PDF-Download 1,6 MB

afw.de

PDF-Download 1,6 MB

Strategien gegen

die Abgeltungsteuer

Bei Börsengewinnen greift der Fiskusab 2009 viel ungenierter zu als bisher.

Wie Sie das verhindern können, warum Sie jetzt schon aktiv werden sollten.

von Sophie Brandt und Stephan Haberer

steuer in weiter Ferne. Be­

scheint sie dochdie nach Abgeltung­

jetzigem

Nochtrifft

Stand in voller Härte meist nur Investitionen,

die nach dem 31.12.2008 getätigt

werden. Dennoch entwickeln

clevere Investoren längst Ideen, um

die neue Steuer zumindest teilweise

zu umgehen. Das ist durchaus sinnvoll:

Geht die Strategie nicht auf, weil

sich Märkte anders entwickeln als

gedacht oder weil ein sehr guter

Fonds floppt, kann man noch mal

nachjustieren - und den Fiskus innerhalb

der noch geltenden Spekulationsfrist

an den Verlusten der Rohrkrepierer

beteiligen.

Andererseits sind Investitionen

in den letzten Tagen des Jahres 2007

eine prophylaktische Gegenwehr,

falls der Gesetzgeber im nächsten

Jahr auf den Gedanken kommen

sollte, die AbgeItungsteuerregeln so

zu ändern, dass die Altfallregelung

nur für Papiere gilt, bei denen am

31.12.2008 die bisherige Spekulationsfrist

abgelaufen ist. Gewiss, die

Gefahr ist gering, aber wer weiß ...

Doch welche Strategien sind geeignet?

Wie sollte man unter steuerlichen

Aspekten anlegen? Wer die

seit Sommer laufende €uro-am-Sonntag-Serie

zur Abgeltungsteuer verfolgt

hat, weiß: Grundsätzlich betrifft

die neue Steuer nur Aktien,

Fonds, Anleihen und Co, die nach

dem 31.12.2008 erworben werden.

Nur für Zertifikate und Luxemburger

"Millionärsfonds" geiten Sonderregeln.

Wer jetzt clever anlegt, kann

sich die bisher mögliche Steuerfreiheit

für Jahrzehnte sichern.

Das Wichtigste: Die beste Steueroptimierung

nutzt nichts, wenn das

Investment - mit Verlaub - Schrott

ist. Daher: Wer nicht zocken, sondern

investieren will, sollte die Finger von

Penny-Stocks und Junk Bonds lassen.

Bei Fonds ist es ratsam, sich an

der €uro-FondsNote oder anderen

Ratings

zu orientieren.

Wer auf Zinspapiere seht, muss

sich gar keine neue Strategie überlegen.

Denn Anleihen sind generell Gewinner

der Abgeltungsteuer. Grund:

Künftig werden Zinserträge pauschal

mit 25 Prozent besteuert. Das

bringt für Anleger mit einem höheren

persönlichen Steuersatz einen

Schub bei der Nachsteuerrendite.

Beispiel: Angenommen,

eine 30-jährige

Bundesanleihe mit vier Prozent

Nominalzins rentiert brutto mit

4,767 Prozent. Wer 100000 Euro investiert,

käme bei einem Spitzensteuersatz

von 42 Prozent nach 30

Jahren auf ein Vermögen von 219163

Euro. Dank Abgeltungsteuer wären

es künftig 281494 Euro. Ein Plus von

62331 Euro. Wer sein Geld langfristig

anlegen will, kann also durchaus

auflang laufende Staatsanleihen bester

Bonität setzen.

Wer die Strategie noch perfektionieren

will, kann Zinserträge in die

Jahre ab 2009 verlagern, wenn pauschal

nur noch 25 Prozent abgezogen

werden. Dafür eignen sich Null-Kupon-Anleihen.

Grund: Hier sammeln

sich die Zinsen quasi im Kurs. Und

der Fiskus besteuert den Unterschied

zwischen Kauf- und Verkaufskurs

erst, wenn der Anleger Kasse macht.

Allerdings ist der Markt eng, daher

Käufe limitieren.

Auch Immobilienfonds gewinnen

unter der AbgeItungsteuer an

Charme. Denn hier gilt auch weiterhin

eine - allerdings zehnjährige ­

Spekulationsfrist. Das heißt, verkauft

der Fondsmanager Immobilien


erst nach mehr als zehn Jahren, erhält

der Fiskus nichts. Dabei ist völlig

unerheblich, ob der Anleger in Offene

oder Geschlossene Immobilienfonds

investiert (zur Besteuerung

Geschlossener Fonds siehe Interview

auf Seite 66). Besonders Clevere investieren

in Immo-Fonds, die im Ausland

anlegen. Denn ausländische

Mieterträge werden meist auch im

Ausland besteuert. Und dort winken

niedrigere Steuersätze oder gar eigene

Freibeträge.

Wer dagegen auf Aktien setzt,

muss eventuell seine Strategie anpassen.

Denn alle Aktien, die noch

bis Ende 2008 ins Depot kommen,

können nach zwölf Monaten Haitedauer

steuerfrei verkauft werden.

Das heißt, die klassische Buy-and­

Hold-Strategie gewinnt ungemein an

Reiz. Doch nicht jede Aktie eignet

sich dafür. Hier sollte man nur auf

Papiere setzen, die auch noch nach

Jahren ziemlich sicher für Rendite

sorgen. Experten empfehlen da Investor

AB, das Investmentvehikel

der schwedischen Milliardärsfamilie

Wallenberg. Wer etwas mit China­

Kick sucht, wird beim asiatischen

Tycoon Li Ka-Shing und seiner

Cheung Kong Holdings fündig. Auch

B-Shares von Waffen Buffetts legendärer

Berkshire IIathaway sind überlegenswert.

Alles Aktien von Großinvestoren,

die ihr Können längst unter

Beweis gestellt haben. Doch eine

Garantie für weiteren Anlageerfolg

ist das natürlich nicht.


Auch bel Aldlenfands ist zur Steuervermeidung

Buy and Hold angesagt.

Heißt: Fonds zu kurzfristigen

Modethemen sind ungeeignet. Wer

auch noch nach Jahrzehnten steuerfreie

Gewinne kassieren will, sollte

auf sehr gute Aktienfonds mit €uro­

FondsNote 1 oder 2 setzen, die möglichst

breit investieren. Hier sind

gute globale Aktienfonds, aber auch

Europa- oder US-Fonds geeignet.

Oder für Risikobereite Emerging­

Market-Fonds. Auch Megatrends

eignen sich: Ökologie, Klimawandel,

Rohstoffe, Infrastruktur.

Anleger sollten jedoch Fonds

wählen, die Kursgewinne thesaurieren.

"Werden Gewinne ausgeschüttet,

gilt der Bestandschutz nicht mehr für

vom Fonds nach 2008 erworbene

Wertpapiere und eingegangene Termingeschäfte",

sagt Rolfjosef Hamaeher,

Fachanwalt für Steuerrecht bei

der Sozietät Axer Partnerschaft in

Köln. Einen Pferdefuß haben aber

auch sie: Generell werden auch in der

"Damit der Anleger beim Verkauf

von Anteilen thesaurierender Fonds

Abgeltungsteuerära Zinsen und Dividenden

in dem Jahr beim Anleger

steuerlich erfasst, in dem sie dem

Fonds zufließen. Im Fachjargon heißt

das Zuflussfi ktion.

letztlich keiner Doppelbesteuerung

unterliegt, kann der Anleger seinen

Veräußerungsgewinn beim Verkauf

um die Thesaurierungsbeträge bereinigen",

teilt der BVI, der Dachverband

der deutschen Fondsbranche,

mit. Heißt: Man muss alle Belege ar-


chivieren.

Nur wer in Deutschland

aufgelegte Fonds in inländischen Depots

verwahrt, muss sich diese Mühe

nicht machen. Hier übernimmt dies

die depotführende Stelle (Übersicht

zur Besteuerung der Erträge bei

Fonds ab 2009 auf Seite 68).

r---Ampinp------------

Bei Dachfonds gelten die gleichen

Regeln wie bei Fonds. Wer in diese

Anlageklasse investiert, sichert sich

also auch die Steuerfreiheit aufJahre

hinaus und muss sich nicht mal Gedanken

zum Anlageschwerpunkt

seines abgeltungsteuerfreien Depots

machen. Das erledigt der Dachfondsmanager

für ihn. Daher sollten Anleger

besonders nur auf dessen Qualität

achten. Und - wie bei normalen

Fonds auch - darauf, dass keine

Kursgewinne ausgeschüttet werden.

Zudem ist zu erwarten, dass die

Dachfonds an der Gebührenschraube

drehen, da sie bis zur Einführung

der Abgeltungsteuer zu den Altfallgewinnern

zählen.

_

Ein Tipp zu Zertifikaten, die seit

dem 14.3.2007 gekauft wurden. Endet

deren Spekulationsfrist noch vor

dem 31.12.2008, sollte man sie verkaufen

und den Erlös umschichten,

wenn man sich den Bestandsschutz

erhalten will. Denn anders als bei anderen

Wertpapieren ist bei solchen

Zertifikaten ein steuerfreier Verkauf

nach der Altfallregelung nur noch

bis 30.6.2009 möglich. Doch dann

fällt das Folgeinvestment auf jeden

Fall unter die Abgeltungsteuer. ~


Einen ganz anderen Weg, die Abgeltungs

teuer zu umgehen, schlägt

Thomas Adolph, Chef der Frankfurter

Finanz- und Wirtschafts beratung

afw vor. Er sieht eine Renaissance

für Lebensversicherungen. Aber

nicht für ganz normale Policen, sondern

für sogenannte Methusalem-,

Long-Life- oder Whole-Life-Policen,

die das Geld meist in Investmentfonds

stecken. Das Clou daran: Nach

dem 1.1.2009 ist dies oft die beste

Möglichkeit, die Steuerlast so gering

wie möglich zu halten. "Solche Methusalem-Policen

sind hochflexible

Lebensversicherungen, die alle steuerlichen

Vorteile dieses Produkts

bieten, dabei aber die steuerliche

Nachteile von Einmalauszahlungen

vermeiden - ohne dass zwangsweise

eine Rente gezahlt wird." Besonderes

Merkmal: Die Police läuft

mindestens bis zu einem Endalter

des Versicherten von 99 oder 100

Jahren.

Solange die gezahlten Beiträge in

der Police stecken, bleibt der Fiskus

außen vor. Das heißt, es kann nach

den Anweisungen des Kunden von

Gründen

einfach

Sie doch

Ihre eigene

Anlagegesellschaft

Andreas Striegel,

Rechtsanwalt und Steuerberater

bei Kaye Schaler, Frankfurt

Fonds zu Fonds umgeschichtet werden,

ohne dass Steuer fällig wird.

"Auch Zinserträge bleiben steuerfrei",

weiß Adolph. Zudem wird die

Steuerprogression von hohen Einmalauszahlungen

dadurch vermieden,

dass der Kunde jederzeit Teilauszah

lungen in beliebiger Höhe veranlassen

kann. Zudem werden bei

neuen Lebensversicherungen, die

mindestens zwölf Jahre lang laufen

und bei denen die (Teil-)Auszahlung

erst nach dem 60. Geburtstag erfolgt,

nur die Hälfte der Erträge versteuert,

was selbst bei Spitzensteuersatz zu

einer maximalen Belastung der Erträge

von 21 Prozent (ohne Soli und

Kirchensteuer) führen würde. Und:

Fließt im Todesfall das Geld an den

Bezugsberechtigten, kann dieser

meist hohe Freibeträge nutzen. Nur

auf den darüberliegenden Teil wird

Erbschaftsteuer fällig. "Mittels einer

Letztversterbenden-Police lassen

sich sogar mehrere Personen auf einmal

versichern, Geld - falls gewünscht

- lässt sich so steuerschonend

über mehrere Generationen

übertragen", so Adolph. Nachteil: Das

Geld ist für mindestens zwölf lahre

festgelegt, bevor Steuervorteile greifen.

Zudem bieten nur wenige Versicherer

diese Policen an. Etwa: Helvetia,·Vorsorge

und Finance Life.

Wer mehr Geld hat, kann auch mit

einer "Cash-Box GmbH" Peer Steinbruck

auf Dauer leer ausgehen lassen.

"Dazu muss man wissen, dass

der Verkauf unwesentlicher Beteiligungen

auf Dauer steuerfrei bleibt,

wenn diese bis 31.12.2008 erworben

werden", erklärt Andreas Striegel,

Rechtsanwalt und Steuerberater der

internationalen Steuerkanzlei Kaye

Scholer in Frankfurt.

Der Trick: Der

Anleger hält zwar weniger als ein

Prozent aller Anteile, aber 100 Prozent

aller Stimmrechte. Die stimmrechtslosen

Vorzugsanteile hält

üblicherweise ein Verwalter, der

dafür wie bei einem Darlehen Zinsen

erhält. "Ist die Cash-Box-Gesellschaft

gegründet, kann der Investor

Einlagen in unbegrenzter Höhe einbringen

und anlegen wie es ihm gefällt",

weiß Striegel. Realisierte Aktiengewinne

werden hier auch nach

2008 effektiv mit sage und schreibe

0,75 Prozent besteuert. Dividenden

mit 15,75 Prozent. Nur auf Zinsen

würden 30 Prozent fällig. Doch die

Steuerlast bei Zinsen und Dividenden

lässt sich weiter drücken, wenn

man die Cash Box in steuergünstigen

EU-Staaten gründet - etwa Malta,

Zypern, Irland oder Luxemburg.

Größter Nachteil: Für die eigene

Anlagegesellschaft sollte man schon

eine Million Euro mitbringen, damit

der Aufwand lohnt. Dann aber kann

man sich fühlen wie Li Ka-Shing,

Warren Buffett oder ein Wallenberg.

Auch nicht das Schlechteste. 0

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine