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Die 3 wichtigsten Eigenschaften eines Christen… Teil 3 - FEG Visp

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<strong>Die</strong> 3 <strong>wichtigsten</strong> <strong>Eigenschaften</strong> <strong>eines</strong> Christen… <strong>Teil</strong> 3<br />

04.08.2013 <strong>Teil</strong> 3: Ein Christ soll demütig sein<br />

Gliederung<br />

I. Demütig, weil wir aus Gnade sind, was wir sind<br />

II. Demütg, weil wir nur "anders" sündigen, als andere<br />

III. Demütig, weil wir selber noch nicht "fertig" sind<br />

Einleitung<br />

Wenn man sich ein neues Produkt kauft, dann hat man in der Regel eine<br />

ziemlich genaue Vorstellung von dem, was man sich wünscht. Man hat sich<br />

viele Gedanken darüber gemacht, wie das neue Sofa aussehen / über<br />

welche Funktionen der neue Fernseher verfügen oder wie viele Kilometer der<br />

neue Gebrauchtwagen haben sollte. Wer sich vorbereitet und einige Kriterien<br />

aufschreibt, die ihm wichtig sind, hat es danach bei der Auswahl leichter.<br />

Das hat sich wohl auch die Frau gedacht, die via Kontakt-Anzeige einen<br />

geeigneten Ehepartner gesucht und deshalb folgendes Inserat aufgegeben<br />

hat 1 (Inserat einblenden):<br />

Grenzenlose Zicke… möchte (ausschliesslich mindestens) Millionär für<br />

alles Schöne. Hochnäsige, versnobte, arrogante, eigensinnige, kurz:<br />

Schwierige und eingebildete, aber auch genauso abenteuerlustige,<br />

verträumte, liebe, romantische, ehrliche, sensible, verschmuste süsse Maus<br />

möchte viele Anbenteuer mit dem richtigen Mann erleben.<br />

Ich sag' ehrlich, dass ich viele Gegensätze in mir habe [Aha] und auch bei<br />

einer Partnerschaft meine Freiheiten brauche. Auch sag' ich ehrlich, dass ich<br />

nur (ab) einen Millionär kennenlernen möchte, nicht aus finanziellen Gründen<br />

[na klar], aber vielleicht auch ein bisschen , sondern mir ist wichtig, dass<br />

ein Mann erfolgreich ist in dem, was er tut. Ich muss stolz auf ihn sein<br />

können und ihn bewundern können. Einen Mann, der mit meinem (vielleicht<br />

doch etwas schwierigen? [man beachte das keck gesetzte Fragezeichen])<br />

Charakter klarkommt, habe ich bis jetzt noch nicht kennengelernt [warum das<br />

wohl] – velleicht liest DER RICHTIGE ja genau jetzt dieses Inserat?<br />

1 Quelle: http://www.lustige-kontaktanzeigen.de/kontaktanzeigen/<br />

© <strong>Die</strong>se Predigt ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ausserhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist<br />

ohne Zustimmung des Copyright-Inhabers unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigung und die Einspeicherung und<br />

Verarbeitung in elektronischen Systemen. © Copyright 2012 by Daniel Rohner, <strong>FEG</strong> <strong>Visp</strong><br />

-1-


Du solltest genauso ehrlich sein wie ich, abenteuerlustig und verträumt,<br />

gutaussehend, gross und athletisch. Toll wäre es, wenn Du Deinen Wohnsitz<br />

im Süden hättest – bin nämlich eine grosse Sonnenanbeterin.<br />

Nun: Eines muss man der Frau lassen: Sie hat sich zumindest recht gut<br />

Gedanken darüber gemacht, was sie möchte. <strong>Die</strong> Frage ist natürlich, ob sich<br />

auf diese Anzeige hin tatsächlich jemand gemeldet hat – aber das ist eine<br />

andere Geschichte. Auf jeden Fall wusste die Frau, was der Mann, den sie<br />

suchte, für <strong>Eigenschaften</strong> mitbringen sollte.<br />

Wenn Ihr eine Liste mit den <strong>wichtigsten</strong> <strong>Eigenschaften</strong> <strong>eines</strong> Christen<br />

machen müsstet, wie sähe sie aus? Wenn Ihr eine Kontaktanzeige für einen<br />

Christen aufgeben müsstet, der in seinem Leben und Glauben möglichst<br />

effektiv unterwegs ist, wonach würdet Ihr suchen? – Für mich wären es 3<br />

Dinge:<br />

a) dass er Jesus lieb hat<br />

b) dass er Menschen lieb hat und<br />

c) dass er demütig ist.<br />

Über die Liebe zu Jesus und die Liebe zu Jesus haben wir schon<br />

nachgedacht. Heute geht es um die dritte Charakter-Eigeschaft – um Demut<br />

(Titelfolie). Und ich glaube tatsächlich, dass das DIE Charakter-Eigenschaft<br />

ist, durch die sich Christen auszeichnen sollten. Zum einen, weil wir aus<br />

Gnade sind, was wir sind.<br />

I. Demütig, weil wir aus Gnade sind, was wir sind<br />

Ich weiss nicht, wie es Euch geht, aber ich habe den Eindruck, dass man das<br />

Menschen abspürt, wenn sie sich etwas auf sich selber einbilden. Oder<br />

nicht? – Und von allen negativen Charakter-<strong>Eigenschaften</strong>, die jemand<br />

haben kann, ist das für mich persönlich die, die mich am meisten abschreckt.<br />

Wenn ich spüre: "Der hält sich für etwas besseres. Das ist schon fast eine<br />

Gnade von ihm, dass er sich mit mir unterhält!"<br />

Demut und Stolz sind wahrscheinlich die beiden Charakter-<strong>Eigenschaften</strong>,<br />

die mit am stärksten entscheiden über Qualifikation oder Disqualifikation im<br />

Reich Gottes. Und es ist die Charakter-Eigenschaft von Jesus, die wir uns<br />

keine andere aneignen sollen. In Phil 2.3-5 schreibt Paulus: "Tut nichts aus<br />

Eigennutz oder eitler Ruhmsucht, sondern ein jeder von Euch soll in<br />

der Demut den anderen höher achten als sich selbst. Jeder soll nicht<br />

nur auf das Seine bedacht sein, sondern auch auf das der anderen!"<br />

Und jetzt kommt's (V5): "Habt diese Gesinnung in Euch, die auch in<br />

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Christus Jesus war!" Wir sollen in der gleichen Gesinnung leben, die auch<br />

Jesus ausgezeichnet hat. "Gesinnung" meint hier die "Ausrichtung", die<br />

"innere Polung", die Haltung, mit der wir durch's Leben gehen und die uns<br />

kennzeichnet. Und dann beschreibt Paulus, was es war, das Jesus im Kern<br />

ausgemacht hat: Es war Demut. <strong>Die</strong> Bereitschaft, sich selber klein zu<br />

machen für andere.<br />

Dem gegenüber steht die Haltung, die mir so oft begegnet und die heute<br />

enorm populär ist: Stolz. Wo man sich aufbläht, sich richtiggehend aufplustert<br />

wie ein Ochsenfrosch und sich "Wunder-weiss-was" einbildet auf sich selber.<br />

Auf seine Gaben. Auf sein Aussehen. Seinen Status. Oder dann unter<br />

Christen: Auf seine christliche Rechtschaffenheit. <strong>Die</strong>se Dinge sind nicht<br />

schlecht in sich. Viel können / dem gängigen Schönheits-Ideal entsprechen /<br />

etwas erreicht haben und ein christlich-rechtschaffenes Leben zu führen –<br />

das sind durchaus gute Dinge. Das Problem ist, wenn wir anfangen, uns<br />

darauf etwas einzubilden.<br />

Gerade Christen sollten das nicht tun. Denn als Christen sollte uns bewusst<br />

sein, dass wir das, was wir haben, nicht verdient sondern der Güte und<br />

Gnade Gottes zu verdanken haben. Seht Ihr: Wir alle stehen in der Gefahr,<br />

dass wir uns über andere erhöhen. Über Menschen, die weniger haben als<br />

wir. Oder weniger können als wir. Oder die weniger gut aussehen als wir<br />

oder in irgend einem Lebensbereich nicht mit uns mithalten können. Und<br />

ganz schnell kann es uns passieren, dass wir uns über diese Menschen<br />

stellen und irgendwie den Eindruck haben: "Also, ich bin halt doch etwas<br />

Besonderes. Und der Rest der Welt kann eigentlich ganz dankbar sein dafür,<br />

dass es mich gibt!"<br />

Aber seht Ihr: Ich glaube, dass uns das disqualifiziert im Reich Gottes. Es<br />

nimmt uns unsere Glaubwürdigkeit als Christen. Wer sich innerlich über<br />

andere stellt, handelt nicht nur total konträr zu dem, was Jesus als Haltung in<br />

sich trug, er hat auch vergessen, wer er war, bevor er zum Glauben an Jesus<br />

gekommen ist.<br />

Mit gefällt, wie Paulus sich selber definiert hat. Er sagt in 1Kor 15.10:<br />

"Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin". Das durchzieht die<br />

paulinischen Briefe wie ein roter Faden: <strong>Die</strong> grenzenlose Dankbarkeit für das,<br />

was Jesus in seinem Leben getan und vollbracht hat. Das nie enden<br />

wollende Staunen darüber, dass Jesus in sein Leben getreten ist und ihn<br />

beschenkt hat – einfach so. Unverdient. Aus Gnade.<br />

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Ich glaube, wer sich von Gottes Gnade her definiert und von dem, was ER in<br />

einem Leben tut, der wird demütig. Und damit zugänglich für andere. Weil<br />

Menschen merken: "Der hält sich nicht für etwas Besseres, als ich es bin.<br />

Dem darf ich mich nähern. Der begegnet mir auf Augenhöhe!" Und das, Ihr<br />

Lieben, macht uns "brauchbar" in Gottes Reich!<br />

Ich erinnere mich an eine Begegnung, die ich vor vielen Jahren an einer<br />

Pastorenkonferenz hatte. Als Leiter der Pastorenkonferenz ging ich damals<br />

auf 2 jüngere Pastoren zu, die zum ersten Mal an der Pasko waren, um sie<br />

zu begrüssen und willkommen zu heissen. Und als ich vor ihnen stand und<br />

sie ansprach, schauten sie mich von oben bis unten an und gaben mir so<br />

etwas von zu verstehen: "Was willst DU denn hier?" – Und im Gespräch kam<br />

mir entgegen: "Wir wissen, wie Pastor-Sein funktioniert. Wie Gemeinde-Bau<br />

funktioniert! Und eigentlich wissen wir gar nicht so recht, weshalb wir an<br />

dieser Konferenz sind!" – Ich habe damals für mich gedacht: "Wenn Ihr<br />

anderen in der gleichen Haltung begegnet, mit der Ihr jetzt mir begegnet,<br />

dann frage ich mich, wie lange Ihr Pastoren sein werdet!" – Und genau so ist<br />

es dann leider auch gekommen.<br />

Ich behaupte nicht von mir, dass ich die Demut gepachtet hätte. Ich merke<br />

bei mir auch immer wieder, dass ich mich innerlich über andere erhebe und<br />

mir anfange, etwas auf mich selber einzubilden. Aber wenn ich es merke,<br />

dann bitte ich um Vergebung. Einfach, weil ich weiss, dass es falsch ist. Und<br />

dass ich aus Gnade bin, was, ich bin.<br />

Damit zu einem zweiten, das mir im Blick auf Demut wichtig ist: Ich glaube,<br />

dass uns Demut ansteht, wenn es um unsere vermeintliche<br />

"Rechtschaffenheit" geht. Denn mir der ist es nicht wirklich weit her. Es ist<br />

nicht so, dass wir "nicht mehr sündigen" würden. Wir sündigen nur "anders".<br />

II. Demütg, weil wir nur "anders" sündigen, als andere<br />

Wenn Ihr in den Evangelien lest, mit welcher Gruppe von Menschen sich<br />

Jesus am stärkste auseinanderzusetzen hatte, dann sind das die Pharisäer.<br />

Und der Hauptstreitpunkt zwischen Jesus und den Pharisäern ist der, dass<br />

sich die Phariäser enorm über ihre Rechtschaffenheit definiert haben. Dass<br />

sie von sich den Eindruck hatten, "bessere" Menschen zu sein als andere.<br />

Und rein usserlich betrachtet, muss man sagen, dass sie wirklich<br />

rechtschaffene Menschen waren. Sie hielten sich an das Gesetz. Sie lebten<br />

einen guten und frommen Lebensstil.<br />

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Aber das Problem, das Jesus immer wieder anprangert bei ihnen ist: Sie<br />

verurteilten andere und waren dabei blind für die eigene Sünde im Herzen.<br />

Und das ist tatsächlich die grosse Gefahr – gerade für Menschen, die Gottes<br />

Gebote ernst nehmen und "richtig" vor IHM leben wollen: Dass wir blind<br />

werden für die eigene Sünde im Herzen und anfangen, uns über andere zu<br />

überheben.<br />

So erzählt Jesus in Lk 18.9 ein Gleichnis. Und Lukas berichtet, dass Jesus<br />

das Gleichnis an Menschen richtete, die "…auf sich selbst vertrauten,<br />

dass sie gerecht seien, und die übrigen verachteten". Das Gleichnis<br />

handelt von zwei Menschen, die (Lk 18.10ff) "…hinaufgingen zum Tempel,<br />

um zu beten, der eine ein Pharisäer und der andere ein Zöllner. 11 Der<br />

Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Gott, ich danke dir, daß<br />

ich nicht bin wie die übrigen der Menschen: Räuber, Ungerechte,<br />

Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner.<br />

12 Ich faste zweimal in der<br />

Woche, ich verzehnte alles, was ich erwerbe. 13 Der Zöllner aber stand<br />

weitab und wollte sogar die Augen nicht aufheben zum Himmel,<br />

sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir, dem Sünder,<br />

gnädig! 14 Ich sage euch: <strong>Die</strong>ser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus<br />

im Gegensatz zu jenem; denn jeder, der sich selbst erhöht, wird<br />

erniedrigt werden; wer aber sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden."<br />

Wisst Ihr: Oft genug sind wir blind für die eigene Sündhaftigkeit. Für unser<br />

eigenes Herz. Und wir vergessen dabei, dass wir zwar nicht auf gleiche Art<br />

und Weise sündigen, wie andere Menschen. Aber dass wir auch (nämlich<br />

einfach "anders") sündigen. Es ist interessant, was Paulus in 1Tim 1.15<br />

schreibt. Er schreibt dort: "Das Wort ist gewiss und aller Annahme wert,<br />

dass Jesus Christus in die Welt gekommen ist, um Sünder zu erretten,<br />

von welchen ich der erste bin".<br />

Nun: Paulus war ein Kenner der griechischen Sprache. Er reizt die Nuancen<br />

und Feinheiten dieser Sprache im NT bis in's letzte aus, auch, was die<br />

Zeitformen anbelangt. Aber habt Ihr gemerkt, dass Paulus nicht schreibt:<br />

"Christus kam, um Sünder selig zu machen, von welchen ich der erste war?"<br />

Paulus sagt: "Von welchen ich der erste BIN". Paulus hat nie vergessen, was<br />

er in sich selbst darstellte. Er hat dieses Bewusstsein festgehalten: Ich bin<br />

zwar durch Gottes Gnade erlöst von der Strafe der Sünde. Aber was ich in<br />

mir selber immer bin, ist immer: Sünder.<br />

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Mir ist dieser Punkt deshalb so wichtig, weil ich hier innerhalb der Kirche und<br />

im Leben vieler Christen eine Akzentverschiebung festzustellen meine. Eine<br />

Verschiebung, die toxisch, giftig, ist. An die Stelle, wo am Anfang, als jemand<br />

zum Glauben kam, Jesus stand und die Freude und das Erstaunen über die<br />

eigene, unverdiente Erlösung, tritt plötzlich eine seltsame, evangelikale<br />

Selbstgerechtigkeit, bei der man sich selbst und die anderen vor allem über<br />

den christlichen Lebensstil und das Einhalten von bestimmten Geboten<br />

definiert. Und damit plötzlich einen Grund hat, stolz zu sein und auf andere<br />

herabzuschauen.<br />

Ich habe das in meinem eigenen Leben erfahren. Wie an die Stelle der<br />

Dankbarkeit für die erfahrene Erlösung und der Demut plötzlich Stolz<br />

getreten ist. Stolz darüber, dass ich nicht (mehr) trinke, nicht (mehr) Drogen<br />

nehme und eben stattdessen in den Gottesdienst gehe, Bibel lese und in der<br />

Gemeinde mitarbeite. Bis ich tatsächlich selber daran geglaubt habe, etwas<br />

"Besseres" zu sein als andere. Nicht viel besser (dafür kannte ich mich selber<br />

ja gut genug). Aber doch immerhin ein bisschen besser. Wenig nur, aber<br />

doch immerhin…<br />

Erst während des Theologie-Studiums ist mir bewusst geworden, wie falsch<br />

das ist. Was für ein furchtbarer Pharisäer ich selber geworden war, wie viel<br />

ich mir selber auf meine eigene, evangelikale Gerechtigkeit eingebildet und<br />

wie viele Menschen ich damit verletzt hatte. Damals habe ich mir<br />

geschworen: "Ich möchte nie, nie mehr dort hin kommen!"<br />

Ihr Lieben – Trevor Hammack, Pastor der Victory Baptist Church in Ovalo,<br />

TX, hat gesagt: "Demut ist die beinahe unmögliche Herausforderung, dass<br />

wir uns mehr mit unseren eigenen Sünden beschäftigen als mit den Sünden<br />

anderern!" 2 Seht Ihr: Wir "sündigen nicht nicht mehr". Wir sündigen "nur<br />

anders". Wer sich dessen bewusst ist, bleibt demütig und wird barmherzig.<br />

Damit zu einem Dritten und Letzten: Demut ist deshalb die dritte, wichtigste<br />

Charakter-Eigenschaft <strong>eines</strong> Christen, weil sie uns beständig daran erinnert,<br />

dass wir noch nicht fertig sind. Sondern immer noch "unterwegs".<br />

2<br />

Im Orginal: "Humility is the nearly impossible task of being more concerned with our own<br />

sins that we are with the sins of others." Quelle:<br />

http://www.goodreads.com/quotes/tag/humility?page=5<br />

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III. Demütig, weil wir selber noch nicht "fertig" sind<br />

In der Apostelgeschichte werden die Christen mehrmals mit einem ganz<br />

interessanten Terminus bezeichnet. Nämlich als "die, die des Weges sind!"<br />

(Apg 9.2 / 19.23). Als Christen sind wir unterwegs. Wir sind noch nicht am<br />

"Ziel angekommen". Paulus sagt in Phil 3.12: "Es ist nicht so, dass ich es<br />

das Ziel schon ergriffen habe oder schon vollendet bin. Ich jage dem<br />

Ziel aber nach, weil ich von Christus ergriffen bin!"<br />

Christen sollten Menschen sein, denen man abspürt, dass sie Lernende sind.<br />

Pilger. Solche, die unterwegs sind. Sicher: Manches wissen wir. Manches ist<br />

klar erkennbar durch Gottes Wort. Es gibt Fragen, in denen ist die Bibel sehr<br />

klar. Aber wir müssen auch zugeben, dass es Fragen gibt, in denen die Bibel<br />

nicht einfach einteilt in "richtig" und "falsch", in "schwarz" und "weiss". Und<br />

dazu kommt, dass manches, was ich gestern noch als "schwarz" oder<br />

"weiss" angeschaut habe, im Licht der Erkenntnis von heute plötzlich ganz<br />

anders aussieht. Vieles wissen wir einfach nicht. Denn wir sind noch nicht<br />

"vollendet". Wir sind noch nicht am Ziel. Wir sind immer noch unterwegs.<br />

Und es gibt immer wieder Momente, wo wir das spüren. zB. dann, wenn<br />

Jesus uns in Situationen hineinstellt, wo wir merken: "Das, was wir bislang<br />

als glasklar angeschaut haben, ist vielleicht gar nicht so klar!" Ich denke an<br />

unsere eigenen Kinder. Bevor wir Kinder hatten, wussten wir ganz genau,<br />

wie wir sie erziehen wollen. Was wir wollten, was richtig und was "falsch"<br />

war. Was man wie machen musste. Und dann – dann kamen unsere Kinder<br />

.<br />

Ich denke an Ansichten, die ich vor 10, 15, 20 Jahren hatte. Und wo ich<br />

heute merke: Ich bin an einem ganz anderen Punkt heute. Einfach, weil ich<br />

älter geworden bin. Und vielleicht auch ein bisschen "weiser". Weil ich mich<br />

verändert habe durch das Leben. Durch Erfahrungen, die Jesus mich hat<br />

machen lassen und Menschen, die Jesus in mein Leben hineingestellt hat.<br />

Paulus sagt in 1Kor 13.12: "Unsere Erkenntnis ist Stückwerk". Wir haben<br />

nicht alle Antworten – auch wenn wir an einen Gott glauben, der alle<br />

Antworten hat. Wir wissen nicht alles – auch wenn wir an einen Gott glauben,<br />

der allwissend ist. Unser Wissen und unsere Erkenntnis ist begrenzt. Wir sind<br />

immer noch unterwegs – "des Weges", wie die Apostelgeschichte die<br />

Christen bezeichnet.<br />

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"Ich habe es noch nicht ergriffen", sagt Paulus, "aber ich bin von<br />

Christus ergriffen" (Phil 3.12). Wisst Ihr: Wenn selbst Paulus, der als<br />

Vollblut-Theologe das Alte Testament in- und auswendig kannte und als<br />

Apostel von der persönlichen Offenbarung und Begegnung mit Jesus selber<br />

lebte, das von sich sagt, dann glaube ich, dass es uns gut ansteht, wenn wir<br />

das genauso sagen.<br />

Von allen Begegnungen, die ich im Verlauf m<strong>eines</strong> Lebens mit Christen<br />

hatte, sind mir die am "unangenehmsten" in Erinnerung geblieben, die ich mit<br />

Christen hatte, die mir zu verstehen gegeben haben: "Ich habe alle<br />

Antworten!" Weil es oftmals einfach unheimlich "stolz" herüberkam.<br />

Manchmal ganz offen, in der Haltung: "Ich habe halt einfach recht!"<br />

Manchmal aber auch ganz salbungsvoll, indem sie zB. am Ende <strong>eines</strong><br />

Gesprächs gesagt haben: "Ich bete für Dich, dass der Herr Dir die rechte<br />

Erkenntnis schenkt!" Und mit dem Ausdruck "die rechte Erkenntnis" meinten<br />

sie in der Regel die, die sie hatten.<br />

Heute, 10, 15, 20 Jahre später, hat die Geschichte und das Leben den einen<br />

und den anderen dieser Christen eingeholt. Weil sich herausgestellt hat, dass<br />

ihre Ansichten komplett "falsch" waren und sich überhaupt nicht bewahrheitet<br />

haben. Und das Tragische an diesen Begegnungen ist für mich nicht, dass<br />

jemand eine falsche Ansicht hatte – das ist mir ja selber passiert und passiert<br />

mir immer wieder. Sondern was mich wirklich bedrückt, das ist, dass diese<br />

Christen das nicht zugeben können. Und statt zuzugeben: "Ich lag falsch",<br />

und sich zu entschuldigen für das, was sie auch im Leben anderer mit ihrer<br />

stolzen, arroganten Haltung angerichtet haben,<br />

Zusammenfassung<br />

Wenn Dich jemand fragen würde: "Was sind die drei <strong>wichtigsten</strong><br />

<strong>Eigenschaften</strong> <strong>eines</strong> Christen?", was würdest Du antworten? – Nun: ICH<br />

behaupte, die drei <strong>wichtigsten</strong> <strong>Eigenschaften</strong> sind:<br />

- Jesus lieben,<br />

- Menschen lieben, und<br />

- demütig sein.<br />

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Verarbeitung in elektronischen Systemen. © Copyright 2012 by Daniel Rohner, <strong>FEG</strong> <strong>Visp</strong><br />

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Ihr Lieben: Wenn wir als Christen wirkungsvoll unterwegs sein wollen, dann<br />

müssen wir lernen, demütig zu sein. Dwight Lyman Moody, einer der<br />

bekanntesten Erweckungsprediger des 19. Jahrhunderts, hat gesagt: "Wir<br />

sind nie zu klein für Gott, als dass ER uns nicht brauchen könnte. Aber<br />

schnell einmal zu gross…!" 3<br />

-Amen-<br />

3 http://christian-quotes.ochristian.com/Humility-Quotes/page-17.shtml<br />

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