21.04.2015 Aufrufe

einSteiger 2012

Regionaljournal einSteiger

Regionaljournal einSteiger

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Erfolgreiche ePaper selbst erstellen

Machen Sie aus Ihren PDF Publikationen ein blätterbares Flipbook mit unserer einzigartigen Google optimierten e-Paper Software.

Porträts einer Region und ihrer Menschen

Gratis zum

Mitnehmen

Magazin 2012

Hat das Apple-Museum

eine Chance?

Auf dem Holzweg

zum Erfolg: Der Scheinfelder

Holztag

Kreative Ruhe

statt Starrummel

Der Sänger Jan Kobow

auf Schloss Seehaus


Natur

Baudenbach

Vorfrühling am Rüblingsbach

mit Wander-Tipp 10

Touren-Vorschlag

Talauenradweg 4

„Zu den Oasen der Sinne“ 12

Oberer Ehegrund

30 Bienen-Leasing weckt

Interesse für die Imkerei

Es gibt viel zu entdecken. Steigen Sie ein!

30

Unternehmen

Projekte

Edle Fohlen am Fuß des

Hohenlandsbergs (Kottenheim)

34

14

Expeditionsfahrzeuge

aus Markt Bibart

Schlüsselfeld

Das ADAC Fahrsicherheitszentrum

Nordbayern

46

34

38

46 42

54

20

Langenfeld

Der Maler und Bildhauer

Paul Reutter gestaltet

seine Umwelt

20

Menschen

Ein Interview mit

Pater Josef im

Kloster Schwarzenberg

42

14

34

4

40

20

10

26

40

Kultur

Sugenheim

Ein Schloss voller

Spielzeug

Klosterleben im

Steigerwald

Ortsgeschichte(n)

26

Osterbrunnen im

Drei-Franken-Eck

Mehrgenerationen-

Trimm-Dich-Pfad

bei Geiselwind

4

40 38

Die Rechtholzverlosung in

Schlüsselfeld 42

Impressum

Herausgeber: LAG Südlicher Steigerwald e. V.

Hauptstraße 3 | 91443 Scheinfeld

Tel. 09162 / 923157 | lag-steigerwald@t-online.de

www.lag-steigerwald.de

2. Jahrgang, 2011 entstanden als LEADER-Projekt

Autoren dieser Ausgabe:

Karin Eigenthaler, Oliver Hug, Judith Marschall,

Stefanie Rauh, Angela Regler, Claus Seifert

Fotos: Archiv LAG, sowie die bei den Abbildungen

genannten Fotografen

Fronttitel: H.P. Bacherle

Rücktitel: O. Hug

Mitarbeit:

Andrea Gehles, Jutta Höfler, Helmut Uihlein,

sowie die Bürgermeister der LAG-Gemeinden

Layout | Druckvorlagen: Oliver Hug, Scheinfeld

www.oh-werbung.de

Druck: Farbendruck Brühl, Marktbreit


Baudenbach

Burghaslach

Geiselwind

Langenfeld

Markt Bibart

Markt Nordheim

Markt Taschendorf

Münchsteinach

Oberscheinfeld

Scheinfeld

Schlüsselfeld

Sugenheim

Ausgewählte

Veranstaltungen:

Seite

56

Tipps&Infos

Zentral zwischen Nürnberg, Würzburg

und Bamberg gelegen, hat der vielerorts

malerische und kleinräumige Landstrich

viel zu bieten: Hier stoßen Ober-, Mittelund

Unterfranken zusammen. Weinfranken

trifft auf Bierfranken, das Franken

der Wälder und Berge begegnet dem

Franken der Flüsse und Talauen, barocke

fränkische Lebenslust vereint sich mit

mit der typischen fränkischen Innerlichkeit.

Vielfalt statt Einfalt, so könnte denn

auch das Motto dieser Region sein.

Zugleich stellen sich die Bewohner

den Herausforderungen der Gegenwart

und der Zukunft. Mit neuen Energiekonzepten,

mit unternehmerischem

Einfallsreichtum und mit sozialem und

kulturellem Engagement.

Dies alles zusammen macht den

Südlichen Steigerwald attraktiv –

als Urlaubsregion und Lebensraum.

Die LAG Südlicher Steigerwald –

das sind zwölf Gemeinden im Schwarzenberger

Land und im Dreifrankeneck,

die sich zur „Lokalen AktionsGruppe“

zusammen geschlossen haben, um ihre

Region nachhaltig weiterzuentwickeln

und zu stärken. Seit 1998 werden entsprechende

Projekte umgesetzt und dafür

vor allem Fördermittel des europäischen

LEADER-Programms genutzt. So wurde

auch der erste »einSteiger« finanziert.

Inzwischen versucht er, auf eigenen

Beinen zu stehen.

EDITORIAL

Sehr geehrte Leserin,

sehr geehrter Leser,

Sie halten die zweite Ausgabe des Regionaljournals

für den Südlichen Steigerwald in Händen:

den »einSteiger«. Wie schon das erste Heft bewiesen

hat, ist der Titel nicht nur ein Wortspiel mit dem

Namen unserer Region. Er nimmt auch Bezug auf das

bunte Themenspektrum: Wir berichten von Menschen,

die hier leben und aktiv sind – ehrenamtlich in ihrer

Freizeit oder beruflich – in jedem Fall außergewöhnlich

engagiert und kreativ. Und wir stellen Ihnen

Projekte und Sehenswürdigkeiten in unserer (Kultur-)

Landschaft vor, die vom Engagement solcher Menschen

zeugen, die ein- und nicht ausgestiegen sind.

Außerdem bieten wir Ihnen als Bewohner oder

Besucher unserer Region mit interessantem Lesestoff

und schönen Bildern viele Anregungen, selbst aktiv

zu werden: ganz direkt mit Vorschlägen für Rad- und

Wanderausflüge (und sogar einem „Mehr-Generationen-Trimm-Dich-Pfad“),

der Teilnahme am LAG-Malwettbewerb

oder dem Besuch eines Museums, eines

Festes oder Konzertes.

Vielleicht lassen Sie sich auch inspirieren, Ihre eigenen

Ideen zu verwirklichen. Der ländliche Raum bietet

hierzu oft viel mehr Möglichkeiten, als man auf den

ersten Blick erwartet. Unsere Beispiele beweisen es.

Ansprechpartner finden Sie in den Rathäusern der

LAG-Orte, die Kontaktdaten sind hinten, am „anderen

Anfang“ des Heftes zusammengefasst.

In diesem Sinne: Steigen Sie ein, zunächst ins Heft

und danach in Ihre Aktivitäten!

Tipps&Infos

Georg Zipfel,

Erster Vorsitzender

der LAG Südlicher Steigerwald

Anzeigen:

Sie haben Gelegenheit,

den einSteiger als interessantes

Werbemedium zu nutzen.

Bitte wenden Sie sich an

die LAG.

Auslage / Verteilung:

Der einSteiger wird an alle Haushalte im Gebiet

der LAG verteilt und liegt an publikumsstarken

Orten aus. Wenn Sie an weiteren Exemplaren

für Ihre Freunde, Gäste, Kunden interessiert sind,

wenden Sie sich an die LAG.

PS.: Wenn Sie Interesse an der ersten Ausgabe des

einSteiger haben, senden Sie 1,45 e in Briefmarken

an die LAG, Sie erhalten das Heft zugeschickt.


Sugenheim

Im Spielzeug-

4


Hier wurden und werden nicht nur Kinderträume wahr

Schloss…

Im Alter von 5 Jahren fasste

K. Kube bereits den Entschluss,

eines Tages in einem Schloss zu wohnen.

Als er rund zehn Jahre später auf der Schule

in München Schwabing seine künftige Frau

Manuela kennen lernte, fand er eine verwandte

Seele, die nicht nur dieses Ziel mit

ihm verwirklichen wollte.

5


Das alte Schloss in Sugenheim

vor und nach der Renovierung.

Das Ehepaar Kube hat hier fast

Unglaubliches geschafft

und geschaffen

6

Der Cown „Coloro“,

den die Firma Steiff in den

Jahren 1911–1919

herstellte

Die beiden Teddies,

mit denen Jan und Manuela Kube

als Kinder gespielt haben,

Arm in Arm im Kreise

vieler „Artgenossen“

Wer heute die Stufen zum Portal

des Alten Schlosses in Sugenheim

hinaufsteigt, ahnt wohl kaum, welcher

Anblick sich 1975 den beiden

heutigen Schlossbesitzern bot. Jedes

andere Wort als Ruine wäre eine

Beschönigung. Kaum eines der

106 Fenster, dessen Scheiben nicht

zerbrochen waren, die Wände durchnässt,

der Dachstuhl marode, ganz

zu schweigen vom Zustand – beziehungsweise

vom Fehlen der sanitären

und elektrischen Installationen oder

der Heizung. Aber Manuela und Jan

K. Kube verliebten sich sofort in

dieses alte Gemäuer und erkannten,

dass das Gebäude ideal für die Verwirklichung

ihrer Pläne sein würde.

Seit Mitte der 70er Jahre war das

junge Paar auf der Suche nach einem

Schloss, in dem sie nicht nur mit

ihren beiden Kindern leben wollten,

sondern das auch als Standort für ihr

Geschäft dienen sollte. Von 1969

an, gerade einmal ein Jahr nach dem

Abi – und der Heirat – waren die

Kubes mit einem Laden zunächst in

der Münchener Kaiserstraße, später

in der Herzogstraße im Antiquitätenhandel

tätig. Seit 1974 hatte

Jan Kube seine Fachkenntnisse auch

dafür genutzt, Spezialauktionen für

Militaria zu veranstalten. Dabei umfasst

dieser Begriff letztlich fast alles,

was mit Uniformträgern – also neben

dem Militär und dem Hofzeremoniell

auch Polizei und Feuerwehr

– zu tun hat: alte Orden, historische

Waffen, Schlachtengemälde und

Portraits von Feldherren oder andere

Dokumente und Kunstwerke, die

mit diesen Bereichen verknüpft sind.

Für die Versteigerungen wurden

damals jeweils Räume in der Prinzregentenstraße

angemietet.

Fast hätte das Ehepaar schon ein

Schloss in der Nähe von Augsburg

erworben. Erst beim Notartermin

gewann das Gefühl die Oberhand,

dass das Objekt doch nicht das richtige

ist. Da kam von der Großmutter

aus Bad Windsheim, bei der Jan

Kube einige Jahre seiner Kindheit

verlebt hatte, der Tipp, dass das Alte

Schloss in Sugenheim zum Verkauf

stehe.

Nach dem spontanen Entschluss,

die ehemalige gotische Wasserburg,

die zuletzt im 19. Jahrhundert zu

einem neugotischen Wohnschloss

umgebaut worden war, zu erwerben,

begann sechs Jahre später ab 1981

die Renovierung von Grund auf.

Eine Herkulesarbeit, noch dazu fast

250 Kilometer von der eigenen Wohnung

entfernt, füllte fast jede freie

Minute in den nächsten Jahren aus.

In enger Abstimmung mit dem

Denkmalschutz und sehr gut beraten

von einem Architekten, der schon ein

von ihm selbst bewohntes Baudenkmal

im Bayerischen Wald renoviert

hatte, waren lokale Handwerksbetriebe

und die Bauherren selbst jahrelang

damit befasst, dem Schloss seine

frühere Schönheit zurück zu geben.


Bereits im Herbst 1983 fand

die erste Auktion in Sugenheim

statt. Sie war der Auftakt zu einer

ganzen Reihe erfolgreicher und

zum Teil für die Branche spektakulärer

Versteigerungen, wie die

der Sammlung des als Fälscher der

Hitlertagebücher bekannt gewordenen

Konrad Kujau.

Jan K. Kubes Kennerschaft ist

nicht nur bei den Einlieferern und

Teilnehmern der Auktionen gefragt.

Er ist auch bereits seit 1990

im ständigen Expertenteam der

bundesweit bekannten Sendung

„Kunst & Krempel“ des Bayerischen

Fernsehens zu sehen.

Hinter den Kulissen dieser

Sendung bewertet Manuela Kube

historisches Spielzeug –

womit wir endlich

auch beim Thema

Spielzeugmuseum

angelangt wären.

Denn dieses nimmt

in dreizehn Räumen das

gesamte erste Obergeschoss

des Schlosses ein.

Grundstock der musealen

Sammlung waren die zahlreichen

Spielsachen, die Manuela Kube

seit Kinderzeiten selbst zusammen

getragen hatte. So bat sie schon

als Kind ihren Vater, von seinen

Reisen Spielzeug mitzubringen.

Puppen zum Beispiel aus Afrika

oder Asien gelangten so in ihren

Besitz. Dabei bemisst sie den Wert

für sich bis heute nicht am makellos

unbeschädigten Zustand. Einen

besonderen Reiz kann auch die

Gewissheit ausmachen, dass tatsächlich

einmal ein Kind mit dem

Teddy oder der Eisenbahn gespielt

hat. Diese kindliche Freude ist

der hundertfachen Puppenmutter

sofort anzumerken, als sie uns an

einem heißen Spätsommertag

zu einer Privatführung durch

ihr Reich empfängt. Üblicherweise

ist sie an

den Öffungstagen

nicht

selbst im Museum.

Das Geschäftliche

hat Vorrang.

Miniaturgeschirr und -besteck,

fast zu schade zum Spielen

Blick vom „Kleinen Rittersaal“

in die Hauskapelle

»Tut-tut« der Firma Lehmann,

etwa aus dem Jahre 1914

7


Die meiste Zeit verbringt

sie zwischen Weihnachten und

Ostern hier, wenn das Museum

Winterschlaf hält. Dann werden

alle Vitrinen geöffnet und fast alle

Spielsachen in die Hand genommen,

um sie abzustauben und

vielleicht auch, um sie neu zu

präsentieren. Obwohl die Ausstellung

natürlich thematisch sortiert

ist, wirkt sie doch wie eine riesige

Spielzeugkiste, vor der der staunende

Besucher steht. Und so gibt

es in jedem Schaukasten vielerlei

Überraschendes zu entdecken:

Dampfmaschinen, Puppenstuben,

Blechspielzeug, Bilderbücher,

Brettspiele, und, und, und…

Ein siebentüriger

Osterkalender, der

die Wartezeit auf

den Osterhasen

verkürzte

Der Winter ist auch die Jahreszeit,

in der Manuela Kube die jährliche

Sonderausstellung gestaltet.

Bei unserem Besuch im letzten

Jahr lautete das Motto: „Mein

Name ist Hase…“. Neben Plüschund

Osterhasen in allen Größen

sind auch kunstvolle, emaillierte

Glas-Ostereier aus Lauscha ausgestellt

oder ein alter siebentüriger

Osterkalender als rares Pendant

zum Adventskalender. Von Palmsonntag

bis Ostersonntag sollte er

die Wartezeit auf den Osterhasen

verkürzen. Eigentlich erstaunlich,

dass sich diese Geschäftsidee

früherer Zeiten nicht durchgesetzt

hat…

Für die Sonderausstellungen

kann einerseits auf den reichen

Schatz der Dauerausstellung zurückgegriffen

werden, andererseits

warten zahlreiche Spielsachen im

Depot darauf, zumindest zeitweise

einem interessierten Publikum

präsentiert zu werden. So bedauert

es die Besitzerin der umfangreichen

Sammlung zum Beispiel, dass der

allergrößte Teil der Brettspiele

früherer Zeiten aus Platzgründen

nicht gezeigt werden kann.

Im Jahr 2012 werden die Puppen

im Mittelpunkt stehen und die

Besucher können ihre Favoritin

wählen, wobei dies auch ein Favorit

sein kann. Denn natürlich gibt es

auch Puppen-Buben, wie der kleine

Telefonist auf der gegenüberliegenden

Seite beweist.

Bevor Ruhe ins Spielzeug-Schloss

einkehrt, finden jeweils zum Jahresende

noch zwei Veranstaltungen

statt, die bereits zur Tradition in

Sugenheim geworden sind. Immer

am ersten Adventswochenende

werden der Auktionssaal im Erdgeschoss

und die angrenzenden

Räume zur stimmungsvollen Kulisse

für den »Besonderen Adventsmarkt«.

Am Silvesterabend findet

sich dann eine musikinteressierte

Fangemeinde zu einem beschwingten

Kammerkonzert ein, das allerdings

rechtzeitig vor zwölf Uhr

endet, damit man die Feier zur

Begrüßung des neuen Jahres nicht

verpasst.

Kurzer Abriss der Baugeschichte

des Alten Schlosses in Sugenheim

Die 1376 erstmals genannte Wasserburg

(Altes oder Inneres Schloss) und das

1591 erstmals in historischen Quellen erwähnte

Neue oder Äußere Schloss liegen

am nordöstlichen Ortsrand von Sugenheim.

1525 wurde das Alte Schloss u.a. von

Markt Bibarter Bauern zerstört, wofür sich

der Schlossherr Hans von Seckendorff-

Aberdar aber Entschädigung erstritt und

die Anlage 1526/29 als viertürmige Wasserburg

mit kleinerem Innenhof wieder aufbauen

ließ. Seit dem letzten Drittel des 18.

Jahrhunderts wurde das Alte Schloss nicht

mehr bewohnt, erst in den 1790er Jahren

konkretisieren sich Pläne zur Sanierung.

Damals wurde der Wassergraben aufgefüllt.

Das 1814 renovierte Gebäude blieb

dann bis 1834 bewohnt, wobei Christoph

Albrecht von Seckendorff-Aberdar sehr

ungünstig in die Bausubstanz eingreifen

ließ. Von 1834 bis 1945 stand das Schloss

leer und diente dann bis 1963 Flüchtlingen

als Wohnung. 1972 veräußerten die Seckendorff

die beiden Schlösser mit mehreren

Meiereigebäuden an einen privaten

Käufer, 1975 erwarben Jan K. und Manuela

Kube von diesem das Alte Schloss. 1989 bis

1992 erfolgte die Restaurierung auch der

später zugekauften Nebengebäude (Pferdestall,

Brauhaus, Forsthaus).

Fotos: Oliver Hug

8


Geöffnet von Karfreitag bis 1. Advent:

Samstag und Sonntag sowie Feiertage:

14–17 Uhr

Für Gruppen ab 15 Personen jederzeit

geöffnet nach vorheriger Vereinbarung

Adventsmarkt am 1. Adventwochenende

Telefon: 09165 / 6 50

Telefax: 09165 / 12 92

www.spielzeugmuseum-sugenheim.de

Weitere Museen im LAG-Gebiet:

Stadtmuseum Schlüsselfeld

Der Steigerwald – Porzellangeschichte u.m.

Ostern bis Advent, So. 10–16 Uhr

und nach Vereinbarung (09552 / 1763)

Osingmuseum Herbolzheim

(Markt Nordheim)

geöffnet n. Vereinbarung: 0 98 42 / 87 94

Murrmannmuseum Geiselwind

geöffnet n. Vereinbarung: 0 95 56 / 92 22-0

und in der Nachbarschaft:

Fränk. Freilandmuseum Bad Windsheim

Reichsstadtmuseum Bad Windsheim

Karpfenmuseum Neustadt. a. d. Aisch

Knauf-Museum Iphofen

Kirchenburgmuseum Mönchsondheim

9


Die

Gesundheits-

Quelle

„Es war einmal vor langer, langer Zeit

tief im dunklen Rüblingswald, da entdeckte

man das Wasser einer Quelle, das so wohltuende

und heilende Kräfte zu haben

schien, dass bald erzählt wurde, dass

jeder, der 100 Jahre lang von diesem

»Brunnen der Gesundheit« tränke,

mindestens 100 Jahre alt würde...“

So beginnt eine Facharbeit, die

Elisa Schmidt im Leistungskurs Biologie

2006 am Gymnasium Scheinfeld geschrieben

hat. Das Gebiet rings um die Quelle

ist im Besitz der Familie Schmidt. In

ihrer Arbeit erinnerte sich die damalige

Gymnasiastin, die inzwischen ein

Pharmaziestudium abgeschlossen

hat, an die Erzählung ihres

Großvaters über die

Gesundheitsquelle.

Baudenbachs

Bürgermeister

Reinhold Kestler

weiß zwar nicht

von Menschen,

die ihr langes Leben

auf die Gesundheitsquelle

zurückführen. Er nimmt aber an,

dass die Quelle in früheren Zeiten, als

die Lachheimer, Obersteinbacher und

Lerchenhöchstädter noch zur Baudenbacher

Kirche gehörten, wohl

bekannt war. Vielleicht haben

die Menschen schon vor

einigen hundert Jahren dort

getrunken, um erfrischt in ihre

Bauernhöfe nördlich von Baudenbach

zurückzukehren. Der

Weg, der möglicherweise über die

Quelle führte, hieß auch Totenweg,

weil der Friedhof für die genannten

Dörfer in Baudenbach lag.

Auch die selten gewordene Sumpfdotterblume

findet man in dieser Gegend

10


Vorfrühling am

Rüblingsbach

Fotos: Judith Marschall

Die ersten warmen Tage um das Osterfest herum

laden ein zu Radtouren im südlichen Steigerwald. Ein

Ziel könnte die Kneippanlage in Baudenbach sein.

Wer aus Richtung Gutenstetten radelt, fährt am besten

über den Bibelweg. Die Stationen liegen in Stübach,

Hanbach, Hambühl und Baudenbach. Hambühl

lockt zudem mit einem schönen unter Kastanienbäumen

gelegenem Spielplatz. Von Scheinfeld aus führt

eine gemütliche Tour über den Hohlweiler Mühlweg

nach Unterlaimbach und Frankenfeld. Schaf- und

Pferdeweiden wechseln einander ab.

Die Baudenbacher Kneippanlage ist unweit der

Ortsausfahrt Richtung Langenfeld ausgeschildert und

liegt im Norden, also in genau entgegengesetzter

Richtung zum Nachbarort. Von dort aus gelangt man

in das malerische Tal des Rüblingsbaches. Wer kleine

Kinder dabei hat, sollte allerdings an den Kneippbecken

ein wenig verweilen, den Storchengang üben

oder auch nach Fröschen in den benachbarten Fischweihern

Ausschau halten. Ein Tisch und eine Bank

laden dazu ein, das mitgebrachte Vesper auszupacken.

Frisch gestärkt winkt die drei Kilometer entfernte

Gesundheitsquelle als nächstes Ziel. Es geht eine

Weile auf einem Feldweg entlang. Hier ist das Radeln

noch gut möglich. Nach etwa einem Kilometer

beginnt linker Hand der Wald. Schließlich führt der

Weg in den Wald hinein.

Den Waldparkplatz

rechts liegen lassend,

wissen die Ausflügler,

dass sie auf dem richtigen

Weg sind. Das

Murmeln des Rüblingsbaches

bleibt vorerst ein

steter Begleiter.

Nicht nur auf Kinder übt Wasser

eine magische Anziehungskraft aus

Die durch die lichten

Laubbäume scheinende

Sonne spielt mit dem

Wasser und dem teils

blühenden, teils von

bemoosten Steinen oder Baumstümpfen bedeckten

Waldboden. Der eine oder andere Specht baut sein

Höhlennest für den Nachwuchs. Nach etwa einem

Kilometer (die Abzweigung nach Rossbach und zum

Kugelberg haben die Wanderer rechts liegen gelassen)

führt ein Bachverlauf durch eine Lichtung geradeaus

zur Teufelsquelle. An dieser Stelle geht es links hinauf

zu einer Jagdhütte mit Wildschweinkopf.

Vom breiten Waldweg zweigt nun nach etwa

500 Metern ein Pfad ab. Ab hier ist es ratsam, seinen

Drahtesel zu schieben. Der schmale Weg führt

hinunter in Richtung Rüblingsbach und verliert

sich irgendwann fast ganz. Wer den Bachverlauf im

Auge behält, kann sich aber nicht verlaufen. Der mit

Fichtennadeln bedeckte Waldboden federt unter den

Füßen. Nicht mehr lange und es winkt die Quelle mit

Rastplatz. Sie wurde in den 70er Jahren vom Baudenbacher

Verschönerungs- und Gartenbauverein gestaltet.

Seitdem pflegt der Verein auch die Raststätte.

Das Wasser der Gesundheitsquelle gilt als nitratarm,

erzählt Bürgermeister Reinhold Kestler. Es ist

das ganze Jahr über gleich kühl und kann getrunken

werden. In Flaschen abfüllen und zu Hause stehen

lassen sollte man es allerdings nicht. Das ginge nur,

wenn man es direkt aus dem Fels abzapfen könnte.

Auf der anderen Seite des Rüblingsbaches liegt

ein unbewaldeter Talgrund. Auch wenn die Wiese

sicher zur Freude der Baudenbacher Störche ein wenig

sumpfig ist, liegt es nahe auf dieser Seite zurückzugehen

und den Sonnenschein zu genießen. Zwischen

März und April blühen hier die selten gewordenen

Sumpfdotterblumen. An der Stelle, an der es zur Teufelsquelle

geht, trifft der Talgrund auf den Wanderweg.

Der Weg zurück zur Kneippanlage entspricht dem

Hinweg. Ein Abstecher über die rechter Hand liegenden

Fischweiher wäre allerdings eine Abwechslung.

Von dort führt nach der Schranke ein Weg ebenfalls

zum Waldparkplatz und über den Flurbereinigungsweg

zurück zur Kneippanlage.

11


Talauen-Radweg 4

»Zu den Oasen der Sinne«

Gesamtlänge der Radtour: ca. 42 km

Der Kunst- und Naturerlebnisweg „Oasen der Sinne“ ist ein ca. 6,5 km langer Wanderweg

Grappertshofen

Freibad

beheizt

Schwarzenbg.

Klosterdf.

i

Scheinfeld

Thierberg

”Fünfarm“

Lachheim

Obersteinbach

Markt

Bibart

B8

Scheine

Hohlweiler

Oberlaimbach

Unterlaimbach

Quelle

Rüblingsbach

Steinach

Wahrlich abseits der Straßen, dafür

nahe am Bach durch das wunderschöne

Steinachtal verläuft diese Route. Um

die Nähe zur Natur auch zu hören, zu

riechen und zu spüren, sollte man sich

Zeit nehmen für die »Oasen der Sinne«.

Nach einem schweißtreibenden Anstieg

zwischen Scheinfeld und Thierberg

rollen die Räder fast ausschließlich eben

an Bächen entlang.

Routenführung: Start am Bahnhof

Markt Bibart oder an jeder Stelle der

Rundstrecke über Scheinfeld, Klosterdorf

(Spielplatz), Thierberg, Fünfarm,

Obersteinbach (Waldspielplatz),

Mittelsteinch (Beginn der Sinnesstationen),

Münchsteinach (Kneippanlage,

Freibad), Kleinsteinach, Gutenstetten,

Stübach, Hanbach, Hambühl, Baudenbach

(Kneippanlage, Abstecher zur

Quelle des Rüblingsbaches), Frankenfeld,

Unterlaimbach.

Mittelsteinach

Roßbach

Oasen der

Sinne

Münchsteinach

Kneippanlage

Freibad

Frankenfeld

Kneippanlage

Kleinsteinach

Laimbach

Baudenbach

Ullstadt

Langenfeld

Hambühl

Stübach

Gutenstetten

Sugenheim

Hanbach

B470

B8

bzw. B 8 oder B 470.

von dort aus Buslinie

n von Mai bis Oktober).

den Oasen der Sinne“

Südlichen Steigerwald“ ist bei der

,00 € plus Versandkosten).

grundhalle am Ortsrand

ach.

lassen mit geschulten

Preis auf Anfrage.

wald, Hauptstraße 3,

57, Fax 928580,

et: www.lag-steigerwald.de

ken,

pv-mfr.de

12

Baudenbach

Langenfeld

Markt Bibart

Markt Nordheim

Markt Taschendorf

Münchsteinach

Oberscheinfeld

Scheinfeld

Sugenheim

Druck + Papier Meyer, 91443 Scheinfeld, Tel. 09162/9298-0

Kunst- und Naturerlebnisweg

Gefördert aus

Mitteln der

Europäischen

Union

Münchsteinach

Oasen

der

Sinne

Geschichte erleben

auf dem Oasenweg Kunst, Natur und

Ausflugslustig?

Natur…

…Kunst

und Geschichte erleben

Entstanden als

LEADER+ Projekt

Info und Buchung geführter Touren über die Gemeinde Münchsteinach,

Telefon 09166/210 | E-Mail: gemeinde@muenchsteinach.de

Foto: H.P. Bacherle


Der kleine Ort Hambühl, den Sie auf

Ihrer Radtour passieren, wurde bereits

1172 erstmals urkundlich erwähnt. Seit

1972 gehört das schmucke Dorf zur

Gemeinde Markt Baudenbach. Die

Matthäuskirche ist bereits seit der Reformation

in Baudenbach eingepfarrt.

Foto: Liselund|photocase.de

Haben Sie schon die neue Freizeitkarte ?

Den Südlichen Steigerwald

aktiv erleben…

LAG Südlicher Steigerwald, Hauptstr. 3, 91443 Scheinfeld

Tel. 09162 / 923157 | E-Mail: lag-steigerwald@t-online.de

nur 3,- e

zzgl. 1,50 e Versand

Freizeitkarte

LAG Freizeitkarte

Südlicher

Steigerwald

Baudenbach

Burghaslach

Geiselwind

Langenfeld

Markt Bibart

Markt Nordheim

Markt Taschendorf

Münchsteinach

Oberscheinfeld

Scheinfeld

Schlüsselfeld

Sugenheim

Radfahren

und Radfahren

im

Südlichen

Steigerwald

13


Markt Nordheim

Doris Sperbers Paso-Fino-

Zucht ist die bedeutendste

in Deutschland

Edle

am Fuß des

Hohenlandsbergs

14


Fohlen

Sie wirken sehr sensibel und sind

zugleich unglaublich ausdauernd.

Paso-Fino-Pferde, die zunächst in

Lateinamerika und der Karibik gezüchtet

wurden, begeistern Doris

Sperber und ihren Mann Reinhard

seit über dreißig Jahren. Das Ehepaar,

das im kleinen Dorf Kottenheim

(Gemeinde Markt Nordheim)

auf dem Sternberghof lebt, weist

heute die größte Paso-Fino-Zucht

in Deutschland auf. Die Sperbers

stecken viel Herzblut in die geländegängigen

Gebrauchspferde. Das

Besondere an den Paso Finos ist,

dass sie einen angeborenen vierten

Gang haben, der zwischen Schritt

und Trab liegt und den Reiter

nicht durchschüttelt. Dieser Tölt

ist besonders bei längeren Ausritten

sehr angenehm.

15


Doris Sperber hatte von Kindesbeinen

an mit Pferden zu tun.

Dennoch dachte sie lange Jahre,

dass die Island-Pferde allein den

Tölt vertreten. Auf einer Messe in

Essen, der Equitana, begegnete sie

1981 erstmals den mittelgroßen,

eher zartgliedrigen Reittieren. Ihr

erstes Paso-Pferd war dann ein

Junghengst mit dem temperamentversprechenden

Namen Picador,

der Mitte der 80er Jahre noch in

Langenzenn seine Heimat fand.

Nach und nach beschäftigte sich

Sperber mit der Besonderheit der

Paso Finos. Die ersten drei Wallache

– Incognito, Chango und

Festival – importierte sie 1988 vom

US-Bundesstaat North Carolina

nach Deutschland. Die weite Reise

nahm sie auf sich, um die Tiere

selbst auszusuchen. In Deutschland

verkaufte sie die Pferde weiter; Incognito

und Chango kamen so, für

einige Zeit, nach München.

Doch inzwischen sind ihre

Besitzer von der Landeshauptstadt

nach Kottenheim gezogen. Aus

der Geschäftsbeziehung hat sich

eine Freundschaft entwickelt und

die nun 24 Jahre alten Pioniere

unter den von Sperbers gehandelten

Pferden leben wieder in einem Stall

der Frau, die sie einst nach Europa

gebracht hat.

Auf die Idee mit der Pferdezucht

kam Doris Sperber, weil man

freilich nicht für jeden Handel mit

den Tieren eine halbe Weltreise

auf sich nehmen kann. Und ein

Kauf anhand von Fotos, Videos und

Referenzen beinhalte einfach zu

viele Unwägbarkeiten, findet die

Pferdeliebhaberin. Vor zwei Jahrzehnten,1992,

zogen die Sperbers

von Langenzenn nach Kottenheim.

Hier wurden dann auch die ersten

Sperberschen Fohlen geboren.

In Langenzenn seien die Pferde

auch ohne Zucht immer zahlreicher

geworden. Außerdem wurde damals

in der Gemeinde des nördlichen

Fürther Landkreises mächtig

gebaut. „Auf einmal führte eine

gut befahrene Straße mitten durch

unser großes Grundstück“, erinnert

sich Doris Sperber. Diese musste

beim Ausreiten überquert werden.

Über die Hausbank habe man vom

Grundstück in Kottenheim erfahren.

In dieser sehr ländlichen Region,

abseits der großen Verkehrsverbindungen,

„entsteht so schnell

kein neues Wohngebiet, wird so

schnell keine neue Straße gebaut“,

ist sich Doris Sperber sicher.

Kottenheim und die Welt

Nichts erinnert auf dem ansprechenden

Areal heute noch daran,

dass hier 1991 ein verfallener

Bauernhof stand. Reinhard Sperber,

Fuhrunternehmer aus Nürnberg,

hat eine Menge investiert. Mit

einigem Verhandlungsgeschick

gelang es nach und nach ein zusammenhängendes

Areal von 16 Hektar

zu erwerben, wo die Pferde weiden

können, Auslauf haben und trainiert

werden. In den vergangenen

20 Jahren wurden über hundert

Fohlen in Kottenheim geboren und

weiterverkauft. Mit etwa ebenso

vielen Importpferden hat Doris

Sperber von dem Gehöft im südlichen

Steigerwald aus Handel getrieben.

Spezielle Pferdespediteure

hätten die edlen Vierbeiner von

Markt Nordheim aus nach Österreich,

in die Schweiz, nach England

oder gar bis nach Israel gebracht.

Die beste Importzeit ist der

Frühling. Dann hätten, so erklärt

Doris Sperber, die Pferde genug

Zeit, sich bei offener Stallhaltung

zu akklimatisieren.

Fotos: Hanns Peter Bacherle

16


„Einst halfen die Pasofinos den

spanischen Siedlern in Lateinamerika

die unvorstellbar großen Haziendas

und Plantagen zu bewirtschaften

und zu verwalten. Bei tagelangen

Ritten brauchte man Pferde mit einem

weichen Gang, die es ermöglichten,

lange Strecken bequem in mittlerem

Tempo zurückzulegen. Darüber

hinaus sollten die Pferde auch noch

schön sein, über Ausstrahlung, Temperament

und einen willigen Charakter

verfügen, denn schließlich wollten

die Großgrundbesitzer standesgemäß

unterwegs sein. Die gewünschten

Eigenschaften wurden durch strenge

Selektion erreicht.“

(aus der Homepage des Kottenheimer

Sternberghofes)

17


Besondere Anforderungen

an die Unterbringung gebe es

eigentlich nicht, obwohl die

Tiere ihren Ursprung in der

Äquatornähe haben. Die Wärmeboxen

mit künstlichem Sonnenlicht,

die den Sternberghof

bereichern, seien eine zusätzliche

Einrichtung, die den Pferden

gut tue, sei aber eigentlich

nicht notwendig. Freilich seien

die Paso Finos Luxuspferde und

kosteten, wenn sie eine Grundausbildung

als Reitpferde hinter

sich haben, rund 10.000 Euro.

Der Luxus bezöge sich aber

nicht so sehr auf die besonderen

Anforderungen bei der Unterbringung.

Paso Finos seien einfach selten.

In Deutschland lebten etwa

700 ihrer Art, in Europa gebe

es zirka 1000 solcher Pferde,

erzählt Sperber. Und sie bestächen

eben nicht nur durch ihren

besonderen Gang, sondern auch

durch ihren Charakter. „Ein

Paso Fino will seinem Menschen

gefallen“, erklärt Sperber. Eine

einfache Geste mit der Hand

genüge, um das Pferd anzuhalten.

Andere Rösser bekämen

da einen Wutanfall oder liefen

„büffelig“ weiter.

„Gebisslos anreiten“ und „unsichtbare

Hilfen“ geben, damit

erklärt Sperber den Kern ihrer

Trainingsarbeit mit den Pferden.

Hierzu finden auch regelmäßig

Seminare mit Peter Kreinberg

in Kottenheim statt. Kreinberg

hat sich in Reiterkreisen unter

anderem mit seinem Buch

„Gentle Touch“ einen Namen

gemacht. Fürs tägliche Training

der jungen Latino-Pferde auf

dem Hof ist inzwischen Stan

Paul verantwortlich. Nach 20

Jahren hat die 55jährige Doris

Sperber beschlossen nurmehr

ihre eigenen Pferde zu reiten.

Wer die seltenen Tiere sehen

möchte, könne – nach telefonischer

Vereinbarung – gerne

vorbei kommen.

19


Langenfeld

Atelierbesuch

20

Paul


Ein Leben für die Kunst

und inmitten von Kunstwerken:

Paul Reutter in seinem Atelier

Wer unvorbereitet in den Hof

des alten Bauernhauses mitten

in Langenfeld blickt, stutzt und

staunt unwillkürlich: ein Schwarm

Karpfen schwimmt durchs Grün

des Weinlaubs an der Fassade,

Masken an den Wänden und

Porträtbüsten hinter den Scheiben

erwidern den neugierigen Blick

des Besuchers, abstrakte Stelen und

tönerne Figuren wachsen neben

Rosen aus den Beeten zwischen

Pflastersteinen. Was hier „lebt“,

sind Geschöpfe von Paul Reutter.

Und schon bevor man dem Menschen

und Künstler begegnet, wird

deutlich: hier wirkt jemand, der

sein Umfeld gestalten will, der

kreativ sein muss. Das ist sein Leben.

Dabei ist ihm das Interesse an

seiner Person erst einmal suspekt.

Paul Reutter gehört nicht zu den

Künstlern, die sich selbst inszenieren.

Aber wenn es stimmt, dass ein

Bild mehr erzählt als tausend Worte,

so können wir hier unzähligen

Geschichten lauschen: in der als

Ausstellungsraum und Atelier genutzten

Scheune sowie im ehemaligen

Stall, in dem die Tonarbeiten

gebrannt werden und im Wohnhaus

erzählt eine unüberschaubare

Zahl von Kunstwerken über ihren

Schöpfer. Vor allem sagen sie uns,

dass er seit Jahrzehnten eine fast

kindliche Neugier bewahrt hat, die

ihn drängt, immer wieder neue

Themen zu bearbeiten, Motive zu

finden und Techniken auszuprobieren:

Zeichnungen, Monotypien,

Druckgrafiken, Aquarelle, Ölbilder

– monochrom, farbintensiv,

figürlich, abstrahiert, abstrakt. Im

plastischen Werk wiederholt sich

diese Vielfalt.

Reutter

21


Vom Boden bis unters Dach

hängen und stehen die Werke

dicht gedrängt. Zu entdecken gibt

es unendlich viel, so wie auch der

Künstler selbst sich immer wieder

auf fantasievolle Entdeckungen

einlässt, wie das Objekt aus Stein

und Stroh im Türrahmen zeigt

Das heißt keineswegs, dass seine

Bildwelt beliebig oder sein Schaffen

zufällig ist, auch wenn er sich

zu Anfang des kreativen Prozesses

manchmal treiben lässt, um selbst

zu sehen, was sich aus seinem

Pinsel oder unter seinen Händen

entwickelt. Die Gestaltung ist

zuletzt immer sehr wohl eine

bewusste Komposition, die auf der

Ausbildung an der Nürnberger

Kunstakademie gründet und die

in der anschließenden jahrzehntelangen

Tätigkeit als freischaffender

Künstler immer wieder neu

erprobt ist.

Dass sein Vater von ihm wie von

seinen Brüdern eine handwerkliche

Ausbildung verlangt hatte

und er deshalb eine Tischlerlehre

mit dem Gesellenbrief abschloss,

hat ihm vielleicht die Gewissheit

gegeben, wenn nötig auch anders

als als Künstler (über)leben zu

können. Er musste es nie, konnte

aber seine professionellen Kenntnisse

der Holzbearbeitung sowohl

in seiner künstlerischen Tätigkeit

nutzen als auch bei der Renovierung

des Hofes einsetzen, den

er 1979 mit seiner Frau gekauft

und ein Jahr später mit den drei

Kindern bezogen hat.

Dass Paul Reutter und seine

Familie sich einmal in Langenfeld

niederlassen würden, war keineswegs

vorgezeichnet. 1927 kam er

in São Paulo in Brasilien zur Welt.

Sein Vater war diplomierter Landwirt

aus Göppingen, seine Mutter,

die wohl die künstlerischen Gene

zusteuerte, war Brasilianerin. Sie

war selbst eine begabte Malerin,

ihr Vetter Oscar Boeira ein

bekannter brasilianischer Künstler.

Er wurde der Patenonkel des

kleinen Paul(o). Das Vorhaben

der Eltern, eine Farm bei Araraquara

zu bewirtschaften, musste

aufgegeben werden, als sowohl der

Vater als auch der Sohn erkrankten.

Neustadt a. d. Aisch wurde

zur neuen Heimat, da der Vater in

Zeiten der Massenarbeitslosigkeit

dort eine Stelle beim freiwilligen

Arbeitsdienst, dem späteren

RAD, fand. Paul Reutter besuchte

dort als 10-jähriger ab 1937 die

Oberrealschule. Im Herbst 1944

meldete sich der Jugendliche

freiwillig zum Kriegsdienst und

wurde prompt als 17jähriger zur

SS einberufen, hatte aber das

Glück, nicht in die mörderische

Maschinerie verwickelt worden zu

sein. Auf dem Weg vom Schwarzwald

ins Frankenland geriet er bei

Thalmässing in Gefangenschaft,

der er auf dem Transport vom

Lager Bad Kreuznach in Richtung

Osten bei Würzburg entkommen

konnte, indem er aus dem Zug

sprang. Er war immer noch keine

18 Jahre alt, als er desillusioniert

aus dem Krieg zurück nach Hause

nach Neustadt kam.

Die Nürnberger Akademie der

bildenden Künste war nach ihrer

Zerstörung 1944 nach Ellingen

in das dortige Schloss ausgelagert

worden. Als Paul Reutter

1948 sein Studium dort aufnahm,

herrschte dort immer noch Mangel,

nicht nur an Werkstoffen für

die künstlerische Arbeit, sondern

auch an Heizmaterial. Zugleich

war die Atmosphäre besonders

fruchtbar, sicherlich gefördert

durch den engen Zusammenhalt

zwischen Studierenden und

Professoren in der kreativen

Abgeschiedenheit, vielleicht auch

gefördert durch den Zwang zur

Improvisation.

22


»Ich male einen Misthaufen

genauso gerne wie ein Schloss«

Zitat Paul Reutters und Titel eines TV-Films von Monika Zurhake und Jochen Vetter über den Künstler

Paul Reutter lässt seine Bilder und

Plastiken lieber für sich sprechen

als dass er sie erläutert.

Die Präsentation der Kunstwerke

ist selbst Gestaltungswerk.

23


Studienreisen und längere Aufenthalte

im Ausland folgen. 1953

ein halbes Jahr in der Schweiz,

wohin ihn der ebenfalls malende

Bruder Gerd begleitet. Dank

dessen größeren Verkaufstalents

finden beide Käufer für einige ihrer

Bilder. 1954 ein Jahr Paris, danach

Italien, Spanien, Skandinavien. Die

geplante Reise ins Geburtsland

Brasilien endet dann allerdings

während eines Zwischenstopps

– der Liebe wegen – bereits in

Mannheim und wird erst 1962 mit

seinem Bruder Jörg nachgeholt.

Mit seiner Frau, die als Lehrerin

und Schulleiterin arbeitet, hat Paul

Reutter drei Kinder. 25 Jahre lang

lebt die Familie in Mannheim,

währenddessen der Kontakt nach

Franken jedoch nicht abbricht, zumal

die Eltern in Diespeck und die

Schwester in Neustadt leben.

1979 fällt der Entschluss, nach

Franken zu ziehen. Die Krebsdiagnose

der Ehefrau lässt ein Leben

auf dem Land reizvoll und sinnvoll

erscheinen. Sie packt bei der umfassenden

Renovierung des alten

Hofes in der Langenfelder Flößleinstraße

noch tatkräftig mit an. Leider

kann sie das neue Umfeld aber

nur noch wenige Jahre genießen.

Wie seine verstorbene Frau lernte

Paul Reutter auch seine heutige

Lebensgefährtin über eine Ausstellung

seiner Werke kennen. Mit

ihr lebt er seit 1988 abwechselnd

in Langenfeld und im Badischen

Rheinau, wo nochmals fast ebenso

viele Kunstwerke von seinem unermüdlichen

Schaffensdrang künden.

Der Südliche Steigerwald ist

sicher im Ganzen nicht als Künstlerregion

bekannt, wenn auch

einige kreativ Schaffende hier ihre

Heimat (gefunden) haben. Auch

Langenfeld ist kein Künstlerdorf

im eigentlichen Sinne. Aber Paul

Reutter ist alles andere als ein

Fremdkörper am Ort. Sicher hat

seine bescheidene Art dazu beigetragen,

dass er von den Einheimischen

als einer der ihren geschätzt

und anerkannt wird. In etlichen

Wohnzimmern hängen Bilder, die

Langenfelder Dorfansichten, Straßenszenen

mit dem eigenen Anwesen,

zeigen. Kinderporträts, die

Paul Reutter schon vor Jahren in

Ton modelliert hat, stehen in mancher

„guten Stube“. Auch im Ortsbild

sind Werke von Paul Reutter

präsent. Gleich neben dem Wohnhaus

des Künstlers schmücken

übergroße stilisierte Lindenblätter

eine Ecke der Langenfelder „Dorflinde“,

des mehrfach ausgezeichneten

Mehr-Generationen-Projektes,

über das wir im letzten einSteiger

berichtet haben. Ein Wappenrelief

findet sich am Rathaus, in dessen

Innerem zudem mehrere Gemälde

mit Ansichten Langenfelds von

ihm zu finden sind.

Das jüngste öffentliche Werk

hat der damals 83-jährige Künstler

2010 auf dem neu gestalteten

Dorfplatz für die Gemeinde

geschaffen. Hinter dem Rathaus

ist durch den Abriss zweier sehr

kleiner Bauernhöfe ein offener und

öffentlicher Raum entstanden, der

nicht nur als Parkplatz, sondern

auch als Veranstaltungsareal und

Ruhezone bereits im ersten Jahr

gerne genutzt wurde. Besonders

das Wasser zieht die Menschen an.

Eine seichte, in die Pflasterfläche

eingelassene Vertiefung, in die sich

ein Springbrunnen mit mehreren

Düsen aus dem Boden sprudelnd

ergießt, bildet zusammen mit

fünf Stelen einen neuen Dorfbrunnen

als weiteren Treffpunkt der

Dorfbewohner. Die Stelen, Metall-

Die Bundesregierung fordert in der

Nationalen Biodiversitätsstrategie,

10 % der Waldfläche

in öffentlicher Hand

einer natürlichen Entwicklung zu überlassen.

Wir unterstützen diesen Erhalt der Artenvielfalt

mit unseren Aktivitäten für einen Buchen-Nationalpark

im Staatswald im Nördlichen Steigerwald.

Landesfachgeschäftsstelle

Bauernfeindstr. 23 | 90471 Nürnberg

www.bund-naturschutz.de

www.freundeskreis-nationalpark-steigerwald.de

24


ständer mit Bildtafeln, zeigen auf

gebrannten Tonreliefplatten für

Langenfeld wichtige Aspekte. So

steht eine Violine für die Geigenbauer-Tradition

der einheimischen

Familie Scheinlein, das Posthorn

für die Geschichte des Ortes als

ehemals bedeutende Poststation.

Symboltafeln für das Vereinsleben

dürfen ebenso wenig fehlen wie ein

Karpfen oder das oftmals in seinem

Werk wiederkehrende Motiv der

Sonne oder die Getreideähre, die

für die Natur und die Landwirtschaft

stehen.

So ist Langenfeld vielleicht nicht

unbedingt ein Künstlerdorf, sicher

aber gerne fast ein „Ein-Künstler-

Dorf“, das in der Dorflinde und

am „Paul-Reutter-Brunnen“ seine

Dorfgemeinschaft mit Leben

erfüllt, was ebenfalls auf einer der

Relieftafeln thematisiert wird.

Fotos: Oliver Hug, Porträt S. 23: Harald Weigand

25 9


Drei-Franken-Eck

Burghaslach

Osterbrunnen im

26


Vorbereitungen in Burghaslach

Handbemalte Eier in Seitenbuch

Alljährlich zur

Osterzeit verwandeln

sich Brunnen und Quellen

im Drei-Franken-Eck in wahre

Kunstwerke. Dorfgemeinschaften,

Privatpersonen und Vereinsmitglieder

putzen die großen und

kleinen Wasserstellen in den einzelnen

Ortsteilen liebevoll heraus.

Spätestens ab Gründonnerstag

können dann Besucher aus Nah

und Fern die mit aus Tannengrün

und Buchs gebundenen Girlanden

und farbenfrohen, teils aufwändig

handbemalten Eiern verzierten

Brunnen bewundern.

Der Brauch des österlichen Brunnenschmückens

ist im Drei-Franken-Eck

eine noch recht junge Tradition.

Als Wiege der Osterbrunnen

gilt das landschaftlich reizvolle

Gebiet der Fränkischen Schweiz mit

seinen weißen Kalkfelsen und den

trockenen und kargen Hochflächen.

Das stark zerklüftete und verkarstete

Kalkgestein der Jura-Hochfläche

lässt keine natürliche Bildung von

Oberflächengewässern zu, der Grundwasserspiegel

liegt über 100 Meter

tief – zur damaligen Zeit unerreichbar.

Folglich mussten die Menschen

ihren gesamten Wasserbedarf aus

dem Niederschlagswasser decken,

das u.a. in Zisternen gesammelt

wurde. Doch in heißen und trockenen

Sommermonaten konnte

auch dieses ausgehen oder ungenießbar

werden, so dass die Bewohner

der Hochlagen das Wasser

dann mühevoll aus den Talquellen

holen mussten. Wasser, das lebensspendende

Element, war für diese

Menschen somit ein kostbares Gut

und sie wiesen ihm deshalb eine

besondere Bedeutung zu. Um jederzeit

über sauberes Wasser verfügen

zu können, wurden die Quellen im

Tal stets rein gehalten. Im Frühling,

nach den langen und kalten Wintermonaten,

drückten die Menschen

ihre Freude über das wieder aus den

Quellen sprudelnde Wasser aus, indem

sie die Quellen von Moos und

vertrocknetem Herbstlaub reinigten

und abschließend mit einem mit

Ostereiern behängten Bäumchen

schmückten.

Fotos: Hanns Peter Bacherle

Drei·Franken·Eck

27


Seitenbuch Aschbach Burghaslach

Seitenbuch

Mündlichen Überlieferungen

zufolge ist das Osterbrunnenbrauchtum

in Aufseß seit dem

Jahre 1909 lebendig, in Engelhardsberg

schmückten Bewohner

erstmals 1913 einen Osterbrunnen.

Bis Mitte des 20. Jh. bewahrten die

Menschen den Brauch des Osterbrunnenschmückens

in den Kernund

Randgebieten der Fränkischen

Schweiz, dann drohte diese Tradition

auszusterben.

Den Bemühungen von Brauchtums-

und Heimatpflegern – vor

allem aber dem riesigen Engagement

der ehrenamtlichen Helferinnen

und Helfer – ist es zu

verdanken, dass das Schmücken der

Brunnen zur Osterzeit eine intensive

Wiederbelebung erfuhr und

sich ab den 1980er Jahren dann

über weite Teile Ober- und Mittelfrankens

sowie punktuell im unterfränkischen

Bereich verbreitete

und so auch das Drei-Franken-Eck

erreichte. So verwundert es nicht,

dass inzwischen jedes Jahr viele

Touristen zur Osterzeit das Drei-

Franken-Eck bereisen, um diese

einzigartigen Kunstwerke in mehr

als der Hälfte der 52 Ortsteile zu

bestaunen.

Der gesamte Vorgang des Reinigens und

Schmückens wird als „Brunnenputzen“ bezeichnet.

Während das Fegen des Brunnens

in früherer Zeit von den jungen Burschen

ausgeübt wurde, widmen sich dieser Aufgabe

heute entweder die den Brunnen schmückenden

Frauen oder deren Ehemänner.

Anschließend wird der Brunnen geschmückt.

Tannen- und Buchszweige, zu Girlanden

verflochten oder als Verkleidung metallener

Schmuckkronen und -bögen, sind das wohl

ursprünglichste Schmuckelement. Je nach

Anzahl der Helfer kann das Girlanden binden

bis zu einem Tag dauern, das Aufstellen des

Gerüsts sowie das Anbringen der Girlanden

beansprucht ebenfalls mehrere Stunden.

Am zeitintensivsten sind jedoch die

Arbeiten, die sich um das Osterei drehen. In

unzähligen Stunden werden die ausgeblasenen

Eier liebevoll per Hand bemalt und

mit schönen Motiven versehen. Um das

zerbrechliche Kunstwerk vor Wettereinflüssen

zu schützen, erhält es eine Klarlackversiegelung.

Das Schmücken der Girlanden

mit hunderten von Eierkunstwerken ist

die schwierigste Aufgabe, denn es gilt ein

gleichmäßiges Erscheinungsbild zu erzielen.

Echter Blumenschmuck ziert an so manchem

Brunnen zusätzlich die Osterbrunnenanlage.

28


Thüngfeld

Schlüsselfeld

29


Ehegrund Sugenheim

Und ewig

summen die

Bienen

Bienenleasing bei den Imkern

Wild schießen die Lichtstrahlen

durch das Blätterdach auf dem

kurzen Weg durch den Laubwald in

Richtung auf die nächste Lichtung.

Ein ungewöhnlicher Geruch liegt

in der Luft – süßlich, wächsern und

etwas nach Holz. Das Summen

wird lauter je näher die Lichtung

kommt.

Dort steht eine Holzhütte, der

Lehrbienenstand des Imkervereins

Oberer Ehegrund. Im Sonnenlicht

sieht man Hunderte von Bienen

eifrig auf die Einflugschlitze zufliegen.

Dann öffnet sich die Tür des

Bienenhauses und Matthias Rühl,

der Vorsitzende des Imkervereins,

begrüßt uns.

Wir wollen uns über ein Angebot

des Imkervereins informieren, das

Bienenleasing. Leasing ist bekannt,

bei Autos und Maschinen häufig der

Alltag. Aber wer least eine Biene,

besser ein ganzes Volk? Und warum?

Früher gab es in jedem Dorf einige

Imker, war die Imkerei doch die einzige

kostengünstige Möglichkeit an

etwas Süßes zu gelangen. Mit Honig

wurde gekocht, gebacken. Heute

gibt es dafür im Supermarkt Zucker

oder Honig zu kaufen. Und die

Kenntnis im Umgang mit Bienen

geht verloren. Dem soll das Bienenleasing

entgegen wirken. Es ist die

Einladung, ein Bienenjahr lang von

April bis Juli den Alltag im Umgang

mit den „süßen“ Insekten zu

erfahren und zu lernen. Die Imker

hoffen, die Interessenten mit dem

„Bienenvirus“ zu infizieren und Menschen

für die Imkerei zu begeistern.

30


im Oberen Ehegrund

Keine Angst vor Bienenstichen

Es ist Mitte April, später Samstag

Morgen. Sechs Interessierte im

Alter von Mitte Zwanzig bis zum

Beginn des Rentenalters, Männer,

Frauen, die in diesem Jahr den

Umgang mit Bienen lernen wollen,

stehen vor dem Lehrbienenstand

bei Obernesselbach. Als erstes

bekommt jeder Teilnehmer sein

Volk vorgestellt, für das er nun ein

Bienenjahr lang verantwortlich ist.

Dann geht es an die Fachsprache:

Was ist ein Aufsatz oder eine Zarge?

Wozu braucht man einen Bienenbesen?

Was ist ein Stockmeißel und

wozu ist er gut? Was macht die

Biene mit ihrer Beute? Natürlich

bleibt es nicht beim Gespräch, es

gibt erste Arbeitsschritte zum Mitmachen.

Learning by doing heißt

die Devise.

Die ersten Arbeitsschritte des

Auswinterns werden gelernt: Die

neue Brut in den Waben kontrollieren,

die Königin suchen, den Boden

der Kästen reinigen, einige Bienen

haben den Winter nicht überstanden

und liegen tot am Boden,

Spuren von Schädlingen suchen,

u.a. die gefürchtete Varroa-Milbe.

Dabei geht auch schnell die Angst

vor Bienenstichen verloren, denn

wer bienenkundig mit den Tieren

umgeht, wird kaum gestochen.

Nun geht es im 14-Tages-

Rhythmus weiter: Wir lernen,

ein Bienenvolk zu teilen, in der

Fachsprache: einen Ableger zu

bilden. Dabei wird ein Teil des

bestehenden Volkes zusammen

mit der Königin in einen neuen

Kasten gebracht, dort richtet es

sich ein, die Königin legt eifrig

Eier, damit mehr Arbeiterinnen

entstehen. Im alten Volk bemerken

die Arbeitsbienen, dass

die Königin fehlt. Die Bienen

legen Weiselzellen (= Königinnenzellen)

an. Die schlüpfenden

jungen Königinnen werden auf

ihre Tauglichkeit geprüft, schlecht

entwickelte Jungköniginnen

werden getötet. Die verbliebenen

Jungköniginnen kämpfen um die

Führung des Volkes, die Siegerin

fliegt zur Begattung aus, kommt

befruchtet zurück und fängt an

Eier zu legen, um den Bestand des

Stockes zu sichern.

Ähnliches passiert, wenn ein

Bienenvolk zu groß wird und sich

selbst teilt, es schwärmt. Die bisherige

Königin verlässt mit einem

Teil des Volkes den Stock und

gründet ein neues Volk. Im „alten“

Volk werden junge Königinnen

nachgezogen.

Wir stellen die handelnden Wesen vor:

Die Königin –Queen Mum

Sie ist das einzige sexuell

aktive weibliche Wesen

im Bienenstaat. Nach dem

Begattungsflug kann sie

befruchtete Eier (hieraus

entstehen die Arbeiterinnen

oder mit spezieller Fütterung

wieder Königinnen) und nicht

befruchtete Eier (hieraus

entstehen die Drohnen) legen.

Ihre Aufgabe ist es, Eier

zu legen und damit für den

Bestand des Bienenvolkes zu

sorgen.

Die Arbeiterinnen

Auch sie sind weibliche Bienen,

ihre Geschlechtsreifung

wird durch die Königin durch

Pheromone unterdrückt. Ihre

Aufgabe ist es, Nektar und

Pollen zu sammeln und so die

Ernährung des Bienenvolkes

zu sichern. Die Arbeiterinnen

sind für die Aufzucht zuständig,

sie versorgen die Eier, die

Maden, sie teilen sich die

Aufgaben im Stock. Und sie

entscheiden über die Königin.

Die Drohnen

Aus den unbefruchteten Eier

entstehen die männlichen

Bienen, die Drohnen. Ihre

einzige Aufgabe ist die

Befruchtung neuer Königinnen

aus einem anderen

Bienenvolk.

Fotos: ganz oben: H. P. Bacherle

oben – Imkerverein Oberer Ehegrund

Mitte, unten – wikipedia|Waugsberg

Bilder:

Reges Treiben herrscht am Lehrbienenstand

nicht nur unter den Bienenvölkern sondern auch

bei den Interessenten am Bienenleasing

ganz oben:

Im Land wo Wein und Honig fließen –

beim Fest der Winzer und Imker in Krassolzheim

gab sich auch die Königin die Ehre

31


Ehegrund

links: Matthias Rühl erklärt die Arbeit mit Bienen

daneben: die Teilnehmer/innen am Bienenleasing nehmen

Kontakt mit ihren Völkern auf und wenden das Gelernte an

unten: Fasziniertes Staunen über die Welt der Bienen

Vieles im Bienenstock hängt

vom Wetter ab. Scheint die Sonne,

fliegen die Bienen aus, um Nektar

und Pollen zu sammeln. Eigentlich

brauchen sie dies als Futter für

die Nachzucht. Die Königin legt

täglich bis zu 2000 Eier, jedes in

eine eigene Zelle in der Wabe. Im

Laufe eines Bienenjahres sind das

ca. 200.000 bis 250.000 Eier. Nach

drei Tagen schlüpft daraus die

Made, die schnell wächst und sich

verpuppt. Nach 21 Tagen ist die

neue Biene fertig. Schlüpft sie in

der Zeit von April bis Ende Juli, ist

es eine Sommerbiene. Sie wird nur

ca. 6 Wochen alt, dann ist sie wie

der Imker sagt „abgeflogen“.

In dieser Zeit legt sie auf der Suche

nach Futter ca. 1000 km zurück.

Sie sammelt Nektar und Pollen,

übergibt sie im Stock an ihre

Kolleginnen, die den Nachwuchs

versorgen.

Die Winterbienen leben länger.

Ihre Aufgabe ist es, das Bienenvolk

samt der Königin heil über den

Winter zu bringen. Dazu müssen

sie mit ihren Körpern Wärme

erzeugen und die Temperatur im

Bienenstock in der Wintertraube

bei ca. 17° bis 18° halten. Beginnt

Ende Dezember oder Anfang Januar

der neue Brutzyklus, müssen die

Bienen das neue Brutnest konstant

auf 36° C halten, egal wie kalt es

draußen ist.

Honig –Geschmack einer Landschaft

Die Bienen sammeln auf den Blütenpflanzen

Nektar auf, speichern

ihn in ihrer Honigblase und bringen

ihn in den Bienenstock. Dort

übernehmen ihn andere Bienen,

reduzieren zunächst den Wassergehalt

und lagern dann den fertigen

Honig als Vorrat ein.

32


Haben Sie Interesse am Bienenleasing?

Imkerverein Oberer Ehegrund

Kontakt: Matthias Rühl

Krassolzheim 39 | 91484 Sugenheim

Tel: 09165/95 98 30

E-Mail: matthias.ruehl@t-online.de

www.imkerverein-oberer-ehegrund.de

Nun greift der Mensch wieder

ein. Beim Bienenleasing heißt das

konkret: Wir lernen, wie man Honigwaben

erntet, sie „entdeckelt“,

Honig schleudert, reinigt, in Gläser

abfüllt, die Bienen wieder mit

Waben versorgt, damit sie weiter

sammeln können.

Ein Bienenvolk benötigt jährlich

für seine Versorgung circa 300 bis

500 kg Nektar. Dieser besteht zu

80 % aus Wasser. Vermarktungsreifer

Honig hat einen Wassergehalt

von weniger als 18 %. Die Jungbienen

brauchen neben dem Nektar

auch eiweißreichen Pollen von

Blütenpflanzen. Das sind jährlich ca.

30 bis 50 kg Blütenstaub. Es ist also

eine Menge Futter heranzuschaffen.

Deshalb entwickelt der Imker

schnell einen Blick für die Landschaft

und ihre Bienentauglichkeit. Welche

Pflanzen blühen? Ist eine durchgehende

Blütenversorgung vorhanden

vom Frühjahr bis in den August/September.

Gibt es auch Honigtau von

Insekten zu ernten (daraus entsteht

z.B. der Waldhonig)?

Gibt es Gefahren für die Bienen?

Die größte Gefahr geht von der

Varroa-Milbe aus. Sie wurde um

1980 aus Asien eingeschleppt und

hat sich sehr schnell in ganz Europa

verbreitet. Die ca. 1,5 mm große

Milbe sitzt auf der Biene, lieber

aber direkt auf der sich entwickelnden

Brut, beißt diese an und schmarotzt

am „Blut“ der Insekten.

Wird die Milbe nicht bekämpft,

droht schnell einem ganzen Bienenbestand

das Aus. Die geschwächten

Bienen sterben entweder direkt

durch die Milbe oder an Folgeinfektionen.

Deshalb ist die ständige Kontrolle

der Bienen auf Varroabefall,

die Untersuchung der Brut, die

Kontrolle des Bienenstocks auf

tote Bienen und Milben wichtig.

Neben extremer Sauberkeit im

Bienenkasten, bestandsführenden

Maßnahmen wie Entnahme der

Drohnenbrut (diese ist besonders

häufig von Varroa befallen) wird zur

Bekämpfung der Milbe auch mit

Ameisensäure gearbeitet. Dabei ist

es wichtig, dass die Bekämpfung

zeitgleich im Bereich des gesamten

Imkervereins, besser noch auf Landkreisebene,

erfolgt, damit nicht

aus anderen Bienenvölkern wieder

Varroa-Milben eingetragen werden

können.

Bereits Mitte Juli ist das Bienenjahr

beendet. Die Bienen werden

nun auf den Winter vorbereitet und

mit Zuckerwasser eingefüttert. Die

Varroabehandlung wird möglichst

frühzeitig Mitte Juli durchgeführt,

damit die Milben vor dem Entstehen

der Winterbienen getötet

werden. Im Stock wachsen jetzt

diese Winterbienen heran, die im

Gegensatz zu den Sommerbienen

bis zu sechs Monate alt werden.

Von ihrer Fitness hängt es ab, ob

das Bienenvolk den Winter überstehen

wird und im nächsten Frühjahr

wieder aktiv werden kann.

Für die Teilnehmer des Bienenleasings

geht eine ereignisreiche

Zeit zu Ende. Nun gilt es sich zu

entscheiden. Für den eigenen Bienenstock

und den Aufbau weiterer

Völker, für die aktive Mitarbeit im

Kreis der Imkerkollegen, für einen

anderen Blick auf die Landschaft,

für den Honig und den Alltag mit

der Queen und ihrem Volk.

Das nächste Mal fließen am

Sonntag, den 27. Mai 2012

in Krassolzheim Wein und Honig

Als besonders innovative Form der

Öffentlichkeitsarbeit und des Heranführens

von Interessenten an die Tätigkeit

der Imkerei wurde die Idee des „Bienen-

Leasings“ übrigens als LEADER-Projekt

gefördert. Europäische Gelder wurden

für Imkereigegenstände, den Kauf des

Bienenhauses, Umbaukosten, Präsentations-

und Moderationsmaterialien, die

Befestigung des Zufahrtsweg sowie für

ein Wildbienenhaus mit Infotafel aufgewendet.

Deutscher

Honig

d

Imker:

d

W. Scheitacker

Krassolzheim 27

91484 Sugenheim

Tel.: 09165/741

Anzeige

d

Verschiedene Sorten

33


Markt Bibart

Die Wüste lebt…

…direkt neben dem Scheinfelder

Kompostplatz. Zu Toms Globetrottertreffen

einmal im Jahr versammeln

sich auf einer Kuhweide

zwischen Markt Bibart, Altmannshausen

und Scheinfeld Geländewagen-Fans,

die leuchtende Augen

bekommen, wenn sie von endlos

langen Sand- oder Steinpisten

erzählen. Im Juli 2011 trafen sich

wieder rund 100 Abenteurer zum

Erfahrungsaustausch in Scheinfeld.

Gleichzeitig glich die Auto-

Werkstatt von Thomas Ramming

in Markt Bibart unweit des provisorischen

Campingplatzes einem

Bienenstock. Allzumal die Firma

„Tom‘s Fahrzeugtechnik“ ihr zehnjähriges

Jubiläum feierte.

Angefangen hat das Bilderbuch-

Familienunternehmen in einem

Hinterhof in der Würzburger

Straße in Scheinfeld. 2002 erwarb

Ramming das heutige Betriebsgelände

in Markt Bibart. Die frühere

BayWa-Landmaschinen-Werkstatt

wurde nach und nach renoviert.

Nun beherbergen die Lager keine

Ersatzteile für Eggen oder Dreschmaschinen

mehr, sondern Toyota-

Teile für den Landcruiser mitsamt

allen Extras. Dazu gehören Aluplatten

als Unterbodenschutz genauso

wie Klappschlafdächer oder

Kühlboxen.

Viele der auch als Buschtaxis

bekannten Geländewagen haben

einen Schnorchel neben dem

Beifahrerfenster. Dieser sorgt dafür,

dass der Motor nur saubere Luft

bekommt, Sand und Schmutz werden

in einem sogenannten Zyklon

abgesondert und ausgeworfen. Da

ein geländetaugliches Fahrzeug

beispielsweise auch flachere Flüsse

durchqueren können soll, schützt

der Schnorchel zudem davor, dass

der Motor Wasser in den Luftansauger

bekommt. Um unabhängig

von Campingplätzen übernachten

zu können, setzt Tom‘s Fahrzeugtechnik

auf eine Stromversorgung

durch Solartechnik. Freilich können

die Fahrzeuge auch mit einem

Warm-Wasser-Boiler ausgestattet

werden.

Ramming hat einst bei einem

Neustädter Autohaus als Kraftfahrzeug-Mechaniker-Meister

gearbeitet

und gleichzeitig seine Liebe zu Exkursionen

in Nord-Afrika entdeckt.

34Buschtaxis aus


Dabei begeisterten ihn die Modelle

des Toyota-Landcruisers, die mittlerweile

seit 60 Jahren gebaut werden.

Sie gelten als besonders robust,

haben kaum Elektronik und sind

wegen ihrer einfachen Mechanik

gut zu warten. Auch eine kleine

Werkstatt in den Exkursionsländern

kriegt einfache Reparaturen

hin. Notfalls können bei der Markt

Bibarter Firma Ersatzteile bestellt

werden, die dann per DHL-Express

weltweit versandt werden.

Geschäftsleute und

Individualurlauber

Beim Globetrotter-Treffen im

Juli interessierte sich beispielsweise

die Münchner Fachbuchhandlung

Christian Schmidt für ein Geländefahrzeug

aus Markt Bibart.

Bislang betreiben sie ihr rollendes

Büro mit einem alten Bundeswehr-

Lastwagen. Dieser soll eventuell

ein wendigeres Begleitfahrzeug

bekommen. Die Münchner Buchhandlung

hat sich auf Kriegsgeschichte

spezialisiert, bietet aber

auch Schiffsmodelle an.

Zu den Kunden von Tom‘s

Fahrzeugtechnik gehört auch der

Heppenheimer Bernhard Arnold,

der bereits zum vierten Mal zum

Sommertreffen nach Scheinfeld

gekommen ist. Der Hesse, der

sein Berufsleben als Lehrer unter

anderem für das Fach Physik in

Brennpunktschulen in den USA

verbrachte, hat sein Fahrzeug im

Internet erstanden. Sein cremefarbener

Landcruiser war einst ein

Schweizer Rot-Kreuz-Auto, das

in den Krisengebieten im Balkanraum

vom Internationalen Roten

Kreuz eingesetzt worden war.

Mit neuem Fahrwerk versehen hat

die Markt Bibarter Firma Arnold

geholfen, dass das Auto nach dem

Import eine deutsche Zulassung

bekam. Arnold begreift sich als

Wüste Piste –

Fahrer und Fahrzeuge sind

Sahara-erprobt, was sie hin und wieder

auch im Steigerwald unter Beweis

stellen können

Markt Bibart

35


Individualist beim Reisen. Zum

Globetrotter-Treffen kommt er, um

technisches Know-How auszutauschen,

aber auch um über interessante

Reiseziele zu sprechen.

Auch Theo Hamers ist mit seiner

Frau Gerry aus den Niederlanden

zum Fahrzeugtreffen in den

südlichen Steigerwald gekommen.

Er lobt die Dynamik der Markt

Bibarter Werkstatt. Man merke,

dass die ganze Mannschaft von

Tom‘s Fahrzeugtechnik hinter dem

Produkt steht. So müsse eine Firma

sein, sagt er, der selbst ein Maschinenbau-Unternehmen

in Holland

leitete. Die Hamers lieben die

Individualreisen. Mit einem zum

Wohnmobil umgebauten Landcruiser,

der dank Solarenergie auch

einmal ohne die Infrastruktur eines

offiziellen Stellplatzes auskommt,

könne man in einsamen Buchten

in Griechenland wunderbare Tage

verbringen. Bei der jüngsten Tour

haben die Niederländer den Süden

der Türkei, Griechenland, Albanien,

Bulgarien, Kroatien und

Serbien erkundet.

Mit 120 rohen Eiern über die

Hubbelpiste

Besonders für das zweite Standbein

der Firma, die Exkursionen,

begeistert sich Michael Werner aus

dem niedersächsischen Bissendorf.

Er liebt die geführten Reisen unter

dem Logo des stilisierten Kamels,

die „Tom‘s Expeditionsreisen“

anbieten. Nach Ägypten, Tunesien,

Libyen, Marokko oder in den

Balkan führen die Exkursionen für

Menschen, die jenseits des Massentourismus

die Welt kennen lernen

wollen und dabei ihr fahrerisches

Können abseits der Straße verfestigen

wollen. Dabei schwört der

Niedersachse auf die kulinarischen

Genüsse, die das Organisationstalent

Uwe Markert in der Wüste in

seiner Feldküche zaubert. „Wenn

der Uwe nicht mitfährt, fährt

meine Frau auch nicht mit“, erzählt

Werner schmunzelnd.

Markert, externer Dienstleister

aus dem Scheinfelder Ortsteil

Grappertshofen, fährt tatsächlich

mit 120 rohen Eiern über

die Hubbelpisten der nordafrikanischen

Wüste. Sein Küchenfahrzeug

ist mit einer speziellen

Kühlbox ausgestattet. Zwischen

Dünen und Oasen kocht Markert

Sauerbraten oder Rouladen für 25

Leute. „Abends, wenn die Männer

über Motorteile reden, helfen

die Frauen im Kochzelt“, erzählt

Markert. Dann entstehe immer eine

ganz heimelige Atmosphähre. Die

meisten Lebensmittel nehme er aus

Deutschland mit. Frisches Gemüse

kauft er vor Ort. Markert ist es übrigens

auch, der beim Sommertreffen

die Spanferkel über dem offenen

Feuer zubereitet.

36


Für die „tollen Touren mit

Tom‘s Fahrzeugtechnik“ bedankte

sich der Niedersachse Werner

beim Landcruiser-Treffen auf eine

besonders charmante Art: Er lud

Tom Ramming zu einem Flug ein.

Werner hat in der Wüste nämlich

stets ein einsitziges Ultra-Leicht-

Flugzeug dabei. Da könne er dann

niemand mitnehmen, wenn er sich

den Süden Ägyptens von oben

ansehe. Nach Markt Bibart hat er

nun einen Zweisitzer mitgebracht.

Das sei sein Geschenk zum zehnjährigen

Jubiläum. Ramming und

Werner, der eine vertreibt Abenteuer-Land-Fahrzeuge,

der andere

Abenteuer-Luftfahrzeuge, genießen

einen Sommerabend aus der Vogelperspektive.

Fotos: Hanns Peter Bacherle

Beim Treffen im Steigerwald werden

am Lagerfeuer die Geschichten lebendig,

die man in der Wüste Nordafrikas

erlebt hat

37


Es kann losgehen!

Fotos: Hanns Peter Bacherle

Geiselwind

Neuer

Schwung

für eine alte Idee

38

Bewundernde Blicke erntete einer der älteren

Teilnehmer am Eröffnungstag.


In den 1970er Jahren startete mit

den „Trimm-Aktionen“ eine der

größten Bewegungs- und Sportförderungskampagnen

des Deutschen

Sportbundes. Heute – rund 40

Jahre später – hat die Gemeinde

Markt Geiselwind diese alte

Liebe wieder neu entdeckt. Und

so bereichert seit Mitte 2011 ein

Mehrgenerationen Trimm-Dich-

Pfad das Sport- und Fitnessangebot

der Steigerwaldgemeinde.

Eine Runde durch den Wald im

Geiselwinder Ortsteil Gräfenneuses

beträgt 2,1 Kilometer. Normalerweise

eine Weglänge für einen

gemütlichen Nachmittagsspaziergang.

Doch die Strecke bietet ihren

Besuchern nicht nur Erholungswert

– der naturnah gestaltete

Rundweg ist ein wahrer Fitnessparcours

für Jung und Alt. Fünf

Stationen mit jeweils zwei Gerätschaften

ermöglichen ein Training

von Schulterpartien, Armen sowie

Bauch-, Rücken- und Kniemuskulatur.

Die einzelnen Trainingseinheiten

dienen somit langfristig

der Förderung der Beweglichkeit,

des Muskelaufbaus, der besseren

Koordination der Vitalfunktionen

und der Steigerung der Ausdauer.

Ein Barfußpfad, bestehend aus

sechs verschiedenen Untergrundarten,

die von Hackschnitzeln über

Gruben- und Mainsand bis hin

zu verschieden stark gewaschenen

Kiesvariationen reichen, rundet das

Fitnesserlebnis ab. Für Einsteiger

und weniger Geübte bietet eine

weitere Variante auf der Höhe

Richtung Ebersbrunn eine kürzere

und weniger beschwerliche Wegstrecke.

Die Idee für die Errichtung des

Mehrgenerationen Trimm-Dich-

Pfades in Gräfenneuses stammt

von Bürgermeister Ernst Nickel

und dem Waldbeauftragten Willi

Kohles. Bei einer gemeinsamen

Waldbegehung zur Feststellung der

Schäden, die das Sturmtief Kyrill

im Januar 2007 im Gemeindewald

hinterlassen hatte, fanden die

beiden die alten Trimm-Dich-Pfad

Schilder aus den 1970er Jahren.

Nun galt es, den Bauausschuss

sowie den Marktgemeinderat Geiselwind

für die Projektidee Mehrgenerationen

Trimm-Dich-Pfad zu

begeistern, denn die Finanzierung

musste schließlich selbst gestemmt

werden. Bei Gesamtkosten von

rund 30.000 Euro für Sportgeräte

und die Erstanlage des Pfades

keine leichte, aber eine durchaus

lösbare Aufgabe, wie sich zwei

Jahre später zeigte.

Weitere Begehungen mit Josef

Dietmeyer, dem Leiter des Bauhofes,

und Förster Dieter Rammensee

folgten, bevor im Jahr 2010

mit Herrn Gellfart von der Firma

Hags die Standorte für die einzelnen

Trimm-Dich-Stationen festgelegt

und die Sportgeräte erworben

werden konnten. Die Aufstellung

der Beschilderung sowie der Sportgeräte

lag dann in den Händen

der Mitarbeiter des gemeindlichen

Bauhofs.

Anfang Juni 2011 war es schließlich

so weit: Der Markt Geiselwind

übergab im Rahmen einer offiziellen

Einweihungsfeier den neuen

Mehrgenerationen Trimm-Dich-

Pfad an die Öffentlichkeit. Dass

Sport in jedem Alter Spaß machen

kann, bewiesen auch die vielen

Gäste aller Generationen. Bevor es

zum gemütlichen Veranstaltungsteil

in das Feuerwehrhaus nach

Gräfenneuses ging, nutzten viele

Besucher noch die Gelegenheit,

den Trimm-Dich-Pfad gemeinsam

auszuprobieren.

Dabei wird der eine oder andere

sicherlich auf den Geschmack

gekommen sein und auch zukünftig

seine Bewegungspausen auf

unserem schönen Mehrgenerationen

Trimm-Dich-Pfad einlegen.

Anfahrt

In Gräfenneuses Richtung Ebersbrunn

befindet sich am Ortsende rechts ein

Parkplatz, von dem Sie in den Trimm-

Dich-Pfad einsteigen können.

39


Markt Nordheim

Klösterliches Jan Kobow

Leben

Romanik und Romantik:

Das Münster Münchsteinach

und das Abtschlösschen

Abgeschiedenheit, Idylle, Gott

in einer noch ursprünglichen Natur

erfahren: Der Steigerwald war

seit jeher eine attraktive Region

für Christen, die Christi Ruf nach

einem friedvollen, ja liebevollen

Umgang des Menschen mit der

Schöpfung folgen wollten. Und so

verwundert es nicht, dass im Laufe

der Jahrhunderte in der gesamten

Region zahlreiche Glaubenszeugnisse

von hohem kulturhistorischen

Wert entstanden – jedenfalls viel

mehr, als man dies von einer noch

heute relativ dünn besiedelten

Region erwarten darf. Wir wollen

uns in diesem Bericht auf die

Klöster beschränken.

40


im Steigerwald

Münchsteinach

Scheinfeld

Markt Bibart

Fotos Oliver Hug

Der bedeutendste Bau im

nördlichen Steigerwald ist das

Zisterzienserkloster Ebrach, 1285

vollendet. Das Kloster wurde in

der Säkularisation 1803 aufgelöst

und dient seit 1851 als Haftanstalt.

Dem Steigerwald westlich vorgelagert

liegt die berühmte Benediktinerabtei

Münsterschwarzach,

780 als Frauenkloster gegründet.

Um Scheinfeld befand sich vermutlich

das Benediktinerkloster

Megingaudshausen, das 816 von

den Mattonen gegründet, aber

schon um 877 wieder aufgegeben

wurde, als die Mönche in das von

den Nonnen verlassene Münsterschwarzach

umzogen.

Münchsteinach

Ebenfalls Benediktiner siedelten

ab dem 12. Jahrhundert in Münchsteinach,

im östlichen Teil des südlichen

Steigerwaldes. Adalbero von

Steinaha begann 1102 sein Schloss

inklusive Besitzungen in eine Abtei

umzubauen. Fertig wurde die

romanische Anlage 1180. Es folgten

rund 350 Jahre Klosterleben nach

den Regeln des Heiligen Benedikt

von Nursia (um 480 bis 547), bis

Bauernkriege und Reformation

dem „ora et labora et lege“ (bete

und arbeite und lies) der Mönche

ein Ende setzten. Zumindest der

Ostteil der dreischiffigen Basilika

Sankt Nikolaus blieb erhalten und

wurde Pfarrkirche der fortan evangelischen

Kirchengemeinde. Trotz

der Umbauten im 18. Jahrhundert

zum Predigtraum nach Vorbild

der „Markgrafenkirchen“ blieb der

romanische Charakter der Kirche

stets gewahrt und gibt auch heute

noch den diversen kulturellen Veranstaltungen

ein unverwechselbares,

ursprüngliches Ambiente.

Franziskaner Minoriten

in Scheinfeld

In etlichen Orten des Steigerwaldes

lassen sich Spuren klösterlichen

Lebens nachzeichnen – geblieben

ist oft wenig. Umso mehr

ragt Kloster Schwarzenberg in

Scheinfeld als aktives Bildungshaus

des Franziskanerordens heraus.

Der Grundstein für ein Kloster

in Scheinfeld wurde am 26.

März 1701 gelegt. Da lag die

Idee von Georg Ludwig Graf von

Schwarzenberg, die Franziskaner

(zunächst die Gruppe der Rekollekten,

später der Reformaten) zur

Rekatholisierung des Gebietes in

die Pfarrei zu holen, schon über 70

Jahre zurück. Das sagt viel über die

Wirren der Zeit während und nach

dem 30jährigen Krieg, aber auch

über den letztlich ungebrochenen

Willen einiger Protagonisten, allen

voran der 1670 gefürsteten Familie

Schwarzenberg und des Ordens,

Franziskaner in Scheinfeld dauerhaft

zu etablieren. Gleichwohl

verstrichen weitere gut 30 Jahre bis

am Pfingstmontag (2.6.) 1732 der

Grundstein für die Klosterkirche

gelegt wurde, knapp 3 Wochen

später wurde das Kloster zum

förmlichen Konvent mit immerhin

12 Patres erhoben. Es folgten

gedeihliche Jahrzehnte mit der

Erweiterung um die Gnadenkapelle

und die Gruft, 1761 wurde

die Erlaubnis zur Einführung eines

„studium philosophicum“ erteilt.

Mit der Jahrhundertwende setzte

ein dramatischer Niedergang ein.

Zwar überlebte das Kloster im

Unterschied zu Ebrach und Münsterschwarzach

die Säkularisation zu

Beginn des 19. Jahrhunderts. Doch

zählte das Kloster 1831 nur noch

3 Patres, Mitte der 1860er Jahre

Portal der Klosterkirche

Schwarzenberg

sollen die sanierungsbedürftigen

Gebäude gar versteigert werden.

Dem Einsatz des Scheinfelder Stadtpfarrers

Andreas Krapp ist es zu

verdanken, dass das „Kloster nebst

Zubehör“ als Schenkung zunächst

der Pfarrei und 1869 den Franziskaner

Minoriten überantwortet wird.

Weder die Beschlagnahmung des

Klosters durch die Nazis (1940 –

45), die daraus ein Umsiedlerlager

machten, noch der Großbrand

vom 22. auf den 23. Juni 1960,

bei dem lediglich Außenmauern

und Kirchendach stehen blieben,

bremsten die Entwicklung des

Klosters. 1969, drei Jahre nach Abschluss

der Renovierung nach den

historischen Vorlagen aus dem 18.

Jahrhundert, wurde das Kloster am

11. Juni zum Bildungshaus.

41


Münchsteinach

Scheinfeld

Markt Bibart

Der Hl. Franziskus im Klosterhof | r.: Pater-Hermann-Schütte-Haus gegenüber dem Kloster

Franziskanisches Signet: Der Schlüssel im (griechischen) Tau | Der Scheinfelder Stadtteil Klosterdorf

Das Bildungshaus

Kloster Schwarzenberg

Das Kloster Schwarzenberg

mit seinem Bildungshaus ist ein

Konvent der Franziskaner-Minoriten.

Er gehört mit fünf weiteren

Niederlassungen zur deutschen

Ordensprovinz mit Sitz in Würzburg.

Zur Hausgemeinschaft

gehören derzeit neun Mitglieder.

Unter dem Signet des Schlüssels

im franziskanischen Tau-Zeichen

bietet das Haus Bildung, Begegnung

und Stille für Menschen jedweder

Herkunft, ja auch Religion.

Ökumene wird dort an vielen

Stellen erlebt. Besucher sollen

ihre persönliche Einmaligkeit in

Ehrfurcht entdecken und entfalten

können, für alles Gute und Schöne

offen werden, Wege zum Frieden

mit sich, den Mitmenschen und

Gott erschließen sowie ihre Talente

fruchtbar werden lassen im

Einsatz für Familie, Gesellschaft

und Kirche.

Für das umfangreiche Seminarangebot

(Kursprogramm jederzeit

im Internet abrufbar) stehen

vier Gebäudekomplexe mit drei

Hörsälen, mehreren Gruppenund

drei Gottesdiensträumen

sowie Übernachtungsmöglichkeit

mit ca. 65 Betten zur Verfügung.

Kloster und Garten befinden sich

inmitten einer ruhigen, reizvollen

Landschaft umgeben von schönen

Wanderwegen nahe Schloss

Schwarzenberg.

Wandern, oder genauer, Pilgern

gehört übrigens auch zu den

Schwerpunkten des Bildungshauses,

das direkt am Steigerwälder

Jakobsweg (Bamberg-Uffenheim)

sowie am Kunigundenweg (Aub-

Bamberg) liegt. Franziskanische

Spiritualität und Weltoffenheit,

ja ausdrücklich Weltzugewandtheit

gehören bei den Minoriten in

Scheinfeld-Schwarzenberg unmittelbar

zusammen. Selbst Studienreisen

in völlig fremde Kultur- und

Religionskreise gehören hier zum

Programm. Eine nur auf den ersten

Blick völlig andere Lebensform

praktizieren die Klarissen-Kapuzinerinnen

von Markt Bibart. Mehr

zum Klosterleben in Klause lesen

Sie im nebenstehenden Artikel.

Kloster Schwarzenberg mit Bildungshaus

Klosterdorf 1, 91443 Scheinfeld

Bürozeiten: Mo–Fr 8.30–12 Uhr, 13–16 Uhr

Tel.: 09162/92 88 90 | Fax: 09162/4 48

info@kloster-schwarzenberg.de

www.kloster-schwarzenberg.de

Dieser Beitrag hat sich nur auf

das klösterliche Leben beschränkt.

Evangelische Christen finden

in Haus Friede in Scheinfeld-

Burgambach ein protestantisches

Bildungshaus (www.bruderkreis.

de). Der südliche Steigerwald ist

darüber hinaus reich an kirchlichen

Kleinoden – nicht zuletzt

auch deshalb, weil die Gegend

lange Zeit zwischen den beiden

großen christlichen Konfessionen

umstritten war. Zögern Sie auf

Ihren Wanderungen durch den

südlichen Steigerwald daher nicht,

einen Abstecher auch zu kleineren

Ortskirchen und Kapellen zu machen,

nehmen Sie sich Zeit für die

steinernen Marterln an den Wegrändern.

Fotos Oliver Hug (2), Claus Seifert

42


Fotos Claus Seifert Fotos: Bacherle, Scheinfeld, www.hpb-FotoDesign.de

Klarissen-Kapuzinerinnen

in Markt Bibart

Seit Mai 2009 leben im katholischen

Pfarrhaus in Markt Bibart

3 Klarissen-Kapuzinerinnen und

eine Novizin. Die Schwestern waren

zuvor in einem Kloster in Assisi.

Auf der Suche nach einer Bleibe in

Deutschland bot der Bamberger

Erzbischof Ludwig Schick seine Hilfe

an, brachte die Schwestern zunächst

nach Vierzehn Heiligen, dann ins leer

stehende Pfarrhaus der Sankt-Marien-

Kirche in Markt Bibart.

Den Regeln des Ordens folgend,

leben die Schwestern in Stille und

Kontemplation („Betrachtung“). Das

klingt zunächst fast so, als hätten sich

drei Freundinnen entschlossen, auszusteigen,

also der Welt den Rücken

zuzukehren. Schließlich beschränkt

sich der Lebensbereich – von wenigen

Ausnahmen abgesehen – tatsächlich

nur auf den Wohntrakt im Pfarrzentrum

und den kaum 600 Quadratmeter

großen Garten.

Der stets willkommene Besucher

wird umso mehr überrascht von

der Offenheit der Schwestern. Im

Gespräch stellt sich schnell heraus,

dass zwischen dem selbst gewählten

Oberin Theresia mit einem

ihrer Ikonenbilder

Rückzug, der so genannten Klausurierung,

und dem hohen Interesse

an gesellschaftlichen Entwicklungen

und persönlichen Schicksalen anderer

Menschen kein Widerspruch liegt. Im

Gegenteil: Die Heilige Klara hat wie

deren Weggefährte, der Heilige Franziskus,

das Armutsideal gepredigt,

gleichzeitig aber eine Konzentration

auf geistige Inhalte gefordert. „Betteln“

gehört mithin zum Wesen des

Ordens. Als „Gegenleistung“ nehmen

die Schwestern den Spender ins fürbittende

Gebet auf. Klarissen-Kapuzinerinnen

brauchen also zum Überleben

Im Pfarrgarten: Ein farbenfrohes Pflanzenparadies mit Brunnen

und einem (geschenkten) Trampolin

den engen Kontakt zu ihrem Umfeld.

Sehr häufig siedeln sie sich sogar ganz

bewusst in der Nähe von oder sogar in

größeren Städten an.

Nicht nur, aber gerade dort, steigt

der Zahl der Menschen, die raus

wollen aus dem stressigen Alltag mit

Burnout und seelischer Leere, rein

in ein von Gesang, Meditation und

Gebet bestimmtes, geregeltes Leben,

wenn auch nur auf Zeit. Sie suchen

Zuflucht, Rat, den inneren Frieden

in einer harmonischen Gemeinschaft

und vieles mehr. Um die komplexen

seelischen Nöte der Menschen

besser zu begreifen, bilden sich die

Schwestern fort. Oberin Theresia

etwa, ohnehin schon Erzieherin mit

heilpädagogischer Ausrichtung,

macht derzeit eine psychotherapeutische

Ausbildung. Christinnen, die

dieses professionelle Angebot nutzen

wollen, sind jederzeit willkommen.

Zur Finanzierung des bescheidenen

Lebens backen die Schwestern

Hostien, besticken Paramente

(Stoffe für den Gottesdienst), malen

Ikonen, verzieren Kerzen, bearbeiten

Filz und andere Stoffe. Auf der

Shop-Internet-Seite DaWanda findet

man bereits Pulswärmer aus Markt

Bibart. Die eigene Homepage zeigt:

Aussteiger sind die 3 Klarissen-

Kapuzinerinnen sicher nicht. Aber

auch der Begriff „Freundinnen“ passt

nicht so recht. Sie arbeiten und leben

gemeinsam auf engstem Raum,

teilen so manche Freud, so manches

Leid. Was sie eint, ist die innige

Liebe zu Gott und die Treue zum

Lebensideal der Heiligen Klara – wie

Schwestern im Geiste eben.

Klarissen-Kapuzinerinnen

Bahnhofstraße 3

91477 Markt Bibart

Tel.: 0 91 62 / 98 85 13

klarissen-kapuzinerinnen@t-online.de

www.klarissen-kapuzinerinnen-bamberg.de

43


4 Fragen an Pater Josef

Der Heilige Franziskus träumte

als reicher Kaufmannsohn –

Ihre Ordensprovinz schreibt von

einen „Playboy“ – davon, Ritter

zu werden, zog euphorisch in den

Krieg, strebte nach Ruhm und

Reichtum. Dann hatte er mehrere

Gotteserfahrungen, er begann ein

Leben mit der „Braut und Herrin

?

Armut“, er pflegte Aussätzige, sprach mit Tieren.

„Il Pazzo“, nannten ihn Zeitgenossen, den „Verrückten“.

Was fasziniert Sie denn an diesem radikalen

Aussteiger, dass Sie dessen Ordensregel befolgen

Am Anfang standen nicht die Ordensregel, eine

Wallfahrt nach Assisi, Schriften und Prospekte zu

Franziskus und seinen Gemeinschaften, sowie eindrückliche

Großveranstaltungen. Das alles kam später.

Am Anfang standen schlichte, überzeugende Menschen

mit einem weitherzigen Glauben! Sie trugen

einfach die Züge Gottes in ihrem Wesen und im

Umgang mit Menschen. Als junge Leute aus unserer

Kolping-Clique in Grünstadt mich, den 18jährigen

Wehrdienstleistenden, 1976 ins Kloster Oggersheim

(ein Stadtteil von Ludwigshafen am Rhein)

„abschleppten“, ahnte ich nicht, dass der Besuch der

Jugendmesse mit Laudato-si-Liedern, Teestube und

ein Meditationskurs bei Pater Fidelis über Silvester

solche Wirkung haben sollten. Der einfache Lebensstil

gepaart mit frohem Glauben und Engagement

für ChristInnen in Honduras, das Leben aus der Heiligen

Schrift und den Sakramenten der Kirche führte

Menschen verschiedenster Herkunft in der Kapellengasse

10 zu einer starken Gemeinschaft zusammen.

Die fünf Novizen und drei Minoritenpatres zogen

mich und viele andere an.

Wer sich für ein Leben im Kloster entscheidet, verzichtet

auf Vieles, so die landläufige Meinung. Verzichten Sie

Manchmal spüre ich deutlicher, dass meine

Lebensform mir Grenzen auferlegt. Meine Geschwister

sind allesamt verheiratet und haben Kinder. Ich

bin gerne Onkel, da kommt einem natürlich auch der

Gedanke, ob man nicht gerne auch Vater wäre. Andererseits

darf ich für viele Menschen

Vater im weiteren Sinn

und Weggefährte auf Zeit sein.

Freunde, Vertraute, aber auch

Fremde kommen zu mir und

suchen Trost, Halt, Hoffnung.

Da bekomme ich sehr viel

Vertrauen geschenkt, das bringt

nicht jeder Beruf mit sich. Das

Armutsgelübde hindert mich ja auch nicht daran, den

einen oder anderen „Luxus“ zu genießen wie eine

Fahrt als Beifahrer im Cabrio oder auf dem Motorrad.

Ich strebe aber nicht danach und so fehlt es mir auch

nicht. Definitiv gewinne ich durch mein Leben im

Kloster Zeit zum Gebet, zur inneren Einkehr, zum

täglichen gemeinsamen Essen mit den Mitbrüdern,

für einen vielfältigen Dienst an Menschen. Meine

Ordensgemeinschaft sorgt für mich – auch in Alter

und Gebrechlichkeit – und lässt mich in den Auseinandersetzungen

– dazu gehören auch Versetzungen –

reifer werden. Und so gewinne ich letztlich eine große

innere Kraft und Freiheit sowie die Überzeugung,

dass der liebe Gott mich so, wie ich bin, immer wieder

überraschen und gewinnen kann.

?

Spüren auch Wallfahrer oder Besucher des Bildungshauses

Schwarzenberg etwas von Franziskus’ Geist

Franziskanische Schwestern und Brüder werden

im Allgemeinen als volksnah erlebt. In unserem

auch für Ökumene und neue gesellschaftliche Entwicklungen

offenen Haus wird jeder Besucher Stille

und Gemeinschaft erleben, Frieden und auch Antworten

finden können – gleich, ob er nur einen Gottesdienst

oder Vortrag besucht oder aber eine der vielen

mehrtägigen Angebote und Reisen oder Urlaub

im Kloster wahrnimmt. Ich bin seit März 2004

im Bildungshaus Kloster Schwarzenberg. Meine

Aufgabe ist es, einen über Jahre gewachsenen

geistlichen Ort mit den Säulen Bildung, Begegnung,

Stille mit Brüdern und Schwestern weiterzuführen.

Mein Ziel ist, den christlichen Glauben und

die geschwisterliche Gemeinschaft als Lebenshilfe

erfahrbar zu machen und mittendrin: das Geheimnis

Gottes. Unausschöpflich, immer für Überraschungen

Foto Koch, Kitzingen

44


gut, tragend, wert, sich ganz und gar zu investieren.

Ich erlebe das täglich als Gewinn, eingebunden in ein

buntes franziskanisches Beziehungsnetz mit Brüdern

und Schwestern in der Kirche und der ganzen Welt,

die Schöpfung eingeschlossen.

?

Ist denn der Pater Josef auch mal nicht Klosterbruder

Meine „Uniform“, die schwarze Kutte der

Franziskaner Minoriten und der Gürtel mit

den drei Knoten – sie stehen für unsere drei Versprechen

– machen natürlich auch nach Außen sichtbar,

wer ich bin, wohin ich gehöre. Und auch in zivil

höre ich nicht auf, meiner Berufung zu folgen. Aber

das ist ja keine Zwangsjacke. Ich genieße die wunderbare

Natur, gerade auch um Schwarzenberg, ich lese

gerne Bücher vor allem im Grenzbereich von Literatur

und Religion, von Menschen auf dem Weg zu Gott.

Ich mag gehaltvolle Filme, weil ich Dinge auch gerne

mit den Augen wahrnehme, Musik höre ich von Bach,

unseren Minoritenmeistern bis Grönemeyer und mag

Rosen sehr. Wir in der franziskanischen Familie sind

eben Menschen, von unserem Ordensgründer zur

Heiterkeit aufgerufen.Wir sind Grenzgänger: mit

beiden Beinen auf der Erde und mit einer Sehnsucht

nach Mehr, dass sich der Himmel immer wieder über

uns auftut.

45


Schlüsselfeld

Fahrsicherheit und

im Herzen Frankens

Das ADAC Fahrsicherheitszentrum

in Schlüsselfeld hat im vergangenen

September nach knapp

anderthalbjähriger Bauzeit seine

Pforten geöffnet. Auf Europas modernster

Trainingsanlage kann sich

seitdem jeder Verkehrsteilnehmer

im Umgang mit allen nur denkbaren

Fahrzeugtypen perfektionieren.

Mit den Fahrtrainings leistet

der ADAC Nordbayern einen

großen Beitrag zur Erhöhung der

Verkehrssicherheit.

Hier lernen die Teilnehmer das

Verhalten in Gefahrensituationen

und werden damit auf die wachsenden

Anforderungen des Straßenverkehrs

vorbereitet. Die Möglichkeiten

auf dem zwölf Hektar

großen High-Tech-Gelände direkt

an der Autobahn A3 Nürnberg-

Frankfurt (Ausfahrt Schlüsselfeld)

sind riesig. Es können bis zu sechs

Kurse gleichzeitig durchgeführt

werden.

Individual- und Firmenkurse

auf zwei und vier Rädern

Von Kursen für Fahranfänger

über spezielle Trainings für Frauen

oder Senioren wird in Schlüsselfeld

die ganze Kurspalette angeboten.

Ob Vielfahrer oder nur gelegentlich

unterwegs – jeder Interessent

wird passend eingruppiert. Das gilt

ebenso für den gewerblichen Güterund

Personenverkehr. In Schlüsselfeld

wird stark auf die speziellen

46


Fahrerlebnis

1 Motorrad-Kreisbahn (ø 29 m)

2 Bus-/Lkw-Dynamikfläche (225 x 44 m)

3 Pkw-Dynamikfläche (180 x 32 m)

4 Kurven-Gefällstrecke (170 x 33 m)

5 Handlingstrecke (823 x 8 m)

6 Kreisbahn (ø 80 m)

7 Multifunktions- und Eventfläche (6700 m 2 )

8 Parkplatz 1

9 Veranstaltungsgebäude

10 Parkplatz 2 / Ausweichfläche

• Gleitbeläge

• plötzlich auftauchende Wasserhindernisse

• mechanische Hindernisse

• Geschwindigkeitsmessanlagen

• Gefällestrecke

• Schleudersimulator

• speziell ausgebildete Instruktoren

• Übersichtsplan

QM Zertifizierung nach ISO 9001:2008

1

10

2

8

9

3

7

6

4

Lkw- und Bus-Trainingsangebote

gesetzt, weshalb man dort auch die

gesetzlich geforderte Berufskraftfahrerweiterbildung

absolvieren kann.

Natürlich kommen im FSZ auch die

Motorradfahrer nicht zu kurz. Ob

Bremsen, Ausweichen, Spurwechsel

oder Fahren in realitätsnahen

Geschwindigkeiten: In Schlüsselfeld

können sie alle Manöver trainieren.

Auf eines legen der Leiter des Fahrsicherheitszentrums

Jörg Macharski

und sein Team besonderen Wert: Die

Module

1 Motorrad–Kreisbahn

2 Bus-/Lkw–Dynamikfläche

Trainings sollen gemäß dem Motto

3 Pkw–Dynamikfläche

„Lernen 4 Kurven–Gefällstrecke

durch Erleben“ vor allem Spaß

5 Handlingstrecke

machen 6 Kreisbahn und die Freude am Fahren

steigern.

7 Multifunktions-

Macharski

und

ist überzeugt:

Eventfläche

8 Parkplatz 1

„Wer sein 9 Veranstaltungsgebäude

Fahrzeug in Schlüsselfeld

10 Parkplatz 2 / Ausweichfläche

besser kennen und beherrschen lernt,

der hat mehr vom Alltagsverkehr, egal

ob er beruflich oder privat unterwegs

ist. Wir wissen, wovon wir reden, denn

der ADAC hat eine jahrzehntelange

Erfahrung und Kompetenz bei der

Konzeption und Durchführung von

Sicherheitstrainings.“

5

Gelände

Grundstück 435 x 400 m 12,5 ha

Asphaltfläche 53.000 m²

Gleitbeläge 6.000 m 2

Speicherbecken u. Regenrückhaltebecken 2.500 m³

Bewässerungsleitungen

1.500 m

Erdbewegungen 200.000 m³

Böschungssicherung 6.000 m²

47


Von der Aussichtsterrasse lassen sich

das Gelände und die Geschehnisse ideal

überblicken

Im Gebäude befinden sich über der Tiefgarage

das Restaurant „S-Kurve“, die großzügige

Eventhalle, Büros und acht Seminarräume

mit zeitgemäßer Tagungstechnik

Neben dem privaten Pkw-Lenker finden

vor allem auch Berufskraftfahrer die idealen

Voraussetzungen für Training und Weiterbildung

Die Fahrzeuge werden automatisch

instabil und die Kursteilnehmer

können sich ganz auf das Gegenlenken

und Abfangen des Wagens

konzentrieren. Auf einer Strecke mit

neun Prozent Gefälle, mit Gleitbelag

und mechanischen Hindernissen

ausgerüstet, werden Bergabfahrten

und Bremssituationen bei Straßenglätte

realitätsnah simuliert.

Der Großteil der Übungen wird

auf bewässerten Fahrbahnen absolviert.

Dadurch kommt es zu keinem

messbaren Reifenverschleiß. Den

praktischen Übungen auf der Außenanlage

ist immer ein locker gestalteter

theoretischer Teil im modernen

Schulungs- und Verwaltungsgebäude

vorangestellt. Dort ist auch das

Restaurant untergebracht, in dem

man in den Pausen bei Speisen und

Getränken die gewonnenen Eindrücke

entspannt wirken lassen kann.

Nahezu unbegrenzte

Möglichkeiten

Die nahezu unbegrenzten Trainingsmöglichkeiten

in Schlüsselfeld

orientieren sich an möglichst praxisnahen

Bedingungen. Mit Hilfe

modernster elektronischer Steuerungstechnik

werden auf der 15

Millionen Euro teuren Anlage Fahrund

Gefahrensituationen simuliert,

wie man sie täglich im Straßenverkehr

erleben kann. Dazu schießen

Wasserfontänen als plötzlich

auftauchende Hindernisse aus der

Fahrbahn, es gibt eine 823 Meter

lange Handlingstrecke, eine Kreisbahn

mit 80 Metern Durchmesser

und einen Schleudersimulator, der

den Fahrzeugen buchstäblich den

Boden unter der Achse wegzieht.

Dieser Effekt wird mit Hilfe einer

in die Fahrbahn eingelassenen hydraulisch

bewegten Platte erreicht.

Events und Specials

Ab Gruppen von zehn Personen

organisiert das FSZ auch Sondertrainings

jeder Art. Beispielsweise

für Firmen und Vereine, die ihren

Kunden, Mitarbeitern oder Mitgliedern

etwas Besonderes bieten

wollen. Ein Novum im Bereich der

Fahrsicherheitszentren ist die große

Eventhalle, die für Veranstaltungen

jeder Art gemietet werden kann.

Damit eignet sich das FSZ ebenso

hervorragend für Produktvorstellungen,

Präsentationen und Feiern

aller Art. Die Veranstaltungen

lassen sich individuell und nach

eigenen Ansprüchen gestalten.

Infos und Buchung:

www.fahrerlebnis-bayern.de

Tel: 09552/93080-0

48


»Das Museum mit Scharm«

Ein barockes Rathaus nach der Sanierung in

einen „Tempel der Kultur“ umzufunktionieren –

diese Aufgabe stellte sich dem Stadtrat Ende der 80er

Jahre bis sich 1993 die Tür zu einem neuen Steigerwaldmuseum

öffnen konnte, eingerichtet von einem

ehrenamtlichen Team mit Sinn für Anfassen und

Begreifen, mit den Füßen auf dem Boden.

Anstatt eines reinen Vitrinenmuseums entstand so

ein Erlebnisraum für Groß und Klein.

Mit dem Boden unter unseren Füßen, den Steinen

aus dem Keuper, beginnt auch der Rundgang. Es folgen

die Tiere und Naturerscheinungen der Region, das

Leben der Menschen darin rundet das Bild ab.

Einen wichtigen Bestandteil der Ausstellung bildet

die Porzellangeschichte in Europa, bezogen auf eine

örtliche Manufaktur vom Ende des 18. Jahrhunderts.

Die nebenbei entstandene Spezialsammlung an

Porzellan-Salzstreuern ist inzwischen eine der größten

ihrer Art.

Wer in diesen Räumen trockene oder verstaubte

Wissensvermittlung vermutet, den wird schon bald der

– manchmal auch etwas hintergründige – fränkische

„Scharm“ einfangen.

Darüber hinaus gehören auch Sonderausstellungen

und ein buntes Jahresprogramm

aus Musik, Dichtung und

Kabarett bei einem Schoppen

Frankenwein zu diesem

sympathischen Haus.

»Die romantische

Kleinstadt mit Flair...«

ist das optimale Ausflugsziel

am Eingang des Steigerwaldes

Anfahrt über die A 3 – Ausfahrt Schlüsselfeld

hat viele Sehenswürdigkeiten, zum Beispiel

die mittelalterliche Altstadt

mit großem fränkischen Marktplatz

das bekannte Stadtmuseum

mit den Schwerpunkten Geologie, Natur,

Leben im Steigerwald,

Kirchen, wie die gotische Pfarrkirche

St. Johannes d. T., die barocke Marienkirche

„Klein-Mariazell im Steigerwald“,

die St. Laurentiuskirche mit dem spätgotischen

Flügelaltar in Aschbach und im gesamten

Stadtgebiet viele weitere Kirchen mit jeweils

eigenem traditionellem und auch modernem

Gepräge

die Schlösser in Aschbach und Reichmannsdorf

Von Schlüsselfeld aus kann man zahlreiche

Wanderungen oder Radtouren durch den

Naturpark Steigerwald starten.

Gleichzeitig ist Schlüsselfeld der ideale

Ausgangspunkt für Ausflüge:

in das 1000jährige Bamberg, in die alte Reichsstadt

Nürnberg, ins unterfränkische Würzburg.

Gemütliche Hotels, Gasthöfe und Pensionen

sorgen für einen erholsamen Aufenthalt.

im Steigerwald

geöffnet

Ostern bis Advent jeweils sonntags 10 – 16 Uhr

und nach Vereinbarung.

Auf Wunsch können Schulklassen, Kinderund

Jugendgruppen, auch Kindergeburtstage,

museumspädagogisch betreut werden.

Kontakt: Museumsleitung Friedel Auer 09552/1763

Info

Stadt Schlüsselfeld, Marktplatz 5,

96132 Schlüsselfeld

www.schluesselfeld.de

Tel. 09552 / 9222-0, Fax 0 9552 / 92 22-30

E-Mail: stadt@schluesselfeld.de

49


Schlüsselfeld

Der

Schlüsselfelder

Bürgerwald

echtholz

und sein

Die Pflege einer

alten Tradition

oder:

Wertschöpfung

im Wald

Wie es der Name schon verrät,

spielt der Wald im Steigerwald

eine wichtige Rolle. Nachdem sich

der Steigerwald auf drei Regierungsbezirke,

sechs Landkreise

und viele Gemeinden und Städte

erstreckt, ist es am einfachsten,

den Naturpark Steigerwald als

Vergleichsgröße zu wählen. Dieser

erstreckt sich auf 1280 qkm.

Davon sind über 40 % Wald, also

mehr als 500 qkm. Neben Staatswald

und reinem Privatwald sind

ca. 150 qkm Körperschaftswald.

Dieser Wald gehört meist einer

Kommune, also einer Gemeinde

oder einer Stadt.

Im südlichen Steigerwald haben

sich im Laufe der Jahrhunderte

Sonderformen der Waldnutzung

entwickelt wie Niederwälder,

Mittelwälder, Hutewälder. Hier

bestimmt die Mischung von

wärmeliebender Eiche und natürlich

vorkommender Buche die

Wirtschaftsweise. Im nördlicheren

Bereich sind wegen des kälteren

Klimas die Buchen dominant. Im

Rahmen der Waldwirtschaft wurden

dann die schneller wachsenden

Nadelbaumarten, vorwiegend die

Fichte, gepflanzt. Spezielle Formen

der gemeinschaftlichen Waldnutzung

sind hier Tradition.

Die Stadt Schlüsselfeld pflegt

eines dieser alten „Waldrechte“,

ihren Bürgerwald. Auf einer Fläche

von 245 ha wird jährlich Holz für

die Rechtler eingeschlagen und

verteilt, das Rechtholz.

Aus der Gemeinschaftsbewirtschaftung

des Mittelalters hervorgegangen,

gab es in Franken

immer Acker-, Wiesen- und Waldflächen,

die der Gemeinschaft,

nicht aber einem einzelnen Eigentümer

zugeordnet wurden. Dieser

„Zustand“ endete mit der Eingliederung

Frankens in das Königreich

Bayern zu Beginn des 19.

Jahrhunderts. Grundbücher wurden

eingeführt, Eigentum musste

an natürlichen oder juristischen

Personen festgeschrieben werden.

Damit gelangte der Bürgerwald in

die Hände der Stadt Schlüsselfeld.

Diese verteilt nun jährlich das

Rechtholz.

Jeder Rechtler, ursprünglich 74

Bürger der Stadt innerhalb der

Stadtmauer, nun noch 69 Bürger,

hat einen Anspruch auf acht Ster

Brennholz aus dem Bürgerwald.

50


1 Ster: die 1 Meter

langen Holzstücke werden

auf einem Meter Breite

einen Meter hoch

gestapelt

Dieses Recht ruht nicht in der

Person, sondern auf dem jeweiligen

Anwesen und wird mit diesem

verkauft oder vererbt. Nachdem

sich jetzt einige Bürger ihr Recht

in Geld auszahlen lassen, muss die

Stadt jährlich noch ungefähr 300

Ster Holz verteilen. Und das ist

einfach und kompliziert zugleich:

Fotos: Hanns Peter Bacherle

Die städtischen Waldarbeiter

schlagen das Holz ein, schneiden es

auf ein Meter lange Stücke, spalten

diese zum Trocknen auf und setzen

sie jeweils auf einen Ster auf. (Für

des Waldes Unkundige: der Ster

ist ein Raummaß, einen Meter

lang, einen Meter breit und einen

Meter hoch, mit Luft zwischen den

Holzstücken). Jeder Stapel erhält

eine Nummer und ist als Hartholz

(Laubholz) oder Weichholz (Nadelholz)

gekennzeichnet. Außerdem

ist die genaue Lage vermerkt,

muss das Holz doch von seinem

zukünftigen Eigentümer im Wald

gefunden werden. Mit dieser Liste

werden in der Stadtverwaltung

Lose zu je vier Ster zusammengestellt.

Jedes Los soll mindestens

einen Ster Hartholz enthalten.

Die Lose sollen möglichst gleichwertig

sein.

Nun ist etwas Zeit. Das Holz

muss trocknen; die Waldwege

ebenso, bis ohne Schaden das Holz

abgefahren werden kann. Dann

muss das Holz verteilt werden.

Am gerechtesten geschieht dies

durch verlosen. Dazu wird vom

Gemeindediener eingeladen. Er

geht mit seiner Liste von Rechtlerhaus

zu Rechtlerhaus und teilt

den Tag der Verlosung mit, der

genaue Zeitpunkt – nämlich 18

Uhr – und der Ort, immer der Sitzungssaal

im Rathaus, stehen fest.

Die Verlosung erfolgt nach den

alten Hausnummern. In einem

Jahr wird mit der niedrigsten

Hausnummer begonnen, im nächsten

Jahr mit der höchsten. Der

Bürgermeister ruft den jeweiligen

Rechtinhaber auf. Dieser zieht

sein Los, öffnet es, legt es der

Schriftführerin vor. Diese trägt

den Namen des Rechtlers in das

Losverzeichnis ein und der Rechtler

unterschreibt die Übernahme

des Holzes.

Bis alle Rechtler ihr Los gezogen

haben, dauert es etwa eine Stunde.

Wer beim Aufrufen seines Namens

nicht anwesend war, muss bis zum

Ende der Verlosung warten. Erst

dann kommt er an die Reihe. Das

Eigentum am Holz geht mit der

Verlosung auf den Rechtler über.

Die meisten Rechtler fahren sofort

nach der Verlosung in den Wald,

um ihr Holz zu suchen. Nachdem

in letzter Zeit häufiger Holz im

Wald gestohlen wurde, wird das

Rechtholz meist in den nächsten

Tagen schon aus dem Bürgerwald

nach Hause geholt.

Von außen betrachtet ist das eine

feine Sache mit dem Rechtholz.

Während in den üblichen Rechtlerwäldern

die Rechtler ihr Holz

selbst einschlagen und aufsetzen

müssen, wird dies in der Stadt

Schlüsselfeld von der Kommune

erledigt. Dies spart den Rechtlern

viel Arbeit und vor allem

Gerätschaften wie Motorsäge und

Holzspalter.

51


unten: Ein weiterer Baustein des

dörflichen Kommunikationszentrums ist

die Bücherei mit vielen gespendeten

Romanen und Fachbüchern

rechts: Petra Huprich, stellvertretend

für die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter

der Dorflinde, wird als erste „EhrenWert“-

Preisträgerin ausgezeichnet

Wertschöpfung

Fotos: Oliver Hug

Vergleich der

Brennholzpreise

In Zeiten, in denen Heizöl billig

war und viele die harte Arbeit

im Wald scheuten, lag auch der

Brennholzpreis darnieder. Doch

in den letzten Jahren ziehen die

Holzpreise an. Aktuell liegt der

Brennholzpreis über dem für Industrieholz.

Heimische Trendhölzer

Außerdem haben sich für einige

Holzarten, die früher eher „wertlos“

waren und nur für Brennholz

verwendet wurden, nun auch

Marktnischen aufgetan. So z.B.

beim Buchenholz. Buchen haben

die Eigenschaft, ab einem Alter

von ca. 80 bis 100 Jahren einen

farbigen Kern zu bilden. In Zeiten,

in denen Buchen gleichmäßig hell

sein mussten, eine Farbe nur über

die Holzverarbeitung, über Dämpfen

und Lackieren erhielten, waren

kernige Buchen nur als Brennholz

Vergleich Brennwert

Holz/Öl bzw. Erdgas

In 1 kg Holz stecken

4 KW Energie,

in 1 l Heizöl 10 KW.

1 Ster Buchenholz

entspricht in etwa

220 l Heizöl oder

220 m³ Erdgas.

Bei Weichholz (= Nadelholz)

liegt der Energiegehalt

etwas niedriger.

zu vermarkten. Als Folge wurden

die Buchen meist relativ jung

eingeschlagen und als Stammholz

verkauft. Die ökologisch hochwertigeren

älteren Buchen erzielten

nur Brennholzpreis. Aber die

Holzmode verändert sich ständig,

jetzt fast alle fünf Jahre. Auch die

Kernbuche wurde modern und

zum Möbelholz. In allen Möbelprospekten

wurde Kernholz oder

Wildbuche angeboten. Die Kunden

sprachen auf diesen Trend an.

Und damit ließ sich plötzlich auch

für die älteren Buchen ein fairer

Preis erzielen. Hoffen wir, dass

dieser Trend anhält.

Beim Brennholz liegen die Holzpreise,

abhängig von der Qualität,

jetzt auf hohem Niveau. Für gutes,

abgelagertes Hartholz wird bis zu

70 €, für Weichholz um die 40 €

gezahlt. Und so haben die 8 Ster

Rechtholz aus dem Bürgerwald

auch ihren Wert. Je nach Zusammensetzung

errechnen sich bei 7

Ster Weich- und einem Ster Hartholz

350 €, bei 4 Ster Weich- und

gleichem Hartholzanteil 440 €.

Damit wird die ohnehin notwendige

Waldpflege und Durchforstung

wieder „wertvoll“.

52


Themen

Orte

Kennen Sie Menschen mit außergewöhnlichen Hobbys, Fähigkeiten?

Verraten Sie uns Ihren Lieblingsplatz?

Wissen Sie von Projekten oder Ereignissen,

die es Wert sind, dass auch

andere davon erfahren?

Skurriles, Vergessenes,

Entdecktes, Übersehenes…

Menschen

Ideen

Geben Sie uns Bescheid:

LAG Südlicher Steigerwald e.V.

Hauptstr. 3 | 91443 Scheinfeld

lag-steigerwald@t-online.de

Im nächsten einSteiger können wir darüber berichten.

09162 / 92 31 57

Der

macht weiter!

Und Sie haben die Möglichkeit,

preiswert in diesem interessanten Umfeld

für sich und Ihr Unternehmen oder

Ihre Veranstaltung zu werben.

So groß ist z.B. eine viertel Seite Hochformat: 92,5 x 130

…und soooo auffällig!

Weitere Formate und Preise:

09162 / 923157

Seit 1190 Jahren

ein mobiler Marktflecken

im Naturpark Steigerwald!

Markt

Markt Bibart

2000 Einwohner fühlen sich in der lebendigen

Wohngemeinde mit seinen fünf Ortsteilen daheim!

Gesunde Infrastruktur

Allgemeinarztpraxis und Zahnarztpraxis,

Ambulanter Pflegedienst, Apotheke,

Sparkasse und VR-Bank,

Grundschule, Kindergarten mit Kleinkindgruppe,

4 Kinderspielplätze und Skaterbahn,

VHS-Zweigstelle,

Einkaufszentrum und weitere Einkaufsmöglichkeiten,

Gastronomie,

modernes Schützenhaus und Sportheim,

Reitverein mit Reithalle, 32 Vereine,

3 Musikkapellen, 2 Chöre,

60 bis 70 Veranstaltungen im Jahr, Mehrzweckhalle,

historische Kirchen,

attraktiver Bahnhof –

stündliche Zuganbindung an den VGN Nürnberg

und den VVM Mainfranken Würzburg –

120 Park & Ride-Parkplätze,

Start- und Zielpunkt vom „Bocksbeutel-Express“,

Ferngas, Bundesstraße 8.

Solide Industrie- und Gewerbebetriebe

mit über 400 Arbeitsplätzen

Schwerpunkt Holzindustrie,

Standort „Gewerbepark Steigerwald“,

12 ha großer Solarpark,

leistungsstarke Landwirtschaft.

Natürliche Umgebung

1000 ha Mischwald, wertvolle Biotope, Tor zum Steigerwald,

ca. 40 km Wanderwege und neues, asphaltiertes Fuß- und

Radwegenetz um Markt Bibart – Anbindung an die „Talauen-

Radwege“, sowie den Radweg „Vom Main zur Aisch“,

Aussichtsturm.

Preisgünstige Bauplätze von 29,- bis 50,- €/m²,

Gewerbeflächen ab 10,- €/m²

Foto: Mr.Nico_photocase.com

Anzeigen

Info

Gemeinde Markt Bibart

1. Bürgermeister L. Günther

Rathausgasse 2, 91477 Markt Bibart

Telefon 0 91 62 / 82 47, Fax 0 91 62 / 84 61

E-Mail: kanzlei-marktbibart@t-online.de

www.markt-bibart.de

53


VORSCHAU

Bandbreite

Im ländlichen Raum stellen sakrale

Baudenkmale und Kunstwerke

oft die eindrucksvollsten Zeugnisse

des kulturellen Lebens dar. Dabei

reicht das Spektrum vom kleinen

Bildstock in der Landschaft bis hin

zu imposanten Kirchenbauten. Dass

auch kleine Dorfkirchen überraschende

Schätze bergen, zeigen die

beiden Beispiele auf diesen Seiten.

Rund 500 Jahre liegen zwischen der

Entstehung der beiden figürlichen

Malereien. Entdeckungen lassen sich

in jeder Steigerwaldgemeinde machen.

Wir werden Ihnen im nächsten

einSteiger eine Reihe von Kirchen

vorstellen, die ebenfalls eine nähere

Betrachtung lohnen.

Die Kirche in Markt Taschendorf

stammt im Kern

aus dem frühen 15. Jahrhundert.

In dieser Zeit, der

Frühgotik, entstanden auch

die Deckenfresken der vier

Evangelisten, von denen hier

Lukas abgebildet ist, erkennbar

an seinem Attribut, dem

Stier.

Ein ebenfalls gotisches,

3x2 Meter großes Fresko, das

den Traum Jakobs darstellt,

befindet sich im Kirchenschiff.

Deckenfresko in der Kirche St.-Johannes Baptista,

Markt Taschendorf

Foto: Marion Hug

Mit dem

Steigerwald-Express

nach Ebrach

Für Sie ab Bamberg unterwegs:

vom 1.5. bis 1.11.,

an Sonn- und Feiertagen

Mehr Infos im Internet unter:

www.vgn.de/freizeit

Verkehrsverbund Großraum Nürnberg

54 36

Gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

und den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)


Altarbild in der Kirche St. Josef,

Heuchelheim (Schlüsselfeld)

Vom Dipl. Theologen und

Bildhauer Franz Hämmerle

aus Windach am Ammersee

wurde der gesamte Chorraum

der Schlüsselfelder Filialkirche

im Ortsteil Heuchelheim

neu gestaltet.

Das Thema des Tisches

wird im Altarblatt illusionistisch

wieder aufgenommen.

Dem Barock des Gebäudes

entsprechend komponiert

wirkt das Bild durch Lichtkontraste

mit Zentrum

und Nebenzentren und

Raumbewegung.

Der mächtige architektonische

Rahmen

bindet das Altarblatt

in den Raum ein.

Foto: Oliver Hug

EBRACH, einziger staatl. anerkannter Erholungsort im Steigerwald,

bietet sowohl für den Kulturliebhaber als auch für den Naturfreund

ganz besondere Schätze.

Während die Einen sich in die Zeit der Zisterzienser zurückversetzen

lassen und sich die ehemalige Klosterkirche, das Treppenhaus, den

Kaisersaal und das Museum der Geschichte Ebrachs ansehen können,

bieten die vielen Rund- und Fernwanderwege rund um Ebrach viel

Spielraum für ausgedehnte Wanderungen.

Das jährliche musikalische Highlight ist auch 2012 wieder der

„Ebracher Musiksommer“, der mit vielen bekannten Orchestern

sowohl im Kaisersaal als auch in der ehem. Klosterkirche stattfindet.

Nähere Informationen über Führungen, Wanderungen, das Programm

zum „Ebracher Musiksommer“ etc. erhalten Sie:

EBRACH

www.Ebrach.de

Markt Ebrach

Rathausplatz 2

96157 Ebrach

Tel. 0 95 53 / 9 2200

info@ebrach.de

55


Gratis zum

Mitnehmen

Der kulinarische Gäste(ver)führer 2012

2. Jahrgang, entstanden als LEADER-Projekt

Gaststätten

Direktvermarkter

Kultureinrichtungen

Adressen

Reportagen

NATURPARK

STEIGERW LD

©

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!