FINE Das Weinmagazin - 01/2015

tretorri

FINE Das Weinmagazin ist in der Welt der großen Weine zu Hause. Hauptthema dieser Ausgabe: BORDEAUX

E U R O P E A N F I N E W I N E M A G A Z I N E

DEUTSCHLAND • ÖSTERREICH • SCHWEIZ • SKANDINAVIEN • GROSSBRITANNIEN • USA • AUSTRALIEN

1| 2015 Deutschland € 15

Österreich € 16,90

Italien € 18,50

Schweiz chf 30,00

DAS WEINMAGAZIN

Syrah oder Shiraz

Sine Qua Non

Sangiovese »Reimitz«

Champagne Deutz

Das Weingut Dautel

Bordeaux versus Kalifornien

Michel Rolland

Robert Parker

Sieben Bordelaiser Châteaus

B O R D E A U X


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E U R O P E A N F I N E W I N E M A G A Z I N E D I E G R O S S E N W E I N E D E R W E L T

DAS WEINMAGAZIN

1/2015

INHALT

12 Champagne Deutz

34 Klaus Johann Reimitz

62 Château Grand-Puy-Lacoste

56 Robert Parker

48 Bordeaux, Welthauptstadt des Weins

68 Château Phélan Ségur

108 Château Fonbadet

76 Château Haut-Bailly

138 Wein und Zeit: Fürst Pückler

82 Château Léoville Poyferré

142 Sine Qua Non

88 Château Gruaud Larose

146 Weingut Dautel

9 FINE Editorial Thomas Schröder

12 FINE Champagne Das Champagnerhaus Deutz

24 FINE Tasting Ein großer Syrah sucht seine Konkurrenz

26 FINE Tasting Syrah oder Shiraz – Eine Rebe, zwei Namen, verlockende Vielfalt

34 FINE Toskana »Reimitz« oder die Schönheit des Weins

42 FINE Das Große Dutzend Champagne de Venoge

48 FINE Bordeaux Bordeaux erwacht – Die Welthauptstadt des Weins

56 FINE Bordeaux Robert Parker, das Bordelais und die Weinwelt

62 FINE Bordeaux Château Grand-Puy-Lacoste

68 FINE Bordeaux Château Phélan Ségur

76 FINE Bordeaux Château Haut-Bailly

82 FINE Bordeaux Château Léoville Poyferré

88 FINE Bordeaux Château Gruaud Larose

94 FINE Bordeaux Château Talbot

102 FINE Bordeaux Michel Rolland, der streitbare Önologe

108 FINE Frauen im Wein Pascale Peyronie von Château Fonbadet

116 FINE Wein & Speisen Jürgen Dollase im Restaurant Nagaya in Düsseldorf

124 FINE Tasting Das Müller-Thurgau-Manifest

132 FINE Die Pigott Kolumne Wein aus dem Wilden Westen

134 FINE Tasting Transatlantischer Vergleich – Bordeaux misst sich mit Kalifornien

138 FINE Wein und Zeit Die Aufzeichnungen des Fürsten von Pückler-Muskau, Teil 1

142 FINE Tasting Der irrwitzige Kult um Sine Qua Non

146 FINE Württemberg Das Weingut Dautel

154 FINE Wein und Kritik Folge IV: Der Mythos, das Marketing und die Meinungsmacher

158 FINE Das Bier danach Bierbarbarei Bananenbier

162 FINE Abgang Ralf Frenzel

6 7

FINE 1 | 2015 FINE Inhalt


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man muss ja nicht übertreiben und

sich zu jedem edlen Glas Wein auch

gleich ein hehres Dichterwort spendieren.

Aber manchmal, zu seltenen

Gelegenheiten, darf es doch sein, dass dem Weinfreund, wenn Zuneigung und

Kenntnis in demselben Maß wie seinem Lieblingsgetränk auch der deutschen

Literaturgeschichte gelten, beim Genuss eines großen Bordeaux’ ein Gedicht

des idealisch hochgesinnten schwäbischen Hymnikers Friedrich Hölderlin in

den Sinn kommt, jenes genialen Dichters, dessen Leben und Schaffen schon

früh tragisch wahnhaft verdunkelt wurde.

Dieser Hölderlin war im Dezember des Jahres 1801 von Nürtingen aus nach

Bordeaux aufgebrochen, zu Fuß allzumeist, durch eisige Winterkälte passierte

er Straßburg und Lyon und erreichte am 18. Januar 1802 über die verschneiten

Hügelketten der Auvergne schließlich die regsame Stadt des Weins, wo er im stattlichen

Haus des Hamburger Konsuls Daniel Christoph Meyer eine An stellung

als Hauslehrer für die Kinder des hanseatischen Geschäftsträgers und Besitzers

des hübschen, an den Ufern der Gironde gelegenen Weinguts Blanquefort

antrat. Heitere Wochen folgten für den gerade einunddreißigjährigen Dichter,

eine Lustreise mit der Familie des Konsuls nach Château Blanquefort eingeschlossen

– »dort an der luftigen Spitz, / an Traubenbergen, wo herab / die

Dordogne kommt, / und zusammen mit der prächt’gen / Garonne meerbreit

/ ausgehet der Strom«. Im April schreibt er noch an die Mutter: »Mir gehet

es so wohl, als ich nur wünschen darf.« Doch wenige Wochen darauf bricht

er überraschend und überstürzt den Aufenthalt ab und reist nach Nürtingen

zurück, vielleicht weil ihn die Nachricht von der tödlichen Erkrankung seiner

»unsterblichen Geliebten« Susette Gontard erreicht hatte, seiner »Diotima«,

der Ehefrau eines Frankfurter Bankiers.

Ein Jahr später, 1803, widmet er der Stadt, die ihn so freundlich aufgenommen

hatte, ein »Andenken« – so der Titel des Gedichts, mit dem er schwärmerisch

und realitätsnah zugleich die zaubrische, von Ulmen und Silber pappeln

gesäumte Flusslandschaft in seine Erinnerung aufsteigen lässt, die »schöne

Garonne / und die Gärten von Bordeaux«, die »braunen Frauen daselbst«, die

»an Feiertagen auf seidnen Boden« gehen und »über langsamen Stegen, / von

goldenen Träumen schwer, / einwiegende Lüfte ziehen«. Und der Wein? »Es

reiche aber, / des dunklen Lichtes voll, / mir einer den duftenden Becher, / damit

ich ruhen möge; denn süß / wär unter Schatten der Schlummer.« Des dunklen

Lichtes voll: Ließe sich eine tiefere dichterische Verklärung des prunkend

funkelnden Weins denken? Mit einem solchen poetischen Bild im Gedächtnis

trinkt man einen großen Bordelaiser Roten noch einmal ganz anders!

Zweihundert Jahre nach Hölderlin stellt sich Bordeaux nicht minder vorzüglich

dar, ebenso weltgewandt und offen, noch prachtvoller womöglich und

noch lebensfroher, wie es einer Stadt zukommt, die ganz dem Handel und Wandel

des Weins, nicht zuletzt seinem Genuss lebt. Ein Team von Fine- Autoren und

Fotografen ist ins Bordelais gereist, um dort die augenblickliche Befindlichkeit

zu erkunden. Sie waren in Bordeaux und haben im Bordelais einige Châteaus

besucht, die nicht alle unbedingt in der ersten Reihe der Produzenten stehen,

gleichwohl aber herrliche, zumindest höchst respektable Weine erzeugen. Überall

dort haben Till Ehrlich, Rainer Schäfer und Christian Volbracht auch dem

Echo der Winzer auf Werk und Wirkung eines Mannes nachgespürt, dessen

Schriften zwar nicht den Bordeaux-Wein, wohl aber die Blicke der meisten

Winzer verklärt und deren Bilanzen verschönt haben: Robert Parker natürlich.

Die unterschiedlichen Reaktionen auf den epochalen Einfluss des Ameri kaners

auf Stil und Markterfolg der Bordelaiser Weine analysiert Stefan Pegatzky, der

sich zudem in der vierten und letzten Folge seiner Essay-Reihe Wein und Kritik

mit Mythos, Marketing und Meinungsmachern in der Weinwelt befasst.

Noch einmal Hölderlin. Sein sinnenfrohes und tiefgründiges Gedenkblatt

an Bordeaux endet mit einer Zeile, die in den Zitatenschatz der deutschen

Bildungs bürger eingegangen, dessen Herkunft aus dem Hymnus auf die festliche

Stadt an der Garonne aber wohl den wenigsten noch bewusst ist: »Was

bleibet aber, stiften die Dichter«. Ein hochgemutes Wort; dankenswerter weise

lässt es uns aber auch bedenken, dass, was die Winzer stiften, nicht » bleibet«,

sondern allzumal der Vergänglichkeit geweiht ist. So ahnt, wenn er das Glas

»des dunklen Lichtes voll« an die Lippen setzt, der Weinfreund in der ja immer

wieder heiter erprobten Vergänglichkeit des Genusses etwas vom möglichen

Genuss an unser aller Vergänglichkeit.

PS: Weil im Gegensatz zum flüchtigen gesprochenen Wort das geschriebene

und gedruckt publizierte die Neigung hat, sich auf Dauer einzurichten und

darum leider auch ein Fehler »bleibet«, darf ich hier etwas richtigstellen: In der

Geschichte über die Weine des Ätna in der letzten Ausgabe von Fine konnte

der Eindruck entstehen, unser Autor Michael Schmidt litte an Wahrnehmungsstörungen,

da er den Besitzer der fabelhaften Tenuta delle Terre Nere zugleich

als jungen Mann und als eher etwas älteren Herrn angetroffen habe. Dem ist

aber so nicht gewesen: Eine Unachtsamkeit der Redaktion hat den geschriebenen

Text falsch eingekürzt zum Druck befördert. Empfangen wurde Michael

Schmidt, wie irrtümlich in Fine zu lesen war, nicht vom Eigentümer Marco

de Grazia, sondern von einem Mitarbeiter, einem jungen Mann, dem alle im

Folgenden aufgezählten Tugenden samt einer fränkischen Jugend zuzurechnen

sind. Erst im zweiten Absatz geht dann die Rede von Marco de Grazia. Ich darf

unseren Leserinnen und Lesern versichern, dass unser Autor aller seiner Sinne

mächtig war und ist, und zugleich für den Lapsus der Redaktion um Entschuldigung

und Nachsicht bitten. Aber nun wünsche ich angenehme, genussreiche

und erkenntnisfördernde Lektüre – bei einem »duftenden Becher«!

Thomas Schröder

Chefredakteur

FINE

Editorial

9


E U R O P E A N F I N E W I N E M A G A Z I N E

Fine-Autoren

DAS WEINMAGAZIN

Verleger und Herausgeber

Ralf Frenzel

ralf.frenzel@fine-magazines.de

Chefredakteur

Thomas Schröder

thomas.schroeder@fine-magazines.de

Redaktion

Carola Hauck

Art Direction

Guido Bittner

Mitarbeiter dieser Ausgabe

Daniel Deckers, Armin Diel, Jürgen Dollase,

Till Ehrlich, Bernd Fritz, Dirk R. Notheis,

Stefan Pegatzky, Stuart Pigott, Rainer Schäfer,

Michael Schmidt, Christian Volbracht,

Martin Wurzer-Berger

Fotografen

Guido Bittner, Johannes Grau, Christof Herdt,

Arne Landwehr, Marc Volk

Verlag

Tre Torri Verlag GmbH

Sonnenberger Straße 43

65191 Wiesbaden

www.tretorri.de

Geschäftsführer: Ralf Frenzel

Anzeigen

Judith Völkel

Tre Torri Verlag GmbH

+49 (o) 611-57 990

anzeigen@fine-magazines.de

Druck

Druckhaus Schöneweide GmbH, Berlin

Fine Das Weinmagazin erscheint vierteljährlich

zum Einzelheft-Preis von € 15,– (D),

€ 16,90 (A), CHF 30,– (CH), € 18,50 (I)

Vertrieb

DPV Deutscher Pressevertrieb GmbH

www.dpv.de

Daniel Deckers Die Lage des deutschen Weins ist sein Thema – wenn er nicht gerade als Politik-

Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über Gott und die Welt, über Lateinamerika oder Rauschgift

zur Feder greift.

Armin Diel Einerseits ist er Winzer – seine Weine von der Nahe spielen im nationalen wie im internationalen

Ranking eine Rolle. Andererseits ist er Publizist. Als einstiger Mitherausgeber des Wein-Gault-

Millau hat er den Guide an die Spitze der weinkritischen Publikationen in Deutschland gebracht.

Jürgen Dollase Kunst, Musik und Philosophie hat er in Düsseldorf und Köln studiert. Er war Rockmusiker

und Maler. Heute ist er der bei weitem einflussreichste Kritiker der kulinarischen Landschaft in

Deutschland und Europa. Seine Bücher über die Kunst des Speisens erscheinen vornehmlich bei Tre Torri.

Till Ehrlich Der profilierte Weinkritiker und mehrfach ausgezeichnete Journalist hat sich als Autor

von unabhängigen Weinbüchern, kulinarischen Kolumnen und Essays einen Namen gemacht. Er kann

Weine, Berge und gedeckte Tafeln zum Sprechen bringen.

Bernd Fritz Der 1945 in einem rheinhessischen Weinort geborene Philologe war Chefredakteur des

Satiremagazins Titanic und Redakteur des FAZ-Magazins und berichtet seit zehn Jahren aus der Welt des

Weins und der Gärten. Trotzdem versteht er auch etwas von Hopfen und Malz.

Dirk R. Notheis Geboren und aufgewachsen im Badischen. Obgleich der berufliche Weg ihn in die

Finanzwirtschaft führte, gilt seine Liebe doch der wahren Liquidität, dem Wein. Den sammelt, degustiert

und rezensiert er seit mehr als zwei Jahrzehnten.

Stefan Pegatzky Der promovierte Germanist hat nach vielen Jahren in der Verlagsbranche die Online-

Galerie Time Tunnel Images für historische Fotografie gegründet. Daneben findet er immer wieder Zeit

zum Schreiben, am liebsten über Wein.

Stuart Pigott In der gehobenen Weinwelt ist er ein Begriff. Seit der 1960 in London geborene

studierte Kunsthistoriker und Maler im Wein, im deutschen Wein zumal, sein Lebensthema fand, hat er

sich mit unkonventioneller Betrachtungsweise in die Ränge der weltweit geachteten Autoren und Kritiker

geschrieben. Sein letztes Buch »Planet Riesling« erschien kürzlich bei Tre Torri.

Rainer Schäfer Er schreibt über die Dinge, die er am meisten liebt: Wein, gutes Essen und Fußball.

Schäfer pendelt zwischen Weinanbaugebieten, Restaurants und Fußballstadien, neugierig auf schillernde

Persönlichkeiten, überraschende Erlebnisse und unbekannte Genüsse. Er wuchs in Oberschwaben auf, lebt

und arbeitet seit zwanzig Jahren in Hamburg.

Michael Schmidt Der »deutsche Engländer«, wie ihn die britische Weinszene nennt, schreibt für

die Purple Pages der Weinpäpstin Jancis Robinson über deutschen Wein. Bei Sotheby’s Wine Encyclopedia

und dem World Atlas of Wine von Hugh Johnson und Jancis Robinson ist er als Berater für das

Kapitel Deutschland zuständig.

Christian Volbracht Der Journalist, Autor und Antiquar schreibt über Wein und Gastronomie,

seit er für die Deutsche-Presse-Agenur in Paris gearbeitet hat. Seine besondere Leidenschaft gehört neben

Wein und gutem Kochen den Pilzen und Trüffeln. Er ist Sammler und Inhaber des Buchantiquariats

MykoLibri, als Buchautor ergründete er das Thema »Trüffeln – Mythos und Wirklichkeit« (bei Tre Torri).

Martin Wurzer-Berger Der studierte Künstler und katholische Theologe arbeitet in Münster als

Maler und Grafiker und importiert französische Weine. Er ist Chefredakteur und Mitherausgeber der

Avantgarde-Zeitschrift Journal Culinaire und leitet gemeinsam mit Thomas Vilgis die Deutsche Akademie

für Kulinaristik.

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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt

die Meinung der Redaktion wieder. Der Verlag haftet

nicht für unverlangt eingereichte Manuskripte, Dateien,

Datenträger und Bilder. Alle in diesem Magazin veröffentlichten

Artikel sind urheberrechtlich geschützt.

Titel-Foto: Bordeaux, Johannes Grau

Editorial-Foto: Pekka Nuikki

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Siersdorfer Str. 6 (b) | D-52457 Aldenhoven

Tel: +49 (0)2464 / 9798-355

Fax: +49 (0)2464 / 9798-707

10 FINE 1 | 2015


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Reimitz

oder die Schönheit des Weins

Sangiovese solo: »Reimitz« ist ein neuer toskanischer

Kultwein aus dem Chianti Classico. Doch er ist tief in der

Tradition feinster italienischer Gewächse verwurzelt.

Dafür steht der Winzer Klaus Johann Reimitz, der diesen

raren Wein im Alleingang produziert.

Von Till Ehrlich

Fotos Marc Volk

Klaus Johann Reimitz hat fünfundzwanzig Jahrgänge des

Weinguts Montevertine von Sergio Manetti in Radda

im Chianti Classico mitgestaltet, darunter den reinsortigen

Sangiovese »Le Pergole Torte«, ein Juwel des feinen

italie nischen Weins, das in seiner stilbildenden Bedeutung für

die italienische Weinrenaissance dem Tignanello und Sassicaia

mindestens ebenbürtig ist. Seit 2011 produziert Klaus Reimitz,

Jahrgang 1951, nun einen reinsortigen Sangiovese in Eigen regie.

Lediglich ein tausendfünfhundert Liter wurden davon für die

Premiere abgefüllt. Die Trauben wachsen in einer kleinen Parzelle,

die zum Weingut Poggio al Sole in der Gemarkung Tavarnelle

gehört, einem Ort, der im Herzen des Chianti Classico oberhalb

der tausendjährigen Vallombrosaner-Abtei Badia a Passignano

liegt, nur eine gute halbe Stunde von Florenz entfernt.

Schon der erste Jahrgang 2011 war ein Wurf. Er ver körpert

den Geschmack der Sangiovesetraube auf eine unmittelbare,

anmutige Art: nicht laut, sondern sehr harmonisch, fein und

differenziert. Eine Traubensorte, ein Weingarten, ein Fass, ein

Winzer, ein Wein. Kein Eichenaroma, keine Toastnoten, kein

Kitsch. Ohne Cabernet, ohne Merlot, ohne Canaiolo, ohne

Colorino.

Dieser Rotwein, der lapidar den Namen seines Winzers

trägt, »Reimitz«, ist so etwas wie die Summe eines toskanischen

Winzerlebens. Das Etikett wirkt unspektakulär, elegant,

zeugt von Stilsicherheit und Zeitlosigkeit, als sei es schon seit

Jahrzehnten da. Doch es ist erst 2013 für den »Reimitz« entworfen

worden.

Bei diesem Wein geht es um scheinbar einfache Dinge, um

gute Farbe, guten Duft, guten Geschmack. Nichts Gekünsteltes

also, nur dass es nicht leicht ist, das Einfache zur Voll endung

zu bringen. So, wie etwa in der feinen Küche die gekonnte

Zubereitung von Eierspeisen oder Pasta zu den höchsten

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FINE 1 | 2015 FINE Toskana


Tre Torri

Große Weine.

Starker Inhalt.

Mouton Rothschild – Wein & Kunst

DIE Meisterwerke aus Frankreich

Château Mouton Rothschild – kaum ein anderer Name kann die

Augen von Weinenthusiasten so zum Leuchten bringen wie dieser

Premier Grand Cru aus Pauillac. Aber auch Freunde und Kenner der

zeitgenössischen Kunst haben ihre Freude an den Flaschen, seit

Baron Philippe de Rothschild Jahrgangsetiketten von inter national

bekannten Künstlern gestalten lässt.

Der Riesling – Weingut Robert Weil

Der Welterfolg aus dem Rheingau

Der epochale Bildband erzählt die Erfolgsgeschichte des Traditionsweinguts,

das heute zur internationalen Weinelite gehört. Über den

Zeitraum eines ganzen Jahres begleitet das Buch die Arbeit in Weinberg

und Keller. Der Leser sieht die Frucht reifen und ist bei der

Handlese im Gräfen-, Kloster- und Turmberg mit dabei.

Marchesi Antinori

DIE Weinlegende aus Italien

Solaia, Tignanello oder Guado al Tasso – diese Namen lassen

die Herzen von Weinliebhabern weltweit höher schlagen. Sie

stehen für den Erfolg der florentinischen Familie Antinori, die seit

26 Gene rationen Weinbaugeschichte schreibt. Das Buch erzählt die

Geschichte der Familie und beschreibt die historische Bedeutung,

die Marchesi Antinori für den italienischen Weinbau bis heute hat.


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… auch bei Facebook

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In der »größten Pfütze der Welt«, dem dreieinhalbtausend

Quadratmeter großen Miroir d’Eau, spiegeln sich die prachtvollen

Fassaden des Palais de la Bourse.

Bordeaux erwacht

Die Welthauptstadt des Weins

im Aufbruch und im Umbruch

Von Rainer Schäfer

Fotos Johannes Grau

Die Beziehung von Alain Juppé zum Bordelaiser Weinadel entwickelte sich nur zögerlich und wurde durch Verstimmungen getrübt.

Der Bürgermeister von Bordeaux war auf Château Smith Haut Lafitte in Martillac zur Fête de la Fleur geladen. Auf der im Frühjahr ausgerichteten

Feier sollten Weine verkostet und edel gespeist werden. Juppé, der aus dem Département Landes stammt und lange Jahre in

Paris lebte, war noch nicht ausreichend vertraut mit den Gepflogenheiten der Weinszene. Er ließ die Festgesellschaft warten und brüskierte

sie damit. Das ist mehr als fünfzehn Jahre her, damals tat sich ein breiter Graben auf zwischen Rathaus und Châteaus, nur mühsam

geriet das Verhältnis ins Lot. Heute wird der Bürgermeister von den Bordelaiser Winzern als unermüdlicher Fürsprecher ihrer Erzeugnisse

gelobt. Er lässt alle Welt wissen, dass er die Weine aus dem berühmtesten Anbaugebiet längst zu schätzen gelernt hat und in seinem

Keller Bouteillen lagern von feinster Provenienz, von den Châteaus Latour, Lafite, Cheval Blanc und Pétrus.

48 49

FINE 1 | 2015 FINE Bordeaux


Robert Parker,

das Bordelais

und die Weinwelt

Eine Zwischenbilanz

Von Stefan Pegatzky

Kurz nach seinem 65. Geburtstag hat Robert Parker, der (immer noch) einflussreichste Weinkritiker der Welt, den

Mehrheitsanteil seiner Zeitschrift »The Wine Advocate« an Investoren in Singapur verkauft. Grund genug, sich den

Einfluss des Amerikaners auf die Weinwelt und insbesondere das Bordelais in Erinnerung zu rufen. Ein Einfluss, der

Winzer, Handel, Presse und Konsumenten enorm polarisiert und alle Ebenen des Themas Wein durchdrungen und

verändert hat. Der aber auch wesentlich komplexer und ambivalenter ist, als viele von Parkers Kritikern unterstellen.

Der Markt und die Preise

Fotos: The Wine Advocate

Hochwertiger Bordeaux ist in wenigen Jahren um

ein Vielfaches teurer geworden: Der En-primeur-

Preis einiger Spitzen-Crus des Jahrgangs 2010 ist

gegenüber dem von 1992 etwa um mehr als tausend

Prozent gestiegen. Manche Weine mit nur sehr

geringen Produktionsmengen werden in Deutschland

schon gar nicht mehr angeboten. Sentimentale

Weintrinker übertünchen ihren Verdruss bei

spärlich besetzten und überteuerten Bordeaux-

Arrivage-Tastings daher gern mit Geschichten aus

der guten alten Zeit: »Meinen letzten Lafite habe

ich noch von ›Globus‹, die haben den damals

für …« Those were the days. Doch die Legende,

die dabei meist miterzählt wird, dass das angefangen

habe, als Robert Parker den 1982er Jahrgang

den Amerikanern so gut verkauft hat und damit die

Spekulation und den Sog der »dummen, reichen

Märkte« wie die Vereinigten Staaten, dann Japan

und schließlich China auslöste, ist falsch, oder

zumindest unvollständig.

Denn Bordeaux war schon immer ein Spekulationsmarkt,

seit Ende des 17. Jahrhunderts

der New French Claret »erfunden« wurde. Im

18. Jahr hundert erzielten Château-Besitzer wie

der Marquis de Ségur, der »Prince des Vignes«,

Umsatz renditen von sechzig Prozent. Und der

erste Bordeaux-Jahrgang, der in Amerika einen

großen Auftritt hatte, war schon der von 1959. Zur

Zeit eines Wall-Street-Booms war das der erste

Ripe-for-Investment-Jahrgang der Nachkriegszeit,

und er begründete die langjährige amerikanische

Vormachtstellung über Bordeaux. Tatsächlich

spielt für Preis positionierung und Abverkauf eines

56 57

FINE 1 | 2015 FINE Bordeaux


Für Michel Rolland, den streitbaren französischen Önologen, gilt beim Wein wie im Leben:

»Harmonie entsteht

auch aus Dissonanzen«

Von Christian Volbracht

Fotos Arne Landwehr

In der Weinwelt von Michel Rolland gibt es kein Deutschland. Auf den Karten in seinen jetzt

er schienenen Erinnerungen sind Frankreich, Spanien, Italien, die Vereinigten Staaten, Argentinien

und Chile eingezeichnet, sogar Indien, Mexiko, Marokko, China und Bulgarien, aber kein deutsches

Weinbaugebiet, kein Rheingau, kein Franken oder Rheinhessen. »Leider hat mich niemand

aus Ihrer Region angerufen und um Beratung gebeten«, sagt der Siebenundsechzigjährige und lacht

ent waffnend eine Runde deutscher Spitzenwinzer an.

98 99

FINE 1 | 2015 FINE Bordeaux


FRAUEN IM WEIN EINUNDZWANZIGSTE FOLGE

Pascale Peyronie: »Letztlich ist

alles nur Passion und Arbeit«

Von Riesen

umzingelt

Pascale Peyronie von Château Fonbadet

kämpft – aber nicht auf verlorenem Posten

Ambitioniert: Château Fonbadet ist

der Erstwein von Pascale Peyronie. Ihr

neuestes Projekt, eine Cuvée, die noch

besser werden soll, wird schlicht, aber

ehrgeizig Château Pauillac heißen.

Vor dem flachen Gebäude von Château Fonbadet stehen vier weiße Schafe im Gras – vier » Moutons« aus

Kunstharz mit hohem symbolischen Wert. Sie zeigen, dass sich das kleine Weingut der Familie Peyronie

am Rand von Pauillac am liebsten mit den ganz großen Spitzengütern vergleicht, vor allem mit Mouton-

Rothschild. Im Jahr 2002 tauschte man sogar drei Hektar Rebfläche mit dem legendären Château. »Nun

gibt es Mouton auf Fonbadet«, sagt Pascale Peyronie stolz. Eines der Schafe trägt das rote Label der

Vignobles Peyronie auf dem Rücken. Die Neunundvierzigjährige mit den strahlenden Augen und dem

fröhlichen Lachen leitet das Gut seit dreizehn Jahren und verfolgt diskret sehr ehrgeizige Ziele.

Von Christian Volbracht

Fotos Johannes Grau

Mouton-Rothschild und die anderen

großen Güter des Médoc sind für die

selbstbewusste Französin Ansporn und

Ärgernis zugleich. Denn Château Fonbadet ist bei

der ersten großen Klassifizierung der besten Médoc-

Weingüter im Jahr 1855 nicht berücksichtigt worden.

Preislich firmierte der Cru »De Gères à Fonbadet«,

wie das Gut nach dem damaligen Besitzer hieß,

schon seit 1838 unter den vier Dutzend Besten der

Médoc-Rangliste. Es lag damit viel weiter vorn als

andere Güter, die sich später mit dem Titel Grand

Cru Classé schmücken durften.

Die Klassifizierung von 1855 sei nun mal das

Ergebnis von Berechnungen arithmetischer oder

politischer Art gewesen, sagt Pascale Peyronie:

»Entscheidend war, dass das Weingut kein selbständiges

Besitztum war und rechtlich zum Eigentum

von Château Latour gehörte.« So muss sich das Gut

seitdem mit dem Titel eines Cru Bourgeois, eines

bürgerlichen Gewächses, begnügen. Für Pascale

Peyronie ist das nicht von größter Wichtig keit:

»Wir sind zuerst Pauillac, dann Fonbadet und dann

Cru Bourgeois.« Außerdem billigen Autori täten

wie Robert Parker Château Fonbadet auch heute

den höheren Rang zu. »In bestimmten Jahren«,

schrieb Parker, »kann der Wein so manchen Cru

Classé in Pauillac überflügeln«.

Zum Selbstverständnis von Pascale Peyronie

gehören neben den Schafen am Eingang weitere

lustige Kunststoff-Symbole. Im Empfangsraum des

104 105

FINE 1 | 2015 FINE Frauen im Wein


Im sommerlich heiteren Schlosspark von Salem genoss Prinz

Bernhard von Baden mit seinen Gästen, rund vierzig Winzern

und Weinfachleuten, einen festlichen Tag mit Müller-Thurgau aus

Deutschland, Italien, Luxemburg, Österreich und der Schweiz.

Das

Müller-

Thurgau-

Manifest

»Kein anderer Wein steht so

für die Leichtigkeit des Seins«

Von Rainer Schäfer

Fotos Johannes Grau

Prinz Bernhard von Baden hatte Ende Juni 2014 an den Bodensee auf

Schloss Salem geladen, und seinem Ruf folgten fast vierzig Winzer, Sommeliers,

Händler und Weinliebhaber. Um nur einige zu nennen: Aus der

Schweiz reisten Ines Rebentrost und Philipp Gfeller vom Schlossgut Bachtobel

an, Thomas Kemmler kam vom Weingut Endrizzi aus dem Trentino; Sandra

Sauer aus Franken, Wilhelm Weil aus dem Rheingau und Joachim Heger vom

Kaiserstuhl. Im Schlossgarten am Ufer des Bodensees versammelte sich unter

Linden reichlich Weinprominenz an weiß gedeckten Tischen. Aber wenn

das Weingut Markgraf von Baden einlädt, dann kann es nur einen Star geben:

Müller-Thurgau. Eine international besetzte Verkostung, die diese Rebsorte in

den Mittelpunkt stellt, das gibt es selten in einer Weinwelt, in der sich vieles

um die vermeintlich großen und immer gleichen Weine dreht.

Die Familie der Markgrafen von Baden hat eine ganz besondere Liebesbeziehung

zum Müller-Thurgau, sie kultiviert ihn schon seit Mitte der 1920er

Jahren. Damals war es schlecht bestellt um den Weinbau am Bodensee. Missernten

machten den Winzern zu schaffen, angebaut wurde vor allem Elbling,

ein saurer Wein mit wenigen Vorzügen. In der Markgräflichen Familie war man

überzeugt, dass der früh reifende Müller-Thurgau die Not lindern und den

maroden Weinbau kurieren könnte. Bei der Einführung der Rebe am Bodensee

tat sich besonders der damalige Gutsverwalter Johann Baptist Röhrenbach

hervor. In einer Aprilnacht 1925 wurde die Hoffnungsrebe heimlich über

den See aus der Schweiz geschmuggelt. Ein riskantes Unternehmen, das sich

jedoch bezahlt machen sollte. Die Rebe Müller-Thurgau war zwar 1882 von

Professor Hermann Müller, einem Schweizer, der aus Tägerwilen im Kanton

Thurgau stammte, in Geisenheim am Institut für Pflanzenphysiologie gezüchtet

worden. Ihr Anbau war aber in deutschen Weingärten nicht erlaubt. Deshalb

wurde sie zunächst heimlich am Bodensee gepflanzt. »Müller-Thurgau

hat den Weinbau am See gerettet«, sagt Bernhard Prinz von Baden, der das

dunkle Kapitel dieser Rebsorte nicht ausblenden will: In den späten 1950er

Jahren war sie gnadenlos als Massenträger missbraucht worden. Müller- Thurgau

wurde zum Sündenbock, zur Fratze einer billigen Massenproduktion. Seitdem

ist Müller-Thurgau eine in Deutschland gemeinhin geringgeschätzte Rebsorte,

Gelegenheit, ihre Qualitäten zu zeigen, bekam sie nur selten. »Die Winzer

haben ihn kaputt gemacht«, sagt Joachim Heger. »Müller-Thurgau hat viel

mehr Charakter als vermutet.«

Heute weiß man, dass die Rebe über ungewöhnliche Fähigkeiten verfügt:

Sie versteht es, auf subtile Art den Charakter der Weinlandschaften zu vermitteln.

Im Thurgau zeigt sie fruchtige Frische, in Franken eine erdige Feinwürzigkeit,

in Sachsen pure Reinheit. Gerade im kühlen Grenzklima auf kargen Böden

kann sie ihr Profil ausbilden. Keine andere Rebe passt so gut an den Bodensee

wie Müller-Thurgau, hier findet er optimale Bedingungen. In Höhenlagen wie

der Birnauer Kirchhalde stehen die Reben auf verwittertem Moränen gestein,

das den Trauben eine besonders filigrane Aroma ausprägung verleiht. In keinem

anderen Wein werden die Seele und der Charakter der Landschaft so wie im

Müller-Thurgau erkennbar. Gerade beim Weingut Markgraf von Baden zeigt

sich das tiefe Verständnis dieser Rebsorte, das sich über Jahrzehnte entwickeln

konnte, hier beeindruckt Müller-Thurgau, alles Laute meidend, durch faszinierende

Feinheit und Feingliedrigkeit.

Fünfundfünfzig Weine aus Italien, Österreich, Deutschland und der

Schweiz konnten im Schlosspark zu Salem verkostet werden, sie belegten

die beeindruckende Vielfalt, die diese Rebsorte ihren Winzern

er möglicht: Vom frisch-fruchtigen Alltagswein über die anspruchsvollkomplexe

Barrique-Variante bis zum sinnlich-konzentrierten Eiswein – Müller-

Thurgau, der gelegentlich auch Rivaner genannt wird, kann viele Facetten ausbilden,

die ihm oft nicht zugetraut werden. Müller-Thurgau ist ein leiser Wein,

der den Dränglern und Draufgängern gern den Vortritt lässt. Seine zurückhaltende

Noblesse wurde ihm oft als Schwäche ausgelegt. Doch sie ist seine

Stärke, die immer deutlicher hervortritt angesichts eines Weinverständnisses,

in dem zu oft die olympische Direktive »höher, schneller, weiter« gilt.

Im Streben nach Gigantismus wird dabei auch die schmale Grenzlinie überschritten,

die Genussfreude markiert. Ausgerechnet für Wilhelm Weil, der

hundert prozentig auf Riesling baut, ist Müller-Thurgau die notwendige Alternative

zu über züchteten Kraftweinen: »Er ist kein Getränk für die Kathe drale,

aber ein traumhaft schöner Kapellenwein. Er steht wie kein anderer für die

Leichtig keit des Seins.«

Noch immer wird Müller-Thurgau unterschätzt und als Mauerblümchen

belächelt. Um seine Vorzüge zu wissen, ist das eine. Sie nach außen zu tragen,

das andere: »Wir müssen etwas für ihn tun, ihn aus seiner Ecke herausholen«,

fordert der engagierte Bernhard Prinz von Baden. Darüber, dass es lohne, sich

für diese Rebe weiter ins Zeug zu legen, waren sich alle Winzer einig, länderüber

greifend: In Salem wurde das Müller-Thurgau-Manifest, das erste seiner

Art, vorgelegt, das versucht, dieser stigmatisierten Rebe endlich gerecht zu

werden. »Wir verpflichten uns«, so beginnt das Strategiepapier, »dem Müller-

Thurgau aufgrund seiner weingeschichtlichen Bedeutung, aber vor allem wegen

seines Qualitätspotentials als hochklassige Rebsorte die ihm gebührende Aufmerksamkeit

zu widmen.« Das Manifest, das inhaltlich weiter ausgearbeitet

werden soll, ist als entschlossenes Plädoyer gedacht für eine Rebe, die längst

kein Mauerblümchen mehr ist. Joachim Heger, der als Letzter eintraf und als

Erster das Manifest unterzeichnete, versprach gar euphorisch, den kompletten

Ihringer Winklerberg – seine allerbeste Lage – mit Müller-Thurgau bestocken

zu lassen. So weit wird es nicht kommen, aber der Winzer vom Kaiserstuhl

will dabei sein, wenn man sich zum ersten Symposium versammelt, das

in diesem Jahr stattfinden soll. Die internationale Allianz für Müller-Thurgau

hat sich formiert: Ihm zu dem Renommee zu verhelfen, das ihm zusteht, wird

noch ein weiter Weg sein. Aber die erste Etappe ist geschafft. »Wir haben die

einmalige Chance, ihn als wertvolle Rebsorte zu etablieren«, sagt Bernhard

Prinz von Baden. •

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FINE 1 | 2015 FINE Tasting


Dem Zufall

wird nichts

überlassen

Christian Dautel leitet mit grossem Erfolg das

Weingut Dautel in Bönnigheim. Er baut dabei auf

seine vielfältigen Erfahrungen aus der ganzen

Welt, auf sein unübersehbares Talent und auf die

Lebensleistung seines Vaters.

Von Martin Wurzer-Berger

Fotos Christof Herdt

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FINE 1 | 2015 FINE Württemberg


cellini dual time

DIE KLASSISCHE ROLEX ARMBANDUHR


rolex präsentiert die neue cellini kollektion, eine moderne huldigung an den

klassizismus und die immerwährende eleganz traditioneller zeitmesser. diese neue

kollektion umfasst zwölf klassisch inspirierte modelle, in denen sich das know-how

und die perfektionsansprüche von rolex aufs beste mit einem ansatz ergänzen,

der dem uhrmacherischen erbe in seiner zeitlosesten form die reverenz erweist.

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