Interview mit David Pfeffer David Pfeffer hat sehr ... - Multicult.fm

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Interview mit David Pfeffer

David Pfeffer hat sehr erfolgreich an einer Castingshow im Fernsehen teilgenommen. Da ist es das

Wort – CASTINGSHOW. Lest ihr trotzdem weiter? Es geht hier nämlich nicht ums Fernsehen,

sondern um Musik.

Natürlich war mein Denken bezüglich Castings im Fernsehen auch belastet mit Vorurteilen und

mir ist handgemachte Musik lieber, als nach gesungene Fernseh-Coverversionen. Aber Till

Brönner und Sarah Connor in einer Jury, das hat mich doch sehr neugierig gemacht. Und dann

habe ich X-Factor geguckt. Und dann kam der Polizist, der Polizist, der gerne singt und mich

anfänglich nicht so wirklich überzeugt hat. Bis er dann irgendwann - er hatte es schon in die so

genannten Live-Shows geschafft und ich konnte mir seinen Namen merken - mit seiner Gitarre auf

der Bühne saß und das Publikum eine ganze Strophe lang lauschen konnte, wie der David ohne

„Studio - Coverversion“ im Hintergrund klingt...

Klang eben nach handgemachter Musik. Das hat mich dann auch wieder neugierig gemacht und

deshalb baten meine Schwester und ich ihn zu einem Interview.


Interview:

Lena & Jutta: Hallo David!

David: Grüßt Euch.

Jutta: Wie und in welchem Alter hast du Gitarre spielen gelernt?

David: So richtig angefangen damit hab ich so mit 11. Ich hab früher Klavier gespielt,

meine Eltern hatten ein Klavier gekauft und dann habe ich damit angefangen, aber es war

wohl nicht mein Instrument; ich war aber noch klein – sechs oder sieben - ich glaube da

kann man das noch gar nicht so richtig entscheiden. Ich fand's dann irgendwann langweilig

und hab dann mit dem Fußball spielen angefangen... und so mit 11 glaube ich kam dann

die Gitarre. Mein Papa hat immer schon Musik gemacht, der spielte auch in einer Band

Jutta: Hauptberuflich? Oder auch...

David: Nee...nee

Jutta: so Hobby?

David: Das ist eher... ja...hm, hmm.

Jutta: Hm.

David: Nee es ist schon so, mein Papa hat das früher sehr intensiv betrieben. Die spielen

auch immer noch bzw. haben auch Platten aufgenommen, sind aber auch schon in

einem etwas gesetzteren Alter. Er hat das immer sehr leidenschaftlich gemacht, hat

aber auch die journalistische Laufbahn eingeschlagen; ist Journalist und schreibt

über Kultur, hat früher auch über Musik geschrieben. Plattenkritiken usw. Daher war

Musik immer ein Thema bei uns im Haushalt und dann hab ich halt mit 11 mit der Gitarre

angefangen.

Lena: Also von klein auf rein gewachsen.

David: Ja. Gitarrenunterricht hab ich dann so zwei, drei Jährchen gehabt. Dadurch dass ich sehr

ländlich groß geworden bin, gab es leider nur die Möglichkeit „Wandergitarre“ zu lernen,

das hat mir dann irgendwann nicht mehr so gefallen ... und dann hab ich mit 14 auch die

erste Schülerband gegründet und hab mir dann „den Rest“ selbst beigebracht.

Jutta: Hast du seitdem immer Musik gemacht?

David: Ja, seitdem ich 14 bin, eigentlich seitdem ich angefangen hab Gitarre zu spielen

immer, dann die eigene Band und dann ging das immer so weiter. Und die

Formation in der wir jetzt spielen, gibt es auch schon seit 2004.

Jutta:

Die Schülerband hast du selber gegründet?

David: Ja!

Jutta:

Ey super!

David: Das war sehr lustig, weil die anderen bis zu dem Zeitpunkt gar kein Instrument

spielen konnten und dann angefangen haben Instrumente zu lernen.

Lena: Die anderen haben bestimmt mitgemacht wegen der Mädchen, oder?


David: Wir hatten sogar eine Schlagzeugerin, von daher war das jetzt nicht nur um Mädels

aufzureißen oder so...

Lena: Ist aber oft so. Ich kenne viele Gitarristen, die ursprünglich mal wegen der Mädchen

angefangen haben... die waren dann aber auch schon 15 – 16...

David: Nja, letztlich macht man wahrscheinlich alles n bisschen deswegen, oder?

Jutta:

In dem Alter auf jeden Fall.

David: Glaube ich auch...

Jutta: Ja. Und in der Schülerband hast du auch gesungen und Gitarre gespielt.

David: Ja genau.

Jutta:

Inpaticula hat sich über das Internet kennengelernt.

David: Richtig.

Jutta:

Und wie habt ihr da angefangen? Habt ihr da gleich eigene Sachen gespielt, oder

auch gecovert?

David: Ich hab mit 14 schon angefangen Songs zu schreiben...

Jutta:

Ah, war schon Material vorhanden...

David: Nee, das was wir damals gemacht haben...das kann man man sich ja vorstellen, dass

man mit 14 nicht die schönsten Texte schreibt und nicht die besten Songs...

Jutta:

Stimmt, ich erinnere mich...

David: Das hat sich natürlich auch entwickelt. Das hat sich bei mir entwickelt und auch bei

den Jungs. Die Jungs hatten schon ihre Band, zu der ich dann dazu gestoßen bin.

Sie haben sich im Studium kennengelernt, studierten Musik und Tontechnik und gründeten

dann die Band. Sie hatten auch schon Lieder, und als ich dazu kam, war es so,

dass wir die Lieder, die da waren gespielt haben. Ich hab die Texte dazu

geschrieben; ein paar Songs haben wir auch umstrukturiert und umgeschrieben,

und auch einige neue kamen dazu. Als wir die erste EP aufgenommen haben, war

ich noch kein Jahr in der Band.

Und dann ging es fließend so weiter. Ich habe die meisten Songs geschrieben und

die Arrangements haben wir zusammen in der Band gemacht.

Jutta:

Und auch produziert. Da die ja alle Tontechniker sind?

David: Ja genau, produziert haben wir es letztlich auch selbst. Was nicht immer die

einfachste und nicht die beste Methode ist, um an solche Sachen ran zu gehen... weil man

irgendwann, wenn man zu sehr in der Musik steckt, auch das Auge für den Sound

verliert. Man verliert sich generell so sehr da drin, dass man immer tüftelt und

macht und tut, dass man den Blick für das Wesentliche nicht mehr hat. Das hat ein

„Externer“ schon eher...

Jutta: Ja stimmt.

David: Jemand der da mit drüber hört und sagt: „das funktioniert ganz gut und das

funktioniert für mich noch nicht.“ So als Band, wenn du auch noch der Musiker bist


Lena: Ja.

der es einspielt, derjenige bist, der es geschrieben hat und dann noch arrangierst

und die Recordings machst und am Ende sogar noch das Mastering, da bist du mit

so ziemlich allen Aufgaben beschäftigt, die es bei Aufnahmen gibt. Und da verlierst du den

Blick dafür, was du eigentlich tun solltest.

David: Und das ist eben das Spielen, das Musik machen.

Jutta: Aber ich finde, ihr habt es gut hingekriegt, also In The Cold Light Of Day kann man sich

anhören.

David: Vom Klang her ist das schon ganz gut, finde ich auch. Also wir hätten noch n paar

Sachen ... das ist aber auch immer so, dass wenn man es sich dann anhört ... ich

finde zum Beispiel im Kontext zu der Soloplatte ist der Gesang schlechter

gemischt. Das liegt aber auch daran, dass wir, das muss man schon sagen, nicht

unbedingt das größte Augenmerk darauf gelegt haben, den Gesang zu mischen. Das

war bei der anderen Platte dann natürlich ganz anders. Ich glaube, man sollte das

filigraner aufnehmen, wir hätten es vielleicht tun sollen. Aber letztlich sind wir damit

sehr zufrieden.

Lena: Man lernt ja auch.

David: Ja, dafür ist es eben gut gewesen. Ich denke, dass es auch ein Prozess war bei

uns, oder vielmehr immer noch ein Prozess ist. Aber wir sind damit zufrieden.

Jutta: Die Arbeit an „I Mind“ war anders. Wie war die insgesamt für dich? Da musste es

doch „schnell“ gehen...oder?

David: Ja, das meint man so...Vermeintlich sagt man, dass da relativ wenig Zeit

investiert wird. Das ist ja so das Thema bei Castingshows, dass man sagt, die Alben

werden so schnell weg produziert und im Prinzip ist das so wenig nachhaltig was da

passiert. Und bestimmte Kriterien davon erfüllt sicherlich jedes „auf die Schnelle“

produzierte Album. Allerdings muss ich hier sagen, dass sich im Vorfeld Gedanken

gemacht worden sind, die ich ja so nicht mitbekommen habe. Aber bei meinem Album

hatte ich die Möglichkeit, mit Produzenten zusammen zu arbeiten, die mir musikalisch

sehr nah sind und die ich auch sehr schätze. Die Arbeit im Studio war relativ einfach. Klar

war es so, dass ich nicht jeden Song selber schreiben konnte. Das lag daran, dass ich

während dieser Zeit studiert habe, X-Factor gemacht habe und ins Studio gegangen bin

und Songs aufgenommen habe. Und alles parallel war dann doch ein bisschen viel. Es war

arg anstrengend und da konnte ich nicht auch noch sagen, dass ich jetzt 11 neue

Songs innerhalb von 4 Wochen schreibe, die dann auch die Qualität haben. Das ging eben

nicht.

Jutta: Aber im Studio konntet ihr euch schon Zeit lassen.

David: Super. Alles prima.

Jutta: Und zum Songs kennenlernen hattest du auch genug Zeit?

David: Ja klar. Ich hab die Songs in einer vor produzierten Demoversion bekommen, hab sie

durch gehört und dann gesagt, welchen Song ich möchte und welchen nicht. Es

waren natürlich auch Songs da, über die man diskutieren musste. Aber letztlich hab ich

entschieden, welche Songs auf das Album kommen. Und ich durfte dann ja auch

Lieder schreiben, die dann mit auf' s Album kamen, von daher fühle ich mich mich der

Platte auch sehr wohl.


Jutta: Hast du das angeregt, eigene Lieder mit aufzunehmen oder haben die Produzenten Dich

gefragt, ob Du nicht noch was hast?

David: Ja, es war erst so, dass wir diskutiert haben, ob man Sachen von meiner Band mit

dazu nimmt. Das wollte ich aber nicht, weil ich finde, dass das ein abgeschlossenes

Projekt ist, das ist eine Arbeit, die die Band zusammen gemacht hat. Dann meinen

Namen "drüber zu klatschen" und zu sagen: "Das ist mein Werk", das hab ich für

nicht richtig empfunden. Aber da ich ja eh immer Musik geschrieben hab, war es so,

dass ich auch schon Demoversionen hatte. Und bei einigen habe ich gesagt, das

könnte ich mir vorstellen mit aufzunehmen, da wir das mit der Band noch nicht so

angegangen haben. Ich habe dann noch einen Song geschrieben und es wurde

einfach ein fließender Prozess und das war eigentlich ganz gut. So haben wir es auch

hinbekommen, das Album in der Zeit zu machen. Auch bei den Arrangements hatte ich

"Mitspracherecht". Und ein paar Lyrics habe ich auch noch mal umgeschrieben, so

dass es für mich auch passte.

Jutta: Ist ja schön zu hören.

Lena: Ja, man muss ja auch dahinter stehen.

Jutta: Man weiß es ja so von "außen" nicht, wenn man ein Casting guckt... Ich hab das

Casting eigentlich auch nur wegen Till Brönner geguckt. Eine Freundin hatte mir

erzählt, dass Till Brönner mit Sarah Conner in der Castingjury sitzt. "Wie bitte - was? Till

Brönner macht doch kein Casting!" Dann war die Show aber schon fast am Ende und

da hab ich entschieden, es im darauffolgenden Jahr zu gucken. Und ich fand, dass man es

schon gucken konnte, weil mehr Wert auf die Musik gelegt wurde und nicht so viele

Geschichten...eigentlich nur das Nötigste...

Lena: An Hintergrund, Homestories und so...ja.

David: Ja, ich bin halt auch jemand gewesen, der vorher Castings generell nicht geguckt hat. Und

ich lehne diese ganzen "Reality-Geschichten" oder auch Sendungen, die gescriptet sind,

ab. Das sind Dinge, die ich überhaupt nicht schätze. Und ich finde auch, dass die

Fernsehkultur da ganz schön krankt. Und dass wir da Defizite haben. Wobei ich auch

sagen muss, das sind natürlich auch alles gesellschaftliche Stimmungen und

Strömungen, die das Fernsehen bedient.

Lena: Deswegen habe ich seit sieben Jahren keinen Fernseher mehr .

David: Ja, ich guck Privatfernsehen (oder privat Fernsehen) auch nicht. Ich hab die erste

Staffel auch nicht gesehen. Das hab ich mir dann nachträglich angeguckt um zu

sehen, worum es geht und ist wirklich Musik das Thema dieser Sendung. Oder ist das

Thema, wie bei vielen anderen Castings auch, dass man eine Sensation entdecken will ...

dass einer … was weiß ich ... 'ne Knastvergangenheit hat oder so... Solche Dinge eben,

die nicht entscheidend dafür sind, ob einer gute Musik machen kann. Oder ob man gut

singen kann. Es ist ja so, dass X-Factor eine Gesangsshow ist. Du singst ja Cover. Also

letztlich geht's ja nur darum, kann man performen, kann man singen? Ob man ein wirklich

talentierter Musiker ist, entscheidet sich ja nicht in einer Castingshow, sondern erst viel

später. Und da ist dann der Punkt wo man sich durchsetzen muss. Man sollte da

separieren. Das finde ich sehr wichtig. Und diese Geschichten erzählen... Ich glaube,

dass man, wenn man sich dazu entscheidet Musik zu machen und das der

Öffentlichkeit zu präsentieren, auch die Entscheidung getroffen hat, sein Privatleben auch

ein Stück weit in die Öffentlichkeit zu ziehen. Das heißt, dass immer mal wieder auch

private Dinge interessant sind, weil man ein Mensch ist, der in der Öffentlichkeit steht. Das

ist irgendwie auch normal. Damit sollte man umgehen können. Ich finde eben nur nicht,

dass man daraus Sensationsstories machen sollte. Im Endeffekt ist man ja ein Mensch wie


jeder andere. Und ich weiß nicht, ob es jeden was angeht...

David: ... was man so in seinen eigenen vier Wänden treibt. Das ist für mich nicht notwendig, das

zu erzählen.

Jutta: Deshalb konnte man X-Factor schon gucken. Ist jetzt auch nicht meine Lieblingssendung

gewesen, aber ja. Also zu einer anderen Castingshow wärst du folglich nicht gegangen?

David: Nein, zu keiner anderen.

Lena: Gut.

Jutta: Und hast ja mal gesagt, dass du zu X-Factor gegangen bist, um INPATICULA ein bisschen

bekannter zu machen.

David: Ja.

Jutta: War das der einzige Grund?

David: Ja, in der Tat. Der einzige Grund...hm...in erster Linie war es so, dass wir, als die

Castings bei X-Factor angefangen haben und ich gefragt wurde, ob ich an diesen

Castings teilnehmen möchte, relativ viel im Studio waren. Und als Musiker, also wenn du

dich entscheidest Musik zu machen und auf der Bühne stehst, dann hast du natürlich auch

den Drang, Reaktionen vom Publikum zu bekommen. Wenn du immer nur im Proberaum

und im Studio sitzt, willst du irgendwann auch Konzerte spielen. Das ist natürlich so. Erst

kamen die Youtube-Videos, die ich gemacht habe, dann kam die Anfrage zum Casting ...

Eigentlich war es so, dass ich immer gesagt habe, dass ich Castings für mich selber

ablehne, ohne zu wissen warum. Casting? Was bedeutet das überhaupt und was passiert

denn da... Also war es auch meinungsbildend, was ich da gemacht habe das muss ich

auch sagen. Und am Ende, als ich dann wusste, es wird was von mir gesendet, habe ich

gedacht, je weiter ich komme, um so mehr Werbefläche finde ich für meine Musik und für

das, was ich wirklich tue. Ich meine nicht so sehr die Werbung für meine Person, sondern

für das was ich schaffe. Und das ist eben Musik und das ist bei mir eben sehr eng

verbunden mit meiner Band.

Lena: Also bereust du es nicht, in keiner Form.

David: Nee also, generell daran teilgenommen zu haben bereue ich nicht. Ich bereue manchmal

ein bisschen die Ignoranz vieler Menschen, wobei ich auch denke, das ist ein

gesellschaftliches Problem in Deutschland. Und es gibt - meiner Meinung nach - das

kann man auch knallhart so sagen - es gibt Verantwortliche dafür, dass es in Deutschland

so ist, dass man als Teilnehmer einer Castingshow, egal ob man gewinnt oder nicht, immer

mit Vorurteilen zu kämpfen hat. Im Prinzip ist es für uns alle eine Promo-Fläche, wir

können alle im Fernsehen zeigen, dass wir singen können und auf unsere Projekte

aufmerksam machen. Das ist die Chance, die man dort bekommt.

Lena: Ja.

David: Es ist nur leider so, dass viele natürlich - und dazu zähle ich mich irgendwo auch; das hab

ich ja vorher auch gemacht - Castings so strikt ablehnen. Diese Ignoranz gegenüber

Leuten, die sich im Fernsehen dazu entscheiden, ihr Talent zu beweisen. Dass es da doch

eine sehr hart-ablehnende Haltung gibt. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass das so

extrem ist. Wobei ich auch sagen muss, dass es auch positive Resonanzen gibt, von

Leuten, bei denen ich das niemals vermutet hätte. Dass die sagen: "Ich find' s aber gut was

du machst" ... es ist unfassbar, wen man manchmal so trifft und wer das dann doch auch

weiß dass man es gemacht hat und da kriegt man auch positives Feedback. Das gibt' s

also auch. Schwierig...und ich glaube in Deutschland hat es einfach noch niemand


Jutta: Ja.

geschafft, den Bann so zu brechen, wie in Amerika oder England, wo Castinggewinneroder

Teilnehmer, die gar nicht gewonnen haben es dann doch geschafft haben mit ihrer

Musik den Erfolg zu haben, den sie sich erhofft haben. Das ist in Deutschland doch

durchaus schwierig, ist aber nichts, was man nicht auch schaffen kann.

David: Ich glaub da schon dran, letztlich zählt es gute Musik zu machen. Du musst die Leute, die

hart daran zweifeln, dass du - das ist ja der Vorteil den man hat - viele die das so

ablehnen, überzeugen musst. Auch diejenigen, die z.B. meine Musik nicht spielen würden,

oder nicht annehmen, die entscheiden das nicht aufgrund von musikalischer Qualität,

sondern die sagen, das ist doch so' n Casting Typ und gehen davon aus, dass ich

eigentlich nur den Fame will. Wenn du denen aber immer wieder gute Argumente

lieferst, mit jedem neuen Stück, mit allem was du machst, und immer wieder zeigst:

„Leute, mir geht' s genau darum“ dann kann man diesen Imagewandel doch auch

hinbekommen. Ich erhoffe mir das.

David: Es ist ja im Prinzip auch egal. Letztlich ist das Musikfernsehen tot. MTV / VIVA das sind

die Sender, die gibt es nicht mehr. Wo also findet man im Fernsehen neue Musik?

Eben in den Castingshows. Wir haben ja talentierte Sänger in Deutschland...ich

weiß jetzt nicht, ob das auch alle talentierte Musiker sind...ob die das alle aus eigener Kraft

schaffen können, sich zu etablieren. Das weißt du aber, wenn du eine Band gründest und

dich bei einer Plattenfirma bewirbst doch auch nicht.

Wenn ich zu einer Plattenfirma gehe und ich heiß... Tim Bendzko, dann kann es sein, dass

die sagen, wir glauben daran, dass du es schaffst und die machen es, die bringen meine

Platte raus. Du kriegst ordentlich Promotion und es funktioniert. Das hat bei Tim Bendzko

wunderbar geklappt, das hat aber bei 50, 60 anderen letztes Jahr nicht funktioniert.

David: Und das liegt nicht daran, dass die untalentiert sind oder so, sondern einfach weil es nicht

geklappt hat. Und das ist bei Castinggewinnern doch auch so. Wir haben jetzt 15, 20

Castinggewinner, maximal - was weiß ich - 15 Castinggewinner? , 16, 17? Davon machen

noch ein paar Musik, ein paar nicht mehr...

Jutta: Ich glaube Musik machen die schon noch, man weiß es halt nicht.

David: Aber auf welchem professionellen Level... das ist eben die Frage, aber das weißt du eben

bei vielen Musikern auch nicht.

Jutta: Man hört von den wenigsten...

David: Ja. Und das ist etwas, wobei man Erfolg für sich selber definieren sollte. Und wenn es für

mich bedeutet, dass in der öffentlichen Wahrnehmung das bedeutet, dass ich mit Leuten

mithalten muss, die in Deutschland eben die ganz großen Nummern sind, dann kann ich

das zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht bieten. Und das muss man auch ganz klar so

sehen. Und das sehe ich persönlich für mich auch so. Ich sehe mich in einem Stadium, wo

ich mich auch wirklich als Newcomer behandelt fühlen möchte. Ich bin niemand, der sich

mit Naidoo und Grönemeyer... selbst Philip Poisel oder Casper oder wie sie alle heißen. Da

kann ich mich nicht mit messen. Das ist überhaupt nicht möglich. Dafür habe ich noch gar

nicht die Chance bekommen, erst mal überhaupt das zu tun, was ich machen will. Ich

muss die Leute erst noch überzeugen, dass ich das kann, dass ich Songs schreiben kann,

dass ich das auch will. Dass ich mich auch als Musiker fühle... und wenn es dann so ist,

dass meine Musik gut ist und Leute das annehmen, dann kann man sich die Karriere

erarbeiten. Aber die Zeit, die brauche ich um das machen zu können.

David: Da kannst nicht eine Castingshow gewinnen und davon ausgehen, du gehörst dazu, zur

Top Liga... das ist utopisch.


Lena: Ja das denken aber auch noch ganz viele...

David: Ja, das kann sein. Aber ich geh ja auch nicht zu Schalke oder zu Dortmund wenn ich gut

Fußball spielen kann...ne? Ich bin 16 Jahre, geh dahin, stelle mich vor und die sagen, alles

klar wir nehmen dich, dann kickst du aber auch erst mal in der A-Jungend. Dann

musst du dich auch zur ersten Liga hoch spielen. Und das kannst du schaffen, kann

aber auch sein, dass du es nicht packst obwohl du sehr talentiert bist. Die Garantie dafür

die gibt es eben nicht. Das muss man akzeptieren. Und ich finde es immer sehr schade,

dass eben bei Casting-Gewinnern, oder Leuten, die es durch eine schnelle - durch einen

Blitzerfolg – den sie sich erarbeitet haben, dass da dann schnell der Glauben, die Hoffnung

dass das funktionieren kann, ziemlich schnell aufgegeben wird.

Lena: Ja. Stichwort Verheizen.

David: Ja.

Jutta: Ja. Wie war denn X-Factor sonst so für dich? Waren es viele Eindrücke? Und wie hast du

die verarbeitet?

David: Es waren viele Eindrücke...ja.

Jutta: Hast du zufällig ein Lied drüber geschrieben?

David: Nee, über X-Faktor, über die Zeit selbst nicht. Im Moment schreibe ich viel eher über die

Zeit danach.

Jutta: Es ging ja auch weiter...hat ja nicht aufgehört mit dem Sieg...

David: Genau. X-Faktor war natürlich eine unglaubliche Erfahrung, weil ich vorher ja gar keine

Erfahrung mit Fernsehen, mit Musik auf so professionellem Niveau hatte. War ja alles neu

für mich. Ich kannte niemanden. Du bist da im Prinzip ganz allein und lernst dann erst die

Leute kennen. Das war hoch spannend sehr interessant.

Jutta: Wie ist denn dein Leben jetzt so als Musiker?

David: Unruhiger als vorher. Also innerlich auf jeden Fall. Glücklicher - und zwar wesentlich

glücklicher, und in Prinzip ist es genau dieser Gefühlsmischmasch, der das im Moment bei

mir so trägt. Es ist also so, dass ich an einem Tag von extrem guter Laune, zu ganz

schön mit den Nerven runter...

ja dass ich dazwischen extrem schwanke. Ich bin jetzt selbst für mich verantwortlich, für

das was jetzt passiert. Das macht' s jetzt nicht unbedingt leichter... Das hab ich auch

schon öfter gesagt, dass ich finde, in meinem eigentlichen Beruf als Polizist habe ich das

höchste Maß an Sicherheit. Das hatte ich 12 Jahre lang. Das größt mögliche Maß an

Sicherheit, das man haben kann. Das Beamtentum, es gibt keinen Beruf dieser Erde, der

vom Grundprinzip her so sicher ist. In Bezug auf Arbeitslosigkeit... du verlierst nicht so

schnell deinen Job. Ansonsten müsste man über Sicherheit auch mal diskutieren, ob das

dann tatsächlich der sicherste Job ist. Aber wenn es um Berufssicherheit, die Absicherung

gegen Arbeitslosigkeit geht, ist der sehr sicher. Dadurch, dass du so viele Sicherheiten

hast, hast du ganz wenig Freiheiten. Wenn du Musiker bist, hast du alle Freiheiten und da

kannste hingehen und machen was du willst, aber du hast kein Stückchen Sicherheit.

Ich glaube für mich mittlerweile auch, dass bei mir eher Glück das höchste Gut im

Leben ist. Also Glücklichsein an und für sich ist das höchste Gut im Leben. Wenn ich mir

vorstelle, also viele Leute gehen arbeiten, mögen ihren Job, also es ist auch nicht so, ich

würde niemals was Schlechtes über meinen Beruf sagen... aber der Weg zum

Glücklichsein ist das irgendwie nicht . Ich hab irgendwie das Gefühl gehabt, dass ich

Geld verdiene, um mir meine Freizeit zurückzukaufen.


David: Um das aufzuwiegen was ich an Stress und so im Beruf hab... hab ich eben das

Geld, ums wieder gut zu machen. Und ich sag mal so. Wenn ich meine Miete bezahlen

kann, meine Krankenversicherung...und irgendwie wat zu essen hab und mit meinen Jungs

einmal im Monat raus gehen kann...bin ich voll zufrieden.

Am Ende ist es ja auch so, dass du dir für das viele Geld vielleicht auch gar nichts mehr

kaufen kannst. Was machste dann? Ich hab keinen Bock mit 60 oder 70 oder wann auch

immer, da zu sitzen und zu sagen: ja geil, jetzt haste 40 Jahre gearbeitet und hattest

deine 25 Urlaubstage im Jahr. Wat haste denn jetzt eigentlich gemacht für dich, hast du

dich wirklich da gesehen? Klar ist es jetzt für mich auch Traumtänzeln ... ich weiß halt

nicht, ob ich jemals Erfolg haben werden damit, aber ich will es halt machen. Und wenn

ich mich damit auf'n Bart lege, dann wird es viele Leute geben, die sagen, siehste, haben

wir dir ja gesagt, aber ich hab' s gemacht. Und dann hab ich' s für mich gemacht. Und

wenn ich dann am Ende selber feststelle, das hat nicht funktioniert und vielleicht muss ich

mich woanders suchen, dann kann ich das immer noch machen. Im Moment ist es einfach

so, dass ich das Musikmachen total spannend und interessant finde, ich mach das sehr

gerne.

Jutta: Also vermisst du deinen Alltag als Polizist auch nicht so wirklich...?

David: Ich hab da keine Zeit zu, das zu vermissen.

Jutta: Wie fühlt es sich an...Dadurch dass ihr bekannter geworden seid, gibt’ s ja auch viel mehr

Leute, die Eure Musik hören...unterwegs und wo auch immer...Denkst du da manchmal

drüber nach?

David: Na, eigentlich nicht. Ich denk schon darüber nach, dass es eigentlich ein Irrsinn ist, wenn

man selber weiß, wie viele CDs von einem im Umlauf sind, wie viele Leute also schon

irgendwann mal Musik von dir gehört haben könnten. Das ist schon irre. Ansonsten, so im

Alltag begleitet mich das nicht. Ich hab den Fokus im Moment so krass auf neue Sachen

und auf Studio und machen und tun... zum Tour Auftakt zum Beispiel...Das kann man ja

so nicht in Worte fassen. Wir haben' s ja ein halbes Jahrzehnt gemacht, wir haben

Konzerte vor 50 manchmal weniger Leuten gespielt. Und dann stehst du in Frankfurt, wo

ich mein Leben vorher maximal wegen meinem früheren Beruf mal war, aber privat - ich

kenne da niemanden. Und du kommst in eine Halle, die ist voller Leute und du kommst

raus und denkst woher kommt das jetzt? Und dann fährst du weiter nach München und da

passiert das Gleiche wieder. Du denkst irgendwie, kann ja nicht sein... Und das sind auf

jeden Fall ganz extreme Erfahrungen, super, super Erfahrungen, die man so auch

nicht mehr vergessen kann. Ist schon schön.

Lena: Also so dann mal ein glücklicher Casting-Absolvent. Vielen Dank würde ich sagen.

David: Ich danke Euch.

Also dass der David mal Polizist gewesen sein soll, können wir uns so gar nicht vorstellen. Und er

kann wirklich schöne Musik schreiben; schön rockig und schön melancholisch... ihr findet Songs

von Davids Soloplatte „I Mind“ auf Youtube und Songs von Davids Band auf der Myspace-Seite

von Inpaticula.

Inpaticula auf Myspace

[http://www.myspace.com/inpaticula]

Out Of Mind – I Mind – David Pfeffer

[http://www.youtube.com/watch?hl=en&v=5OUNq0TZh0M&gl=US]


Das Interview führten: Lena und Jutta Speckmann

Text und Transkription: Jutta

Audioschnitt: Jutta

Foto: Lena

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