Fazit - Nad

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Fazit - Nad

TEST VOR-/ENDSTUFEN-KOMBIS

Getrennte

Veranlagung

Bei HiFi-Fans stehen Vor- und Endverstärker-Sets

hoch im Kurs. STEREO testet drei günstige

Kombinationen und erläutert, warum sich die

Auftrennung von Klein- und Großsignalen

nach wie vor lohnt

18 STEREO 4/2010

von Tom Frantzen

Der Verstärker ist das Herz der HiFi-Anlage.

Dabei nimmt er zwei Aufgaben wahr. Zum

einen obliegt ihm die Verwaltung der Signalquellen,

die hier angeschlossen, umgeschaltet,

im Pegel und Impedanz angepasst und – im

Vorverstärkerteil – „aufbereitet“ werden. Hier

werden die Signalspannungen weiter verstärkt,

um schließlich im Endverstärkerteil in Leistung

verwandelt an die dort angeschlossenen Lautsprecher

weitergegeben zu werden. In den niederen

bis mittleren Preisregionen sind praktisch

ausnahmslos integrierte Vollverstärker anzutreffen,

die das alles in einem (Gehäuse) erledigen.

Das ist sehr praktisch und spart sowohl Geld als

auch Aufstellungsplatz.

Sinnvolle Arbeitsteilung

Dennoch sind die klanglich besten Verstärker des

Planeten praktisch immer solche, die sich die Arbeit

aufteilen und als separate Geräte daherkommen,

Vor- und Endverstärker, auch Vor- und

Endstufe genannt. Deren Vorteile sind unbestreitbar,

denn hier hat der Konstrukteur die

Möglichkeit, die filigranen Kleinsignale von den

kräftigen Spannungen und Strömen des Leistungsteils

räumlich komplett zu trennen, ja er

kann sogar mit dem Raumangebot „asen“.

Diese Separation, so intelligent man sie auch

in einem Gehäuse versucht, ist bei getrennten


Komponenten einfacher, die Störabstände,

sprich der Pegel des nutzbaren Signals im Verhältnis

zum Brummen und Rauschen, deshalb

meist besser und das Musiksignal entsprechend

sauberer. Auch werfen getrennte Vor- und Endstufen

nicht selten mehr Anschlussmöglichkeiten,

Ausstattung, Flexibilität und schiere Leistung

in die Waagschale.

In der hier betrachteten Preisklasse um 1500-

2100 Euro sind getrennte Verstärkerzüge zwar

noch alles andere als die Regel. Die drei Duos

von NAD, Rotel und Vincent haben aber durchaus

das Zeug dazu, das zu ändern.

STICHWORT

Kleinsignale:

Hierunter verstehen

wir die zwischen etwa

0,1 mV und 3 Volt

liegenden Signalspannungen

der

Quellgeräte.


TEST VOR-/ENDSTUFEN-KOMBIS

Bärenstarke Emotion

NAD, im audiophilen Bereich eine sichere Bank, stellt mit C165 und C275 der

„BEE“-Linie für knapp 2100 Euro ein fast „unmoralisches“ Angebot auf den Tisch

Rein äußerlich, das kennt man von NAD,

sind die Geräte eher von Understatement

geprägt. Zumindest unterhalb der

Masters-Baureihe ist ein sachlich-dezentes,

aber irgendwie auch zeitloses Design in Graphite

oder Schwarz angesagt.

Unter der „Motorhaube“ dagegen findet

sich im Kontrast dazu gern auch mal die feine

Technologie der großen Geschwister, neben

gekapselten Schaltrelais etwa die verstärkenden

Class A-Module. Ganz besonders

üppig ist dabei die Vorstufe C165BEE geraten,

denn in der Masters-Serie gibt es kein

Zweikanal-Pendant, dem sie zu nahe kommen

könnte.

So geschah es, dass die namensgebende

Entwicklerlegende Björn Edvard

Eriksen, kurz „BEE“, den nach eigener

Aussage „bisher besten Ste-

Die NAD-Vorstufe ist sauber aufgebaut, inklusive der

aus der Masters-Reihe bekannten Class A-Module

20 STEREO 4/2010

reo-Vorverstärker von NAD“ für die „kleine“

Classic-Baureihe konstruierte.

Offenes Ohr für Vinyl-Fans

Neben den bereits genannten Class A-Vorverstärkermodulen,

einer Art optimierter,

diskreter OP-Amps in SMD-Bauteiltechnik

und eigenem Alugehäuse, statteten die dänisch-kanadischen

Kosmopoliten ihr Gerät

mit einer sehr flexiblen – und guten – Phonovorstufe

samt umschaltbarer 40/100/600-

Ohm-Impedanzen (MC) und 220/300/400-

Picofarad-Kapazitäten (MM) aus. Sogar ein

integrierter Kopfhörerverstärker und eine

Tape-Monitorschleife finden sich an Bord.

Der an Zweikanal-Komponenten ebenfalls

eher seltene Subwooferausgang

wird bei

100 Hertz sanft begrenzt.

Alles in allem

soll der – günstigere –

Die Phonostufe erlaubt

umschaltbare Impedanzen

(R) für MC und

Kapazitäten (C) für MM

Der zweite Ausgang ist pegelbar, um sich der Empfindlichkeit

von (Fremd-)Endstufen anzupassen

NAD C165BEE

um €895

Maße: 44x11x30 cm (BxHxT)

Garantie: 2 Jahre

Ausgesprochen fulminant ausgestattete,

messtechnisch überragende und neutralstimmig

klingende Vorstufe der noch bezahlbaren

Spitzenklasse. Die durchdachte Auslegung

der Anschlüsse gestattet zudem ein ungebremstes

Mitwachsen, selbst wenn exotischere

Ausbauten der Anlage folgen.

MESSERGEBNISSE *

Maximale Ausgangsspannung (1 kHz, 1% THD) 17,1 V

Klirrfaktor bei

0,03 | 0,3 | 1 Volt 0,0008 | 0,0003 | 0,0003 %

Intermodulation bei

0,03 | 0,3 | 1 Volt 0,002 | 0,0008 | 0,0008 %

Rauschabstand CD (500 mV, 1 kOhm) bei

0,03 | 0,3 Volt 82 | 102 dB

Rauschabstand Phono

(bei 5 mV/1 kOhm MM, 0,5 mV/10 Ohm MC) 84 | 80 dB

Kanaltrennung bei 10 kHz 55 | 55 dB

Obere Grenzfrequenz (–3 dB) > 110 kHz

Übersteuerungsfestigkeit >> 10 V

Anschlusswerte praxisgerecht

Ausgangswiderstand bei 1 kHz 71 Ohm

Übersprechdämpfung Tuner/CD bei 10 kHz 75 dB

Gleichlauffehler Lautstärkesteller bis –60 dB 1,2 dB

Leistungsaufnahme

Aus | Standby | Leerlauf 0 | < 0,1 | 22 Watt

LABOR-KOMMENTAR: Sehr schnelle, verzerrungsund

rauschfreie Vorstufe. Der Gleichlauffehler des

Netzphase

am Testgerät

Frequenzgang

Klangsteller

Lautstärkepotis ist leider nur

Durchschnitt, der Standby-

Verbrauch dagegen superb.

AUSSTATTUNG

Systemfernbedienung, 6 x Hochpegel, Phono

MM/MC mit vielen Einstelloptionen, Klangregelung,

Kopfhörerverstärker, 2 x Pre Outs

(1 x pegelbar), zusätzlicher Subwooferausgang,

Netzkabel auswechselbar.

ÜBERRAGEND

61%

* Zusätzliche Messwerte und Diagramme für Abonnenten

im STEREO-Club unter www. stereo.de


NAD C275 BEE

um €1195

Maße: 44x15x38 cm (BxHxT)

Garantie: 2 Jahre

Diese Stereo-Endstufe bietet eine hohe Musikalität

und Dynamik, verbunden mit enormen

Leistungsreserven. Hinzu kommt aufgrund

ihrer Ausstattung mit Monobetrieb und

variablem Eingang eine ungewöhnlich hohe

Zukunftssicherheit in „Ihrer“ Anlage.

MESSERGEBNISSE *

Dauerleistung an 8 | 4 Ohm 170 | 167 Watt pro Kanal

Impulsleistung an 4 Ohm 436 Watt pro Kanal

Klirrfaktor bei

50 mW | 5 Watt | Pmax –1 dB 0,0008 | 0,0013 | 0,0042 %

Intermodulation bei

50 mW | 5 Watt | Pmax –1 dB 0,003 | 0,011 | 0,018 %

Rauschabstand bei 50 mW | 5 Watt 85 | 105 dB

Kanaltrennung bei 10 kHz 59 dB

Dämpfungsfaktor bei 4 Ohm 190

Obere Grenzfrequenz (–3 dB, 4 Ω) > 110 kHz

Anschlusswerte praxisgerecht

Gleichlauffehler Lautstärkesteller bis –60 dB –

Leistungsaufnahme

Aus | Standby | Leerlauf 0 |


TEST VOR-/ENDSTUFEN-KOMBIS

Klassisch solide

Im Gegensatz zu anderen Produkten im Portfolio schlägt das Herz der

Nach dem Selbstverständnis des seit

fünf Jahrzehnten erfolgreichen audiophilen

Spezialisten Rotel soll der

Verstärker zwischen Ein- und Ausgang einem

stück Draht gleich sein und das Signal bis auf

die Verstärkung unverändert las-

sen. Entwicklung und Produktion

folgen dabei dem „Balanced

Design Concept“, einer synthetischen

Maxime, die Physik, Elektronik

und Maschinenbau vereinen

soll, um dafür Sorge zu tragen,

dass „die besten Geräte nicht

gleichzeitig die kostspieligsten

sein müssen“. Dabei wird gemäß Rotel mit

grundlegenden Schaltungen begonnen und

ermittelt, welches Teil eine gewollte Funktion

am besten erfüllt. Optimiert wird der Prototyp

durch ein geschultes Team anschließend

stets per Gehör.

Gleich doppelt ist die zweikanalige Vor-/

Endverstärker-Riege im aktuellen Rotel-

Portfolio besetzt. Wir entschieden uns aber

hier für das günstigere Duo, da das andere

mit über 2500 Euro den Rahmen des Testfeldes

gesprengt hätte. Dennoch verblüfft

schon die kleinere Vorstufe RC-1550 für etwa

650 Euro mit Systemfernbedienung, Phono

MM und einem frontseitigen Klinkeneingang

für Media-Player. Eine richtig gute

Idee! Auch die Trennung von Eingangs- und

Aufnahmewahl mag heute unüblich sein, ist

aber dennoch komfortabel und manchem

nach wie vor wichtig. Das Netzteil soll aufgrund

des hauseigenen Ringkerntrafos und

22 STEREO 4/2010

Rotel-Endstufe RB-1552 nach wie vor strikt analog

STICHWORT

Custom Installation:

Maßgeschneiderte

Hausinstallation,

wobei Geräte oft eingebaut

werden. Dann

ist die Ferneinschaltung

praktisch.

Schlitzfolienkondensatoren ultrastabil ausgelegt

sein. Sinnvolle Bi-Amping-Ambitionen

unterstützt die Rotel mit zwei Vorstufenausgängen,

was Y-Adapter erspart.

Class AB-Endstufe

Die zugehörige, mit 850 Euro übrigens

günstigste der hier besprochenen

Endstufen, ist nach

klassischem Muster mit Linear-

Netzteil und Class AB-Verstärkerschaltung

sowie laut Rotel bewusst

überdimensioniertem

Ringkerntrafo aufgebaut. Hochwertige,

selektierte Bauteile wie etwa (Metallfilm-)Widerstände

aus Großbritannien

und den USA sollen für klangliche Höchstleistungen

sorgen. Die RB-1552 bringt immerhin

12,4 Kilogramm auf die Waage und

hält die Herstellerangaben zur Leistung

überaus genau ein. Zum Stromsparen, gezielt

Der hochwertige MM-Phonoeingang ist – sehr

servicefreundlich – als Steckkarte ausgeführt

ROTEL RC-1550

um €650

Maße: 44x10x32 cm (BxHxT)

Garantie: 5 Jahre

Günstiger, dabei sehr gut ausgestatteter und

sauber, mit hoher Detailauflösung klingender

Vorverstärker. Dank Rec Out-Wahlschalter

und Phono MM auch erste Wahl für Aufnahmefreunde.

MESSERGEBNISSE *

Maximale Ausgangsspannung (1 kHz, 1% THD) 10,4 V

Klirrfaktor bei

0,03 | 0,3 | 1 Volt 0,004 | 0,0005 | 0,0002 %

Intermodulation bei

0,03 | 0,3 | 1 Volt 0,008 | 0,0012 | 0,0017 %

Rauschabstand CD (500 mV, 1 kOhm) bei

0,03 | 0,3 Volt 73 | 91 dB

Rauschabstand Phono

(bei 5 mV/1 kOhm MM, 0,5 mV/10 Ohm MC) 80 | – dB

Kanaltrennung bei 10 kHz 40 | 36* dB

Obere Grenzfrequenz (–3 dB) > 110 kHz

Übersteuerungsfestigkeit > 10 V

Anschlusswerte praxisgerecht

Ausgangswiderstand bei 1 kHz 100 Ohm

Übersprechdämpfung Tuner/CD bei 10 kHz 71 dB

Gleichlauffehler Lautstärkesteller bis –60 dB 0,6 dB

Leistungsaufnahme

Aus | Standby | Leerlauf 0 | – | 4 Watt

LABOR-KOMMENTAR: Sehr gute Verzerrungs- und

Praxiswerte, schnelle Signalverarbeitung, präzises

Netzphase

am Testgerät

Frequenzgang

Klangsteller

Poti. *Bei zugeschalteter

Klangregelung etwas

knappe Kanaltrennung.

AUSSTATTUNG

Systemfernbedienung, sechs Hochpegeleingänge,

Phono MM, 2 x Pre Out für Bi-Ampingoder

Subwooferanwendungen, abschaltbare

Klangregelung, Kopfhöreranschluss, Netzkabel

austauschbar. Besonders clever und lobenswert:

der frontseitige Portianschluss

(Klinke).

SEHR GUT

55%

* Zusätzliche Messwerte und Diagramme für Abonnenten

im STEREO-Club unter www. stereo.de


ROTEL RB-1552

um €850

Maße: 44x15x34 cm (BxHxT)

Garantie: 5 Jahre

Kraftvoll-schneller Endverstärker mit sehr hoher

Detailtreue, feiner Detaildefinition, wohldosiertem

Druck und straffer Kontrolle. Ideal

für das Zusammenspiel mit etwas dunkler

timbrierten Lautsprechern.

MESSERGEBNISSE *

Dauerleistung an 8 | 4 Ohm 133 | 215 Watt pro Kanal

Impulsleistung an 4 Ohm 273 Watt pro Kanal

Klirrfaktor bei

50 mW | 5 Watt | Pmax –1 dB 0,004 | 0,006 | 0,007 %

Intermodulation bei

50 mW | 5 Watt | Pmax –1 dB 0,06 | 0,06 | 0,06 %

Rauschabstand bei 50 mW | 5 Watt 87 | 108 dB

Kanaltrennung bei 10 kHz 54 dB

Dämpfungsfaktor bei 4 Ohm 190

Obere Grenzfrequenz (–3 dB, 4 Ω) > 110 kHz

Anschlusswerte praxisgerecht

Gleichlauffehler Lautstärkesteller bis –60 dB – dB

Leistungsaufnahme

Aus | Standby | Leerlauf 0 | – | 18 Watt

LABOR-KOMMENTAR: Recht hohe Leistung mit Reserven,

exzellente Verzerrungs- und Rauschwerte,

schnelle Signalverarbeitung, hoher Dämpfungsfaktor.

12,9 Kiloohm Eingangsimpedanz sind okay, könnten

Netzphase

am Testgerät

aber in ungünstigen Fällen

(mit exotischen Fremdvorstufen)

auch knapp werden.

AUSSTATTUNG

Anschlüsse für zwei Paar Lautsprecher (nicht

umschaltbar) oder vereinfachten Bi-Wiring-

Betrieb. Die hochwertigen Klemmen nehmen

gleichermaßen problemlos Bananas, Gabelschuhe

oder abisolierte Kabelenden auf. Harter

Netzschalter (Front), das Netzkabel ist für

Tuningzwecke austauschbar, eine Trigger-

Ferneinschaltung vorgesehen.

EXZELLENT

56%

aber auch für „Custom Installation“-Einsätze

ist das Trigger-Ferneinschaltsystem hilfreich,

ferner ist auch ein entsprechender Einbausatz

für Racks/Wandintegration erhältlich.

Leicht schlanke Abstimmung

Wie von Rotel nicht anders gewohnt, spielt

die Kombination mit weiträumiger, plastischer

Bühne, insgesamt einen Tick schlanker

und heller als NAD. Feinste Details werden

entsprechend gar noch ein wenig mehr freigestellt

und herausgearbeitet. Dies gilt aber

nicht so sehr für die Klangfarben, etwa die

Materialien der Instrumentenbauer, sondern

eher für die gut verfolg- und ortbaren Einzelereignisse

im Gesamtkontext. So wirkt etwa

das Solo-Saxophon in „Pink Panther“ geradezu

wie mit einem Spot ausgeleuchtet. Bei

den anderen Amps erscheint es prominent,

aber weniger dominant. Letztlich wohl Geschmackssache.

Schön gelingt das Ausschwingen der Ins -

trumente, dem Rotel genug Zeit lässt. Im

Bass baut die kräftige Endstufe ordentlichen

Druck auf, die beiden Geschwister gehen dynamisch

engagiert zur Sache. In den Stim-

Bis auf den gemeinsamen Trafo ist auch die Rotel-

Endstufe streng als Doppel-Mono-Typ aufgebaut

men wiederum schlägt die leichte Helligkeit

in der Tonalität erneut durch. Auch das für

sich genommen gute Fundament wirkt von

allen drei Verstärkergespannen am filigransten,

wenngleich auch am feinsten verästelt.

Detailfans werden das unbedingt zu schätzen

wissen.

Nils Lofgren profitiert an dieser Stelle von

einer ausgesuchten Paarung mit einem leicht

dunkel timbrierten Lautsprecher. Probieren

sie mal eine Monitor Audio GS60 (STEREO

8/09, 3000 Euro) oder eine PMC GB1i (STE-

REO 7/09, 1800 Euro). Gut kombiniert spielen

die beiden Rotels absolut top!

Vertrieb: B&W Group

Tel.: 05201/87170, www.rotelhifi.de


TEST VOR-/ENDSTUFEN-KOMBIS

Frontantrieb mit Röhre

Die deutsche Marke Vincent setzt auf die Synergie aus Röhrencharme

Charmant, warm, nie nervig – das sind

Attribute, die man gemeinhin mit der

Verstärkerröhre assoziiert. Auch wenn

dies unserer Erfahrung nach eine allzu stereotype

Sicht ist, ein wenig Wahrheit steckt

darin. Zumindest setzt Röhrentechnik mitunter

eine Signatur ins Klangbild, die nicht

selten als ideale Ergänzung ange-

sehen wird. Diese, wenn man so

will, „klangliche Anreicherung“

in der Vorstufe anzusiedeln ist

ökonomisch vernünftig, denn

setzt man die Glaskolben in die

Leistungsverstärkung, wird es

schnell sehr teuer und riesig. Vincent

zog es vor, die bis zu 666

Watt Impulsleistung bezahlbar zu realisieren,

spendierte aber auch der Endstufe Röhren

in der Eingangsstufe. Sowohl in der Vorstufe

SA-31 – ungeachtet der schon lieferbaren,

aber freilich fast doppelt so teuren wei-

24 STEREO 4/2010

in der Vor- und schiere Transistor-Power in der Endstufe

Hier, unmittelbar in der Nähe des Alps-Lautstärkepotis,

sitzen die beiden 6N16-

Röhren

STICHWORT

Zweifachtriode:

Auch Doppeltriode

genannter, für Spannungsverstärkung

in

NF-Anwendungen

(HiFi) gern genutzter

Röhrentyp.

terentwickelten SA-31Mk als Einstiegsangebot

weiterhin im Programm – als auch der

Endstufe SP-331 kommen somit je zwei russische

Zweifachtrioden 6N16B, ähnlich der

ECC70, zum Einsatz.

Vincents Schaltzentrale gibt sich klassischpuristisch,

die Front kommt mit wenigen Bedienungselementen

aus, wäh-

rend beim Innenaufbau auf kanalgetrennte

Verstärkerzüge geachtet

wurde. Interessanterweise

aber fällt die gute Stereokanaltrennung

von 51 Dezibel bei Zuschaltung

der Klangregelstufe

auf mäßige 35 dB zusammen.

Die Potis sind auffallend hochwertige

Alps-Typen. Bi-Amping ist bei vorhandener

zweiter Endstufe auch ohne Y-

Adapter möglich, da zwei Vorverstärkerausgänge

zur Verfügung stehen.

Üppiger Leistungsbolide

Sieht man sich den imposanten Endverstärker

SP-331 mit seinen mächtigen Handgriffen

näher an, so kommt man schnell zu dem

Schluss, dass die 19 Kilogramm „Lebendgewicht“

absolut keine Mogelpackung, sondern

den leistungsgerechten Ingredienzien

geschuldet und für 1100 Euro verblüffend

sind. Zwölf Toshiba-Leistungstransistoren,

acht Becherelkos mit insgesamt 80000 Mikrofarad

Siebkapazität und ein üppiger

1000-VA-Ringkerntrafo wurden im stabilen

Ganzmetallgehäuse verbaut. Die Kombination

ist in Schwarz oder Silber lieferbar.

VINCENT SA-31

um €550

Maße: 43x8x27 cm (BxHxT)

Garantie: 2 Jahre

Ein „Prince Charming“ unter den günstigen

Vorstufen ist diese kleinste Vincent mit Röhrenbestückung.

Als reine Hochpegelvorstufe

ist sie dennoch gut ausgestattet und klingt

ganz hervorragend, geradezu verführerisch

emotional und sinnlich.

MESSERGEBNISSE *

Maximale Ausgangsspannung (1 kHz, 1% THD) 6,28 V

Klirrfaktor bei

0,03 | 0,3 | 1 Volt 0,007 | 0,0017 | 0,0048 %

Intermodulation bei

0,03 | 0,3 | 1 Volt 0,014 | 0,0072 | 0,02 %

Rauschabstand CD (500 mV, 1 kOhm) bei

0,03 | 0,3 Volt 67 | 86 dB

Kanaltrennung bei 10 kHz 51 | 35* dB

Obere Grenzfrequenz (–3 dB) >> 110 kHz

Übersteuerungsfestigkeit >> 10 V

Anschlusswerte praxisgerecht

Ausgangswiderstand bei 1 kHz 127 Ohm

Übersprechdämpfung Tuner/CD bei 10 kHz 74 dB

Gleichlauffehler Lautstärkesteller bis –60 dB 1,8 dB

Leistungsaufnahme

Aus | Standby | Leerlauf 0 | – | 22 Watt

LABOR-KOMMENTAR: Exzellente Verzerrungs- und

durchschnittliche Rauschwerte, schnelle Signalverarbeitung,

Lautstärkepoti Mittelmaß. Nur Hochpegel,

kein integriertes Phonoteil. *Bei zugeschalteter

Netzphase

am Testgerät

Frequenzgang

Klangsteller*

Klangregelung mäßige 35 dB

Kanaltrennung und Bassanhebung

in Neutralstellung.

AUSSTATTUNG

Vier Hochpegeleingänge, zweimal Pre Out,

einmal Rec Out, Klangregelung, gehörrichtige

Lautstärkekorrektur (Loudness), Netzkabel

austauschbar. In den Gehäuseausführungen

Schwarz oder Silber erhältlich. Feinsicherung

für Tuningzwecke von außen erreichbar.

ÜBERRAGEND

60%

* Zusätzliche Messwerte und Diagramme für Abonnenten

im STEREO-Club unter www. stereo.de


VINCENT SP-331

<

um €1100

Maße: 43x17x43 cm (BxHxT)

Garantie: 2 Jahre

Ähnlich der passenden Vorstufe, da mit den

gleichen Röhren bestückt, zaubert dieser zudem

sehr starke Endstufen-Bolide eine charmante

Signatur in sein von satten Klangfarben

und Souveränität gekennzeichnetes, flüssiges

Klangbild.

MESSERGEBNISSE *

Dauerleistung an 8 | 4 Ohm 160 | 272 Watt pro Kanal

Impulsleistung an 4 Ohm 333 Watt pro Kanal

Klirrfaktor bei

50 mW | 5 Watt | Pmax –1 dB 0,005 | 0,049 | 0,34 %

Intermodulation bei

50 mW | 5 Watt | Pmax –1 dB 0,02 | 0,195 | 1,18 %

Rauschabstand bei 50 mW | 5 Watt 81 | 101 dB

Kanaltrennung bei 10 kHz 55 dB

Dämpfungsfaktor bei 4 Ohm 250

Obere Grenzfrequenz (–3 dB, 4 Ω) > 110 kHz

Anschlusswerte praxisgerecht

Gleichlauffehler Lautstärkesteller bis –60 dB – dB

Leistungsaufnahme

Aus | Standby | Leerlauf 0 | – | 101 Watt

LABOR-KOMMENTAR: Hohe Leistung bei guten Klirrund

sehr guten Rauschwerten. Die Intermodulationswerte

steigen bei höheren Pegeln kontinuierlich von

gut auf mäßig an. Hoher Dämpfungsfaktor, praxisge-

Netzphase

am Testgerät

rechte Anschlusswerte (47

kOhm Eingangsimpedanz),

schnelle Signalverarbeitung.

AUSSTATTUNG

Anschlüsse für zwei Paar Lautsprecher, die

gleichermaßen Bananas, Gabelschuhe oder

Kabelenden aufnehmen. Feinsicherung von

außen erreich- und austauschbar, harter

Netzschalter, Stromkabel ebenfalls austauschbar.

Keine Trigger-Ferneinschaltung

vorgesehen.

EXZELLENT

60%

Charmante Klangentfaltung

Das Klangbild, das dieses 1650 Euro kostende

Vincent-Gespann in den Hörraum projizierte,

war glaubhaft dimensioniert, wenngleich

ein wenig kompakter als das der beiden

Mitbewerber – und zudem noch etwas

dunkler timbriert, was zum erdig-stämmigen

Gesamteindruck beitrug. Auch die

Klangfarben wirken ein wenig intensiver, gesättigter.

Von Trägheit oder gar Bauchigkeit,

die man mit so einem Charakter gern assoziiert,

ist hier aber nichts auszumachen. Die

Dynamik ist ausgesprochen gut, die Vorstellung

schnell und präzise, allenfalls der knorrig-voluminöse

Bass wirkt um eine kleine

Spur abgerundet.

Dafür arbeiten die Vincents aber wie kein

anderes Duo im Testfeld die in den Instrumenten

verwendeten Materialien heraus.

Metallsaiten von Gitarren flirren, klingen

und schnarren eben metallisch, während ihr

Holzkorpus oder auch der eines Konzertflügels

ein ganz anderes Grund- und Obertonspektrum

hat, das hier mit natürlichem Timbre

reproduziert wird. Auch Gesangsstimmen,

ob männliche oder weibliche, erfahren

eine derart liebevolle Aufbereitung, dass sich

zum Musikgenuss mitunter wie von selbst

die Gänsehaut einstellt.

In

Toshiba-Leistungstransistoren und je Kanal vier

Becherelkos sorgen für Schub, der üppige 1000-

VA-Ringkerntrafo thront zwischen den Kanälen

Sachen Klangfarben und Charme erringt die

aus deutscher Entwicklung und chinesischer

Fertigung stammende Vincent-Kombi somit

einen Etappensieg, auch wenn sie sich in der

Summe aller Klangeigenschaften am Ende

doch dem etwas neutraleren, dabei aber ähnlich

faszinierend musizierenden NAD-Gespann

knapp unterordnen muss.

Sowohl die Vor- als auch die Endstufe von

Vincent können mit ihrer ausgeklügelten

Röhrensektion selbst Fremdanlagen das „gewisse

Etwas“ vermitteln. Natürlich haben wir

auch das gecheckt und „mal quer verbunden“.

Hut ab!

Vertrieb: Sintron

Tel.: 07229/182998, www.vincent-tac.de


TEST VOR-/ENDSTUFEN-KOMBIS

Fazit

Mit einer Verstärkerkombi um 2000

Euro kann man den Grundstein für

eine bezahlbare Topkette legen

Getrennte Verstärkerbausteine sprechen

zweifellos eher den Hobbyisten an als

den Pragmatiker, der lediglich eine gute Lösung

fürs Wohnzimmerregal sucht und keine

„Gerätestapel“ möchte. Letzterer mag mit

einem Vollverstärker tatsächlich oft besser

bedient sein, ihm ist die vorteilhafte Auftrennung

in zwei Komponenten kaum zu

vermitteln. In derselben Preisklasse sind die

Ergebnisse ja auch durchaus vergleichbar, die

Kompromisse im Alltag allenfalls gering und

oftmals durch die Qualität der (integrierten)

Vorstufe beschränkt.

Dennoch glitzert es in den Augen von

Fans, wenn man thematisch auf separate

Endverstärker kommt. Flexibler und letztlich

kompromissloser fährt man tatsächlich oft

mit der Kombination, die sich zudem noch

durch besondere Ausstattung und weitere

Ausbaufähigkeiten hervorzutun vermag.

So lassen sich weitere Endstufen bis hin etwa

zum Tri- oder Quattro-Amping entsprechender

Lautsprecher (z.B. B&W Ur-Nautilus

oder KEF) ebenso vorstellen wie der

Betrieb mit eingeschleiften Prozessoren

leichter realisieren als mit integrierten Verstärkern.

Schwenkt man irgendwann auf Aktivlautsprecher

um, so darf immerhin die se-

SO KLINGT’S NOCH BESSER

Zubehör kann feine Gerätschaften klanglich

nochmals weiterbringen. Das Argument,

der Entwickler hätte sich das schon

überlegt, wenn es etwas bringen würde, zieht

nicht. Denn auch Chip-Tuning beim Auto oder

eine Möbelpolitur veredeln ein von Haus aus

gutes Produkt weiter.

Und so lässt sich nahezu jedes HiFi-

Gerät allein dadurch nach vorne bringen,

indem es mit der korrekten Netzsteckerausrichtung

betrieben wird. Der

– theoretische – Hintergrund für die

praktisch erfahrbare Tatsache ist der,

dass es eine Steckerposition (1) gibt,

bei der das „Stör“potenzial des Gehäuses

gegen Erde niedriger ist. Das

hängt mit den Trafowicklungen zusammen.

STEREO bietet schon seit geraumer

Zeit den Service, dass Sie die richtige,

„heiße“ Phasenseite zumindest

unseres jeweiligen Testexemplars als

26 STEREO 4/2010

parate Vorstufe Steuerzentrale der ansonsten

liebgewonnenen Kette bleiben.

Mit der NAD gewinnt diesen Test – knapp

– die teuerste und am besten ausgestattete

Kombination. Sie ist auch klanglich die universellste,

wenngleich ihr die stellenweise besonders

charmante Vincent dicht auf den

Fersen bleibt. Rotel, preislich die günstigste

und ausstattungsmäßig dazwischen positioniert,

hält gut mit, die leicht helle Diktion erfordert

aber eine umsichtige Lautsprecherwahl.

NAD und Rotel sind übrigens zum Teil

evolutionäre Weiterentwicklungen bereits

bewährter Geräte.

Nicht vergessen sollte man die Qualität des

Verbindungskabels. Bei Vor-/Endstufen

kann man an dieser Stelle noch tunen, denn

gute Kabel sind einer Leiterplattenverbindung

potenziell durchaus überlegen.Allerdings

braucht man zwei Netzkabel.

Fremdgehen erlaubt

Ungeachtet der im jeweiligen Set erzielten

Klangqualität spricht übrigens nichts dagegen,

auch mal Fremdes miteinander zu kombinieren.

Das schwebte zwar dem Entwickler nicht

vor und mag im Regal auch nicht immer ganz

stimmig aussehen, aber uns hat zum Beispiel

das stämmige, voluminös-charmante Klangbild

der Vincent-Endstufe auch im Verbund

mit dem ultrapräzisen NAD-Vorverstärker

noch ausnehmend beeindruckt.

Jeder nach seiner Fasson, denn erlaubt ist

letztlich, was klanglich gefällt. Zudem machen

Experimente Spaß!

2

1 3

KOMMENTAR

Lohnt sich nun die Arbeitsteilung

beim Verstärker?

Meiner Meinung nach auf

jeden Fall! In Ausgabe 9/09

haben wir unter dem Titel

„Hören in Voll/Endung“ festgestellt,

dass es klanglich günstiger sein

kann, statt der Vorstufe einen Vollverstärker

mit einer Endstufe desselben Herstellers

zu paaren.

Doch ist dieses Ergebnis mit Vorsicht zu

genießen. Es stellt die Lösung für den Fall

dar, dass man von einem vorhandenen

Vollverstärker ausgehend schrittweise die

Anlage optimiert oder aber ein gegebenes

Budget optimal ausnutzen muss. Dann

überwiegt der klangliche Mehrwert durch

das Bi-Amping, also den Betrieb mit zwei

Endstufen, die Aufteilung der Klein- und

Großsignale in separate Verstärkerstufen

recht deutlich. Für mich keine Überraschung,

denn das habe ich jahrelang genau

so praktiziert. Man darf sich aber

nichts vormachen. Die in einen Vollverstärker

integrierte Vorstufensektion ist in

den meisten Fällen gegenüber einem separaten

Vorverstärker doch eher eine abgespeckte

Version und birgt zudem den

Nachteil, dass die Nähe des Leistungsteils

(im selben Gehäuse) oftmals ein paar Dezibel

Störabstand kostet. Wer ohne Kompromisse

an die Sache herangeht, kann –

und sollte – auch die Möglichkeit erwägen,

eine vollwertige Vorstufe zunächst mit einem

und später mit einem zweiten Endverstärker

zu betreiben. Nur so ist zudem

kanalgetrenntes vertikales Bi-Amping

möglich. Das ist letztlich der Königsweg

– auch bei mir daheim. Tom Frantzen

Angabe in seinem Testprotokoll finden. Dies

auf die Seite der Wandsteckdose mit einem

230 V-Phasenprüfschraubendreher entsprechend

zu übertragen ist ein Kinderspiel.

Auch für die verwendeten Standardsicherungen

gibt es besser klingenden Ersatz (2)

mit Kupfer- oder Silberkontakten, gern auch

vergoldet. Lieferanten sind AHP, HiFi-

Tuning oder Phonosophie. Der Aufpreis

von wenigen Euro lohnt sich gegenüber

der Originalsicherung deutlich.

Und da der Hochfrequenz-Störnebel

im Handy- und WLAN-Zeitalter immer

feiner und stärker wird, kann es auch

nicht schaden, die offenen Ein- und

Ausgangsbuchsen mit entsprechend

dichten Kappen (3, von Black Forest

Audio, Cardas, Sieveking Sound oder

„Die Nadel“) zu versehen. Alles vermeintliche

Kleinigkeiten, aber durchaus

hörbar. Viel Erfolg!

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