Wöchentliche Demonstrationen am „Tag des Landes“

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Wöchentliche Demonstrationen am „Tag des Landes“

Wöchentliche Demonstrationen am „Tag des

Landes

02/04/2010

Bethlehem

Am Sonntag, dem 28. März versuchten Hunderte PalästinenserInnen in Bethlehem, in Richtung

Jerusalem zu demonstrieren, um so den Palmsonntag [auch als Passionssonntag bekannt] zu

begehen. Palmsonntag fällt immer auf den Sonntag vor Ostern, an dem der christlichen Tradition

nach Jesus Jerusalem betrat und dabei von Hunderten von AnhängerInnen begrüßt wurde, die

Palmblätter in Händen hielten.

Bethlehem am 28. März 2010

Seitdem reisen ChristInnen in Palästina an diesem Tag nach Jerusalem und halten Palmblätter in

den Händen, um dieser Tradition zu gedenken. Unglücklicherweise leben diese palästinensischen

ChristInnen unter einem Apartheid-Regime, das ihnen das Recht verweigert, in ihrem eigenen Land

zu reisen und ihrer eigenen Kultur und Tradition zu folgen. Auch diesem Protest erging es wie jenen

zuvor: sobald die IOF (Israeli Occupation Force - in Anlehnung an den verharmlosenden offiziellen

Namen der israelischen Armee, Israeli Defense Force – Anm. d. Übers.) ihn bemerkte, wurden viele

DemonstrantInnen verhaftet und eingesperrt. Diejenigen, die nicht festgenommen wurden, wurden

hinter die Apartheid-Mauer zurückgeschickt.

Bitunya

Am Dienstag, dem 31. März kamen Hunderte von Menschen am Bitunya-Checkpoint nahe dem

Ofer-Militärgefängnis zusammen, um die Freilassung von zehn DemonstrantInnen zu verlangen,

die am letzten Sonntag in Bethlehem verhaftet wurden - unter ihnen Abbas Zaki, Mitglied des PLO-

Exekutivkomitees. Zwei DemonstrantInnen wurden dabei festgenommen. Nach einigen kurzen

Reden beschlossen die DemonstrantInnen, zum Ofer-Militärgericht weiterzuziehen, in dem die

Anhörungen der zehn Gefangenen angesetzt wurden. Als sie am Durchkommen gehindert wurden,

versuchten die Protestierenden, den Zaun nahe des Checkpoints umzustürzen, um zum

Gerichtsgebäude zu gelangen. Grenzpolizeioffiziere reagierten darauf mit Knallschock- und


Tränengasgranaten sowie mit Gummimantelgeschossen. Die Zusammenstöße zwischen den

PolizistInnen und der örtlichen Jugend dauerten noch zwei Stunden, bevor sich die Demonstration

zerstreute.

Demonstration in Bitunya am 31. März 2010

Zwei palästinensische Protestierende wurden während der Demonstration verhaftet. Einer von

ihnen, ein 16-Jähriger, wurde durch ein Fenster aus dem Auto seines Vaters gezogen, nachdem

PolizistInnen es mit einem Gewehrkolben einschlugen.

Demonstration in Bitunya am 31. März 2010

Budrus

Um den palästinensischen „Tag des Landes“ zu begehen, (der an die massenhafte Landnahme durch

Israel 1976 erinnert – Anm. d. Übers.), demonstrierten am 30. März über 300 Menschen in Budrus,

einem Dorf in der Westbank. Sie pflanzten Bäume entlang der Route der Trennungsbarriere (die

„Mauer“ hat viele Namen und Erscheinungsformen, manchmal ist sie ein Zaun, manchmal eine


Mauer oder eine Straßensperre, aber in jedem Fall ist sie illegal und ein Zeichen von staatlichem

Rassismus sowie das Symbol für die umfassende Entrechtung der PalästinenserInnen - Anm. d.

Übers.), wurden jedoch von der israelischen Armee auseinandergetrieben, die Tränengasgranaten

und Gummimantelgeschosse in die Menge feuerte. Drei Menschen wurden dabei durch

Gummimantelgeschosse verletzt.

Budrus am 30. März 2010

Qarawat Bani Hassan

Am gleichen Tag demonstrierten über 200 israelische, palästinensische und internationale

AktivistInnen nahe der Quelle von Ein Entweteg in Qarawat Bani Hassan, einem Dorf in der

Westbank, um den jährlichen palästinensischen „Tag des Landes“ zu begehen.

Bil'in

Am Freitag in Bil'in trafen 25 Israeli, die mit den Anarchists Against the Wall „angereist“ waren,

auf eine etwa gleichgroße Gruppe von InternationalistInnen, um gemeinsam mit PalästinenserInnen

aus dem Dorf und der Umgebung zum Trennungszaun zu demonstrieren. Das Thema der Demo war

der palästinensische „Tag des Landes“ und der Widerstand gegen die jüngsten eskalierenden

Maßnahmen der Armee, die die wöchentlichen Demonstrationen durch Verbote unterdrücken

wollte, indem sie die Dörfer Bil'in und Ni'ilin freitags zu geschlossenen Militärzonen erklärten, die

von Israeli und InternationalistInnen nicht betreten werden dürfen. So weit diese Verordnungen

durch die israelischen Medien veröffentlicht wurden, so stark war auch der Boomerang-Effekt: Es

gab eine Menge von negativen Meinungsäußerungen, die im Ergebnis das Gegenteil dessen

bewirkten, was die Armee beabsichtigte. Möglicherweise war dies auch der Grund dafür, dass

diesmal die Repression am Gatter der Trennungsanlage (es gibt viele Bezeichnungen für dieses

illegale Bauwerk – Anm. d. Übers.) geringer ausfiel, als wir es gewohnt sind.


Bil'in am 2. April 2010

Als wir das Gatter erreichten, schafften es einige Protestierende, in das Innere der Pufferzone zu

gelangen und eine palästinensische Fahne an den Zaun zu hängen. Ein Schild wurde hochgehalten

und eine Weile wurden Parolen gesungen, bevor eine merkwürdig entspannte Armee ein paar

Tränengasgranaten durch die Gegend warfen. Dann warfen Jugendliche Steine auf einen

patrouillierenden Jeep, und in einem nachbarschaftlichen Akt kehrten die wenigen

Tränengasgranaten zurück, die die Armee verloren hat.

Al Ma'asara

Auch in Al Ma'asara nahe Bethlehem kamen DemonstrantInnen zusammen, um den „Tag des

Landes“ zu begehen, der an die massenhafte Konfiszierung palästinensischen Landes durch Israel

1976 erinnert. PalästinenserInnen, Isreali und InternationalistInnen demonstrierten friedlich über

das Gemeindeland. Jedoch blockierte das israelische Militär zusammen mit Polizei- und

Grenzpolizeikräften die Landstraße mit Stacheldraht, wo die DemonstrantInnen stoppten und

Widerstandshymnen sangen und den Reden von VertreterInnen des zivilen Widerstandes zuhörten.

Al Ma'asara am 2. April 2010


Die SoldatInnen verkündeten dann, dass der Bereich zu einer Geschlossenen Militärzone erklärt

worden ist, und entfernten den Stacheldraht, um sich zu Fuß und in Jeeps auf die Protestierenden

zuzubewegen und Knallschock- sowie Tränengasgranaten direkt auf sie zu werfen. Zwei

Demonstrierende wurden verhaftet, nachdem sie die Armeekräfte fragten, ob sie eine Kopie der

genannten Verordnung sehen könnten. Sie wurden in eine israelische Polizeistation in der Nähe

verfrachtet.

Ni’ilin

Dutzende Protestierende wurden verletzt, als sie in dem Zentral-Westbank-Dorf Ni'ilin während

eines Angriffs der israelischen Truppen auf die Anti-Mauer-Proteste mit Tränengasgranaten

beschossen wurden und das Gas inhalieren mussten. DorfbewohnerInnen demonstrierten

gemeinsam mit israelischen und internationalen UnterstützerInnen auf den Feldern nahe der von

Israel gebauten Mauer. Später lief die Menge auf die Mauer zu, und einige Jugendliche aus dem

Dorf pflanzten eine palästinensische Fahne oben auf die Mauer. Daraufhin feuerten die Truppen

Tränengas- und Knallschockgranaten auf die Protestierenden, woraufhin Dutzende unter den Folgen

des Gases litten.

Sheikh Jarrah

Annähernd 200 Protestierende kamen in Sheikh Jarrah zusammen, um gegen die fortschreitende

Siedlungskampagne in Ost-Jerusalem zu demonstrieren. Die Protestierenden trugen Modellhäuser

mit sich, um zu symbolisieren, dass die PalästinenserInnen nun schon zweimal ihre Häuser und

Heimstätten verloren haben – 1948 und erneut letztes Jahr. In den vergangenen Wochen kündigte

die israelische Regierung mehrmals neue Siedlungspläne für Ost-Jerusalem an, die komplett die

internationale Gemeinschaft und ihre Übereinkommen ignorieren. Ihr Ziel ist es, JüdInnen überall

im Osten von Jerusalem anzusiedeln: Silwan, Shuafat, Gilo, Ramat Shlomo und nun auch in Sheikh

Jarrah.

Es gibt Konstruktionspläne für Hunderte neuer Wohneinheiten in dem Areal rund um das Sheppard

Hotel in Sheikh Jarrah. Das Gebiet reicht von dem Hügel, auf dem das Hotel steht, bis zu den

Olivenhainen auf der anderen Seite der Straße und ist allein jüdischen Siedlern vorbehalten.

(Arabische Menschen erhalten nach der rassistischen Gesetzgebung in Israel grundsätzlich keine

Baugenehmigungen, auch nicht in dem von Israel 1967 besetzten und 1980 annektierten, arabischen

Ostteil Jerusalems, der einmal die Hauptstadt eines palästinensischen Staates werden sollte – Anm.

d. Übers.) Einige Protestierende liefen vom Kundgebungsort aus mehrere Hundert Meter den Hügel

zum Hotel herauf, um davor zu demonstrieren, zu singen und Schilder hochzuhalten, was eine halbe

Stunde dauerte. Nasser Gawi, ein Bewohner der arabischen Nachbarschaft, dessen Haus

extremistischen Siedlern gegeben wurde, und der nun in einem Protestzelt (mit seiner Familie seit

August 2009 auf der Straße vor seinem ehemaligen Heim – Anm. d. Übers.) lebt, sprach über die

Situation und erläuterte, welche Gebiete durch den Neubau bedroht werden.

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