170 - Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.

kleingarten.bund.de

170 - Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.

170

Öffentlichkeitsarbeit


Schriftenreihe des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V., Berlin

( BDG )

Heft / 2004

26. Jahrgang

Tagung: vom 14. bis 16. Mai 2004 in Kassel

Herausgeber: Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.

Platanenallee 37, 14050 Berlin

Telefon 030/ 30 207 140/141

Telefax 030/ 30 207 139

Präsident: Ingo Kleist

Seminarleiter: Dr. sc. Achim Friedrich

Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V.

Zusammenstellung: Ute Gabler

Nachdruck und Vervielfältigungen (fotomechanischer und anderer Art) - auch

auszugsweise - dürfen nur mit Genehmigung des Bundesverbandes Deutscher

Gartenfreunde erfolgen.

Auflage: 1.000

ISSN 0936-6083


INHALTSVERZEICHNIS SEITE

Vorwort 5

Dr. sc. Achim F r i e d r i c h

Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit – warum, für wen, wie? 7

Rolf N e u s e r

Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V.

Siegen

Stand und Entwicklung der Öffentlichkeitsarbeit des 15

Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde (BDG)

Thomas W a g n e r

Dipl.- Gartenbauingenieur, Wissenschaftlicher Mitarbeiter

für Öffentlichkeitsarbeit und Fachberatung beim

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.

Berlin

PR-Fotos – ein Bild sagt mehr als 1000 Worte 31

Dipl.-Journalist Kay A. S c h ö n e w e r k

4iMEDIA Kommunikations- und Medienberatung

Leipzig

Wie gestaltet man eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit? 43

Margit K r u f t

Journalistin und Kommunikationstrainerin

Berlin

Pressearbeit der Vereine und Verbände aus der Sicht eines 49

Chefredakteurs einer Tageszeitung

(Beitrag in Form eines Presseartikels)

Dr. Eberhard W i n t e r h a g e r

Chefredakteur der Siegener Zeitung

Siegen

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Marketing – auch für Verbände und Vereine? 53

Dipl. Ing. Hermann W e b e r

Aeternitas e.V.

Königswinter

Die Öffentlichkeitsarbeit des Stadtverbandes Leipzig 61

der Kleingärtner e.V.

Bernd W e i n e r

Vorsitzender des Stadtverbandes Leipzig der Kleingärtner e.V.

Leipzig

Berichte aus den Arbeitsgruppen

AG I und AG II 70

„Welche Formen der Öffentlichkeitsarbeit sind für

die einzelnen Organisationsebenen am effektivsten?“

Leiter der Arbeitsgruppe I: Wilfried Q u ä s c h n i n g

Landesverband Brandenburg der Gartenfreunde e.V.

Leiter der Arbeitsgruppe II: Peter L u n d e r s h a u s e n

Landesverband der Gartenfreunde Mecklenburg und Vorpommern e.V.

AG III „Wie organisiere ich im Verein/Verband mit ehrenamtlichen 75

Kräften eine interessante Öffentlichkeitsarbeit?“

Leiter der Arbeitsgruppe: Joachim R o e m e r

Landesverband Niedersächsischer Gartenfreunde e.V.

AG IV „Mitgliederwerbung durch Öffentlichkeitsarbeit – aber wie?“ 78

Leiter der Arbeitsgruppe: Detlef M u r k en

Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V.

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Vorwort

- 5 -

“Wenn man über eine Sache nicht redet, ist sie nicht geschehen. Nur wenn wir sie in Worte kleiden,

geben wir den Dingen Wirklichkeit“. Diese Worte Oscar Wildes standen über dem o. g. Seminar.

Der BDG hat in der Vergangenheit der Öffentlichkeitsarbeit (ÖA) nicht den Stellenwert eingeräumt,

der dem eines Verbandes, in dem mehr als 4 Mio Menschen eine Art Heimat finden, angemessen

ist. Diese Defizite abzubauen und den Erfordernissen des Medienzeitalters auch im Kleingartenwesen

gerecht zu werden, den Verband auf allen Organisationsebenen präsent sein zu lassen, sein

Anliegen und seine Leistungen der breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen und Stolz auf die

eigene Mitgliedschaft zu vermitteln ist eine dringend zu lösende Aufgabe.

Eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit zu gestalten, meinte Rolf Neuser, Siegen, in seinen grundsätzlichen

Ausführungen zum „warum, für wen und wie“ der ÖA sei ein langer Weg. Insbesondere sei

es notwendig, die Medien zu nutzen, um ein positives Bild des Kleingartenwesens im öffentlichen

Bewusstsein zu fördern. Dazu wären vielfältige Möglichkeiten zu nutzen. Die Printmedien seien nur

eine Facette. Um diesen Ansprüchen genügen zu können, wurde eine Reihe von Tipps gegeben.

Wichtig seien u.a. der persönliche Draht zu Redaktionen, lokaler Bezug, Aktualität sowie eine klare

und präzise Sprache.

Zum Stand und zur Entwicklung der ÖA des BDG referierte Thomas Wagner, Berlin. Neben Begriffen

wurden Methodik, Kommunikationsziele, Strategie und operative Umsetzung erläutert. In den

letzten 2 Jahren wurden deutliche Fortschritte gemacht, ergab eine entsprechende Analyse. Das

konnte der Referent quantitativ belegen. Besonders günstig sei es, das so genannte „Sommerloch“

für die Platzierung von Informationen über die Kleingärtner und deren Wirken zu nutzen. Bemerkenswert

der Versuch, mittels Anzeigenäquivalenzwert eine monetäre Messbarkeit von ÖA darzustellen.

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, meinte Kay A. Schönewerk, Leipzig. Seine Ausführungen zur

praktischen Seite der Fotografie dienten dem Ziel, qualitativ gute Fotos zu gewinnen. Es sei wichtig,

aus der Sicht eines Bildredakteurs an diese Aufgabe heran zu gehen. Fotos auf Vorrat zu machen,

dabei jedoch aktuell zu sein, sei von Vorteil. Hinweise zur modernen Fototechnik ergänzten

den Beitrag.

Margit Kruft, Berlin, hielt ihren Beitrag zur Gestaltung einer wirksamen ÖA in seminaristischer

Form und erarbeitete Fragen der Positionierung, Analyse, Zielgruppenanalyse, Kerndifferenzierung

sowie ein Psychogramm eines potenziellen Kleingarteninteressenten gemeinsam mit den Seminarteilnehmern.

Die Sicht eines Chefredakteurs einer Tageszeitung zur Pressearbeit von Verbänden und Vereinen

vermittelte Dr. Eberhard Winterhager, Siegen. Eine Zeitung wäre besonders dann interessiert,

wenn etwas Besonderes angeboten würde. Es müsse aber auch das Klientel der Zeitung berücksichtigt

werden. Themen wie alte Obstsorten, Gartengestaltung, biologische Vielfalt wären z. B. von

besonderer Aktualität. Die Kunst bestehe darin, „Geschichten zu verkaufen“. Wichtig sei es, eine

faire Partnerschaft zwischen Verband und Redaktion herzustellen.

Ob Marketing auch für Verbände und Vereine bedeutungsvoll sei, vermittelte Hermann Weber,

Königswinter. Um das Bild der Kleingärtner in der Öffentlichkeit aufzuwerten, bedürfe es mit Sicherheit

der Elemente des Marketings. Es gelte, eine positive Leistungsbilanz des Verbandes aus

der Sicht der Mitglieder zu projizieren. Um die Leistungspotenz des Verbandes zu steigern, sei

Marketing ein viel versprechendes Mittel. Eine gute Grundlage, um Grundsätze des Marketings in

der Verbandsarbeit anzuwenden würde das vorliegende Leitbild bieten.

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Über die Öffentlichkeitsarbeit des Stadtverbandes Leipzig der Kleingärtner e.V. berichtete Bernd

Weiner, Leipzig. Mit vielfältigen Aktivitäten präsentieren sich die Leipziger Kleingärtner. Eine entscheidende

Rolle übernimmt dabei der in völliger Eigenleistung herausgegebene „Leipziger Gartenfreund“.

Ein Jahres-Taschenkalender, die Internet-Präsentation, die Beteiligung an der “Haus-

Garten-Freizeit-Messe“, der seit 1992 jährlich durchgeführte „Tag des Gartens“, ein 2004 eröffneter

„Garten der Begegnung“, eine Sicherheitspartnerschaft und weitere Aktivitäten stellte der Referent

als wirkungsvolle Maßnahmen der ÖA vor.

In Arbeitsgruppen erarbeiteten die Teilnehmer abschließend konkrete, auf Verbands-/Vereinsebene

zugeschnittene konkrete Vorschläge zur Gestaltung der ÖA vor Ort.

Dr. sc. Achim Friedrich

Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde e.V.

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- 7 -

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit – warum, für wen,

wie?

Rolf N e u s e r

Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes Deutscher

Gartenfreunde e.V.

Siegen

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Presse- und Öffentlichkeitsarbeit – warum, für wen, wie?

Das Kleingartenwesen ist in hohem Maße auf die Zustimmung der breiten Öffentlichkeit angewiesen.

In einer Zeit, in der nahezu alle sozialen Errungenschaften in Frage gestellt werden, bleibt auch

die scheinbar so sichere Positionierung des Kleingartenwesens durch das Bundeskleingartengesetz

keineswegs unangefochten. Ein Gesetz mit einer Pachtpreisbindung und erheblicher Einschränkung

der Kündigungsmöglichkeiten widerspricht auf den ersten Blick allen marktwirtschaftlichen

Grundsätzen und ist schon deshalb naturgemäß erheblichen Anfeindungen ausgesetzt. Wir dürfen

deshalb nicht müde werden, in der Öffentlichkeit glaubhaft darzustellen, dass die Sozialpflichtigkeit

des Eigentums die pachtweise Überlassung von Kleingärten unter besonders privilegierten Konditionen

gebietet und Kleingartenanlagen für die Infrastruktur einer Gemeinde genauso wichtig sind

wie die Einrichtung von Sportstätten oder der Bau von Kinderspielplätzen.

Darüber hinaus gilt es, Vorurteile abzubauen, denen wir als Kleingärtner in der Öffentlichkeit immer

wieder begegnen. Meist ist es sehr schwer, diesen Vorurteilen argumentativ beizukommen.

Trotz der hervorragenden Fachberatung auf allen Ebenen unserer Organisation, die längst zu einem

Umdenken im Umweltverhalten der Kleingärtner geführt hat, wird uns zum Beispiel ohne jede

sachliche Rechtfertigung immer noch die Verwendung umweltschädlicher Chemie im Garten angelastet.

Dies geschieht weitgehend deshalb, weil der Verbrauch an so genannten „Kleinpackungen“

selbstverständlich auf das Konto der „Kleingärtner“ geht. Die vielen Millionen Hausgärtner, die

meist keinerlei Fachberatung im sorgfältigen Umgang mit der Natur erfahren, bleiben dagegen von

derartigen Vorwürfen verschont.

Es reicht deshalb einfach nicht aus, durch positives Handeln darzustellen, dass derartige Behauptungen

längst überholt und sachlich falsch sind. Wir müssen darum außerdem durch systematische

Öffentlichkeitsarbeit auch über unser Tun berichten.

Woraus entwickelt sich die öffentliche Meinung?

Die öffentliche Meinung wird gebildet aus der Basis festen Wissens und der großen Masse an Informationen,

die uns die Medien täglich ins Haus bringen. Hochrechnungen ergeben, dass alle

dreizehn Jahre sich das naturwissenschaftliche Wissen verdoppelt. In den nächsten fünfzehn Jahren

wird genauso viel erforscht und noch mehr veröffentlicht als in den fast 2500 Jahren seit Demokrit

und Aristoteles. Ein unvorstellbares Wissenspotenzial!

Unser persönliches Wissen beschränkt sich jedoch auf das, was wir selbst erlebt, erlitten und erarbeitet

oder geprüft haben auf Herkunft, Sachverhalt und Belang. Den Rest müssen wir glauben!

Grundlage sind dabei die von anderen Menschen überbrachten Informationen, die im Vergleich mit

dem eigenen Wissen plausibel und glaubwürdig erscheinen (Medien).

In der Spanne zwischen Wissen und Information bauen sich Plausibilität und Vertrauen auf. Das

Vertrauen auf die Richtigkeit der Information führt zu Sicherheit im Umfeld. Wir leben in der öffentlichen

Meinung und wir leben von ihr. Es bedarf daher intensiver Öffentlichkeitsarbeit, um die öffentliche

Meinung dort, wo sie unseren Vorstellungen nicht entspricht, langfristig zu korrigieren.

Wer ist das Ziel unserer Öffentlichkeitsarbeit?

Zunächst richten sich die Informationen, die wir durch die Medien transportieren möchten, an die

gesamte Öffentlichkeit. Wir wollen erreichen, dass auf Dauer ein Klima hergestellt oder erhalten

wird, das die Notwendigkeit des Kleingartenwesens für die gesamte Gesellschaft anerkennt. Dieses

allgemeine Wohlwollen unserer Sache gegenüber ist durch dauerhafte positive Berichterstattung

erreichbar. Die Abwehr negativer – auch falscher – Berichterstattung vermag diese positive Sicht

des Kleingartenwesens nicht zu vermitteln.

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Natürlich sind diejenigen, die in Politik und Verwaltung Entscheidungen für oder gegen das Kleingartenwesen

zu treffen haben, in besonderem Maße das Objekt einer gezielten Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Hier gilt es in erster Linie mit gezielten fachlichen Informationen den besonderen

Wert des Kleingartenwesens unter den verschiedenen Aspekten darzustellen.

Auch die Information nach Innen ist für die Öffentlichkeitsarbeit unerlässlich. Nur gut informierte

Gartenfreunde können Dritten gegenüber gut argumentieren und stellen somit ein riesiges Potenzial

für eine positive Einflussnahme auf die öffentliche Meinung dar. Unsere Gartenfreunde in allen

Verbänden und Vereinen müssen deshalb wissen, was in den übergeordneten Verbänden zur

Wahrnehmung ihrer Interessen geschieht. Ziel aller Maßnahmen ist die Schaffung eines „Wir-

Gefühls“, bei dem sich alle Verantwortlichen mit dem Geschehen in den Kleingärtnerorganisationen

identifizieren können.

Was ist für die Öffentlichkeitsarbeit geeignet?

In unseren Vereinen und Verbänden ist alles für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit geeignet, was

das Kleingartenwesen sympathisch macht. Dies sind Veranstaltungen wie z. B. das jährliche Sommerfest,

Kinderfeste, Erntedankfeste, Tag des Gartens, Fachberatungsveranstaltungen, Ausstellungen

von Gartenerzeugnissen, Ehrungen verdienter Gartenfreunde oder Förderer, Teilnahme an

Umwelttagen, Einladungen an Senioren oder Behinderte, Anlagen- und Einzelgartenwettbewerbe in

den Vereinen und Verbänden, der Bundeswettbewerb „Gärten im Städtebau“, Wettbewerbe für

Schulen (Mal- und Fotowettbewerbe), die Teilnahme an Messen und Ausstellungen und vieles andere

mehr. Dem Ideenreichtum sind hier kaum Grenzen gesetzt. DER FACHBERATER wird in den

kommenden Ausgaben nachahmenswerte Beispiele aus den Vereinen und Verbänden vorstellen.

Über alle Aktivitäten im Verein oder Verband, die für das Kleingartenwesen werben können, muss

öffentlich berichtet werden. Nur so kann über die unmittelbaren Teilnehmer hinaus durch unser

Tun in der breiten Öffentlichkeit Sympathie für unsere Sache erzeugt werden. Zur Verbreitung dieser

Berichte bedienen wir uns der Medien.

Welche Medien kommen für uns in Frage?

Die Medien werden in Presse, Rundfunk und Internet gegliedert. Presse ist dabei der Oberbegriff

für alle Druckerzeugnisse. Zeitungen, Zeitschriften und Anzeigenblätter, die kostenlos bei sehr

hohen Auflagenzahlen an alle Haushalte in der Region verteilt werden, spielen dabei die größte

Rolle. Nach einem Umfrageergebnis lesen 81 Prozent aller Deutschen über 14 Jahre (das sind 51

Millionen Menschen) täglich eine Zeitung, weitaus die meisten davon eine regionale Abonnentenzeitung.

Die lokalen Berichte aus dem Ort und der Umgebung liegen mit 78 Prozent eindeutig an

der Spitze. Weitere haben Umfragen ergaben, dass der durchschnittliche Leser die Zeitung 20 Minuten

liest. Die meisten lesen die Zeitung von hinten nach vorn, vom Lokalen zur Weltpolitik.

Rundfunk und Fernsehen (elektronische Medien) werden oft als höherwertig angesehen. Ein großer

Irrtum in Deutschland. Die Nachrichten der Tagesschau der ARD füllen nicht einmal die erste Seite

einer Tageszeitung. Für besondere Ereignisse sind natürlich auch Rundfunk und Fernsehen in Betracht

zu ziehen. Mit Lokalradios und Regionalfernsehen werden die Hörer und Zuschauer zwar

gezielt angesprochen, aber nur dann, wenn die Berichterstattung auch farbig gestaltet ist. Der Zeitaufwand,

den das Fernsehen betreiben muss, um einen Bericht zu erstellen, steht in keinem Verhältnis

zum Endergebnis. Für 30 Sekunden Sendedauer dreht ein Kamerateam etwa zwei bis drei

Stunden!

Das Internet als Online- Medium hat erheblich an Bedeutung gewonnen. Auch für viele Redaktionen

anderer Medien ist es inzwischen zur unverzichtbaren Informationsquelle geworden. Wichtig

ist auch dort die ständige Aktualisierung. Wer hier „alte Hüte“ findet, wird uns künftig nicht mehr

besuchen. Der Internet-Auftritt des BDG (www.kleingarten-bund.de) ist erst im September 2003

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völlig neu gestaltet worden. Er wird professionell aktualisiert. Die Zugriffe sind ständig erheblich

gestiegen und dieses Medium stellt inzwischen einen Großteil der erfolgreichen Öffentlichkeitsarbeit

des BDG dar. Es wäre wünschenswert, wenn auch die Landesverbände sich dazu entschließen

könnten, gemeinsam mit dem BDG ihre Internet-Auftritte – ähnlich wie bei einer gemeinschaftlichen

Mitgliederzeitschrift – zu koordinieren.

Wie sollten wir mit den Medien umgehen?

Wegen der herausragenden Bedeutung der Printmedien für die tägliche Öffentlichkeitsarbeit in den

Vereinen soll dem Umgang mit ihnen hier besonderer Raum eingeräumt werden.

„Schon wieder nichts über uns in der Zeitung!“ und Diesen Artikel haben wir nun wirklich nicht

verdient!“ Es gibt kaum jemanden in der Verbandsarbeit, der nicht schon einmal diesen Gedanken

gehabt oder einen solchen Seufzer von sich gegeben hat. Die Bereitschaft, die nächste Presseerklärung

zu schreiben und die Lust auf das nächste Pressegespräch gehen gegen Null. „Die Journalisten

sind ja doch gegen uns...“

Doch halt! Entscheidende Grundlage für eine gute Pressearbeit, die ankommt, ist die innere Einstellung,

mit der man sie macht: Ist die Journalistin, ist der Journalist tatsächlich eine Gegnerin, ein

Gegner? Könnte es nicht sein, dass auch wir als Absender einer Pressemitteilung einen Fehler gemacht

haben?

Stellen wir uns also einmal die Arbeitssituation in den Medien vor und überlegen, wie wir unsere

eigene Pressearbeit optimieren können:

Die Arbeit von Journalisten ist anstrengend, und oft besteht wenig Zeit zur Behandlung einzelner

Themen. Deshalb gibt es für den Umgang mit den Medien gewisse Regeln, die den Journalisten die

Arbeit erleichtern. Werden diese Regeln eingehalten, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Medien

über die Aktion des Vereins oder Verbandes auch berichten.

Es ist immer gut, wenn man einen persönlichen Ansprechpartner hat. Pressemitteilungen, die einfach

an „die Redaktion“ geschickt werden, laufen Gefahr, im Papierkorb zu landen. Deshalb sollte

sich unbedingt ein bestimmtes Mitglied des Vereins oder Verbandes mit der Pressearbeit beschäftigen;

nur so kommen Kontakte und Bindungen zustande, die es ermöglichen, auch einmal ganz

kurzfristig eine Nachricht „unterzubringen“.

Tageszeitungen und lokale Radio- und Fernsehstationen sind aktuelle Medien. Schnelligkeit ist

deshalb Trumpf. Deshalb dürfen die Medien nicht erst Tage oder Wochen nach einer Aktion oder

Ereignis informiert werden. So können Pressetexte z. B. schon vor dem Ereignis vorbereitet werden,

dann brauchen sie nach dem Ereignis nur noch zu aktualisiert und sogleich abgesandt werden.

Für die Lokalpresse und die lokalen elektronischen Medien ist es wichtig, dass das Thema einen

„lokalen Bezug“ hat. Für diese Medien sind Kleingärten und ihre Probleme zunächst einmal „sehr

weit weg“. Um das Thema interessant zu machen, müssen wir deshalb eine Aktion in den Mittelpunkt

stellen bzw. an Ereignisse „koppeln“, für die auch vor Ort Interesse besteht. Welche Überschrift

in unserer Lokalzeitung würde uns mehr ansprechen „Rio- Konferenz fordert Erhaltung der

Natur“ oder „Kleingärtner in X-Stadt setzen Rio- Konferenz um“?

Wie schreiben wir einen Pressetext?

Zwei gute Mittel, unsere Anliegen in den Medien unterzubringen, sind die Pressemeldung oder die

Presseinformation. Der Text muss dabei zweierlei leisten: Er soll bei den Journalisten Aufmerksamkeit

wecken und er soll die Nachricht übermitteln. Dabei sind die fünf journalistischen „W“ grund-

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sätzlich vom Inhalt der Nachricht zu beantworten: Wer tut oder erleidet was, wo, wie wann? Möglichst

auch noch das sechste „W“, warum.

Pressemeldung

Die Pressemeldung ist ein kurzer Text, der knapp und präzise über ein Ereignis informiert. Oft entscheidet

der erste Satz über Veröffentlichung oder Papierkorb.

Eine wichtige Regel lautet daher: Das Wichtigste zuerst! Beispiel: In einem Bericht über eine Aktion

der Gartenfreunde sollte das zentrale Thema nicht sein, dass der Verband eine Aktion durchgeführt

hat, sondern, was Inhalt der Aktion war.

Aufbau:

Zuerst ganz knapp den Kern der Aussage. In zwei kurzen und klaren Sätzen muss das Wesentliche

der Mitteilung zusammengefasst sein. Es darf niemals – wie bei einer Rede – als Schlusspointe

aufgehoben werden.

Dann folgen einzelne Details und schließlich Vorgeschichte, Hintergründe und Zusammenhänge.

Das Unwichtigste steht im letzten Absatz. Das Material für einen Zeitungsartikel muss, wenn der

Platz nicht reicht, durch den Redakteur absatzweise von hinten gekürzt werden können.

Sprache:

Kurze, klare Hauptsätze, wenige Substantive, viele Verben, treffende Ausdrücke. Fremdwörter vermeiden,

ebenso Fachausdrücke und abstrakte Begriffe.

Also nicht: „In Anbetracht der absoluten Innovationsnotwendigkeit soll dieses Planungsobjekt

zur Ausführung gebracht werden“.

Sondern: „Weil Erneuerungen unbedingt notwendig sind, sollen diese Planungen ausgeführt

werden“.

Inhalt:

Vorankündigungen und Berichte von Veranstaltungen und Aktionen. Kurzfassungen von wichtigen

Reden und programmatischen Aussagen. Offizielle Stellungnahmen, Entscheidungen und Maßnahmen

von Gremien des Vereins oder Verbandes.

Keine Kommentare, sondern Berichte über interessante Ereignisse,

statt Eigenlob Tatsachen, die für das Kleingartenwesen sprechen (oder unverfängliche Zeugen zu

Wort kommen lassen), statt langatmiger Abhandlungen kurze und interessante Informationen.

Äußere Form:

Genaue Bezeichnung des Absenders (mit Ort, Straße, Telefon, Fax, eMail- Adresse, auch nach

Dienstschluss), Datum, anderthalbzeilig geschrieben, einseitig bedruckt, breiter Rand.

Auffallende aber nicht zu aufdringliche Aufmachung (Logo). Die Überschrift lässt das Thema erkennen.

Trotzdem: Platz lassen, damit der Redakteur eine andere Überschrift setzen kann.

Übermittlung als Anhang einer E- Mail ist wegen der Schnelligkeit und der Kürzungs- und Änderungsmöglichkeiten

zu empfehlen!

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Versand:

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An alle Empfänger gleichzeitig und in gleicher Weise.

Presseinformation:

Wenn wir mehr zu berichten haben, schreiben wir eine Presseinformation. Mit ihr wird ausführlich

über unsere Aktivitäten berichtet. Der Text darf also länger sein, keinesfalls jedoch länger als zwei

Seiten. Sie dient der Presse als wichtige Informationsquelle. Sie sollte deshalb möglichst objektiv

sein und viele Fakten enthalten, ohne dabei trocken zu sein.

Wir müssen versuchen, die Leser von unserem Standpunkt zu überzeugen, ohne aufdringlich zu

sein. Zur Ergänzung kann weiteres Informationsmaterial beigelegt werden: Etwa ein Faltblatt oder

eine Broschüre oder andere Presseberichte zum Thema.

Die Leser haben in der Regel keine Hintergrundinformation. Für uns selbstverständliche Dinge sind

für das Publikum meist unverständlich und erklärungsbedürftig. Ein gutes Beispiel hierfür sind

Abkürzungen.

Auch für die Presseinformation gilt: Das Wichtigste zuerst. Der Text muss auf jeden Fall mit Maschine

oder PC mit großem Zeilenabstand (1 ½ zeilig) und einem Drittel der Seitenbreite als Rand

geschrieben werden. Beim Arbeiten mit PC ist es sinnvoll, eine E-Mail als Anschreiben zu senden

und den Text als Datei beizufügen. Dies erleichtert den Journalisten das Bearbeiten des Textes. Es

ist sinnvoll, den Text von einem Kollegen zur Korrektur lesen zu lassen – vier Augen sehen mehr als

zwei.

Wichtig: Niemals vergessen, eine Telefonnummer und einen Ansprechpartner für Rückfragen anzugeben.

Abschließend:

Zehn Tipps zum Formulieren von Nachrichten

(aus Wolfgang Peschel, Journalistische Formen, in:

„Reden ist Silber – Schweigen ist Schrott“)

1. Verständlichkeit ist oberstes Gebot. Nur, was man selbst verstanden hat, wird vermittelt.

Fremdworte werden vermieden.

2. Anschaulichkeit transportiert Inhalte besser und schneller: Abstrakte und allgemeine Begriffe

und Sachverhalte werden nicht verwendet.

3. Größtmögliche Genauigkeit ist anzustreben. Damit wird der Text lebendiger, prägnanter und

präziser.

4. Bestimmte Sachverhalte müssen vorstellbar präsentiert werden. Trotz Genauigkeit entziehen

sie sich sonst dem Verständnis.

5. Auftretende Personen sollen genannt und auch richtig geschrieben werden. Die Personifizierung

ist eine wichtige Indentifikationsmöglichkeit für den Leser.

6. Ein Zitat bietet die Möglichkeit einer Stimulans beim Leser. Das Zitat bringt Menschen ins

Spiel, die Nachricht wird fassbarer.

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7. Erläuterungen von Abkürzungen und schweren Begriffen, die sich nicht vermeiden lassen, sind

unbedingt notwendig.

8. Füllwörter wie „also“, „überhaupt“ oder „eigentlich“ sind überflüssig. Ebenso sind Behördendeutsch

und Modewörter zu vermeiden.

9. Das Aktiv ist in Sätzen immer zu bevorzugen. Die Nachricht erhält damit Dynamik.

10. Kurze Sätze sind Grundvoraussetzung. Schachtelsätze sind aufzulösen, lange Sätze zu kürzen.

Weitere Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit

Unsere Öffentlichkeitsarbeit erschöpft sich keineswegs im Umgang mit der Presse. Es gibt im

Kleingartenwesen zahllose Aktivitäten, die geeignet sind, in der Öffentlichkeit ein positives Bild von

uns zu vermitteln. Dies kann durch ein Gartenfest genau so geschehen wie durch die Teilnahme an

Veranstaltungen anderer, z. B. an den von der Gemeinde gestalteten Umwelttagen oder durch Teilnahme

an Wettbewerben.

Der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde hat eine Broschüre unter dem Titel „Im Gespräch

bleiben“ veröffentlicht. Darin sind die vielfältigen Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit auf allen

Ebenen der Kleingärtnerorganisation und deren Realisierung aufgezeigt. Es würde den Rahmen

dieser Veranstaltung sprengen, wollte ich diese hier aufzeigen. Wir sollten uns jedoch vor Augen

führen, dass der Umgang mit den Medien nur ein Bruchteil unserer Möglichkeiten für die Öffentlichkeitsarbeit

ist.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Arbeit.

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Stand und Entwicklung der Öffentlichkeitsarbeit des

Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde e.V.

(BDG)

Thomas W a g n e r

Dipl.- Gartenbauingenieur, Wissenschaftlicher Mitarbeiter für

Öffentlichkeitsarbeit und Fachberatung beim Bundesverband

Deutscher Gartenfreunde e.V.

Berlin

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Stand und Entwicklung der Öffentlichkeitsarbeit des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde

e.V. (BDG)

„Konfuzius rät: Es reicht nicht, zum Fluss zu kommen mit dem Wunsch, Fische zu fangen. Man

muss auch das Netz mitbringen.“

Was ist Public Relations (PR)?

Der Begriff ‚Public Relations’ (PR) kommt aus dem englisch-amerikanischen und bedeutet soviel

wie öffentliche Beziehungen bzw. deren bewusste Gestaltung und Pflege. Die deutsche Bezeichnung

dafür ist Öffentlichkeitsarbeit. PR ist das methodische Bemühen einer Institution, eines Unternehmens,

eine Gruppe oder auch einer Person um Verständnis und Vertrauen in der Öffentlichkeit

durch Aufbau und Pflege von Kommunikationsbeziehungen. Dabei bedeutet Kommunikation

nicht nur Informationsaustausch, sondern umreißt den Austausch von Beziehungen schlechthin.

PR-Aktivitäten dienen dem Ziel, die Kommunikation im Kontaktfeld der PR durch sachlichen, verständlichen

und überprüfbaren Informationsaustausch zu optimieren. Dabei streben PR-Aktivitäten

nie nach einseitiger Übermittlung zweckbestimmter Informationen zur Manipulation der Öffentlichkeit.

Keine PR im eigentlichen Sinne ist deshalb zum Beispiel die amerikanische Kriegsberichterstattung

zu den Geschehnissen im Irak. PR leistet einen Interessenausgleich zwischen den Bereichen

des sozialen Systems. Auch der Empfänger von PR-Aktivitäten (Zielgruppe) soll einen Vorteil

aus der Situation ziehen können (Win-Win-Situation). Der Plan ist, kurz und offen, Medien und

Bevölkerung über die Tatsachen zu unterrichten, die für sie von Wert und Interesse sind.

Was zeichnet PR-Fachleute aus?

Die Öffentlichkeitsarbeit als Wissenschaft geht von 6 Grundfunktionen aus. Diese lassen sich im

Akronym AKTION zusammenfassen:

A nalyse, Strategie, Konzeption

K ontakt, Beratung, Verhandlung

T ext und kreative Gestaltung

I mplementierung (Erweiterung, Ergänzung durch neue Funktionen)

O perative Umsetzung

N achbehandlung, Evaluation (Wertung).

In folgenden Kompetenzbereichen müssen PR-Fachleute Erfahrung und Wissen mitbringen:

Analysekompetenz für die Bestandsaufnahme und Bewertung von Ist-Situationen. Voraussetzung

dafür sind Methoden-Know-how, Erfahrungswissen und souveräner Umgang mit wissenschaftlichen

Arbeitstechniken und Erkenntnissen,

Strategie- und Konzeptionskompetenz für die interne sowie externe Planung von Projekten auf

Grundlage von organisations- und gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen,

Beratungskompetenz für den professionellen Umgang mit Kunden und der Führungsebene in Organisationen

und Unternehmen,

Medien- und Textkompetenz für die Präsentation und Vermittlung von Kommunikationsinhalten

mit und in geeigneten Medien,

Organisationskompetenz für die Umsetzung geplanter PR-Projekte mit Hilfe einer Vielfalt geeigneter

Verfahren,

Kreative Kompetenz für die Generierung neuer oder überraschender Problemlösungen,

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Kontakt- und Dialogkompetenz für den Aufbau und die Pflege von Kontakten zu Zielgruppen und

Meinungsbildnern,

Teamkompetenz für die im Kommunikationsbereich vorherrschende Form der Arbeitsorganisation.

PR-Aufgaben und -Einsatzgebiete sind ausgesprochen vielfältig. Deshalb gehört ein breites Allgemeinwissen

zur Grundausstattung eines PR-Beraters. PR-Leute initiieren nicht nur Kommunikation,

sie sind häufig auch selbst Kommunikator. Sie müssen Kommunikationssituationen schnell und

sicher erfassen und in vielen Rollen aktiv auftreten – sei es als Sprecher, Moderator, Präsentator

oder eben als Berater.

Methodik der PR

Zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit erfordert strategisches Handeln. Anhand einer solchen Strategie

sollten alle PR-Aktivitäten, besonders lang- und mittelfristige Konzepte aufgebaut werden.

1. Situationsanalyse

Die Situationsanalyse ist Grundlage aller PR-Aktionen. Sie untersucht den bisher bestehenden Informationsaustausch

und vorliegende Informationsbedürfnisse (Ist-Situation).

2. Ziel

Was soll erreicht werden? Die Formulierung der Ziele (Soll-Situation) ist ein wichtiger Meilenstein

der PR-Methodik. Je konkreter ein Ziel formuliert wird, desto eher ist es erreichbar. Das methodische

Vorgehen verlangt das Setzen strategischer Teilziele. Die Gliederung der PR-Aktivitäten in

lang- mittel- und kurzfristige Teilziele ist unentbehrlich zur Wahrung der Übersicht und motiviert

durch das Erreichen von Teilerfolgen. Das Gesamtziel aller PR-Aktivitäten ist stets, Glaubwürdigkeit

zu erreichen.

3. PR-Konzept

Auf der Basis von Situationsanalyse und Zielformulierung wird ein PR-Konzept erarbeitet. Das PR-

Konzept umfasst alle nach innen und außen gerichteten Maßnahmen und Kommunikationsmittel

zur Durchsetzung der Ziele. Diese müssen an den Bedürfnissen und Erwartungen der Zielgruppen

(Medien, Öffentlichkeit, Teilöffentlichkeiten), die zuvor analysiert und eingegrenzt werden, ausgerichtet

sein.

4. Operative Umsetzung

Das PR-Konzept mit seinem Maßnahmeplan gibt Handlungsanweisungen zur Umsetzung der Ziele.

die Durchführung umfasst Aufgabenbereiche wie Entwerfen, Gestalten, Kontaktieren, Organisieren.

Hierzu gehören Veranstaltungen und Projekte jeglicher Art, aktive Pressearbeit, Versand von

Mailings, und so weiter. Diese Maßnahmen spielen sich in lang- mittel- und kurzfristigen Zeiträumen

ab. Die Formulierung von Teilzielen erleichtert, wie bereits erwähnt, die Übersicht.

5. Evaluation

Die Durchführung der PR-Maßnahmen bewirkt ein Kommunikationsergebnis, welches sichtbar und

bewertet wird durch die Evaluation. Die Erfolgskontrolle kann quantitativ durch Clipping (Sammlung

tatsächlich erschienener Presseartikel in Print- und Onlinemedien) oder eine Medienresonanz-

Analyse (MRA) sowie qualitativ durch Monitoring (Interpretation von Diskussionen und Meinungen,

Auswertung von Ereignissen, Events) erfolgen.

6. Schlussfolgerung

Jede Wertung zieht Schlussfolgerungen nach sich, sollte sie zumindest. Wurde das Kommunikationsziel

erreicht? Welchen Nutzen brachten die PR-Aktivitäten dem Verband? Sind diese Fragen

beantwortet, und war die PR-Strategie erfolgreich, bedeutet dies nicht Stillstand. Die Öffentliche

Meinung ist ein dynamischer Prozess und ändert sich den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen

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entsprechend ständig. Somit ist eine stete Anpassung und Fortentwicklung der PR-Strategien offensichtlich

und notwendig.

Die PR des BDG

Ausgehend von den genannten theoretischen Grundlagen wird die Situationsanalyse für den Bundesverband

vorgestellt. Untersuchungsgegenstände sind das Image des Kleingartenwesens (also

die Wahrnehmung von außen), die Informationsqualität gegenüber der Zielgruppe Medien (Presse,

TV und so weiter) sowie die Kommunikationsqualität nach innen (Mitglieder) und außen (Öffentlichkeit,

Teilöffentlichkeiten).

Situationsanalyse

IST-Situation (2001)

falsche Wahrnehmung

alle Privatgartenbesitzer sind

Kleingärtner

Desinteresse

Kleingartenwesen (KGW) ist für

Öffentlichkeit uninteressant,

Kleingärtner sind abgeschottet

im Verein

Negatives Image Klischees beherrschen

immer noch die öffentliche

Meinung (Giftspritzer,

Spießer, Pedanten, KGW als

Relikt)

geringer politischer Einfluss

KGW ist Ansprechpartner für

Politik und Administration, aber

Stellenwert unzureichend, Informationsfluss

einseitig (Verband

-> Politik-Eliten)

kaum Fachkompetenz

Kleingärtner gärtnern zwar, haben

aber keine Gartenfachkompetenz

(sind Laien wie

Hausgärtner)

Imageanalyse

(extern)

SOLL-Situation

richtige Wahrnehmung Kleingärtner

sind organisierte Freizeitgärtner,

leisten neben Hobby gesellschaftliche

Aufgaben

Interesse

KGW ist interessant, KGW als Ansprechpartner

zur Lösung sozialer

Probleme, Grün-Kompetenz

Positives Image

KGW ist sexy, setzt Trends (Wellness,

Gardening), attraktive Alternative

für Stadtbewohner, Öffentliches

Grün, Sozialentlastung der

Gesellschaft, Ort für Familien mit

Kindern

hoher politischer Einfluss

KGW ist wichtiger Ansprechpartner

gesellschaftlicher Entscheidungsträger

(Agenda 21, Stadtumbau

Ost/West), Politik und Administration

ergreifen Initiative zum Dialog

hohe Fachkompetenz

Ansprechpartner zu allen

Grünfragen (Urban und Hobby)

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 170


Ehrenamt nicht anerkannt

Kleingärtner sind zwar ehrenamtlich

tätig, aber organisieren

nur sich selbst

IST-Situation (2001)

Presseinfos nicht zielgruppenorientiert

(Bedürfnisse der Journalisten)

Zuarbeit Medien sporadisch

IST-Situation (2001)

Mitgliederservice in Ordnung

BDG unterstützt Landesverbände

durch Kommunikationsmittel

Events

ausreichend,

BDG fördert durch bundesweite

Aktionen (Wettbewerbe, Gartenschauen)

Kleingärtner-Image

Interdisziplinäre Arbeit vorhanden

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

nicht ausreichend

- 19 -

Analyse Informationsqualität

Kommunikationsanalyse

(intern/extern)

Anerkennung des Ehrenamtes

Ehrenamt im KGW als wichtiger

gesellschaftlicher Beitrag

SOLL-Situation

Presseinfos an Bedürfnisse der

Zielgruppe angepasst, umfassender

Service (Fotos, O-Töne)

BDG als 1. Ansprechpartner und

Vermittler für Journalisten aller

Genres (TV, Radio, Fotoreporter),

organisiert und vermittelt aus einer

Hand

SOLL-Situation

Mitgliederservice steigern

Qualität der Kommunikationsmittel

steigern, BDG bietet regelmäßig

und umfassende Dienstleistungen

(Muster-Presse-Infos, Organigramme,

Präsentationen, Werbemittel)

Events

Qualität den dynamischen Prozessen

der Informationsgesellschaft

anpassen

Interdisziplinäre Arbeit verbessern

Zusammenarbeit mit Verbänden/Organisationen

verbessern

(NABU, Interkulturelle Gärten etc.),

Synergien nutzen

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 170


- 20 -

Kommunikationsziel

Aus der Situationsanalyse ergaben sich folgende Kommunikationsziele:

extern

� Image-Verbesserung

� Sicherung und Fortbestand des organisierten Kleingartenwesens

� Wahrnehmung der Fachkompetenz/ Meinungsführerschaft im Hobby-Grünbereich

� BDG als Sprachrohr des organisierten Kleingartenwesens

� Anerkennung des ehrenamtlichen Engagements

intern

� Verbesserung des Mitgliederservices

� Identitätsstärkung durch Corporate Design/ Corporate Identity (Beispiel: Logo, Leitbild)

PR-Strategie

Mit Hilfe eines Maßnahmekatalogs in lang-, mittel- und kurzfristigen Zeiträumen wurde die PR-

Strategie des BDG festgelegt.

3 Beispiele aus dem Maßnahmekatalog:

� 1. Verbesserung der Medienpräsenz

� 2. Verbesserung der Online-Kommunikation

� 3. Verbesserung der internen Kommunikation

(mittelfristiger Maßnahmekatalog/Strategiekonzept für 2004 siehe Abbildung 1)

Operative Umsetzung

� Kommunikationsziel Image-Verbesserung

Das Kleingartenwesen ist äußerst facettenreich und bietet zahlreiche Themen und Ansätze, die für

die Öffentlichkeit interessant sind und über die es zu berichten lohnt (Ökologie, Freizeitgestaltung,

Naturpädagogik, Wellness und so weiter). Daher wurde für die PR-Jahresplanung ein Top-Thema

ausgewählt. Es ist wenig sinnvoll, viele Schwerpunkte gleichzeitig zu setzen: Einerseits besteht die

Gefahr von Unübersichtlichkeit einhergehend mit der Wahrnehmung von Orientierungslosigkeit,

andererseits ist es taktisch unklug, alle ‚Munition gleichzeitig zu verschießen’. Der Bundesverband

entschied sich 2003 für das Thema „Junge Familien in Kleingärten“. Damit dieses Vorhaben auf

festen Füßen steht, wurde das Thema vorab recherchiert, es ging immerhin um Glaubhaftigkeit.

Grundlagen zu diesem Trend waren tatsächlich gegeben, das Thema wurde bearbeitet. Dazu zählten

die Akquise möglicher Interviewpartner aus Kleingärtnerorganisationen (also junge Familien in

Vereinen), die auch tatsächlich geeignet waren, das gewünschte Image zu transportieren. Ebenso

wichtig war das Finden geeigneter Fotopartner und Foto-Settings (also eine „nette“ junge Familie

in einem beispielhaften Kleingarten). Das Thema wurde den Medien in geeigneter Weise dargeboten:

In Form von Pressemitteilungen und in persönlichen Gesprächen. Letzteres setzt eine gute

Kontaktpflege zu Journalisten voraus (Networking).

Bei genanntem Beispiel erschienen per DPA und DDP Agenturmeldungen, das Journalisten-

Interesse erwachte und erste Presseartikel erschienen. Da es im Pressegeschäft wie in vielen Branchen

läuft, weckte der Erfolg des Themas (es hatte echten Neuigkeitswert) weiteres Interesse, es

entstand ein Schneeball-Effekt. Folge war zum Beispiel, dass die Publikumszeitschrift WOMAN

einen Beitrag zum Thema ankündigte und um Zusammenarbeit bat (siehe Abbildung 2). Auch

BILD AM SONNTAG wurde neugierig und bat um ein intensiv vorbereitetes Setting (4 junge Familien

in 4 deutschen Großstädten mit mindestens 2 Kindern, deren Eltern nicht älter als 30 Jahre

seien, sollten bereit sein zu einem Fototermin inklusive Interview). Das war aufwendig, aber erfolgreich

(siehe Abbildung 3). Hier wurde ein eindrucksvolles Beispiel dafür gegeben, warum es lohnt,

sich den Bedürfnissen seiner Zielgruppe (in diesem Fall die Medien, also Journalisten) anzupassen.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 170


- 21 -

� Kommunikationsziel Wahrnehmung der Fachkompetenz

Die Strategie blieb in Grundzügen die gleiche. Interessant war die Erkenntnis, dass das Thema

‚Garten und Freizeitgrün’ ein überaus beliebtes in den Redaktionen ‚Freizeit, Hobby, Wohnen’ und

dazu noch ein unerschöpfliches ist. Ein ungeheures Potenzial für das organisierte Kleingartenwesen

also, sich als wichtiger Ansprechpartner zu etablieren, da Know-how und fundiertes Fachwissen

in unendlicher Breite vorhanden sind. Grundlage der Überlegungen war, dass Journalisten einerseits

mit ihrem stets begrenzten Zeit-Budget gern kompaktes Wissen abfragen (das verringert

den Recherche-Aufwand) und andererseits unbedingt O-Töne für Ihre Features (Unterhaltungsbeiträge)

benötigen. Mit diesem Basiswissen platzierte der BDG gezielt Pressemitteilungen zu aktuellen,

interessanten Gartenthemen als „Futter“ für Journalisten. Diese „bissen“ an, es erschienen

zahllose Beiträge (siehe Abbildung 5a-d). Da der BDG sich auf diesem Gebiet als zuverlässiger

Ansprechpartner und Mittler von Interviewpartnern positionierte, entstand eine feste Partnerschaft

mit Presse-Leuten besonders der Nachrichten-Agenturen DPA (Themendienst Freizeit, Gartenbau),

DDP (Themendienst Wohnen) und GMS (Themendienst Garten, Tiere).

Evaluation am Beispiel der Medienpräsenz

Wie dargestellt, führte die Umsetzung des PR-Konzeptes zu Kommunikationsergebnissen. War und

ist die Öffentlichkeitsarbeit des Bundesverbandes erfolgreich? Ging das Konzept auf?

Mit Hilfe der quantitativen/qualitativen Erfolgskontrolle durch eine Medienresonanzanalyse wurden

die Kommunikationsziele der PR-Strategie untersucht. Beispielhaft seien an dieser Stelle die

Ergebnisse der Zielsetzungen

� Image-Verbesserung

� Wahrnehmung der Fachkompetenz/ Meinungsführerschaft im Hobby-Grünbereich

vorgestellt.

Die Medienresonanzanalyse (MRA) ist ein Analyse-Instrument für den professionellen PR-Bereich.

Sie dient der quantitativen Wertung der Medienarbeit, bietet verschiedene Wertungskriterien und

zeigt - in einfachen Worten - was, wann, wo, wie oft, in welcher Auflagenhöhe und zu welchem

Thema beispielsweise über den Bundesverband in den Medien berichtet wurde. Sogar monetär ist

der Wert der Öffentlichkeitsarbeit messbar, nämlich anhand des so genannten Anzeigen-

Äquivalenzwertes (AÄ). Dieser drückt aus, was ein Verband/Unternehmen an finanziellen Mitteln

aufwenden müsste, um eine Anzeige in der Größe des gedruckten Artikels, mit gleicher Auflagenhöhe,

im selben Medium mit der entsprechenden Platzierung (die Seitennummer spielt eine große

Rolle im Anzeigen-Geschäft) zu lancieren.

Voraussetzung dazu ist die Nutzung einer professionellen Dienstleistung. Diese bieten Medienbeobachtungsdienste.

Das Verfahren ist einfach erklärt: Anhand eines oder mehrerer Suchbegriffe(s),

zum Beispiel ‚BDG’ und ‚Tag des Gartens’ oder ‚Kleingärten’ in Zusammenhang mit ‚IGA Rostock’

durchstöbern Lektoren sämtliche Artikel verschiedener Print- und Onlinemedien, stets die Suchbegriffe

im Hinterkopf. Wir das Stichwort gefunden, gilt dies als Treffer und wird dem Auftraggeber

mit sämtlichen Informationen (Auflagenhöhe, verkaufte Auflage, Einzugsbereich, Seitenplatzierung

und so weiter) auf einem so genannten Datenblatt in gewünschter Form zugestellt. Der BDG-

Dienstleister recherchiert in mehr als 900 Tageszeitungen, 40 Wochenzeitungen, 1000 Anzeigenblättern

und 890 Publikums- und Special-Interest-Zeitschriften bundesweit. Auch 2000 Online-

Medien sowie TV und Videotext gehören zum Recherche-Angebot.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 170


ETG 5%

IGA Rostock

20%

KG-Image

26%

Anzahl der Meldungen

- 22 -

Die Analyse nach Themengruppen anhand der Kommunikationsziele des PR-Konzeptes ergab für

2003 folgende Ergebnisse:

� Analyse quantitativ

Analyse nach Themengruppen

Themengruppe Nennungen AÄ in EURO Verkauft Auflage

Gesamt 504 552.885,88 11.711.423

BDG-Service/ Fachthemen 219

51.9501,78 4.656.781

Image/Trend 129 463.074,66 4.810.901

Gartenfachthemen

49%

ETG 1%

Anzeigenäquivalenz

IGA Rostock

6%

KG-Image

84%

(Abk.: IGA= Internationale Gartenbauausstellung, ETG= Europäischer Tag des Gartens, KG= Kleingarten)

Gartenfachthemen

9%

Ergebnis: Knapp die Hälfte aller Presseartikel mit BDG-Nennung hatten Gartenthemen zum Inhalt,

aber der Anzeigenäquivalenzwert der Image-Berichte war am höchsten. Mehr als 11 Millionen Menschen

hatten die Chance, vom bzw. über den BDG zu erfahren.

Analyse nach Erscheinungsmonaten

Themengruppe Nennungen max. Monat

Gesamt 80 September

BDG-Service Fachthemen 54 August

Image/Trend 74 September

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90

80

70

60

50

40

30

20

10

0

März

April

Mai

Anzahl der Meldungen

Juni

Juli

August

September

- 23 -

Oktober

November

Dezember

Ergebnis: Die höchste Beitragsfrequenz mit dem Suchbegriff ‚BDG’ wurde im August/September

gemessen, dieses Zeitfenster, das so genannte Sommerloch, kann also für effektive Medienarbeit

(besonders Gartenfachthemen) genutzt werden.

Analyse nach Medientypen (Printmedien)

Themengruppe Tageszeitungen Publikumszeitschriften Anzeigenblätter

Gesamt 433 3 25

BDG-Service Fachthemen 198 - 18 (4.500 € AÄ)

Image/Trend 123 3 (300.000 € AÄ) 1

Agenturen: 37 Nennungen, davon 30 Gartenfachthemen

Publikumszeitschriften

0,6%

Anzahl der Meldungen

Anzeigenblätter

5%

Tageszeitungen

85,9%

Sonstige

8,5%

Anzeigenblätter

1,2%

Publikumszeitschriften

58,2%

Anzeigenäquivalenz

Sonstige

5,0%

Tageszeitungen

35,6%

Ergebnis: In Tageszeitungen erreichte der BDG die höchste Beitragsfrequenz, die beste Anzeigenäquivalenz

erzielten Beiträge in Publikumszeitschriften (STERN, BILD DER FRAU, WOMAN).

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Analyse nach Medienbranchen

Themengruppe unspezifisch Frauen Politik/Gesellsch.

Gesamt 461 2 1

BDG-Service Fachthemen 217 1 (3.300 € AÄ) -

Image/Trend 125 1 (9.600 € AÄ) 1 (300.000 € AÄ)

Frauen

0,43%

Anzahl der Meldungen

Politik/

Gesellschaft

0,22%

unspezifisch

99,35%

- 24 -

Politik/

Gesellschaft

56,4%

Anzeigenäquivalenz

Frauen 2,4%

unspezifisch

41,2%

Ergebnis: Höchste Beitragsfrequenz wurde in der Themengruppe ‚unspezifisch’ erreicht, die beste

Anzeigenäquivalenz erzielten Beiträge in den Themengruppen ‚Frauen’ sowie ‚Politik und Gesellschaft’

(in diesen Branchen werden die teuersten Anzeigen geschaltet).

� Analyse qualitativ

Die qualitative Auswertung der Clippings ergab, dass in allen Printmedien durchweg positiv über

das Kleingartenwesen berichtet wurde. Der Bundesverband wurde als Garten-Ratgeber häufig bis

sehr oft zitiert und genannt.

Zusammenfassung

Kleingärten und Kleingartenwesen sind „in“. Die Medien entdeckten das Kleingartenwesen als

Thema mit Neuigkeitswert. Das Interesse am Kleingarten/Kleingartenwesen wurde geweckt, Kleingärtner

und Kleingärtnerbewegung erfuhren eine Renaissance in der Wahrnehmung der Öffentlichen

Meinung. Der Bundesverband und dessen Mitglieder haben sich als Gartenfachberater für

Medien etabliert.

Diese Situation entstand nicht zufällig. Sie ist das Ergebnis strategischer Öffentlichkeitsarbeit. Besonders

lohnend erwies und erweist sich der Dialog mit Nachrichtenagenturen, hier hat sich die

Positionierung als jederzeit zuverlässiger Ansprechpartner bewährt. Diese Partnerschaft ist ein

wesentlicher Meilenstein im PR-Konzept und wird auch zukünftig durch Engagement und Kontaktpflege

aufrechterhalten. Die Beziehung zu Nachrichtenagenturen hat nämlich einen außerordentlichen

Effekt: Da Agentur-Beiträge und -Features als hochgradig glaubwürdig bekannt sind, werden

diese gern von Redaktionen ohne Nachbearbeitung verwendet. Gleichzeitig erzielen solche Beiträge

eine enorme Streuung.

Durch die Positionierung als Grün-Ratgeber wird das Kleingartenwesen ebenfalls wahrgenommen.

Eine strategische Partnerschaft zwischen BDG (Kleingartenwesen) und Medien wurde aufgebaut.

Verbandsangelegenheiten - wie politische oder rechtliche Themen - können in einer solchen Partnerschaft

erfolgreicher transportiert werden (Netzwerk-Prinzip).

Die angestrebten Kommunikationsziele Image-Verbesserung und Wahrnehmung Fachkompetenz

wurden erreicht.

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- 25 -

6. Aussichten

In der Entwicklung strategischer Öffentlichkeitsarbeit können und sollen vielfältige Ziele formuliert

werden. Sie sind allerdings nicht in einem Zug zu erreichen, handelt es sich - wie in Kapitel 1 erwähnt

- bei PR um Aufbau und Pflege von Kommunikationsbeziehungen, und Beziehungspflege ist

ein andauernder Prozess. Eine stete kritische Auseinandersetzung mit Erreichtem ist ebenso notwendig

wie ein ständiger Blick in die Zukunft. Öffentliche Meinung ist ein dynamischer Prozess

und erfordert demzufolge eine fortdauernde Anpassung der Kommunikationsstrategien und –

mittel. Gute Öffentlichkeitsarbeit kostet Geld, spart aber Ressourcen an anderer Stelle (z. B. im

Marketing).

Gute Öffentlichkeitsarbeit entscheidet bei einer Non-Profit-Organisation wie dem organisierten

Kleingartenwesen über Marktpräsenz (Wahrnehmung), da diese kein Produkt, sondern nur sich

selbst zu verkaufen hat.

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- 26 -

Abbildung 1: PR-Maßnahmekatalog des Bundesverbandes für 2004

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- 27 -

Abbildung 2: Image-Beitrag zum Thema „Junge Familien in Kleingärten“: WOMAN. Das Frauen- und Lifestyle-Magazin,

G+J Woman Verlag GmbH ( April 2004)

Image-Beiträge zum Thema „Junge Familien in Kleingärten“; Abbildung 3: BILD am SONNTAG, Axel Springer Verlag AG,

August 2003, Abbildung 4: TIP. Berlin Magazin, tip Verlag GmbH & Co KG, Mai 2004

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- 28 -

Abbildung 5a-d: Durch Gartentipps positionierte sich der Bundesverband als kompetenter Partner für Medien und erzielte

gleichzeitig die Wahrnehmung als Hobby-Grün-Berater in der Öffentlichkeit.

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- 29 -

Abbildung 6a-h: Der Kleingarten wurde durch die Medien zum neuen Trend auserkoren. Solche Entwicklungen wirken

nachhaltig und sind von Nutzen für das Kleingartenwesen: Telefonauskünfte zum Beispiel beim Bundesverband zeugen

von einem verstärkten Interesse potenzieller Neu-Kleingärtner.

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- 30 -

Literatur:

AVENARIUS, Horst/ ARMBRECHT, Wolfgang (Hrsg.): Ist Public Relations eine Wissenschaft? Eine

Einführung. Opladen, Westdeutscher Verlag, 1992

OECKL, Albert: PR-Praxis. Der Schlüssel zur Öffentlichkeitsarbeit. Düsseldorf, Wien, 1976

RONNEBERGER, Franz/RÜHL, Manfred: Theorie der Public Relations. Opladen, Westdeutscher

Verlag, 1992

HORX, Matthias, WIPPERMANN, Peter: Markenkult. Wie Waren zu Ikonen werden. Econ & List

Taschenbuch Verlag, 1995

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- 31 -

PR-Fotos – ein Bild sagt mehr als 1000 Worte

Dipl.-Journalist Kay A. S c h ö n e w e r k

4iMEDIA Kommunikations- und Medienberatung

Leipzig

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- 32 -

„PR-Fotos – ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“

Die Welt ist eine schnelle Welt! Die Welt ist eine optische Welt! Der Mensch wird überschüttet mit

Bildern!

Immer mehr findet man nur Zugang zu Informationen über das Bild und kann Informationen auch

nur weiterreichen über das Foto. Man erregt überhaupt Aufmerksamkeit für ein Thema durch das

Bild - durch das gute Bild!

Mehr als die Hälfte der durch die Medien weitergeleiteten Themen stammen aus Quellen der PR.

Das Pressefoto ist aber eine der selten verwendeten Formen der Medienarbeit.

Und: Nur ein Bruchteil der bei Nachrichtenagenturen und Redaktionen eingehenden PR-Fotos wird

verwendet. Von den täglich bei der dpa eingehenden PR-Fotos werden lediglich 15 Prozent

verwendet. Lokalredaktionen von Tageszeitungen veröffentlichen ca. 20 Prozent des eingehenden

Materials.

Erleichtern Sie den Redakteuren die Arbeit, indem Sie zu Ihrer Medienmitteilung auch die

passenden Bilder zur Verfügung stellen. Bieten Sie z.B. ein Pressefoto als Vorschau-Bild an. Damit

veranschaulichen Sie das Thema. Aber weniger ist hier mehr: passen Sie auf, dass Sie nicht mit

Bildern die eigentliche Nachricht verdrängen.

Möglich ist auch ein Angebot „Fotoexposé“. Mit diesem Instrument sprechen Sie als zusätzliches

Ressort die Fotoredaktion an. Im Text können Sie die Nachricht vertiefen und/ oder weitere

mögliche Themen aufzeigen.

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- 33 -

Journalisten sind weder überzeugt von der Qualität der PR-Fotos, noch lehnen sie diese als

vollständig unbrauchbar ab. Sie finden Pressefotos notwendig als Informationsquellen und als

Anregung für die Berichterstattung, stufen aber die Qualität und Zuverlässigkeit etwas geringer ein.

Ihre Wege in die Medien

Es gibt zwei Trendrichtungen: zum einen den Trend zu weniger, aber Spitzenfotos; zum anderen

den Trend zu mehr aber kostenlosen Bildern.

Bieten Sie möglichst unterschiedliche Motive an. Was ist nun aber ein lohnendes Motiv aus Sicht

des Bildredakteurs? Hier können Sie vorsortieren nach Tagespresse, Publikumspresse und

Fachmedien. Letztendlich hat aber jede Redaktion ihre eigenen Themen und Kriterien. Sprechen Sie

deshalb in regelmäßigen Abständen mit dem zuständigen Redakteur über seine Präferenzen.

Und bitte: nicht nur Protokoll- und Schreibtisch-Fotos anbieten. So werden reine Scheck-Übergaben

von manchen Medien erst ab einer bestimmten Summe (z.B. 5000 €) wahrgenommen. Wichtig ist

vielmehr die interessante Geschichte zum Ereignis selbst.

Wie Sie den (Zeitungs-)Fotografen in Ihren Verband bekommen

Entscheiden Sie im Vorfeld, welches Medium/ welche Medien Sie einladen.

Sprechen Sie den Fotografen entweder direkt über die Bildredaktion oder über die Fach-Redaktion

an, für die Ihr Foto-Thema wohl am interessantesten ist.

Bereiten Sie Ihren Foto-Termin gut vor

Wenn Sie mehrere Medien einladen wollen, sollten Sie dem Journalisten wenigstens das Gefühl

von Exklusivität geben, in dem Sie jedes Medium einzeln zu einem individuellen Fototermin

einladen. Mit diesem – auf Messen üblichen - Vorgehen lassen Sie dem Journalisten auch sein

„Foto-Geheimnis“ der Motivwahl. Ein ausgesprochener „Exklusiv-Termin“ muss aber wirklich

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- 34 -

exklusiv sein und bleiben. Wenn Experten oder Prominente in Ihrem Verband zu Gast sind, ist

natürlich auch ein Fototermin für alle interessierten Medien möglich.

Denken Sie daran, Pressemappen, Visitenkarten und Parkmöglichkeiten bzw. Einfahrtsgenehmigungen

für die Medienvertreter bereit zu halten.

Welchen Einfluss Sie auf den Ablauf des Fotografierens haben

Bereiten Sie die ausgesuchte Örtlichkeit sorgfältig vor. Damit sind nicht nur Ordnung und

Sauberkeit vor Ort und auf dem Weg dorthin gemeint.

Sie sollten unbedingt auch den Lichteinfall einkalkulieren. So verhindern Sie, dass Gegenlicht Ihre

schönen Motive und Fotos unmöglich macht.

Sollen Mitglieder Ihres Verbandes mit auf das Bild, so ist wichtig, dass diese wirklich fotobereit

sind. Denken Sie dabei nicht nur an die Kleidung – auch die Stimmung wird öffentlichkeitswirksam

auf dem Bild festgehalten.

Sprechen Sie deshalb den geplanten Ablauf mit allen Beteiligten Ihres Verbandes genau ab. Dazu

gehört eine klare Aufgabenverteilung, z.B. zur Begleitung des „Medienbesuches“ vom Parkplatz zur

Foto-Location.

Das sollten Sie im Umgang mit Foto-Journalisten unterlassen

Versuchen Sie nicht, ihn zu drängeln. Weder zeitlich – er ist sowieso im Terminstress, noch bei der

Motivwahl – in die er sich nicht gern hineinreden lässt. Er bestimmt, wer was wo wie macht – im

Interesse eines guten Presse-Fotos. So sollten Sie ihm auch nicht sein „Foto am Wegesrand“

verbieten. Wenn Sie ein Motiv nicht veröffentlicht sehen möchten, bitten Sie den Fotografen am

besten im Voraus um sein Einverständnis. In der Regel wird er es Ihnen geben und sich auch daran

halten.

Wie Sie gute Fotos liefern

Das Zuliefern von Fotos an die Redaktionen wird immer wichtiger durch den Sparzwang in den

Zeitungen. Es ergeben sich zudem neue Möglichkeiten durch die zunehmende Zahl von speziellen

Ratgeberteilen.

Vor der Zulieferung von Fotos an die einzelnen Redaktionen denken Sie wieder an die grobe

Unterteilung zwischen Tagespresse, Publikumspresse und Fachmedien und ggf. die

Feinabstimmung mit dem zuständigen Redakteur.

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Diese Ansprüche sollten Ihre Fotos erfüllen

- 35 -

An guten Fotos aus Verbänden und Vereinen besteht immer Bedarf. Zeigen Sie auf Ihren

Pressebildern aber nicht nur Ihr Vereinsgelände, sondern auch die Vereinsmitglieder und das

„Vereinsleben“.

Lebendige Bilder

Auf Ihren Fotos sollte, ja muss es „menscheln“ - aber bitte nicht vordergründig, nicht aufgesetzt.

Sondern durch ungezwungene Situationen und natürliche Gesten.

Halten Sie – auch ohne konkreten Anlass – Fotos von den wichtigsten Personen in Ihrem Verband

für Anfragen der Medien bereit. Stellen Sie sicher, dass diese Porträts auch das aktuelle Aussehen

der abgebildeten Personen wiedergeben.

Standort und Blickrichtung der Porträtierten sollten variieren (für linke oder rechte Zeitungsseite).

Bei Kopf-Porträts achten Sie darauf, dass Sie ein ernstes und ein freundliches parat haben.

Ansprechende Bilder

Die abzubildenden Personen gehören ins Bildzentrum und sind dem Betrachter zugewandt.

Idealerweise schauen Sie aus dem Bild heraus den Leser an. Rücken sind in jedem Fall zu

vermeiden!

Fotoredakteure benötigen Platz für den Bildschnitt und das Einpassen der Bilder in ein

vorgegebenes Layout. Lassen Sie deshalb in Ihren PR-Bildern ausreichend Raum am Bildrand.

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Darf´s noch etwas freundlicher sein?

- 36 -

Überlegen Sie vor dem Fototermin, welche Grundstimmung zum Anlass des Fotos passt. Und

stimmen Sie alle Beteiligten darauf ein. Dadurch gewährleisten Sie, dass Ihre Zielmedien auch von

Ihrem Verband(svorsitzenden) ein Sieger- und ein Krisen-Foto parat haben.

Nicht Schulmeistern – keine Werbung

Vermeiden Sie den gestreckten oder erhobenen Zeigefinger auf Pressefotos.

Dieser führt in Fotoredaktionen immer wieder zum „großen Erbrechen“ (O-Ton des Foto-Chefs

einer Zeitung). PR-Bilder sind Pressebilder und damit aus Sicht von Journalisten Rohmaterial für

die redaktionelle Berichterstattung. Vermeiden Sie deshalb eindeutige Werbeaussagen und allzu

aufdringliche PR-Botschaften im Bild.

Schmücken Sie Ihre Bilder aus

Architektur, Häuser, Objekte und Gebäude sind manchmal unvermeidbar. „Umrahmen“ Sie diesen

Hintergrund mit Menschen, mit Natur ... mit Natürlichkeit.

Aus ungewohnter Perspektive

Heben Sie sich ab von der 170 cm-Fotografie (durchschnittliche Körpergröße). Nutzen Sie die

Umgebung des Schauplatzes, einen Autoschweller oder eine Leiter, um einen erhöhten Standort zu

erreichen. Gehen Sie neben der Vogelperspektive auch mal in die Froschperspektive. Aus nächster

Nähe wirkt Altbekanntes plötzlich neu.

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- 37 -

Im wahrsten Sinne des Wortes ein Highlight: das Luftbild! In jedem Fall steigern Sie mit dieser

Perspektive die Aufmerksamkeit des Betrachters. Mit einigem Abstand betrachtet, gewinnen die

Dinge eine andere Dimension.

Manche Zusammenhänge erfordern auch eine Kombination von Bildern: Eine Nahaufnahme zeigt

das Objekt im Detail, ein erklärendes Beistellfoto das Umfeld.

Generell gilt: Haben Sie Mut zu ungewöhnlichen und originellen Fotos. Sie müssen sich von den

vielen (Standard-)Bildern der Nachrichtenagenturen abheben.

Machen Sie sich Ihr eigenes Bild

Versuchen Sie, den klassischen Aufbau eines Bildes zu erreichen: Vordergrund - Mittelgrund –

Hintergrund. Warum hat sich diese Form als „klassisch“ bewährt? Weil genau diese Anordnung

Spannung ins Bild bringt. Oft sind die drei Ebenen nur durch Standpunkt- oder wenn möglich

Kulissenwechsel machbar, manchmal auch nur durch Motivwechsel.

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- 38 -

Zum Wetter: Es kann schon „schön“ sein. Ideal ist die Verfügbarkeit von Motiven aus jeder

Jahreszeit und in jeder Stimmung.

Scharfe Bilder von Format

Erleichtern Sie auch dem Layouter die Arbeit, indem Sie Ihre Bilder möglichst in unterschiedlichen

Formaten bereitstellen. Ideal ist es, wenn Sie zu einem Motiv Hoch- und Querformate anbieten.

Die Schärfe an sich sollte auf dem bildwichtigen Gegenstand liegen oder Totale Tiefenschärfe, also

alles scharf - zum Beispiel bei Landschaftsaufnahmen.

Bei Porträts können Sie mit dem Verhältnis von Schärfe und Unschärfe spielen. So kann der

Hintergrund unaufdringlich die dargestellte Person unterstützen.

Bringen Sie Farbe ins Bild

Ihre Bilder können farbig, ja sogar bunt sein. Für den Tageszeitungsdruck gut geeignet sind die

warmen Farbtöne: Rot, Gelb und Braun. Trotzdem sollten Sie die Verwendbarkeit Ihrer Fotos als

schwarz/weiß-Kopie testen und ggf. anpassen.

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Ihre Pflichten und Rechte rund um´s Bild

- 39 -

Ohne Bildtext ist auch das beste Foto für Journalisten wertlos. Sorgen Sie dafür, dass Fotos, die

Ihren Verband verlassen, immer mit einer Bildunterschrift versehen sind – einschließlich

Hinweisen auf Urheber, Copyright und Nutzungsbedingungen.

Die fünf W-Fragen sollten beantwortet sein: Wann, Wer, Wie, Wo, Was!

Nennen Sie bei Porträts und Menschen im Bild deren Namen und Vornamen. Also nicht „Herr

Spaten“ oder „Stadtrat Mond“ oder K.S.. Verwenden Sie die exakte Funktions- bzw.

Berufsbezeichnung und möglichst noch die verknappte Form bei langen Titeln.

Versehen Sie das Bild mit einer Datumsangabe: bei späterer Verwendung ist es besser einzuordnen

bzw. zuzuordnen. Aber verzichten Sie bitte auf die Verwendung von Fotos, auf denen das Datum

oder der Autor eingeblendet ist.

Bedenken und vermerken Sie auch Einschränkungen zur Verwendbarkeit Ihrer Bilder. Dazu können

begründete Sperr-Fristen bis zur Veröffentlichung und in Ausnahmefällen zur Archivierung gehören

(z.B. bei ausgeschiedenen Verbandsmitgliedern).

Wenn Sie einen Fotografen beauftragt haben

Prächtige Stimmung am

Tisch der Steglitz-

Zehlendorfer: Dr. Ulrich

Sommer, stellv. BV-

Vorsitzender, Norbert Kopp,

Stadtrat für Bildung, Kultur

und Sport, Elke Sommer

sowie Ralf Körner, Stadtrat für

Bauen mit Gattin (v.l.n.r.)

Das Urheberrecht am Foto liegt immer beim Fotografen (über sein Leben hinaus) und ist

unverkäuflich. Stellen Sie aber sicher, dass Sie per Vertrag Verwendungsrechte an den Bildern

erwerben. Dabei kann z.B. die einmalige Verwendung oder unbefristet eine bestimmte Art der

Verwendung vereinbart werden. Wenn Sie Nach- und Neuverhandlungen vermeiden möchten,

sollten Sie sich sämtliche Verwendungsrechte abtreten lassen.

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- 40 -

Achten Sie darauf, dass die von Ihnen abgebildeten Personen nicht in ihren Persönlichkeitsrechten

verletzt werden. Bevor Sie diese Bilder in Umlauf bringen, holen Sie deshalb das - ggf. schriftliche -

Einverständnis aller Beteiligten ein.

Bei den Angaben zur Urheber- bzw. Autorenzeile kann die Nennung Ihres Verbandes

kontraproduktiv, die eines Wirtschaftsunternehmens sogar kritisch sein. Um den Verdacht der

bezahlten Werbung gar nicht erst aufkommen zu lassen, nennen Sie besser den Namen des

Fotografen. Diese Art von Zurückhaltung wird von Redakteuren wie Lesern wohlwollend zur

Kenntnis genommen.

Vermerken Sie, dass Ihr Bild „zur honorarfreien Verwendung“ ist - oder nicht!

Und: Bitten Sie um ein Belegexemplar bei Veröffentlichung (für Ihren Pressespiegel).

Gut versendet ist halb gedruckt

Sie sollten mit Kameras über 3 Mio. Pixel Auflösung arbeiten (lassen).

Senden Sie Ihre Bilder nur noch digital an die Redaktionen, schon um die Einarbeitung in den

Computer zu ersparen. Auch wenn Online-Medien zunehmend an Bedeutung gewinnen, sind PR-

Bilder meist für den Abdruck in einem Printmedium bestimmt. Stellen Sie deshalb den

Redaktionen Ihre Bilddateien in druckfähiger Auflösung zur Verfügung.

Speichern Sie die Motive im komprimierten JPEG-Format ab 150 dpi (für Tageszeitungen), besser

mit 300 dpi. Noch besser ist die Versendung im detaillierteren TIFF-Format (bzw. beides).

Allerdings kann es dabei Probleme mit der Dateigröße geben (Beispiel einer Tageszeitung: ab 6

MB).

Wie Ihre Bilder am besten ankommen, klären Sie einfach im Vorfeld mit der jeweiligen Redaktion.

Versenden Sie dann per E-Mail, per ISDN-Leonardo direkt auf den Rechner, per CD-ROM

(Lagerung aber aufwendig wie bei Papierfotos) oder per Download-Link.

In naher Zukunft sollten Sie auch Bilder über Datenbanken (passwortgeschützt oder nicht)

anbieten. Hauptvorteil für die Journalisten ist dabei die jederzeitige Abrufbarkeit. Falls

Originalfotos noch gewünscht werden, dürfen Sie diese nicht auf „irgendeinem“ Drucker

ausdrucken. Sie sollten vielmehr auf Fotopapier hochwertige Abzüge anfertigen (lassen).

Verschicken Sie nicht nur Fotos – ziehen Sie auch Info-Grafiken, Diagramme und ggf. Tabellen in

Betracht. Hier ist die Nennung Ihres Verbandes als Urheber glaubwürdiger und unverfänglicher als

bei Pressefotos.

Die Standardausrüstung „in Ihrer Schublade“:

Halten Sie Porträts der Verbandsführung für die unterschiedlichen Medien bereit und aktuell. Das

bedeutet: angemessene Kleidung und passendes Umfeld für das jeweilige Genre (z.B. Politik,

Wirtschaft, Freizeit).

Wichtig sind auch aktuelle Aufnahmen des Vereinsgeländes (vorteilhaft: die Luftaufnahme), Fotos

aus dem Verbands-/ Vereinsleben und das Verbandslogo.

Was kostet ein Fotograf?

Sie haben zwei Möglichkeiten: entweder Sie orientieren sich an den aktuellen Richtlinien der

Mittelstandsvereinigung Foto oder Sie handeln den Preis individuell aus.

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Für Ihre Presse-Fotos sollten Sie keinen Werbefotografen beauftragen, sondern einen (freien) Foto-

Journalisten. Er weiß am besten, was seine Kollegen in den Redaktionen abdrucken. Und ist als

freier Fotograf oder freie Fotoredaktion auch recht günstig zu verpflichten.

Wenn Sie selbst zur Kamera greifen

Welche Kamera sollten Sie in der Schublade haben? Vorteilhaft für ein gutes Handling sind

kompakte Modelle. Wir empfehlen 5 Mio. Pixel Auflösung, wobei Sie Ihre Rechnerqualität und -

Kapazität beachten müssen.

PR-Fotos – Ihr Bild sagt mehr als 1000 Worte

Nun haben Sie einen ersten Eindruck davon, was Sie rund um´s Thema Pressefoto beachten

müssen, sollten, können. Bei der Anwendung dieses Wissens wünschen wir Ihnen viel Erfolg.

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- 43 -

Wie gestaltet man eine wirksame

Öffentlichkeitsarbeit?

Margit K r u f t

Journalistin und Kommunikationstrainerin

Berlin

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Wie gestaltet man eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit?

Als Dr. Achim Friedrich und Thomas Wagner mich im letzten Winter fragten, ob ich im Mai am

geplanten Seminar „Presse und Öffentlichkeitsarbeit“ als Referentin teilhaben wolle, sagte ich sofort

ja. Natürlich wollte ich! Nach einigen Gesprächen, welcher Referent welchen Teil der Öffentlichkeitsarbeit

übernehmen soll, bekam ich den Auftrag, mit 50 deutschen Gartenfreunden und

Kleingärtnern zu arbeiten, die sich mit diesem Thema bereits ehrenamtlich intensiv beschäftigen.

Der Titel: „Wie gestaltet man eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit?“

Da ich zwei Mal eineinhalb Stunden zur Verfügung hatte, machte ich mir eine Menge Gedanken,

wie ich das wesentliche Handwerkszeug der Öffentlichkeitsarbeit in diesen drei Stunden am besten

an den Mann bringen sollte. Mir wurde klar, dass ich eine Art Fundament würde vermitteln müssen,

einen fruchtbaren Grund und Boden so zusagen. Es gibt ein Werkzeug, das jeder haupt- oder

nebenberuflich tätige Öffentlichkeitsarbeiter jederzeit und bei all seinen Aufgaben einsetzen kann:

Das PR-Konzept. Ein PR-Konzept kann sehr theoretisch sein. Das soll es auch. Schließlich ist der

Public Relations-Berater ein wissenschaftlich geschulter Mensch. Aber für die schnelle Hilfe, um

kurzfristig Öffentlichkeit zu mobilisieren, ist die Theorie allein manchmal zu umständlich. Also

beschloss ich, vom frontalen Vortrag abzuweichen. Ich wollte gemeinsam mit 50 Kleingärtnern ein

PR-Konzept erarbeiten. Ziel: Imageverbesserung des Kleingartenwesens. Mal sehen, ob sich das

Auditorium darauf einlassen würde.

Als der Mai dann gekommen war, stand ich also an einem sonnigen Samstagmorgen vor meinen

neuen Studenten. Etwa 50 Gartenfreunde, darunter fünf Gartenfreundinnen. Wir gingen sogleich in

Medias Res. Es waren drei wunderbare Stunden voller Enthusiasmus und mit sehr viel Engagement

hoch motivierter Menschen. Und hier ist das gemeinsam erarbeitete PR-Konzept, noch einmal zum

Nachlesen und zum Weiterarbeiten:

A Positionierung

Beschreibung des Verbandes oder des Produktes in einem Satz:

Unter diesem Punkt haben wir einen Satz gesucht, der möglichst prägnant und klar aussagen sollte,

was das Kleingartenwesen ausmacht. Folgenden Satz haben wir erarbeitet:

„Gemeinschaft und Gärtnern für Jedermann“

B Analyse

Stärken, Schwächen

In der Stärken- und Schwächenanalyse macht man sich klar, was man bereits erreicht hat, wo man

schon jetzt stark ist und was man noch an Defiziten hat. Die eigenen Schwächen zu kennen, ist

sehr wesentlich für den Erfolg von Öffentlichkeitsarbeit, da diese nur wirksam sein kann, wenn man

das eigene Unternehmen oder den Verband, Verein wirklich ganz genau kennt. Die drei wesentlichen

Stärken und Schwächen, die wir im Seminar herausgefunden haben, sind:

Stärken: Schwächen:

Solidargemeinschaft Überalterung

Hohe Fachkompetenz Überreglementierung

Engagement fehlende Toleranz

C Zielgruppenanalyse

Präzise Angaben über die Zielgruppen (Marktforschung einschalten)

Um sich ganz klar darüber zu werden, wen man eigentlich gewinnen möchte, für den eigenen Verband

oder Verein, für das Unternehmen, benötigt man exakte Angaben über die Zielgruppen. Analysiert

man die Zielgruppen sehr genau, am besten mit einem Marktforschungsinstitut gemeinsam,

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- 45 -

hat man es leichter, die geeigneten Maßnahmen zur Ansprache dieser Personen herauszufinden.

Unsere Zielgruppen sind:

• Junge Familien

• Menschen, die keinen Garten haben

• Menschen, die sich keinen teuren Garten leisten können

• Arbeitslose, sozial schwächer gestellte Personen

• Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft

Aber natürlich gibt es auch „interne“ Zielgruppen und Multiplikatorengruppen:

• Kommunalpolitiker

• Journalisten

• Sponsoren

• Ausnahmslos alle Mitglieder der Verbände und Vereine und deren Familien

D Hauptgegner

Wer ist der Hauptgegner? Worin ist er besser, worin schlechter als unser Verband?

Einen echten Hauptgegner des Kleingartenwesens gibt es eigentlich nicht. Natürlich sind Fitnessstudios,

Dauercampingplätze oder Freizeiteinrichtungen aller Art auch immer Institutionen, wo

Menschen ihre Freizeit verbringen können, jedoch gibt es keinen Hauptgegner im klassischen Sinn.

(Beispiele für Hauptgegner: HörZu oder FunkUhr, Mercedes oder BMW, Quelle Versand oder Neckermann

Versand).

E Kerndifferenzierung

Im Unterschied zum Hauptgegner ist unser Verband, unser Verein einzigartig, weil…

Dieser Punkt war in unserem Seminar der schwierigste von allen. Die Einzigartigkeit, in Fachkreisen

spricht man hier vom USP (Unique Selling Proposition) herauszufinden, brauchte jede Menge

Zeit, Muße und Geduld. Wir verbrachten die Hauptzeit unserer Konzeptionierung mit dieser Frage.

Als Ergebnis konnten wir uns auf eine große Annäherung an das Thema einigen:

Folgende Begriffe umkreisen die Einzigartigkeit des Kleingartenwesens:

• Das 2. Zuhause

• Grünes Wohnzimmer

• Die 2. Heimat

• Grüne Oase

• Geborgenheit

• Entspannung

• Aussteigen

In vielen Einzelgesprächen kristallisierte sich auch folgendes heraus:

• Die eigenen Pflanzen wachsen sehen; etwas erschaffen und sich daran erfreuen.

F Psychogramm

Das Psychogramm ist sicherlich die amüsanteste Form, sich der Zielgruppe auf eine Weise zu nähern,

dass man sie nie wieder vergisst. Man gibt einer fiktiven und repräsentablen Person der

Kernzielgruppe ein Gesicht und einen Namen. Hier unser Ergebnis:

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Alter 30

Geschlecht männlich

verheiratet mit einer 29jährigen Verkäuferin,

2 Kinder, 2 und 4 Jahre

Ausbildung, Beruf Elektriker

Einkommen (klein, mittel, hoch) mittleres Einkommen

Wohnort Kassel, 3 Zimmerwohnung

Fahrzeugtyp Opel Astra

Hobbys Fußball, Fernsehen, Garten

Einstellung

(konservativ, liberal, bodenständig, alternativ) bodenständig

Besondere Interessen Natur

Filme Mission Impossible, Actionfilme

Zeitungen, Zeitschriften Kicker, Sportbild,

Musik Pop

Name „Sven“

G Ziele

Welche Botschaften des Verbandes sollen durchgesetzt werden?

Welche Marketingziele des Verbandes sollen durchgesetzt werden?

(Je präziser, desto besser die Erfolgskontrolle.)

Alles, was wir jetzt gemeinsam an PR-Zielen und -Maßnahmen entwickeln, tun wir für „Sven“ unseren

fiktiven jungen Familienvater und seine Familie, die wir stellvertretend für alle Kleinfamilien als

Mitglieder gewinnen wollen:

Wir erinnern uns jetzt wieder an den Anfang unserer Konzeption, als es hieß: Beschreiben Sie die

Aufgabe Ihres Verbandes, Ihres Vereines in einem Satz. Inzwischen sind wir an einem Punkt angelangt,

an dem wir über einen Slogan nachdenken können, über einen Leitsatz für unsere Arbeit. Alle

zusammen blieben wir in unserer ersten Sitzung fast bei unserem Satz aus Position A:

„Gemeinschaft und Gärtnern für alle“

Die Entwicklung eines Slogans oder, wir die PR-Leute sagen, eines Claims, werden wir uns in künftigen

Zusammentreffen widmen müssen.

Diese Botschaft sollte auf allen Drucksachen sichtbar sein, so dass sie sich in die Köpfe aller Menschen

und besonders in das Gedächtnis von „Sven“ einprägt.

Marketingziele sind in Zahlen ausgedrückte Ziele: Wie viele Menschen will ich in welcher Zeit ansprechen?

Wie viele neue Mitglieder will ich bis zum Jahreswechsel 2004/2005 gewonnen haben?

H Maßnahmen

Welche Maßnahmen zur Erreichung der Ziele sind geplant?

(Events, Giveaways, Aktionen, Werbemaßnahmen)

An dieser Stelle haben wir überlegt, worauf „Sven“ und seine Familie am besten reagieren Wo und

womit erreichen wir ihn am besten? Unsere besten Ergebnisse:

• Aushang im Kindergarten

• Postwurfsendung

• Wöchentliches Anzeigenblatt

• Lokalfernsehen

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• Tage der offenen Tür

• Aushang in Wohnungsgesellschaften

I Mitteleinsatz

- 47 -

Welche finanziellen oder sachlichen Mittel werden bereitgestellt?

Das ist eine der wesentlichsten Fragen jedes PR-Konzepts. Ohne Geld kann man nicht viel machen.

Anzeigen in Zeitungen sind sehr teuer, ebenso wie Werbespots in Radio und Fernsehen oder Plakatierung

in den Städten. Aushänge sind natürlich günstiger; auch die wöchentlichen Anzeigenblätter

bieten angemessene Anzeigenflächen zu fairen Preisen. Empfehlenswert für eine gute und schlüssige

Öffentlichkeitsarbeit ist ein angemessener Etat. Womöglich kann an anderen Stellen gespart

werden; ein Topf sollte in jedem Fall dafür bereitgestellt und gefüllt werden.

J Vorgaben

Gibt es Vorgaben des Bundesverbandes für die Maßnahmen?

Die Vorgaben des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde e.V. sollten vor größeren Maßnahmen

in der breiten Öffentlichkeit immer abgefragt werden.

Empfehlenswert ist immer, sich eng an das optische Erscheinungsbild des Bundesverbandes zu

halten. Sei es auf der eigenen Webseite oder der Drucksache: das Logo des Bundesverbandes ist

immer eine gute Marke und ein wichtiger Absender, der das Image in der Öffentlichkeit stärkt und

unterstreicht.

K Zeitplan

Um sich in der eigenen Öffentlichkeitsarbeit nicht zu verlieren (meist ist es doch immer eine Menge

Kleinkram, der erledigt werden muss) bietet es sich an, einen übersichtlichen Zeitplan zu entwerfen.

Damit lässt sich auch gut der Etat einteilen.

Man macht sich einfach eine Tabelle und trägt alles ein.

Zum Beispiel so:

Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Anzeigen xxx xxx

Aushänge xxx xxx xxx xxx xxx xxx xxx xxx xxx xxx xxx xxx

Plakate xxx

Tag der off. Tür xxx xxx

Intensive Pressearbeit

xxx xxx xxx

Postwurfsendung xxx xxx

Mit diesem PR-Konzept lassen sich grundsätzlich alle Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit erarbeiten.

Es erfordert etwas Zeit und Ruhe und am Ende hat man viel mehr Klarheit über seine Ziele

gewonnen.

Mir hat das Seminar in Kassel eine Menge gebracht. Ich hatte sehr viel Spaß, habe eine Reihe sehr

nette Menschen kennen gelernt und viel Neues über das Gärtnern gelernt. Ich hoffe, dass wir in

weiteren Seminaren für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit noch intensiver in die gemeinsam erarbeiteten

Themenbereiche einsteigen können.

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- 49 -

Pressearbeit der Vereine und Verbände aus der Sicht

eines Chefredakteurs einer Tageszeitung

(Beitrag in Form eines Presseartikels)

Dr. Eberhard W i n t e r h a g e r

Chefredakteur der Siegener Zeitung

Siegen

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- 50 -

Pressearbeit der Vereine und Verbände aus der Sicht eines Chefredakteurs einer Tageszeitung

Die „Botschaft“ muss auf Interesse stoßen

Hinweise für die Pressearbeit von Vereinen und Verbänden / Journalisten verstehen lernen

Kassel. Beim Verfassen von

Pressemeldungen und –berichten

sollte sich der Pressesprecher

eines Vereins bzw.

Verbandes stets die Frage

stellen, inwieweit eine „Botschaft"

einen größeren Leserkreis

anzusprechen vermag.

In einem Vortrag zum Thema

"Pressearbeit der Vereine und

Verbände aus der Sicht eines

Chefredakteurs einer Tageszeitung"

hat der Chefredakteur

der Siegener Zeitung,

Eberhard Winterhager, im

Rahmen des Seminars "Öffentlichkeitsarbeit"

des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde

e. V. am 15. Mai in

Kassel die Kriterien interessanter

Pressemeldungen und

–berichte in den Vordergrund

seiner Betrachtungen gestellt.

Der Referent nahm dabei immer

wieder Bezug auf die

Broschüre „Im Gespräch bleiben

-Hinweise zur Presse- und

Öffentlichkeitsarbeit in den

Kleingärtnervereinen und -

verbänden". Dieses Heft biete

eine ausgezeichnete Gesamtübersicht,

es sei allerdings

von einem "sehr hohen"

Standpunkt her verfasst, d. h.

die tatsächliche Pressearbeit

nehme sich für den einzelnen

Kleingärtnerverein mutmaßlich

viel "bescheidener" aus.

Entscheidend sei aber bei

allen Aktivitäten, sich darüber

klar zu sein, wen man mit

seiner Nachricht bzw. seinem

Bericht überhaupt glaube ansprechen

zu können.

Winterhager machte die Kriterien

anhand typischer Fälle

deutlich, die sich aus der Sicht

einer Lokalzeitung bzw. einer

Regionalzeitung mit lokalen

Seiten ergeben. Da ist der

einfache Fall einer Veranstaltungsankündigung

(a), welche

wohl in allen Tageszeitungen

mit Lokalteil abgedruckt wird

vor allem dann, wenn etwa

allgemein interessierende

Vorträge usw. angeboten werden.

Kritische Distanz entstehe

allerdings in manchen Redaktionen,

wenn eine Veranstaltung

nicht öffentlich ist.

Allein für Vereinsmitglieder

erscheint eine Zeitungsankündigung

eher problematisch.

Dort, wo ein Verein durch

kommunale Planungen oder

von allgemeinen Themen

tangiert ist, die öffentlich

diskutiert werden, kann er

sich in Presseerklärungen (b)

oder Leserbriefen (c) äußern.

Wollte also z. B. eine

Kommune eine

Vergnügungssteuer für

Schrebergartenfeste einführen,

wäre das einfachste Mittel

das Einreichen bzw. Mailen

einer geharnischten Presseerklärung,

die in der Regel

knapp gefasst sein sollte. Für

etwas ausführlichere Begründungen

eignen sich (in manchen

Zeitungen) eher Leserbriefe,

wobei auch noch einzelne

Vereinsmitglieder mit

weiteren Briefen andere Gesichtspunkte

ins Spiel bringen

können.

Sehr oft haben Vereine ausgerechnet

dann sehr nachdrücklicheVeröffentlichungswünsche,

wenn es um die reine

Vereinsarbeit, d. h. um Jahreshauptversammlungen

(d)

geht. Aber gerade da bestehen

für viele Journalisten erhebliche

Hemmungen, weil die

typischen Tagesordnungspunkte

solcher Versammlungen

kaum auf öffentliches

Interesse stoßen. Von einer

Jahreshauptversammlung

interessant zu berichten, ist

kaum möglich, es sei denn,

der Kassierer wäre z. B. mit

der Kasse auf und davon (das

wiederum berichten die Vereine

gar nicht gerne) oder es

gäbe andere Vorkommnisse

von größerem öffentlichen

Interesse. Ansonsten würden

mutmaßlich viele Zeitungen

nur den neu gewählten Vorstand

und evtl. die Vereinsjubilare

erwähnen.

Geht man vom jährlichen

Lampionfest eines Kleingartenvereins

aus, bei dem evtl.

auch Personen des öffentlichen

Lebens geladen sind

(und kommen), könnte eine

Berichterstattung (e) je nach

Programm und Menge des

Angebots vergleichbarer Programme

anderer Vereine usw.

in Betracht kommen. Je nach

Anlage des Lampionfestes

scheinen aussagekräftige

Bildveröffentlichungen möglich.

Kommt der Bürgermeister z.

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B. zur Brunnentaufe der

Kleingartenanlage, sind die

Chancen einer Bildberichterstattung

(f) durchaus gegeben,

wobei die Chance um so

geringer wird, je mehr der

Bürgermeister aus jedem

kleinsten Anlass auftritt (die

Zeitungen werden von Lesern

auch wegen des zu häufigen

Erscheinens gewisser Gesichter

kritisiert).

Je nach Umsetzung kann aber

auch die ganz normale Gartenarbeit

eines oder mehrerer

Vereinsmitglieder öffentliches

Interesse auslösen (g). Für

solche Themen stellt sich

noch mehr als für die Berichtsanlässe

d, e und f die

Frage, ob man nicht einmal

einen Profi für ein solches

Thema gewinnen könnte. Dazu

muss man der Zeitung

oder evtl. dem Radio Themen

anbieten und schmackhaft

machen, die einen größeren

Kreis von Lesern/Hörern interessieren:

die spezielle, sich

häufende Pflanzenkrankheit,

- 51 -

die Ausbreitung einer neuen

Pflanzenart, ein juckender

Plagegeist des Gartens usw.

Der Kleingartenverein, der gut

vorbereitet gute und ertragreiche

Obstsorten für die nähere

Umgebung vorstellt, kann

eine wache Redaktion quasi

dazu zwingen, einen entsprechenden

Termin (Pressegespräch)

zu besuchen.

Angesichts der Knappheit der

meisten Zeitungsredaktionen

an hauptberuflichem Personal

muss ein Verein auch stets

berücksichtigen, welche Zeit

er einem Journalisten abverlangt,

wobei obendrein Wochentag

und Uhrzeit bedeutsam

sind. Die Wochenendbesetzung

einer Zeitung ist regelmäßig

dünn, weil Sonntagsarbeit

trotz Zulage nicht

sehr beliebt ist und den Verlegern

viel Geld kostet. An Wochenenden

sind deshalb sehr

viele freie Mitarbeiter unterwegs.

Solche Mitarbeiter werden

aber nicht so leicht bei

einer Veranstaltung zwei

Stunden zubringen, um dann

für wenige Zeilen und ein Bild

nur ein paar Euro zu bekommen.

Also muss man ihnen

einen Waschzettel zur Verfügung

stellen und ihnen vorab

mitteilen, zu welchen Zeitpunkten

sich ein ausdrucksstarkes

Foto schießen lässt

usw.

Zusammengefasst: Pressearbeit

ist umso erfolgreicher, je

besser sie sich auf die keineswegs

stressfreien Arbeitsbedingungen

von Journalisten

einstellt. Pressesprecher und

allgemein Informanten, die

den Journalisten zuverlässig

eine „Story" liefern, können in

den Redaktionen zu hohem

Ansehen kommen. Wer allerdings

zwei Windeier angeliefert

hat, dem wird kaum noch

ein „Straußenei" im Garten

des Vereinsvorsitzenden abgenommen...

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- 53 -

Marketing – auch für Verbände und Vereine?

Dipl.-Ing. Hermann W e b e r

Aeternitas e.V.

Königswinter

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„Marketing auch für Verbände und Vereine?“ Kleingartenmarketing - ganz natürlich!

- 54 -

„Wenn Sie weitermachen wie bisher, werden Sie auch die gleichen Ergebnisse produzieren

wie bisher“.

Wohl wahr, ein kluges Wort. Wünschen Sie sich neue, bessere Ergebnisse als bisher? Dann sollte

ich versuchen darzulegen, inwieweit Marketing Hilfe bieten kann.

Marketingansätze basieren auf erfolgsorientiertem Denken. Hinzu kommt heute, dass Marketing

verstanden wird als gezielte marktorientierte Führung durch:

Planung Koordination

Kommunikation und Kontrolle

aller auf die aktuelle und potenzielle Zielgruppe – in unserem Fall auf Kleingärtner - ausgerichteten

Aktivitäten ihrer Verbände. Es muss klar sein, wer führt wen, womit, wodurch, wohin?

Leitlinie allen Handelns ist die Ausrichtung der gesamten Organisation an den Mitgliedern und

deren Bedürfnissen. Konkret: Der BDG über seine Landesverbände und diese wiederum mit seinen

Mitgliedsverbänden hin zu den Mitgliedern vor Ort.

Anders formuliert: Marketing in Verbänden ist das Ziehen an einem Strang in die gleiche Richtung.

Marketing hat als Verbandsaufgabe den Aufbau, die Pflege und die Intensivierung der Beziehungen

zu den Mitgliedern, anderen Partnern (Stakeholdern) und gesellschaftlichen Anspruchsgruppen zu

gestalten mit den Mitteln der Planung, Koordination, Kommuniktion und Kontrolle. Mit der Sicherung

des Erfolgsziels sollen auch die Bedürfnisse der beteiligten Gruppen befriedigt werden (Win-

Win-Situation).

Erfolgsziel ist die positive Leistungsbilanz des Verbandes aus Sicht der Mitglieder.

Was ist positiv im Sinne der Mitglieder? Ich wage einen Deutungsansatz.

Positiv sind

• die Gartenfreuden für Körper, Geist und Seele

• die Vorteile einer großen Gemeinschaft

• ökonomische Vorzüge durch die Mitgliedschaft

Negativ wirken

• steigende Gebühren und Abgaben

• Nutzungsbegrenzungen für den Kleingarten

• steigende Pachtzinsen

um nur je drei Hinweise zu geben.

Marketing hilft, wenn die Kerninteressen Ihrer Mitglieder bedroht sind

Ich finde es bewundernswert, was der BDG und die Kleingartenverbände alles bieten.

Der BDG will noch mehr. Was er will, steht im BDG-Leitbild, aus dem ich später zitieren werde.

Dort wird lückenlos ausgeführt, wo die Kerninteressen Ihrer Mitglieder berührt sind oder in naher

Zukunft bedroht sein könnten.

Das Leitbild ist künftig die Basis der Verbandsarbeit. Jegliche Ziele, Konzepte, Strategien, Planungen,

Implementierungen, Kontrollen oder Zyklen des Marketings gehen vom Leitbild aus und kehren

dorthin zurück. Marketing bietet das Instrumentarium für die konsequente Umsetzung der

Programme und Verbandsaufgaben. Marketing wird in jeder Phase konkret. Jedes Ziel wird so konkret

wie möglich formuliert, damit später auch ein Erfolg oder Misserfolg klar beschrieben werden

kann. Allgemeine Umschreibungen, wie sie manche Verbände lieben, sind dem Marketing fremd.

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Marketing steigert die Leistungspotenz der Verbände

Erfolgreiche Verbandsarbeit wird immer schwieriger. Das liegt an den sich ändernden Rahmenbedingungen

für die sich wandelnde Gesellschaft.

Die Politik für eine neue Gesellschaft am Anfang des 21. Jahrhunderts kennt keine Tabus. Der

Wechsel vom Versorgungs- zum Leistungsprinzip in Politik und Gesellschaft wurde in den letzten

Jahren vollzogen. Neue Formeln der Politik lauten: Fördern und Fordern oder Hilfe zur Selbsthilfe.

Wie auch immer die Botschaft formuliert wird, politologisch betrachtet sind Ihre Kerninteressen

und die vieler anderer Interessengruppen nur Teil des neuen im Werden befindlichen gesellschaftlichen

Konsens. Markanter formuliert: Die Kleingartenverbände geraten zunehmend in den Wettbewerb

mit den Verbandsvertretungen von anderen gesellschaftlichen Gruppen, die auch um die

„Früchte Ihrer Mitglieder“ kämpfen.

Angesichts der öffentlichen Haushaltsdefizite und der anhaltend schwachen Konjunktur werden die

Erfolgsaussichten für Mitgliedervorteile aus öffentlicher Hand zukünftig weiter reduziert. Daraus

folgert: Die Kleingartenverbände werden noch mehr Einsatz leisten müssen, um die Mitgliederinteressen

nachhaltig befriedigen zu können.

Im Sinne einer positiven Leistungsbilanz durch Mitglieder werden in Zukunft diejenigen Verbände

zu den Gewinnern zählen, die sich mehr und mehr als Dienstleister verstehen und neue Angebote

generieren. Nur zufriedene Mitglieder bezahlen zufriedenstellende Beiträge. Viele Verbände haben

erfahren, mit Dienstleistungen können ergänzend zu den Mitgliedsbeiträgen Verbandseinnahmen

generiert werden, was Ihre Leistungspotenz steigert.

Marketing ist wie gärtnern

Ich habe den Weg an den Bücherregalen des Marketings begonnen. Ein mühsamer Weg durch

Fachbegriffe und deren Definitionen und abstrakten Anwendungsbeispielen.

Gartenfreunde wie Sie haben es da beachtlich leichter. Ihnen bleibt zwar die Theorie nicht erspart,

doch die Praxis haben Sie schon. Marketing ist vom Prinzip wie gärtnern. Was ich mit einem Zitat

von Herrn Peter Ehrenberg aus dem Gartenfreund vom April 2004, Seite 51 beschreiben will:

Wer glaubt, wir Kleingärtner hielten Winterschlaf, der irrt. Nur richten wir unsere Aktivitäten nicht

nach Lust und Laune, sondern nach dem Rhythmus der Jahreszeiten. Schon ab Januar beschäftigen

sich die Gartenfreunde mit der kommenden Vielfalt an Farben, Formen und Früchten des Gartens.

Und nichts und niemand kann sie davon abhalten.

Gärtnern ist wie Marketing

Die wesentlichen Kernpunkte einer Marketingkonzeption bilden folgende zehn Punkte:

1. Der klare Blick für das Ziel und die konkrete Aufgabe

2. Vermeidung sich gegenseitig kontrahierender Ziele

3. Sich und seine Situation richtig einschätzen (Marktanalyse)

4. Eine gute Strategie aufbauen (Strategiekonzept)

5. Mit einem Plan, alles zu seiner Zeit (Timing)

6. Gemeinschaft macht stark – Kommunikation schafft Gemeinschaft

7. Die Ressourcen optimiert, vermeidet Reibungsverluste

8. Win-Win-Chancen suchen, Großzügigkeit zahlt sich langfristig aus

9. Controlling – aus Fehlern lernen

10. Am Ende steht der Anfang einer neuen Aufgabe

Drei Punkte werde ich verstärkt ins Auge fassen. Ein Marketingkonzept zu skizzieren, hierzu fehlt

heute die Zeit.

Die strategischen Ausgangsbedingungen sind entscheidend.

Mit der Situationsanalyse beginnt sinnvollerweise die Marketingkonzeption. Alle die besondere

Situationen der Unternehmung prägenden und für die marktorientierte Unternehmensführung

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- 56 -

wichtigen Informationen sollten mit Methoden der Marketingforschung erhoben und ausgewertet

werden. Nur so erreicht man eine gesicherte Datenbasis für die Formulierung von realistischen

Marketingzielen.

Die individuelle Checkliste in Form eines Stärken-Schwächen-Profils, das auch den relevanten

Wettbewerber mit berücksichtigt, müsste in einem nächsten Schritt angeschlossen werden.

Im Prinzip gilt: Fragen, die sich bei der Situationsanalyse stellen, müssen Sie selbst beantworten,

bevor es andere tun. Ich sage immer: In der Politik und Medienarbeit ist es Dummheit, sich auf

bekannte Fragen nicht vorzubereiten. Mit einer exzellenten Vorbereitung ersparen Sie sich Peinlichkeiten

und Fehlleistungen.

Für die Marketingstrategie sind die Stärken und Schwächen zu analysieren: Wer sein Image verbessern

oder verändern will, muss deshalb wie jedes seriöses Unternehmen »Produktforschung«

betreiben: Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich erreichen? Wo liegen meine Grenzen? Ziel dieser

Selbsteinschätzung ist ein knappes, klares Persönlichkeitsprofil, das der amerikanische Management-Experte

William Bridges mit dem griffigen Akronym »D.Ä.T.Ä« bezeichnet und das Ihre

Desires (Wünsche), Ihre Abilities (Fähigkeiten), Ihr Temperament und Ihre Assets (persönlichen

Aktiva) widerspiegelt.

Wichtig ist weiter die Suche nach strategischen Erfolgsfaktoren: Schon in der Phase der Situationsanalyse

sollten Schlüsselgrößen für den Erfolg identifiziert werden, so genannte Erfolgsfaktoren.

Marketingziele müssen operational formuliert werden. Die Ziele müssen so klar und eindeutig sein,

dass sie eine qualitative Erfolgskontrolle zulassen.

Was will Ihr Verband erreichen?

Verschaffen wir uns einen Überblick über das Arbeitsprogramm am Beispiel des BDG. Das folgende

MindMap ist ein von mir entworfener Ausschnitt aus der Programmplanung des BDG. In den

Landesverbänden dürften ähnliche Strukturen bestehen.

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Wir bewundern, wie umfassend und vielfältig die Pläne des BDG sein können. Gerade deshalb

drängen sich verschieden Fragen auf:

1. Wer will dieses Programm mit welchen Mitteln bis wann abarbeiten?

2. Reichen die Ressourcen des BDG aus?

3. Wo sind Prioritäten zu setzen?

Die Marketingfrage lautet: was können Sie kommunizieren?

Denn die Kommunikation entscheidet über hopp oder topp des Verbandes. Was nicht kommuniziert

wird, ist für die Mitglieder nicht vorhanden und kann somit von ihnen nicht als Bedürfnisbefriedigung

empfunden werden – vor allem, wenn es sich um die „politische“ Arbeit eines Verbandes

handelt. Nur bedürfnisorientierte und geplante Kommunikation kann zu einer Identifikation der

Mitglieder mit ihrem Verband und damit letztlich auch zu einer Mitgliederbindung führen.

Wir sollten uns einig sein: Das gilt um so mehr für die Außenbetrachtung. Welcher Politiker sollte

dieser Vielfalt entnehmen, was die Kleingartenverbände konkret wollen und wie er als Politiker Ihre

Wünsche oder Forderungen im politischen Willensbildungsprozess begründen soll. Wie und warum

er für die Kleingärtner Partei ergreifen soll.

Marketing und Kommunikation fordern ein scharfes Profil

Der Bundeskanzler hat das offene Geheimnis ausgesprochen. Wir haben kein Erkenntnis- und kein

Umsetzungsproblem. Wir haben ein Kommunikationsproblem. Die Bundesregierung hat viele

Chancen verschenkt, weil die Menschen keine Vorstellung davon haben, ob die Entscheidungen für

sie gut oder schlecht sind.

Wir lernen! Ihre Mitglieder sollen hören und verstehen, was sie für Vorteile aus Ihrer Verbandspolitik

ziehen können. Mit anderen Worten: wofür sie ihren Beitrag zahlen.

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Darf ich das in ein Bild übersetzen. Sie müssen bildlich gesprochen einen Ariadnefaden auslegen!

Sie erinnern an die sagenhafte kretischen Königstochter, die Theseus mit einem Wollknäuel den

Rückweg aus dem Labyrinth ermöglichte?

Ein erster Schritt – Das künftige Bild des Kleingärtners

Wie sollen sich die Öffentlichkeit und die Politik einen modernen Kleingärtner vorstellen?

Mein Vorschläge:

1. Kleingärtner sind Menschen mit Sinn für Natur und Gemeinschaft

2. Kleingärtnern ist ein Leben aus dem Garten

3. Kleingarten – eine Stätte der Genesung (Friedrich Nietzsche)

4. Leben aus den Gärten, die alle Sinne lebendig machen

Ein zweiter Schritt – das BDG-Programm zur Marketingreife führen

Wir lesen im BDG – Leitbild folgende Ziele 1 :

Unsere Ziele und Aufgaben 2

• Wir treten ein für ein nachhaltiges Kleingartenwesen als Bestandteil der sozialen Stadt.

• Als unsere vordringliche Aufgabe sehen wir an, den Bestand der vorhandenen Kleingartenanlagen

in Wohnungsnähe zu sichern und bedarfsgerecht zu erweitern.

• Wir wollen, dass der Kleingarten auch in Zukunft für alle Schichten der Bevölkerung bezahlbar

bleibt.

• Unsere Leistung für die Gesellschaft besteht in Sicherung und Ausbau der sozialen, ökologischen

und städtebaulichen Aspekte des Kleingartenwesens, in wirksamen und attraktiven Angeboten

zur Gestaltung einer sozialen und lebenswerten Stadt und in unserem Beitrag zur Erhaltung

des Kulturguts „Kleingarten“.

• Für den erforderlichen Informationsaustausch bieten wir als Dachorganisation ein Forum,

sowohl zur Beratung und Betreuung unserer Mitgliedsverbände als auch für die weiteren Organisationsebenen.

• Unsere Aufmerksamkeit richtet sich auf die Unterstützung der Vereinsarbeit in allen Bereichen.

Wir betrachten den Kleingarten als Erlebnisraum für Kinder und als Angebot zur Naturpädagogik.

• Ansprechen wollen wir (Zielgruppen) sowohl die organisierten KleingärtnerInnen als auch potentielle

Garteninteressenten und die breite Öffentlichkeit. Einen wirksamen Weg dazu sehen

wir in der Öffnung der Kleingartenanlagen mit zeitgemäßen Angeboten für Freizeitgestaltung

und Bildung für jedermann.

• Zielgerichtete Bildungsangebote stärken die fachliche Kompetenz unserer Mitgliedschaft, vermitteln

Impulse in Fragen von Natur- und Umweltschutz an die breite Öffentlichkeit und beweisen

hohe Kompetenz für öffentliches Grün.

• Vielgestaltige Wettbewerbe und Initiativen in den Vereinen und Verbänden tragen dazu bei,

das Kleingartenwesen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, städtebauliche Verbesserungen

zu erzielen und Kleingartenanlagen zu verschönern.

• Wir wollen den weiblichen Anteil in der Vereins- und Verbandsarbeit vergrößern. Ein großer

Teil unserer Mitglieder sind Frauen und sie sollten dementsprechend in den Gremien vertreten

sein.

• Wir treten dafür ein, den ehrenamtlich Tätigen die ihnen zustehende gesellschaftliche Anerkennung

zu verschaffen.

• das Kleingartenwesen als gesellschaftliches Gut zu schützen.

1

Aus der umfassenden Aufzählung des BDG-Leitbildes

2

Zitat aus dem BDG-Leitbild

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 170


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• Nur als gut informierte Gartenfreunde können wir Dritten gegenüber gut argumentieren.

• Wir wollen den Bundeswettbewerb „Gärten im Städtebau“ als tragendes Element für die weitere

Entwicklung des Kleingartenwesens erhalten.

• Die Beteiligung unserer Organisationen an Internationalen Gartenbauausstellungen, Bundes-

und Landesgartenschauen, Ausstellungen und Messen ist für uns selbstverständlich.

• Feiern zum „Tag des Gartens“ und zu anderen Anlässen rückt die Bedeutung der Kleingärten

in unseren Städten und Gemeinden verstärkt in das öffentliche Bewusstsein.

• Unsere Vereine arbeiten mit Kindergärten und Schulen vor Ort zusammen, um Kindern und

Jugendlichen die Natur näher zu bringen. Die Gewinnung der heranwachsenden Generation ist

uns ein wichtiges Anliegen.

• Tradition und Innovation gehören zu unserem Selbstverständnis.

Unsere Zukunft

Das Kleingartenwesen wird sich weiter entwickeln. Für uns eröffnen sich folgende Visionen:

• Das Bundeskleingartengesetz erfährt eine zeitgemäße Interpretation. Wert und Inhalt des Gesetzes

für die Sicherung und Fortführung des deutschen Kleingartenwesens sind anerkannt.

• Wir bieten Modelle an für innovative Nutzungskonzepte von Kleingartenanlagen, zeigen die

mögliche Nutzungsvielfalt auf und beraten die Kommunen bei der Einordnung dieser Grünflächen

in die städtebauliche Rahmen- und Bauleitplanung.

• Wir verstehen uns als ein modernes Dienstleistungsunternehmen, sowohl für unsere Mitgliedsverbände

als auch für die Kleingärtnervereine und die KleingärtnerInnen.

Ein dritter Schritt: BDG-Ziele zur Marketingreife ausbauen

Sie kennen die zwei Hauptprobleme von erfolgreichen Verbänden?

• Sie haben mehr Ideen als Geld.

• Und täglich kommen neue Ideen hinzu.

Mit 10 W’s beginnt das Marketing in den Verbänden

Was, warum, für wen, wie, bis wann, wo, mit wem, womit, mit wie viel Aufwand und wer finanziert?

Ja, Marketing heißt auch, Verbandsarbeit muss „berechenbar“ sein.

In einer kurzen tabellarischen Form will ich zeigen, wie dies im Prinzip aussehen könnte.

Beispiel: BuGa-Beteiligung

Traditionelle Betrachtung Mögliche neue Idee

Was Kleingarten-Modell-Anlage Modell für junge Familien

Warum Selbstverständlichkeit neue Mitglieder gewinnen

für wen Öffentlichkeitsarbeit KGV – Nachwuchs

Wie nach eigenen Entwürfen Ideenwettbewerb

Wann sechs Monate nach freier Wahl

Wo BuGa – Standort an verschiednen Orten

mit wem BuGa-Gesellschaft Kommune + KG+ Redaktion

Womit LV und KGV vor Ort LV und KGV vor Ort

wie viel Aufwand ca. 200 T€ Aufwand ca. 200 T€

wer finanziert BDG, LV, Zuschuss, Sponsoren Kommune oder anderer Ver-

Nutzen für Mitglieder

und Mitgl.

Verbände?

pächter

Neues Gartenangebot, Zuschüsse

für Modellvorhaben,

Pachteinnahmen

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Im Vordergrund steht immer die Mitgliederzufriedenheit

Mitgliederzufriedenheit setzt sich zusammen aus wirtschaftlichem Erfolg, Imagegewinn, Prestige

etc.

Damit haben wir uns regelmäßig die Fragen zu stellen:

Sie sind mit Ihrer Arbeit zufrieden? Gut!

Ihre Mitglieder sind mit Ihrer Arbeit zufrieden? Sehr gut!

Ihre gute Arbeit wird von den Mitgliedern gewürdigt und finanziert? Das ist nicht mehr zu übertreffen!

Damit sind wir am Ende meines Vortrages.

Ich sollte Ihnen aufzeigen, ob Marketing für Verbände sinnvoll eingesetzt werden kann. Konkrete

Vorschläge für die Ausarbeitung eines Marketingkonzeptes bleiben einem nächsten Vortrag vorbehalten.

Mit meinen Ausführungen wollte ich klarmachen, dass Marketing Ihnen Hilfe bieten kann, Ihre

Arbeit noch erfolgreicher zu gestalten.

Marketing endet mit dem Controlling und konsequenterweise stelle ich am Ende meines Vortrages

selbstkritisch fünf Fragen:

1. Sie haben von diesem Vortrag mehr erwartet? Das wäre unbefriedigend.

Üben Sie Kritik.

2. Sie sind mit den Informationen und Anregungen zu diesem Thema zufrieden? Das ist befriedigend!

3. Sie können daraus für Ihre tägliche Arbeit etwas mit nach Hause nehmen? Das ist gut!

4. Sie werden einiges umsetzen zum Nutzen Ihrer Mitglieder? Das ist sehr gut!

5. Mit diesen Erkenntnissen wird Ihre Arbeit noch erfolgreicher und von Ihren Mitgliedern künftig

besser honoriert?

Mit dieser Antwort haben Sie mir die größte Freude bereitet und meine Arbeit belohnt.

Wenn Sie sich in Ihrem Verband für Marketing entscheiden, kann ich Ihnen nur gratulieren. Für Sie

wird das nicht schwer, denn Marketing ist wie gärtnern.

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Die Öffentlichkeitsarbeit des Stadtverbandes Leipzig

der Kleingärtner e.V.

Bernd W e i n e r

Vorsitzender des Stadtverbandes Leipzig der Kleingärtner e.V.

Leipzig

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Die Öffentlichkeitsarbeit des Stadtverbandes Leipzig der Kleingärtner e.V.

1. Der Stadtverband Leipzig der Kleingärtner e.V. stellt sich vor – Zahlen und Fakten

Der Stadtverband Leipzig der Kleingärtner e.V. umfasst 208 gemeinnützige Kleingärtnervereine mit

rund 32 500 Parzellen. Die kleingärtnerisch bewirtschaftete Fläche der im Stadtverband organisierten

Kleingärtnervereine beträgt mehr als 950 Hektar und macht nahezu ein Drittel der öffentlich

nutzbaren Grünflächen der Stadt Leipzig aus. Mit der Eingemeindung sind 72 Kleingärtnervereine

mit knapp 500 Parzellen aus dem ehemaligen Territorium des Landkreises hinzugekommen, die

zum großen Teil beim Kreisverband organisiert sind. Insgesamt haben über 100 000 Leipziger

Bürger unterschiedlichen Alters und sozialer Stellung direkten Kontakt zu Kleingärten.

Als Bildungseinrichtung unterhält der Stadtverband der Kleingärtner eine Vogelschutzlehrstätte, die

vor allem von Schulklassen unterer Jahrgänge für den Heimatkundeunterricht und die Naturerziehung

sowie in der Sommerferiengestaltung genutzt wird.

Das Leipziger Kleingartenwesen verfügt über reiche Traditionen. In diesem Jahr würdigen wir z. B.

den 140. Jahrestag der Gründung des ersten Schrebervereins, des heutigen Kleingärtnervereins „Dr.

Schreber“ e.V., und die von ihm ausgehende Schreberbewegung. Das Vereinshaus Dr. Schreber

beherbergt das Deutsche Kleingärtnermuseum, dessen Träger der Förderverein „Deutsches Kleingärtnermuseum

in Leipzig“ e.V. unter Vorsitz von Ingo Kleist, Präsident des BDG, ist.

Im Jahr 1994 konnte der Stadtverband auf der Grundlage eines Verbandsbeschlusses im Leipziger

Südwesten ein Gebäude käuflich erwerben und gestaltete dieses kontinuierlich zum „Haus der

Kleingärtner“ mit Arbeitsräumen für die Geschäftsstelle, Schulungs- und Beratungsräumen, mit

einem Archiv sowie einem Materiallager für die Ausstellungstätigkeit und einem attraktiven Hofgelände

aus.

Entsprechend seiner Satzung führt der Stadtverband u. a. eine breite Schulungstätigkeit zur Qualifizierung

der Arbeit der ehrenamtlichen Vereinsvorstände und gibt Unterstützung bei der Ausgestaltung

der Kleingartenanlagen im Sinne der Naherholung für die Allgemeinheit. So gibt es beispielsweise

4 Projekte zur Umgestaltung bestehender Anlagenkomplexe in Kleingartenparks. Die

Initiativen dafür gingen weitestgehend von den Kleingärtnervereinen aus.

Um den Basisbezug in der Arbeit des Vorstandes des Stadtverbandes zu erhöhen sowie die Kontakte

und den Erfahrungsaustausch der Vereinsvorstände untereinander zu verbessern, wurden nach

dem Territorialprinzip 13 Bezirksgruppen gebildet, in denen die Vereinsvorsitzenden unter Leitung

eines Obmannes, der in der Regel selbst Vereinsvorsitzender ist, mindestens viermal jährlich zusammen

kommen.

Bleibt abschließend noch zu nennen, dass alle 208 Kleingärtnervereine des Stadtverbandes, 145

(ca. 70 %) davon befinden sich auf kommunalem Grund und Boden, namentlich im Flächennutzungsplan

der Stadt Leipzig als bestandsgeschützte Anlagen aufgelistet sind und dass in der ersten

Sitzung des Stadtrates nach den diesjährigen Kommunalwahlen die unter maßgeblicher Mitwirkung

des Stadtverbandes entstandene Kleingartenentwicklungskonzeption der Stadt Leipzig, die

planerische Perspektiven und Leitziele bis 2010 enthält, beschlossen werden soll.

2. Warum sich die Entwicklung unterschiedlicher Formen der

Öffentlichkeitsarbeit für den Stadtverband notwendig machte

Mit der politischen Wende und dem Beitritt der DDR zur BRD ergab sich auch für die vormalige

Stadtorganisation Leipzig des Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) die

Notwendigkeit des Organisationsumbaus auf der Grundlage des Bürgerlichen Gesetzbuches und

des Bundeskleingartengesetzes. Aus der Sparte „Kleingärtner“ der Stadtorganisation des VKSK

entstand bereits am 27. April 1990 der Stadtverband Leipzig der Kleingärtner e.V.

Die ehemaligen Kleingartensparten des VKSK als Mitglieder des Stadtverbandes wandelten sich in

gemeinnützige Kleingärtnervereine e.V. nach bundesdeutschem Recht um. Es entstand das dringende

Erfordernis der Kontaktaufnahme untereinander, der Aufnahme und des Austausches von

Informationen, der Vermittlung von Kenntnissen und Erfahrungen in der Vereinsarbeit und des

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Abbaus von Verunsicherungen bei den Vorständen und Vereinsmitgliedern, ob denn die Kleingärten

dem Ansturm westlicher Investoren und Grundstücksspekulanten widerstehen können. Gleichzeitig

war es notwendig, den Dialog mit der Kommune und der Öffentlichkeit zu führen sowie den

Stadtverband mit seinen Kleingärtnervereinen in der Öffentlichkeit zu präsentieren und damit nicht

nur die Unverzichtbarkeit des Kleingartenwesens, sondern auch seine Leistungsfähigkeit für die

Kommune und Umwelt zu verdeutlichen.

Diese Ziele ließen sich nur mit einer vielseitigen, wirkungsvollen Öffentlichkeitsarbeit realisieren.

Gleichermaßen erkannten wir schon frühzeitig die Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit für die Abwehr

von konkreten Gefahren bzw. ihre Minimierung (z.B. bei Flächeninanspruchnahme durch

Straßenbau).

Der Vorstand des Stadtverbandes hatte sich mit Unterstützung von Partnern aus Hamburg, Hannover

und Frankfurt/Main fest vorgenommen, seine Position und die seiner Vereine in der Stadt

auszubauen.

So beteiligten wir uns bereits im Februar 1991 mit einem über 200 m² großen Ausstellungsstand an

der ersten Haus-Garten-Freizeitmesse, und im Juni 1992 veranstaltete der Vorstand des Stadtverbandes

in Zusammenarbeit mit einem Kleingärtnerverein den ersten „Tag des Gartens“.

Nach zahlreichen Diskussionen über Inhalt, Form und Erscheinungsweise erschien Mitte Oktober

1993 die erste Ausgabe unseres monatlichen Mitteilungsblattes „Leipziger Gartenfreund“.

Damit knüpften wir an alte Traditionen des Leipziger Verbandes der Schreber- und Gartenvereine in

den 20er Jahren an. Die 8 A4 Seiten enthielten ein Grußwort von Oberbürgermeister Dr. Lehmann-

Grube, einen Leitartikel des Stadtverbandsvorsitzenden mit der Überschrift „Unser Leipziger Gartenfreund

ist offen für alle Freunde der kleinen Gärten“, Beiträge zum Verbands- und Vereinsleben

sowie zur Gartenfachberatung und den monatlichen Schulungs- und Veranstaltungsplan des Stadtverbandes.

Bereits in dieser ersten Ausgabe wurden zwei für die Mitgliedsvereine des Stadtverbandes

wichtige Themen behandelt: „Brauchen wir eine neue Kleingartenordnung?“ und „Warum ein

Generalpachtvertrag für kommunale Flächen?“

Die Initiatoren und „Macher“ der bisher genannten Formen der Öffentlichkeitsarbeit des Stadtverbandes

waren und sind „gutwillige Laien“ ohne jegliche journalistische oder künstlerische Ausbildung.

Zum großen Engagement und der Freude an der Arbeit ist inzwischen ein umfangreicher

Erfahrungsschatz bei den Beteiligten und sind zahlreiche Partner hinzu gekommen. Wenn auch

jede Haus-Garten-Freizeitausstellung, jeder Tag des Gartens und jede Ausgabe des monatlichen

Mitteilungsblattes „Leipziger Gartenfreund“ ungemein viel Arbeit und den Einsatz auch an den

Abenden und Wochenenden erfordert, missen möchte sie keiner mehr. Warum? Weil die genannten

Formen erfolgreich sind, von den Kleingärtnervereinen, ihren Mitgliedern und der Öffentlichkeit

immer wieder gut angenommen werden und Veränderungen zum Positiven sowohl nach innen, als

auch nach außen bewirken.

3. Der „Leipziger Gartenfreund“, Mitteilungsblatt des Stadtverbandes Leipzig der Kleingärtner e.V.

Die beabsichtigte Herausgabe eines monatlichen Mitteilungsblattes wurde 1992/93 auf breiter Basis

mit den Mitgliedsvereinen diskutiert und schließlich in einen Verbandsbeschluss gefasst. Vorher

waren folgende Fragen zu beantworten:

• Benötigen wir ein solches Mitteilungsblatt oder ist das Abonnement der Verbandszeit

schrift des Landesverbandes Sachsen der Kleingärtner ausreichend?

• Welche inhaltlichen und formalen Kriterien sind an das Mitteilungsblatt zu stellen?

• Wie und von wem wird die redaktionelle Arbeit gestaltet?

• Wer fertigt das Layout an?

• Wie werden Vervielfältigung und Vertrieb organisiert?

• Wie kann eine kostenverträgliche Herausgabe gesichert werden?

Trotz anfänglicher kontroverser Diskussionen kamen wir nach Abwägung aller Vor- und Nachteile

zu der Antwort: Ja, wir brauchen den „Leipziger Gartenfreund“, und wir brauchen auch die Ver-

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bandszeitschrift „Sächsischer Kleingärtner“ (heute: „Gartenfreund“). Jedes der beiden Druckerzeugnisse

hat seine eigene Spezifik und stellt keine Konkurrenz zum jeweils anderen dar.

Neben inhaltlichen Aspekten, die sich aus oder für die konkrete Arbeit der Kleingärtnervereine des

Stadtverbandes ergaben, musste ein hohes Maß an Aktualität in der Darstellung von Sachverhalten

und in der Reaktion auf kommunalpolitische Probleme, die den Stadtverband und seine Kleingärtnervereine

berühren, im „Leipziger Gartenfreund“ erreicht werden. Nach innen informieren und

orientieren mit dem Ziel der Förderung der selbständigen, satzungsgemäßen Arbeit der Kleingärtnervereine,

nach außen aufklären über die Rolle und Funktion des Kleingartenwesens, mithelfen bei

der Gefahrenabwehr und Entwicklung des Dialogs mit den Politikern und der Öffentlichkeit, das

waren und sind noch heute die wichtigsten Aufgaben des „Leipziger Gartenfreundes“. Die redaktionelle

Arbeit führt eine fünfköpfige Arbeitsgruppe unter Leitung des Stadtverbandsvorsitzenden

durch, und in „Form gebracht“ wird das Mitteilungsblatt monatlich im Pressebüro Salden & Dreilich.

Von der Vergabe des Druckauftrages außer Haus und der Verwendung von Hochglanzpapier sind

wir aus Kosten-, aber auch aus Umweltgründen bald abgekommen.

Seit Februar 1997 wird unser Mitteilungsblatt bedarfsgerecht mit moderner Kopiertechnik vervielfältigt

und liegt jeweils Mitte des Monats zur Abholung durch die Vereine in der Geschäftsstelle des

Stadtverbandes bereit.

Die Auflagenhöhe beträgt – abhängig vom Bedarf – jeweils 4 bis 5000 Exemplare, der Umfang

schwankt zwischen 12 und 24 Seiten A4, je nach Anfall von Texten und Bildmaterial. Durch die Geschäftsstelle

des Stadtverbandes werden der Stadtrat und die Stadtverwaltung, sowie die in Leipzig

ansässigen MdB und MdL versorgt, des Weiteren zahlreiche Kleingärtnerverbände, Bibliotheken

und Partner.

Die Mai-Ausgabe enthält u. a. 3 Fragen an die Fraktionen des Leipziger Stadtrates im Vorfeld der

Kommunalwahlen am 13. Juni 2004.

Jede der bisher 126 Ausgaben beinhaltet wichtige Aktivitäten des Stadtverbandes und seiner Vereine

und stellt insofern auch einen „Baustein“ der Chronik des Stadtverbandes dar. Die Finanzierung

des „Leipziger Gartenfreundes“ erfolgt aus Verbandsmitteln. Die Kosten je Seite betragen ca. 5

Cent.

Der „Leipziger Gartenfreund“ ist für uns das wichtigste, effektivste und wirksamste Mittel unserer

Öffentlichkeitsarbeit. Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums seines Erscheinens wurde ein Teil der

Ausgabe mehrfarbig gedruckt, eine erstrebenswerte Erscheinungsform, die jedoch aus Kostengründen

nicht auf Dauer zu realisieren ist und für die es auch kein vordringliches Erfordernis gibt.

Selbstverständlich ist der Stadtverband auch im Presseaktiv „Sachsen aktuell“ der Zeitschrift „Gartenfreund“

des Landesverbandes Sachsen der Kleingärtner vertreten und wirkt dort aktiv bei der

inhaltlichen Gestaltung mit.

Weitere vom Stadtverband herausgegebene Druckerzeugnisse, die allerdings außer Haus hergestellt

werden, sind:

- der alljährlich erscheinende Taschenkalender mit Textanhang,

- die Broschüre „Leipzigs grüne Schänken“ zu Vereinsgaststätten und Gartenlokalen in Leipziger

Kleingartenanlagen

- diverse Falt- und Infoblätter

Unter www.leipziger-kleingaertner.de findet der User die recht umfangreiche Internetpräsentation

des Stadtverbandes, deren Teile ständig aktualisiert werden.

4. Ausstellungen zu den Haus-, Garten-, Freizeitmessen – eine wichtige Form

unserer Öffentlichkeitsarbeit

Im Februar 1991 fand auf dem „Alten“ Leipziger Messegelände die 1. Haus-Garten-Freizeitmesse

statt. Seit Mitte der 90er Jahre auf der Neuen Messe veranstaltet, hat sich diese Ausstellung inzwischen

zur größten Verbrauchermesse Ostdeutschlands entwickelt.

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Der Stadtverband der Kleingärtner ist von Anfang an mit einem eigenen Messestand von der Größe

eines mittleren Kleingartens (rd. 250 m² Ausstellungsfläche) an zentraler Stelle in Messehalle 1

dabei. Dieser niveauvolle und informative Messestand, auf dem auch Partner wie z. B. der Imkerverein

und das Igelschutzzentrum des NABU mit einem eigenen Ausstellungsteil präsent sind, ist

im wahrsten Sinne des Wortes Besuchermagnet, so dass die Messe-GmbH die uns erlassenen

Standgebühren durch eingenommene Eintrittsgelder wieder ausgleichen kann. Neben einem attraktiven

Schauteil mit Frühjahrsblühern und blühenden Sträuchern waren zur diesjährigen 14. HGF

die Kompostierung im Kleingarten und die Anlage von behindertengerechten Hochbeeten Schwerpunkte

der Standgestaltung des Stadtverbandes. Doch auch Vorführungen zum Obstgehölzeschnitt,

eine Verkostung neuer, schmackhafter Apfelsorten, eine „Kindergärtnerei“, in der die

Jüngsten kleine Blumentöpfe zum Mitnehmen bepflanzen konnten, eine Kinderspielecke, eine „Seniorenbank“

sowie ein „Mini-Ententeich“ mit lebenden Zierenten waren Bestandteile unseres diesjährigen

Messestandes. Unterstützt von der Gartenakademie der Sächsischen Landesanstalt für

Landwirtschaft in Dresden-Pillnitz, gab es täglich eine informative Gartenfachberatung am Stand,

und im Ausstellungsteil „Gemeinsam sicherer“ konnten die Besucher zahlreiche Informationen

zum Projekt Sicherheitspartnerschaft zwischen Stadtverband,

Polizei, Stadt Leipzig und der Generali Versicherung als Kleingärtnerversicherung des Stadtverbandes

zur Erhöhung der Sicherheit in den Kleingartenanlagen erhalten. Zusätzlich organisieren wir

noch alljährlich ausstellungsbegleitende Veranstaltungen und Vorträge zu wichtigen Themen rund

um die Kleingärtnerei und die Verbands- und Vereinsarbeit.

Nachfolgend eine Übersicht über unser diesjähriges Veranstaltungsangebot zur HGF.

5. Der „Tag des Gartens“ als Anschauung und Werbung für das Kleingartenwesen vor Ort

Seit 1992 veranstaltet der Stadtverband der Kleingärtner alljährlich in Zusammenarbeit mit einem

Kleingärtnerverein den „Tag des Gartens“. Die Zielstellung für den „Tag des Gartens“ besteht darin,

am Beispiel eines Kleingärtnervereins die Möglichkeiten und Vorzüge des Kleingartenwesens

und seine Bedeutung für die Kommune in der Öffentlichkeit zu demonstrieren. Die Kleingärtnervereine

des Stadtverbandes können sich um die Ausgestaltung eines solchen „Tages des Gartens“,

der in der Regel alljährlich am dritten Juniwochenende stattfindet, bewerben.

Diese Möglichkeit wird gern wahrgenommen, zumal dem jeweiligen Verein durch die Stadt Leipzig

für die gestalterische Aufwertung seiner Anlage auch eine finanzielle Unterstützung aus den sogen.

Pachtzinsmehreinnahmen von kommunalen Kleingartenflächen zugebilligt wird.

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Selbstverständlich finanziert auch der Stadtverband die in seinem Auftrag organisierten Veranstaltungsteile.

Teilnehmer und Gäste des „Tages des Gartens“ sind u. a. die Repräsentanten der Stadt Leipzig, der

Oberbürgermeister, der Bürgermeister, Stadträte sowie Bundestags- und Landtagsabgeordnete,

Bürger aus den umliegenden Wohngebieten und selbstverständlich Kleingärtner und Funktionsträger

aus den KGV. Feststehende Programmpunkte sind alljährlich die Auszeichnung der Sieger im

kommunalen Wettbewerb „Kleingartenanlage des Jahres“ durch den Oberbürgermeister, die Auszeichnung

von Ehrenamtlern durch den Bürgermeister sowie die Auszeichnungen von KGV für

beispielhafte Ordnung und Sicherheit in ihren Kleingartenanlagen durch die Generali Kleingärtnerversicherung.

Daran schließt sich eine Gesprächsrunde mit Politikern und Vorsitzenden sowie Vorstandsmitgliedern

des Verbandes und der Kleingärtnervereine zu aktuellen kommunal- und kleingartenpolitischen

Themen und Problemen an.

Jeder Verein als Ausgestalter eines solchen „Tages des Gartens“ bemüht sich, den Gästen und

Teilnehmern ein öffentlichkeitswirksames Highlight zu präsentieren. In diesem Jahr wird dies die

Eröffnung eines „Gartens der Begegnung“ durch Bürgermeister Tschense sein.

Die genannten Veranstaltungsteile sind eingebettet in ein buntes Kinder- und Sommerfestprogramm

des Vereins.

Die Ausgestaltung eines solchen Tages des Gartens ist mit viel Arbeit verbunden. Wenn sich doch

alljährlich Kleingärtnervereine darum bewerben, geschieht das mit der Erkenntnis, dass ein solches

Ereignis auch für den Bewerber viele positive Effekte hat.

6. Das Projekt „Grün ist für alle da – Wiederbelebung des Kleingartenparks Südost“ in der Öffentlichkeitsarbeit

des Stadtverbandes der Kleingärtner

In der gesellschaftlichen Entwicklung im Bereich der Wirtschaft vollzog sich in den 70-er Jahren in

der DDR ein Prozess der Kombinatsbildung. Mit dem Ziel der Erhöhung der Arbeitsproduktivität

und der Effektivität der Produktionsabläufe wurden z. B. Betriebe mit gleichem oder ähnlichem

Produktionsprofil bzw. all jene, die Teile für ein Endprodukt herstellten, auf höhere Weisung zu so

genannten Kombinaten zusammengeschlossen.

Diese Verfahrensweise fand auch Nachahmung im Vorhaben der Bildung eines Kleingartenparks.

8 Kleingartensparten im Leipziger Südosten, deren Anlagen aneinander grenzen, sollten einen solchen

Kleingartenpark, bei dem die Vereinsstrukturen aufzuheben waren und der als „Kleingartenkombinat“

unter der Leitung bewährter SED-Genossen stehen sollte, bilden. Obwohl dort die

Kleingartenanlage „Tunnelwiese“ auf einem Wiesengelände entstand und das Vorhaben der Bildung

des Kleingartenparks mit maßgeblicher staatlicher und betrieblicher Unterstützung vorangetrieben

wurde, war letztendlich dieses auf Anweisung zu realisierende Vorhaben zum Scheitern

verurteilt.

Die traditionellen Vereinsstrukturen waren viel zu stark ausgeprägt, als dass die Vereins- oder Spartenmitglieder

(wie es damals hieß) eine solche Kombinatsbildung zugelassen hätten. Außerdem

flossen staatliche Fördergelder und Materialzuweisungen vorrangig in die Anlagen, aus denen die

Leiter des Kleingartenpark-Kombinats kamen. Verständlicherweise führte dies zu Konflikten und

letztendlich Mitte der 80-er Jahre zur Einstellung des Vorhabens. Eine gute Idee, mit der Bildung

eines Kleingartenparks die Attraktivität und den Erholungswert von Kleingartenanlagen für die Allgemeinheit

zu erhöhen, war durch Reglementierung von oben und Günstlingswirtschaft gescheitert.

Doch die Erinnerung an das Positive eines solchen Kleingartenparkprojektes hatten sich die

Vereine bewahrt. Daran konnte der Stadtverband anknüpfen. Nach mehreren Ideenberatungen mit

den Vereinsvorständen und Einbindung der Stadt, wobei die wesentlichen Unterschiede zum früheren

Vorhaben, nämlich das Prinzip der Freiwilligkeit und der Erhalt der Eigenständigkeit der am

Projekt beteiligten Vereine immer wieder betont wurde, waren alle fest entschlossen, die Wiederbelebung

des Kleingartenparks Südost in Angriff zu nehmen.

Am 15. Mai 1998 wurde nach intensiver Öffentlichkeitsarbeit in den örtlichen Medien das Projekt

„Grün ist für alle da – Wiederbelebung des Kleingartenparks Südost“ durch den Leiter der Abt.

Kleingärten des Grünflächenamtes der Öffentlichkeit vorgestellt. Seitdem wird im Rahmen einer

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Arbeitsgruppe aktiv an der Gestaltung eines Wanderwegenetzes, der Aufwertung der Grünflächen,

der Gestaltung von Themengärten, der Aufwertung der Vereinsgaststätten usw. gearbeitet. Es gibt

alljährliche von den Vereinen gestaltete Parkfeste mit Einbindung des Wohnumfeldes u. a. m. Natürlich

sind auch Probleme in den Vereinen des Kleingartenparks zu verzeichnen, z.B. vernässte

Parzellen in Niederungslagen oder mangelnde Bereitschaft von Kleingärtnern für das Projekt bzw.

unterschiedliches Vermögen der ehrenamtlichen Vorstände.

Inzwischen gibt es eine städtische Konzeption zur Gestaltung des Kleingartenparks Südost. Der

Kleingartenpark Südost wurde von dem englischen Unternehmen Briggs & Stratton als einer der

schönsten deutschen Parks ausgezeichnet, und am 26. Juni 2004 werden ca. 150 Teilnehmer am

Kleingärtnerkongress des BDG in Leipzig den Kleingartenpark Südost besuchen. Dieses Projekt

und die dazu sehr breit organisierte Medienarbeit haben nicht nur im Leipziger Stadtrat Impulse

für die Förderung gesetzt, sondern auch 25 weitere Kleingärtnervereine angeregt, den Aufbau von

Kleingartenparks in Angriff zu nehmen.

Inzwischen gibt es insgesamt 4 Kleingartenparkprojekte und Gestaltungskonzeptionen der Stadt

Leipzig dazu. Alle 4 Projekte wurden auch in die Kleingartenentwicklungskonzeption der Stadt

Leipzig aufgenommen.

7. Das Projekt „Gemeinsam sicherer“ in der Öffentlichkeitsarbeit des Stadtverbandes der Kleingärtner

Das Projekt einer Sicherheitspartnerschaft entstand aus der Notwendigkeit heraus, etwas gegen

das zunehmende Einbruchs- und Vandalismusgeschehen in vielen Leipziger Kleingartenanlagen zu

unternehmen. Vorwürfe einiger Vereinsvorstände gegen die Polizei, sie würde zu wenig für die Sicherheit

in den Kleingärten tun, waren destruktiv und führten uns nicht weiter. Die Bildung einer

Kleingärtnerwehr, die nachts die Einbrecher und Vandalen zur Strecke bringt, war aus gesetzlichen

Gründen nicht möglich, unabhängig davon, dass eine solche Aktivität den evt. bereitwilligen Kleingärtnern

allein aus Altersgründen nicht zugemutet werden konnte. Also mussten neue Wege beschritten

werden. Diese bestanden darin, eine Sicherheitspartnerschaft zwischen allen an einer

verbesserten Sicherheit in den Kleingärtnervereinen interessierten Partnern zu begründen. Diese

Sicherheitspartnerschaft hat sich seit 1994 kontinuierlich weiter entwickelt. Das Grundanliegen

besteht darin, durch abgestimmte Maßnahmen der Partner und eine intensive Öffentlichkeitsarbeit

vorbeugend, also präventiv, auf die Verringerung des Einbruchs- und Vandalismusgeschehens einzuwirken.

Wer sind die Partner? Der Stadtverband und seine 13 Bezirksgruppen, die Stadt Leipzig

mit dem Ordnungsamt, dem Jugendamt und dem Grünflächenamt, die Polizeidirektion Leipzig mit

ihren Polizeirevieren und die Generali (Kleingärtner) Versicherung.

Mit einem Katalog von Maßnahmen z.B. der Sensibilisierung der Öffentlichkeit für diese Problematik,

aber auch der Ausprägung der Überzeugung in den Kleingärtnervereinen, einen eigenständigen

vorbeugenden Beitrag zur Verbesserung von Ordnung und Sicherheit durch bewusstes Erkennen

und Beseitigen von Sicherheitsdefiziten im Vereinsgelände sowie der ausreichenden Versicherung

des Eigentums auf der Parzelle zu leisten, hat in der Tat zu einem Absinken der Anzahl der Delikte

geführt. Folgende Formen der Öffentlichkeitsarbeit bei diesem Projekt haben sich bewährt:

1. die alljährliche professionelle Gestaltung eines Ausstellungsteiles „Gemeinsam sicherer“ auf

der Haus-, Garten-, Freizeitmesse, auf dem die Kleingärtner und Kleingärtnervereine beraten

werden können und wo auch gemeinsame Aktionen vor Ort vereinbart werden.

2. die regelmäßige Berichterstattung im „Leipziger Gartenfreund“

3. die Herausgabe von Flyern

4. regelmäßige mit der Stadt abgestimmte Plakataktionen

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5. die alljährliche Auszeichnung von KGV mit vorbildlicher Ordnung und Sicherheit durch die

Kleingärtnerversicherung

6. die alljährliche Durchführung von Sicherheitsseminaren mit der Friedrich-Ebert-Stiftung Leipzig

7. den Einsatz von straffällig gewordenen Jugendlichen zu Wiedergutmachungsaktionen in Kleingärtnervereinen

(Dafür gibt es eine Vereinbarung zwischen Jugendamt und Stadtverband der

Kleingärtner.)

8. die Mitarbeit des Stadtverbandsvorsitzenden im Kriminalpräventiven Rat der Stadt Leipzig

8. Erkenntnis

Mit der Darstellung wichtiger Formen der Öffentlichkeitsarbeit des Stadtverbandes Leipzig der

Kleingärtner ist die breite Palette der Verbandsarbeit auf diesem Gebiet noch nicht erschöpft. Dazu

gehört auch die eigenständige und damit kostengünstige Anfertigung von Falt- und Informationsblättern

z.B. zu Themen der Gartenfachberatung und über unsere Vogelschutzlehrstätte. Wir selbst

sind immer wieder bemüht, auch die örtlichen Medien zu objektiven Darstellungen von Sachverhalten

und Problemen des Kleingartenwesens und der Verbands- sowie Vereinsarbeit zu gewinnen,

was nicht einfach ist.

Erst kürzlich widmete die „Leipziger Volkszeitung“ eine ganze Seite den Problemen der Leipziger

Kleingärtner. Unsere Kleingärtnervereine orientieren wir auf die aktuelle und ästhetisch ansprechende

Gestaltung der Vereinsschaukästen, aber auch auf die Kontaktaufnahme zu den Redaktionen

von Ortsteilzeitungen und Mitteilungsblättern der Bürgervereine in ihrem Stadtteil.

Entsprechend der Erkenntnis, dass es nie ein Genug an Öffentlichkeitsarbeit geben kann, sondern

eher ein Zuwenig gibt, und dass diese wichtige Seite der Verbandsarbeit nie vernachlässigt werden

darf, sind wir ständig um die weitere Vervollkommnung unserer Aktivitäten auf diesem Gebiet bemüht.

Es ist heute wichtiger denn je, nicht nur Gutes zu tun, sondern auch in der Öffentlichkeit

wahrgenommen zu werden.

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Berichte aus den Arbeitsgruppen zu den Themen:

AG I und AG II

„Welche Formen der Öffentlichkeitsarbeit sind für

die einzelnen Organisationsebenen am

effektivsten?“

AG III „Wie organisiere ich im Verein/Verband mit

ehrenamtlichen Kräften eine interessante

Öffentlichkeitsarbeit?“

AG IV „Mitgliederwerbung durch Öffentlichkeitsarbeit – aber

wie?“

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Arbeitsgruppe I

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Leiter der Arbeitsgruppe: Wilfried Quäschning

Landesverband Brandenburg der Gartenfreunde e.V.

Welche Formen der Öffentlichkeitsarbeit sind für die einzelnen Organisationsebenen am

effektivsten?

Hinweis: Da die erarbeiteten Formen der Öffentlichkeitsarbeit in mehreren, teilweise in allen Organisationsebenen

wirken, wurden sie nicht den Ebenen zugeordnet.

1. Unterthema: Was wollen wir konkret?

Kontakte mit: • politischen und örtlichen Behörden

• dem sozialen Umfeld

• den Verbands- und Vereinsmitgliedern und untereinander

• der Öffentlichkeit

Ziel der Kontakte: • Verständigung

• Vertrauen

• Unterstützung

2. Unterthema: Welche Schwierigkeiten gibt es?

(Bearbeitet nach der im 1. Unterthema verwendeten Struktur)

Mit den politischen und örtlichen Behörden: • Mangel an Bereitschaft

• Unwissenheit

• uneffektive Struktur unserer Verbände und Vereine

Mit dem sozialen Umfeld: • keine Schwierigkeiten

• Notwendigkeiten: Ja!

Mit den Verbands- und Vereinsmitgliedern

und untereinander: • Desinteresse

• Integrationsprobleme

• fehlendes Verständnis

• unzureichende Qualität der Vorstände

Mit der Öffentlichkeit:

Folgende Teilöffentlichkeiten wurden

untersucht:

- Medien: • Grundsätze der Zusammenarbeit werden von uns

nicht ausreichend beachtet

• unzureichende Qualifikation auf unserer Seite

- Menschen außerhalb der Vereine und

Verbände des Kleingartenwesens: • Vorurteile durch falsche und fehlende Informatio-

nen und Argumente

• Unwissenheit

3. Unterthema: Wir schlagen vor:

(Unter Beibehaltung der o.g. Struktur)

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Bezogen auf:

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- politische und örtliche Behörden: • Informationsveranstaltungen (z.B. Frühschoppen

und dgl.)

• Informationsstände auf Messen, Ausstellungen

und zu örtlichen Festveranstaltungen

• persönliche Gespräche

• Bildung und Mitarbeit in Beiräten der verschiedenen

Gremien

• Mitarbeit in geeigneten kommunalen Gremien

(z.B. Lokale Agenda )

• Verbandszeitschriften zusenden

• den inoffiziellen Status „Träger öffentlicher Belange“

erreichen

- das soziale Umfeld: keine

- Verbands- und Vereinsmitglieder

und untereinander: • Informationsmittel optimieren

+ Schaukästen attraktiv und ausreichend groß gestalten

+ Qualität der Mitgliederversammlung erhöhen (z.B.

durch Einsatz moderner Medien)

+ Fachberatungen kontinuierlich, mit hoher Kompetents

und auch direkt in den Kleingärtnervereinen

durchführen

+ Informationsblätter für die Mitglieder schaffen

• Identität zum Verein/Verband stärken

+ Vereinsfeste mit Beteiligung der Öffentlichkeit

+ Traditionspflege

- Ehrungen der Mitglieder

- Erarbeitung von Chroniken

- Organisation interessanter Veranstaltungen

(wie z.B. Rad- und Wandertouren, Besuch der

BUGA, LAGA, des Kleingarten-Museums in

Leipzig usw.)

+ gemeinnützige Tätigkeit

- Arbeiten am Vereinsheim

- Projektbearbeitung (z.B. Schaffung von Bioto-

pen, Insektenhotels, Lehrpfaden u.dgl.)

- die Öffentlichkeit • Einsatz von Verantwortlichen für Öffentlichkeits

arbeit in den Vereinen und Verbänden

• Besuch von Fachseminaren für Öffentlichkeitsarbeit

• kompetente Argumentation in der Öffentlichkeit

(in Zeitungen, auf Veranstaltungen), um Vorurteile

gegenüber dem Kleingartenwesen abzubauen.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 170


Arbeitsgruppe II

Leiter der Arbeitsgruppe: Peter Lundershausen

Landesverband der Gartenfreunde Mecklenburg und

Vorpommern e.V.

- 72 -

Welche Formen der Öffentlichkeitsarbeit sind für die einzelnen Organisationsebenen am

effektivsten?

In der Arbeitsgruppe wurden vier Organisationsebenen herausgearbeitet, auf die sich unsere Betrachtungen

beziehen sollen. Dabei ist davon auszugehen, dass in der Kürze der zur Verfügung

stehenden Zeit keine umfassenden Untersuchungen angestellt werden konnten.

1. Was wollen wir konkret?

1.1. Erste Ebene > Bundesverband <

� Hier geht es in erster Linie darum, den Informationsfluss nach innen und außen zu verbessern.

(Als Beispiele seien hier erwähnt: die Arbeit mit und im Internet, Medien- und Pressearbeit,

Ausstellungen und Messen, Foren, Schulungen etc.).

� Diese Ebene ist vorrangig verantwortlich dafür, bestimmte Zielvorgaben zu setzen und Schwerpunktthemen

der Öffentlichkeitsarbeit für alle Organisationsebenen zu benennen. (Wie z.B. für

das Jahr 2003 der Schwerpunkt auf die Arbeit mit jungen Familien gelegt wurde).

� Die Vertretung für das Kleingartenwesen auf der Bundesebene und die Durchsetzung der von

den Kleingärtnern geforderten Problematiken.

� Hier, wie auch für alle anderen Ebenen gilt es verstärkter als bisher mit den Elementen Dank und

Lob zu arbeiten!

1.2. Zweite Ebene > Landesverbände <

� Auch hier ist es erforderlich, den Informationsfluss nach innen und außen zu verstärken.

� Besonders wichtig scheint es, die Informationen der ersten Ebene für den eigenen Bereich aufzubereiten,

Filter zu setzen und kurzfristig an die nächste Ebene weiterzuleiten sowie das Feedback

entgegenzunehmen und über Erfolge und Probleme weiter zu informieren.

� Die Arbeit mit Internet, Medien- und Pressearbeit, Beteiligung an Messen, Foren und Ausstellungen

und eine intensive Schulungstätigkeit.

� Auch hier gilt die Vertretung des Kleingartenwesens und die Umsetzung der berechtigten Forderungen

aller Kleingärtner auf Landesebene (z.B. bei Kommunalgesetzgebung, Kurtaxe, Zweitwohnsteuer

etc.)

� Die Arbeit mit Dank und Anerkennung, als ein wichtiges Element der Öffentlichkeitsarbeit, ist

auch auf dieser Ebene große Aufmerksamkeit zu schenken.

1.3. Dritte Ebene > Kreis-, Regional-, Bezirks- und Territorialverbände <

� Umsetzung der Informationen, insbesondere das „warum“ und das „wie“ für die Vereine.

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� Durchführung der Schulungstätigkeit für die Vereine, aber auch für die Öffentlichkeit.

- 73 -

� Kontaktpflege nach außen sowohl auf vertikaler, als auch horizontaler Ebene.

� Pressearbeit regional und Einbeziehung von TV und Radio

� Dank und Anerkennung für die geleisteten Arbeiten der Vereine und unserer Partner.

1.4. Vierte Ebene > Vereine, Kolonien, Sparten <

Als Schwerpunkte der Öffentlichkeitsarbeit wurden hier herausgestellt:

� Imagepflege

� Gestaltung des Sparteneingangs mit ansprechenden Schildern, Hinweise

auf Besucherordnungen, etc

� Beteiligung an öffentlichen Veranstaltungen,

� Durchführung von Gartenfesten, Kinderfesten etc.

� Gestaltung eines lebendigen Vereinslebens,

� Sauberkeit in und um die Gartenanlagen

� Gesamteindruck und Erscheinungsbild der Sparten

� öffentliche Vorträge für alle,

� Teilnahme an örtlichen Schulungen,

� Partnerschafts- und Patenarbeit,

� Öffnung der Kleingartenanlagen als Naherholungsgebiet für die Bevölke-

rung.

2. Welche Schwierigkeiten gibt es?

� Als besondere Schwierigkeiten wurde in der Seminararbeit herausgearbeitet, das es in der heutigen

Zeit eine Informationsfülle gibt (nicht nur bezogen auf den Gartenverband), die durch die

besondere Gestaltung der Öffentlichkeitsarbeit attraktiv gemacht und den Verbraucher leicht

verständlich dargebracht werden muss.

� Die Informationswege sind uneffektiv. Es dauert zu lange, bis eine Information die jeweils betreffende

Stelle erreicht, bzw. bis alle Ebenen durchlaufen werden. Gleichzeitig fehlt der Rücklauf

von Informationen von unten nach oben. Geregelt ist die Informationspflicht von oben nach unten,

aber nirgendwo sind ebenfalls wichtige Informationswege von unten nach oben geregelt.

Dabei soll kein zentralistisches System verstanden oder aufgebaut werden, sondern diese Informationen

sind zur Aufgaben- und Vertretungspflicht unbedingt erforderlich.

� Unklare Aufgaben- und Informationsverteilungen erschweren die Öffentlichkeitsarbeit.

� Teilweise wirken sich erschwerend eine fehlende Weiterbildungsbereitschaft und das Desinteresse

an bestimmten Aufgaben aus.

� Die Themenvielfalt des Kleingartenwesens ist so groß, wie in keinem anderen Verein.

� Die teils fehlende Delegierung von Aufgaben und die mangelnde Bereitschaft zur Abgabe von

Kompetenzen wirkt sich nachteilig auf eine effektive Öffentlichkeitsarbeit aus.

3. Was schlagen wir vor?

� Positive Umsetzung der genannten Aspekte auf allen Ebenen durch z.B.

� Setzen von Schwerpunkten;

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- 74 -

� Themenbündelung zu bestimmten Zeiten;

� nicht alles mit einem Mal erledigen wollen, sondern alles der Reihe nach und nach

Möglichkeit umfassend abarbeiten;

� Verbesserung und Pflege der persönlichen Kontakte, sowohl auf gleicher Ebene mit

der Mitgliedschaft und unseren Partnern, als auch auf vertikaler Ebene;

� Verbesserung des Informationsrückflusses und die unbedingte Wahrnehmungspflicht

von Rückantworten.

Diese Darlegungen sind auf jeden Fall erweiterungsfähig und stellen auch keine Rang und Reihenfolge

dar, sondern sollen lediglich als Denkanstöße verstanden werden.

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Arbeitsgruppe III

Leiter der Arbeitsgruppe: Joachim Roemer

Landesverband Niedersächsischer Gartenfreunde e.V.

- 75 -

Wie organisiere ich im Verein/ Verband mit ehrenamtlichen Kräften eine interessante Öffentlichkeitsarbeit?

Die Teilnehmer waren sich darüber einig, dass die dazu gestellten Fragen:

- Was wollen wir konkret?

- Welche Schwierigkeiten gibt es? und

- Wir schlagen vor ....

zunächst davon abhängig sind, auf welcher Verbandsebene wir uns befinden, wen wir mit der Arbeit

ansprechen wollen und welches Ziel erreicht werden soll.

A - Auf welcher Ebene will ich etwas organisieren?

BDG – Landesverbände – Bezirks-/Kreisverbände - Vereine

B - Worum geht es mir bei der Organisation

um die Wahl der richtigen Mittel oder

um den personellen Einsatz?

C - Für wen organisiere ich etwas, wer ist meine Zielgruppe, die mit der Öffentlichkeitsarbeit (ÖA)

erreicht werden soll.

Für die verschiedenen Verbandsebenen stellt sich die Frage des WIE sehr unterschiedlich dar.

Im BDG und auch in den meisten Landesverbänden sind hauptamtliche Kräfte vorhanden und

auch über finanzielle Mittel kann verfügt werden. Viele Arbeiten müssen daher nicht (ausschließlich)

ehrenamtlich erledigt werden, Aufwendungen können erstattet werden.

Da es sich bei den Veranstaltungen des BDG und der Landesverbände meistens um bundes- oder

landesweite Veranstaltungen mit einem sehr hohen öffentlichen Wert handelt, sind hier insbesondere

die qualifizierten Vorstandsmitglieder und Fachberater gefragt.

In den Bezirken und insbesondere in den Vereinen fehlt häufig sowohl die finanzielle als auch die

sachliche Ausstattung.

(Ausstellungstafeln, PC, Werbematerialien, Flyer, ...)

Die Bereitschaft zur ehrenamtlichen Mitwirkung ist ebenfalls sehr unterschiedlich. Kosten müssen

von den Mitwirkenden vielfach selber getragen werden.

Hier ist im Besonderen die Motivation der Mitglieder gefragt!

Auch bei den weiteren Fragestellungen nimmt die Problematik von der Bundesebene in die Richtung

der Vereine stetig zu.

Dabei beginnt die ÖA im Garten des einzelnen Mitgliedes und in seiner persönlichen Umgebung

und hier ist ÖA ohne Kosten und zusätzlichen Aufwand zu erreichen:

Ein Mitglied, das seinen Garten auch für die Besucher einer Anlage interessant gestaltet, leistet

einen ersten großen Schritt zur ÖA.

Auch die positiven Gespräche der Mitglieder in ihrem persönlichen Umfeld tragen wesentlich zum

Image des Kleingartenwesens bei, sind also Teil unserer ÖA.

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- 76 -

Ein weiterer wichtiger Beitrag in der ÖA ist die öffentliche Wahrnehmung in der Stadt, Kommune,

Bezirk oder Land. Haben der Bürgermeister, der Gemeinderat, der Grünflächenausschuss oder

andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens eine positive Einstellung zum Kleingartenwesen,

fällt es erheblich leichter Aktionen zu planen und mit den Mitgliedern umzusetzen. (Natürlich kann

auch die negative Seite Kräfte mobilisieren, wenn z.B. eine Anlage in ihrem Bestand gefährdet ist)

Was wollen wir konkret?

1) An vorderer Stelle muss die positive Darstellung des Verbandes/ Vereins angestrebt werden.

Die Erreichung des Ziel ist davon abhängig, ob das Ziel der Öffentlichkeit vermittelt

werden kann.

2) Verbände und Vereine mit ihren Mitgliedern müssen zur Mitarbeit motiviert werden. Dabei

sollen die Funktionsträger der Motor sein und das Ziel der ÖA ansteuern. Die breite Basis

der Mitglieder muss aber durch ihre Mitarbeit den „Treibstoff“ für den Motor liefern. Es

darf weder dazu kommen, dass der Motor alleine laufen soll (Vorstand, mach Du man, dazu

haben wir Dich ja gewählt), noch darf der Motor alleine laufen wollen (Lass man, wir

machen das schon, ihr stört ja nur)

Schwierigkeiten

1) Häufig fehlt es den Mitgliedern an Informationen: Warum sollen wir eigentlich etwas für

die Öffentlichkeit tun?

2) In vielen Fällen fehlt es auch an den Umsetzungsmöglichkeiten. D.h., das notwendige

„Handwerkzeug“ fehlt (Wer kann einen Schaukasten bauen? Gibt es im Verein einen PC,

einen Internetzugang? Wer kann gut fotografieren?) oder es fehlt an der notwendigen Eignung

der Mitglieder (wer kann einen Presseartikel schreiben, eine Ausstellung konzipieren)

3) Für eine gute ÖA bedarf es gemeinsamer Ziele: ÖA wird schwierig, wenn der Verein die

Anlage öffentlich gestalten will, die Mitglieder aber eher an einer individuellen Nutzung interessiert

sind.

4) Es bedarf der Toleranz und der Akzeptanz aller Mitwirkenden. Die Wünsche aller Mitwirkenden

müssen bei der Erarbeitung eines Konzeptes oder einer Aktion berücksichtigt werden.

(Jede Idee kann gut sein, auch wenn sie nicht vom Vorstand kommt) Auch schwächere

oder unerfahrene Mitglieder müssen eingebunden werden. Jeder hilft dort wo er kann und

so gut er kann. Nicht nur der Vorsitzende, sondern alle (ehrenamtlich) Mitwirkenden müssen

bei der Verteilung von Lob und Anerkennung genannt und bedacht werden.

5) Es lässt sich nicht abschließend beantworten, ob die Bereitschaft zur Mitarbeit durch die

Zahlung einer Aufwandserstattung wesentlich erhöht werden kann. (Z.B. durch die Zahlung

eines Zeilenhonorars bei Presseartikeln)

Wir schlagen vor ....

1) Grundvorrausetzung für eine erfolgreiche ÖA ist ein einheitliches Erscheinungsbild in der

Öffentlichkeit! Dieses kann z.B. durch eine einheitliche Kleidung bei Veranstaltungen oder

durch die Durchgehende Verwendung des BDG-Logos auf allen Veröffentlichungen erreicht

werden. Besonders hilfreich wäre ein einheitlicher Name, z.B. Bund Deutscher Gartenfreunde,

jeweils mit dem Zusatz „Landesverband XY“, „Bezirksverband XY“, ....

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 170


- 77 -

2) Das vorhandene Wissen der Mitglieder muss genutzt werden. Aber: wer sich einmal für

eine Aufgabe gewinnen lässt, will nicht gleich für drei Jahre den Festausschuss leiten!

3) Die Stärken des Einzelnen müssen genutzt werden. „Fertigst Du den Schaukasten, dann

kümmere ich mich um die Inhalte.“

4) Teamarbeit muss die Belastung des Einzelnen reduzieren.

5) Die Akteure benötigen „Handwerkzeug“. Eine Qualifizierung z.B. durch Schulungen ist

erforderlich. Diese Schulungen müssen Tipps für die Praxis und praktische Übungen enthalten.

(Beispiele: Wie verfasse ich eine ansprechende Presseinformation, wie gestalte ich

einen Schaukasten interessant, was gehört zu einem gelungenen Koloniefest, wie plane ich

Tage der offenen Tür)

Tue Gutes und rede/ schreibe darüber!

Öffentlichkeitsarbeit ist eine Aufgabe, die alle Gartenfreundinnen und Gartenfreunde in allen Verbänden

und Vereinen betrifft. Der Erfahrungsaustausch über gelungene Aktionen bietet die Möglichkeit

zur lernen und es nach zu machen.

Eine Verbandszeitschrift, die von allen Mitgliedern gelesen wird ist eine hervorragende Möglichkeit

über Ideen und Erfolge zu berichten und andere zu motivieren.

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Arbeitsgruppe IV

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Leiter der Arbeitsgruppe: Detlef Murken

Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V.

Mitgliederwerbung durch Öffentlichkeitsarbeit – aber wie?

12 Gartenfreunde aus dem Plenum stellten sich zu Beginn die Frage: „Was wollen wir konkret?“

Die Antwort selbst ist einfach:

Mitglieder! :

1. Aktive - junge Familien

- 40 – 60jährige (auch Vorruheständler)

- sozial Schwächere

- Ausländer

2. Passive - Förderer

- Nachbarschaft

- Sponsoren

Die Bevölkerung -in ihrer vielfältigen Zusammensetzung- soll sich in der Gemeinschaft der Gartenfreunde

wieder finden. Wenn das gesichert werden soll, muss die Öffentlichkeitsarbeit den

Istzustand auf vorhandene Schwierigkeiten untersuchen, um darauf eingehen und diese berücksichtigen

zu können.

Welche Schwierigkeiten gibt es?

Hier wurden mehrere Faktoren, beeinflussbare wie vorgegebene benannt:

1. Die demographische Entwicklung mit

- der Überalterung der Gesellschaft

- der Abwanderung aus klassischen Siedlungsräumen bes. der neuen Bundesländer

- zunehmender Kinderlosigkeit

- der Zunahme von Alleinerziehenden

- der Vergrößerung der EU.

2. Finanzielle Probleme mit

- der Verringerung der verfügbaren Individualeinkommen

- der Änderung des Freizeitverhaltens, mit veränderten Schwerpunkten hin zu Fitnesstudi-

os, Reiselust, PC und Internet oder gar Desinteresse

- Fehlende Darlehen und/oder Pachtreduzierungen.

3. Informationsdefizite mit

- oft fehlenden Kontakten zur Politik und Gemeinde

- fehlender Lobby bei Planung und Entscheidungsträgern

- allgemein schwachen Kontakten zur Presse und Medien

- nur seltener Darstellung in der Öffentlichkeit.

4. Schwierigkeiten mit den „Eingeborenen“

- richtige Mischung zu selten positiv nach außen darstellbar

- tradierte Normen nur schwer aufzulösen.

Diese Aufstellung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, zeigt aber schon die Notwendigkeit

für ein Handeln unsererseits auf.

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- 79 -

Wir schlagen deshalb vor, das Kleingartenwesen offensiv zu vertreten und folgende Schritte in Angriff

zu nehmen:

1. Die Darstellung des Vereins nach außen sichtbar zu machen

- passable Schaukästen mit aktuellen Informationen im Verein

- „Öffnung der Vereine, des Gartens mit Ruheplätzen (Bänke, Spielplatz…), Veran-

staltungen

- Projekte mit Kindergärten u. Schulen. Anlage eines Schul- und/oder Kindergartens

- Infostände und Beratungen, u. a. Pflanzenbörse, Blumenschau, Ausstellungen

- zeigen der Vielseitigkeit z.B. Hobbys, Wandergruppe, Singen, Töpfern Wettbewer-

be.

2. Aufbau einer Außendarstellung, die nicht dem Zufall überlassen bleibt:

- Absicherung des Öffentlichkeitsbeauftragten im Vorstand

- Stellwände bei Veranstaltungen (Rathaus, Bürgerhaus, Schulen, Kindergärten, Ar-

beitsämter und Wohnbaugesellschaften…)

- In Papierform (Flyer, Zeitung [regional], Info-Blätter, Plakate…)

- Computer als gestalterisches Hilfsmittel einsetzen und

- Entwicklung einer eigenen Homepage (für „Neumitglieder“ aktiv gestalten)

- Werbung über lokale Grenze hinaus

- Hilfestellung für Vereine (Links, Laubenbörse mit Bildern und Beschreibung)

- Toleranzschulung auf Vereins- u. Vorstandsebene,

- Fachberatung im und um den Verein.

3. Aufwertung des Vereinsgrüns

- mit Spiel- und Erlebnisflächen (Streichelzoo, Lehrpfad, Bocciabahn, Biotop, Bie-

nenhotel…)

4. Einbeziehung der Politik

- Mitarbeit im kommunalen Beirat und Ausschuss (bes. in Wahlzeiten)

- Teilnahme an Veranstaltungen der Ortsvereine

- Bildung von Partnerschaften.

Wir hoffen mit dieser 1. Aufstellung viele Vereinsmitglieder animieren zu können in ihren Gärten

und Anlagen mehr Lust auf Garten zu erzeugen und sind auf die Ergebnisse natürlich gespannt.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. - Grüne Schriftenreihe 170


Leitthemen der Schriftenreihe

115 1996 Würzburg Aktuelle Fragen des Vereins- und Kleingartenrechts

115a 1996 Cottbus Das Bundeskleingartengesetz in seiner sozialpolitischen und

städtebaulichen Bedeutung

116 1996 Lünen Die Position des Kleingartens im Pflanzenschutz

117 1996 Osnabrück Ehrenamtliche Tätigkeit - Freizeit – Kleingarten

118 1996 Nürnberg Die Novellierung des § 3, 1 Bundeskleingartengesetz und deren

Auswirkungen auf die Nutzung und Bewirtschaftung des

Kleingartens

119 1996 Grünberg Die Rolle der Stauden und Küchenkräuter im Kleingarten

120 1996 Gera Natur- und Umweltschutz in Kleingärten

121 1996 Erfurt Probleme des Kleingartenrechts in Theorie und Praxis

122 1997 Schwerin Haftungsrecht und Versicherungen im Kleingartenwesen

123 1997 St. Martin Pflanzenschutz und die naturnahe Bewirtschaftung im

Kleingarten

124 1997 Berlin Lernort Kleingarten

125 1997 Gelsenkirchen Möglichkeiten und Grenzen des Naturschutzes im Kleingarten

126 1997 Freising Maßnahmen zur naturgerechten Bewirtschaftung und

umweltgerechte Gestaltung der Kleingärten als eine

Freizeiteinrichtung der Zukunft

127 1997 Lübeck-Travemünde Der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen

128 1997 Karlsruhe Aktuelle Probleme des Kleingartenrechts

129 1998 Chemnitz Aktuelle kleingartenrechtliche Fragen

130 1998 Potsdam Die Agenda 21 und die Möglichkeiten der Umsetzung der lokalen

Agenden zur Erhaltung der biologischen Vielfalt im

Kleingartenbereich

131 1998 Dresden Gesundes Obst im Kleingarten

132 1998 Regensburg Bodenschutz zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit im Kleingarten

Gesetz und Maßnahmen

133 1998 Fulda Der Kleingarten - ein Erfahrungsraum für Kinder und Jugendliche

134 1998 Wiesbaden Aktuelle kleingartenrechtliche Fragen

135 1998 Stuttgart Kleingärten in der / einer künftigen Freizeitgesellschaft

136 1998 Hameln Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU von 1992

im Bundesnaturschutzgesetz und die Möglichkeiten ihrer

Umsetzung im Kleingartenbereich


137 1999 Dresden (Kleine) Rechtskunde für Kleingärtner

138 1999 Rostock Gute fachliche Praxis im Kleingarten

139 1999 Würzburg Kind und Natur (Klein)Gärten für Kinder

140 1999 Braunschweig Zukunft Kleingarten mit naturnaher und ökologischer

Bewirtschaftung

141 1999 Hildesheim Biotope im Kleingartenbereich

- ein nachhaltiger Beitrag zur Agenda 21

142 1999 Freiburg Zukunft Kleingarten

143 2000 Mönchengladbach Recht und Steuern im Kleingärtnerverein

144 2000 Oldenburg Pflanzenzüchtung und Kultur für den Kleingarten

von einjährigen Kulturen bis zum immergrünen Gehölz

145 2000 Dresden Die Agenda 21 im Blickfeld des BDG

146 2000 Erfurt Pflanzenschutz im Kleingarten unter ökologischen Bedingungen

147 2000 Halle Aktuelle kleingarten- und vereinsrechtliche Probleme

148 2000 Kaiserslautern Familiengerechte Kleingärten und Kleingartenanlagen

149 2000 Erfurt Natur- und Bodenschutz im Kleingartenbereich

150 2001 Rüsselsheim Vereinsrecht

151 2001 Berlin Kleingartenanlagen als umweltpolitisches Element

152 2001 Mönchengladbach Natur- und Pflanzenschutz im Kleingarten

153 2001 St. Martin Das Element Wasser im Kleingarten

154 2001 Gelsenkirchen Frauen im Ehrenamt - Spagat zwischen Familie, Beruf und

Freizeit

155 2001 Erfurt Verbandsmanagement

156 2001 Leipzig Zwischenverpachtungen von Kleingartenanlagen - Gesetzliche

Privilegien und Verpflichtungen

157 2002 Bad Mergentheim Kleingartenpachtverhältnisse

158 2002 Oldenburg Stadtökologie und Kleingärten – verbesserte Chancen für die

Umwelt

159 2002 Wismar Miteinander reden in Familie und Öffentlichkeit – was ich wie

sagen kann

160 2002 Halle Boden – Bodenschutz und Bodenleben im Kleingarten

161 2002 Wismar Naturnaher Garten als Bewirtschaftsform im Kleingarten

162

2002 Berlin Inhalt und Ausgestaltung des Kleingartenpachtvertrages


163 2003 Dessau

164

165

166

167

168

169

Finanzen

2003 Rostock Artenvielfalt im Kleingarten – ein ökologischer Beitrag des

Kleingartenwesens

2003 Hamburg Rosen in Züchtung und Nutzung im Kleingarten

2003 Rostock Wettbewerbe – Formen, Auftrag und Durchführung

2003 Limburgerhof Die Wertermittlung

2003 Bad Mergentheim Soziologische Veränderungen in der BRD und mögliche

Auswirkungen auf das Kleingartenwesen

2004 Braunschweig Kleingärtnerische Nutzung

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