SRG: Eine schweizerische Institution am Scheideweg - gfmks

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genügend finanzielle Mittel umgelagert werden können, bleibt

abzuwarten.

Tabubruch 6: Keine Unterscheidung mehr zwischen

Radio- und Fernsehgebühren

Solange die Beweise für die Vor- und Nachteile der Projektergebnisse

durch die Praxis fehlen, muss dem Projekt Kredit

eingeräumt werden: Die SRG-Verantwortlichen sind überzeugt,

die gesetzten Ziele erreichen und damit dem Unternehmen

die Zukunft sichern zu können.

Nur unter der Prämisse, dass sich die in Aussicht gestellten

Ergebnisse auch einstellen, werden sich die derzeit tiefen Verunsicherungen

im Personal und die Belastung der produktiven

Tagesarbeit durch die Projektarbeiten im Nachhinein

rechtfertigen lassen.

Tabubruch 5: Sparvorgaben für die SRG in ihrer Gesamtheit

Die SRG-Spitze hat 2009 ein Sparpaket beschlossen, das von

allen Unternehmenseinheiten der Sprachregionen, der Generaldirektion

und den Media Services mittelfristig grosse Einsparungen

verlangt: Allein bei SRF soll es sich um 20 Millionen

handeln! Derart einschneidende Sparvorhaben sind bei der

SRG neu – ein Tabubruch. Sie bilden zweifellos das Kernstück

aller Bemühungen um die Reduktion der Kosten. Freilich: Sollten

die Personalbestände bei der Generaldirektion und den

Media Services konsequent reduziert (Tabubruch 1) und die

Lohnniveaus zwischen den Sprachregionen ehrlich austariert

werden (Tabubruch 2), wäre das schon die halbe Miete. Es

bedarf aber in einer Medienwelt, die sich im totalen Umbruch

befindet, zusätzlich einer umfassenden Überprüfung der Strategie

des ganzen Unternehmens mit seinem Service public-

Auftrag, auch unter dem Aspekt der Kostensenkung.

Zweite Zwischenbilanz

Unter der Voraussetzung, dass die SRG die fünf oben beschriebenen

Tabubrüche ganz konsequent und erfolgreich begeht,

sollte es ihr gelingen, ihre Finanzen wieder in den Griff

zu bekommen und den Beweis einer betriebswirtschaftlich

einwandfreien Führung zu erbringen.

Die SRG hat das Ziel ihres Projekts Medienkonvergenz folgendermassen

definiert: Die medienübergreifende, publizistisch-redaktionelle

Zusammenarbeit mit dem Zweck, die

Vielfalt, Qualität und Produktivität der multimedialen Angebote

der SRG zu halten und zu verbessern, sowie die zeitliche,

örtliche und thematische Zugänglichkeit der Angebote

für ein grösstmögliches Publikum zu erhöhen.

Die wachsenden Online-Angebote werden trimedial produziert,

und die Generaldirektion mit ihren Service-Einheiten ist

seit jeher medienübergreifend tätig. Mit dem Projekt Medienkonvergenz

entstehen zunehmend bi- und trimediale Produktionen

sowie auf sprachregionaler Ebene bi- und trimedial tätige

Führungsfunktionen und Service-Einheiten.

Auf behördliche Anweisung werden die Gebühren aber immer

noch getrennt nach Radio und Fernsehen erhoben, und nach

wie vor wird auch eine getrennte Rechnungslegung verlangt.

Eine solche Systematik ist schon längst völlig unrealistisch

und irreführend.

Die Forderung lautet daher: Abschaffung von getrennten

Radio- und Fernsehgebühren und Einführung einer Gesamtgebühr

für die Finanzierung der SRG als Einheit. Diese Idee

wurde schon öffentlich diskutiert. Sie stiess bisher auf negative

Reaktionen, was nicht anders zu erwarten war. Das darf

allerdings kein Grund sein, sie nicht weiter zu verfolgen.

Übrigens: In Deutschland wurde eine solche Gebührenordnung

mittlerweile eingeführt.

Folgerichtig soll die Rechnung entsprechend den neuen Strukturen

des Unternehmens, die aus dem Projekt Medienkonvergenz

hervorgehen, abgelegt werden. Und hoffentlich ist

die Annahme berechtigt, dass der Bundesrat diese für die SRG

günstigen Änderungen der Rahmenbedingungen mit Druck

weiterverfolgt.

Damit ist es aber noch nicht getan. Es stehen zwei weitere

Tabus an, die gebrochen werden müssen, damit die SRG ihre

unternehmerischen Gesamtziele erreichen kann:

Damit wäre aber erst eine Voraussetzung erfüllt, um der SRG

jene unternehmerische Flexibilität einzuräumen, die sie

braucht. Die zweite ist die Abkehr von einem starren Verteilschlüssel

bei der Mittelzuteilung innerhalb der SRG:

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