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Zdirekt! 01-2015

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Fachmagazin Zeitarbeit | Ausgabe 01 | 2015


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2

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Editorial

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Die Zukunft gestalten

Die Zukunft der Arbeitswelt hat längst begonnen.

Der demografische Wandel kommt nicht plötzlich,

sondern macht sich gerade in unserer Branche schon

längere Zeit schleichend bemerkbar. Es ist deshalb

umso wichtiger, dass wir Unternehmer uns ab sofort

mit den Herausforderungen auseinandersetzen,

die auf uns auch in Zukunft noch stärker zukommen

werden. Denn Reaktionen müssen entwickelt, vorbereitet,

umgesetzt und glaubwürdig im Markt kommuniziert

werden. Damit das Rad nicht tausendfach neu

erfunden werden muss, hat der iGZ die Projektgruppe

„Zeitarbeit 2030“ eingerichtet, die sich mit den Auswirkungen

des Arbeitskräftemangels auf die Wirtschaft

insgesamt und deren Anforderungen an die

betriebliche Flexibilität der Zukunft beschäftigt. Einen

Zwischenbericht hat die Projektgruppe bereits Ende

des vergangenen Jahres vorgestellt. Jetzt präsentieren

wir in der Z direkt! konkrete Ergebnisse, die aus den

gewonnenen Erkenntnissen abgeleitet wurden. Dabei

stehen – so wie es typisch für den iGZ ist – die Praxishilfen

und die Unterstützung für unsere Mitglieder

im Vordergrund.

Klar ist aber auch: Die Erweiterung des Dienstleistungsangebots

von Personaldienstleistern muss auf

einem gewissen Niveau erfolgen. Nicht jeder wird alles

können. Schwerpunkte und Nischen werden auch

zukünftig eine Besonderheit der deutschen Zeitarbeit

bleiben – allerdings eben nicht mit einer singulären

Konzentration auf die Arbeitnehmerüberlassung. Viele

Unternehmen haben diesbezüglich schon heute

ein breites Angebot an Dienstleistungen, die von den

Kundenunternehmen nachgefragt werden. Personaldienstleister

werden

in der Zukunft die

Aufgabe haben, Personalabteilungen

von

Tätigkeiten zu entlasten,

die sie von ihrer

eigentlichen Aufgabe

abhalten, nämlich

der strategischen

Personalplanung für

ihr Unternehmen. Allerdings ist für eine erfolgreiche

Umsetzung dieser Strategie nicht nur ein Umdenken

in unserer Branche sondern auch bei unseren Kunden

erforderlich.

Die Zukunft nehmen wir übrigens auch bei unserem

Bundeskongress am 29. April in Berlin besonders in

den Blick. Wir werden uns hier mit Vertretern der

Kundenunternehmen, der Gewerkschaften und der

Wissenschaft über Zukunftsstrategien unserer Branche

austauschen und diskutieren. Ich lade Sie herzlich

ein und freue mich, Sie in Berlin begrüßen zu können.

Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung

finden Sie unter www.igz-bundeskongress.de.

Ariane Durian

iGZ-Bundesvorsitzende

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Inhalt

Z direkt!

Inhaltsverzeichnis

Editorial

Die Zukunft gestalten

3

Kurz berichtet

6

Bericht aus Berlin

Interview mit Prof. Dr. Kurt Lauk, CDU-Wirtschaftsratspräsident

7

Titelthema: Die Zukunft des (Zeit-)Arbeitsmarktes

Wirtschaft in der Flexibilitätszange

Der Personaldienstleister der Zukunft

Personalbedarf im Friseurhandwerk

Textilreiniger: Bildungskonzepte erarbeiten

10

12

14

16

Recht direkt!

Auswirkungen des Tarifautonomiestärkungsgesetzes

18

Aktiv

iGZ-Mittelstandsbarometer kompakt

Zehn Jahre Z direkt!

Deutsche AÜ-Erlaubnis für rumänische Zeitarbeitsfirma

20

22

24

Unterwegs

Landeskongress Nordrhein-Westfalen

26

Service

VBG – Wie geht’s weiter mit dem Prämienverfahren?

28

Gastbeitrag

RA Alexander Bissels

30

Impressum

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Herausgeber

iGZ – Interessenverband Deutscher

Zeitarbeitsunternehmen e.V.

iGZ-Bundesgeschäftsstelle

PortAL 10 | Albersloher Weg 10

48155 Münster

E-Mail: presse@ig-zeitarbeit.de

www.ig-zeitarbeit.de

Verantwortlich

RA Werner Stolz,

iGZ-Hauptgeschäftsführer

Chefredaktion

Wolfram Linke

Redaktion

Maren Letterhaus, Andrea Resigkeit

Texte

Christina Franzen, RAin Sabine Freitag,

Luisa Daldrup, Maren Letterhaus,

Wolfram Linke, Dr. Jenny Rohlmann,

Marcel Speker

Fotos

Maren Letterhaus, Wolfram Linke,

www.istockphoto.com, www.fotolia.com

Gestaltung, Layout und Satz

Medienhaus Münster GmbH

Schleebrüggenkamp 15, 48159 Münster

www.medienhaus-muenster.de

Druck

IVD GmbH & Co. KG

Wilhelmstraße 240, 49475 Ibbenbüren

www.ivd.de

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Z direkt!

Kurz berichtet

Nur eine Gewerkschaft je Betrieb

Das Bundeskabinett hat den Entwurf zum Tarifeinheitsgesetz

verabschiedet: Demnach wird künftig der Tarifvertrag

der Gewerkschaft angewendet, der die meisten

Beschäftigten organisiert – falls in einem Betrieb für

gleiche Tätigkeiten verschiedene Tarifverträge gelten.

Ziel des Gesetzentwurfs ist der Vorrang der Tarifeinheit

gegenüber Tarifkollisionen. Laut Tarifeinheitsgesetz soll

künftig das betriebsbezogene Mehrheitsprinzip gelten.

Überschneiden sich Tarifverträge, gilt der Vertrag der

Gewerkschaft, die im betroffenen Betrieb die meisten

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vertritt.

Mindestlohnverpflichtung erweitert

Am 1. Januar 2015 trat die Zweite Verordnung über

zwingende Arbeitsbedingungen für die Pflegebranche

in Kraft. Dadurch stiegen die Mindestlöhne zum

Jahresanfang im Tarifgebiet West einschließlich Berlin

von derzeit 9,00 Euro auf 9,40 Euro. Im Tarifgebiet Ost

erhöhte sich der Mindestlohn um 0,65 Euro auf dann

8,65 Euro. Dazu gehören jetzt auch die ambulanten

Krankenpflegeleistungen. Da laut Arbeitnehmer-Entsendegesetz

nun die vom Zeitarbeitnehmer ausgeübte

Tätigkeit maßgeblich ist, kann eine Verpflichtung

zur Zahlung des Pflegemindestlohns selbst bei Überlassungen

an Privathaushalte bestehen.

Gesetzlicher Mindestlohn in Kraft

Seit dem 1. Januar 2015 gilt erstmals der gesetzliche

Mindestlohn von 8,50 Euro. Der Tarif West der Zeitarbeitsbranche

liegt seit 2014 bei 8,50 Euro. Der Tarif

Ost (derzeit 7,86 Euro) wird bis 1. Juni 2016 stufenweise

angeglichen – es gilt eine Übergangsregelung.

Um eine stufenweise Anpassung an den Mindestlohn

zu ermöglichen, gibt es eine dreijährige Übergangszeit

bis zum 31. Dezember 2017. Voraussetzung ist,

dass der branchenspezifische Mindestlohn zum 1. Januar

2017 bei mindestens 8,50 Euro liegt, wie es in

der Zeitarbeit dann auch in Ostdeutschland der Fall

ist. Im Bereich West steigt die Lohnuntergrenze zum

1. April 2015 auf 8,80 Euro und ab 1. Juni 2016 auf

9 Euro. Für den Bereich Ost gilt laut Tarifvertrag ab

1. April 2015 ein Mindestlohn in Höhe von 8,20 Euro,

der sich zum 1. Juni 2016 auf 8,50 Euro erhöht.

Kompakteres iGZ-Mittelstandsbarometer

Das iGZ-Mittelstandsbarometer als pures und aktuelles

Informationskonzentrat: Die Soziale Innovation (SI)

GmbH hat den inhaltlichen Befragungsmodus zum

vierteljährlichen Erscheinen des iGZ-Mittelstandsbarometers

geändert. Zwei- bis dreimal pro Jahr werden

nun die 2.900 iGZ-Mitgliedsunternehmen kompakt

zu aktuellen Branchenthemen befragt, so dass die

Ergebnisse noch zeitnaher für die verbandspolitische

Arbeit des iGZ genutzt werden können. Weiterer Vorteil:

Die Beteiligung an den Umfragewellen wird noch

einfacher und weniger zeitaufwendig.

Essensgutscheine nach drei Monaten steuerfrei

Seit Beginn 2015 können Zeitarbeitnehmer, die länger

als drei Monate auswärts an demselben Arbeitsplatz

tätig sind, Essensgutscheine erhalten. Diese sind dann

nur mit dem Sachbezugswert anzurechnen. Damit

können Zeitarbeitsunternehmen ihren Mitarbeitern

pro Arbeitstag bis zu 6,10 Euro steuerfrei mit Restaurantschecks/Essenmarken

als Verpflegungszuschuss

gewähren – monatlich gemäß der Lohnsteuerrichtlinie

nachweisfrei 91,50 Euro.

Anrechnung von Plusstunden

Wenn ein Zeitarbeitnehmer mangels Auftrag in der

vertraglich vereinbarten Arbeitszeit nicht gearbeitet

hat, soll die Anrechnung von Plusstunden aus dem

Arbeitszeitkonto für diesen Zeitraum zulässig sein.

So lautete ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Hamburg.

Das LAG Hamburg hatte bestätigt, dass Zeiten

der Nichteinsetzbarkeit eines Zeitarbeitnehmers vom

Personaldienstleister unter Anrechnung der Plusstunden

auf dem Arbeitszeitkonto „überbrückt“ werden

können. Dem betroffenen Zeitarbeitnehmer wurden

im konkreten Fall über einen Zeitraum von fünf Monaten

219 Stunden abgezogen. Gegen dieses Urteil hatte

das LAG Hamburg eine Revision nicht zugelassen.

Eine hiergegen eingelegte Nichtzulassungsbeschwerde

blieb erfolglos. Nun bleibt abzuwarten, wie das

Bundesarbeitsgericht in einem etwaigen Revisionsverfahren

entscheidet.

Wolfram Linke

6


Bericht aus Berlin

Z direkt!

Prof. Dr. Kurt Lauk, Wirtschaftsratspräsident der CDU, im Interview

Die Unternehmen nicht

noch weiter strangulieren

Der iGZ wirbt um Verbündete auf der politischen Bühne, damit der erfolgreiche Tarifkurs der Branche

nicht durch neue gesetzliche Restriktionen konterkariert wird. Prof. Dr. Kurt Lauk, Präsident des

Wirtschaftsrates, äußert sich pointiert zur Wirtschafts- und Sozialpolitik der Bundesregierung und

Bedeutung der Zeitarbeit. Welche Positionen der Wirtschaftsrat zu den kommenden Gesetzesvorhaben

einnimmt, was er von der Großen Koalition erwartet und was die Regierung in den kommenden

zwei Jahren leisten sollte, erfragte Christina Franzen aus dem iGZ-Hauptstadtbüro.

Foto: Wirtschaftsrat / Jens Schicke

Der Präsident des Wirtschaftsrates

der CDU, Prof. Dr. Kurt Lauk.

Z direkt!: Die Bundesregierung nähert sich der Halbzeit

ihrer Legislaturperiode. Wie fällt Ihre bisherige Bilanz

für die Große Koalition aus?

Lauk: Enttäuschend auf fast allen Feldern der Wirtschafts-

und Sozialpolitik, positiv in der Außen- und

Europapolitik durch die internationale Statur von

Bundeskanzlerin Merkel. Die erste Hälfte war fast

ausschließlich vom Verteilen und kaum vom Erwirtschaften

geprägt. Beide Koalitionspartner haben ihre

Sozialprogramme einfach addiert. Einige SPD-geführte

Ministerien drehen gerade mit noch größerem Eifer

als vereinbart die mühsam errungenen Erfolge der

Agenda 2010 durch Mindestlohn und das Rentenpaket

mit der Rente mit 63 zurück.

Z direkt!: Die deutsche Wirtschaft ist auf dem Konjunkturhoch,

die Arbeitslosenquote ist auf dem tiefsten

Stand seit über 20 Jahren. Hält dieser Trend aus

Sicht des Wirtschaftsrates an?

7


Z direkt!

Bericht aus Berlin

Lauk: Wohl kaum auf ewig! Die jetzige gute Lage ist

kein Ergebnis verbesserter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen,

sondern basiert auf externen Faktoren wie

dem schwachen Euro und dem niedrigen Ölpreis. Die

Große Koalition hat nichts dafür getan, im Gegenteil.

Z direkt!: Viele Gesetze, die enormen Einfluss auf die

deutsche Wirtschaft haben, sind gerade seitens der SPD

in Rekordzeit auf den Weg gebracht worden. In diesem

Jahr stehen weitere Regulierungen für die Wirtschaft

auf der Regierungsagenda. Welche Position bezieht der

Wirtschaftsrat der CDU zu diesen Vorhaben?

Lauk: Das Misstrauen einiger SPD-Ministerinnen gegenüber

der Wirtschaft muss aufhören. Speziell im

linken Flügel ist man der Meinung, mit Regulierungen

die Wirtschaft „erziehen“ zu müssen. Solche ideologisch

motivierten Eingriffe bekämpfen wir. Wir warnen

sehr eindringlich vor immer weiter wuchernder

Bürokratie. Sie stranguliert Unternehmen und schadet

unserem Ruf als Wirtschaftsstandort bei Investoren.

Z direkt!: Wie wollen Sie das konkret umsetzen?

Lauk: Unsere Bundesfachkommissionen erarbeiten

Lösungsvorschläge und Positionspapiere und stehen

mit Bundestagsabgeordneten und Ministerien im

ständigen Austausch, um unsere Positionen frühzeitig

einfließen zu lassen.

Z direkt!: Sie haben einmal die Zeitarbeit als Beschäftigungsmotor

der deutschen Wirtschaft bezeichnet.

Nun will der Gesetzgeber diese Motorleistung

senken beziehungsweise, um im Bild zu bleiben, die

Leistung drosseln. Welche Auswirkungen wird das auf

die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Deutschland

haben?

Lauk: Mit Hilfe der Zeitarbeit konnten Unternehmen

bisher flexibel bleiben und schnell auf unterschiedliche

wirtschaftliche Herausforderungen reagieren –

vor allem in Krisenzeiten. Sie ermöglichte aber auch

zahlreichen Arbeitnehmern einen niedrigschwelligeren

Job-Einstieg. Hunderttausenden hat sie den Weg

in eine dauerhafte Anstellung geebnet. Nicht nur im

Interesse der Unternehmer, sondern auch im Interesse

der über 800.000 Menschen in Zeitarbeitsverhältnissen

muss dieses Instrument verteidigt werden. Das heißt

auch, dass es nicht durch Bürokratie erstickt wird.

Z direkt!: Ein Kernthema des Wirtschaftsrates ist die

künftige Sicherung des Fachkräftebedarfs. Was sollte

die Politik tun, um die Wirtschaft bei diesem Thema

schon heute zu unterstützen?

Lauk: Wir haben in Deutschland die zweitälteste Gesellschaft

der Welt, und das Problem ist nicht von heute

auf morgen zu lösen. Mit der Rente mit 63 wurde

das Problem erst einmal verschärft. Wir müssen noch

mehr Menschen aus der „stillen Reserve“ und auch

Langzeitarbeitslose in Arbeit bringen. Die Zahl der

Langzeitarbeitslosen stagniert weiter – und der Bundesarbeitsministerin

fehlt hier ein wirksames Konzept.

Z direkt!: Sie fordern auch ein neues Einwanderungsrecht?

Lauk: Das ist dringend nötig! Wir sollten uns damit

an den klassischen Einwanderungsländern wie Kanada,

Australien oder Neuseeland orientieren. Deutschland

muss seine Millionen-Lücke mit qualifizierten

Menschen schließen und eine stärkere Willkommenskultur

entwickeln. Allerdings muss die Große Koalition

mit ihrer breiten Mehrheit auch die Einwanderung

in die Sozialsysteme begrenzen, indem beispielsweise

Albanien und der Kosovo als sichere Herkunftsländer

eingestuft werden.

Z direkt!: Wie schätzen Sie in diesem Zusammenhang

die künftige Rolle der Zeitarbeitsbranche ein?

Lauk: Die Zeitarbeitsbranche ist ein wichtiges Instrum

ent, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Denn sie erleichtert auch Menschen den Einstieg,

die ursprünglich einen anderen Beruf gelernt haben

– oder auch keinen. Außerdem kommt die Zeitarbeit

auch dem Lebensgefühl vieler Menschen und dem

größeren Wunsch nach Flexibilität entgegen. Das vergessen

manche Ideologen gänzlich.

Z direkt!: Die Arbeitswelt ist im Wandel, Flexibilität

wird ein Hauptkriterium der künftigen Wirtschaftsent-

8


Bericht aus Berlin

Z direkt!

Foto: Wirtschaftsrat / Jens Schicke

Prof. Dr. Lauk: „Flexibilität wird Hauptkriterium

der künftigen Wirschaftsentwicklung sein.“

wicklung sein. Wie wichtig beziehungsweise notwendig

wird in diesem Zusammenhang die Tarifautonomie in

Deutschland sein?

Lauk: Die Tarifautonomie ist einer der Erfolgsgaranten

der deutschen Wirtschaft gewesen und auch im Ausland

unser Aushängeschild. Damit dies so bleibt, brauchen

wir weiterhin ein hohes Maß an Flexibilität in der

Tarifpolitik. Der gesetzliche Mindestlohn droht diese

Erfolgsgeschichte zu zerstören.

Z direkt!: Wenn Sie dem Gesetzgeber heute etwas

für die zweite Halbzeit ins sprichwörtliche Stammbuch

schreiben könnten, was wäre das?

Lauk: Die Große Koalition sollte ihre Mehrheit dafür

nutzen, dringend notwendige Reformen auf den

Weg zu bringen – unsere Infrastruktur leidet unter

chronischem Finanzmangel und steigendem Verkehrsaufkommen,

die digitale Agenda stockt, der demografische

Wandel stellt uns vor immense Herausforderungen,

die Energiewende verläuft chaotisch.

Wir vermissen eine Politik, die dem Markt vertraut.

Stattdessen herrschen Regulierungswahn und immer

mehr Bürokratie.

Z direkt!: Wo sehen Sie die deutsche Wirtschaft

im Jahr 2030?

Lauk: Immer schnellere und komplexer werdende

Arbeitsabläufe in einer zunehmend digitalisierten und

vernetzten Welt erschweren Voraussagen. Schon oft

hat Deutschland aber unter Beweis gestellt, dass es

flexibel und erfolgreich auf Herausforderungen unterschiedlichster

Art reagieren kann. Wir brauchen bald

eine Agenda 2030.

9


Z direkt!

Titelthema

10


Titelthema

Z direkt!

Die Zukunft des (Zeit-)Arbeitsmarktes

Wirtschaft in der

Flexibilitätszange

„Der Flexibilitätsbedarf der Wirtschaft wird in den kommenden Jahren weiter steigen“, meint Nicole

Munk. Die Karlsruher Zeitarbeitsunternehmerin leitet die iGZ-Projektgruppe „Zeitarbeit 2030“ und hat

sich gemeinsam mit ihren Kollegen intensiv mit den Herausforderungen des Arbeitsmarkts in der näheren

Zukunft befasst. Schon jetzt werde deutlich, dass Flexibilität im Arbeitsleben keine Einbahnstraße

mehr sein könne. Der sich andeutende Arbeitskräftemangel mache es möglich: „Die Bewerber sind sich

mehr und mehr ihres Wertes bewusst – und setzen ihn auch selbstbewusst ein“, so Munk.

Hinzu kommen gesetzliche oder tarifliche Freistellungsansprüche

von bis zu einem halben Jahr, zum

Beispiel durch die Novellierung des Pflegezeitgesetzes.

Auch die IG Metall hat die Arbeitszeitflexibilität

als ein Ziel ihrer tariflichen Anstrengungen benannt.

Diese neue Form des arbeitszeitlichen Selbstverständnisses

und Selbstbewusstseins bei den Mitarbeitern

wird unweigerlich dazu führen, dass Unternehmen

ihr Arbeitsvolumen deutlich mehr als bislang flexibel

abfedern müssen. Heute sind es noch überwiegend

die Aufträge und betrieblichen Abläufe der Unternehmen,

die flexible Reaktionen – zum Beispiel im

Projektgeschäft – nötig machen. Bald kommen die

Mitarbeiter als flexibilitätsauslösender Faktor noch

hinzu. Die Wirtschaft wird also in die Flexibilitätszange

genommen.

Wachstumswirkungen

Das Bundesarbeitsministerium weist in seiner „Information

zum Handlungsschwerpunkt Fachkräftesicherung“

ausdrücklich auf den Zusammenhang

zwischen der Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt und

positiven Wachstumswirkungen hin. Dennoch dürften

viele Unternehmen nicht ausreichend auf diese

Herausforderungen vorbereitet sein. Bislang betreibt

nicht einmal ein Drittel aller Unternehmen eine systematische

und langfristige Personalplanung, wie

das Institut der deutschen Wirtschaft in einer Studie

herausgefunden hat. Wo jedoch die langfristige Perspektive

fehlt, kann die kurzfristige Problemlösung

nicht strukturiert stattfinden.

Doch es gibt Hilfe: „Personaldienstleister sind der ideale

Partner von Unternehmen, die Unterstützung bei

der Organisation von betrieblicher Flexibilität benötigen“,

erläutert Nicole Munk eine zentrale Schlussfolgerung

der Projektgruppe aus der Analyse der Flexibilitätsentwicklung

in der deutschen Wirtschaft.

Flexibilitätsanforderungen

Um diese Funktion wahrnehmen zu können, müsse

man jedoch als moderner Personaldienstleister im

Jahr 2030 auch in der Lage sein, mehr als nur Zeitarbeit

anzubieten: „Der Trend wird dahin gehen, dass

zukünftig Personaldienstleister auf Augenhöhe mit

den Personalabteilungen der Einsatzbetriebe Konzepte

entwickeln, die den besonderen Flexibilitätsanforderungen

der jeweiligen Unternehmen gerecht

werden“, so Munk. Hierauf müsse sich die Branche

vorbereiten. Die ersten konkreten Schritte auf diesem

Weg ist die iGZ-Projektgruppe bereits gegangen.

Marcel Speker

11


Z direkt!

Titelthema

Der Personaldienstleister der Zukunft

Partner auf Augenhöhe

„Vom Dienstleister zum Consultant“ wird die Herausforderung für die Zeitarbeitsunternehmen in Zukunft lauten,

sind sich die Mitglieder der iGZ-Projektgruppe „Zeitarbeit 2030“ sicher. Sie sehen die Personaldienstleister als

Gesprächspartner der Kunden auf Augenhöhe. Sie verfügen über eine hohe Kompetenz und Erfahrung bei der

Lösung von Problemen und Herausforderungen, die sich aus dem flexiblen Personaleinsatz ergibt.

Dazu benötigen Personaldienstleister jedoch einen umfassenden

Überblick und ein entsprechendes Know-

How über personalwirtschaftliche Themen und Dienstleistungen.

Zeitarbeit ist in diesem Zusammenhang ein

Angebot von mehreren. Schon heute gibt es eine ganze

Reihe von Dienstleistungen, die Zeitarbeitsunternehmen

neben ihrem klassischen Produkt, der Arbeitnehmerüberlassung,

anbieten. Laut iGZ-Mittelstandsbarometer

gehört die Personalvermittlung bei 59,7 Prozent ebenfalls

zum Portfolio. 30,5 Prozent der befragten Unternehmen

gaben an, das Themenfeld „Rekrutierung und

Bewerbermanagement“ mit abzudecken. Personalberatung

(15,5 Prozent) und On-Site-Management (13,3

Prozent) komplettieren die TOP 5 bei dieser Umfrage.

Leistungsspektren

Interessant ist der Blick in die Zukunft. Nicht einmal

jedes zweite Zeitarbeitsunternehmen hat bislang für

sich die Notwendigkeit erkannt, weitere Geschäftsfelder

zu erschließen. 43,8 Prozent der Befragten

gaben an, ihr Leistungsspektrum in den kommenden

drei Jahren erweitern zu wollen. Die TOP 5 der

angestrebten neuen Geschäftsfelder liegen eng beieinander:

Personalberatung (24,5 Prozent), On-Sitemanagement

(24,5 Prozent), Aus- und Weiterbildung/Personalentwicklung

(22,4 Prozent), Rekrutierung/Bewerbermanagement

(22,4 Prozent) und Projektmanagement

(20,4 Prozent).

Geplante Erweiterung des Leistungsspektrums in den

nächsten drei Jahren um zusätzliche Dienstleistungen

Erweiterung des Leistungsspektrums

43,8%

0% 20% 40% 60% 80% 100%

Geplante zusätzliche Dienstleistungen in den nächsten drei Jahren

Personalberatung

On-Site-Management

Aus- und Weiterbildung/Personalentwicklung

Rekrutierung/Bewerbermanagement

Projektmanagement

Werkvertragsprojekte

Personalvermittlung

Master-Vendor-Modelle

Direct Search/Headhunting

Interimsmanagement

Outplacement

Payrolling

Arbeitnehmerüberlassung/Zeitarbeit

Joint Venture

Sonstige

12

24,5%

24,5%

22,4%

22,4%

20,4%

18,4%

17,3%

13,3%

10,2%

6,1%

5,1%

3,1%

2,0%

1,0%

7,1% (Mehrfachnennungen möglich)

0% 10% 20% 30% 40%

Quelle: iGZ-Mittelstandsbarometer


Titelthema

Z direkt!

Aber auch andere Bereiche, in denen Personaldienstleister

über bestimmte Kompetenzen verfügen, sind

als neue Geschäftsbereiche denkbar. Das sogenannte

„Payrolling“ beispielsweise. Dabei geht es um

die Übernahme von Gehaltsabrechnungen. Immerhin

2,2 Prozent der befragten Unternehmen bieten

schon heute diese Dienstleistung an – und 3,1 Prozent

der Unternehmen, die auf der Suche nach möglichen

neuen Betätigungsfeldern sind, denken noch

darüber nach. Dabei wird deutlich: Die Entwicklung

neuer Geschäftsfelder kann sich nur an der eigenen

Spezialisierung und den eigenen Fähigkeiten orientieren.

Die Erweiterung von Geschäftsfeldern ist

sicherlich kein Selbstzweck.

Damit die iGZ-Mitglieder bei diesen bedeutenden

strategischen Zukunftsentscheidungen nicht allein

gelassen werden, hat der iGZ in diesem Halbjahr erstmals

ein Seminar im Programm, das genau auf diese

Erkenntnis abzielt: „Sicher in die Zukunft – allen

anderen voran – neue Wege in der Personaldienstleistung“

wurde von einigen Mitgliedern der Projektgruppe

gemeinsam mit den Trainern Nicole Truchseß

und Markus Brandl entwickelt. Die Kernfrage, auf die

eine Antwort gesucht wird, lautet: „Wie kann ich ein

Unternehmen heute schon neu ausrichten, um in Zukunft

noch erfolgreicher zu sein?“

Kooperation

Ergänzend dazu wird der iGZ das Thema der zusätzlichen

Dienstleistungen auch in einer Kooperation mit

der Redaktion der Zeitschrift Personalwirtschaft vertiefen.

Denn eins ist klar: Das Umdenken muss nicht nur

innerhalb der Zeitarbeitsbranche einsetzen und um sich

greifen – auch bei den Zeitarbeitskunden muss ein solcher

neuer und selbstbewusster Ansatz von Personaldienstleistern

erst einmal ankommen.

Marcel Speker

Drei Fragen an Erwin Stickling

In einer neuen Kooperation präsentiert der iGZ auf seiner Homepage www.ig-zeitarbeit.de jeweils zum ersten Werktag

eines jeden Monats exklusive Berichte aus der Personalwirtschaft-Redaktion, die sich damit auseinandersetzen,

welche möglichen neuen Geschäftsfeldern Kundenunternehmen für Personaldienstleister sehen. Der erste Beitrag

erscheint dort am 1. Mai. Z direkt! sprach dazu mit dem Chefredakteur der Personalwirtschaft, Erwin Stickling.

Z direkt!: Experten erwarten in den nächsten Jahren

einen steigenden Arbeits- und Fachkräftemangel und

damit einhergehend einen höheren Flexibilitätsbedarf

seitens der Unternehmen. Können Sie die Einschätzung

bestätigen?

Erwin Stickling: Ja, bestehende Arbeitsmarktanalysen

weisen eindeutig darauf hin, dass wir in einzelnen

Berufsfeldern und Regionen mit zunehmenden

Engpässen rechnen müssen. Vor allem wenn die

Baby-Boomer-Generation in den kommenden Jahren

in Rente gehen wird, tun sich erhebliche Lücken auf.

Gleichzeitig bietet die Digitalisierung der Arbeitsprozesse

aber auch ein enormes Rationalisierungspotenzial.

Die in diesem Zusammenhang aktuell skizzierte

Arbeitswelt 4.0 benötigt vor allem höher qualifizierte

Fachkräfte und flexible Strukturen.

Z direkt!: Eine These in diesem Zusammenhang lautet,

dass die Wirtschaft im Jahr 2030 von Personaldienstleistern

mehr als nur Zeitarbeit erwartet. Wie

stehen Sie dazu?

Stickling: Das erwarten Unternehmen teilweise jetzt

schon. Personalvermittlung, Weiterbildung, Projektarbeit,

Outsourcing-Lösungen – all das steht bereits

im Portfolio einiger Personaldienstleister. Ihr Hauptgeschäft

ist aber nach wie vor die Zeitarbeit, weil sie hier

die beste Expertise aufweisen.

Z direkt!: Was muss geschehen, damit die Einsatzbetriebe

in den nächsten Jahren Personaldienstleister

als mögliche Unterstützung in diesem Bereich wahrund

ernstnehmen?

Erwin Stickling, Chefredakteur Personalwirtschaft

Stickling: Um auf Augenhöhe mit Personalmanagern

reden und ihnen umfangreiche Personaldienstleistungen

anbieten zu können, müssen sich die Zeitarbeitsfirmen

weiter professionalisieren.

13


Z direkt!

Titelthema

Öffnet Mindestlohn der Zeitarbeit die Tür zum Friseurhandwerk?

Personalbedarf unbestritten

„Zeitarbeit ist für uns zu teuer“, hörte man immer wieder aus den typischen Niedriglohnbranchen. Durch den

gesetzlichen Mindestlohn sind diese Branchen jetzt gezwungen, mehr Geld für Personal in die Hand zu nehmen.

Ergeben sich dadurch für Zeitarbeitsunternehmen neue Geschäftsfelder – zum Beispiel im Friseurhandwerk?

Der Personalbedarf ist sehr groß: Auch das

Friseurhandwerk klagt über Fachkräftemangel.

Der Tarifvertrag für Friseure sieht in Westdeutschland

einen Mindestlohn in Höhe von 8,00 Euro vor,

in Ostdeutschland von 7,50 Euro. Damit liegt er unterhalb

der untersten Entgeltgruppe der Zeitarbeit.

Aufgrund der Übergangsregelung haben diese Löhne

noch bis zum 31. Juli 2015 Vorrang vor dem gesetzlichen

Mindestlohn von 8,50 Euro.

„Eine spannende Zusatzgeschichte“ nannte Dirk

Wiethölter, Personalvorstand der Friseurfilialist Hair-

14


Titelthema

Z direkt!

Dirk Wiethölter, Hairgroup

Rüdiger Schmitt, Klier

group, die Idee, künftig auch über Zeitarbeit Personal

zu beschäftigen. Natürlich müsse das Angebot bezahlbar

bleiben. „Aber wenn die Zeitarbeitsunternehmen

es schaffen, Mitarbeiter zu finden, sollen

sie sich gerne bei mir melden“, sendet Wiethölter

deutliche Zeichen.

Attraktiv könne die Zeitarbeit besonders für Mütter

sein, nannte er eine Idee. Friseurläden sind heute

sehr häufig bis 22 Uhr geöffnet. Zeitarbeitskräfte

würden aber überwiegend zu den Spitzenzeiten

einspringen, sodass ihnen die späten, familienunfreundlichen

Arbeitszeiten erspart bleiben könnten.

„Dann ist Zeitarbeit sicherlich für einige Arbeitnehmerinnen

eine Alternative zur Direktanstellung im

Friseurladen“, mutmaßt Wiethölter Eine ähnliche

Entwicklung gibt es bereits in der Pflegebranche.

Gegensätzlich schätzt Rüdiger Schmitt, Unternehmenssprecher

der Friseurkette Klier, die Idee mit der

Zeitarbeit ein. „Personalkosten machen 58 Prozent

aller Ausgaben im Filialbereich aus“, erklärt er den

enormen Kostendruck in der Branche. „Da wirkt

sich jeder Euro aus.“ Es sei also schlichtweg zu teuer,

neben dem Gehalt der Zeitarbeitskräfte auch

noch die Kosten für die Arbeit der Zeitarbeitsunternehmen

zu bezahlen.

Darüber hinaus nannte er wie sein Branchenkollege

den Fachkräftemangel als großes Problem. „Wir

finden selbst kaum Mitarbeiter“, beklagte er. Hinzu

komme, dass jedes Unternehmen eigene standardisierte

Abläufe habe, die lange Einarbeitungszeiten

erfordern. Kurzfristige Zeitarbeitseinsätze seien laut

Schmitt daher wenig praktikabel.

Letztlich wird also das Geschick der Zeitarbeitsbranche

zeigen, ob sie es schafft, sich im Friseurhandwerk

zu etablieren. Der Personalbedarf ist unbestritten.

Maren Letterhaus

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Z direkt!

Titelthema

Textilreinigerbranche setzt auf Kooperation mit Zeitarbeit

Bildungskonzepte erarbeiten

Nicht der gesetzliche Mindestlohn, sondern vielmehr der horrende Fachkräftemangel beschäftigt die

Textilreinigerbranche: „Mit Blick auf unseren Bedarf spielt der Mindestlohn gar keine Rolle“, unterstreicht

Jürgen Felmet, Obermeister der Textilreiniger-Innung Münsterland.

Innungsobermeister Jürgen Felmet verweist auf

den großen Fachkräftebedarf der Textilreiniger –

und sieht darin eine Chance für die Zeitarbeit.

„Die Branche ist bereit, bei entsprechenden Fachkenntnissen

auch den passenden Lohn zu zahlen“,

verdeutlicht Felmet ein branchenübergreifendes Dilemma:

„Wir würden Zeitarbeitnehmer sofort nehmen,

aber die Zeitarbeitsunternehmen können uns

diese Textilfachkräfte nicht bieten.“

Der Mangel habe nicht zuletzt auch damit etwas zu

tun, „dass der Beruf des Textilreinigers im öffentlichen

Bewusstsein noch nicht verankert ist“. Früher habe es

das Wäscherei-/Plätterhandwerk und chemisch Reiniger

gegeben. In den 80er Jahren wurden die Berufsbilder

zum Ausbildungsberuf Textilreiniger zusammengeführt.

Und gerade das Stichwort Ausbildung beherberge

eine ganz große Chance – besonders für die Zeitarbeit:

„Gemeinsam mit uns Kunden könnte die Zeitarbeit

ein Weiterbildungskonzept erarbeiten, so dass

am Ende diese Bedarfe gedeckt werden könnten“,

nennt der 54-Jährige eine Alternative. Das sei deshalb

möglich, weil sich hier auch gute Chancen für Quer-

16


Z direkt!

einsteiger bieten: „Im Textilreiniger Bildungszentrum

Münsterland (TBZ) in Rheine kann man sich von der

Fachkraft über den Gesellen bis hin zum Meister ausbilden

lassen“, nennt Felmet ein Beispiel für denkbare

finanzielle Kooperationen zwischen Kunden- und

Zeitarbeitsunternehmen. Ansprechpartner zum Thema

sitzen auch im TBZ. Die Teilfinanzierung könne die

Zeitarbeitsfirma dann via Rückzahlungsvereinbarung

absichern.

Die Weiterbildung erfolge je nach Bedarf – ob etwa

Fachkraft oder Geselle – passgenau fürs jeweilige Kundenunternehmen.

Weiterer Vorteil: Die Zeitarbeitsbetriebe

haben anschließend spezialisierte Fachkräfte,

die in der Textilreinigerbranche stark nachgefragt sind.

Ausbildungsmöglichkeiten seien für Textilreiniger zunehmend

eingeschränkt, da immer weniger Berufsschulen

diesen Zweig anbieten: „Wer in Münster ausbilden

will, muss seinen Azubi zur Berufsschule nach

Hannover, Köln oder Schleswig-Holstein schicken und

unter Umständen für die Kosten aufkommen“, benennt

der Obermeister die Ausbildungshürden.

Die Nachfrage nach Textilreinigern sei garantiert

vorhanden: „Vor allem vor und nach den Ferien hat

unsere Branche echte Auftragsspitzen, die rasch abgearbeitet

werden wollen, und dann fehlen uns die

Fachkräfte“, verweist Felmet auf ein klassisches Tätigkeitsfeld

der Zeitarbeitsbranche.

Ebenfalls von großem Interesse seien echte Fachkenntnisse,

„denn der Beruf des Textilreinigers ist

ebenso wie Kleidung in allen ihren Facetten äußerst

vielfältig“, betont der Experte, der mit 23 Jahren als

jüngster Absolvent der Schule den Meisterbrief erwarb.

Ein Berufsfeld mit echten Perspektiven für die

Zeitarbeitsbranche. Felmet: „In Deutschland gibt es

keinen arbeitslosen Textilreiniger.“

Wolfram Linke

17


Z direkt!

§

Recht direkt!

Tarifautonomiestärkungsgesetz bringt Änderungen

Die Mindestlöhne

anderer Branchen beachten

Durch das Inkrafttreten des Tarifautonomiestärkungsgesetzes im August 2014 kam es zu einer Ausweitung

des Geltungsbereichs des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes (AEntG). § 8 Absatz 3 AEntG ist die

Rechtsgrundlage dafür, dass in der Zeitarbeit neben der Lohnuntergrenzen-Verordnung zusätzlich Mindestlöhne

und weitere Arbeitsbedingungen anderer Branchen beachtet werden müssen. Zu den einbezogenen

Branchen zählen beispielsweise das Elektrohandwerk, das Maler- und Lackiererhandwerk sowie

die Bereiche Abfallwirtschaft, Gebäudereinigung und Fleischwirtschaft.

Eine Mindestlohnverpflichtung konnte sich bisher

nur ergeben, wenn der Kundenbetrieb der entsprechenden

Mindestlohnbranche angehörte (Rechtsprechung

des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahr

2009). Diese Entscheidung hat der Gesetzgeber

korrigiert und durch die Neufassung der Vorschrift

klargestellt, dass es maßgeblich auf die ausgeübte

Tätigkeit ankommt.

Branchentypische Arbeiten

Seit Mitte 2014 kann eine Mindestlohnpflicht selbst

dann bestehen, wenn der Zeitarbeitnehmer an einen

Kundenbetrieb überlassen wird, der keiner

Mindestlohnbranche nach dem AEntG zuzuordnen

ist. Entscheidend ist in diesen Fällen, ob der Zeitarbeitnehmer

überwiegend Tätigkeiten erbringt, die

typisch für eine Mindestlohnbranche sind. So erhält

beispielsweise ein Zeitarbeitnehmer, der typische

§

Malertätigkeiten verrichtet, den Malermindestlohn

auch dann, wenn er an einen Hotelbetrieb überlassen

wird. Zur Feststellung, welche Tätigkeit für eine

Mindestlohnbranche branchentypisch ist, können

sämtliche Inhalte der jeweiligen Mindestlohnverordnung

als Arbeitshilfe herangezogen werden. Zeitarbeitsunternehmen

können sich zum Beispiel zur

Bestimmung typischer Malerfacharbeiten an einer

Auflistung von Facharbeitertätigkeiten orientieren,

die der Mindestlohnverordnung des Maler- und Lackiererhandwerks

als Anhang 2 beigefügt ist. Übt

der Mitarbeiter in einem Einsatz Tätigkeiten aus, die

in dieser Liste aufgeführt sind, muss regelmäßig der

höhere Malermindestlohn beachtet werden.

Mischtätigkeiten

Welche Tätigkeit überwiegt im Monat? Diese Frage

müssen sich Zeitarbeitsunternehmen stellen, wenn

Arbeitnehmer an einen Kundenbetrieb überlassen

werden, der keiner Mindestlohnbranche nach dem

AEntG zuzuordnen ist. Übt der Zeitarbeitnehmer in

diesem Einsatz verschiedene Tätigkeiten aus, werden

diese als sogenannte Mischtätigkeiten bezeichnet.

Für die Behandlung von Mischtätigkeiten einigten

sich Verbandsvertreter des iGZ und BAP im Dialog

mit dem Bundesarbeits- und Bundesfinanzministerium

auf die Anwendung des relativen Überwiegenprinzips.

Das bedeutet: Sofern mehrere Mindestlohnverordnungen

in Betracht kommen, ist der

Mindestlohn der Mindestlohnverordnung zu zahlen,

deren Tätigkeit gemessen an der Anzahl der im jeweiligen

Kalendermonat erbrachten Arbeitsstunden

überwiegt.

Lohnuntergrenzen-Verordnung

Ein weiterer Bestandteil des Tarifautonomiestärkungsgesetzes

ist das Mindestlohngesetz. Die Auswirkungen

dieses Gesetzes auf die Arbeitnehmerüberlassung

sind zunächst verschwindend gering.

Denn bei der Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes

wurden Übergangsregelungen geschaf-

18

§

§


Recht direkt! §

Z direkt!

fen. Für die Zeitarbeit gilt derzeit: Die Vorschriften

aus der Lohnuntergrenzen-Verordnung gehen den

Vorgaben aus dem Mindestlohngesetz vor. Es gilt

zunächst weiterhin die Entgeltsystematik des iGZ-

DGB-Tarifwerks. Bei Einsätzen im Tarifgebiet West ist

bereits seit Anfang 2014 die Lohnuntergrenze von

8,50 Euro einzuhalten. Bereits zum 1. April 2015

erhöht sich die Lohnuntergrenze auf 8,80 Euro. Die

Vorrangregelung gilt aber auch für Einsätze im Tarifgebiet

Ost. Dort steigt die Lohnuntergrenze ab dem

1. April 2015 auf 8,20 Euro. Zeitarbeitnehmer erhalten

dann ein Mindeststundenentgelt von 8,20 Euro

in der niedrigsten Entgeltgruppe bzw. 8,35 Euro bei

einer Eingruppierung in die EG 2. Es muss in beiden

Fällen keine Aufstockung auf 8,50 Euro erfolgen.

Arbeitszeitkonto

Die in §§ 1 Absatz 3, 24 Absatz 1 Mindestlohngesetz

fixierte Vorrangregelung betrifft nicht nur die Höhe

der Vergütung, sondern gilt insbesondere auch für

das Arbeitszeitkonto. Auch hier ergeben sich zunächst

keine Besonderheiten aus dem Mindestlohngesetz.

Es muss insbesondere kein Ausgleich des

Arbeitszeitkontos innerhalb von 12 Monaten vorgenommen

werden. Dies gilt selbst dann, wenn Zeitarbeitsunternehmen

aufgrund der Übergangsregelung

bei Einsätzen im Tarifgebiet Ost weniger als 8,50

Euro zahlen.

Aufzeichnungspflichten

Das Mindestlohngesetz enthält in § 17 Regelungen

hinsichtlich bestehender Aufzeichnungspflichten.

Diese sind den Vorschriften aus dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz

(§ 17c AÜG) und dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz

(§ 19 AEntG) nachgeahmt und

deshalb für Zeitarbeitsunternehmen nur wenig relevant.

Denn für Einsätze von Zeitarbeitnehmern sind

Dokumentationspflichten nur für den Kundenbetrieb

vorgesehen. Diesen sollen Aufzeichnungspflichten

nach dem Mindestlohngesetz treffen, wenn die Zeitarbeitnehmer

in einer der in § 2a Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz

genannten Wirtschaftsbereiche

eingesetzt werden. Für Zeitarbeitsunternehmen bestehen

Dokumentationspflichten nach dem Mindestlohngesetz

grundsätzlich nur für internes Personal,

das geringfügig beschäftigt wird.

RAin Sabine Freitag

§

§

Weiterführende Informationen für iGZ-Mitglieder

im internen Bereich der iGZ-Homepage

www.ig-zeitarbeit.de/tarife-recht/durchfuehrungdes-arbeitsverhaeltnisses/mindestloehne

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Z direkt!

Aktiv

iGZ-Mittelstandsbarometer jetzt „kompakt“

Branchen-Querschnitt

als Datenkonzentrat

90 Prozent aller iGZ-Mitgliedsunternehmen bezahlen übertarifliche Löhne. 83 Prozent sind entgegen der landläufigen

Meinung unbefristet beschäftigt. Und 89 Prozent der Zeitarbeitskräfte arbeiten in Vollzeit. Das sind nur

drei griffige Ergebnisse, die das iGZ-Mittelstandsbarometer zutage gefördert hat. Die Umfragen des iGZ helfen,

Wissenslücken zu schließen und mit Vorurteilen gegenüber Zeitarbeit aufzuräumen. Genau das war 2011 der

Grund, ein Mittelstandsbarometer ins Leben zu rufen: Dem Verband fehlte es an belastbaren Zahlen zur mittelständischen

Zeitarbeit, die er für seine Öffentlichkeitsarbeit dringend brauchte.

Mittlerweile hat sich das iGZ-Mittelstandsbarometer

etabliert und wird von Politik, Forschung und Medien

zurate gezogen, wenn es um aktuelle Fakten und

Trends geht. Bundestagsabgeordnete nutzen die Ergebnisse

des Branchenbarometers, um ihre Anfragen

an die Bundesregierung statistisch zu untermauern.

Max Straubinger (CDU/CSU) bezog sich beispielsweise

bei einer Plenarsitzung auf das Mittelstandsbarometer

und festigte damit seinen Standpunkt, dass Zeitarbeit

eine wichtige Position bei der Beschäftigungsförderung

einnehme. Ebenso zitierten namhafte Zeitschriften

wie die ZEIT und die Süddeutsche die iGZ-

Umfrage und

stellten

unter anderem die hohe Übernahmequote bei iGZ-

Kundenunternehmen heraus. Auch die Bundesagentur

für Arbeit ging 2013 in ihrem Arbeitsmarktbericht

auf das iGZ-Mittelstandsbarometer ein.

Daten-Querschnitt

2011 realisierte der iGZ das Mittelstandsbarometer. Die

unabhängige und zeitarbeitserfahrene Soziale Innovation

GmbH (SI) in Dortmund führt seitdem die Mitgliederbefragung

in Kooperation mit dem Verband durch.

Strenge Anonymität und Geheimhaltung der Daten

sind dabei garantiert. Die Befragung läuft aktuell zum

14. Mal und bietet einen Querschnitt durch die Wirtschaftsdaten

der rund 2.900 iGZ-Mitgliedsunternehmen.

Es ist repräsentativ und dokumentiert Branchen-

Schwerpunkte. Seine Ergebnisse nutzen nicht nur der

politischen Arbeit des Verbandes, sondern helfen

auch iGZ-Mitgliedsunternehmen, sich auf dem

Markt zu positionieren.

Neu: kompakt

Damit die Beteiligung künftig noch einfacher

und weniger zeitaufwendig ist,

wird das iGZ-Mittelstandsbarometer

kompakter. Für seine verbandspolitische

Arbeit möchte der iGZ damit weiterhin

zeitnah die Meinung seiner Mitglieder

zu aktuellen Branchenthemen

erfragen. Dreimal im Jahr beschränkt

20


Z direkt!

sich der Fragebogen auf den Frageteil zur aktuellen

Branchensituation. Einmal im Jahr wird ein ausführlicher

Fragebogen versendet, der wie bisher zusätzlich

Geschäftsdaten und Fakten zur externen Mitarbeiterstruktur

abfragt. Im Zeitverlauf lassen sich dadurch

Entwicklungen erkennen. Alle iGZ-Mitgliedsbetriebe

werden in bewährter Weise online befragt.

Erster Durchlauf

Das erste „iGZ-Mittelstandsbarometer kompakt“ ist

im Februar 2015 gestartet und wird gegenwärtig ausgewertet.

Diesmal geht es um die Auswirkungen der

von der Großen Koalition geplanten Höchstüberlassungsdauer

und der Equal-Pay-Regelung nach neun

Monaten. Eng damit verbunden ist die Frage nach den

Erfahrungen mit dem Tarifvertrag Leih- und Zeitarbeit

(TV LeiZ) in der Metall- und Elektroindustrie. Außerdem

wird regelmäßig nach dem Fachkäftemangel

gefragt, um Entwicklungen im Umgang mit diesem

Brennpunktthema der Branche festzustellen. Im April

liegen die jüngsten Ergebnisse vor und spiegeln erneut

Fakten und Trends der mittelständischen Zeitarbeit

wider.

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Die grafisch aufbereiteten Ergebnisberichte werden auf

der iGZ-Homepage und in der Presse veröffentlicht.

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29. April 2015

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21

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Z direkt!

Aktiv

Fachmagazin Z direkt! feiert zehnjähriges Bestehen

Das Sprachrohr der Zeitarbeit

Die Z direkt! feiert Geburtstag! Überaus antik klingt „Anno 2005“ noch nicht. Mit dem neuen Jahr 2015 ist das

Verbandsmagazin des iGZ aber tatsächlich schon seit zehn Jahren das Sprachrohr der Zeitarbeitsbranche.

Im Fokus des Fachmagazins Z direkt! steht die stetige

Aktualität der Inhalte und des äußeren Erscheinungsbildes.

Auch dem wachsenden Stellenwert der Zeitarbeit

wird große Bedeutung beigemessen: Die Z direkt!

präsentiert die vielfältigen Möglichkeiten der Zeitarbeit.

Die kontinuierliche Erhöhung der Auflagen und

die Zunahme privater Abonnenten sprechen für sich.

Neues Layout

Ein erster Wechsel in der Redaktion fand mit Beginn

des Jahres 2007 statt. Simone Kemper übernahm

und änderte das Layout der Z direkt!. In Zusammenarbeit

mit Dr. Jenny Rohlmann koordinierte

Kemper im März 2008 die Jubiläumsausgabe zum

zehnjährigen Bestehen des iGZ. Unter dem Leitsatz

2005 2006 2007 2008 2009

Anfang 2005 erschien die Z direkt! unter der redaktionellen

Leitung von Marcel Speker zum ersten Mal. Neben

den Aktivitäten des Verbandes thematisierte der iGZ

auch die Entwicklung der Zeitarbeitsbranche. Für politische

Perspektiven sorgte unter anderem eine Stellungnahme

des damaligen Wirtschaftsministers Wolfgang

Clement zum iGZ-Bundeskongress 2005: „Wir werden

nicht immer einer Meinung sein, aber die Entwicklung

der letzten Jahre zeigt, dass ein besseres Wahrnehmen

der unterschiedlichen Interessen, der Erwartungen und

der Einschätzungen letztlich der Branche, aber auch dem

Arbeitsmarkt zugute kommt“, äußerte Clement damals.

„iGZ FAIRändert Zeitarbeit“ erschien eine mehrseitige

Chronik, die die Entwicklung von der Interessengemeinschaft

zum Arbeitgeberverband deutscher

Zeitarbeitsunternehmen nachzeichnete.

Eine Ausgabe später begrüßte die Redaktion dann einen

neuen Verantwortlichen: Wolfram Linke übernahm

Mitte 2008 die Leitung der Z direkt! und ist bis heute

Chefredakteur. Mit ihm modernisierte sich Anfang

2013 nochmals das gesamte Layout. Dazu gehörten

auch Aspekte wie die Einführung eines Versandadressen-Fensters.

Damit erleichterte der iGZ nicht nur den

22

» Zehn Jahre Z direkt!: Das sind zehn Jahre

Inspiration, sich differenziert mit mit dem

Thema Thema Zeitarbeit zu beschäftigen.

zu Markus Markus Schwarzing-Hutschenreuter,

Blickpunkt Dienstleistung

Blickpunkt Dienstleistung

»

« «

»

« «

Als buntes Verbandsorgan bereichert die

Z direkt! Z direkt! nun nun schon schon seit seit 10 Jahren 10 Jahren

erfolgreich die Medienlandschaft in der

Personaldienstleistung. Gratulation!

Monika und Peter Gröger, Monika AIP und Peter Gröger, AIP


Aktiv

Z direkt!

Versand, sondern reduzierte auch stark den Papierverbrauch.

Auch inhaltlich geht die Z direkt! mit der Zeit:

Internet-Links und QR-Codes ermöglichen interessierten

Lesern eine eigenständige weiterführende Recherche.

Schwerpunkt

Der inhaltliche Wandel brachte auch eine erhöhte

Nachfrage und damit ebenfalls eine höhere Auflage

der Z direkt! mit sich. Schwerpunkt des Magazins

ist die ebenso fachlich fundierte wie auch anschauliche

Darstellung verschiedenster Themengebiete.

Dabei gilt es, die vielen Facetten der Zeitarbeit übersichtlich

darzustellen. Die Z direkt! stellt alle für die

Zeitarbeit relevanten Berufszweige und Fachbereiche

vor. Zielgruppen des Fachmagazins sind – damals wie

Durch Interviews, Tipps, Tricks, Zahlen und Hinweise

zur Ausbildung der Personaldienstleistungskaufleute

werden Interessierte ausführlich informiert.

Reportagen aus dem Alltag

Ein weiterer Schwerpunkt des Magazins sind aktuelle

branchenrelevante Ereignisse aus Politik und Medien.

Mit Reportagen direkt aus dem Zeitarbeitsalltag wird

das sachliche Thema Zeitarbeit unterhaltsam präsentiert.

Das aktuelle Team des Pressereferats, Wolfram

Linke und Maren Letterhaus, publiziert Artikel, in denen

sich Information und Unterhaltung ergänzen.

Zeitarbeit ist außerdem ein viel diskutiertes Thema in

den Medien. Die Z direkt! dokumentiert und kommentiert

dazu das Bild der Branche in der Öffentlichkeit.

2010 2011 2012 2013 2014 2015

heute – Mitglieder des Interessenverbandes und deren

Kunden sowie Verantwortliche aus Politik, Gesellschaft,

Wirtschaft und Medien.

Mit der Einführung neuer Rubriken wurde 2009 die

Leserfreundlichkeit nochmals erhöht. Dabei wurde

unter anderem das Bild der Zeitarbeit in den Medien

reflektiert sowie der iGZ und seine Arbeit genauer unter

die Lupe genommen. Authentizität war und ist das

Stichwort und wird durch die Darstellung unterschiedlicher

Sichtweisen untermauert. Auch die Nachwuchsförderung

steht immer wieder im Fokus der Z direkt!:

Der TV-Auftritt der Bundesvorsitzenden des iGZ, Ariane

Durian, in der ZDF-Talksendung „Maybrit Illner“ wurde

ebenso aufgearbeitet wie etwa die medialen Auftritte

des iGZ-Hauptgeschäftsführers Werner Stolz.

Aktualisiert wird dabei stets bis kurz vor Andruck des

Magazins. In der Dezember-Ausgabe 2014 etwa wurde

noch kurzfristig das Plädoyer des finnischen Generalanwalts,

Maciej Szpunar, zur Frage nach der Erlaubnis

der Höchstüberlassungsdauer aufgenommen.

Luisa Daldrup

» «

Gute und faire Zeitarbeit – dafür steht der iGZ, und dafür hat sich in den vergangenen zehn

Jahren auch ihr Fachmagazin Z direkt! stark gemacht. So ist die Zeitarbeit für viele Unternehmen

zu einem festen HR-Instrument geworden, um den Flexibilisierungsansprüchen gerecht

zu werden, zu aber werden, auch, aber um dem auch, Fachkräftemangel um dem Fachkräftemangel begegnen begegnen zu können. zu können.

Erwin Stickling, Chefredakteur Personalwirtschaft

Erwin Stickling, Chefredakteur Personalwirtschaft

23


Z direkt!

Aktiv

Erstmals AÜ-Erlaubnis für rumänische Zeitarbeitsfirma

Deutsche Gründlichkeit

in Rumänien sehr geschätzt

Normalerweise interessieren sich deutsche Zeitarbeitsfirmen für eine Niederlassung in den

europäischen Nachbarländern – bei „Europroiect Rosia Montana SRL“ aus Rumänien allerdings war´s

genau umgekehrt. Als erstes ausländisches Zeitarbeitsunternehmen überhaupt hat die aus Rumänien

stammende Firma eine deutsche Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis bekommen.

RA Richard Finckler half Cosmin Campean und Alina

Bitea bei den Behördengängen, RA Stefan Sudmann

(v.l.) überreichte die Mitgliedsurkunde des iGZ.

Der zweite Weg führte den Inhaber Cosmin Campean

dann direkt zum Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen,

wo der Geschäftsführer die Mitgliedsurkunde

aus den Händen des iGZ-Referatsleiters Arbeitsund

Tarifrecht, RA Stefan Sudmann, entgegennahm.

Warum Deutschland? „Die Unzuverlässigkeit meiner

rumänischen Kundenunternehmen hat mich sehr

geärgert und ich suchte nach einer Alternative. Ein

Kollege berichtete mir dann von der Zuverlässigkeit,

Pünktlichkeit und Genauigkeit der deutschen Unternehmen“,

blickt Campean zurück. Er habe seine Mitarbeiter

stets pünktlich entlohnt, aber seine Kunden

in Rumänien tendierten dazu, Rechnungen nicht zu

begleichen. „Keine gute Basis, um wirtschaftlich solide

agieren zu können“, stellt er sachlich fest.

Weiterführende Informationen finden Sie unter:

24

www.ig-zeitarbeit.de/node/12004


tarifvertrag 2015

seite 4

senior-azubi-PrograMMe

seite 7

ErschEint

ViErtEljährlich

Aktiv

Z direkt!

Kurzerhand habe er dann also Kontakt mit der rumänischen

Botschaft in Berlin aufgenommen, um seine

wirtschaftlichen Möglichkeiten im für ihn fremden

Land auszuloten. Die Vertretung empfahl ihm, sich

mit dem Rechtsanwalt Richard Finckler in Verbindung

zu setzen, einem Experten auf diesem Gebiet. Die

Zusammenarbeit klappte reibungslos, Behördengänge

wurden schnell und unbürokratisch erledigt – am

Ende stand die Überlassungserlaubnis, die Campean

im September 2014 erhielt.

Voraussetzungen

„Für ausländische Zeitarbeitsunternehmen“, so Stefan

Sudmann, „gelten für die Erteilung einer Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis

dieselben Bedingungen

wie für jede deutsche Firma auch“. Abzuliefern sei

also eine Kopie des aktuellen Handelsregisterauszuges,

des Gesellschaftsvertrages und der Gewerbeanmeldung.

„Ein Führungszeugnis, die Auskunft aus dem

Gewerbezentralregister sowie die Bescheinigung der

Berufsgenossenschaft gehören ebenso dazu wie die

Bescheinigung der Krankenkassen und die Auszüge

aller Geschäftskonten“, zählt der iGZ-Experte weitere

Voraussetzungen auf. Zu guter Letzt seien auch Muster

des Überlassungs- und des Arbeitsvertrages inklusive

Zusatzvereinbarung für Zeitarbeitnehmer abzuliefern.

Vorläufige Erlaubnis

„Erst wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, gibt´s

eine Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis – allerdings

zunächst nur vorläufig auf drei Jahre befristet“, unterstreicht

Sudmann. In dieser Zeit werde das beantragende

Unternehmen auch genau unter die Lupe

genommen, „und erst wenn der Betrieb einwandfrei

arbeitet, erteilt die Bundesagentur für Arbeit die endgültige

Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis“.

Aktuell kann Europroiect Rosia Montana SRL 300 Mitarbeiter

aus Rumänien vermitteln, bei Bedarf stehen

auf Anfrage bis zu 1.000 Arbeitnehmer zur Verfügung.

Ungefähr die Hälfte des Teams sei qualifiziert.

Fairness und Anständigkeit im täglichen Miteinander

stehen bei Campean ganz oben auf der täglichen Todo-Liste.

Der Gang in die Mitgliedschaft beim Interessenverband

Deutscher Zeitarbeitsunternehmen sei

da nur logische Konsequenz gewesen, ist er sich mit

seiner stellvertretenden Geschäftsführerin Alina Bitea

einig. „Ein solider Tarifvertrag, der Ethikkodex, die

Kontakt- und Schlichtungsstelle sowie professionelle

juristische Beratung und ein umfangreiches Seminarprogramm“,

zählt er einige seiner Beweggründe auf,

sich für den iGZ entschieden zu haben.

Das Recruiting für die Jobs in Deutschland übernehme

Victor Tita in der Funktion als Personaldisponent

im Firmensitz im rumänischen Rosia Montana. Vor Ort

kümmere er sich um die Zeitarbeitskräfte, die dann

in Deutschland eingesetzt werden. Zunächst agiert

das Zeitarbeitsunternehmen hierzulande von Neuss

aus. „Wenn´s gut läuft“, ist der Geschäftsführer optimistisch,

„wollen wir mehrere Standorte in ganz

Deutschland einrichten“.

Wolfram Linke

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Das Magazin für unsere Mitarbeiter

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Z direkt!

Unterwegs

Arbeitsverhältnisse beim iGZ-Landeskongress NRW beleuchtet

Mit Zeitarbeit erfolgreicher

Auch wenn es in den Medien häufig anders dargestellt wird: Der Anteil sogenannter Normalarbeitsverhältnisse

auf dem Gesamtarbeitsmarkt steigt seit 2005. Mit dieser und anderen Statistiken überraschte Dr. Hans-Peter Klös

vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln beim iGZ-Landeskongress NRW in Dortmund.

Dr. Hans-Peter Klös (IW Köln) stellte beim iGZ-

Landeskongress NRW die Entwicklung des Gesamtarbeitsmarktes

vor.

Leider müsse man hinnehmen, dass Zeitarbeit nicht

als Normalarbeitsverhältnis, sondern als atypische Beschäftigung

klassifiziert werde, bedauerte Klös. Umso

wichtiger war es ihm zu betonen,

dass diese

Weitere Kongressthemen auf der iGZ-Homepage:

Die Rolle der Zeitarbeit in der Wirtschaft

Armin Laschet, stellv. CDU-Bundesvorsitzender

atypischen Beschäftigungen Normalarbeitsverhältnisse

keineswegs verdrängen. 2005 waren 40 Prozent

der Erwerbstätigen zwischen 15 und 64 Jahren „normal“

beschäftigt, bis 2013 stieg dieser Anteil auf 46

Prozent. Der Anteil atypisch Beschäftigter sei nahezu

konstant geblieben und lag 2013 bei 14 Prozent

(2005: 12 Prozent). Auffällig sei jedoch, dass die Zahl

der Beschäftigungslosen stark von 35 Prozent auf nur

noch 27 Prozent gesunken sei.

Gesund und sicher in der Zeitarbeit – VBG

Martin Gehrke, stellv. iGZ-Bundesvorsitzender

Fit am Arbeitsplatz

Prof. Dr. Ingo Froböse

Dazu passt die Tatsache, dass mehr und mehr Menschen

eine Anstellung in der Zeitarbeit finden, die zuvor

entweder arbeitslos oder noch nie beschäftigt wa-

Langfristige Beschäftigungen

Aktuelle Brancheninfos

Werner Stolz, Dr. Martin Dreyer (iGZ)

26


Unterwegs

Z direkt!

ren. „Zeitarbeit bietet nicht nur gute Eintrittschancen

in den Arbeitsmarkt, sie erhöht auch die Chancen, länger

im Arbeitsmarkt zu bleiben“, machte Klös zudem

deutlich. In einer Langzeituntersuchung nahm das IW

Köln neu geschlossene Zeitarbeitsverhältnisse unter die

Lupe. Drei Viertel dieser Personen war sechs Monate

später noch sozialversicherungspflichtig beschäftigt,

nach zwölf Monaten waren es immer noch zwei Drittel.

Mit Zeitarbeit erfolgreicher

Zu guter Letzt schaute der Arbeitsmarktexperte auf

die wirtschaftliche Situation der Betriebe, die Zeitarbeitskräfte

einsetzen. Fast 90 Prozent der befragten

Unternehmer gab an, dass Zeitarbeit für die Flexibilität

(sehr) wichtig sei. Das gelte ebenso für Fachkräfte wie

für Helfer. Mit Blick auf den Umsatz dieser Betriebe

stellte Klös fest: Unternehmen mit Zeitarbeitern sind

auf ausländischen Märkten präsenter, haben einen

höheren Exportanteil und sind innovativer.

Strengster Kündigungsschutz

Im europaweiten Vergleich liegt Deutschland mit

einer Zeitarbeitsquote von 2,2 Prozent leicht über

dem Durchschnitt von 1,6 Prozent. Das sei damit

zu erklären, dass Deutschland nach den Niederlanden

den strengsten Kündigungsschutz habe. Zeitarbeit

biete Unternehmen die nötige Flexibilität,

um ihren Personalbedarf der Auftragslage anzupassen,

und stabilisiere auf diese Weise auch die

Stammbelegschaft.

Zu viel Einflussnahme

Trotzdem versuche der Gesetzgeber immer wieder,

Einfluss auf die Zeitarbeit zu nehmen, wunderte

sich Klös. „Ich kenne keine andere Beschäftigungsform,

die so im Fokus des Gesetzgebers steht“,

zeigte sich der Wirtschaftsexperte verständnislos.

Maren Letterhaus

Zur ausführlichen Kongressberichterstattung:

www.ig-zeitarbeit.de/presse/artikel/

vitamin-z-gesunde-zeitarbeit-in-nrw

Beschäftigte nach Beschäftigungsformen

100

90

80

70

60

50

Normalarbeitsverhältnis

40

atypisch beschäftigt

30

20

10

0

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

Selbstständig/mithelf. FA

Sonstige Erwerbstätige

Inaktive

Quelle: IW Köln

27


Z direkt!

Service

VBG plant neues Verfahren für die Zeitarbeitsbranche

Prämienverfahren vereinfacht

Frohe Kunde aus dem Lager der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG): Das Prämienverfahren für

die Zeitarbeitsbranche soll es – in vereinfachter Form – auch weiterhin geben.

„Maßnahmen, die der Vorbeugung von Unfällen und

der Sicherheit am Arbeitsplatz dienen, sollen künftig

prämiert werden“, erläutert der stellvertretende iGZ-

Bundesvorsitzende Martin Gehrke das vorgesehene Procedere.

Nur wer also in Prävention investiere, bekomme

von der VBG anschließend diese Form der Zuwendung.

Modell für sechs Branchen

Bevor es soweit sei, müsse allerdings zunächst noch

die VBG-Vertreterversammlung, die Anfang Juli tage,

dem neuen Verfahren zustimmen. Die VBG-Vertreterversammlung

setzt sich aus Versicherten- und Arbeitgebervertretern

zusammen. Für die Zeitarbeitsbranche

sitzen von Seiten des iGZ Martin Gehrke und iGZ-Geschäftsführer

Dr. Martin Dreyer in der Versammlung.

Insgesamt, so Gehrke, gelte das Prämienmodell dann

für sechs Branchen, die eine hohe Unfallstatistik ausweisen.

Stimme die Versammlung zu, könne die Prämierung

kurzfristig realisiert werden. Gehrke: „Wird

die Investition noch in diesem Jahr getätigt, kann das

Zeitarbeitsunternehmen schon im nächsten Jahr die

Prämie für 2015 bekommen.“ Geplant sei, dass das

Verfahren bei der VBG via EDV umgesetzt werde.

„Dadurch“, so der iGZ-VBG-Experte, „wird sowohl

der personelle als auch der bürokratische Aufwand in

Grenzen gehalten, was besonders für die Zeitarbeitsunternehmen

sehr wichtig ist.“ Für die Zeitarbeitsbranche

bedeute das einen sehr großen Schritt nach

vorn, denn bislang seien die bürokratischen Hürden

doch sehr hoch gewesen und hätten viele davon abgehalten,

einen Antrag auf die Prämie zu stellen.

Dass überhaupt eine Prämie für die Zeitarbeitsbranche

existiert, ist in erster Linie dem Engagement Martin

Gehrkes zu verdanken: Nachdem sich der iGZ 1998

28


Service

Z direkt!

mit der Intention gegründet hatte, die Beitragsgerechtigkeitslücke

für die Zeitarbeit bei der VBG zu schließen,

setzte sich der stellvertretende Bundesvorsitzende

intensiv für das Prämienmodell ein, das erstmalig

2010 in die Tat umgesetzt wurde.

Pilotprojekt

Gehrke, iGZ-Mitglied der ersten Stunde, wurde 2002 als

VBG-Experte in den iGZ-Vorstand kooptiert und suchte

das Gespräch mit der VBG, die daraufhin die Zeitarbeitgeberverbände

erstmals zum Gefahrtarifgespräch einlud.

Die Ausschließlichkeitsregelung wurde aufgehoben

und die Eingruppierung in der Berufs-Kennzeichenliste

(BKZ) neu und sinnvoller strukturiert. Anschließend

stand die höhere Beitragsgerechtigkeit im Fokus.

„Ursprüngliche Idee war, die Zeitarbeit in eigene Gefahrtarifstellen

aufzuteilen. Das ging aber nicht, weil

viele Stellen zu klein gewesen wären, um sich selbst

zu tragen“, erinnert sich das iGZ-Vorstandsmitglied.

Das Prämienverfahren startete 2010 als Pilotprojekt

und lief bis 2013. Ursprünglich musste ein sechsseitiger

Fragenkatalog abgearbeitet werden – für die

Unternehmen ein kaum zu bewältigender Aufwand.

Martin Gehrke, stellv. iGZ-Bundesvorsitzender,

ist Mitglied der VBG-Vertreterversammlung.

Daher machten sich Gehrke und die VBG frühzeitig

Gedanken über eine Vereinfachung, die nun in die

Praxis umgesetzt werden soll.

Wolfram Linke

Der VBG-Beitragsbescheid

Den Beitragsbescheid für das abgelaufene Kalenderjahr

erhalten alle Mitgliedsunternehmen im

April des darauf folgenden Jahres. Beiträge zur

gesetzlichen Unfallversicherung werden am 15.

des Monats fällig, der dem Monat folgt, in dem

der Beitragsbescheid dem Zahlungspflichtigen

bekannt gegeben worden ist (§§ 23 Abs. 3 SGB

IV, 26 Abs. 3 SGB X).

Fällt das Ende einer Frist auf einen Samstag, Sonntag

oder einen gesetzlichen Feiertag, endet die

Frist mit dem Ablauf des nächstfolgenden Werktages.

Auch für den Fall, dass der Unternehmer

Widerspruch gegen den Beitragsbescheid einlegt,

muss der Beitrag fristgerecht gezahlt werden,

denn ein Widerspruch hat keine aufschiebende

Wirkung. Wird dem Widerspruch abgeholfen,

werden zu viel gezahlte Beiträge erstattet. Als Tag

der Zahlung gilt der Tag der Wertstellung auf dem

Konto der VBG. Die VBG erhebt einen Mindestbeitrag,

wenn die individuelle Beitragsberechnung

einen Betrag ergibt, der niedriger als der

Mindestbeitrag ist.

Martin Gehrke, stellv. iGZ-Bundesvorsitzender

Weitere VBG-Informationen zur Zeitarbeit:

www.vbg.de

29


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Gastbeitrag

RA Alexander Bissels

Entscheidungen bislang

mit Augenmaß getroffen

Seit 2012 wurden zwischen dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) und

dem Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) sowie jeweils einer DGB-Gewerkschaft

elf Tarifverträge über Branchenzuschläge für Arbeitnehmerüberlassungen (TV BZ) abgeschlossen.

Die Zeitarbeitnehmer erhalten gestaffelte Zuschläge auf das vertraglich vereinbarte Tarifentgelt,

je nach Branche in unterschiedlicher Höhe und nach unterschiedlichen Zeiträumen des Einsatzes in

dem betreffenden Betrieb. Inzwischen liegen auch die ersten Gerichtsentscheidungen zu tariflichen

Branchenzuschlägen vor, die durchaus im Sinne der Personaldienstleister ausgefallen sind.

dies der Fall ist, ist aufgrund der regelmäßig umfänglichen

tariflichen Kataloge und sich überschneidender

Anwendungsbereiche von verschiedenen Tarifverträgen

nicht immer einfach zu bestimmen. Wesentlich ist

zunächst, dass Dienstleistungsbetriebe des Kunden von

den Tarifverträgen zu den Branchenzuschlägen nicht

erfasst werden (vgl. ArbG Aachen v. 31.07.2014 – 6 Ca

4204/13; ArbG Münster v. 21.01.2014 – 3 Ca 168/13).

Dies gilt auch für industrielle Logistikdienstleistungen,

selbst wenn diese schwerpunktartig vom Einsatzbetrieb

für die Automobilindustrie erbracht werden (vgl.

ArbG Darmstadt v. 16.12.2014 – 9 Ca 420/14; ArbG

Mainz v. 14.01.2015 – 10 Ca 1243/14). Der fachliche

Geltungsbereich erstreckt sich ausschließlich auf Produktions-/Industriebetriebe.

Der Autor, RA Alexander Bissels,

ist Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Voraussetzung für die Anwendung eines TV BZ ist,

dass der Einsatzbetrieb in dessen fachlichen Geltungsbereich

fällt. Entscheidend ist dabei eine rein kundenbetriebsbezogene

Betrachtung. Wird zum Beispiel im

Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung ein Zeitarbeitnehmer

in einem Betrieb der Metall- und Elektroindustrie

eingesetzt, ist der fachliche Geltungsbereich des

TV BZ ME eröffnet. In der Praxis kann sich die Zuordnung

eines Kundenbetriebs zu einem konkreten TV BZ

durchaus als problematisch darstellen. Ob und wann

Ist diese Voraussetzung nicht erfüllt, führt selbst die

unmittelbare Tarifbindung des Kundenbetriebs nicht zu

einer Anwendung eines TV BZ. Diese ist nach dem eindeutigen

Wortlaut der tariflichen Regelungen nur ein

Hilfskriterium, wenn nicht zweifelsfrei festgestellt werden

kann, ob der fachliche Geltungsbereich eines TV

BZ eröffnet ist (vgl. ArbG Stuttgart v. 22.01.2014 – 11

Ca 5441/13; LAG Hamm v. 31.07.2014 – 3 Sa 202/14).

Auch die Argumentation, dass ein Dienstleistungsbetrieb

als Unterfall ein vom Katalog in § 1.2 TV BZ ME erfasster

Hilfs- und Nebenbetrieb zum Hauptbetrieb sein

soll, hilft in der Regel nicht weiter, um den fachlichen

Geltungsbereich eines TV BZ zu eröffnen. Wesentlich

ist dabei die Identität des Inhabers des Hauptbetriebs

und der diesem zuzuordnenden Neben- oder Hilfsbetriebe.

Diese Voraussetzung dürfte aber oftmals nicht

30


Gastbeitrag

Z direkt!

erfüllt sein, wenn der Kunde, in dessen Betrieb die Zeitarbeitnehmer

eingesetzt werden soll, als eigenständiges

Unternehmen selbstständig und unabhängig am

Markt auftritt (vgl. LAG Hamm v. 31.07.2014 – 3 Sa

202/14; ArbG Suhl v. 28.02.2014 – 3 Ca 1587/13).

Deckelung des Vergleichsentgelts

Der vom Personaldienstleister zu zahlende Branchenzuschlag

ist auf 90 Prozent des laufenden regelmäßig

gezahlten Stundenentgelts eines vergleichbaren Mitarbeiters

beschränkt, wenn der Kunde eine entsprechende

Deckelung verlangt. Diese Geltendmachung

kann auch konkludent erfolgen, das heißt durch

schlüssiges Handeln. Ausreichend ist bereits, wenn

der Kunde in Fragebogen des Personaldienstleisters

Vergleichsentgelte von beschäftigten Stammarbeitnehmern

angibt (LAG Hamm v. 28.07.2014 - 17 Sa

1479/13; ArbG Iserlohn v. 11.09.2013 - 1 Ca 903/13).

In der Praxis ist bis zu einer Klärung dieser Frage durch

das BAG trotz dieser positiven Entscheidungen zu

empfehlen, vor dem Beginn des Einsatzes eine ausdrückliche

schriftliche Bestätigung des Kunden einzuholen,

dass sich dieser auf die Deckelung beruft.

Die Bestimmung eines vergleichbaren Arbeitnehmers

beim Kunden, dessen Entgelt letztlich zur Bestimmung

der Deckelung herangezogen wird, erfolgt durch eine

konkrete tätigkeitsbezogene Betrachtung (ähnliche Tätigkeiten,

gleiche Hierarchieebene, vergleichbare Anforderungen)

unter Berücksichtigung von Zusatzqualifikationen

und besonderen persönlichen Merkmalen

(z.B. Dauer der Betriebszugehörigkeit). Bei mehreren

vergleichbaren Arbeitnehmern ist das niedrigste Stundenentgelt

bei der Bestimmung der Deckelung zugrunde

zu legen (LAG Schleswig-Holstein v. 12.04.2014 - 6

Sa 325/13; Bissels, jurisPR-ArbR 21/2014 Anm. 3).

Beruft sich der Personaldienstleister in einem Rechtsstreit

mit dem Zeitarbeitnehmer über die Zahlung von

Branchenzuschlägen auf die tarifliche Deckelung, genügt

der Personaldienstleister seiner Darlegungs- und

Beweislast bezüglich der Höhe des Vergleichsentgelts

zunächst durch die Vorlage der Auskunft des Kunden;

diesem Vortrag muss der Zeitarbeitnehmer sodann substantiiert

entgegentreten (spiegelbildliche Anwendung

der im Rahmen von Equal Pay-Ansprüchen entwickelten

Grundsätze: LAG Hamm v. 13.03.2013 – 1479/13;

LAG Hamm v. 12.11.2014 – 2 Sa 1571/13; Bissels/

Mehnert, DB 2014, 2414).

Fazit

Die tariflichen Bestimmungen zu den Branchenzuschlägen

in der Zeitarbeitsbranche geraten zunehmend

in den Fokus gerichtlicher Auseinandersetzungen.

Die Auswertung der gegenwärtig dazu

ergangenen Recht sprechung verdeutlicht aber, dass

die Gerichte – von einigen „Ausreißern“ abgesehen –

Augenmaß haben walten lassen. Es bleibt zu hoffen,

dass sich dieser „Trend“ fortsetzt, wenn die ersten

Streitigkeiten vom BAG entschieden werden.

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iGZ-Bundesgeschäftsstelle

V.i.S.d.P.: RA Werner Stolz, Hauptgeschäftsführer

PortAL 10 | Albersloher Weg 10 | 48155 Münster

Telefon: 0251 32262-0 | Fax: 0251 32262-100

iGZ-Hauptstadtbüro

Schumannstraße 17 | 10117 Berlin

Telefon: 030 280459-88 | Fax: 030 280459-90

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Aufschwung oder Spaltung?

Perspektiven für den deutschen Arbeitsmarkt

Peer Steinbrück MdB, Bundesminister a.D.

Branchenpolitische Gesprächsrunde: Vitamin Z statt regulativer Überdosis?

Reinhard Dombre, ehem. DGB-Tarifverhandlungsführer für Zeitarbeit,

Sven Kramer, stellv. iGZ-Bundesvorsitzender, Leiter der Tarifkommission

Wirtschaft und Arbeitsmarkt – fit für die Zukunft?

Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer VDMA, Verband Deutscher Maschinen- und

Anlagenbau

Die Rolle der Zeitarbeit in einem modernen Arbeitsmarkt

Prof. Dr. Dr. h.c. Joachim Möller, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und

Berufsforschung, IAB

Flexicurity – Zauberformel oder Herausforderung für die Arbeitswelt der Zukunft?

Prof. Dr. Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE)

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