SRG: Eine schweizerische Institution am Scheideweg - gfmks

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Neigung, den ihr erteilten Auftrag selbstherrlich zu interpretieren.

In der gleichen Ausgabe des BEOBACHTER hat Roger Schawinski

das Fazit aus den vorangegangenen Ausführungen gezogen:

Nach seinem Dafürhalten hat die Politik mit allen Mitteln

verhindert, dass sich im Radio und Fernsehen eine private

Konkurrenz auf Augenhöhe (zur SRG) etablieren konnte….Die

SRG bliebe auch ohne totales Inlandmonopol in ihrer Substanz

ungefährdet…Und zudem kann man die SRG locker

noch um einiges effizienter machen… Die SRG hat jetzt (mit

Roger de Weck als neuem Generaldirektor) eine grossartige

Chance, mit den verlorenen Jahren der Ära Walpen zu brechen

und alles auf den Prüfstand zu stellen.

Gewiss: In einigen Belangen lässt sich über die Meinungen

der Autoren streiten. In einem Punkt aber ist ihre Beurteilung

zweifellos richtig: Die SRG verfügt auch ohne Programmkürzungen

über ein enormes Sparpotential; dessen Ausschöpfung

verlangt allerdings mehrere Tabubrüche:

Damit nicht genug: Die Generaldirektion mit den ihr unterstellten

sogenannten Media Services ist seither sogar erheblich

weiter gewachsen. Allein von 1998 bis 2008 hat ihr Personalbestand

um 72 auf insgesamt 360,4 Vollzeitstellen

zugenommen. Diese Entwicklung steht im krassen Gegensatz

zu den Beschlüssen im Rahmen des Projektes Leitungsstrukturen.

Viele der Stellen sind gewiss unentbehrlich, ebenso sicher

sind manche überflüssig. Personelle Überkapazitäten führen

aber erfahrungsgemäss zu Leerläufen, Doppelspurigkeiten,

Kompetenzüberschneidungen und sonstigen Verwirrungen,

insbesondere auch, weil Positionskämpfe zwischen zentralen

und dezentralen Organisationseinheiten nicht nur in der SRG

Tradition haben.

Eine exakte Analyse der Aufgabenteilung zwischen der Zentrale

und den sprachregionalen Programmeinheiten ist angesagt:

Das Optimierungspotenzial ist zu quantifizieren und die

dabei eruierten Überkapazitäten sind abzubauen.

Tabubruch 1: Reduktion des Personalbestandes bei

der Generaldirektion und den Media Services

Tabubruch 2: Ausgleich der Lohnniveaus zwischen

den Sprachregionen

Eines der Hauptziele des Projektes Programmleitungsstrukturen

der SRG, das 1992 vom damaligen Generaldirektor Antonio

Riva, in Absprache mit Bundesrat Ogi, durchgeführt

wurde, war eine klare Aufgabenteilung zwischen der Generaldirektion

und den programmproduzierenden Unternehmenseinheiten

in den Sprachregionen.

Die Situationsanalyse zeigte äusserst ineffiziente Zentralisierungstendenzen

bei der Generaldirektion auf. Von der Projektgruppe

erarbeitete Vorschläge postulierten deshalb die

strikte Konzentration der Generaldirektion auf national relevante,

vorwiegend strategische Aufgaben. Im Gegenzug

wurde eine massive Verstärkung der Selbständigkeit der Unternehmenseinheiten

in den Sprachregionen verlangt. Alle

empfohlenen Modifikationen wurden von den Entscheidungsinstanzen

gutgeheissen und, soweit es die Sprachregionen

und ihren Zuwachs an Kompetenzen betraf, auch umgesetzt.

Jedoch wurde es unterlassen, die Personalbestände

der Generaldirektion zu reduzieren, wodurch eine Gefahr

ungebrochen blieb: Viele der SpezialistInnen in der Generaldirektion

mischten sich weiterhin und zunehmend eigendynamisch

in die Belange der sprachregionalen Unternehmenseinheiten

ein, anstatt die Programmverantwortlichen in

den Sprachregionen bei der Operationalisierung national verbindlicher

Strategien und Vorgaben zu unterstützen.

Es war bis 1997 ein Wesensmerkmal der SRG, dass die Arbeitsplatzbewertung

und die Entlöhnung aller bei ihr Beschäftigten

zentral auf der Generaldirektion vorgenommen

und vergleichbare Funktionen, unabhängig vom Standort, an

dem sie ausgeübt wurden, prinzipiell gleich abgegolten worden

sind. Das änderte erst 1997, als die SRG ein neues Arbeitsplatzbewertungs-

und Entlöhnungssystem einführte. Seither

ist dessen Anwendung dezentralisiert, liegt somit in der

Verantwortung der verschiedenen Direktionen der SRG. Das

System als solches hat sich bewährt. Allerdings beseitigte es

einen alten, schwerwiegenden Mangel nicht: Obwohl beschlossen

worden war, die Entlöhnung habe von nun an den

sprachregional oft stark divergierenden Lohnniveaus in der

Privatwirtschaft im Allgemeinen und in den Medien im Besonderen

angemessen Rechnung zu tragen, wurden die Lohnbudgets

der sprachregionalen Unternehmenseinheiten nicht

entsprechend korrigiert. Gemessen an den örtlichen Entlöhnungsusanzen

besteht deshalb eine ausgeprägte Überbezahlung

von Mitarbeitenden in einzelnen Sprachregionen bis

heute fort.

Für diese Feststellung gibt es eine unverdächtige Referenz:

Der Kaufmännische Verband (KV)untersucht seit vielen Jahren

die Löhne für kaufmännische Angestellte und solche im

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