Patientenmagazin "Medizin mit Durchblick", Ausgabe 5, Mai 2015
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<strong>Ausgabe</strong> 5 / <strong>Mai</strong> <strong>2015</strong><br />
Herausgegeben von der<br />
Deutschen Röntgengesellschaft e.V.<br />
<strong>Medizin</strong> <strong>mit</strong> Durchblick<br />
Das Radiologie-Magazin für Patienten<br />
PROMI-UMFRAGE<br />
Welche gute Nachricht hat<br />
Ihnen Ihr Arzt<br />
kürzlich überbracht?<br />
KUNST<br />
Mit Röntgenbildern<br />
Geheimnisse lüften<br />
RADIOTHERAPIE<br />
Heilen <strong>mit</strong> Strahlen<br />
MARIE CURIE<br />
Ein Leben für<br />
die Forschung<br />
Norwegens<br />
Kronprinzessin<br />
Mette-Marit<br />
musste sich einer<br />
OP an der<br />
Halswirbelsäule<br />
unterziehen<br />
Rückenprobleme<br />
Endlich<br />
schmerzfrei!<br />
Mehr als 80 Prozent der Deutschen leiden unter dem<br />
Kreuz <strong>mit</strong> dem Kreuz: Welche Therapien wirklich helfen
se 1-1<br />
achwerk alt<br />
achwerk neu<br />
efach ausgemauert<br />
en-Eckbalken schräg<br />
Wohl<br />
kaum eine<br />
24/12<br />
Entdeckung<br />
13<br />
12/12<br />
der Neuzeit hat derart<br />
*<br />
tiefgreifende<br />
10<br />
14<br />
OK FB<br />
Veränderungen 10/20<br />
U180<br />
in der<br />
11/9<br />
Wissenschaft ausgelöst<br />
wie die Entdeckung der<br />
X-Strahlen<br />
OK FB = OK Schwelle OK FB = OK Schwelle -8,5<br />
durch Wilhelm Conrad Röntgen.<br />
*<br />
Mit dem Erwerb seines Geburtshauses durch die Deutsche Röntgengesellschaft bietet sich nun die<br />
Möglichkeit, dieses Haus zu einem gemeinsamen Erbe der Naturwissenschaften und der <strong>Medizin</strong><br />
zu gestalten und so<strong>mit</strong> das Andenken an Wilhelm Conrad Röntgen zu fördern und zu pflegen.<br />
Unterstützen Sie uns <strong>mit</strong> Ihrer Spende!<br />
www.roentgen-geburtshaus.de Spendenkonto: IBAN: DE 44 5004 0000 0403 2686 12 / BIC: COBADEFFXXX
EDITORIAL<br />
Prof. Dr. Dierk Vorwerk,<br />
Präsident der Deutschen<br />
Röntgengesellschaft e. V.<br />
Dr. med. Helmut Altland,<br />
1. Vorsitzender Berufsverband<br />
der Deutschen Radiologen<br />
Liebe Leser, sehr geehrte Patienten,<br />
<strong>mit</strong>tlerweile geht unser <strong>Patientenmagazin</strong> in seine fünfte Runde. Wiederum widmet es<br />
sich Themen rund um die Radiologie. Die Entdeckung der Röntgenstrahlen liegt dieses<br />
Jahr genau 120 Jahre zurück. Röntgen – ein Verfahren, das heute für selbstverständlich<br />
gehalten und oft auch misstrauisch betrachtet wird, hat – wie nur wenige andere Entdeckungen<br />
– die Welt der <strong>Medizin</strong> verändert. Endlich war es möglich, tatsächlich in den<br />
Menschen hineinzusehen! Die darauf folgende Euphorie war unbeschreiblich. In Hotels<br />
wurden Röntgengeräte als letzter Schrei aufgestellt, da<strong>mit</strong> die Gäste ihre Knochen betrachten<br />
konnten, Schuhe wurden nur noch unter Röntgenkontrolle angepasst – übrigens<br />
bis in die 1960er-Jahre.<br />
Das aktuelle Heft ehrt auch eine frühe Pionierin dieser Zeit, die <strong>mit</strong> ihrem Leben für<br />
ihre wissenschaftliche Euphorie bezahlt hat: Marie Curie. Erst durch das Schicksal der<br />
frühen Röntgenpioniere wurde man auf die potenziellen Gefahren des Röntgens aufmerksam<br />
und hat hierzu strenge Regelwerke und Gesetze aufgestellt, die diese Gefahren<br />
bei den diagnostischen Verfahren auf ein Minimum reduzieren.<br />
Des Weiteren stellen wir Ihnen neben dem Röntgen-Geburtshaus in Lennep auch andere<br />
Geburtsorte von großen Deutschen vor. Auf den Erwerb des Geburtshauses unseres Namensgebers<br />
ist die Röntgengesellschaft sehr stolz. Welche Organisation kann sich schon<br />
rühmen, das Stammhaus ihres Namensgebers zu besitzen – dies ist uns eine Verpflichtung.<br />
Auch die Radiologen haben sich im Dritten Reich von den Machthabern vereinnahmen<br />
lassen und sind den Zeichen der Zeit gefolgt. Die Deutsche Röntgengesellschaft hat<br />
hierzu eine wissenschaftliche Untersuchung beauftragt und auch eine Themenausstellung<br />
konzipieren lassen, die diese dunkle Zeit beleuchtet.<br />
Es soll aber nicht nur Geschichtliches sein, denn die Titelgeschichte widmet sich einem<br />
der Volksleiden – den Erkrankungen des Rückens. Schon seit der Mensch aufrecht laufen<br />
kann, hat sich dies zu einem Schwachpunkt unseres Körpers entwickelt, und die bildgebenden<br />
Verfahren der Radiologie wie Röntgen, Computertomographie und Kernspintomographie<br />
können hier viel zur Klärung der jeweiligen Ursachen beitragen.<br />
Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen und hoffen, dass auch dieses Heft Ihr<br />
Gefallen finden wird.<br />
Ihr Prof. Dierk Vorwerk, Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft, und<br />
Dr. med. Helmut Altland, 1. Vorsitzender Berufsverband der Deutschen Radiologen<br />
TITELFOTO: GETTY IMAGES<br />
Impressum<br />
Herausgeber:<br />
Deutsche Röntgengesellschaft e. V.<br />
Ernst-Reuter-Platz 10, 10587 Berlin<br />
Präsident: Prof. Dr. med. Norbert<br />
Hosten (Greifswald); ab <strong>Mai</strong> <strong>2015</strong><br />
Prof. Dr. Dierk Vorwerk (Ingolstadt)<br />
Geschäftsführung:<br />
Dr. med. Stefan Lohwasser<br />
Redaktionsleitung:<br />
Dr. Margit Pratschko (Text)<br />
Christine Ast (Art Direction)<br />
Bildbearbeitung: JournalMedia<br />
Nachdruck ist nur <strong>mit</strong> schriftlicher<br />
Genehmigung der Deutschen<br />
Röntgengesellschaft gestattet.<br />
Dies gilt auch für die Aufnahme in<br />
elektronische Datenbanken und<br />
Vervielfältigungen auf CD-ROM.<br />
Druck: Laserline Druckzentrum<br />
Scheringstr. 1, 13355 Berlin<br />
INHALT<br />
24 Themen & Trends Aus Wissenschaft und Forschung<br />
26 Titel: Rückenschmerzen Welche Therapien wirklich helfen<br />
12 Radiologie im Nationalsozialismus Eine sehenswerte Ausstellung<br />
arbeitet ein dunkles Kapitel deutscher <strong>Medizin</strong>geschichte auf<br />
14 Nuklearmedizin Großer Nutzen, kleines Risiko: Warum Patienten keine<br />
Angst vor einer Untersuchung haben müssen<br />
18 Geburtshäuser Röntgen, Goethe, Bach: „<strong>Medizin</strong> <strong>mit</strong> Durchblick”<br />
erkundet die Kinderstuben großer Persönlichkeiten<br />
20 Nationale Kohorte Wie gesund sind die Deutschen?<br />
22 Radiotherapie Hoffnung für Krebspatienten: <strong>mit</strong> Strahlen heilen<br />
26 Marie Curie Ein Porträt der großen Forscherin<br />
28 Kunst Per Röntgen lüften Experten Geheimnisse alter Gemälde<br />
30 Umfrage Welche guten Nachrichten hat Ihr Arzt Ihnen überbracht?<br />
3
THEMEN & TRENDS<br />
Faszinierend filigran<br />
Mit seiner Röntgenfotografie gibt der Australier Brendan<br />
Fitzpatrick Gegenständen, die wir zu kennen meinen, einen<br />
völlig neuen Charakter. Robustes Kinderspielzeug wie<br />
Roboter oder Hubschrauber erscheint fein gestaltet und fragil.<br />
Muschel, Babyschildkröte und Seepferdchen wirken wie<br />
<strong>mit</strong> einer dünnen Feder gezeichnet. Und erst die Blumen! Sogar<br />
bekannte Blüten wie Rose und Tulpe verzaubert der außergewöhnliche<br />
Fotokünstler zu traumhaft transparenten Gebilden<br />
– als wären sie hauchzart aquarelliert. Brendan<br />
Fitzpatrick bringt die Schönheit der Dinge auf den Punkt.<br />
Mehr Fotos: www.brendanfitzpatrick.com<br />
FOTOS: BRENDAN FITZPATRICK (2), DEUTSCHES RÖNTGEN-MUSEUM, ISTOCKPHOTO (3), MARCELO HERNANDEZ<br />
Forschung<br />
Verbesserte Diagnostik<br />
Weltweit gibt es nur einen Prototyp – er könnte<br />
die Radiologie revolutionieren, weil er einzigartig<br />
feine Aufnahmen im Körperinneren ermöglicht.<br />
Das innovative Verfahren heißt Magnetic Particle<br />
Imaging (MPI) und wird jetzt am Universitätsklinikum<br />
Hamburg-Eppendorf erforscht. Die Methode<br />
erleichtert vor allem das Erkennen von Krankheiten,<br />
RADIOLOGE PROF. GERHARD ADAM (l.) aus Hamburg<br />
erklärt dem Neurologen Prof. Christian Gerloff und Wissenschaftssenatorin<br />
Dr. Dorothee Stapelfeldt das neue Gerät<br />
bei denen der Blutfluss eine Rolle spielt wie Herz-<br />
Kreislauf-Beschwerden, Schlaganfall und Tumorerkrankungen.<br />
Für die Untersuchung werden<br />
winzige Eisenoxidpartikel in ein Blutgefäß injiziert.<br />
Magnetspulen im Gerät richten sie aus – und<br />
in komplizierten Prozessen werden die Signale in<br />
klare Bilder umgesetzt. Die neue Technik ist<br />
der Magnetresonanztomographie in Schnelligkeit<br />
und Qualität der Bilder weit überlegen.<br />
Die Möglichkeiten von MPI werden zunächst an<br />
Mäusen erprobt. In etwa vier Jahren sind dann<br />
erste Untersuchungen bei Menschen möglich.<br />
Altertum<br />
Zeitreise <strong>mit</strong> Radiologie<br />
Es ist eine Sensation: Einer Gruppe von deutschen, französischen<br />
und italienischen Physikern ist es <strong>mit</strong>hilfe einer speziellen Röntgentechnik<br />
gelungen, erste Buchstaben vollständig verkohlter<br />
Papyrusrollen zu entziffern. Die Dokumente sind mehr als 2000<br />
Jahre alt. Ihr Inhalt schien für ewig verloren zu sein, denn bei dem<br />
verheerenden Vesuv-Ausbruch 79 nach Christus wurden sie in einer<br />
Bibliothek im Pompeji-Nachbarort Herculaneum unter meterhohen<br />
Stein- und Lavaschichten begraben. Als Archäologen sie 1752 freilegten,<br />
hatten sich die Rollen in holzkohleartige, klumpige Brocken<br />
verwandelt. Immer wieder wurde versucht, die Schrift lesbar zu<br />
machen – ohne Erfolg. Einen Zugang zu dem historischen Schatz<br />
hat jetzt das Forscherteam <strong>mit</strong> einer besonderen CT-Technik ermöglicht,<br />
dem sogenannten Phasenkontrastverfahren. Erste Buchstaben<br />
konnten bereits lesbar gemacht werden. Sie stammen vermutlich<br />
vom griechischen Philosophen Philodemus, der 40–35 v. Chr. <strong>mit</strong><br />
etwa 70 Jahren in Herculaneum gestorben ist.<br />
4
120<br />
VOR<br />
... sorgte ein deutscher Physiker für einen Meilenstein in<br />
der <strong>Medizin</strong>. Genau am 8. November 1895 beobachtete<br />
der 50-jährige Wilhelm Conrad Röntgen (1845–1923)<br />
während eines Experiments ein Licht, <strong>mit</strong> dem man in<br />
den menschlichen Körper schauen kann. Seitdem ist<br />
Röntgen unverzichtbar für die Diagnose innerer Verletzungen<br />
und sehr vieler Erkrankungen. Dafür wurde der<br />
Wissenschaftler 1901 <strong>mit</strong> dem erstmals vergebenen<br />
Physiknobelpreis ausgezeichnet.<br />
Ursprünglich hatte er seine Entdeckung<br />
„X-Strahlen” genannt – nach seinem<br />
Tod aber gab man ihr seinen<br />
Namen. Der leidenschaftliche Forscher<br />
ließ seine Erfindung nicht patentieren,<br />
da<strong>mit</strong> sie schneller auch<br />
von anderen Ärzten genutzt werden<br />
konnte. Er war der Meinung, „dass sie<br />
der Allgemeinheit gehöre”.<br />
JAHREN<br />
Prominentes Posting<br />
Einen wahrhaft<br />
intimen Einblick<br />
besonderer<br />
Art offenbart<br />
U2-Frontmann<br />
Bono in seinem<br />
Website-Blog:<br />
Er zeigt das<br />
Röntgenbild<br />
seines <strong>mit</strong> Metallplatten<br />
und<br />
Schrauben fixierten linken<br />
Oberarmknochens. Den<br />
hatte er sich neben anderen<br />
Verletzungen bei einem<br />
Sturz <strong>mit</strong> dem Fahrrad in<br />
New York sechsfach gebrochen.<br />
„Die Folgen des Unfalls sind so massiv, dass<br />
ich mich sehr anstrengen muss, bis zur Tournee<br />
wieder fit zu werden.” Bis <strong>Mai</strong> hat er Zeit – dann<br />
startet die irische Band in Vancouver/Kanada<br />
ihre „iN-NOCENCE + eXPERIENCE”-Tour durch<br />
Nordamerika und Europa.<br />
Umfrage<br />
Bayerische Patienten am zufriedensten<br />
1 1,77 Bayern<br />
2 1,88 Nordrhein-Westfalen<br />
3 1,90 Hamburg<br />
4 1,91 Saarland<br />
5 1,92 Rheinland-Pfalz<br />
1,92 Baden-Württemberg<br />
6 1,93 Hessen<br />
1,93 Schleswig-Holstein<br />
7 1,95 Berlin<br />
8 1,99 Sachsen<br />
9 2,05 Niedersachsen<br />
2,05 Sachsen-Anhalt<br />
2,05 Mecklenburg-<br />
Vorpommern<br />
10 2,06 Thüringen<br />
11 2,10 Brandenburg<br />
12 2,15 Bremen<br />
Wenn deutsche Patienten<br />
ihren Ärzten Schulnoten<br />
geben sollen, erhalten die<br />
süddeutschen <strong>Medizin</strong>er<br />
immer die besten. 2014 gab<br />
es eine 1,77 – erster Platz.<br />
Letzter wurden die Bremer<br />
Doktoren <strong>mit</strong> 2,15. Im Mittel<br />
aber sind die Patienten<br />
hierzulande weniger glücklich<br />
<strong>mit</strong> ihren Ärzten als<br />
2013 – nach der Studie des<br />
Bewertungsportals Jameda<br />
sank die Durchschnittsnote<br />
von 1,88 auf 1,91. Der<br />
Gesamt-Wohlfühlwert ergibt<br />
sich aus Einzelbewertungen<br />
verschiedener Kategorien<br />
wie der Zufriedenheit <strong>mit</strong><br />
der Behandlung, Behandlungszeit,<br />
Aufklärung durch<br />
den Arzt und auch seiner<br />
Freundlichkeit.<br />
5
HALTUNG ZEIGEN<br />
Norwegens<br />
Kronprinzessin<br />
Mette-Marit musste<br />
sich einer schwierigen<br />
Bandscheiben-OP<br />
an der<br />
Halswirbelsäule<br />
unterziehen<br />
6
RÜCKEN<br />
Das Kreuz <strong>mit</strong><br />
DEM KREUZ<br />
Rückenschmerzen Mehr als 80 Prozent der<br />
Deutschen klagen über Schmerzen in der<br />
zentralen Säule des Körpers. Experten erklären,<br />
welche Therapien sinnvoll sind und warum<br />
Bewegung das Leiden lindern kann<br />
FOTOS: GETTY IMAGES, ISTOCKPHOTO<br />
Beim Weltgesundheitstag steht<br />
er regelmäßig im Mittelpunkt.<br />
Der alljährliche „Tag<br />
der Rückengesundheit“ definierte<br />
<strong>2015</strong> die vier Säulen<br />
seiner Gesundheit und stellte einen<br />
Schwächen- sowie einen Stärkenkatalog<br />
auf. Große Firmen verordnen ihren Mitarbeitern<br />
„Rückenpausen“ im Büroalltag.<br />
Kurz: Alle reden vom Rücken – und doch:<br />
Er ist der Körperteil, der uns die meisten<br />
Probleme macht. Mehr als 80 Prozent der<br />
Deutschen klagen über das Kreuz <strong>mit</strong> dem<br />
Kreuz, jeder zweite leidet sogar unter chronischen<br />
Schmerzen. Und das, obwohl jährlich<br />
über 45 Milliarden Euro für Therapien<br />
ausgegeben werden. Wie kommt das? Hat<br />
uns die Evolution einen Gesundheitsstreich<br />
gespielt, indem sie uns den aufrechten Gang<br />
ermöglicht hat? Hätten wir als Vierfüßler<br />
weniger Probleme? „Von wegen“, erklärt<br />
der Münchner Orthopäde Dr. Martin<br />
Marianowicz, „der Rücken ist sehr wohl<br />
gemacht für den aufrechten Gang. Und<br />
schließlich ist dadurch vieles erst möglich<br />
geworden wie die freien Hände; auch die<br />
Sprache konnte sich entwickeln.“<br />
Viele Schmerzen, noch<br />
mehr Ursachen<br />
Wie kommt es dann zu der Schmerzanfälligkeit?<br />
Einige Zahlen zum anatomischen<br />
Hintergrund: Das Rückgrat besteht beim<br />
Erwachsenen aus 24 beweglichen Wirbeln<br />
an der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule<br />
sowie dem Kreuz- und dem Steißbein.<br />
Bandscheiben, Bänder und mehr als<br />
120 Muskeln halten und verschnüren das<br />
Konstrukt. Die S-Krümmung der zentralen<br />
Säule des Körpers ist übrigens nicht angeboren,<br />
sondern bildet sich erst beim Kleinkind,<br />
sobald es anfängt zu laufen. Dahinter<br />
steckt eine genial ausgeklügelte Federung,<br />
die Stöße auffängt, welche durchs Gehen<br />
auf zwei Beinen entstehen.<br />
Werden die Muskeln des Wirbelsäulenpakets<br />
nicht trainiert, steigt das Risiko,<br />
dass sich etwas lockert und instabil wird<br />
– schon kann es losgehen <strong>mit</strong> den Schmerzen.<br />
Fehlhaltung und Bewegungsmangel<br />
können das genauso auslösen wie Stress<br />
und Übergewicht. Nicht zuletzt nagt das<br />
Alter an den Bandscheiben. Denn <strong>mit</strong> den<br />
Jahren verlieren sie an Elastizität und an<br />
Flüssigkeit. Dadurch können sie sich wie<br />
ein platter Reifen wölben und auf das Rückenmark<br />
drücken.<br />
Trotzdem gelten Wirbel und Bandscheiben<br />
als stabile Elemente des Körpers.<br />
Tatsächlich sind die Muskeln diejenigen,<br />
die als Erstes schwächeln, wenn sie nicht<br />
genügend trainiert werden. Das gilt für<br />
den Trapez- oder Kapuzenmuskel, der die<br />
Halswirbelsäule aufrichtet und die Schultern<br />
nach hinten zusammenzieht, genauso<br />
wie für den Latissimus, den breiten Rückenmuskel,<br />
der vom Kreuzbein bis zu den<br />
Oberarmen verläuft. Und natürlich auch<br />
für die vielen kleinen Muskeln entlang der<br />
Wirbelsäule.<br />
➞<br />
ANATOMISCHES<br />
KUNSTWERK<br />
Das Rückgrat besteht<br />
bei Erwachsenen<br />
aus 24 beweglichen<br />
Wirbeln<br />
7
RÜCKEN<br />
Meist verschwinden die Schmerzen<br />
➞ Warum viele Röntgenbilder<br />
überflüssig sind<br />
Die beste Nachricht in Sachen Rückenschmerzen:<br />
Die meisten verschwinden,<br />
wie sie gekommen sind. „Das gilt in erster<br />
Linie für die banalen Rückenschmerzen,<br />
die etwa durch Verspannungen entstehen,<br />
wenn man sich über Nacht verlegt hat“,<br />
erklärt Dr. Markus Schrödel, Facharzt für<br />
Orthopädie und Unfallchirurgie am OCM<br />
München. Massagen, Krankengymnastik<br />
und ein paar gezielte Übungen im Notfall<br />
könnten das Ganze erleichtern.<br />
Halten die Schmerzen dagegen einige<br />
Wochen an oder werden schlimmer, ist der<br />
Gang zum Facharzt nicht verkehrt. „Spätestens<br />
dann kommen viele Patienten schon<br />
<strong>mit</strong> klaren Vorstellungen und vor allem<br />
dem Wunsch nach einem Röntgen- oder<br />
MRT-Bild“, sagt Prof. Michael Forsting<br />
vom Universitätsklinikum Essen. Genau<br />
wie heute die meisten seiner Kollegen wehrt<br />
sich der Radiologe gegen kostenintensive<br />
bildgebende Maßnahmen in jedem Fall. Er<br />
hält sie für unsinnig: „Rückenschmerzen<br />
sind sehr komplex. Wie sie wirklich entstehen,<br />
ist bei Weitem nicht erforscht. Aber<br />
die Wahrscheinlichkeit, dass ein knöchernes<br />
Problem dahintersteckt, ist sehr gering.“<br />
Dazu komme eine häufige Divergenz zwischen<br />
Beschwerden und Bild. Prof. Forsting<br />
zitiert dazu eine im Fachblatt „New England<br />
Journal of Medicine“ veröffentlichte<br />
Studie an 100 Menschen, die noch nie <strong>mit</strong><br />
Rückenschmerzen zu tun hatten. Das erstaunliche<br />
Ergebnis: „75 Prozent hatten<br />
gravierende Veränderungen an der Wirbelsäule,<br />
aber eben keinerlei Beschwerden.“<br />
Natürlich gibt es auch bei Rückenschmerzen<br />
klare Indikationen, die eine<br />
bildgebende Maßnahme erfordern. Wenn<br />
Lähmungserscheinungen auftreten zum<br />
Beispiel oder bei bestimmten Risikofaktoren,<br />
den sogenannten Red Flags. „Aber<br />
das ist wirklich die Ausnahme“, bestätigt<br />
Prof. Arnd Dörfler, Leiter der Neuroradiologie<br />
am Universitätsklinikum Erlangen.<br />
„Mehr als 90 Prozent der Rückenschmerzen<br />
sind einfacher Natur und vergehen von<br />
selbst – und das unabhängig von der Therapie.<br />
Röntgen oder MRT wäre da unsinnig<br />
und manchmal sogar gefährlich.“ Viel<br />
wichtiger als gleich eine Bildgebung sei es,<br />
den Patien ten umfassend zu untersuchen.<br />
Länger andauernde<br />
Schmerzen brauchen<br />
eine Behandlung<br />
Auch wenn sich „einfache“ Rückenschmerzen<br />
eher harmlos anhören: Ernst nehmen<br />
sollte man sie, gerade wenn sie länger andauern.<br />
Dr. Marianowicz: „Es hapert an<br />
der Prävention. Die meisten Menschen tun<br />
im Vorfeld viel zu wenig für ihren Rücken.<br />
Kommen sie dann <strong>mit</strong> starken Schmerzen<br />
zum Arzt, ist er herausgefordert.“ In der<br />
Regel fragt der Arzt die Alltagsgewohnheiten<br />
ab, prüft die Beweglichkeit, indem<br />
er den Patienten auf Zehenspitzen oder<br />
MICHELLE<br />
HUNZIKER<br />
Die Moderatorin<br />
leidet<br />
häufig unter<br />
Rückenschmerzen<br />
VICTORIA<br />
BECKHAM<br />
Die Modedesignerin<br />
trägt<br />
häufig hohe<br />
Absätze – das<br />
ist nicht gut<br />
fürs Kreuz<br />
8
in die Knie gehen lässt. Muskuläre Verspannungen<br />
verursachen die häufigsten<br />
Beschwerden. Ebenso das, was der Volksmund<br />
„Ischias“ oder „Hexenschuss“<br />
nennt. Dabei drückt die Knorpelsubstanz<br />
auf die Nerven im Lendenwirbelkanal, die<br />
Schmerzen strahlen bis ins Bein oder sogar<br />
in die Zehen aus. Erfahrungsgemäß bessern<br />
sich die Beschwerden in 85 Prozent<br />
der Fälle nach vier bis fünf Tagen wieder.<br />
Aber selbst wenn ein Bandscheibenvorfall<br />
nachweisbar ist, muss man nicht<br />
zwingend unters Messer. „Auch das ist<br />
eines der Phänomene am Rücken“, weiß<br />
Marianowicz, der Bandscheibenvorfälle<br />
„grundsätzlich für gutmütig“ hält, da sie<br />
in sechs bis zwölf Wochen normalerweise<br />
von selbst abklingen, egal ob an der Halsoder<br />
an der Lendenwirbelsäule. Was dabei<br />
passiert: Weiches Kollagen tritt aus dem<br />
Kern der „Stoßdämpfer“ aus, und das kann<br />
starke Schmerzen, Taubheitsgefühle, sogar<br />
Lähmungen verursachen.<br />
Marianowicz ist überzeugt, dass dieser<br />
Schmerz zwei Komponenten hat: „Zunächst<br />
eine mechanische, denn durch das<br />
ausgetretene Gewebe entsteht ein Druck<br />
auf die Nerven. Für noch wichtiger halte<br />
ich den biochemischen Aspekt. Denn beim<br />
Zerreißen des Gallertkerns treten automatisch<br />
Enzyme aus, die eine Entzündung<br />
verursachen. Die sind hauptverantwortlich<br />
für den Schmerz.“ Der klingt <strong>mit</strong> einem<br />
gezielten Therapiemix aus Krankengymnastik,<br />
Massagen und Schmerz<strong>mit</strong>teln ab,<br />
der Vorfall wird sozusagen verstoffwechselt.<br />
Marianowicz vergleicht das <strong>mit</strong> einem<br />
Flussbett, in das Steine geworfen werden.<br />
„Da gibt es erst einmal einen Stau, dann<br />
sucht sich das Flussbett einen neuen Weg.<br />
Genau das passiert <strong>mit</strong> der Nervenwurzel.<br />
OPERIEREN ODER NICHT?<br />
Patient B: Das MRT-Bild zeigt die Lendenwirbelsäule<br />
seitlich. Zwar sind überall<br />
kleine „Bandscheibenprotrusionen” zu sehen,<br />
eine OP ist aber nicht unbedingt nötig.<br />
Sie lernt, sich um den Bandscheibenvorfall<br />
herum eine neue Bahn zu suchen.“<br />
Operieren – manchmal<br />
geht’s nicht ohne<br />
Natürlich gibt es auch Bandscheibenvorfälle,<br />
die operiert werden müssen. „Drücken<br />
sie auf Nerven, verursachen sie Lähmungen,<br />
machen sie gar Probleme beim Wasserlassen<br />
oder Stuhlgang, gibt es keine Diskus sion“,<br />
erklärt Orthopäde Schrödel. Oft reicht<br />
ein minimalinvasiver Eingriff, bei dem der<br />
Patient A: Beim MRT und der horizontalen<br />
Ansicht (Fachausdruck: „axial geschichtet”)<br />
auf die Wirbelsäule zeigt sich ein großer<br />
Bandscheibenvorfall auf der linken Körperseite<br />
(im Bild rechts zu sehen). Hier sollte operiert<br />
werden.<br />
Patient C: Hier ist die letzte Bandscheibe so<br />
kaputt, dass sie gar nicht mehr zu sehen ist.<br />
Die vorletzte ist etwas dunkler, hat also kaum<br />
noch Flüssigkeit und ist degeneriert. Dennoch:<br />
Der Patient hatte noch nie Rückenschmerzen,<br />
muss daher nicht operiert werden.<br />
drückende Bandscheibenanteil entfernt<br />
wird. Je nach Befund kann auch eine künstliche<br />
Bandscheibe, ein Implantat, eingesetzt<br />
werden, das die Beweglichkeit der Wirbelsäule<br />
weitgehend erhält. Oder die beiden betroffenen<br />
Wirbel werden <strong>mit</strong>hilfe von Schrauben<br />
und Stangen versteift. Dann ist es möglich,<br />
dass an der Stelle der Bandscheibe <strong>mit</strong> der<br />
Zeit eine knöcherne Verbindung wächst.<br />
Auch das gelegentlich vorkommende<br />
„Wirbelgleiten“ macht manchmal eine<br />
OP nötig. Dabei verrutschen einer oder<br />
➞<br />
SOS GEGEN SCHMERZ Was sofort (oder relativ schnell) gegen Rückenschmerzen hilft<br />
● Heiß baden<br />
Ein ca. 38 Grad heißes<br />
Vollbad, zehn Minuten lang,<br />
lockert verkrampfte Muskeln<br />
zuverlässig. Ein Spezialbadezusatz<br />
<strong>mit</strong> Kräutern kann<br />
das noch verstärken.<br />
● Wärme aus dem<br />
Kirschkernsäckchen<br />
Dieses eignet sich besser<br />
als die Wärmflasche, weil<br />
es sich flexibel an die<br />
schmerzende Rückenstelle<br />
legen lässt. In der Mikrowelle<br />
aufwärmen und auflegen<br />
(nicht auf die nackte Haut),<br />
solange man es als angenehm<br />
empfindet.<br />
● Kartoffelkompresse<br />
Heiße Kartoffeln zerdrücken,<br />
Aus dem Buch „Die besten Rückenschmerz-Killer”, Kay Bartrow, Trias-Verlag<br />
den Brei in ein Geschirrtuch<br />
packen und auf die schmerzende<br />
Stelle legen.<br />
● Pflaster aufkleben<br />
Die bunten Klebebänder<br />
(Kinesiotapes) haben einen<br />
schmerzlindernden und<br />
entspannenden Effekt,<br />
denn dadurch werden<br />
verstärkt Gewebshormone<br />
ausgeschüttet. Sie müssen<br />
allerdings richtig aufgebracht<br />
werden. Ärzte und Physiotherapeuten<br />
können das<br />
beibringen. Alternativen sind<br />
Wärmepflaster, die durch<br />
wohldosierte Temperatur<br />
Verspannungen lösen.<br />
● Magnesium<br />
Der Mineralstoff ist entscheidend<br />
an der Reizweiterleitung<br />
unseres Nervensystems<br />
beteiligt. Auch Muskelzellen<br />
können sich <strong>mit</strong><br />
genügend Magnesium<br />
entspannen, und das betrifft<br />
auch verspannte Rückenmuskeln.<br />
Ab und zu eine<br />
Magnesiumkur kann also<br />
sinnvoll sein.<br />
FOTOS: GETTY IMAGES<br />
9
FOTOS: DPA; ILLUSTRATIONEN:ISABELLA ROTH/AGENTUR FRICKE<br />
RÜCKEN<br />
➞ mehrere Wirbel in der Wirbelsäule. Dr.<br />
Schrödel: „Dahinter steckt eine angeborene<br />
oder durch Abnutzung erworbene Fehlstellung,<br />
die man gut operieren kann und<br />
auch sollte, wenn es instabil ist.“ Auch hier<br />
wird <strong>mit</strong> Schrauben und Stangen versteift,<br />
die Bandscheibe oft entfernt und durch einen<br />
Abstandshalter ersetzt.<br />
Bei einer Stenose, einem seltenen Rückenbefund,<br />
ist eine OP manchmal unumgänglich.<br />
Dahinter verbergen sich Engstellen,<br />
die durch Abnutzung der Wirbelgelenke,<br />
Arthrose oder Abnutzung der Bänder<br />
entstehen. Drücken sie auf die Nerven<br />
oder gar das Rückenmark im Spinalkanal<br />
und lösen dadurch extreme Schmerzen aus,<br />
kann es helfen, diese Engstellen operativ<br />
zu weiten.<br />
Die meisten Rückeneingriffe können minimalinvasiv<br />
operiert werden, dabei sind<br />
CT- oder MRT-Bilder ein wertvoller Anhaltspunkt.<br />
Die Regeneration hält sich in<br />
Grenzen: zwei bis vier Tage Krankenhaus,<br />
dann drei bis vier Wochen Reha. Die wird<br />
übrigens oft auch ambulant angeboten, da<strong>mit</strong><br />
der Patient den Einstieg in einen möglichst<br />
bewegten Rücken findet – sozusagen<br />
die nachgeholte Prävention.<br />
Vorbeugen – was der<br />
Rücken wirklich braucht<br />
Prävention ist das Schlüsselwort für einen<br />
gesunden, starken Rücken. Ganz weit<br />
vorn dabei steht die Bewegung. „Zu viel<br />
kann es gar nicht geben“, sagt Dr. Martin<br />
Marianowicz. Wer am Schreibtisch sitzt,<br />
solle mindestens zehn Minuten pro Stunde<br />
aktiv sein. Sein Vorschlag, wie man<br />
bei einem sitzenden Beruf einen ganzen<br />
Tag bewegt gestaltet: Morgens vor dem<br />
FELIX NEUREUTHER Dem Slalomspezialisten<br />
bereitete sein Rücken<br />
„in den vergangenen Jahren<br />
immer wieder Schwierigkeiten”<br />
Extreme Belastung<br />
Aufstehen strecken und dehnen. Beim<br />
Zähneputzen oder Kaffeekochen einige<br />
Übungen machen. Auf dem Weg zur Arbeit<br />
so viele Treppen steigen wie möglich.<br />
Tagsüber zum Kopierer, Drucker laufen,<br />
die Kollegen lieber besuchen, statt anzurufen<br />
oder zu mailen. Mittags einmal um<br />
den Block gehen. Am Schreibtisch Schultern<br />
bewusst hoch- und herunterziehen,<br />
Kopf drehen und Nacken dehnen.<br />
Wer im Job allerdings in schlechter<br />
Haltung viel steht oder schleppt, tut dem<br />
Rücken nichts Gutes. Wichtig ist auch hier<br />
der Ausgleich, also bewusstes Stärken der<br />
Muskeln <strong>mit</strong> gezielter Bewegung oder der<br />
richtigen Ausgleichssportart. Radfahren,<br />
Laufen oder Schwimmen bringen, richtig<br />
gemacht, auch den Rücken in Form. Zu<br />
Hause sind Ergometer oder Crosstrainer<br />
eine gute Wahl. Hochleistungssport kann<br />
den Rücken belasten, davon können Skifahrer<br />
Felix Neureuther oder Fußballer<br />
Arne Friedrich ein Lied singen. Kein Wunder,<br />
dass bei ihnen der Rücken besonders<br />
stark im Trainingsfokus steht. Hier werden<br />
die Muskeln der gesamten Wirbelsäule gezielt<br />
und einzeln auftrainiert.<br />
Wichtig für den gesunden Rücken sind<br />
eine starke Rumpfmuskulatur (Übungen<br />
s. u.) und die richtige Haltung im Alltag: gerade<br />
Fußstellung, lockere Knie, aufgerichtetes<br />
Becken, angespannte Po- und Bauchmuskeln,<br />
nach hinten und unten gedrückte<br />
Schultern und ein aufrechter Nacken.<br />
Da<strong>mit</strong> das überhaupt möglich ist, spielt<br />
die Wahl der richtigen Schuhe eine große<br />
Rolle. Wohin stetes Tragen von High Heels<br />
führen kann, haben auch Prominente wie<br />
Moderatorin Michelle Hunziker und Designerin<br />
Victoria Beckham schmerzhaft<br />
erfahren. Stundenlanges Tragen von hohen<br />
Absätzen hat bei ihnen den Körper-<br />
Die besten Rückenübungen Um den Rücken stark und widerstandsfähig zu machen,<br />
Kräftigen 1: Achten beschreiben<br />
Aufrecht hinstellen <strong>mit</strong> lockeren Knien. Beide<br />
Arme gerade zur Seite strecken, Schultern nach<br />
unten ziehen, Nacken entspannt. Jetzt ein Bein<br />
leicht beugen, das andere heben und das<br />
Gleichgewicht suchen. Mit<br />
dem gehobenen Bein liegende<br />
Achten beschreiben,<br />
erst langsam,<br />
dann immer schneller.<br />
10–20-mal, Beinwechsel.<br />
Kräftigen 2: Rumpf heben<br />
Flach auf den Bauch legen, Arme und<br />
Beine sind ausgestreckt. Den Körper<br />
auf Spannung bringen. Jetzt auf die<br />
Ellbogen stützen und auf die Zehen,<br />
bis die Beine gestreckt sind. Idealerweise<br />
bilden Oberkörper und Beine<br />
eine Linie. 10 Sekunden so bleiben,<br />
langsam zurückgehen. 5-mal.<br />
Kräftigen 3: Schulterstand<br />
Auf den Rücken legen, Beine<br />
aufstellen. Jetzt Po und Rücken<br />
nach oben drücken, das Brustbein<br />
sollte der höchste Punkt bleiben.<br />
Knie tendenziell zusammendrücken.<br />
10 Sekunden so bleiben,<br />
langsam zurückgehen. 10-mal.<br />
Kräftigen 4: Schwimmen<br />
Auf den Bauch legen, Arme und<br />
Beine ausstrecken. Jetzt Arme<br />
und Beine vom Boden heben und<br />
abwechselnd Schwimmbewegungen<br />
machen. Dabei Schultern<br />
weg vom Nacken ziehen.<br />
30-, 40-mal. Kurze Pause, dann<br />
5-mal wiederholen.<br />
10
ARNE FRIEDRICH Der Fußball-Nationalspieler<br />
gab 2013 wegen Bandscheibenproblemen<br />
sein Karriereende bekannt<br />
schwerpunkt verschoben, da halfen auch<br />
alle Ausgleichsübungen nicht mehr. Beide<br />
gaben zu, quasi ununterbrochen unter<br />
Rückenschmerzen zu leiden. High Heels<br />
tragen sie indes weiterhin.<br />
Ebenso wie die norwegische Kronprinzessin<br />
Mette-Marit. Sie wird auch nach<br />
einer schwierigen Bandscheiben-OP am<br />
Halswirbel immer wieder <strong>mit</strong> 10-Zentimeter-Hacken<br />
gesehen. Übrigens verdammen<br />
Experten überhaupt nicht das<br />
gelegentliche Tragen von High Heels. Sie<br />
plädieren vielmehr für das häufige Wechseln<br />
der Absatzhöhe, um dem Körper und<br />
speziell der Wirbelsäule genügend Varianten<br />
zu bieten. Auch hier gilt wieder: Die<br />
Abwechslung macht’s.<br />
<br />
Cornelia Menner<br />
ALTERNATIVE VERFAHREN IM CHECK<br />
Abseits der Schulmedizin wird vieles angeboten im Kampf gegen<br />
Rückenschmerzen. Was tatsächlich helfen kann, ist individuell verschieden.<br />
Da bleibt nur eines: Ausprobieren! Fünf Beispiele <strong>mit</strong> Erfolgsaussichten<br />
● Massage<br />
Ob sanft oder eher hart: Kneten<br />
kann Verspannungen lösen,<br />
das beweisen sogar Studien.<br />
Als besonders sinnvoll gilt Massage<br />
bei chronischen Schmerzen<br />
und in Kombination <strong>mit</strong><br />
gezielter Bewegung. Bei akuten<br />
Beschwerden sollte man dagegen<br />
sicherheitshalber zunächst<br />
mögliche Ursachen beim Arzt<br />
abklären lassen.<br />
● Osteopathie<br />
Hier geht es darum, Blockaden<br />
aufzuspüren und <strong>mit</strong> speziellen<br />
Massage-, Dehn- und Grifftechniken<br />
zu lösen. Studien<br />
zeigen, dass sich so chronische<br />
● Ergonomische Möbel<br />
sind die Wunderwaffe<br />
Leider nein, zumindest nicht<br />
die einzige. Natürlich kann ein<br />
Stuhl, der sich dem Rücken<br />
anpasst, spontan Erleichterung<br />
verschaffen. Aber da sich hier<br />
der Stuhl, nicht der Rücken<br />
bewegt, wird die Muskulatur<br />
noch passiver. Also höchstens<br />
ab und zu benutzen und lieber<br />
auf gezielte Übungen setzen.<br />
Rückenschmerzen verbessern<br />
lassen. Inzwischen wird die<br />
Osteopathie der Chiropraktik<br />
vorgezogen, bei der Blockaden<br />
<strong>mit</strong> schnellen Bewegungen<br />
wieder eingerenkt werden.<br />
● Akupunktur<br />
Das gezielte Setzen der<br />
Nadeln soll laut Traditioneller<br />
Chinesischer <strong>Medizin</strong> die durch<br />
den Schmerz gestaute Lebensenergie<br />
Chi wieder zum Fließen<br />
bringen. Das kann nach Studien<br />
tatsächlich den Rückenschmerz<br />
lindern, vor allem, wenn er<br />
bereits chronisch ist.<br />
● Meditation<br />
Achtsamkeit oder progressive<br />
DREI RÜCKEN-IRRTÜMER<br />
● Harte Matratzen sind für<br />
den Rücken am besten<br />
Stimmt nicht. Zu harte Schlafunterlagen<br />
führen zu Hohlstellen<br />
im Lendenwirbelbereich.<br />
Die Muskulatur verspannt sich<br />
und beginnt zu schmerzen.<br />
Zu weiche Matratzen sind aber<br />
auch nichts, sie stabilisieren<br />
den Rücken zu wenig. Am<br />
besten geeignet ist ein <strong>mit</strong>tlerer<br />
Härtegrad.<br />
Muskelentspannung nach<br />
Jacobson: All diese Therapien<br />
zielen auf ein Umlenken des<br />
Schmerzes, auf Beruhigung und<br />
Entspannung. Das kann tatsächlich<br />
helfen, wenn man dafür<br />
offen ist und es lange genug<br />
und wirklich täglich macht.<br />
● Qigong oder Tai-Chi<br />
Die fernöstlichen sanften<br />
Kampfsportarten sollen im Zeitlupentempo<br />
auch das Rückgrat<br />
sanft strecken und dehnen<br />
sowie Verkrampfungen lösen.<br />
Verbessern sich <strong>mit</strong> der Zeit<br />
Atmung und Haltung, macht<br />
sich auch der Schmerz davon,<br />
der gesamte Rücken profitiert.<br />
● Männer und Frauen haben<br />
die gleichen Rückenprobleme<br />
Das kann man so nicht<br />
unbedingt sagen. Erfahrungsgemäß<br />
sind Frauen häufiger<br />
von Problemen im oberen<br />
Rückenbereich betroffen.<br />
Männer dagegen neigen eher<br />
zu Schmerzen im Lendenwirbelbereich.<br />
Spezielle Übungen<br />
können beiden Problemen<br />
vorbeugen.<br />
muss er zum einen gekräftigt, aber auch gedehnt werden<br />
Kräftigen 5: Waage<br />
In den Vierfüßlerstand gehen. Jetzt ein<br />
Bein gerade nach hinten ausstrecken, den<br />
gegenüberliegenden Arm nach vorn. Bis<br />
zehn zählen, langsam zurückgehen.<br />
Arm- und Beinwechsel. 5-mal pro Seite.<br />
Entspannen: Katzenbuckel<br />
In den Vierfüßlerstand gehen, abwechselnd<br />
einen Katzenbuckel machen<br />
und anschließend den Rücken wieder<br />
rund machen. In jeder Haltung ein<br />
paar Sekunden bleiben.<br />
10-mal.<br />
Entspannen: Wirbelsäule dehnen<br />
Auf den Rücken legen, Arme zur Seite<br />
strecken, Beine aufstellen. Jetzt die<br />
Knie zu einer Seite fallen lassen, den<br />
Kopf zur anderen Seite drehen. Ein<br />
paar Sekunden so bleiben, Wechsel<br />
zur anderen Seite. Jeweils 5-mal.<br />
Entspannen: Rückenschaukel<br />
Auf den Rücken legen, Beine<br />
anziehen und Knie <strong>mit</strong> den<br />
Händen umfassen. Ein paarmal<br />
auf und ab sowie nach rechts<br />
und links schaukeln, solange<br />
es angenehm ist.<br />
11
GESCHICHTE<br />
TÄTER UND OPFER In einer sehenswerten Ausstellung<br />
arbeiten Radiologen und Strahlentherapeuten<br />
ein dunkles Kapitel deutscher <strong>Medizin</strong>geschichte<br />
auf. Biografische Dokumente, Porträtbilder und historische<br />
Fotografien dokumentieren, wie sich Röntgenärzte an<br />
den Untaten des Nationalsozialismus beteiligten – aber<br />
auch, wie sie selbst zu Verfolgten wurden<br />
RÖNTGEN<br />
UNTERM HAKEN-<br />
KREUZ Untersuchung<br />
1933 in<br />
einem Münchner<br />
Krankenhaus<br />
Radiologie im<br />
Dritten Reich<br />
Die Entdeckung der Röntgenstrahlen<br />
lag erst wenige<br />
Jahrzehnte zurück. Doch<br />
bereits in den 30er-Jahren<br />
des 20. Jahrhunderts wussten<br />
Ärzte, dass diese bahnbrechende Erfindung<br />
auch Schattenseiten birgt. Treffen<br />
die energiereichen Strahlen direkt und ungeschützt<br />
auf den Unterleib, geraten Eierstöcke<br />
und Hoden in Gefahr. Die empfindlichen<br />
Keimzellen werden geschädigt, die<br />
Fähigkeit zur Fortpflanzung geht verloren.<br />
Ein Umstand, den die Gesundheitspolitik<br />
im Nationalsozialismus auf unheilvolle<br />
Weise ausnutzte: Nicht nur durch chirurgische<br />
Eingriffe, sondern auch per Strahlenkastration<br />
wurden Männer und Frauen<br />
unfruchtbar gemacht, die an sogenannten<br />
Erb- und Geisteskrankheiten litten – dazu<br />
zählten etwa Schizophrenie, Epilepsie, körperliche<br />
Missbildungen, erbliche Taubheit<br />
oder schwerer Alkoholismus.<br />
Grausame Methoden<br />
Diese Praktik erforderte die aktive Mitwirkung<br />
von Strahlenmedizinern und<br />
Röntgenfachleuten. Rund 150 <strong>Medizin</strong>er<br />
aus reichsdeutschen Krankenhäusern beteiligten<br />
sich daran, Menschen gegen ihren<br />
Willen durch Röntgen- oder Radiumstrahlung<br />
unfruchtbar zu machen. Diese<br />
Feststellung gehört zu den verstörenden<br />
Einsichten, die die informative Ausstellung<br />
„Radiologie im Nationalsozialismus“ ver<strong>mit</strong>telt,<br />
die von April bis August <strong>2015</strong> im<br />
Deutschen Röntgen-Museum in Remscheid<br />
zu sehen ist. Die Schau basiert auf einem<br />
Forschungsprojekt, das die Heidelberger<br />
Historikerin für <strong>Medizin</strong>geschichte Dr.<br />
Gabriele Moser im Auftrag der Deutschen<br />
Röntgengesellschaft (DRG) unternommen<br />
hat. Das Ziel ihres Vorhabens: den historischen<br />
Rahmen abstecken, in dem die<br />
Radiologie in den dunklen Jahren von 1933<br />
12
is 1945 erforscht, gelehrt und praktiziert<br />
wurde. Den Anstoß zur Aufarbeitung der<br />
NS-Geschichte gab der ehemalige Präsident<br />
der Deutschen Röntgengesellschaft<br />
und Direktor der Klinik für Diagnostische<br />
und Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikums<br />
Hamburg-Eppendorf,<br />
Prof. Dr. Gerhard Adam: „Die Idee entstand<br />
beim Lesen der Festschrift anlässlich<br />
des 100. Geburtstages der Entdeckung der<br />
Röntgenstrahlen. Nur vier Seiten in dem<br />
Buch widmeten sich der NS-Zeit – dieses<br />
Kapitel kam eindeutig zu kurz.“<br />
Blinde Flecken beleuchten<br />
Dementsprechend ging es der Historikerin<br />
Moser vor allem darum, die „blinden Flecken“<br />
in der Geschichte der Radiologie zu<br />
erhellen. Das gelingt ihrer Ausstellung auf<br />
beeindruckende Weise: Porträtbilder, biografische<br />
Dokumente und Zeugenaussagen<br />
von Überlebenden, aber auch Audioquellen<br />
des Deutschen Rundfunkarchivs aus der<br />
NS-Zeit dokumentieren Karriereverläufe<br />
und wissenschaftlichen Alltag ebenso<br />
wie den Einsatz der Röntgenstrahlung im<br />
Dienste des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken<br />
Nachwuchses“.<br />
Bereits Anfang 1934 in Kraft getreten,<br />
markierte dieser Erlass einen grundlegenden<br />
Wandel in der medizinischen Praxis.<br />
Neben die traditionelle Aufgabe<br />
des Arztes, die Behandlung<br />
von Patienten, trat nun die Gesunderhaltung<br />
des sogenannten<br />
Volkskörpers per „Rassenhygiene“.<br />
Eines der Mittel zur „Erbgesundheitspflege“<br />
bestand in der<br />
Zwangssterilisierung psychisch<br />
kranker und geistig behinderter<br />
Menschen. Methode der Wahl<br />
war die chirurgische Operation,<br />
aber ab 1936 nutzten beteiligte<br />
TÄTER & OPFER<br />
„Erbkranke” wurden<br />
als Verursacher von<br />
Kosten denunziert<br />
PAPIER DES GRAUENS<br />
Ein Gesetz (1936)<br />
bestimmte Zwangssterilisationen<br />
von Frauen<br />
Ärzte und Forscher überdies<br />
die keimschädigenden Effekte<br />
der Röntgenstrahlen.<br />
Da<strong>mit</strong> waren auch Radiologen<br />
in die Durchführung der<br />
NS-Rassenpolitik eingebunden.<br />
Insgesamt wurden mehr<br />
als 360.000 Frauen und Männer zwangssterilisiert,<br />
davon rund zwei Prozent durch<br />
Strahlen.<br />
Ein anderes dunkles Kapitel der Röntgenmedizin<br />
betrifft die Identifizierung<br />
hochgradig infektiöser Tuberkulosekranker.<br />
„Die Bekämpfung der Tbc galt in der<br />
NS-Gesundheitspolitik als vorrangiges Ziel,<br />
weil die Patienten ihre Leistungsfähigkeit<br />
dauerhaft verloren und teure Behandlungen<br />
verursachten“, erläutert Historikerin Moser.<br />
Eine zwiespältige Rolle spielte dabei<br />
der Frankfurter Radiologe Prof. Dr. Hans<br />
Holfelder (1891–1944): ein Nationalsozialist<br />
und vielfach ausgezeichneter Forscher,<br />
der 1931 als Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft<br />
wirkte. Als Vorsorgemaßnahme<br />
gegen Tuberkulose organisierte der<br />
Röntgenfachmann bereits vor dem Zweiten<br />
Weltkrieg Reihenuntersuchungen in der Bevölkerung<br />
<strong>mit</strong>hilfe von Spezial-Röntgenwagen.<br />
Im Krieg befasste sich Holfelder als<br />
Leiter des SS-„Röntgensturmbann“ da<strong>mit</strong>,<br />
von der „Schwindsucht“ betroffene Polen<br />
per Reihenröntgendurchleuchtung zu identifizieren.<br />
Plänen zufolge sollten 35.000<br />
unheilbar erkrankte Männer und Frauen<br />
ermordet werden. Ob dieses schreckliche<br />
Vorhaben tatsächlich in die Tat umgesetzt<br />
wurde, haben die Historiker noch nicht<br />
abschließend geklärt.<br />
Die Schau erinnert auch an<br />
Radiologen und Strahlenärzte,<br />
die selbst zu Opfern des<br />
NS-Staates wurden. Jüdische<br />
und politisch missliebige Ärzte<br />
wurden aus Praxen und Krankenhäusern<br />
gedrängt, verloren<br />
die staatliche Zulassung und<br />
ihre Mitgliedschaft in den<br />
Fachgesellschaften. „Nach<br />
der Entziehung der Approbation<br />
zum 30. September 1938<br />
fehlten auf der Mitgliederliste der Röntgengesellschaft<br />
die Namen von 159 jüdisch<br />
stigmatisierten Ärzten“, fand Moser heraus.<br />
Quellen zufolge gelang knapp der Hälfte<br />
der Betroffenen die Flucht ins Exil. Von den<br />
Verbliebenen, oft älteren Kollegen, denen<br />
die Emigration schwerfiel, wurden viele ab<br />
1941 in Konzentrationslager und Ghettos<br />
deportiert.<br />
Hetzkampagnen gegen Ärzte<br />
Leid und Verfolgung erlitten selbst prominente<br />
Ärzte wie der Geheime <strong>Medizin</strong>alrat<br />
Prof. Dr. Paul Krause (1871–1934)<br />
aus Münster, ein Pionier der Röntgendiagnostik.<br />
Früh untersuchte er die biologischen<br />
Wirkungen der Strahlen auf<br />
menschliches Gewebe und veröffentlichte<br />
dazu zahlreiche Arbeiten. Er engagierte<br />
sich aber auch für die Fachgeschichte: Die<br />
Gründung des Deutschen Röntgenmuseums<br />
1932 am Geburtsort des Physikers in<br />
Remscheid-Lennep ist seiner Initiative zu<br />
verdanken.1933 geriet Krause in Konflikt<br />
<strong>mit</strong> dem NS-Regime, weil er den Entwurf<br />
eines Heilpraktikergesetzes als „Kurpfuscherei“<br />
kritisierte. Nach einer monatelangen<br />
Hetzkampagne durch nationalsozialistisch<br />
gesinnte Studenten beantragte<br />
er seine Versetzung in den Ruhestand und<br />
ging im <strong>Mai</strong> 1934 in den Freitod.<br />
Auch der Lebensweg des Heidelberger<br />
Krebstherapeuten Prof. Dr. Richard<br />
Werner (1875–1945) wird in der Ausstellung<br />
nachgezeichnet. Aufgrund seiner<br />
jüdischen Abstammung wurde der Begründer<br />
der modernen Strahlentherapie,<br />
der im Jahr 1927 der Fachgesellschaft als<br />
Präsident vorstand, 1933 von seiner Universitätstätigkeit<br />
beurlaubt. Er emigrierte<br />
ins tschechische Brünn und übernahm dort<br />
die Leitung des „Haus des Trostes“, einer<br />
neu gegründeten Krebsklinik. Nach dem<br />
Einmarsch der Wehrmacht musste Werner<br />
auch diesen Posten verlassen. 1942 wurde<br />
er ins Lager Theresienstadt verschleppt,<br />
wo er die Häftlingsnummer 628 erhielt.<br />
Im Februar 1945 starb er an einem Herzleiden<br />
– wenige Wochen vor der Befreiung<br />
des Ghettos.<br />
<br />
Bernhard Hobelsberger<br />
TIPP: Unter www.radiologie-imnationalsozialismus.org<br />
findet sich<br />
die Ausstellung im Internet.<br />
13<br />
FOTOS: SCHERL/SÜDDEUTSCHE ZEITUNG PHOTO, DEUTSCHES HISTORISCHES MUSEUM, BERLIN, DEUTSCHES ÄRZTEBLATT (DAeBl)
NUKLEARMEDIZIN<br />
Radioaktive Stoffe<br />
sind ein wichtiges Hilfs<strong>mit</strong>tel<br />
der Nuklearmediziner. Mit<br />
den energiereichen<br />
Strahlen können Fachleute<br />
Krankheiten in frühestem<br />
Stadium erkennen<br />
oder Patienten – etwa bei<br />
Schilddrüsenerkrankungen –<br />
sogar eine Operation ersparen.<br />
Viele Befürchtungen,<br />
die <strong>mit</strong> diesem Fachgebiet<br />
verbunden sind, erweisen<br />
sich bei näherem Hinsehen<br />
als gegenstandslos<br />
Radioaktive Stoffe sind<br />
das Handwerkszeug der<br />
Nuklearmediziner. Mit Hilfe der<br />
energiereichen Strahlen<br />
können Fachleute Krankheiten<br />
in frühestem Stadium<br />
erkennen oder Patienten –<br />
etwa bei Schilddrüsenerkrankungen<br />
– sogar eine<br />
Operation ersparen. Viele<br />
Befürchtungen, die <strong>mit</strong><br />
diesem Fachgebiet verbun-<br />
Nuklearmedizin –<br />
den sind, erweisen sich<br />
bei näherem Hinsehen als<br />
heilen<br />
gegenstandslos.<br />
<strong>mit</strong><br />
Radioaktivität<br />
Kontrollbereich. Radioaktiv“:<br />
In schwarzer Druckschrift<br />
leuchten diese beiden Wörter<br />
von dem gelben Hinweisschild.<br />
Darunter: das weithin<br />
bekannte Strahlensymbol. Unübersehbar<br />
hängt dieses Signal vor dem Praxisbereich,<br />
in dem Nuklearmediziner ihre Untersuchungen<br />
und Therapien vornehmen. Es<br />
verrät, dass hier radioaktive Stoffe zum<br />
Ein satz kommen. Der Hinweis ist gesetzlich<br />
vorgeschrieben und trägt vermutlich<br />
nicht dazu bei, das Unbehagen der Patienten<br />
zu verringern. „Bei unseren Behandlungen<br />
denkt jeder automatisch an<br />
Kernkraftwerke“, klagt Prof. Dr. Michael<br />
Schäfers, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin<br />
am Universitätsklinikum Müns ter.<br />
Wie skeptisch die Bevölkerung Schäfers’<br />
Zunft gegenübersteht, bestätigt auch eine<br />
2011 veröffentlichte repräsentative<br />
Studie des Meinungsforschungsinstituts<br />
Infas. Gefragt nach der allgemeinen Einstellung<br />
zur Strahlentherapie, befürchteten<br />
42 Pro zent der Teilnehmer, dass die Ne-<br />
benwirkungen oder Spätfolgen den Nutzen<br />
überwiegen würden.<br />
Es ist wie so oft im Leben – Angst entsteht,<br />
wenn Wissen fehlt. Denn in derselben<br />
Umfrage bekannten 46 Prozent, dass sie<br />
<strong>mit</strong> der Tätigkeit eines Nuklearmediziners<br />
nichts Konkretes verbinden können.<br />
Höchste Zeit also, etwas mehr Licht ins<br />
Dunkel zu bringen. Denn tatsächlich sind<br />
die Risiken der Nuklearmedizin klein, der<br />
Nutzen dagegen groß.<br />
Die Strahlung hilft<br />
dem Arzt beim Gucken<br />
Ähnlich wie beim Röntgen geht es in der<br />
Nuklearmedizin darum, sich <strong>mit</strong>hilfe energiereicher<br />
Strahlen ein Bild vom Inneren<br />
des Körpers zu verschaffen. Die Besonderheit:<br />
„Beim Röntgen schickt der Arzt die<br />
Strahlung von außen durch den Patienten,<br />
um eine Aufnahme auf der Gegenseite zu<br />
erzeugen. In der Nuklearmedizin läuft<br />
es andersherum. Der Patient erhält ein<br />
schwach radioaktives Medikament, das<br />
sich in dem untersuchten Organ anreichert.<br />
Die Strahlung dringt also von innen<br />
nach außen“, erläutert Prof. Schäfers. Der<br />
Unterschied mag manchen Patienten beunruhigen,<br />
für den Körper selbst ist er bedeutungslos:<br />
Entscheidend ist die Gesamtdosis<br />
der Strahlung. Und die ist bei der Szintigraphie<br />
– der häufigsten nuklearmedizinischen<br />
Untersuchung – vergleichbar <strong>mit</strong> Röntgen.<br />
Weil die radioaktiven Substanzen dem Arzt<br />
sozusagen nur beim Gucken helfen, sind<br />
ihre Halbwertszeiten so gering bemessen,<br />
dass sie bereits am Abend meist wieder aus<br />
dem Körper verschwunden sind.<br />
Der Gewinn einer nuklearmedizinischen<br />
Diagnostik liegt darin, dass sie krankhafte<br />
Veränderungen im Stoffwechsel von Organen<br />
erkennen kann, noch bevor sich<br />
das Organ selbst verändert. Anders als<br />
Röntgen oder Ultraschall nimmt sie keine<br />
Körperstrukturen ins Visier, also etwa<br />
den Beckenknochen oder die Harnblase.<br />
Vielmehr interessiert sie sich dafür, wie beispielsweise<br />
die Schilddrüse oder der Herzmuskel<br />
arbeitet. Läuft die Hormonfabrik<br />
im vorderen Halsbereich nach der Regel<br />
14
CT<br />
PET-CT<br />
oder auf gefährlich hohen Touren? Liegt<br />
der Energieverbrauch der Herzmuskelzellen<br />
im Rahmen des Üblichen oder gibt es<br />
Areale, die womöglich von der Durchblutung<br />
abgeschnitten sind?<br />
Weil der Stoffwechsel erkrankter Zellen<br />
deutlich abweicht vom Energiehunger gesunder<br />
Zellen, erkennt der Spezialist, wie es<br />
um das untersuchte Organ steht. Nuklearmediziner<br />
Michael Schäfers: „Gerade aus<br />
der modernen Tumordiagnostik ist dieses<br />
PET-CT – eine Kombination<br />
zweier Bildgebungsverfahren. Die<br />
hochmodernen Geräte<br />
ermöglichen Untersuchungen<br />
des gesamten Körpers<br />
HYBRID-GERÄT: Bildgebung des Körperinneren <strong>mit</strong>tels CT (links), <strong>mit</strong>tels<br />
PET-CT (Mitte), Darstellung des Zuckerstoffwechsels <strong>mit</strong>tels PET (rechts)<br />
PET<br />
elegante Verfahren nicht mehr wegzudenken.“<br />
Hier kommt häufig die Positronen-<br />
Emissions-Tomographie zum Einsatz, abgekürzt<br />
PET. Sie ist eine Weiterentwicklung<br />
der Szintigraphie, die dank messtechnischer<br />
Vorteile eine noch höhere Präzision bei der<br />
Diagnose verspricht.<br />
Ein Beispiel aus der Krebsnachsorge: Oft<br />
besteht nach einer erfolgreichen Behandlung<br />
das Risiko, dass Reste von Tumorgewebe<br />
im Körper verblieben sind oder dass<br />
sich neue Krebsherde bilden. Eine Röntgen-<br />
oder MRT-Aufnahme kann solche Gewebeanomalien<br />
zwar erkennen – sie kann<br />
aber leider nicht unterscheiden, ob es sich<br />
um harmloses Narbengewebe handelt. Das<br />
zeigt <strong>mit</strong>unter erst eine Gewebeprobe. Die<br />
PET macht den Unterschied überdeutlich,<br />
ohne dass der Patient in den OP muss.<br />
Denn während sich ein neu gebildeter Tumor<br />
durch einen erhöhten Zuckerumsatz<br />
auszeichnet, hat Narbengewebe gegenüber<br />
den gesunden Zellen sogar häufig einen reduzierten<br />
Energieverbrauch.<br />
Zuckermoleküle identifizieren<br />
Krebszellen<br />
Um solche Stoffwechselveränderungen<br />
sichtbar zu machen, sind die bereits erwähnten<br />
radioaktiven Teilchen, Fluor etwa,<br />
erforderlich. Sie werden auch als Radioisotope<br />
bezeichnet. Mit ihnen markiert<br />
der Chemiker in der Nuklearmedizin bestimmte<br />
Biomoleküle, die der Organismus<br />
für seine Zellarbeit benötigt. Dazu zählen<br />
etwa Eiweißbausteine oder Traubenzucker,<br />
einer der Hauptbrennstoffe nahezu aller<br />
Zellen des menschlichen Körpers. Prof.<br />
Michael Schäfers: „Ein bei der Krebsdiagnostik<br />
<strong>mit</strong> großem Erfolg eingesetztes Biomolekül<br />
nennt sich F18-Desoxyglukose,<br />
abgekürzt FDG. Das bezeichnet ein <strong>mit</strong><br />
Fluor gekennzeichnetes Traubenzuckermolekül.“<br />
Diesen radioaktiv markierten<br />
Zucker injiziert der Arzt in winzigsten<br />
Mengen – im Bereich von einigen Milliardstel<br />
Gramm – in die Armvene. Von dort<br />
gelangt der „Tracer“, so der Fachbegriff,<br />
über das Blut in das zu untersuchende Organ,<br />
wo er in die normalen Stoffwechselvorgänge<br />
eingebaut wird. Es dauert etwa<br />
eine Stunde, bis der Tracer das Zielgewebe<br />
erreicht und sich in den erkrankten Zellen<br />
anreichert. Weil diese deutlich mehr Traubenzucker<br />
konsumieren als die gesunden,<br />
markiert die radioaktive Strahlung den<br />
spezifischen Stoffwechselprozess.<br />
Die freigesetzte Strahlung wird von einer<br />
PET-Kamera <strong>mit</strong>hilfe eines Scannerrings, in<br />
dem der Patient liegt, registriert. Anhand<br />
dieser Daten errechnet ein Computer ein<br />
Bild des Organs. In der Regel wird diese<br />
Darstellung des Stoffwechsels inzwischen<br />
<strong>mit</strong> einer anatomischen Bildgebung wie der<br />
Computertomographie kombiniert. Solche<br />
hochempfindlichen Kombigeräte aus ➞<br />
15
NUKLEARMEDIZIN<br />
FOTOS: KLINIK FÜR NUKLEARMEDIZIN – UNIVERSITÄTSKLINIKUM MÜNSTER<br />
PET: schnell,<br />
bequem, effektiv<br />
➞ PET und CT ermöglichen bereits eine<br />
Untersuchung des ganzen Körpers in weniger<br />
als 30 Minuten. Im PET-Bild hebt<br />
sich der Tumor deutlich vom umliegenden<br />
gesunden Gewebe ab. Zwar kann das Verfahren<br />
keine einzelnen Krebszellen erkennen,<br />
dies gelingt nur unterm Mikroskop,<br />
doch bereits Metastasen <strong>mit</strong> einem Durchmesser<br />
von weniger als einem Zentimeter<br />
werden sichtbar.<br />
Bevor die Messung beginnt, wird der<br />
Patient bequem auf die Kameraliege gebettet,<br />
da<strong>mit</strong> er bei der Untersuchung<br />
möglichst still liegen kann. „Von der eigentlichen<br />
Untersuchung merkt er nur den<br />
schrittweisen Vorschub der Liege durch<br />
die PET-Kamera“, verspricht Schäfers.<br />
Anschließend folgt eine kurze Wartezeit,<br />
während der das Kamera bild nachbearbeitet<br />
und die Diagnose gestellt wird. Positronenstrahler,<br />
wie sie bei der PET zum<br />
Einsatz kommen, weisen extrem kurze<br />
Halbwertszeiten von wenigen Minuten<br />
bis zwei Stunden auf. Für das FDG, also<br />
den oben erwähnten markierten Traubenzucker,<br />
bedeutet das: Bereits nach 110<br />
Minuten ist nur noch die Hälfte der ursprünglich<br />
injizierten Strahlenquelle im<br />
Körper vorhanden, nach 220 Minuten<br />
nur noch ein Viertel, nach 330 Minuten<br />
ein Achtel … Außerdem wird ein erheblicher<br />
Anteil der Radioaktivität <strong>mit</strong> dem<br />
Urin ausgeschieden. Abgesehen von dieser<br />
geringen Exposition – sie erreicht etwa<br />
das Zwei- bis Dreifache der natürlichen<br />
jährlichen Strahlenbelastung –, bietet eine<br />
PET-Untersuchung ein bequemes Verfahren<br />
für die Patienten. Diese müssen nach<br />
der Untersuchung weder stationär aufgenommen<br />
werden, noch müssen sie besondere<br />
Vorsichtsmaßnahmen beachten.<br />
Krankheiten heilen <strong>mit</strong><br />
Nuklearmedizin<br />
Aufwendiger kann es dann werden, wenn<br />
es nicht um die Diagnostik von Krankhei<br />
ten geht, sondern um deren Therapie.<br />
Die Nuklearmedizin dient nämlich auch<br />
dazu, bestimmte Leiden zu behandeln.<br />
Bei Patienten <strong>mit</strong> chronischen Gelenkentzündungen<br />
wie etwa Arthritis bringt<br />
DAS HANDWERKSZEUG DES<br />
NUKLEARMEDIZINERS: DIE SZINTIGRAPHIE<br />
Während die aufwendige Positronen-Emissions-Therapie<br />
PET vor<br />
allem bei Verdacht auf Krebserkrankungen<br />
von Lunge, Brust und Darm<br />
oder bestimmten Hirnleiden wie Parkinson<br />
zum Einsatz kommt, deckt die<br />
Szintigraphie ein breiteres Feld ab.<br />
Mit ihr kann der Nuklearmediziner<br />
die unterschiedlichsten Organe auf<br />
den Prüfstand stellen. Die Schilddrüsenszintigraphie<br />
etwa gibt Auskunft<br />
über bösartige Tumoren oder eine<br />
Überfunktion der Schilddrüse. Die<br />
Skelettszintigraphie erkennt entzündliche<br />
Veränderungen oder Metastasen<br />
in den Knochen. Eine Verengung<br />
der Herzkranzgefäße lässt<br />
sich in der Myokardszintigraphie<br />
erkennen – sie zeigt dem Kardiologen,<br />
wo er einen Stent setzen muss.<br />
Die Nierenfunktionsszintigraphie<br />
wiederum verrät unter anderem, ob<br />
die ambulante Radiosynoviorthese (RSO)<br />
rasch Linderung, wenn andere konservative<br />
Verfahren oder gar Operationen<br />
die Ur sache nicht beheben können. Dabei<br />
spritzt der Arzt radioaktive Substanzen in<br />
die schmerzhaft geschwollenen Gelenke.<br />
So werden oberflächliche Zellen der erkrankten<br />
Gelenkschleimhaut abgetötet<br />
und die Entzündungen reduziert, während<br />
die gesunden Zellen und der Knorpel<br />
unbeeinträchtigt bleiben. Auch Schmerzen<br />
durch Knochenmetastasen lassen sich<br />
<strong>mit</strong> einer ambulanten Strahlentherapie<br />
behandeln.<br />
TUT NICHT WEH:<br />
Die Untersuchung<br />
gibt<br />
Auskunft über<br />
die Funktion<br />
der Schilddrüse<br />
der Harnabfluss gestört ist. Auch von<br />
Lunge, Magen-Darm-Trakt oder Leber<br />
macht sich die „Szinti“ ein Bild,<br />
wenn auch seltener.<br />
Das Prinzip der Szintigraphie ist dasselbe<br />
wie bei der PET. Mithilfe von<br />
radioaktiven Substanzen macht der<br />
Arzt Stoffwechselvorgänge eines<br />
bestimmten Organs oder Gewebes<br />
sichtbar, um Abweichungen vom<br />
Normalen frühzeitig zu erkennen.<br />
Dazu bekommt man als Patient<br />
zunächst eine geringe Dosis einer<br />
schwach radioaktiven Substanz<br />
in eine Armvene gespritzt. Diese<br />
Substanz – sie wird als Radionuklid<br />
bezeichnet – sendet bei ihrem<br />
Zerfall Gammastrahlen aus. In der<br />
Regel wird Technetium 99m eingesetzt,<br />
das eine kurze physikalische<br />
Halbwertszeit aufweist und überdies<br />
schnell über die Nieren ausgeschieden<br />
wird. Die effektive Halbwertszeit,<br />
also die Zeit, in der die Strahlung<br />
im Körper um die Hälfte abnimmt,<br />
beträgt typischerweise deshalb nur<br />
zwei bis drei Stunden. Das heißt, bereits<br />
am Abend der Untersuchung<br />
Schilddrüsenszintigraphie:<br />
Darstellung der<br />
Schilddrüsenfunktion<br />
Die häufigste Behandlungsmethode in<br />
der Nuklearmedizin ist die Radiojodtherapie<br />
bei einer Schilddrüsenüberfunktion<br />
oder bei bösartigen Tumoren in der Schilddrüse.<br />
Prof. Schäfers: „Dieses spezielle<br />
Verfahren nutzt die Tatsache, dass sich die<br />
Schilddrüse Jod aus dem Blut fischt, um<br />
daraus ihre Hormone herzustellen. Bietet<br />
man der Drüse radioaktives Jod an, baut<br />
sie dieses ebenfalls in ihr Gewebe ein.“<br />
So lassen sich Überfunktionszellen oder<br />
Tumorzellen gezielt zerstören, während<br />
das gesunde Gewebe geschont wird. Der<br />
Vorteil für den Patienten: Er braucht le-<br />
16
ist die verabreichte Strahlung schon<br />
wieder abgeklungen.<br />
Je nach Organ, das untersucht werden<br />
soll, wird dieses Tc-99m an bestimmte<br />
Moleküle gekoppelt, die in dem entsprechenden<br />
Organ verstoffwechselt,<br />
gebunden oder zumindest aufgenommen<br />
werden. Diese Substanzen<br />
verteilen sich im Körper und reichern<br />
sich in einem bestimmten Gewebe<br />
an, während die angehängten Radionuklide<br />
ihre Gammastrahlung aussenden.<br />
Die freigesetzte Strahlung<br />
wird <strong>mit</strong>hilfe einer leistungsstarken<br />
Kamera – der sogenannten Gammakamera<br />
– erfasst. Ein Computer bereitet<br />
die Daten elektronisch auf und<br />
wandelt sie in ein Bild um. Dieses Szintigramm<br />
erlaubt dem Arzt nun eine<br />
exakte Beurteilung der untersuchten<br />
Funktion des abgebildeten Organs.<br />
In vielen Fällen – etwa bei der Schilddrüsenszintigraphie<br />
– dauert es nach<br />
Homogene Darstellung<br />
der Schilddrüse: Ein Überfunktionsknoten<br />
wird sichtbar<br />
der Spritze nur einige Minuten, bis<br />
die radioaktiven Signale genügend<br />
aussagekräftig sind, sodass sie von<br />
der Gammakamera aufgezeichnet<br />
werden können. Die Untersuchung<br />
selbst findet im Sitzen statt und dauert<br />
dann etwa fünf Minuten. Manchmal<br />
ist auch eine längere Wartezeit nötig,<br />
da<strong>mit</strong> sich die Substanz lange genug<br />
anreichern kann. Das gilt etwa für die<br />
Skelettuntersuchung. Dabei wird das<br />
Szintigramm zwei bis drei Stunden<br />
nach der Spritze im Liegen durchgeführt.<br />
Die Untersuchung dauert etwa<br />
eine halbe Stunde. Danach erfolgt am<br />
Computer die Auswertung.<br />
Wichtig zu wissen: Die Anwendung<br />
von Strahlung oder von Radionukliden<br />
in der <strong>Medizin</strong> ist gesetzlich streng reguliert.<br />
Ärzte dürfen eine Strahlenbehandlung<br />
verantwortlich durchführen,<br />
wenn sie eine fünfjährige Weiterbildung<br />
zum Facharzt für Strahlentherapie<br />
oder Nuklearmedizin absolviert<br />
haben. Außer dem medizinischen und<br />
physikalischen Fachwissen und dem<br />
praktischen Training gehört auch der<br />
Strahlenschutz zu dieser Ausbildung.<br />
Nur derart geschulte Experten dürfen<br />
darüber befinden, ob eine rechtfertigende<br />
Indikation vorliegt: Das heißt,<br />
dass der gesundheitliche Nutzen für<br />
den Patienten größer ist als das Strahlenrisiko.<br />
Der Arzt trägt auch die Verantwortung,<br />
dass die Untersuchungen<br />
nach dem Stand der Technik durchgeführt<br />
werden. Vorschriften sorgen<br />
dafür, dass strahlende Partikel nicht<br />
in die Umwelt gelangen.<br />
diglich eine Jodkapsel zu schlucken und erspart sich dank<br />
Strahlentherapie die Schilddrüsenoperation. Der Nachteil:<br />
Wegen der längeren Halbwertszeit der eingesetzten Radioaktivität<br />
dauert es etwas länger, bis sich die eingesetzte<br />
Substanz im Körper abgebaut hat. Diesen Zeitraum – in<br />
der Regel etwa zwei bis vier Tage – verbringt man auf einer<br />
Kontrollstation im Krankenhaus und darf wegen der Abstrahlung<br />
auch keinen Besuch empfangen. „Die Strahlenschutzverordnung<br />
schreibt vor, dass Therapien <strong>mit</strong> Radioiod<br />
stationär durchgeführt werden müssen“, so Schäfers. Was<br />
nicht bedeutet, dass die Patienten beeinträchtigt sind. Sie<br />
können lesen, <strong>Mai</strong>ls schreiben, sogar auf einem <strong>mit</strong>gebrachten<br />
Heimtrainer radeln. Quasi eine Art Stubenarrest – der<br />
Gesundheit zuliebe.<br />
Bernhard Hobelsberger
GEBURTSHÄUSER<br />
1. Lebhafte Nachbarschaft<br />
Mitten in der Düsseldorfer Altstadt, in der berühmt-berüchtigten Bolkerstraße, liegt das Geburtshaus<br />
des Dichters Heinrich Heine. Wer dort die bestens sortierte Buchhandlung inspiziert oder<br />
im Literaturcafé einer Lesung gelauscht hat, kann sich also gleich im Anschluss persönlich<br />
davon überzeugen, warum das Viertel den Beinamen „längste Theke der Welt“ trägt.<br />
Bolkerstraße 53, 40213 Düsseldorf, www.heinehaus.de<br />
2. DER NEULING<br />
Keine Frage: Die Geburtshäuser deutscher Persönlichkeiten ver<strong>mit</strong>teln ihren Besuchern einen<br />
besonderen Geist – jedes auf seine Weise. In dieser Reihe soll Wilhelm Conrad Röntgens Geburtshaus<br />
eine ganz eigene Rolle spielen. Als Ort der Erinnerung, Begegnung und Forschung soll<br />
es Röntgens einmaliges Schaffen ver<strong>mit</strong>teln und Laien wie Fachleuten neue Anstöße geben.<br />
Wir können es kaum erwarten, bis es nach der Restaurierung eröffnet wird.<br />
Gänsemarkt 1, 42897 Remscheid, www.roentgen-geburtshaus.de<br />
3. Spektakulärer Garten<br />
Natürlich ist das Beethoven-Haus in Bonn in vielerlei Hinsicht interessant, als da etwa<br />
wären ein Kammermusiksaal, ein Museum und eine Bühne für Musikvisualisierung. Aber<br />
auch der Innenhof hat es in sich: Dort stehen zahlreiche Büsten des<br />
berühmten Komponisten, die seit Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden sind.<br />
Bonngasse 18-26, 53111 Bonn, www.beethoven-haus-bonn.de<br />
4. Schönste Kindheitserinnerung<br />
Wer im Goethe-Haus in Frankfurt am <strong>Mai</strong>n das dritte<br />
Stockwerk erklimmt, wird <strong>mit</strong> einem besonderen Anblick<br />
belohnt: In einem der Eckzimmer steht Johann<br />
Wolfgang von Goethes Puppentheater, das der<br />
spätere Dichter als Vierjähriger geschenkt bekam. Die<br />
unteren Etagen erinnern an die sonstige<br />
Einrichtung des Elternhauses von Goethe, inklusive Geburtszimmer,<br />
Zimmer der Frau Rat und Bibliothek.<br />
Großer Hirschgraben 23–25, 60311 Frankfurt am <strong>Mai</strong>n,<br />
www.goethehaus-frankfurt.de<br />
5. Favorit chinesischer Touristen<br />
Dass chinesische Touristen das Schloss Neuschwanstein lieben, ist bekannt. Warum<br />
sie jedes Jahr zu Zehntausenden nach Trier pilgern, weniger. Dort besuchen sie<br />
das Geburtshaus von Karl Marx, schließlich fußt der Maoismus unter anderem auf<br />
dem Marxismus. Im Karl-Marx-Haus finden sie eine Ausstellung<br />
über Marx und eine Gartenanlage im französischen Stil.<br />
Brückenstraße 10, 54290 Trier, www.fes.de/karl-marx-haus<br />
Erste<br />
Düsseldorf<br />
Heine-Haus<br />
Wohnsitze11<br />
Noch werden Spenden gesammelt, aber bald ist<br />
es soweit. Wilhelm Conrad Röntgens Geburtshaus in Remscheid wird neu<br />
eröffnet. Während der Umbau noch läuft, hat „<strong>Medizin</strong> <strong>mit</strong> Durchblick” Kinderstuben<br />
anderer großer Persönlichkeiten erkundet – und stellt zehn weitere vor<br />
5<br />
1<br />
3<br />
2<br />
Bonn<br />
Beethoven-<br />
Haus<br />
Trier<br />
Karl-Marx-<br />
Haus<br />
Remscheid<br />
Röntgen-Haus<br />
4<br />
Frankfurt<br />
Goethe-Haus<br />
Überlingen<br />
Suso-Haus<br />
18
8 Eisenach<br />
Bach-Haus<br />
10<br />
Augsburg<br />
Brecht-Haus<br />
7<br />
Stralsund<br />
Scheele-Haus<br />
Lutherstadt Eisleben<br />
Luther-Haus<br />
9<br />
6<br />
Zwickau<br />
Schumann-<br />
Haus<br />
6. Kürzester Heimweg<br />
Im Scheele-Haus in der historischen Altstadt Stralsunds erinnert eine Gedenktafel an den<br />
1742 dort geborenen Apotheker und Chemiker Carl Wilhelm Scheele, der an der Entdeckung<br />
eines gewissen Elements namens Sauerstoff <strong>mit</strong>wirkte. Der Aufenthalt lohnt sich –<br />
schon wegen des im selben Gebäude befindlichen Romantikhotels. Für alle, die nicht<br />
ganz so lange bleiben wollen, gibt es eine Gaststätte.<br />
Fährstraße 23/24, 18439 Stralsund<br />
7. Architektonisch wertvoll<br />
1483 soll Martin Luther, der spätere Urheber der Reformation, in der Langen Gasse in<br />
Eisleben geboren worden sein. Heute heißt sie Lutherstraße, und an der Stelle des zerstörten<br />
Originalhauses steht ein bereits 1693 erbautes Museum zu Luthers Ehren, das Unesco-<br />
Welterbe ist. Der Umbau des Gebäudes 2007 gewann mehrere Architekturpreise.<br />
Lutherstraße 15, 06295 Lutherstadt Eisleben, www.martinluther.de<br />
8. Beste Show<br />
Das gibt’s nur einmal, gerade weil es jede Stunde wiederkommt: Im Bach-Haus in<br />
Eisenach findet tagsüber tatsächlich einmal pro Stunde ein etwa 20-minütiges Konzert<br />
auf Tasteninstrumenten statt – und das seit 1973. Dafür sei verziehen, dass der<br />
Komponist Johann Sebastian Bach 1685 entgegen einer später angebrachten Tafel<br />
eigentlich in einem anderen, heute nicht mehr existierenden Haus geboren wurde.<br />
Frauenplan 21, 99817 Eisenach, www.bachhaus.de<br />
9. Exotische Exponate<br />
Ein historischer Hammerflügel, eine<br />
Physharmonika, ein Tafelklavier und vieles<br />
mehr: Im Zwickauer Geburtshaus des Komponisten<br />
Robert Schumann zeigt eine eigene<br />
Schau ganz besondere Tasteninstrumente.<br />
Aber nicht nur deswegen lohnt ein Besuch: In Zwickau<br />
finden regelmäßig Veranstaltungen und Konzerte <strong>mit</strong> Schumann-<br />
Liedern statt. Hauptmarkt 5, 08056 Zwickau, www.schumannzwickau.de<br />
10. Ungewöhnlichste Nutzung<br />
Das Brecht-Haus im Augsburger Lechviertel ist nicht nur Geburtshaus des Dichters Bertolt Brecht, sondern<br />
fungierte auch als Feilenhauerei – ein <strong>mit</strong>tlerweile ausgestorbenes Handwerk. Heute, 117 Jahre nach Brechts Geburt,<br />
beheimatet das schlichte Gebäude ein Museum rund um das Leben und Schaffen Bertolt Brechts.<br />
Auf dem Rain 7, 86152 Augsburg<br />
11. Altehrwürdig<br />
Sage und schreibe 720 Jahre ist es her, dass im Suso-Haus in Überlingen am Bodensee ein gewisser<br />
Heinrich Seuse das Licht der Welt erblickte. Anschließend wirkte Seuse – manchmal auch<br />
von Suso oder von Berg genannt – so eindrucksvoll als Mystiker und Dominikaner, dass ihn<br />
die katholische Kirche bis heute als Seligen verehrt. Im Keller des Hauses befindet sich<br />
eine Sickerquelle, und auch der Garten der Stille ist frei zugänglich.<br />
Suso-Gasse 10, 88662 Überlingen, www.susohaus.de<br />
TRAGENDE SÄULEN<br />
Eine behutsame Sanierung im Sinne des Denkmalschutzes, eine lebendige Ausstellung<br />
rund um den Menschen und Forscher Wilhelm Conrad Röntgen, neue<br />
Tagungsräume für Radiologen: Es ist ein aufwendiges Konzept, das die Deutsche<br />
Röntgengesellschaft (DRG) bei Röntgens Geburtshaus umsetzt – und ohne die<br />
finanzielle Unterstützung vieler Freunde und Partner wäre der Kraftakt nicht möglich.<br />
Besonders helfen der DRG die Spenden ihrer Premium-Partner, des Arznei<strong>mit</strong>tel-<br />
Großhandels Beckelmann und des Kontrast<strong>mit</strong>telherstellers Bracco.<br />
www.roentgen-geburtshaus.de<br />
FOTOS: FREIES DEUTSCHES HOCHSTIFT/FRANKFURTER GOETHE-MUSEUM, FOTO: DAVID HALL,<br />
STADT ZWICKAU/KULTURAMT, STIFTUNG LUTHERGEDENKSTÄTTEN IN SACHSEN-ANHALT/<br />
FOTO: ANNE HASSELBACH, FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG/KARL-MARX-HAUS, ISTOCKPHOTO<br />
19
FORSCHUNG<br />
EIN GROSSES ZIEL<br />
Eine Studie soll er<strong>mit</strong>teln,<br />
wie Lebenswandel<br />
und Gesundheit<br />
zu sammenhängen<br />
Wie gesund ist<br />
Deutschland?<br />
FOTO: ISTOCKPHOTO<br />
Welche Risiken befördern Krankheiten?<br />
Wie kann man wirksam vorbeugen? Fragen wie<br />
diese soll die Nationale Kohorte beantworten,<br />
die bislang größte deutsche Gesundheitsstudie.<br />
Die Radiologie spielt dabei eine wichtige Rolle<br />
Couchpotatoes und Fitnessjunkies,<br />
Veganer und<br />
Fleischfans, Nichtraucher<br />
und Raucher, Teenager und<br />
Großmütter – sie alle werden<br />
derzeit sprichwörtlich auf Herz und Nieren<br />
geprüft. 200000 Menschen in Deutschland<br />
sind Teil der bisher umfassendsten Gesundheitsstudie<br />
in der Geschichte des Landes:<br />
der Nationalen Kohorte (NAKO).<br />
Ähnliche Studien gibt es bereits. Viele<br />
von ihnen haben einen klaren Fokus. In<br />
Dänemark etwa soll das Auftreten von<br />
Krebs in Zusammenhang <strong>mit</strong> Handynutzung<br />
er<strong>mit</strong>telt werden. Bei der Nationalen<br />
Kohorte dagegen geht es um die allgemeine<br />
Gesundheit der Deutschen.<br />
Die Idee: Die Teilnehmer werden zehn,<br />
20, teilweise 30 Jahre lang begleitet, untersucht<br />
und regelmäßig befragt. In dieser Zeit<br />
treten bei einigen Krankheiten auf. Mithilfe<br />
der medizinischen Daten und unter Einbezug<br />
des Lebenswandels wollen Epidemiologen<br />
herausfinden, welche Faktoren die<br />
Gesundheit beeinflussen.<br />
Würde man beispielsweise feststellen,<br />
dass alle Teilnehmer, die später Brustkrebs<br />
bekommen, schon Jahre zuvor bestimmte<br />
Biomarker aufwiesen, wäre das ein Indikator<br />
für die Krankheit. Das könnte bei der<br />
Früherkennung und der Therapie helfen.<br />
Im Laufe der Zeit soll so ein umfassendes<br />
Bild von Gesundheits risiken entstehen.<br />
Mit High-Tech-Geräten<br />
in den Körper blicken<br />
Der wesentliche Unterschied zu anderen<br />
Studien liegt in der wichtigen Rolle der<br />
Radiologie. „Es gibt in der NAKO viele Untersuchungen,<br />
aber unter die Haut schauen<br />
und Frühveränderungen an den Organen<br />
feststellen, Weichteilgewebe voneinander<br />
unterscheiden, analysieren und charakterisieren<br />
– das gelingt nur <strong>mit</strong> bildgebenden<br />
Verfahren“, sagt Prof. Fabian Bamberg, Leiter<br />
der MRT-Studie der Nationalen Kohorte.<br />
Etwa 30 000 Probanden erhalten zusätzlich<br />
zur Basis untersuchung eine Ganzkörper-Magnetresonanztomographie<br />
(MRT).<br />
Fünf Studienzentren in Deutschland verfügen<br />
über die entsprechenden Geräte. Weil<br />
dabei keine Strahlen eingesetzt werden<br />
müssen, ist es risikoarm. „Die Untersuchung<br />
dauert eine Stunde. Dabei können<br />
wir einzelne Organe nicht so ausführlich<br />
untersuchen, wie wir das in der Klinik<br />
bei bestimmten Beschwerden tun würden.<br />
Unsere Ganzkörper-MRT ist also<br />
kein Gesundheitscheck. Wir versuchen,<br />
Krankheiten besser zu verstehen und<br />
neue Risikomarker zu identifizieren“, erläutert<br />
Bamberg. „Aber wenn uns zufällig<br />
Befunde auffallen, etwa Tumoren, dann<br />
teilen wir das natürlich <strong>mit</strong> und stehen<br />
den Teilnehmern unterstützend zur Seite.“<br />
Ein Aspekt ist dem Studienleiter besonders<br />
wichtig: „Wir sind dankbar, dass wir<br />
Teil der Nationalen Kohorte sein können.<br />
So können wir nicht nur Krankheitsprozesse<br />
besser verstehen lernen, sondern auch<br />
den Wert von bildgebenden Verfahren<br />
untersuchen und zeigen, in welchen Fällen<br />
eine Ganzkörperuntersuchung helfen<br />
könnte, einen gewissen Überlebensvorteil<br />
für Patienten zu erreichen.“ Gerade für<br />
junge Wissenschaftler sei dieses Großprojekt<br />
eine einzigartige Chance.<br />
Die Bedeutung der Radiologie zeigt<br />
sich auch im Budget. 210 Millionen Euro<br />
fließen in die NAKO, 21 Millionen davon<br />
entfallen an den radiologischen Teil der<br />
Studie. „Das ist viel Geld und spiegelt die<br />
Überzeugung der verantwortlichen Geldgeber,<br />
da<strong>mit</strong> einen künftigen wissenschaftlichen<br />
Schwerpunkt in der Bundesrepublik<br />
zu schaffen“, so Bamberg. Finanziert<br />
wird das Großprojekt vom Bundesministerium<br />
für Bildung und Forschung,<br />
den 14 beteiligten Bundesländern und der<br />
Helmholtz-Gemeinschaft. Viele Förderer,<br />
ein Ziel: Krankheit und Gesundheit besser<br />
verstehen. <br />
Sabine Pusch<br />
20
Krebs<br />
RADIOONKOLOGIE<br />
Mit Strahlen<br />
HEILEN<br />
Neue Hoffnung für<br />
Krebspatienten: Die Behandlung<br />
von Tumoren wird dank der modernen<br />
Radiotherapie immer effektiver<br />
– wohl kaum eine Diagnose<br />
erschüttert Betroffene<br />
so sehr wie die einer bösartigen<br />
Tumorerkrankung.<br />
Doch der technische Fortschritt<br />
in der Strahlentherapie verbessert<br />
die Prognose vieler Patienten erheblich und<br />
kann sogar Leben retten. Denn die Weiterentwicklung<br />
bildgebender Verfahren wie<br />
der Computer- und Magnetresonanztomographie<br />
kam in der onkologischen Radiologie<br />
einer kleinen Revolution gleich. Sie<br />
ist heute eine tragende Säule in der Krebsmedizin,<br />
und die Zahlen sprechen eindeutig<br />
für ihre Wirksamkeit: Mittlerweile werden<br />
etwa 50 Prozent aller Patienten <strong>mit</strong> einem<br />
22
ALLE FÜR EINEN<br />
Die Behandlung<br />
von Krebspatienten<br />
wird<br />
von einem Team<br />
erfahrener Spezialisten<br />
besprochen<br />
und durchgeführt<br />
bösartigen Geschwulst geheilt – davon erhielten<br />
50 bis 60 Prozent Bestrahlungen.<br />
Die Radiotherapie macht es sich zunutze,<br />
dass Krebszellen auf energiereiche Strahlung<br />
empfindlicher reagieren als gesundes<br />
Gewebe. Sie verändert das Erbgut der<br />
Krebszellen, sodass sie sich nicht mehr<br />
teilen können und absterben.<br />
Die Vorteile der<br />
neuen Verfahren<br />
Im vergangenen Jahrzehnt gab es <strong>mit</strong> der<br />
Intensitätsmodulierten Strahlentherapie<br />
(IMRT) und der stereotaktischen Bestrahlung<br />
(siehe Kasten S. 24) zwei wesentliche<br />
Neuerungen in der Radiotherapie. Was hat<br />
sich dadurch konkret verändert? „Wir bewegen<br />
uns zunehmend hin zu höheren Einzeldosen<br />
pro Bestrahlung. Das ermög licht<br />
eine kürzere Behandlungsserie“, erklärt<br />
Prof. Dr. Frederik Wenz. Er ist Direktor der<br />
Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie<br />
am Universitätsklinikum Mannheim<br />
sowie Pressesprecher der Deutschen<br />
Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO).<br />
Das erleichtert beispielsweise Brustkrebspatientinnen<br />
<strong>mit</strong> einem langen Anfahrtsweg<br />
die Therapie erheblich. „Außerdem erhöht<br />
die intensivere Bestrahlung die Wirksamkeit<br />
der Behandlung“, so der Experte. Dank der<br />
modernen bildgebenden Verfahren und der<br />
Computer ist die Radiotherapie heute auch<br />
ein sehr viel präziseres und nebenwirkungsärmeres<br />
Verfahren als früher. Prof. Wenz:<br />
„Wir können eine Bestrahlung exakt auf<br />
die Regionen begrenzen, die vom Tumor<br />
befallen sind. Umliegendes Gewebe oder<br />
benachbarte Organe werden weitgehend<br />
geschont.“ Sonnenbrandähnliche Haubeschwerden,<br />
allgemeine Müdigkeit und Abgeschlagenheit<br />
sowie Kopfschmerzen treten<br />
deutlich seltener auf.<br />
Vielfältige<br />
Behandlungsoptionen<br />
Die Bestrahlung ist nur selten die alleinige<br />
Behandlungsmethode bei Krebs. „Meist<br />
bettet man sie in ein multimodales Behandlungskonzept<br />
ein. Das heißt, Radiotherapie<br />
wird beispielsweise <strong>mit</strong> einer Operation<br />
und Chemotherapie kombiniert“, sagt<br />
Frederik Wenz. Dabei bietet die Bestrahlung<br />
mehrere Einsatzmöglichkeiten bei<br />
den unterschiedlichen Tumorarten (siehe<br />
unten), und die Ärzte verfolgen <strong>mit</strong> ihr – je<br />
nach Diagnose – verschiedene Ziele: So soll<br />
eine kurative Strahlentherapie den Krebs<br />
heilen. Bei der sogenannten neoadjuvanten<br />
Radiotherapie bestrahlt man den Tumor<br />
vor einer OP, um ihn zu verkleinern. Das<br />
erleichtert dem Chirurgen anschließend die<br />
Arbeit. Schließt sich die Bestrahlung direkt<br />
an die Operation an, sprechen <strong>Medizin</strong>er<br />
von der adjuvanten Strahlentherapie. Sie<br />
tötet Krebszellen ab, die sich möglicherweise<br />
noch im Körper verstecken. Oft<br />
wird auch bei einem fortgeschrittenen,<br />
unheilbaren Krebsleiden bestrahlt. Diese<br />
palliative Behandlung lindert Schmerzen,<br />
verlängert das Leben der Patienten und<br />
verbessert ihre Lebensqualität.<br />
Wer profitiert?<br />
Bei welchen Krebsleiden die Strahlentherapie<br />
besonders erfolgreich eingesetzt wird,<br />
zeigen einige ausgewählte Beispiele:<br />
Mammakarzinom:<br />
verkürzte Therapiedauer<br />
Nach der brusterhaltenden Entfernung<br />
des Tumors senkt eine Bestrahlung die<br />
Rückfallquote im Operationsgebiet und<br />
in den angrenzenden Lymphknoten erheblich.<br />
„Eine kürzlich veröffentlichte Meta-<br />
Analyse bestätigt, dass sich dadurch die<br />
Überlebenschance der Patientinnen langfristig<br />
erhöht“, so Prof. Wenz. Er arbeitet<br />
am Universitätsklinikum Mannheim außerdem<br />
<strong>mit</strong> einer relativ neuen Methode,<br />
der Intraoperativen Radiotherapie (IORT).<br />
Dabei gibt man noch während des Eingriffs<br />
gleich nach der Tumorentfernung eine hohe<br />
Bestrahlungsdosis auf das Areal der Brust,<br />
das potenziell das höchste Rückfallrisiko<br />
trägt. Die internationale TARGIT-A-Studie<br />
zeigte <strong>mit</strong> einer Nachbeobachtungszeit von<br />
drei Jahren, dass dieses Verfahren ebenso<br />
wirksam ist wie eine äußerliche Bestrahlungsserie<br />
(fraktionierte, perkutane Radiotherapie)<br />
der gesamten Brust. Ob in<br />
Zukunft bei einem Teil der Patientinnen<br />
nur die IORT angewendet werden kann,<br />
muss allerdings erst noch eine längere Beobachtungsphase<br />
zeigen.<br />
Hirntumoren: bessere<br />
Behandlungsergebnisse<br />
Wenn sich das Geschwulst klar vom gesunden<br />
Gewebe abgrenzen lässt, können<br />
die Patienten von der zielgenauen, gewebeschonenden<br />
stereotaktischen Bestrahlung<br />
profitieren – entweder als Ergänzung zur<br />
Chirurgie oder bei inoperablen Tumoren<br />
auch anstelle einer OP. An der Berliner<br />
Charité verbesserten sich durch diese<br />
Methode die Behandlungsergebnisse bei<br />
bestimmten Hirntumoren deutlich. Auch<br />
die Kombination von Strahlentherapie und<br />
Medikamenten hat erste vielversprechende<br />
Erfolge gezeigt. Auf diesem Gebiet muss<br />
allerdings noch mehr geforscht werden.<br />
Lungen- und Magenkrebs:<br />
gezielte Therapie<br />
Es ist immer dann besonders schwer, <strong>mit</strong><br />
Strahlen zu behandeln, wenn die Tumoren<br />
beweglich sind. Das trifft beispielsweise<br />
auf Magen- und Lungenkrebs zu. Durch<br />
die Atmung kann sich die Lage der<br />
➞<br />
23
RADIOONKOLOGIE<br />
➞<br />
Geschwulste um mehrere Zentimeter<br />
verändern. Noch vor wenigen Jahren war<br />
es unmöglich, diese Bewegungen <strong>mit</strong> einzurechnen.<br />
Die Folge: Eine ausgedehnte<br />
Bestrahlung war unerlässlich, da<strong>mit</strong> der<br />
Tumor nicht verfehlt wurde. Dank 4D-<br />
Computertomographie kann sie heute auf<br />
eine Position fokussiert und immer dann<br />
ausgeschaltet werden, wenn der Tumor<br />
verrutscht. Alternativ besteht auch die<br />
Möglichkeit, die Bewegungen direkt in<br />
die Bestrahlungsplanung zu integrieren.<br />
An 16 deutschen und österreichischen<br />
Krebszentren erzielte man da<strong>mit</strong> sehr gute<br />
Behandlungserfolge: Bei kleinen Lungentumoren<br />
machte die Bestrahlung eine<br />
Operation überflüssig. Und Patienten, bei<br />
denen eine OP wegen Begleiterkrankungen<br />
unmöglich war, konnten geheilt werden.<br />
Enddarm-Krebs:<br />
mehr Tumorkontrolle<br />
Für zahlreiche Erkrankte <strong>mit</strong> Tumoren<br />
des Enddarms gilt heute die Kombination<br />
aus Bestrahlung und Chemotherapie als<br />
sinnvoll – entweder vor oder nach einer<br />
Operation. Eine Cochrane-Studienanalyse<br />
hat gezeigt, dass sich <strong>mit</strong> dieser Strategie<br />
der Tumor besser kontrollieren lässt. Die<br />
Radiotherapie ist außerdem eine wirksame<br />
Methode, um Knochenmetastasen<br />
eines Darm- oder Rektumkarzinoms zu<br />
behandeln. Sie lindert zum einen die oft<br />
starken Schmerzen, zum anderen kann sie<br />
die befallenen Stellen stabilisieren und so<br />
Brüchen vorbeugen.<br />
KREBSTHERAPIE ist<br />
heute ohne moderne<br />
Methoden der<br />
Bestrahlung nicht<br />
mehr denkbar<br />
Ganz gezielt gegen den Tumor<br />
Lymphdrüsenkrebs:<br />
in vielen Fällen heilbar<br />
In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa<br />
2000 Menschen an einem Hodgkin-<br />
Lymphom. Früher war es unheilbar. Heute<br />
überleben mehr als 90 Prozent der Patienten.<br />
„Die Behandlung besteht im Frühstadium<br />
aus einer lokalen Bestrahlung <strong>mit</strong><br />
vorhergehender Chemotherapie“, erklärt<br />
Prof. Wenz. Weil dabei gezielt sehr begrenzte<br />
Felder behandelt werden können,<br />
spricht man auch von der „involved field“-<br />
Radiotherapie.<br />
Kehlkopfkrebs: kein Stimmverlust<br />
Durch Bestrahlung lässt sich die Erkrankung<br />
in bestimmten Stadien heilen und eine<br />
operative Entfernung des Kehlkopfs vermeiden.<br />
Das hat für die Patienten zwei große<br />
Vorteile: Ihre Stimme bleibt im Wesentlichen<br />
erhalten, und eine künstliche Atemöffnung<br />
im Hals (Tracheostoma) ist überflüssig.<br />
Prostatakrebs:<br />
weniger Folgeschäden<br />
Diese Erkrankung ist heilbar. Die betroffenen<br />
Männer haben nach der Diagnose<br />
eine Lebenserwartung von 15 Jahren oder<br />
länger. Sie müssen allerdings <strong>mit</strong> den Folgen<br />
der Therapie leben. Eine amerikanische<br />
Studie <strong>mit</strong> mehr als 1600 Patienten zeigte,<br />
dass die Folgen einer Strahlenbehandlung<br />
geringer sind als die der Prostataentfernung.<br />
15 Jahre nach der Behandlung hatten<br />
in der Gruppe der Operierten doppelt so<br />
viele noch immer Probleme <strong>mit</strong> Inkontinenz<br />
wie in der Bestrahlungsgruppe.<br />
Schwarzer Hautkrebs:<br />
neuen Metastasen vorbeugen<br />
Melanome gehören zu den bösartigsten<br />
Krebsleiden überhaupt. Die DEGRO<br />
empfiehlt bei fortgeschrittener Erkrankung:<br />
„Haben sich schon Metastasen in<br />
den Lymphknoten gebildet, sollte nach<br />
der Operation eine Strahlentherapie zum<br />
Einsatz kommen. Denn sie reduziert das<br />
Risiko, dass erneut Lymphknoten vom Tumor<br />
befallen werden.“ Noch gehört das in<br />
Deutschland nicht zum Therapiestandard.<br />
Nach den Ergebnissen einer Studie australischer<br />
und niederländischer Wissenschaftler<br />
sollte das allerdings noch einmal überdacht<br />
werden, denn bei den bestrahlten Patienten<br />
sank der Anteil eines Krebsneubefalls der<br />
Lymphknoten innerhalb der folgenden drei<br />
Jahre von 31 auf 19 Prozent. Ellen Warstat<br />
KURZ ERKLÄRT<br />
Intensitätsmodulierte Strahlentherapie<br />
(IMRT): Dabei wird die<br />
Einstrahlrichtung fortwährend<br />
verändert. So laufen die Strahlen<br />
zwar permanent durch den<br />
Tumor, aber das getroffene<br />
gesunde Gewebe variiert und<br />
wird dadurch geschont. Auch die<br />
Strahlenintensität innerhalb des<br />
Tumors kann verändert werden.<br />
Die IMRT ist bei Prostatakrebs, Hirntumoren,<br />
Tumoren im Kopf-Hals-<br />
Bereich (Mund, Rachen, Hals),<br />
Tumoren des Verdauungstrakts<br />
und im Genitalbereich einsetzbar.<br />
Stereotaktische Bestrahlung: Bei<br />
dieser Behandlungsmethode<br />
treffen die Strahlen aus verschiedenen<br />
Winkeln punktgenau auf<br />
den Tumor. Das gesunde Gewebe<br />
bekommt nur wenig Strahlung<br />
ab, sodass der Tumor selbst <strong>mit</strong><br />
hohen Energiedosen behandelt<br />
werden kann. Dieses Verfahren<br />
ist hochpräzise und <strong>mit</strong> einem<br />
chirurgischen Eingriff vergleichbar.<br />
Die stereotaktische Bestrahlung ist<br />
für Hirntumoren, Tumoren im Kopf-<br />
Hals-Bereich sowie Tumoren und<br />
Metastasen in Lunge, Leber, Prostata<br />
und Wirbelsäule geeignet.<br />
FOTOS: DAN ZOUBEK<br />
24
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PORTRÄT<br />
LABORARBEIT<br />
IM 19. JAHRHUNDERT<br />
Die polnisch-französische<br />
Physikerin<br />
Marie Curie gewann<br />
als erste Frau der<br />
Geschichte zwei<br />
Nobelpreise<br />
MARIE<br />
die Große<br />
26
Erste Nobelpreisträgerin, Entdeckerin zweier<br />
Elemente und Pionierin der Röntgentechnik:<br />
Forscherin Marie Curie bereitete den Weg für<br />
eine neue Zeit – nicht nur in der Wissenschaft.<br />
Ihr Leben in sieben (unvollständigen) Etappen<br />
FOTOS: GETTY IMAGES/SCIENCE SOURCE<br />
1. Wie alles begann<br />
Mit großen Augen steht die vierjährige<br />
Mania vor einer Vitrine. Wozu sind bloß<br />
all die gläsernen Röhren, die Mineralien<br />
und die Waagen gut? – „Das ist eine Physikausrüstung“,<br />
erklärt Professor Wladislaw<br />
Sklodowski seiner Tochter Marie<br />
Salomee, genannt Mania. Auch Jahrzehnte<br />
später, als aus ihr längst die weltberühmte<br />
Madame Curie geworden ist, wird sie sich<br />
immer wieder an diesen Moment erinnern.<br />
Von klein auf also begeistert sich Marie,<br />
geboren 1867 in Warschau, für Naturwissenschaften.<br />
Ihr Vater, selbst Mathematiker<br />
und Physiker, fördert das Interesse. In ihrer<br />
Curie-Biographie beschreibt Autorin<br />
Barbara Golds<strong>mit</strong>h, wie der Vater seiner<br />
Mania auf Spaziergängen die Geheimnisse<br />
der Natur erklärt. Mit vier Jahren liest sie<br />
fehlerfrei aus Büchern, das Gymnasium<br />
schließt sie als Jahrgangsbeste ab. Um der<br />
älteren Schwester Bronia das Studium in<br />
Paris zu finanzieren, arbeitet Mania<br />
nach dem Abschluss als Hauslehrerin<br />
in der Provinz. Dann lässt<br />
sie sich von Bronia überreden<br />
und reist ebenfalls nach Paris.<br />
2. Bonjour Paris,<br />
bonjour Pierre!<br />
Vier Tage sitzt Mania im Zug<br />
von Warschau nach Paris. Im<br />
Gepäck hat sie außer Lebens<strong>mit</strong>teln<br />
und Kleidung auch ein<br />
Federbett – wer weiß schon, was<br />
so etwas in Frankreich kostet? Ihre<br />
Anmeldung an der Universität Sorbonne<br />
unterschreibt Mania <strong>mit</strong> der französischen<br />
Entsprechung ihres Namens: Marie. Fortan<br />
ist sie eine von nur 23 Studentinnen an<br />
der Hochschule. In ihrer Dachgeschosswohnung<br />
gefriert im Winter das Wasser<br />
in der Waschschüssel, so kalt ist es. Aber<br />
Marie liebt ihr neues Leben. Im Labor erforscht<br />
sie die magnetischen Eigenschaften<br />
verschiedener Stahlsorten, doch die<br />
Ausrüstung ist bescheiden. Da lernt sie<br />
über ihre Schwester einen gewissen Pierre<br />
Curie kennen, der sich in weiblicher Gesellschaft<br />
eher unwohl fühlt, Marie aber fachmännisch<br />
beim Einsatz eines Quadrantenelektrometers<br />
beraten kann. Marie, die den<br />
Männern nach einer enttäuschenden Affäre<br />
vorerst abgeschworen hat, ist entzückt.<br />
Es kommt, wie es kommen muss: Um ihre<br />
wissenschaftlichen Gespräche zu vertiefen,<br />
treffen sich Marie und Pierre bald auch<br />
nach Feierabend. Am 26. Juli 1895 wird<br />
geheiratet.<br />
FORSCHER-EHEPAAR CURIE<br />
Marie und Gatte Pierre bei einer<br />
Landpartie kurz nach der Hochzeit<br />
3. Was strahlt denn da?<br />
Zwei Jahre später bringt Marie ihre erste<br />
Tochter, Irène, zur Welt – <strong>mit</strong> zusammengebissenen<br />
Zähnen und ohne einen Schrei.<br />
In ihrem neuen Labor, einem gläsernen<br />
Raum im Erdgeschoss von Pierres Hochschule,<br />
der EPCI, untersucht sie sogenannte<br />
Becquerel-Strahlen. Nach der Entdeckung<br />
der X-Strahlen durch Wilhelm Conrad<br />
Röntgen war der Forscher Henri<br />
Becquerel bei Versuchen <strong>mit</strong><br />
Uransalzen auf weitere Strahlen<br />
gestoßen. Tag für Tag sitzt<br />
Marie vor einer <strong>mit</strong> Pierre<br />
entwickelten Apparatur und<br />
misst durch Becquerel-Strahlen<br />
generierte Ströme. Aufzustehen<br />
erlaubt sie sich nur,<br />
wenn ihr Rücken zu schmerzen<br />
beginnt. Nach Wochen stellt<br />
sie fest: Uran strahlt am stärksten.<br />
Doch bei der Untersuchung von Pechblende,<br />
einem uranhaltigen schwarzen<br />
Mineral, bemerkt sie Erstaunliches. Nach<br />
der Entfernung des Urans strahlt die Pechblende<br />
noch stärker als Uran. Marie ahnt:<br />
Es muss ein bisher unentdecktes Element<br />
geben. Später identifiziert sie sogar zwei:<br />
Radium und Polonium. Doch mindestens<br />
genauso revolutionär sind ihre vorangegangenen<br />
Erkenntnisse: Elemente lassen<br />
sich durch ihre Strahlenabgabe unterscheiden,<br />
welche wiederum eine atomare Eigenschaft<br />
ist. Für diese Eigenschaft führt Curie<br />
einen neuen Begriff ein: Radioaktivität.<br />
4. Ein Nobelpreis – aber für wen?<br />
Heute wissen wir, dass Radioaktivität eine<br />
Eigenschaft des Atomkerns ist, nicht des<br />
gesamten Atoms. Dennoch bleibt Curies<br />
Entdeckung wegweisend. Seit dem 5. Jahrhundert<br />
vor Christus dachten die Forscher,<br />
ein Atom sei „der kleinste Teil der Materie“.<br />
Curie startet ein neues Kapitel der<br />
Atomforschung. In Schweden sollte das<br />
einigen Herren noch Kopfschmerzen bereiten.<br />
Natürlich verdient die Entdeckung<br />
der Radioaktivität die Auszeichnung, meint<br />
fast das gesamte Nobelpreisko<strong>mit</strong>ee. Aber<br />
eine Nobelpreisträgerin? Das können sich<br />
einige nicht vorstellen. Sie haben deshalb<br />
kurzerhand Pierre Curie und Henri Becquerel<br />
nominiert. Doch zum Glück gibt es<br />
Magnus Gösta Mittag-Leffler. Mit Pierres<br />
Unterstützung sorgt der Mathematiker dafür,<br />
dass Marie nachrückt. Und tatsächlich:<br />
1903 gewinnen die Curies und Becquerel<br />
den Nobelpreis in Physik. Da<strong>mit</strong> ist Marie<br />
die erste Nobelpreisträgerin überhaupt.<br />
Bei der Verleihungszeremonie würdigt ein<br />
Redner Marie als Stütze für ihren Gatten.<br />
5. Wieder allein<br />
Der Nobelpreis beschert den Curies die<br />
lang ersehnte Anerkennung in der wissenschaftlichen<br />
Welt, die vielleicht noch mehr<br />
ersehnten finanziellen Mittel und einen ➞<br />
27
PORTRÄT<br />
Röntgen<br />
FOTO: DPA PICTURE-ALLIANCE / ©WHITEIMAGES/LEEMAGE<br />
AUSNAHME-<br />
ERSCHEINUNG Marie<br />
Curie 1911 auf einem Kongress<br />
<strong>mit</strong> anderen Physikern, unter<br />
ihnen Albert Einstein (2. v. r.)<br />
Ein Vorbild für Frauen weltweit<br />
➞<br />
überhaupt nicht ersehnten öffentlichen<br />
Rummel in Form neugieriger Passanten und<br />
Fotografen vor der Haustür. Mit Pierres<br />
Gesundheit geht es jedoch bergab. Eine<br />
durch das Radium ausgelöste Strahlenkrankheit<br />
zerfrisst seine Knochen. Nach<br />
einem Streit <strong>mit</strong> Marie erfasst ihn auf dem<br />
Weg zu einem Verlagsbüro ein Pferdefuhrwerk.<br />
Er stirbt <strong>mit</strong> 49 Jahren. Marie steht<br />
unter Schock, versucht, wie damals üblich,<br />
in Seancen Kontakt zu ihrem Pierre aufzunehmen<br />
– vergeblich. An der Sor bonne<br />
übernimmt sie seine Stelle, sozial zieht sie<br />
sich aber zurück. Schon früher hatte Marie<br />
unter depressiven Phasen gelitten, aber nun<br />
schlägt die Krankheit <strong>mit</strong> aller Wucht zu.<br />
Irène und ihre Schwester Ève leiden unter<br />
der Grabesstimmung daheim. Unterdessen<br />
entwickelt sich das Curie-Labor zur ersten<br />
Adresse für Radium für industrielle und<br />
medizinische Zwecke. 1911 erhält Marie<br />
ihren zweiten Nobelpreis. Diesmal in Chemie<br />
– für die Entdeckung des Poloniums.<br />
6. Pazifistin an der Front<br />
Drei Jahre später, 1914, bricht der Erste<br />
Weltkrieg aus, die deutsche Armee nähert<br />
sich Paris. In bleiumhüllten Röhrchen in<br />
einem Koffer bringt Marie Curie angeblich<br />
Frankreichs kompletten Vorrat an<br />
Radium bromid <strong>mit</strong> dem Zug nach Bordeaux.<br />
Als erklärte Kriegsgegnerin würde<br />
sie nie an der Produktion von Waffen <strong>mit</strong>wirken,<br />
dennoch setzt sie ihr Wissen für<br />
ihre Landsleute ein. So stattet sie Autos <strong>mit</strong><br />
Röntgengeräten aus, fährt da<strong>mit</strong> zu den<br />
Feldlazaretten und unterstützt <strong>mit</strong> Tochter<br />
Irène die Ärzte. Aber auch hier stößt<br />
sie auf Widerstände. Eine Frau, die Auto<br />
fährt, die den Militärärzten sagt, wo genau<br />
im Arm des Verwundeten sie die Patrone<br />
finden? Selbst am Abgrund tut sich die Welt<br />
schwer <strong>mit</strong> einer eigenständig denkenden<br />
Frau. Aber Marie setzt sich durch. Mit -<br />
hilfe der mobilen Röntgeneinheiten, die<br />
alle nur „Les Petites Curies“ nennen, werden<br />
während des Krieges mehr als eine<br />
Million Untersuchungen durchgeführt.<br />
7. Was bleibt<br />
Nach Rückkehr des Friedens in Europa<br />
konzentriert sich Marie Curie auf die<br />
Erforschung des Einsatzes von Radium in<br />
der <strong>Medizin</strong>. Unter anderem in der Behandlung<br />
von Brust-, Lungen- und Darmkrebs<br />
werden beachtliche Erfolge erzielt. Heute<br />
gelten Radiumtherapien als überholt. Curies<br />
Arbeit aber wirkt bis in die Gegenwart.<br />
Ganz die Mutter, entwickelt Irène eine Methode<br />
zur künstlichen Entwicklung von<br />
Radioaktivität und bereitet so der Energiegewinnung<br />
durch Atomkraftwerke den<br />
Weg. Dass Irène für diese Entdeckung den<br />
Nobelpreis erhält, erlebt Marie Curie nicht<br />
mehr. Sie stirbt am 4. Juli 1934 nach langer<br />
Krankheit an Leukämie, ausgelöst durch<br />
ihren Kontakt <strong>mit</strong> Radium. Bis heute gilt<br />
sie als eine der herausragenden Forscherinnen<br />
der Geschichte und als Vorbild<br />
für Frauen, die mancherorts noch immer<br />
für ihre Rechte streiten müssen. Einmal<br />
sagte sie: „Im Leben muss man vor nichts<br />
Angst haben. Man muss es nur begreifen.“<br />
<br />
David Mayer<br />
Lesetipp: Barbara Golds<strong>mit</strong>h:<br />
„Marie Curie – Die erste Frau der Wissenschaft“,<br />
Piper Verlag, 256 Seiten, 9,99 Euro<br />
28
RADIOLOGIE IN DER KUNST<br />
lüftet Kunstgeheimnisse<br />
RENOIRS WERK<br />
„Ein Paar im<br />
Grünen”<br />
(Les Fiancés),<br />
entstanden<br />
um 1868<br />
Gemälde sind nicht immer, was sie auf<br />
den ersten Blick zu sein scheinen. Röntgenstrahlen<br />
entlarven Fälschungen oder zeigen<br />
Erstaunliches unter der Oberfläche<br />
K<br />
unstgutachter nutzen Röntgenaufnahmen seit mehr als hundert<br />
Jahren für ihre Arbeit. Heute steht die Technik beinahe<br />
jedem Museum zur Verfügung. „Zum Glück“, findet Kuratorin<br />
und Restauratorin Caroline von Saint-George vom Wallraf-<br />
Museum in Köln. „Denn sie ist für uns ein wichtiges Hilfs<strong>mit</strong>tel, um<br />
Fälschungen zu erkennen. Zudem liefert sie viele Informationen.“<br />
Wird heutzutage jedes Kunstwerk prophylaktisch geröntgt?<br />
Nein, nur bei Auffälligkeiten und einer bestimmten Fragestellung. Der<br />
Aufwand wäre sonst zu groß, und teuer ist es auch.<br />
Sie haben entdeckt, dass hinter dem Gemälde „Ein Paar im Grünen“<br />
von Renoir noch etwas anderes steckt.<br />
Wir hatten einen vagen Verdacht. Bei<br />
bestimmten Lichtverhältnissen sah man<br />
Pinselstriche, die nicht zum Gemälde<br />
passten. Das hat uns stutzig gemacht.<br />
Was dann wirklich darunterlag, war<br />
eine Überraschung: Die Erstbemalung<br />
zeigt deutlich zwei Frauen, die sich gegenübersitzen.<br />
Die Arbeit war bereits weit<br />
fortgeschritten, aber noch nicht fertig.<br />
Das sieht man, weil die Augen noch nicht<br />
ausgearbeitet sind. Oft ist es schwer, die<br />
Röntgenbilder zu lesen, denn durch bestimmte<br />
Farben von damals wie quecksilberhaltiges<br />
Rot und bleihaltiges Weiß<br />
DAS RÖNTGEN-<br />
dringt die Röntgenstrahlung nur sehr,<br />
BILD offenbart<br />
sehr schwach. Im Bereich des Rocks der<br />
als Erstbemalung<br />
Frau und der Hände des Paares lässt sich<br />
die Darstellung<br />
nur spekulieren, ob im darunterliegenden<br />
zweier Frauen<br />
Bild ein Stuhl stand oder ob die Damen<br />
Handarbeit gemacht haben. Dafür können<br />
wir erkennen, dass das Oberteil der<br />
linken Frau weiß-grau und das der rechten orange-rot ist. Und dass die<br />
Malerei vollflächig <strong>mit</strong> zwei rotbraunen und grünen Trennschichten abgedeckt<br />
wurde, um einen neutralen Untergrund für die anschließende<br />
Darstellung des Paares zu schaffen.<br />
Was vermuten Sie als Grund für die versteckte Bildkomposition?<br />
Es gibt Ideen, aber genau wissen wir das nicht. Künstler hatten zu dieser<br />
Zeit wenig Geld, da sie nicht als Auftragskünstler gearbeitet haben und<br />
kein Einkommen hatten. Renoir teilte sich damals noch eine Werkstatt <strong>mit</strong><br />
Bazille und Monet. Die haben sich teilweise <strong>mit</strong> Leinwänden ausgeholfen.<br />
Es gibt auch ein Bild von Bazille, unter dem ein Renoir liegt.<br />
Welches Werk gefällt Ihnen besser?<br />
Ich hätte das Bild der zwei Frauen gern fertig gesehen, aber ich würde es<br />
nicht für das „Paar im Grünen“ eintauschen. Aline Scheuböck<br />
FOTO: WALLRAF-RICHARTZ-MUSEUM & FONDATION CORBOUD, ABTEILUNG FÜR KUNSTTECHNOLOGIE UND RESTAURIERUNG<br />
29
UMFRAGE<br />
Was war die letzte<br />
GUTE NACHRICHT,<br />
die Ihnen Ihr ARZT<br />
gesagt hat?<br />
„<br />
In eine Praxis geht keiner so<br />
richtig gern. Aber manchmal<br />
hebt der Arztbesuch die Stimmung<br />
– wie bei diesen Promis<br />
Patrick Lindner, 54, Sänger<br />
Einfach um mich besser zu fühlen, habe ich im vergangenen<br />
halben Jahr gute acht Kilo abgenommen. Und vielleicht hat<br />
diese Tatsache auch dazu beigetragen, dass mir beim letzten<br />
Check-up mein Arzt sagte: „Gesünder geht’s nicht.“<br />
Ingrid Steeger, 68, Schauspielerin<br />
Im letzten Jahr stand ich <strong>mit</strong> nur zwei Wochen Unterbrechung<br />
auf der Bühne. Als ich vom Arzt kam und der mir sagte, das<br />
Einzige, was man kontrollieren müsse, sei mein Blutdruck, der<br />
Rest sei prima und meine Werte und Konstitution entsprächen<br />
keinesfalls einer Frau von 68 – maximal Anfang 50. Da bin ich<br />
ihm wie ein kleiner Floh um den Hals gefallen.<br />
Harald Dietl, 82,<br />
„<br />
Schauspieler und Autor<br />
Auch ein altes Zirkuspferd wie ich kann <strong>mit</strong> Lungenentzündung<br />
nicht auf der Bühne stehen und spielen. Darum musste ich im<br />
letzten Jahr direkt von der Frankfurter Komödie ins Krankenhaus.<br />
Elf Tage! Dann die gute<br />
Nachricht: „Sie sind komplett<br />
gesund und können gleich wieder<br />
zurück und spielen.“<br />
„Gaby Dohm, 71,<br />
Schauspielerin<br />
Dass ich keine Osteoporose habe<br />
und meine Blutwerte in Ordnung<br />
sind. Wie man in Bayern zu sagen<br />
pflegt, ich bin „pumperlgesund“.<br />
Und das, obwohl ich überhaupt<br />
keinen Sport treibe, normal esse,<br />
allerdings viel und bestens schlafe.<br />
Ich lege mich um zehn Uhr abends<br />
ins Bett und wache am nächsten<br />
Morgen um acht Uhr auf!<br />
Henning Baum, 42,<br />
Schauspieler<br />
„Prost!“, meinte mein Arzt. Dann<br />
haben wir gemütlich eine Flasche<br />
Wein getrunken. Kein Witz, ist<br />
so! Ich komme aus einem Arzthaushalt,<br />
und die Ärzte kommen<br />
zu mir. Wenn ich etwas habe,<br />
helfen Haus<strong>mit</strong>tel, und ich mache<br />
es wie die Tiere: wegschlafen.<br />
INTERVIEWS: CELIA TREMPER, FOTOS: TERENCE TREMPER<br />
30
Bestens aufgeklärt im Wartezimmer<br />
Das <strong>Patientenmagazin</strong> der DRG<br />
<strong>Ausgabe</strong> 1 / <strong>Mai</strong> 2013<br />
<strong>Ausgabe</strong> 2 / November 2013<br />
<strong>Ausgabe</strong> 2 / November 2013<br />
Herausgegeben von der<br />
Deutschen Röntgengesellschaft<br />
Herausgegeben von der<br />
Deutschen Röntgengesellschaft e.V.<br />
Herausgegeben von der<br />
Deutschen Röntgengesellschaft<br />
<strong>Ausgabe</strong> 3 / <strong>Mai</strong> 2014<br />
Herausgegeben von der<br />
Deutschen Röntgengesellschaft<br />
<strong>Medizin</strong> <strong>mit</strong> Durchblick<br />
<strong>Medizin</strong> <strong>mit</strong> Durchblick<br />
Das Radiologie-Magazin für Patienten<br />
Das Radiologie-Magazin für Patienten<br />
Promi-Umfrage<br />
PIONIERE<br />
DER MEDIZIN<br />
Promi-Umfrage<br />
Wie war Ihr erster<br />
Arztbesuch?<br />
Wie war Ihr erster<br />
Arztbesuch?<br />
Wilhelm Conrad<br />
Röntgen begründet<br />
ein neues Zeitalter<br />
Forschung<br />
Forschung<br />
Was im Gehirn<br />
passiert, wenn<br />
wir träumen<br />
Was im Gehirn<br />
passiert, wenn<br />
wir träumen<br />
ANEURYSMA<br />
Wie Ärzte das<br />
Leben einer<br />
jungen Frau<br />
retten<br />
Früherkennung<br />
Früherkennung<br />
Wo Vorsorge<br />
möglich ist<br />
Wo Vorsorge<br />
möglich ist<br />
Ist Röntgen<br />
gefährlich?<br />
<strong>Ausgabe</strong> 3 / <strong>Mai</strong> 2014<br />
Herausgegeben von der<br />
Deutschen Röntgengesellschaft<br />
<strong>Medizin</strong> <strong>mit</strong> Durchblick<br />
Das Radiologie-Magazin für Patienten<br />
Nofretete<br />
Röntgenstrahlen<br />
enthüllen ihr<br />
Geheimnis<br />
Demenz<br />
Wann die<br />
„Krankheit des<br />
Vergessens”<br />
heilbar ist<br />
Das<br />
<strong>Ausgabe</strong> 4 / Dezember 2014<br />
Herausgegeben von der<br />
Deutschen Röntgengesellschaft<br />
Tote verraten<br />
ihre letzten<br />
Geheimnisse<br />
MYOME<br />
Experten<br />
erklären die<br />
wichtigsten<br />
Therapien<br />
Wolfgang Niedecken<br />
Leben<br />
<strong>Medizin</strong> <strong>mit</strong> Durchblick<br />
<strong>Medizin</strong> <strong>mit</strong> Durchblick<br />
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Das Radiologie-Magazin für Patienten<br />
Das Radiologie-Magazin für Patienten<br />
Das Radiologie-Magazin für Patienten<br />
Nofretete<br />
Röntgenstrahlen<br />
enthüllen ihr<br />
Geheimnis<br />
Demenz<br />
Wann die<br />
„Krankheit des<br />
Vergessens”<br />
heilbar ist<br />
Wolfgang Niedecken<br />
Das<br />
<strong>Ausgabe</strong> 4 / Dezember 2014<br />
Herausgegeben von der<br />
Deutschen Röntgengesellschaft<br />
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Das Radiologie-Magazin für Patienten<br />
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Therapien<br />
Promi-<br />
Umfrage<br />
RECHTS-<br />
MEDIZIN<br />
Schädel-<br />
Hirn-Trauma<br />
PROMI-UMFRAGE<br />
ANDREA SIXT<br />
Wie bleiben<br />
Sie in der Röhre<br />
entspannt?<br />
BRUSTKREBS<br />
Wissen gegen<br />
die Angst<br />
Diagnose<br />
Brustkrebs<br />
Knie der Nation<br />
Leben<br />
<strong>Ausgabe</strong> 5 / <strong>Mai</strong> <strong>2015</strong><br />
Herausgegeben von der<br />
Deutschen Röntgengesellschaft e.V.<br />
<strong>Medizin</strong> <strong>mit</strong> Durchblick<br />
Das Radiologie-Magazin für Patienten<br />
PROMI-UMFRAGE<br />
Welche gute Nachricht hat<br />
Ihnen Ihr Arzt<br />
kürzlich überbracht?<br />
KUNST<br />
Mit Röntgenbildern<br />
Geheimnisse lüften<br />
RADIOTHERAPIE<br />
Heilen <strong>mit</strong> Strahlen<br />
MARIE CURIE<br />
Ein Leben für<br />
die Forschung<br />
Gehirn in Gefahr<br />
Wie die Drehbuchautorin ihre<br />
Erkrankung überstand und<br />
warum dieser Einschnitt ihr Leben<br />
positiv veränderte<br />
Knie der Nation<br />
nach der Zugabe<br />
Nicht nur bei Profis wie Sami Khedira<br />
macht das Knie oft Probleme.<br />
Wie moderne <strong>Medizin</strong> helfen kann<br />
nach der Zugabe<br />
Was der Sänger bei seinem Schlaganfall<br />
empfand und wie Kölner Ärzte ihn retteten<br />
Schlaganfall<br />
Warum<br />
schnelles<br />
Handeln<br />
so wichtig ist<br />
Wer ist Ihr<br />
Lieblingsarzt?<br />
Interview<br />
Ist Radiologie<br />
zu teuer?<br />
Jedes Jahr erleiden 250 000 Deutsche einen Unfall, der eine<br />
Hirnverletzung zur Folge hat. Wie Ärzte helfen können<br />
Nicht nur bei Profis wie Sami Khedira<br />
macht das Knie oft Probleme.<br />
Wie moderne <strong>Medizin</strong> helfen kann<br />
Was der Sänger bei seinem Schlaganfall<br />
empfand und wie Kölner Ärzte ihn retteten<br />
Norwegens<br />
Kronprinzessin<br />
Mette-Marit<br />
musste sich einer<br />
OP an der<br />
Halswirbelsäule<br />
unterziehen<br />
Rückenprobleme<br />
NACH-<br />
GEFRAGT<br />
Gelenk-<br />
Verletzungen<br />
Promi-<br />
Umfrage<br />
RECHTS-<br />
MEDIZIN<br />
Schädel-<br />
Hirn-Trauma<br />
Gelenk-<br />
Verletzungen<br />
Wer ist Ihr<br />
Lieblingsarzt?<br />
Interview<br />
Ist Radiologie<br />
zu teuer?<br />
Endlich<br />
schmerzfrei!<br />
Schlaganfall<br />
Gehirn in Gefahr<br />
Warum<br />
schnelles<br />
Handeln<br />
so wichtig ist<br />
Mehr als 80 Prozent der Deutschen leiden unter dem<br />
Kreuz <strong>mit</strong> dem Kreuz: Welche Therapien wirklich helfen<br />
Jedes Jahr erleiden 250 000 Deutsche einen Unfall, der eine<br />
Hirnverletzung zur Folge hat. Wie Ärzte helfen können<br />
WILHELM<br />
CONRAD<br />
RÖNTGEN<br />
Faszinierende<br />
Einblicke in<br />
sein Leben<br />
WILHELM<br />
CONRAD<br />
RÖNTGEN<br />
Faszinierende<br />
Einblicke in<br />
sein Leben<br />
Das Magazin „<strong>Medizin</strong> <strong>mit</strong> Durchblick”,<br />
herausgegeben von der Deutschen<br />
Röntgengesellschaft, ist eine Zeitschrift für<br />
Ihre Praxis oder Klinik: Es bringt Patienten<br />
die Welt der Radiologie näher und verkürzt<br />
gleichzeitig die Zeit im Wartezimmer!<br />
„<strong>Medizin</strong> <strong>mit</strong> Durchblick” ist eine<br />
Weiterentwicklung der gleichnamigen<br />
Informationsinitiative aus dem<br />
Jahr 2011, wird von professionellen<br />
Journalisten erstellt und erscheint<br />
zwei Mal jährlich (Frühling/Herbst).<br />
Bestellen Sie das Heft für Ihr Wartezimmer bequem online unter www.drg.de
Dank schneller Erstdiagnose<br />
gleich zum richtigen Krankenhaus.<br />
Hubschrauber der DRF Luftrettung sind jetzt <strong>mit</strong> Vscan ausgestattet. Diese<br />
Ultraschall-Lösung von GE unterstützt Einsatzkräfte dabei, schnell zu entscheiden,<br />
wohin man fliegen sollte, um die bestmögliche Behandlung auf den Weg zu bringen.<br />
Imagination at work<br />
ge.com/de