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In neuem Licht - Freizeit und Spiel

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te gefördert, die von Jugendlichen selbst entwickelt<br />

<strong>und</strong> umgesetzt werden. Könnten nach<br />

Ihrer Meinung solche Projekte dazu beitragen,<br />

das <strong>In</strong>teresse der jungen Menschen zu wecken?<br />

Dr. Edgar Göll: Auf jeden Fall! Je konkreter die<br />

Projekte mit den Wünschen <strong>und</strong> Möglichkeiten<br />

von jungen Menschen zusammenhängen, umso<br />

besser. Die Schaffung von Beteiligungsmöglichkeiten<br />

an der Gestaltung des kommunalen<br />

Umfeldes ist ein wichtiger Bereich, damit junge<br />

Menschen lokale <strong>und</strong> gesellschaftliche Zusammenhänge<br />

begreifen <strong>und</strong> erleben können, <strong>und</strong><br />

vor allem ihre persönliche Handlungsfähigkeit<br />

wahrnehmen <strong>und</strong> weiter entwickeln können<br />

– zusammen mit Anderen. Dazu wäre es aber<br />

wichtig, dass dies auf einer kontinuierlichen<br />

Basis passiert, <strong>und</strong> nicht eine einmalige lokale<br />

Show-Veranstaltung bleibt. Je mehr junge<br />

Menschen das Gefühl haben, sie gehören dazu,<br />

werden gebraucht <strong>und</strong> Ernst genommen, <strong>und</strong><br />

dass sie Perspektiven <strong>und</strong> Optionen haben,<br />

umso eher werden sie sich mit der Kommune<br />

oder der Nachbarschaft identifizieren <strong>und</strong> sich<br />

engagieren, wenn es sein muss.<br />

FreeLounge: Welche Probleme einer Ausgrenzung<br />

von einzelnen Gruppen – beispielsweise<br />

durch Sprachbarrieren <strong>und</strong> mangelnde <strong>In</strong>tegration<br />

- sehen Sie dabei? Wie könnte man diese<br />

Probleme vermeiden?“<br />

Dr. Edgar Göll: Ausgrenzung entsteht oder<br />

zeigt sich meistens dort, wo eigene Ängste <strong>und</strong><br />

Unsicherheiten – <strong>und</strong> Unkenntnis bestehen.<br />

Ausgrenzung geschieht meist auf der Basis von<br />

Klischees <strong>und</strong> Vorurteilen, die sich im Laufe der<br />

Zeit verfestigen <strong>und</strong> nur schwer überw<strong>und</strong>en<br />

werden können. Ganz offensichtlich gibt es in<br />

Deutschland zu wenige Orte <strong>und</strong> Freiräume,<br />

dass sich junge Menschen unterschiedlicher<br />

Milieus – z.B. sprachlicher <strong>und</strong> religiöser –<br />

zwanglos begegnen <strong>und</strong> kennen lernen können.<br />

Dabei gibt es vielfältige Möglichkeiten dazu,<br />

wie z.B. Durchführung kleiner Feste, Konzerte,<br />

Filmvorführung, gemeinsame Gestaltung eines<br />

Platzes oder Gartens, Behebung eines Problems<br />

etc. Das geht meist nur durch geschickte Anleitung<br />

<strong>und</strong> Kommunikationsgestaltung – je nach<br />

konkreter Situation <strong>und</strong> Beteiligten.<br />

FreeLounge: Sehen Sie im Zusammenhang<br />

mit der Eroberung des öffentlichen Raums<br />

beispielsweise durch <strong>In</strong>liner <strong>und</strong> Skateboarder,<br />

durch Parkour <strong>und</strong> Geo-Caching eine Chance<br />

dazu, den Blick der Jugendlichen für einen<br />

nachhaltig gestalteten Freiraum zu schärfen?<br />

Dr. Edgar Göll: Ja, wenn sie z.B. bei der Gestaltung,<br />

Ausschmückung, <strong>und</strong> Pflege mit beteiligt<br />

<strong>und</strong> auch gefordert werden.<br />

FreeLounge: Welche Empfehlung können Sie<br />

Kommunen geben, die angesichts mangelnder<br />

Finanzausstattung eher zu sparsamen als zu<br />

nachhaltigen Lösungen neigen?“<br />

Dr. Edgar Göll: Sparsame Lösungen sind häufig<br />

auch nachhaltige Lösungen – aber nicht immer.<br />

Und hier zeigen die Beispiele aus unzähligen<br />

Kommunen im <strong>In</strong>- <strong>und</strong> Ausland, dass innovative<br />

<strong>und</strong> humane <strong>und</strong> jugendgerechte Maßnahmen<br />

gar nicht viel Geld kosten müssen, indem<br />

z.B. Brachflächen als Freiräume genutzt werden<br />

könnten – zumindest punktuell oder befristet.<br />

Und hier können gelegentlich Vereine, Schulen<br />

etc. gezielt einbezogen werden <strong>und</strong> viel ehrenamtliches<br />

Engagement einbringen. Durch geschickte<br />

<strong>und</strong> ausgewogene Angebote können<br />

also Ressourcen der Bevölkerung (Engagement,<br />

Spenden, Medien usw.) mobilisiert werden. Oft<br />

ergeben sich Ideen durch das Gespräch zwischen<br />

Entscheidungsträgern <strong>und</strong> Betroffenen,<br />

also in diesem Falle den jungen Menschen.<br />

FreeLounge: Herr Dr. Göll, vielen Dank für das<br />

Gespräch.<br />

Das <strong>In</strong>terview führte Ludwig Keißner<br />

Ebenfalls im Rahmen von "Jugend baut<br />

Zukunft" wurde bei "Planetolaris Tanko"<br />

von Jugendlichen ein Wohnwagen<br />

umgebaut, der als mobiles Jugend-<br />

Planungsbüro dient.<br />

Links<br />

Das Beispiel aus Dessau sowie<br />

viele andere interessante Projekte<br />

zum Thema Stadtentwicklung<br />

mit <strong>und</strong> für Jugendliche finden<br />

sich in der Publikation „Jugend<br />

macht Stadt“, das vom B<strong>und</strong>esministerium<br />

für Verkehr, Bau <strong>und</strong><br />

Stadtentwicklung (BMVBS) <strong>und</strong><br />

dem B<strong>und</strong>esamt für Bauwesen<br />

<strong>und</strong> Raumordnung (BBR) herausgegeben<br />

wurde.<br />

Mehr <strong>In</strong>fos dazu unter:<br />

» www.jugendliche.<br />

stadtquartiere.de<br />

» www.bauhaus-dessau.de<br />

(Jugend baut Zukunft)<br />

Gesellschaft | 55

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