der Armee - Führungsunterstützungsbrigade 41 / SKS

fubr41.ch

der Armee - Führungsunterstützungsbrigade 41 / SKS

HEER •

FÜHRUNGSUNTERSTÜTZUNGSBRIGADE 41

FORCES TERRESTRES •

BRIGADE DE L'AIDE AU COMMANDEMENT 41

Nr.1/September 2004

Zeitschrift der FU Brigade 41

Im Gespräch mit Br Willy Siegenthaler

Gelungener Start der FU Br 41

Die Einsätze als «Bestseller» der Armee


Inhalt

3

Seit dem 1. Januar 2004 existiert

die Führungsunterstützungsbrigade

41. Die Dienstleistungen,

die sie erbringt, finden von Beginn

an eine rege Nachfrage und

ein positives Echo.

4

5

6

FU Br 41 ist erfolgreich

gestartet

Brigadier Willy Siegenthaler:

«Ich führe gerne!»

Die Struktur der FU Br 41

16

18

20

Weitermachen? Ja klar!

FUB: Produzieren, was der

Einsatz braucht

LBA: Die Zukunft

der Logistik

7

Editorial Chef der Armee

22

LBA: Die neue Verpflegung

4

Brigadier Willy Siegenthaler ist

seit Anfang 2004 Kommandant

der Führungsunterstützungsbrigade

41. In einem Interview

spricht er über seine ersten Erfahrungen,

über die praktischen

Einsätze der Brigade und über den

Kontakt zu seinen Mitarbeitern.

8

Der Einsatz ist das Spitzenprodukt

der Armee – und er ist in

den letzten Jahren zu einem

eigentlichen «Bestseller» geworden.

Der Wandel von der Ausbildungs-

zur Einsatzarmee ist weit

voran geschritten.

8

11

12 Personelles der Armee

14

Die Einsätze

als «Bestseller» der Armee

WEF 2004 – die ganz

spezielle Herausforderung

SWISSCOY: Rückkehr

zur Normalität

24

26

27

Humanitäre Minenräumung

im Sudan

Sport, Spiel und Spass

– aber sicher...!

Agenda

Armee aktuell – die Zeitschrift der

Führungsunterstützungsbrigade 41

Erscheint zweimal jährlich:

Sommer und Winter

Impressum

Redaktion:

Stab Chef der Armee

FST A, TPST A, TSK HE, TSK LW, LBA,

FUB, HKA

Rolf Heinrich (rh), Chef Kommunikation

der FU Br 41; Michael Beer (mbe), Pascal

Meisser (pme), Beat Soltermann

(bso), Medien- und Info-Team.

Abo-Service:

Kommunikationsbasis der Armee

Papiermühlestrasse 20

3003 Bern

Herausgeber:

Chef der Armee

Kommandant Heer

Kommandant Führungsunterstützungsbrigade

41

Layout und Produktion:

Kommunikation Heer

Kommunikationsgruppe Führungsunterstützungsbrigade

41

© Departementsbereich V

für sämtliche Inhalte

Internet:

www.vbs.admin.ch

www.armee.ch

Sprachliche Gleichberechtigung: Wird

aus Gründen der Lesbarkeit nur die

männliche Form verwendet, sind Frauen

ebenso angesprochen.

2

ARMEE aktuell 1/2004


Dienstleistungen der FU Br 41 entsprechen einem Bedürfnis

Die Führungsunterstützungsbrigade 41

ist erfolgreich gestartet

Die Nacht vom 31. Dezember 2003 auf den

1. Januar 2004 markiert die Geburtsstunde der

Führungsunterstützungsbrigade 41 (FU Br 41).

Heute lässt sich feststellen, dass die Geburt

ohne Zwischenfälle geglückt ist. Die Dienstleistungen,

welche die FU Br 41 erbringt, finden

bereits eine rege Nachfrage und ein positives

Echo.

Text: Beat Soltermann Bild: FU Br 41

Die FU Br 41, die aus der ehemaligen

Uem Br 41 hervorgegangen

ist, gibt es in der heutigen Form

erst seit Jahresbeginn. Gleichzeitig

mit dem Start der neuen

Armee wurden in der Brigade 17

Bataillone (davon zwei der Reserve)

mit 13 000 Wehrmännern

und 1300 Offizieren zusammengefasst.

Im Brigadebüro arbei-

Die neue Brigade

Ausbildung in der Kaserne

Reppischtal.

ten neben dem Kommandanten,

Brigadier Willy Siegenthaler, und

dem vollamtlichen Stabschef,

Oberst i Gst Bruno Oberli, auch

fünf Fachdienstchefs. Sie unterstützen

die Bataillons-Kommandanten

in ihren jeweiligen Fachgebieten

bei Einsätzen, bei der

Ausbildung und in der Personalführung.

Die FU Br 41 vereinigt erstmals

Übermittlungs- und Führungsunterstützungstruppen

aus allen

Sparten. Dieser Zusammenschluss

bedeutet zugleich, dass

in der FU Br 41 nicht mehr nach

System, Fachbereich oder Netzkompetenz

unterschieden wird.

Eine solche Trennung wäre wegen

der fortgeschrittenen Vernetzung

und Technik für eine effiziente

Dienstleistungserbringung

hinderlich.

Die FU Br 41 ist ein eigentliches

Milizkompetenzzentrum für vier

Bereiche: Telekommunikation,

Informatik, elektronische

Kriegsführung und Hauptquartiere.

Dass diese Dienstleistungen

der FU Br 41 einem Bedürfnis

entsprechen, haben die vergangenen

Monate verdeutlicht. Zu

erwähnen ist der Einsatz

während des Weltwirtschaftsforums

Davos (WEF), an der Patrouille

des Glaciers oder in der

Übung «CONDOTTIERE» der Territorialregion

4. Auch die Dienstleistungen

der Hauptquartierbataillone

sind sehr gefragt.

Zahlreiche Einsätze der FU Br 41

erfolgen dabei im subsidiären

Bereich (Unterstützung ziviler

Behörden). Während solche subsidiären

Einsätze für viele Formationen

der Armee die Ausbildung

in der jeweiligen Kernkompetenz

schmälern, stellen sie für

die FU Br 41 eine Win-win-Situation

dar.

Brigadier Siegenthaler bringt es

auf den Punkt: «Aufbau, Betrieb

und Unterhalt der Führungsunterstützungssysteme

bedeutet

stets Ernstfall und Ausbildung

zugleich.»

Bataillone der FU Br 41

HQ Bat 11

Oberstlt René Rauber

HQ Bat 13

Oberstlt Thomas Zimmermann

HQ Bat 22

Oberstlt Manfred Schulz

HQ Bat 23

Oberstlt i Gst Tony Schmid

4 Kp l betreibt und unterhält eine Kommandoanlage

l führt Transporte aus l

stellt die Telematikeinrichtungen und

deren Integration in die Übermittlungssysteme

der Armee und der Luftwaffe sicher

l WK-Raum: Zentralschweiz

4 Kp l betreibt die zugewiesenen Kommandoanlagen

l stellt die verlangten

Grundanforderungen und Grundausbildung

sicher l WK-Raum: Aarberg, Wimmis,

Spiez, Schwarzenburg

3 Kp l betreibt und unterhält eine Kommandoanlage

l führt Transporte aus l

stellt den Betrieb von Telematikeinrichtungen

und deren Integration in die

Übermittlungssysteme der Armee und

Luftwaffe sicher l WK-Raum: Berner

Oberland

5 Kp l betreibt Führungsanlagen der

Landesregierung und der Armee l führt

Transporte aus l stellt den Betrieb von

Telematikeinrichtungen und deren Integration

in die Übermittlungssysteme der

Armee und Luftwaffe sicher l WK-Raum:

Berner Oberland

ARMEE aktuell 1/2004 3


Interview

Brigadier Willy Siegenthaler:

«Ich führe gerne!»

Brigadier Willy Siegenthaler ist seit Anfang

2004 Kommandant der neu geschaffenen Führungsunterstützungsbrigade

41. Nach rund

neun Monaten im Amt spricht er über seine

ersten Erfahrungen, über die praktischen

Einsätze der Brigade und über den Kontakt zu

seinen Mitarbeitern.

Herr Brigadier Siegenthaler,

seit Anfang Jahr sind Sie

Kommandant der durch die

Armeereform neu geschaffenen

FU Br 41. Was hat Sie

seit Ihrem Amtsantritt am

meisten gefreut?

Der Kontakt zu meinen Kadern.

Ich durfte ein enormes Engagement

auf allen Stufen erleben.

Trotz vielen Startschwierigkeiten

wird geplant, vorbereitet, geführt

– und dies mit gutem Erfolg.

Wer dies erlebt, ist stolz

auf unser Milizsystem!

Gab es auch etwas, was Ihnen

weniger gut gefallen

hat?

Die Situation im personellen Bereich

mit den Mängeln im PISA

hat auf allen Stufen zu einem

grossen Mehraufwand an Verwaltungsarbeit

geführt. Dies hat

mich geärgert. Die Situation hat

sich jetzt aber merklich entspannt.

Ihr erklärtes Ziel ist es unter

anderem, mit der FU Br

41 immer häufiger praktische

Einsätze zu realisieren.

Ein solcher praktischer

Einsatz hat während des

Weltwirtschaftsforums in

Davos stattgefunden. Zufrieden?

Ich bin sehr zufrieden. Dies aus

zwei Gründen. Erstens ging ein

mit der Armee XXI neu gebildetes

Bataillon (Ristl Bat 17) am

fünften Tag der neuen Armee

bereits in den Dienst. Kader und

Mannschaft kannten sich kaum

und mussten trotzdem einen

verantwortungsvollen Einsatz

absolvieren. Sie taten dies mit

Bravour. Und zweitens funktionierten

alle unsere Netze

während des WEF 04 einwandfrei.

Und dies nicht als Backup-

Systeme. Luftwaffe, SKYGUIDE,

Heer und Polizei benutzten unsere

Verbindungen.

Stehen dieses Jahr noch

weitere praktische Einsätze

auf dem Programm?

Nach unseren Einsätzen an der

«Patrouille des Glaciers» und in

der grossen Übung «CONDOTTIE-

RE» der Ter Reg 4 vom April werden

die Wiederholungskurse im

Herbst der Ausbildung dienen.

Bereits gibt es aber einige Anfragen

für das nächste Jahr.

Interview: Beat Soltermann

Bilder: Pascal Meisser

Bataillone der FU Br 41

HQ Bat 25

Maj Rolf Burren

Stab HQ Bat 26, Oberstlt i Gst

François Chambettaz

FU Bat 31

Oberstlt Arthur Rieder

FU Bat 20

Oberstlt Christoph Suter

3 Kp l betreibt und unterhält eine Kommandoanlage

l führt Transporte aus l

stellt die Verbindungen sicher l wird zu

Gunsten der Landesregierung eingesetzt

und ist der Bundeskanzlei einsatzunterstellt

l WK-Raum: Grossraum Bern

Bataillon ohne unterstellte Einheiten l

gewährleistet die Evakuierung und den

Schutz von Teilen des diplomatischen

Corps in Krisensituationen (gemäss der

Wiener Konvention) l bewirtschaftet und

verwaltet die zur Verfügung stehenden

Anlagen l ist in zwei Stäbe unterteilt,

welche autonom funktionieren können l

ist der Bundeskanzlei unterstellt.

6 Kp l ist ein Verband von Fachspezialisten

(Informatiker, Statistiker, Telematiker,

Botschaftsfunker, Sprachspezialisten,

Mathematiker) l stellt Telematikmittel

und Kommandofunk auf der

Stufe Armee sicher l betreibt Netze in

den zugewiesenen Anlagen l stellt den

Sprachspezialistendienst sicher l unterstützt

die Landesregierung und Armee

mit Botschaftsfunk und Kryptologie l

WK-Raum: Zentralschweiz, Diemtig- und

Simmental.

2 Kp l betreibt die Führungseinrichtung

(inkl. Telematik und Führungsunterstützungsmittel)

des Stabes Chef Heereseinsatz

l WK-Raum: Lützelflüh, Worb, Grosshöchstetten.

4

ARMEE aktuell 1/2004


Als Sie Ihre Stelle antraten,

sagten Sie, Sie möchten so

rasch als möglich die Truppe

kennenlernen. Wie weit

sind diese Bestrebungen

bereits gediehen?

In den bisherigen Kursen habe

ich den intensiven Kontakt zu

meinen Kadern gepflegt. Dies

mit längeren Unterrichten und

der Chef der Armee in den WK

besuchen. Wir können ihm dort

unsere modernen Systeme und

unser Können demonstrieren.

In Ihrer Freizeit unternehmen

Sie gerne ausgedehnte

Wanderungen oder lassen

Motormodell-Flugzeuge

gen Himmel fliegen. Haben

«Ich durfte ein enormes Engagement

auf allen Stufen erleben.»

Diskussionen in den KVK und

Besuchen im WK.

Wenn wir noch einen kleinen

Ausblick wagen: Auf

welches dieses Jahr noch

anstehende Ereignis der

FU Br 41 freuen Sie sich am

meisten?

Auf die weiteren Wiederholungskurse

dieses Herbstes. Ich mag

Menschen, diskutiere gerne, ziehe

Lehren und packe Neues an.

Kurz gesagt: Ich führe gerne!

Dazu bietet sich in den Dienstleistungen

die beste Gelegenheit.

Zudem wird uns im Herbst

Sie für diese Hobbies neben

Ihrer Tätigkeit als Kommandant

noch genügend Zeit?

Für meine Familie nehme ich mir

immer Zeit – in der Fliegerei erlebe

ich ein «Grounding». Dafür

macht mir meine neue berufliche

Tätigkeit als Kdt FU Br 41 echt

Spass. Eine tolle und spannende

Herausforderung.

Herr Brigadier Siegenthaler,

herzlichen Dank für dieses Gespräch.

Bataillone der FU Br 41

Ristl Bat 32

Oberstlt i Gst Philipp Inauen

Ristl Bat 16 (Bat ondi 16)

Oberstlt i Gst Matthias Sartorius

Ristl Bat 17

Maj i Gst Tobias Meede

Ristl Bat 18

Oberstlt Andreas Eckert

5 Kp l erstellt, betreibt und unterhält

Teile des Breitbandübertragungssystems

der Stufe Landesregierung und Armee in

den zugewiesenen Anlagen und der Bereiche

Elektronische Kriegsführung, Botschaftsfunk

sowie mobile Richtstrahlund

Drahtanschlüsse l WK-Raum: Berner

Oberland.

4 Kp l erstellt, unterhält und betreibt

IMFS-Richtstrahlknoten (Integriertes militärisches

Fernmeldesystem) inklusive

Funkintegration l ermöglicht Anschlüsse

für die Führung von drei Brigaden und

einem Territorialregiment l WK-Raum:

Schweiz (Oberwallis bis Ostschweiz).

4 Kp l erstellt, unterhält und betreibt

IMFS-Richtstrahlknoten (Integriertes militärisches

Fernmeldesystem) inklusive

Funkintegration l leistete im Raum

Graubünden einen subsidiären Sicherungseinsatz

zugunsten des WEF 2004.

4 Kp l erstellt, betreibt und unterhält eine

IMFS-Richtstrahlknoten-Ebene (Integriertes

militärisches Fernmeldesystem)

inklusive Funkintegration l WK-Raum:

Winterthur, Zürich-Oberland.

ARMEE aktuell 1/2004 5


17 Bataillone, 13 000 Wehrmänner und 1300 Offiziere

Die Struktur der FU Br 41

Bataillone der FU Br 41

EKF Bat 46

Oberstlt i Gst Felix Graber

EKF Bat 51

Oberstlt i Gst Pierre von Arx

EKF Bat 52

Oberstlt Dominik Brasser

EKF Bat 53

Oberstlt Andreas Münchbach

2 Kp l betreibt strategische Funkaufklärung

im Auftrag der Führungsunterstützungsbasis

l leistet mittels Kleindetachementen

während des ganzen

Jahres Dienst l unterzieht die im Bat

eingesetzten AdA einem strengen Selektionsverfahren

im fachtechnischen Bereich,

insbesondere in Morsetelegrafie

und Datenbankmanagement.

Drei Kompanien l verfügt über ein taktisches

und ein operatives Aufklärungssystem

l beschäftigt sich mit Massnahmen

gegen elektronische Störungen l WK-

Raum: Genf

3 Kp l erstellt, betreibt, unterhält und

sichert je ein operatives und ein taktisches

elektronisches Aufklärungssystem l

WK-Raum: Innerschweiz.

3 Kp l betreibt Signalaufklärung und

elektronischen Kampf, insbesondere

elektronische Störung l WK-Raum: Oensingen.

6

ARMEE aktuell 1/2004


Editorial

Liebe Armeeangehörige

Mit dieser Zeitschrift halten Sie

die erste Ausgabe des neuen

«Armee Aktuell» in den Händen.

Das Konzept, die Aufmachung,

der Umfang sowie das Layout

sind neu. Geblieben ist der

Name «Armee Aktuell» und

unsere Absicht, alle

Armeeangehörigen mit

Informationen aus erster Hand

zu versorgen.

Der neuen Truppenzeitung

kommt in der Kommunikation

Verteidigung eine bedeutende

Rolle zu. Mit der neuen Struktur

der Armee, mit der Auflösung

der Korps und den kantonalen

Truppen wurden bekannterweise

auch die bisherigen

Truppenzeitungen abgeschafft.

Eine wichtige und traditionsreiche

Form der Informationsvermittlung

in den grossen

Verbänden und ein vielerorts mit

grossem Engagement gelebter

Beitrag zum Korpsgeist wird mit

angepassten Mitteln und

Strukturen neu gelebt und gepflegt

werden.

Das Bedürfnis nach

Informationen über die Armee

bleibt unvermindert hoch. Mit

der Armeereform wurde vieles

geändert. Veränderungen und

Wandel lösen Fragen und die

Suche nach Antworten aus. Das

neue «Armee Aktuell» soll dazu

beitragen, mehr Informationen

zur Armee besser als bisher vermitteln

zu können.

In Zukunft gibt es für alle

Angehörigen der Armee nur noch

eine Form der Truppenzeitung.

Um den unterschiedlichen

Bedürfnissen und Ansprüchen

der grossen Verbände nachzukommen,

ist die Truppenzeitung

ähnlich einer Mantelzeitung aus

der Tagespresse mit einem sogenannten

Mantel und einem Kern

aufgebaut.

Der Teil der Zeitung mit allgemeinen

Inhalten wird zentral in

den entsprechenden

Kommunikationszellen, z.B. bei

Luftwaffe, Heer oder

Logistikbasis, produziert. Der

spezifische Brigadeteil wird hingegen

in den Stäben der entsprechenden

Brigaden hergestellt.

Nicht überall wurde unsere

Absicht, nur noch eine

Truppenzeitung herzustellen,

mit Zustimmung aufgenommen.

Teilweise waren die Stimmen zu

diesen Plänen kritisch. Gerne

hätte man mit den bisherigen

Strukturen und den bisherigen

Zeitungen und Formaten weiterfahren

wollen.

Doch auch im

Publikationsbereich steht die

Armee unter einem konstanten

Kostendruck. Mit dem neuen

Konzept können wir viel Geld

einsparen. Zudem sahen wir uns

in den letzten Jahren teilweise

mit einem Wildwuchs an

Truppenzeitungen konfrontiert.

Identität muss mit einem einheitlichen

Format nicht verloren

gehen. Dank dem Mantelkonzept

erhält jeder grosse Verband seine

eigene Zeitung mit einer eigenen

Eigenart. Es spricht

nichts dagegen, dass unter den

Verbänden ein gesunder

Wettbewerb für die redaktionell

interessanteste Zeitung entstehen

kann. Ausserdem bleibt es

den WK-leistenden Verbänden

natürlich weiterhin erlaubt, auf

freiwilliger Basis z.B. eine

Kompanie-Zeitung herzustellen.

Auch die Aufmachung ist neu.

Mit dem handlichen Format und

dem neuen einheitlichen Layout

ist «Armee Aktuell» benutzerfreundlich.

«Armee aktuell» wird in der

Kommunikation Verteidigung eine

bedeutende Rolle spielen.

Selbstkritisch gestehen wir ein,

dass wir uns in der Information

der Armeeangehörigen in

Zukunft noch verbessern können.

«Armee Aktuell» ist ein erster

Schritt in diese Richtung, ein

weiterer wichtiger Schritt wird

der Ausbau des

Internetauftrittes sein.

Wie alle Bereiche in der

Verteidigung wird auch die

Kommunikation in Zukunft vermehrt

den Veränderungen ausgesetzt

sein. Sie wird sich ändern.

Sie soll noch näher an die

Bedürfnisse der Kunden herangebracht

werden und sie soll sich

im Sinne einer «lernenden

Organisation» ständig verbessern.

Hierzu sind wir auch auf

Hinweise und Anregungen aus

der Leserschaft angewiesen.

Nutzen Sie die Gelegenheit! Eine

entsprechende Adresse sowie eine

Mailadresse finden Sie im

Impressum.

Korpskommandant

Christophe Keckeis

Chef der Armee

ARMEE aktuell 1/2004 7


Führungsstab der Armee (FST A)

Die Einsätze als «Bestseller» der Armee

Bewachungsaufgaben

am Flughafen Genf

im Zusammenhang mit dem

UNO-Weltgipfel über die

Informationsgesellschaft

im Dezember 2003.

Die Einsätze sind Spitzenprodukte der Armee

und sind in den letzten Jahren zu einem

eigentlichen «Bestseller» geworden. Anlässlich

des G8-Gipfels in Evian oder des WEFs in Davos

hat die Armee eindrücklich bewiesen, wozu

sie fähig ist. Der Wandel von der Ausbildungszur

Einsatzarmee ist weit voran geschritten.

Text: Stefan Hofer, C Komm FST A

Fotos: Zentrum für elektronische Medien (ZEM)

Seit Ende der 90er Jahre vergeht

kein Tag mehr, an dem nicht

Schweizer Soldaten zum Schutz

von Botschaften, Konferenzen

oder der Landesgrenze kommandiert

sind. Die Nachfrage der

Kantone nach subsidiären

Sicherungseinsätzen der Armee

ist in den letzten Jahren

kontinuierlich gestiegen. Dabei

suchte nicht etwa die Armee,

neue Aufgaben, sondern es waren

und sind die zivilen

Behörden, die vermehrt auf die

Ressourcen der Armee zurückgreifen.

Diese erfüllt damit den Teil

«Existenzsicherung», der neben

der «Raumsicherung und Verteidigung»

und der «Friedensförderung»

einen wesentlichen

Bestandteil des Gesamtauftrags

an die Armee darstellt.

Erfolg auf der ganzen Linie

«Die Einsätze sind unsere

Visitenkarte, hier wollen wir

glänzen», positioniert der Chef

der Armee (CdA), Korpskommandant

Christophe Keckeis,

diese Einsätze ganz oben auf

seiner Prioritätenliste. Wer

Geld – sprich Steuern – bezahlt,

will dafür eine tadellose

Leistung sehen. Und erhält die

auch: Die bislang von der Armee

ausgeführten Einsätze sind ausnahmslos

zur vollen Zufriedenheit

der zivilen Partner gemeistert

worden. Die Soldatinnen

und Soldaten haben damit einen

grossen Beitrag zur Entlastung

der zivilen Behörden geleistet.

«Die Einsätze

sind unsere

Visitenkarte»

Die jetzt rund ein halbes Jahr

alte neu Schweizer Armee will

der Chef der Armee ganz klar als

Einsatzarmee ausrichten, den

eingeschlagenen Kurs weiter vorantreiben.

Dies widerspiegelt

auch der eben erst revidierte

«Befehl für die

Grundbereitschaft»,

welcher den Kurs der Armee für

die Jahre 2004 bis 2007

vorgibt. Der CdA fordert darin

explizit, dass dem Prinzip

«Einsatz vor Ausbildung» nachgelebt

wird. Damit kommt er

den Bedürfnissen der Politik

und der Entwicklung der vergangenen

Jahre entgegen, der steigenden

Nachfrage der zivilen

Behörden nach

Sicherheitsleistungen

sowie weiteren Einsätzen.

Neben armeeinternen Aufträgen

leisteten die Super Puma der

Schweizer Armee am G8-Gipfel

von Evian auch Einsätze

zu Gunsten der Polizei und

im Bereich VIP-Transporte.

8

ARMEE aktuell 1/2004


Einsatz für die Sicherheit des G8-

Gipfels von Evian zu Luft, zu

Boden und auch zu Wasser:

Patrouillenboote der Schweizer

Armee auf dem Genfer See. Die

Besatzungen bestanden aus

Angehörigen der Armee und

Polizisten.

??

Im Rahmen von subsidiären

Sicherungseinsätzen hat die

Armee seit Ende der 90er Jahre

mehr als eine Million Diensttage

geleistet. Und hat dabei ihre

Arbeit vom Einsatz anlässlich

des UNO-Weltsozialgipfels in

Genf (2000) bis zum Schutz der

Zypernkonferenz auf dem

Bürgenstock im März 2004 ausgezeichnet

erledigt, gab es

doch in dieser ganzen Zeit

keinen einzigen gravierenden

Zwischenfall. Nicht vorauszuplanen

sind naturgemäss

Einsätze im Bereich der Katastrophenhilfe.

Hierfür hält die

Armee das ganze Jahr über und

rund um die Uhr Truppen in

Die Einsätze in Diensttagen

einer erhöhten Bereitschaft.

Diese müssen quasi aus dem

Stand heraus Einsätze mit einer

sehr hohen Intensität erbringen.

Die Leistungen im Bereich der

Unterstützungseinsätze werden

in den nächsten Jahren vermutlich

sinken – die verkleinerte

Armee verfügt nicht über die

Mittel, der grossen Zahl von

Anträgen um Unterstützung bei

der Durchführung von Anlässen

etwa in den Bereichen Sport und

Kultur zu entsprechen.

Und im Bereich der Friedensförderung

wird der Beitrag der

Armee vorläufig in etwa stabil

bleiben. Geplant ist jedoch eine

deutliche Aufstockung der

2001 2002 2003

Subsidiäre Sicherungseinsätze 56’081 151’873 375’007

(z.B. WEF, G8, Botschaftsschutz)

Katastrophenhilfe 1’077 8’112 3’024

(z.B. Unwetter GR, Waldbrand Leuk)

Unterstützungseinsätze (VEMZ*) 33’475 69’991 39’182

(z.B. EXPO.02, Lothar)

Friedensförderung 71’075 74’366 88’469

(z.B. SWISSCOY, Militärbeobachter)

Total 161’708 304’042 505’682

*VEMZ, Verordnung über den Einsatz militärischer Mittel für

zivile und ausserdienstliche Tätigkeiten.

Kapazitäten: Ab dem Jahr 2008

sollen ungefähr doppelt so viele

Kräfte zur internationalen

Friedensunterstützung und

Krisenbewältigung eingesetzt

werden können wie heute.

Wegweisender

USIS-Entscheid

Der subsidiäre Sicherungseinsatz

ist keine Erfindung der neuen

Schweizer Armee, noch nicht

einmal der Armee 95. Bereits

die Armee 61 wurde gelegentlich

zum Schutz internationaler

Konferenzen (z.B. 1985 anlässlich

des Treffens des damaligen

US-Präsidenten Reagan mit dem

sowjetischen Staats- und

Parteichef Gorbatschow in Genf)

beigezogen. Damals leisteten die

Soldaten noch Aktivdienst,

heute wird diese Art von subsidiären

Einsätzen als Assistenzdienst

geleistet.

Dass die Kantone die Unterstützung

der Armee in den letzten

Jahren vermehrt anfordern, liegt

nicht zuletzt an den Entscheiden

des Bundesrats im Zusammenhang

mit der «Überprüfung des

Systems der inneren Sicherheit

der Schweiz» (USIS). Abgeschlossen

wurde das Projekt am

24. März dieses Jahres mit dem

Resultat, dass die Armee verstärkt

als Sicherheitsproduzentin

in das zivile Sicherheitssystem

einbezogen wird. Ein weiterer

Grund für diese steigende

Nachfrage liegt aber bestimmt

auch am ausgewiesenen Erfolg,

den solche Armeeeinsätze in der

Vergangenheit hatten.

Die Armee als lernende

Organisation lernt bei jedem

Einsatz etwas dazu. Sei es in

den Führungsabläufen, sei es

im Bereich des Materials, der

Zusammenarbeit der verschiede-

ARMEE aktuell 1/2004 9


Die Be- und Überwachung

von Infrastruktur gehörte am

World Economic Forum 2004

in Davos zu den wichtigsten

Aufgaben der Schweizer Armee.

nen Truppengattungen, der

Zusammenarbeit mit den zivilen

Behörden und im Fall des

G8-Gipfels von Evian im Sommer

2003 sogar in der grenzüberschreitenden

Zusammenarbeit

mit Frankreich. Die Armee

erbringt also nicht nur eine erfolgreiche

und gefragte Leistung

zu Gunsten Dritter, sie profitiert

auch – eine klassische winwin-Situation.

Und in Zukunft?

Die Zahl der zu leistenden

Einsätze wird in nächster

Zukunft kaum geringer werden.

Es kann mit an Sicherheit grenzender

Wahrscheinlichkeit davon

ausgegangen werden, dass die

zivilen Behörden die Armee zum

Beispiel zur Gewährleistung der

Sicherheit anlässlich der

Fussball-Europameisterschaft

2008 oder der Eishockey-

Weltmeisterschaft 2009 beiziehen

werden. Und ein Einsatz

zu Gunsten der Sicherheit am

nächsten World Economic Forum

in Davos steht – einen entsprechenden

Antrag der zivilen

Behörden vorausgesetzt –

bereits vor der Tür.

Dies bedeutet in der neuen,

deutlich verkleinerten Schweizer

Armee eine höhere Belastung

der einzelnen Verbände. So geht

die Armee davon aus, dass rund

40% der 142 aktiven Bataillone

ihren jährlichen Wiederholungskurs

in einem Echteinsatz

leisten werden. Damit dabei die

Verbandsausbildung oder die

Einführung von neuem Material

bei der Truppe nicht zu kurz

kommen, wurde durch die

Armeeführung ein spezielles

Dienstleistungsmodell

entwickelt. Dieses strebt eine

ausgewogene Balance zwischen

Einsatz und Ausbildung an.

Eine Entlastung des Systems

werden mittelfristig die Durchdiener

bringen, die nach ihrer

Grundausbildung primär für Einsätze

in Bereitschaft gehalten

werden. Noch ist allerdings der

Aufbau der Durchdienerformationen

erst im Aufbau begriffen.

Eine wichtige Rolle im Bereich

der subsidiären Sicherungseinsätze

spielen auch die

Angehörigen der Militärischen

Sicherheit, dem ehemaligen

Festungswachtkorps. Diese Profis

stellen wegen ihrer kurzen

Abrufzeit das Mittel der ersten

Stunde für kurzfristige Einsätze

dar.

Auf lange Frist aber vermag

dieses System nicht alle

Bedürfnisse zu befriedigen.

Deshalb wird vom Planungsstab

der Armee zu Handen der

politischen Instanzen untersucht,

ob in einem weiteren

Schritt nicht spezielle Teile der

Armee explizit die Kompetenz

für die Verteidigung aufrecht

erhalten sollen, andere Teile

hingegen vermehrt auf die

Aufgaben in Sicherungseinsätzen

hin trainiert werden sollen.

Die Überlegungen, die in diese

Richtung gehen, gründen unter

anderem auch auf den knappen

Finanzmitteln, die der Armee

heute zur Verfügung stehen.

Mit diesem System könnten die

Kosten deutlich gesenkt werden.

Dass damit nicht wie da und

dort befürchtet eine Zweiklassenarmee

aufgebaut wird,

beweist alleine schon die hohe

Wertschätzung, welche die

subsidiären Sicherungseinsätze

bereits heute bei den zivilen

Behörden geniessen.

Voller Einsatz bei jedem

Wetter: Vorbereitungsarbeiten

anlässlich des subsidiären

Sicherungseinsatzes der Armee

am World Economic Forum

WEF 2004 in Davos.

10

ARMEE aktuell 1/2004


TSK Luftwaffe

WEF 2004 –

die ganz spezielle Herausforderung

Kommandostruktur

WEF 04

Der Führungsstab der Armee

befiehlt die Luftwaffe

Vom 19. bis 25. Januar 2004 fand in Davos

das World Economic Forum (WEF) statt – ein

internationaler Topanlass mit Grössen aus

Politik, Wirtschaft und Medien. Die Luftwaffe

war nach 2003 zum zweiten Mal mit der

Sicherung des Luftraums über Davos beauftragt.

Sie stellte zudem – wie in den Jahren

zuvor – Lufttransportkapazitäten bereit.

Divisionär Markus Gygax, Chef Einsatz Stab

Luftwaffe, leitete die Air Task Force WEF 04.

Text: Jürg Nussbaum

Fotos: Luftwaffe

Markus Gygax, das

WEF 04 begann nur 15 Tage

nach dem Start der Armee

XXI und erforderte bereits

Höchstleistungen. Was war

für Sie dabei die eigentliche

Herausforderung?

Div Markus Gygax: Die eigentliche

Vorbereitung auf diesen Grossanlass

begann schon im Vorjahr,

noch in den alten Strukturen,

wobei die Befehle bereits Armee

XXI-konform bei uns eintrafen.

Der Chef der Armee machte die

Vorgaben an den Führungsstab,

Diese bildet

eine Air Task Force (ATF)

Air Task Force und Land Task Force

sprechen sich gegenseitig ab

dieser wiederum erliess die

Befehle an die Teilstreitkräfte

Heer und Luftwaffe, welche

ihrerseits die Land- bzw in

unserem Fall die Air Task Force

bildeten.

Die Luftwaffe übt das ganze

Jahr über Missionen wie

Luftraumüberwachung.

Was ist speziell an einem

Anlass wie das WEF?

Die Einsätze der fliegenden

Mittel sind tatsächlich oft

Routine. «Matchentscheidend»

für solche Grossaktionen sind

die Supportprozesse im Hintergrund.

Von enormer Bedeutung

sind die Tätigkeiten, welche vor

Ort erbracht werden müssen. Wir

benötigten hunderte von Kilometern

zuverlässige Datenleitungen

allein für die Führungsunterstützung

als zentrales

Element. Ein systematisches

Flugerlaubniskonzept legte fest,

wer überhaupt in den gesperrten

Luftraum über Davos einfliegen

durfte. Ohne das Schlüsselelement

Logistik hätten Verpflegung,

Unterkunft und Transporte

nicht funktioniert und

eine vernünftige Arbeit wäre unmöglich

gewesen. Und, last but

not least, mussten durch die

Betriebe der Luftwaffe genügend

Fluggeräte – mehr als in einer

«normalen» Kalenderwoche – in

tadellosem Zustand für unsere

Einsatzpiloten bereit gestellt

werden. Diese Aufzählung liesse

sich erweitern. Dass die ALPA

ECO genannte Aktion so erfolgreich

verlief, ist der Verdienst aller

in irgend einer Form

Involvierten.

Welches sind Ihre

wesentlichen Erkenntnisse

aus dem WEF 04, die

künftig für ähnliche

Aufgaben angewendet

werden können?

Das Prinzip der Teilstreitkräfte

hat sich bewährt. Der Bereich

«Unterstützung» mit der grossen

Helikopterflotte, die zugunsten

der Truppe, der Behörden und

Gäste (VIP Transport), aber vor

allem der Polizei intensiv geflogen

ist, ist ein nicht mehr wegzudenkender

Einsatzfaktor geworden.

Wir haben aber auf der

Jet-Seite feststellen müssen,

dass sich der Echteinsatz noch

zu stark vom Alltagsgeschäft

unterscheidet. «Train as you

fight» heisst für die Zukunft

unsere Maxime. Der Data Link,

der elektronische Austausch

zwischen Bodenstation und

Einsatzflugzeugen, ist zwingend

nötig, um die vorhandene

Kampfkraft effizient zu nutzen.

Die entsprechenden Rüstungsvorhaben

sind eingestellt. Auch

Luft-Luft-Betankungen, Nachtsichtgeräte

und Transponder-

Abfragegeräte sind mehr als

technische Spielereien.

Es sind schlicht

notwendige Grundlagen,

um eine hohe

militärische Wirkung

unter maximaler betriebswirtschaftlicher

Effizienz zu erzielen,

also um möglichst

viele erfolgreiche

Interzeptionen mit

minimaler Anzahl

Starts und Landungen

durchführen zu können. Weiter

stellte ich fest, dass trotz minimalem

Kräfteansatz im Bereiche

Luftverteidigung (mit zwei ständigen

Einsatzflugzeugen

während einer Woche) in

Teilbereichen wie beispielsweise

dem spezialisierten Bodenpersonal

unsere Mittel ausgeschöpft

waren. Auch die Hornet-Flotte

war zu über 50 Prozent im

Einsatz. Das allein zeigt deutlich

auf, dass diese mittelfristig mit

einer weiteren Serie Kampfflugzeuge

zu ergänzen sein wird.

Divisionär

Markus Gygax,

Chef Einsatz

Stab Luftwaffe

Ihre Schlussbilanz?

Das WEF 04 war dank hervorragender

Vorbereitung und der hohen

Leistungsbereitschaft aller

eingesetzten Armeeangehörigen

ein Erfolg. Die zielgerichtete

Ausbildung auf allen Stufen hat

diese erfolgreichen Einsätze

überhaupt erst ermöglicht. Und

diese Einsätze sind die beste

Legitimation unserer neuen

Armee.

ARMEE aktuell 1/2004 11


Führungsstab der Armee: J1 - Personelles der Armee

Vom Dienstverschiebungsgesuch

bis zur Armeeüberführung

Armeebestand 2003 bis 2005

Januar 2003

500’000

Januar 2004

380’000

Januar 2005

290’000

Juli 2005

245’000*

Entlassungen

(ausserordentlich)

2003:

-120’000

Entlassungen

(ausserordentlich)

2004:

-90’000

Entlassungen

(ausserordentlich)

2005:

-45’000

* Der Armeebestand wird sich in den folgenden Jahren dem im Militärgesetz vorgegebenen Höchstbestand von 220‘000 annähern.

Die Organisationseinheit «Personelles der

Armee» ist eine der zentralen Schaltstellen im

Hauptquartier der Armee. Hier werden im PISA

(Personal-Informations-System) die Daten

von hunderttausenden von Angehörigen der

Armee bewirtschaftet, hier laufen aber auch

die Fäden für die Überführung der Armee 95

in die neue Schweizer Armee zusammen.

Text: Stefan Hofer, C Komm FST A

Bild: Daniel Laroche

Auf dem Werdegang von der

Rekrutierung bis zur Entlassung

aus der Wehrpflicht entstehen

für jeden Angehörigen der

Armee (AdA) eine Unmenge von

Daten, die zentral im Personal-

Informations-System der Armee

(PISA2000) erfasst, bewirtschaftet

und verwaltet werden. Diese

sind nicht nur für jeden

Einzelnen, sondern auch für das

Gesamtsystem Armee von grösster

Bedeutung: Auf der Basis

dieser PISA-Daten werden in der

Organisationseinheit «Personelles

der Armee» des Führungsstabs

der Armee die Formationen

der Armee mit Leben, sprich mit

Offizieren, Unteroffizieren und

Soldaten gefüllt.

Eingeführt wurde das PISA2000

im Juni 2003, also parallel zu

den Überführungsarbeiten der

Armee 95 in die Armee XXI. «Die

Überführung in die neue Armee

wäre mit dem alten PISA nicht

machbar gewesen», begründet

Divisionär Waldemar Eymann,

Chef Personelles der Armee, den

Wechsel zu diesem heiklen

Zeitpunkt. «Das alte PISA war

ein reines Kontrollführungssystem,

PISA2000 hingegen ist

ein vielseitiges Bewirtschaftungsinstrument.»

Damit können

die vielfältigen Personalplanungs-

und -einsatzaufgaben

der Armee zukunftsorientiert

gelöst werden.

«Das PISA2000

ist ein vielseitiges

Bewirtschaftungsinstrument.»

Mehr als eine Milliarde

Daten mutiert

Damit liefen zwei Grossprojekte

parallel, von denen das Eine auf

den Erfolg des Anderen angewiesen

war. «Durch gezielte Massnahmen

konnten die anfänglichen

Probleme der Datenqualität,

die Applikationsfehler

und vor allem die fehlenden

Auswertungen für die Truppe

wesentlich verbessert werden»,

erläutert Divisionär Eymann.

Seit der Einführung von

PISA2000 wurden mehr als eine

Milliarde Daten erfolgreich

mutiert.

Die erste Bewährungsprobe hat

PISA2000 bereits bestanden:

die Überführung der Armee 95

in die neue Schweizer Armee am

01.01.2004. Dass zu diesem

Zeitpunkt noch nicht alle

Angehörigen der Armee wussten,

wo sie in der neuen Armee

eingeteilt sind, findet auch

Divisionär Eymann unschön:

«Unsere Kapazitäten reichten

in der kurzen Zeit dafür einfach

nicht aus, wir mussten

Prioritäten setzen». So wurden

als Erste jene Armeeangehörigen

informiert, die in einen Einsatz

mussten (Botschaftsbewachung,

World Economic Forum WEF in

Davos). Der Chef Personelles

der Armee bedauert, dass die

Marschbefehle für die hier

eingesetzten Soldaten und auch

für die Fortbildungsdienste der

12

ARMEE aktuell 1/2004


Die von PISA erstellten Listen

sind am Einrückungstag das A

und das O eines geordneten

Dienstbetriebs.

Truppe (FDT) im ersten Halbjahr

2004 teilweise recht knapp bei

den Betroffenen eintrafen.

«Doch auch dieses Problem

haben wir mittlerweile im Griff»,

blickt Divisionär Eymann optimistisch

nach vorn. Aufgrund der

zu spät verschickten Marschbefehlskarten

hat er ein rigoroses

Crontrollingsystem eingeführt,

das säumige Mitarbeiter

und Kompaniekommandanten

bei Nichteinhaltung von

Terminen mahnt. Die monatlichen

Kontrollen März bis Juni

zeigen bereits grosse

Fortschritte auf.

Umbau der Armee noch

nicht abgeschlossen

Der Umbau von der Armee 95 in

die neue Schweizer Armee ist

trotz grosser Fortschritte noch

längst nicht abgeschlossen.

Schliesslich gilt es auch den

aktuellen Bestand um mehrere

hunderttausend Soldaten abzubauen.

Das vom Schweizer Volk

am 18. Mai 2003 genehmigte

Militärgesetz gibt einen Bestand

von 220’000 AdA vor, den

Divisionär Eymann als Projektleiter

der Überführung in den

nächsten Jahren erreichen muss.

Die Arbeiten dazu haben bereits

2003 begonnen (siehe

Abbildung).

Hotline für Fragen

aller Art

Das «Personelle der Armee» ist

aber auch Anlaufstelle für

Fragen jeglicher Art seitens der

Armeeangehörigen. «Täglich

bearbeiten wir einige Dutzend

E-Mails und Telefonanrufe zu

unterschiedlichsten Themen»,

sagt Divisionär Eymann.

Deshalb hat er eine Hotline

(Telefon: 031 324 24 24,

personelles@gst.admin.ch)

zur direkten und unkomplizierten

Beantwortung solcher Anliegen

eingerichtet.

Sehr häufig werden dabei Fragen

zu Dienstverschiebungsgesuchen

gestellt. Dieser Prozess hat mit

der Armeereform einige Änderungen

erfahren und läuft heute

wie folgt ab:

Alle Dienstverschiebungsgesuche

von Rekruten bis und mit

Subalternoffizieren sind direkt

an die Militärbehörde des

Wohnortkantons zu senden.

Subalternoffiziere und höhere

Unteroffiziere, die in Stäben,

oder Subalternoffiziere, die auf

einer Hauptmann-Funktion eingeteilt

sind, sowie Stabsoffiziere

richten ihr Gesuch auf dem

Dienstweg an:

Führungsstab der Armee,

Personelles der Armee (J1)

Offizierswesen

3003 Bern

Die Dienstverschiebungsgesuche

sind ohne Dienstbüchlein und

mindestens zwei Monate vor

Dienstbeginn einzureichen.

Allfällige Wiedererwägungsgesuche

sind an die Militärbehörde

des Wohnortkantons zu

richten, ungeachtet dessen,

welche Stelle ein Dienstverschiebungsgesuch

abgelehnt

hat.

Nicht alles hat sich mit der

neuen Schweizer Armee

geändert. So müssen wie bis

anhin Gesuche für eine

Dienstverschiebung begründet

sein und die Unterschrift des

Militärdienstpflichtigen tragen.

Beweismittel sind beizulegen.

Studenten an Fachhochschulen

und Hochschulen lassen das

Dienstverschiebungsgesuch von

der Verbindungsstelle

Hochschule/höhere Lehranstalt

und Armee bestätigen. Auch

die Pflicht zum Einrücken bleibt

bestehen solange die

Dienstverschiebung nicht

schriftlich bewilligt worden

ist.

Weitere Informationen zu den

angesprochenen Themen

(z.B. eine Formular-Vorlage für

Dienstverschiebungsgesuche)

finden Sie im Internet unter:

http://www.vbs-ddps.ch/

internet/groupgst/de/home/

armee/angeh.html

ARMEE aktuell 1/2004 13


Führungsstab der Armee (FST A)

Die SWISSCOY findet nach den Unruhen

im Kosovo zur Normalität zurück

Ein SWISSCOY-Soldat auf

Patrouille in Orahovac.

Drei Wochen bevor das 10. SWISSCOY-

Kontingent in den Kosovo abreiste, kam es

dort zu den schwersten Unruhen seit 1999.

Der Motivation der Soldatinnen und Soldaten

tat dies keinen Abbruch.

Text und Fotos: Christof Widmer, Presseoffizier SWISSCOY

Soldat Daniele Arielli. Er sei aber

gut auf den Einsatz vorbereitet

worden, weshalb er mit der

Situation habe umgehen können.

Die Nachrichten über die schweren

Unruhen vom 17. und 18. März

hatten das 10. SWISSCOY-

Kontingent noch in der letzten

Phase des Ausbildungskurses in

Stans erreicht. Was im Kosovo

geschah, liess die angehenden

SWISSCOYler nicht kalt. «Ich

habe mir damals durchaus

Gedanken gemacht», blickt

Martin Bloch, nun als Fahrer im

Transportzug im Einsatz, zurück.

«Aber ich war von Anfang an

vom Sinn des Einsatzes überzeugt»,

ergänzt er. Andere

schöpften gerade aus diesen

Ereignissen noch mehr

Motivation. «Jetzt erst recht»,

habe er sich gesagt, berichtet

Pascal Pont. «Die neuen

Unruhen haben gezeigt, wie

wichtig die internationale

Friedenstruppe für den Kosovo

ist», so der Infanterie-Korporal.

Dass die Unruhen kaum zu

Verunsicherung im neuen

Kontingent geführt hatten, ist

nicht zuletzt darauf zurückzuführen,

dass ausführlich über

die Ereignisse informiert wurde.

«Ich wollte, dass sich meine

Sdt Daniele Arielli

Schon am Tag ihrer Ankunft im

Kosovo am 7. April bekamen die

Angehörigen des 10. SWISSCOY-

Kontingents die Nachwirkungen

der Unruhen vom März zu spüren –

in Form vorübergehend verschärfter

Sicherheitsmassnahmen.

In Schutzweste und mit aufgesetztem

Helm wurden die frisch

eingetroffenen Soldaten vom

Flughafen Pristina ins Camp

Casablanca gefahren. «Da bin

ich mir richtig bewusst geworden,

dass wir in einem Krisengebiet

sind», erinnert sich

Sdt Fhr Martin Bloch

14

ARMEE aktuell 1/2004


Der Alltag ist zurück.

Ein SWISSCOY-Pionier bereitet

die Sprengung einer baufälligen

Brücke vor.

Aus dem Kosovo

Leute ein eigenes Bild machen

können», erklärt Kontingentskommandant

Oberstleutnant

i Gst Fredy Keller rückblickend.

Mittlerweile stehen die Soldaten

des 10. Kontingents voll im

Einsatz und die täglichen

Arbeiten sind in den Vordergrund

getreten. «Als ich hier

angekommen bin, war die Lage

wieder beruhigt. Zudem war ich

damals mit ganz anderen Sachen

beschäftigt», blickt Übermittler

Arielli auf die intensive

Einarbeitungszeit zurück. Soldat

Bloch hat als Fahrer inzwischen

einiges vom Einsatzgebiet gesehen:

«Die Einheimischen verhalten

sich den Soldaten gegenüber

freundlich. Was auffällt, sind die

Kinder, die uns zuwinken.»

Auch Korporal Pont empfindet

die bisherigen Erfahrungen als

beruhigend: «Selbst wenn wir an

Checkpoints die Einheimischen

kontrollieren, ist die Stimmung

freundlich.» Die SWISSCOY-

Soldaten sind sich aber darüber

im Klaren, dass sich der Kosovo

nur oberflächlich beruhigt hat.

Das zeigte sich erneut Ende

April, als der Sicherheitsstatus

nach der Verhaftung eines ehemaligen

UCK-Führers für einige

Tage wieder verschärft werden

musste. «Ich bin mir bewusst,

dass die Sicherheitslage nicht

stabil ist. Ausserhalb des Camps

bin ich deshalb automatisch

vorsichtig», erklärt Daniele

Arielli. Der Übermittler hofft

aber, dass es friedlich bleibt –

nicht nur für ihn, auch für den

Kosovo.

Die SWISSCOY

SWISSCOY ist eine logistische

Unterstützungskompanie zu

Gunsten der Partnernationen

Österreich und Deutschland.

Der zusätzliche mechanisierte

Infanteriezug, ausgerüstet mit

fünf Radschützenpanzern vom

Typ Piranha, versieht Sicherungsaufgaben

wie Campwache,

Patrouillen, Kontrollposten und

Konvoischutz. Weiter stellt

SWISSCOY der Multinationalen

Brigade Südwest der Kosovo

Force (KFOR) einen Helikopter

vom Typ Super Puma der

Schweizer Luftwaffe für Transporte

zur Verfügung. Anforderungsprofil

für SWISSCOY-

Kandidaten und –kandidatinnen:

Rekrutenschule, abgeschlossene

Berufsausbildung, teamfähig,

Ziel orientiert auch unter

Druck, erfolgreich absolvierter

Ausbildungskurs, je nach Funktion

gute Englischkenntnisse,

nicht älter als 45 Jahre.

Weitere Informationen zu

einer allfälligen Rekrutierung

erhalten Sie von

recruit.swisspso@gst.admin.ch

(vollständige Postadresse

angeben!)

Mehr zur SWISSCOY im Einsatz

finden Sie unter:

http://www.vbs-ddps.ch/

internet/groupgst/de/home/

peace/peace/laufende/

swisscoy.html

ARMEE aktuell 1/2004 15


TSK Heer / Höhere Kaderausbildung (HKA)

Weitermachen? Ja klar!

Noch nie war die Bereitschaft zum

Weitermachen in der Armee so gross. Immer

mehr junge Leute sehen in einer militärischen

Karriere auch einen Nutzen für ihr Berufsleben.

Was bedeutet Weitermachen in der neuen

Schweizer Armee? Wie hat sich die Ausbildung

verändert? Und was muss man mitbringen, um

weiterzukommen? Ein Augenschein:

Text und Foto: Kirsten Hammerich, Journalistin Komm TSK HE

Beginnen tut alles mit der Rekrutenschule.

Aber wo noch vor

einem Jahr erst kurz vor Schluss

der RS feststand, wer den Vorschlag

bekommen und weitermachen

würde, wird heute das erste

Indiz dafür bereits bei der Rekrutierung

– früher die Aushebung

– erhoben. Ausgehoben

wurde man in einem Tag, für die

neue Rekrutierung werden heute

aber drei Tage aufgewendet. Und

in diesen drei Tagen lässt sich

unter anderem auch feststellen,

wer das Potenzial zum Kader

mitbringt und wer nicht.

Entscheidung fällt in den

ersten sieben Wochen RS

Die so genannte Kaderselektion

findet heute schon während der

ersten sieben Wochen statt: Wer

sich qualifiziert und Führungsqualitäten

zeigt, wechselt nach

Erstmals drücken alle zukünftigen

Offiziere im zentralen Offizierslehrgang

von 4 Wochen die

Schulbank.

der siebten Woche RS in eine der

vielen weiterführenden Ausbildungen.

Und hier zeigt sich ein

weiterer Unterschied zu früheren

Strukturen: Nicht nur die Laufbahn

zum Unteroffizier steht zu

diesem Zeitpunkt zur Auswahl,

sondern auch jene zum Offizier!

Zahlreiche Möglichkeiten

stehen offen

Nehmen wir ein Beispiel: Franz

Meier hat sowohl anlässlich seiner

Rekrutierung als auch

während der ersten RS-Wochen

gezeigt, dass er Führungsqualitäten

besitzt – und er hat

klar signalisiert, dass er bereit

wäre, weiterzumachen. Nun hat

er den Vorschlag zum Unteroffizier

– genauer zum Gruppenführer

– in der Tasche. Ab der

achten RS-Woche besucht er vorerst

die zehnwöchige Anwärterschule,

bevors dann in die

Unteroffiziersschule geht (4

Wochen). Nach zwei Wochen

Urlaub und --- wechselt der inzwischen

zum Obergefreiten beförderte

Franz Meier in eine

Rekrutenschule, wo er während

der sechswöchigen Funktionsausbildung

und der achtwöchigen

Verbandsausbildung seinen

angestrebten Rang, jenen des

Wachtmeisters, abverdient.

Franz Meier kann so seine RS

und die Ausbildung zum

Gruppenführer an einem Stück

leisten. Dadurch muss er nicht

mehr zwei ganze Jahre blockieren,

sondern ist für gut neun

Monate (37 Wochen) im Militär.

Franz Meiers RS-Kollege Konrad

Müller hat den Vorschlag für die

Offizierslaufbahn bekommen und

wird am Ende Zugführer sein. Er

investiert gesamthaft (inkl RS)

53 Wochen in diese Ausbildung

und kann sie – gleich wie sein

Kollege – am Stück absolvieren.

Mit dabei sind zehn Wochen

Anwärterschule, fünf Wochen

Offiziersanwärterschule, der zentrale

Offizierslehrgang, die

Offiziersschule und das Abverdienen

(heute der praktische

Dienst) in der Verbandsausbildung

einer RS. Hat er diese

Herausforderung gemeistert,

wird er zum Leutnant befördert.

Meier und Müller – und das ist

eine weitere Neuerung und eine

massive Verbesserung der Ausbildung

in der neuen Schweizer

Armee – absolvieren die Anwärterschule

gemeinsam. Dieser

Umstand erlaubt es, während

dieser ersten zehn Wochen noch

einen Laufbahnwechsel vorzunehmen,

falls sich die ursprüngliche

Entscheidung als falsch erwiesen

haben sollte. Meier kann

also mit guten Leistungen immer

noch die Offizierslaufbahn

einschlagen, während es Müller

ebenso gut zu den Unteroffizieren

verschlagen kann.

Der Zentrale

Offizierslehrgang

Der zentrale Offizierslehrgang ist

eine weitere einschneidende

Neuerung in der Ausbildung:

Sämtliche Aspiranten des

Heeres, der Luftwaffe und der

Logistikbrigade – die einzige

Ausnahme bilden die Ärzte – besuchen

gemeinsam einen

Lehrgang. Das hat zur Folge,

dass es keine Unterschiede mehr

gibt – weder beim vermittelten

Stoff, noch bei der Art und

Weise, wie er vermittelt wird.

Der Lehrgang fällt innerhalb der

Offiziersausbildung etwas «aus

dem Rahmen»: Während die vorangehende

Anwärterschule und

die nachfolgende Offiziersschule

16

ARMEE aktuell 1/2004


sowie der Praktische Dienst unter

der Ägide der Lehrverbände

steht, hat beim Zentralen

Offizierslehrgang in Bern die

Höhere Kaderausbildung (HKA)

das Kommando inne.

Breitgefächerte und praxisbezogene

Ausbildung

In diesen kurzen vier Wochen

des Zentralen Offizierslehrgangs

müssen die Anwärter einiges leisten.

Die Ziele sind hochgesteckt

und beinhalten in der ersten

Woche Führung und

Befehlstechnik, Schweizerische

Politik, Bedrohungen und

Gefahren sowie Grundwissen

über die Teilstreitkraft (TSK)

Heer. In der zweiten Woche beschäftigen

sich die Teilnehmenden

(darunter sind übrigens immer

mehr Frauen) hauptsächlich

mit der Kommunikation. Die

diesbezüglichen Kenntnisse können

anschliessend auf Wunsch

zertifiziert werden. Daneben

werden in der gleichen Woche

die Grundkenntnisse zur TSK

Luftwaffe (LW) erarbeitet.

In der dritten Woche geht’s dann

hauptsächlich praktisch zu:

Taktischer Unterricht, Einsatzaufgaben

und eine Führungsübung

bestimmen den Ablauf. In

der vierten und letzten Woche

schliesslich wird dann Menschenführung,

Militärgeschichte,

internationale Kooperation und

noch einmal Schweizerische

Politik vermittelt. All diese

Themen werden in 18 Klassen

pro Lehrgang mit je etwa 20

Teilnehmern und Teilnehmerinnen

erarbeitet. Auf diese Weise

können pro Jahr rund 1100

Personen ausgebildet werden,

was dem Idealfall entspricht;

Derzeit befindet sich der Zentrale

Offizierslehrgang – wie alles

andere in der Armee auch –

noch in einer Art Übergangsphase.

Das bedeutet, dass bis ins

nächste Jahr mit Überbeständen

gerechnet werden muss. Im

zweiten Lehrgang wurden beispielsweise

540 Anwärter in 27

Klassen ausgebildet. Die Qualität

der Ausbildung aber konnte dank

zusätzlichen Ausbildnern auf

dem angestrebten hohen Niveau

durchgeführt werden.

Lehrgang für höhere Unteroffiziere

(Höh Uof LG) in Sion

Die Lehrgänge für Feldweibel

und Fouriere dauern je 14 Wochen

und beginnen, gleich wie

die übrigen Ausbildungen, mit

der achten RS-Woche. Nach

dem Lehrgang in Sion absolvieren

die Anwärter ihren praktischen

Dienst in einer Rekrutenschule,

wo sie das Gelernte anwenden

können.

Der heutige Lehrgang für höhere

Unteroffiziere ist der erste,

der in dieser Form einen ganzen

Waffenplatz belegt. Er entstand

aus der «Fusion» zwischen

den Feldweibelschulen,

welche nach 52 Jahren ihre

Unabhängigkeit aufgaben und

den Fourierschulen, die ihrerseits

auf 128 Jahre Autonomie

zurückblicken konnten.

Dreimal im Jahr werden folgende

Funktionen ausgebildet:

Bereich Feldweibel:

– Hauptfeldweibel (14 Wochen)

– Logistikzugführer (fünf Wo)

– Stabsadjutant ( drei Wochen)

Bereich Fourier:

– Fourier (14 Wochen)

– Quartiermeister (fünf Wochen)

– Truppenbuchhalter (zwei Wo)

Rekrutenschulen in der neuen Armee

Angefangen bei der Dauer über

die Anzahl Starts pro Jahr bis

hin zur Dreiteilung der Schulen

hat die militärische Grundausbildung

mit der grossen Reform

Armee XXI massive Änderungen

erfahren.

1. Statt bisher zwei Starts

(Frühling und Sommer) gibt es

neu drei Rekrutenschulbeginne –

Frühling und Sommer bleiben,

neu kommt ein Start im Spätherbst

dazu. Diese Schulen dauern

bis in den Frühling des folgenden

Jahres.

2. Statt bisher 15 dauern die

neuen Rekrutenschulen 18 bzw.

21 Wochen. 18 Wochen dauert

die RS bei einzelnen Funktionen

in den Genie- und den Logistiktruppen.

Zudem leisten alle

Angehörigen der Rettungs-, der

Sanitäts-, der ABC- und der Ausbildungs-

und Supporttruppen.

3. Die Ausbildung in der RS teilt

sich in drei Teile. In den ersten

7 Wochen absolviert der Rekrut

die Allgemeine Grundausbildung

(AGA). In diesem Modul erlernt

er das militärische Grundhandwerk.

Nach dieser Zeit verlassen

Rekruten mit Kadervorschlag die

RS und wechseln in die Kaderschulen.

Das 2. Modul von 6

Wochen ist der Funktionsgrundausbildung

(FGA) gewidmet. In

dieser Phase erlernt der Rekrut

das für seine Waffengattung spezifische

Handwerk. In der 3.

Phase – der Verbandsausbildung

(VBA 1) – werden Verbände bis

auf Stufe Abteilung/Bataillon

gebildet.

4. Die ersten 2 Module werden

hauptsächlich von Berufsoffizieren,

Berufsunteroffizieren

und Zeitmilitärs geführt. In der

3. Phase stossen auch die Milizkader

dazu, um eine gemeinsame

Ausbildung zu durchlaufen.

Es besteht die Möglichkeit, die

RS zu fraktionieren, aufzuteilen.

Die Verlängerung der RS

führt dazu, dass Studierende,

die nicht für eine

Weiterausbildung vorgesehen

sind und unmittelbar nach der

Matura oder der Lehrabschlussprüfung

ihr Studium beginnen

wollen, keine RS am Stück absolvieren

können (Gros der

Maturitätsabschlüsse in der

Kalenderwoche 26, Studienbeginn

an den Hochschulen in

der Kalenderwoche 43). Aus

diesem Grund können Rekruten

und Kader ihre militärische

Grundausbildung einmal, angehende

Unteroffiziere zweimal

und zukünftige Offiziere dreimal

unterbrechen. Um den Grundausbildungsdienst

unterbrechen

zu können, muss dem

Kommando des Lehrverbandes

ein schriftliches Gesuch mit

Begründung vorgelegt werden.

5. Mit der neuen Schweizer

Armee besteht nun auch die

Möglichkeit, die Dienstpflicht

an einem Stück zu leisten – als

Durchdiener. Durchdiener absolvieren

eine RS wie alle anderen

auch. Gleich daran anschliessend

aber werden sie für die so

genannte VBA 2, die Wiederholungskurse,

in die Militärische

Sicherheit eingeteilt, wo

sie den Rest ihrer Dienstpflicht

absolvieren. Sie werden dann

für zehn Jahre in die Reserve

eingeteilt, ohne WK’s absolvieren

zu müssen und werden mit

30 Jahren aus der Dienstpflicht

entlassen.

ARMEE aktuell 1/2004 17


Führungsunterstützungsbasis (FUB)

Produzieren, was der Einsatz braucht

Die Führungsfähigkeit über alle Lagen sicherzustellen

obliegt der Führungsunterstützungsbasis.

Mit frisch gestraffter Leistungserbringung

kann sie noch präziser auf Kundenbedürfnisse

reagieren.

Text: Sam Iselin, C Komm FUB

So verschieden sie sind, eines

haben sie gemeinsam: Der

Füsilier vor der US-Botschaft,

der Kunde des Rechenzentrums,

der Botschaftssekretär im Fernen

Osten, die Netzmanagement-

Spezialistin auf dem IMFS-

Knoten im Oberland und der

Angehörige eines Swisscoy-

Bautrupps im Kosovo sind alle

Nutzer von Leistungen aus dem

Hause Führungsunterstützungsbasis

(FUB).

Bilder: Alle Bilder FUB

Zentrale Figur in der

Führungsunterstützung:

Der Fachspezialist.

Die Botschaftsbewacher bekommen

Führungsunterstützung in

Form von Handfunkgeräten, im

Rechenzentren werden innert

kürzester Zeit riesige Mengen

von lnformationen verarbeitet,

der Sekretär kann die Schweizer

Regierung jederzeit per E-Mail

über Kurzwelle erreichen, der

Netzknotenrechner lässt gestörte

Links automatisch rechts liegen,

und die Swisscoy-Leute schätzen

die Sicherheit ihres mehrfach redundanten

Kommunikationsnetzwerks

in Arbeit und Freizeit.

Führungsunterstützung ist ein

Geschäft mit vielen Facetten.

Auf Mass statt Vorrat

Die Herausforderung angesichts

des unablässigen Kostendrucks

heisst: Führungsunterstützung

ohne Qualitätseinbusse günstiger

produzieren. Das bedeutet

eine systematische Straffung der

Produktion. Die Führungsunterstützungsbasis

ist der zentrale

Leistungserbringer, welcher alle

Produktionsmittel koordiniert

und nach betriebswirtschaftlichen

Kriterien einsetzt.

Ausgenommen davon sind nur

einsatznahe Systeme, deren

Zentralisierung ihre Leistung

beeinträchtigen würde.

Umdenken muss auch der

Leistungsbezüger: Endgültig vorbei

sind Leitungsbestellungen

auf Vorrat, das Aufbieten von

AdAs «für den Fall, dass» oder

kostspielige Mehrspurigkeiten in

Ausbildung und Betrieb. Der

Leistungsbezüger muss heute –

beraten durch Fachleute – präzis

definieren, welche Leistungen er

wann wozu braucht. Die FUB ihrerseits

wird Lösungen finden,

welche hinsichtlich Leistung und

Qualität alle Kundenbedürfnisse

abdecken. Standardlösungen

sind zwar erprobt und schnell,

aber nicht immer das Mass aller

Dinge. Je mehr Fachkompetenz

in der Führungsunterstützungsbasis

gebündelt und je systematischer

alle Betriebserfahrungen

ausgewertet werden, desto

präziser wird künftig das FUB-

Leistungspaket die Kundenbedürfnisse

erfüllen.

Gute technische

Voraussetzungen

Die technischen

Voraussetzungen sind in den

meisten Bereichen gut:

Leistungsfähige Kommunikationsnetzwerke

stehen im

Dauerbetrieb, Informatik-

Dienstleistungen decken mit

Erfolg breite und schmale

Bedarfssegmente ab und werden

laufend optimiert. In den

Stäben ist die Applikation

«BA KP Gs Vb» Standard.

Ein allgemeines Führungsinformations-System

(FIS) hingegen

ist noch im Projektstadium.

Die taktischen Kommunikationssysteme

sind auf modernem

Stand: In Truppendiensten nutzt

die ganze Armee die verschlüsselten,

datentauglichen Funksysteme

der Familie SE-

235/135/435. Das taktische

Fernmeldesystem IMFS ist unlängst

für die Datenkommunikation

nachgerüstet worden.

Dieses hochflexible System ermöglicht

durch die Integration

des taktischen Funks eine

Vielzahl von Nutzungskombinationen.

Das IMFS ist jedoch

auch personalintensiv. Wenn

mehrere Grosse Verbände im

Dienst stehen, fällt das nicht

gross ins Gewicht; im Zeitalter

zunehmender subsidiärer

Einsätze kann der Aufwand für

das IMFS jedoch belasten.

Deshalb ist der derzeitige

Aufbau des IMFS Festnetzes zu

begrüssen, welches im automatischen

Dauerbetrieb die Hauptlast

der Übertragungen trägt:

Die Truppe muss sich nur noch

mit Stichverbindungen anschliessen

und kann ein mobiles Netz

viel rascher und mit erheblich

18

ARMEE aktuell 1/2004


weniger Personal als bisher in

Betrieb nehmen.

Leistungsbezüger können bei

Bedarf auch Führungsunterstützung

aus Bereichen beanspruchen,

die zu den Exklusivitäten

der FUB und der ihr

einsatzunterstellten Führungsunterstützungsbrigade

41

gehören: Elektronische

Signalaufklärung (SIGINT) und

allfällige ergänzende Leistungen,

kryptologische Unterstützung,

Hauptquartier-Dienstleistungen

in allen Abstufungen, weltumspannende

Kurzwellenfunkverbindungen

und Spezialisten

für Fremdsprachen.

Dauer-Lernen

Führungsunterstützung beinhaltet

einen nie endenden Lernprozess,

welcher in Verbesserungen

münden muss. Neue

Aufträge und Führungsstrukturen

derzeit besonders aktuell –,

neue Einsatzgebiete, neue

Partner, neue Technologien und

immer wieder neue Betreiber haben

Unregelmässigkeiten zur

Folge. Was sich beispielsweise

Armee-intern problemlos zusammenschalten

lässt, kann unter

Umständen in der Kooperation

mit Dritten Kommunikationsbrüche

erzeugen; ad hoc-

Gruppierungen können materielle

Engpässe oder Ausbildungslücken

zu Tage fördern. Dank der

fast immer vorhandenen eigenen

Redundanz sind die Folgen normalerweise

gering.

Informationen über solche

Zwischenfälle gehören zu den

wichtigsten Aktivposten in den

Abschlussberichten über grosse

Aktionen wie G8 oder WEF, aber

auch in den Erfahrungen aus

kleineren Einsätzen: Richtig umgesetzt,

verbessern sie die

Dienstleistung.

Noch hat es Knicke in Prozessen,

noch gibt es Diskrepanzen zwischen

Beständen und Material,

noch werden einige

Bestellungen falsch oder doppelt

laufen: Aber die neuen Vorgaben

beginnen zu greifen. Die Produktionsmittel

werden gebündelt,

ausgerichtet und entschlackt.

Das ist auch nötig,

denn hier entsteht Zukunft: Es

entsteht das Fundament für den

Provider für alle Lagen

Führungs- und Nachrichtenverbund

– in amerikanischer

Terminologie bekannt als

C4ISTAR (Command, Control,

Communications, Intelligence,

Surveillance, Targeting,

Acquisition, Reconnaissance) –,

welcher alle erfassten Daten

richtig zum Gesamt-Lagebild

fügt. Ein Fundament, das

nicht solid genug sein kann.

Die Führungsunterstützungsbasis

(FUB) ist der Gesamtdienstleister

für alles, was die

Führung im nationalen Krisenmanagement

unterstützt. Entstanden

aus der Fusion der ehemaligen

Untergruppe Führungsunterstützung

und der Direktion

lnforrnatik VBS ist die FUB zentrale

Anlaufstelle für Führungsdienst,

Informatik, Telekommunikation,

Elektronische

Kriegführung, Kryptologie und

Hauptquartier-Dienstleistungen.

ARMEE aktuell 1/2004

19


Logistikbasis der Armee (LBA)

Die Zukunft der Logistik hat erst begonnen

Mit der neuen Schweizer Armee wird sich auch

die Logistik in den kommenden Jahren grundlegend

verändern. Warum war diese Veränderung

notwendig, was sind die wesentlichen

Merkmale? Was bedeutet die Veränderung für

die Truppe und was bedeutet sie für die Verwaltung?

Ein Ausblick in die Zukunft der Militärlogistik.

Text: Guido Grütter, Stv Projektleiter Logistikbasis der Armee

Fotos: Zentrum für elektronische Medien (ZEM)

Mit den letzten beiden Reformen

wurden die personellen Bestände

der Armee von 600’000 auf

430’000 und dann auf 220’000

verringert. Die Anzahl der Logistikbauten

wurde nicht im gleichen

Ausmass reduziert. Dies

gilt es im Verlauf der nächsten

Jahre nachzuholen.

Von der Massenversorgung

zur bedarfsorientierten

Bringlogistik

Mit der Konzeption der dynamischen

Raumverteidigung, welche

mit der Armee 95 eingeführt

wurde, blieb das Logistikkonzept

in seinen Grundzügen dasselbe

wie in der Armee 61. Die Armee

95 musste mit ihren verbleibenden

Mitteln, räumliche

Gegenkonzentrationen aufbauen

und diese den räumlichen

Bewegungen eines Gegners rasch

anpassen. Dank der grossen

Menge an Logistikinfrastruktur,

konnten sich auch sehr beweglich

agierende, eigene Truppenteile

über kurze Distanzen versorgen.

Die Armee XXI folgt in Ihrem

Grundkonzept der dynamischen

Raumsicherung und in letzter

Konsequenz der dynamischen

Raumverteidigung weiterhin. Sie

ist jedoch um die Hälfte kleiner

geworden als die Armee 95. Verglichen

mit ihr müssen die Truppenteile

der Armee XXI in grösseren

Räumen sehr viel beweglicher

agieren. Die dichte, über

das ganze Land verteilte

Logistikinfrastruktur ist aus militärischer

Sicht ein zu unflexibles

und aufwändiges Konzept

der Logistikunterstützung.

Die Menge an Waffensystemen,

die Vorräte an Versorgungsgütern

und die Logistikinfrastruktur

werden über den Verlauf

der nächsten Jahre massiv reduziert

und den vielfältiger gewordenen

Bedürfnissen der

Schweizer Armee angepasst.

Damit die Einsatzverbände aber

dennoch die nötige Logistikunterstützung

erhalten, wurde

die Logistikkonzeption vollständig

geändert. Nachfolgend

werden die wesentlichen Merkmale

der neuen Logistik der

Schweizer Armee beschrieben.

Stationäre Logistik, mobile

Logistik, Einsatzlogistik

Stationäre Logistikbataillone

können schweizweit auf jeder

verbleibenden zivilen und militärischen

Logistikinfrastruktur

eingesetzt werden. Sie stellen

die neu in zehn Nachschubklassen

geordneten Nachschubgüter

entsprechend dem von der

Truppe bestellten Bedarf bereit.

Die stationären Logistikbataillone

ermöglichen der

Logistikbasis der Armee über

längere Zeit einen 24-Stunden-

Betrieb aufrecht zu erhalten.

Dies ohne den Verwaltungsaufwand

und damit die Betriebskosten

der Militärlogistik

unverhältnismässig in die Höhe

schnellen zu lassen.

Mobile Logistikbataillone verteilen

die von der stationären Logistik

kommissionierten Nachschubgüter

über eine Vielzahl

von Nachschubpunkten an die

Einsatzverbände. Die Anzahl und

die Standorte der Nachschubpunkte

werden in der Einsatzplanung

des Einsatzverbandes

festgelegt und in der Einsatzführung

entsprechend der

Lageentwicklung laufend angepasst.

Für den Betrieb dieser

Nachschubpunkte sind die

Kommandanten der mobilen Logistikbataillone

verantwortlich.

Die örtliche und zeitliche Festlegung

der Nachschubpunkte definieren

die Kommandanten der

Einsatzverbände. Die Einsätze

der mobilen Logistikbataillone

sind sehr flexibel und dynamisch

den räumlichen und zeitlichen

Bedürfnisse der Armee-

Einsätze anpassbar. Die Einsatzverbände

können dadurch von

Logistikaufgaben entlastet werden,

weil diese die Nachschubgüter

nicht mehr mit eigenen

Mitteln bei einer zugewiesenen

stationären Logistikinfrastruktur

abholen müssen.

Die mobilen Logistikbataillone

sind mit ihren Mitteln ausser-

28

ARMEE aktuell 1/2004


Neue Logistik

Die neue Logistik wandelt sich

vom Hol- zum bedarfsorientierten

Bringprinzip: Mobile Logistikbataillone

verteilen die bestellten

Güter an die definierten Nachschubpunkte

der Einsatzverbände.

dem in der Lage, Instandsetzungspunkte

zugunsten der

Einsatzverbände zu bilden. Auch

hier wird der Standort eines

Instandsetzungspunktes dem

Verlauf eines Armee-Einsatzes

angepasst. An diesen Instandsetzungspunkten

werden beschädigte

Hauptwaffensysteme

gesammelt und derart repariert,

dass sie im weiteren Verlauf des

Armee-Einsatzes raschmöglich

wieder eingesetzt werden können.

Damit können die Instandsetzungsmittel

der Einsatzverbände

für die Diagnostik und die

dringende Notinstandsetzung im

eigenen Einsatzraum freigehalten

werden.

Die bedeutendste Veränderung

erfährt der Sanitätsdienst. Dieser

hat in der modernen Kriegsführung

an Bedeutung gewonnen

und ist zentraler Pfeiler der

Moral der Truppe und der von

den Armee-Einsätzen betroffenen

Zivilbevölkerung geworden.

Je nach Bedarf werden in das

mobile Logistikbataillon

Sanitätselemente integriert.

Diese sind in der Lage, entsprechend

dem Verlauf der Armee-

Einsätze, verschiedene Sanitätspunkte

zu bilden. An diesen

Sanitätspunkten können verletzte

Soldaten und Zivilisten aus

den Einsatzverbänden gesammelt

und bis zum Transport in

ein Spital medizinisch betreut

werden. Ausserdem werden Verletzte

mit den Mitteln des mobilen

Logistikbataillons von den

Einsatzverbänden direkt in verschiedene

Spitäler transportiert.

Die Einsatzverbände können dadurch

davon entlastet werden,

mit eigenen Mitteln Verwundete

in ein Spital zu transportieren.

Die sanitätsdienstlichen Kräfte

der Einsatzbataillone können

sich auf die unmittelbare Unterstützung

ihrer Einheiten konzentrieren.

Die medizinische Versorgung

ist auf diese Weise

lückenlos und vor Ort sichergestellt.

Dadurch kann ein Maximum

an Leben gerettet werden.

Das mobile Logistikbataillon

wird im Bereich Nachschub,

Instandsetzung und Sanität zum

wichtigsten Eckpfeiler der

Logistikunterstützung der neuen

Schweizer Armee. Die Schweizer

Armee wendet mit dem Prinzip

des Combat Service Support

(CSS) einen internationalen und

in allen Einsatzarten bewährten

Standard der integrierten Logistikunterstützung

an.

Die Einsatzlogistik, das

Frontelement der militärischen

Logistikkette

Sei es nun ein Infanteriebataillon,

ein Militärflugplatz oder ein

im Ausland eingesetzter ad hoc

Verband zur Friedenssicherung,

alle verfügen über organische

Logistikelemente entsprechend

ihrem Bedarf und ihrem Einsatzkonzept.

Damit hat der Kommandant

eines solchen Einsatzverbandes

eine eigene logistische

Handlungsfreiheit, um über

eine bestimmte Zeit unabhängig

von der integrierten Logistikunterstützung

der Armee agieren

zu können.

In der Regel verfügt ein Einsatzbataillon

über eine Logistikkompanie

mit Nachschub-, Instandsetzungs-

und Sanitätselementen.

Das Logistikkonzept der

Schweizer Armee sieht vor, dass

die Kompanien ebenfalls Nachschub-,

Instandsetzungs- und

Sanitätsmittel enthalten.

Die Logistikkompanie unterstützt

mit ihren Mitteln die

Logistik-mittel der unterstellten

Kompanien, wie es die mobilen

Logistikbataillone zugunsten der

Einsatzbataillone tun. Die

Logistikmittel des Nachschubes,

der Instandhaltung und Sanität

sind zwischen der Stufe Bataillon

und der Stufe Kompanie

untereinander austauschbar. Die

Austauschbarkeit dieser

Logistikmittel ermöglicht die

unterbruchslose Logistikunterstützung

ohne zeitraubende

Umladeaktionen. Damit wird die

rasche, der Lage entsprechende

logistische Schwerpunktbildung

im Verlaufe eines Einsatzes erreicht.

Die LBA, die zentrale

Führungsorganisation der

Armeelogistik

Seit dem 1. Januar 2004 sind

verschiedene, bisher dezentral

unterstellte Logistikorganisationen,

in der Logistikbasis der

Armee (LBA) zusammengefasst.

Dieser Konzentrationsprozess aller

Unterstützungsorganisationen

der Armee ist noch nicht

abgeschlossen. Ein nächster

Schritt steht Ende 2005 an. Die

LBA ist verantwortlich für den

Betrieb der gesamten militärischen

Logistikkette über alle

Lagen, in zunehmender Kooperation

mit zivilen Logistikdienstleistern.

Zwei Pfeiler

Straffung der Logistikkette

und Modernisierung der

Informatik

Die Modernisierung der schweizerischen

Militärlogistik muss

die verlangte Ausgabenreduktion

erreichen, ohne dass

die Leistung zugunsten der

Truppe abnimmt. Die Neuerungen

stehen auf zwei

Pfeilern:

Erster Pfeiler: Die physische

Logistikkette. Die alten Materialbestände

können massiv reduziert

werden. Dadurch wird

Logistikinfrastruktur frei, was

einen entsprechenden Stellenabbau

auslöst. Das noch für die

Ausbildung benötigte Material

wird vor Ort, also am Standort

der Truppe, gelagert und in

Stand gehalten. Grundsätzlich

entspricht das Material für den

Einsatz auch jenem Material für

die Ausbildung. Damit sind nur

noch sehr wenige Logistikzentren

nötig.

Zweiter Pfeiler: Die Einführung

moderner Informatik. Die Erfassung

aller Bewegungen in

der Logistikkette soll zum Prinzip

werden. Die jederzeitige

Transparenz, wo in der Logistikkette

welche Güter in welcher

Menge verfügbar sind, wird

Grundlage der Logistikplanung

und Logistikführung auf allen

Stufen. Internetbasierte, personalisierte

Portale für Lieferanten,

Soldaten und Mitarbeiter

der Logistik ermöglichen, im

Rahmen von Berechtigungen

und Verfügbarkeiten, die

Bestellung von Gütern und

Dienstleistungen als auch deren

finanzielle Abrechnung.

ARMEE aktuell 1/2004 21


Logistikbasis der Armee LBA)

Die Listen für die fakultativen Nachtessen

werden immer voller – scheinbar schmeckts

Die Armeereform hat vor der Küchentüre nicht

Halt gemacht: professionelle Verpflegungscenter,

zeitgemässe Rezepte, handelsübliche

Lebensmittel und neu geregelte Einkaufsbedingungen

sollen zu mehr Zufriedenheit am Soldatentisch

und in der Truppenkasse führen. Das

Projekt Verpflegung XXI wird in den nächsten

vier Jahren nach und nach umgesetzt.

Text: Gaby Zimmer, C Komm LBA

Bilder: G. Zimmer und Fachleitzentrum Verpflegung, LBA

«Nach einem trefflichen Mittagessen

ist man geneigt, allen zu

verzeihen», war schon Oscar

Wilde überzeugt. Ob auch dies

ein Grund ist, warum sich die

Armeeverpflegung deutlich wandelt,

bleibt offen. René Schanz,

Projektleiter Verpflegung XXI,

nennt die tatsächlichen Vorgaben:

«Mit weniger Geld mehr

Professionalität erreichen.»

Teure Pensionsverpflegung

Gerade im Bereich Pensionsverpflegung

– Kosten, die entstehen,

wenn die Truppe auswärts

isst – besteht dringender

Handlungsbedarf. Die jährlich

rund sechs Millionen Diensttage

generieren rund sechzig

Millionen Franken Verpflegungskosten.

Aber nur acht Prozent

der Diensttage (500’000) belasten

dreissig Prozent der Verpflegungsausgaben!

«Ein krasses

Missverhältnis», findet nicht nur

René Schanz. Sein Auftrag ist

es, Massnahmen zu treffen, dass

sich die 18 Millionen Franken

Pensionsverpflegungskosten auf

sechs Millionen und damit auf

fünfzehn Prozent des Gesamtbudgets

reduzieren.

Professionelle Küchenleistung

Die Verpflegung XXI basiert auf

einer durchgehenden Professionalisierung

des Verpflegungsprozesses.

Das geht von der Lager-

haltung über den Pflichtkonsum,

über die Einkaufs- und Bestellwege

bis zur Zubereitung und

Auslieferung an die hungrigen

Armeeangehörigen. Auf 31

Waffenplätzen der Schweiz werden

Truppenküchen zu Verpflegungszentren

umfunktioniert.

Gerätschaften, die in der

Gastronomie handelsüblich sind,

sollen die gekochten Waren auch

über Lieferwege hinweg hygienisch

einwandfrei frisch halten.

Die Armee-küche untersteht

demselben Lebensmittelgesetz

wie auch zivile Anbieter.

Die 31 Verpflegungscenter werden

jeweils von einem Leiter geführt.

Diese Funktion erfordert

eine professionelle Ausbildung.

Bisher sind lediglich sechs Centerleiter

in Aktion. Bei der Luftwaffe

sind es Dübendorf, Emmen

und zwei in Payerne. Mit Thun

und Freiburg sind erst zwei

Heeres-Waffenplätze mit einem

professionellen Küchenchef besetzt.

Dieser koordiniert den

Einsatz der Küchenequipe.

Daniel Kaeser, eidgenössisch diplomierter

Küchenchef/Produk-

tionsleiter, hat seine neue

Aufgabe im Januar 2004 angetreten.

Wie erlebt er seine

Kunden? «Ich bin erstaunt, wie

gut sich die heutigen Zwanzigjährigen

mit Ernährung auskennen.»

Kaeser verpflegt 400 bis 430

hungrige Mägen täglich. Einige

bedienen sich an der Fassstrasse

im Essraum, ein bedeutender

Teil der Kompanien jedoch kriegt

ihr Essen auf den Ausbildungsplatz

geliefert. Dank den neuen

Gerätschaften bleiben die

Speisen so heiss oder so kalt,

wie sie sein müssen.

Acht Franken fünfzig pro

Tag

Was für einen zivilen Haushalt

unmöglich klingt, macht die

Truppenküche wahr. Für wie bisher

acht Franken fünfzig entstehen

drei Haupt- und eine bis

zwei Zwischenmahlzeiten. Kann

Daniel Kaeser zaubern? «Das

geht sehr gut, es ist alles eine

Frage des geschickten Einkaufs.»

Jedenfalls scheint es der Truppe

auf dem Waffenplatz Freiburg zu

22

ARMEE aktuell 1/2004


Verpflegung XXI

schmecken. Selbst beim fakultativen

Nachtessen herrscht

Hochbetrieb. «Rund ein Drittel

der Armeeangehörigen bleibt

zum Znacht», berichtet Kaeser

stolz. Zu den Lieblingsgerichten

seiner Kunden zählen Teigwaren

in jeglicher Zubereitungsart.

«Der Magen unterscheidet nicht,

ob er zivile oder militärische

Kleidung trägt», erklärt Schanz

den nicht ganz überraschenden

Teller-Renner.

Neues Kampfkostpaket

Legende zu Bild rechts:

Magenfreundlich und kraftspendend:

Armeeverpflegung kommt

an. René Schanz (rechts aussen),

Projektleiter Verpflegung XXI, hat

den gesamten Prozess vom Einkauf

bis zur Entsorgung professionalisiert.

Daniel Kaeser (links

neben Schanz) ist einer der ersten

sechs aktiven Verpflegungscenterleiter.

Er managt die Truppenküche

auf dem Waffenplatz

Freiburg.

Nach und nach hält auch eine

weitere Neuerung auf den Waffenplätzen

Einzug. Die Verträge

für die Kioskbetriebe mit privaten

Kantiniers werden sukkzessive

gekündigt. Dadurch wird es

möglich, Süssigkeiten und Getränke

für den Zusatzhunger zwischendurch

zu portemonnaieschonenden

Preisen anzubieten.

Betrieben wird der Kiosk nämlich

durch die Truppe.

Der Fourier muss sich neu nun

auch nicht mehr den Kopf zerbrechen.

Bern liefert ausgewogene

Verpflegungspläne mit entsprechenden

Produktelisten.

3000 leckere Kalorien für

24 Stunden Einsatz

Letztes Jahr wurden in Truppenversuchen

bei der Luftwaffe unterschiedliche

Zusammensetzungen

einer neuen Kampfration

getestet. Welche Inhalte

und Energieanteile sind notwendig,

um Armeeangehörige

autonom über einen Tag bei

Kräften zu halten? Welche

Produkte eignen sich dafür? Die

neue Kampfration ist so zusammengestellt,

dass zwei warme

Mahlzeiten und diverse

Zwischenmahlzeiten sowie vier

Liter Getränke eingenommen

werden können. Aus den alten

Zeiten sind gerade mal Militärbiskuit

und -schokolade übrig

geblieben. Kaugummi, Nutella,

Darvida, Lasagne, Cappuccino

und Punch haben Panzerkäse

und Co den Rang abgelaufen.

Die praktischen und handelsüblichen

Kleinpackungen lassen

sich ideal in den Taschen des

Kampfanzuges verstauen.

ARMEE aktuell 1/2004 23


TSK Heer: Militärische Sicherheit

Die Schweizer Armee unterstützt die

humanitäre Minenräumung im Sudan

Komp Zen KAMIR

Wachtmeister Remo Sauser ist 25jährig und

Berufssoldat bei der Militärischen Sicherheit.

Seit Anfang Mai und noch bis Ende Oktober arbeitet

er im Sudan: Im Auftrag der Stiftung

Fondation Suisse de Déminage (FSD) hilft er im

Rahmen eines internationalen Projekts der sudanesischen

Bevölkerung, Minenfelder zu orten

und Munition zu beseitigen.

Text und Bild: Wm Remo Saurer

Nur wenn es gelingt, nach den

Bürgerkrigen der vergangenen

Jahre Minen und gefährliche

Munition zu entfernen, ist für

die Bevölkerung Südsudans ein

normales Leben wieder möglich.

Mit seiner Arbeit trägt

Wachtmeister Remo Sauser dazu

bei. Regelmässig sendet er

Berichte an die Zentrale der

Militärischen Sicherheit. Hier einige

Auszüge daraus:

«Am 12. Mai flog ich nach

Nairobi, um von da aus direkt

weiter nach Lokichogio im

Norden Kenias zu fliegen. Dies

ist nötig, weil es im Moment

noch keinen anderen Zugang in

den Süden des Sudans gibt als

über Kenia. Von Lokichogio aus

ging die Reise in den Süden des

Sudans, genauer nach Rumbek.

Zurzeit herrscht in dieser Region

Regenzeit, das heisst es regnet

mindestens ein Mal am Tag. In

Rumbek wohnte ich in einem

Camp verschiedener

Organisationen, in dem auch das

lokale Büro von FSD (Fondation

Suisse de Deminange) und UN-

MAS (UN Mine Action Services)

untergebracht ist.

Bis zum 18. war ich völlig mit

den Vorbereitungen für den bevorstehenden

Einsatz im Feld

beschäftigt. Nebst dem

Wm Remo Sauser ist Supervisor

im Kompetenzzentrum für

Kampfmittelbeseitigung sowie

militärische und humanitäre

Minenräumung (Komp Zen KA-

MIR). Das Zentrum wurde im

Januar 2004 mit Spezialisten

aus dem ehemaligen

Festungswachtkorps und der

Fachabteilung 26 der Gruppe

Rüstung gegründet und steht

unter Leitung von Oberstlt i Gst

Walter Schweizer. Es ist Teil der

Militärischen Sicherheit.

Weitere Mitarbeiter aus dem

Komp Zen KAMIR sind zur Zeit

in Tirana (Albanien), in

Colombo (Sri Lanka) und

Asmara (Eritrea) eingesetzt.

Die Schweiz engagiert sich als

Kennenlernen des Teams musste

sämtliches Material auf die

Fahrzeuge geladen werden und

das Team noch in diversen

Bereichen ausgebildet werden.

Wir mussten sämtliche Vorräte,

Essen und Benzin, von Rumbek

aus mitnehmen, da im Feld praktisch

nichts erhältlich ist.

Am 18. Mai ging es dann los.

Wir hatten die Aufgabe, einen

Technical Survey zu erstellen.

Dabei geht es darum, allfällige

Minenfelder und andere gefährliche

Gebiete, so genannte Danger

Areas (DA) zu lokalisieren, zu

markieren und dies in einem

Rapport festzuhalten.

Mitgliedstaat der Ottawa

Konvention politisch wie operationell

für die Einschränkung

der Gefahr, die von

Personenminen ausgeht. Minen

und Blindgänger sind eines der

grossen humanitären, entwicklungs-

und friedenspolitischen

Probleme unserer Zeit.

Mit der Entsendung von

Personal aus dem Komp Zen KA-

MIR leistet das VBS einen namhaften

Beitrag zu Gunsten von

Minenräumprojekten. Die

Einsätze erfolgen im Rahmen

der Strategie des Bundes für das

Personenminenengagement der

Schweiz in engem

Schulterschluss mit dem

Aussenministerium (EDA) und

mit Nichtregierungsorganisationen.

In einer späteren Phase werden

dann anhand dieser Reports die

weiteren Schritte zur Räumung

der Minenfelder und Vernichtung

der Blindgänger geplant und

eingeleitet. Zum grossen Teil besteht

meine Arbeit darin, mit lokalen

Behörden und Militärs zu

sprechen und zu versuchen,

möglichst viele Informationen

aus ihnen heraus zu bekommen.

Vom 18. bis zum 31.Mai lokalisierten

wir 25 DA’s. Die meisten

davon sind alte, zurückgelassene

Munitionslager, aber auch einige

Minenfelder und Fliegerbomben.

Am 28. Mai erreichte uns die erfreuliche

Nachricht dass die

SPLA (Sudan People Liberation

Army) und die Regierung von

Sudan endlich das

Friedensabkommen unterzeichnet

haben.

Die lokale Bevölkerung feierte

dies mit einem grossen Fest.

Nach dreizehn Tagen im Feld waren

wir alle sehr froh, wieder in

Rumbek zu sein. In diesen zwei

24

ARMEE aktuell 1/2004


Zum Glück waren 99 Prozent

der Munition, die in und um

Kapotea lag, unverschossen

und damit fast risikofrei zu

transportieren. Die Munition

war von den Truppen zurückgelassen,

oder die Munitionslager

waren zerstört und die

Munition unter der Erde begraben

worden. Es handelte sich

dabei um Mörser- und

Artilleriegranaten, um einige

hundert RPG-Raketen, um

Munition für die

Flugzeugabwehr und

Gewehrmunition, aber auch um

Personen- und Panzerminen.

Oben: Zerstörter Panzer vor Kapoeta mit Wm Sauser und einem lokalen Deminer. Links: Einhemische

Entminer durchsuchen den Boden nach zurückgelassener Munition. Diese Bilder erreichten uns als

Worddateien per Mail, daher die schlechte Qualität.

Wochen legten wir rund 1500km

zurück und ich verlor 5 kg an

Körpergewicht.»

«Nach meiner Rückehr von

Rumbek hatte ich gerade mal eine

Nacht in Lokicogio, bevor es

wieder hinaus ins Feld ging,

diesmal per Auto etwa 100 km

über die kenianisch-sudanesische

Grenze, nach Kapoeta. Der

Auftrag diesmal: Sprengen von

Blindgängern und alter

Munition.

Schon am Stadteingang konnte

ich sehen, wie heftig Kapoeta

umkämpft worden war. Überall

waren zerstörte Fahrzeuge. Mein

Team zeigte mir den früheren

Stadtrand, von dem heute nur

noch Ruinen zu sehen sind.

Nachdem wir uns einen ersten

Überblick über die Situation verschafft

hatten, fingen wir sofort

an mit der Arbeit. Da ein anderes

FSD-Team zuvor schon einige

Zeit in dieser Region tätig war,

war es nicht mehr nötig, zuerst

Wm Remo Sauser (25) ...

einen Sprengplatz zu suchen.

Mein Team konnte damit beginnen,

Munition für die Sprengung

zu verschieben.

... aus Murg (AG) besuchte

2001 den Grundkurs für

Kampfmittelbeseitigung und

danach die Ausbildung zum

Supervisor. Seinen ersten

Auslandeinsatz leistete er 2002

in Eritrea. Sein Auftrag bestand

darin, eine Entminungsgruppe

von 60 Personen zu führen und

deren Ausbildung zu überwachen.

Um in Entwicklungs-ländern

zu arbeiten, dürfe man

nicht heikel sein. Es brauche

viel Eigeninitiative. Die enge

Zusammenarbeit mit der

Zivilbevölkerung gebe aber

auch eine grosse Lebenserfahrung.

Wm Sauser hat sich für

solche Einsätze freiwillig gemeldet.

Seine Motivation ist, nebst

dem Willen zur Hilfe, der

Wunsch, Kulturen und Menschen

intensiv kennen zu lernen.

Während zweier Wochen

sprengten wir in Kapotea über

25’000 Objekte. Damit war diese

Zeit ein voller Erfolg.

Kapotea ist nun um Einiges sicherer,

da mein Team mehr als

80 Prozent der in der Stadt

herumliegenden Munition vernichten

oder wenigstens an einen

sicheren Ort verschieben

konnte. Den verbleibenden Rest

werden die beiden FSD-Teams

in den nächsten Tagen noch

entfernen.

Meine Reise wird mich nun in

die Nuba Mountains führen, wo

verschiedene Organisationen

seit einigen Monaten daran

sind, Minenfelder zu räumen.»

ARMEE aktuell 1/2004 25


TSK Heer: Militärische Unfallverhütung

Sport, Spiel und Spass – aber sicher...!

Die Ursachen der Unfälle mit Personenschaden

(exkl. Strassenverkehr) konnten bis anhin in der

Armee nicht erfasst und somit auch nicht

analysiert werden. Die Militärische Unfallverhütungskommission

MUVK hat mit der

Entwicklung der Datenbank «EPES» diese Lücke

letztes Jahr geschlossen. Bereits der Pilotversuch

in Rekrutenschulen von August bis

Oktober 2003 zeigt, dass Sportverletzungen

bzw. Unfälle beim Sport einen grossen Teil der

Personenschäden ausmachen.

Text: Stefanie Stettler, Sachbearbeiterin MUV

Aufwärmprogramm

Dauer Was Übungen

5 Minuten Herz Lockeres Laufen: vorwärts, rückwärts,

seitwärts, Hopserhüpfen, Hüpfen an Ort,

leichte Gymnastikformen mit sanften

Bewegungen

3 Minuten Muskulatur Dehnungs- und Kräftigungsübungen

jener Muskelgruppen, für die nachfolgend

besonders beansprucht werden

Die Lücke ist geschlossen! Die

von der Militärischen Unfallverhütungskommission

MUVK entwickelte

Datenbank «EPES»

(Erfassung von Personenschäden)

lässt ab sofort die Erfassung und

Auswertung von Personenschäden

im Militärdienst zu. Damit

kann die Militärische Unfallverhütung

gezieltere Aktionen

lancieren und rasch auf bestimmte

Missstände reagieren. Die

ersten Auswertungsergebnisse

haben bewiesen, dass die Sportunfälle

einen grossen Teil der

Personenschäden ausmachen.

Fast ein Drittel

Sportunfälle

Im Zeitraum von August bis

Oktober 2003 haben sich in den

Rekrutenschulen 98 Sportunfälle

ereignet. Davon passierten

78 Unfälle während der eigentlichen

Sportausbildung,

12 während des Urlaubes und

8 während der Gefechtsausbildung.

Mit 24 bzw. 30,8%

aller Sportunfälle sind diejenigen

im Bereich Ballspiel absolute

Spitzenreiter der Statistik.

Weitere Schwerpunkte bilden die

Verletzungen aufgrund von

Zusammenstössen (19),

Sturz/Fall (11), Fehltritte (9)

und während des Joggens (10).

75,5% oder 74 Verletzte waren

Rekruten, 81 mal konnten die

Unfälle als bagatell oder leicht

eingestuft werden. Leider gab

es aber auch 16 mittelschwere

Verletzungen und einen

Schwerverletzten.

Die betroffenen Extremitäten

sind vor allem Fussgelenke (20)

und Knies (13) sowie Schulter,

Füsse, Kopf und Finger. Meistens

handelt es sich dabei um leichte

Verletzungen wie Zerrungen,

Verstauchungen oder

Quetschungen. Zu verzeichnen

sind aber auch einige mittlere

bis schwere Verletzungen wie

Bänderrisse und Frakturen. 51,3

% der Unfälle ereigneten sich

bei schönem Wetter, 31 davon in

der Turnhalle, 14 auf dem

Sportplatz.

Unfallursachen

Die Ursachen für diese Unfälle

sind sehr verschieden. Sei es

nun die falsche Ausrüstung – vor

allem im Feld – kein Aufwärmen

vor dem Sport oder auch das

Fehlen einer geeigneten

Aufsichtsperson; viele dieser

Unfälle könnten mit wenig

Aufwand vermieden oder die

Verletzungsschwere zumindest

stark gesenkt werden. Mannschaftssport

ist mitreissend und

spannend. Er wird aber nicht

selten auch gefährlich, wenn

Übermut, Selbstüberschätzung,

2 Minuten Kopf Sportartspezifische Reaktions- und

Gleichgewichtsübungen

falsche Kleidung oder keine

Spielleitung «mitspielen».

Massnahmen

Die Militärische Unfallverhütung

wird den Sportunfällen vermehrt

Beachtung schenken. Zu Beginn

der Sommerschulen 2004 ist

bereits eine entsprechende

Aktion geplant. Die Sportverantwortlichen

und die Sicherheitsberater

(SiBe) in den Schulen

und Kursen werden vermehrt

sensibilisiert. Sport allgemein

und Mannschaftssport im Beson-

Grundsätze des

Aufwärmens

• Vor jeder sportlichen

Aktivität während 10

Minuten aufwärmen

• Bei kühler und nasser

Witterung im Freien warme

Kleidung tragen und länger

aufwärmen

• Zuerst den ganzen Körper

aufwärmen, dann erst

einzelne Muskelgruppen

• Mit langsamen Bewegungen

beginnen, schnelle

Bewegungen erst am

Schluss

deren darf keine Gefahrenquelle

sein. Er soll Spass machen und

gesundheitsfördernd sein. Mit

ein wenig mehr Selbstdisziplin

und Mitverantwortung kann

jeder einzelne Angehörige der

Armee – während des Dienstbetriebes

und im Urlaub – sein

eigenes Unfallrisiko im Bereich

Sport verringern.

Aufwärmen

Vor jeder sportlichen Aktivität

ein Muss. Vor jedem Spiel oder

Training muss der Körper vorbereitet

werden. Ein Aufwärmprogramm

steigert die Leistungsfähigkeit

und senkt die Gefahr

von Sportverletzungen. 10

Minuten die sich lohnen.

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ARMEE aktuell 1/2004


Agenda

Oktober

17.10.2004

Pratteln

Repräsentationsorchester

Schweizer Armeespiel

100 Jahre Musikverband Basel-

Land, Konzert

22.10.2004

Bern

Brigaderapport FU Br 41

Kultur-Casino 10.00 Uhr

November

3.11.2004–6.11.2004

Waffenplatz Thun

Swiss Tank Challenge 04

RS-Spiel Aarau 16-2

11.11.2004

Düdingen, 20.00 Uhr, Podium

17.11.2004

Sarnen, 20.00 Uhr, Aula Cher

18.11.2004

Biel, 20.00 Uhr, Kongresshaus

23.11.2004

Frauenfeld, 20.00 Uhr, Casino

Ausblick 2005

Winterarmeemeisterschaften

Die neuen Winterarmeemeisterschaften,

welche die Meisterschaften

der Gs Vb ablösen, finden

am 4./5. März 2005 in Andermatt

statt.

Informationen sobald vorhanden:

www.armee.ch/sat

ZIKA

Kommunikationausbildung

Das Zentrum für Informationsund

Kommunikationsausbildung

der Armee bietet das ganze

Jahr hindurch Kurse und Workshops

in den Bereichen Medien,

Führungs- und Konfliktkommunikation

an.

Sind Sie an unserem breiten

Angebot interessiert?

Fordern Sie die Unterlagen

noch heute an unter

031 324 77 14 oder per E-Mail

info@zika-cica.ch.

Die Anmeldungen können auch

unter www.zika-cica.ch/anmeldung

heruntergeladen werden.

Auskünfte gibt Ihnen gerne auch

unser Kursverantwortlicher Christoph

Michel (031 324 76 79)

E-Mail:

christoph.michel@gst.admin.ch

Zur Verstärkung des Medien- und Info-Teams der FU Br 41 suchen wir

Kommunikationsprofis

mit Erfahrung in den Sparten Print-Redaktion (Text und Bild), Online-Redaktion

(Content Management) und/oder Event-Organisation.

Leisten Sie künftig Ihren Militärdienst in einem kleinen, dynamischen

Team mit dem Auftrag, den Brigadekommandanten und das

Brigadebüro in folgenden Tätigkeiten zu unterstützen:

l

Redaktion des Mantelteils zur Zeitschrift ARMEE Aktuell

l

Betreuung der Web-Site der FU Br 41

l

Organisation des jährlichen Brigaderapports

l

interne und externe Kommunikation

Ihre Einsätze werden Sie über das ganze Jahr verteilt in Einzeldiensttagen

und zum Teil an Ihrem zivilen Arbeitsplatz leisten.

Wir erwarten von Ihnen daher die nötige Flexibilität und eine zuverlässige,

selbständige Arbeitsweise. Ihr militärischer Grad stellt

hingegen kein Auswahlkriterium dar.

Bewerbungen mit Lebenslauf sind zu richten an Oberstlt Rolf

Heinrich, Chef Kommunikation der FU Br 41, rolf.heinrich@

vzug.ch, der Ihnen auch gerne Fragen beantwortet. Nach der Prüfung

Ihrer Bewerbung werden wir Sie in einem nächsten Schritt zu

einem Assessment einladen.

ARMEE aktuell 1/2004 27


ARMEE aktuell 1/2004

Am diesjährigen World Economic Forum (WEF)

in Davos (21. bis 25. Januar) war der Einsatz

von modernster Richtstrahltechnik gefragt. Verantwortlich

für die reibungslose Kommunikation

war das Ristl Bat 17, das nebst 6000 weiteren

Soldaten aus Infanterie, Luftwaffe und

Logistik im Einsatz stand.

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