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GEWERKSCHAFT ERZIEHUNG UND WISSENSCHAFT • STADTVERBAND KÖLN • KREISVERBAND RHEIN-BERG • AUSGABE 3/2009


Den Dom in Hamburg

habe ich zum letzten Mal vor mehr als 35 Jahren besucht, da war ich

noch ein Wehrpflichtiger in Wentorf. Seit dem 4. Jahrhundert gibt es

den Dom und man findet ihn auf dem Heiligengeistfeld. Nicht immer,

aber doch dreimal im Jahr.

Als ich zum ersten Mal die ›Location‹ für des Foto dieser Ausgabe aufsuchte,

fielen mir sogleich die Parallelen auf: Zuerst vor uns ein großes

Feld, das Deutzer Feld, wie man einem Bauschild entnehmen kann, das

von der ›Aurelis Real Estate Management‹ dort aufgestellt wurde; ihr

gehört das Gelände. Das Feld ist unbebaute Brache, aber es kommt natürlich

auf die Betrachtungsweise an. Aus dem Internet erfahre ich:

»Das Deutzer Feld ist ein urbaner Raum, den es nicht

mehr oft in deutschen Innenstädten gibt. Hier werden

bestehende Infrastrukturen optimal genutzt: Die

Verkehrsanbindung ist ideal, das Areal hat eine interessante

Fernwirkung und der Zuzug von renommierten

Firmen aus verschiedenen Branchen schafft eine

attraktive Nachbarschaft. Unternehmer mit Weitblick

können hier das Gesicht der rheinischen Metropole

Köln nachhaltig mitprägen.«

Meinem Gesicht bietet sich im Weitblick aber nur ein

trüber Tag mit diffus erkennbaren Wahrzeichen: Rechts

- pflichtgemäß - der Dom, daneben der LVR-Turm, links

die Köln-Arena, das ›Henkelmännchen‹, das Ähnlichkeit

hat mit einer Achterbahn.

Und nun stehe ich hier mit Tuba und plötzlich fährt eine rote ›Raupe‹ ins

Bild, ein ›Fahrgeschäft‹, ganz wie in Hamburg. Denn der Hamburger DOM

ist kein Gotteshaus, sondern ein riesiger Jahrmarkt.

Warum nur ist mir dieser Vergleich in den Sinn gekommen? Das Deutzer

Feld wird kein Feld bleiben, hier wird sich alles ändern, die Bebauung ist

in vollem Gange, in wenigen Jahren wird unser Titelbild ein Zeitdokument

geworden sein. Ein schöner Nebeneffekt, der den unschönen Ort

vergessen machen wird.

Aber Schönheit liegt bekannterweise im Auge des Betrachters, und der

Fotograf freut sich über diese Straßenkreuzung, die ihre Funktion verloren

hat, und über die Straßenschilder, die im Blitzlicht leuchten, und

über die Verkehrsampel, die keinem Autofahrer ein Rot oder Grün signalisiert.

Wir haben nachgesehen, ob sie wohl noch in Betrieb ist.

Thomas Sommerkamp

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Herausgeber: GEW Stadtverband Köln

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14. August 2009

TELEFONISCHE RECHTSBERATUNG

Telefon 02 21 51 62 67

Montag und Donnerstag 17.00 bis 19.00 Uhr

und nach Vereinbarung

In den Ferien:

Landesrechtsschutzstelle 02 01 2 94 03 37

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forum 3/2009

INHALT

Den Dom in Hamburg 2

Impressum und Inhalt

Tarifpolitik

3

EGO Eingruppierungsrunde 4

Qualitätsoffensive KiTa 7

Mitgliederbefragung 8

Delfin 4 10

Praxistest KiBiz

Schulstruktur

12

Verlockende Zweigliedrigkeit 14

Neun Hauptschulen droht das Aus 18

Städtetag: Gymnasium soll bleiben 19

Inklusive Bildung 20

Buchempfehlung 21

Lehrer hoffen auf Übernahme 22

Rechtsberatung 24

GEW-PR Berufskolleg 25

Fachgruppen & Arbeitskreise 26

HIB 27

Führungspersonal gesucht 27

Aktive Ruheständler 28

Lehrerräte 30

Waffenexport 32

Aufruf 34

TEST

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Auszug aus der Rede von Bertold

Paschert (GEW NRW) zu

den warnstreikenden ErzieherInnen

und SozialpädagogInnen

am 6. Mai 2009 auf dem Hans-

Böckler-Platz in Köln

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute sind in über 20 Städten

in NRW 4 bis 5000 Erzieherinnen,

Sozialpädagogen und

SozialarbeitInnen in den

Warnstreik getreten. Sie sind

dem Streikaufruf ihrer Gewerkschaften

verdi und GEW

TARIFPOLITIK

Eingruppierungsordnung

Sozial- und Erziehungsdienst

gefolgt, um ein deutliches

Signal zu setzen. Es geht um

den Wert ihrer täglichen Arbeit

in den Kitas und in sozialpädagogischen

Einrichtungen, in

Jugendämtern und Heimen. Es

geht um zweierlei: um mehr

Geld für eine anerkanntermaßen

gesellschaftlich sinnvolle

und notwendige Tätigkeit und

um den Erhalt der Gesundheit

in oftmals belasteten Arbeitsverhältnissen.

Erinnern wir uns:

Im März 2008 haben wir mit

dem gesamten öffentlichen

Dienst in den Kommunen für

eine Gehaltsforderung demonstriert:

8%, mindestens 200

mehr. Uns war damals auch

klar, dass damit die ungerechte

Bezahlung nicht beseitigt ist.

Deshalb haben wir schon damals

gefordert, unverzüglich

über die Eingruppierung zu

verhandeln. Durch den Wegfall

der Bewährungsaufstiege

im TVöD sind Erzieherinnen,

wenn sie nicht schon vor dem

1.Oktober 2005 im Dienst

waren, in Entgeltgruppe 6 eingruppiert

und bleiben dort. Die

beiden Aufstiege, wie sie im

BAT vorgesehen waren, nach

drei Jahren und dann noch einmal

nach weiteren vier Jahren

wurden ersatzlos gestrichen.

Mit dem Tarifabschluss am

31. März 2008 haben wir zwei

Ziele erreicht: Es gab eine recht

anständige Lohnerhöhung und

SEITE 4

die Arbeitgeber haben zugesagt

– wörtlich – „nach Abschluss

der Tarifrunde 2008“ Verhandlungen

über die Eingruppierung

im Sozial- und Erziehungsdienst

aufzunehmen.

Passiert ist zwischenzeitlich

nicht viel.

Die Arbeitgeber weigern sich

strikt, über eine neue Entgeltordnung

zu verhandeln. Sie

wollen eigentlich nur – wie es

heißt – „unangemessene und

ungewollte Expektanzverluste

im Verhältnis zum abgelösten

BAT“ beseitigen. Sie wollten

also nur über die verloren gegangenen

Bewährungsaufstiege

verhandeln und dies auch nur

insoweit, als dies zu unangemessenen

und ungewollten

Verlusten führt. Ihre Verhandlungsposition

war und ist bis

heute völlig klar: Sie halten

EG 6 für eine Erzieherin für

angemessen und für so gewollt.

Eine Erzieherin verdient nach

ihrer Auffassung nicht mehr

als 1.900 Euro und ist auch

nach 15 Jahren Berufstätigkeit

mit 2.470 Euro gut bedient.

Was die Arbeitgeber in den

folgenden Verhandlungsrunden

im März und April 2009

vorgelegt haben, ist geradezu

entlarvend. Sie haben überhaupt

keine Ahnung von der

pädagogischen Leistung einer

Erzieherin, sie wissen von dem,

wie in Kitas gearbeitet wird,

nichts.


Ihr letzter Vorschlag beinhaltete

eine „Einkommensspreizung“

von EG 6 bis EG 8. In

EG 8 sollte eine Erzieherin

nur in Ausnahmefällen kommen.

Ein Beispiel, wörtlich:

“Betreuung von Personen in

Einrichtungen mit besonderen

integrativen Ansätzen,

deren Umsetzung besonders

hohe Fachkenntnisse erfordert“.

Wir haben uns in der

Verhandlungskommission der

Gewerkschaften gefragt: Was

unterscheidet einen integrativen

Ansatz von einem besonders

integrativen Ansatz? Wer

soll welches Kind aus welchem

Grund wohinein integrieren?

Kann man einen besonders

integrativen Ansatz realisieren

ohne besonders hohe Fachkenntnisse?

Ein zweites Beispiel aus dem

Arbeitgebervorschlag für

Heraushebungsmerkmal,

mit denen einige wenige

Erzieherinnen aus der EG 6

herausgehoben und in EG 8

eingruppiert werden. Wieder

wörtlich: „Besondere pädagogische

Förderung von Kindern

im Elementarbereich“. Gibt es

demnach also Kitas, die nicht

zum Elementarbereich des

Bildungswesens gehören und

deren Erzieherinnen man in

EG 6 stecken kann? Man kann

den Arbeitgebern spätestens

an dieser Stelle nur sagen: Ihr

habt keine Ahnung und es geht

Euch nur um eines: Ihr wollt

TARIFPOLITIK

mit einer dauerhaften EG 6

für die überwiegende Zahl der

Erzieherinnen Geld verdienen.

Würde das so bleiben, würde es

bedeuten, dass eine Erzieherin,

die seit dem Jahr 2005 ihre Beruf

ausübt, 13 Prozent weniger

verdienen als die Kolleginnen

aus BAT-Zeiten. Das sind, über

ein ganzes Berufsleben gerechnet

120.000 Euro weniger. Das

können wir nicht hinnehmen

und das werden wir auch nicht

hinnehmen.

Wir haben uns heute hier versammelt

zu einem Warnstreik

für einen Tarifvertrag zum

Gesundheitsschutz. Das ist

ein wichtiges Thema, und ein

aktuelles Thema dazu.

Die erste wissenschaftliche

Untersuchung zu den

Auswirkungen des Kinderbildungsgesetzes

NRW (KiBiz),

die letzte Woche vorgestellt

wurde, hat ein dramatisches

Ergebnis gezeigt. KiBiz macht

krank und unzufrieden. Die

Erzieherinnen und Erzieher

werden erheblich mehr

belastet. Gut ein Drittel der

Kita-Leitungen gab an, dass

der Krankenstand seit KiBiz-

Einführung gestiegen ist. Rund

57 Prozent der Kolleginnen

und Kollegen sind mit ihrer

pädagogischen Arbeit mittlerweile

unzufrieden und fühlen

sich dadurch stark belastet.

Die Kolleginnen und Kollegen

klagen über Mehrarbeit, erhöhten

Zeitdruck, weniger Zeit

SEITE 5

für Absprachen und weitere

Belastungen in der täglichen

Arbeit. Dies wird auch von

den Eltern so wahrgenommen.

Hinzu kommt eine wachsende

Existenzangst, weil die Kolleginnen

und Kollegen um ihren

Arbeitsplatz fürchten, dies ist

vor allem bei den Kinderpflegerinnen

der Fall, die sich über

eine Vorschrift in der Personalvereinbarung

zu einer Weiterqualifikation

als Erzieherin

verpflichten müssen, weil sie

sonst ihre Stelle verlieren.[…]

Es ist ein offenes Geheimnis,

dass wir den Gesundheits-


schutz in einem Verhandlungspaket

mit der Entgeltordnung

sehen. Die Arbeitgeber hatten

genug Zeit, sich über Fragen

der Eingruppierung Gedanken

zu machen. Seit dem 1. Oktober

2005 war klar, dass die

Vergütungsordnung des BAT

aus dem Jahr 1991 dringend

erneuert werden muss. Es war

zugesagt und im Tarifvertrag

zur Überleitung (TVÜ) auch

festgeschrieben, dass die neue

Entgeltordnung bis Dezember

2006, allerspätestens aber bis

zum 30. September 2007 in

Kraft treten soll. […]

Mit den Vorschlägen, die sie

uns im März und April diesen

Jahres nun endlich gemacht

haben, wollen sie den Konflikt

zur Eskalation bringen.

Sie dachten, dass wir nicht

kampffähig sind, weil die

Entgeltordnung im tarifjuristisch

ungekündigten Zustand

der Friedenspflicht unterliegt.

Mit der Verbindung von

Entgeltordnung und Gesundheitsschutz

sind wir jetzt aber

kampffähig. Wenn die VKA

jetzt versucht, uns mit Gerichtsverfahreneinzuschüchtern,

werden wir ihnen eine

Antwort geben. Und die heißt:

Wenn im TVöD festgelegt ist,

dass man nicht mehr nach

seinem Lebensalter, nicht mehr

nach seinem Familienstand,

nicht mehr nach der Zahl der

Kinder in der Familie, nicht

TARIFPOLITIK

mehr nach der Berufserfahrung

bezahlt wird, also Ortszuschlag

und Bewährungsaufstiege

als wichtige Bestandteile

der Vergütung ersatzlos weggefallen

sind, sondern nur noch

eins für die Bemessung des

Arbeitslohns gilt: der Umfang

und die Qualität der tatsächlich

geleisteten Arbeit.

Und wenn die Arbeitgeber

meinen, dafür sei EG 6 genug

bezahlt, dann machen wir auch

nur noch die Arbeit, die EG 6

entspricht. Das ist dann eine

Qualität von Arbeit unterhalb

des Niveaus der BAT-Vergütung

aus dem Jahr 1991.

Konkret: Mit EG 6, mit einem

Bruttostundenlohn zwischen

11.03 und 14,20 Euro gibt es

keine Beobachtung und Dokumentation

mehr, es gibt keine

individuelle Sprachförderung

mehr, es gibt keine Entwicklungsgespräche

mit den Eltern

mehr. Und alle Termine, die

mit der Grundschule vereinbart

wurden, um die Einschulung

vorzubereiten, werden

abgesagt. Dann machen wir

wieder Kindergarten mit spielen,

singen und basteln. Wer in

der Bezahlung zurück will in

die 80er Jahre, der bekommt

auch nur das was er bezahlt.

Ich will ausdrücklich sagen:

Wir wollen das nicht. Wir

wollen eine Pädagogik auf

SEITE

hohem Niveau. Wir wollen die

Kita-Bildungspläne umsetzen.

Wir wollen jedes Kind optimal

fördern. Wir wollen einen guten

Übergang von der Kita in

die Grundschule. Die Qualität

der Pädagogik ist uns ein hoher

Wert. Ein Wert, dem – und

darauf bestehen wir, und dafür

kämpfen wir - unsere Gehälter

entsprechen müssen.[…]

Gute Bildung und Erziehung

ist unser Verdienst –Gesundheit

am Arbeitsplatz und gute

Bezahlung unser Recht!

EGO heißt das Zauberwort.

EGO steht kurz für Eingruppierungsordnung

Sozial- und

Erziehungsdienst! EGO hat

aber noch eine andere – weit

geläufigere – Bedeutung.

EGO bedeutet „Ich“ im Lateinischen.

Egoist ist ein ich-bezogener

Mensch.

Erzieherinnen und Sozialpädagogen

sind eigentlich nicht

dafür bekannt, Egoisten zu

sein. Doch in dieser Kampagne

sollten sie ihre Zurückhaltung

aufgeben und zu EGOisten

werden.EGO für bessere Eingruppierung

und mehr Geld

für gute Arbeit.

Für ein besseres EGO, halt.

Ich danke Euch fürs Zuhören!


Aktuelle Studie belegt: Personalausstattung

in Kindertageseinrichtungen

völlig

unzureichend - Gemeinsame

Pressekonferenz Paritätischer

Wohlfahrtsverband, Diakonisches

Werk der EKD und

GEW

In deutschen Kitas gibt es zu

wenig Personal, um die in den

Bildungsplänen formulierten

Ziele umzusetzen. Zu diesem

Ergebnis kommt eine aktuelle

Studie, die heute gemeinsam

von dem Paritätischen

Wohlfahrtsverband, dem

Diakonischen Werk der Evangelischen

Kirche Deutschland

(EKD) und der Gewerkschaft

Erziehung und Wissenschaft

(GEW) in Berlin vorgestellt

wurde. Die Verbände warnen

vor einem Bildungs- und Erziehernotstand

und fordern Bund,

Länder und Kommunen zu einer

gemeinsamen „Qualitätsoffensive

in den Kitas“ auf. Auch

die Fragen der Qualifizierung

und Bezahlung pädagogischer

Fachkräfte dürften nicht länger

ausgeklammert werden.

„Qualität in Kindertageseinrichtungen

steht und fehlt mit

den Rahmenbedingungen.

Insbesondere ein guter Betreuungsschlüssel

ist das A und

O für mehr Qualität in Kitas“,

betont Cord Wellhausen,

stellvertretender Vorsitzender

des Paritätischen Gesamtverbandes.

Schon heute sei jedoch

SOZIALPÄDAGOGISCHE BERUFE

Kitas in Deutschland allein gelassen!

Verbände fordern »Qualitätsoffensive Kita«

die Fachkraft-Kind-Relation

vielerorts völlig unzureichend.

Eine anspruchsvolle Bildungs-

und Erziehungsarbeit sowie die

Umsetzung der vorgegebenen

Bildungspläne seien unter

diesen Bedingungen kaum zu

gewährleisten. „Wenn wir die

Rahmenbedingungen in den

Kitas nicht verbessern, werden

alle Bildungspläne Makulatur

bleiben. Wem das notwendige

Werkzeug fehlt, der kann auch

mit der besten Gebrauchsanleitung

nichts anfangen“, kritisiert

Wellhausen. Die Studie belege,

dass über die Qualitätsziele

länderübergreifend weitgehend

Konsens bestehe. Jetzt

sei es an der Zeit, im Rahmen

einer bundesweiten Qualitätsoffensive

sicherzustellen,

dass diese Ziele auch in allen

Kindertagesstätten umgesetzt

werden können, forderte der

Verbandsvize.

„Bildung ist der Schlüssel für

Teilhabe und Gerechtigkeit,

der die Chancen von Kindern

und ihre Zukunftsperspektiven

ganz entscheidend

beeinflusst.“ stellt Dr. Bernd

Schlüter, Vorstandsmitglied

des Diakonischen Werkes der

EKD, fest. „Wer echte Bildungschancen

für alle Kinder

will, muss auch die notwendigen

Voraussetzungen für

die fachliche Umsetzung einer

hochwertigen Bildungs- und

Erziehungsarbeit in Kindertageseinrichtungen

schaffen.“

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Die Diakonie befürchtet, dass

die Bereitschaft, sich für den

Erzieherinnenberuf zu entscheiden,

ohne Veränderung

der Fachkraft – Kind - Schlüssel

in den Kindertageseinrichtungen

drastisch sinken wird

und ein Mangel an gut ausgebildeten

Fachkräften entsteht.

Damit wäre nach Meinung von

Bernd Schlüter das Ziel, gleiche

und gerechte Bildungschancen

für alle Kinder so früh wie

möglich zu sichern, hochgradig

gefährdet.

„Wir brauchen bundesweit

deutlich mehr Erzieherinnen,

um den gestiegenen Anforderungen

gerecht zu werden.

Selbst die engagierteste Erzieherin

kann bei dem derzeit

geltenden Personalschlüssel

die aus den Bildungsplänen

resultierenden 138 Einzelanforderungen

nicht abdecken.

Die Erzieherinnen benötigen

beispielsweise mehr Vor- und

Nachbereitungszeit“, sagte Norbert

Hocke, Leiter des GEW-

Vorstandsbereichs Jugendhilfe

und Sozialarbeit. Die Studie

belege, das neben den Rahmenbedingungen

eine bessere

Bezahlung der Erzieherinnen

wichtig ist. „Der Erzieherberuf

muss attraktiver werden. Sonst

können wir nicht so viele junge

Menschen für diesen schönen

Beruf begeistern, wie notwendig

sind“, unterstrich Hocke.


SOZIALPÄDAGOGISCHE BERUFE

Projekt »Sozialpädagogische Berufe«

von Hildegard Merten

Vor einiger Zeit hat der Kölner

GEW-Vorstand ein Projekt

beschlossen, bei dem die GEW-

Kontaktpersonen an den Schulen

nach ihren Arbeitsbereichen und

ihren Wünschen an die GEW

gefragt wurden. Das Projekt

war so erfolgreich, dass sich der

GEW-Vorstand entschlossen hat,

dies auch auf die Mitglieder des

Fachbereichs sozialpädagogische

Berufe zu übertragen.

Wie bei Befragung der Vertrauensleute

an den Schulen sollten

möglichst alle Mitglieder der

Fachgruppe angerufen und nach

ihren Wünschen befragt werden.

Die Form ist etwas ungewöhnlich,

aber da wir mit der telefonischen

Befragung der GEW-

Kontaktpersonen an den Schulen

sehr gute Erfahrungen gemacht,

haben wir sie übernommen.

Eine kleine Arbeitsgruppe hat

einen Fragebogen entwickelt, bei

dem es einerseits um die Ermittlung

von Daten wie Dienststelle,

Träger der Einrichtung

etc. gehen soll, andererseits um

eine deutliche Verbesserung der

Betreuung der Mitglieder. Denn

die Fachgruppe sozialpädagogische

Berufe ist eine Sammelfachgruppe

mit Beschäftigten

aus allen Fachbereichen: von

der Kita, über die Schule bis zur

Jugend- und Erwachsenenhilfe.

Informationen, die wir bisher

verschickt haben, waren naturgemäß

ungenau und entsprachen

in der Regel den Wünschen und

Bedürfnissen nur eines Teils der

Mitglieder dieser Fachgruppe.

Bei der Befragung sollte ermittelt

werden:

• Wo arbeiten die KollegInnen?

Kita, Offener Ganztag, Schulsozialarbeit,

offene Jugendarbeit,

Wohngruppenbetreuung, Maßnahmen

der Beruflichen Bildung,

usw. ,

• Welche Wünsche haben sie?

bezogen auf die Bearbeitung von

bestimmten Themen (Kibiz, Tarifpolitik,

Sprachstandserhebung,

Sprachförderung, arbeitsrechtliche

Fragen, etc.),

• Wie kann die Zusammenarbeit

innerhalb der GEW verbessert

werden

z. B. mit der Geschäftsstelle, mit

den übrigen sozialpädagogischen

Fachbereichen, mit anderen

Fachgruppen wie Schulfachgruppen,

Erwachsenenbildnern, etc.?

Wie bei den Vertrauensleuten

haben wir auch diese Befragung

nicht selbst durchgeführt. Zwei

Kolleginnen, selbst Sozialpädagoginnen,

haben diese Befragung

mit viel Verständnis für die

Vielfältigkeit in diesem Bereich

übernommen.

Nicole Henn, ehemalige Mitarbeiterin

im Hochschulinformationsbüro

zuständig für den

Fachbereich Sozialwesen, hat

die Ergebnisse ausgewertet und

zusammengestellt:

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In der Fachgruppe „Sozialpädagogische

Berufe“ sind

in Köln 253 Beschäftigte

aus allen Fachbereichen

übergeordnet versammelt,

d.h. von der Kita über die

Schule bis zur Jugend- und

Erwachsenenhilfe.

Um herauszufinden, wie

viele unserer Mitglieder

in welchen Institutionsformen

tätig sind, haben

wir uns für die Methode

einer telefonischen Befragung

entschieden. Ziel dieser

Aktion ist, eine bessere

Betreuung der Mitglieder

in dieser Fachgruppe

gewährleisten zu können

sowie die Mitgestaltung

am Themenangebot. Diese

können wir jedoch erst

nach einer Erhebung der

abwechslungsreichen

Berufsfelder und Themenwünsche

bedarfsgerecht

anbieten.

Im Frühjahr 2008 und

Winter 2009 wurde die

Befragung von zwei Kolleginnen

durchgeführt. Von

140 Mitgliedern war die

Telefonnummer bekannt

und 115 haben wir erreicht.

Von diesen 115 Mitgliedern

befinden sich 84

in einem Arbeitsverhältnis.

Die verbleibenden 31 sind

aus verschiedenen Gründen

wie z.B. Erziehungszeit

(6) oder Arbeitslosigkeit

(5) in keiner Institution


tätig, bzw. sind mittlerweile

pensioniert worden (10).

Die beruflich aktiven Mitglieder

sind in folgende Berufsfelder

zu unterscheiden:

Kita (31), Familienzentrum

(2), OGS (1 GGS) (7), Hort (1),

Wohnheim (7), Berufsvorbereitung

/ Bildungsbegleitung

(5), Schulsozialarbeit (4),

Jugendhilfe (10), Psycholog/In

(2), Kinderschutzzentrum (2),

Selbstständig (3), Sonstige (10)

Daraus lässt sich zusammenfassen,

dass die zwei größten

Gruppen nach Tätigkeitsfelder

der Bereich Kita und Sozialpädagogik

sind und die dritte

Gruppe die OGS.

45 Mitglieder sind in ihrer Einrichtung

als GEW – Mitglied

bekannt und 26 kennen weitere

Mitglieder in der Einrichtung.

Von 17 Mitgliedern wurde die

Kritik geäußert, dass die GEW

sich zu stark auf Lehrerthemen

konzentriert und die Sozialpädagogischen

Themen unterpräsentiert

sind. Um genau

solche Kritiken oder Wünsche

zu erfassen, wurde die Telefonbefragung

durchgeführt, damit

wir unser Angebot möglichst

vielen Bedürfnissen anpassen

können.

Weitere Sozialpolitische Themen

wie Lohndumping in

sozialen Berufen, die teilweise

katastrophale Umsetzung von

OGS und KIBIZ sowie die

Gelderkürzungen im sozialen

Sektor und starke Arbeitsbe-

SOZIALPÄDAGOGISCHE BERUFE

lastung durch enorme Arbeitsverdichtung

beschäftigen viele

ErzieherInnen und SozialpädagogInnen.

Hier wurde

mehrfach der Wunsch nach

gewerkschaftlichem Handeln

geäußert.

Als letztes wurden die persönlichenFortbildungswünsche

und/oder Interessensschwerpunkte

erfragt. Die

Antworten sind sehr unterschiedlich

und umfassend

ausgefallen. So möchte ich nun

einen kurze Zusammenfassung

der genannten Themenwünsche

nennen:

Fachliche Kompetenzen: wie

z.B. Natur-/ Erlebnispädagogik,

Gruppenarbeit, Gesundheitsförderung,

Verhaltensauffällige

Kinder, Frühförderung, Arbeit

mit U-3 Gruppen, Bewegungserziehung

Persönliche Kompetenzen: z.B.

Gesprächsführung, Bewerbungstraining,

Computerkurse

für Bildungsdokumentationen,

Beratungsmethoden, Qualifizierungsmaßnahmen

für

Ergänzungskräfte (KiBiz)

Nach dieser Übersicht wird

deutlich, dass es nicht „die“

Fachgruppe gibt, sondern sie

sich aus Mitgliedern in vielen

verschiedenen Tätigkeitsbereichen

im sozialpädagogischen

Arbeitsfeld zusammensetzt.

Dieser Komplexität an Bedürfnissen

und Themenwünschen

möchten wir zukünftig mit der

Entwicklung bedarfsgerechter

SEITE

Angebote begegnen. Die

Fortbildungswünsche werden

wir bei der Planung folgender

Fortbildungen berücksichtigen.

Weitere Möglichkeiten bietet

die GEW Köln zudem mit den

spezifischen Fachgruppentreffen,

wie z.B. die Fachgruppe

Kita. Brunhilde Seeber hat sich

letztes Jahr der damals inaktiven

Fachgruppe angenommen

und leitet diese seit dem

ehrenamtlich. Dort treffen sich

ca. alle 2 Monate Mitglieder

und Nichtmitglieder aus dem

Arbeitsfeld Kita, um sich über

aktuelle Themen auszutauschen

und zu beraten. Aktuell

wird das Thema KiBiz intensiv

aufgearbeitet und bietet

ErzieherInnen und KinderpflegerInnen

den Rahmen

sich inhaltlich und persönlich

auszutauschen.

Wer sich für eine Fachgruppe

Sozialpädagogik engagieren

möchte oder einfach den Bedarf

nach Kontakten mit KollegInnen

außerhalb des Teams

hat, ist herzlich eingeladen.

mit uns in Kontakt zu treten.


SPRACHSTAND-FESTSTELLUNG

»Hallo, was machen wir hier eigentlich?«

Sprachstandsfeststellung Delfin 4

von Thomas Ridder-Padberg

Als vor ca. 2 Jahren ein kleines

Mädchen in der zweiten Phase

der Sprachstandsfeststellung,

dem sogenannten Pfiffikushaus,

während der 4. Aufgabenstellung

unter dem Tisch

hervorkam und fragte: „Was

machen wir hier eigentlich?“

konnte ich ihm nur antworten,

dass das eine gute Frage sei, die

ich gerne an die Tante Ministerin

weitergeben würde.

Vieles wurde nach der ersten

Durchführung der Sprachstandsfeststellung

im Jahr 2007

kritisiert. Wohlfahrtsverbände

und Gewerkschaften forderten

sogar den Stopp. Daraufhin

versprach das Ministerium

ernsthafte Korrekturen und

Verbesserungen, die nach einer

Evaluation erfolgen sollten.

Doch in Wirklichkeit hat sich

kaum etwas zum Positiven

geändert:

Es gibt zwar ein neues plakativeres

Spielbrett, das ohne

Frage eine Verbesserung

darstellt, doch ist dieses längst

nicht für alle Kinder tauglich.

Vierjährige Kinder empfinden

das Zoospiel außerdem immer

noch nicht als Spiel und langweilen

sich.

Darüber hinaus begann das

zweite Jahr Delfin 4 (2008)

erneut (zumindest in Köln) mit

einer Zeitverzögerung. Für die

Grundschulen in Köln ist jetzt

schon deutlich, dass der Zeit-

aufwand auch im 3. Jahr der

Durchführung wieder immens

hoch sein wird.

Das Ministerium kündigte

letztes Jahr an, dass kein Unterricht

ausfallen solle. Davon

kann allerdings keine Rede

sein, denn zu Unterrichtsausfall

kommt es zwangsläufig,

wenn auch oftmals in versteckter

Form (Klassenaufteilung,

Vertretungskonzepte). Einer

empirischen Erhebung des Personalrates

der Grundschulen

zufolge fielen in Köln im ersten

Jahr bis zu 6000 Unterrichts-

und Förderstunden aus.

Die Art der Auswertung führt

immer noch zu verfälschten

Ergebnissen (die erwünscht

sind, um nicht zu viele Kinder

fördern zu müssen), darüber

hinaus bleiben die Regelungen

der Verfahrensschritte für Eltern

undurchsichtig.

Doch selbst wenn die versprochenen

Verbesserungen greifen

würden, würde sich nichts an

der grundlegenden Problematik

von Delfin 4 ändern.

Natürlich müssen Kinder für

die gesellschaftliche Teilhabe

und einen späteren schulischen

Erfolg hinreichende Sprachkenntnisse

besitzen. Und

natürlich benötigen diejenigen

Kinder, die diese Kenntnisse

nicht besitzen, eine gezielte

Förderung, damit ihre Sprachdefizite

frühzeitig erkannt und

kompensiert werden. Das alles

ist unumstritten, ebenfalls

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die Tatsache, dass der Übergang

vom Kindergarten in

die Grundschule ein zu später

Zeitpunkt für den Erwerb

einer elementaren sprachlichen

Grundlage ist.

Aber wenn wir ehrlich sind,

steht bei allen beteiligten Stellen

die Unzufriedenheit mit

Delfin 4 im Vordergrund: Die

Kinder wissen nicht, warum sie

mit einem Spiel, das man nicht

spielen kann, konfrontiert werden,

warum der Zoowärter immer

wieder an seinen Platz soll,

und warum alle Erwachsenen,

die mitmachen, schlechte Laune

haben. Viele Eltern halten

die Diagnostik für überflüssig

, außerdem erzeugt die Überprüfung,

deren Sinn nicht erkennbar

ist, Ängste bei ihnen,

ihr Kind könne nicht altersgerecht

entwickelt sein. Für alle,

die an den Schulen arbeiten,

ist Delfin 4 ein überflüssiger

Zusatzaufwand - alle Pädagoginnen

und Erzieherinnen in

den Kindertagesstätten haben

andere, mindestens gleichwertige

Diagnostikverfahren zur

Feststellung des Sprachstandes.

Die Schulleitungen wären sicherlich

glücklich über weniger

Zusatzaufgaben und Ärgernisse

im Alltagsgeschäft.

Ein weiteres Problem stellt die

Überprüfung derjenigen Kinder

dar, die keinen Kindergarten

besuchen: einerseits ist dies

einem noch höheren Aufwand

für die Schulen verbunden,


anderseits kommt es bei vielen

dieser Kinder, von denen

sicherlich ein hoher Prozentsatz

Förderbedarf hätte, nicht

einmal zu einer Diagnose.

Prof. Bindel von der Uni

Hannover macht in einem

Brief ans Schulministerium

überdies deutlich, dass viele

Aufgabenstellungen von

Delfin 4 völlig ungeeignet für

Migrantenkinder seien, da sie

ein intensives Sprachgefühl

voraussetzten. Ebenso betont

er, dass die Aufgabenstellungen

keine Alltagsrelevanz für

Kinder hätten und nicht zur

Kommunikation geeignet

seien.

Auch im dritten Jahr der

NRW-Sprachstandsfeststellung

sollten wir das Gesamtpaket

hinterfragen. 28 Mio.

SPRACHSTAND-FESTSTELLUNG

Euro sind bereitgestellt, einschließlich

Diagnostik. Bleibt

die Frage, wie viel Geld denn

in die eigentliche Förderung

gesteckt wurde und welcher

Anteil für Hochglanzbroschüren

etc. ausgegeben wurde.

Wir sollten die materiellen

und personellen Ressourcen

für die Sprachstandsfeststellung

sinnvoller einsetzen,

z. B. für die Verbesserung

der allgemeinen Sprachförderung

unserer Kinder oder

für Fortbildungsangebote für

Erzieherinnen.

In diesem Sinne komme

ich zu der Ausgangsfrage

des vierjährigen Mädchens

zurück und stelle diese Frage

aus Sicht der Schule neu: „Was

machen wir hier eigentlich?“

Bundesrechnungshof

prüft Zuschusspraxis für Kita-Plätze

Der Bundesrechnungshof prüft, ob das Land NRW den

Städten weiterhin rund 17 Millionen Euro Bundesmittel

vorenthalten darf. Mit diesem Geld sollen Kindergartenplätze

für unter Dreijährige geschaffen werden. Das

berichtet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung in Essen

vom Donnerstag. Kommunale Spitzenverbände kritisieren

schon länger, dass von 22 Millionen Euro aus Berlin nur

etwa fünf Millionen bei den Städten ankämen. Die Grünen-

Bundestagsfraktion hat darauf gedrängt, dass der

Rechnungshof den Fall prüft.

Stand: 23.4.2009 WDR

SEITE

Einladung

Supervision

für LehrerInnen

Die GEW bietet zwei

Supervisionsgruppen an,

die sich alle 3-4 Wochen

jeweils Di. bzw. Do. treffen.

Die Termine werden mit den

TeilnehmerInnen und dem

Supervisor jeweils für vier

Treffen vereinbart.

Erstes Dienstags-Treffen nach

den Sommerferien ist

am . . 00 ,

Erstes Donnerstags-Treffen

nach den Sommerferien ist

am 3. . 00

jeweils von .00 bis 0.00

Uhr im Kölner DGB-Haus

(Sitzungszimmer - . OG)

Die Kosten betragen

für 4 Termine

für GEW-Mitglieder 40 Euro,

für Nichtmitglieder 0 Euro.

Moderiert werden die Gruppen

von Frank Schneider

(Systemischer Supervisor (SG)

und IBSO-Köln)

Anmeldungen

bitte im Kölner GEW-Büro: Tel.:

0 -5 ,

Fax.: 0 -5 544 oder

E-Mail: GEW-koeln@netcologne.de

Gewerkschaft

Erziehung und Wissenschaft

Köln


Praxistest KiBiz

von Stefanie Wiegand,

Landtagsabgeordnete der SPD

In der Ausgabe vom 5. März

2009 berichtete die Münsterland-Zeitung

unter der Überschrift

„Praxistest KiBiz“ über

ein dreitägiges Praktikum, bzw.

eine Hospitation des AbgeordnetenBernhard

Tenhumberg

im St.-Marien-Kindergarten in

Vreden. Ihm „ging es darum,

als Politiker mit dem Schwerpunkt

Kinder und Familie

den ‚ganz normalen Alltag’ in

einer Kindertageseinrichtung

zu erleben und die Umsetzung

des ‚KiBiz’, des Kinderbildungsgesetzes,

auf die Praxistauglichkeit

zu testen. Vom

Elternaufnahmegespräch bis

zur Personalsituation.“ Weiter

heißt es: „’Wir haben das

Optimale angenommen - und

die Realität sieht manchmal

anders aus.’ Gemeint ist die

Ausstattung jeder Kindertageseinrichtung

mit zwei Fachkräften,

die das KiBiz vorsieht.

In der Praxis sei dies aber nur

in den Schwerpunktzeiten von

8.30 bis12 Uhr möglich … Das

Rechenexempel des KiBiz bei

den verschiedenen 25-, 35- und

45-Stunden-Buchungen gehe

in der Praxis nun einmal nicht

auf. Für Bernhard Tenhumberg

steht aber fest: ‚In eine

25-Kinder-Gruppe gehören

zwei Kräfte.’ Er sei nun auf die

Probleme hingewiesen worden

KLEINE ANFRAGE 3169

und verfolge das Ziel einer besseren

personellen Ausstattung.

‚Die Erzieherinnen sind wirklich

hoch motiviert und fangen

eine Menge ab. Aber langfristig

müssen von Politik und

Trägern doch bessere Bedingungen

vorgehalten werden.’“

Der Bericht bestätigt die Darstellung

vieler Zuschriften, die

die Abgeordneten, die einzelnen

Fraktionen, den Ausschuss

für Generationen, Familie und

Integration sowie den Landtag

im Allgemeinen erreichen. Sicherlich

wird auch das Generationenministerium

direkt von

vielen Eltern, Erzieherinnen,

Einrichtungsleitungen, Kommunen

und Trägern zur Diskrepanz

zwischen der Absicht

des sogenannten Kinderbildungsgesetzes,

seinem Wortlaut

und dem „ganz normalen

Alltag“ in den Kindertageseinrichtungen

angeschrieben.

Viele Betroffene zeichnen

darüber hinaus in Gesprächen

das Bild von „denen in Düsseldorf

“, die nicht wüssten,was

sich wirklich „an der Basis“

abspielt. Wie das obige Beispiel

zeigt, gibt es aber sehr wohl

Abgeordnete, die sich vor Ort

auf geeignete Weise über die

tatsächliche Situation informieren.

Auch die Landesregierung

greift mitunter erkennbar

Beschwerden und Zuschriften

SEITE

von Betroffenen auf, was insbesondere

in den Planungen für

den Landeshaushaltsentwurf

2009 (ursprüngliche Fassung)

deutlich wurde: Hier haben

nach Auskunft des Ministeriums

viele Eltern Beschwerde

darüber geführt, dass sie nur

eine Betreuungszeit von 25

Stunden buchen wollten, von

den Trägern allerdings in Betreuungsverträge

mit mehr als

25 Stunden gedrängt wurden.

Das Ministerium plante mit

dem Argument der Umsetzung

des Elternwillens den Ausbau

der Plätze für unter Dreijährige

daraufhin so, dass ausschließlich

25-Stunden-Plätze

ausgebaut werden sollten. Die

späteren Korrekturen weisen

allerdings darauf hin, dass

ursprünglich nur bestimmte

Elternmeinungen berücksichtigt

und außerdem recht

einseitig interpretiert wurden.

Das Ministerium schien beim

Entwurf des Landeshaushalts

noch davon auszugehen, dass

sich 25 Stunden beliebig auf

die Arbeitswoche verteilen

ließen und dennoch mit den

Öffnungs- und Arbeitszeiten

der Tageseinrichtungen vereinbar

seien. Damit wurde für

viele Eltern klar, dass sie unter

dem Begriff „Flexibilität“ etwas

deutlich anderes verstehen als

das, was in der Realität daraus

geworden ist.


Vor diesem Hintergrund frage ich

die Landesregierung:

1. Hat die Landesregierung

bereits zur Kenntnis genommen,

dass es Kindertageseinrichtungen

gibt, die nur in den Kernzeiten

zwei Fachkräfte je 25 Kinder

einsetzen?

2. Welche Maßnahmen wird die

Landesregierung für den Fall

ergreifen, dass die angestrebten

Personalschlüssel nicht mit dem

tatsächlichen Personaleinsatz

während der Öffnungszeiten

übereinstimmen?

3. Welche weiteren Hinweise

darauf, dass die Realität in den

Tageseinrichtungen für Kinder in

Nordrhein-Westfalen nicht mit

den Annahmen des sogenannten

Kinderbildungsgesetzes übereinstimmen,

liegen der Landesregierung

vor?

4. Inwiefern wird die Landesregierung

zukünftig bei den

Planungen der Platz- und Personalkapazitäten

den aus der Praxis

vorgetragenen Problemen Rechnung

tragen?

5. In welcher Weise sieht die

Landesregierung ihre Planungen,

das kinderfreundlichste Bundesland

werden zu wollen, durch die

tatsächlichen Personaleinsätze

beeinträchtigt?

KLEINE ANFRAGE 3169

SEITE 3


SCHULSTRUKTUR

Verlockende Zweigliedrigkeit

Kritische Nachfragen und Anmerkungen zum Hamburger Schulkonzept

von Anne Ratzki

Schon viele sind der Verlockung

der Zweigliedrigkeit erlegen:

Wissenschaftler wie Klaus

Hurrelmann, Gewerkschafter

wie Dieter Wunder, SPD PolitikerInnen

wie Gaby Behler und

Jürgen Zöllner, der dafür sogar

die A versprechende Entwicklung

zur Gemeinschaftsschule in

Berlin abgebrochen hat. Dazu

kommt der NRW-Städtetag,

eine lange Liste von Befürwor-

tern in der ZEIT, usw. Die

größte Überraschung ist die

geplante Zweigliedrigkeit in

Hamburg unter Federführung

einer grünen Senatorin, bestanden

die Grünen bisher doch

immer auf einer Schule für alle

Kinder. Was versprechen sich

Wissenschaftler, Gewerkschafter

und Politiker davon, dass sie

die vernünftige Lösung einer

gemeinsamen Schule für alle

Kinder aufgeben und sich für

ein zweigeteiltes Schulsystem

einsetzen? Was lockt sie?

Es sind zwei Gründe:

Mit dem Erhalt des Gymnasiums

in der Zweigliedrigkeit

geht man der Auseinandersetzung

mit der Gymnasialklientel

aus dem Weg. „Schluss

mit dem Streit“ heißt die

Devise.

Die Zweigliedrigkeit scheint

eine Lösung für die notleidende

Hauptschule zu bieten,

indem man die Hauptschule

mit der Realschule und ggf.

mit der Gesamtschule zusammenlegt.

Die „Zweitschule“ ist

auf jeden Fall heterogener und

damit leistungsfähiger als die

Hauptschule in einem mehrgliedrigen

System.

In Hamburg hatte sich 2007

eine Enquete-Kommission aus

CDU und SPD für ein zweigliedriges

System ausgesprochen.

GAL wie GEW lehnten

damals die Zweigliedrigkeit ab.

Nun hat in der Koalition mit

der CDU die Grüne Bildungssenatorin

Christa Goetsch

mit dem „Rahmenkonzept“

zum ersten Mal eine reale

Beschreibung eines zweigliedrigen

Schulwesens vorgelegt,

das zum Schuljahr 2010/11 in

Hamburg eingeführt werden

soll. Da beide „Säulen“ zum

Abitur führen sollen, unterscheidet

es sich grundsätzlich

von ostdeutschen zweigliedrigen

Systemen mit Gymnasium

und Mittelschule. Deshalb

lohnt es sich, dieses Konzept

genauer zu prüfen.

SEITE 4

Als Prüfkriterien lege ich die

Definition eines guten Schulsystems

zugrunde, wie es z.B.

die Grünen in NRW in ihrer

„Bildungsoffensive NRW“

(Beschluss vom 6.1.2009) vorstellen:

• In einem guten Schulsystem

werden Kinder nicht beschämt.

• Es ist inklusiv, sozial gerecht,

leistungsfähig.

• Die Schule muss sich den

Kindern anpassen, nicht umgekehrt.

• Die Gesamtschultradition

wird fortgeführt.

Eine Überprüfung nach solchen

Kriterien innerhalb einer

Partei halte ich für legitim,

da die Grünen in Berlin die

Hamburger Entwicklung loben

und auch die NRW-Grünen,

die sich für eine gemeinsame

Schule einsetzen, konstatieren,

dass Frau Goetsch, „derzeit die

systematischste und weitestgehende

Schulreform hin zu

mehr Integration und längerem

gemeinsamen Lernen verantwortet.“

(Sylvia Löhrmann). Es

ist auch spannend zu fragen,

wie weit die grünen Schulkonzepte

der Länder zusammenpassen,

denn nur dann ist

eine verlässliche Erwartung

möglich, was eine Koalition

mit Beteiligung der Grünen

der Schulentwicklung bringen

könnte. Dass die Konzepte

anderer Parteien, insbesondere

von CDU und FDP zur Zeit


keine weitergehende Integration

der Schulformen erwarten

lassen und die SPD unentschieden

zwischen Gemeinschaftsschule

und Zweigliedrigkeit

agiert, ist kein Argument gegen

eine kritische Analyse des

Hamburger Konzepts.

Die Schulformen des Hamburger

Schulkonzepts

Die Eckpunkte des Hamburger

Schulkonzepts sind schnell

zusammengestellt: Die Primarschule

dauert 6 Jahre und

ist in zwei Blöcke 1 bis 3 und

4 bis 6 aufgeteilt. Sie kann

räumlich und personell mit

einer weiterführenden Schule

verbunden werden. Ab der

7. Klasse gibt es zwei Schulformen:

Das Gymnasium von

7 bis 12 und die Stadtteilschule

von 7 bis 13. Es gibt keine freie

Schulwahl, sondern über die

Zuweisung entscheiden verbindlich

die Lehrkräfte der

Primarschule, zu denen auch

Gymnasiallehrer gehören

können. Übergänge zwischen

Gymnasium und Stadtteilschule

gibt es in den Klasse 7 bis

10 nur auf Wunsch der Eltern.

Die Sonderschule wird als Teil

des künftigen Schulsystems

einmal ausdrücklich erwähnt,

in der Folge aber nicht weiter

thematisiert. Über Integration

wird im Rahmenkonzept nicht

viel gesagt, nur: Schüler mit

sonderpädagogischem Förderbedarf

können im Rahmen der

SCHULSTRUKTUR

bisher geltenden Möglichkeiten

nach Entscheidung der zuständigen

Behörde auch in die

Stadtteilschule gehen.

An diesem Konzept fällt sofort

auf, dass an der entscheidenden

Gelenkstelle nach dem

6. Jahrgang, wenn sich das

System teilt, Kinder und Eltern

keine Wahl der Schulform haben.

Interessant ist deshalb die

Frage, wie die Lehrkräfte der

Primarstufe zu ihrer Entscheidung

kommen, wer auf das

Gymnasium und wer auf die

Stadtteilschule geht.

Dazu müssen wir zunächst

prüfen, worin sich die beiden

Schulformen unterscheiden.

Bei den Gymnasien werden die

vielfältigen Profile als „gewachsener

Teil von Bildungsidentität

und Bildungsvielfalt“ in

Hamburg lobend herausgestellt;

sie sollen erhalten und

gestärkt werden und schon in

kooperierenden Primarschulen

profilbildend wirken. Solche

Hinweise suchen wir zu den

Gesamtschulen vergebens,

obwohl in Hamburg einige

der besten Gesamtschulen

Deutschlands zu finden sind,

Gesamtschulen, deren Profil

und pädagogisches Konzept

bundesweit Anerkennung

gefunden haben und die mit

dem deutschen Schulpreis

ausgezeichnet wurden. Warum

werden Gesamtschulen nicht

erhalten und gestärkt? Durch

die Zweigliedrigkeit werden

SEITE 5

die Gesamtschulen als Schulen

für alle Kinder abgeschafft,

ohne Rücksicht auf ihre Qualität.

Stattdessen wird mit der

Beschreibung der Aufgaben

und Ziele der Stadtteilschule

der Eindruck erweckt, dass

hier eine gute Schule ganz neu

erfunden werden müsste.

Im Gymnasium arbeiten Lehrkräfte

nur „nach Möglichkeit “

im Team, während Teamarbeit

in der Stadtteilschule institutionalisiert

wird. Ein merkwür-

diger Unterschied…

Weitere Unterschiede sind

kaum zu erkennen. In beiden

Schulen arbeiten Lehrkräfte

aller Studienrichtungen,

beide Schulen bieten ihren

Schülern das gesamte Spektrum

der Anforderungen. Die

Ausführungen über Bildungsstandards

und Bildungsplan,

Leistungsrückmeldung und

Leistungsbewertung unterscheiden

sich zwar sprachlich,

inhaltlich dagegen kaum. Beide

Schulen führen zum Abitur,

das Gymnasium nach 6 Jah-


en, die Stadtteilschule nach 7

Jahren. In der Stadtteilschule

ist die Berufsorientierung

stärker vertreten, der mittlere

Bildungsabschluss wird stärker

hervorgehoben. Allerdings

kann die Stadtteilschule nach

Belieben äußere Fachleistungsdifferenzierung

einführen „zur

individuellen Förderung“ – obwohl

längst bekannt ist, dass

Fachleistungsdifferenzierung

Schüler sortiert und gerade

nicht individuell fördert. War-

um also können nicht Eltern

und Kinder frei wählen, welche

Schule sie besuchen wollen?

Schulformentscheidung nach

dem 6. Schuljahr

Zum Übergang nach Klasse 6

enthält das „Rahmenkonzept“

minutiöse Vorgaben.

Die Primarschule ist nicht

mehr integrierte Schule für alle

Kinder. Unter der Überschrift

„Differenzierung“ wird bereits

den Primarschulen freigestellt,

verschiedene Formen der

SCHULSTRUKTUR

äußeren Fachleistungsdifferenzierung

in Förderbändern

nach Lerntempi zu praktizieren,

„wenn eine andere Form

der Förderung im Hinblick

auf den Übergang nach Klasse

6 nicht ausreichend gesichert

ist“ (S. 11). Bereits ab Klasse

4 überschattet die Frage des

Übergangs auf Gymnasium

oder Stadtteilschule das Lernen

in der Primarschule. Halbjährlich

gibt es prognostische

Einschätzungen, ob ein Kind

fürs Gymnasium geeignet ist.

Vor Ende des ersten Halbjahres

der Klasse 6 wird in einer

Zeugniskonferenz endgültig

entschieden.

Auf welcher Grundlage wird

entschieden? Das Rahmenkonzept

nennt drei Elemente

(S.16/17).

• Lernentwicklungsberichte

mit Noten oder Punkten sollen

ab Klasse 4 deutlich machen,

ob die „kompetenzorientierten

Anforderungen des Gymnasiums“

erfüllt werden. Welche

das sein könnten, wird bei der

Lektüre des „Rahmenkonzepts“

allerdings nicht klar. Entscheidend

sind dann die Lernentwicklungsberichte

am Ende des

1. Halbjahres der Klasse 6.

• In Deutsch, Mathematik

und Englisch soll es „valideKompetenzfeststellungsverfahren“

geben. Dazu werden

„empirisch belastbare Tests

zur Individualdiagnostik“

entwickelt, „die zeigen, inwie-

SEITE

weit die Schülerin oder der

Schüler über die Kompetenzen

verfügt, die in den Bildungsstandards

der Jahrgansstufe

6 für den Übergang auf das

Gymnasium vorgegeben sind“.

Welche Kompetenzen das sind,

benennt das Rahmenkonzept

nicht.

• Einschätzungen der Lehrkräfte

zu „überfachlichen und

sozialen Kompetenzen (wie

Lernstrategien und Selbstwirksamkeitsüberzeugungen)“

und Selbsteinschätzungen

der Schüler. Auch hier sollen

„standardisierte Instrumente“

verwendet werden. (S.17)

Es ist erschreckend, wie das

zweigliedrige Schulsystem in

Hamburg die Auslese nach

der 6. Klasse zu verfeinern

sucht. Das absolute Fehlen

inhaltlicher Kriterien für den

Übergang auf das Gymnasium

spricht für sich. Einerseits

schreckt das Konzept vor der

traditionellen Einteilung von

Schülern in theoretische und

praktische Begabungen zurück.

Andererseits kann die häufige

Berufung auf moderne Begriffe

wie Kompetenzen, Selbstwirksamkeit

und standardisierte

Instrumente nicht die Ratlosigkeit

verbergen, wie man die

Trennung der Schüler begründen

will, wenn man den wahren

Grund verbirgt: Den Erhalt

von gymnasialen Bildungsprivilegien.

Die Berufung auf

Tests ignoriert die Forschungs-


lage, dass Tests keine geeigneten

Prognoseinstrumente sind (dazu

u.a.georg.lind@uni-konstanz.de

vom 16.3.2009)

Etwas anderes erschreckt mich

aber noch mehr. Wenn Schüler

und Schülerinnen über zweieinhalb

Jahre, in der beginnenden

Pubertät, alle halbe Jahre erfahren,

dass sie wohl nicht für das

Gymnasium geeignet sind, wenn

sie in untere Fachleistungskurse

einsortiert werden, wenn sie im

6. Jahrgang „validen“ Auslesetests

unterworfen werden – dann

findet eine jahrelange Abqualifizierung

der Schüler und Schülerinnen

statt, die auf die Stadtteilschule

gehen. Die Schulform

Stadtteilschule wird zur Schule

der Versager, die es nicht auf das

Gymnasium geschafft haben. Sie

ist die Zweitschule, die nicht auf

Augenhöhe mit dem Gymnasium

ausbildet, wie es die Gesamtschule

konnte.

In diesem Schulsystem werden

Kinder beschämt. Es entspricht

nicht dem ersten Kriterium eines

guten Systems.

In die Stadtteilschule gehen

auch alle Schüler mit sonderpädagogischem

Förderbedarf

aus Integrationsklassen und aus

weiteren Förder- und Sonderschulen

über (S.16), für die die

Behörde die Stadtteilschule als

Förderort festgelegt hat. Das

Gymnasium wird im Konzept

nicht als Förderort genannt. Die

leistungsstarken, sozial kompetenten

und selbstbewussten

SCHULSTRUKTUR

Schüler haben die heterogene

Lerngruppe verlassen und

bilden im Gymnasium eine

quasi homogene Lerngruppe.

Durch das jahrelange Ausleseverfahren

können sich

diese Schüler als etwas Besseres

fühlen, auf die Stadtteilschüler

herunterschauen.

Dünkel wird genährt. Der

Stadtteilschule bleiben die

Kinder mit Lernproblemen,

mit problematischem Verhalten,

aus sozial prekären

Verhältnissen, voraussehbar

viele Migrantenkinder (die in

diesem Konzept überhaupt

nicht erwähnt werden).

Dieses Schulsystem ist nicht

inklusiv und auch nicht

sozial gerecht. Es entspricht

nicht der UN-Konvention

für die Rechte behinderter

Menschen. Ob es leistungsfähig

ist, hängt vom Vergleichsmaßstab

ab. Im Vergleich zu

inklusiven Schulsystemen ist

es sicher weniger leistungsfähig,

denn die leistungsstarken

Schüler fehlen in den Klassen

der Stadtteilschule.

Durch das aufwändige und

belastende Verfahren zum

Übergang nach 6 wird deutlich,

dass sich dieses Schulsystem

nicht den Kindern

anpasst, sondern die Kinder

der Zweigliedrigkeit angepasst

werden.

Die Chancen und Risiken

einer freien Schulwahl hat

Merkelbach (http://user.

SEITE

uni-frankfurt.de) 2008 beschrieben,

sie sollen hier nicht

wiederholt werden.

Das Hamburger Rahmenkonzept

macht exemplarisch deutlich,

wie trotz Bemühungen

um positive Elemente (z.B.

Verlängerung der Primarschule,

Abitur an beiden Schulen,

Erschweren von Sitzenbleiben

und Abschulungen vom Gymnasium)

die Zweigliedrigkeit

die grundsätzlichen Probleme

unseres Schulsystems nicht

löst. Im Gegenteil, neue Probleme

werden geschaffen: Die

Primarschule als Schule des

gemeinsamen Lernens wird

durch Ausleseprozesse mehr

denn je ausgehöhlt und die

Gesamtschulen als Beispiele

integrativer Schulen werden

zerstört.


SCHULSTRUKTUR

Neun Hauptschulen droht das Aus

von Helmut Frangenberg, KStA

21. 4. 2009

Neun Kölner Hauptschulen

stehen nach dem Ende des

Anmeldeverfahrens fir die

weiterfahrenden Schulen vor

dem Aus. Sie erreichen nach

bisherigem Stand nicht die

Mindestschülerzahl, um eine

einzige Eingangsklasse bilden

zu können. In drei Schulen

sind bislang noch nicht einmal

zehn Kinder angemeldet worden,

in den weiteren sechs liegt

die Zahl unter 18. Betroffen

sind auch einige Hauptschulen

mit einem guten Ruf und mit

Ganztagsangebot. Eine Hauptschule,

der nach der Anmeldungsrunde

im vergangenen

Jahr die Schließung drohte, hat

in diesem Jahr offensichtlich

die Kurve bekommen: Die Porzer

Hauptschule in der Heerstraße

kann eine Eingangsklasse

bilden. „Der Trend setzt sich

fort“, sagt Schuldezernentin

Agnes Klein zu den sinkenden

Anmeldezahlen. Allerdings

müsse man bei den aktuellen

Zahlen berücksichtigen, dass

rund 200 Viertklässler noch

nicht fir eine weiterfahrende

Schule angemeldet wurden,

weil die Eltern offenbar den

Anmeldeschluss verstreichen

ließen. Erfahrungsgemäß handele

es sich bei diesen Nachzüglern

um viele Kinder mit

einer Hauptschulempfehlung.

Vor diesem Hintergrund hat

die Stadt die Entscheidungen

über die Zukunft der Schulen

bis Mai vertagt.

Wenn Schulen keine Eingangsklassen

mehr bilden können,

komme das faktisch einer

Vorentscheidung über ihr Ende

gleich, sagt Schuldezementin

Agnes Klein. „In diesen Fällen

beginnt ein Erosionsprozess,

den man kaum mehr aufhalten

kann.“ Solche Schulen würden

dann auslaufen und schließlich

ganz geschlossen.

Vor dem Hintergrund der Zahlen

dürfte die Diskussion um

die Einrichtung einer weiteren

Gesamtschule fir Köln neuen

Schwung bekommen. Während

die Hauptschulen immer weiter

an Zuspruch verlieren, mussten

in diesem Jahr wieder mehr als

800 Kinder an den acht Kölner

Gesamtschulen abgelehnt

werden. Die Stadt hat bislang

auf die restriktive Haltung der

Landesregierung verwiesen,

die keine weitere Gesamtschule

in Köln zulassen wolle. Nach

einer Entscheidung des Kölner

Verwaltungsgerichts im Streit

um eine neue Gesamtschule in

Bonn hat die Landesregierung

ihre bisherige Haltung korrigiert.

Die Bezirksregierung

verzichtete darauf, Berufung

gegen das Urteil einzulegen. So

wird in Kölns Nachbarstadt im

Sommer eine vierte Gesamtschule

eröffnet werden können.

Die Landesregierung wollte

Bonn die Eröffnung verweigern,

weil es die Schule

zum Start nicht schaffte, eine

SEITE

ausreichende Mischung im

Leistungsniveau der Schüler

herzustellen. Die Schülerschaft

einer Gesamtschule

sollte zu jeweils einem Drittel

aus Schülern mit Gymnasial-,

Realschul- und Hauptschulempfehlung

bestehen. Die Verwaltungsrichter

interpretierten

diese Vorgabe als durchaus

flexibel. Die Schulleiter hätten

„einen Ermessensspielraum

für die konkrete Umsetzung

der Leistungsheterogenität“.

Die Schulformempfehlungen

der Grundschulen seien nicht

allein maßgeblich. Bonn habe

eine entscheidende Hürde

übersprungen, sagt die Kölner

Schuldezernentin. Das Thema

,,Leistungsheterogenität“ sei

aber nicht das einzige Hindernis.

So mache eine neue

Gesamtschule nur Sinn, wenn

sie als Ganztagsschule arbeiten

könne. Dafür wolle das

Land aber nicht bezahlen. In

jedem Fall habe das Gerichtsurteil

„eine Tür aufgemacht“.

Die Nachfrage bei den Kölner

Eltern sei da. „Ich kann mir

vorstellen, dass das Urteil eine

Diskussionsgrundlage auch für

Köln sein könnte.“

Die schwierige Suche nach

einem Standort würde leichter,

wenn weitere Hauptschulstandorte

aufgegeben würden.

Unterversorgt mit Gesamtschulplätzen

sind in Köln vor

allem der nördliche Bereich der

Innenstadt und der Stadtbezirk

Nippes.


Die Debatte über die Veränderung

der Schulstruktur wird

nicht nur in Hamburg geführt.

Die demographische Entwicklung

zwingt alle, sich Gedanken

über die Entwicklung des gegliederten

Schulsystems zu machen.

Die GEW setzt sich für „Eine

Schule für alle“ ein.

Im Folgenden dokumentieren

wir Vorschläge des Städtetages

NRW, der auch den »Verlockungen

der Zweigliedrigkeit« erliegt.

Der Städtetag Nordrhein-

Westfalen hat sich für flexible

Regelungen zur Schulorganisation

ausgesprochen. Die Städte

sollten künftig selbst über die

örtliche Schulstruktur entscheiden

können, um auf sinkende

Schülerzahlen und das

veränderte Schulwahlverhalten

der Eltern passgenau reagieren

zu können. Dazu sollten die

Städte über die Grundschulen

hinaus stärker als bisher

Verbundschulen bilden dürfen

und die weiterführenden

Schulen zu Sekundarschulen

zusammenfassen können. Das

Gymnasium sollte dabei unverändert

bestehen bleiben.

„Es geht uns nicht darum, ein

Strukturmodell einfach durch

ein anderes zu ersetzen und die

Kommunen darauf zu verpflichten.

Den kommunalen

Schulträgern sollen vielmehr

zeitnah flexible Möglichkeiten

eröffnet werden, um mehr Bildungschancen

für alle realisie-

SCHULSTRUKTUR

ren und das Schulsystem insgesamt

durchlässiger gestalten

zu können. Die kommunalen

Bildungsangebote sollen für

alle Kinder und Jugendlichen

bestmögliche individuelle

Zukunftschancen ermöglichen“,

erklärte heute der Vorsitzende

des Städtetages NRW,

der Oberbürgermeister von

Mönchengladbach, Norbert

Bude, anlässlich einer Sitzung

des Schul- und Bildungsausschusses

des Städtetages NRW

in Düsseldorf.

Der Städtetag Nordrhein-Westfalen

hat seine Vorstellungen

in einem Positionspapier

formuliert, das vom Vorstand

des Verbandes mit folgenden

konkreten Vorschlägen beschlossen

wurde:

• Erweiterung der Möglichkeiten

zur Bildung von Verbundschulen

im Bereich der

Haupt- und Realschulen: „Sekundarschule“

in kooperativer,

integrierter oder teilintegrierter

Form. Das heißt, im Falle einer

integrierten Zusammenfassung

von Haupt- und Realschulen

würde gemeinsamer Unterricht

in allen Altersstufen stattfinden

oder bei teilweise integrierter

Organisationsform z.B. nur in

den Jahrgangsstufen 5 bis 8.

• Option für einen Zusammenschluss

der drei Schulformen

Hauptschule, Realschule und

Gesamtschule („erweiterte

Sekundarschule“) und damit

Weiterentwicklung der ört-

SEITE

Städtetag NRW:

Gymnasium soll bleiben

lichen Schullandschaft zum

Zwei-Säulen-Modell, bestehend

aus erweiterter Sekundarschule

und Gymnasium. „Mit

dem Positionspapier des Städtetages

NRW ist es gelungen,

parteiübergreifend pragmatische

Lösungen zu entwickeln,

wie die Schullandschaft vor

Ort aufgestellt werden kann.

Wir glauben, dass sich so ein

wohnortnahes, qualitativ hochwertiges

Schulangebot leichter

gewährleisten lässt. Dabei

geht es uns darum, den Städten

die Möglichkeit zu geben,

ihren konkreten Verhältnissen

Rechnung zu tragen“, so Bude.

Es solle Entscheidungsspielraum

bestehen, ob eine Stadt

Sekundarschulen neben Gesamtschulen

und Gymnasien

errichte oder Gesamtschulen in

die Sekundarschulen integriere

und so ein Zwei-Säulen-Modell

schaffe oder die örtliche

Schulorganisation weitgehend

so belasse wie sie ist – unter

Einschluss von Hauptschulen.

Aus: www.bildungsklick.de,

29.4.2009


INKLUSIVE BILDUNG

Hat inklusive Bildung in Deutschland

eine Chance?

von Anne Ratzki

Im Dezember 2008 hat der

Bundestag die UN-Konvention

über die Rechte behinderter

Menschen ratifiziert, ungern,

aber es ging wohl nicht anders.

Dieser Konvention die Unterschrift

zu verweigern hätte die

deutsche Regierung internati-

onal diskreditiert, steht doch

Deutschland seit langem mit

seinem ungerechten Schulsystem

wegen Verletzung verschiedener

Konventionen zu

den Menschenrechten in der

Kritik.

Die Kultusminister haben alles

versucht, um den Folgen zu

entgehen. Ein Übersetzungstrick

sollte die Lage entspannen:

nicht ein „inklusives“

Schulsystem sei gefordert,

sondern ein „integratives“.

Damit hätte man gemütlich

weitermachen können, Kinder

mit sonderpädagogischem

Förderbedarf erst aussortieren

und dann wieder ein paar von

ihnen integrieren in Gesamtschulen,

in Hauptschulen, in

Gemeinschaftsschulen, aber

das System selbst hätte sich

nicht ändern müssen. Auch

Förderschulen könnten Behinderten

eine „gesellschaftliche

Teilhabe“ ermöglichen, ließ

sich das nordrhein-westfälische

Kultusministerium vernehmen.

„Inklusiv“ aber bedeutet, dass

das Schulsystem so umgestaltet

werden muss, dass von

vornherein alle Kinder dort

gemeinsam lernen können

und gefördert werden, dass

die Schule sich den Kindern

anpasst. Genau das meint die

UN-Konvention.

Der Trick hat nicht funktioniert

- er ist vielen Menschen

und Organisationen, die sich

für die Einbeziehung von

Behinderten in einer gemeinsamen

Schule einsetzen, sofort

aufgefallen. Die Medien haben

darüber berichtet. Nun haben

die Kultusminister eine Arbeitsgruppe

eingesetzt, die sich

innerhalb von 3 Jahren um

eine Umsetzung bemühen soll.

Die Initiatoren des Manifests

„Inklusive Bildung - Jetzt!“

werden kaum so lange warten

wollen. Seit dem 26.3.2009 ist

SEITE 0

die Behindertenkonvention

geltendes Recht.

Eigentlich war ja schon die Integration

ein ungeliebtes Kind

der Kultusminister. Auch nach

39 Jahren sozialdemokratischer

Regierungsmehrheit in NRW

z.B. sind nur 12% der Behinderten

in allgemeinen Schulen

integriert. Integrative Schulen

wie die Gesamtschulen in

Bonn-Beuel oder Köln-Holweide

könnten Romane über die

mannigfachen Behinderungen

durch Politik und Behörden

verfassen. Zurzeit kämpfen sie

wieder um Lehrerstellen, die

nach dem Willen der CDU/

FDP Landesregierung aus dem

gemeinsamen Unterricht abgezogen

werden sollen. In Baden-

Württemberg geht die dortige

CDU gerne so vor, dass sie auf

Elterndruck Integrationsklassen

als Versuch genehmigt und

diesen nach wenigen Jahren

wieder einstellt. Die Waldorfschule

in Emmendingen hat

jetzt vor Gericht erstritten, dass

sie weiter integrativ arbeiten

und geistig behinderte Kinder

aufnehmen darf.

Aber es geht auch anders:

Schleswig-Holsteins Kultusministerin

Erdsiek-Rave hat

gerade das “Jahr der inklusiven

Bildung“ ausgerufen und

beruft sich auf internationale

Erfahrungen. In Europa gehen

85% der Behinderten in allgemeine

Schulen, in Deutschland

durchschnittlich nur 15 %.


Die schleswig-holsteinischen

Gemeinschaftsschulen bieten

als Schulen für alle Kinder eine

strukturelle Basis für inklusive

Bildung.

Bisher sind es vor allem Grundschulen

und Gesamtschulen, die

seit über 20 Jahren behinderte

Kinder in Integrationsklassen

weit über die Möglichkeiten der

Sonderschule hinaus fördern.

Ihre Erfahrungen sind von

unschätzbarem Wert für alle,

die mit inklusiver Bildung ernst

machen wollen.

Zweigliedrige Systeme gehören

nicht dazu. Am konkreten Beispiel

in Hamburg erschrecken

die minutiösen Ausleseinstrumente,

die ab Klasse 4 über 3

Jahre bis zum Ende der Klasse 6

herausfinden sollen, ob Schüler

für das Gymnasium geeignet

sind oder auf die Stadtteilschule

gehen müssen. Jahrelange

Beschämung schwacher Schüler

ist der Preis für den Erhalt

des Gymnasiums. Behinderten

Kindern bleibt bestenfalls die

Integration in der Stadtteilschule.

Inklusive Bildung ist anders.

Es gilt, die Chancen der UN-

Konvention zu nutzen. Im

internationalen Verständnis ist

das Recht auf Bildung ein „empowerment

right“ – zugleich

ein individuelles Recht und ein

zentrales Instrument, um den

allgemeinen Menschenrechten

zur Geltung zu verhelfen.

BUCHEMPFEHLUNG

Nachhaltigkeit des Projektes

»Selbstständige Schule NRW«

von Klaus Minartz

Die Lektüre der folgenden drei

aktuellen Bücher erleichtert

eine sachliche Auseinandersetzung

mit den Ergebnissen und

Erfahrungen des Modellvorhabens

„Selbstständige Schule

NRW“. Nicht (möglicherweise

fremdgesteuerte) Bertelsmänner

bilanzieren eine sechsjährige

Projektarbeit, sondern

die Akteure selbst und die

wissenschaftliche Begleitung

des Projektes geben Auskunft

über ihre Arbeit und über ihre

Erkenntnisse.

1. Selbstständige Schulen in regionalen

Bildungslandschaften

. Eine Bilanz.

Bildungsverlag EINS

2. Schulentwicklung durch

Gestaltungsautonomie

Ergebnisse der Begleitforschung

zum Modellvorhaben

„Selbstständige Schule“ in

Nordrhein-Westfalen

Waxmann-Verlag 2008

SEITE

3. Jahrbuch der Schulentwicklung

Band 15

Daten, Beispiele und Perspektiven,

Juventa,

insbesondere der Artikel

„Qualität von Schule und

Unterricht im Rahmen erweiterter

Schulautonomie“

(Teilanalyse aus einem Begleitforschungsprojekt

zum

Projekt „Selbstständige Schule

NRW“)

Lehrerräte HOT-MAIL

ab sofort für alle Fragen

lehrerraete@gew-koeln.de


von Ingmar Keller,

KStA,17. April 2009

Die Begründung für das Urteil

des Bundesverwaltungsgerichtes

liegt jetzt vor. Bis ein neues Gesetz

in Kraft tritt, ist die Altersgrenze

für Beamte unwirksam.

Das lässt viele Lehrer auf ihre

Verbeamtung hoffen.

Noch vor den Sommerferien

dürften die Bezirksregierungen

in Nordrhein-Westfalen von einer

Antragsflut überschwemmt

werden. Hunderte, wenn nicht

gar Tausende von Lehrern, die

bislang nur als Angestellte unterrichten,

könnten ihre Übernahme

ins Beamtenverhältnis

beantragen - und dies obwohl

sie die bislang geltende Altersgrenze

von 35 Jahren überschritten

haben. Der Grund:

Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes

in Leipzig, das

mit seinem Urteil im Februar

im Grundsatz diese Altersgrenze

nicht beanstandet hatte, erklärte

gleichwohl die derzeitige

Regelung wegen erheblicher

Mängel für „unwirksam“. Bis zu

einer gesetzlichen Neuregelung

gibt es also in Nordrhein-Westfalen

keine Altersgrenze für die

Einstellung von Beamten. Dies

geht aus der jetzt vorgelegten

schriftlichen Urteilsbegründung

hervor.

Viele, nicht beamtete Lehrer

werden sich in diesen Tagen

ANGESTELLTE

Lehrer hoffen auf Übernahme

überlegen müssen, ob sie diese

Zeit ohne geltende Altersbegrenzung

nutzen können. Die

Lehrer-Gewerkschaft Erziehung

und Wissenschaft (GEW)

lässt von Professor Helmut

Schnellenbach, dem ehemaligen

Präsidenten des Verwaltungsgerichtes

in Gelsenkirchen,

derzeit ein Gutachten

ausarbeiten, dass den Lehrern

bei ihrem weiteren Vorgehen

helfen soll. Das Gutachten soll

auch klären helfen, welche

Personen von dem Urteil profitieren.

Sicher ist, dass die 20

in Leipzig verhandelten Lehrer

nun auf eine Verbeamtung hoffen

können, da für sie im Urteil

ausdrücklich steht: „Der Kläger

kann verlangen, dass über

seinen Antrag auf Übernahme

in ein Beamtenverhältnis auf

Probe ohne Berücksichtigung

der laufbahnrechtlichen Altersgrenze

entschieden wird.“ Mit

großer Wahrscheinlichkeit gilt

dasselbe für die einige Dutzend

Klagen, die sich noch auf dem

Instanzenweg durch die Gerichte

befinden.

15 000 neue Verfahren

Unklar ist hingegen noch, ob

auch bereits rechtskräftig abgeschlossene

Alt-Fälle nun noch

einmal vorgebracht werden

können. Wer einen Antrag auf

Wiederaufnahme seines Falles

beantragen will, muss dies innerhalb

von drei Monaten „seit

SEITE

Kenntnis“ des Urteils tun, sagte

der Kölner Rechtsanwalt Alfred

Bongard, der das Leipziger Urteil

erstritten hat. Sollten auch

diese Fälle zum Zuge kommen,

dürfte es mindestens 15 000

neue Verfahren geben.

Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes

wird von

Verwaltungsjuristen als „Sensation“

bezeichnet. Jahrelang

schien klar, dass an der Altersobergrenze

für die Übernahme

in das Beamtenverhältnis nicht

zu rütteln sei. Anwalt Bongard

wollte dies nicht glauben, nicht

zuletzt weil alle anderen Bundesländer

die Grenze wesentlich

später setzten bei 40 Jahren

etwa in Rheinland-Pfalz bei 50

Jahren gar in Hessen, bei den

meisten immerhin bei 45 Jahren.

Bongard musste sich von

einem Kölner Verwaltungsrichter,

bei dem er mal wieder

um die Spät-Übernahme eines

Lehrers kämpfte, sogar sagen

lassen, er sei „wohl der einzige

Jurist, der glaubt diese Regelung

noch ändern zu können.“

Ein Urteil mit vielen Überraschungen

Doch dann kam dem Kölner

Anwalt eine neue EU-Richtlinie

zur Altersdiskriminierung

Hilfe. Als diese dann auch

noch unverändert in deutsches

Recht übertragen wurde,

kamen Richtern am Oberverwaltungsgericht

offenbar erste


Zweifel. Sie ließen die Berufung

nach einer abgelehnten

Verbeamtung eines Lehrers

zu, und zwar mit Hinweis auf

dieses neue Gesetz, das - so die

Richter - in einem regulären

Verfahren „zumindest zu prüfen“

sei.

Schließlich lehnten zwar auch

die Oberverwaltungsrichter

dann den Antrag zwar ab,

ließen aber ausdrücklich die

Möglichkeit einer Revision

beim Bundesverwaltungsgericht

zu. Und das Urteil,

das dort am 19. Februar

gesprochen und jetzt mit

ausführlicher Begründung

veröffentlicht worden ist,

wartete dann gleich mit mehreren

Überraschungen auf:

Zunächst einmal bestätigten

auch die Bundesrichter, dass

NRW eine Altersgrenze von 35

Jahren anordnen dürfe. Doch

die Verfahrenspraxis stieß auf

herbe Kritik. Das Gericht rügte

ein „für die Bewerber schwer

durchschaubares Erlasswesen“.

Ein Wildwuchs der Ausnahmeregelungen

und Sondererlassen

habe die Verordnung selbst in

Frage gestellt. Zudem seien die

Entscheidungskriterien nicht

klar erkennbar und würden zu

einem großen Teil den Verwaltungsbehörden

überlassen.

Also erklärte das Gericht die

bestehende „Laufbahnverordnung“

für unwirksam.

ANGESTELLTE

Unklar ist, wann die neue

Regelung in Kraft tritt

Nun also muss die Landesregierung

in Düsseldorf eine

neue Regelung erarbeiten, die

zudem Gesetzeskraft haben

muss. Und sie muss die Vorgaben

des Urteils umsetzen,

also klare, überprüfbare und

nachvollziehbare Auswahlkriterien

aufstellen. Schließlich,

so das Gericht, sei eine Altersbeschränkung

ein erheblicher

Eingriff in das Rechts des Einzelnen

und müsse somit über

jeden Zweifel erhaben sein.

Das Gericht gibt dem Gesetzgeber

auch auf, bei den Regelungen

besondere Situationen,

SEITE 3

etwa die Erlangung der Hochschulreife

über den zweiten Bildungsweg

zu berücksichtigen.

So haben Lehrer an einem Berufskolleg

häufig zunächst eine

gewerbliche Ausbildung mit

einem Meisterbrief absolviert,

ehe sie ein Studium begonnen

haben. Wann das neue Gesetz

vorliegen und damit wieder

eine Altersgrenze gelten wird,

konnte das Landesinnenministerium

in Düsseldorf gestern

noch nicht sagen.

Lesen Sie bitte auch den Artikel

zur Verbeamtung über 35 auf

der nächsten Seite.


Verbeamtung über 35

von Jürgen Gottmann

Erinnerung: Mit folgender Information vom

19. März 2009 hatten wir an dieser Stelle auf

Urteile des Bundesverwaltungsgerichts in

mehreren von der GEW geführten Verfahren

hingewiesen: „Aufgrund der Urteile des Bundesverwaltungsgerichts

vom 19. 02. 2009 (die

GEW und die Presse berichteten) gibt es evtl.

auch für weitere Kolleginnen und Kollegen die

Chance der Verbeamtung. Die GEW wird regelmäßig

über den weiteren Verlauf berichten

und entsprechende Empfehlungen geben.

Alle GEW-Mitglieder, für die dieser Sachverhalt

bedeutsam ist, sollten sich regelmäßig auf

der Homepage der GEW informieren. Bitte

hierzu die GEW - Mitgliedsnummer bereithalten.“

Was ist aktuell zu tun:

1. Die Einstellung in den öffentlichen Schuldienst

liegt ein Jahr oder länger zurück:

Es muss ein Antrag auf Wiederaufgreifen des

Verfahrens gestellt werden. Hierzu gibt es für

Mitglieder einen Musterantrag unter http://

www.gew-nw.de/gewerkschaft/gew_service/

service_MG_internet.cfm

Der Antrag muss spätestens am 18. Mai 2009

bei der Bezirksregierung vorliegen (Einschreiben/Rückschein).

2. Die Einstellung in ein Dauerbeschäftigungsverhältnis

liegt weniger als ein Jahr zurück:

Betroffene richten ein Aufforderungsschreiben

an die Bezirksregierung. Auch hierfür gibt es

ein Musterschreiben. Bei Ablehnung muss Klage

erhoben werden (Rechtsschutz

einschalten). Ein Erfolg kann allerdings nicht

eingeschätzt werden. Es wird sicher auch davon

abhängig sein, wie lange der „gesetzlose“ Zustand

in dieser Frage andauert.

RECHTSBERATUNG

Kürzungsfaktoren

Gehaltserhöhung und Ruhegelder

von Christine Oberhäuser

Im Jahre 2001 wurde das Beamtenversorgungsgesetz

(BeamtVG) geändert; die Höchstversorgung

wird langfristig von 75 % auf 71,75 % gekürzt.

Die Kürzung der Beamtenversorgung wird in

sieben Schritten vorgenommen, und zwar immer

dann, wenn die Besoldung der aktiven Beamten/innen

an das Tarifergebnis der Angestellten

angepasst wird. Die ruhegehaltsfähigen Dienstbezüge

werden mit einem so genannten Anpassungsfaktor,

der unter 1 liegt, multipliziert und

dann werden nach den erworbenen Prozenten die

entsprechenden Ruhegelder berechnet. Mit der

Erhöhung der Besoldung ab dem 1.3.2009 wurde

die 5. von insgesamt 7 „Anpassungen“ vollzogen.

Das bedeutet, dass die ruhegehaltsfähigen

Dienstbezüge erhöht wurden, dann aber mit dem

Anpassungsfaktor 0,97292 multipliziert wurden.

Hier ein Beispiel zur Erläuterung:

Das Gehalt A 13 Stufe 12 wird mit der aktuellen

Gehaltserhöhung (20 Euro und 3 %) von 4034

Euro auf 4175 Euro erhöht. Das sind dann die ruhegehaltsfähigen

Dienstbezüge. Die werden dann

mit dem 5. Anpassungsfaktor multipliziert und so

auf 4062 Euro gekürzt. Erst dann wird das Ruhegeld

nach den erworbenen Prozenten berechnet.

Für das genannte Beispiel ist die Kürzung ein

Verlust von 85 Euro gegenüber der alten Regelung

bei einem Pensionsanspruch von 75 %.

Diese Kürzung trifft alle Beamten/innen; die

Ruheständler und die aktiven. Es folgen noch

2 Anpassungen mit den Faktoren 0,96750 und

0,96208, dann ist die Kürzung der Höchstversorgung

von 75 auf 71,75 % vollzogen. Die Regelung

gilt auch für alle die, die die Höchstversorgung

von 75 % nicht erreicht haben. Die ruhegehaltsfähigen

Dienstbezüge werden in gleicher Weise

angepasst.

SEITE 4


von Jan Gerads

Im April 2008

wurde der EuropäischeQualifikationsrahmen

für lebenslanges

Lernen durch

das Europäische

Parlament und

dem EU-Ministerrat

in Kraft gesetzt. Der EQR

sieht vor:

Alle Qualifikationen - vom

Pflichtschulabschluss über

Zeugnisse der beruflichen Aus-

und Weiterbildung bis hin zu

den höchsten akademischen

Abschlüssen - einem von acht

Referenzniveaus zuzuordnen;

dass alle Mitgliedsstaaten ihre

nationalen Qualifikationssysteme

bis 2010 an den EQR

anpassen.

Bis spätestens 2012 soll auf

allen Zeugnissen oder anderen

Qualifikationshinweisen

vermerkt sein, welchem Referenzniveau

des EQR die Qualifikation

zuzuordnen ist.

Mit Hilfe dieses Prozesses

soll die Durchlässigkeit der

Bildungs- und Ausbildungssysteme

verbessert und das

Funktionieren eines reibungslosen

europäischen Arbeitsmarktes

unterstützt werden.

Hierzu gehört auch die Entwicklung

und Umsetzung eines

Europäischen Kreditsystems

für die Berufsbildung (ECVET

= European Credit System for

GEW-PERSONALRAT BERUFSKOLLEG

Vocational

Education).

Die DeutschenHochschulen

hat

der Bologna-

Prozess

grundlegend

verändert.

Steht ähnliches

jetzt

für die berufliche Bildung an?

Eine rechtliche Verpflichtung

zur Teilnahme besteht nicht.

Das Europäische Parlament hat

den Mitgliedsstaaten lediglich

empfohlen, ihre nationalen

Qualifikationssysteme an den

EQR zu koppeln.

Der DQR liegt als Diskussionsvorschlag

seit Februar 2009

vor, erarbeitet vom »Arbeitskreis

Deutscher Qualifikationsrahmen«,

in dem neben vielen

anderen Akteuren auch die

Gewerkschaften beteiligt sind.

Ebenso wie der EQR beschreibt

der Entwurf des DQR auf acht

Niveaustufen Kompetenzen,

die für die Erlangung einer

Qualifikation erforderlich sind.

Der DQR-Entwurf unterscheidet

zwei Kompetenzkategorien:

»Fachkompetenz« - unterteilt

in »Wissen« und »Fertigkeiten«

und »personale

Kompetenz«, unterteilt in

»Sozial- und Selbstkompetenz«.

Methodenkompetenz

wird als »Querschnittskompetenz«

verstanden und findet

deshalb in der DQR-Matrix

SEITE 5

EQR und DQR

Folgen für die berufliche Bildung

nicht eigens Erwähnung. Die

DGB-Gewerkschaften haben

sich an dem Prozess zur Entwicklung

des DQR beteiligt.

Die DGB-Gruppe im BIBB

Hauptausschuss konnte zwar

ihre Forderung, die Anzahl

der Niveaustufen auf fünf zu

reduzieren, nicht durchsetzen,

es ist ihr aber gelungen, bei

der Beschreibung der Niveaus

und hier insbesondere bei

den Sozialkompetenzen die

Gestaltung von Arbeit, der

Arbeitsumgebung und der

Arbeitsprozesse zu integrieren.

Für die GEW bleibt die Forderung

zentral, mit dem DQR die

Durchlässigkeit innerhalb des

deutschen Bildungssystems zu

erhöhen. So sollen AbsolventInnen

der beruflichen Bildung

einen Zugang zur Hochschule

erhalten und Qualifikationen

und Kompetenzen, die in

der Weiterbildung erworben

wurden, adäquat für ein

Hochschulstudium anerkannt

werden. Auch informell erworbene

Kompetenzen müssen

tatsächlich eine entsprechende

Anerkennung finden. Einen

mit dem DQR möglichen

Wechsel hin zu einem System

beruflicher Teilqualifikationen

lehnt die GEW ab.

In welcher Weise nun der

vorliegende DQR-Entwurf sich

in den Lehrplänen des Berufskollegs

konkret niederschlagen

wird, ist mit Spannng abzuwarten.


FACHGRUPPEN & ARBEITSKREISE

Bei allen Veranstaltungen der Fachgruppen und Arbeitskreise sind Interessierte

aus anderen Schulformen und Bildungsbereichen herzlich willkommen!

Alle Termine finden, wenn nicht anders angegeben, im Kölner DGB-Haus, Hans-Böckler-Platz 1,

statt. Fachgruppentermine die nach Redaktionsschluss eingehen, sind im Internet unter

www.gew-koeln.de zu finden.

FG Grundschule

Montag, 22.6.2009 um 19.00

Uhr im Großen Saal 1. OG

Thema: „Entlastungsstrategien

am Arbeitsplatz“

Wolfgang Raabe,

Tel.: 02203/51342

Thomas Ridder-Padberg,

Tel.: 9221/7605858

FG Hauptschule

Dienstag, 26.5.2009 um 19.00

Uhr im GEW-Besprechungsraum

- 1. OG

Informationen aus dem Personalrat,

Neues aus der Rechtsprechung,

Ganztag Hauptschule

– Welche Konzepte

werden an einzelnen Schulen

verwirklicht; wie sehen die

organisatorischen Rahmenbedingungen

aus?

Mehmet Ali Ates,

Tel.: 0221/461418

Sigried Pleyl-von Laer,

Tel.: 0221/725604

FG Sonderpädagogische

Berufe

Heiner Brokhausen, Tel.:

0227/830567

Christiane Balzer, Tel.:

0221/515214

FG Gesamtschule

Montag, 14.09.2009, 17.00

Uhr GEW-Besprechnungsraum

Gudrun Neumann, Tel.:

0221/7607786

FG Realschule

Maria Backhaus,

Tel.: 02233/713671

Elke Görgen-Schmickler,

Tel.: 0221/419327

FG Gymnasium

Hans-Josef Vöckel,

Tel.: 0221/626258

FG Berufskolleg

Mechtild Degen-Sieg,

Tel.: 02236/322241

Dietrich Weinkauf,

Tel.: 0221/352956

AK LEMK

Montag, 8.6.2009 um 18.00

Uhr im GEW-Besprechungsraum

Zu unseren Sitzungen sind

alle Kolleginnen und Kollegen

herzlich eingeladen, die mit

Migrantenkindern arbeiten.

Spyros Kostadimas,

Tel.: 02203/14357

AK Angestellte

Lehrkräfte

jeden ersten Montag im Monat

um 19.00 Uhr

GEW-Besprechungsraum

Hans-Peter Persy,

Tel.: 0221/733294

SEITE

Junge GEW

jeden zweiten Mittwoch im

Monat um 19.30 Uhr

GEW-BesprechungsraumAlle

Interessierten sind stets herzlich

willkommen!

info@jungegew.de

www.jungegew.de

FG Kita

Brunhilde Seeber

Tel.: 02203/65924 (ggf. Nachricht

auf Anrufbeantworter

hinterlassen)

AK Offener Ganztag

Donnerstag, 4.6.2009, 17.15

Uhr Großer Saal 1. OG

Neue Entwicklungen - Erfahrungsaustausch

Max-Georg Beier,

Tel.: 0221/361812

AK Betriebsräte

Montag, 25.5.2009, 18.00 Uhr

im Sitzungszimmer 1. OG

Betriebsräte in sozialpädagogischen

Einrichtungen treffen

sich zum Erfahrungsaustausch

Heiner Frey,

Tel.: 02742/969493


Initiative for Bilingual Studies

an der Universität zu Köln

von Stefanie Walter

2005 wurde unter Leitung von

Prof. Dr. Bongartz (Dekanin

der Philosophischen Fakultät,

Englische Sprachwissenschaft)

und Frau Dziak-Mahler (StR’

i.H., Fachdidaktik, Historisches

Seminar I) an der Universität

zu Köln die Initiative for Bilingual

Studies (IBIS) ins Leben

gerufen. Dieses Projekt umfasst

ein Netzwerk von Wissenschaftlern

und Studierenden

der Universität Köln, sowie

Lehrern, Referendaren und

Schülern an den Projektschulen

in Köln und Umgebung.

Ziel ist es durch das gemeinsame

Projekt zweier Fakultas

(Englisch und Geschichte)

die interkulturelle Kompetenz

im Kontext des bilingualen

Lehrens, Forschens und Lehrens

zu fördern. Das von IBIS

entwickelte und durchgeführte

Studienangebot kann von

Studierenden im Rahmen des

Zusatzstudiengangs Bilingualer

Unterricht - Englisch

(BLUE) belegt werden und

trägt somit zum Erwerb der

staatlichen Zusatzqualifikation

„Bilinguales Lernen“ bei.

IBIS

HIB

Vermittelt werden Kenntnisse

im Bereich der Didaktik des

bilingualen Unterrichts, des

Interkulturellen Lernens sowie

der Auseinandersetzung mit

Prozesse des Spracherwerbs

bei natürlicher und schulischer

Bilingualität. Dadurch soll bei

den Schülern eine reflektierten

Multiperspektivität hinsichtlich

der Geschichte, Kultur und

Sprache des eigenen wie des

Zielsprachenlands vermittelt

werden.

Das Hauptprojekt von IBIS,

„History Happens“, wird vom

Programm „Denkwerk“ der

Robert-Bosch-Stiftung gefördert.

Es beschäftigt sich einerseits

mit Diagnoseverfahren

zum individuellen Zweitspracherwerb

und entwickelt andererseits

Unterrichtsmaterialien

für den bilingualen Geschichtsunterricht.

2007 wurde IBIS mit dem

Europäischen Sprachensiegel

ausgezeichnet und 2009vom

Pädagogischen Austauschdienst

für die Teilnahme an

auf European Language Label

Conference zum Thema „Creativity

in Language Teaching

- Language Teaching for Creativity“

in Tallinn ausgewählt.

Weitere Informationen finden

Sie auf der Projektseite: http://

www.ibis-online.net/

SEITE

Einladung

Führungspersonal

gesucht

Wir suchen Kandidatinnen und

Kandidaten für den zukünftigen

GA (Geschäftsführenden Ausschuss)

der GEW Köln, der 2010

neu gewählt wird:

Gesucht werden

an einem Ehrenamt Interessierte,

die eine Großorganisation (4000

Mitglieder aus KiTa, Schulen,

Universitäten und Weiterbildung)

im Team leiten wollen.

Geboten werden:

• gewerkschaftspolitische

Gestaltungsmöglichkeiten,

• Kontakte zur Kommunalpolitik

• Erfahrung

• Netzwerke

• Qualifizierung

Interessiert?

Wir laden herzlich ein

zu einem informellen Treffen

am Mittwoch, 17. Juni 2009

um 18.00 Uhr

in die Geschäftsstelle,

Hans-Böckler-Haus

Gewerkschaft

Erziehung und Wissenschaft

Köln


Einladung

zu einer Fahrt zur

Burg

Vogelsang

Mitten im Herzen des

Nationalparks Eifel liegt die

ehemalige nationalsozialistische

„Ordensburg“ Vogelsang.

Seit 2006 ist das über 100

Hektar große Gelände als

Internationaler Platz

im Nationalpark Eifel

für die Öffentlichkeit

zugänglich.

Mittwoch, 17. Juni 2009, 9.30

Uhr

Abfahrt mit dem Bus am

DGB-Haus,

Hans-Böckler-Platz 1

Kosten: 20 Euro

für Fahrt und Führung

Bitte mit der Anmeldung die

Kosten bis zum 7. Juni 2009

auf das Konto der GEW

überweisen.

Konto : 1320732101,

SEB, BLZ 370 101 11

Gewerkschaft

Erziehung und Wissenschaft

Köln

AKTIVE RUHESTÄNDLER

Alter in der Antike

Besuch der Ausstellung im LVR–Landesmuseum in

Bonn

von Helga Löbbert

„Die Blüte des Alters aber ist

die Weisheit „ Eine frohe Botschaft

des griechischen Philosophen

Demokrit, die aber

bis auf den heutigen Tag nicht

richtig überzeugend angekommen

ist.

Ich bewundere die Organisatoren

dieser Ausstellung, denn

die Antike war eine Welt der

Jugend. Ungezählte Statuen

sportlicher Jünglinge und aphroditegleicher

Frauen zierten

Heiligtümer und öffentliche

Plätze in Stadt und Land.

Dagegen war das Alter nur im

Ausnahmefall ein Thema der

Dichter, Maler und Bildhauer.

Es muss schwierig gewesen

sein, die Exponate für diese

Ausstellung zusammen zu stellen.

Männer durften in Würde

altern und auch in der Kunst

dargestellt werden, allerdings

auch nicht jeder. Da Aristokraten

nicht als Alte gezeigt

werden sollten, waren arme

Leute, z. B. Fischer, die Modelle.

Frauen schon gar nicht, es

sei denn, sie waren Ammen. So

gibt es in der Ausstellung eine

Frauenskulptur aus Marmor.

Das Original befindet sich als

Torso in Basel, der Kopf hingegen

ist in London. Das zeigt,

wie viel Mühe man aufwenden

musste, um dies Ausstellung

zu füllen. Jugendliche Statuen

kann man sicher in vielen Museen

für eine Ausstellung aus-

SEITE

leihen, aber „das Alter“ muss

man offensichtlich in Einzelteilen

zusammensuchen.

In den antiken Staaten wurde

das Alter unterschiedlich

bewertet. In Sparta und Rom

genossen die Alten Ansehen

und hatten das Sagen. In Athen

hingegen nicht. Und das galt

natürlich auch nur für Männer.

Das Altwerden bedeutete im

Leben wie in den Bildern für

Frauen und Männer etwas sehr

Verschiedenes, häufig eher

selten etwas Angenehmes. Man

tat eigentlich gut daran, jung

zu bleiben.

Viel hat sich nicht geändert,

auch wenn die Geschäftswelt

heute die zahlungskräftigen

Senioren als kompetente Webeträger

für Rheumadecken,

Verdauungsprobleme, Antiagefaltencremes

und Gichtmittel

entdeckt hat. Da die Antike

Rheumadecken und Antiagecreme

wahrscheinlich eher

nicht kannte, brauchte man

auch keine rüstigen 60iger, um

dies Produkte unters Volk zu

bringen.

Deshalb war es auch eine

kleine Ausstellung. Das Thema

Alter ist im Laufe der Jahrhunderte

nie so prickelnd gewesen

und wie gesagt :“ Die Blüte des

Alters aber ist die Weisheit“,

aber die Weisheit lässt sich lange

nicht so gut darstellen wie

die Blüte der Jugend.


von Helga Löbbert

Unser heutiger Alltag ohne

Papier – kaum vorstellbar. Der

Papierverbrauch in Deutschland

stieg zwischen 1800 und

2004 von einem halben auf 235

Kilogramm pro Kopf und Jahr.

Pro Kopf heißt, vom Säugling

bis zum Greis, also von der

Windel aus Papier bis zum

Testament auf Papier.

Das meiste Papier wird allerdings

bedruckt. 42 % des

Papierverbrauchs entfallen auf

Druck und Presse. In Deutschland

werden pro Jahr 90 000

Bücher gedruckt, obwohl

es immer noch wie um die

Jahrhundertwende 1900 5 %

Analphabeten gibt, die kaum

eins der vielen Bücher lesen

werden. Den höchsten Papierverbrauch

pro Kopf haben in

Europa die Länder Belgien und

Luxemburg, 330 kg. Ich schätze,

nicht, weil die mehr lesen

als der Rest in Europa, sondern

weil die EU ihre vielen Gesetze

und Verordnungen von hier

unter das europäische Volk

streut.

Die Papiermühle Alte Dombach

wurde vor 400 Jahren

gegründet. Die ersten Papiermacher

kamen aus Holland

und waren evangelisch, was

schon ziemlich hinderlich im

katholischen Köln war. Man

ließ sie nicht über den Rhein in

das Herz von Köln, so dass sie

sich im Tal der Strunde niederließen.

Letzte Besitzer der

Papiermühle war die Familie

Zander, die der Stadt Bergisch

Gladbach dieselbige großzügig

schenkte. Eine Art Trojanisches

Pferd, denn die Fachwerkhäuser

der „Alten Dombach“

waren total verrottet.

AKTIVE RUHESTÄNDLER

Alles Papier

Man muss denjenigen, die die

Papiermühle restauriert und

zum Museum gemacht haben,

viel Anerkennung zollen. Der

Besucher wird hervorragend

über die Papierherstellung im

Wandel der Zeiten informiert.

Er erlebt Mühlrad, Lumpenstampfwerk

und Papiermaschine

in Aktion und kann

beim Schöpfen an der Bütte

selbst Hand anlegen, was die

meisten unserer Gruppe auch

gern taten.

So schön weiß und sauber unser

Schreibpapier ist, so dreckig

war die Arbeit in den letzten

Jahrhunderten. Selbst Kinder

mussten in der Lumpenkammer

alte Kleider für das

Lumpenstampfwerk und die

Produktion von Papier zerreißen,

was häufig zu Hauterkrankungen

führte. Außerdem war

die Arbeit laut und fürchterlich

gestunken muss es auch haben,

denn Schreibpapier musste geleimt

werden, um die Poren zu

schließen. Dafür wurden jede

Menge Schafsfüße ausgekocht.

Mit der Einführung der Papiermaschine

1820, die mit Dampf

angetrieben wurde, änderten

sich die Arbeitsbedingungen,

rosig waren sie allerdings immer

noch nicht.

Heute braucht es kaum noch

Arbeiter zur Papierherstellung.

Elektronisch gesteuerte Maschinen

liefern bis zu 800 000

kg Papier am Tag. Was auch

problematisch für die Umwelt

ist, vor allen Dingen für die

Wälder. Immerhin kommt

heutzutage das Dreckwasser

der Papierherstellung nicht

mehr ungereinigt in die Flüsse.

Auch die Strunde ist wieder

sauber.

SEITE

Einladung

zu einer Führung durch

die Sonderausstellung im

Wallraf-Richartz-Museum,

Köln

DER MOND

Vierhundert Jahre, nachdem

Galileo zum ersten Mal sein

Teleskop auf den Mond richtete,

und vierzig Jahre nach Armstrongs

Landung auf dem Erdtrabanten

zeigt das Wallraf die erste

umfassende Kunstausstellung zum

Himmelskörper.

„Der Mond „ ist ein kunst- und

kulturhistorischer Parcours durch

die Letzen fünf Jahrhunderte.

Dienstag, 4. August 2009,

14.30 Uhr

Eintritt : 9.50 Euro

Anmeldung:

Telefon: S. Weinberger-

Brümmer , 0221 / 76 33 79

E-mail: klein-loebbert@

netcologne.de

Gewerkschaft

Erziehung und Wissenschaft

Köln


Amtszeit der Lehrerräte

Eine Anfrage der Personalräte an die Bezirksregierung

zur Frage der Wahl und Amtszeit der

Lehrerräte ergab folgende Auffassung der BR

Köln: (Mai 2009)

»Ich habe die Frage zur Wahl bzw, Wahlzeit der

Lehrerräte zwischenzeitlich mit dem Dezernat

48 durchgesprochen. Zu der Fragestellung,

was passiert, wenn der Lehrerrat nur für 1 Jahr

gewählt worden ist und für wie lange Zeit das

Nachfolgegremium zu wählen ist, ist Folgendes

zu sagen:

1. Bei der Regelung über die Wahl und Amtszeit

des Lehrerrates handelt es sich um eine

gesetzlich bindende Regelung. Die vom Gesetz

festgelegte Wahlperiode kann durch Beschluss,

Vorgabe oder einem möglichen Irrtum der

Schulkonferenz nicht abgeändert werden. Die

Wahlperiode beträgt zwingend 4 Jahre. Dieses

ist eine Spezialvorschrift für den Lehrerrat, die

den sonstigen Regeln über Wahlperioden (§64

Abs.2 SchulG) vorgeht.

Der . Mai 00 :

»Arbeit für alle bei fairem Lohn«

LEHRERRÄTE

SEITE 30

2. Falls sich die Wahlberechtigten und Gewählten

über die Dauer der Wahlperiode geirrt

haben sollten, so dürfte das rechtlich zunächst

unerheblich sein, da dieses die gesetzliche

Frist von 4 Jahren nicht ausser Kraft setzen

kann.Für evtl. „Fehler“ im Zusammenhang mit

einer Wahl sieht das Gesetz in §64 Abs.4 SchulG

nur ganz enge Voraussetzungen vor,

um die Gültigkeit der Wahl (auf 4 Jahre!) in Frage

zu stellen. Diese Voraussetzungen liegen bei

einem Irrtum über die Dauer der Wahlperiode

nicht vor.

3. Sicherlich wird kein Mitglied im Lehrerrat mit

seiner Wahl der „Zwangsverpflichtung“ unterliegen,

das Amt 4 Jahre beizubehalten, auch wenn

es sich hierbei um eine dienstliche Aufgabe handelt

(§62 Abs.6 S.2 SchulG).Im Zweifel wird ein

Mitglied auch zurücktreten können. Sollte ein

Mitglied des Lehrerrats zurücktreten, triit aber

nach §62 Abs.2 S.2 SchulG zunächst die Regelung

über Ersatzmitglieder in Kraft.

4. Die Frage nach Neuwahlen kann sich also erst

dann stellen, wenn sowohl die ordentlichen Mitglieder

wie auch die Ersatzmitglieder vor Ablauf

der Wahlperiode (4 Jahre) zurücktreten. Dann

wäre ein Grund für eine Neuwahl, und zwar auf

4 Jahre, gegeben.

Ich hoffe, diese Ausführungen haben Ihre Fragen

beantworten können.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

Michael Odebrecht

Bezirksregierung Köln

Dezernat 47.2 und 47.3

Tel.: 0221-147-2417

Fax: 0221-147-2883«


Picknick

im Felde

Das Theaterprojekt der Katharina-Henoth-Gesamtschule präsentiert das absurde Antikriegsstück

Picknick im Felde von Fernando Arrabal in einer Parallelinszenierung auf vier Bühnen.

12. und 13. Juni 2009, 19 Uhr + 16. Juni 2009, 10 Uhr 30 : Bürgerhaus Kalk, Kalk-Mühlheimer Str. 58, 51103 Köln

SEITE 3

27. Juni 2009, 19 Uhr 30 : Bühnen der Stadt Köln, Schlosserei, Krebsgasse, 50667 Köln


Wir sind Europameister

von Christian Tenbrock

DIE ZEIT, 02.04.2009 Nr. 15

Deutsche Kaufleute des Todes

exportieren Waffen im Wert

von fast neun Milliarden Euro.

So manche Lieferung landet

am Ende in Krisengebieten, die

große Politik interessiert das

jedoch nicht.

Soll man sich über diesen

Titel freuen? 2007 wurde in

Deutschland

die Ausfuhr

von Kriegswaffen

im

Wert von 8,7

Milliarden

Euro genehmigt,

damit

waren die

Deutschen

Europameister

unter den

europäischen

Kaufleuten

des Todes.

Krauss-Maffei

Wegmann

schickte Panzer

in alle Welt, ThyssenKrupp

machte mit Kriegsschiffen gute

Geschäfte, EADS lieferte Hubschrauber,

Rheinmetall Munition,

Diehl Rüstungselektronik

und Heckler & Koch Gewehre.

Gegenüber 2006, schreibt die

Gemeinsame Konferenz Kirche

und Entwicklung (GKKE) in

ihrem letzten Rüstungsexportbericht,

sei der Wert der von

der Bundesregierung erteilten

MILITARISMUS

Genehmigungen um etwa eine

Milliarde Euro gestiegen, und

damit um 13 Prozent. Deutschland

ist damit der drittgrößte

Waffenlieferant der Welt, nach

den Vereinigten Staaten und

Russland und vor den Exporteuren

aus Frankreich und

Großbritannien. Die Liste ausländischer

Kunden deutscher

Rüstungsgüter umfasst inzwischen

126 Staaten – allein 45

Nationen wurden 2007 mehr

als 10000 Maschinenpistolen

versprochen, 34 Länder bekommen

19014 Sturmgewehre.

Rund ein Zehntel des weltweiten

Rüstungshandels, schätzt

das Stockholmer Friedensforschungsinstitut

Sipri, entfällt

mittlerweile auf deutsche Firmen.

Amerikaner sind für ein

knappes Drittel, Russen für ein

Viertel des globalen Waffengeschäfts

verantwortlich.

SEITE 3

Die Sipri-Zahlen beziehen

sich dabei nur auf die offiziell

genehmigten Exporte – was

darüber hinaus auf verschlungenen

Kanälen heimlich beim

Kunden landet, wird naturgemäß

nirgends registriert.

Aber auch die autorisierten

Ausfuhren machen Kritikern

zunehmend Sorge. Laut

GKKE sind 2007 Lieferungen

deutscher Waffen in instabi-

le Regionen und Länder am

Rande eines Krieges genehmigt

worden – in die nach dem

Rüstungsexport-Verhaltenskodex

der Europäischen Union

eigentlich keine Rüstungsgüter

geschickt werden dürften.

Ein Beispiel dafür ist, dass die

Bundesregierung eine Anfrage

Pakistans, drei U-Boote in die

Krisenregion zu liefern, positiv

beschieden hat.


Dies zu genehmigen – und

mit einer Hermes-Bürgschaft

in Höhe von mehr als einer

Milliarde Euro abzusichern

– überschreite eine durch die

Rechtslage und internationale

Vereinbarungen gezogene

Grenze, schreibt die GKKE in

ihrem Rüstungsbericht. Ähnliches

gilt nach Angaben des

deutschen Rüstungsexperten

Marc von Boemken auch für

die Exporte von Leopard-

Panzern nach Chile, von

Spürpanzern in die Vereinigten

Arabischen Emirate

oder von G36-Sturmgewehren

nach Saudi-Arabien.

»Besondere Interessen«

seien bei diesen

Geschäften nicht zu erkennen,

sagt von Boemken,

der für das Bonner InternationaleKonversionszentrum

(BICC) die deutsche

Rüstungspolitik beobachtet

– »und rein wirtschaftliche

Argumente dürfen auch nicht

zählen«. Vollends undurchsichtig

werden die Folgen der deutschen

Genehmigungspraxis bei

den sogenannten »Sammelausfuhrgenehmigungen«,

die 2007

einen Wert von mehr als fünf

Milliarden Euro erreichten.

Mit ihnen bekommen deutsche

Firmen für die Lieferung von

Vorprodukten für Rüstungsunternehmen

aus Nato- oder

EU-Staaten quasi einen Blankoscheck.

Dabei weiß niemand

so richtig, wohin die fertigen

MILITARISMUS

Kriegsgüter dann letztlich verkauft

werden. Sicher ist jedoch,

dass in israelischen Waffen, die

wie der Merkava-Kampfpanzer

während des Gaza-Kriegs zum

Einsatz kamen, deutsche Teile

stecken. Auch die Lizenzvergabe

zum Nachbau deutscher

Waffen im Ausland macht

Probleme. So kann die Bundesregierung

bis heute nicht erklären,

wie G36-Gewehre in die

Hände georgischer Truppen

gelangen konnten, die sie während

des russisch-georgischen

Kriegs im Sommer 2008

einsetzten. Mordende Milizen

in Darfur sind mit G3-Gewehren

ausgerüstet. Wahrscheinlich

stammen sie aus dem

Iran, der schon vor 40 Jahren

eine Lizenz zum Bau der von

Heckler & Koch entwickelten

Waffe erhalten hatte. Rheinmetall

und sein neuer Partner

könnten nun ein »komplettes

Produktportfolio« anbieten,

SEITE 33

schrieb die Presseabteilung des

deutschen Rüstungsherstellers,

nachdem das Unternehmen

im vergangenen Sommer den

südafrikanischen Produzenten

Denel Munition übernommen

hatte: gut für die Firma, die

wie alle Kriegswaffenhersteller

von einem wieder wachsenden

Markt profitieren kann.

Seit 1997 sind die globalen

Ausgaben für das Militär, so

Sipri, um knapp 40 Prozent

gestiegen. Gut aber auch für

Deutschlands weltweite Reputation?

Am 18. Dezember

2008 diskutierte das Parlament

in Berlin zum ersten Mal seit

drei Jahren über den jährlichen

Rüstungsexportbericht der

Bundesregierung. Das Hohe

Haus gab sich dafür etwa eine

halbe Stunde Zeit, kurz vor

Mitternacht.


AUFRUF

»Die Schule der Nation ist die Schule«

Aus aktuellem Anlass scheint

uns geboten, auf diesen Grundsatz

in Willy Brandts erster

Regierungserklärung zurückzukommen.

Er setzt sich damit

von der altbekannten Formel

„Armee als Schule der Nation“

entschieden ab und fordert die

„Erziehung eines kritischen,

urteilsfähigen Bürgers, der

imstande ist, durch einen

permanenten Lernprozess die

Bedingungen seiner sozialen

Existenz zu erkennen und sich

ihnen entsprechend zu verhalten.“

Wir erinnern daran, weil die

Bundeswehr von Jahr zu Jahr

breiter angelegte Reklamefeldzüge

veranstaltet, um Jugendliche,

meist Minderjährige,

für das Soldatenhandwerk zu

gewinnen. So sollen in diesem

Jahr 40 Städte vom so genannten

„Karriere-Treff “ der Bundeswehr

angesteuert werden.

Damit ganze Klassen das

mobile Werbe-Event besuchen,

werden Schulen angeschrieben,

2008 mehr als 1.700 Mal, doppelt

so oft wie 2007. Für 2009

sind 599 Einsätze bei Jugend-

Freizeit- und Bildungsmessen

vorgesehen. Außerdem sind

Arbeitsämter und Berufsberatung

direkt an Schulen Ziel der

Jugendoffiziere und so genannten

Wehrdienstberater.

Vielleicht gravierender als diese

sichtbaren Auftritte sind Versuche,

durch Einflussnahme

auf den Unterricht frühzeitig

motivierte Soldatinnen und Soldaten

zu gewinnen. Dem dienen

Lehrerfortbildungen, vorgefertigte

Unterrichtseinheiten, Freizeitangebote

mit Abenteuerflair

oder auch Seminare mit dem

Strategiespiel POL&IS. Dies

alles soll die Jugendlichen in die

Denkweise global agierender

Militärpolitik einführen. Die

nordrhein-westfälische Landesregierung

hat durch einen

Kooperationsvertrag mit der

Bundeswehr diesen Werbefeldzügen

in Richtung Schule Tür

und Tor geöffnet.

Im Kern all dieser Anstrengungen

stehen Inhalte, die in der

Gesellschaft höchst umstritten

und oftmals mehrheitlich nicht

akzeptiert sind. Zum Beispiel

lehnen über 60% der Bundesbürger

und –bürgerinnen den

Militäreinsatz in Afghanistan ab,

bei der Entsendung der Tornado-Kampfflugzeuge

waren es

sogar 77 Prozent.

Da zum Krieg entschlossene Regierungen

nicht davor zurückschrecken,

die Zustimmung

von Bevölkerung und Verbündeten

mit erfundenen Behauptungen

zu erreichen, ist ein Unterricht,

der die SchülerInnen

zum kritischen Hinterfragen,

SEITE 34

zum Verarbeiten vielseitiger

Information befähigt, gerade

in dieser Frage, welche Rolle

das Militär in der Gesellschaft

spielt und spielen soll, unverzichtbar

Terrorismus und dessen

Bekämpfung sind durchaus

wichtige Unterrichtsthemen.

Dabei müssen allerdings

wirtschaftliche und politische

Ursachen ebenso beleuchtet

werden wie die verheerenden

Auswirkungen sowohl des

Terrorismus als auch dessen

militärischer Bekämpfung für

die Zivilbevölkerung, aber

auch für die Soldaten Untersucht

werden muss, ob militärische

Einsätze überhaupt

geeignet sind, Terrorismus sowie

die ihm u.a. zugrundeliegenden

globalen Verteilungs-

und Armutsprobleme zu

lösen. Ihnen müssen Lösungsansätze

einer zivilen Friedenspolitik

entgegengesetzt werden.

Einsichten können die

Schüler nur dann gewinnen,

wenn die Interessenslage aller

an den Konflikten Beteiligten

offen gelegt wird. Dies gilt

auch für die Strategiepapiere

der Militärs.

Die Bedeutung von Dämonisierung

anderer Völker und

Religionen sowie die Produktion

von Feindbildern müsste


in diesem Zusammenhang

tiefgehend im Unterricht erarbeitet

werden.

Erst wer über das ganze Problemfeld

nachgedacht hat, wird

als junger Erwachsener eine

verantwortungsvolle Entscheidung

treffen können.

Die potentiellen Soldatinnen

und Soldaten, die sich einer

zunehmend unsicheren sozialen

Zukunft ausgesetzt sehen,

werden mit Werbeversprechungen

von guter Ausbildung,

guter Bezahlung bei sicherem

„Arbeitsplatz“ umworben.

Es geht dabei aber buchstäblich

um Leben und Tod. Sie

müssen bereit sein, auf Befehl

Menschen zu töten, das ist ihr

Beruf. Das Berufsrisiko ist,

getötet zu werden

Lehrerinnen und Lehrer sind

aufgefordert, ihrer Verantwortung

für die ihnen anvertrauten

Kinder und Jugendlichen

gerecht zu werden, indem sie

sie zu Menschen erziehen, die

verantwortungsvolle und wohlinformierte

Entscheidungen

für ihre eigene Zukunft treffen

können und nicht einer Werbekampagne

zum Opfer fallen,

die sie in ein tödliches Abenteuer

leiten kann.

Dies wird Lehrerinnen und

Lehrern besonders vor dem

historischen Hintergrund

abverlangt, dass Schule bei

AUFRUF

der Vorbereitung beider von

Deutschland verschuldeter

Weltkriege eine unrühmliche

Rolle gespielt hat, indem sie

die Bereitschaft propagierte,

für Kaiser oder Führer und

Vaterland zu sterben. Die Erfahrungen

beider Weltkriege

verlangen es, sich mit friedenspolitischen

Strategien und der

Demagogie bei der Vorbereitung

von Kriegen auseinander

zu setzen.

Deshalb wehren wir uns gegen

die zweckgeleitete Beeinflussung

von Jugendlichen durch

die Bundeswehr. Das Militär

hat an Schulen, Arbeitsämtern,

Bildungsmessen nichts zu suchen.

Es darf keine Werbeanstrengungen,

offen oder verdeckt,

an den Schulen geben,

keine Unterrichtseinheiten, die

Schüler auf angebliche Sachzwänge

orientieren statt eine

gründliche Problemanalyse zu

erarbeiten, keine Freizeiten, die

mit Abenteuergeist und Technikfaszination

ein geschöntes

Bild vom Leben als Soldat

vorspiegeln.

Schule ohne Bundeswehr.

Wer sich dieser Forderung anschließen

möchte, schreibe an

die Geschäftsstelle der GEW.

Wir leiten die Schreiben an die

Initiatoren weiter.

SEITE 35

Eva Aras, Lehrerin; Hanno Becker,

Lehrer; Christine Biermann,

Lehrerin; Malle Bensch-Humbach,

Lehrerin i.R., Dr.Manuel

Bremer, Lehrer; Monika Domke,

Lehrerin, AK Bildung und Erziehung

attac Köln, ; Bernhard

Fedler, Lehrer; Felix v. Hatzfeld,

Lehrer; Dr. Gerda Heck, wiss. Mitarbeiterin

am Institut für vergleichende

Bildungsforschung und

Sozialwissenschaften, Universität

Köln; Michael Kellner, Lehrer i.R.;

Klaus der Geiger; Dr.Anne Klein,

wiss. Mitarbeiterin am „school-isopen“-Projekt,

Universität Köln;

Konrad Klesse, Lehrer; Dr. Bettina

Lösch, wiss. Assistentin für Politikwissenschaft

und politische

Bildung an der Universität Köln;

Gabriele Metzner, Lehrerin; Hans

Mörtter, Pfarrer ; Oswald Pannes,

Dipl.Päd. i.R., AK Bildung und

Erziehung attac Köln; Wolfgang

Rieger, OStR; Klaus Schmidt,

Berufsschulpfarrer i.R. und Historiker;

Reiner Schmidt, OStR. i.R.,

Initiative Bundeswehr wegtreten;

Guido Schönian, Lehrer, junge

GEW Köln; Roland Schüler, pädagogischer

Mitarbeiter Friedensbildungswerk

Köln; Günter Wallraff,

Schriftsteller


Veranstaltung

SEITE 3

G 10629 F Postvertriebsstück DPA Entgelt bezahlt

Nr. 3 GEW forum Hans-Böckler-Platz 1 50672 Köln

mit Norbert Hocke

Stellvertretender GEW-Vorsitzender

Leiter des Organisationsbereichs Jugendhilfe und Sozialarbeit

Vorstellung der Expertise

»Schlüssel zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung

Wissenschaftliche Parameter zur Bestimmung der

pädagogischen Fachkraft-Kind-Relation«

und

Information und Diskussion

über den Stand der aktuellen Tarifauseinandersetzung

TVöD - Sozial- und Erziehungsdienst

am xx. Juni 2009

im Großen Saal des DGB-Hauses,

Hans-Böckler-Platz 1

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