Pflege und Pflegeausbildung in Frankreich - Heilberufe

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Pflege und Pflegeausbildung in Frankreich - Heilberufe

Pflege und Pflegeausbildung

in Frankreich

Arlette Scherrieble - Chauvet

Kongress Pflege 2013 26. 01. 2013

Berlin


Entwicklung der Pflege in Frankreich

Viele Parallelen zwischen Frankreich und Deutschland

Amerikanischer und kanadischer Einfluss in den 1970er

Jahren

Gesetz vom 31. Mai 1978: Anerkennung der „rôle propre“,

„Eigener Rolle“

1981: Verordnung: Vorbehaltsaufgaben

2009: Pflegekammer

2009: Neues Gesetz für die Ausbildung

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1- Berufsbild

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Definition des Berufes

Seit 2004: Aufgaben der Pflegekraft in zwei Artikeln des

Code de la santé publique definiert.

Sie evaluiert den Gesundheitszustand einer Person und

analysiert dessen Pflegesituation.

Sie konzipiert und definiert individuelle Pflegeprojekte, plant

Pflege, führt sie durch und wertet sie aus.

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Definition des Berufes

Französische Pflegekräfte sind sowohl im präventiven,

kurativen als auch im palliativen Bereich tätig, wo sie

Gesundheit fördern, aufrechterhalten oder

wiederherstellen.

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Definition des Berufes

Sie sind an der Gesundheitsedukation ebenso beteiligt wie

an der Begleitung von Patienten und Gruppen in ihrem

Pflege- oder Lebensprojekt.

Sie arbeiten in einem interdisziplinären Team, in

Pflegeeinrichtungen, im häuslichen Bereich, eigenständig

(„Eigene Rolle“) oder in Kooperation mit Anderen.

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Im Rahmen seiner Aufgaben,

hat die Pflegekraft die Pflicht …

die Bedürfnisse des Patienten zu analysieren

eine Pflegediagnose zu erstellen

Behandlungen zu initiieren

die Organisation und die Durchführung der Interventionen zu

planen

die Betreuung und die betreuenden Hilfskräfte sowie das

Material zu beantragen

die Zusammenarbeit nach ihrer „Eigenen Rolle“ zu

ermöglichen

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Pflegerische Tätigkeiten

Verordnungen im Jahr 1981, 1984, 1993, 2004

„Soins sur prescription médicale“:

„Die ärztlich angeordnete Pflege

„Soins du rôle propre“:

Pflege in eigener Verantwortung “

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„Soins sur prescription médicale“:

Ärztlich angeordenete Pflege

Pflegemaßnahmen,

die ohne Anwesenheit eines Arztes zu durchführen sind:

Blutabnahme, Injektionen, Infusionen, Wundverbände

Pflegemaßnahmen,

die das erste Mal von einem Arzt gemacht werden müssen:

Das erste Wechseln einer Kanüle einer Tracheostoma

Pflegemaßnahmen,

die gemacht werden können, wenn ein Arzt abrufbar ist:

Bluttransfusionen, Analgesika in dem Periduralkatheter,

Entfernung eines ZVK, Gipsen

Pflege für KS im OP Bereich

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„Soins sur prescription médicale“:

Ärztlich angeordenete Pflege

Tätigkeiten, die die Anwesendheit eines Arztes erfordern:

Erste Katheterisierung bei einem Mann

Hilfestellung bei ärztlichen Verrichtungen:

Erste Katheterisierung bei einem Mann mit Harnverhalt

Pflege nach einem „Schmerzstandard“:

Die Pflegekraft passt die Schmerztherapie an

Pflege nach einem „Notstandard“:

Die Pflegekraft realisiert alle notwendigen Maßnahmen bis

der Arzt kommt und dokumentiert diese auf einem

„Notfallprotokoll“

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„Soins du rôle propre“:

Pflege in eigener Verantwortung

Grundpflege auf eigene Initiative (alleine oder in

Zusammenarbeit mit der Pflegehelferin):

Körperpflege, Prophylaxen, Messung einfacher Parameter

Anleitungspflege:

Bezogen auf das neues Personal, auf die Auszubildenden

oder die Anleitungspflege für den Patienten und deren

Angehörigen

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„Soins du rôle propre“:

Pflege in eigener Verantwortung

Die Begleitung der Sterbenden:

Seit Januar 2004 haben die Pflegekräfte nach den

Ergebnissen einer Konsensuskonferenz „Empfehlungen

für die Sterbebegleitung“ Aufgaben umzusetzen

Aus- und Fortbildung:

Sie ist ausschließlich von Pflegekräften konzipiert und

organisiert

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„Soins du rôle propre“:

Pflege in eigener Verantwortung

Die fachliche Begleitung und Betreuung der

Krankenschwesterschülerinnen

Die Pflegeplanung und Pflegedokumentation

Die Pflege in Public Health: Seit April 2010 existiert ein

Präventionsprogramm des Gesundheitsministeriums.

Themen sind u.a. die Prophylaxe des Übergewichtes bei

Kindern und Präventionsinterventionen für Jugendlichen

gegen Alkoholkonsum. Diese Beratungen finden im

Allgemeinen im Rahmen eigener Pflegesprechstunde statt.

Die Pflegeforschung und Pflegequalitätssicherung

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Besonderheiten im Beruf

- Infirmière scolaire: Pflege in der Schule

- Infirmière libérale: Pflegekraft in eigener Praxis

- Durchführung von Grippeimpfungen

- Beratungstätigkeiten: Inkontinenzberatung, Suchtprävention,

Beratung bei chronischen Krankheiten

- Ausarbeitung einer Pflegeplanung mit Interventionen:

Persönliches Hilfsprogramm

- Chemotherapie zu Hause

- Kenntnisse in den Bereichen Betriebswirtschaft und

Rechnungswesen sind erforderlich

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2- Reformierte Ausbildung

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Geschichte

Die Ausbildung der Krankenschwestern folgte der

Entwicklung der Medizin.

1633 öffnete die erste Krankenschwesternschule der

damals bekannten Welt, Saint Vincent de Paul.

Bis zum 19. Jahrhundert führten nur Ärzte die Ausbildung

durch und lehrten nur Anatomie, Physiologie und

Pathologie.

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Geschichte

Erst Florence Nightingale erreichte eine andere

Betrachtung des Berufes.

1893: Erste gesetzliche Verordnung

31. Juli 2009: Aktuelles Gesetz zur Pflegeausbildung

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Allgemein

Zugang zur Ausbildung ist die Allgemeine Hochschulreife

Das Pflegestudium dauert 3 Jahre

Die Ausbildung erfolgt generalistisch in Theorie und Praxis

Es ist in den universitären Zyklus (Bachelor-Master-

Doktorat) integriert.

Das Studium orientiert sich zunehmend am Fach „Public

Health“

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Ausbildungsziele

1- Die Studierenden in eine Professionalisierung zu führen,

indem sie ihre Analysefähigkeit, ihre Entscheidungsfindung

und ihr Gesundheitsmanagement im Rahmen der „eigenen

Rolle“ entwickeln können.

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Ausbildungsziele

2- Die Qualifikation der Studierenden durch theoretische und

methodische Kenntnisse zu stärken, eigenes Know-How,

soziale, emotionale und kommunikative Kompetenzen zu

entwickeln, um Autonomie und Verantwortung in ihren

Aufgabenfeldern zu ermöglichen.

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Ausbildungsziele

3- Den Studierenden eine kritische Positionierung im

Umgang mit neuen Situationen zu ermöglichen durch die

Entwicklung einer beruflichen Ethik und einer klinischen

Reflexion.

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Kompetenzenorientierung

Implikation

Erforderliche

Mittel

Gesetze

Erfahrung

Mit

Kompetenzen

handeln

Mobilisierung der Ressourcen

und des Wissens

Berufliche

Situation

Erwartung

eines

Ergebnisses

Theorien Praxis Methodologie

Beziehung/

Soziales

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Merkmale des Curriculums

Das neue Kompetenzenbezogene Curriculum besteht aus

zehn Kompetenzen:

Fünf davon sind „Berufszentriert“:

1- Eine klinische Situation beurteilen und eine klinische

Diagnose im Bereich der Krankenpflege erstellen.

2- Ein Pflegeprojekt konzipieren und durchführen.

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Merkmale des Curriculums

3. Eine Person bei der Ausführung ihrer täglichen Pflege

begleiten.

4. Diagnostische und therapeutische Maßnahmen

konzipieren und umsetzen.

5. Präventive und edukationelle Pflege einleiten und

durchführen.

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Merkmale des Curriculums

Fünf Kompetenzen sind „transversal“ also

„berufsgruppenübergreifend“:

1- Kommunizieren und eine professionelle Beziehung in

einem Pflegekontext aufbauen.

2- Die Pflegequalität analysieren und die eigene Praxis

verbessern.

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Merkmale des Curriculums

3. Professionelle und wissenschaftliche Daten recherchieren

und analysieren.

4. Pflegeinterventionen organisieren und koordinieren.

5. Auszubildende und Berufstätige informieren und schulen.

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Dauer der Ausbildung

Die Studienwoche dauert 35 Stunden.

Theoretischer Unterricht:

1800 Stunden

Pädagogische Begleitung,

Selbstlernzeit, Arbeitsgruppen:

Klinische Praktika:

Persönliche Arbeit:

Ergibt insgesamt:

300 Stunden

2100 Stunden

900 Stunden

5100 Stunden

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Theoretische Ausbildung: Lehreinheiten

Das Curriculum der Ausbildung für das staatliche Diplom

als Pflegekraft besteht aus 36 Fächern in 59 Lehreinheiten,

um eine einheitliche und kohärente pädagogische

Entwicklung zu ermöglichen.

Die Lehreinheiten sind themenbezogen. Sie beinhalten

pädagogische Ziele, Inhalte, Zeitraum, Beurteilungskriterien

und Beurteilungsmodus. Sie sind durch Credit Points

validiert.

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Pädagogische Methoden

Der Unterricht findet in Form von Vorlesungen,

praktischem Unterricht (Reflexion über klinische

Situationen), individueller Arbeit (Recherche für die

Diplomarbeit) Selbstlernzeiten und Integration neuer

Kenntnisse in klinischen Fällen statt.

Die Studierenden besitzen ihr Wissen aus

Situationsanalysen und aus der Fachliteratur. Sie lernen,

ihr Wissen und ihre Ideen auszutauschen und ihren

Aktionen einen Sinn zu geben.

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Pädagogische Modalitäten

Ein Tutor auf Station und ein Lehrer begleiten die Analyse

der Praxis und das Hinterfragen. Dies hilft den

Studierenden, ihre eigene Praxis zu reflektieren.

Die Studierenden bauen ihre Kompetenzen zusammen

mit den begleitenden Lehrkräften auf, in dem sie ihre

Analyse in ihr Portfolio (Nachweisheft) schreiben.

Hierdurch können die eigenen Fortschritte selbst

gemessen werden.

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Ziele der Praktika unter anderen…

Eigene Emotionen zu erkennen und sie zu analysieren,

um eine verpflichtete professionelle Distanz zu schaffen.

Die erforderliche Distanz anzunehmen und eigene

Emotionen bzw. Ängste zu kanalisieren.

Eigenes Gelerntes an den zehn Kompetenzen zu

messen.

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Ziele der Praktika unter anderen…

Eigene Ideen, eigene Meinungen und eigene Praxis mit

denen anderer Professioneller bzw. Studierender zu

vergleichen und zu diskutieren.

Die Ziele für das Praktikum sind mit dem Praktikumsort zu

vereinbaren, je nach den Ressourcen des Ortes. Sie sind

in dem Portfolio eingetragen.

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Portfolio

Die Evaluation der Kompetenzen während des Praktikums

ist kontinuierlich: Ein Portfolio begleitet die Studierenden,

das in jeder Schule / Akademie eigesetzt und somit überall

in Frankreich anerkannt wird.

Jedes Semester wird der Lehrer, der für die pädagogische

Nachbetreuung zuständig ist, mit dem Studierenden eine

Bilanz der neuen erworbenen Fähigkeiten diskutieren.

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Credit Points

• Die Benotung entspricht der Verteilung der Credit Points

im Rahmen des Europäischen Systems zur Anrechnung

im "European Credit Transfer System“ (ECTS).

• Pro Semester werden 30 Credit Points verteilt.

• Das Diplom als Krankenschwester entspricht 180 Credit

Points.

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Das ECTS bietet ein Instrument, um die Transparenz zu

erleichtern und anerkennt die Akademisierung der

Ausbildung.

Diese Anerkennung ist eine Voraussetzung für die

Mobilität der Studierenden innerhalb Europas.

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Ausbildungsvergütung

Die Zulage wird pro Praktikumswoche gesetzt:

23 € im ersten Jahr

30 € im zweiten Jahr

40 € im dritten Jahr

Praktika sind auf der Grundlage ihrer 35 Stunden pro

Woche organisiert.

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Zusammenfassung und Abschluss

Der gesetzliche Rahmen, in dem die Mitarbeiter sich

bewegen, hilft bei der Definition der eigenen Rolle im

Gesundheitswesen, bei der Emanzipation unseres

Berufes und führt zu einer größeren gesellschaftlichen

Anerkennung.

Seit Juli 2012 arbeiten die erste „neuen“ Pflegekräfte nach

dem Ausbildungsgesetz von 2009 auf den Stationen und

ihnen sei zu viel Theorie und nicht genügend Praxis im

Studium vermittelt worden.

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Vielen Dank!

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