Generationenübergreifender Kampf gegen Littering - VOJA

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Generationenübergreifender Kampf gegen Littering - VOJA

07.05.2013

Generationenübergreifender Kampf gegen Littering

Michael D'Andrea übt sich bereits am Dorfmarkt im Sauberhalten der Strasse.

Belp • Das kantonale Projekt Raumschliff findet seine Ausgestaltung in der Bekämpfung

von Littering durch Jugendliche an zentralen Hotspots im Dorf. Dabei werden

Vorurteile abgebaut, Netzwerke geschaffen und alle Altersgruppen für die Problematik

sensibilisiert.

SG

Am Projekt Raumschliff sind die Gemeinden Belp, Köniz und Neuenegg seit Sommer 2011

als Pilotgemeinden beteiligt. Die Projektgruppe rund um Prozessbegleiter und Co-

Projektleiter Peter Jäger vom Verband offene Kinder- und Jugendarbeit Kanton Bern (VOJA)

der Gemeinde Belp konnte erste Resultate präsentieren. Dabei stach insbesondere der 19-

jährige Michael D'Andrea ins Auge: Er trug die brandneue Uniform des Werkhofes, die

eigens für das Projekt «Bäup blibt suber», ein Teilprojekt von Raumschliff, kreiert wurde.

D'Andrea wird zusammen mit zwei jungen Mädchen aus der 7. Klasse in Zukunft jeden

Samstagmorgen mit einem Velo und zu Fuss durch Belp ziehen, um die Spuren der

vergangenen Nacht auf den beliebten öffentlichen Plätzen zu beseitigen.

Hotspots von Jung und Alt benutzt


Jugendarbeiter Peter Gerber erklärt die Ziele von Raumschliff in Belp: «Bei uns im Dorf

sorgen immer wieder die gleichen Hotspots für Zündstoff in der Bevölkerung. Nachdem sich

meist Jugendliche in der Nacht getroffen haben, stören sich Erwachsene und ältere Menschen

am liegengebliebenen Abfall. Ziel des Projektes ist es, alle Altersgruppen zu sensibilisieren.»

Man müsse durch Massnahmen den Dialog zwischen den Generationen verstärken und damit

Verbote verhindern. Denn eines ist der Belper Jugendfachstelle und dem

Gemeindepräsidenten, Rudolf Neuenschwander, klar: «Es sind nicht nur Jugendliche, die an

Wochenenden Lärm verursachen und Abfall liegen lassen. Auch Erwachsene sind dafür

verantwortlich.»

Den Dialog suchen

Der öffentliche Raum hat an Bedeutung gewonnen. Er ist ein zentraler Begegnungsraum für

Jung und Alt und erhält somit eine wichtige Funktion für die gesellschaftliche Integration.

Gleichzeitig haben Auseinandersetzungen um die Nutzung des öffentlichen Raumes

zugenommen. Peter Jäger sagt: «Kinder und Jugendliche geraten oft ins Kreuzfeuer der

Debatten rund um Themen wie Gewalt, Alkoholkonsum und Littering. Tatsache ist jedoch,

dass Nutzerinnen und Nutzer des öffentlichen Raumes einen geringen Bezug zu diesem haben

und wenig Raumverantwortung übernehmen. Dazu kommt, dass heute zwischen den

verschiedenen Nutzergruppen wenig Toleranz herrscht.» Um in Zukunft das friedliche

Nebeneinander der Generationen zu gewährleisten, muss also bereits heute die komplexe

Zusammenarbeit angegangen werden. Dafür wurde das Projekt Raumschliff ins Leben

gerufen und in Belp konnte bereits vieles erreicht werden. Anhand eines Mitwirkungsanlasses

wurden die Brennpunkte der Gemeinde eruiert und für diese hat eine Projektgruppe,

bestehend aus der Jugendfachstelle, Vertretern der Gemeindedepartemente Soziales und Bau,

Vertretern des Oberstufenzentrums, der KMU und der Begräbnisgemeinde sowie dem

Bahnhofsleiter, geeignete Massnahmen entwickelt. Rudolf Neuenschwander zeigte sich dabei

besonders erfreut über die hohe Bereitschaft der Jugend, am Projekt mitzuwirken und

Verantwortung zu übernehmen.

Neu gibt es in Belp neben den drei Jugendlichen mit ihrem Littering-Projekt am

Samstagmorgen auch eine Turnhalle, die jeweils Freitagabends für die Jugendlichen offen

steht, neue Abfallkübel im ganzen Dorf, ein gedeckter Unterstand beim Volg,

Sensibilisierungsmassnahmen am Friedhofweg sowie ein festgesetztes Traktandum

«Öffentlicher Raum», das bei jeder Sitzung der Leiter der Gemeindedepartemente zur

Sprache kommt. Martin Pfister, Leiter Abteilung Bau, streicht hervor: «Es geht darum, dass

wir in der Gemeinde ein Instrument eingesetzt haben, das uns erlaubt, frühzeitig auf neue

Brennpunkte einzugehen und Massnahmen bereitstellen zu können. Wir wollen agieren und

nicht reagieren.»

Austausch fördern, Vorurteile abbauen

«In dem die Jugendlichen gerade beim Littering-Projekt von der Bevölkerung

wahrgenommen werden, hoffen wir, dass sich der Austausch zwischen Jung und Alt verstärkt

und damit Vorurteile abgebaut werden», meint Jugendarbeiterin Jaelle Eidam. Der Weg des

Dialoges, den die Gemeinde Belp eingeschlagen hat, ist gewiss aufwändiger als die

Möglichkeit, Verbote zu erlassen um die gesellschaftlich brisanten Probleme zu lösen. Jedoch

ist klar, dass Dialog und Zusammenarbeit auf Dauer nachhaltiger wirken als restriktive

Verbote.


Es ist verständlich, dass Gemeindepräsident Neuenschwander hofft, in Zukunft nicht mehr aus

dem Bett geläutet zu werden von Anwohnern, die sich über Lärm und Abfall beklagen und

auch, dass Polizei und Securitas weniger eingreifen müssen. Mit dem Projekt Raumschliff hat

die Gemeinde dafür den ersten Grundstein gelegt.

Berner Landbote ist eine Publikation der AZ Medien

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