gust 2012 - Tapete Records

tapeterecords.de

gust 2012 - Tapete Records

FESTIVALPROGRAMM

24. /25. /26. AUGUST 2012

KRONSBERGPARK-HANNOVER

MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG VON:

www.bootboohook.com


Wann ist ein Geldinstitut

gut für die Region Hannover?

Wenn es auch kulturelle

Spielräume schafft.

Fair. Menschlich. Nah.

Wir investieren in Kunst und Kultur. Mit Freude und

Stolz fördern wir zukunftsweisende Projekte motivierter

Initiatoren. Was uns dabei wichtig ist: Zugänge zu schaffen

zu den unterschiedlichsten Kunst- und Kulturformen.

www.sparkasse-hannover.de/engagement

Sparkasse Hannover. Gut für die Region.

HERZLICH WILLKOMMEN

Manche tippen dreimal die falsche PIN am Automaten ein, andere

verschütten Rotwein auf eine Picasso-Zeichnung, dritte rufen ihre

Freundin beim Namen der Mutter. Alles verzeihlich!

Egal wie aufgeregt ihr seid, wir sind es noch mehr, denn:

Es ist BOOTBOOHOOK!!!

Seid versichert, wir haben uns sechs Beine ausgerissen, um dieses

fünfte BOOTBOOHOOK zum besten of all times zu machen.

Zum runden Geburtstag gibt es Premieren satt: Wir gastieren das

erste Mal im Kronsbergpark. Die perfekte Lage, das nächste Wohngebiet

ist weit weg, macht es uns möglich, euch Tag und Nacht

Live-Programm zu bieten.

Das diesjährige BOOTBOOHOOK ist außerdem das internationalste

bisher. Über 40 Bands aus elf Ländern werden sich an drei Tagen

auf drei Bühnen die Mikroklinke in die Hand geben.

Ihr habt recht, das Vorwort ist eines der schlimmsten Worte.

Darum belassen wir es hierbei und wünschen euch und uns

allen ein großartiges BOOTBOOHOOK 2012!


Das Kind wird erst vier Jahre alt, aber

schon ist ihm sein Haus zu klein

geworden. Es muss umziehen. Auch

weil es manchmal ganz schön laut war.

So richtig schlimm fanden die Nachbarn

das nicht, aber nach 23 Uhr, da wollten

sie doch ihre Ruhe haben.

BootBooHook und seine vielen, vielen

Freunde hätten da aber schon gern

noch gespielt – und ein bisschen „Krach“

gemacht.

Das ist jetzt möglich, denn BootBooHook hat eine neue Heimat

gefunden, mit viel mehr Platz für noch mehr Freunde. Und ganz

neuen Spielmöglichkeiten, drinnen und natürlich draußen.

Beste Voraussetzungen für ein schönes, dreitägiges Fest(ival).

Es ist schon erstaunlich, wer da alles kommt und mitspielt!

Da haben die Eltern von BootBooHook ganze Arbeit geleistet.

Die Freunde – es werden einige Tausend sein – bekommen ganz

schön was geboten.

Nicht viele Vierjährige können sich damit messen. Überhaupt: Das

Kind ist schon ziemlich erwachsen.

Als Wunderkind sehen die Eltern BootBooHook nicht, aber sie

wissen sehr wohl: Wer es so schnell so weit gebracht hat, aus

dem kann noch einmal etwas richtig Großes werden!

Und auch Hanno(ver), der alte und neue Hausbesitzer weiß das.

Und freut sich, dass das Kind sich so prächtig entwickelt. Da darf

es ruhig auch mal laut und frech sein. Und anders als so viele

andere. Ein bißchen unbequem.

Bequem können es sich die Gäste bei und mit BootBooHook

machen.

Viel Spaß dabei wünscht

Oberbürgermeister Stephan Weil

INHALTSVERZEICHNIS

6-7 FESTIVALPLAN

8-9 FREITAGSPROGRAMM

10-11 LOCAS IN LOVE, LIKE A STUNTMAN, TO ROCOCO ROT, STRIVING VINES

12-13 CAMERA, JAPANDROIDS, ECKE SCHÖNHAUSER, PALAIS SCHAUMBURG

14-15 OF MONTREAL, SUPER700

16-17 THE TOUCH, TOCOTRONIC, IRA ATARI, CASIOKIDS

18-19 KING KONG KICKS, DIE VÖGEL, SILENT NOIZE FLOOR

20-21 SAMSTAGSPROGRAMM

22-23 SOULFRÜHSCHOPPEN, FRENCH FILMS, JENS FRIEBE

24-25 THE HUNDRE IN THE HANDS, FRAMES, TARWATER, FEHLFARBEN

26-27 ORPH, GRAVENHURST

28-29 WE HAVE BAND, ME AND MY DRUMMER, SUPERPUNK, BLAUDZUN

30-31 WHOMADEWHO, SOLYST

32-33 THE WHITEST BOY ALIVE, BEATPOETEN

34-35 REPTILE YOUTH, HANS NIESWANDT, BRATZE, SILENT NOIZE FLOOR

38-39 SONNTAGSPROGRAMM

40-41 SOULFRÜHSCHOPPEN, NEXT STOP: HORIZON, WOLKE

42-43 ME AND CASSITY, MORITZ KRÄMER, JA, PANIK, ISBELLS,

44-45 NIELS FREVERT, DEAR READER, BOY

50 FAHRPLAN


PARKPLATZ

EINGANG

FUSSWEG

ZUM CAMPING

KASSE &

BÄNDCHEN

WC WC WC WC

TENT STAGE

GAULOISES

CAFÉ DES ARTS

WLAN LOUNGE

FAUST STAGE

LOUNGE TENT

MAIN STAGE

WC WC WC

VIP

VOM CAMPING

ZUM FESTIVAL

7


8

FREITAG, 24. August 2012

MAIN STAGE

15:00

EINLASS

16:00 - 17:00

LOCAS IN LOVE

17:45 - 18:45 TO ROCOCO ROT

17:00 - 17:45

LIKE A STUNTMAN

18:30 - 19:30

CAMERA

17:45 - 18:30

STRIVING VINES

19:30 - 20:30 JAPANDROIDS

20:15 - 21:15

19.30 - 20:15

ECKE SCHÖNHAUSER

21:15 - 22:30

OF MONTREAL

PALAIS SCHAUMBURG

21:00 - 21:45

SUPER700

22:15 - 23:00

THE TOUCH

23:15 - 00:45

TOCOTRONIC

00:45 - 05:00

LOUNGE TENT:

Sennheiser Silent Noize Floor

KRINK & RAMPUE (AUDIOLITH) VS. TWIN SET

TENT STAGE FAUST STAGE

23:30 - 00:30

IRA ATARI

01:00 - 02:00 01:00 - 05:00

CASIOKIDS

DJ: KING KONG KICKS

02:30 - 03:30

DIE VÖGEL


LOCAS IN LOVE

24. August / 16.00 Uhr

MAIN STAGE

Fertigmachen zum Diktat! Folgende Zeilen sind bitte fehlerlos und in Schönschrift in alle Poesiealben, Tagebücher

und Jahresberichte zu übertragen: „Wenn etwas völlig sinnlos scheint, soll man dennoch dabei bleiben?

Sich Mühe geben, sich zusammenreißen? Nein, Nein, Nein!“

Wie schön, wie wahr! LOCAS IN LOVE nehmen, was oft als allzupersönlich ausgeschlossen wird, bewusst in

ihre Musik rein, um es, ohne Coolnessfilter zum Schutz vor Schamesröte, mit uns zu teilen. Danke für diese Bekenntnisse

und Einsichten junger Menschen am äußeren Rand der Berufswelt. Danke auch für die federleichte

Popmusik, stilsicher mit Krach durchbrochen, auf eurem neuen Album „Lemminge“. Danke LOCAS IN LOVE für

die Rosen, die Farben, den Duft und die Stacheln!

LIKE A

STUNTMAN

24. August / 17.00 Uhr

TENT STAGE

Was macht ein Stuntman? Alles, was sich die Schauspieler nicht trauen. Aus fahrenden Zügen springen,

durchs Feuer rennen, auf Klippen tanzen.

Ich ersetze im Folgenden Schauspieler durch Bands, um mich so der Arbeit von LIKE A STUNTMAN zu nähern.

Bands haben Songs, wo der Sänger in der Strophe was erzählt, was er im Refrain nochmal zusammenfasst,

während der Schlagzeuger aufs Becken geht und der Gitarrist auf die Mine tritt. Bands machen Videos, in

denen man sieht, wie geil sie abrocken können. Bands machen jedes Jahr eine Platte, egal, ob es Not tut,

einfach damit ihre Fans sie nicht vergessen.

LIKE A STUNTMAN, vier Freunde aus Frankfurt am Main und Hamburg, zeigen, wie es anders, besser geht. Sie

machen Musik, die mit dem Tanzschuh nach Pop/Rock-Songschemata tritt. Sie machen Videos mit Schauspielern,

die sie die Lippen und Restkörper zu ihrer Musik bewegen lassen. Sie machen drei (!) Platten in elf (!)

Jahren. Was dabei rauskommt, kann man Kunst der Gegensätze nennen: laut schillernde Freude, nervös zum

Beat hüpfende Verzweiflung. Alle Farben!

Und längst ist klar: der Stuntman kann Gefühle. Der Schauspieler kann gehen.

10

TO ROCOCO ROT

24. August / 17.45 Uhr

MAIN STAGE

Ich erinnere mich, dass es irgendwann in den Neunzigern unter stilbewussten Studenten der Geisteswissenschaften

zum guten Ton gehörte, ein Vinylalbum, auf dem ein Strauß roter Tulpen abgebildet war, prominent

im WG-Zimmer zu platzieren. Wenn man keinen Plattenspieler hatte, tat es auch das Tourplakat. Diese Platte

hieß „The Amateur View“ und war die zweite von TO ROCOCO ROT. Jene Studenten, ich war oft zu Besuch,

versuchten, mit diesem unaufgeregten Kleinod ihr Leben zwischen schwedischem Sperrholz und Back-Camembert

aufzuhellen und -zuwerten. Die Studenten sind jetzt Papis und zurück in ihrem Heimatdorf oder

bettelarm in Berlin.

Auch TO ROCOCO ROT sind seitdem einen weiten Weg gegangen. Aber „The Amateur View“, also die Perspektive

des Liebhabers, ist geblieben. Auch auf „Speculations“ nähern sich Stefan Schneider und die Brüder

Ronald und Robert Lippok ihrer eigenen Musik mit viel Gefühl. Loops lassen sich kaum von live eingespielten

Elementen unterscheiden. Die Band selbst nennt das: Getrieben vom Klang der Finger auf den Instrumenten,

zwischen elektrischen Pulsschlägen pendeln. Und mit dem Klang der Finger sind die Finger selbst gemeint

und nicht nur das, was sie spielen; besonders gut hörbar ist das an Stefan Schneiders Basslinien, die sich,

warm und leicht angezerrt, wie die Spuren eines Maulwurfs durch die Stücke schieben. Es gibt auf dieser

Platte noch etliche Beispiele mehr für die Anwesenheit von Menschen. Das liest sich blöd, aber ist etwas sehr

Schönes.

Ich freue mich darauf, diese Band live auf der Bühne zu sehen.

STRIVING VINES

24. August / 17.45 Uhr

FAUST STAGE

„Oh Pathos, ich bitte dich, gib mir ein Lied. Schwerer als Muse, trauriger als Keane. Oh Pathos, lass mich

singen, wie die Möwen fliegen, hoch durch die Wolken, ins Rot der Sonne.“

Wenn die STRIVING VINES als Kinder solche oder ähnliche Gebete vor dem Schlafengehen aufsagen

mussten, so sind diese inzwischen erhört worden. Das Quartett aus Dänemark macht elegant-pompösen und

höchstmelancholischen Artpop, der das Gros ihrer musikalischen Vorbilder in den Schatten stellt. Diese Jungs

gehören in die Sparte Headliner von Morgen. Allerdings sind die Songs der STRIVING VINES momentan noch

etwas zu..., äh..., intelligent fürs Stadion. Aber dem BootBooHook-Publikum eilt der Ruf voraus, nicht auf den

Kopf gefallen zu sein.

11


CAMERA

24. August / 18.30 Uhr

TENT STAGE

Krautrock ist das Wort, die Straße ist der Ort. CAMERA sind Guerilleros. Schneller als du Landfriedensbruch

sagen kannst, bauen sie ihr Set auf (Mini-Schlagzeug, Gitarre, Keyboard und Amps) und spielen, egal wo:

U-Bahn-Station, Herrentoilette, Preisverleihungs-Gala, bis man sie wegträgt. Umstehende und Laufpublikum

sind begeistert und bilden Trauben um die Band. Und nachdem sie sich ein paarmal in Rage und wieder

heraus gespielt haben, wissen CAMERA mit Sicherheit: Sie haben Eindruck geschunden. Wie auch kürzlich

geschehen bei den Kraut-Legenden Michael Rother (NEU!, Harmonia) und Dieter Moebius (Cluster, Harmonia),

die mit CAMERA einige Shows gespielt haben und die junge Band aus Berlin seitdem fördern. Denn sie haben

in CAMERA jemanden gefunden, der nicht einfach die Hippie-Fackel weiterträgt, sondern etwas Heutiges

macht aus den grandiosen musikalischen Ideen, die Anfang der Siebziger in der BRD herumgeisterten. Und

das lohnt im Falle CAMERA unbedingt zu sehen/hören. Trauben für alle.

JAPANDROIDS

24. August / 19.30 Uhr

MAIN STAGE

Jetzt sage mir einer mal, warum ich das so gut finde? Ich habe gelesen, die JAPANDROIDS aus Vancouver

werden mit Achtziger/Frühneunziger-Legenden wie The Minutemen, Sonic Youth, Dinosaur Jr., Black Flag und

Hüsker Dü verglichen, alles Bands, die ich wohl respektieren sollte, aber kaum oder gar nicht gehört habe.

Dennoch kann ich mehr als mir lieb ist (zu laut!) mit der Musik der JAPANDROIDS anfangen.

Vielleicht, weil man hört, dass sie wissen, es geht um Wut, nicht um Eier. Weil sie wissen, wie man taumelt und

sich überschlägt und dennoch die Spannung eines Songs bis zum letzten Ton hält. Weil sie singen und schreien

können, ohne zu hassen oder heulen. Und zuletzt, weil sie nur zwei sind und klingen, wie (hier beliebiges

vielköpfiges dampfbetriebenes Monstrum einsetzen).

Ja richtig, zwei! Brian King (Gitarre/Gesang) und David Prowse (Schlagzeug/Gesang) haben drüben mit ihrem

Erstling „Post-Nothing“ viel Kritikergold geerntet und mit ihrer Live-Energie so ziemlich jede amerikanische

Stadt geknackt. Und jetzt kommen sie nach Europa, Deutschland, Hannover, zum Bootboohook, um mich

von meiner Rockallergie zu heilen. Wie nett sie einen vom Cover ihres neuen Albums „Celebration Rock“

anlachen. Ich glaube, die sind nicht mal tätowiert. Ich liebe sie.

12

ECKE SCHÖNHAUSER

24. August / 19.30 Uhr

FAUST STAGE

You name it: „Ecke Schönhauser ist eine Herzensangelegenheit, bei der kein

musikalischer Querverweis oder textlicher Kitsch ausradiert wird. Die erste Idee ist immer die beste.“

So gelesen im Bandinfo. Außerdem steht da noch, dass Herpes-Sänger Florian Pühs die Band ECKE SCHÖN-

HAUSER mit seinem Mitbewohner Philipp Lippitz (Kadavar) ins Leben rief, um eine 11-jährige Beziehung zu

verarbeiten. „Na danke!“ würde ich sagen, wäre ich der Mitbewohner. Aber hört man einige Takte dieser

herben Musik, muss man anerkennend hüsteln: „Gut, sehr frisch und brüllend komisch verzweifelt“. Natürlich

erster Platz im Schorsch-Kamerun-Soundalike-Contest, aber siehe Zitat oben, egal! Die Gitarre schrottet Kleinwagen,

während Florian seiner Freundin hinterherschreit „Ich springe in deinem gleichschenkligen Dreieck!“.

Das ist schon was!

PALAIS

SCHAUMBURG

24. August / 20.15 Uhr

TENT STAGE

Diese Band veröffentlichte vor 30 Jahren ihr erstes Album und löste sich vor 28 Jahren auf. Es ist die Rede von

PALAIS SCHAUMBURG. Für die Jüngeren unter euch: sowas wie die Hamburger Hot Chip der frühen Achtziger.

Nur in verrückter. PALAIS SCHAUMBURG hatten den durchsten DADA und den draufsten Funk von allen Bands,

die damals nach England blickten (und da waren viele). Einen Song wie „Wir bauen eine neue Stadt“ hat es

davor/danach nicht gegeben. Er bescherte der Band nicht die Warhol‘schen 15 Minuten Ruhm, sondern einen

Platz auf Lebenszeit im coolen Gedächtnis dieses Landes. Noch immer klingt das Lachen über die Irrtümer

der Menschheit auf diesem Debut von PALAIS SCHAUMBURG hell, weil es schon damals um jetzt ging.

Holger Hiller, Thomas Fehlmann, Timo Blunck und Ralf Hertwig, also die (sorry) gottverdammte Originalbesetzung,

kommen nun nach all den Jahren nochmal für einige ausgewählte Konzerte zusammen, um ihr Werk mit

uns zu feiern. „Und morgen wird der Wald gefegt.“

13


OF MONTREAL

24. August / 21.15 Uhr

MAIN STAGE

Wir hören Zithern, Harfen, Streicher und Bläser, die schöne Tage unter wolkenlosem Himmel versprechen.

Kevin Barnes´ Stimme klingt nach Trost und Erlösung. Aber dann eine Zeile wie diese: „I spend my waking

hours haunting my own life / I made the one I love start crying tonight / And it felt good“. Auch das Cover von

„Paralytic Stalks“, des aktuellen Albums von OF MONTREAL, lässt bei längerem Hinsehen Schlüsse auf eine

zweite, dunklere Ebene zu. Aus einer vielfarbigen Buntstiftzeichnung von Pflanzengeflechten und Engelsflügeln

sprießen aufgerissene Mäuler und blecken die scharfen Zähne. Fleischfressend wahrscheinlich.

Bunt mit viel Schwarz, so ließe sich OF MONTREALs Musik lakonisch beschreiben. Etwas musikjournalistischer:

komplexe, hippieske Songstrukturen, die himmlisches Geflöte mit infernalem Gitarrenkrach kontrastieren,

Selbsthass, der unerwartet in Euphorie mündet. Melodien, die wunderschön zu lügen vermögen und ein

Sänger, der ohne Angst das Innerste nach außen kehrt. Auch auf der Bühne wird man ein hart am Wahnisnn

arbeitendes Kollektiv bewundern, in schrille Verkeidungen gehüllt, durch Licht und Nebel teufelsreitend.

Unterm Strich gilt: die Band aus Athens, Georgia, ist einer der aufregendsten Live-Acts der USA. Und jetzt

Achtung: OF MONTREAL liefern auf dem BootBooHook ihren einzigen deutschen Festivalauftritt in diesem Jahr

ab. Drei Kreuze!!!

14

SUPER700

24. August / 21.00 Uhr

FAUST STAGE

Bitte, bitte, bevor ihr diesen Text weiterlest, hört euch mindestens die erste Minute von „Life with Grace“ an,

bitte. Ich weiß, ihr sitzt irgendwo im Park, aber genau da und jetzt müsst Ihr es hören, geht doch heutzutage

alles. Und wenn Ihr nach einer Minute die Stopptaste nicht findet, weil ihr in Kontemplation erstarrt seid vor

soviel Anmut, und wenn ihr nach 3 Minuten 43 denkt, die Welt müsse aufhören sich zu drehen, alles sei für

immer vorbei, kann ich euch sagen: ruhig, es ist nur Musik.

Nur ist gut, sagt ihr. Das ist Sonnenlicht, Trinkwasser, heilendes. Das ist ein Pflaster, größer als Berlin.

Ich: Ah, witzig, aus Berlin kommt die Band.

Ihr: Wieso witzig?

Ich: Was ist witzig?

Ihr: ...dass die Band aus Berlin kommt.

Ich: Wieso ist das witzig?

Ihr: Du nervst, tschüss!

Das wars, dabei hätte ich noch etwas zu sagen gehabt, z.B., dass die anderen Lieder auf SUPER700s drittem

Album alle anders klingen, jedes hat eine andere Haltung, beleuchtet eine neue Ecke der Gefühlswohnung.

Ibadet Ramadanis Stimme glänzt hell und dunkel, mit dem Morgentau und dem Auge des Raben um die

Wette. Dabei redet man so gerne über das schwierige dritte Album, aber SUPER700 haben mit „Under the no

sky“ ihr bestes bis jetzt abgeliefert. Es wird langsam Abend und ich habe nicht wirklich viel über diese tolle

Band erzählt.

Aber ihr wart ja so schnell weg!


THE TOUCH

24. August / 22.15 Uhr

FAUST STAGE

„Crisp“, Scheißwort für Musik, ich weiß. Fällt mir aber ein, wenn ich THE TOUCH höre. Wie frisch aufgerissene

Chips mit Salz und Essig. Ich probiere es anders: The XX in hell und ohne Gitarre. Auch blöd. Oder: das Berghain

morgens um acht. Keiner ist mehr müde, aber noch niemand ist wach.

Aus dem Off: „Was sollen wir damit, Francesco? Wer oder was ist THE TOUCH?“

Okay, THE TOUCH sind zu viert, aus Schweden und arschcool, haben Robyn geremixt und auf Kitsuné

veröffentlicht. Die Sänger/innen Olov und Lina singflüstern lasziv über hittige Tracks aus Pluckerbeats und

Arpeggiosynths.

Auf dem Bandfoto tragen sie Schwarz und schauen ernst, als wäre ihnen gerade ein Fehler im System aufgefallen.

Wisst ihr jetzt mehr?

TOCOTRONIC

24. August / 23.15 Uhr

MAIN STAGE

Wächter der großen Worte, des Stils, des Krachs, Propheten des Scheiterns, Herrscher des Blätterwaldes, alles

richtig, alles Quatsch.

Schön ist: Tocotronic haben mit jeder Platte noch etwas mehr zu sagen, was schon ein Kunststück ist, wenn

man bedenkt, dass sie schon mit „Digital ist besser“, ihrer ersten, einen Klassiker hinlegten, der bundesweit zur

Gründung von Diskutierclubs führte, und das ist 150 Jahre her, liebe Kinder. Diese Band, die in den Neunzigern

loszog mit Trainingsjacken, Casio-Uhren, komischen Frisuren und Brieffreunden in Seattle, um Klassensprecher

der Hamburger Schule zu werden, ist nun an einem Punkt ihrer Reise angelangt, wo Vergleiche und Zuordnungen

keinen Sinn mehr ergeben. Vor- und Nachname Tocotronic.

Sie schippern auf dem Meer der Kunst, vom Wind aus ihren Verstärkern getrieben, einer strahlenden Zukunft

zu. Auf dem neuen Album „Schall und Wahn“ sind sie noch etwas mehr gegen Alles und für Jeden (der bereit

ist, sich von dieser Welt mit einem Achselzucken abzuwenden). Die Musik wurde um ca. zehn Hallräume erweitert

und Dirk von Lowtzows Gesang stolpert leicht wie nie gen Wahnsinn, Zeilen fabulierend wie: „Im Zweifel für

die Bitterkeit und meine heißen Tränen.“

Wir dürfen TOCOTRONIC nun schon zum zweiten Mal auf dem Bootboohook begrüßen und taumeln mit dem

leichten Fieber called Vorfreude dem Autritt dieser (endlich passt das Wort mal) großartigen Band entgegen.

16

CASIOKIDS

24. August / 01.00 Uhr

TENT STAGE

IRA ATARI

24. August / 23.30 Uhr

FAUST STAGE

A Star is born am Himmel von Audiolith. Aber wer ist IRA ATARI? Gehen wir ethymologisch vor: Ira ist Latein für

Wut, Atari ein alter Computer. Wut aus alten Computern? Äh, vielleicht?

„I won‘t keep my temper“ singt IRA ATARI in „Miss Progression“. Genau, sie will sich nicht zusammennehmen,

sie will ausbrechen, parallel zur Musik, und tatsächlich zieht der Beat um zwei Schläge an, als Ira singt „Your

world is moving faster“. Wie nennt man das? Kongenialität! Für die extrem gute, weil songdienliche Dancemusik

auf IRA ATARIs Album „Shift“ ist nämlich JA!KOB von Frittenbude verantwortlich, und er produziert hier

mit ähnlichem Rumms, aber einem Iota mehr an Finesse als bei seiner Stammband. Den Großteil der Songs

haben die beiden zusammengeschrieben, und so ist „Shift“ eine der wirklich interessanten Platten diesen

Jahres geworden, die Schwipptochter von Róisín Murphy und der David Guetta der Gosse. Homogener hat

Styleclash selten geklungen.

Irreführender Bandname die Hundertzwote: nein, CASIOKIDS machen keine Lo-Fi-Spül-und-Bügel-Soundtracks

auf Kinderinstrumenten mit Wackler. Ich sehe eher einen bunten Buttonpanzer auf der Jeansjacke, eine pinke

Fake-Ray-Ban und im umgeschulterten Stoffbeutel die Graceland-LP vom Flohmarkt. Helle, fröhliche Musik

aus Bergen in Norwegen, für viele Sachen aber auch und vor allem zum Tanzen gemacht, das haben auch

die Japaner verstanden, denen die CASIOKIDS letztens einen umjubelten Tourbesuch abstatteten. Mit einem

textsicheren Publikum können sie dort und hier nicht rechnen, denn die CASIOKIDS singen auf norwegisch.

Aber es klingt, als würden die Songs von durchmachten Nächten voller Küsse und Blattgoldkonfetti handeln.

In England haben sie gar als erste Band ever mit einem Song in norwegischer Sprache den Charteinstieg

geschafft. Der NME beschrieb die CASIOKIDS als „the best thing to come out of Norway since black metal“.

Man muss nicht immer alles verstehen.

17


Was vor neun Jahren in Bochum als Privatveranstaltung begann, hat sich zu einer von Deutschlands größten

Partyreihen entwickelt. King Kong Kicks ist inzwischen in zehn Städten präsent und hostet eine Radiosendung

auf Delta Radio. Das DJ-Kollektiv rockte heuer Hurricane und Melt! und auch auf dem BootBooHook sind

DJs Christian Vorbau, Franky, and Martyn Lavie keine Unbekannten. Die KING KONG KICKS sind zum x-ten

Mal dabei und wer die Jungs schon hinter den Plattentellern erlebt hat, weiß: kaum jemand baut Rockstars

und NoNames, Indie und Elektro so perfekt in sein Set ein. Niemand wartet hier auf seine Lieblingsmusik, nie

wieder Schlangen am DJ-Pult!

Der Unterschied zwischen EGAL und GEIL? 2 Buchstaben

Der Preis für den besten Bandnamen auf dem BootBooHook geht an: DIE VÖGEL. Ebenso der Publikumspreis

in der Kategorie „Weltretten in acht Minuten“ für ihr Meisterwerk „Die blaue Moschee“, ein Stück Musik, das

dreckig, originell (einige würden sagen: schön krank) und, in der Kombi Blechbläser/four-to-the-floor-Beat, so

eingängig ist, dass es prompt von Oceana geschluckt wurde und die EM in Polen und der Ukraine beschallen

musste. Die beiden VÖGEL, Jakobus Siebels und Mense Reents, haben sich dafür neue Schuhe gekauft und

legten nach mit „Fratzengulasch“. Noch besser, noch drüber. Stellt euch vor, Astroboy und Heidi heiraten. Es

spielt eine Blaskapelle, besser gesagt, ein Mann mit vier Köpfen, Tuba, Posaune, Trompete, Querflöte. Alle tanzen

wie ferngesteuert um das Brautpaar. Plötzlich ein unglaubliches Gewitter. Ein LKW kommt auf der nassen

Straße vom Weg ab und überschlägt sich. Wer sitzt auf dem Strommast und wird nichtmal nass? DIE VÖGEL!

18

KING KONG KICKS

24. August / 01.00 Uhr

FAUST STAGE

DIE VÖGEL

24. August / 02.30 Uhr

TENT STAGE

SILENT NOIZE FLOOR

24. August / 00.45

LOUNGE TENT

Wenn man keine Musik hört, aber zwei DJ-Teams auflegen sieht und 150 Leute, die auf der Tanzfläche austicken, steht

man entweder hinter Panzerglas, ist nicht mehr ganz sauber oder hat was übersehen: die Kopfhörer!

Beim Sennheiser Silent Noize Floor hört man als Außenstehender tatsächlich gar nichts. Da muss man sich schon einen

der Kopfhörer aufsetzen, die am Eingang des Floors ausliegen. Dann hat man die Wahl zwischen Indie und Elektro und

den Besten dieser zwei Welten. Am Kopfhörer kann man nämlich zwei Kanäle einstellen und jeder ist einem der beiden

hart arbeitenden DJ-Teams zugeordnet.

Zuerst die Damen: Auf der Indie-Seite stehen TWIN SET aka NICKI NOISE und MAUPKA. Die beiden haben sich durch ihr

Tanzdiktat mit Style in Hannover bei den Tieren der Nacht einen exzellenten Ruf erspielt.

Ihnen gegenüber: KRINK & RAMPUE; die beiden Hamburger lassen ohne Vorwarnung die Audiolithkeule sausen und

pumpen Beats und Bässe wie Neon und Gold in die Hörer.

BootBooHook-PuBlikum

das sPendenfreudigste festivalPuBlikum weit und Breit!

Unter dem Motto „Gib uns Deinen Pfand“ hat Viva con Agua seit Bestehen des

BootBooHook jedes Jahr fleißig Pfandbecher auf unserem Festival gesammelt.

Die ehrenamtlichen Supporter von VcA zogen mit ihren Pfandtonnen über das

Festival-Gelände und jagten, sammelten und stapelten Becher, was das Zeug hielt – für den

guten Zweck!

Wem das Projekt noch nichts sagen sollte: Jeder Festivalbesucher, der seinen Becher

in die Sammelbehälter des VcA-Teams wirft, spendet quasi bares Geld, denn jeder

Pfandbecher ist 1 Euro wert. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: allein 2011

wurden auf dem BootBooHook sage und schreibe 4005 Becher gespendet! Abgesehen

davon, dass das absoluter Rekord ist und wir das Festival mit den mit Abstand am meisten

gespendeten Bechern pro Besucher in ganz Deutschland waren*, bedeutet es vor allem:

es konnten sanitäre Anlagen und Hygieneeinrichtungen für ca. 4.000 Menschen in

Burkina Faso geschaffen werden! Denn das war im letzten Jahr das Projekt, für das

gesammelt wurde.

*Bei den meisten Festivals spenden 10 – 20% der Besucher ihre Becher, beim

BootBooHook waren es 80%!

unser wunscH für 2012

2012 ist Viva con Agua natürlich wieder auf dem BootBooHook dabei. In diesem Jahr

wird das gesammelte Geld an ein von Viva con Agua unterstütztes Wasserprojekt der

Welthungerhilfe gehen, welches im Norden Ugandas liegt. Dort werden acht neue Brunnen

gebaut und sechs ältere Brunnen instand gesetzt, welche die Wasserverfügbarkeit für

die Bewohner des Distrikts Lira erhöhen und damit die gesundheitliche und wirtschaftliche

Situation der Menschen optimieren. 90% der Begünstigten im Projektgebiet sind

aus Flüchtlingslagern zurückgekehrte Bürgerkriegsflüchtlinge; die geplanten Maßnahmen

verbessern die Lebensbedingungen von rund 12.600 Menschen.

Dazu möchten wir einen möglichst großen Beitrag leisten und daher ist es in diesem Jahr

unser Ziel, auf dem BootBooHook mindestens 7.000 Euro „einzusammeln“. Von diesem

Betrag würden, wenn man es umrechnet, 800 Menschen profitieren.

Also: seid wieder dabei und helft mit!


SAMSTAG, 25. August 2012

MAIN STAGE

13:00

EINLASS

14:00 - 15:00

FRENCH FILMS

16:00 - 17:00

THE HUNDRED IN THE HANDS

17:45 - 18:45

FEHLFARBEN

19:30 - 20:30

WE HAVE BAND

21:15 - 22:30

WHOMADEWHO

23:15 - 00:45

THE WHITEST BOY ALIVE

00:45 - 05:00

Lounge Tent:

Sennheiser Silent Noize Floor

USCHI RAKETE & PANDA CLUB VS. YEAH!CLUB

20

14:00

TENT STAGE FAUST STAGE

13:00 - 15:00

SOULFRÜHSCHOPPEN

im Gauloises Café des Arts

mit DJ Carsten Friedrichs

15:00 - 16:00

JENS FRIEBE

16:45 - 17:45

TARWATER

18:30 - 19:30

GRAVENHURST

20:15 - 21:15

SUPERPUNK

01:00 - 02:00

REPTILE YOUTH

02:30 - 03:30

BRATZE

16:00 - 16:45

FRAMES

17:45 - 18:30

ORPH

19:30 - 20:15

ME AND MY DRUMMER

21:00 - 21:45

BLAUDZUN

22:15 - 23:00

SOLYST

23:30 - 00:15

BEATPOETEN

01:00 - 05:00

DJ: HANS NIESWANDT


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Auch in diesem Jahr

kommen die Bühnen-

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BOOTBOOHOOK Festival

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SOULFRÜHSCHOPPEN

25. August / 13:00 Uhr

GAULOISES CAFé DES ARTS

Das BootBooHook schenkt euch einen Grund, früh aufzustehen: den SOULFRÜHSCHOPPEN! Dahinter steht niemand

Geringeres als Carsten Friedrichs, ehemals Kopf der Hydra Superpunk und in Zukunft Auge und Mund der Liga der gewöhnlichen

Gentlemen. Er mimt im Gauloises-Cafè-des-Arts-Tipi das Gegenteil des herkömmlichen Frühstücksradio-DJs,

in dem er Lieder auflegt, die keiner kennt und jeder mag. Und es gibt Gratiskaffee. Und guten dazu!

FRENCH FILMS

25. August / 14.00 Uhr

MAIN STAGE

Ach du Scheiße, gute Laune! Bitte nicht jetzt! Ich wollte gerade einen Waschzettel über junge Finnen mit

Sonnenbrillen auf dem Bandfoto am Vintage-See schreiben. Aber diese Musik packt mich und klatscht mir

eine. Gegenfrage: Darf man klingen wie Joy Division ohne Depressionen? Ja! Aber nur die FRENCH FILMS

aus Finnland dürfen das. Ein Sänger, der fragt, ob man mit ihm fliehen möchte, raus hier, egal wohin, mit der

Bassdrum und den Achtelriffs um die Wette, schneller, lauter! Die Jugend ist ein rauschendes Fest mit drei Ausrufezeichen

am Ende der Hallfahne. Kein Wunder, dass die Musik vom Debut der FRENCH FILMS schon etlichen

Surffilmen zur Untermalung diente. Also: Vergesst die Schule, die Steuer und das Wetter! Leben heißt rennen

und fliegen! Hier kommen die guten Zeiten!

JENS FRIEBE

25. August / 15.00 Uhr

TENT STAGE

„Abändern“, ein selten elegantes Wort. Betont man es auf der letzten Silbe, klingt es wie „up and down“.

Genau, Venga Boys! Und was hat das mit JENS FRIEBE zu tun? Geheimnis. „Abändern“ ist Jens´ fünftes Album

und voll mit Superpopmusik, nicht aber die der hüftsteifen Indiesorte, sondern heller, quietschiger, schlauer.

Nur ein Beispiel: „Und die Jahre, die wir brauchen, bis wir uns davon erholen, ziehen vorbei, wie fremde Koffer

auf dem Band in Charles de Gaulle.“, darunter ein nervöser Beat plus Synthies und Samples, die klingen

wie aus Gainsbourgs „Comic Strip“. Und fast das Beste: kaum Gitarren! Diese Platte ist, was Songwriting und

Produktion angeht, ein guter Gegenentwurf zu all den bierensten Joy-Division-Derivaten, die hier alljährlich

den Markt fluten. Weltberühmt in Berlin ist JENS FRIEBE jetzt schon, aber da geht noch mehr.

23


THE HUNDRED

IN THE HANDS

25. August / 16.00 Uhr

MAIN STAGE

Besser THE HUNDRED IN THE HANDS als die Taube auf dem Dach, oder was? Hach, Bandnamen, wir Musikschreiber

verwenden zuviel Kraft an ihre tiefere Bedeutung. Dabei ist es im Fall von THITH ungleich interessanter,

sich mit ihrer Musik zu beschäftigen. Lupenreiner Pop, Mama Disco, Papa Punk, der Haken schlägt

zwischen Gefühl und Anspruch, zwischen Herz und unbedingtem Willen zum Stil.

Und glaubt mir, Eleanore Everdell, die Sängerin des Duos aus Brooklyn, kann alles!

Sie ist, je nach Song, Vestalin des Dancefloors, blumenbekränzte Nymphe, die Freundin an deiner Seite

oder die kühl entrückte Betrachterin. Gemeinsam mit ihrem Partner Jason Friedman hat sie ein Debütalbum

hingelegt, das aus seiner Heterogenität keinen Hehl macht, was aber wiederum sehr gut in unsere Zeit passt

(siehe: We have Band, WhoMadeWho etc.). Kaputte Achtelgitarren, räumliche Rockdrums, 808-Claps und

sirenenartige Synthies. Wäre ich bei Radio Paradiso angestellt, sagte ich: „THITH vereinen das Beste aus den

70ern, 80ern...“. Die Band selbst kann es besser ausdrücken: „They bridge the gap between pulsing dancefloor

Armageddon and feverish intimacy – between the communal and the personal.“ Voilà!

24

FRAMES

25. August / 16.00 Uhr

FAUST STAGE

FRAMES sind eine Instrumental-Post-Postrockband aus Hannover. Sie haben sich einem aufwändigen, aber

glückversprechenden Projekt im Bereich Landschaftsbau gewidmet. Mit den Mitteln einer klassischen Rockband

(Gitarre, Bass, Keyboard, Schlagzeug) errichten sie Berge, Schluchten, Täler, Großstädte mit blinkenden

Lichtern, endlose Waldlandschaften, von Flüssen durchzogen und Seen gesäumt, bis hin zu Einöden und

Wüsten. FRAMES‘ Musik flirrt und zittert, flüstert und lärmt, kauert still, steht auf, breitet die Schwingen aus und...

hört selbst, aber mit Augen zu!

TARWATER

25. August / 16.45 Uhr

TENT STAGE

TARWATER sind Bernd Jestram und Ronald Lippok (der hier auch mit seiner anderen Band To Rococo Rot

spielt). Tarwater sind Musik und Lyrik, Ronald sprechsingt, beide machen die Musik und das zusammen schon

seit 1995. Das britische Magazin MOJO taufte ihren Stil Euro Cool.

Auf jeden Fall haben TARWATER zuhause ein paar von diesen Schiffen rumstehen, die Otto-Normal-Musiker nur

noch als Plugins besitzt (oder geklaut hat). Ich spreche von Keyboards, riesige alte Damen mit Steckplätzen

wie früher in der Telefonzentrale und faustgroßen Drehreglern. Manche haben Namen von Planeten. Vielleicht

wurden sie dort gebaut. Mit diesen Geräten, aber auch nicht zu knapp Holz- und Blechbläsern und sogar einem

Hackbrett (meine Oma aus Graz erklärt euch, was das ist), haben sie für ihr aktuelles Album „Inside the

Ships“ traumhafte, schwer greif- aber super hörbare Musik geschaffen, die klingt wie eine längst verfallene Zukunftvision,

ein Film von 1962, der im Jahr 2012 spielt. Die Menschen haben Raketenschuhe und Silberanzüge.

Bernd Jestram und Ronald Lippok sind die Botschafter dieser besseren Gegenwart.

FEHLFARBEN

25. August / 17.45 Uhr

MAIN STAGE

Die Karriere dieser Band hätte verlaufen können wie ein

Arztwitz.

Arzt:“Sie werden nie berühmt werden.“

Band:“Warum?“

Arzt:“Sie sind zu gut.“

„Monarchie und Alltag“ war wirklich zu gut! Das erste Album der FEHLFARBEN läutete die Achtziger mit

einem funky Geistesblitz ein. Eine als kühle Tanzmaschine agierende Band mit dem berechtigte Zweifel

deklamierenden Peter Hein an ihrer Spitze, zeigte hier der Fratze Bundesrepublik auf eine Art den Spiegel, wie

es bis dahin noch niemand gemacht hatte. Es war 1980 und das mit dem Nicht-Berühmt-Werden ging leider

daneben. Gegen den Willen der Band wirft die EMI 1982 der hungrigen NDW-Meute das Lied „Ein Jahr (Es geht

voran)“ vor die Füße. Diese schluckt den zynischen Über-Hit in einem Zug mit hedonistischem Blödsinn wie

Markus´“(Gib Gas) ich will Spaß“. Der Erfolg bringt Scherereien mit sich, Peter Hein steigt aus, die Band macht

ohne ihn weiter, tolle Eighties-Pop-Momentaufnahmen wie „Glut und Asche“ und „33 Tage in Ketten.“ Die

Neunziger dienen der Inventur, den Nebenprojekten und dem Sich-in-anständigen-Berufen-Ausprobieren. Das

Comeback landen die FEHLFARBEN wiedervereint mit dem Superalbum „Knietief im Dispo“ 2003. Der Plattentitel

wird zum Bonmot. Seitdem sind die FEHLFARBEN in Fahrt und hauen raus, was kommt. Und da kommt viel

Gutes. Auf dem BootBooHook werden sie ihr neues Album „Xenophonie“ vorstellen. Und Peter Hein hat noch

immer die besten Zeilen fürs Hier und Jetzt parat: „Platz da! / Macht den Weg frei / Wir sind die Speerspitze

der Kulturindustrie / wir fliegen viel und verirren uns nie.“ Mehr davon auf dem BootBooHook!

25


Wäre der Begriff wall of sound nicht bereits zur Marke erstarrt, könnte man ihn gut auf die Musik von Nick

Talbot aus Bristol alias GRAVENHURST anwenden. Der Mann mit der Knabenstimme begann seinen Weg Ende

der Neunziger alleine mit Zupfgitarre in den Fußstapfen von Nick Drake und Bert Jansch. Er produzierte und

veröffentlichte die ersten zwei Platten selbst, bis er von WARP entdeckt wurde, die bis dato nur mit Künstlern

der elektronischen Musik gearbeitet hatten. GRAVENHURSTs erste Platte beim Major-Indie erregte Aufsehen.

Die Medien priesen den liebevollen Umgang mit dem Erbe von My Bloody Valentine, The Cure und The Smiths.

Tatsächlich erinnert Nick Talbots Gesang aus der Ferne an den jungen Morrissey, und das Zurückgenommene

der Musik hat etwas vom Shoegaze der frühen Neunziger; doch trifft man bei GRAVENHURST auf mehr Eigenes

als Angeeignetes. Wirklich faszinierend (nicht Beckmann-faszinierend) ist, wie Nick Talbot es schafft, in seinen

fragilen Popsongs mit ihren soften Melodiebögen und Harmoniegesängen den allerschönsten Gitarrenkrach

aufleben zu lassen. Auch die Lieder vom aktuellen Album „Ghost in Daylight“ sind voll von überraschenden

Wendungen und laut/leise-Achterbahnen, die aber nie zu Stadionatmo oder Sounddesign verkommen. Nick

Talbot hat den Mut, den es braucht, um aus schöner Musik gute Musik zu machen

und live mit der Band GRAVENHURST hat er das Zeug dazu, eine Abendstunde im August zum Ereignis werden

zu lassen.

Trivia: GRAVENHURSTs Musik hat den Soundtrack zu Sebastian Schippers 2006 erschienem Film „Ein Freund von

mir“ geliefert. Hey all you hipsters, hip-hoppers, mods, rockers, beatniks and biker chicks!*

*No Goths

26

ORPH

25. August / 17.45 Uhr

FAUST STAGE

Bandname: ORPH

Farbe: Weißes Papier (vergilbt)

Lieblingsmusik: Schritte auf Unterholz

Lieblingsfilm: „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ (Scherenschnitt 1926)

Lieblingsort: Theater (baufällig)

So könnte ein kurzer Steckbrief von ORPH aus Weimar aussehen. Höchster Kunstanspruch eint die Band,

die Marco de Haunt und Hendrik Winter 2007 ins Leben riefen. Neben der Musik, verhuschten Songnovellen

zwischen Wave und Zirkus, haben auch Stummfilme, mittelalterliche Holzschnitte und romantische Lyrik im

Orph‘schen Kosmos Platz. ORPH haben eine EP mit dem Titel „Poems for Kui“ veröffentlicht. Sie eröffneten für

Phillip Boa and the Voodooclub (vergilbt) und gastierten auch schon in Pariser Nachtclubs (baufällig). Ich

denke, ihr wisst, was da auf euch zugerollt kommt.

GRAVENHURST

25. August / 18.30 Uhr

TENT STAGE

Das ganze Programm!

Live-Musik, Party, Theater, Literatur,

Comedy, Kunst, Bildung, Beratung,

Biergarten und vieles mehr.

Unsere Konzert-

Highlights im Herbst

07.09. Dope D.O.D.

15.09. Fibre

Black As Chalk

Kneeless Moose

19.09. Felix Meyer

27.09. Bonecrusher

01.10. Husky

12.10. Martin Jondo

13.10. Liquid Lightning

15.10. We Are The Ocean

17.10. Slime

18.10. Wohnraumhelden

20.10. Megaloh

25.10. Herr von Grau

26.10. Lukas Graham

30.10. Kid Kopphausen

01.11. The Excitements

03.11. Sivert Høyem

03.11. Disco Ensemble

06.11. Kadavar

08.11. Henrik Freischlader

09.11. Die Orsons

13.11. Stereolove

17.11. 4Lyn

24.11. Rotfront

07.12. Blumentopf

26.12. The Busters

Dr. Ring Ding

www.kulturzentrum-faust.de

Kulturzentrum Faust, Zur Bettfedernfabrik 3, 30451 Hannover


WE HAVE BAND

25. August / 19.30 Uhr

MAIN STAGE

„Beste Live-Band seit immer“ hört man rufen. Auch ihr zweites Album „Ternion“ betreffend, hagelt es überall

Lob und Rosen. Klingt also fast so, als wären die Disco-Wave-Funk-Rocker von WE HAVE BAND gerade das neue

Ding, der heiße Shit, die Band des Augenblicks. Nerds wie ich grunzen da gerne mal „Na und?“ Aber wenn ich

nur für einen Augenblick die Petersilie aus den Ohren nehme, gebe ich mich geblendet geschlagen. Denn

was Darren Bancroft und das verheiratete Paar Dede und Thomas Wegg-Prosse da machen, ist Wahnsinn!

Was für Songs! Was für eine Band! Die drei Engländer haben es sich, wie viele andere Bands der Stunde, zur

Aufgabe gemacht, elektronische Elemente mit denen der Rockmusik zu verbinden (bevor sie eigene Songs

machten, arbeiteten sie als Remixer u.a. für die Gorillaz und Bloc Party), und das gelingt ihnen unglaublich

gut. Chorusgitarren schwelgen und Synthies pluckern auf graden Beats, man denkt an The Rapture und Tom

Tom Club, dazu wechseln sich die drei Sänger wunderbar harmonisch ab, um sich pünktlich zum Refrain im

Engelschor zusammenzufinden. Seit Erscheinen ihres Debutalbums „WHB“ 2010 ist diese Band unaufhörlich

auf Tour, die Songs des aktuellen Albums wurden in Hotelzimmern an Off-Tagen geschrieben und während

einer kurzen Tourpause aufgenommen. Jetzt sind sie zurück auf der Straße und auch in Hannover werden sie

zeigen, wozu Superlative erfunden wurden.

Als ich vor einiger Zeit von euphorisierten Freunden auf diese neue Band angestoßen wurde, verstand ich, sie

hießen „Me And My Drama“ und als ich dann deren Single „You‘re a runner“ hörte, leuchtete mir das perfekt

ein. Wie groß war die Enttäuschung, als sich rausstellte, dass ich mich verhört hatte! „Me And My Drummer“!

Warum so lakonisch, bei dieser Musik die nach großem Theater klingt (nur mit echtem Blut und die Toten

stehen nicht auf, wenn der Vorhang fällt).

Charlotte Brandi und Matze Prölloch schreiben Hymnen für all die Zeitverschwender da draussen. Die Songs

auf “The Hawk, The Beak, The Prey” sind nichts weniger als Säle, endlose Träume, Tunnel, Kontinente, kurzum:

ich schwelgte.

Und als ich sie dann zum ersten Mal auf der Bühne sah, war ich geschockt. Nur zwei Leute - was heißt „nur“?

Charlotte Klavier, Matze Schlagzeug, beide sangen und spielten um ihr Leben. Ich verstand: „Me And My

Drummer“ heisst: „Seht her, mehr braucht‘s nicht!“ Macht das ganz groß bitte!

28

ME AND

MY DRUMMER

25. August / 19.30 Uhr

FAUST STAGE

BLAUDZUN

25. August / 21.00 Uhr

FAUST STAGE

SUPERPUNK

25. August / 20.15 Uhr

TENT STAGE

Ist euch das auch aufgefallen? Es gibt keine schlechte Platte von SUPERPUNK. Sie haben es in 15 Jahren Bandgeschichte

nicht geschafft, eine einzige blöde Note zu spielen, ein fades Wort zu singen.

Sowas wie SUPERPUNK muss über kurz oder lang an der eigenen Perfektion zugrunde gehen. Genau deshalb

sind sie nicht mehr. Ja, richtig, die Hamburger Top Old Boys, Erfinder des Spelunken-Soul, stellen die Arbeit

am Kunden ein. Nie wieder werden wir solche Hammerclaims (mit denen sich kein Produkt der Welt verkaufen

lässt) wie „Ja, ich bereue alles“ oder „Ich bin kein Ignorant, ich bin kein Idiot“ aus dem Mund vom Ober-Mod

Carsten Friedrichs hören. Aber wir haben es ja auch verstanden, wir können jetzt alleine weiter. Nicht jedoch,

bevor wir diesen Tanzbären von einer Band nochmal haben über die Bühne rumpeln sehen. Beim BootBoo-

Hook werden unsere Fäuste ein letztes Mal dem Himmel trotzen und die Tränen werden sich schüchtern ihre

Wege bahnen, wenn es heißt: „Ich bin nicht böse gebooooorn!“

Es lässt sich sehr gut leben in Depri City. Es gibt große, wenn auch etwas heruntergekommene Wohnungen.

Proberäume und Studios, wo jahrhundertealter Weltschmerz schwingt und die Musik dunkelgold einfärbt.

Viele große Künstler beziehen dort seit jeher ihren Erstwohnsitz. Meilensteine des Trauerpop wurden in jenem

muffigen Städtchen an der Grenze zur Nacht geschaffen. Kein Wunder, dass es den holländischen Songwriter

BLAUDZUN dorthin zog, um sein Album „Heavy Flowers“ aufzunehmen. Seine Songs haben die Schwere der

frühen Arcade Fire und weinen die Tränen, für die sich Nick Cave zu cool war.

BLAUDZUN ist definitiv eine der Neuentdeckungen in der Düstersparte. In den Niederlanden hat BLAUDZUN

das Etikett „Geheimtipp“ jedoch schon abgelegt. Er hat dort gerade eine ausverkaufte Clubtour hinter sich

gebracht. And then he takes on... Bootboohook!

29


FRITTENBUDE

29.11. / CAPITOL / Hannover

Tickets ab 17 Euro (zzgl. Gebühren)

Unter www.tapeterecords.de und bei allen bekannten Vorverkaufsstellen

www.fastforward-magazine.de

WHOMADEWHO

25. August / 21.15 Uhr

MAIN STAGE

Im Infosheet zu WHOMADEWHOs neuer Mini-LP steht: “Brighter” will be aggressively promoted world-wide with

singles and music videos alongside a complete radio and PR onslaught...“ und so weiter in der Sprache des

Krieges um die Gunst der Massen. Völlig unnötig. Bei diesem dänischen Dreier reicht schon eine kaputte MP3

am Fuße des Frankfurter Kreuzes, um bundesweit Staus und Straßenparties auszulösen. Nicht auszudenken,

was passiert, wenn sie erst im Radio kommen. Seit ihrem Furore-Album „The Plot“ aus dem Jahre 2009 sind

WHOMADEWHO die Hüter des Cool, ihr Stil heißt Jetzt. Ihre Musik ist minimal gespielte Disco in Bandbesetzung,

jeder Beat, jede instrumentale Linie läuft kristallklar hörbar nebeneinander auf ein und dasselbe Ziel

zu: Ekstase. Und Jeppe Kjellbergs Gesang schwebt mit einem sexy Fernsehpriesterlächeln drüber. Von den

Festivalbühnen dieser Welt sind WHOMADEWHO nicht mehr wegzudenken, denn live geht ihre Rechnung mehr

noch als auf Platte oder im Club vollends auf (ich kann mir nur schwer das Adjektiv oberfett verkneifen). Ihr

werdet sehen. Sowas braucht keine Promo!

SOLYST

25. August / 22.15 Uhr

FAUST STAGE

Er ist der Schlagzeuger von Kreidler und wahrscheinlich hören das jene, die sich auskennen. Lassen wir mal

musikalische Verwandtschaftsverhältnisse und Ursprünge beiseite, denn Thomas Kleins Musik, die er unter

dem Pseudonym SØLYST macht, kann sehr gut ohne.

Ich höre Rhythmus, eigentlich fast nur. Treibender, sich nach hinten verdichtender Art. Ich höre elektronische

Muster, perkussives Metall und ein räumlich abgenommenes Drumset, alles untrennbar mit Luft verleimt.

Große Synthies docken ab und zu an, wenn eine Fläche gebraucht wird, kleinere pluckern wie Fische vorbei.

Hört euch den Track Melville an und ihr seht den weißen Wal! Das ist wirklich große Hypnosemusik und sollte

live mindestens ein Jahr dauern!

31


THE WHITEST

BOY ALIVE

25. August / 23.15 Uhr

MAIN STAGE

Easy Sommertanzmusik wollte Erlend Oye (Kings of Convenience) machen, als er sich Anfang der Nuller in

Berlin mit Martin Öz, Daniel Nentwig und Sebastian Maschat zusammentat, um THE WHITEST BOY ALIVE zu

gründen.

Sie nehmen 2006 mit „Dreams“ eine so wunderbar schlafwandelnde, sparsam und soft drückende Platte auf,

dass alle Welt aufhorcht.

Denn „Dreams“ klingt, als wäre es dort, wo die Musiker leben, zu heiß, als wäre jede Bewegung, jeder Ton

zuviel, eine unzumutbare Anstrengung. Die Platte, sehr klar und zwingend in Rhythmus und Melodie und vor

allem: unbedingt tanzbar!

Das zweite Album „Rules“ (2009) bleibt dem Stil treu, verschiebt sich lediglich durch vermehrten Einsatz von

Daniel Nentwigs Steinzeitsynthies etwas mehr Richtung Disco, sehr zugunsten der hypnotischen Wirkung. Die

Träume klingen nun noch etwas größer, die Jungs heben vertikal gen Stardom ab. Sie reisen von Tokyo bis

Bogota, spielen hunderte Konzerte und Festivals vor heiter bis ausflippendem Publikum. Auch in Hannover werden

sie von der Bühne herab auf unsere Tanzschuhe zielen und ein ums andere Mal beweisen: wer zur Musik

von THE WHITEST BOY ALIVE stillhalten kann, belügt sich selbst oder ist kein Lebewesen.

BEATPOETEN

25. August / 23.30 Uhr

FAUST STAGE

Aufgabe: Einen Text schreiben, ohne die Worte „jung, frisch, neu, Poetry Slam, Flashmob, Generation Facebook,

elektronische Musik“ zu benutzen.

Jan Egge Sedelies und Costa Carlos Alexander sind beide Zeitungsredakteure, werden aber in naher Zukunft

(Hallo, ich bin Seher!) diesen langweiligen Beruf aufgeben, da der Erfolg der BEATPOETEN sie dazu zwingen

wird. Sie machen, der Name suggeriert es, Beats und Texte. Costa Carlos Alexander baut erfrischende (autsch

fast!), weil frickellose Tracks mit Toysynthiesounds und Furzbässen, Jan Egge Sedelies lässt dazu Texte ab, die

sein Umfeld und das der Anderen in die Mangel nehmen. Für ihre improvisierten Videos nutzen sie die Disco

called „öffentlicher Raum“ und fordern schon mal Hotelkettenwachpersonal zum Tanz auf.

Bei den BEATPOETEN geht es gegen die (ich zitiere):

„Formel-1-Gucker, die Tokyo-Hotel-Hinterherreiser, die Weinprobentester, die Johannes B.-Kerner-Fan-Club

-Gründer“. Der Rest, und dazu gehört Ihr hoffentlich alle,

wird die beiden feiern wie die ersten Sonnenstrahlen eines neuen... Biieeep, Game Over.

32

DAS NEUE ALBUM!

DAS NEUE ALBUM!

XENOPHONIE

MARK GARDENER (UK, EX-RIDE)

DANNY MICHEL (CAN)

DOWNPILOT (US)

DAS NEUE ALBUM!

FÜR IMMER

FEHLFARBEN

19.09.12 Dresden - Beatpol

20.09.12 A-Wien - Szene

21.09.12 A-Linz - Posthof

22.09.12 Schorndorf - Manufaktur

23.09.12 München - Hansa 39

24.09.12 Frankfurt - Das Bett

25.09.12 Leipzig - Werk 2

26.09.12 Nürnberg - K4 Festsaal

27.09.12 Münster - Gleis 22

28.09.12 Bochum - Matrix

29.09.12 Ludwigshafen - Das Haus

SIT DOWN AND SING

Die legendäre Singer/Songwriter-Tour geht in

die sechste Runde!

10.10.12 Hamburg - Knust

11.10.12 Berlin - Frannz Club

13.10.12 Sylt - Kulturhaus

14.10.12 Münster - Fachwerk

15.10.12 Köln - Stadtgarten

16.10.12 Wiesbaden - Walhalla Spiegelsaal

17.10.12 Tübingen - Zimmertheater

18.10.12 A-Innsbruck - Bäckerei

19.10.12 A-Linz - Posthof

20.10.12 Halle - Objekt 5

WOLKE

04.09.12 Dortmund - Sissikingkong

10.09.12 Hamburg - Fliegende Bauten

20.09.12 Karlsruhe - Kohi

21.09.12 CH-Basel - Zum Goldenen Fass

22.09.12 Stuttgart - Cafe Galao

24.09.12 Nürnberg - Mata Hari Bar

28.09.12 Aachen - Raststätte

29.09.12 Lüneburg - Samowar

30.09.12 Hannover - Sing Sing

TONTRäGER UND TICKETS UNTER WWW.TAPETERECORDS.COM


REPTILE YOUTH

25. August / 01.00 Uhr

TENT STAGE

Was machen zwei Dänen, die die Welt beherrschen wollen, aber nicht über das nötige Kleingeld verfügen?

Sie koppeln ihre Musikantenknochen aneinander, bauen eine Raubechse draus und schicken sie auf

Beutezug. „Speeddance“ heißt das Tier und ist die erste Single von Sänger Mads Damsgaard Kristiansen und

Bassist Esben Valløe aus Kopenhagen. Ersterer beschreibt das Sixties-Soul-, Post-Punk- und Synth-Pop-Projekt

wie folgt: “Reptile Youth is a riot, a dream and a 21st century fuck you dadaism movement.” Schwer, dem was

hinzuzufügen, außer, dass ich ihr Parteibuch auch schon in der Arschtasche meiner Jeans trage.

34

HANS

NIESWANDT

25. August / 01.00 Uhr

FAUST STAGE

Wenn HANS NIESWANDT auflegt, dann Disco und House (wer erklärt mir den Unterschied?). Daran hat sich

auch nach fast 20 Jahren im Business nichts geändert. Der größte Hit (Nummer 1 in Italien!!!) seiner Band Whirlpool

Productions heißt denn schliesslich auch From Disco To: Disco. Mit jener und alleine hat er zahllose Tracks

und Remixe veröffentlicht, alle geschrieben und getrieben von einem unbändigen Tanzwillen. Er hat drei

Bücher verfasst voller Anekdoten, die seine Tätigkeit als DJ ihm beschert hat. Er ist mit Kulturauftrag (Goethe Institut),

Kopfhörer und Plattenkisten um den Globus gereist und hat Vorträge über Inhalte und Funktionsweisen

der Popmusik gehalten. Wenn HANS NIESWANDT aber Samstag um 1:00 Uhr mit seinem Set beginnt, werdet ihr

sicher nicht darüber nachdenken, was die Snare auf die Drei für euch als Tänzer bedeutet, sondern einfach

frei und selbstvergessen... na? Genau!

BRATZE

25. August / 02.30 Uhr

TENT STAGE

Was ist eine Bratze?

a) Dialektaler Ausdruck für „Schwester“

b) Stacheldrahtspülschwamm

c) Laute Musik, die einen alles vergessen und erinnern macht.

Ich logge c) ein, auch wenn die Million dabei flöten geht. Ein mitleidliges Lächeln umspielt Günther Jauchs

schmale Lippen. Was mich jedoch nicht davon abbringen kann: eine Bratze, nein, ohne Artikel: BRATZE sind

zwei übertalentierte junge Männer, Kevin Hamann (ClickClickDecker) und Norman Kolodziej (Der Tante

Renate), die jenes Superduo gründeten, um, mal rein technisch ausgedrückt, die Macht des Clubs mit der des

Kopfes zu fusionieren. Dass das Label dahinter Audiolith (Frittenbude, Egotronic) heißt, ist kein Zufall. Aber im

Gegensatz zu den Labelkollegen interessiert es Bratze nicht so sehr, die Scheinwerfer über Dummdeutschland

zu schwenken und zum Aufstand zu blasen. Bratze drehen die Augen nach innen, assoziieren frei, arbeiten

sprachlich hermetisch, aber legen derartig zwingenden Dancepop unter die gordischen Knoten, dass keine

Fragen offen bleiben. Ich bleibe bei c). Nein, ich weiß, was auf dem Spiel steht. Es ist nur Geld, Herr Jauch,

und darüberhinaus nicht Ihres!

SILENT NOIZE FLOOR

25. August / 00.45

LOUNGE TENT

Wenn man keine Musik hört, aber zwei DJ-Teams auflegen sieht und 150 Leute, die auf der Tanzfläche

austicken, steht man entweder hinter Panzerglas, ist nicht mehr ganz sauber oder hat was übersehen: die

Kopfhörer!

Beim Sennheiser Silent Noize Floor hört man als Außenstehender tatsächlich gar nichts. Da muss man sich

schon einen der Kopfhörer aufsetzen, die am Eingang des Floors ausliegen. Dann hat man die Wahl zwischen

Indie und Elektro und den Besten dieser zwei Welten. Am Kopfhörer kann man nämlich zwei Kanäle einstellen

und jeder ist einem der beiden hart arbeitenden DJ-Teams zugeordnet.

Hannes Orange von Stuttgarts erfolgreichster Indieclubreihe YEAH!CLUB mixt Gitarrenmusik von der Insel mit

Dancekrachern von überall. Dagegen schieben USCHI RAKETE und PANDA CLUB mit Hannovers knusprigster

Elektro-Packung.

35


VIELEN DANK FÜR DIE UNTERSTÜTZUNG!


SONNTAG, 26. August 2012

MAIN STAGE

13:00

13:00 - 15:00

EINLASS

14:00 - 14:45

NEXT STOP: HORIZON

SOULFRÜHSCHOPPEN

im Gauloises Café des Arts

mit DJ Carsten Friedrichs

14:45 - 15:30

WOLKE

15:30 - 16:15

ME AND CASSITY

17:00 - 18:00

JA, PANIK

16:15 - 17:00

MORITZ KRÄMER

18:45 - 20:00

NIELS FREVERT

20:45 - 22:00

BOY

38

TENT STAGE

18:00 - 18:45

ISBELLS

20:00 - 20:45

DEAR READER


SOULFRÜHSCHOPPEN

26. August / 13:00 Uhr

GAULOISES CAFé DES ARTS

Das BootBooHook schenkt euch einen Grund, früh aufzustehen: den SOULFRÜHSCHOPPEN! Dahinter steht niemand

Geringeres als Carsten Friedrichs, ehemals Kopf der Hydra Superpunk und in Zukunft Auge und Mund der Liga der gewöhnlichen

Gentlemen. Er mimt im Gauloises-Cafè-des-Arts-Tipi das Gegenteil des herkömmlichen Frühstücksradio-DJs,

indem er Lieder auflegt, die keiner kennt und jeder mag. Und es gibt Gratiskaffee. Und guten dazu!

NEXT STOP: HORIZON

26. August / 14.00 Uhr

MAIN STAGE

Man sagt ja gerne verallgemeinernd „Nett ist die kleine Schwester von Scheiße.“

Aber ist es schlecht, wenn einem eine Band gleich beim ersten Hören so grundsympathisch erscheint, dass

man sie kennenlernen und mit ihnen Kuchen essen und Muscheln suchen möchte? Also straft mich nicht mit

Blicken, wenn ich diese Band supernett finde. (Supernett, das ist ja noch schlimmer, „Unwort“ höre ich unken.)

NEXT STOP HORIZON sind Pär Hagström und Jenny Roos aus Göteborg, Schweden. Sie sind Mitglieder im Club

der Romantiker, Hobby: alte Instrumente, gerne rostig und mit Obertönen. Charleston tanzen in alten Turnhallen

und bei Regen nackt ins Freie rennen. Dabei treten sie sehr selbstbewusst auf, ihr Debutalbum heißt:

„We know exactly where we are going“. Was sie damit meinen, steht im Bandnamen. Und was sie dort finden,

beschreiben die Beiden am Besten selbst: „Echoes from lands so far away that no one can go there. It turned

out to sound like music. Our music.“ Und diese Musik klingt einnehmend schön und hebt die Laune, wie das

Öffnen der Fensterläden morgens, wenn draußen die Sonne scheint. Ich bleibe dabei. Außerdem sagt man

doch, wenn einen jemand tief verletzt hat: „Schade und ich dachte, du wärst nett!“

40

WOLKE

26. August / 14.45 Uhr

TENT STAGE

Wie oft haben sich Musiker schon am perfekten Popsong versucht?

Einige Grundzutaten, diesen zu brauen, sind bekannt. Eine

Stimme, die uns einlädt, einfache Akkorde und Melodien, die uns

in (nicht auf) den Arm nehmen, der Text, eine Liebeserklärung an

die Welt im Großen und Ganzen und zum Schluss fast das Wichtigste:

Keine Ironie! Ja meinen beim Ja-Singen! Gefühle zeigen!

An dieser letzten Hürde sind schon Unzählige gescheitert und

die, die es geschafft haben, bewegten mit ihren Liedern zwar

Millionen, werden aber seit jeher von uns kühlen Hipstern nur still

im Keller genossen.

Oliver Minck und Benedikt Filleböck von WOLKE hören Phil Collins

und Lionel Richie laut in der Küche, um sich dann mit Klavier, Bass

und Drumcomputer selbst auf Gralssuche zu begeben. Wie das

dann klingt?

Geht hin und hört selbst, keine Angst, die Anderen weinen auch

alle.

Wir erwarten euch

mit Spannung,

Hannover!

enercity ist euer starker Partner in Sachen

Energie – und fördert die stärksten kulturellen

Events in Hannover und der Region.

www.enercity.de


ME AND CASSITY

26. August / 15.30 Uhr

MAIN STAGE

Ich rede jetzt mal nicht über DIRK DARMSTAEDTERs Rockstar-Vergangeheit und auch nicht über seinen Nebenjob

als Plattenboss. Das kann man, sofern Bedarf besteht (Schande über Euch), überall nachlesen. Ich rede

über Dirk als halbamerikanischen Teenager, der Ende der Siebziger nach Hamburg kam, sich eine alte Gitarre

kaufte und sich die eben verlassene Heimat in ersten selbstgeschriebenen Songs ins Bewusstsein zurückholte.

Das ist das Holz, aus dem Songwriter entstehen. Der Mythos Amerika: einen leeren Benzinkanister zur 500

Meilen entfernten Tanke tragen. Den Himmel als etwas zu sehen, das größer ist als alles, was Menschen auf

die Beine stellen, und endlich zu verstehen, warum in dieser Sprache eine Farbe für Traurigkeit steht.

All das findet sich auf Dirks neuer Platte „Appearances“. Seine Band heißt ME AND CASSITY und besteht aus

großartigen Musikern wie Anne De Wolff (Calexico, Neco Case), Martin Wenk (Nada Surf, Wilco, Arcade

Fire) und Nikko Weidemann, die Dirk kongenial dabei unterstützen, seine eigene Version von Americana

umzusetzen. Das muss man auf der Bühne sehen. Und ich muss nicht mehr sagen: „Ich war nie dort, aber ich

habe Filme gesehen.“

MORITZ

KRÄMER

26. August / 16.15 Uhr

TENT STAGE

MORITZ KRÄMER wird sich in ca. 20 Jahren ein Haus in der Nähe von Bordeaux kaufen, wo er den großen

Generationenroman des 21. Jahrhunderts zu Papier bringen wird. Bis dahin wird er seine verboten genau

beobachteten Skizzen unserer Unzulänglichkeiten, nervösen Ticks und geheimen Sehnsüchte in entwaffnend

ehrliche und oft auch freiwillig komische Songs packen und mit Gepolter auf uns loslassen. Jedes Mal wenn

Moritz spielt, wenn seine Stimme sich gegen Ende überschlägt und aus Worten Urlaute werden, beneide

ich diesen jungen Mann um seine Art, Musik zu machen. Er ist ein unglaublich guter, weil leidenschaftlicher

Sänger und Interpret seiner Lieder. Und jeder, auch die unter euch, die kein Blau in der Wohnung mögen oder

nur englischsprachige Musik hören, sollte ihn mal spielen sehen. Zum Beispiel hier beim BootBooHook!

PS: zwei Stunden später habe ich immer noch keinen Bogen zurück nach Bordeaux geschlagen. Es gibt

Schulen für sowas!

42

JA, PANIK

26. August / 17.00 Uhr

MAIN STAGE

Es gab zu Zeiten von Bunga-Bunga-Silvio im italienischen Fernsehen eine Talk- und Musikshow mit Namen

„Rock Politik“, deren Host absurderweise der schon etwas gen altersbedingte Merkwürdigkeit driftende Adriano

Celentano war. Dort wurde einige Folgen lang mit viel Dada und Krach gegen die Verhältnisse angeschrien, bis

das Beil der Quote diesem wirklich guten, weil wirklich verrückten Ansatz, ein Ende bereitete.

Vor der Quote brauchen sich JA, PANIK nicht zu fürchten, ihre „Rock Politik“ hat genug Anhänger, die jede

Vorlage ihrer Wortführer hungrig aufnehmen und analysieren. An Finten und Rätseln wimmelt es im Werk der

in Berlin wohnenden Burgenländer. Beispielweise heißt ihr neues, auf Staatsakt erschienenes Album „DMD KIU

LIDT“. Ihr habt fünf Minuten Zeit. Ich brauch nur eine: „Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben

ist die Traurigkeit.“ Die Musik ist unerwartet heiter, drogig, verwaschen, die Gitarren liegen ohne Schutz in

der Sonne, das Schlagzeug locker und tief gestimmt, das Honky-Tonk-Piano viertelt alarmierend betrunken

entlang der Songs. Andreas Spechtl schreit und flüstert auf die Hallplatten: „Da kannst du glänzen, soviel

du willst, soviel versuchen, wie du auch willst, but it`s just fair this ship ought to sink“. Kein Schlupfloch, keine

Rettung. File under: aufwühlend/neu/gut.

ISBELLS

26. August / 18.00 Uhr

TENT STAGE

Ein 30-jähriger Belgier schmeißt seinen Job hin, zieht sich aufs Land zurück, schreibt Songs, die von Hoffnung

handeln, singt sie in einen hohlen Baumstumpf, baut sich ein Studio hinterm Haus und nimmt dort eine

Platte auf. Natürlich wird so entstandene Musik persönlich klingen, jedoch nicht zwangsläufig jemanden da

draußen interessieren. Aber was Gaëtan Vandewoude in der Einöde unter dem Pseudonym ISBELLS schuf,

traf einen Nerv, nicht zuletzt durch seine musikalische Nähe zu Künstlern wie Bon Iver und José González, und

so wurde er mit seinem selbstbetitelten Debut in Belgien über Nacht zum Star. Gefeierte Tourneen durch die

Heimat und schließlich auch die Niederlande folgten, wo er kürzlich in Amsterdams legendärem Paradiso

gastierte. Ich bin mir sicher, Gaëtan Vandewoudes Musik gewordener Bildungsroman findet auch auf dem

BootBooHook Freunde.

43


NIELS FREVERT

26. August / 18.45 Uhr

MAIN STAGE

„Achtung“ ist das deutsche Lieblingswort im Ausland. Wegen seiner lautmalerischen Energie, die vom harten

Gaumen her kommt. Wenn es meine italienischen Verwandten aussprechen, pflegen sie den „CH“-Laut unerträglich

in die Länge zu ziehen. „Achtung“ steht für unsere Untugenden wie Überpünktlich- und Gründlichkeit,

unsere Verbotsschilder und die Bürokratie. Es prägt unser Bild vor den Mitweltbürgen leider mehr als Fußball

und Musik, und das sicher nicht ohne Grund. Aber wenn meine Verwandten mich das nächste Mal aufziehen

wollen mit ihrem „Achhhhtungga“ (Italiener sind in der Regel nicht fähig, ein Wort auf einen Konsonanten

enden zu lassen), weise ich sie darauf hin, dass es auch andere, schönere Wörter gibt im Deutschen, wie etwa

„Einwegfeuerzeugstichflamme“ oder „Küchensee“, die nämlich ein begabter und bekannter Musikdichter aus

Hamburg erfunden hat: Niels Frevert.

Dieser hat in seiner bisher 5 Alben dauernden Solokarriere (davor war er Frontmann der fastweltberühmten

Band „Nationalgalerie“) erbittert gegen eben jenes „Achtung“ angeschrieben. Und zwar freie, schöne,

weiche Songs, mit allzuwahren Texten, von seinem Leuchtturm aus beobachtet und in langen Nächten in

Versform gebracht. Seine neue Platte „Zettel auf dem Boden“ wurde denn auch zu Recht von der Presse

hoch- und runtergefeiert. Für mich enthält sie einen der schönsten Stoßseufzer der Musikgeschichte, in „1m2

Regenwald“ singt Niels: „Wenn doch bloß nur immer die Sache mit dem Geld nicht wär – und das Gefühl,

man wär zu alt. Aber niemand wird kommen, dich zu retten... „.

Nix „Achtung“. So klingt unser Leben!

DEAR READER

26. August / 20.00 Uhr

TENT STAGE

Ich bin kein Freund davon, Begeisterung technisch auszudrücken. Aber hier im Heft gehört es sich so, also

bitte: Cherilyn MacNeil a.k.a. DEAR READER hat mit „Idealistic Animals“ ein kleines, federndes Folkrockmeisterwerk

geschaffen, dessen Kostbarkeit sich auf wunderbar arrangierte Songs, geschwungene Melodien und

zuvorderst auf die Stimme der wunderbaren Frau MacNeil gründet.

Aber unter uns: Die Musik der in Berlin lebenden Südafrikanerin ist ein Fall fürs Wittgenstein‘sche Verbot:

„Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“. Ich kann mir die Hände lahm

schreiben, ohne einen einzigen Aspekt dieser Musik zu berühren. Um die Faszination von DEAR READER

zu treffen, muss man sich die Mühe machen, über Grund-Charakteristika von guter Musik nachzudenken.

Was tut denn so eine schöne Stimme, wie die von Cherilyn MacNeil? Sie nimmt Dich mit und trägt Dich in

dreieinhalb Minuten von deiner Welt in ihre. Was macht gute Musik wie die von DEAR READER? Du denkst nicht

darüber nach, welche Instrumente da sind oder welche Akkorde gerade klingen. Du sagst nichts und lässt sie

geschehen mit Dir.

44

BOY

26. August / 20.45 Uhr

MAIN STAGE

Auch wenn es kitschig klingt: BOY haben sich in unsere Herzen gesungen! Aber nicht niedlich/blöd wie Tiervideos

auf Youtube, sondern mit einem Millionenerbe an Musikalität und Herzen wie zwei Öltanks. Auf Valeska

Steiner und Sonja Glass` aktuellem Album „Mutual Friends“ ist mehr Licht gebündelt als St. Tropez Sonnentage

im Jahr hat. Kein Wunder, dass sie damit die Top Ten gestürmt und sich eine Ausverkauft-Schilder-Sammlung

zugelegt haben. BOY haben es mit ihrem Song „Little Numbers“ sogar geschafft, der bösen Airline mit dem

Kranich ein menschliches Antlitz zu verleihen. Ich weiß, soviel Einmut ist schwer zu ertragen. Wenn doch wenigstens

ihre Texte platt wären: „And no rearview could picture what we leave behind. Drive, Darling, drive.“

Geben Sie auf und sich BOY hin!

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TSCHÜSS, WIR SEHEN UNS 2013!

2012

45


AM MERCHSTAND

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FAHRPLAN

Messe/Ost (eXPO-Plaza) Richtung hBF

FReitag 24.8.2012

21.48 22.03 22.18 22.33 22.46 23.05 23.35

0.05 0.35 0.50 1.01 1.50 2.50 3.50 5.05

5.35 6.03 6.18 6.33 6.48 7.03

saMstag 25.8.2012

22.18 22.33 22.46 23.05 23.35 0.05 0.50

1.50 2.50 3.50 5.05 5.35 6.05 6.35 7.05

7.35

sOnntag 26.8.2012

16.03 16.18 16.33 16.48 17.03 17.18 17.33

17.48 18.03 18.18 18.33 18.48 19.03 19.18

19.33 19.48 20.03 20.18 20.33 20.48 21.03

21.18 21.33 21.48 22.03 22.18 22.33 22.46

23.05 23.35 0.05 0.35 0.57

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