Der ultimative Dunkelhainführer

ingerigar

Bogumil Bouvier

Der ultimative Dunkelhainführer

Teil 7 Finsterfelde ‐ das ländliche Gebiet im Norden


Ich bin Bogumil Bouvier, Reiseschriftsteller, Fan des Übernatürlichen und nun schon recht

lange Stadtschreiber von Dunkelhain. Die Stadtschreiberwohnung teile ich mir mit meiner

Lebensgefährtin Lätitia Leibovitz, die für die Bilder zuständig ist und mich natürlich auch

sonst in allen Fragen berät. Wir haben uns in Dunkelhain schon ganz prächtig eingelebt.

Und nun lernen wir allmählich auch die Randgebiete des Städtchens kennen.

Mit diesem Teil des "Ultimativen Dunkelheimführers"

wenden wir uns den nördlichen Randgebieten zu. Die

karge, leicht hügelige Landschaft "Finsterfeldes" mit viel

Wasser eignet sich vor allem zur landwirtschaftlichen

Nutzung. Einige Aussteiger haben sich alte Bauernhöfe

renoviert. Hier finden sich aber auch ein Angelwald und

das Reitzentrum.

Unsere besondere Aufmerksamkeit gilt der neuen

Touristenattraktion Dunkelhains: Aus ein paar Trümmern

wurde nach uralten Aufzeichnungen die alte "Burg

Dunkelhain" neu errichtet. Und um das Ganze

wirtschaftlich zu nutzen, wurde hier das "Burghotel

Dunkelhain" eingerichtet, das nun einerseits möglichst

viel altertümlichen oder mittelalterlichen Charme

versprühen soll, aber andererseits den Bedürfnissen an

modernem Komfort gerecht wird.

Mit dem Resortbesitzer Konradin Kauffmann konnten wir ein aufschlussreiches Gespräch

führen und durften ein Wochenende auf Kosten des Hauses verbringen.

Wir danken ­ wie immer ­ auch den Mitarbeitern des Hokuspokus­Verlags, die uns bei allen

Schwierigkeiten eine große Hilfe waren.

So können wir Ihnen nun auch den siebten Teil des Führers vorstellen.

Bogumil Bouvier

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Inhalt

Stadtrundgang 7 (Karte) 4

­ "Burghotel Dunkelhain" 5

­ Finsterfelder "Angelwald" 18

­ Besuch des "Fischerhofs" 20

­ "Kommunaler Garten Finsterfelde" 23

Kommunale Gärten ­ eine neue Bewegung? 26

Wissenswertes über den Bau einer Mittelalterburg 27

Sagen um die "Burg Dunkelhain" 29

Finsterfelder Impressionen 30

So leben Prominente in Dunkelhain: Basilius Valentinus 32

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Stadtrundgang 7

Unser Stadtrundgang führt uns vom "Alten Kastell" kommend die Efeuhügelstrasse hinauf

zum "Burghotel Dunkelhain". Von hier haben wir einen herrlichen Blick in Richtung Norden

auf das ländliche Finsterfelde und Richtung Süden hinab auf die Innenstadt. Um aber nach

Finsterfelde zu gelangen, müssen wir die Bigsby­Promenade entlanggehen, bis wir auf die

Finsterfelder Landstrasse stoßen. Wir biegen nach links ab und gelangen so zum

"Angelwald". Weiter Richtung Norden gehend treffen wir auf den Finsterfelder Weg. Hier

biegen wir rechts ein und kommen zum Reitzentrum "Dunkelhainer Reiterglück". Wir

folgen dem Finsterfelder Weg, bis wir zum "Kommunalen Garten Finsterfelde" gelangen.

Je nach Zeit und persönlichem Interesse wird der Besuch von Angelwald, Reitzentrum oder

Gartenanlage für Sie im Vordergrund stehen. Gehen Sie entweder ausführlich Ihrem Hobby

nach oder schauen Sie sich alles an ­ es ist Ihre Entscheidung.

Sehr empfehlenswert ist auch der Besuch des kleinen Museums für Folterwerkzeuge im

Wachturm der ehemaligen Burg.

1 "Burghotel Dunkelhain" (Resort)

2 "Angelwald"

3 "Haus Zwiebelturm" (Friedlich)

4 "Dunkelhainer Reiterglück"

5 "Stallhaus" (Rudel)

6 "Fischerhof" (Gärtner­Fischer)

7 "Kommune 2.0"

8 "Kommunaler Garten Finsterfelde"

9 "Alchimistenturm" (Valentinus)

10 "Haus Wenesil"

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Ein wenig beschwerlich ist er schon ­ der Aufstieg zum "Burghotel Dunkelhain", aber es

lohnt sich, diesen Weg zu Fuß zu gehen und dabei die wunderschöne Aussicht zu genießen.

Beim Anblick der kompletten Burg mit Zugbrücke und allem Drum und Dran kann man sich

kaum vorstellen, dass hier vor wenigen Jahren noch so gut wie nichts zu sehen war außer

ein paar alten Steinen. Die Erbauer haben wirklich Erstaunliches geleistet.

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Blick von Dunkelhain aus, im Vordergrund die Burgkapelle

Seitenansicht, im Vordergrund der Wachturm

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von links: Burggraben, Toranlage, Zwinger, Schildmauer mit Burgtor, Burgkapelle

Zwinger mit Aufgang zum Burgtor

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Burghof

Eingang zum Hotel

Der Burghof dient den Gästen des Resorts zu

vielerlei Freizeitaktivitäten.

Es gibt dort eine Grillstelle und eine große

Feuerstelle für eine gemütliche Runde am

Abend. Gleichzeitig kann man ein Auge auf

die Kinder haben, die sich auf dem Spielplatz

tummeln.

Besonderer Beliebtheit erfreut sich die

Bogenschießanlage. Da können sich die

Gäste fast als mittelalterliche Ritter fühlen.

Gerne besucht werden auch die Burgkapelle

und das kleine, aber feine Museum für

Folterinstrumente im Wachturm.

Spielplatz

Burgkapelle und Feuerstelle

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Burghof mit Bogenschießanlage

Burgkapelle

Wachturm mit Originalrichtblock

Kasse und Blick ins Museum

Blick in den Kerker

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Rezeption

Ritterbüfett und ­tafel

Bar

Kaminecke

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Betritt man das "Burghotel Dunkelhain" durch den Eingang des Haupthauses, so gelangt

man in den "Rittersaal", was dem "Palas" einer Burg entspricht. Hier befindet sich

natürlich die Rezeption, wo man von einem mittelalterlich gekleideten Portier empfangen

wird. Übrigens tragen alle Hotelangestellten mittelalterliche Kleidung, um das Burgambiente

zu betonen.

Außer der Rezeption ist hier auch die Hotelbar untergebracht und eine sehr gemütliche

Kaminecke, die als Foyer dient. Hauptstück ist das fulminante "Ritterbüfett", das keine

Wünsche offenlässt. Gegessen wird an einer riesigen Tafel.

Auch die Küche soll mittelalterliches Flair vermitteln und den Gästen zeigen, wie es in einer

Burgküche ausgesehen haben könnte. Wo das absolut reichhaltige und köstliche Büfett nun

wirklich hergestellt wurde, blieb uns leider verborgen.

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Eingang zum Café

Schönheitssalon und Boutique "Luna y Sol"

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Café

Die 1. Etage des Burghotels dient

ausschließlich dem Komfort der Gäste. Außer

einem großzügigen Aufenthaltsraum mit

Gelegenheit zum Schachspielen gibt es ein

schnuckeliges Café mit einer exklusiven

Auswahl von Gebäck und Kuchen und die

mondäne Boutique "Luna y Sol" samt

Schönheitssalon. Wer das Gefühl hat, nicht

die rechte Garderobe mitgebracht zu haben,

kann sich hier von freundlichen jungen

Damen beraten und ausstaffieren lassen.

Der eine oder andere kauft hier vielleicht

auch ein kostbares Schmuckstück.

Schönheitssalon "Luna y Sol"

Boutique

Boutique "Luna y Sol"

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Die zwei fürstlich ausgestatteten Luxussuiten

des Hotels befinden sich in der 2. Etage:

Die Rote Suite ist für 2 Personen gedacht.

Den Gästen stehen hier ein Wohnzimmer,

ein Schlafzimmer, ein Arbeitszimmer und ein

Bad zur Verfügung.

Die Blaue Suite ist für eine Familie mit bis

zu drei Kindern vorgesehen. Es gibt nämlich

außer Wohnzimmer, Schlafzimmer und Bad

noch ein Kinderzimmer mit einer Wiege und

einem Stockbett.

Wer eine dieser Suiten bewohnt, kann sich

wie der Burgherr persönlich fühlen.


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Wir stellen Ihnen nun noch die weiteren

Annehmlichkeiten des Hotels vor:

Da wäre zum Beispiel die ebenfalls auf

dieser Etage zu findende stilvolle Bilbliothek.

Im Schatten der Wehrgänge können Mutige

die Feuergrube nutzen, Bequeme den

Whirlpool, ewig Hungrige und Durstige den

Imbissstand. Eher sportlich orientierte Gäste

freuen sich sicher über den Fitnessbereich

im Kellergeschoss. Hier gibt es einen gut

ausgestatteten Fitnessraum, einen großen

Pool mit Poolbar und eine Sauna. Wer würde

dies alles in einer Burg vermuten?


Finsterfelder "Angelwald"

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Der "Angelwald" liegt zwar unmittelbar unterhalb vom Burghotel, ist aber nur über die

Bigsby­Promenade zugänglich. Wir nehmen also die Bigsby­Promenade in nördlicher

Richtung. Wenn wir auf die Finsterfelder Landstraße stoßen, geht es nach links zum

idyllischen "Angelwald". Wer die Natur liebt und Ruhe sucht, ist hier bestens aufgehoben.

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Das Grundstück ist rund um die Uhr zugänglich. Jeder, der einen gültigen Angelschein

besitzt, kann hier kostenlos angeln. Wer übernachten möchte, findet ein paar Schlafsäcke

und Sanitärräume vor. Außerdem gibt es einen kleinen Grillplatz, wo man seinen Fang an

Ort und Stelle zubereiten kann. (Tipp: Wer nicht sicher ist, ob das Anglerglück ihm hold ist,

bringt sich sicherheitshalber noch etwas zum Grillen mit.)

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Besuch des Fischerhofs

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Voller Neugierde nähern wir uns dem "Fischerhof", der hinsichtlich seiner Bewirtschaftung

etwas ganz Besonderes sein soll. Die Inhaber ­ Gitta Gärtner und Gabriel Fischer ­

stehen jedem, der Interesse zeigt, gerne zu einem ausführlichen Gespräch zur Verfügung,

da sie ihre Idee gerne weiter verbreiten möchten.

Und da warten sie schon ­ ein ganz

normales junges Paar, aber mit

eigenen Visionen, wie sich schnell

herausstellt. Die beiden verstehen

es nämlich hervorragend, aus der

Not eine Tugend zu machen. Und

warum sollten andere nicht von

ihren Erfahrungen profitieren?

Gitta Fischer, die aus einer alten

Fischerfamilie stammt, hat das

Sumpfgrundstück geerbt. Eigentlich

waren da nur zwei alte Hütten mit

Stegverbindung über dem Wasser.

Aber seit sie Gabriel, den Gärtner,

kennengelernt hat und beide gerne

zusammenziehen wollten, hat sich

einiges getan.

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Zuerst haben sie die beiden Hütten instandgesetzt und mit ein paar alten Möbeln

eingerichtet, dann die Stege ausgebaut und an einigen Stellen den Morast ausgebuddelt,

sodass sich Fische wohlfühlen können. Und dann hatte Gabriel, der leidenschaftlicher

Gärtner ist, eine grandiose Idee: Warum sollte man nicht über dem Wasser kleine Gärten

bauen können? Ist doch im Prinzip auch nichts anderes als ein Dachgarten ­ oder?

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Und nun gehen sie also beide ihren Lieblingsbeschäftigungen ­ Angeln und Gärtnern ­ nach

und können doch auch davon leben. Bescheiden zwar, aber sehr naturverbunden und doch

mit dem einen oder anderen "Luxus". Als solchen empfinden sie es nämlich, wenn sie zur

Erholung in ihrem Reich schwimmen oder sich auf der Dachterrasse inmitten üppiger

Pflanzenpracht sonnen können.

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Kommunaler Garten Finsterfelde

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Der "Kommunale Garten Finsterfelde" liegt schräg gegenüber vom Fischerhof. Dieses

von Dunkelhainer Bürgern gegründete Projekt ermöglicht jedem Interessierten ­ ob

Einwohner oder Besucher ­ sich aktiv zu beteiligen. Wer Spaß an Pflanzen hat, findet hier

alles, was das Herz begehrt.

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Hier sehen Sie einen Plan des Geländes. Es

gibt ein Feld, auf dem alle normalen

Gemüsesorten, Beeren­ und Obstarten

geerntet werden können, ein viktorianisches

Gewächshaus mit allen nur erdenklichen

Kräutern und Reben, einen kleinen Markt für

Gartenprodukte, eine gemütliche Sitzecke

mit Grill, Bar und Spielplatz, zwei Feuerstellen

zum Klönen nach der Arbeit, WCs und

Duschen.


Kommunale Gärten ­ eine neue Bewegung?

Wir sprachen mit Sylvie Sternenstaub, der Gründerin der Initiative „Für ein buntes

Dunkelhain“, und dem Ehepaar Gärtner­Fischer, die sich zu dem Projekt „Kommunaler

Garten Finsterfelde“ zusammengetan haben. Im Gespräch erläuterten sie uns, welche

Überlegungen hinter ihrem Projekt stecken:

Zunächst wollten sie klarstellen, dass es ihnen darum ging, Gärtnern populär zu machen und

auch denen zu ermöglichen, die kein eigenes Grundstück haben. Mit den eher illegalen

Aktionen der "Guerilla­Gärtner" wollten sie nichts zu tun haben, weshalb sie der

Stadtverwaltung ihre Idee unterbreiteten und um die Zuweisung eines geeigneten

Grundstücks baten.

Gemeinschaftsgärten unterscheiden sich von anderen urbanen Grünflächen dadurch, dass sie

gemeinschaftlich und überwiegend unentgeltlich angelegt und gepflegt werden und einer

breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Sie nutzen städtische Freiräume, bringen

Leute verschiedenster Herkunft zusammen und bereichern das Mikroklima im Quartier.

Sylvies Mission, das Böse aus Dunkelhain zu vertreiben, sollte so vorangebracht werden.

Bestimmte Bevölkerungsgruppen (Werwölfe, verarmte Hexen und Hexenmeister) und

Einwanderer fühlen sich hierzulande vielfältig benachteiligt. Häufig sehen sie sich täglichen

Diskriminierungen ausgesetzt. Ein interkultureller Garten zeigt Auswege aus dem „Ghetto des

Andersseins“ auf. Der Austausch vervielfältigt das vorhandene Wissen. Gärten sind zudem

ein wirksames Mittel gegen Mangel. Sie ermöglichen Überfluss, sie regen zum Schenken und

Tauschen an. Ganz nebenbei entsteht der Boden für eine produktive Beziehung zu sich selbst

und zu anderen. Solche genutzten Brachflächen schaffen gerade für benachteiligte

Bevölkerungsschichten Erholung und können maßgeblich die Lebensqualität steigern. In

gemeinschaftlichen Gartenprojekten geht es aber auch um aktive Umweltbildung.

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Spätestens seit der Eröffnung des

"Kommunalen Gartens Finsterfelde"

beschäftigten wir uns mit dem Thema. So

stießen wir auf verschiedenerlei Konzepte,

wie zum Beispiel "Urban Gardening" oder

"Guerilla­Gärtnern", wobei der Unterschied

zwischen beidem nicht immer ganz

klar scheint. Die Wurzeln des Urban

Gardening sind mehr als 30 Jahre alt. Am

Anfang klang die Bewegung nach Krieg: Im

New York der 70er­Jahre warfen "Guerilla­

Gärtner" Kugeln aus Erde, Ton und Samen,

die sogenannten "Saat­Bomben", auf die

wenigen vorhandenen Grünflächen. Eine

Welle des Protest­Gärtnerns schwappte bald

auch zu uns. Auf einmal waren auch hier

Leute mit Spitzhacke und Gießkanne

unterwegs, um Beete zu pflegen, die sie auf

Verkehrsinseln ohne Erlaubnis angelegt

hatten. Aus vernachlässigten "Nicht­Orten"

wurden so wieder Gegenden, in denen man

sich begegnete und Gemeinsamkeiten

entdeckte.


Wissenswertes über den Bau einer Mittelalterburg

Unser Architekt und Denkmalspfleger Theobald Ziller berichtet, wie man heutzutage eine

mittelalterliche Burg neu erbaut und dabei die alten Techniken anwendet:

„In der Scheune herrschen Lärm und Aufregung. Lehrer reden auf ihre Schüler ein. Dann

darf die Gruppe eintreten in die fremde Welt, die hinter dem Scheunentor liegt. Die

Aufregung ist verständlich, schließlich steht nicht alle Tage ein Ausflug ins Mittelalter auf

dem Stundenplan. Dunkelhain am Teufelsmoor um fünf Minuten vor zehn morgens. Nicht

nur Schulkinder, auch Erwachsene haben sich eingefunden. Mit dem Glockenschlag erweist

sich die Scheune als Zeitmaschine und entlässt die Wartenden an einen Ort, der von sich

behaupten kann, einzigartig auf der Welt zu sein. Nach wenigen Metern findet sich der

Besucher im 13. Jahrhundert wieder – auf einer Baustelle. Männer und Frauen in

strapazierfähigem Drillich schwitzen im Steinbruch, schmieden Werkzeuge, errichten

Gerüste und brennen Ziegel: Arbeit am Bau einer Mittelalterburg.

Vor einigen Jahren begannen die Holzfäller eine Lichtung in den dichten Wald zu schlagen.

Entstanden ist ein riesiges Areal, das man Efeuhügel taufte. Die Baustelle liegt auf einer

Anhöhe, zu der immerhin wenigstens schon eine ordentliche Straße führt. Zahlreiche

Handwerkerhütten finden sich am Straßenrand. Eine Brücke aus dicken Eichenbalken

überspannt den tiefer liegenden Teil, wo einmal das Wasser des Burggrabens fließen soll.

Nur ein paar Meter entfernt liegt an einem Hang die Keimzelle des Projekts, der freigelegte

Teil mit wenigen alten Trümmern. Alles andere wurde wohl schon vor vielen Jahren nach

und nach weggeschleppt und anderweitig verbaut. Der Wald eroberte sich das Areal

mühelos zurück.

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Zuschauern zu und erklären die Arbeitsschritte. Im Akkord arbeitet hier keiner. Stattdessen

sollen die vielen zahlenden Besucher etwas lernen können.

Ein wissenschaftliches Beraterkomitee, das sich aus Architektur­ und Kunsthistorikern,

Archäologen und Spezialisten etwa für Metallurgie zusammensetzt, sorgt dafür, dass die

knapp 40 Handwerker die traditionellen Techniken beherrschen. Im Winter wird gebüffelt,

danach wird das Gelernte umgesetzt. Arbeitslose haben hier einen Job gefunden, und auch

vielen freiwilligen Helfern ist es zu verdanken, dass die Arbeiten zügig vorankommen.

Dann ist es kurz vor Sechs am

Nachmittag:

Die Maurer setzen den letzten

Stein, ein Kollege zieht sein

Arbeitsgerät, das an ein Paddel

erinnert, aus dem Trog mit der

lehmigen Matsche, dem Zement

des Mittelalters.

Der Seiler verschließt seine aus

Hanf gearbeiteten Produkte in

einer Truhe und zündet sich ein

Pfeifchen an.

Engagiert diskutieren einige der

Schüler mit ihrer Lehrerin. Es

scheint ihnen wirklich gefallen zu

haben.“

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Zwei junge Männer sind damit

beschäftigt, Löcher in das Gestein zu

treiben. Später werden Metallkeile

eingesetzt, um die Schichten zu lockern.

Die herausgebrochenen Felsbrocken

werden sodann je nach Größe von einem

Pferdefuhrwerk oder mittels eines

Flaschenzugs zur Bauhütte der Steinmetze

geschafft. Mit Dorn, Schlegel und

Setzhammer rücken die Handwerker dem

Stein zu Leibe. Oft dauert es mehrere

Tage, bis er die gewünschte Form hat.

Danach ist es an den Maurern, ihn an die

richtige Position zu setzen. Auf

Holzgerüsten arbeiten die meisten von

ihnen an den Mauern der Wachtürme.

Der geplante große Wehrturm im Norden

hat bereits eine stattliche Höhe erreicht.

Aber er reicht auch tief in die Erde,

schließlich soll da das Verlies entstehen.

Andere Maurer ziehen den Kamin für die

zukünftige Küche hoch.

Aber die Arbeit geht mühsam voran. Oft

werden kurze Pausen eingelegt, die

Bauarbeiter genehmigen sich einen

Schluck aus ihren Feldflaschen. Immer

wieder wenden sie sich den staunenden


Sagen um die "Burg Dunkelhain"

Die Belagerung der Burg

Als noch die alte Burg dort oben in ihrer Pracht und Herrlichkeit bestand, wurde sie einmal

von Feinden belagert und eng eingeschlossen. Aber vergebens waren alle Mühen des

fremden Kriegsvolkes. Weder durch Erstürmen noch durch Hunger war es möglich, die stolze

Feste zu bezwingen. Denn die Finsterfelder wandten eine List an. Um unbemerkt ein­ und

ausreiten zu können, schlugen sie ihren Gäulen die Hufeisen verkehrt unter. Auf diese Weise

brachten sie Fleisch und Brot, Hafer und Heu genug in die Burg. Wenn die Feinde meinten,

die Finsterfelder wären nicht daheim, und einen Sturm unternahmen, so wurden sie von den

Burgmannen übel empfangen und mit blutigen Köpfen heimgeschickt. Endlich kamen aber

die Belagerer hinter diese Pfiffe und Schliche und gaben gut Obacht. Als nun wieder einmal

die Spuren im Erdboden anzeigten, es sei eben viel Reitervolk zur Burg hinaufgezogen,

schritten die Feinde zu Sturm und Angriff. Und weil die Feste wirklich von Verteidigern

entblößt war, wurde sie bald genommen. Da ergriff Schrecken und Entsetzen die Frauen und

Mädchen in den Kemenaten, als sie das fremde Kriegsvolk eindringen sahen. In ihrer Angst

nahmen sie alle Betten, deren sie habhaft werden konnten, warfen sie in den Brunnen und

sprangen dann alle nacheinander in die Tiefe. Unvermutet waren aber nach kurzer Zeit die

Burgherren mit ihren Mannen zurückgekehrt. Sie überfielen die eingedrungenen Feinde und

schlugen sie sämtlich zu Tode. Dann suchten die Finsterfelder ihre Weiber, die alle munter

und froh aus dem Brunnen heraufgewunden wurden.

Die goldenen Erbsen

Es trug sich einmal zu, daß ein Mann aus Finsterfelde, der in Nebelhausen eine Verrichtung

gehabt hatte, gegen Abend den Weg über die Burgruine einschlug. Als er nun an die Stelle

kam, wo die alte Küche gewesen ist, sah er dort auf einem Herde ein lustig Feuer brennen.

Über demselben stand ein Topf, in dem gelbe Erbsen so tüchtig kochten, daß etliche über

den Rand des Topfes sprangen und in die Asche fielen. Es war aber niemand dabei, und ließ

sich auch sonst kein Mensch weit und breit auf dem Efeuhügel sehen oder hören.

»Merkwürdig«, dachte der Mann, »wenn du das im Dorfe erzählst, werden sie den Kopf

schütteln und dir nicht glauben. Um aber seiner Erzählung Glauben zu verschaffen, steckte

er einige Erbsen in die Tasche. Vor dem Orte begegnete ihm ein guter Freund, dem er sein

Erlebnis berichtete. Der Mann aber lachte und meinte: »Du willst mich wohl für einen Narren

halten!« Da griff der Erzähler in die Tasche, um die Erbsen vorzuzeigen. Aber, o Wunder! sie

hatten sich inzwischen in eitel Gold verwandelt. Eiligst stürmten nun beide Männer den Berg

hinan, um noch mehr Erbsen zu holen. Aber als sie in die Burgküche kamen, war weiter

nichts zu sehen als die nackten Wände. Feuer, Topf und Erbsen, alles war verschwunden.

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Finsterfelder Impressionen

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So leben Prominente in Dunkelhain: Basilius Valentinus

Dass es uns gelungen ist, eine Einladung von Basilius Valentinus in seinen

Alchimistenturm zu bekommen, erfüllt uns mit Stolz, da er nur ganz selten bereit ist,

Besucher zu empfangen.

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Hier wohnt er also, der über Dunkelhains

Grenzen hinaus bekannte Forscher Basilius

Valentinus, der sein Leben der Alchemie

gewidmet hat. Daneben betätigt er sich noch

als Gärtner, Nektarhersteller und Erfinder.

Dafür hat er ein einmaliges Domizil ergattert:

einen alten Turm auf einem großen

Grundstück, wo er gärtnern und fischen

kann, und mit großem Keller, den er wohl

selber noch gar nicht so ganz erforscht hat.

Wir dürfen nur deshalb hier Fotos machen,

weil er endlich einmal den vielen Gerüchten

entgegentreten will, die sich um seine Person

ranken. Er sagt von sich selber, dass er

bekennender Einzelgänger sei, weil er nur so

vernünftig arbeiten könne. Um sich herum

duldet er einzig die Anwesenheit seiner

Haushälterin.


Sein Grundstück ist denn auch zur Straße hin durch dichten Baumwuchs abgeschottet.

Aber dahinter verbergen sich keine Geheimnisse, sondern ein ganz normaler Garten mit

Fischteich, allerlei Pflanzen, Bienenkörben etc.

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Ein paar Bilder von seinem Arbeitszimmer ganz oben im Turm und der Kristallblumenzucht

auf dem Dach sowie dem Empfangsraum im Erdgeschoss gestattet er uns. Die Privaträume

bleiben tabu und der Keller erst recht.

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Das erwartet Sie im nächsten Heft

Düsterstrom ­ das dunkle Reich der Reichen

Freuen Sie sich auf

­ chice Villen

­ düstere Geheimnisse

­ eine gespenstische Ruine

­ Vampirgeschichten

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