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LB 2012 5 - Beziehungen erleben Predigtmanuskript - FEG Visp

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<strong>Beziehungen</strong> <strong>erleben</strong>... <strong>LB</strong> <strong>2012</strong>, Teil 5<br />

Gliederung<br />

I. Innerliche Identifikation mit der Gemeinde<br />

II. Äusserliche verbindliche Integration in die Gemeinde<br />

III. Investition in <strong>Beziehungen</strong> in der Gemeinde<br />

Einleitung<br />

(Titelfolie mit Pfeil) Mit der heutigen Predigt treten wir in die letzte Phase<br />

unseres Gemeindeleitbildes ein, in die dritte Ebene, auf der wir unser<br />

Gemeindeleitbild formuliert haben. Nach der Frage, wer wir als Gemeinde<br />

"nach oben hin" Gott gegenüber sein wollen und nach "aussen hin",<br />

gegenüber Menschen, die Jesus noch gar nicht kennen, geht es heute um<br />

die Frage: "Was sind unsere Werte, wenn es um uns selber geht? Um die<br />

'innergemeindliche Ebene'?"<br />

Wir haben bereits gesehen, dass Christsein wesentlich damit zu tun hat,<br />

dass ich in meiner Beziehung zu Jesus offen und ehrlich, transparent und<br />

echt lebe und dass ich bereit bin, mich von ihm verändern zu lassen.<br />

Wir haben auch darüber gesprochen, dass Gemeinde nur dann wachsen<br />

kann, wenn jeder einzelne von uns bereit ist, die Chancen zu sehen und sich<br />

bewusst freuen will an dem, was Gott tut in der Gemeinde, auch wenn das<br />

Veränderungen mit sich bringt. Und das letzte Mal ging es um unsere<br />

Verantwortung Menschen gegenüber, die Jesus noch nicht kennen: Wir<br />

haben die Verantwortung, dass sie das Evangelium hören können.<br />

Aber: Gemeinde hat ja nicht nur mit Gott zu tun und mit den Menschen, die<br />

Jesus noch nicht kennen, sondern Gemeinde hat ja auch mit uns selber<br />

(Bilder Ebene 3 einblenden) zu tun. Mit den Menschen, die zur Gemeinde<br />

gehören. Und die Frage ist: "Wer wollen wir für einander sein?" – Es geht um<br />

die <strong>Beziehungen</strong> ( neuer Text für neues Bild einblenden), die wir innerhalb<br />

der Gemeinde haben und wie diese <strong>Beziehungen</strong> aussehen sollen. Darüber<br />

wollen wir heute nachdenken.<br />

Und einleitend möchte ich Euch dazu eine Geschichte erzählen, und zwar die<br />

Geschichte eines reichen Adligen, der seinem Dorf etwas hinterlassen wollte<br />

und sich entschloss, nach längerem Überlegen dem Dorf eine Kirche bauen<br />

zu lassen. Niemandem in diesem kleinen Dorf war es erlaubt, die Baupläne<br />

der Kirche einzusehen, bevor die Kirche nicht fertiggestellt war.<br />

© Diese Predigt ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ausserhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist<br />

ohne Zustimmung des Copyright-Inhabers unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigung und die Einspeicherung<br />

und Verarbeitung in elektronischen Systemen. © Copyright <strong>2012</strong> by Daniel Rohner, <strong>FEG</strong> <strong>Visp</strong><br />

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Als dann der Tag der Eröffnung und Einweihung kam, kamen die Leute des<br />

Dorfes zusammen und bestaunten die Schönheit "ihrer" neuen Kirche, und<br />

wirklich: Es war an alles gedacht worden und war ein richtiggehendes<br />

Schmuckstück geworden.<br />

Aber dann sagte plötzlich jemand: "Moment 'mal. Wo sind die Lampen? Es<br />

ist ziemlich dunkel hier drin. Wie wird denn die Gemeinde beleuchtet?" – Der<br />

Adlige zeigte auf einige Halterungen entlang der Innenmauern der Kirche,<br />

und dann gab er jeder Familie eine Lampe, die sie jedes Mal, wenn sie sich<br />

in der Kirche versammelten, mitbringen sollten.<br />

"Jeder Mal, wenn Ihr hier zusammenkommt, um Gott anzubeten, wird der<br />

Platz, an dem Ihr sitzt, erleuchtet sein. Jedes Mal, wenn Ihr hier seid, wird es<br />

hell sein in der Kirche. Da soll Euch daran erinnern, dass jedes Mal, wenn ihr<br />

nicht zur Gemeinde kommt, ein Teil von Gottes Haus dunkel sein wird!"<br />

Die Geschichte ist eindrücklich, weil sie einen bestimmten Punkt deutlich<br />

macht: "Gemeinde, das ist jeder Einzelne von uns. Gemeinde, das sind Du<br />

und ich und die <strong>Beziehungen</strong>, die wir leben!" ( Übergang zur grossen<br />

Folie) – Und wenn Du oder ich fehlen, dann fehlt ein wesentlicher Teil der<br />

Gemeinde. Gemeinde, das ist nicht das Gebäude oder die Organisation,<br />

sondern Gemeinde, das sind die Menschen.<br />

I. Innerliche Identifikation mit der Gemeinde<br />

Petrus sagt in 1Petr 2.4-5: "Kommt zu Jesus als zu dem lebendigen<br />

Eckstein, der zwar von Menschen verworfen wurde, von Gott aber<br />

auserwählt und kostbar ist, und lasst Euch selbst als lebendige Steine<br />

aufbauen, als geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche<br />

Schlachtopfer darzubringen, die Gott wohlannehmbar sind durch Jesus<br />

Christus."<br />

"Lasst Euch von Jesus aufbauen als lebendige Steine". – Gemeinde, das<br />

sind Du und ich. Gemeinde, das sind wir alle, die wir hier versammelt sind<br />

heute Morgen. Gemeinde ist nicht das Gebäude, nicht der Versammlungsort,<br />

nicht die Organisationsstrukturen, nicht das Leitbild, nicht unser<br />

Glaubensbekenntnis, Gemeinde, das sich auch nicht allein die offiziellen<br />

"Mitglieder". Sondern Gemeinde, das sind wir. Oder präziser ausgedrückt:<br />

Gemeinde, das sind wir, WENN wir uns aufbauen lassen als lebendige<br />

Steine.<br />

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ohne Zustimmung des Copyright-Inhabers unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigung und die Einspeicherung<br />

und Verarbeitung in elektronischen Systemen. © Copyright <strong>2012</strong> by Daniel Rohner, <strong>FEG</strong> <strong>Visp</strong><br />

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Gemeinde ist immer Gemeinschaft von Menschen, die sich von Jesus geliebt<br />

und angenommen wissen und sich einfügen lassen in diese Gemeinschaft.<br />

Und die Kernfragefrage, gerade wenn es um <strong>Beziehungen</strong> innerhalb der<br />

Gemeinde geht, ist, wie Du Dich selbst in Deinem Verhältnis zu dieser<br />

Gemeinde siehst. Ob Du Dich als Teil der Gemeinde siehst, oder ob Du den<br />

Beobachterstatus einnimmst. Ob Du Dich innerlich identifizierst mit dieser<br />

Gemeinde - ob es DEINE Gemeinde ist, oder nur EINE Gemeinde ist.<br />

Wenn man über <strong>Beziehungen</strong> in der Gemeinde nachdenken möchte, dann ist<br />

natürlich der Gedanke naheliegend, dass man gleich 'mal über das<br />

Miteinander spricht und über Wege, wie man <strong>Beziehungen</strong> aufbauen und<br />

vertiefen kann, wie man zueinander findet, wie Vertrauen wachsen kann etc.<br />

etc. – Aber <strong>Beziehungen</strong> in der Gemeinde leben und <strong>erleben</strong>, das fängt viel,<br />

viel früher an. Das fängt viel weiter vorne an. Nämlich bei der Frage, was für<br />

ein Stein Du innerhalb dieses Bau's bist. Bist Du ein Stein, der sich fest<br />

einfügen lässt in diesen Bau, oder bist Du ein Stein, der neben dem Bau<br />

liegen möchte?<br />

Lass mich Dich das fragen: Wenn Du an die Gemeinde denkst, woran denkst<br />

Du dann? Welche Haltung gegenüber der Gemeinde trägst Du in Deinem<br />

Herzen? Welcher "Gemeindetyp" bist Du? – Lasst mich Euch 5 mögliche<br />

Gemeindetypen skizzieren – und ich karikiere die natürlich ganz bewusst ein<br />

bisschen – 5 Gemeindetypen, die alle im Blick auf "<strong>Beziehungen</strong>" anstehen.<br />

Der erste Gemeindetyp ist der Kritiker. Der Kritiker ist derjenige, der<br />

abwartend, beobachtend in der Bankreihe sitzt und darauf wartet, dass<br />

Fehler passieren. Er ist der Wächter in der Gemeinde. Eigentlich ist er<br />

ständig auf der Suche nach Dingen, die nicht richtig sind. Die Predigt war zu<br />

lang oder zu kurz. Der Gottesdienst entspricht nicht der Form, wie sie sein<br />

sollte. Die Lieder waren zu laut, zu alt, zu langsam oder zu englisch... also,<br />

es gibt ja kaum etwas, das man nicht kritisieren könnte. Das Problem beim<br />

Kritiker im Blick auf <strong>Beziehungen</strong>: Er bleibt ein Stein, der neben den anderen<br />

liegt. Er findet keine oder kaum <strong>Beziehungen</strong>, weil er sich nicht hineingibt.<br />

Und WENN er <strong>Beziehungen</strong> hat, dann nur mit anderen Kritikern – und das<br />

Thema unter ihnen ist selten das persönliche Glaubensleben, sondern<br />

meistens die anderen und was sie falsch machen. Der Kritiker-Gemeindetyp<br />

ist in der Regel am Rand und verhält sich distanziert und besserwisserisch.<br />

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Der zweite Gemeindetyp ist der Trittbrettfahrer. Er sitzt zwar irgendwie mit<br />

im Gemeindezug, aber nur auf dem Trittbrett. Er ist ständig absprungbereit,<br />

wartet nur auf die passende Gelegenheit dazu, wenn sich ihm etwas<br />

"Besseres" bieten sollte. Eigentlich gibt er zu verstehen: "Wisst Ihr, das ist<br />

nur eine Frage der Zeit, wo ich bei Euch bin. Sobald ich etwas Besseres<br />

gefunden habe, verschwinde ich wieder!" – Auch hier kommen keine<br />

<strong>Beziehungen</strong> zustande, denn die Signale sind ja klar und deutlich: "Mit mir ist<br />

Beziehung eigentlich nur 'auf Zeit' möglich, aber nicht langfristig". Und da gibt<br />

sich niemand hinein.<br />

Der dritte Gemeindetyp ist der Konsument. Der Konsument erwartet in<br />

erster Linie, dass er auf seine Kosten kommt. Er erwartet eine ansprechende<br />

Predigt, ein gutes Programm für seine Kinder und ausreichend Parkplätze<br />

vor dem Gemeindehaus. Der Konsument stellt sich sein Programm selbst<br />

zusammen, individuell angepasst auf seine Bedürfnisse. Er lebt nach dem<br />

Motto "Gemeinde, das ist wie Fernsehen: Wenn ich das Bedürfnis danach<br />

habe, dann setze ich mich in den Sessel, drücke den Knopf und ziehe mir ein<br />

Programm meiner Wahl rein. Und bei Bedarf zappe ich dann auch wieder<br />

aus!" Ganz wie bei Swisscom-TV: "Wann ich will und wo ich will!" – Der<br />

Konsument bleibt dabei ebenfalls beziehungslos neben der Gemeinde<br />

stehen, weil er unverbindlich auf- und abtaucht und individuell sein<br />

Gemeindeleben nach eigenem Gusto gestaltet.<br />

Der vierte Gemeindetyp, das ist der Kirchenbesucher. Gemeinde, das ist<br />

der Kirchgang am Sonntag. Man geht "z'Predigt", aber die Beziehung zur<br />

Gemeinde spielt sich auf einer mehr oder weniger amtlichen Ebene ab. Die<br />

Eltern gingen schon hierhin, also tue ich es auch. Die Predigt ist ein<br />

Fachreferat über Fragen des Glaubens, alles aber bleibt auf mich<br />

beschränkt. Der Kirchenbesucher ist zwar irgendwie dabei, aber er<br />

identifiziert sich nicht mit der Gemeinde. Gemeinde, das sind die anderen, er<br />

hält sich bewusst unverbindlich am Rand auf. Zwar geniesst er den<br />

Sonntagmorgen, aber er lässt sich auf nichts ein. Unabhängig bleiben heisst<br />

die Devise.<br />

Der fünfte Gemeindetyp, das ist der Diener. Der Diener als Gemeindetyp ist<br />

der, der viel, viel arbeitet in der Gemeinde. Er hat ein offizielles Amt inne in<br />

der Gemeinde und ist dafür besorgt, dass alles gut läuft. Er will aufrichtig<br />

dem HERRN dienen. Aber alle <strong>Beziehungen</strong>, die er in der Gemeinde hat,<br />

sind "Amts-<strong>Beziehungen</strong>". Er sieht in allen Begegnungen immer<br />

Möglichkeiten, sich für Jesus aufzuopfern. Und so hat er keine echten<br />

Freundschaften, die von gegenseitigem Geben und Nehmen leben, sondern<br />

nur "Amts-<strong>Beziehungen</strong>". Letztlich ist er zwar voll dabei in der Gemeinde,<br />

aber innerlich hat er keine <strong>Beziehungen</strong> oder echte Freunde. Traurig aber<br />

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wahr: So mancher Pastor steht in der Gefahr, nur "von Amtes wegen"<br />

<strong>Beziehungen</strong> in seiner Gemeinde zu haben.<br />

Nun: Ich glaube, Ihr spürt selber, dass es diese Gemeindetypen in Reinkultur<br />

und derart karikiert, wie ich sie dargestellt habe, wahrscheinlich eher selten<br />

gibt. Ich habe auch bewusst überzeichnet. Aber ich glaube, dass in jedem<br />

von uns dann und wann das eine oder andere Stück eines dieser<br />

Gemeindetypen steckt. Ich selber habe schon in jeder dieser "Rollen"<br />

gesteckt.<br />

Aber das Problem ist, dass jedes Mal, wenn wir eine dieser Rollen<br />

einnehmen, wir keine wirklich tiefgehenden <strong>Beziehungen</strong> <strong>erleben</strong> in der<br />

Gemeinde. Dass wir dann nicht mehr "lebendige Steine sind, die sich<br />

auferbauen lassen", wie Petrus es sagt. Sondern Steine, die neben dem<br />

Bau stehen und keine echte, tiefe Gemeinschaft mit anderen <strong>erleben</strong> können.<br />

So unterschiedlich die Einstellung dieser 5 Gemeindetypen gegenüber der<br />

Gemeinde auch sind, darin ähneln sie sich: Es bleibt irgendwie<br />

beziehungslos. Und vielleicht seid Ihr nochmal ganz anders gewickelt, als<br />

diese Gemeindetypen, die ich da skizziert habe, aber eines bleibt: Man kann<br />

in eine Gemeinde gehen, und dennoch beziehungslos leben, wenn die innere<br />

Identifikation mit den Menschen in der Gemeinde fehlt.<br />

Deshalb zu einem zweiten, nämlich zur Frage, was "Gemeinschaft" bedeutet<br />

und bedingt. Nun: Nebst der inneren Identifikation braucht es auch äussere<br />

verbindliche Integration in die Gemeinde, um <strong>Beziehungen</strong> <strong>erleben</strong> zu<br />

können.<br />

II.<br />

Äusserliche verbindliche Integration in die Gemeinde<br />

Das griechische Wort im NT für "Gemeinschaft" ist das Wort "koinwni,a" 1 . Ich<br />

weiss nicht, welches Bild Ihr im Kopf habt, wenn Ihr das Wort "Gemeinschaft"<br />

hört, aber koinwni,a, das ist mehr als der Schwatz nach der Predigt oder ein<br />

oberflächliches Nachfragen nach dem Befinden des anderen.<br />

1 Deutsch "Koinonia"<br />

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Sondern koinwni,a meint, dem anderen Anteil zu geben an meinem Leben<br />

und Anteil zu nehmen an seinem Leben. koinwni,a, das heisst wörtlich<br />

eigentlich "gemeinsam haben" 2 . Wir haben gemeinsam. Wir teilen, was wir<br />

haben. Wir geben einander Anteil, wir sind Partner. Wir gehören zusammen,<br />

arbeiten zusammen, leben zusammen, glauben zusammen. Wir leiden<br />

gemeinsam, kämpfen gemeinsam, unterstützen uns gemeinsam. koinwni,a,<br />

das ist gemeinsames Leben!<br />

In Apg 2.42, wo die Grundstukturen der Urgemeinde aufgelistet werden,<br />

kommt dieses Wort zum ersten Mal im Zusammenhang mit dem Leben der<br />

Christen vor. Es heisst dort "Sie blieben aber beständig in der Lehre der<br />

Apostel und in der Gemeinschaft (der koinwni,a), im Brechen des Brotes<br />

und in den Gebeten!" – Das bedeutet: <strong>Beziehungen</strong> zu leben und zu <strong>erleben</strong><br />

in der Gemeinde steht auf einer Stufe mit biblischer Lehre, mit<br />

Abendmahl und mit Gebet. Wir brauchen Gemeinschaft, und zwar echte,<br />

biblische, geistliche Gemeinschaft. Und Gemeinde ist der Ort, wo ich das<br />

leben und andere das an mir und mit mir <strong>erleben</strong> können.<br />

koinwni,a aber setzt die Bereitschaft des einzelnen voraus, sich verbindlich zu<br />

integrieren, und es setzt die Bereitschaft der anderen voraus, zuzulassen,<br />

dass neue Leute sich verbindlich integrieren und sich verbindlich in die<br />

Gemeinschaft hineingeben können. Wer <strong>Beziehungen</strong> in der Gemeinde<br />

<strong>erleben</strong> will, muss sich auch irgendwo verbindlich integrieren können: Im<br />

Gottesdienst, im Bibelseminar, in der Kleingruppe, in irgend einem Team in<br />

der Gemeinde. <strong>Beziehungen</strong> brauchen Zeit, und es ist schwierig, wenn man<br />

<strong>Beziehungen</strong> leben will, wenn jemand unverbindlich mal zur Gemeinde<br />

kommt und dann mal wieder nicht, mal da ist und dann wieder 3 oder 4<br />

Sonntage nicht.<br />

Bitte versteht mich richtig: Ich sage nicht, dass Ihr lückenlos zur Gemeinde<br />

kommen müsst und nie fehlen dürft. Das ist Quatsch. Darum geht's nun<br />

wirklich nicht. Unser Thema lautet "<strong>Beziehungen</strong>", nicht "Kadavergehorsam".<br />

Aber das Wachsen von <strong>Beziehungen</strong> bedingt Verbindlichkeit,<br />

Stetigkeit. In Apg 2.42 kommen Verbindlichkeit und Stetigkeit durch die<br />

Worte "...sie blieben beständig in der Gemeinschaft" zum Ausdruck. Da<br />

war eine Beständigkeit da in der Gemeinde von Seiten des Einzelnen.<br />

Natürlich ist man mal weg, kann nicht kommen, oder man erlebt<br />

2 koinwno,j ("Koinonos") bedeutet so viel wie "Partner / Begleiter / einer, der etwas mit mir teilt<br />

und mit dem mich echte Gemeinsamkeit verbindet". Vielleicht ist unser Bild vom "Blutsbruder",<br />

wie es Karl May in seiner Erzählung von "Winnetou und Old Shatterhand" ein passendes Bild<br />

dazu (?)<br />

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Lebensphasen, wo andere Dinge einfach mehr in den Vordergrund rücken<br />

als die Gemeinde. Das darf auch so sein.<br />

Aber worum es geht ist eine grundsätzliche Haltung, die sich in der<br />

Bereitschaft äussert, mich verbindlich zu integrieren. Und Integration, das ist<br />

mehr als Präsenz. Dabeisein ist mehr als dort sein. Ein Teil des Teams zu<br />

sein ist mehr als einfach am Training mitzumachen.<br />

Integration, das ist Mittragen, Mitgehen, Mitdenken, Mitprägen. Präsenz<br />

hingegen ist dasitzen, zuhören, und danach wieder nach Hause gehen. Ich<br />

denke Ihr merkt, dass das ein Unterschied ist. <strong>Beziehungen</strong> können dort<br />

wachsen, wo der Einzelne sich verbindlich integriert in die Gemeinde, sich<br />

einbinden lässt und innerlich in der Haltung lebt: "Hier will ich mittragen<br />

mitdenken, mitprägen. Ich will dabei sein, und nicht einfach dort sein!" Und<br />

Beziehung kann nur dort entstehen, wo die, die bereits ein Teil des Teams<br />

sind, den anderen mithineinnehmen und ihm signalisieren: "Wir wollen, dass<br />

Du einer von uns wirst. Dass Du ein Zuhause bei uns findest. Dass Du<br />

Aufnahme findest und eine Familie unter uns!"<br />

Deshalb ist es so entscheidend, welche Grundhaltung gegenüber der<br />

Gemeinde wir in uns tragen. Denn koinwni,a, das geht weit über ein<br />

oberflächliches "Hallo" am Sonntagmorgen hinaus. Und koinwni,a wird erst da<br />

möglich, wo wir uns innerlich ganz mit dieser Gemeinde hier identifizieren<br />

und sagen "Das ist meine Gemeinde. Das sind die Menschen, die Gott mir<br />

zur Seite gestellt hat. Die Menschen, an denen ich lernen, die ich<br />

unterstützen und mit denen ich gemeinsam den Weg im Glauben gehen<br />

kann! Auch, wenn mir nicht alles passt / auch, wenn nicht alles optimal läuft /<br />

auch, wenn mir nicht alle sympathisch sind, lebe ich dennoch in dieser<br />

Haltung und lasse sie mir nicht rauben!"<br />

Damit zu einem dritten: Nämlich zur Investition. Es geht nicht nur um<br />

Identifikation und Integration, es geht auch um Investition.<br />

III.<br />

Investition in <strong>Beziehungen</strong> in der Gemeinde<br />

<strong>Beziehungen</strong> funktionieren nicht in der Theorie. Sondern nur in der Praxis,<br />

wenn man etwas investiert. <strong>Beziehungen</strong> zu leben bedeutet zunächst einmal,<br />

innerhalb der Gemeinde persönliche Freundschaften aktiv zu fördern. Dass<br />

man Freunde hat in der Gemeinde und anderen zum Freund wird.<br />

Freundschaft braucht aber Zeit, Offenheit und Vertrauen. Freundschaft muss<br />

wachsen. Und koinwni,a-Freundschaften erst recht, weil dort die ganze<br />

Dimension des geistlichen Lebens noch mithineinspeilt. Da braucht es erst<br />

recht Vertrauen.<br />

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Es geht darum, dass ich auf geistlicher Ebene Freunde habe. Freunde, mit<br />

denen ich beten kann, wenn's mir schlecht geht. Freunde, die mich<br />

weiterbringen im Leben mit Jesus, mich fördern, von denen ich lernen kann<br />

und die wiederum von mir lernen können. Freunde, denen ich mich auch mal<br />

mit meinen Zweifeln anvertrauen kann. Solche Freunde brauchen wir. Ich bin<br />

von der Bibel her davon überzeugt, dass mein "Leben mit Jesus" sich dort<br />

abspielen und ausbreiten soll, wo ich meine Gemeinde habe.<br />

koinwni,a, das bedeutet zweitens Ergänzung. koinwni,a, das ist ja<br />

gegenseitiger Austausch, geben und nehmen, da fliesst etwas hin und her.<br />

<strong>Beziehungen</strong> (er-)leben bedeutet deshalb auch, offen zu sein für das, was<br />

andere mir sagen. Mich korrigieren zu lassen von anderen und bereit zu sein,<br />

zu lernen. Auch das ist mir wichtig. Im Leitbild steht dieser Satz: "Andere<br />

haben das Recht, mich und mein geistliches Leben zu hinterfragen und mich<br />

gegebenenfalls zu korrigieren!" – Wir haben das bewusst im Leitbild<br />

festgehalten. Natürlich darf das nicht zum Machtmittel werden in der<br />

Gemeinde. Aber wenn die Motivation stimmt, dann wird das auch nicht der<br />

Fall sein.<br />

Wisst Ihr: Keinem von uns gefällt das. Mir auch nicht. Aber wenn wir uns<br />

nicht hinterfragen lassen, wie wollen wir dann wachsen? Das funktioniert<br />

nicht. Es ist wichtig, dass wir die Offenheit behalten, dass andere uns<br />

hinterfragen dürfen. Und je enger und persönlicher eine Freundschaft eben<br />

ist, desto eher wird das auch möglich. Andere dürfen mich hinterfragen. Was<br />

ich dann damit mache, bleibt immer noch mir überlassen. Aber ich lasse es<br />

zu, dass ich hinterfragt werde. Der Hebräerbrief sagt in Hebr 12.24-25:<br />

"Lasst uns aufeinander achthaben, um uns zur Liebe und zu guten<br />

Werken anzureizen, 25 indem wir unser Zusammenkommen nicht<br />

versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern ermuntern,<br />

und um so mehr, je mehr ihr den Tag herannahen seht!"<br />

koinwni,a bedeutet drittens Ermutigung. Gemeinde soll ein Ort sein, wo ich<br />

Ermutigung erlebe, wenn ich entmutigt bin und nicht mehr mag. Wo ich<br />

Inspiration finde, wenn ich selber innerlich "leer" bin. Wo mein geistliches<br />

Feuer genährt (und nicht erstickt) wird. Wo andere mich ermutigen, über<br />

mich selbst hinauszuwachsen und etwas in mir freisetzen.<br />

Und schliesslich (viertens): koinwni,a bedeutet auch, einander tragen. In<br />

Schwachheit, in Krankheit, selbst, wenn einer in Sünde gefallen ist. Paulus<br />

schreibt in Gal 6.1-3: "1 Brüder, wenn auch ein Mensch von einem<br />

Fehltritt übereilt wird, so bringt ihr, die Geistlichen, einen solchen im<br />

Geist der Sanftmut wieder zurecht. Und dabei gib auf dich selbst acht,<br />

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daß nicht auch du versucht wirst! 2 Einer trage des anderen Lasten,<br />

und so werdet ihr das Gesetz des Christus erfüllen."<br />

Lasst uns eine Gemeinde der <strong>Beziehungen</strong> sein. Eine Gemeinde, in der<br />

<strong>Beziehungen</strong> nicht ein Fremdwort oder eine Wunschvorstellung sind,<br />

sondern eine Realität. Und auch hier gilt die Weisheit von "Globi bi de<br />

Poscht", die ich Euch vor 2 Wochen mit auf den Weg gegeben habe:<br />

"Wotsch en Brief, denn schriib en Brief!" – Wotsch Beziehigä, denn<br />

inveschtier i Beziehigä! – Lade andere ein. Geh auf Leute zu. Teil' Dein<br />

Leben mit anderen und lass sie an Deinem Erleben mit Jesus Teil haben.<br />

Im Leitbild haben wir das so formuliert: "Ich will mich in zwischenmenschliche<br />

<strong>Beziehungen</strong> innerhalb meiner Gemeinde integrieren, denn ich will<br />

Ergänzung durch andere (er)leben: In der Gemeinde (in Gemeinde-Anlässen,<br />

in der Kleingruppe etc.) kann ich lernen, andere zu lieben, auf andere zu<br />

hören und anderen zu dienen. Andere in der Gemeinde dürfen mein Leben<br />

und mein Christsein hinterfragen und mich ermutigen."<br />

Das fängt dort an, wo Du Dich innerlich identifizierst mit der Gemeinde. Es<br />

geht weiter darin, dass Du Dich auch äusserlich verbindlich integrierst in<br />

die Gemeinde und Dich dann investiert in <strong>Beziehungen</strong>.<br />

--Amen—<br />

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