Wieder Worte - Kliniken-Wied

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Wieder Worte - Kliniken-Wied

2/2005

Wieder Worte

Die Patientenzeitung der Kliniken Wied


Liebe Leserin, lieber Leser,

geht es Ihnen eigentlich auch so, dass allein das Denken an „Beziehungen“ – Themenschwerpunkt

in dieser Ausgabe – eine Flut von Erinnerungen, Gedanken und Gefühlen

auslöst? - an die vielfältigen Beziehungen zu Familie, Verwandten, Freunden, Arbeitskollegen,

Nachbarn usw., in denen wir aktuell leben, an Beziehungen in der Vergangenheit,

die für eine „Lebensabschnittsphase“ bedeutungsvoll waren, die abgeschlossen sind

und in der Erinnerung ruhen können, oder aber in unsere Gegenwart hinein wirken, oder

an neue Beziehungen, die im Begriff sind sich weiter zu entwickeln, zu vertiefen und in

die die lebensgeschichtlichen Erfahrungen auch in Form von Wünschen und Hoffnungen

mit einfließen. Schließlich existieren Beziehungen zur Tier- und Pflanzenwelt, zu Gott,

zu den schöngeistigen Dingen (Literatur, Musik, Malerei) und vielen uns täglich begleitenden

Gegenständen.

Familienbeziehung, Beziehungsmuster, Beziehungsgestaltung, Chatbeziehung, Beziehungsdrama,

Beziehungskiste, Liebesbeziehung, Beziehungsstress, sexuelle Beziehung,

Beziehungsgestaltung, abhängige Beziehung, Beziehungsende, beziehungsreich,

symbiotische Beziehung, platonische Beziehung, Dreiecksbeziehung, Geschäftsbeziehung,

Arbeitsbeziehung, Wirtschaftsbeziehung, politische Beziehung, usw.. Schließlich auch

die Beziehung zu sich selbst ...auch..., oder an erster Stelle? Und ein wenig abgewandelt

die Erziehung, Anziehung oder Entziehung.

Beziehung macht aus dem Ich und Du ein Wir, und inwieweit es gelingt, auch in dem Wir

das Ich und Du zu erhalten hängt von vielfachen biografischen Erfahrungen ab, die

spätestens im Mutterleib beginnen. Fr. Dr. Funke (Ltd. Psychologin) beschreibt den entwicklungspsychologischen

Aspekt in ihrem Artikel „Das Salz des Lebens“, A. Eberst

und T. Graulich (Physiotherapeuten) setzen die Beziehung zum Körper „Ein gesunder Geist

wohnt in einem gesunden Körper“ in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung und S. Regner

(Ernährungsberaterin) beleuchtet die Beziehung zur Ernährung in ihrem Artikel „Essen und

Psyche“. Unsere Fachtagung „Depressive Störungen erkennen und behandeln“ befasste

sich mit der Depression, die auch als Ausdruck einer aus dem Gleichgewicht geratenen

Beziehungsgestaltung betrachtet werden kann, hierzu D. Garbe (Diplom Psychologe und

Qualitätsmanagementbeauftragter) in einer Zusammenfassung. Weitere Artikel haben mehr

oder weniger „direkte Beziehung“ zum Thema und sollen wie immer der Information und

Unterhaltung dienen.

Vielleicht geben wir ein wenig Anstoß zum Nachdenken, wie es aussieht in Ihren Beziehungen,

sind sie zufrieden? glücklich? Wir wünschen es Ihnen auf jeden Fall, und wenn Sie

unzufrieden sein sollten arbeiten Sie daran, denn eine Beziehung lebt nicht von alleine.

Herzlichst Ihr

Ingolf Issel-Domberg

INHALTSVERZEICHNIS

4 Das Salz des Lebens

Der Mensch und seine Beziehungen.

10 Essen und Psyche

Unsere Beziehung zur Ernährung:

Essen ist weitaus mehr als Ernährung.

16 Förderkreis News

Angebot an Übungsfirmen erweitert.

– 42 Mitglieder –

Erfolgreiche Tätigkeit.

20 Kommen und Gehen

Von neuen und

ehemaligen Mitarbeiter.

23 Wieder in Frankfurt

Das Team der Kliniken Wied beim

Frankfurter Firmenlauf.

26 Interview

Frau Margret Güntzel ist immer

gesprächsbereit ...

IMPRESSUM

Herausgeber

Kliniken Wied

Erscheinungsweise

zweimal jährlich

Redaktionsleitung

Ingolf Issel-Domberg

Redaktionsmitglieder

Jutta Dörr,

Gerhard Frank,

Dr. Wilma Funke,

Manfred Kruppa,

Hansjörg Pütz,

Sabine Waldmann

8 Neues aus Wied

Umsetzungen von Konzepten und

diversen Projekten als fester

Bestandteil in den Kliniken Wied.

12 Fachtagung Wied I

Der Süchtige wird in der Sucht

niemals finden, was er sucht.

– Ein Nachbericht.

18 Fachtagung Wied II

Depressive Störungen erkennen

und behandeln.

– Eindrücke einer Beteiligten.

21 Körper und Geist

Was kann der Einzelne tun,

um eine gesunde Beziehung zu

seinem Körper herzustellen?

24 Rätsel

Obst aus dem Ofen?

Ein Sonntag vor Weihnachten?

Vieles bleibt ein Rätsel.

27 Zündstoff

Neue Beiträge sorgen für

spannende Inhalte.

Beiträge von

Petra B.

J. Dörr,

A. Eberst,

E. Effert

G. Frank,

Dr. W. Funke,

D. Garbe, M. Gehlbach,

T. Graulich,

I. Issel-Domberg,

M. Kruppa,

H. Pütz und Pat. Wied,

S. Regner,

S. Waldmann,

9 Drunter und Drüber

Ein Herz und eine Seele?

– Das märchenhafte Hausmeisterehepaar.

14 Tierische Beziehungen

Ein Märchen.

19 Zwischenmenschliche

Beziehungen

Ein paar subjektive Betrachtungen.

22 Turnsport für alle

Patienten und Therapeuten gemeinsam

am Ball.

25 Filmarchiv

Vorstellung von John Irvings

„Hotel New Hampshire“.

28 Abo-Faxformular

Wieder Worte auch außerhalb der

Kliniken Wied im Jahres-Abonnement.

Fotos

M. Kruppa

Auflage

2100 Stück

Gestaltung

Contigo Werbeagentur,

Montabaur

Druck

Druckerei Rhein-Main-

Geschäftsdrucke

Anschrift

Kliniken Wied, Mühlental,

57629 Wied/Hachenburg

Redaktion Wieder Worte


Die Sozialpsychologie – eine

der Wissenschaften von den

mitmenschlichen Beziehungen

– hat darauf eine relativ eindeutige

Antwort. So spannend das

Fremde, Andersartige, Gegensätzliche

zeitweise auch sein mag – letztlich dominiert

die Stärke der Beziehung zu Menschen, die ähnliche

Einstellungen, Werte und Überzeugungen haben wie

ich selbst. Dies wird in wichtigen zwischenmenschlichen

Bezügen oft durch Auswahl der „geeigneten“

Beziehungspartner und in gewissem Maß auch durch

Anpassung erreicht, positiv ausgedrückt: durch gemeinsame,

koorientierte Entwicklung in Partnerschaft,

Familie und Freundeskreis.

Diese Ko-Evolution im Kleinen beginnt für das

Individuum im Grunde genommen bereits vor seiner Zeugung:

bei der Partnerwahl der Eltern. Dieses Thema ist

ein ganz spannendes in der Forschung und Wissenschaft

und erst recht natürlich in der Praxis! Wie wir heute

wissen, werden komplexe Entscheidungen nach dem

Eisbergmodell getroffen: 90 % laufen intuitiv, quasi präkognitiv

und „unter der Wasseroberfläche“ ab. Zu etwa

10 % liefert uns unser bewusster Verstand Argumente

dafür oder dagegen, manches Mal sogar erst im Nachhinein.

So lassen sich Liebeslust und Liebesschmerz

gleichermaßen nur aufwändig durch rationale Eingriffe

beeinflussen oder gar hervorrufen. Aber auch die Intuition

ist nichts einmal Gesetztes oder unveränderlich Angeborenes.

Sie verändert sich mit den Erfahrungen, die wir

machen, und bildet sich ein Leben lang weiter.

4|5

Das Salz des Lebens

...

Gegensätze ziehen sich an.

oder doch eher: Gleich und gleich gesellt sich gern?

Auf der Erde angekommen, gestaltet die Familie und

hier zunächst am stärksten die primäre Bezugsperson

für den Säugling die „Urform“ der Beziehung,

sozusagen die Schablone, nach der wichtige Beziehungsmuster

mit ihren Möglichkeiten und Grenzen im

weiteren Leben des Individuums zum Zuge kommen.

Die Ergebnisse der Erforschung früher Bindungsmuster

und ihrer Bedeutung für die psychische und soziale

Entwicklung der Person hat sich sehr bereichernd für

das Verständnis der menschlichen Sozialisation ausgewirkt

und insbesondere die Theorie- und Modellbildung

etwa der Pädagogik oder der klinischen Psychologie

und der Psychotherapie beeinflusst.

War diese primäre Bezugsperson im ausgehenden

19. Jahrhundert in aller Regel noch die

Mutter – oder sollte es nach dem gesellschaftlichen

Verständnis diese sein –, so wissen wir heute (wieder),

dass es im wesentlichen auf die Beziehungskonstanz

zu einer sorgenden, emotional positiv

eingestellten Person in den ersten Lebensjahren

ankommt, damit ein Mensch im Vertrauen auf das

prinzipiell Gutartige in zwischenmenschlichen Beziehungen

sich so entwickeln kann, dass er/sie zu

tragfähiger Beziehungsgestaltung fähig wird.

Auf diese Überlegungen fußen auch die so

genannten ressourcenorientierten Interventionen in

der Behandlung gravierender psychischer Störungen

wie etwa der Persönlichkeitsstörungen, in denen es

immer auch um ein Stück nachholende positive Beziehungserfahrung

geht.

...

Der Mensch und

seine Beziehungen


Wo kein Herz da kein Schmerz

Beginnend mit dem zweiten, dritten Lebensjahr

kommen relevante Andere deutlicher ins Spiel: Geschwister

und andere Familienangehörige und dann vor

allem die Gruppe der Gleichaltrigen, der so genannten

Peers (aus dem Englischen ursprünglich: to peer = angestrengt

schauen, spähen), die als soziale Vergleichsgruppe

dienen und dies zunehmend und schließlich

das weitere Leben lang. Gemeinsam mit den Peers entwickeln

und verfeinern wir unsere Standards bezüglich

unserer Werte und Ziele, unserer Kriterien und unserer

Orientierungen. Der Vergleich mit den Peers sagt uns,

ob wir erfolgreich sind, „normal“, gesund, und welche

Position wir im sozialen Nah- und Großraum einnehmen.

Dennoch spielen in unserem Leben Autoritäten oder

Lehrerpersönlichkeiten in der Regel auch immer eine

wichtige Rolle. Dies sind im jungen Erwachsenenalter

oft eben nicht die eigenen Eltern, sondern mehr oder

weniger „öffentliche“ Personen, die für Trends, Überzeugungen

und Philosophien stehen. Wie solche, stark

emotional getragenen Verankerungen auch entarten

und ins Pathologische abgleiten können, zeigt uns z.B.

die aktuelle Fanatismusdebatte. Die gewaltbereiten

und –tätigen, religiös und politisch motivierten, oft

jungen Terroristen sind in der Regel nicht depravierte

und in ihrer Entwicklung vernachlässigte Kinder aus

unterprivilegierten sozialen Randschichten, sondern

Menschen aus so genannten „guten“ Elternhäusern.

In der Tat geht die persönliche Entwicklung des

jungen Menschen in der Regel über ein gewisses Maß

an Abgrenzung zum Elternhaus vonstatten. Unter anderem

auch deswegen ist eine Einbindung in eine förderliche

und konstruktive Peergruppe so bedeutsam,

die in persönlichen Krisen und zwischenmenschlichen

Konflikten zu Bezugspersonen stabilisieren und auf-

6|7

Eine feuerfeste Liebe?

fangen kann. Wenn wir dann im reiferen Erwachsenenalter

merken, dass wir uns gar nicht so entscheidend

von unseren primären Bezugspersonen entfernt haben,

können wir dies nach ausreichender Selbstfindung

und persönlicher Individuation versöhnlich und

wertschätzend, manchmal mit einem lächelnd zwinkernden

Auge, registrieren.

Ein ganz besonderer Peer ist der Partner – in unseren

Zeiten ist dies häufig nicht mehr lebenslang eine

Person, sondern es können mehrere Menschen mit

dieser Bedeutung im Laufe unseres Lebens sein. In

jedem Fall entwickeln sich jedoch die Konzepte von

Lebenspartnerschaft oder –gemeinschaft günstigen-

falls aus anhand der jeweiligen Lebensaufgaben in der

entsprechenden Phase, in der wir zusammen kommen.

Sind dies im jungen Erwachsenenalter Individualisierung,

Sexualität, Familienaufbau und Schaffung von

materiellen Ressourcen, so verändern sich Lebensgemeinschaften

mit dem Älterwerden deutlicher in

Richtung des Teilens und Entwickelns innerer Erlebniswelten

und einer gemeinsamen Enkulturation. Dies

gelingt vielleicht mit dem gleichen Partner der Jugend-

und jungen Erwachsenenzeit, wenn eine Ko-Evolution

möglich ist und gelebt wird. Das klingt ziemlich kompliziert,

ist es auch im Denken und Reden. Im Leben ist

es – wie so oft – von der Praxis her viel einfacher. Es

setzt „nur“ voraus, sich selbst nicht ganz so wichtig zu

nehmen und dem anderen einen gleichberechtigten,

respektierten Platz neben mir anzubieten. Dies können

wir jedoch nur, wenn wir selbst darauf vertrauen,

dass dieses „Angebot“ nicht missbraucht wird. Womit

der Kreis sich wieder schließt.

Wilma Funke


Ja, selbst unsere Baumstraße, die in Wied von der

Brücke bis zur Klinik führt, hat sich verändert. Baumstraßen

sind für viele Menschen ländlicher Gegenden

ein Stück Heimat, sie vermitteln ein Gefühl von Identität.

Gäste und Besucher erleben die Baumstraße als

besondere Schönheit und harmonischen Bestandteil

einer Region. Baumstraßen haben aber auch eine

ökologische Funktion und besitzen einen großen Wert

als Luft- und Staubfilter. Sie dienen den Menschen, sie

spenden Schatten und sind Orientierungshilfe. In diesem

Jahr haben die Haustechniker der Kliniken Wied

zusammen mit den Zivildienstleistenden und Patienten

aus der Ergo-Projektgruppe „Gartenarbeit“ dafür

Sorge getragen, dass die Baumstraße in Richtung Klinikgebäude

ein neues Outfit bekommen hat, das den

neuen Patienten, Besuchern und Gästen der Kliniken

Wied einen „klaren Weg“ weist.

Es ist auch faszinierend mit anzusehen, wenn die

Patienten der Kliniken Wied unter fachlicher Anleitung

von Herrn Effert die Baumstraße im Nordic Walking

entlang schreiten. Nordic Walking ist in den Kliniken

Wied im Frühjahr neu in das Therapieprogramm aufgenommen

worden. Für die Patientinnen und Patienten

ist dieses ausgewogene Ganzkörperprogramm eine

echte Bereicherung, bei der vor allem die Rücken entspannenden

Effekte und der spielerische Einsatz der

Walkingstöcke im Vordergrund stehen, wenn sie die

herrliche Natur rund um die Klinik während der Therapie

und in der Freizeit erkunden.

Im psychotherapeutischen Behandlungsangebot ist

die Kombinationsbehandlung neu hinzu gekommen.

Die Kombinationsbehandlung bei Abhängigkeitsstörungen,

mit der Zielsetzung der Wiederherstellung

bzw. Stabilisierung und Verbesserung der Fähigkeit

zur Teilhabe an Arbeit, Beruf und sozialem Leben, ist

ein dritter Behandlungsweg neben den etablierten

stationären und ambulanten Maßnahmen der medizinischen

Rehabilitation bei Abhängigkeitsstörungen.

Die Dipl. Psychologin Frau Christa Kuberg-Kiele, die

die erste Kombi-Gruppe in den Kliniken Wied leitet, sagt:

„Ich empfinde die enge Zusammenarbeit mit den Beratungsstellen

und Fachambulanzen, die sowohl Vor- als

Neues aus Wied

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freunde,

was hatten wir uns 2005 wieder ausgedacht? Das Arbeiten an unserem Konzept und diversen Projekten ist fester

Bestandteil des beruflichen Alltages in den Kliniken Wied. Denn nichts bleibt wie es ist, es kann auch besser werden!

auch Nachbehandler sind, als gelungene Erweiterung

und auch als persönliche Entlastung, da kurz-, mittel-

und langfristig die Ziele optimal unter unterschiedlichen

Rahmenbedingungen vereinbart und umgesetzt

werden können.“ Im November 2005 startete eine

zweite Kombinationsbehandlungsgruppe.

Unser Angebot an suchtkranke Menschen wird ständig

weiterentwickelt. Als ein zusätzlich neues Element

in der Indikationsgruppe „Körperwahrnehmung und

Stressbewältigung“ in Steimel ist neben den bewährten

Formen wie das therapeutische Boxen oder ausgewählte

Elemente aus dem Thai Chi und dem Chi Gong

nun der Stockkampf hinzu gekommen. Nachdem mit

freundlicher Unterstützung der Ergotherapie verschiedene

Holzstücke in unterschiedlichen Stärken und

Dicken aus dem Wald angeschafft werden konnten,

dient der Stockkampf in seiner ursprünglichen Form

(man erinnere sich an Robin Hood und John Little)

dem Aufbau „gesunder Aggressionskultur“, in der

Aggression in Form von Energie- und Kraftausdruck

als angstbesetztes Gefühl gelebt und erfahren werden

kann, ohne zu verletzen und zu zerstören.

Im Sommer 2005 öffnete in Steimel das „Café Nasowas“

seine Pforten. „Café Klatsch“ hatte ein „Geschwisterchen

bekommen“ – die Geburt dieses Geschwisterchens

war jedoch keine Belastung, denn die

gute Vorbereitung hat ihm geholfen, sich in der neuen

Situation zu Recht zu finden. Mit viel Liebe, Fürsorge

und Unterstützung hat „Café Nasowas“ nun mittlerweile

seiner eigenen Art entsprechend, sein eigenes

Entwicklungstempo vorgegeben. Geschwister lernen

voneinander, gegenseitige Aufmerksamkeit und Wohlwollen

prägen die enge Kooperation zwischen den beiden.

Das therapeutische Konzept von „Café Nasowas“

ist dem von „Café Klatsch“ angeglichen, ein Unterschied

besteht jedoch darin, dass im „Café Nasowas“

alle Aktivitäten von einer Bezugsgruppe ausgeführt

werden, in Wied hingegen wird dies durch eine Indikationsgruppe

zusätzlich unterstützt. Auch in Steimel

wurde das Café von den Patienten gut angenommen.

Ihr Gerhard Frank

Für die bevorstehenden Festtage und zum neuen Jahr

wünschen wir Ihnen alles Gute, Gesundheit, Glück

und Erfolg, und wir hoffen, dass Sie den Kliniken Wied

verbunden bleiben und mit unserer Arbeit zufrieden

waren und sind.

Redaktion Wieder Worte

Weit und breit ist zwar niemand

zu sehen, umso

lauter sind jedoch Zank

und Streit in Haus und Hof zu hören!

Der Frau Geschrei dringt durch

Mark und Bein! Was nun aber mag

sie denn so außer Rand und Band

gebracht haben?

Soso – hat sich doch frank und

frei ein fremdes Weibsbild mit

Kind und Kegel auf der Treppe

niedergesetzt und ohne Wenn

und Aber begonnen, sich mit

Sack und Pack auf den Stufen

auszubreiten! Sagt, sie sei auf

Wanderschaft, habe diese

Tür nur mit Ach und Krach erreicht

und müsse nach dem

ganzen Hin und Her jetzt erst

einmal rasten.

Geradeso zwischen Tür und

Angel will die Hausmeisterin sie

just auf Knall und Fall vertreiben

– schließlich sei ihr Haus nicht

für Hinz und Kunz geöffnet! Die

Mutter aber will sich hier und jetzt

mitnichten verjagen lassen, ohne

dass sie und ihr Kind wieder in Saft

und Kraft gekommen sind, und verteidigt

ihren Platz auf Biegen und

Brechen.

Drunter und Drüber

Ob wohl unser märchenhaftes Hausmeisterehepaar seit WW 2/2002 noch immer ein Herz und eine Seele

ist? Um das Drum und Dran zu ergründen, wollen wir sie doch einmal besuchen.....

8|9

Beziehungsweisen wörtlich genommen

Mit Zaudern und Zagen tritt der

Hausmeisterin Gemahl hinzu

– noch immer rank und schlank wie

einst als Jüngling – und hebt an zu

sprechen: „Liebe Frau – so es nicht

Lug und Trug ist, dass Sie Hand in

Hand mit Ihrem Kindlein durch Wald

und Flur und über Stock und Stein

hierher gefunden haben, sollen Sie

nicht länger dursten und darben!“

Mit Fug und Recht führt er beide

zu eignem Heim und Herd und lässt

Milch und Honig fließen. Zur Gemahlin

aber spricht er: “ Weib, lass

sein das Katz -und Mausspiel! Die

arme Frau und ihr Kind wollen doch

nicht in Saus und Braus wohlfeil

auf unsre Kosten leben. Sie sind fürbass

einfache Leute wie wir, sonst

gingen sie doch in Samt und Seide!

Richte also nicht über sie in Bausch

und Bogen!“

Gemach bedenkt nun die Hausmeisterin

das Für und Wider und ihr

Zorn verrinnt zu Schall und Rauch.

Zug um Zug wird ihre Miene

freundlicher und sagt sie: „Nie

und nimmer würde ich Euch bei

Wind und Wetter ohne Wasser

und Brot von dannen ziehen

lassen - und weil es justament

beginnen will, draußen Stein auf

Bein zu frieren, geht Ihr heute

bei Nacht und Nebel nicht mehr

hinaus!“

Dieses nehmen Mutter und

Kind dankbar an und lassen es

auf morgen heißen „eile mit Weile“!

Und ob des Sinneswandels

seiner Frau wird dem Manne

locker und leicht, und Arm in Arm

schwören sich die beiden auf immer

und ewig, wie Pech und Schwefel

zusammenzuhalten.

Und wenn sie nicht gestorben sind....

SaWa


Essen und Trinken liefern dem

Körper die ständig notwendigen

Energien. Die in den Lebensmitteln

enthaltenen Nährstoffe

werden im Körper durch biochemische

Prozesse gewonnen und

ver ar beitet. Von dieser Energie- und

Stoffgewinnung hängen alle Vorgänge

im Körper ab: z. B. Wachstum

und Erhaltung, die Funktion der

Organe ..... . Eine einseitige, unausgewogene

oder mangelnde Versorgung

mit Nährstoffen kann Körperprozesse

stören und zu Krankheiten

führen. Um eine ausgewogene Ernährung

zu erreichen, bedarf es der

Grundkenntnisse über Lebensmittel

und ihre Nährstoffe, Lagerung und

Verarbeitung, gute und ausreichende

Versorgung, persönlicher Bedarf

unter verschiedenen Bedingungen.

Essen und Trinken

ist weitaus

mehr als Ernährung

Lust, Spaß und Geschmack, Genuss

beim Sehen, Riechen, Fühlen

und Schmecken, Appetit und Sättigung,

Lernen und Erfahren, Tradition

und Neues, regional, kulturell

und religiös geprägte Essensvorlie-

FAZIT

10|11

Essen und Psyche.

Unsere Beziehung zur Ernährung?!

einszwei

umgehen.

vier

ben, Angebot und persönliche

Wahl, Abwechslung, Belohnung,

Gesellschaft und Kommunikation.

Essen und Trinken

heißt: mit Emotionen

Gewohnheit, Ablehnung, Übermaß,

Überschreitung, Hunger,

Verweigerung, notwendiges Übel,

Last und Frust beim Blick auf die

Waage, Bestrafung, Trostspender,

beeinfl usste Wahl durch Normen,

Werbung und Geldmittel.

„Essen und Trinken hält Leib und

Seele zusammen“. Diese Volksweisheit

beschreibt die psychologische

Funktion des Essens.

Wenn wir essen, dann eben nicht

nur weil wir Hunger verspüren,

sondern oft auch aus Freude oder

Langeweile, zur Belohnung oder um

Stress abzubauen – kurz: um mit

Emotionen umzugehen.

Es lenkt ab und hilft, unangenehme

Erlebnisse schneller zu bewältigen.

Essen kann Frustration lindern,

aber auch überstandene Schwierigkeiten

belohnen. Für die gefühlsregu-

lierende Funktion des Essens ist besonders

die persönliche Bedeutung

und die Wirkung auf die individuelle

Psyche wichtig, die mit dem Verzehr

von Lebensmitteln bzw. Speisen

verbunden sind. Jeder Mensch lernt

sein eigenes System und wählt in

einer bestimmten Gefühlslage bestimmte

Lebensmittel oder Speisen

zur psychischen Regulierung, weil er

bei diesen die besondere Eignung als

Trostspender oder als Lustverstärker

erlebt hat. Alle diese emotionalen

Erfahrungen gehören zu einem normalen

Essverhalten.

Problematisch kann es werden,

wenn Essen als einzige Alternative

z. B. zum Entspannen oder zur

Belohnung eingesetzt wird. Unter

Umständen kann sich aus den oben

genannten Wörtern Übergewicht

oder ein gestörtes Essverhalten

entwickeln.

Die Essgewohnheiten von Menschen

sind eng verknüpft mit kulturellen

und individuellen essensbezogenen

Symbolen. Essen ist ein

zentraler Bereich gesellschaftlicher

Kommunikationsprozesse, deren

Elemente den Charakter von Codes

und damit verschlüsselten Verhaltensweisen

besitzen.

Wenn der Hunger im Herzen sitzt, dann haben wir gelernt, Emotionen wie Freude, Einsamkeit oder Langeweile

in Hunger zu übersetzen und uns durch Essen abzulenken, zu entspannen oder zu belohnen. Die Folgen

sind Wohlbefi nden und Beruhigung, sie können aber auch zu Kummerspeck und Gewichtsproblemen führen.

In die vier folgenden Bereiche

können sie gegliedert werden:

Sicherheit

Lebensmittel und Speisen werden bei Stress

zur Erreichung des

emotionalen Gleichgewichts verzehrt;

sie dienen der Abwehr von Angstzuständen.

Ihre Hauptaufgabe ist die „Ich-Verteidigung“

(z. B. die Schokolade).

drei

Lust

Lebensmittel werden zum Lustgewinn

verzehrt, vor allem wegen ihres Geschmacks,

ihres Geruchs oder ihres Aussehens.

Sie dienen der „Ich-Erweiterung“

(z. B. das Leibgericht).

Stan und Oli:

Zwei Seiten einer Medaille.

Geltung

Lebensmittel werden als Attribute der eigenen

Persönlichkeit aufgefasst und sollen

eine gesellschaftliche Position unterstreichen.

Sie sind Mittel zur „Ich-Verstärkung“

(z. B. Austern).

Zugehörigkeit

Lebensmittel dienen der sozialen Identifi kation.

Sie dienen der Gruppe bzw. der Interessensolidarität,

und sie sollen die kulturelle Anpassung an

das soziale Umfeld erleichtern:

sie tragen zur „Ich Umwelt-Integration“ bei

(z. B. der Döner).

Wenn Essen als einzige Regulierungsmöglichkeit bleibt, um psychisches Ungleichgewicht zu beheben, ist es wichtig,

ein anderes Verhältnis zum Essen, zu Emotionen sowie zu Körpersignalen zu trainieren. In diesem Sinne wünsche

ich Ihnen einen Guten Appetit! Sandra Regner, Ernährungsberaterin


Depressive

Störungen

erkennen und

behandeln

Fachtagung der Kliniken Wied am 21.09.2005

in der Stadthalle Hachenburg

Depressive Störungsbilder gewinnen in der heutigen

Zeit immer mehr an Bedeutung. Aktuelle

Schätzungen gehen davon aus, dass über 20 %

der Bevölkerung in den westlichen Kulturen im Laufe

ihres Lebens an einer mehr oder weniger ausgeprägten

depressiven Symptomatik leiden. Noch mehr verbreitet

sind die depressiven Störungen bei Menschen,

die von einer Abhängigkeitserkrankung betroffen sind.

In stationären Entwöhnungsbehandlungen findet man

bis zu 50 % Patienten, die neben der Sucht auch an

einer Depression erkrankt sind. Grund genug für die

Kliniken Wied, dieser Thematik ihre diesjährige Fachtagung

zu widmen.

Dr. Wilma Funke, leitende Psychologin der Kliniken

Wied, konnte in der Hachenburger Stadthalle mehr

als 200 fachkompetente Tagungsteilnehmer aus dem

gesamten Bundesgebiet begrüßen. Hendrik Hering,

Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Ministerium

des Inneren und für Sport bestätigte in seinem übermittelten

Grußwort den hohen Stellenwert der Fort-

und Weiterbildung und die Wichtigkeit der traditionell

jährlich stattfindenden Fachtagung der Kliniken Wied.

Sandra Schulz-Utermöhl überbrachte als erste Beigeordnete

der Verbandsgemeinde Hachenburg die Grüße

von Verbandsgemeindebürgermeister Peter Klöckner.

Sie betonte die Bedeutung, die dem Standort der Kliniken

Wied als Facheinrichtung für medizinische Rehabilitation

in der Region zukommt und bestätigte die gute

Zusammenarbeit zwischen Klinik und Verbandsgemeinde,

die auch in künftigen gemeinsamen Projekten

zum Tragen kommen wird.

Wenn du loslässt

hast du die

Hände wieder frei.

Von der Referentenseite war die Tagung exzellent

besetzt. Ute Beatrix Engelhardt als Vertreterin der

Bundesversicherungsanstalt für Angestellte Berlin gab

einen Überblick über Entwicklungen und Trends in der

medizinischen Rehabilitation bei Abhängigkeitsstörungen,

wobei sie die komorbiden Störungen besonders

berücksichtigte. Aus der Sicht des Leistungsträgers

machte sie die guten Erfolge der Rehabilitation gerade

im Bereich der Abhängigkeitserkrankungen deutlich.

Prof. Dr. Martin Hautzinger von der Universität Tübingen

referierte über Diagnostik und evidenzbasierte

Behandlungsansätze bei depressiven Störungen. Er

berichtete über aktuelle Forschungsergebnisse, die

einerseits Schwere und Ausmaß der depressiven Erkrankungen

deutlich werden ließen, andererseits

auch die hohe Wirksamkeit psychotherapeutischer

Behandlungsmethoden belegen. Prof. Dr. Reinhart

Von links: Dr. Welf Schroeder, ltd. Arzt Kliniken Wied, Dr. Wilma

Funke, ltd. Psychologin Kliniken Wied, Prof. Dr. Martin

Huntzinger, Universität Tübingen, Ute Beatrix Engelhardt, BfA

Berlin, Prof. Dr. Reinhart Schüppel, Fachklinik Furth im Wald.

Schüppel von der Fachklinik Furth im Wald beleuchtete

schließlich im dritten Vortrag Behandlung und

medizinische Rehabilitation bei depressiven Erkrankungen

anhand praktischer Erfahrungen in einer stationären

Behandlungseinrichtung. Die Vorträge eröffneten

den Teilnehmern gute Möglichkeiten, sich mit

diagnostischen und behandlungsrelevanten Aspekten

der depressiven Störungen, insbesondere im Kontext

der Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen auseinanderzusetzen

und wichtige Impulse für die tägliche

Arbeit mitzunehmen.

Die abschließend angebotenen Themenführungen

in der Klinik gaben einen guten Einblick in die diagnostischen

und therapeutischen Abläufe in einer Entwöhnungseinrichtung.

Die Fachtagung, die seit Bestehen der

Kliniken Wied jährlich durchgeführt wird, fand in diesem

Jahr erstmals in der Stadthalle Hachenburg statt, die

12|13

sich bei dieser Gelegenheit mit ihren Räumlichkeiten als

guter Tagungsort auch für fachliche Veranstaltungen

und Kongresse empfahl und ihren Teil zum Gelingen der

Tagung beitrug. Neben einer großen Fülle von Informationen

über Diagnostik und Behandlung von depressiven

Erkrankungen werden die Teilnehmer auch ein positives

Bild von Hachenburg mit nach Hause nehmen.

D. Garbe

Der Süchtige

findet nicht dass,

was er sucht.

M I T A R B E I T E R U M F R A G E L I E B L I N G S B Ü C H E R

Sein oder

nicht sein,

das ist hier

die Frage.

A. Blum

Dan Brown: „Sakrileg“

I. Schmitz

Terry Pratchett: „Die volle Wahrheit“

A. Laabs

Ken Follet: „Die Säulen der Erde“

A. Mauer

John Irving: „Owen Meany“

M. Stürmer

John Irving: “Garp und wie er die Welt sah”

F. Groth

„Die Bibel“

Y. Müller

Der Marco-Polo Reiseführer durch München

M. Schnug

Frank Schätzing: „Der Schwarm“

B. Bolz

J.R.R. Tolkien: „Der Herr der Ringe“

A. Röser

Nuala O’Faolain:

„Nur nicht unsichtbar werden“

K. Makel

Dan Brown: „Diabolus“

B. Christian

Robert James Waller:

„Die Brücken am Fluß“

I. Issel-Domberg

Sigrid Damm: „Christiane und Goethe“

G. Frank

Lawrence Norfolk: „In Gestalt des Ebers“

S. Waldmann:

Dan Brown: „Illuminati“

S. Regner:

Frank-Peter Herbst und Peter Rump:

„Skandinavien der Norden“

S. Lang:

Mende Nazer: „Sklavin“


Tierische

Beziehungen

14/15

Es waren einmal ein Hund, eine Katze und ein Pferd, die standen vor

dem Haus in der Sonne und unterhielten sich darüber, wer von ihnen

wohl die wichtigste Beziehung zu seinen Menschen habe:

„Ich.“ sagte das Pferd: „Ich bin groß und stark, ich kann schnell laufen,

schwer arbeiten und ich werde sehr alt. Ich habe die dauerhafteste Beziehung

zu meinen Menschen!“.

„Das ist gar nichts!“ sagte der Hund, der langsam in Rage kam: „Ich bin

der treueste Begleiter. Ich schütze Haus und Hof, und für den Menschen

würde ich mein Leben geben. Ich habe die innigste Beziehung!“.

„Pah!“ machte die Katze, die sich nicht aus der Ruhe bringen ließ: „Ich

bekomme zu essen, was ich will. Ich schlafe im Bett und muss dafür

nur das Haus von Mäusen frei halten. Ich habe die nützlichste Beziehung.“

So standen sie eine Weile. Da hörten sie leises Rufen durch

das offene Stubenfenster. Sie blickten hinein und sahen das Aquarium

an der Wand.

Die Fische schwammen an die Scheibe und riefen: „Wir haben die eleganteste

Beziehung zu den Menschen. Wir bellen und miauen nicht, wir

fressen nicht viel, werden bewundert, weil wir so unterschiedlich, so

bunt und so schön sind. Niemand betatscht oder verlangt irgendetwas

von uns. Wir haben es am Besten!“

Da schwamm hinter einer Wurzel ein großer gelber Frosch hervor,

der den anderen zugehört hatte. Er schmunzelte vor sich hin. „Was

ist denn mit dir, Frosch, du bist doch nichts Besonderes!“ sagten

die Fische von oben herab und Pferd, Hund und Katze rümpften die

Nasen und nickten.

„Das mag sein.“ sagte der Frosch: „Trotzdem: die einen finden mich toll,

die anderen eklig, aber küssen wollen sie mich alle.“

J. Dörr


Neues vom Förderkreis

der Kliniken Wied

Angebot an Übungsfirmen erweitert

Nach dem großen Erfolg der ersten Übungsfirma wurde eine

weiteres Patienten-Café in Steimel eröffnet. Weitere Projekte

sind in Planung.

Bereits seit Herbst 2002 fungiert der Förderkreis der Kliniken Wied als

Träger des Patienten-Cafés „Café Klatsch“ auf dem Gelände der Kliniken

Wied. Dieser Cafetería-Betrieb wird im Rahmen einer Indikativgruppe

als Übungsfirma geführt, die den teilnehmenden Patientinnen und Patienten

die Möglichkeit bietet, auf einer handlungsorientierten Basis

mit eigenen Problemen und Schwierigkeiten in Kontakt zu kommen und

durch eine entsprechende therapeutische Bearbeitung den Zugang zu

den eigenen persönlichen Fähigkeiten und Stärken wiederzufinden, zu

verbessern oder auch erst neu zu entdecken. Alle Positionen, von der

Bedienung über Einkauf und Buchhaltung bis hin zur Geschäftsführung,

werden von Patienten besetzt, die auf diese Weise eigenverantwortlich

ein kleines Unternehmen führen.

Respekt e. V. ist Träger des Patienten-Cafés.

Dies beinhaltet:

die Bereitstellung der für den Cafetería-Betrieb erforderlichen ge-

eigneten Räumlichkeiten

die regelmäßige Zusammenarbeit zwischen den für das Projekt

zuständigen Mitarbeitern der Kliniken Wied und dem Vorstand des

Förderkreises sowie

die Unterstützung des Cafetería-Betriebes in ideeller und praktischer

Form als Übungsfirma und suchtmittelfreie Begegnungsstätte

für Patientinnen und Patienten sowie als therapieförderndes Projekt

zur Verbesserung sozialer wie auch berufs- und arbeitsplatzbezogener

Kompetenzen.

Die therapeutischen und betriebswirtschaftlichen Zielsetzungen

und Abläufe regelt ein Rahmenkonzept, das in Abstimmung zwischen

therapeutischer Leitung und den verantwortlichen therapeutischen Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern umgesetzt und weiterentwickelt wird.

Der Betrieb von „Café Klatsch“ ist nicht gewinnorientiert ausgerichtet,

muss aber unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt werden,

da er sich finanziell selbst tragen und grundsätzlich schuldenfrei

arbeiten muss. Ein erwirtschafteter Überschuss wird dem Förderkreis

zugeführt, der diese Mittel wiederum zur Initiierung und Förderung von

Projekten für suchtkranke Menschen – u. a. auch für Patientinnen und

Patienten der Kliniken Wied einsetzt.

Nachdem sich das Konzept „Übungsfirma“

als außerordentlich erfolgreich

für alle Beteiligten erwiesen

hatte, war es eigentlich nur noch

eine Frage der Zeit bis zur Eröffnung

des nächsten Betriebes. Nach den

guten Erfahrungen mit dem „Café

Klatsch“ in Wied bot es sich an, auch

für die Patientinnen und Patienten

in Steimel eine solche Einrichtung zu

schaffen. In Zusammenarbeit zwischen

Förderkreis und Kliniken Wied

entstand so in Steimel ein weiterer

Cafetería-Betrieb, ebenso wie in

Wied als Übungsfirma konzipiert.

Die erforderlichen Baumaßnahmen

nahmen mehr Zeit in Anspruch als

ursprünglich erwartet. Am 22. Juli

2005 war es dann aber endlich so

weit, „Café Nasowas“ konnte nach

einer feierlichen Eröffnung in Betrieb

genommen werden.

Weitere Übungsfirmen wie z. B.

eine Schneiderwerkstatt sind in der

Planung.

Nutzen einer Übungsfirma

Themen, die im

Rahmen einer

Übungsfirma häufig

eine Rolle spielen:

Verhalten in Stress-Situationen

Mobbing am Arbeitsplatz

Leistungsorientierung und

Perfektionsstreben

Teamfähigkeit

Kontakt und Kommunikation

Soziale Ängste

Verantwortung und Selbständigkeit

Durchsetzung und Abgrenzung

Umgang mit Geld

Einhaltung von Vorschriften

Planung von Arbeitsabläufen

Umgang mit Ärger

Belastbarkeit und Grenzen

Kritikfähigkeit

Respekt e.V. ist der Förderkreis der

Kliniken Wied. Ziel des Vereins ist

es, die Grundlage für ein möglichst

breit gefächertes Spektrum an Hilfs-

und Unterstützungsmöglichkeiten

für abhängigkeitserkrankte Menschen

zu schaffen. Primäre Zielgruppe

sind dabei zunächst Patientinnen

und Patienten, die in den Kliniken

Wied eine stationäre Entwöhnungsmaßnahme

absolvieren. Darüber

hinaus sollen jedoch in die Aktivitäten

des Vereins grundsätzlich alle

Personen einbezogen werden, die

als Betroffene, Angehörige oder therapeutisch

und helfend Tätige mit

Abhängigkeitserkrankungen konfrontiert

sind.

16|17

Mitgliederstand Der Förderkreis wächst langsam,

aber stetig. In der letzten Vorstandssitzung vom

4. August 2005 konnten weitere Mitgliedsanträge angenommen

werden, so dass der Verein aus nunmehr

42 Mitgliedern besteht.

Helfen Sie uns und werden Sie Mitglied, damit der Verein noch größer

und stärker wird und seine Aufgaben noch wirkungsvoller erfüllen kann.

Schriftskulptur als Infostand „Respekt e.V.“ im Rahmen der Fachtagung am

21.09.2005, entworfen und hergestellt in der Ergotherapie Wied.

Wollen Sie unsere Bemühungen um Verbesserungen für Suchtkranke

und ihr soziales Umfeld unterstützen? Dann werden Sie Mitglied in

unserem Verein. Wie das geht, sagen wir Ihnen gern genauer.

Respekt e.V.

Förderkreis der Kliniken Wied

Im Mühlental

57629 Wied

Tel.: 02662/806125


** *

18/19

*

Fachtagung

*

Sucht und

der Klinken Wied Depressionen sind keine

*

Tabuthemen mehr?

Zum Thema „Depressive Störungen: tienten auch Hilfe und Unterstützung in Form einer

Erkennen und Behandeln“

geeigneten Psychotherapie anzubieten. Hierbei sollte

am 21.09.2005 in Hachenburg

auf die jeweiligen persönlichen Bedürfnisse Rücksicht

genommen und eine geeignete Form der Therapie

Als Patientin mit Depressionen, Mutter einer be- gefunden werden.

troffenen Tochter und Mitglied des Patientenbüros

der Kliniken Wied hatte ich die Möglichkeit Die Aussage, dass bereits bei Kindern im Alter von 6

an der Fachtagung teilzunehmen.

Jahren Depressionen festgestellt werden, zeigt, wie wichtig

es ist, mit dem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen.

Mit großem Interesse verfolgte ich die verschiede- Vielen Patienten könnte aufgrund der richtigen Behandnen

Vorträge der Referenten. Dabei wurde mir deutlung ein langer Leidensweg erspart bleiben.

lich, dass in der Öffentlichkeit das Thema „Sucht und

Depressionen“ viel zu wenig bekannt ist. Ein Tabu- Sehr erstaunt hat mich auch die Tatsache, dass

Beziehungen? Ganz einfach!

Thema? Ich glaube, dass es weit mehr Betroffene gibt bei Frauen häufig zuerst die Depression und dann

und Hilfe und Unterstützung bzw. Aufklärung dringend die Suchterkrankung vorliegt; bei den Männern ist es

erforderlich wäre.

Aufgrund der Ausführungen konnte ich mir einen

umgekehrt, dort entwickelt sich die Depression häufig

erst nach der Suchterkrankung. Leider ist dieses Phänomen

noch nicht ausreichend erforscht, so dass es

Als ich geboren wurde, sagte ich mir

noch: „Beziehungen zu haben ist

bestimmt nicht schwer! Ich brauche

Spätestens mit 20 ist man ja beileibe nicht mehr unbedarft.

Mit so einem „reichen Erfahrungsschatz“ hat man schon

längst bemerkt, dass Beziehungen

kleinen Eindruck verschaffen, wie unter Fachleuten mit dafür keine Erklärung gibt.

doch erstmal nur Mama und Papa. Die haben auch unangenehm sein können, wie die zu meinem Zahnarzt,

dem Thema umgegangen wird. Depressionen sind kei-

mich ganz doll lieb, für die bin ich ein Ge-

oder ganz schön anstrengend, wie die zu meinen Sportskameraden,

ne Seltenheit, nur leider werden sie häufig nicht kon- Am Ende des Tages hatte ich viele Informationen

schenk.“ Stimmt, aber

oder ganz schön aufregend, wie die zu meinem Partner,

kret diagnostiziert und deswegen auch nicht richtig sammeln können und als Fazit steht für mich fest,

......

oder ganz schön geschäftlich, wie die zu meiner Bank,

behandelt. Das liegt zum Teil daran, dass die Krank- dass es für die betroffenen Patienten unerlässlich ist,

die wollten auch was von mir: Ich sollte

oder ganz schön dauerhaft, wie die zu meinen Freunden,

heit die unterschiedlichsten Beschwerden hervorrufen kompetente Hilfe in Form einer Therapie in Anspruch

schön essen, auf dem Wickeltisch liegen

oder ganz schön liebevoll, wie die zu meinen Tiergefährten,

kann und die Hausärzte erst einmal diese Beschwer- zu nehmen.

bleiben, rasch einschlafen und durch-

oder ganz schön teuer, wie die zu meinem Autohändler,

den behandeln.

schlafen, immer gesund bleiben, nicht mit

oder einfach nur erholsam, wie die zu meiner Couch.

Ich persönlich nehme diese hier in den Kliniken

Fremden mitgehen, nichts anstellen, gut in

69 % der Patienten mit Depressionen suchen ihren Wied in Anspruch und werde mich auch nach meiner

der Schule sein, eine Lehrstelle finden, die

Tja, letztens hab’ ich dann noch mal innegehalten und überlegt.....

Hausarzt ausschließlich aufgrund von körperlichen

Beschwerden im Rahmen der Depression auf.

Entlassung in eine weitergehende Therapie begeben,

damit ich meine Krankheit in den Griff bekomme und

Prüfung schaffen und eine gute Anstellung

finden. „Tja“, hab’ ich mir gedacht: „dann leg Beziehungen! Ganz einfach?

Wenn aber eine Depressionserkrankung erkannt wird, letztendlich „besiegen“ kann.

ich mal los!“, spulte das ganze Programm

ist es neben einer evtl. zeitlich begrenzten medika-

runter und war erfolgreich.

mentösen Behandlung dringend geboten, dem Pa- Petra B., Gruppe L4

Und ganz nebenbei hab’ ich dann nämlich

noch gemerkt: Beziehungen können bei aller

Liebe auch in Arbeit ausarten :-)

Jutta Dörr

Wenn einer schläft und eine wacht,

wird die Nacht zum Tag gemacht.


Step2

Step1

Start

NAME

Griese

Koch

Götz

Spach

Groos

Rüttinger

Benner

Plankert

Schuchmann

Vohl

Malkoc

Sebastian

K O M M E N U N D G E H E N

NAME

Götze

Paaßen

Van Buggenum

Dückers

Habel

Terstegen

Step3

20|21

VORNAME

Jakob

Natalie

Birgit

Ursula

Julia

Gundula

Uwe

Carmen

Patricia

Margarete

Jessica

Schulz

VORNAME

Birgit

Pascal

Bernd

Sabine

Martina

Frank

EINTRITT

01.06.05

15.05.05

01.10.05

01.10.05

05.10.05

15.10.05

17.10.05

17.10.05

17.10.05

17.10.05

17.10.05

01.11.05

AUSTRITT

31.05.05

29.06.05

31.07.05

31.07.05

04.08.05

30.09.05

BEREICH

Zivi

Therapie

Reinigung

Therapie

Therapie

Therapie

Spülküche

Reinigung

Spülküche

Spülküche

Spülküche

Therapie

BEREICH

Reinigung

Küche

Therapie

Therapie

Therapie

Therapie

Finish

Ein gesunder Geist wohne in

einem gesunden Körper.

Dieses Zitat des römischen

Dichters Juvenal zeigt, dass

die Beziehung zwischen Körper

und Geist den Menschen schon

vor ca. 2000 Jahren bewusst war.

Dieser Leitsatz, der sich natürlich

auch umkehren lässt, findet sich

sinngemäß in sehr vielen Weltanschauungen

wieder. Diese ganzheitliche

Sicht des Menschen ist beispielsweise

auch die Basis der traditionellen

chinesischen Medizin, des

Ayur Veda oder auch der Heilkunde

der Indianer Nordamerikas.

Hat dieses alte

Wissen seine Gültigkeit

verloren?

Wohl kaum, denn es ist wohl

jedem offensichtlich, dass körperliches

Unwohlsein, Krankheit oder

Verletzung durchaus auch Auswirkungen

auf das geistige und seelische

Befinden hat. Genauso können

Ärzte bestätigen, dass eine zuversichtliche

Einstellung des Patienten

den Heilungsverlauf und die Genesung

begünstigen kann.

In der heutigen Zeit ist bei sehr

vielen Menschen die Beziehung

zum eigenen Körper gestört. Unsere

Gesellschaft gibt uns durch die

Medien vor was „schön und sexy“

ist, was ankommt, was geliebt wird.

Viele Menschen versuchen zwanghaft

diese Vorgaben zu erfüllen, um

akzeptiert zu werden, gemocht zu

werden. Ebenso sagt die Medienwelt

uns über die Werbung welche Nahrungsmittel

„gesund“, oder gerade

angesagt sind. Die wirkliche Wirkung

oder der Sinn dieser Produkte wird

nur selten in Frage gestellt. Die

Folgen der beschriebenen

Umstände können

ein gestörtes Körper-

bewusstsein, Essstörungen oder

andere Erkrankungen sein.

Was kann der

Einzelne tun um

eine gesunde

Beziehung zu seinem

Körper herzustellen?

Diese Frage ist nicht sonderlich

schwer zu beantworten. Der menschliche

Körper ist darauf ausgelegt sich

zu bewegen. Bei den meisten Menschen

sieht der Alltag allerdings so

aus, dass sie sich entweder zu wenig

bewegen (z. B. bei Bürotätigkeit),

oder dass sich das Bewegungspensum

zu einseitig oder zu intensiv

darstellt. In der Natur gibt es immer

gegensätzliche Beziehungen. Auf

den Tag folgt die Nacht, auf die Ebbe

folgt die Flut, auf den Winter folgt der

Sommer, usw.. Bei uns sollte es einen

ähnlichen Rhythmus geben. Auf Anspannung

sollte Entspannung folgen.

Oft wird dieses Prinzip von Anspannung

und Entspannung in unserem

Leistungsalltag missachtet. Ohne

diesen Rhythmus ist eine gesunde

Leistungsfähigkeit und ein positives

Lebensgefühl auf Dauer nicht möglich.

Dem Körper werden immer neue

Reize zugemutet, ohne dass er die

Gelegenheit bekommt diese zu verarbeiten.

Nachdem was bisher gesagt

wurde müsste es verständlich sein,

dass die Tüte Chips und die Flasche

Bier auf der Couch, beim Fernsehen

nicht als Entspannungsphase taugt.

Die Art Entspannung von der hier die

Rede ist, sollte uns aus der Alltagswelt

heraus bringen. Entspannung

muss auch nicht unbedingt etwas mit

Autogenem Training, Yoga, Meditation

oder ähnlichem zu tun haben. Sie

kann durchaus mit Bewegung verbunden

sein. Es kann eine Sportart

sein die Spaß macht, regelmäßige

Spaziergänge in der Natur oder ähn-

liches. Allerdings sollte das Streben

nach höheren Leistungen weitestgehend

vernachlässigt werden.

Eine leichte Ausdauertätigkeit,

langsames Joggen, Walking oder

Radfahren kann schon „wahre Wunder“

bewirken. Es ist wissenschaftlich

nachgewiesen, dass eine solche

Betätigung regelmäßig, zwischen 40

und 60 min. durchgeführt, eine Stärkung

des Immunsystems, des Bewegungsapparates,

der Lungenfunktion

und des Herz-Kreislaufsystems mit

sich führt. Ebenfalls erwiesen ist,

dass während leichter Ausdauerbelastung

im Gehirn Botenstoffe freigesetzt

werden die Stress, Depressionen

und Ängsten entgegenwirken.

Des Weiteren wird häufig ein regulierender

Effekt auf den Schlaf-Wach-

Rhythmus festgestellt.

Um eine gesunde Beziehung zu

seinem Körper herzustellen, sollte

man lernen, auf die Signale des

Körpers zu hören. Unser Körper gibt

uns während und nach allen Arten

von Anspannung und Entspannung

eine Rückmeldung. Über diese

Rückmeldung, die wir in Form von

positiven oder negativen Gefühlen

wahrnehmen, ist es ein Leichtes

herauszufinden, welche Aktivitäten

oder Reize zu einer guten Körper-

beziehung beitragen.

Timo Graulich, Anke Eberst,

Physiotherapeuten

Zwei alte Knochen, die nur noch die

Gehässigkeit zusammenhält.


Ran!

Wir wollen auch mitspielen.

Super.

Am 16.06.2005 wurden die Wied’er Therapeuten von

sportbegeisterten Patienten zu einem Vergleichswettkampf

im Fußballtennis herausgefordert. Bei

strahlendem Sonnenschein und unter den Augen zahlreicher

fachsimpelnder Zuschauer sah es zunächst nach einem

Kantersieg der Patienten aus, da sie die ersten beiden

Sätze klar für sich entscheiden konnten.

Den 2:0 Vorsprung der Patienten konnten die Therapeuten,

die auch eine fußballbegeisterte Kollegin in ihrer

Wettkampfmannschaft hatten, in den folgenden 2 Sätzen

egalisieren.

Ich hab es gewußt.

Wieder Patienten und Therapeuten

gemeinsam am Ball

Buh.

Wie jetzt?

Ich hab ihn!

Die Entscheidung fiel, bei sommerlich heißen Temperaturen,

erst im letzten Satz, den die Patienten knapp für sich

entscheiden konnten; so dass sie am Ende mit 3:2 die Nase

vorn hatten.

Aber als Sieger fühlten sich am Schluss alle, nachdem der

leitende Oberarzt, Herr Ingo Schmitz, die Urkunden verteilt

hatte; die aktiven Patienten und Therapeuten und die begeisterten

Zuschauer, die einen spannenden und kurzweiligen

Nachmittag erleben durften.

E. Effert

Eine spielerische Beziehung.

Mittlerweile ist es eine Tradition geworden – zum 4.

Mal fährt ein bis in die Zehenspitzen motiviertes LäuferInnen-Team

der Klinik zum Frankfurter Firmenlauf.

Gut vorbereitet, trainiert und ausgeschlafen, mit der

notwendigen materiellen und ideellen Unterstützung der

Geschäftsleitung ausgestattet, fahren wir mit 9 Athleten

und Athletinnen am 2. Juni nach Frankfurt. Mit uns sind in

diesem Jahr fast 60.000 weitere Spitzen-, Leistungs-, Hobby-

und AnfängerläuferInnen unterwegs.

Stressfrei einen Parkplatz am idyllischen Grüneburgpark

gefunden, reihen wir uns in die Schar der großen und kleinen

Belegschaften ein, die – wie immer von Geisterhand

organisiert und ohne Hektik – zu den beiden großen Startblöcken

pilgern.

Angenehme Temperaturen, moderate Wartezeiten vor

den „modernen“ Toilettenhäusschen, ein Polizei-Hubschrauber

in der Luft, Musik in den Ohren und Nordic-Walking-Stöcke

in den Waden – erwartungsvoll vor allem unsere

drei Neulinge Barbara, Gaby und Frank – jetzt kann es

23|23

losgehen, aber es dauert noch gute 40 Minuten, bis unser

Team über die Startlinie saust.

Gut 45 Minuten später sind alle wohlbehalten über

die Ziellinie gelaufen nach mehr oder weniger anstrengenden

5,6 km.

Dann der Höhepunkt des Laufes 2005:

Die Kolleginnen haben einen Picknick-Korb der Extra-Klasse

zusammengestellt, der im Grüneburgpark ausgepackt

wird - unter den neidischen Blicken der großen Firmen, die

alle mit Zelten, Catering-Service, teils mit firmeneigenen

Bands und Parfum-Verteildiensten angereist sind.

Derartig gestärkt geht es wieder in den Westerwald zurück

und – nächstes Jahr sind wir wieder in Frankfurt dabei

– vielleicht mit noch mehr LäuferInnen und KollegInnen

als ZuschauerInnen, Streckenunterstützung, Master of the

Barbecue ...

Michael Stürmer

(Team-Captain)

Wieder in Frankfurt

Von links nach rechts:

G. Schumacher,

J. Collins,

F. Terstegen,

E. Effert,

B. Schickentanz,

S. Regner,

A. Eberst,

C. Lauterbach,

M. Stürmer


?

Rätselhaftes

Die zu erratenden Begriffe stehen, unabhängig von der Reihenfolge hinter der jeweiligen Zahl,

alle miteinander in Verbindung. In der markierten Senkrechten ergibt sich daraus eine gebräuchliche andere

Neu

Bezeichnung für diesen Zusammenhang.

1

2

3

4

? ?

5

6

7

8

9

10

11

1

Obst aus dem Ofen - knackbare Strauchfrucht

2

ein Sonntag vor Weihnachten - 1. Januar - überirdisches Wesen

3

Baumschmuck - 12. Monat - dünner Zweig

4

wärmendes Getränk - Knecht Ruprecht - enge Verwandschaft

5

überreichte Gaben - Silvesterschmaus

6

ein Weihnachtsgebäck - noch ein Weihnachtsgebäck

7

Geschenkbeutel - steht geschmückt im Raum

8

Backzutat - Wachslicht - wärmender Schuh

9

geflügelter Festbraten - winterlicher Niederschlag

10

Halswärmer - Knaller zum Jahreswechsel

11

Schalenbrecher - Feier - Stubenheizer

?

ist der Titel unserer Rubrik, das Ziel ist dasselbe

geblieben: wir stellen Ihnen hier ältere, sehenswerte

Filme vor.

Allen ist bekannt, dass Filmherstellung zuallererst einmal

ein Geschäft ist, das Gewinn abwerfen soll. Sind Filme an

der Kasse erfolgreich, hat sich der Aufwand für die Filmproduzenten

gelohnt. Anders sind unsere Interessen, die Interessen

der Konsumenten: Sicher, wir wollen preiswert unterhalten

werden und erst einmal unsere

Alltagssorgen vergessen. Viele sind mit

der Redaktion einer Meinung, dass der

Film auch ein großartiges Medium ist,

die Welt neu zu entdecken und Erklärungen

für Fragen des Lebens zu bieten, die

sonst wenige noch beantworten wollen.

Heute beschäftigen wir uns mit Bären:

Stellen Sie sich vor, es gäbe die beste aller Familien und

jemand hätte einen Film darüber gemacht.

Vielleicht sollten Sie sich noch mit dem Titel etwas gedulden,

denn der heutige Film erzählt die Geschichte einer Familie,

wie sie sonst selten im Film vorkommt. Üblicherweise sind wir

im Kino, Theater oder der Literatur mehr am Unglück und an

den dramatischen Wendungen von Liebe, Krieg und anderen

Konflikten interessiert. Harmonie wirkt schnell langweilig,

einfach, weil keine Spannung aufkommt. Und Spannung ist die

Würze, die wir als unbeteiligte Beobachter brauchen.

„Iowa Bob“ verlässt seinen sicheren Job als Lehrer und

richtet sich mit seiner Frau und den fünf Kindern ein Hotel ein.

Maßgeblich daran beteiligt ist noch ein gewisser Herr Freud

und ein zahmer Bär, den dieser bei seiner Abreise zurückließ.

Keine Angst, hier agiert weder eine Suchtfamilie, die in ihren

Versuchen die Konflikte nach innen zu focussieren vielleicht

komisch wirken könnte, noch ein Familienmodell, das uns Ori-

24|25

Filmarchiv

„Einen guten

Bären kann

jeder gebrauchen.“

ginal „american way of life“ à la „Dallas“ zeigen will. Der Vater

ist nicht perfekt, die Mutter kann nicht alles richten, Franny, die

Ältere, ist sehr weit entwickelt für ihr Alter, Jenny, die Jürngere,

wird noch Großes für die Familie tun, ohne dass sie selbst noch

wachsen würde. „Kummer“ der Hund begleitet alle über seinen

Tod hinaus. Darüber hinaus gibt es viele Abschiede zu zelebrieren.

Was den Film zusammenhält, ist der Versuch, zu erzählen.

Zu erzählen, was die Beziehungen zueinander, untereinander

alles richten können. Sogar die Wirkung des Erzählens auf uns,

die wir zuschauen, das ist der Gegenstand des Films: er erzählt

seine eigene Welt und lässt uns eine eige-

ne, neue Welt vor den Augen entstehen,

eine Welt voller Beziehungen, die wir zum

Leben benötigen. Und der gute Bär, den

jeder braucht, den trägt jeder schon mit

sich, oder lässt ihn im Laufe der Geschichte

wachsen, das sind die Talente und

Möglichkeiten, sich in seiner Umgebung

zurecht zu finden, die Ellenbogen auszufahren und den Hintern

zu heben, und seine Fähigkeiten zu nutzen.

„Und so träumen wir weiter gegen den Strom. So erfinden wir

unser Leben. Wir geben uns eine anbetungswürdige Mutter,

wir machen unsere Väter zu Helden. Und jemandes älterer Bruder

und jemandes ältere Schwester – auch sie werden zu unseren

Helden. Wir erfinden, was wir lieben und was wir fürchten...

Wir träumen immer weiter: das beste Hotel, die perfekte

Familie, das Leben in der Sommerfrische. Und unsere Träume

entschlüpfen uns so lebendig, fast so lebendig, wie wir sie

heraufbeschwören können.“ (Zitat aus John Irving, „Das Hotel

New Hampshire“)

mak

Ein Film von Tony Richardson, mit Jodie Foster, Nastassja Kinski,

Rob Lowe, Beau Bridges, Lisa Banes, GB/USA 1984


Gesprächsbereit – die Stimmen von Wied

WW_ Guten Tag, Frau Güntzel. Ihr Arbeitsplatz

ist die Rezeption in Wied. Sie

und Ihre zwei Kolleginnen, Frau Anja Reifenrath

und Frau Brigitte Denter, sind die

Stimmen von Wied; Sie sind am Telefon

und über die Sprechanlage offensichtlich

überall vertreten.

MG_ Das kann man so sagen.

WW_ Mit Ihren Kolleginnen teilen Sie

sich diese sicher nicht einfache Aufgabe

zu gleichen Teilen. Seit wie vielen Jahren

arbeiten Sie in den Kliniken Wied?

MG_ In den Kliniken Wied arbeite

ich seit 31 Jahren, an der Rezeption

seit 1977.

WW_ Das klingt interessant. Können

Sie uns von damals ein bisschen erzählen?

G_ Ja, meine Arbeit in diesem

Haus begann 1973 im Sporthotel, als

„Mädchen für alles“. Im September

1974 wurde dann die Klinik Wied für

abhängigkeitskranke Menschen eröffnet.

Ich wurde vom neuen Arbeitgeber

gefragt, ob ich bereit wäre in diesem

neuen Bereich zu arbeiten. Natürlich

habe ich sofort zugesagt, da es für

mich keinen Unterschied macht, für

wen ich Dienstleistungen erbringe, ob

Ein Interview mit Frau Margret Güntzel, Rezeption in Wied

Anja Reifenrath Brigitte Denter

26|27

das Hotelgäste sind oder Patienten.

Für mich waren und sind das in erster

Linie Menschen.

WW_ Herzlichen Glückwunsch, dann

sind Sie also die Mitarbeiterin, die am

längsten in den Kliniken Wied beschäftigt

ist. Da haben Sie sicher schon einiges

erlebt, wie die Klinik funktioniert,

was für Menschen hier ein- und ausgehen

und wie die Zeiten sich verändern.

Wenn wir uns jetzt über Weihnachten

unterhalten. Da haben Sie sicher unterschiedliche

Erfahrungen aus Sicht der

Rezeption.

MG_ Es stimmt, dass ich die dienstälteste

Mitarbeiterin bin. Danke für den

Glückwunsch. Zum Thema Weihnachten:

ich kann nur aus den Zeiten berichten,

in denen ich noch Weihnachten an

der Rezeption Dienst gemacht habe.“

WW_ Wie war das für Sie, das damals

zu beobachten.

MG_ Ich muss sagen, dass ich – auch

wenn ich von der Familie getrennt war

– gerade an diesen Tagen sehr gerne in

die Klinik gekommen bin, weil man da

die Patienten ganz anders erlebt hat.

Die Patienten haben hier über diese

Feiertage auch ein Zuhause gehabt,

d.h. sie haben gemeinsam mit dem

Personal an Heiligabend zu Abend

gegessen. Es wurde eine große Tafel im

Speisesaal aufgebaut und die Patienten

erlebten das so intensiv, dass sie sagten:

„Solch ein Weihnachtsfest habe ich

schon lange nicht mehr erlebt.“

WW_ Haben Sie das Gefühl, dass unsere

öffentlichen Feste ins Zwielicht geraten

sind, z.B. Weihnachten?

MG_ Ja, das Gefühl habe ich schon

seit Jahren. Weil schon im September

die Weihnachtsartikel in den Regalen

stehen, ist es für mich nur noch ein

Fest, bei dem es um Geld geht, also

um den Verkauf. Der eigentliche Sinn

des Weihnachtsfestes ist vielen verloren

gegangen.

WW_Es gibt dennoch Menschen, die

versuchen, gerade zu Weihnachten eine

Klinik aufzusuchen, weil sie nicht zu

Hause sein möchten, und genauso gibt

es Leute, die versuchen, zu Weihnachten

ihre Therapie beendet zu haben,

damit sie zu Hause sein können. Was

könnten Sie Menschen empfehlen, die

zu Weihnachten in eine Klinik kommen.

Was sollten sie tun, um hier zufrieden

zu sein?

Margret Güntzel

MG_ Ich denke, dass viele Menschen

krank und abhängig werden, weil

dieser Druck so stark ist, immer mitzuhalten,

nie schwach zu werden. Alle

äußeren Einflüsse, die auf uns einstürmen,

Tag für Tag. Und da vielleicht

diese Weihnachtstage, diese Zeit der

Besinnung, diese dunkle Jahreszeit,

einfach dazu benutzen, mal zu denken:

„Das lasse ich jetzt alles nicht an mich

rankommen, sondern ich mache das

so, wie ich das gerne möchte. Sich Zeit

nehmen, zu überlegen was ist für mich

gut, wie komme ich damit zu Recht.“

WW_Wieweit kommen Sie denn mit den

Themen der Patienten in Berührung?

MG_ Es gehört nicht zu unserer Aufgabe,

Gespräche mit Patienten zu führen.

Unsere Aufgabe ist in erster Linie,

den Patienten Hilfestellung zu geben.

Oft kommt nach dem offiziellen Anliegen

noch eine kurze persönliche Bemerkung,

zum Beispiel „Wir sind hierher

gekommen, um etwas zu ändern,

oder sich nicht immer ausnutzen zu

lassen, nicht zu allem „Ja und Amen“

zu sagen.“ Dann sage ich dazu auch

meine Meinung.

WW_ Frau Güntzel, wir danken Ihnen für

das Gespräch?

Das Gespräch führte mak

HOTLINE WIED

Frau Margret Güntzel

02662/8060 Zentrale

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wir möchten Ihnen auch für die Ausgabe Wieder Worte 1/2006

die Möglichkeit geben, sich mit Artikeln, selbstverfassten Gedichten

oder Zeichnungen an der Gestaltung zu beteiligen.

Dabei sollte die Beitragslänge eine halbe DIN A 4 Seite (getippt) nicht

wesentlich überschreiten, wir bitten Sie dafür um Verständnis.

Wir freuen uns schon jetzt auf Ihre Beiträge, welche Sie

auf dem Postweg oder per mail an:

ingolf.isseldomberg@kliniken-wied.de schicken.

Und hier unser nächster Themenschwerpunkt

für die Wieder Worte 1/2006

Jugendwahn

Redaktionsschluss

ist der 26.04.2006

Vorankündigung:

„Männer & Frauen in der Selbsthilfe“

2. Selbsthilfe – Fachtag

Am Freitag, den 05. Mai 2006

14:00 – 18:00 Uhr

Info über eMail: karin.winzen@kliniken-wied.de

oder Internet: www.kliniken-wied.de

ZÜNDSTOFF ZÜNDSTOFF ZÜNDSTOFF


Regelmäßiger Bezug der Patientenzeitung der Kliniken Wied

Liebe Leserinnen, lieber Leser,

wenn Ihnen unsere Zeitung gefällt, können Sie diese zum Vorzugspreis durch Überweisung

von 5,00 Euro auf das Konto 105 77 77 bei der Kreissparkasse Hachenburg (BLZ 570 510 01)

für ein Jahr frei Haus bestellen (Ausgaben: Sommer, Winter).

Bitte geben Sie auf der Überweisung Name und Anschrift an.

Für redaktionelle Beiträge sprechen Sie bitte Herrn Issel-Domberg an.

Die Redaktion

Name

Adresse

P.S.: Entlassene PatientInnen erhalten die Wieder Worte zweimal kostenlos.

Hiermit ermächtige ich die Kliniken Wied, den Bezugspreis von jährlich

5,00 Euro von meinem nachstehenden Konto bis auf Widerruf einzuziehen

und die maßgebenden Daten zu speichern. Die Vorschriften des Bundesdatenschutzgesetzes

bleiben unberührt. Die Abbuchung erfolgt jährlich.

Kontoinhaber Bank

Kontonummer BLZ

Datum/Unterschrift

Facheinrichtung für psychosomatische Medizin

Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen

Im Mühlental • 57629 Wied

Telefon 0 26 62 / 8 06-0

Telefax 0 26 62 / 8 06-124

eMail info@kliniken-wied.de

Homepage www.kliniken-wied.de

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