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Die Botschaft der Wellen

Seemannsgarn, Spökenkiekerei, Fantasie? - Eine Kurzgeschichte über einen Mann am Meer und das Wasser...

Wissbegierde über den

Wissbegierde über den Krabbenfang erst mal gestillt, und er genoss entspannt die ruhigen Tage zu Ende des Oktobers, den blauen Himmel, die weite Landschaft, die Ruhe, und den steifen Wind, der ihm um die Ohren fegte. Trotz des klaren Wetters war es ganz schön kalt hier oben auf dem Deich, und er zog noch mal seine schwarze Wollmütze fester auf die Ohren. Heute zog ihn der kleine Leuchtturm am Ende des Hafens wie magisch an. Seine breiten schwarzen und weißen Ringe leuchteten klar und irgendwie verheißungsvoll in der hellen Sonne und schienen ihm zu signalisieren „Na, nun komm schon her!“ Peter folgte dem stillen Ruf, ja, ihm war so, als könne er gar nicht anders. Seine Füße schienen wie an Schnüren angebunden zum Leuchtturm hingezogen zu werden. Als er näher gekommen war, ließ er seine Augen an dessen dickem Körper nach oben wandern, zur Reling um die schmale Aussichtsplattform ganz oben. Von dort oben musste man ja einen herrlichen Blick aufs Meer und die Küste haben – es wäre eine echte Perspektiverweiterung! Von einer unerklärlichen Spannung erfüllt wanderte er um den Turm herum, und sah zu seiner Freude, dass unten einladend die feste Stahltür offen stand. Ein wettergegerbter, windzerzauster Mann lehnte rauchend daneben an der Wand. Aha, das war wohl der Leuchtturmwärter! Peter begrüßte ihn mit einem kurzen „Moin“ und bat ihn um Feuer, dann standen sie eine Weile schweigend und rauchend nebeneinander und blickten auf 4

die See hinaus. Es war Flut, und das Wasser schwappte träge gegen die braungrünen Steine der Deichbefestigung. „Is ´n scheuener, friedlicher Dag heute, hast Glück!“ unterbrach der Leuchtturmwärter die Stille. „Willst mol mit hoch kommen?“ Peter traute seinen Ohren kaum, als er durch das Pfeifen des Windes hindurch diese Einladung hörte! Der wortkarge Mann hatte wohl seinen stillen Wunsch erraten. Er nickte nur, und einvernehmlich machten die beiden Männer ihre Kippen aus. Dann stiegen sie die schmale eiserne Wendeltreppe hoch und traten nach draußen auf das Gitter der Plattform. Peter stemmte sich gegen den schneidenden Wind und hielt sich am Geländer fest – Mensch, zerrte der Wind hier an einem! Man gut, dass er eine Mütze auf hatte! Und wieder schauten sie beide wortlos lange Zeit auf den diesigen Horizont, auf die verschwommenen Konturen der großen, weit draußen vorbeiziehenden Schiffe, und auf das graue, in langen Wogen in die Hafeneinfahrt flutende Wasser. Peter leckte sich über die Lippen, die von der Meeresluft ganz salzig schmeckten, und überließ sich einfach den Geräuschen des Windes und dem grandiosen Ausblick. Das monotone Sausen des Windes und die graue Weite der See, die sich unergründlich und teilnahmslos vor ihm ersteckte und an der Kim milchig in den Himmel überging, nahmen ihn gefangen und lullten ihn ein. Er vergaß den Mann an seiner Seite, und versank in seinen äußeren und inneren Bildern. 5

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