszeugnis sein.

Liefern Arbeitszeugnisse überhaupt

noch wertvolle Informationen zur

Auswahl geeigneter Bewerber? Die

Noteninflation hin zu immer besseren

Beurteilungen geht vor allem zulasten

der wirklich guten Leistungen,

die durch die verwässerten

Arbeitszeugnisse von mittelmäßigen

Leistungen kaum noch zu unterscheiden

sind.

Laut Studien gehen viele Personaler

inzwischen eher dazu

über, Arbeitszeugnisse als Beleg

für Angaben im Lebenslauf

zu nehmen oder um Tätigkeitsprofile

abzugleichen, als auf die Bewertung

zu schauen. Wenn der Trend zu

immer besseren Zeugnissen weiter anhält,

ist es nur eine Frageder Zeit, bis diese

als Leistungsnachweis ihre Aussagekraft

komplett verlieren. Zeugnisse können

generell für den nachfolgenden

Arbeitgeber immer nur einen ungefähren

Anhaltspunkt bieten, ob der Arbeitnehmer

tatsächlich die bescheinigten Eigenschaften

besitzt. Jeder Arbeitgeber ist daher

gut beraten, in der Probezeit den

Arbeitnehmer genau zu beobachten.

Sind Arbeitszeugnisse also ein Auslaufmodell?

Es gibt Experten wie den selbstständigen

Personalberater Karl-Heinz

List, der im November in einem „Zeit“-Artikel

dafür plädierte, die Bewertung in

Arbeitszeugnissen aufgrund des „Fluchs

des Wohlwollens“ ganz abzuschaffen.

Foto: Fotolia

Wenn jeder ein gutes Zeugnis bekomme,

sei das für die Beurteilten ganz angenehm.

Allerdings habe dann auch kein

Zeugnis mehr wirklich einen Wert.

List schlägt vor, auf die Beurteilung von

Leistung und Arbeitsverhalten ganz zu

verzichten und dem Arbeitnehmer stattdessen

zu bescheinigen, welche Aufgaben

er bei seiner Tätigkeit erledigt hat

und welche Anforderungskriterien dafür

notwendig waren. Eine Aufzählung der

geforderten Fähigkeiten würde dieses

„Job-Profil“ dann abrunden. Ein solches

Profil hätte für beide Seiten einen Nutzen:

Dem Arbeitgeber erleichtert es die

Vorauswahl aus einer Vielzahl von Bewerbungen,

dem Bewerber würden die

Kriterien zur Anregung dienen, Stärken

auch im Bewerbungsschreiben hervorzuheben

und damit die Chancen auf die

neue Stelle zu erhöhen.

Einen weiteren Vorteil sieht List darin,

dass ein Zeugnis ohne Leistungsbeurteilung

weniger Konfliktstoff bietet, was

auch die Arbeitsgerichtsprozesse reduzieren

würde.

Andere Experten handeln das persönliche

Empfehlungsschreiben als Alternative

zum Arbeitszeugnis. Es hätte deutlich

höhere Aussagekraft als das meist wohlwollende

Zeugnis, zumal es freiwillig

vom Vorgesetzten erstellt würde.

Um jedoch generell Veränderungen zu

ermöglichen, bedürfteeseiner Gesetzesänderung

–denn Arbeitszeugnisse sind

nun einmal gesetzliche Pflicht. bs

GUTSCHEIN

EIN JAHR LANG DAS

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DAS ARBEITSZEUGNIS HAT EINE LANGE GESCHICHTE

Die ersten Arbeitszeugnisse gab es bereits im 16. Jahrhundert, gesetzlich geregelt

war die Ausstellung in der Reichspolizeiordnung aus dem Jahr 1530.

Knechte und Mägde bekamen „Atteste fürdas ordnungsgemäße Ausscheiden“,

die belegten, dass derjenige auf ehrliche Weise und mit Zustimmung des letzten

Dienstherren gegangen war. Ohne Attest gab es keine neue Arbeitsstelle.

Im Jahr 1846 wurde in Preußen das Gesindedienstbuch eingeführt, worin der

Dienstherr bei der Entlassung Vermerke über das Benehmen eintrug. Die Bediensteten

mussten ihr Zeugnisbuch vor Dienstantritt und bei jedem Wechsel

der jeweiligen Polizeibehörde vorlegen und abstempeln lassen.

Anfang 1900 wurde der Anspruch auf ein Arbeitszeugnis durch das Inkrafttreten

des BGB juristisch geregelt. Seither sind Wahrheit und Wohlwollen die wichtigsten

Grundsätze imZeugnisrecht. 1963 formulierte der Bundesgerichtshof, dass

das Arbeitszeugnis „von verständigem Wohlwollen fürden Arbeitnehmer getragen

sein muss und ihm sein weiteres Fortkommen nicht unnötig erschweren

darf“. Seit 2003 wird der Zeugnisanspruch für fast alle Arbeitsverhältnisse aus

der Gewerbeordnung abgeleitet.

bs


LEBEN &WISSEN 27

Mein Stadion, meine Stars,

mein TV-Vertrag

Warum der hoch dotierte, neue englische TV-Vertrag eine ungute Entwicklung des Fußballs bedeutet –

und die deutsche Liga panisch reagiert.

Der Mann, der in Deutschland Christian

Seifert ist, Geschäftsführer der

Deutschen Fußball Liga, ist in England

Richard Scudamore. 55 Jahre

alt, hoher Scheitel, verbindlicher

Auftritt. Einer, der sein Geschäft zu

verstehen scheint: Gerade hat er

einen milliardenschweren Fernsehvertrag

für die englische Premier

League abgeschlossen, seither ist die

Fußball-Seele in England gespalten

und jene in Deutschland in Aufruhr:

Von 2016 bis 2019 kassiert die englische

Liga 6,9 Milliarden Euro –exklusive

der Auslandsrechte. Zum

Vergleich: In Deutschland läuft der

bestehende und seinerzeit bejubelte

Vierjahresvertrag mit einem Gesamtvolumen

von 2,51 Milliarden

Euro im Sommer 2017 aus –inklusive

der Auslandsrechte.

„Ich denke, die Preise werden,

was Gehälter und Transfers angeht,

steigen. Daher wäre es

wünschenswert, wenn die Bundesliga

das gleiche Geld erhält,

damit wir Schritt halten können.“

Klaus Allofs, Geschäftsführer VfL Wolfsburg

Wie die „Welt“ errechnete,

werden damit

die 20 englischen Vereine

schon bald zu

den 40 reichsten

Clubs weltweit gehören. Reichtum, den

sie vorallemden besonderen Verhältnissen

in Großbritannien zu verdanken haben:

Während in Deutschland der Rechteinhaber

Sky als Bezahl-TV mit langem

Durchhaltewillen und durch alle rote

Zahlen einen Stamm von vier Millionen

Kunden aufgebaut hat, zählen die beiden

großen Anbieter in England 15 Millionen

Abonnenten. Für ihre Kunden überboten

sich British Telecommunications und Sky

in diesem wahnwitzigen Wettstreit und

teilten das Feld am Ende auf. Wasdas für

Clubs und Liga heißt, ist klar: Mehr Topstars,

aber auch mehr mittelmäßigeFußballer,

die Millionensummen

kosten,

aber eigentlich

nicht verdienen.

Und: Mehr Glanz

in neuen Stadien,

aber auch ganz viel

Leerlauf für den

eigenen Nachwuchs.

Denn auch

das gehört zur

Wahrheit: Über die

Internationalisierung

der englischen

Liga und ihren Vorsprung durch

früh begonnene und konsequente Vermarktung

ist die englische Fußball-Nationalmannschaft

immer schlechter geworden

–weil den Talenten die Plätze

fehlen.

Und am Ende gilt die Erkenntnis, die Bayer

Leverkusens Trainer Roger Schmidt

gerne aufwärmt, wenn es um Chancengleichheit

geht: „Am Ende können auch





















BT und Sky zahlen Unsummen für die Übertragungsrechte und machen die englischen Clubs in der Premier League zu den reichsten weltweit.

beim Gegner nur elf Akteure spielen.“

Eine Relativierung der verrutschten Verhältnisse,

die sich ganz gut nährt: Englische

Clubs sind auch bislang besser ausgestattet

gewesen –und dominieren doch

nichtautomatisch den europäischen Vereinsfußball.

Umso bemerkenswerter ist die Reaktion

in der Bundesliga. Kaum war die Kunde

der englischen Geldvermehrung da,

schon hetzte die deutsche Liga hechelnd

hinterher. Schalkes Manager Horst Held

beklagte, dass „der Letzte in England

mehr bekommt als der Erste inDeutschland“

und schloss: „Man muss über viele

Dinge nachdenken, wie man die große

Lückeschließen kann.“ Gladbachs ManagerMax

Eberl will „unter Umständen mit

Traditionen brechen, um im Wettbewerb

mithalten zu können“. Und Wolfsburgs

Klaus Allofs analysierte griffig: „Ich denke,

die Preise werden, was Gehälter und

Transfers angeht, steigen. Daher wäre es

wünschenswert, wenn die Bundesliga

das gleiche Geld erhält, damit wir Schritt

halten können.“ Seine Empfehlung: „Es

müssen in Deutschland einfach mehr

Menschen Pay-TV schauen.“ Punkt.

Wenn die DFL im April 2016 den neuen

TV-Vertrag aushandelt, kommt alles auf

den Prüfstand, um das Produkt für das

Bezahl-TV noch teurer zu machen: Die

Liga wird sich umKonkurrenz für Bieter

Sky bemühen, wird ihre Auslandsvermarktung

–derzeit Thema Nummer 1bei

DFL-Chef Seifert –weiter vorantreiben

und auch wieder manche heiligeKuh vor

sich hertreiben: Kaum mehr Bilder im

Free-TV, eine weitere Zerfaserung der

Spieltage, obwohl schon jetzt die neun

Spiele der Bundesligazufünf verschiedenen

Zeiten angepfiffen werden. Seifert

nimmt schon Fahrt auf, wenn er sagt:

„Wir befinden uns in einem Verdrängungswettbewerb

der Ligen.“ Und fragt:

„Sind wir auch bereit für unpopuläre

Maßnahmen?“

Olaf Kupfer

Das Management-Institut Dr.A.Kitzmann aus Münster ist eineWeiterbildungseinrichtung,

die sich vornehmlich an Führungskräfte aus Wirtschaft undVerwaltung wendet. Seit über

35 Jahren begleiten und unterstützen wir Führungskräfte bei ihrer Weiterentwicklung.

Über 5.000 Teilnehmer jährlich werden in unseren offenen und firmeninternen Seminaren

bundesweit geschult. Es werden überwiegend teilnehmeraktivierende Methoden

eingesetzt, um eine hohe Lerneffizienz zu erreichen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt

auf der Umsetzung in die Praxis. Das Veranstaltungsangebot bezieht sich auf die wichtigsten

Schlüsselqualifikationen für Führungskräfte.Folgende Themenbereiche bieten wir

an: Kommunikation, Rhetorik, Persönlichkeitsentwicklung, Argumentation,

Arbeitstechniken, Führungsverhalten, Verkaufstechniken. Kostenlose Informationen

zu unseren offenen und firmeninternen Seminaren erhalten Sie unter untenstehenden

Kontaktdaten.

Rhetorik

Münster

16.03.2015 –17.03.2015

27.04.2015 –28.04.2015

11.06.2015 –12.06.2015

10.09.2015 –11.09.2015

22.10.2015 –23.10.2015

26.11.2015 –27.11.2015

Wie wirke ich auf Andere?

–Feedback intensiv –

Münster

02.03.2015 –03.03.2015

07.05.2015 –08.05.2015

15.06.2015 –16.06.2015

07.09.2015 –08.09.2015

09.11.2015 –10.11.2015

VomMitarbeiter

zum Vorgesetzten

Münster

23.02.2015 –24.02.2015

23.03.2015 –24.03.2015

23.04.2015 –24.04.2015

08.06.2015 –09.06.2015

07.09.2015 –08.09.2015

26.10.2015 –27.10.2015

07.12.2015 –08.12.2015

Zeitmanagement und

Selbstmanagement

Münster

26.02.2015 –27.02.2015

16.04.2015 –17.04.2015

18.05.2015 –19.05.2015

18.06.2015 –19.06.2015

31.08.2015 –01.09.2015

09.11.2015 –10.11.2015

10.12.2015 –11.12.2015

Management-Institut Dr.A.Kitzmann

Seminare für Führungskräfte

Dorpatweg 10 ·48159 Münster

Tel. 0251/202050 ·Fax 0251/2020599

info@kitzmann.biz ·www.kitzmann.biz

Foto: AFP


28 LEBEN &

Westfalen feiert

200. Geburtstag

Der Wiener Kongress stellte 1815 die Weichen für preußische

Provinzen zwischen Rhein und Weser

Das Jahr ist noch jung. Die Jahreszahl

2015 lohnt einen historischen

Rückblick. Schauen wir also einmal

200 Jahre zurück: Potentaten und

Diplomaten aus fast allen europäischenStaaten

tagen, tanzen und turteln

zur Jahreswende 1814/15inden

Palästen Wiensumdie Wette. Der österreichische

Staatsmann Clemens

Wenzel von Metternich zieht die Fäden,

und nach feinen diplomatischen

Winkelzügen tagsüber wird

abends in den feinen Salons gespeist

und gefeiert.

Seit Herbst des Jahres 1814 geben

sich die führenden politischen

Köpfe mit großem Gefolge

und ihren Liebchen ein

munteres Stelldichein in der

Kaiserstadt. Natürlich wird nicht nur getanzt,

wie populäre Spielfilme über jene

Zeit uns weismachen wollen. Denn im Juni

1815 liegen dickeSchlussverträgevor.

In diesen bekommt Europa nach fast zwei

Jahrzehnten Krieg, angezettelt von

einem schier unersättlichen Napoleon,

eine neue Gestalt, die rund 100Jahrehalten

wird und in Grundzügen übrigens

2015: Jubiläen, Gedenktage, Geburtstage

Der Dichter Matthias Claudius („Der Mond ist aufgegangen“)

starb vor 200 Jahren am 21. Januar.

Der Schauspieler Stan Laurel wurde 1890 geboren und

starb vor 50Jahren am 23. Februar.

Caspar David Friedrich, der romantische Landschaftsmaler,

starb vor 175 Jahren, am 7. Mai 1840 in Dresden.

Am 7. Mai vor 175 Jahren kam der russische Komponist

Peter Tschaikowsky zur Welt.

Zum 750. Mal jährt sich 2015 der Geburtstag des italienischen

Dichters Dante Alighieri. Er wurde 1265 in Florenz

geboren.

Nur wenige Jahre dauert die Schaffensphase des niederländischen

Malers Vincent van Gogh. Er starb vor

125 Jahren, am 29. Juli 1890.

Die Schauspielerin Ingrid Bergmann kam am 29. August

vor 100 Jahren in Schweden zur Welt.

Der Maler Lucas Cranach d. J. erblickte am4.Oktober

vor 500 Jahren in Wittenberg das Licht der Welt.

Max und Moritz, Lausbuben aus der Feder von Wilhelm

Busch, stellen seit 150 Jahren das Leben ihrer armen

Mitbürger auf den Kopf.

dpa/loy

Typisch westfälisch: Die Aufschnitt-Schneidemaschine „Westfalia“ aus Witten ist ein

Produkt der Industrieregion Westfalen in den 1920er Jahren. Foto: Museum Dortmund

auch heutenoch erkennbar ist. Napoleon

freilich wird–während der Kongress tagt

–noch einmal für beträchtliche Unruhe

sorgenund im Frühjahr 1815 nach seiner

Flucht vonder Insel Elba für 100Tageerneut

die Tagesordnung

bestimmen.

Doch am 18.

Juni 1815 erlebt

er gegen die vereinigten

Truppen

Wellingtons und

Blüchers südlich

von Brüssel sein

„Waterloo“. Bel-

„Alles, was Europa an erlauchten

Persönlichkeiten umfasst, ist in

hervorragender Weise vertreten.“

Der Generalsekretär auf dem Wiener Kongress,

Friedrich von Gentz

Diplomaten des Wiener Kongresses in einem zeitgenössischen Kupferstich von Jean Godefroy nach dem Gemälde von

Jean-Baptiste Isabey. Der Stich war kürzlich in einer Studioausstellung über Westfalens Geschichte imLandesmuseum

in Münster zu sehen. Foto: pp

gien wird dieser

Wendemarke mit historischem Schlachtengetümmel

gedenken.

Ausgangspunkt für das neue Westfalen,

das von 1807 bis 1814 für wenige Jahre

durch Napoleons Bruder Jérôme Bonaparte

von Kassel aus regiert wird, ist vor

200 Jahren der Wiener Kongress. 1815

werden Westfalen und die Rheinlande zu

preußischen Provinzen und bilden später,

ergänzt um das Land Lippe, die Landesteile

des Landes Nordrhein-Westfalen,

das die britische Besatzungsmacht

1946 ins Leben ruft.

2002 präsentierte das Westfälische Landesmuseum

für Kunst und KulturgeschichteinMünster

bereits die Anfänge

westfälischer Geschichte unter

preußischem Einfluss. Es wareine Zeit

des Wandels und des wirtschaftlichindustriellen

Aufstiegs. Freilich war

die Verbindung

aus

Westfalen und

Preußen keine

Liebesheirat,

wie noch

die Konflikte

zwischen Katholischer

Kirche und

Bismarck-

Reich Ende des 19.Jahrhunderts belegen.

Doch spätestens 100 Jahre

nach dem Wiener Kongress wollten

auch die katholischen Westfalen

treue Gefolgsleute des Kaisers sein.

Nicht zuletzt die Gründung mancher

Sportvereine unter dem Siegel

„Preußen“ oder „Borussia“ zeigen

an, dass Westfalen und das Rheinland

Anfang des 20. Jahrhunderts

preußisch gesonnen sind.

Für 2015 planen das Museum für

Kunst und Kulturgeschichte der

Stadt Dortmund, der Landschaftsverband

Westfalen-Lippe und

der Westfälische Heimatbund

eine Ausstellung. Unter

dem Titel „Westfalen 1815-

2015“ soll vom 28. August

2015 an ein halbes Jahr lang

bis Ende Februar 2016 die

Geschichte der Region

Westfalen anschaulich und

greifbar werden.

Landesrätin Dr. Barbara

Repräsentanten und Bürger Münsters feiern 1865 den 50. Jahrestag der Gründun

den Tonan. Im Wappen unseres Bundeslandes Nordrhein-Westfalen steht das steig

Rüschoff-Thale bemerkt

dazu: „Die Ausstellung will

ein Bewusstsein dafür schaffen,

dass regionale Identität immer

auf Stereotypen basiert, die

konstruiert sind und sich wandeln.

Dementsprechend unterschieden

sich auch die mit Westfalen

verknüpften Stereotype im

Laufe der Zeit voneinander. Welche

dies zu verschiedenen Zeiten

waren, welche Interessen und

Akteure diese Identitätsstiftungenjeweils

förderten und wie die

Menschen in Westfalen sie auch

teilten, das wird die Ausstellung

sichtbar machen.“

Die Ausstellung will mithin

überprüfen, wasMenschen heute

mit Westfalen verbinden, ob

die Region überhaupt Bezugspunkt

für regionale

Identitäten ist. Dabei werden mit Hilfe

von rund 800 Exponaten historische Ereignisse

und prägende Persönlichkeiten

des 19. Jahrhunderts

wie der Freiherr

vom Stein

ebenso vorgestellt

wie Aspekte

der Massenkultur

des 20. Jahrhunderts

–von Schützenfesten

bis hin

zum Fußball.

Zu den westfälischen Besonderheiten gehören

auch die Gegensätze in der Region:

ländliche gegenüber industrialisierten

Regionen, katholische gegenüber protes-

(„Ruhrpolen“, später Gastar

Bund

tantischen Gegenden, die

Migration aus und nach

Ein

ches

dago

gram

Them

len“

in die

neint

Für

Buberl, die Kuratorin der A

Dortmund, waresbesonders

Vielfalt Westfalens neu zu e

verwundert daher auch nich

„Die Ausstellung will überprüfen,

was Menschen heute mit Westfalen

verbinden.“

Landesrätin Barbara Rüschoff-Thale


WISSEN 29

„Hier lässt es

sich gut leben“

Ausstellung macht Appetit auf ganz viel Westfalen

Nicht Münster ist 2015 der Nabel

Westfalens, sonderndie mit Abstand

größte westfälische Stadt: Dortmund.

Am 28. August wird dort im

Museum für Kunst und Kulturgeschichte

die mit einiger Spannung

erwartete Ausstellung „Westfalen

1815-2015“ eröffnet.

Die Kunsthistorikerin Dr.

BrigitteBuberl bereitet die

Jubiläumsausstellung

über Westfalen vor. Sie

wird vom 28. August 2015

bis zum 28. Februar 2016 gezeigt. Diese

Ausstellung entsteht in enger Zusammenarbeit

mit dem Westfälischen Heimatbund,

der sein 100-jähriges Bestehen

feiert.

Frau Buberl, Sie sind dem Namen

und der Sprache nach Niederbayerin

und beschäftigen sich mit Westfalen?

Brigitte Buberl:

Ja, tatsächlich.

Ich stamme aus

dem Bayerischen

Wald, und zwar

aus Lam. Aber als

ich fünf Jahre alt

war, bin ich mit

der Familie bereits

nach Kelheim bei Regensburggezogen.

Aber Sie haben recht. Aus der Perspektive

des Bayerischen Waldes hatten

wir damals überhaupt keine Vorstellung

von Westfalen.

„Wir möchten vor allem zeigen,

wie schön Westfalen ist.“

Ausstellungskuratorin Dr. Brigitte Buberl

Wie kamen Sie denn eigentlich dazu,

sich jetzt als Kuratorin für diese

Jubiläumsausstellung ins Zeug zu

legen?

Buberl: Das hängt sicher auch mit dem

heterogenen Begriff „Westfalen“ zusammen.

Auf der einen Seite sprechen wir

von einem 200-jährigen Bestehen Westfalens

als preußische Provinz. Aber natürlich

ist der Begriff „Westfalen“ viel älter.

Dann wiederum betrachte ich zum

Beispiel die Dortmunder,die sich eigentlich

nicht zuallererst als Westfalen, sondern

eher als Ruhrpöttler sehen. 1815

entstand die preußische Provinz Westfalen

in den heutigen Grenzen vonWestfalen,

zu dem auch das östliche Ruhrgebiet

gehört. Wiehängen Preußen und Westfalen

nun wieder zusammen? Es gibt also

viele Ansätze, sich Westfalen in unterschiedlichen

Zeit- und Geschichtsepochen

zu nähern.

Was soll die Ausstellung als Allererstes

im Besucher auslösen?

Buberl: Wir möchten vor allem zeigen,

wie schön Westfalen ist und dass es sich

hier gut leben lässt. Dass es neben seiner

gerühmten Natur und seinem Freizeitangebot

auch technische Innovationen und

überraschende Persönlichkeiten aufzuweisen

hat. Natürlich zeigen wir auch

das, wasman landläufig und auch ein wenig

stereotyp mit Westfalen verbindet:

Pumpernickel, Kiepenkerle, Pferde. Aber

das ist längst nicht alles. Bei den Westfalen

und einer Suche nach deren Identität

fällt mir zudem immer ein typisches Understatement

auf. Westfalen gelten eher

als still und ernst, knorrig und fleißig.

Was werden Sie konkret in der Ausstellung

zeigen?

Buberl: Wirhaben 800 Exponateausgewählt

und werden sie in einer neuartigen

performativen Gestaltung zeigen. Natürlich

blicken wir

auch in die Geschichte

der Region.

Was ist

Westfalen, wer

gründete es, wer

stritt um Westfalen,

wer leitete

die Verwaltung?

Das klingt zunächst trocken. Aber wir inszenieren

das und machen es erlebbar.

Doch im Zentrum der Ausstellung steht

das sogenannte „Territorium“, das dreimal

verändert wird. Hier beleuchten wir

exemplarisch den Aufstieg und Abstieg

der Adelsfamilie von Romberg inBrünninghausen

bei Dortmund und in Buldern

bei Dülmen. Dann schauen wir uns

die Industrialisierung Westfalens und

hier besonders den Einfluss der Eisenbahn

an. Und schließlich nehmen wir die

Großstadtwerdung Dortmunds in den

Blick. Später betrachten wir die technischen

Innovationen vom Kanalbau bis

zur Luftfahrt und ihre westfälischen Pioniere.

Im dritten Teil thematisiert die

Ausstellung selbstverständlich auch Fragen

nach Migration und Religion und

fragt danach, wie die Menschen heutein

Westfalen zusammen leben. Die Reihe

der Exponateist vielfältig: Sie reicht von

einer Schinkenschneidemaschine bis zu

einem kostbaren Gemälde der Seherin

vonDülmen, das Gabriel vonMax im 19.

Jahrhundert malteund sich heuteimBesitz

der Neuen Pinakothek in München

befindet.

loy

|www.200jahrewestfalen.jetzt

gder preußischen Provinz Westfalen. Preußisch schwarz-weiße und westfälisch weiß-rote Fahnen geben

ende Pferd auf rotem Grund für den westfälischen Landesteil. Foto: LWL

ausgeprägte

Westfalen

beiter in der

esrepublik).

umfangreimuseumspägisches

Prom

soll das

a „Westfaauch

gezielt

Schulen hiragen.

Dr. Brigitte

usstellung in

reizvoll, die

ntdecken. Es

t, dass es der

Ausstellungsmacherin

schwerfällt, von einer großflächigen,

verbindenden oder gar homogenen

westfälischen Identität zu sprechen. Brigitte

Buberl: „Eine solche gemeinsame

Identität ist aus meiner Sicht nur schwer

festzumachen. Sie ist viel kleinräumiger,

denn Westfalen besteht aus vielen Regionen,

die zu der preußischen Provinz zusammen

geschlossen wurden. Es gibt

Münsterländer, Siegerländer, Sauerländer,

Ostwestfalen und Städte wie Dortmund,

eine ehemals freie Reichsstadt.

Vermutlich prägen solche Kleinräume

oder auch konfessionelle Bindungen die

Menschen viel mehr als das vermeintlich

,Westfälische‘.“

loy

Dr. Brigitte Buberl, Sammlungsleiterin des Museums für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, kuratiert die Westfalen-Ausstellung.

Rechts neben ihr Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau.

Foto: Kador


LEBEN &WISSEN 30

„Bulldog fahren

fand ich spannend“

Münsterländer Bezirksverein des Vereins Deutscher Ingenieure setzt mit

dem Arbeitskreis „Frauen im Ingenieursberuf“ einen Impuls.

Hier geht´s lang: Doch Frauen im Ingenieursberuf sind selten.

Foto: colourbox.de

Auf dem Acker steht

die Agraringenieurin

nicht nur zu 100, sondern

mindestens zu 150 Prozent

ihren Mann: „Wenn ich dem

Landwirt auf seinem eigenen

Feld erkläre, wie er mit der neuen

Flottenmanagement-Software

die Maschinenleistung seinesMähdreschers

optimieren kann, bereite

ich mich gefühlt mit mehr Aufwand

vor als meine männlichen

Kollegen“, betont Beate Fleck.

Für viele Kunden sei es

immer noch ungewohnt,

in diesem Job

einer Frau gegenüberzustehen.

Was manchmal

seitens des Landwirts die eine

oder andereFragemehr mit sich bringe,

umFlecks fachliches Können besser

einschätzen zu können. Aber hier

hat die Produktstrategin bei Claas in

Harsewinkel eben auchdie Chance, „ihre

Frau zu stehen“: „Meine ausgeprägte

Kommunikationsfähigkeit erachteich als

einen klar weiblichen Vorteil im Ingenieursberuf“,

erläutert die gebürtige Baden-Württembergerin.

2008 hat der Claas-Chef persönlich die

zupackende Landwirtstochter in Usbekistan

vom Feld weg für das Unternehmen

gewonnen: Mit einer Kollegin habe sie

sich dort für eine große Agrar-Holding

um den üppigen Fuhrpark gekümmert.

„Auf meinem russischen Praktikumsbetrieb

hatten wir unter anderem 30 Claas-

Mähdrescher in Betrieb. So konnte ich

das Unternehmen zuerst von der Kundenseite

kennenlernen“, erzählt das

Sprachtalent, das neben Englisch und

Französisch auch fließend Russisch

spricht. Heuteist BeateFleck in dem Harsewinkeler

Landwirtschaftstechnik-

Unternehmen mit weltweit 9000 Mitarbeitern

tätig an der Schnittstelle zwischen

Kundenwünschen, Produktentwicklung

und Unternehmensstruktur.

„Im Moment erarbeiten wir in einem

Konsortium aus Industrie und Forschung

eine freiwillige Selbstverpflichtung zur

Verringerung der Kohlendioxid-Emissionen“,

berichtet die passionierteFußballerin,

die nach Dienstschluss aktiv in der

Damen-Betriebsmannschaft kickt.

Ihre Bilderbuchkarriere begann auf dem

Ackerschlepper des heimischen Hofes:

„Bulldog fahren fand ich auf jeden Fall

spannender,als die Ferkel zu versorgen.“

Schon als junges Mädchen pöhlte sie in

der Jungenmannschaft, war inder Jugendfeuerwehr

aktiv und spielte Trompete

imSpielmannszug.

Zu den Stationen ihrer Karriere wird die

in Everswinkel lebende Agraringenieurin

beim Stammtisch des Arbeitskreises

„Frauen im Ingenieursberuf“ von vielen

Studentinnen der technischen Fächer gelöchert.

Mit dem Kreis, der gerade etabliert wurde,

hat der Münsterländer Bezirksverein

des Vereins DeutscherIngenieure (VDI)–

unter 2200 Mitgliedern sind dort nur

knapp 200 Frauen –einen Impuls gesetzt,

der noch weiter nachhallen soll. Die Koordination

liegt in den Händen von Catharina

Rohde.

Die von der Fachhochschule Münster

preisgekrönte Architektin und angehende

Bauingenieurin ist als wissenschaftliche

Mitarbeiterin im Institut für Wasser-

Ressourcen der FH Münster tätig und

weiß aus Erfahrung: „Sich wirklich über

den Beruf zu unterhalten und über technische

Details ins Schwärmen zu geraten,

das geht nur unter Gleichgesinnten.“

So tauschen sich Beate Fleck und Dr. Almuth

Jandel, von Haus aus Chemieingenieurin,

Sachbuchautorin und Pressereferentin

des Münsterländischen VDI-Bezirksvereins,

beim Termin im Claas-Techno-Park

in Harsewinkel auch ganz begeistert

über die Beschichtung der Mähdrescher

aus.


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LEBEN &WISSEN 31

Keine Angst vor komplizierter Technik: Catharina Rohde, Dr. Almuth Jandel und Beate Fleck machen sich nicht nur innerhalb des VDI stark für Frauen im Ingenieursberuf.

Foto: Maike Harhues

INTERVIEW

Wie kann man schon bei

Mädchen die Begeisterung

für für den Ingenieursberuf

wecken? Wir sprachen

mit Dr. Inga Zeisberg von

Münsters Experimentierlabor

ExperiMINTe,der

Dachorganisation der

Schülerlabore fürMathematik,

Informatik, Naturwissenschaften

und Technik –kurz MINT –ander WWU.

Wann genau haben Sie sich für Ihren beruflichen Werdegang

entschieden und was war der Auslöser?

Dr. Inga Zeisberg: In der Schule habe ich mich immer

schon für Naturwissenschaften und ihre Zusammenhänge

interessiert, vor allem fürPhysik. Besonders gute Noten

hatte ich aber nie. Und so habe ich nach dem Abitur erst

einmal eine Berufsausbildung in einem klassischen Frauenberuf

gemacht. Mich hat aber gestört, dass ich keine

Aufstiegsmöglichkeiten hatte, weswegen ich mich auf meine

ursprünglichen Interessen konzentriert und mich dann

doch für ein Studium in Physik und Chemie entschieden

habe –ich habe es tatsächlich geschafft durchzukommen.

Ich möchte allen, die vor der Entscheidung stehen, mit

auf den Weg geben: Besinnt euch auf eure Interessen,

dann kommt der Spaß mit und der Erfolg ergibt sich.

Was muss sich ändern, damit der Frauenanteil in den

technischen Berufen steigt?

Zeisberg: Vorbilder sowie Fürsprecherinnen und Fürsprecher

sind ganz wichtig, denn Mädchen sind häufig sehr

gut, trauen sich aber vieles nicht zu. Zusätzlich halte ich

außerschulische Projekte fürsinnvoll, indenen Mädchen

frei von schulischen Zusammenhängen anhand eines Themas,

das sie aus dem Alltag kennen, experimentieren

können und so nebenbei ihr Berufswahlspektrum erweitern

können.

Können pädagogische Projekte anSchule, Hochschule

und Uni familiär geprägte Schalter umlegen und Mädchen

für MINT-Fächer begeistern?

Zeisberg: Die Teilnahme an außerschulischen Projekten

kann Mädchen vor allem zum Umdenken anregen. Familiäre

Einflüsse spielen schon eine große Rolle, aber auch

Eltern können sich durch die Teilnahme ihrer Tochter inspirieren

lassen, bewusst über die Berufsmöglichkeiten der

Tochter mit der Tochter gemeinsam zu sprechen –und

zuzuhören, was sie möchte, in welchen Bereichen sie ihre

Stärken sieht und sie vor allem aktiv unterstützen. mh

In der Minderheit –aber

doch spürbar im Aufwind

Aktionen wie „GirlsGo4Green“ sollen Mädchen für die MINT-Berufe begeistern.

Zusammen informierten sich

Catharina Rohde und Beate

Fleck auf dem 16. VDI-Kongress

der Frauen im Ingenieursberuf

in Nürnberg

über Themen wie „Vereinbarkeit vonBeruf

und Familie“ und „Frauen in Führungspositionen“.

Der VDI möchte für Frauen in technischen

Berufen interessanter werden und

ihnen eine Hilfe sein, diese überhaupt

erst zuergreifen.

Dazu bedarf esVorbilder, sind sich die

drei Frauen sicher: „Mein Vaterund meine

ältere Schwester sind Ingenieure“,berichtet

die aus Schleswig-Holstein stammende

Catharina Rohde. „Ich bin in

einem familiären Umfeld aufgewachsen,

in dem mir auch in technischer Hinsicht

viel zugetraut wurde“, erinnert sich die

28-Jährige schmunzelnd an ihre ersten

Modellhauskonstruktionen im heimischen

Werkkeller.

Wünschenswert als Orientierungshilfe

wären auch mehr hoch qualifizierteFrauen

in technischen Berufen und als Lehrende:

An der Westfälischen Wilhelms-

Universität insgesamt ist der Anteil der

Professorinnen seit 2008 um knapp sechs

Prozentpunkte auf 23,6 Prozent angewachsen.

In den MINT-Fächern (Mathematik

und Informatik, Physik, Chemie,

Pharmazie, Biologie und Geowissenschaften)

stieg die Quote der weiblichen

Lehrenden mit Professur seit 2008 bis

zum Wintersemester 2013 von 10,3 auf

17,3 Prozent. Wobei sich die Zahl der Professorinnen

in den einzelnen Fächern erheblich

unterscheidet: In Biologie waren

es zuletzt 28,6 Prozent, in Mathematik

und Informatik zählt die Uni-Statistik

12,2 Prozent Frauen in wissenschaftlichen

Führungspositionen.

In Hörsälen und Laboren machen die jungenFrauen

Terrain gut: Sie bilden inzwischen

45,6 Prozentder Studierenden der

MINT-Fächer (Stand 2013/14); fünf Jahre

zuvor erreichte der Mittelwert dieser

Fachbereiche 43Prozent.

In Chemie und Pharmazie (gesamt) liegenbeide

Geschlechter knapp gleich auf,

in Biologie ist sogar deutlich über 60 Prozent

weiblicher Nachwuchs immatrikuliert.

Erstaunlich ist dabei, dass in Physik,

lange Stiefkind unter der Studienwahl

der Abiturientinnen, an der Universität

Münster zum Wintersemester 2013/14

gut 36 Prozent Frauen zu finden sind;

2008 waren es keine 20 Prozent.

„Ich bin in einem familiären

Umfeld aufgewachsen, in dem

mir auch in technischer Hinsicht

viel zugetraut wurde.“

Catharina Rohde

An der Fachhochschule Münster sind die

Studentinnen in den fünf technischen

Fachbereichen (Bauingenieur-, Chemieingenieurwesen,

Elektrotechnik und Informatik,

Maschinenbau, Energie-Gebäude-Umwelt

und Physikalische Technik)

ebenfalls deutlich in der Minderheit,

aber im Aufwind: Ihr Anteil stieg insgesamt

von gut 13 auf knapp 20 Prozent.

Die meisten FH-Studentinnen innerhalb

dieses Fächerkanons streben einen Abschluss

als Bauingenieurin an –103 von

303 im Wintersemester 2013/14. Mit nur

elf Studentinnen zu diesem Zeitpunkt

übt der Fachbereich Elektrotechnik und

Informatik offenbar nur wenig Anziehungskraft

aus. In den Ingenieur-Disziplinen

bilden die Frauen als Lehrende an

der FH eine kleine Gruppe, die jedoch

wächst: Die Zahl der Professorinnen in

den technischen Fachbereichen lag 2008

bei vier,inzwischen hat sich die Zahl auf

acht verdoppelt.

Der noch verhaltene Aufwärtstrend an

den Hochschulen soll beschleunigt werden:

Die Universität Münster versucht

beispielsweise, mit zahlreichen Aktionen

– wie das in der Physik angesiedelte

„GirlsGo4Green“- und das in der Fächerkombination

Physik/Chemie angedockte

„Nano4YourLife“-Projekt –Schülerinnen

für die MINT-Berufe zubegeistern. Mit

„tasteMINT“ bietet die WWU konkrete

Hilfe bei der Studienwahl. Für Wissenschaftlerinnen

gibt es das Mentoring-Programm

„ERSTKLASSIG!“, das Frauen auf

dem Weg zur Professur unterstützt.

Ähnliche Ziele verfolgt der Girls` Daydes

Schulministeriums, der schon in der achten

Klasse Schülerinnen in Berufe reinschnuppern

lässt, die überwiegend von

Männern ausgeübt werden.

Auch bei Claas wimmelt es jedes Jahr an

diesem Tagnur so von Schülerinnen.

„Eine gute Sache, bei der viele Mädchen

auf die Idee kommen, sich bei uns um ein

Praktikum zu bewerben“, so BeateFleck.

Trotzdem wünscht sich die Agraringenieurin

eher einen „TechnicalDay“:

„Auch jungeMänner müssen teilweise für

Technik noch begeistert werden. Aus

meiner Sicht brauchen wir mehr qualifizierten

Nachwuchs, egal ob Junge oder

Mädchen.“

VDI-Sprecherin Dr.Almuth Jandel pflichtet

ihr bei: „Wir wollen auf keinen Fall

eine Quote, sondern durch Qualifikation

überzeugen.“ Maike Harhues


LEBEN &WISSEN 32

Fasziniert von der

heilenden Kraft der Pilze

Tierarzt Dr. Christian Müller-Ehrenberg setzt bei der Behandlung von Sportpferden

aufgrund guter Erfahrungen immer mehr auf Reishi, Shiitake &Co.

Pilze sind für den Tierarzt Dr. Christian

Müller-Ehrenberg etwas Großartiges.

Fast ehrfürchtig spricht er

von ihren genialen Überlebenstaktiken:

„Sie haben Eiszeiten, Hitzewellen

und Klimakatastrophen überstanden,

sind auf der gesamten Erde

zu finden und haben perfekte Abwehrmechanismen

entwickelt, all

das zu überleben.“

„Wunder dürfen wir nicht

erwarten.“

Dr. Christian Müller-Ehrenberg

Inder asiatischen Heilkunde werde

schon seit 4000 Jahren auf die

Kraft der Pilze gesetzt, erklärt Müller-Ehrenberg.

„Die antioxidativen

Wirkstoffe können das Ungleichgewicht

im Körper wieder ins Gleichgewicht

bringen“, ist er überzeugt. Diese

Kraft nutzt er jetzt bei der Behandlung

von Pferden.

Bei einem Fachkongress vor vier Jahren

sei er zum ersten Mal auf dieses Thema

gestoßen und anfangs auch eher skeptisch

gewesen. Dass einigePilze besondere

Fähigkeiten haben, sei unbestritten.

Hildegard von Bingen (1089 bis 1179)

habe auf Heil- und Vitalpilze gesetzt und

Alexander Fleming (1881 bis 1955) entdeckt,

dass der Schimmelpilz Penicillium

eine besondere keimtötende Wirkung

hat.

Die 1991 entdeckte

Gletschermumie

„Ötzi“ habe

Heilpilze als Abführmittel,

gegen

Parasitenbefall

und zur Blutstillung

bei sich gehabt.

„Wir wissen, dass einige Pilze antitumoral

und schmerzlindernd wirken“,

sagt Müller-Ehrenberg.

Weil Pferde auch immer öfter unter Zivilisationskrankheiten

litten, Parodontose,

Allergien, Stoffwechselerkrankungen

und Magengeschwüre bekommen können

oder unter Stress leiden, wollte der

Tierarzt, der sich seit Kindesbeinen der

Reiterei und den Pferden verschrieben

hat, diese alternativen Heilmethoden

ausprobieren. „Ich verteufele auf keinen

Fall die Schulmedizin, sie gehört für mich

bei Diagnostik und Therapie immer mit

dazu. Ich bin aber der Ansicht, dass die

sogenannten alternativen Heilmethoden

ebenfalls Berücksichtigung finden müssen.“

Aus dieser Auffassung heraus entwickeltesich

das zweiteberufliche Standbein

des Veterinärs: vom Tierarzt zum

Pilzhändler.

Müller-Ehrenberg setzte sich schon früh

mit speziellen Fütterungsfragen und den

Wirkungsweisen verschiedener Heilpilze

auseinander. Erfand einen Züchter in

England, der die Pilze unter optimalen

Bedingungen anbaut und das komplexe

Wurzelwerk, das Mycelium, fein vermahlt.

Zusatzstoffeseien nicht enthalten,

Den Reishi in der Hand, erläutert Tierarzt Dr. Christian Müller-Ehrenberg, warum Pilze inder Pferdefütterung an Bedeutung gewinnen.

versicherte der Tierarzt. „Wir setzen einzig

und allein auf die heilende Kraft der

Pilze und eine perfekte Kombination

unterschiedlicher Arten. Klar, wir hätten

die Pilze auch in Asien pflücken können.

Aber dort wachsen sie zum Teil direkt an

der Straße, und wir wissen nicht, welche

Schadstoffe sie vielleicht enthalten.“

Als Müller-Ehrenberg mit seiner neuen

Behandlungsmethode auf Kundensuche

in der Reiterszene ging, stieß er zunächst

auf Skepsis. „Müssen die Tiere jetzt ausgerechnet

auch noch Pilze fressen?“, lautete

eine viel gestellte Frage. Doch Müller-Ehrenberg

leistete Überzeugungsarbeit.

Mittlerweile gehören zahlreiche

namhafte Reiter zu seinen Kunden.

„Pferde werden entspannter und konzentrierter

bei der Arbeit –und das völlig

ohne pharmazeutische Erzeugnisse. Bei

Magengeschwüren oder Zahnproblemen

seien ebenfalls beachtliche Erfolge zu

verzeichnen, erklärt der ehemaligeHochschulmeister

im Springreiten. „Durch die

Pilze werden die Selbstheilungskräfteaktiviert,

und auf Chemiekeulen können

wir oft komplett verzichten.“

Müller-Ehrenberg konnte auch Kollegen

überzeugen, bei bestimmten Problemen

Heilpilze einzusetzen. „Wunder dürfen

wir nicht erwarten, geben dem Pferdaber

die Chance, sich mit der Kraft der Natur

selbst zu heilen.“ www.better4horses.com

Marion Fenner

VITALPILZE

Vitalpilze werden in der traditionellen chinesischen Medizin

bereits seit mehreren Tausend Jahren eingesetzt. Rund

einem Dutzend von ihnen werden besondere Kräfte zugeschrieben.

Die Lebewesen weisen eine besonders hohe

Konzentration von Spurenelementen und Mineralien auf.

„Der Reishi ist dabei der Wichtigste“, erklärt Tierarzt Dr.

Christian Müller-Ehrenberg. Hierzulande wird er„glänzender

Lackporling“ genannt, in Asien ist er der „Pilz der

Unsterblichkeit“. Der Shiitake, in China als „König der Pilze“

bekannt, werde wegen seines Inhaltsstoffes Lentinan

auch in der Schulmedizin bei der Tumorbehandlung angewendet.

Der Murill, auch Sonnen- oder Mandelpilz, wird

zur Stärkung des Immunsystems und zur Verbesserung

der Darmfunktion eingesetzt.

ZUR PERSON

Dr. Christian Müller-Ehrenberg

hat eine Ausbildung als Pferdewirt

und befasste sich während

seines anschließenden Medizinstudiums

eingehend mit dem Thema

einer optimalen Pferdefütterung

zur Leistungssteigerung und

zur Prävention von Gesundheitsproblemen.

Als Springreiter war

er bis zur schweren Klasse erfolgreich

und 1988 deutscher Hochschulmeister

im Springen. Zusätzlich

war erals Trainer und Lehrgangsleiter

tätig.

Der Murill soll das Immunsystem stärken und die Darmfunktion

verbessern.

Die Puppen-Kernkeule enthält entzündungshemmende

Wirkstoffe.

Der Shiitake gilt inChina als König der Pilze. Er gehört zuden

am meisten angebauten Speisepilzen überhaupt.

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