Das NLP-Praxisbuch für Lehrer

perspektiven

Schüler brauchen für effektives Lernen eine gute Beziehung zu ihrem Lehrer, Achtung und Aufmerksamkeit. Lehrer brauchen Charisma, eine innere Ausrichtung auf erfolgreiche Lern- und Veränderungsprozesse und die Fähigkeit, die Welt aus der Perspektive der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen zu sehen. Davon handelt „Das NLP-Praxisbuch für Lehrer“ von Dr. Petra und Ralf Dannemeyer. In diesem praxisorientierten Grundlagenwerk zum Neurolinguistischen Programmieren (NLP) im Schulalltag finden Lehrerinnen und Lehrer eine Fülle lösungsorientierter systemischer Methoden, um gute Beziehungen im Klassenzimmer aufzubauen, das Potenzial der Kinder und Jugendlichen zu fördern und auch bei Schulangst helfen zu können. Dabei steht die Lehrerpersönlichkeit mit ihren eigenen Veränderungsmöglichkeiten im Vordergrund. Gestützt auf die Erkenntnisse der modernen Gehirnforschung zeigt das Buch, wie sich Glaubenssätze, Sprache, Mimik und Gestik auf den pädagogischen Erfolg und auf die Schüler auswirken. Dazu bietet das „NLP Übungsheft für Lehrer“ ein didaktisch aufbereitetes Lernprogramm. www.nlp-für-lehrer.de

PETRA DANNEMEYER & RALF DANNEMEYER

DAS NLP-PRAXISBUCH

FÜR LEHRER

HANDLUNGSSTRATEGIEN FÜR DEN SCHULISCHEN ALLTAG

Was Schüler für effektives Lernen brauchen:

Beziehung, Achtung und Aufmerksamkeit

Junfermann Verlag

Paderborn

2015


Inhalt

Vorwort............................................................................................................................. 13

Einführung........................................................................................................................ 15

Was ist NLP? ................................................................................................................... 15

Was NLP den Lehrern schenken kann........................................................................ 17

Das Menschenbild fordert eine besondere Pädagogik.............................................. 19

Schüler brauchen ... diese Lehrerinnen und Lehrer................................................... 21

1. Rapport – Die Resonanz in der Klasse................................................................ 23

1.1 Vom Unterschied, der den Unterschied macht................................................ 23

1.2 Rapport und die Entdeckung der Spiegelneurone.......................................... 26

1.3 So fängt der Rapportaufbau an: Die Schüler „spiegeln“................................. 28

1.4 Strategien für Rapport im Klassenzimmer...................................................... 29

1.4.1 Rapport im Einzelgespräch aufbauen............................................................... 30

1.4.2 Rapport zu schwierigen Schülern aufbauen..................................................... 32

1.4.3 Rapport zur ganzen Klasse aufbauen................................................................ 33

1.5 Der zweite Schritt im Rapportaufbau: Die Schüler führen ........................... 38

1.6 Die Kommunikation führen im Elterngespräch............................................. 39

1.7 Schluss mit lustig: Auch „Rapportbruch“ will gekonnt sein......................... 41

1.8 Resonante und dissonante Führungsstile im Klassenzimmer...................... 42

2. Pawlows Entdeckung nutzen – mit „Ankern“ arbeiten.................................. 45

2.1 Der pawlowsche Hund........................................................................................ 46

2.2 Raumanker im Klassenzimmer: Fördern oder behindern sie Lernen?........ 49

2.2.1 Tafel und Projektionswand als Anker für Aufmerksamkeit......................... 50

2.2.2 Der „Jetzt-wird’s-ernst“-Raumanker................................................................. 53

2.2.3 Der „Gute-Laune“-Raumanker.......................................................................... 53

2.2.4 Der „Muss-auch-sein“-Raumanker................................................................... 54

2.3 Der Raum als pädagogischer Assistent............................................................. 54

2.4 Individuelle Anker im Unterricht..................................................................... 56

2.4.1 Anker bei Lehrern................................................................................................ 59

2.4.2 Anker bei Schülern.............................................................................................. 61


3. Typgerechte Motivation...................................................................................... 63

3.1 Sechs Metaprogramme, die für die Motivation

von Schülern wichtig sind................................................................................... 64

3.1.1 In welche Richtung bewegt sich der Mensch:

hin zu Spaß oder weg von Leid?......................................................................... 65

3.1.2 Denken in Möglichkeiten oder in Ergebnissen:

Optional oder prozedural?.................................................................................. 67

3.1.3 Kurz und knackig oder lieber alles ganz genau? Überblick oder Detail...... 69

3.1.4 Proaktiv – reaktiv: Lieber gleich loslegen oder erst mal abwarten?............. 71

3.1.5 Wer sagt, was gut ist? Internale und externale Leistungsmaßstäbe ............ 74

3.1.6 „Sachtypen“ sehen die Schule anders als „Beziehungstypen“....................... 76

3.2 Vom ethischen Umgang mit Typentheorien.................................................... 80

4. Die Macht der Sprache......................................................................................... 81

4.1 Finden Sie die richtigen Worte und den richtigen Ton?................................. 81

4.2 Was von der „Realität“ übrig bleibt: Die Landkarte ist nicht

die Landschaft....................................................................................................... 82

4.3 Auf eine neue Art zuhören lernen:

Die Repräsentationssysteme der Sprache......................................................... 85

4.4 Das Gehirn braucht attraktive Angebote –

sonst „tilgt“ es Informationen............................................................................ 86

4.5 Das Kommunikationsmodell des NLP............................................................. 89

4.6 Wer fragt, führt: Das Metamodell der Sprache............................................... 91

4.7 Hypnotische Sprachmuster fördern das Lernen: Das Milton-Modell......... 100

4.7.1 Das Unbewusste auf die Suche nach dem Sinn schicken............................... 100

4.7.2 Die Kunst der Negation....................................................................................... 101

4.7.3 Vage Worte: versuchen, möglicherweise, vielleicht ....................................... 102

4.7.4 Verdeckte Fragen.................................................................................................. 104

4.7.5 Mein lieber Onkel Jon – Von lehrreichen Storys............................................. 105

5. Ohne Worte: Gestik und Mimik.......................................................................... 107

5.1 Nonverbale Kommunikation im Schulalltag .................................................. 107

5.2 Gesten im Schulalltag gezielt einsetzen: Das IPO-Modell............................. 108

5.3 Mimik und Resonanz.......................................................................................... 112

5.3.1 Was der Blick des Schülers Ihnen sagt: die Augenbewegungsmuster.......... 112

5.3.2 Was ein Blick dem anderen sagt: Die Mimik von Schülern und Lehrern.... 115

5.3.3 Wie fühlen Sie sich, wenn Sie in die Klasse gehen?......................................... 116


5.3.4 Ein Lächeln und gute Laune stecken an........................................................... 117

5.3.5 Augenkontakt mit allen Schülern – wie geht das?.......................................... 119

5.3.6 Umarmen oder lieber Abstand halten?............................................................. 120

5.4 Worte und Gesten geschickt kombinieren....................................................... 122

5.5 Beruhigungsgesten und der innere Zustand von Schülern........................... 125

5.6 Mit dem „Einfrieren“ von Gesten Aufmerksamkeit erwirken...................... 127

6. Wie steht’s um Ihr Selbstmanagement?............................................................ 129

6.1 Warum so viele Lehrer innerlich „ausbrennen“.............................................. 130

6.2 Wie sehen Sie sich selbst? – Ihre Glaubenssätze.............................................. 131

6.3 Selbstmanagement auf dem Persönlichkeitspentagramm............................. 134

6.3.1 Das Erkenntnisfeld: Geben Sie Ihrer Intuition eine Chance?........................ 136

6.3.2 Das Geschlechterfeld: Wie leben Sie Mann- oder Frau-Sein?....................... 138

6.3.3 Das Kontaktfeld: Leben Sie Ihre Bedürfnisse?................................................. 140

6.3.4 Das Hierarchiefeld: Können Sie Verantwortung auch mal abgeben?........... 142

6.3.5 Das Kommunikationsfeld: Zuhören wie Momo oder immer nur reden?.... 144

7. Umgang mit Schulangst und Lernblockaden.................................................... 147

7.1 Von der Blockade zur generalisierten Angst.................................................... 147

7.2 Was hat der Lehrer mit der Schulangst seiner Schülerin zu tun?................. 150

7.3 Die Rolle der Eltern – wie das Familienklima Schulangst befördert........... 155

7.4 „Starke“ Kinder haben keine Schulangst: Wie Sie Ihren Schülern

helfen können....................................................................................................... 157

Anstelle einer Zusammenfassung: Die fünf Gaben des Perspektivus ..................... 163

Verwendete Literatur...................................................................................................... 167

Weiterführende Literatur............................................................................................... 168


Vorwort

Ein Buch für Lehrer. Eines, das wirklich Neues bringt. Das anfängt, wo andere aufhören.

Das unsere Methode – das Neurolinguistische Programmieren (NLP) und

seinen lösungsorientierten, systemischen Ansatz – für den Schulalltag nutzbar

macht. Das ist unser Anspruch an dieses Buchprojekt.

Damit das gelingt, muss zuvor eine Wahl getroffen werden. Das Buch könnte den

Schüler in den Fokus nehmen und Lehrern pädagogische Methodik an die Hand

geben, die darauf abzielt, den Schüler, sein Verhalten, seine Motivation zu verändern.

Auch dafür bietet NLP zahlreiche Ansätze. Doch darüber haben Kollegen bereits viel

Hilfreiches geschrieben.

Ein anderer Ansatz wäre, den Lehrer in den Fokus zu nehmen: seine Persönlichkeit,

seine Sicht auf Schule, Schüler, Eltern, Kollegen, Umfeld und sein Potenzial, die

Dinge zu verändern. Dafür haben wir uns entschieden. Denn als Lehrtrainer und

Coaches für NLP sind wir überzeugt: Wir können das Verhalten anderer Menschen

nicht ändern – unsere Reaktion darauf sehr wohl.

Alle Veränderung beginnt bei uns selbst

Wer dieser Sichtweise folgt, reflektiert Fragen wie diese:

• Welche Konsequenzen haben meine Glaubenssätze für mein Handeln und meine

pädagogischen Strategien?

• Welche Konsequenzen haben mein Handeln und meine pädagogischen Strategien

für das Verhalten meiner Schüler?

• Welche Konsequenzen hat das Verhalten meiner Schüler für meinen inneren Zustand?

• Welche Konsequenzen hat mein innerer Zustand für meine Glaubenssätze?

• Wenn ich etwas verändern wollte – wo liegt der „Generalschlüssel“?

In dieser Sichtweise blickt der Lehrer auf sich selbst, auf sein Inneres, auf seine Vorannahmen

und auf seine Wirkung. Der Lehrer wird zum Objekt seines eigenen

Veränderungsprozesses. Dieses Buch ist also ein Veränderungsbuch für Lehrer. Sie

erfahren viel über sich selbst, Ihre Erfolgs- und Misserfolgsstrategien, Ihre inneren

Coaches und Ihre inneren Saboteure. Wie Sie das Wesen eines Ihnen anvertrauten

Kindes oder Jugendlichen erkennen und eine tragfähige Beziehung aufbauen können.

Wie Sie das nachhaltige „JA“ der Schülerin erwerben, das die Bedingung für

jede erfolgreiche Lernbeziehung ist. Wie Sie Ihren Unterricht magnetisieren, sodass


14 · Das NLP-Praxisbuch für Lehrer

Ihre Schüler gespannt und mit Vorfreude auf die Zeit mit Ihnen warten. Und wie Sie

in Ihrem Beruf langfristig glücklich und gesund werden und bleiben.

Wenn sich dabei Schüler, Schule – und überhaupt: das Leben an sich – verändern,

dann geschieht das weder beabsichtigt noch versehentlich. Es ist unvermeidlich.

Wir wünschen Ihnen viel Freude und gute neue Erkenntnisse.

Ihre

Petra & Ralf Dannemeyer

P. S.: Wir wechseln im Text zwischen den Geschlechtern, sprechen also mal von Lehrerinnen,

mal von Lehrern oder mal von Schülerinnen, mal von Schülern. Gemeint

sind Männer und Frauen, Mädchen und Jungen.

P. P. S.: Zu diesem Buch ist ein Begleitheft erschienen: DasNLP-Übungsheft für

Lehrer“. Darin finden Sie ein Trainingsprogramm aus 66 Aufgaben zu jedem Thema

dieses Buches. Ideal für die sofortige Anwendung Ihres neuen Wissens.

(ISBN 978-3-95571-337-9)


Einführung

Was ist NLP?

Die in diesem Buch vorgestellten Methoden, Interventionen und Ideen zur Erleichterung

des pädagogischen Alltags basieren auf dem Modell des Neurolinguistischen

Programmierens (NLP), ergänzt durch die Weiterentwicklungen an unserem „perspektiven

– Institut für Mentaltraining“ in Weimar. Wir präsentieren Ihnen also

eine der zahlreichen Anwendungsgebiete des NLP, speziell zugeschnitten auf Ihre

Bedürfnisse als Lehrer und Pädagogen. Da macht es Sinn, zunächst einmal zu erläutern,

was NLP eigentlich ist und auf welchen Theorien, Ideen und Idealen dieses

Modell basiert.

NLP ist ein Forschungsfeld aus dem Bereich der Verhaltens- und Kognitionswissenschaften.

Die Aufmerksamkeit gilt dem subjektiven Empfinden von Menschen

und dessen Veränderbarkeit. Ausgehend von den Erkenntnissen der modernen Systemtheorie,

Linguistik, Neurophysiologie und Neurobiologie sowie Psychologie beschreibt

NLP, wie Menschen

• sich selbst und ihre Umwelt wahrnehmen,

• diese Informationen auf ihre eigene Weise verarbeiten,

• auf dieser Grundlage fühlen, denken und handeln,

• entsprechend miteinander kommunizieren,

• lernen und

• sich verändern.

Wie alles begann

Die frühen 70er-Jahre in Kalifornien. Die Woodstock-Generation rüttelt an den

Grundfesten gesellschaftlicher Vorstellungen. Der Zeitgeist ist geprägt von Flower

Power, Bewusstseinserweiterung, Spiritualität und Aufbruch. Die jungen Menschen

haben die Auswüchse einer autoritären, mitunter menschenverachtenden Pädagogik

erlebt. Sie stehen zudem unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs und des

Vietnamkriegs. Sie haben den Glauben daran verloren, von den Repräsentanten alter

Weltbilder das Richtige lernen zu können. In dieser kreativ-wilden Zeit entsteht

NLP. Es ist sozusagen ein Kind dieser Zeit.

Kinder dieser Zeit sind auch Richard Bandler, John Grinder und Frank Pucelik, die

im Umfeld der University of California in Santa Cruz (USA) das NLP „erfinden“. Sie

sind brennend an der Frage interessiert, wie bestimmte „Zauberer“ in der Psycho-


16 · Das NLP-Praxisbuch für Lehrer

therapie ihre Klienten so beeinflussen, dass Zwänge, Ängste und psychosomatische

Beschwerden in kurzer Zeit geheilt werden. Warum schaffen das einige Therapeuten,

während die große Mehrheit diese Erfolge nicht erzielt? „Gute“ wie „schlechte“ Therapeuten

verfügen doch über die gleichen theoretischen Erkenntnisse – was also ist

der Unterschied, der den Unterschied macht?

Ein wissenschaftliches Forschungsprojekt ist geboren. Grinder, Bandler und Pucelik

analysieren die Arbeit dreier Startherapeuten:

• Virginia Satir, Begründerin der systemischen Familientherapie und Erfinderin

der Familienrekonstruktion,

• Fritz Perls, Begründer der Gestalttherapie,

• Milton Erickson, Psychiater und Begründer der „erlaubenden“ Hypnose.

Perls’ (✝ 1970) Vermächtnis waren umfangreiche Live-Transskripte seiner Sitzungen,

deren Essenz das Projekt bereichert. Virginia Satir und Milton Erickson beteiligen

sich gern an dem interessanten Experiment und laden die NLP-Begründer in ihre

Therapiesitzungen und Seminare ein. Grinder, Bandler und Pucelik untersuchen die

Sprache ihrer „Modelle“, ihr nonverbales Verhalten und ihre mentalen Prozesse. Sie

beobachten, filmen, vergleichen: Wie verhalten sich Satir und Erickson? Wie reagieren

sie? Wann und wie sagen sie etwas? Und wie bewegen sie sich dabei? Dann

trennen sie „Zufälle“ von wiederholbaren Mustern des Erfolgs – also Strategien, mit

denen Satir und Erickson immer wieder gute Ergebnisse erzielen: Diese Suche nach

Exzellenz führt zu ebenso verblüffenden wie faszinierenden Ergebnissen. Was Satir,

Perls und Erickson tun, geschieht intuitiv, denn sie selbst haben dafür (noch) keine

theoretische Begründung. Gleichwohl gibt es eine Grammatik. Denn die drei Therapeuten

– die verschiedene Richtungen vertreten und voneinander kaum wissen

– machen in bestimmten therapeutischen Kontexten das Gleiche – immer wieder,

scheinbar unbeabsichtigt, meist mit Erfolg. Bandler, Pucelik und Grinder wird klar,

was sie hier entdeckt haben: Spezifische Muster des Erfolgs, die nun standardisiert,

gelernt und gelehrt werden können. Sie haben die „Struktur der Magie“ entdeckt 1 .

Die Erfolge aus Kalifornien verbreiten sich in Fachkreisen wie ein Lauffeuer. Mit

brennenden Herzen reisen Menschen von überall her an, lernen und entwickeln mit

Bandler, Pucelik und Grinder deren Ideen weiter. Auch die bei der Beobachtung von

Satir, Erickson und Perls angewandte Informationssammlung wird systematisiert

und unter der Bezeichnung „Modelling“ in die NLP-Schatzkiste aufgenommen. Damit

gelingt es, unbewusste Fertigkeiten von „Modellen“ nicht nur zu beschreiben,

1 Das erste Buch aus der Disziplin NLP heißt: „The Structure of Magic“; deutsch: „Metasprache und

Psychotherapie. Die Struktur der Magie I“. Neu übersetzte Auflage 2011, Junfermann.


Einführung · 17

sondern diese auch auf eigenes Verhalten zu übertragen: Eine Grundlage für eine

neue Sicht auf Lernen, Erfolgsorientierung und Mentaltraining. Die Strategien von

Menschen mit exzellenten Fähigkeiten auf ihrem Gebiet können nun erforscht und

praktisch jedem zugänglich gemacht werden, der dies möchte. Doch damit nicht genug.

Die zweite Sensation ist diese: Auch Limitationen wie etwa Zwänge, einschränkende

Glaubenssätze, Phobien, innere Widersprüche können bald besser erklärt

werden – NLP liefert die Grundlagen für kurzzeittherapeutische Konzepte (Bandler

& Grinder, 2013). Ausschlaggebend dafür ist die Fähigkeit, sich im Gespräch sowohl

körperlich als auch sprachlich präzise in die subjektive Erlebenswelt des anderen hineinzuversetzen.

Dabei gewinnt der NLP-Kundige Informationen, um zu verstehen,

wie der andere sein inneres Erleben – und somit auch seine Möglichkeiten und Einschränkungen

– bewusst und unbewusst organisiert und aufrechterhält. Auf dieser

Basis können dann – für den Klienten maßgeschneidert – neue Alternativen und

Lösungen für Probleme, Konflikte, unerwünschte Zustände oder Verhaltensweisen

gefunden werden.

Was NLP den Lehrern schenken kann

Was hat das alles mit Ihrem Beruf als Lehrerin oder Lehrer zu tun? Was können

Sie damit im Klassenzimmer anfangen? Diese Fragen beantworten wir, indem wir

noch einmal an die ersten „Modelle“ von Bandler, Pucelik und Grinder erinnern:

Fritz Perls, Virginia Satir und Milton H. Erickson. Deren herausragende Bedeutung

bestand in ihren Grundüberzeugungen, mit denen sie die damaligen Grenzen der

Psychologie sprengten – und die auch heute noch viele Antworten für den Lehrerberuf

bereithalten:

• Fritz Perls fokussierte auf das Potenzial des Menschen, im Unterschied zu seinen

Symptomen.

• Seine Sicht auf den Menschen als Einheit von Körper und Geist – damals revolutionär!

– gehört zu den zentralen Anliegen des NLP. Auch die Betrachtung von

positiven Absichten hinter dem Verhalten von Menschen beruht auf Perls.

• Seine Liebe für Theatermethoden in therapeutischen Kontexten inspirierte NLP

zu verschiedenen erlebnisorientierten Herangehensweisen, die alle Sinne ansprechen.

Sie finden in diesem Buch und im Begleitheft einige Beispiele für deren

Anwendungsmöglichkeiten im Unterricht und für Ihr Selbstmanagement.

• Virginia Satir entdeckte das Familiensystem und damit die systemische Therapie.

Sie nahm nicht allein den „Star“, wie sie den Symptomträger nannte, in den Fokus,

sondern dessen ganze Familie. Sie zeigte, dass die Veränderung eines Teils

dieses Systems sich auf alle anderen Teile auswirkt. Für das Familiensystem be-


18 · Das NLP-Praxisbuch für Lehrer

nutzte sie die Metapher des „Mobile“: Gerät ein Teil in Bewegung (ins Ungleichgewicht),

so bewegen sich alle anderen Teile mit. Doch das Mobile sucht immer

wieder sein Gleichgewicht. Allerdings kann es sich auch um ein destruktives

Gleichgewicht handeln. Daher soll nicht das Ungleichgewicht verhindert werden.

Therapeuten und Pädagogen sollen vielmehr helfen, ein gutes neues Gleichgewicht

herzu stellen 2 .

• Sie unterschied zwischen kongruenter und inkongruenter Kommunikation und

verdeutlichte, dass ein inkongruenter Kommunikationsstil viel Leid verursacht.

Das ist für die Beziehungsgestaltung und die Veränderungsarbeit im Klassenzimmer

ein wahrer Schatz (siehe „Die Macht der Sprache“ ab Seite 81).

• Virginia beschrieb zwei für Pädagogen relevante Sichtweisen: das hierarchische

Modell, welches auf Macht und Unterordnung aufbaut und dessen Werkzeuge

Belohnung und Strafe sind; und das von ihr so benannte „Wachstumsmodell“.

Danach verfügen alle Menschen über die Ressourcen, ein glückliches Leben zu

führen. Therapeuten können den Menschen helfen, ihre „Weisheitsdose“, wie Virginia

es nannte, zu finden. Diese Idee und deren Methodik schwingen in diesem

Buch an jeder Stelle mit.

• Milton Erickson kreierte eine „Hypnogrammatik“, aus der Sie zahlreiche lernfördernde

und motivierende Suggestionen ableiten können (siehe Seite 100).

• Er fokussierte auf die Einmaligkeit eines jeden Menschen. Finde das Einzigartige

und beginne dann mit der Veränderungsarbeit – so lautete seine Botschaft. Sie

schwingt in diesem Buch mit, besonders, wenn es um Ihre Beziehung zu Schülern

geht, die Sie als schwierig empfinden.

• Er „utilisierte“ (utilisieren = nutzbar machen) alles, was seine Patienten ihm anboten:

Mit dem Gärtner sprach er zunächst über Pflanzen, mit dem Ingenieur

über Technik, mit dem Kind über ein Spiel. Er hielt es für unabdingbar, sich über

die Interessen, Hobbys und Werte eines Menschen zu informieren (siehe „Motivation“

ab Seite 63).

• Er war ein exzellenter Beobachter. Er achtete auf Mikroausdrücke und nahm die

nonverbalen Signale seiner Klienten wahr, die ihm anzeigten, ob ein Mensch bereit

und in der Lage für eine Veränderung war, oder ob er diese bereits vollzogen

hatte. Doch dafür brauchte Milton eine präzise, geschulte Wahrnehmung.

Er musste wissen, worauf er achten sollte, welcher Mikroausdruck was bedeutet.

Wie wäre es, wenn Sie diesen Wissensschatz in der Arbeit mit Ihren Schülern

anwenden könnten? Mehr darüber in den Kapiteln „Rapport“ (ab Seite 23) und

„Nonverbale Kommunikation“ (ab Seite 107).

2 Diese Betrachtungsweise ist heute Grundlage der systemischen Theorie. Sie wird in der Familientherapie

und auch in der Organisations- und Teamentwicklung in Unternehmen oder Organisationen

umgesetzt – auch für Schulen bietet sich dieses Konzept an.


Einführung · 19

Fritz Perls, Virginia Satir und Milton Erickson glaubten fest daran, dass jeder

Mensch das Bedürfnis hat zu wachsen. Sie bezogen die nonverbale Kommunikation

als entscheidendes Element in die Veränderungsarbeit ein. Gemeinsam war den

Dreien überdies ein auf Autonomie, Gleichberechtigung und Entwicklung zielendes

Menschenbild. Es ist so grundlegend für alle weiteren Erkenntnisse in diesem Buch,

dass wir näher darauf eingehen.

Das Menschenbild fordert eine besondere Pädagogik

In europäischen Fachkreisen machte Ende der 1970er-Jahre das Gerücht über eine

Gruppe „durchgeknallter Amis“ die Runde, die merkwürdige Therapien ausprobierten

und damit gigantische Erfolge erzielten. Die Österreicherin Gundl Kutschera,

damals Lehrtrainerin für Familientherapie am Max-Planck-Institut für Psychiatrie

in München, befand sich zu dieser Zeit mit ihrem Mann auf einer Studienreise in

den USA. „Ich wollte einfach eine gute Therapeutin sein“, erzählte sie uns, „deshalb

wollte ich diese Leute kennenlernen.“ Sie begegnete nicht nur Richard Bandler und

John Grinder, sondern belegte auch Seminare in systemischer Therapie bei Virginia

Satir. Zurück in ihrer Heimat war Gundl Kutschera die erste Frau, die NLP im

deutschsprachigen Raum einführte. Wir hatten das Glück, einige Jahre mit der heute

über 70-jährigen Grande Dame unserer Disziplin zusammenarbeiten zu dürfen. Sie

bildete uns zu Trainern und Coaches aus.

Abends erzählte sie gern von ihrer Zeit mit Virginia Satir. Ihre ohnehin stets strahlenden

Augen wurden noch weicher, ihr Herz schien sich noch weiter zu öffnen, wenn

sie über ihre Lehrerin sprach, die 1988 gestorben war. Sie erzählte uns, Virginia Satir

sei immer ganz bei den Menschen gewesen. Von allen Dingen, die sie tat, war sie voll

und ganz überzeugt. Sie liebte die Menschen und glaubte an ihre Wachstumsfähigkeit.

Besonders für die Kinder war sie da. In der Familientherapie stellte sie die Kleinen

auf einen Stuhl, damit sie immer auf Augenhöhe mit den Erwachsenen sprechen

konnten. Sie war eine unermüdliche Arbeiterin, verfolgte ihre Ideen und war absolut

autonom. Wenn sie auf Widerstand stieß oder Rückschläge erlitt, betrachtete sie das

niemals als Versagen, sondern als Feedback. Zeit ihres Lebens war sie eine Suchende

nach dem Glück der Menschen.

Mit Jeffrey Zeig trafen wir einen langjährigen Schüler Milton H. Ericksons. Er begegnete

dem Großmeister der Hypnose 1973, studierte dessen Arbeit intensiv, promovierte

1977 zu einem Aspekt der Hypnotherapie und lebte und arbeitete mit seinem

Lehrer bis zu dessen Tod 1980 in Phoenix, Arizona. Dort begründete Jeffrey

Zeig danach die international tätige Milton H. Erickson Foundation, veröffentlichte


20 · Das NLP-Praxisbuch für Lehrer

zahlreiche Publikationen und verhalf dieser Therapierichtung mit seiner Lehrtätigkeit

zu internationaler Anerkennung. In der Fachwelt wird seine Erklärung, Systematisierung

und Strukturierung der Ericksonschen Hypnotherapie als besonderes

Verdienst anerkannt.

2013 trafen wir Jeffrey Zeig anlässlich eines hypnotherapeutischen Workshops.

Während eines Abendessens erzählte er uns von seiner Zeit mit Milton Erickson. Es

war der warmherzige, herzöffnende und aufschlussreiche Bericht eines inzwischen

über 65 Jahre alten Psychotherapeuten, Hypnotiseurs und Dozenten, der seinen Lehrer

mehr als verehrte.

Danach sei Milton Ericksons Arbeit von tiefer Liebe zu seinen Patienten geprägt gewesen.

Er interessierte sich weniger für deren Limitationen; sein Interesse galt ihrem

Wesen und ihrem Veränderungspotenzial. In diesem Zusammenhang sprach

Erickson die, wie er es nannte, „Weisheit des Unbewussten“ an. Er, der Therapeut,

habe diese nur anzuregen; die Veränderungskraft werde dann von allein wirksam.

Er „übte“ ständig und entwickelte sich stets weiter, erzählte uns Zeig. Er verlangte,

dass alle Therapeuten und Lehrenden ihre Methodik ständig auf die Probe stellten

und optimierten. „Faule Therapeuten“, wie er sie nannte, bekamen bei Erickson keine

Chance; seine Freundlichkeit konnte in beißende Provokation umschlagen, sobald

er bemerkte, dass ein Therapeut oder ein Schüler konzeptlos daherredete oder

seine Kunst der Wahrnehmung, der Wortwahl, des Stimmeinsatzes und der Körpersprache

nicht ständig verfeinerte. So hatte auch Jeffrey Zeig bei ihm harte Nüsse zu

knacken.

Uns ist niemand begegnet, der Fritz Perls persönlich kannte. Doch wir sind sicher,

dass die Beschreibungen ähnlich wären. In Biografien wird er als ewig Suchender beschrieben,

der über die Verzweiflung einer selbst erlittenen existenziellen Krise zum

„großen alten Mann“ der Gestalttherapie wurde. Er selbst erklärte seine Arbeit so:

Das Ziel dieser Wissenschaften ist nicht, uns Erklärungen für Verhaltensweisen zu

geben, vielmehr, uns Selbsterkenntnis, Befriedigung und Selbständigkeit erreichen

zu helfen.“ (Walker, 2000, S. 151)

Satirs, Ericksons und Perls’ Ideale sind nicht vergessen. Pädagogen, Psychologen, Soziologen

und Neurobiologen debattieren sie heute besonders intensiv. Die moderne

Gehirnforschung hat in den letzten Jahren bahnbrechende Erkenntnisse gewonnen.

Aus ihnen lässt sich ableiten, dass der Lehrerpersönlichkeit größte Bedeutung für

Lust oder Unlust am Lernen zukommt. Der Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut

Joachim Bauer etwa sagt, dass gelingende Beziehungen zwischen Lehrer und Klasse

das Erfolgsgeheimnis guten Unterrichts seien (Bauer, 2008). Gerald Hüther fordert

ein Umdenken in Erziehung und Schule und sagt: „Jedes Kind ist hochbegabt.“ Entscheidend

sei, zu erkennen, „welch wunderbare Talente jedes Kind bei seiner Geburt


Einführung · 21

mit auf die Welt bringt und was wir daraus machen.“ (Hüther & Hauser, 2012, S. 36)

Neueste neurobiologische Forschung bestätigt: „Entscheidende Voraussetzung für

die biologische Funktionstüchtigkeit unserer Motivationssysteme sind das Interesse,

die soziale Anerkennung und die persönliche Wertschätzung, die einem Menschen

von anderen entgegengebracht wird.“ (Bauer, 2008, S. 21)

Schüler brauchen ... diese Lehrerinnen und Lehrer

Was für Lehrer brauchen Schüler also? Was sind die Schlüsselkompetenzen, damit

Motivation und Leistungsbereitschaft geweckt werden?

Schüler brauchen selbstbewusste Lehrerinnen und Lehrer

Warum sollten sich Schüler von einem Lehrer führen lassen, der nicht an sich selbst

glaubt? Ein selbstbewusster Pädagoge strahlt so etwas aus wie: „Ich bin Pädagoge mit

Leib und Seele und überzeugt von dem, was ich tue.“ Seine Umwelt bemerkt das an

seiner verbalen und nonverbalen Kommunikation und daran, dass er „da ist“, wenn

er vor der Klasse steht: Präsent, den Schülern zugewandt, freundlich und souverän.

Eine charismatische Lehrerpersönlichkeit mit starker Wirkung.

Schüler brauchen authentische Lehrerinnen und Lehrer

Schüler achten Lehrer, die „Typen“ sind. Die sich begeistern können, zum Beispiel

für einen Lernerfolg oder ein tolles Erlebnis. Und die Grenzen setzen können – wertschätzend,

ja, doch auch klar.

Schüler brauchen unabhängige Lehrerinnen und Lehrer

Wir wissen um die Schwierigkeiten, im System Schule seinen Standpunkt zu vertreten.

Doch will der Lehrer in erster Linie äußere Anforderungen erfüllen, richtet er

seinen Fokus kaum auf die Individualität des einzelnen Schülers. Seine Methodik,

sein Tempo und sein Auftreten in der Klasse werden mehr von Notwendigkeiten

wie Lehrplänen, der Zufriedenheit von Schulleitern, Eltern oder Kollegen oder der

vorgegebenen Gestaltung des Klassenzimmers bestimmt. Machen Sie sich davon so

gut es geht frei – jeden Tag ein Stück mehr. Die Qualität Ihres Unterrichts wird gewinnen!


22 · Das NLP-Praxisbuch für Lehrer

Schüler brauchen leidenschaftliche Lehrerinnen und Lehrer

Lehrer, die ihre Schüler wirklich erreichen wollen, müssen ihren Beruf und die Schülerinnen

und Schüler lieben. Sie mögen es übertrieben finden – wir meinen es genau

so: Schule muss für den Lehrer so schön sein, dass er in der Mitte der Ferien beginnt,

sich nach seinen Schülern zu sehnen. Sein Unterricht muss so schön sein, dass sich

Kinder und Jugendliche in den letzten Ferienwochen mit fröhlicher Spannung auf

das Wiedersehen freuen. Eine leidenschaftliche Lehrerin entzündet in ihren Schülern

das Feuer, das in ihr selbst brennt.

Schüler brauchen Lehrerinnen und Lehrer, die an Veränderung glauben

Zu den Grundirrtümern unserer Zeit gehört der genetische Determinismus, die

Auffassung also, Verhalten und Entwicklung des Menschen seien durch genetische

Programme gesteuert. Demzufolge kann es für auffälliges Verhalten oder Lernprobleme

nur zwei Gründe geben: Entweder das Kind hat genetisch oder durch Krankheit

verursacht die falschen biologischen Ressourcen, oder es wurde nicht genug instruiert,

also falsch erzogen. Diese fatale Auffassung bestimmte über Jahrhunderte

und bestimmt zum Teil heute noch die Logik vieler Bildungskonzepte.

Das ist traurig. Denn NLP und seine Wegbereiter – Satir, Erickson, Perls und andere

– machten das Veränderungspotenzial der Menschen schon seit den 70er-Jahren zur

Grundlage ihrer Arbeit. Die Konzepte lagen seitdem vor. Doch der genetische Determinismus

blieb stärker. Neurowissenschaftler haben erst in den vergangenen Jahren

erkundet, welche Verknüpfungen im Gehirn zu dem führen, was wir unseren „Geist“

nennen – also alles, was wir wahrnehmen, fühlen und denken, was wir lernen und

wie sich das Gehirn verändert. Aus dieser Perspektive geben sie sehr klare Antworten

auf die Frage, welche Bedingungen zu einer guten geistigen Entwicklung führen:

Menschen, und Kinder besonders, brauchen zwischenmenschliche Beziehungen,

Einfühlung und Empathie, um ihr Motivationssystem zu entfalten 3 . Erst in zweiter

Linie brauchen sie Lernstoff.

Das bedeutet auch: Wer Bindung, Gefühl, Liebe und Mitmenschlichkeit zum „Botenstoff“

für seine Lerninhalte macht, motiviert und schafft den Rahmen für Veränderung

und Entwicklung.

3 Eine ausführliche, leicht lesbare Darstellung der neurobiologischen Zusammenhänge liefert: Bauer,

Joachim, Lob der Schule – Sieben Perspektiven für Schüler, Lehrer und Eltern, Heyne Verlag, 2008.

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