Alfred Herrhausen - Dieter Schnaas

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Alfred Herrhausen - Dieter Schnaas

Perspektiven&Debatte

Richtig

denken

An diesem Montag vor20Jahren wurdeAlfred Herrhausen ermordet.

Der Sprecher derDeutschenBank verkörperteeinenTyp Manager, wieihn

das 21.Jahrhundertbraucht–und auf den Deutschland seit dessen

Todvergeblichwartet. Eine Würdigungvon Chefreporter Dieter Schnaas.

Wenn man sich heute noch einmal die 32 Reden

undAufsätze durchliest, dieAlfred Herrhausen in

den Siebziger- und Achtzigerjahren verfasst hat,

gewissermaßen seinen Nachlass sichtet,sowie er

testamentarisch versammelt istineinem Band mit

dem programmatischen Titel „Denken –Ordnen –Gestalten“,

weiß man zunächst nicht, was einen am meisten beeindruckt.

Die ideologisch ungetrübte Sauberkeit,mit derHerrhausen auf

eine zunehmend komplexe Moderne blickt? Die sezierende

Schärfe, mitder er seineGedankengliedert undgute Argumente

von schlechten trennt? Die logisch-lustvolle Strenge,mit derer

„Staatsbejahung, Selbstsicherheit undZukunftsoffenheit“ zu Imperativen

verantwortungsvollen Handelnserhebt? Oder istman

am Ende einfach nurverblüfft,dassein Bankmanager überhaupt

von einer „gesellschaftspolitischen Mission“beseelt sein kann –

und fähig zu gedankenschweren Einmischungen ins politische

Geschäft? Was bleibt, ist zweierlei: die rückblickende Freude

über eine Persönlichkeit vonsowacherZeitgenossenschaft –und

die düstere Erkenntnisvom intellektuellen Mangel, an dem die

deutsche Bankwirtschaft seit HerrhausensTod leidet.

Herrhausens frappierende Aktualität drückt sich zunächst

einmal darin aus, dass erdie Ambivalenz der Moderne als ihr

entscheidendesMerkmal respektiertund scheinbarGegensätzliches

mühelos zusammen denkt: Macht und Verantwortung,

Freiheit undBindung,Staat undWirtschaft,Führung undModeration.

Herrhausen weiß,dassdas einenicht ohne dasandere zu

haben ist –essei denn auf Kosten des Gesamtüberblicks, zum

Preis derWirklichkeitsverzerrung. Herrhausen verabscheut Einseitigkeiten,

die„geistige Verengung“ seiner Zunftund ihrerVertreter,den

„Ressortegoismus“, dieFokussierungauf den„Wachstumszwang“,

die „Konzentration auf das Nur-Ökonomische“.

Als Sprecher derDeutschen Bank,der er seit 1985 ist, hatereben

nicht nur die schwarzkünstlerischen Selbstvermehrungskräfte

des Geldes anden Kapitalmärkten, die Verwöhnung seines Instituts

mit ausreichend Eigenkapital und Rendite im Sinn, sondern

auch und vor allem das „Rollenverständnis“ der Banken.

Die gewinnträchtige Bewirtschaftungvon Kapital empfindet er

als selbstverständliche Managerpflicht; die ständige Standortbestimmung

derWirtschaft in derGesellschaft als seinen staatsbürgerlichen

Auftrag.

Alfred Herrhausen lässt keinen Zweifel daran, dass die

Deutsche Bank sich „nicht allein darauf beschränken“ kann,

„gute Geschäfte zu machen“; dass sie im Gegenteil „auf Akzeptanz

angewiesen“ist,jegrößer ihre Gebäude, je abstrakter ihre

Produkte, je globaler ihre Geschäftewerden. Sein unternehmerisches

Handelnstellt er daherunter „dauerndenBegründungszwang“.

Stets ist er um eine „bestimmte Autorität“, um„gesellschaftliche

Verantwortung“ und um die „Auslegung unserer

Funktion“bemüht, alsodarum,„sich undanderen dieBezogenheit

unserer... Einzelaufgabezum Ganzen“bewusst zu machen.

Man könnte auch sagen,dass Alfred Herrhausen derletzte Kapitalist

in Frankfurt ist, derein echtes,ehrlichesInteresseander

Einbettung vonQuartalszahlen in dengesamtgesellschaftlichen

Kontext offenbart: Handlungsreisender und Verantwortungsethiker

in einer Person, zugleich „homo oeconomicus“ und

„zoon politicon“, gleichzeitig Globalmanager und demokratievernarrter

Patriot. Man kann sich Alfred Herrhausen in den

Achtzigerjahren jederzeit als Staatssekretär vorstellen, als Minister,

als Chef der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds,als

Honorarprofessor für Sozialökonomie –oderals Bundespräsidenten.

Die meisten Staatschefs würden die meisten

seiner Redengernehalten.

FOTO: FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG/J.H. DARCHINGER

„DIE WAHRHEIT IST DEN

MENSCHEN ZUMUTBAR“

Mit beinahe kindlicher Zuversicht

glaubt Herrhausen an eine Identität

vonFortschritt undVernunft, an

dieAufwärtsentwicklung einer aufgeklärten

Menschheit. Mit der

Kant’schenAufforderung, das Wissen

zu wagen, verbindet er die

Hoffnung auf eine glückliche

Überwindung vonVorurteilen und

Ideologien, auf die Rationalität einer

Handlungsmoral kraft Verstand,

Evidenz und Erfahrung.

„Richtiges, fehlerfreies Denken“

nennt Herrhausen das. In seinem

ständigen Bemühen umeine „Abbildungvon

Wirklichkeit,sowie sie

ist“, beruft er sich auf den Philosophen

Karl Popper und die Schriftstellerin

IngeborgBachmann: „Die

Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“

Natürlich könnte Herrhausen

sich dabei auch Jürgen Habermasverpflichtet

fühlen; beiden

gilt der „Sachverhalt“ als kommunikatives

Projekt; beide suchen

Alfred Herrhausen

„Wahrheit“ im Konsens vernünftiger

Sprecher; beide wollen einem

„Für michist Geschichte das, was wir tun“

freien Diskurs normative Realitäten

abgewinnen, mit denen dergesellschaftliche

Fortschritt zugleich

bezeugt undformiertwird. Nurauf

diese Weise, im faktenbasierten

Wägen undWiegen derTatsachen undSichtweisen, so Herrhausen,

undimVertrauen auf eineMoral, diebereit ist, sich klug zu

machen, können sich die „Dissonanzen des Fortschritts“, das

„Problem desUmweltschutzes,der Entwicklungsländer,der Frage

derVermögensverteilung“ als produktive, „schöpferische Unruhe“erweisen,als

„Quelle für neue Kraft zur positiven Veränderung,zur

besserenGestaltung... –wennwir es wollen“.

Die ihn am 30. November 1989, an diesem Montag vor 20

Jahren,ermorden,wollen es nicht. Wollen nichtsprechen,nicht

gestalten, nicht verändern.Wollen sich stattdessen, ideologisch

eingebunkert undverpanzert, ihrdunkel-narzisstisches Weltbild

erhalten,ihr Ressentiment retten, ihre monströsen Horizontverengungen

vordem Zugriff derVernunft schützen. Esgehört zur

bösenWahrheit über dieRAF,dasssie mitihren Morden nichts

undwieder nichts erreichen will –außer dass alles bleibt, wiees

ist. Deshalb schlagen dieTerroristen dasGesprächsangebot von

Alfred Herrhausen auf denkbar definitive Weise aus; deshalb

bringen sie mit Alfred Herrhausen weniger ihr Feindbild um,

vielmehr den, der ihr Feindbild zu ruinieren droht. „Herrhausens

Plänegegen dieLänderinder Dritten Welt“,heißtesimBekennerschreiben,

„die selbst inlinksintellektuellen Kreisen als

humanitäre Fortschrittskonzepte gepriesen werden, sind nichts

anderes als derVersuch,die bestehenden Herrschafts- und Ausplünderungsverhältnisse

längerfristig zu sichern.“ Das ist nicht

fest und entschieden formuliert,sondern despotisch und doktrinär

–und zeugt von einer noch größeren Kommunikationsstö-

Abscheuvor der geistigen

Verengung seiner Zunft

rung und Sprachlosigkeit als die

Bombe, die Alfred Herrhausen

dasLeben kostet. Es istdeshalb so

verständlich wie sinnlos, dass die

Angehörigen der Ermordeten

noch immer auf eine Erklärung

der Mörderwarten, dass namentlich

Traudl Herrhausen, die zweite

Ehefrau des Opfers, den „Mördern

meines Mannes“endlich „in

dieAugen sehen“ will. Die Terroristen

haben –vielleicht niemals

deutlicher als im Falle vonAlfred

Herrhausen –das,was siezur „positiven

Veränderung“ und „besseren

Gestaltung“ der Gesellschaft

beizutragen hatten, ein für

alle Mal gesagt: mitihren Waffen.

Der Rest war, ist und bleibt

Schutzbunkerschwätzerei, Stadtguerillasermon

und Häftlingsbefreiungsschleim.

SCHULDENERLASS,

BANKENMACHT, MAUERFALL

Alfred Herrhausen braucht nicht

mehr als viereinhalb JahreZeit an

der Spitze der Deutschen Bank

und vier große Themen und Ereignisse,umzueiner

Legende zu

werden. Mit seinem Plädoyer für

einen Schuldenerlass, mit seinem

Interesse an globalen Fragen,mit

seiner Offenheit in Fragen der

Bankenmacht und mit seiner Klarsicht inden Wochen nach

dem Mauerfall sichert ersich ein Maß an öffentlicher Anerkennung,wie

sie einem deutschen Unternehmenschef seither nicht

mehr zuteilwurde.

Als Herrhausen Ende September1987auf derJahrestagung

derWeltbank in Washington vordie Presse tritt,verwirfterplötzlich

diebis dahingängige Politik desbilligen Geldes,die dieEntwicklungs-

und Schwellenländer zur Aufnahme immer neuer

Kredite undzur BegleichungimmerneuerZinsen,kurz: ins Joch

des ewigen Schuldendienstes, zwingt. Herrhausen spricht von

einem „anderen Lösungsansatz“ –und davon, dass auch die

„Banken gewisse Opfer bringen“ müssen. Während Eine-Welt-

Engagierte ihren Ohren nicht trauen, westliche Regierungsvertreter

voreinem „Präzedenzfall“warnen und deutsche Bankvorstände

eine „Schnapsidee“ weglachen, tritt Herrhausen in den

folgenden Wochen sachlich, kühl und überlegt den Beweis für

die „Richtigkeit“ seines Denkens an: Esgehe darum, dass die

Schuldnerländerihre Kreditwürdigkeit und„Marktqualität“zurückgewännen,

so Herrhausen,„was viele zukünftige geschäftlicheMöglichkeiten

eröffnet“.Herrhausen istganzbegeistertvon

„Debt Equity Swaps“, diedie Umwandlungvon Schulden in Beteiligungskapital

erlauben –odervon „Debt for Nature Swaps“,

mitdenen sich derSchuldenverzicht an dieEinhaltungvon Umweltschutzzielen

knüpfen ließe: „Denken wirnur an dieUrwaldgebiete

oder die afrikanische Savanne“, soHerrhausen: „Wäre

hier nicht eine Sichtweise angebracht, wonach solche Groß- »

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WirtschaftsWoche I30.11.2009 INr. 49 125

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Perspektiven&Debatte |Alfred Herrhausen

Kost-Bar

{ Alles oder nichts }

» biotope den Ländern,auf derenTerritorien sie liegen, gleichsam

als Treuhandgut der ganzen Menschheit überantwortet

sind, weil die gegenseitige Abhängigkeit aller auf dem Raumschiff

Erde, auf dem wir leben, gerade inder ökologischen Herausforderung

in nichtzuüberbietender Weisesichtbar wird?“

Herrhausen ist kein Träumer. Kaum hat erdie Biotop-Idee

eingeführt, stellt er klar, dass esselbstverständlich „keinen...

Konflikt zwischen Marktwirtschaft und Umweltschutz“gibt, im

Gegenteil: „Effizienter Umweltschutz

ist erst möglich durch den

Einsatz marktwirtschaftlicher Instrumente,

die den Preismechanismus

und damit das Eigeninteresse

des Verursachers zur Linderung

der Umweltprobleme nutzen.“

Auch der Vorwurf, dass die Deutsche

Bank bereits einen Großteil

ihrer Kredite an die Schuldnerländer

abgeschrieben habe und sich

einen Wettbewerbsvorteil verschaffen

wolle, ficht Herrhausen nicht

an:Das Wohlergehenseines Unternehmens

schließt die Sorge um

denPlaneten nichtaus.

Herrhausen ist sich der Kritik

an dereminenten Macht der DeutschenBankjederzeit

bewusst.Aber

er sieht überhaupt nicht ein, sich

dieser Macht zuschämen. „Ja,wir

haben Macht“, pflegt er zu tönen,

während die Kollegen lieber „Einfluss“

flüstern–dasEntscheidende

sei doch wohl,wie verantwortungsvoll

man mit Macht umgehe. Herrhausen

warnt dieDeutschen davor, einen „Popanzaufzubauen“;

schließlich seisein Institut im Weltmaßstab alles andereals „omnipotent“.Das

stimmt –einerseits.Andererseits istdie Deutsche

Bank im Inland schondamals derunangefochteneBranchenprimus.

Die Vorstände undDirektoren sitzen in 400 Aufsichtsräten;

dieBankselbstist unter anderem an Daimler-Benz (28 Prozent),

Klöckner (100), Holzmann (35), Karstadt, Horten (je 25), Roland

Berger (75) und Südzucker (23) beteiligt. In Berlin erzählt

man sich, dass Herrhausen 1983 die Regierungserklärung von

Helmut Kohl mitverfasst hat. Herrhausen selbst ist von Hybris

nicht frei, rückt sich in die Nähe eines Sonnenkönigs: „Die

Macht derBanken, ...das binich.“Als Manager kalkulierterkühl

sein Gewicht: „Die Wirtschaft ist gut beraten, wenn sie kompetenten

Sachverstandabruft.“Als Citoyengibterzubedenken:

„Was den rationalen Diskurs über solche Fragen so schwierig

macht, ist der suggestive Charakter der Sprache. Wenn von

Macht die Rede ist, klingt immer gleich der Verdacht von

Machtmissbrauch durch.“Sicher,sagt Herrhausen: „Man muss

Macht auch wollen.“ Sein letztes Motiv aber, bei allem,was er

tue, sei„dasBemühen,einen optimalen Sachbeitrag zu leisten“.

Als die Mauer fällt,ist Herrhausen sogleich zur Stelle. Während

Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) zehn Tage

nach der Grenzöffnung von „zwei deutschen Staaten“ spricht,

die inder Europäischen Gemeinschaft aufgehen sollen, empfiehlt

Herrhausen der Politik, die „Wiedervereinigung“ jetzt offensiv

zuwollen: „Warum hat sich das alles so ergeben in der

Herrhausen, Mexikos Finanzminister Moctezuma (1977)

„Auchdie Banken müssen gewisse Opfer bringen“

Lust an der positiven

Gestaltung seiner Zeit

DDR...? Weil dieMenschen... ein anderesSystem wollen. Wenn

dassoist,dannsollten wirnichts tun,was diesen Schwung erlahmen

lässt.“ Herrhausen hat nicht den leisesten Zweifel ander

Überlegenheit von Marktwirtschaft und Demokratie; die Ereignisse

selbst sind ihmder Beweis dafür.„Geschichte“hat für Herrhausen

kein Ziel undkein Ende,ist nurals Prozessverstehbar, als

evolutionäre Entwicklung, die sich offenbart in dem, was wir

tun. Herrhausen widerspricht daher entschieden Francis Fukuyamas

Steilthese vom „Ende

derGeschichte“–underfasst den

Kollaps des Ostblocks blitzschnell

als historische Chance,

sich endlich den „wirklichen Problemen

dieses Globus“ zuzuwenden:

„Niemals hat sich die

Menschheit größeren Herausforderungen

gegenübergesehen...,

die Nord-Süd-Problematik, die

technologische Revolution, die

ökologische Frage..., und dies alles

zur gleichen Zeit. Für aktive

Menschen, die etwas bewirken

wollen, isteseineLust, zu leben.“

VOLLENDER UND ÜBERWINDER

DER DEUTSCHLAND AG

Allein als Manager ist Herrhausen

dieses Leben zuweilen eine

Last, ausgerechnet, hier scheitert

er, zumindest teilweise. Im Mai

1988 avanciert erzum alleinigen

Vorstandssprecher derDeutschen

Bank –und siehtals Chefaufseher

bei Daimler tatenlos zu, wie der

Kollege EdzardReuter sich in Stuttgart einen „integrierten Technologiekonzern“

zurechtzimmert. Auch im eigenen Haus, das

damals in etwa so modern ist wie ein britischer Herrenclub,

treibt Herrhausen die „Diversifizierung“ des Geschäfts voran.

Die Zahl derPrivatkundenist auf 5,5 Millionen gestiegen,die Filialen

erwirtschaften 83 Prozent des Gewinns,aberdas Firmengeschäft

lahmt, die Entwicklung innovativer Finanzprodukte

geht zu schleppend voran. Herrhausen drängt auf dieInternationalisierung

der Bank, ihren Einstieg ins Investmentgeschäft, ihren

Umbau zum Allfinanzkonzern, kurz: Er vollendet den deutschen

Ledersessel-Kapitalismus mit der Deutschen Bank als

Spinne imBeteiligungsnetz –und er sucht ihn zugleich zu überwinden

mit dem, was er „banking around the globe, around the

clock“nennt.

ZweiTagevorseinemTodblitzt er mitseinen umfangreichen

Renovierungsarbeiten im Vorstand ab. Herrhausen ist den Kollegen

zu schnell, zu schneidend,zuselbstverliebt; sienennenihn

„Ikarus“ und „Herrgott“, beklagen sich über seine Verantwortungssucht,

seinen intellektuellen Stolz und seinen Hochmut,

ständig darüber zu befinden, werrichtig denkt –und wernicht.

Herrhausen droht mit Rücktritt. Keiner sucht ihn zurückzuhalten.

Am30. November 1989 macht ersich, pünktlich um halb

neun,wie immer, auf denWeg zur Sitzung, dieübersein weiteres

Berufsleben entscheidet. Schmeißt Herrhausen hin? Holt Helmut

Kohl ihn nach Bonn? Zwei Minuten später zünden die Terroristen

dieBombe.


FOTO: PICTURE-ALLIANCE/DPA

PETER ROEHR: OHNE TITEL (OB-20), 1965. FOTO: NACHLASS PETER ROEHR, BERLIN, VG BILD-KUNST BONN 2009. CARTOON: DAVID SIPRESS/CONDÉ NAST PUBLICATIONS/WWW.CARTOONBANK.COM

Kunstin

Serie

Er hat Buchstaben undZahlen

zu Kolonnen aneinandergereiht,

Bild- und Textausschnitte

zu Endlosserien montiert,

Produkte derWarenwelt

zu immergleichen Arrangementsgeformt.

Wohl kein

zweiter Künstler hat mitähnlich

radikaler Konsequenzdie

Wiederholungzum Prinzip seinesWerks

gemacht wieder Frankfurter PeterRoehr. Seine Heimatstadt entdeckt

denKünstler, der1968 im Altervon nur23Jahren starb,nun wieder.Sowohldas

Städel als auchdas Museum für Moderne Kunstzeigen vom 28.November bis 7.

März 2010 Werke Roehrs, die als früher deutscher Beitrag zurPop-Art-Bewegung

geltenkönnenund mit ihrem strengen Formalismus dieErrungenschaftenvon Minimal

Artund Konzeptkunst vorwegnehmen. RoehrsSerien verweigernsichder Forderung

nacheiner individuellen künstlerischen Handschrift. Sie vertrauen auf die meditativeWirkung

der Wiederholungvon Farbenund Formen. Dafür reichengegebenenfalls

auch36Textilknöpfewie sie Roehr für ein Werk ohne Titel aneinandergereiht

hat (sieheFoto).mmk-frankfurt.de, staedelmuseum.de

{ TheNew Yorker }

„The subjectoftonight’sdiscussion is:

Whyare therenowomen on this panel?“

Ringering

MitRichard Wagners„Ring“

istnicht zu spaßen –seine

Gralshüter stellen jede Deutungunter

Entweihungsverdacht.Und

doch sind jetzt

zwei Auslegungenerschienen,

dieden Einzug in Walhall

schaffen:Dirigent Christian

Thielemann versetztuns mit

seiner organisch fließenden

Lesartzurück ins19. Jahrhundert,

als Wagnersgroße Fragen

nochunironisch verhandeltwurden.

Zubin Mehtaund

diespanischeTheatertruppe

La Fura delsBaus hingegen

bieten ein audiovisuelles

Spektakel,das digitalästhetisch

ins21.Jahrhundert

weist. Jene Zeitreisesollte

man gehörthaben (14 CDs;

Opus Arte,122 Euro); diese

Zeitreisemuss man sehen und

hören (DVDsbei CMajor).

Cabrio oder SUV?

Am liebsteneinensportlichen

Roadster–mit zwei kleinen

Mädchenist aber gerade

Kombi angesagt.

Apartment oder Villa?

Da binich ganz unbescheiden:

Eine Villa in derToskana wäre

nicht schlecht.

Fitnessstudiooder Waldlauf?

GeradeimWinter –Fitnessstudio,abund

zu mit dem

Mountainbike in denWald.

Buch oder DVD?

Buch.Gerne auchmal ein

Radmagazin.

Parisoder London?

Ichhabedrei Jahre in Paris

gelebt–keine Frage.

Kragen offenoder Krawatte?

Auf jedenFallKrawatte,

freitags aber „oben ohne“.

Maßschuhe oder Sneakers?

Am liebstenSneakers,

aber natürlichnur privat.

Kai Friedrich,

CEO derBank Cortal Consors

Rotwein oder Weißwein?

Weißwein,vorzugsweise

einenSancerre.

Jazz oder Klassik?

Zum RelaxenNew Classics.

Mountainbikeoder Rennrad?

Mit demRennrad ins Büro,

mit demMountainbikeüber

dieAlpen.

Stadt oderLand?

Zurzeit vorallemdas schöne

südlicheUmland von

Nürnberg.

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Nr.49I30.11.2009 IWirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche I30.11.2009 INr. 49 127

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